Genau rechtzeitig die Praxis erweitert

Beerfelden. Während anderswo Hausärzte Mangel sind, ist Beerfelden gut versorgt. Wo früher der Schlecker-Markt in der Mümlingtalstraße 11 residierte, ist seit kurzem die hausärztliche Gemeinschaftspraxis Oberzent zu finden. Die Fachärztin für Innere Medizin Petra Wohland und ihr Mann David, Facharzt für Allgemeinmedizin sowie für Orthopädie und Unfallchirurgie, praktizieren dort mit Unterstützung der beiden Allgemeinmediziner Kyriaki und Theo F. Wißmüller.

Der Platzmangel in der alten Praxis ihrer Eltern im Krähberger Weg bewog die Wohlands, von 100 auf 250 Quadratmeter aufzustocken und bei Lothar Volk in Miete zu gehen. Die Wißmüllers hatten um die Jahrtausendwende die frühere Arztpraxis von Raimund Keysser, einer Beerfeldener Institution, übernommen – und der wiederum von den Vorfahren, sodass es inzwischen eine mehr als 100-jährige Geschichte gibt. 2019/2020 stieg die junge Generation mit ein und machte sich an die Planungen für die Erweiterung.

„Die Corona-Richtlinien waren dort kaum umzusetzen“, erinnert sich Petra Wohland an die frühere drangvolle Enge. „Die Patienten stand oft bis auf die Straße hinaus“, was auch der offenen Sprechstunde ohne Termin geschuldet war. Die wurde abgeschafft zugunsten der Terminvergabe –außer natürlich bei Notfällen, die werden sofort behandelt. Außerdem war im Krähberger Weg keine adäquate Lüftung aller Behandlungsräume möglich.  

Die Vorbereitungen für die neuen Räumlichkeiten starteten bereits vor einem Jahr, der Umbau begann im Mai. „Das war sehr viel Arbeit“, berichtet David Wohland. Denn das Arztpaar entwarf und gestaltete den Grundriss selbst. Damit lassen sich Arbeit und Arbeitsweise „so gestalten, wie wir es möchten“. Der Grundriss wurde rund um die Abläufe geplant und richtet sich nach diesen aus – nicht umgekehrt.

Mehr Räume eröffnen auch mehr Möglichkeiten: Ein Zimmer ist nur für Ultraschall vorgesehen. „Das gab es vorher nicht“, erläutert die Ärztin. Dazu kommt das geplante Angebot der Echo-Kardiografie. Ein weiterer Raum ist für den Chirurgie-Bereich gedacht, wirft ihr Mann einen Blick in die Zukunft. Es kommen noch drei Behandlungszimmer und ein Labor plus interne Räumlichkeiten hinzu.

Das komplette Hausarzt-Spektrum wird von der Praxis abgedeckt, dazu Orthopädie und Innere Medizin. Die Eltern Wißmüller sind halbtags noch dabei. Seit in Hirschhorn die Hausarzt-Praxis von Dr. Freund schloss, sind von dort viele Patienten hinzugekommen, bemerkten die Mediziner. „Wir haben gerade rechtzeitig erweitert“, schmunzelt David Wohland.

Neben den vier Ärzten sind sechs Sprechstundenhilfen im stabilen und soliden Team tätig. Mit dem Umbau „ist es ein schönes Arbeiten“, erklärt die Ärztin. Alles gestaltet sich etwas entzerrt. Ihr Credo: Die professionell abgelieferte Arbeit soll auch optisch zur Praxis passen. Das Ehepaar freut sich daneben, sich in den neuen Räumen mit seinen Vorstellungen verwirklichen zu können. „Wir haben viel Kreativität und viele Ideen reingesteckt“, ergänzt sie.

Die Patienten kommen – neben denen neuerdings vom Neckar – aus ganz Oberzent und außerdem von Mossautal, wo Theo Wißmüller seit vielen Jahren einmal in der Woche „traditionell“ eine Außensprechstunde anbietet. „Die wird sehr gut angenommen“, sagt seine Tochter. Er macht auch viele weitere Hausbesuche von Kailbach oder Schöllenbach bis nach Finkenbach oder Raubach.

Ohne Digitalisierung geht in Zukunft nichts mehr, erläutert David Wohland. Deshalb ist es praktisch, dass der Mediziner IT-affin ist und sich um alle Dinge selbst kümmert. Hausarzt auf dem Land? Das ist nicht nur Beruf, sondern auch Berufung, erklärt er. Ein gewisser Idealismus gehört dazu. Auch wenn das Ärzteteam aktuell mit der Situation zufrieden ist, würde es sich doch wünschen, dass der Beruf gerade auf dem Land mehr Unterstützung durch die Politik erfährt. Denn Nachwuchs ist schwer zu finden.

„Das Ländliche hat seinen Charme“, berichtet Wohland aus eigener Erfahrung. Das konnte er bei Hausbesuchen zusammen mit dem Schwiegervater aus erster Hand erfahren. Der direkte Kontakt mit den Menschen und die Dankbarkeit, die den Ärzten entgegengebracht wird, sind etwas ganz anderes als in der anonymen Großstadt. Der Beruf wird wertgeschätzt, ergänzt seine Frau.

Die offizielle Eröffnung der neuen Räume steht zwar noch aus, aber umgezogen ist die Praxis schon. Was danach an Geschenken und Glückwünschen von den Patienten kam, machte die Ärztin fast sprachlos. „Das hat uns in der Arbeit beflügelt und bestärkt“, sagt sie lächelnd.

Gedenken wieder in Corona-Zeiten

Beerfelden. Schon das zweite Mal fand unter Corona-Bedingungen rund um den Jahrestag der Reichspogromnacht das Gedenken an die deportierten und ermordeten Juden statt. Jugendliche aus der sechsten und zehnten Klasse der Oberzent-Schule machten sich auf, um in Beerfelden die Stolpersteine im Vorfeld des Gedenkgangs zu reinigen. Initiator ist der heutige Schulleiter Bernd Siefert, der sich bereits vor über zehn Jahren der Sache annahm.

Alle Schüler erhielten von ihm beim Gedenkgang eine Zusammenstellung von Zitaten, den Flyer zu Joseph Salomon, dem ersten KZ-Todesopfer im Erbacher Landkreis, und einen Flyer zur den Stolpersteinen. Als Lehrer der Oberzent-Schule „habe ich mich der Thematik angenommen“, so der Pädagoge. Ihm geht es nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger zu mahnen, sondern um die Erinnerung aufrecht zu erhalten „und uns unserer Verantwortung bewusst zu werden und zu stellen“.

Bereits 2009 wurde auf Antrag seiner Religionsklasse eine Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge in Beerfelden angebracht. Stolpersteine für die letzten 1942 aus Beerfelden deportierten Juden wurden 2012 mit Gunter Demnig verlegt – und 2016 einer für Herbert Creutzburg.

Dem ersten jüdischen Todesopfer aus dem Odenwaldkreis im KZ Dachau, Joseph Salomon aus Beerfelden, widmete Siefert eine ganze Unterrichtsreihe. Die jüdische Gemeinde in Beerfelden blickte 1938 auf eine 300-jährige Geschichte zurück. Bis zu 200 Mitbürger waren es 1861. An der ehemaligen Synagoge befindet sich heute das „S‘Lagger“.

„Jeder Mensch ist von Gott geschaffen“, hob Pfarrer Roland Bahre in der Martinskirche hervor. „Du bist gut, so wie du bist“, betonte er. Jeder Mensch ist aufgefordert, diese Erkenntnis in die Welt zu tragen. Gabriele Maurer von der katholischen Kirchengemeinde sprach ein Friedensgebet und zündete Kerzen an.

Die beiden Schüler der zehnten Klasse, Matilda Qafa und Olivia Moldovan, erzählten: „Es war ein schönes Erlebnis, die ehemalige Synagoge, die katholische sowie die Evangelische Kirche gemeinsam zu besuchen.“ Ein Gemeinschaftsgefühl war beim Friedensgebet zu spüren, sagten sie. Dieser Event gewinnt jedes Jahr an Bedeutung und ist ihrer Meinung nach „immer wieder eine schöne Erfahrung für alle Schüler“.

Bernd Siefert ließ Max Heilmann zu Wort kommen, den Urenkel von Georg Wilhelm Heilmann aus Hetzbach. „Auch damals gab es Widerstand im Odenwald“, berichtete der Nachfahre. Der Urgroßvater, ein Steinbruchbesitzer, hatte den Auftrag zur Sprengung der Synagoge in Beerfelden am 9. November 1938 erhalten, weigerte sich aber, dies zu tun.

Georg Wilhelm Heilmann wurde daraufhin für mehrere Monate in Schutzhaft genommen. Der 1904 geborene wurde außerdem schon im September 1939 zum Kriegsdienst eingezogen, was für sein Alter ungewöhnlich war. „In einer Zeit, in der Mord und Folter an der Tagesordnung waren, ist es mutig gewesen, dass man sich dagegen stellt“, betonte der Urenkel.

