Es ist höchst schwierig, Bäcker zu finden

Gammelsbach. Das Schild mit dem „letzten Bäcker vor der Grenze“ sorgt immer wieder für Schmunzeln, wenn Autofahrer aus dem Odenwaldkreis Richtung badischem Neckar fahren. Die Riesingers sind in Gammelsbach der letzte Bäcker in doppelter Hinsicht. Nicht nur geografisch, sondern auch als Laden. Zum Glück ist die fünfte Generation bereits eingestiegen und führt das Geschäft in die Zukunft.

Was 1908 mit Wilhelm Riesinger begann (die angeschlossene Gastwirtschaft „Kühler Krug“ gibt es noch länger), dem zwei weitere Wilhelms folgten, setzt sich heute mit Werner und Andrea Riesinger, ihrem Sohn Christian mit Frau Ramona sowie deren Kindern Lars und Lina fort. „Grande Dame“ ist die 85-jährige Oma Gertrud, die als gelernte Köchin früher in der Küche das Zepter schwang. Auch heute noch lässt sie es sich nicht nehmen, im Hintergrund mitzuwirken.

Größtenteils wird in der Backstube alles noch selbst gebacken. „Das Sortiment wurde immer größer“, erzählt Werner Riesinger. Vor 40 oder 50 Jahren gab es nicht mal Laugengebäck, erinnert er sich. Heute wird nicht nur das, sondern allgemein ein viel größeres Angebot nachgefragt. Das möglichst sofort um 6 Uhr morgens, wenn der Laden aufmacht.

Die Lage an der vielbefahrenen Bundesstraße 45 ist positiv fürs Geschäft. Viele Handwerker oder Berufstätige halten schnell an und holen sich auf dem Weg nach Baden oder Hessen ihr Frühstück. „Die überwiegende Teil der Kundschaft kommt von außerhalb“, hat Andrea Riesinger beobachtet. Sie freut sich über zahlreiche Stammkunden, die trotz gestiegener Preise Wert auf handwerkliche Qualitätsarbeit legen.

Auch in schwierigen Zeiten, wenn die Einkaufspreise immer stärker nach oben gehen, versucht man, diese Steigerungen nur gedämpft an die Kunden weiterzugeben. Denn die sollen ja weiter in der Bäckerei und nicht beim Discounter einkaufen. Das ist nicht einfach, „denn so teuer wie jetzt war Mehl noch nie“, geht laut dem Seniorchef alles durch die Decke. Die Energiepreise sowieso.

Helles oder dunkles Bauernbrot gehört zu den Klassikern. Ihre süßen Stückchen und die Kuchen machen die Riesingers selbst. Gern gekauft wird der Hefekuchen, je nach Jahreszeit mit Pflaumen oder Äpfeln. Und natürlich gibt’s ein belegtes Brötchen mit Wurst oder Käse auf die Hand. Für dieses Angebot kommen die Kunden sogar extra von außerhalb, etwa aus Eberbach, ins Hessische gefahren. Auch wenn einige durch die Supermärkte weggefallen sind, „können wir sehr zufrieden sein“, sagt sie.

In der Bäckerei gibt’s aber beileibe nicht nur verschiedenste Backwaren. Sie dient als kleiner Tante-Emma-Laden für den ganzen Ort. Wurst von der Metzgerei Postawa, Molkereiprodukte von der Hofkäserei am Schlossberg und aus Hüttenthal, Lebensmittel und Getränke runden das Sortiment ab. Dazu kommen Nudeln aus dem Odenwald und Mehl aus Allemühl. „„Wir achten darauf, Sachen aus der Region anzubieten“, betont die Seniorchefin. Und natürlich gibt‘s auch die Heimatzeitung.

Die Oma „hat sogar noch Unterhemden und Strümpfe verkauft“, gab es damals einen Gemischtwarenladen. Der Platz war vorhanden, da Kühltheke und ein größeres Sortiment an Backwaren erst später dazukamen. Mit dem Aufkommen der Supermärkte reduzierte sich aber der Bedarf für die Dinge abseits von Lebensmitteln.  

Viele Ältere wissen es zu schätzen, dass ihnen die Einkäufe nach Hause gebracht werden, wenn sie selbst nicht mehr so mobil sind. Den Service gibt es aber nicht nur in Gammelsbach. Auch ins Sensbachtal und nach Falken-Gesäß wird gefahren – dort, wo es keine Bäckerei mehr gibt. Dabei kann die Familie auf die Unterstützung ihrer Beschäftigten zählen, die schon jahrzehntelang dabei sind und teilweise auch vor Ort lernten.

Denn „es ist höchst schwierig, Bäcker zu finden“, weiß Werner Riesinger. Fünf Mitarbeiter inklusive Aushilfen gibt’s für die Backstube, weitere fünf für den Laden. Sohn Christian ist morgens meistens der erste in der Backstube. Der Vater nimmt sich den „Luxus“ heraus, manchmal bisschen später zu kommen, denn er war seit 1995 immer der erste – als das Ehepaar das Geschäft von den Eltern übernahm.

Mit etwas Glück, schmunzelt der stolze Opa, wird irgendwann die sechs Generation übernehmen. Denn Enkel Lars steht morgens, bevor es in den Kindergarten geht, in der Bäckerei und will auch rollen. „Wenn der das in zehn Jahren noch sagt, ist es gut“, meint Werner Riesinger. In allen Generationen erwarben die Inhaber jeweils auch ihren Bäckermeister.

150 Jahre höchste Qualität

Beerfelden. 150 Jahre in Familienbesitz: Welcher Betrieb kann das heute noch von sich behaupten? Vor allem weil die kommende Generation bereits in der Verantwortung ist und somit den nächsten paar Jahrzehnten nichts im Wege steht. 1980 hatten Gerhard Rebscher und seine Frau Anita deren elterliche Metzgerei Kumpf im Eberbacher Weg übernommen, jetzt sind es ihre Kinder Nina und Jens.

Die haben’s heutzutage nicht mehr leicht. Der Grund ist Personalmangel. „Ich würde sofort zwei Verkäuferinnen einstellen“, sagt der Seniorchef. Und seine Tochter ergänzt: „Wir hatten seit fünf Jahren keinen Lehrling mehr.“ Zum Glück sind neben den aktuell zwölf Angestellten noch fünf Familienmitglieder im Betrieb tätig, das federt ein wenig ab. Selbst geschlachtet wird in Eberbach zusammen mit der Metzgerei Eichhorn.

