„Festival, Feeling, Odenwald“: Arte-Livestream vom Marbachstausee

Es ist eine magisch-mystische Atmosphäre an diesem Abend am Marbachstausee. Joris begrüßt die „Sound-of-the-Forest-People“, die ihm frenetisch applaudieren. Über dem See wabert der farbige Nebel, vom anderen Ufer her spiegelt sich der Festival-Schriftzug im Wasser. Besondere Lichtinstallationen und –wesen machen die Location wie in den Jahren vorher zu einem der schönsten Veranstaltungsorte in Deutschland.

Mit geschlossenen Augen ist es so wie immer. Mit offenen sind in diesem Jahr wegen Corona keine Besucher dabei, sondern nur die Crew- und Vereinsmitglieder. Sie stemmen den Livestream für das Arte-Zeitgleich-Festival, bei dem jeweils fünf Bands an drei verschiedenen Orten in Deutschland auftreten. „Watt en Schlick“ (Dangast) und „Rocken am Brocken“ (Oberharz) werden ebenfalls beschallt.

Die vier Jungs von der Multi-Kulti-Truppe „Bukahara“ fühlen sich drei Jahre in der Zeit zurückversetzt, als sie ebenfalls bei Sound of the Forest (SOTF) auftreten. Sie haben einige der wenigen Möglichkeiten in diesem Jahr, Material aus ihrer neuen CD „Canaries in a Coal Mine“ zu präsentieren. Mal eine Mandoline, dort die Posaune, hier das Susaphon: Es macht tierisch Laune, was die vier bieten.

Für die SOTF-Macher war die zweite Absage innerhalb von drei Jahren ein harter Brocken. Immerhin ließ sich durch den Arte-Livestream zumindest so etwas wie Festival-Feeling schaffen, wenn auch nur virtuell. 300 Vereinsmitglieder klotzen jedes Jahr ehrenamtlich ran, erzählt Jo Megow vom Orga-Team. Für die war es ein bewegender Moment, als nach fünf Tagen harter Vorarbeit „Klan“ den Auftakt im Odenwald macht, gefolgt von „Black Sea Dahu“ und „Ätna“. „Bei den ersten Tönen sind wir dagestanden mit Wasser in den Augen“, gibt Megow offen und ehrlich zu.

„Die Arbeit hat sich gelohnt“, bilanziert er gegen Ende. Gleichzeitig ist er aber „sehr wehmütig, dass wir die Forest-Family nicht sehen können“. Denn obwohl jedes Jahr inzwischen um die 5000 Besucher an den Stausee kommen, ist alles sehr familiär. Genau das wissen alle zu schätzen. Denn es packen alle mit an, macht Megow deutlich mit Blick auf seinen Vater, der am Bühnenaufbau beteiligt ist, oder auf seine Freundin, die ihn bei der PR unterstützt.

Auch wenn alles nahtlos klappt – die Macher sind durch elf Jahre Arbeit bestens eingespielt -, vermisst er die „lächelnden Gesichter“ der Fans. Die sind immer der Lohn für ein Jahr ehrenamtliche Arbeit, die kurz vor knapp meist rund um die Uhr stattfindet. „Bei der Bühne haben wir uns dieses Mal selbst übertroffen“, darf es auch ein bisschen Eigenlob sein. Der aufgebaute Holzhirsch ist zu einer Art Kultobjekt geworden. Die Künstler bieten sogar dafür, ihn mitnehmen zu dürfen. „Joris will den unbedingt“, lacht Megow.

Ein Festival zu organisieren ist schon viel Arbeit, aber drei als Livestream zu koordinieren „haben wir echt unterschätzt“, gibt er zu. Aber es funktioniert alles. Initiator Markus Blanke von Rocken am Brocken und Till Krägeloh (Watt en Schlick) „wurden richtig gute Freunde“, sagt Megow. Die erlebte Solidarität „ist einfach toll“.

Dass Joris wie auch im vergangenen Jahr dabei ist und den Abend beschließt, freut Megow besonders. „Der hat eine tolle Show gemacht“ – und ist nebenbei auch einer der größten Unterstützer des Festivals. Davon gibt’s viele, wird an dem Abend spür- und hörbar. Des Öfteren ertönt von der gegenüberliegenden Bundesstraße ein Hupen über den See. „Das sind unsere Fans“, weiß der Orga-Mann. Die zeigen damit ihre Solidarität.

Ein Blickfang sind auch die Feenfiguren von ArtArtistica während seines Auftritts.  Joris mit seiner einprägsamen Stimmen und angenehmen Songs wird groß gefeiert. Natürlich bedauert Megow die SOTF-Absage. Aber „es ist richtig, dass es nicht stattfindet“. Bei 5000 Besuchern ließe sich die Gesundheit nicht gewährleisten. Allerdings war es schon schwer, nach 2018 wieder zu verzichten. „Das musst du mental auch erst einmal schaffen“, meint er.

Die Bands sind froh, sich mal wieder live präsentieren zu dürfen. Die meisten haben in diesem Jahr gar keine bis wenige Auftritte. Und natürlich zählt auch die Solidarität. „Die kommen größtenteils nur für Fahrtkostenerstattung“, erzählt Jo Megow. Sie wissen eben, dass sie auf Profis treffen. Denn die Zahnräder greifen nahtlos ineinander, beschreibt er die professionelle Arbeit.

Eine Fernsehproduktion ist etwas anderes als ein Festival, erläutert der Festival-Profi. Da wird eine ganz andere Bildersprache benötigt. Deshalb vermischen die Organisationen Elemente aus zehn Jahren SOTF miteinander. Megow kommt gar nicht aus dem Schwärmen für die „wunderschöne Bühne“ heraus, wie man auch sonst merkt, wie er für das Festival brennt – auch wenn er nach fünf Tagen Nonstop-Orga kaum noch aus den Augen schauen kann.

Lichtkünstler Valentin Lüdicke von der Halle 02 in Heidelberg kümmert sich um die Leuchtbäume, für die große Drähte genommen und daraus entsprechende Konstruktionen geformt werden. Auch der ist schon seit zehn Jahren mit an Bord und stellt für diesen Abend alles kostenlos zur Verfügung. „Die Liebe zum Detail macht uns aus“, weiß Megow – und wird auch überall wertgeschätzt. „Da sitzt jede Lampe, jede Glühbirne und jedes Aststück“, lächelt er.

„Festival, Feeling, Odenwald“: Die drei Schlagworte wollen die SOTF-Enthusiasten weiter verbreiten und freuen sich, dafür mit Arte ein solch „tolles Medium“ gefunden zu haben. Im September soll es die Konzerte dann in einer regulären Sendung zu sehen geben. Schon jetzt „bekommen wir ein riesiges Feedback“, freut sich Megow. Über die sozialen Medien trudeln im Sekundentakt die Kommentare ein. Außerdem gab es im Vorfeld ein „gigantisches Interesse“ an der Produktion. „Musik begeistert eben alle Generationen“, hebt er hervor.

Kirchlicher Leuchtturm für die Region

Ab Sonntag findet in der evangelischen Martinskirche Beerfelden wieder die Feier des Heiligen Abendmahls statt. Lange Monate mussten die Gläubigen in Zeiten der Corona-Pandemie darauf verzichten. Möglich macht den Neustart ein von der Firma Pracht aus Falken-Gesäß individuell gefertigter Spuckschutz, den jetzt Florian Pracht und Philip Reeg vorbeibrachten. Er findet schräg vor dem Altar Aufstellung.

Die Gläubigen sind eingeladen, aus ihren Bänken nach vorne zum Altar zu „wandeln“, schildert der geschäftsführende Pfarrer Roland Bahre das Prozedere. Dort können sie ihre Hände unter der Abendmahlswand durchreichen. Sie bekommen vom Pfarrer mit einer goldenen Hostienklammer die Hostie kontaktlos auf ihre Hand gelegt und nehmen sie sofort ein. Danach gehen die Menschen über den zweiten Gang wieder zu ihrer Bank zurück.