Bürgermeister Christian Kehrer beleuchte beim Gedenkrundgang die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Beerfelden bis 1940/42. Ihre Entstehung geht ins 17. Jahrhundert zurück. Um 1925 bestand sie aus 33 Familien (106 Personen). Nach 1933 zog ein Teil auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weg oder wanderte aus. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört, 1942 laut Kehrer die letzten zwölf jüdischen Einwohner in Vernichtungslager deportiert. Der Bürgermeister dankte der Oberzent-Schule dafür, sich jedes Jahr um die Stolpersteine zu kümmern und das Gedenken zu pflegen.

Siefert hatte im Vorfeld eine Sammlung von Infomaterialien zusammengestellt, die begleitend im Unterricht besprochen werden konnte. Unter anderem findet sich darin auch ein Zitat aus dem Buch von Dirk Strohmenger, „Nationalsozialismus im Erbacher Landkreis“. Oder von Uri Kaufmann aus der Schrift „Die Beerfeldener Juden“. Das „Landesadressbuch für das Großherzogtum Hessen“ aus dem Jahre 1905 ergibt ein anschauliches Bild von der Präsenz jüdischer Geschäftsleute in Beerfelden, schreibt dieser.

Die Angriffe auf die Synagoge und die jüdischen Menschen kulminierten in der Zerstörung des Gotteshauses, heißt es bei Kaufmann weiter. In Beerfelden wurden am 24. März und am 27. September 1942 zwei Deportationen durchgeführt. Das Vermögen der übriggebliebenen Juden wurde eingezogen, ihre Wohnungen beschlagnahmt. Sie wurden aus den Häusern geholt und auf dem Metzkeil auf Lastwagen in aller Öffentlichkeit aufgeladen.

Kreis-Trio schließt sich digital zusammen

Rothenberg. Die interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) in Sachen Digitalisierung zwischen Oberzent, Michelstadt und Erbach kann anlaufen. Die Stadtverordnetenversammlung von Oberzent beschloss auf ihrer Sitzung in der Sporthalle den Abschluss einer entsprechenden Kooperationsvereinbarung, um das Onlinezugangsgesetz (OZG) gemeinsam auf den Weg zu bringen. Gleichzeitig wurde der Magistrat beauftragt, dafür Fördergelder zu beantragen.

Wie Bürgermeister Christian Kehrer verdeutlichte, stellen die neuen Herausforderungen bei der Digitalisierung der Verwaltungsdienstleistungen organisatorisch und IT-technisch für viele Kommunen eine Herausforderung dar. IKZ ermöglicht mit Blick auf knappe personelle Ressourcen, Personal gemeinsam einzusetzen und sozusagen „zu teilen“, erklärte er. Gleichzeitig gewährleisten der interkommunale Austausch und die Kooperation eine vergleichbar hohe Qualitätsentwicklung der beteiligten Städte.

Im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) lassen sich durch Kooperationen mit anderen Städten und Gemeinden deutliche Synergien erzielen, ergänzte der Rathauschef. Es muss nicht jede Gemeinde die gleichen Dinge separat vorhalten. Hintergrund der Beschlussvorlage ist seinen Worten zufolge die Verständigung der drei Bürgermeister, bei Digitalisierung- und OZG-Umsetzung zusammenzuarbeiten.

Es gibt mittlerweile einen Arbeitskreis aus verantwortlichen Hauptamtsleitungen und IT-Experten, die sich damit auseinandersetzen, informierte Kehrer. Es wurden zwei konkrete Projekte bereits angeschoben: die Einführung eines Dokumenten-Management-Systems (DMS) und der Einsatz von Digitalisierungsbeauftragten, die die Einführung des DMS und die Umsetzung des OZG konkret begleiten sowie hierfür verantwortlich sind.

Für die DMS-Einführung wurde bereits ein Projektantrag beim Land gestellt, sagte das Stadtoberhaupt. Eine Jury wird diesen begutachten und bewerten, kündigte er an. Das Ergebnis steht noch aus. Der Förderumfang bezieht auf Vorhaben mit mindestens 100.000 und maximal 2,5 Millionen Euro. Die Bewilligung erfolgt als nicht rückzahlbarer Zuschuss von 90 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten.

Digitalisierungsbeauftragte sollen die Umsetzung der digitalen Strategie in den Kommunen sowie Veränderungsprozesse in der Verwaltung in enger Zusammenarbeit mit den Fachverantwortlichen gestalten und begleiten, führte der Bürgermeister weiter aus. Denn die Gemeinden installieren in der Regel civento, eine Digitalisierungsplattform des kommunalen Gebietsrechenzentrums ekom21. Wo möglich, digitalisiert civento Verwaltungsprozesse und bietet Bürgern sowie Unternehmen Verwaltungsdienstleistungen online an.

In Michelstadt ist seit 2021 ein Digitalisierungsbeauftragter beschäftigt, so Kehrer. Von diesem werden derzeit unter anderem der interkommunale Arbeitskreis administrativ begleitet und der Projektantrag bearbeitet. Die Städte Oberzent und Erbach planen einen gemeinsamen Digitalisierungsbeauftragten, den sie sich arbeitszeitlich teilen, teilt er mit. Beide Digitalisierungsbeauftragten sollen sich regelmäßig austauschen sowie die Umsetzung strategisch planen und qualitativ ausrichten.

Das Land Hessen fördert die interkommunale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet und gewährt finanzielle Zuschüsse, erläuterte der Bürgermeister. Dafür soll nun ein entsprechender Antrag gestellt werden. Die Regelzuwendung für die Bildung eines dauerhaften entsprechenden Kooperationsverbundes von drei Kommunen beträgt 75 000 Euro.

Es ist davon auszugehen, hob er hervor, dass sich durch die enge regelmäßige Zusammenarbeit der Digitalisierungsbeauftragten und das „Teilen“ einer Fachkraft personelle Ressourcen mindestens in Höhe von 30 Prozent einsparen lassen. Damit lassen sich entsprechende Vorgaben erfüllen: unter anderem, dass mindestens 15 Prozent Kosten eingespart werden. In den jeweiligen Kommunen sind gleiche Aufgaben zu erledigen. Erfahrungen einer Kommune können von den beiden anderen kopiert und genutzt werden, nannte er als Vorteil.

Zudem ist laut Kehrer davon auszugehen, dass sich der erforderliche Schulungs- und Weiterbildungsbedarf um 15 bis 30 Prozent reduzieren wird. Im Haushaltsplan 2021 wurde bereits eine halbe Stelle für den Digitalisierungsbeauftragten vorgesehen, führte er aus. Im Stellenplan 2022 soll eine volle Stelle bei der Stadt Oberzent eingeplant werden. Die Personalkosten werden hälftig von der Stadt Erbach erstattet.

Das Feuerwerk zu den Senioren gebracht

Beerfelden. Viele Ahs und Ohs hallten über die Wiese, als zwischen der der Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl und der aktuell gesperrten Bundesstraße auf der Höhe ein sehenswertes elfminütiges Höhenfeuerwerk in den Himmel stieg. Die äußeren Rahmenbedingungen waren aber auch herrlich: eine klare kalte Nacht, der Mond oben als Sichel am Himmel, die Sterne funkelten, die Sensbacher Höhe war schemenhaft im Hintergrund zu erkennen. Zwischendrin loderte ein wärmendes Holzfeuer, dessen Ränder heiß begehrt werden.

Geschäftsführer Michael Vetter reagierte mit dem Event auf einen Wunsch der Bewohner. Denn die wollten mal gerne wieder ein schönes Feuerwerk erleben, wie sie es aus früheren Jahren von Pferdemarkt Beerfelden, Erbacher Wiesenmarkt oder Michelstädter Bienenmarkt kennen. Allerdings ist es schwierig, die Senioren dorthin zu bringen. „Deshalb bringen wir das Feuerwerk zu uns“, so Vetter. Hinter erleuchteten Fenster konnten die älteren Menschen die Darbietung verfolgen.

Bei Stefan Rosewick von artArtistica, der auch für die Veranstaltung am Pferdemarktmontag in Beerfelden zuständig ist, rannte er damit offene Türen ein. Der aktivierte gleich seine Profis, um in Windeseile etwas bieten zu können. Damit nicht nur die Bewohner der Seniorenresidenz, sondern alle Beerfeldener etwas davon haben, wurde die Veranstaltung in Form von 3G für die gesamte Bevölkerung geöffnet. Die Verpflegung in Form von Bratwurst, Kinderpunsch und Glühwein spendierte das Haus Henneböhl.

Normalerweise endet der Martinsumzug des städtischen Kindergartens im Außenbereich der Seniorenresidenz, erläuterte der Geschäftsführer. Da dieser bereits zum zweiten Mal nicht stattfinden konnte, wollte man – neben den Senioren – den Kindern und ihren Eltern einen schönen Ersatz bieten. Was vollauf gelang. Schon die Eingangsböller hatten es in sich, wie sie von den umliegenden Hängen zurückschallten.

Viele Raketen, Goldregen, Lichtblitze und eindrucksvolle Farben später war die Begeisterung bei der Bevölkerung groß, dabei gewesen zu sein dürfen. Schnell kam der Wunsch nach einer Wiederholung auf. Als der Spaß vorbei war, forderte die Kälte rasch ihr Recht. Schnell leerte sich das Gelände hinter dem Residenzpark und alle strebten nach Hause in die wärmenden vier Wände.