Arbeit gibt es genug. Die Fleisch- und Wurstwaren sind weit über Beerfelden hinaus bekannt. Das liegt auch an der kontinuierlich gleichbleibenden Qualität, betont Gerhard Rebscher. Auch das Sortiment änderte sich nicht. Allerdings ging die Metzgerei mit der Zeit und nahm neue Angebote mit auf.

Fertiggerichte und Salate kamen hinzu, außerdem das sehr gut frequentierte Mittagessen, heiße Theke und Frühstück. „Für das kommt sogar die Polizei aus Erbach manchmal hergefahren“, freut er sich. Besonders bekannt und eine Eigenproduktion, die sich sonst nirgends findet, ist der Galgenstrick. Dabei handelt es sich um geräucherte, getrocknete und zusammengedrehte Wurst.

Den Beruf muss man wollen, denn er bedeutet keinen Acht-Stunden-Tag. „Wir haben das Handwerk gelernt und uns dafür entschieden“, verdeutlicht Rebscher. Deshalb war die Übernahme vor 42 Jahren nur folgerichtig – und war es Anfang des Jahres auch für die Kinder. „Der Beruf macht Spaß und der Erfolg gibt uns recht“, hebt er hervor. Wie auch den Beschäftigten. Davon zeugt etwa die 25-jährige Mitarbeit von Daniela Fink.

Die erste Gewerbeanmeldung des Betriebs stammt zwar von 1872 durch Heinrich Neuer, Metzger und Schildwirt vom Gasthaus „Zum Adler“. Der war damals auch „Viehhändler mit Rindvieh im Kleinen, Makler mit vierfüßigem Vieh, Fuhrmann um den Lohn für die einzelnen Fuhren, Schildwirt zum Beherbergen berechtigt und Musikant für Tanzbelustigungen“.

Doch die Metzgerei ist bereits deutlich älter. Aus dem Jahr 1735 stammt die erste urkundliche Erwähnung. 1823 erteilte Graf Albert von Erbach-Fürstenau Wilhelm Neuer die Konzession zur Führung einer Schild- und Zapfwirtschaft. 1858 bat ebenjener um Erlaubnis für das „Feilhalten von Speisen und Getränken seines Gasthausbetriebs auf den Beerfelder Viehmärkten“.

Heinrich Neuer erhielt 1865 eine Baugenehmigung vom Großherzoglichen Kreisamt Erbach. Da ging es um ein Schlachthaus, einen Backofen, vier Schweineställe und eine Holzremise. Was den Schluss zulässt, dass der Gewerbebetrieb schon in diesem Jahr oder bereits früher existierte – und nicht erst seit 1872.

Unter Regie von Anita und Gerhard Rebscher gab es ab 1980 viele Veränderungen. Ein freudiges Ereignis in dem Jahr war die Geburt von Sohn Jens. 1982 folgte der Abriss des Stalles mit Scheune. Es entstand ein Neubau mit Laden, Wurstküche und Wohnung. Der erste gemeinsame Imbissstand auf dem Pferdemarkt mit Hans Bormuth wurde betrieben.

Auch 1984 gab es wieder viel Neues. Seit dem Jahr wird der Imbiss auf dem Gailsmarkt durch die Rebschers allein bewirtschaftet und seitdem zum Schlemmerzelt ausgebaut. In Hirschhorns Hauptstraße wurde durch die Familie eine Filiale eröffnet, die es aber inzwischen nicht mehr gibt. Noch mehr Freude gab’s durch die Geburt von Tochter Nina. Beide Kinder traten beruflich in die Fußstapfen der Eltern.

In den Folgejahren setzten sich die Veränderungen beständig fort. 1994/1995 entstand ein komplett neues Geschäftshaus im Eberbacher Weg nach neuesten Hygienerichtlinien durch Abriss des alten. 1997 bis 2008 war Gerhard Rebscher Festwirt in der Reithalle, 2000/2001 bei der Hirschhorner Kerwe, 2001 bis 2018 auf dem Eberbacher Kuckucksmarkt.

Die Waren der Metzgerei gibt es nicht nur am Stammsitz zu erwerben. Beliefert werden auch der Rewe in Eberbach oder die Edeka-Märkte in Alsbach-Hähnlein, Weiterstadt und Griesheim. Die Qualität der Rebscher-Produkte wird immer wieder durch Auszeichnungen bestätigt. So gab es gerade drei Goldmedaillen beim internationalen Qualitätswettbewerb für Wurst des Fleischer-Verbands in Frankfurt für Fleischwurst, Wiener und feine Mettwurst, dazu noch drei Mal Silber.

Hilfe für benachteiligte Schüler von Schülern

Beerfelden. Die Oberzent-Schule sammelte Material zusammen mit dem Verein „Frieden und Gutes für Caransebes“. Schulleiter Bernd Siefert brachte die Dinge persönlich in den Ferien nach Rumänien. Volkmar Raabe, zweiter Vorsitzender des Hilfsvereins, organisierte den Transport. Aus der Gala-Planungsgruppe war Lea Siefert mit im südosteuropäischen Land dabei. Im Rahmen des Besuchs wurde auch eine Spende von 2000 Euro übergeben.

Die Schwestern in Caransebes sind auf die Unterstützung von außerhalb angewiesen, weil Eltern dort finanziell nicht in der Lage sind, die Dinge für die Kinder zu organisieren und zu bezahlen. „Nur Bildung führt die Kinder aus dem Teufelskreis“, weiß man. Dabei hilft auch die tägliche Mahlzeit, die durch das Kloster vor Ort organisiert wird.

Schwester Marie Therese erklärte: „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Oberzent-Schule, die uns hilft, damit wir anderen Menschen helfen können.“ Volkmar Raabe ergänzte: „ In den zwölf Jahren der Unterstützung ist uns deutlich geworden, dass die Kinder und Jugendlichen so eine Möglichkeit haben, ihr Leben selbstständig zu gestalten und die Brennpunktquartiere zu verlassen.“

100 Schüler aus diesen Quartieren in Caransebes profitieren von der Spende aus Oberzent. 25 Kinder aus der Jugendgruppe „Kinder für das Leben“ erhalten zusätzlich Nachhilfeunterricht und werden vom Verein „Frieden und Gutes für Caransebes“ unterstützt. Mittlerweile studieren drei davon. Zehn Kinder aus dem Kindergarten St. Ursula, der Kindern aus den Brennpunkten hilft, werden eingeschult und mit Material ausgestattet. 65 Kinder aus dem Brennpunkt werden ebenfalls unterstützt.