Die Nachfrage nach einem individuell angefertigten Spuckschutz ist groß, berichtet Florian Pracht. 130 Stück für 40 verschiedene Kunden fertigte die Firma bereits an. Verwendet wird dazu neben Buchen-Massivholz Acrylglas. Das Exemplar in der Martinskirche ist zwei Meter hoch und 1,50 Meter breit. Auf 1,20 Metern Höhe wird die Hostie durchgereicht.

„Wir haben uns als Kirche ganz neu sortiert und ich habe den Eindruck, dieser Prozess wird auch noch einige Zeit andauern“, erläutert Pfarrer Bahre. Neues, Modernes ist hinzugekommen und vieles hat sich verändert: Die Abendmahlswand ist da für ihn nur ein Schritt von vielen. Aber diese Veränderungen „werden auch noch zu Trauer und Enttäuschung in der Gemeinde führen“, befürchtet er.

Wenn es irgendwann weitere Lockerungen gibt, dann wird es Bahre zufolge aber keine 100-prozentige Rückkehr zum „Vorher“ geben. Sondern man müsse sich „von so manchem verabschieden, was wir bis vor Corona noch angeboten haben“.

Seit Anfang Mai werden in Beerfelden wieder regelmäßige „Kleine Andachten“ unter strengen Hygienerichtlinien gefeiert, erzählt der Geistliche. Aufgrund der Größe der Martinskirche können bis zu 200 Personen an Gottesdiensten und Veranstaltungen teilnehmen. Da aus Platzgründen die Kirchen im Sensbachtal und Gammelsbach auch in den nächsten Monaten noch geschlossen bleiben, kommen viele Gläubige von dort nach Beerfelden, hat Kirchenvorstand Dr. Raymund Keysser beobachtet.

Die Konfirmation, eigentlich im Mai geplant, findet nun im September statt. Mit über 30 Konfirmanden kann es nicht nur einen großen Gottesdienst geben. Damit jede Konfirmandenfamilie bis zu rund 20 Personen einladen kann, wird die Konfirmation gesplittet: Es finden über das Wochenende 19./20. September verteilt insgesamt sechs Konfirmations-Gottesdienste statt. „So kann jeder Konfirmand seinen eigenen Gottesdienst genießen und seine Familie auch dazu einladen“, freut sich Bahre.

Eine weitere besondere Freude ist es für ihn, dass die Kirchengemeinde Beerfelden Gastgeberin sein kann: So hätte die katholische Kirche St. Sophia in Erbach beim diesjährigen Firmgottesdienst nur wenige Menschen aufnehmen können. Kurzerhand sagte man in Beerfelden zu, dass die Firmung dieses Jahr im „Dom des Odenwaldes“ stattfinden kann. „Zum ersten Mal seit ihrer Entstehung wird in unserer Kirche die katholische Eucharistie gefeiert“, schmunzelt der Geistliche über dieses ökumenische Zeichen. Eine kirchliche Trauung wurde aus Platzgründen aus Vielbrunn nach Beerfelden verlegt. „Wir sind ein Leuchtturm für die Region“, findet Bahre.

Der Bau der Abendmahlswand durch die Firma Pracht ist ein Zeichen für die neuen Wege, „die wir als Kirche nun gehen“, betont er. Denn neben individuellen Tauffeiern, die seit Juli jeden Samstag angeboten werden, ist jetzt eben wieder die Feier des Heiligen Abendmahls möglich. Sie soll in Zukunft jeden ersten Sonntag im Monat stattfinden. „Dieses Konzept ist im Grunde eine Gemeinschaftsaktion des gesamten Kirchenvorstandes“, hebt Bahre hervor. „Wir ziehen alle an einem Strang.“

 

Neue Finanzlöcher durch sinkende Gemeindeanteile

Es sind nicht nur die Corona-bedingten Gewerbesteuerausfälle, die den Kommunen Sorgen bereiten. Dafür soll ja im Herbst ein großer Topf mit Landes- und Bundesmitteln zur Kompensation bereitstehen. Es gilt noch ein weiteres, tiefes Loch zu stopfen, für das sich im Moment jedoch noch kein geeignetes Füllmaterial abzeichnet: Die Gemeindeanteile an Einkommen- und Umsatzsteuer sind im zweiten Quartal kräftig in den Keller gerauscht.

Für eine finanzschwache Stadt wie Oberzent, die sowieso schon durch fehlende Einnahmen aus dem Holzverkauf gebeutelt ist, bedeutet das einen erneuten Rückschlag in dem Bestreben, einen attraktiven Standort im ländlichen Gebiet des südlichen Odenwaldkreises zu schaffen. Bereits vor kurzem musste man einen Kredit über zwei Millionen Euro aufnehmen. Da die Ermächtigung dazu noch aus dem Haushalt 2019 stammte, ist in diesem Jahr noch Luft für weitere 2,5 Millionen. Danach dürfte aber Schluss mit lustig sein.

Der hessische Städte- und Gemeindebund macht für den „historischen Einbruch“ bei den Steueranteilen die weitgehende Beschränkung des öffentlichen Lebens im Rahmen der Bekämpfung der Corona-Pandemie, aber wohl auch „die erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen in vielen anderen Ländern weltweit“ verantwortlich. Selbst in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 gab es keine derart tiefgreifende Verschlechterung, heißt es.

Knapp 18 Prozent geht der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer zurück, fast elf Prozent der an der Umsatzsteuer. Das Plus von mehr als drei Prozent beim Familienleistungsausgleich kann dies nicht kompensieren. Bürgermeister Christian Kehrer nimmt an, dass sich die Rückgänge auch in Oberzent in diesem Rahmen bewegen werden. Da die Gemeindeanteile den Großteil der städtischen Einnahmen ausmachen (Einkommensteuer über fünf Millionen, Umsatzsteueranteile über 300.000 Euro), schrillen bei einem Rückgang von bis zu einem Fünftel alle Alarmsirenen.

Die städtische Gewerbesteuer „ist immer noch am Sinken“, bedauert Kehrer. Aktuell hofft man auf 1,5 Millionen Euro in diesem Jahr zu kommen – veranlagt waren zum Jahresanfang 1,8 Millionen. Laut Regierungspräsidium könnten die zugesagten Hilfen im Oktober fließen. Wie sich die Summen allerdings berechnen und ob sie in vollem Umfang die Lücke schließen werden, weiß dem Bürgermeister zufolge aktuell noch niemand zu sagen.

Kehrer weiß, dass er sich auf vermintes Terrain wagt, wenn er von der Notwendigkeit einer kommunalen Steuererhöhung spricht, um finanziell handlungsfähig zu sein. Zehn Prozentpunkte mehr bei der Grundsteuer B bedeuten 28.000 Euro mehr fürs Stadtsäckel, rechnet er aus. Der Bürgermeister weiß jedoch auch, dass eine solche Steuererhöhung derzeit politisch nicht gewollt ist.

In den Vorjahren, als der Holzverkauf jedes Jahr mehrere hunderttausend Euro in die Stadtkasse spülte, musste man sich noch keine Gedanken ums liebe Geld machen. Die Miesen in sechsstelliger Höhe zwängen Oberzent aber in ein enges finanzielles Korsett: weniger investieren oder Steuern hoch, gibt es laut dem Stadtoberhaupt nicht viele Alternativen. Denn den Darlehensaufnahmen „sind Grenzen gesetzt“, weiß er.

Die jetzigen zwei Kredit-Millionen werden seinen Worten zufolge für Straßen- und Kanalarbeiten in Beerfelden (Hirschhorner Straße) und Rothenberg (Gammelsbacher Weg) eingesetzt. Jeweils um die 30.000 Euro fließen in die Sanierungen der Schwimmbäder in Finkenbach und Hetzbach, die im Rahmen des Landes-Swim-Programms gefördert werden.

Auch leistet die Stadt mit den Geldern ihren Eigenanteil zur Flurneuordnung. Leider wird es ein zweites, von der Stadt sehnlichst gewünschtes Paket dieser Maßnahmen aktuell nicht geben, bedauert Kehrer. Die Behörde hat nicht genug Personal. „Das ist unbefriedigend bei den aktuell günstigen Tiefbaupreisen“, sagt er. 2021 kommt’s dann in Oberzent investitionsdicke: Sporthalle Unter-Sensbach sowie Erweiterung Kitas in Kailbach und Beerfelden heißen die Projekte.