Zeitplan des Sporthallen-Umbaus ist sportlich

Unter-Sensbach. Die Sanierung der Sporthalle ist ein Dauerbrenner auf den Ortsbeiratssitzungen. Auch dieses Mal wieder zeigten die Bürger wieder großes Interesse daran, wie es mit dem kulturellen Zentrum des Sensbachtals weitergeht. Dass die Maßnahmen länger dauern als gedacht, ist schon längst kein Geheimnis mehr. Bürgermeister Christan Kehrer erläuterte den aktuellen Sachstand anhand von Bildern und erklärte, wo es hakt und in welchen Bereichen mit Verzögerungen zu rechnen ist.

Insgesamt ist jedoch ein deutlicher Fortschritt zu erkennen, nahm Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann von Kehrers Ausführungen mit. Allerdings gibt es aktuell ein Problem: In der Halle soll wie im Rothenberger Pendant eine nagelneue Deckenstrahler-Heizung installiert werden. Für die Heizungsrohre wurden jedoch die Querträger durchbohrt, was nicht hätte sein sollen. Und auch so an die ausführende Firma kommuniziert wurde. Es passierte aber doch.

Das hat nun zur Folge, dass die Träger mit Stützen abgesichert werden müssen. Dies wiederum bedingt, dass der neue Boden nicht reingelegt werden kann, weil dort die Stützen stehen. Die Stadt will die Sache nun über ihre Versicherung klären – aber der Zeitverzug ist da. In der Zwischenzeit „ist schon einiges passiert“, freut sich Kuhlmann. Die sanitären Anlagen wurden auf Vordermann gebracht, eine Innenwand wurde gezogen, die Vorbereitungen für die Prallschutzwände liefen. Einen „deutlichen Unterschied gegenüber früher“ macht er aus.

Allerdings ist die Hallenerneuerung nicht mehr im Zeitplan, bedauert der Ortsvorsteher. Ein genaues Ende der Baumaßnahmen lässt sich nicht absehen, nahm er aus den Informationen mit. Es kommt darauf an, wie die kommenden Ausschreibungen verlaufen werden und die benötigten Materialien verfügbar sind. Ob die projektierten Kosten von 950.000 Euro ausreichen werden, vermag Kuhlmann nicht einzuschätzen. Das kann im Moment niemand. Zumindest „ist Bewegung in der Sache“, betont er.

Der Kinderspielplatz in Ober-Sensbach soll an eine andere Stelle verlegt werden, informierte der Ortvorsteher. Denn die jetzige ist nicht optimal. Auch sind die Spielgeräte nicht mehr auf dem neusten Stand. Kommendes Jahr soll die Maßnahme anlaufen, teilt er auf der Sitzung mit. Angedacht ist die Nähe des (eingezäunten) Feuerlöschteichs. Westlich der Straße steht dort „eine schöne große Fläche“ zur Verfügung, die zur Straße hin abgezäunt wird.

Es tut sich noch mehr im oberen Ortsteil. Das nicht mehr genutzte Feuerwehrhaus soll verkauft werden, sagte Kuhlmann. Das Problem dabei: Die Fläche gehört nicht komplett der Stadt. Spätestens Ende 2022 soll allerdings eine Entscheidung fallen, wie weiter vorgegangen wird. In der Zwischenzeit kann der Verein Sensbachtal aktiv das Objekt kurzfristig als Lagerfläche nutzen.

Absagen muss der Ortsbeirat sein Mischwälder-Projekt, bedauerte Kuhlmann. Man wollte hier im Kleinen etwas für den Klimaschutz tun und unter dem Schlagwort „Klimastabile Mischwälder im Sensbachtal“ einen Betrag von etwa 1000 bis 1200 Euro für den Ankauf von bestimmten Bäumen zur Verfügung stellen: hochwertigere Gewächse, wie Edelkastanien, Kirschen oder Nussbäume, die in den Sensbachtaler Stadtteilen auf durch Käfer oder Sturm entstandenen Kalamitätsflächen gepflanzt werden.

„Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind Aspekte, deren Bedeutung in der letzten Zeit sehr stark zugenommen hat“, ergänzte Kuhlmann. Natürlich könne man mit dieser Aktion den Klimawandel nicht aufhalten, sagte er. Aber es geht ihm um eine Aktion mit Signalwirkung, der sich andere Oberzent-Ortsteile anschließen können.

Auch wenn die Stadt dem Projekt positiv gegenüber stand, gab es eine Absage für die Mittelverwendung. Denn das Projekt fällt nicht in die Zuständigkeit des Ortsbeirats, lautete die Auskunft. Auch wurde befürchtet, dass Mehrkosten fürs Stadtsäckel entstehen könnten. Das wäre aber nicht der Fall, versicherte Kuhlmann – die Aktion wurde kostenneutral für die geplante Stadtkasse geplant.

Nachdem es in den vergangenen Jahren eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Weihnachtsbäumen in den drei Teilorten gab, „sollen sie dieses Jahr schön sein“, versicherte Kuhlmann. Deshalb will sich der Ortsbeirat um „prachtvolle Exemplare“ kümmern.  Natürlich ohne Kosten für die Stadt. Potentielle Spender gibt es schon. In Hebstahl gesichert, in den anderen beiden Ortsteilen sind sie ebenfalls in Aussicht.

Sonderpreis für Corona-Feature

Hetzbach. Mit Corona kann man einen Preis gewinnen. Das hört sich widersprüchlich an. Aber Esther Wilka zeigt, wie es gehen kann. Die Hetzbacherin bewarb sich mit einem Feature zu diesem Thema bei einem Journalisten-Wettbewerb. Eigentlich sollte die Prämierung schon im vergangenen Jahr stattfinden, wurde aber auf dieses Jahr verlegt. Die 21-Jährige ist überglücklich, jetzt den Sonderpreis gewonnen zu haben.

Esther Wilka ist Studentin am Mediencampus Dieburg der HDA Darmstadt. Im Rahmen ihres Studiums (Sound and Music Production) machte sie ein Feature zum leidigen Thema, das die Menschen inzwischen schon seit März 2020 beschäftigt. Die 21-Jährige stellte dabei die Veranstaltungstechnik-Branche in den Mittelpunkt. „Eine Branche vor dem Aus?“, betitelte sie den Beitrag.

Sie interviewte dabei auch Achim Tischler vom Hüttenwerk Michelstadt. Denn dort kam der Studentin nach einem Praktikum kurz vor Ausbruch der Pandemie die Idee. So waren ihr die Probleme für die Branche schnell bewusst und sie konnte sich sehr gut einarbeiten. Der Beitrag wurde bei Radio Funkloch der HDA veröffentlicht, erzählt die 21-Jährige.

„Das bringt doch ganz schön viel Arbeit mit sich“, erläutert Esther. Von der Themenfindung und Konzeptentwicklung über alle Sprach- und Geräuschaufnahmen bis hin zum ersten Rohschnitt brauchte es viel Zeit. Durch das Projekt „konnte ich meine Erfahrungen rund um Audioaufnahmen und -Bearbeitung erheblich ausweiten“, freut sie sich.

Der Preis wurde von der evangelischen Journalistenschule Berlin und der Hörfunkschule Frankfurt verliehen. Zur Übergabe reiste die 21-Jährige für vier Tage nach Berlin. Die Jury überzeugte sie vor allem mit dem abwechslungsreichen Einsatz von O-Tönen und Atmosphäre.

„Ein packender Einstieg und insgesamt ein guter Einblick in eine Branche, deren Nöte den meisten gar nicht bewusst sind. Ich finde es toll, dass die Autorin mit Stilmitteln, Verfremdungen und Geräuschen spielt“, urteilte Jurorin Eva-Maria Lemke. „Ich habe mich sehr über den Preis und vor allem über das Feedback der Jury gefreut“, berichtet Esther. Da waren für sie gute Tipps und Tricks dabei, „die ich in Zukunft anwenden kann“.

Die Studentin spielt selbst Gitarre und Klavier. Sie hat ein Bandprojekt mit ihrem Vater Klaus und Sofia Glaser unter dem Namen „Sofia and the Double U‘s“. Außerdem ist sie auf den sechs Saiten bei der Odenwälder Hardrock-Band „Fools Crossing“ dabei. In diesem und dem vergangenen Sommer unterstützte sie Mike Müller vom Ceol-Studio Kortelshütte bei mehreren Streaming-Projekten der Konzertreihe „Ausklang“ der katholischen Kirchengemeinde Hirschhorn.

Die Hetzbacherin begleitete daneben als Produzentin für Ton, Technik und Sounddesign schon drei Hörweg-Projekte der HDA. Diese Kurzfeatures sind eine Kombination aus Sprachaufnahmen mit Infos zu Sehenswürdigkeiten, ergänzt um Sounddesign. Bei Rundgängen in den Gemeinden können sie Interessierte mit ihrem Smartphone über QR-Codes anhören.

Ob es sie später mal beruflich in den Bereich Radio verschlagen wird, kann die Studentin noch nicht sagen. „Aber dass mich Musik, Sound und alles drumherum begeistern, bin ich mir sicher.“ Derzeit absolviert die 21-Jährige ein mehrmonatiges Praktikum am Staatstheater Darmstadt im Bereich Ton. Hier ist sie bei aktuellen Oper-, Musical- und Operetten-Produktionen involviert.