„Gemeinsam aus Liebe agieren“ oder Gala hieß die Charity-Aktion der Oberzent-Schule im Juni, bei der insgesamt 10.000 Euro an Spenden gesammelt wurden. Weitere je 2000 Euro gingen an: „Waisenkinder Tansania“, „Du musst kämpfen“, Ahrtalhilfe und „Neuroneum Help“. Wenn Schule durch das Engagement von Jugendlichen in dieser Form irksam werden kann, „dann bin ich als Schulleiter stolz“, erklärte Siefert.

Der Hilfsverein für Carabenses knüpft seit seiner Gründung 2020 an eine langjährige Tradition an. Bereits im November 2010 wurde von der Pfarrei St. Sebastian in Michelstadt ein erster Transport mit Kleidung nach Rumänien organisiert.

Bei Fenster Baum geht sich der Blick in die Zukunft

Finkenbach. Voll des Lobes war der hessische Wirtschaftsminister Tarek al-Wazir über die Innovationsfreudigkeit der Firma Fenster Baum in Finkenbach. Die orientiert sich von Kunststoff- und Alu-Fenstern quasi „Back to the roots“ wieder zu Holzausführungen – und spart damit zusammen mit anderen Maßnahmen gewaltig CO2. Im Rahmen seiner Sommertour machte Al-Wazir hier Station, nachdem er zuvor bei HIK in Beerfelden zu Gast gewesen war.

Als „ganz große Ehre“ bezeichnete es Seniorchef Karl Baum, dass der Minister den Weg in den Odenwald nach Finkenbach gefunden hat. Im Familienbetrieb, 1936 gegründet, sind aktuell 16 Mitarbeiter inklusive eines Lehrlings tätig. Im Zuge des Umbaus von drei Produktionshallen reifte der Entschluss, stärker auf den nachwachsenden Rohstoff Holz zu setzen, erläuterte Sohn Steffen Baum.

1967 trat Karl Baum in den elterlichen Betrieb ein, den sein Vater 1936 im Kellerraum des Erdgeschosses seines Hauses als kleine Dorfschreinerei mit Bestattungen gegründet hatte. Die Treue der Mitarbeiter zum Betrieb ist groß. Bestes Beispiel ist der erste Geselle Walter Löw, 1978 eingestellt. Er arbeitet immer noch dort.

Erneuerbare Energien standen schon immer im Fokus. 2011 wurde die erste Fotovoltaikanlage installiert. Es folgte der Entschluss, in die drei Hallen in der Wetterbergstraße zu investieren – eine längere Geschichte, die aber 2018 erfolgreich zum Ende gebracht wurde. Hier stehen nun neben 1800 Quadratmetern überbauter auch 7000 qm Freifläche zur Verfügung. Eine Solaranlage mit 90 kW deckt wird laut Steffen Baum zu 70 Prozent für den Strom-Eigenbedarf verwendet.

Ziel des Betriebs: den Zukauf von Alu- und Kunststofffenstern zurückfahren. Damit ließen sich bis zu 80 Tonnen Kunststoff und zehn Tonnen Aluminium im Jahr einsparen. Außerdem wird für die Herstellung von Holzfenstern viel weniger Energie gebraucht. Die eingesparte Menge an Kohlendioxid ist beträchtlich: Wird ein Wohngebäude mit Fichtenholz- statt mit Kunststofffenstern ausgestattet, sind es 2240 Kilo.

Die Firma will möglichst alle Hölzer aus der Umgebung beziehen, erläuterte Baum. Deshalb tritt man auch der Initiative „Holz von hier“ bei. Der Holzmarkt ist zwar aktuell überhitzt, aber „wir haben rechtzeitig eingekauft“, freute er sich. Auch wurde der Lieferant nicht gewechselt, was sich jetzt auszahlt. Zudem sitzt der Betrieb im Odenwald an der Holzquelle.

Tüpfelchen auf dem i der Erneuerung war die Investition in eine CNC-Maschine, quasi das Nonplusultra für die Fensterherstellung. Ohne eine entsprechende CO2-Landesförderung „hätten wir den Schritt nicht gewagt“, so Baum. Auch wenn es sehr viel Schriftverkehr bedeutete, lohnte sich der Schritt. Denn er bedeutete „eine signifikante Verbesserung bei der Energieeffizienz“.

Mit einem vollautomatischen Arbeitsablauf werden mehrere Maschinen konventioneller Bauart ersetzt, erklärte er. Förderung von E-Mobilität, Umstellung der Beleuchtung auf LED, Sägespäneabsaugung und Schrauben-Kompressoranlage sind weitere Bausteine der Umstellung. Insgesamt wurden laut Baum weit über 1,5 Millionen Euro in Gebäude und Maschine investiert, „um Arbeitsplätze im Odenwald zu sichern“.

Gleichzeitig wurde das Unternehmen damit unabhängiger von Energiepreisen gemacht. 239 Tonnen CO2 lassen sich so pro Jahr einsparen, das sind drei Viertel des bisherigen Ausstoßes. „Die Investitionen haben den erhofften Produktionsgewinn gebracht“, bilanzierte er nach 20 Monaten Betrieb. Gleichzeitig wurde die Produktpalette erweitert. Denn nachhaltige Lösungen „sind derzeit mehr denn je gefragt“.

Fachkräftemangel und Preissteigerungen beim Material schlagen aber auch im Odenwald durch. Deshalb gilt es laut Baum vorausschauend zu planen. Für den Betrieb erweist es sich als Glücksfall, abgekoppelt vom überhitzten Holzmarkt zu sein. Er bemängelte allerdings den großen bürokratischen Aufwand für kleine Unternehmen in ihrem Geschäftsbetrieb.

Auf seiner Sommertour besucht Al-Wazir Firmen, „die irgendwie besonders sind“, sagte er. Zentrale Fragestellung dabei: „Wie gehen wir den Ressourcen um?“, wie kann Energie eingespart werden. Deshalb richtet sich der Fokus des Ministeriums auf die diejenigen, „die sich schon früher auf den Wege gemacht haben“. Und im Falle von Fenster Baum aus einer historischen Schreinerei heraus einen topmodernen Betrieb schufen.

„Fenster sind elementar wichtig“, betonte der Minister. Denn ein Drittel des gesamten Energieeinsatzes hat mit Gebäuden zu tun. Deshalb wird es seinen Worten zufolge in den kommenden Jahren „sehr wichtig sein, mit weniger Energieeinsatz nicht zu frieren und nicht zu schwitzen“.