Gegenwind für die Projektierer

Oberzent lässt es drauf ankommen. Die Stadtverordneten verweigerten auf ihrer Sitzung dem Vertrag mit den Firmen Enercon IPP und NWind ihre Zustimmung. Die Windkraft-Projektierer möchten sieben Anlagen auf dem Finkenberg errichten. Dafür müssen sie Wege bauen und Leitungen verlegen. Nicht mit uns, sagten die Mandatsträger nun mit großer Mehrheit.

Sie folgten damit einer Grundsatzentscheidung in ähnlicher Zusammensetzung, die bereits im Frühjahr getroffen wurde. Darin sprachen sich die Stadtverordneten grundsätzlich gegen weitere Windkraftanlagen auf Oberzent-Gemarkung aus. Katharina Riesinger (ÜWO) berichtete aus dem Bauausschuss, dass es zu diesem polarisierenden Thema keine große Diskussion oder viel Beratungsbedarf mehr gab. Die Fronten sind klar.

14 Flurstücke wären für den geplanten Wegebau oberhalb von Falken-Gesäß notwendig. Die Strecke verläuft auf der Höhe zwischen Airlenbach und Olfen. Acht Grundstücke benötigen die Firmen für den Leitungsbau. Der soll Richtung Umspannwerk Falken-Gesäß führen. Über 10.000 Euro kämen jährlich für die Zuwegung in die Stadtkasse, eine ähnliche Summe einmalig für die Kabeltrasse. Denn die Kommune ist der jeweilige Eigentümer.

Um die Gewährung der Wegenutzung käme die Stadt wohl nicht herum, wenn es hart auf hart kommt. Hierzu gibt es schon ein entsprechendes Gerichturteil, weiß Bürgermeister Christian Kehrer. Anders sieht es bei der Kabeltrasse aus. „Da können wir uns noch wehren“, betont er. Bevor man sich in der Verwaltung weiter einen Kopf macht, will man erst einmal zuwarten, was von den beiden Firmen kommt.

Dem Risiko Hochwasser begegnen

An einem Tag im Frühjahr 2018 lag Hetzbach nicht mehr an, sondern in der Mümling: Ein Starkregen hatte den eigentlich beschaulichen Bach zu einem reißenden Strom verwandelt, der vor nichts und niemandem Halt machte. Die B 45 war eine große braune Suppe. Die Grünen wollen nun Vorsorge treffen. Auf ihre Anregung hin beschloss die Stadtverordneten-Versammlung, die Aufnahme des Dorfes in den Hochwasserrisikomanagementplan Mümling anzustreben.

Gastanks wurden abgerissen, Menschen in Autos eingeschlossen, hatte Thomas Väth das Szenario Ende April 2018 im Vorfeld geschildert. Nur mit viel Glück passierte nichts Schlimmeres. In den zwei Jahren seitdem „hat sich leider nichts beim Hochwasserschutz getan“. Im Gegenteil: Am Krähberg wurden große Waldflächen gerodet. Für die Anwohner bedeutet das damalige Schadensereignis, dass sie keine Hochwasser-Versicherungen mehr für ihre Gebäude abschließen können. Was damals alles noch schlimmer machte: Das Feuerwehrhaus war ebenfalls von den Fluten eingeschlossen.

Unter Einbeziehung des Wasserverbands Mittlere Mümling soll nun beim Regierungspräsidium Darmstadt die Einbeziehung Hetzbachs beantragt werden. Denn bisher ist der Ort beim „Hochwasserrisikomanagementplan für das Gewässersystem Mümling“ außen vor. Der beginnt erst an der Erbacher Gemarkungsgrenze. Erweitert wurde der einstimmig gefasste Beschluss um den Satz, dass sich der Magistrat generell mit den Themen Hochwasser und Starkregenereignisse in Oberzent befassen soll.

AC/ID ist pures Dynamit für die AC/DC-Fans

Seit 40 Jahren gibt es das AC/DC-Kultalbum „Back in Black“. Da passt es doch bestens, dass mit „AC/ID“ aus Mannheim die in Michelstadt bereits bekannten Epigonen der australischen Hardrocker Station auf der Kulturbühne vor dem Hüttenwerk machen, nachdem sie sonst immer drin auftraten. Mit den fünf spielfreudigen Musikern kommt so etwas wie ein Hauch von richtigem Open-Air-Feeling zurück: Bratwurst, Bier, fetzige, laute Musik. Fast wie früher.

Im Gepäck hat die Coverband vor allem die ganz alten Kracher Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre, als AC/DC einen Hit nach dem anderen produzierte, zeitlose Hits schuf, die auch heute im Radio noch hoch und runter laufen. Und nach wie vor auf den Bühnen der Welt angesagt sind, wie ausverkaufte Konzerte in den vergangenen Jahren zeigten. Die Hoffnung besteht, dass es sogar mal wieder eine neue Platte und/oder eine neue Tour mit Sänger Brian Johnson geben wird, nachdem er zwischenzeitlich – leider – mit Axl Rose ersetzt worden war.

Dass die Hardrock-Klassiker eben ihre große Fangemeinde haben, zeigt sich am guten Besuch. Die Jungs auf der Bühne hauen so richtig rein. Je oller, desto doller, könnte man in Bezug auf die Spielfreude sagen. Kein Weg ist für Ralf „Angus“ Keßler zu weit, Sänger Christian „Keule“ Hass schreit sich die Seele aus dem Leib, die Rhythmusgruppe mit Ekki Bock (Gitarre), Stefan Schiemer (Bass) und Jens Gellner (Drums) sorgt für den krachenden, treibenden, knalligen Background-Sound.

„Live Wire“, „Dirty Deeds“ oder „Walk all over you“ sind solche Kracher, die schon zu Beginn des Konzerts dafür sorgen, dass die Besucher voll mitgehen. Wenn ein „Touch too much“ oder ein „Shoot to thrill“ aus den Boxen dröhnen, der 42 Jahre alte „Down payment Blues“ angestimmt wird, „Dirty Deeds“ in die Anfangsjahre der Australier entführt oder mit „Sin City“ ebenfalls ein Stück von „Powerage“ erklingt, dann ist seliges Schwelgen in der Vergangenheit angesagt.

„Back in Black“, der gleichnamige Albumtitel von 1980, passt zum Jubiläum natürlich wie die Faust aufs Auge. Mit geschlossenen Augen steht da die Hardrockband in vollem Saft auf der Bühne, brettert Angus Young die Gitarren-Riffs in die Menge, dass es eine wahre Pracht ist. Neben ihm röhrt Brian Johnson oder bei einigen Songs wahlweise der schon verstorbene Bon Scott die alten Hits ins Mikro.

Die fünf Musiker leben ihre Songs, spielen sie voll aus, geben alles. Da sitzen die fetzigen Riffs, dass es die Originale auch nicht besser hätten machen können. Der eine gurgelt die alten Stücke, dass es eine wahre Pracht ist, der andere rennt wie ein Irrwisch von einer Seite der Bühne zur anderen, hat die Bewegungen des Gitarren-Gotts bis ins kleinste Detail drauf, treibt mit seinem Groove alles voran, spielt sich die Finger wund.

Nach der Pause setzt die Band noch einen drauf. Voller Sound mit zwei Gitarren, dazu noch das Glockengeläut aus der Hölle: „Hells Bells“ versetzt die Meute in Ekstase. Beim „Bad Boy Boogie“ kann Gitarrist Ralf Keßler mal wieder zeigen, was er drauf hat. Sowohl auf der Gitarre als auch auf den Hüften. Denn zuvor ganz wie Angus mit Anzug, Krawatte, Hemd und kurzem Hosen gekleidet, lässt er das komplette Oberteil unter lautem Johlen fallen und macht danach einen auf sechs Saiten „oben ohne“.