Weitere Infos: https://radiofunkloch.h-da.de/2020/08/11/eine-branche-vor-dem-aus/

Immer offen für Investitionen

Finkenbach. Seit 85 Jahren gibt es die Firma Fenster Baum – und zu keiner Zeit gab es Stillstand. Von der Innovationsfreudigkeit des Betriebs überzeugte sich jetzt auch die Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, Susanne Haus, zusammen mit Kreishandwerksmeister Martin Schlingmann und Landrat Frank Matiaske. In den vergangenen Jahren wurde über eine Million Euro in den Odenwald-Standort investiert, erläuterte ihnen Steffen Baum. Aktuell sind 17 Mitarbeiter im Finkenbachtal tätig.

1936 von Heinrich Baum im Erdgeschoss des eigenen Hauses als Schreinerei mit Bestattungen gegründet, hätte sich dieser die weitere Entwicklung bestimmt auch nicht träumen lassen. Denn die Anfangsjahre waren für ihn schwer und entbehrungsreich. Zwischenzeitlich wurde er zum Arbeitsdienst nach Darmstadt/Griesheim eingezogen und war bis zum Kriegsende im Flugzugbau beschäftigt.

Deshalb begann der eigentliche Aufbau der jungen Firma nach dem Krieg. Es wurden Möbel, Türen, Fenster und Särge hergestellt. Der Kundenstamm befand überwiegend in der näheren Umgebung – heute liegt er in einem Umkreis von 150 Kilometern. Die Auslieferung und der Holzeinkauf erfolgten in den ersten Jahren per Fahrrad mit Transportkorb und anschließend mit einem Mofa, erläuterte der Enkel.

1964 begann Karl Baum, heutiger Mit-Geschäftsführer, eine Lehre als Schreiner bei einer Tischlerei in Hirschhorn und trat damit in die Fußstapfen seines Vaters. Mittlerweile wurden die Waren in einem Opel Rekord-Kombi mit Anhänger ausgeliefert. 1972 wurde als nächster Schritt ein Neubau unmittelbar neben dem alten Firmengebäude bezogen. So konnte man auch größere Maschinen anschaffen.

1978 wurde der erste Geselle Walter Löw eingestellt, „der auch heute noch bei uns beschäftigt ist“, freute sich Steffen Baum. Ebenfalls wurde der erste Mercedes-Transporter gekauft. Zwei Jahre später legte man einen ersten Grundstock für die Fertigung von Holzfenstern, indem die Firma in einen Vierseiten-Hobel- und Profilierautomaten investierte sowie eine kleine Filtersack-Absauganlage baute.

In den 80er Jahren ging es Schlag auf Schlag, erklärte der Mit-Geschäftsführer. Es wurde ein Werkstattbau unmittelbar an das bestehende Firmengebäude angebaut. 1987 kam eine weitere Fensterprofilierungsmaschine hinzu. 1988 begann Steffen Baum seine Ausbildung an der Fachschule für Holz und Elfenbeintechnik in Michelstadt, die er 1991 abschloss.

Nach der seiner Meisterprüfung 1997 „war der Fortbestand der Firma gesichert“, so Baum. 2001 wurde erneut investiert, dieses Mal in einen Spänebunker mit automatischer Briketierpresse. Seit 2004 ist die Firma Baum bei der Polizei auf der Errichterliste für mechanische Sicherungen eingetragen, sagte er. „Schon früh haben wir uns Gedanken über einbruchhemmende Fenster gemacht.“

Es ging unvermindert weiter: Die nächste Lagerhalle wurde angebaut. Ein moderner Maschinenpark ist selbstverständlich, um hochwärmedämmende Fenster herstellen zu können, erklärte der Geschäftsführer. Daher wurde 2008 in einen neuen Hobel- und Profilierautomaten investiert. Auch die zweite Sparte Bestattungen bediente man. 2009 wurden neue Räumlichkeiten im ehemaligen Schulhaus eingerichtet, um hier würdevolle Bestattungsberatungen durchführen zu können.

Im Bereich Aus- und Fortbildung zeigte sich die Firma Baum ebenfalls engagiert. Mittlerweile wurden über 20 Lehrlinge ausgebildet. 2012 kaufte der Betrieb drei leerstehende Lagerhallen mit etwa 1800 Quadratmetern überdachter Fläche und 7000 Quadratmeter Freigelände, „um mit Weitblick auf die stetige Weiterentwicklung der Holzfenstersysteme“ genug Platz zu haben.

Die Hallen wurden im Anschluss aufwändig saniert. Es dauerte sechs Jahre bis zur Genehmigung der Nutzungsänderung, was gleichzeitig inklusive vieler Gutachten eine erkleckliche Summe verschlang. Danach konnte die Fertigung von der Hainbrunner in die Wetterbergstraße verlagert werden. Es rückte eine neue CNC-Fensterfertigungsanlage in den Fokus. Von Oktober 2020 bis in diesen Mai drehte sich alles um deren Aufbau, Schulung und Inbetriebnahme.

Das Risiko und die Investition in das CNC-Bearbeitungszentrum „war die richtige Entscheidung“, bekräftigte Baum. Hierdurch wurden Fertigungsvielfalt und Produktpalette um einige Fenstersysteme erweitert, „was uns viel flexibler macht“. Aktuell muss man durch Verfügbarkeit und enorme Preissteigerungen beim Material „vorausschauend planen“, sagte er – was nicht immer einfach ist.

3000 Patienten können betreut werden

Beerfelden. Ein weiterer Schritt zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Oberzent ist vollzogen. Vor kurzem bezog bereits die Gemeinschaftspraxis Wohland/Wißmüller im Ortskern neue, größere Räume. Jetzt unterschrieben die Bernhard Wagner und Jan Bruun den Mietvertrag für die Arzt-Räumlichkeiten in der Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl. Die Praxisräume sollen zum 1. April 2022 bezogen werden. Sie werden mit einem Neubau in das bestehende Gebäude integriert.

Seit Januar 2020 arbeiten die beiden Allgemeinmediziner mit ihren Praxen in Oberzent und Erbach in einer sogenannten überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft zusammen. Das Team wurde zum 1. November mit einer weiteren Ärztin in Teilzeit und wird noch durch einen Arzt in Ausbildung verstärkt.

Bernhard Wagner startete mit seiner Hausarztpraxis im Juli 2018 im ehemaligen Breimer-Gebäude am Ortsausgang von Beerfelden. Seit einem Jahr bilden er und Dr. Bruun zusammen eine Praxisgemeinschaft, nachdem dieser mit seiner Familie aus Frankfurt in den Odenwaldkreis zog.

Die Ärzte und die Pflegestiftung Odenwald kamen zusammen, weil beide „etwas für die Region bewegen möchten“, erläuterte Geschäftsführer Michael Vetter. Die Motivation für den Bau liegt seinen Worten zufolge darin begründet, dass lange Zeit die Zukunft der hausärztlichen Versorgung in Oberzent nicht gesichert war und es vor allem keine geeigneten Räumlichkeiten gab. Eine stationäre Pflegeeinrichtung hat allerdings die ärztliche Versorgung für die Bewohner sicherzustellen, betonte eer.

Die Pflegestiftung entschied sich deshalb sehr frühzeitig für die Investition in ein Gebäude, um dort eine allgemeinzugängliche Hausärztliche Gemeinschaftspraxis unterzubringen. Es beherbergt auch Räumlichkeiten für die Mobile Pflege Oberzent an der Seniorenresidenz. Es wurden keine öffentliche Mittel eingesetzt, hob Vetter hervor.

Die Gemeinschaftspraxis ist ausgestattet mit vier Arztzimmern und vier Behandlungsräumen, großzügigen Wartezimmern sowie Anmeldebereich. Dazu kommen Räume für Labor, Sonographie, Personal, Lager sowie getrennte Toilettenbereiche für Personal und Patienten. Im Zentrum befindet sich ein Empfang mit drei offenen Arbeitsplätzen und zwei weiteren im Hintergrund.

Die Räumlichkeiten werden automatisiert belüftet, können mit Jalousien beschattet werden und sind klimatisiert. Die Arztpraxis wurde nach einem Hygienekonzept unter fachärztlicher Beratung geplant. Alle Räume verfügen über eine Akustikdecke und erfüllen damit den erforderlichen Schallschutz. Die Ausstattung auf einer Fläche von 380 Quadratmetern entspricht den modernsten Anforderungen.

Die hellen Räume haben große Fenster und verfügen über eine optimale Beleuchtung, die eine gute Atmosphäre für Arzt und Patient schafft. Es gibt zahlreiche Parkplätze direkt am überdachten und ebenerdigen Eingangsbereich. Die Zufahrt und der Eingang werden großzügig und barrierefrei sein. Die Wärmeerzeugung erfolgt über eine Holzpelletanlage. Das Gebäude hat zudem einen Vollwärmeschutz.