Aluminium wächst nicht nach, Holz schon, meinte er lapidar. Deshalb interessierte sich Al-Wazir auch für die Wertschöpfung. Und darüber hinaus, wie Arbeitsplätze in einer Gegend entstehen, die ziemlich weit weg von den Ballungsräumen ist. „Mein Besuch hat mir gezeigt, dass ‚zurück zur Natur‘ auch für Unternehmen ein Erfolgsrezept sein kann“, sagte er.

Der Minister ermutigte das Unternehmen zu weiteren klimafreundlichen Innovationen und Produktentwicklungen. „Durch die Umstellung der gesamten Produktpalette können sich Unternehmen nachhaltig für die Zukunft aufstellen“, hob er hervor. Gleichzeitig mit der Umstellung kann auch die Nachfrage ansteigen.

Im Anschluss an einen informativen Rundgang durch den Betrieb gab es noch zwei Vorträge. Der stellvertretende Bundesglaserinnungsmeister Thomas Lippold beleuchtete die Aufgaben der Innung. Prof. Dr. hc. Klaus Layer referierte im Anschluss zum Thema „Pro Klima – jedes Watt zählt“.

Wenn nicht jetzt, wann dann zu den Höhners?

Ober-Sensbach. „Volkers Schlaraffenland“ heißt im Volksmund das kleine Geschäft mitten an der Durchgangsstraße. Offiziell hängt das Schild „Höhner Wurstladen“ über der Eingangstür, wo früher der Strohlagerplatz war. Egal wie es bezeichnet wird: Das Lädchen von Anette und Volker Höhner ist das letzte mit Lebensmitteln im ehemaligen Sensbachtal und dadurch auch ein kleiner Dorftreffpunkt.

Eröffnet haben die Eheleute ihr Geschäft vor 24 Jahren, im Jahr ihrer Hochzeit. „Ich hatte das Glück, einen Metzgermeister kennenzulernen“, lacht Anette Höhner. Sie selbst absolvierte eine einschlägige Lehre in dem Beruf. In der Zeit kamen gerade die Direktvermarktungsbetriebe auf. Eine Idee, die beide gern aufgriffen. Früher hatte man einen alten Metzger bei der Hand, der Dosenwurst machte. Dessen Betrieb und der Kundenstamm wurden übernommen.

Hausmacher, Schinken, Aufschnitt, Paprika- und Fleischwurst oder Rippchen finden sich im Sortiment. Verarbeitet wird neben der heimischen Produktion aus der eigenen Schweinehaltung auch Fleisch aus der Region. Der entsprechende Schlachthof befindet sich in Winterkasten. „In der näheren Umgebung gibt es leider nichts mehr“, bedauert Anette Höhner. Selbst an der Bergstraße schließt jetzt einer.

Sehr viel Stammkundschaft schwört auf die Wurstwaren aus dem Sensbachtal. Aus Heidelberg oder Darmstadt machen sich die Käufer auf den Weg, weil sie Wert auf Qualität legen. „Es schmeckt anders“, hat sie aus Rückmeldungen erfahren. In der Pfanne ist nach der Zubereitung noch das, was man reingelegt hat. Außerdem wird die Ware auch verschickt. Im Laden finden sich daneben noch ein paar Kleinigkeiten, um das Essen zuzubereiten, wie etwa Nudeln oder Tütensuppen.

Für die überwiegend ältere Kundschaft stehen neben dem Eingang auch ein paar Stühle. „Die kommen dann mit meinem Vater gern ins Gespräch“, erzählt die Tochter. Denn Helmut Ihrig, der früher selbst die Landwirtschaft betrieb, ist mit seinen knapp 75 Jahren eine lebende Ortsgeschichte und weiß viel von früher zu berichten, etwa von Schule oder Holzwirtschaft. „Er kennt fast den gesamten Odenwald“, meint seine Tochter.

Geschätzt wird bei Höhners die familiäre Atmosphäre „wie im Tante-Emma-Laden“. Die meisten Gäste bringen Zeit zum Einkaufen mit, denn Hektik ist nicht angebracht. Die Chefin hofft, dass die bisher gute Kundenfrequenz auch in Zukunft anhält, obwohl rundherum alles teurer wird und auch der Fahrtweg immer mehr kostet. Bisher lässt sich zum Glück noch keine Kaufzurückhaltung feststellen. Weiterhin wissen die Gäste Qualität zu schätzen und sind bereit, dafür mehr als beim Discounter zu bezahlen.

Findet die Kerwe statt oder ein anderes Fest im Ort, dann stellen sich die Höhners bei ihrer Produktion darauf ein. Denn dann gehen die Leute dort essen und unterstützen die Vereine. „Der Zusammenhalt im Dorf ist groß“, weiß sie. Haben die Eheleute selbst ein größeres Fest zu beliefern, dann werden bei einem Betrieb ihres Vertrauens Tiere zugekauft. „Wir wissen, wo die herkommen“, betont die Chefin.

Unterstützt wird sie im Geschäft von Tochter Anja. Dort gibt’s auch eine kleine Schmuckecke, außerdem finden sich im Regal verschiedene Karten, die Nachbarin Birgit Leiß selbst gestaltet – zu verschiedenen Anlässen wie Glückwünsche, Geburtstag, Trauer oder Weihnachten.

Gastronomisch die „Krone“ aufgesetzt

Gammelsbach. Womit kann ein Odenwald-Gasthaus heutzutage punkten? Wolfgang Gerbig, Chef der Gammelsbacher „Krone“, weiß die Antwort, denn er hat es wieder unter die „besten Dorfgasthäuser in Hessen“ geschafft. Eine Auszeichnung, die landesweit vor kurzem nur 50 Mal vergeben wurde. Schon bei der Vorgänger-Auszeichnungsrunde vor drei Jahren war der Traditionsbetrieb aus dem Oberzent-Stadtteil mit dabei.

Regionale Küche ist eines der Schlagwörter, die fürs Ranking wichtig sind. Hessische Gerichte oder solche mit Zutaten aus dem näheren Umfeld werden auf der Speisekarte extra gekennzeichnet. So kommt etwa das Wild aus Gammelsbacher Wäldern, betont Gerbig. Dazu kommt das Prädikat „Odenwald“ über allem. Deshalb wird konsequent sowohl bei den Speisen als auch bei den Aktionen darauf gesetzt. Das ist dann das Kochkäs-Schnitzel genauso wie ein Ausflug zur Käserei, das lokale Bier analog zur Besichtigung der Brauerei.