Die unvergessenen Klassiker kommen zum guten Schluss. Bei „Thunderstruck“ zuckt es auch den letzten in den Beinen. Es darf getanzt und abgerockt werden, wenn auch mit Abstand. Bei „TNT“ fehlt das obligatorische „Hoi, hoi, hoi“ nicht, und über den „Highway to hell“ mit den Teufelshörnern bei Ralf-Angus muss man sowieso keine Worte mehr verlieren. Dass nach „Whole lotta Rosie“, bei dem sich die Band nochmal in einen wahren Rausch mit fetzigen, krachenden Gitarrensoli spielt, nicht wirklich Schluss sein würde, war eigentlich jedem klar.

Kulturmacher soll Kultur voranbringen

Mit Stefan Rosewick soll ein ehrenamtlicher Kulturbeauftragter die Stadt Oberzent nicht nur im Odenwaldkreis, sondern über dessen Grenzen hinaus mit ihren kulturellen Angeboten bekannter machen. So richtig aber erst ab kommendem Jahr, denn aktuell steht kein Budget zur Verfügung – und durch die Corona-Nachwirkungen findet eh so gut wie nichts statt. Der Sozial- und Kulturausschuss begrüßte die Ernennung des in Airlenbach wohnenden Rosewicks durch den Magistrat.

Ausschuss-Vorsitzender Dirk Daniel Zucht (SPD) machte deutlich, dass nicht um einen Ersatz der bisherigen Bemühungen auf städtischer und privater Seite geht. Vielmehr sei der Kulturbeauftragte „on top“ gedacht. Er soll die verschiedenen Aktivitäten koordinieren und gleichzeitig an den entsprechenden Stellen nach Fördermitteln Ausschau halten. Gleichzeitig geht es auch um den Blick über Länder- und Kreisgrenzen.

Seit knapp 15 Jahren betreibt der 56-Jährige seine Eventagentur „artArtisitica“. Stelzenlauf, Feuertanz-Theater, Lichtershows, Illuminationen, Pyro-Musicals oder Feuerwerke: Rosewick ist vielfältig unterwegs. In Beerfelden beschließt er traditionell mit einem Feuerwerk den Pferdemarkt-Montag. Dieses Jahr wird das Ferienprogramm von ihm gestaltet. Der Mann hat Ahnung.

„Ich will an der Außendarstellung im kulturellen Bereich arbeiten“, betonte der Kulturschaffende bei seiner Vorstellung. Nach Süden, zum Neckar hin, sieht er noch Vernetzungspotenzial, um die südlichste Ecke Hessen mit dem nördlichen Baden-Württemberg zu verzahnen. Aus seiner langen künstlerischen Tätigkeit heraus – er startete schon vor mehr als 20 Jahre hobbymäßig mit Feuershows – weiß Rosewick, „dass bei Fördermitteln einiges machbar ist“.

Aktuell geht leider durch die Corona-Beschränkungen nicht viel, bedauerte er. Somit bleibt ihm unfreiwillig noch Zeit, seine Aktivitäten für kommendes Jahr vorzubereiten. Zucht wies darauf hin, dass der „Job“ zwar von Rosewick ehrenamtlich ausgeführt wird, er aber trotzdem ein kleines Budget braucht – etwa für Fahrtkosten oder mit der Beantragung von Fördermitteln anfallende Kosten.

Der Ausschuss-Vorsitzende erwähnte in diesem Zusammenhang als Beispiel die Initiative „Ab in die Mitte“, wo kleinere Kommunen 50.000 Euro für Kunstaktionen erhalten können. Die Beantragung ist allerdings sehr umfangreich. Dadurch „geht das an uns vorbei, wenn wir nicht tätig werden“, befürchtet er.

Die Höhe eines Budgets wäre Entscheidung des Magistrats, meinte er auf eine Frage von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne). Und ist letztendlich auch davon abhängig, „was wir wollen“, ergänzte Bürgermeister Christian Kehrer. Er plädierte dafür, „erst einmal klein anzufangen“ und je nach Fortschritt zu erweitern. Arbeitskreis Stadtkultur, das Kleinkunstzelt am Pferdemarkt oder Aktionen am Bahnhof Hetzbach und am Galgen nannte er als Betätigungsfelder.

Tobias Stadler (ÜWO) riet dazu, bei aller Kultur die Jugend- und Vereinsförderung nicht zu vergessen. Was in der Runde auf Widerhall stieß. Wenn dort aktuell nichts geschieht, so der Tenor, sollte man an anderer Stelle nicht vorpreschen und damit Unmut erzeugen. Wenn somit in diesem Jahr noch ein Anlaufbudget zur Verfügung gestellt würde, wie es Horst Kowarsch (Grüne) ansprach, denn wünschte Kehrer sich das über eine Kofinanzierung durch Spenden oder Sponsoring.

 

Info: Der gebürtige Erbacher Stefan Rosewick (56) ist gelernter Elektroniker. Ins Theater- und Feuershow-Metier schlitterte er mehr oder weniger zufällig rein. Von Vorteil war für ihn die Beschäftigung mit Kampfsport schon seit Jugendjahren und die dadurch perfekte Körperbeherrschung. Ausbildungen mit den Elementen Tanz, Bewegung und Jonglage folgten. Dazu kam sein Faible fürs Theater. Heimspiele wie das Bienenmarkt-Feuerwerk, der Pferdemarkt oder die Erbacher Schlossweihnacht sind für Rosewick eher selten. Es geht zum SI-Center in Stuttgart, zur Kasseler Freiheit, nach Bad Wimpfen oder Bad Rappenau ebenso wie in die Fraport-Arena oder zu den Clingenburg-Festspielen.

Finanzspritze für die Voraushelfer

Die Finkenbacher Voraushelfer werden seit April wegen der Corona-Pandemie nicht mehr alarmiert. Umso mehr freute die sich zwölfköpfige Gruppe jetzt, eine Spende über 2500 Euro von der Krombacher Brauerei entgegennehmen zu dürfen. Denn die Ersthelfer bekommen keine Zuschüsse und müssen ihre Ausrüstung selbst finanzieren. Es gab in der Zwischenzeit laut Wolfgang Buchert einige Fälle im Ort, bei denen „unsere Hilfe sicher benötigt worden wäre“.

Die Hängepartie geht weiter. Während Feuerwehren inzwischen schon wieder in Kleingruppen üben dürfen, fehlt den Voraushelfern die Perspektive. Eine Info, „wie und wann wir wieder aktiv werden können, haben wir bisher keine“, so der stellvertretende Wehrführer. Mit der Spende können die Ehrenamtlichen nun immerhin daran gehen, ihre Ausrüstung weiter zu optimieren. Denn ein Set mit Tasche, Material und Kleidung kostet pro Person an die 500 Euro.

Außendienstmitarbeiter Thomas Gösmann kam mit dem Scheck der Brauerei im Odenwald vorbei.  Die Finkenbacher sind einer von jährlich 100 Spendenempfängern. Die Vorschläge kommen von Verbrauchern und den Institutionen selbst. Nach intensiver Sichtung und Prüfung überzeugten die Voraushelfer das Auswahlgremium durch ihre ehrenamtlichen Rettungseinsätze.

Seit 2018 überbrückt die Gruppe die Zeitspanne zwischen Alarmierung und Eintreffen des Rettungsdienstes. Insbesondere auf dem Land kann dies etwas länger dauern, sodass die Voraushelfer bereits vor dem Erscheinen der Sanitäter schon Erste Hilfe leisten. Die Weiterbildungskurse sowie die Ausstattung werden rein durch Spenden finanziert.

Die Voraushelfer leisten aber nicht nur medizinische Hilfe. Sie kümmern sich auch um Angehörige, bis deren Verwandte oder das Kriseninterventionsteam eingetroffen sind. „Uns kennt man im Ort“, hebt Buchert hervor. Die Betroffenen sehen im Notfall bekannte Gesichter, denen sie sich anvertrauen. „Es muss in die Köpfe der Leute, dass es uns gibt“, sagt er.