Das neue Gebäude wird im Außenbereich durch eine großzügige Bepflanzung umrahmt. Die Gemeinschaftspraxis kann unter Nutzung der vorhandenen Standortvorteile bis zu 3000 Patienten versorgen. Sie wird in den ersten beiden Jahren den beiden Ärzten mietfrei überlassen. Trotz der Corona-Pandemie werden die Baumaßnahmen mit Nachdruck vorangetrieben, so Vetter.

Mit Dudelsack auf Weihnachten eingestimmt

Beerfelden. Es ist derzeit etwas Besonderes, wenn ein Konzert noch stattfinden kann. Umso schöner war es somit für die Besucher, auf Einladung der Schottlandvereinigung des Odenwaldkreises an der „schottischen Weihnacht“ in der Martinskirche teilnehmen zu können. Die Band „Lagana“ war einigen sicherlich bereits bekannt von der schottischen Nacht im Erbacher Schlosshof vor ein paar Monaten, damals zu halbwegs „normalen Zeiten“.

Vorsitzender Rüdiger Holschuh freute sich, zur ersten Veranstaltung dieser Art im Kirchenschiff unter 2G-Bedingungen mehr als 100 Zuschauer begrüßen zu können. Das traditionelle „Burns Supper“ der Odenwald-Schotten wird wohl im Februar sehr schwer durchführbar sein, befürchtete er. Zum Gedenken an den Geburtstag des Nationaldichters Robert Burns (25. Januar 1759) wird dieser, wie es in Schottland üblich ist, mit Haggis, „Neeps and tatties“ dazu Whisky und Céilidh, gefeiert.

Als Holschuh die Band Lagana diesen Sommer im Schlosshof hörte, dachte er, „das wäre doch auch etwas für einen anderen Rahmen“. Gesagt, getan. In die Weihnachtszeit sollte etwas internationaler Musikglanz kommen. „Hoch im Norden, wo Stürme und eisige Wellen das Land über Jahrtausende formten, liegen die schottischen Highlands“, erfuhren die Gäste zu Beginn aus dem Off.

In dieser ganz eigenen Welt verschwimmen die Grenzen zwischen den Zeiten und bedeutet ein Steinkreis mehr als eine Ansammlung Findlinge. „Auch heute noch erzählt man sich die Geschichten von Schlachten und Helden, Schicksalen und verfeindeten Clans, verschmähter Liebe und unendlichem Stolz zum Klang des Dudelsacks“, hieß es.

„God save the Queen“ erklang zu Beginn von Bandleader Thomas Wandt auf dem Dudelsack von der Empore herab, ehe sich die Musiker dann zur Melodie von „Freude schöner Götterfunken“ im Altarraum versammelten. Weiter ging’s mit einer Mischung aus Weihnachts- und Liebesliedern sowie Eigenkompositionen, die manchmal allerdings auch nur am Rande etwas mit dem eigentlichen Veranstaltungstitel zu tun hatten.

So erklang unter anderem die amerikanische Version von „Oh little town of Bethlehem“. Das eigene „Your Love“, ein eher getragenes Stück, leitete über zu zwei Weihnachtslieder in Form von irischen Jigs, also fetzigen Tänzen. Mit „Love shine a light“ gewannen Katrina and the Waves 1997 den Eurovision Song Contest. Auch diesen Song gab’s in der Kirche zu hören, wie ebenfalls „Joy to the world“.

Ein irischer Klassiker ist der „Johnny Boy“, der von Sängerin Savieras schöner Stimme dominiert wurde. Thomas Wandt wiederum ließ sein Reibeisenorgan mit ihr im Duett bei „Fairytale of New York“ ertönen, im Original von den Pogues. Die Handys gehen hoch, als „You raise me up“ erklingt, das unter anderem Josh Groban in den letzten Jahren bekannt gemacht hat.

Als dann Saviera Bette Midlers „The Rose“, nur unterstützt von der akustischen Gitarre singt, wird es mucksmäuschenstill in der Kirche – der Applaus danach ist umso kräftiger. Dieses Stück zeigt eindrucksvoll, dass weniger manchmal mehr sein kann. Zum Schluss gibt’s dann so richtig Schottland pur als klassisches Klischee. Mit „Highland Cathedral“, der Hymne der Herzen, wie sie Wandt bezeichnet, bringt er die Kirche auf dem Dudelsack zum Klingen.

Loch Lomond von „Runrig“ huldigt einem der bekanntesten Seen des Landes und ist dementsprechend bekannt und beliebt. „Should auld acquaintance be forgot“ darf natürlich in der Weihnachtszeit nicht fehlen – ebenso wenig wie als Zugabe „Amazing Grace“ mit dem Dudelsack-Solo zum Schluss. Die Band traf den Geschmack des Publikums, wie sich unschwer am kräftigen Beifall feststellen ließ.  

Neben Warth und Saviera waren an diesem Abend auch Gitarrist Gerhard Barth und Keyboarder Norbert Schenk dabei. Sie überwanden (musikalische) Grenzen und wechselten in den Süden des Vereinigten Königreichs nach England wie auch über den Atlantik in die USA.

Schottland-Vereinigung:

Der Odenwaldkreis unterhält seit 1969 eine Partnerschaft in Schottland. Begonnen wurde diese dauernde Freundschaft mit der Grafschaft Stirlingshire. Durch politische Umstrukturierungen ging die Verbindung zur damaligen Central Region über. Falkirk Council als Nachfolger führt seit 1998 die sehr intensive Partnerschaft mit dem Odenwaldkreis weiter. Zur Unterstützung wurde auf beiden Seiten Partnerschaftsvereine gegründet. Auf der schottischen Seite ist es die Odenwald Association. Auf der deutschen Seite wurde im Januar 1978 die Schottland-Vereinigung gegründet.

Dem Ritter über die Schulter schauen

(Mitteilung der Neckartalschule Hirschhorn) „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“, dachten sich die Lehrerinnen und Kinder der zweiten Klassen, als sie sich auf den Weg durch ihren Schulort machten. Mit ihren Rucksäcken auf den Schultern spazierten die Jungen und Mädchen zunächst vom Schulhaus über die Schleusenbrücke und dann weiter durch das hübsche Städtchen am Neckar. Über Kopfsteinpflaster hinweg und munter plaudernd schlenderten die ZweitklässlerInnen durch Hirschhorn mit dem Ziel, gemeinsam mit ihren Klassenlehrerinnen das Langbein-Museum zu erkunden. Der Elternbeiratsvorsitzende der Neckartalschule hatte für die Kinder einen Museumsrundgang organisiert und nun konnte es zur Freude der Jungen und Mädchen losgehen.

Im Hirschhorner Museum angekommen, wurden die Kinder von einem edlen Ritter in roter Robe herzlich willkommen geheißen und hinein in die Ausstellungsräume geleitet. Hinter dem Ritter verbarg sich Hans-Jürgen Waibel, der die zweiten Klassen nacheinander durch die Räume führte und unglaublich viele interessante Details über die von Carl Langbein gesammelten Naturalien und Altertümer zu erzählen wusste. Es gab wahrlich einiges zu entdecken und manchmal wusste man kaum, wohin man seinen Blick zuerst wenden sollte – so vielseitig und abwechslungsreich waren die ausgestellten Stücke, die von Mineralien, Ritterrüstungen, Exponaten aus dem heimischen Karmeliterkloster bis hin zu zahlreichen Tierpräparaten reichten. Es würde den Rahmen dieses kleinen Artikels gewiss sprengen, wollte man alle dargebotenen Gegenstände nennen und erläutern.

So kamen die Kinder aus dem Staunen nicht heraus und fragten dem Herrn Ritter neugierig und gespannt Löcher in den Bauch, die sogleich gerne und detailreich beantwortet wurden.

Vermutlich hätten die Schulklassen den gesamten Vormittag im Museum verbringen können und sogar nach mehreren Stunden immer noch neue Dinge entdecken können. Entsprechend schwer trennten sich einige besonders interessierte Kinder von den ausgestellten Stücken im Museum und hätten am liebsten gleich noch einmal die gesamte Runde vorbei an den zahlreichen Fundstücken gedreht. Vielleicht ging es ihnen ja wie einst Carl Langbein, der auch in für andere womöglich bedeutungslos erscheinenden Kleinigkeiten etwas Schönes sah, das es zu würdigen, betrachten und genauer studieren galt.

Mit diesen vielen Eindrücken im Gepäck machten sich die Kinder nun wieder auf den Rückweg in die Schule, auf dem es nun einige Gegenstände links und rechts des Weges ganz besonders in Augenschein zu nehmen galt – waren sie schließlich zuvor während der Führung durch das Museum thematisiert worden und konnten nun in natura betrachtet werden.

Auf die Frage, wie es den Kindern im Museum gefallen habe, fiel die prompte Antwort höchst positiv aus. Viele waren beeindruckt von der Vielzahl an gezeigten Altertümern und zeigten sich sehr interessiert an den historischen Gegenständen.

Wir danken Herrn Waibel sehr herzlich für seine nette, freundliche Art und für seine kindgerechte Führung, durch die er den Mädchen und Jungen den Museumsbesuch äußerst schmackhaft machen konnte.