Daneben sollten auch kulturelle Veranstaltungen geboten werden, um die Auszeichnung zu erhalten. Natürlich spielt außerdem das Fachliche eine Rolle, weshalb Gerbig bei der Bewerbung auch die verschiedenen Referenzen mit einreichen musste. Die Dokumentation „hat mich schon ein paar Stunden gekostet“, schmunzelt er. Aber lohnende Stunden.

Zum Portfolio kommt – immer unter Pflege der Tradition – eine moderne Ausrichtung. Und natürlich dürfen gewisse ökologische Elemente nicht fehlen, ohne die es heutzutage nicht mehr geht. Bei der „Krone“ sind dies unter anderem E-Bike-Ladestationen. An eine Ausweitung dieses Angebots wird aufgrund der guten Resonanz bereits gedacht, ergänzt Bruder Edgar.

„Ein gutes Gasthaus ist der Mittelpunkt und die Seele des Orts“, nimmt der Küchen- und Wirthaus-Chef Bezug auf Ministerpräsident Boris Rhein bei der Preisverleihung. Bei der „Krone“ ist das auf jeden Fall gegeben. Denn hier schlug im großen Nebensaal mit seinen riesigen Platzangebot die Geburtsstunde von Turnverein und Posaunenchor. Und noch heute gibt es neben dem Sonntags-Frühschoppen weitere Stammtische etwa der Skatfreunde oder der Kegler.

Wie überhaupt die Verbundenheit mit dem und im Dorf ein zentrales Element ist. Im Familienbetrieb mit seiner fast 400-jährigen Tradition kommt gern Seniorchefin Gertrud zu einem Schwätzchen am Tisch vorbei. Für die Gäste gibt’s immer den einen oder anderen Ausflugstipp. Oder Edgar Gerbig macht spontan eine geführte E-Bike-Tour rund um Gammelsbach mit deftigem Abschluss in der eigenen Hütte oben am Hang. „Ohne die Großfamilie geht nichts“, betont der.

„Diversifizierung“ heißt neudeutsch das Geheimnis des Erfolgs, mit dem Gasthäuser auf dem Land auch in schwierigen Zeiten bestehen können. So gibt’s in der „Krone“ übers Jahr hinweg verschiedene Themenabende. Im Frühjahr geht’s irisch mit der passenden Musik zu, im November deftig mit dem Haxenessen. Beide sind in der Regel schon frühzeitig ausverkauft.

Je nach Jahreszeit hält der Hotel-Gasthof außerdem verschiedene Angebote für seine Gäste parat. Motorradfahrer können ihre Bikes unter der großen, neu gebauten Terrasse abstellen, erklärt Gerbig. Auf der finden 60 Personen Platz. „Die beste Investition der vergangenen Jahre“, schwärmt er. Seit ihrer Einweihung ist sie praktisch jeden Tag voll besetzt.

Sportler können durch Sohn Dirk Gerbig eine wohltuende Massage nach der Muskelbeanspruchung bekommen. Der bietet im zum Wellness-Tempel „Toscana“ umgebauten alten Saal auch Kosmetikpakete und Fußpflege an, bildet sich gerade zum Heilpraktiker weiter.

Und natürlich die Sauna: eher was für die kältere Jahreszeit, aber fast das ganze Jahr über gern genutzt. Die ist Edgars Domäne. Ab Oktober kommen Saunaclubs zu festen Terminen vorbei. Im Herbst lockt dann das „Oberzent-Wellnesspaket“.

Wer auf eine über 400-jährige Tradition zurückblicken kann, weiß, was die Kunden wünschen. Somit ist die erneute Auszeichnung nur folgerichtig. Im Odenwaldkreis ist der Betrieb damit einer von nur vier (bei landesweit 50) geehrten.

Die Gaststätte dürfte zu den ältesten im Odenwald und Hessens zählen. Vor über vier Jahrhunderten lässt sich der erste im Foshag-Stammbaum ausmachen, der sich als Hufschmid im Ort niederließ und auf der Burg Freienstein, dem Wahrzeichen von Gammelsbach, tätig war. Neben der Schmiede war damals schon eine Gaststätte mit Landwirtschaft vorhanden.

1972 übernahm die Mutter von Wolfgang und Edgar, Gertrud, mit ihrem Mann Hermann die „Krone“. Sie ist die älteste von drei Mädchen. Der Name Foshag wurde damals zu Gerbig, aber bei den Älteren im Ort heißt es immer noch, „wir gehen zu Schmieds was essen oder trinken“. Sowohl sie als auch die Geschwister packen heute immer noch mit an, wenn Not am Mann oder an der Frau ist. Mit drei Urenkelinnen ist die Zukunft des Familienbetriebs gesichert.

Bis 2002 führten die Eltern den Betrieb und bauten ihn aus. Das Restaurant fasst heute 150 Personen, es wurden zwei Kegelbahnen gebaut, ein Gästehaus, Fremdenzimmer und eine Ferienwohnung. „Seit 2008 gehören wir zu den Drei-Sterne-Hotels im Odenwald“, erläutert Gerbig. 2017 wurde das Hotel mit Drei-Sterne-Superior bewertet und 2019 bestätigt. Sohn Eric unterstützt seinen Vater Wolfgang in der Küche.

Die jetzige Auszeichnung als eines der besten Dorfgasthäuser hat sich bereits ausgezahlt, erzählt Edgar Gerbig. „Das war eine Riesenwerbung.“ Von Heppenheim oder Bensheim kamen Gäste über Hügel und durch Täler gefahren, um die „Krone“ kennenzulernen. „Leute, die Oberzent, bisher nicht auf dem Schirm hatten.“ Auch das erste Busunternehmen nach Corona wurde auf die Gaststätte aufmerksam – hier sind die großen Räumlichkeiten ein Pluspunkt.

In die Hände spucken beim Freiwilligentag

Beerfelden. Beim Freiwilligentag stehen am 10. September verschiedene Aktivitäten an, informierte Ortsvorsteher Rico Scheuermann: So soll die Verkehrsinsel auf der Birkenhöhe mit Blumen und Stauden bepflanzt werden. Das Streichen von Liegebänken (unter Verwendung des Ortsbeirats-Budgets für Farbe), Ausbesserungsarbeiten an einer Schutzhütte und Montage eines Tisches in der Schutzhütte heißen andere große Projekte.