Ein tödlicher Motorradunfall im Sommer 2017 in der Raubach gab den Ausschlag: DRK-Mann Christian Niesen wurde aus dem Schwimmbad per Piepser heraus als Ersthelfer alarmiert, die Finkenbacher Feuerwehr kam dann an die Unfallstelle hinzu. Aus dem späteren Gespräch heraus entstand die Idee, unter dem Dach des DRK eine Voraushelfer-Gruppe aufzubauen, die überwiegend mit Feuerwehrleuten „bestückt“ ist. Damit soll gewährleistet werden, dass immer jemand vor Ort in Notfällen greifbar ist.

Info:

Voraushelfer-Gruppe Rothenberg-Finkenbach: Zwölf Aktive aus Feuerwehr und DRK

Im Notfall weiterhin die 112 wählen

Weitere Infos bei Wolfgang Buchert unter E-Mail wolfgang.buchert@freenet.de

Spenden sind möglich auf das Konto des DRK Rothenberg-Finkenbach unter dem Verwendungszweck Voraushelfer Feuerwehr Finkenbach, IBAN DE16 5085 1952 0031 0000 60.

Langfristig eine Perspektive für Fußball bieten

„Wir wollen den Kindern und Jugendlichen langfristig eine Perspektive für den Fußball bieten“, hat sich der Jugendförderverein (JFV) Oberzent auf die Fahnen geschrieben. Aus der Taufe gehoben wurde er bereits während des letztjährigen Pferdemarkts, die Vereinsgründung erfolgte erst 2020 – wie es auch im Namen zum Ausdruck kommt. Ab der neuen Saison wird der JFV erstmals am Spielbetrieb teilnehmen.

Die erfolgreiche Kooperation der Oberzent-Vereine in den vergangenen Jahren durch Jugendspielgemeinschaften oder Erteilung von Zweitspielrechten wird mit dem neuen Verein bestätigt und gefestigt, betont der Vorsitzende Sebastian Siefert. Schwerpunkt des JFV ist der Jugendfußball. „Damit die Jugendarbeit im Spannungsfeld zwischen sportlichem Anspruchsdenken und sozialer Integrationsaufgabe fortgeführt werden kann, haben wir ein Jugendfußballkonzept erarbeitet“, erläutert Siefert.

Dieses hat Richtlinienkompetenz und stellt den roten Faden für die Akteure im Bereich des Jugendfußballs von den G-Junioren bis A-Junioren dar. Gleichzeitig bildet es den organisatorischen und sportlichen Rahmen für die Vereinsarbeit, ergänzt der Vorsitzende. „Sport ist ein wesentlicher Teil der Kultur.“ Er trägt für Siefert zur Lebensqualität und Lebensfreude bei. Das Konzept „stellt den Konsens zwischen Anspruch und Realität dar“, betont er.

Die Verantwortlichen verstehen es als den ersten Schritt einer Jugendarbeit, die sowohl dem Leistungs- als auch dem Breitensport gerecht wird. Es gilt als oberstes Ziel, die Kinder – auf ihre Altersklassen abgestimmt – gleichermaßen zu fördern und eine Gemeinschaft auf dem Fußballplatz zu schaffen. Das Konzept wird seinen Worten zufolge einer fortwährenden Überprüfung und Weiterentwicklung unterworfen. Berücksichtigt werden gesellschaftliche und vereinsinterne Entwicklungen, die zu Anpassungen führen können.

„Wir wollen dem Anspruch im Kinderfußball gerecht werden“, hebt er hervor. Kinder wollen spielen, Freude haben und sich wohlfühlen, weiß Siefert. Sie wollen auch trainieren, Leistung bringen und Erfolge feiern – „trotzdem muss Ergebnisorientierung hintenanstehen“, betont er. Leistung ist wichtig, seinen Worten nach aber nicht mit Erfolg gleichzusetzen und muss definiert werden. Es wird in Kleingruppen mit entsprechenden Schwerpunkten und Reizen trainiert, kündigt Siefert an.

Der JFV hat sich zum Ziel gesetzt, den Kindern und Jugendlichen langfristig eine Perspektive für den Fußballsport zu bieten. Alle Altersklassen sollen mit Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Daneben will man auch die individuelle Ausbildung forcieren. Die Trainer sollen altersgerechte Trainingsziele verfolgen und -methoden anwenden. Ziel ist es, so Siefert, „eine konzeptionell ausgerichtete sportliche Leistungsentwicklung im Juniorenbereich zu erreichen“.

Zusammengeschlossen haben sich im JFV die Fußballvereine TV Hetzbach, SV Beerfelden, TSV Sensbachtal, SV Gammelsbach, FC Finkenbach, Türkspor Beerfelden und SG Rothenberg. Die „Grundsteinlegung“ erfolgte bereits vor zwei Jahren, als Steffen Ulrich, Marcel Daub, Hartmut Beisel und Sebastian Siefert das Projekt für einen Jugendförderverein in der Oberzent zu realisieren begannen. „Das ist bis heute im Odenwaldkreis einmalig“, hebt der Vorsitzende hervor.

Vorstand JFV Oberzent: Vorsitzender Sebastian Siefert, zweiter Vorsitzender Helmut Beisel, Kassenwartin Dominique Deutsch, Jugendkoordinatoren Marcel Daub, Yannik Hartmann (G/F/E), Kerstin Schwinn (D/C/B/A), Presse/Homepage Patrick Grohmann, Passwesen/Vereinswechsel Birgit Johe, Organisation/Veranstaltungen Myriam Siefert, Heike Gebhardt.

Weitere Infos unter E-Mail jfv-oberzent@gmx.de oder beim Vorsitzenden Sebastian Siefert, Telefon 0151/16586204. Ab August steht die Homepage www.jfv-oberzent.de. Am 15. August findet in Beerfelden (Sportplatz Stried) ein Schnuppertag für alle Nachwuchskicker des Jahrgangs 2013, 2014 und 2015 statt.

 

 

 

Den Rasern Einhalt gebieten

Kaum eine Woche ohne tödliche Motorradunfälle. Vor kurzem unterhalb von Kortelshütte, dann bei Heiligkreuzsteinach und jetzt zwischen Schöllenbach und Hetzbach: In diesem Sommer ließen schon einige Menschen auf zwei Rädern ihr Leben. Oliver von Falkenburg (CDU) thematisierte die Unfallserie auf der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung. Er wollte wissen, inwieweit Planungen laufen, um die Straßen sicherer zu machen.

Wie Bürgermeister Christian Kehrer entgegnete, befasst sich ein Arbeitskreis mit dem Thema. Ihm gehören an: die Bürgermeister von Mossautal, Brensbach, Höchst und Oberzent, die Straßenverkehrsbehörde des Odenwaldkreises und die hessische Polizei. Resultate waren laut Kehrer folgende Maßnahmen: verstärkte Polizeipräsenz, mehr Kontrollen, Zivilstreifen und Plakataktionen mit Beteiligung der Verkehrswacht.

Angestrebt wird die Bildung eines Netzwerkes mit anderen betroffenen Kommunen und Landkreisen. Außerdem laufen Gespräche mit der Initiative „Silent Rider“ gegen Motorradlärm. Mit dieser bundesweiten Initiative gegen unnötigen Motorradlärm soll ein Zusammenschluss aller betroffenen Akteure stattfinden, damit Kräfte gebündelt und Symbiosen geschaffen werden, um Veränderungen herbeizuführen. Sie geht von acht Eifel-Kommunen aus, denen sich bereits viele andere anschlossen.

Im vergangenen Jahr war im Rahmen der Biker-Präventionskampagne eine Schwerpunktaktion der Polizei auf der B 45 bei Beerfelden geplant, die aber wegen schlechten Wetters erst verschoben und dann abgesagt wurde. Es gibt weiterhin die Schilder in manchen Ortschaften, die auf Lärmbelästigung hinweisen. Außerdem war 2019 der südhessische Polizeipräsident Bernhard Lammel in der Bürgermeisterrunde zum Thema Motorradlärm zu Gast.