Straßenschäden auf den Zahn fühlen

Beerfelden. 270 kommunale Straßen gibt es in Oberzent. Zu sagen, eine ist schlechter als die andere, wäre sicher etwas übertrieben. Jedoch gibt es einen gewaltigen Sanierungsstau, der schon aus den Zeiten der vier Altgemeinden herrührt. Denn bereits vor der Fusion 2018 hatte man mangels Masse kaum noch Geld reingesteckt. Die Löcher und Unebenheiten wurden auf den 140 Kilometern immer mehr.

Jetzt will man sich zumindest mal einen Überblick verschaffen, wo die schlimmsten Schäden sind, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer dem Bauausschuss. Der Magistrat empfiehlt eine objektive auswertbare Straßenzustandsanalyse und fand dafür Zustimmung. Denn unter anderem aus den Ortsbeiräten kommt immer wieder laute Klage über die gemeindeeigenen Holperstrecken.

Dabei beschreitet man neue, digitale Wege. Die herkömmliche Beauftragung eines Ingenieurbüros zur Bestandsaufnahme würde mehrere hunderttausende Euro kosten, erläuterte der Rathauschef. Das soll alles eine Nummer günstiger geschehen. Wie Kehrer erklärte, besteht durch eine entsprechende Hardware- und Softwarelösung die Möglichkeit, Risse, Schlaglöcher und andere Straßenschäden zu erfassen.

Eine künstliche Intelligenz erkennt demnach die verschiedenen Schäden selbstständig, bewertet und kategorisiert diese in die jeweiligen Schadensklassen. Das Sammeln der Daten erfolgt dem Stadtoberhaupt zufolge über Fahrten der Bauhofmitarbeiter. Dabei wird ein modifiziertes Smartphone an der Windschutzscheibe eines Unimogs angebracht: Es macht automatisch alle vier Meter ein Bild der Straßenoberfläche und erfasst damit detailliert den Ist-Zustand der Straßen.

„Das ist eine der preisgünstigsten Möglichkeiten am Markt“, um alle 270 Straßen zu untersuchen, warb er. Danach laufen die Kosten auf: Das Bildmaterial und die GPS-Daten werden bei einem Dienstleister eingespielt, ausgewertet und über ein Geoinformationssystem abgebildet, so Kehrer. Die Nutzung eines solchen Systems stellt eine kostengünstige Möglichkeit dar, um den Ist-Zustand zu erfassen, warb er für dessen Einsatz.

Der Bürgermeister skizzierte drei unterschiedlich lange Laufzeiten für die Erfassung des Straßennetzes. Die günstigste ist die einjährige mit 21.000 Euro. Drei Jahre würden 47.000 Euro kosten, fünf Jahre 69.000. Auf Nachfrage machte Kehrer deutlich, dass innerhalb weniger Monate eine komplette Befahrung möglich ist und danach die Auswertung erfolgt. Somit müssten in einem halben Jahr die gewünschten Ergebnisse vorliegen.

Eine längere Laufzeit macht seinen Worten nach nur Sinn, wenn man die Straßen mehrfach in einem gewissen Abstand untersuchen möchte. Da ihr Zustand aber nicht besser wird, wird fürs Erste die einjährige Variante ausreichen, war der Tenor in der Runde. Mit einem Abstand von zwei bis drei Jahren könnte man immer noch eine erneute Beauftragung überlegen, regte Thomas Väth (Grüne) an. Und dann könnten auch mehr Anbieter mit den neuesten Technologien auf dem Markt sein.

„Wir brauchen händeringend einen Zustandsbericht“, forderte er, und zeigte sich vom vorgestellten System angetan. Ähnlich positiv äußerten sich auch Brigitte Heckmann (SPD) und Claus Weyrauch (ÜWO), der dringend schnelle Ergebnisse forderte. Walter Gerbig (CDU) konnte sich auch eine längere Laufzeit vorstellen, verschloss sich aber nicht dem einjährigen Test, sodass dieser einstimmig als Empfehlung an den Magistrat ging.

Kindergarten-Erweiterung verschiebt sich weiter

Beerfelden. Schlechte Nachrichten zur der Kita Abenteuerland hatte Bürgermeister Christian Kehrer auf der vergangenen Sitzung des Bauausschusses für dessen Mitglieder im Gepäck. 35 Firmen interessierten sich für das 1,6 Millionen Euro schwere Gebäudepaket, fünf Angebote kamen schließlich in der Verwaltung an. Die hatten es in sich. Denn abzüglich eines, das aufgrund Unvollständigkeit gleich rausflog, startete das günstigste bei 2,5 Millionen Euro.

Selbst eine mögliche Baupreissteigerung seit März rechtfertigt dem Rathauschef zufolge nicht diese krasse Überschreitung der Kalkulation. Denn der teuerste Bieter will schlappe 4,1 Millionen für den Quasi-Neubau für drei Gruppen, Nebenräume und großer Halle. Deshalb, so Kehrer, „kann keine Vergabe stattfinden“. Es muss ein Neustart erfolgen.

Die Fertigstellung des Projekts wird dadurch um einige Monate zurückgeworfen, meinte er. Eigentlich war die die Realisierung mehr oder weniger bis zum neuen Kindergartenjahr im August kommenden Jahres vorgesehen. Doch der September 2022 „wird nicht funktionieren“, bedauerte Kehrer. Durch die Verzögerung wegen der erneuten Ausschreibung rechnet er derzeit mit Januar 2023.

„Wir hoffen, dass in der Zwischenzeit weitere Angebote generiert werden können“, sagte der Bürgermeister. Aufgrund der längeren Laufzeit ist es eventuell möglich, dass so günstigere Preise entstehen, als wenn der Zeitplan ziemlich eng ist. Es ist allerdings sehr unbefriedigend, „dass wieder ein Jahr verloren geht“, meinte er. Denn in der Stadt „gibt es eine Riesenwarteliste“ von Eltern, die ihr Kind in die Kita schicken möchten.  

Die Verwaltung hat sich bereits um Alternativen bemüht, informierte Kehrer. Geprüft werden Container, was aber auch eine erkleckliche Summe kostet. Aktuell versucht man im Gespräch mit allen beteiligten Behörden, in der Oberzent-Schule Räumlichkeiten zu erhalten. „Wir wollen die Übergangszeit puffern“, erklärte das Stadtoberhaupt.

Allerdings sind seinen Worten zufolge für ein Gebäude ganz bestimmte Anforderungen notwendig, wenn dort ein Kindergartenbetrieb stattfinden soll, entgegnete er auf Nachfrage aus dem Plenum. Es kann nicht jeder beliebige Raum genommen werden. „Wir haben jede Menge Möglichkeiten geprüft“, versicherte er.

Auf den ersten Blick liest es sich gut, dass die Bahnhöfe Hetzbach, Schöllenbach und Kailbach im Modernisierungsprogramm „Barrierefreiheit im Fokus“ enthalten sind, erklärte der Bürgermeister. Auch wenn die Stadt davon erst über eine Mitteilung des grünen Landtagsabgeordneten Frank Diefenbach erfuhr und nicht von den Beteiligten direkt. Das sind neben der Deutschen Bahn auch das Land sowie die Verkehrsverbünde RMV und NVV, erläuterte er.

Auf Nachfrage erfuhr die Stadt: Für 580 Millionen Euro sollen 119 hessische Bahnhöfe barrierefrei gemacht werden. Dazu gehört die Anhebung der Bahnsteighöhe auf 76 Zentimeter, den kommenden Standard. Die jetzige auf der Odenwaldbahn, so das Stadtoberhaupt, liegt bei 55 Zentimetern. Die Kommunen sind laut Kehrer wohl finanziell nicht im Boot, die Maßnahme wird allein von der Bahn getragen.

Aufgrund der hohen Summe dauert das dann aber alles etwas länger. Der Zeithorizont liegt bei 2029, ergänzte der Bürgermeister. Wohlgemerkt aber nicht für den Umbau, sondern was Oberzent betrifft, nur für die Planung. Erst danach „wird man sich Gedanken über die Finanzierung machen“, erläuterte der Rathauschef. Die könnte über Bundesmittel geschehen. Und auch erst dann könnte eine Auskunft über einen genauen Zeitraum erfolgen.

Der Umbau des Hetzbacher Bahnhofs zum Kreuzungspunkt bleibt laut Kehrer davon unberührt. Hier läuft weiter eine Abschätzung des Kosten-Nutzen-Rechnungsfaktors. Wenn er realisiert wird, dann kommt auch die Barrierefreiheit. Die ist aber durch die jetzt eingesetzten Itinos nicht gegeben, da in sie auch mit 76 Zentimetern nach oben eingestiegen werden muss. Für Schöllenbach und Kailbach ist Abwarten angesagt. Vor kurzem wurden in Hetzbach lediglich die Bodenbeläge saniert.

Das Rathaus erstrahlt in neuer Pracht, freute sich der Bürgermeister. Mit Hilfe der Hessenkasse wurden die alten Fenster energetisch saniert. „Die waren wirklich fertig“, machte er deutlich. Da dann sowieso das Gerüst schon stand, entschied man sich auch gleich, das Gebäude zu streichen. Dies geschah in Abstimmung mit dem Denkmalamt, was auch die Farbe erklärt. Dazu kam noch der Schriftzug „Rathaus“, den es vorher nicht gab.