Eventuell kommen Instandsetzungsarbeiten an der Wanderkarte auf dem Marktplatz hinzu. Hier geht es darum, kaputte Balken und die Lichtquelle zu erneuern, Rahmen zu streichen sowie Fenster und Türen zu reparieren. Vielleicht könnte es einen Zuschuss vom Geo-Naturpark geben, so die Hoffnung, Auch die Anbringung eines Verkehrsspiegels an der Ausfahrt Volksbank ist im Fokus. Der Ortsbeirat freut sich über zahlreiche Anmeldungen bei ihm unter E-Mail beerfelden@ortsbeirat-oberzent.de oder auf http://www.freiwillig-im-odenwaldkreis.de/projekte.

„Schilder für Pädel“ heißt ein Vorhaben von Dr. Raimund Keysser und Helmut Eifert. Zwischen den eng bebauten Straßen Beerfeldens gibt es kleine Fußwege, Pädel genannt. Diese sollen Schilder erhalten, die mit den dort ansässigen Anwohnern entworfen und beidseitig angebracht werden. Auf das Schild sollen der Name des Wegs sowie eventuell eine kurze Beschreibung.

Helmut Eifert stellte das Projekt dem Ortsbeirat vor. Unter anderem zwischen der Gammelsbacher Straße und dem Eberbacher Weg, der Turm- und Gabelsberger Straße sowie Häfengasse und Theodor-Heuss-Straße gibt es solche Pädel. Zwölf bis 16 Schilder in verschiedenen Größen will der Ortsbeirat anschaffen. Keysser und Eifert wollen sich um die fehlenden Namen der übrigen Pädel kümmern, sodass alle benannt werden können.

Verschiedene Vorschläge des Ortsbeirates wurden einstimmig verabschiedet und gingen an die Verwaltung. Dazu zählt etwa eine Tischtennisplatte für den Mehrgenerationen-Spielplatz auf dem Viehmarktsplatz. Damit könnten auch die Jüngeren ein Spielgerät benutzen. Es gab außerdem den Wunsch nach einer digitalen Tafel am Rathaus, auf der Anmerkungen, Bekanntgaben und Ähnliches abgespielt werden können. Damit hätte man einen Anlaufpunkt für Bürger und Touristen.

Aus seinem Budget möchte der Ortsbeirat verschiedene Gelder verwenden, so für einen Fahrradständer mit Anlehnbügel am Parkplatz „Trimm-Dich-Pfad“. Dort gäbe es dann eine bessere und stabilere Abstellmöglichkeit für die E-Bike-Benutzer, begründete Scheuermann den Wunsch.

Auf die Erneuerung der öffentlichen Toilette am Brunnenparkplatz hat der Ortsbeirat schon immer ein Auge. Hier steht der Beginn der Arbeiten durch die beauftragte Firma aus, nachdem die Vorarbeiten durch den Bauhof erledigt sind. Die vorhandenen Türen sollen nach dem Umbau wieder eingebaut werden.

Wochenmarkt soll attraktiv bleiben

Beerfelden. Der Ortsbeirat Beerfelden war aktiv für die Ukrainehilfe. Durch seine Eisverkauf-Aktion auf dem Wochenmarkt, bei der 300 Kugeln über die Theke gingen, kamen 400 Euro zusammen, die an Brigitte Schanbacher als Vorsitzende Generationenhilfe Oberzent und Bürgermeister Christian Kehrer übergeben wurden. Gleichzeitig wollten die Mitglieder zeigen, dass es sich für Gewerbetreibende aus und außerhalb von Oberzent lohnt, am Wochenmarkt teilzunehmen.

Aktuell sind dort präsent: Der Imkerverein „Beerfelder Land“ mit seinen Produkten, Putenspezialitäten vom Weilerhof, Katjas Blumendesign sowie immer am letzten Freitag im Monat das Weingut Beyer & Bähr aus Flörsheim-Dalsheim. „Wir Beerfellemer möchten unseren Wochenmarkt weiterhin attraktiv vorfinden“, sagte Ortsvorsteher Rico Scheuermann. Wer an einem Stand Interesse hat, kann das Gremium ansprechen.

Der Wochenmarkt findet zurzeit jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr auf dem Marktplatz vor der evangelischen Martinskirche statt. „Fahr nicht fort, kauf am Ort!“ heißt das Motto des Gewerbevereins, das auch vom Ortsbeirat unterstützt wird. Der nutzte seine Anwesenheit, Ideen der Bürger zum Wochenmarkt sowie zu allgemeinen Themen zu sammeln. Die sollen bei der der nächsten öffentlichen Sitzung vorgestellt werden.

Elisabeth Bühler-Kowarsch stellte die Ukrainehilfe der Stadt vor. „Die Verwaltung arbeitet hervorragend“, so ihre Bilanz. Es gibt Fahrdienste, Kinderbetreuung, finanzielle Hilfen, Sprachunterricht plus gleichzeitige Kinderbetreuung, Kleiderkammer und Wohnungsangebote. Schul-Intensivklassen in Grundschule und Oberzentschul wurden eingerichtet. Sie stellte eine große Bereitschaft der Bevölkerung zu helfen fest.

Das Finkenbach-Festival-Feeling ist zurück

Oberzent-Finkenbach. Es ist Samstagabend, Primetime um 21 Uhr: Die Bühne ist bereit für Kraan. Auf die Legenden des Finkenbach-Festivals haben sie alle gewartet. Die Band ist eine Institution mit ihrem Jazzrock – und enttäuscht nie. Frontmann Hellmut Hattler wird fast emotional, als er seine Freude in Worten zu fassen versucht, nach der langen Pause wieder hier spielen zu können, wo er schon seit den Anfängen dazugehört.

Das zusammen mit seinen beiden Mitstreitern Jan Fride und Peter Wolbrandt, alle drei Sandkastenfreunde. Mit Stolz weist Hattler darauf hin, dass die drei seit mehr als 50 Jahren in der Originalbesetzung unterwegs sind – „und wir leben immer noch“. Es gibt die alten, sehnsüchtig erwarteten Klassiker zu hören, aber auch neue Stücke aus der während der Pandemie entstandenen CD „Sandglass“.

Improvisiert wird bis zum Geht-nicht-mehr. Die drei verstehen sich blind, kein Wunder bei der langen gemeinsamen Bandhistorie. Lange Bassläufe abwechselnd mit Gitarrensoli lassen kein Lied auf Standardlänge. Martin Kasper (Keyboards) macht es als Gast möglich, auch Songs auf die Bühne zu bringen, die es sonst nicht zu hören gibt.