Von Falkenburg hält wenig von weiteren Straßensperrungen, weil sie eine Verdrängung auslösen. Die Biker wandern dann in andere Täler ab, wo sie noch fahren dürfen, befürchtet er. Für ihn sind ein härteres Durchgreifen und eine stärkere Sanktionierung die geeigneteren Mittel gegen Raser – wobei der CDU-Fraktionssprecher klar machte, dass es sich dabei nur um einen kleinen Teil der Motorradfahrer handelt.

Nachdem im vergangenen Jahr bei Rothenberg und Kortelshütte eine fast schon himmlische Ruhe herrschte, weil die Landesstraße saniert wurde, hat jetzt der Verkehr wieder stark zugenommen. Von Falkenburg bekommt aber nicht nur Rückmeldungen wegen Lärmbelästigung durch laute Bikes, sondern auch durch getunte Autos.

Er sprach daneben die frisch sanierte Mümlingtalstraße in Beerfelden an. Hier verzeichnete der Parlamentarier Nachfragen mit der Bitte um Einrichtung von zusätzlichen Zebrastreifen. Kehrer sagte die Nachfrage bei der Straßenbaubehörde Hessen Mobil zu. Er schränkte aber auch ein: „Bei Beginn der Planungen vor vielen Jahren wurde einiges versucht, aber vieles nicht als möglich deklariert.“

Nägel mit Köpfen für Kinderbetreuung

Es war ein Befreiungsschlag in Sachen Kinderbetreuung: Mit verschiedenen Entscheidungen sorgten die Oberzent-Stadtverordneten auf ihrer Sitzung in der Sporthalle dafür, dass nach Fertigstellung der Baumaßnahmen die Wartelisten für Kita-Plätze der Vergangenheit angehören. Erweiterung in Kailbach, Anbau in Beerfelden, neuer Waldkindergarten: Vor der Sommerpause machten die Mandatsträger jeweils einstimmig teure Nägel mit Köpfen.

Aber es war auch dringend nötig, skizzierte der Vorsitzende des Sozial- und Kulturausschusses, Dirk Daniel Zucht, in seinem Bericht aus der Sitzung. „Eine wichtige Grundlage für unser Gemeinwesen ist die frühkindliche Erziehung, die in den Kindertagesstätten von hervorragend ausgebildeten Erziehern geleistet wird“, hob er hervor.

Aktuell, so Zucht, fehlen insgesamt 49 Plätze in der Stadt – der Großteil davon in Beerfelden. Die Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, betonte er. Es ging dem Ausschuss jedoch nicht nur um die Vermeidung von Klagen, „vielmehr muss es um das Kindes- und das Familienwohl gehen“, sagte der SPD-Mandatsträger. Mit den Neuerungen wird seinen Worten zufolge sogar ein Platz-Puffer für die Zukunft geschaffen.

Mit Heidi Birkenstock aus Airlenbach gab es im Ausschuss „eine Pionierin in Sachen Waldkindergärten als fachlich versierte Referentin“. Die Kosten sind im Vergleich zu den notwendigen Investitionen bei den anderen Einrichtungen „durchaus übersichtlich“, machte Zucht deutlich. Den größeren Teil bilden die Personalkosten. Auf Nachfrage sagte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich, dass die neue Einrichtung organisatorisch dem bestehenden „Abenteuerland“ angegliedert wird.

Eine Waldkindergartengruppe ist laut dem Ausschuss-Vorsitzenden mit maximal 25 Kindern einer regulären Kita-Gruppe gleichgestellt. Wie Birkenstock erklärte, sollte man eine Besetzung mit bis zu 20 Kindern anstreben, um eine Not- oder Intensivbetreuung jederzeit sicherstellen zu können. Sie beantwortete daneben viele Nachfragen.

Ein anderer, auch finanziell großer Brocken ist die Erweiterung der Kita Kailbach. Im Ausschuss zeichnete sich ab, dass ein fester Anbau in Modulbauweise mehr Sinn macht als eine Containerlösung. Denn für letztere würde man lediglich für zwei Jahre 300.000 Euro zahlen, während die stationäre Lösung 650.000 Euro kostet – aber dauerhaft. Förderungen sind nicht mit eingerechnet. Im optimalen Fall kann der Anbau nächstes Jahr stehen.

Die Vorbereitungen zur Ausschussberatung der dringenden Baumaßnahme waren Zucht zufolge sehr umfangreich. Neben Eingaben der Elternvertretung waren es Vorarbeiten des Bauamts und die Besichtigung einer Containererweiterungs-Variante in Neckarsteinach, die als Basis der Entscheidung dienten, führte er aus. Lydia Hummel von der Elternvertretung legte dem Ausschuss den dringenden Handlungsbedarf dar.

Der „Abenteuerland“-Anbau in Beerfelden kostet die Stadt zwar auch Geld, aber nur 20 Prozent des ursprünglichen Betrags. Denn ein anonymer Spender steuert 1,2 Millionen Euro zur Maßnahme bei, was im Stadtverordneten-Rund für Beifall sorgte. Auch dieser Bau soll modular errichtet werden, auch hier hofft man auf eine Realisierung im kommenden Jahr. Problematisch ist dem SPD-Mann zufolge jedoch die personelle Besetzung. Hier muss möglicherweise vermehrt auf sogenannte „qualifizierte Laien“ gesetzt werden, die Fachkräfte unterstützen, erläuterte er.

Zu guter Letzt die Kita „Himmelsauge“ in Rothenberg. Um sich ihr sorgfältig und explizit widmen zu können, wird sich der Ausschuss vor Ort informieren, so Zucht. Es geht um eine Grundsatzentscheidung: Sanierung oder Neubau. Zwar existiert in Rothenberg keine lange Warteliste, „doch gibt der Zustand des bestehenden Gebäudes dringenden Anlass zum Handeln“, sagte er. „Der Ausschuss bleibt am Thema dran und wird so bald wie möglich eine Empfehlung aussprechen“, kündigte der Vorsitzende an.

„Undercure“ machen den Originalen alle Ehre

„Heute treten wir das erste Mal im Hellen auf“, scherzt Sänger Holder Schwinn. Ziemlich ungewohnt für die Odenwälder Mannen von „Undercure“, die der legendären britischen Pop-/Rock-/Wave-/Gothic-Band The Cure huldigen. Denn ihr „regulärer“ Termin ist immer am Karfreitag im Hüttenwerk Michelstadt. Der fiel dieses Jahr wegen Corona aus. Dann eben Open-Air auf der Kulturbühne davor: Die Fans dankten es dem Quintett, das in bewährter Manier die Klassiker hoch und runter spielte.

Allzu oft ist die Band nicht auf den Konzertbühnen zu sehen. Das hat zum einen mit den Berufen zu tun: Bassist Jens Weimar ist oft im Ausland unterwegs, Bruder Dirk am Keyboard nach Nordrhein-Westfalen gezogen. Gitarrist Markus Fabian hat vielfältige andere musikalische Verpflichtungen, etwa mit „Betty and the Daltons“, „Herr Fabian“ oder „Bob ist dein Onkel“. Holger Schwinn spielt darüber hinaus noch Theater.

Es gibt aber Traditionsevents. Wie im Hüttenwerk, wo die Band das 14. Mal auftrat. Oder beim Wave Gothic in Leipzig. Frankfurt, Hannover, Mannheim: Die Odenwälder kommen mit ihrer Reminiszenz an die Briten weit rum. Und haben ihre Fans auch weit verstreut, wie sich an den Autokennzeichen zeigt. „Wir wollen uns aber auch nicht überspielen“, betont Drummer Heiko Birkenstock.

Der Band ging es wie vielen anderen: Viele Monate war tote Hose. Da zu Jahresbeginn sowieso nichts anstand, bedeutete der Auftritt in Michelstadt der erste überhaupt in diesem Jahr. Was natürlich noch mehr Freude verhieß, den vor heimischem Publikum zu absolvieren. Als Gast war Mario Schuck dabei, der auf dem Keyboard einige Stücke anstimmte. Denn eigentlich wäre Dirk am Karfreitag nicht verfügbar gewesen und Mario wurde „eingearbeitet“. Dann fiel das Konzert aus – aber der Ersatzmann sollte natürlich nicht um seinen Einsatz kommen.