Rückblick des Langbein-Museum Hirschhorn

(Pressemitteilung des Vereins) Was für ein Jahr! Museum auf. Museum zu. Es war ein Hin und Her. Und dennoch hat sich trotz Corona im Langbein Museum in diesem Jahr viel getan. Und es gibt Pläne für noch viel mehr. Doch der Reihe nach:

Zunächst sah es Anfang 2021 ja nicht so aus, als könnte man im und mit dem Museum in diesem Jahr überhaupt etwas unternehmen. Corona hat viele Pläne zunichte gemacht. Doch dank des Improvisationstalents der ehrenamtlichen Mitarbeiter im Freundeskreis Langbein’sche Sammlung konnte doch Einiges umgesetzt werden.

Digitalisierung Archiv

Hinter den Kulissen wurde und wird derzeit viel geleistet. Der Vorstand Freundeskreis Langbein’sche Sammlung hat von Dr. Ulrich Spiegelberg ein großes Erbe übernommen: Ein volles Archiv mit historisch bedeutsamen Stücken, von Dokumenten der Hirschhorner Ritter bis hin zu kleinen Scherben aus Fundstücken auf dem Schloss ist alles dabei. Diese Dinge zu sichten, einer Provenienz zuzuordnen und ordnungsgemäß zu katalogisieren und zu archivieren, ist eine Aufgabe, die derzeit von sehr kundigen Mitarbeitern übernommen wird und für die Zukunft unerlässlich ist. Dank der Unterstützung des Ministeriums für Digitale Strategie und Entwicklung können wir das gleich mit der dringend erforderlichen Digitalisierung verbinden, die uns später die kurativen Arbeiten wesentlich erleichtern wird. Diese Arbeit schreitet inzwischen zügig voran, doch ist angesichts der Fülle ein Ende noch lange nicht in Sicht. Die wirklich sehr interessanten Schätze, die dabei zutage gefördert werden, sollen natürlich im Laufe der Zeit auch der Öffentlichkeit gezeigt werden. Darauf dürfen Sie sich freuen, es wird spannend!

Sonderausstellung Philibert de Graimberg

Vom Oktober bis kurz vor Weihnachten lief die Sonderausstellung mit Aquarellen von Philibert de Graimberg, der mit seinen Veduten das Hirschhorn zu Langbeins Zeiten abgebildet hat. Der Blick in die Vergangenheit war beeindruckend, belegten die Bilder doch auch viele der Geschichten, die mit Exponaten im Museum erzählt werden. Und aufgrund dieser Ausstellung wurden weitere Informationen über Gemälde des Museums „ausgegraben“ – auch ein Ergebnis der systematischen Archivierungsarbeit und auch des Mannheimer Kunsthistorikers Dr. Benno Lehmann. Es schlummern noch viele Geschichten im Museum und in den Archiven.

Museumsführungen für Groß und Klein

A propos Geschichten: Natürlich hat das Museum auch seine(n) Geschichtenerzähler, pardon, Museumsführer. Vor allem Jürgen Waibel, alias Freiherr von Breitenstein, hat in diesem Jahr etliche Gruppen durch das Museum geführt – und dabei jede Führung auf die Gäste maßgeschneidert. Der Dank: Begeisterung pur. Das gilt auch für die zwei Schulklassen, die mit ihren Lehrerinnen das Museum auf ihre Weise entdeckten. Als Führer wusste Jürgen Waibel die richtigen Fragen zu stellen und war schließlich selbst beeindruckt von Eifer und vom Interesse der kleinen Besucher. Man kann eben nicht früh genug anfangen.

Langbein-Grabmal saniert

Es jährte sich der Todestag Carl Langbeins in diesem Jahr zum 205. Mal und zu diesem Anlass wurde das Grabmal aufwendig restauriert und erstrahlt wieder in altem Glanz. Möglich wurde das durch die Unterstützung der Stadt Hirschhorn und einem Fördertopf, den Ilona Dörr dankenswerter Weise aufgetan hat.

Eindrucksvoll: 8 Schlossführungen

Und schließlich war der Freundeskreis Langbein’sche Sammlung auch Initiator der Führungen durch das umgebaute Schloss, die unter erschwerten Corona-Bedingungen zwar, aber doch stringent und diszipliniert durchgeführt wurden. Von mehr als 200 Interessenten konnten zunächst nur 80 an den insgesamt 8 Führungen am Nachmittag des 12. November teilnehmen. Denkmalpflegerin Dr. Anja Dötsch von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, und Projektleiter Hermann Felleisen vom Landesbetrieb Bau und Immobilien freuten sich über das große Interesse an „ihrem Projekt“ und darüber, dass die Gäste von ihrer Arbeit nachhaltig beeindruckt waren. Wir sind mit der Niederlassungsleiterin Sabine Freienstein im Gespräch, das Ganze im Frühjahr 2022 zu wiederholen.

Stimmungsvoller Hirschhorner Advent

Und nicht zuletzt bildete der Hirschhorner Advent an den Adventfreitagen in Zusammenarbeit mit der Hirschhorner Kirchenmusik ein Highlight und einen stimmungsvollen Abschluss im Museumsjahr. An allen vier Freitagen im Advent trafen sich 8 bis 10 Musiker vor dem Museum unter der illuminierten Linde und spielen Weihnachtslieder zum Mitsingen – und ließen sich auch vom Wetter, welcher Art auch immer, nicht abhalten. Am 4. Adventsfreitag trat „der harte Kern“ des gesamten Orchesters an und versetzte Hirschhorn in warme und herzliche Weihnachtsstimmung. Die Spenden übrigens, die dabei zusammenkamen, gingen komplett an die Kirchenmusik –  als großes Dankeschön an die KKM!

Ihre Spende für das Museum!

Und da wir schon beim Thema Spenden sind: Das Museum, braucht noch mehr! Im kommenden Jahr ist eine konzeptionelle Anpassung der Räume im Erdgeschoss an die Optik des 19. Jahrhunderts im Museum im 1. Stock geplant. Und schließlich sollen dann im Laufe des Jahres 2022 zwei sehr, wirklich sehr interessante Sonderausstellungen stattfinden, für die wir auch eng mit den Schulen im Umkreis zusammenarbeiten wollen. Mehr wollen wir heute noch nicht verraten. Noch ist nicht sicher, ob es klappt.

Denn, damit wir das alles so umsetzen können, brauchen wir Ihre Hilfe. Wie Sie sich denken können, kommen hier und da einige Kosten zusammen, die das Museum trotz Förderung nicht aus eigenen Mitteln abdecken kann; die 12 Euro Jahresbeitrag unserer treuen Mitglieder reichen dafür leider nicht aus. Daher bitten wir Sie herzlichst um eine Spende auf eines der folgenden Konten:

IBAN: DE53 6729 1700 0022 9966 06, Volksbank Neckartal e. G.
oder
IBAN: DE43 5095 1469 0006 0006 88, Sparkasse Starkenburg

Jeder Betrag ist willkommen und selbstverständlich erhalten Sie umgehend eine Spendenbescheinigung. Wenn Sie uns als Firma unterstützen wollen, sprechen Sie mit uns und lassen Sie sich die Möglichkeiten für einen Werbeauftritt zeigen.

Als Dankeschön für ihre Unterstützung laden wir die Spender zu einer exklusiven Museumsführung ein. Doch dazu später mehr.

Wir zählen auf Sie!

Der Freundeskreis Langbein’sche Sammlung wünscht frohe Weihnachten und einen guten Start in ein gesundes und glückliches neues Jahr.

Wald soll Gewinn von einer Viertelmillion bringen

Oberzent. Der Wald bringt der Stadt im kommenden Jahr endlich wieder Geld. Forstamtsleiter Ronny Kolb hatte die nackten Zahlen dem Bauausschuss auf dessen vergangener Sitzung bereits kurz vorgestellt. Jetzt lieferte Bürgermeister Christian Kehrer noch ein paar Details hinterher. Über 250.000 Euro darf Oberzent im kommenden Jahr als Plus aus der Waldwirtschaft erwarten, erklärte er.

971.000 Euro werden aus dem Holzeinschlag von etwa 18.000 Festmetern erlöst, dazu kommen noch 53.000 Euro Beiträge der Jagdgenossenschaften, fügte Kehrer an. Auf 770.000 Euro belaufen sich die Ausgaben für die Holzernte mit eigenen und fremden Kräften. Dazu kommen die Beförsterungskosten mit 150.000 Euro und 50.000 Euro für den Erhalt der Waldwege.

Der Überschuss ist kein Vergleich zu den vergangenen drei Jahren, als der Wald mit Glück eine schwarze Null brachte – Käferbefall und Trockenzeit hinterließen ihre Schleifspuren. 16.000 Festmeter (fm) verkaufsfähiges Holz kommen auf den Markt, erklärte Kehrer. Überwiegend handelt es sich dabei um Fichte (10.000), Kiefer (4000) und Buche (2000 fm). „Das ist ein Forstwirtschaftsjahr, wie man es von früher kennt“, schwärmte der Bürgermeister.