Aus Griechenland direkt nach Finkenbach: Die „Villagers of Ioannina City“ (VIC) rocken spätabends die Hütte – und wie. Mit traditionellen Instrumenten wie Klarinette, Flöte und Dudelsack, schwerer, psychedelischer Gitarre und dem charismatischen Frontmann Alex versetzt die Band die Menge in Ekstase. Die Organisatoren haben die Band für diesen einen Auftritt extra aus ihrer Heimat einfliegen lassen.

Die Kosten und Mühen haben sich gelohnt. Die fünfköpfige Gruppe zeigt durch enorme Bühnenpräsenz und Spiellaune, warum sie im Frühjahr den Schlachthof in Wiesbaden ausverkaufte. Unheimlich druckvoll kommt der Sound von der Bühne. VIC beherrscht alle Spielarten des Hardrocks in besondere Ausprägung. Ein echter Glücksgriff fürs Festival und ein toller Auftritt, zum Schluss untermalt von einer Feuershow der Airlenbacher Künstlergruppe artArtistica.

Die lassen nochmal die Flammen wirbeln beim zweiten Set von RimoJeki. Die beiden in Berlin lebenden Israelis haben bereits den ersten Tag mit ihrer extrovertierten Performance beendet, die selbst zu später Stunde noch etliche hartgesottene Fans findet.

Die können feiern bis in die Puppen, denn der kostenlos vom veranstaltenden FC Finkenbachtal zur Verfügung gestellte Campingplatz ist nicht weit. Wobei auch die Finki-Fans in die Jahre kommen: Nicht mehr wie früher erstreckt sich eine bunte Zeltlandschaft im Tal, heutzutage wird den älter gewordenen Knochen Rechnung getragen: Man kommt mit dem Wohnmobil.

Der Samstagsbeginn leidet ein wenig unter dem heißen Wetter. Da brennt in Finkenbach die Sonne so vom Platz wie sich dann abends schlagartig die Temperaturen halbieren. Die Londoner Ska-Legende Arthur Kay mit seinen Kölner Clerks lässt sich davon aber nicht beirren und verbreitet passend zur Hitze Reggae-Feeling. Von Jamaika nach Bayern: Dr. Will ist mit seinen Wizards ein Paradiesvogel der Szene und gibt eineinhalb Stunden lang unermüdlich den Blues in seinen vielen Spielarten.

Mit Space Debris kehren die improvisationsfreudigen Rock-70er auf die Bühne zurück. Rein instrumental zaubert die süddeutsche Band einen Hauch von Deep Purple, Led Zeppelin oder Can auf die Bühne, verwebt dichte Soundteppiche, geprägt von wummernden Basslinien, eindringlichen Orgelklängen und filigraner Gitarre. Krautrock at its best. Das wissen die Fans, die sich immer mehr aus dem Schatten trauen, denn auf dem Gelände verschwindet jetzt auch die Sonne.

Aber was für eine tolle Rückkehr fürs traditionsreiche Finkenbach-Festival im idyllischen Odenwald. Nach zwei Jahren Zwangspause war aufgrund des schleppenden Kartenvorverkaufs die Befürchtung da, dass die Fans zurückhaltender sein würden als früher. Doch die bestätigte sich zum Glück nicht. Zu den Headliner-Shows präsentierte sich das Gelände gefüllt wie eh und je.

Zum 38. Mal in 45 Jahren pilgern die Musikfans ins Neckar-Seitental, um hier Bands zu lauschen, die man sonst nicht an jeder Ecke sieht und hört. Die Hannoveraner Epitaph waren schon 2017 auf der Opener-Position. Die drei Senioren und der Jungspund am Schlagzeug zeigen Jüngeren, wo der Rock-Hammer hängt.

Das alte Finki-Festival-Feeling ist wieder da. Unter die Zuschauer, die schon seit vielen Jahrzehnten kommen, haben sich viele neue Gesichter gemischt, die von den angesagten Bands angelockt werden. Etwa Thorbjørn Risager & The Black Tornado als Headliner des Freitags. Die Dänen werden ihrer Position voll gerecht. Ihre Mischung aus Blues, Rock, Jazz und Soul reißt mit.

Bis auf zwei, drei eher langsame Stücke bringt Risager das auf die Bühne, was im Bandnamen steckt: einen musikalischen Tornado. Die sechs Saiten und der Mann an der Schießbude verleihen Risagers Songs ab und zu eine gewisse Hardrock-Attitüde, die aber von den Boogie-Klängen des Klaviers beim nächsten Lied wieder aufgefangen werden.

Die Kroatin Vanja Sky mit ihrer deutschen Band in Sachen Bluesrock unterwegs, hat es danach fast ein wenig schwer, in diese große Fußstapfen zu treten. Doch sie schlägt sich wacker, lässt aber teilweise ein wenig Ausstrahlung vermissen.  

HIK will Hochregallager bauen

Beerfelden. Die Firma HIK in der Siemensstraße hat Größeres vor. Das Unternehmen mit 250 Beschäftigten möchte gern ein Hochregallager errichten. Da dieses aber die dort zugelassen 13 Meter Höhe überschreitet, ist die Politik am Zug. Der Bau- und Umweltausschuss machte sich auf Einladung von Geschäftsführer Berthold Brentrup bereits ein Bild vor Ort und unterhielt sich im Nachklapp noch einmal in seiner Sitzung darüber.

Der Tenor war durch die Bank weg positiv. Damit kann nun von den Gremien eine Änderung des Bebauungsplans auf den Weg gebracht werden. Die wäre zwar nicht notwendig, da die nötige Befreiung auch allein von Bürgermeister Christian Kehrer erteilt werden könnte. Doch der will das Verfahren auf breite Füße stellen und transparent machen.

Auf diese Weise möchte man die interessierte Öffentlichkeit mit einbeziehen, ergänzt Stadtbaumeister Peter Bauer. Denn durch die Vorgehensweise wird eine Offenlegung veranlasst, bei der auch Bedenken und Stellungnahmen vorgebracht werden können. Der Verwaltung ist daran gelegen, dass gleiches Recht für alle in diesem Gebiet angesiedelten Betriebe gilt. Auch das Kreisbauamt heißt diese Vorgehensweise gut, so Bauer.

Brentrup stellte den Ausschussmitgliedern beim Ortstermin anhand von Zeichnungen und Visualisierungen das Projekt vor. Letzte Details gibt es allerdings noch nicht. Doch als Entscheidungsgrundlage wollte sich das Gremium ein Bild von Örtlichkeit und Bedarf machen.