„Wir leben nicht davon, sondern dafür“: Birkenstock bringt es auf den Punkt, warum die Odenwälder Coverband „Undercure“ einen solchen Kultstatus genießt. „Wir kommen authentisch rüber“, erläutert der Schlagzeuger, denn die Bandmitglieder sind mit den Songs aufgewachsen und wurden vom New Wave der 80er Jahre geprägt. „Das ist unheimlich zeitlos“, betont er.

Das Konzert im Hüttenwerk „ist ein bisschen wie ein Familientreffen“, weiß Birkenstock. „Uns verbindet alle auch eine Freundschaft und nicht nur die Musik“, nennt er ein weiteres Geheimnis des Erfolgs. Auch wenn sie nicht so oft proben und auftreten können, „gibt es ein blindes Verständnis zwischen uns“. Birkenstock zählt am Schlagzeug den Takt an „und wir legen sofort los“. Das gemeinsame Musizieren ist locker, macht Spaß.

Er spricht von einem „Flow“, der auf der Bühne auch spürbar ist, wenn sich Jens Weimar und Markus Fabian musikalisch beharken. „Kein Lied hat uns je gelangweilt“, sagt der Schlagzeuger. Wenn Holger singt, „könnte da Robert Smith auf der Bühne stehen“, meint er. Und ist sich mit dem Publikum einig: „Die fühlen genauso.“ Was die Konzerte wie auch jetzt immer sehr gut besucht macht. Und für ein „tolles Feedback“ sorgt.

Den Bandmitgliedern geht es nicht darum, nur die Akkorde und Texte wiederzugeben, sondern bei aller musikalischen Detailtreue den Geist der Songs auferstehen zu lassen und aufs Publikum zu übertragen. Schwinn mit seiner hellen Stimme, die schon Richtung Falsett geht, schmaler Gestalt, schwarzen Klamotten, extrem rot geschminkten Lippen, toupierten Haaren und dem geschminkten Gesicht gibt den Smith par excellence. Er weiß die Musik, die grenzenlose Melancholie und die Atmosphäre der Kult-Formation ansprechend in Szene zu setzen.

Es ist immer wieder überraschend, wie viele Hits The Cure geschrieben haben, die man irgendwo alle schon einmal gehört hat. „Undercure“ spielt die eingängigeren, bekannteren Songs vor allem im zweiten Set. „Pictures of You“, „Boys don’t cry“,  oder „Lovecats“ sind solche unvergesslichen Stücke aus den vergangenen 40 Jahren. „Friday I’m in love“, „Lovesong“ oder „Lullaby“ gehören ebenfalls zum vielbeklatschten Set.

Stadt sieht wenige Einflussmöglichkeiten

Die Windkraft ist ein heikles, emotional besetztes Thema. Im Haupt- und Finanzausschuss Beerfelden gibt es eigentlich nur um eine Bestandsaufnahme durch Bürgermeister Christian Kehrer. Denn an vier Gebieten auf Oberzent-Gemarkung sind derzeit Projektierer dran: Katzenwinkel, Leonhardshof, Hirschhorner Höhe und Finkenberg. Eine Wortmeldung zieht dann die nächste nach sich. Die Positionen innerhalb der Fraktionen sind jedoch unverändert starr.

Im Gebiet Katzenwinkel ist die Stadt in Gestalt von Grundstücken nicht mehr betroffen, so Kehrer. Die Erschließung wird jetzt wohl über Mossautal laufen, mutmaßt er, und rechnet damit, dass die Windräder verlegt werden. Man werde sich mit der Nachbargemeinde abstimmen.

Großes Sorgenkind ist der Finkenberg im Dreieck zwischen Finkenbach, Hinterbach, Rauchbach, Olfen und Falken-Gesäß. Hier sind die Firmen IPP Enercon und NWind an der Planung dran. Aktuell sind sieben Anlagen vorgesehen. Für den Wege- und Leitungsbau sollen 22 Flurstücke der Stadt in Anspruch genommen werden, teilt Kehrer mit. Da Oberzent hier nicht im Besitz der neben dem Weg liegenden Flächen ist, sieht der Bürgermeister Verhinderungschancen als gering an.

Die Stadt bekäme für die Verlegung der Kabeltrasse einmalig 10.500 Euro, für die Zuwegung jährlich 10.200 Euro. Wie Kehrer mitteilte, sind Enercon und NWind sehr daran interessiert, das Projekt einvernehmlich zu realisieren. Allerdings empfahl bereits der Bau- und Umweltausschuss bereits der Stadtverordneten-Versammlung, den Nutzungsvertrag abzulehnen.

Beim Leonhardshof ist die Stadt Grundstücksbesitzer. „Da haben wir das Heft in der Hand“, betonte Kehrer. Deshalb dürfte sich dort wenig bewegen. Auf der Hirschhorner Höhe, wo die Firma PNE tätig ist, „haben wir zwar die Waldwege, aber keinen Besitz außen herum“, informiert Kehrer. Sollten die privaten Grundstückseigentümer schwach werden, „haben wir keine Einflussmöglichkeiten“, bedauert er. Denn laut gerichtlicher Entscheidung müssen die Kommunen die Erschließungswege zur Verfügung stellen.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) verwies auf Windkraft-Nutzung als Teil der Energiewende und Maßnahme gegen den Klimawandel. Sie wie auch Ausschuss-Vorsitzender Marcel Gerling (SPD) brachten die finanzielle Komponente für den klammen Haushalt ins Spiel. Das erzeugte Widerspruch. Oliver von Falkenburg (CDU) betrachtete das Thema auch prinzipiell. Es gibt einen Grundsatzbeschluss der Stadtverordneten gegen Windkraft, von dem man nicht abweichen soll, betonte er. Gerling wünschte sich einen Neustart mir folgender sachlicher Diskussion des Themas.

Ähnlich Claus Weyrauch (ÜWO): Mit blick auf Rothenberg erwähnte er den projektierten Kindergarten auf der Höhe, der bei Realisierung gerade mal 900 Meter von den Windrädern entfernt wäre. „Das passt für mich gar nicht zusammen.“ Kehrer ging auf die Informationspolitik der Windrad-Betreiber ein. Er vermisste Transparenz und beklagte die Geheimniskrämerei, wenn es um Windhöffigkeit und Erträge geht.

 

Drei Gitarrenvirtuosen ziehen in Finkenbach neue Saiten auf

Das traditionsreiche Finkenbach-Festival muss dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie leider ausfallen. Aber so ganz ohne Musik wollen die Macher des FC Finkenbachtal ihre Fans dann doch nicht lassen. Am Samstag, 15. August, treten die beiden Gitarrenvirtuosen Timo Gross und Adax Dörsam mit ihrem neuen Projekt „Leadbelly Calls“ auf. Aber nicht nur sie: Alex Auer ist solo ebenfalls auf der Bühne zu sehen und wird im Schluss-Set das Duo zum Trio machen. Beginn ist um 18 Uhr im Fußballstadion.

„Wir haben schon länger überlegt, etwas zu machen“, schildert der zweite Vorsitzende des FCF, Armin Löffler, die Vorbereitungen. Den Festival-Fans sollte in der ereignislosen Zeit was geboten werden. Alle drei Musiker wären sowieso dabei gewesen: Gross und Dörsam mit ihrem Duo, Naidoo-Gitarrist Alex Auer mit seinen „Detroit Blackbirds“, bei denen als Gast wiederum Adax Dörsam mitwirkt.

Das Konzert findet nicht auf dem alten wie sonst, sondern auf dem neuen Sportplatz statt, um Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können. Aktuell wird laut Löffler mit 250 Sitzplätzen geplant, die bereits per E-Mail reserviert werden können. Es wird eine kleine Bühne aufgebaut, der FCF sorgt daneben für die Verpflegung. Das Ganze „in gemütlicher Atmosphäre“, wie der Vereinsfunktionär schmunzelt.