Der Rathauschef lobte die Arbeit des Forstamts bei der Bekämpfung des Borkenkäfers. Dessen Befall, auf Festmeter gerechnet, ist in diesem Jahr etwa wieder auf dem Stand von 2017 – also vor dem heißen Sommer. Höhepunkt des Befalls war 2019, seitdem gehen die Zahlen wieder deutlich zurück. „Wir hoffen, dass er sich nicht mehr so ausbreitet“, sagte er.

Kehrer berichtete auch aus der Verbandsversammlung des Forstzweckverbands hessischer Odenwald (FZV). Hier wurde Wilfried Friedrich aus Ober-Hainbrunn wieder zum Vorsitzenden gewählt, Jürgen Lampert aus Wald-Michelbach zum Stellvertreter. Als waldreichste Kommunen stellen Oberzent und die Überwald-Gemeinde die Verbandsvorsteher.

Neben Informationen zur Situation auf dem Holzmarkt gab es auch solche zum Wald allgemein. Außerdem steht die 232. vergleichende Prüfung 2022 an. Das Stadtoberhaupt verdeutlichte, dass in deutschen Wäldern im Jahr 76 Millionen Kubikmeter Holz geerntet werden, während 122 Millionen nachwachsen. Nach wie vor gibt es eine natürliche Verjüngung, machte er klar.

Im ersten Jahr seines Bestehens gab es für den FZV einen Landeszuschuss von 100.000 Euro. Damit blieben noch 95.000 Euro für die 17 angeschlossenen Kommunen als Kosten. In den kommenden Jahren werden etwa 180.000 Euro umgelegt, davon 90.000 Euro für Personal und 26.000 für Sach- und Dienstleistungen.

Die Verbandsumlage für Oberzent beläuft sich in diesem Jahr auf etwa 17.500 Euro, in den folgenden werden es circa 33.000 sein. Kehrer kündigte an, dass die Umlage nach den erzielten Umsatzerlösen berechnet werden soll. Er geht davon aus, dass 2021 die Holzverkaufserlöse einigermaßen im grünen bzw. schwarzen Bereich sind. Die Brennholzvermarktung ist jetzt gestartet.

In den nächsten Jahren werden die Personalkosten steigen, erläuterte der Bürgermeister. Denn: „Wir brauchen eine Sachbearbeiterstelle“, verdeutlichte er. Allerdings kann der Verband damit wiederum wirtschaftlicher arbeiten und spart somit an anderer Stelle Kosten. Für 20.000 Euro wurde außerdem eine Software angeschafft, sodass man in spe die Rechnungserstellung selbst erledigen kann.

Das Land veranschlagte dafür früher 2,50/fm, die forstliche Vereinigung Bauland, die es aktuell erledigt, 1,35 Euro/fm. „Wir kommen deutlich darunter“, erklärte Kehrer. Denn für die Kommunalwälder wird dann alles selbst erledigt. Es gibt einen weiteren Vorteil: Die Rechnungszeiträume können kürzer gefasst werden, das Geld ist schneller in der Kasse.

Der Startzeitpunkt für die eigene Holzvermarktung war denkbar ungünstig, führte der Rathauschef aus. Denn das Land trennte 2018 genau diesen Punkt aufgrund eines Kartellrechtsurteils von der Hessen-Forst-Dienstleistung ab, als der Markt durch Käferbefall und Dürrejahre zusammenbrach. Von den Jahren 2018/19 liegt selbst jetzt noch Holz im Wald, das nicht vermarktungsfähig war, erläuterte er.

Anfangs, so der Bürgermeister, gab es Schnittstellenprobleme, vor allem mit Hessen Forst. Ab 2022 sieht er aber den FZV besser aufgestellt. „Wir sind auf einem guten Weg“, wenn auch nicht alles reibungslos läuft. Zum jetzigen Zeitpunkt kann die Beförsterung noch nicht in Eigenregie übernommen werden, meinte der Bürgermeister auf eine Frage aus der Runde.

Odenwaldkreis steigt auf Glasfaser um

Beerfelden. Ohne schnelles Internet geht heutzutage gar nichts mehr. Gerade auf dem Land bedeutet der rasche Zugang zum weltweiten Netz einen gravierenden Standortvorteil. Der Odenwaldkreis war hier mit seinem Breitbandnetz Vorreiter. Doch das ist inzwischen in die Jahre gekommen, weil der technologische Fortschritt rennt. Glasfaser heißt der neue Standard. Den Ausbau will der Kreis nun mit den angeschlossenen Kommunen im Rahmen der Gigabitförderung über die Brenergo realisieren.Bürgermeister Christian Kehrer stellte dem Bau- und Umweltausschuss das Projekt vor. Es wird bei Zustimmung den Haushalt ab 2023 mit einem gewaltigen Betrag jährlich bis 2030 belasten: 337.000 Euro. Dafür sollen aber auch alle Stadtteile angeschlossen werden. Lediglich die Weiler könnten leer ausgehen, bedauerte er auf Rückfrage von Thomas Väth (Grüne) aus Gebhardshütte.

„Wir haben ein Marktversagen“, erläuterte der Rathauschef den Zustand, dass sich kein großer Telekommunikationsanbieter für den Ausbau auf eigene Rechnung interessiert. Denn für ihn ist er aufgrund der dünnen Besiedlung nicht wirtschaftlich. Immerhin wird das Vorhaben mit 90 Prozent gefördert. Die Förderung soll im „Wirtschaftlichkeitslückenmodell“ erfolgen. Dieses stellt für die Stadt eine risikofreie Variante dar, den Gigabitausbau innerhalb der nächsten zehn Jahre flächendeckend zu ermöglichen.

In der Stadt Oberzent sind insgesamt 4282 Grundstücke zu erschließen und damit über 100 Kilometer Tiefbauarbeiten zu leisten, informierte Kehrer. Nach derzeitigen Kalkulationen wird mit Gesamtkosten von rund 23 Millionen Euro gerechnet – nur für Oberzent. Im Odenwaldkreis sind es 187 Millionen. 53 Haushalte, 35.000 Grundstücke und 7880 Kilometer Tiefbau nannte er als kreisweite Zahlen.

Der Anteil nach Förderung wird seinen Worten zufolge auf die Projektjahre verteilt und liegt damit bei etwa 290.000 Euro/Jahr. Dazu kommen Personal-, Sach- und Overheadkosten nach Einwohnerschlüssel mit ungefähr 47.000 Euro/Jahr. Nach derzeitiger Erkenntnis können diese Kosten „in Gänze investiv abgebildet werden“, hoffte er, so dass der Ergebnishaushalt nur mit den Abschreibungen belastet wäre. „Dies muss aber noch verbindlich geklärt werden.“

Ein eigenwirtschaftlicher Ausbau des Gigabitnetzes ist nur in einigen Bereichen des Odenwaldkreises rentabel, den dicht besiedelten Kerngemeinden, informierte das Stadtoberhaupt. Deshalb ist ein Zusammenschluss in Ausbaufragen sinnvoll und notwendig. Denn Stadtteile, Randbezirke und kleinere Gemeinden hätten sonst vorhersehbare Nachteile.

„Es darf nicht zu einem lückenhaften Ausbau kommen“, betonte Kehrer. Dies würde kleinteilige Netze und erhebliche Risiken für die Netzeigentümer bedeuten, die dann allein „ihr“ Netz unterhalten, vermarkten und betreiben lassen müssten. Das Risiko der künftigen Technologieentwicklung werde mit dem Vertrag von der Kommune auf das TK-Unternehmen verlagert. Ebenso sei die Netzunterhaltung dann Sache des neuen Eigentümers.

Der vom Odenwaldkreis beschlossene Netzverkauf des bestehenden FTTC-Netzes ermöglicht laut Bürgermeister dem Käufer außerdem einen insgesamt zügigeren Ausbau der Gigabitinfrastruktur im Odenwaldkreis. Da die zur Verfügung stehenden Fördermittel begrenzt sind, „ist zügiges Handeln geboten“.

Um Synergieeffekte zu nutzen und auf das vorhandene Wissen der Brenergo innerhalb der OREG zurückzugreifen, bietet es sich an, den Ausbau über diese Gesellschaft kostengünstig für die Städte und Gemeinden zu koordinieren und planen zu lassen, erläuterte der Rathauschef. Alle Kommunen des Odenwaldkreises zahlen die notwendigen Eigenmittel für den geförderten Gigabitausbau innerhalb ihrer Gemarkung.

Thomas Väth begrüßte die ab 2023 laufende Maßnahme. Er wies jedoch darauf hin, dass sieben Jahre im Internet-Zeitalter „eine Ewigkeit“ sind. Seine Befürchtung: Der Glasfaser-Ausbau ist 2030 schon wieder Schnee von gestern, weil es einen neueren, besseren Standard gibt. Er nannte 5G oder Starlink als Übergangslösung gerade für kleinere Gebiete.

Kehrer wies in seiner Entgegnung auf die zusätzlich entstehenden Kosten hin. Allerdings es ist klar, dass es für Weiler besondere Lösungen braucht. Jedoch geht es um einen flächendeckenden Ausbau, ist das große Ganze wichtig. „Wir müssen uns auf den Weg begeben“, betonte er die Alternativlosigkeit. Das sah nach weiteren Rückfragen auch der Ausschuss so in seiner einhelligen Beschlussempfehlung.