Die Gitarrenkönner huldigen dem stimmgewaltigen Bluessänger Hudson Ledbetter aus Louisiana, besser bekannt als „Leadbelly“. Das Projekt gibt es seit einem Jahr, erzählt Adax Dörsam. Die Idee entstand aus den seit einiger Zeit bestehenden jährlichen Sessions mit Timo Gross. „Wir haben manches direkt live einspielt“, stimmte die Chemie zwischen den beiden Profis auf den sechs Saiten. Anderes wurde dann im jeweiligen Studio in Eigenregie gezaubert.

Aktuell hat das Duo schon eine Promo-CD im Gepäck, der „richtige“ Silberling soll kommendes Jahr erscheinen. Den ersten Auftritt mit diesem Programm gab es bereits ebenfalls – vor kurzem in der Pfalz, Timo Gross‘ Heimat. Dörsam bezeichnet die Musik als „innovativ und gleichzeitig Retro“. Der Odenwälder erkennt sowohl spirituellen Gehalt als auch Tiefe in den Songs, die durch ihre Coverversionen Weltruhm erlangten.

Gleichzeitig ist Leadbellys Lebenslauf ein Abbild der aktuellen Ereignisse in den USA, erklärt der Mörlenbacher. Der lebte von 1885 bis 1949 in Louisiana, Texas und New York. In dieser Zeit schlug der Rassismus erbarmungslos zu, so Dörsam: Leadbelly wurde einige Male verurteilt und saß die Hälfte seines Lebens in Gefängnissen. Als Schwarzer hatte man kaum eine Chance vor Gericht und vor der Polizei – wie sich die Zeiten gleichen.

Die beiden Solisten, Songwriter und Produzenten kreieren auf den Schultern dieses Bluesgiganten eigene, raue Klangwelten. Mit Respekt und Mut transformieren sie sein Erbe ins 21. Jahrhundert. „Leadbelly Calls“ mischen ohne Scheu Ethno-, Elektro- und Bluessounds und spielen mit Erwartungen und Nuancen, um die Hörer zu überraschen. Timo Gross erdiger Gitarrenstil verwebt sich eindrucksvoll mit den ausgefallenen und exotischen Sounds von Adax Dörsam.

Das breite Spektrum von „Talking to Huddie Ledbetter“ beginnt bei rohen und ostinaten Blues-Grooves. Zwei Dobros und Stimmen reichen bei „Take this Hammer“, um das verzweifelte Ringen um die Menschenwürde der schwarzen Eisenbahnarbeiter zu beschwören. Ein Highlight ist die Interpretation des Klassikers „Black Betty“, bekannt durch Ram Jam: ein extrem tanzbarer, hypnotischer Groove kontrastiert die klassische türkische Saz.

Leadbelly schrieb Welterfolge wie „Midnight Special“ und „Cottonfields“, interpretiert von Creedence Clearwater Revival, „Good Night Irene“ (Weavers und Eric Clapton) „Where Did You Sleep Tonight“ (Nirvana) oder „The Gallows Pole“ (Led Zeppelin). Foto: Rene_van_der_Voorden

 

Info: „Hallo Finkenbach 2020“ des FC Finkenbachtal am Samstag, 15. August, Einlass 16 Uhr, Beginn 18 Uhr, Open-Air im Fußballstadion, mit „Leadbelly Calls“ (Timo Gross und Adax Dörsam) sowie Alex Auer (solo). Reservierungen unter E-Mail fcfinkenbachtal@t-online.de oder Telefon 0160/2819049 und 0171/5132118.

Viel investieren mit möglichst wenig Geld

Wer kein Geld hat, macht sich am besten frühzeitig darüber Gedanken, möglichst wenig davon auszugeben. Diesen vernünftigen Ansatz verfolgte jetzt der Haupt- und Finanzausschuss mit Blick auf 2021. Denn die Gewerbesteuer in Oberzent brach durch Corona stark ein. Dazu fehlen die Erlöse aus dem Holzverkauf im Stadtwald. Oberzent ist wieder da, wo die früheren vier Gemeinden vor der Fusion standen. Es wird notgedrungen mehr verwaltet als gestaltet, weil die (Holz-)Kohle fehlt.

Finanzbereichsleiterin Franziska Michel bat um Rückmeldung aus den Fraktionen, „wohin die Reise gehen soll“. Wo könnte vielleicht bei freiwilligen Leistungen gespart werden, war ein weiterer Punkt. Aktuell gehen gerade die Abfragen an die einzelnen Fachbereiche raus, damit diese für den kommenden Etat ihre Mittelanmeldungen losschicken, erläuterte sie.

Als großen Posten bezeichnete Bürgermeister Christian Kehrer die Investitionen. Oberzent hat sich für kommendes Jahr einiges vorgenommen, was teilweise schon aufgeschoben war und nun keinen Aufschub mehr duldet. Auf der anderen Seite will man schauen, was an sonstigen Maßnahmen unbedingt notwendig ist oder vielleicht noch gestreckt werden kann.

Die Finanzierung wird laut Kehrer eine ziemliche Herausforderung. Sie wird zum Großteil über Kredite laufen müssen. Daneben will man überlegen, inwieweit sich Förderprogramme zur Verwirklichung integrieren lassen. Und dann wird geschaut, wie viel Luft noch im Haushalt ist. Es hilft aber alles nichts: „Unser Ziel muss es sein zu investieren“, wies Kehrer auf die lange Liste von notwendigen Dingen hin.

Michel bat um eine neue Priorisierung der Maßnahmen. Denn eine Bandbreite wie in der Vergangenheit „ist nicht zu machen“, betonte sie. Es geht ihren Worten zufolge nicht darum, etwas vor sich herzuschieben. Sondern es soll dokumentiert werden, was warum aus der Liste fliegt und wann es wieder aufgenommen wird. Das schafft Transparenz.

Da der Stadt die Einnahmen fehlen, läuft die Diskussion um Steuererhöhungen intern schon einige Zeit. Die Fraktionen sperren sich jedoch gegen „Maßnahmen in der Breite“, wie es Oliver von Falkenburg (CDU) mit Blick auf die Grundsteuer B formulierte. Er zielt mehr auf Spielapparate- und Zweitwohnungssteuer ab. Denn eine Grundsteueranhebung würde alles gleich wieder einkassieren, was durch das Corona-Füllhorn vom Staat ausgeschüttet wurde, so der CDU-Mann.

Thomas Ihrig (SPD) wünschte sich mehr Initiative seitens des Magistrats, um Einsparpotenziale zu erkennen. Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) sprach die Höhe einer möglichen Kreditaufnahme an. Dieses Jahr wird keine Steuererhöhung mehr kommen, schälte sich aus den Äußerungen heraus. Claus Weyrauch (ÜWO) wollte ebenfalls erst einmal die Zahlen des 21er-Haushalts abwarten – was drinsteht und wann letztendlich auch realisiert wird.

André Bechtold (FDP) drang auf die Ausweitung des Gewerbegebiets, um damit Steuereinnahmen zu generieren. „Wir sind dabei“, entgegnete Kehrer. Mit den Grundstückseigentümern laufen Gespräche. Er wies jedoch darauf hin, dass die ersten Zahlungen sicherlich einige Jahre auf sich warten lassen, da die Firmen ihre Investitionen erst einmal abschreiben werden.

Ausschuss-Vorsitzender Marcel Gerling (SPD) erkannte „viel Unmut“ infolge des Wartens auf manche Maßnahmen. Er wollte nicht Pflicht- und freiwillige Ausgaben gegeneinander aufgerechnet wissen. Die Sicherheit der Bürger „kommt aus der Struktur“, betonte er, und nicht durchs Geld. Gerling plädierte dafür, jetzt die notwendigsten Dinge zeitnah abzuarbeiten.

Achim Schäffler (ÜWO) äußerte noch seine Befürchtung, dass im Ausschuss beschlossene Projekte in der Stadtverordneten-Versammlung „eingedampft“ werden könnten, weil es in der Masse zu viele sind. Zieht man die Zuschüsse ab, kommt wirklich einiges zusammen: Sporthalle Unter-Sensbach, Feuerwehrhaus Airlenbach, Waldkindergarten, Kindertagesstätte Wirbelwind Kailbach und Abenteuerland Beerfelden bedeuten geplante Investitionen von mehr als 1,5 Millionen Euro in 2021.