Letzteren gibt es definitiv. Der Geschäftsführer verdeutlichte, dass es viel zu wenige Lagerkapazitäten auf dem Gelände gibt. Waren werden derzeit in Zelten auf den Mitarbeiterplätzen untergebracht. Das führt zum einen dazu, dass die Beschäftigten auf den angrenzenden Straßen parken. Zum anderen sind die Betriebsabläufe nicht optimal, weil alles aus verschiedenen Ecken herbeigeschafft werden muss.

Ein sinnvoller Weiterbetrieb ist für HIK deshalb nur durch den Bau eines Hochregallagers möglich, betont die Firma. Außerdem würden dadurch die vielen Zelte verschwinden und die Parkplätze wieder frei. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung gehört die HIK eigenen Angaben zufolge zu den führenden Entwicklungs- und Fertigungsadressen in Deutschland, wenn es um die Themen Kabelkonfektion, elektromechanische Baugruppen, mechatronische Lösungen oder Schaltschrankbau geht.

Brötchen aus Fürth in Hetzbach

Hetzbach. Wohl dem Stadtteil, der noch seine Bäckerei hat. Denn die ist in dem Fall auch ein kleiner Nahversorger mit Lebensmitteln für den täglichen Bedarf. Wie das Geschäft in der Erbacher Straße, seit zwei Monaten unter der Fittiche der Backwarenverkaufsgesellschaft (BVG) aus Fürth. Die wiederum kaufte den vorigen Betreiber Knödel Maxx auf, der den Laden seit November vergangenen Jahres führte.

Zuvor hatte er einige Zeit leer gestanden, nachdem eine andere Bäckerei, die dort die Filiale betrieb, insolvent gegangen war. Die wiederum pachtete die Räume – wie der jetzige Betreiber – von den Eigentümern, der Familie Daub, die dort zuvor ebenfalls eine Bäckerei betrieben hatte.

Die BVG übernahm die Hetzbacher Filiale zusammen mit einer in Weinheim aus dem Knödel-Paket, erläutert Kätsch. In der Fürther Zentrale wird gebacken und dann die Ware über die Wegscheide ins Mümlingtal geliefert. Vor Ort bereiten die drei Mitarbeiterinnen dann noch belegte Brötchen zu. Alle waren bereits beim Vorgänger angestellt. „Es ist nicht einfach, gutes Personal zu finden“, freut sich der 52-Jährige über seine Beschäftigten.

Im Bäckereicafé gibt es auch verschiedene Lebensmittel für den täglichen Bedarf, damit die Hetzbacher nicht für alles nach Beerfelden fahren müssen. Kaffee, Nudeln, Knödel, hausgemachte Nudeln, aber auch verpackte Wurst der Metzgerei Rebscher oder Eier von Trunk aus Schloßau und Molkereiprodukte aus Hüttenthal finden sich in den Regalen. Die Filiale läuft gut, freut er sich, und passt auch gut ins Portfolio.

BVG hat derzeit 15 Beschäftigte in Voll- oder Teilzeit sowie als Aushilfen beschäftigt, berichtet Kätsch. Er war früher bei Knödel Maxx tätig und ist nun BVG-Geschäftsführer. Den Schritt in die Selbständigkeit wagte der Fürther, um die Arbeitsplätze zu erhalten. „Es wäre schade gewesen, das nicht weiterzuführen“, sagt er. Der berufliche Background passt: Kätsch kommt aus dem Bäckerhandwerk.

Knödel gibt’s ab September übrigens auch wieder in Hetzbach, unter anderem als Brezel-, Semmel- und Bärlauch-Knödel je nach Jahreszeit. Auch Paniermehl wird verkauft. Nicht nur in den eigenen Filialen, sondern auch im Lebensmittel-Einzelhandel. Filialleiterin Katja Badge aus Hetzbach ist familiär vorbelastet, denn ihre Oma hatte eine Bäckerei.

Verschwisterungstanne muss gefällt werden

Olfen. Berichte von Ortsvorsteherin Gertrud Platt-Rossbach über die Umsetzung zuletzt geplanter Vorhaben standen im Mittelpunkt der vergangenen Sitzung des Ortsbeirats. Von der Stadt wurde die Notwendigkeit zur Fällung der „Verschwisterungstanne“ bestätigt, berichtete sie. Denn die Reichweite der Sirene auf dem Dach des Dorfgemeinschaftshauses wird durch sie beeinträchtigt. Außerdem schädigt die Nähe des Baums zur Wand den Putz.

Um Ideen zur Aktivierung des Jugendraumes zu sammeln, wurden vom Ortsbeirat Jugendliche und Eltern mit Kindern ab sieben Jahren zu einem Austausch eingeladen. Ziel war es, Wünsche und Anregungen zur Nutzung zu besprechen. Leider zeigte sich, bedauerte die Ortsvorsteherin, dass bis auf eine Familie „kein weiteres Interesse zu bestehen scheint“.

Der Ortsbeirat nahm eine Erfassung aller auf der Gemarkung aufgestellten Bänke und Tische vor, berichtete sie. Es wurden 36 Standorte mit insgesamt 60 Objekten gezählt. Nicht bei allen ist eindeutig klar, auf wessen Initiative das jeweilige Objekt beruht und ob damit auch die Pflege übernommen wurde.

Auch sind einige Objekte in schlechtem Zustand und davon wiederum ein paar an inzwischen nicht mehr attraktiven Standorten. Der Ortsbeirat freut sich, motivierte sie, wenn Bürger aktiv sind (oder werden) und sich an der Pflege beteiligen. Dies kann auch gerne in Verbindung mit Aktivitäten im Rahmen der von der Ehrenamtsagentur ausgerichteten Freiwilligentage geschehen, die im September stattfinden.

Die Sonnensegel am Spielplatz wurden vom Ortsbeirat in Verbindung mit den von der Freiwilligenagentur geförderten Aktionstagen im Frühjahr angebracht, erläuterte die Ortsvorsteherin. Auch wurden die Spielgeräte wieder zur Verfügung gestellt. Einige Personen räumten im Jugendraum auf. Nicht mehr geeignetes Mobiliar wurde zur Abholung als Sperrmüll aussortiert.

Auf dem Spielplatz in Olfen soll auf vielfachen Wunsch der Bürger eine Boule-Bahn entstehen, führte Platt-Rossbach aus. Durch Olfener Einwohner wird ehrenamtliches Engagement im Rahmen der beiden Freiwilligentage am 10. und 17. September sowie darüber hinaus zugesagt, teilte sie mit. So etwa für das Verfüllen der notwendigen Materialien. Die anfallenden Erdarbeiten müssten aber vorher von der Stadt übernommen werden.

Denn in Olfen gibt es viele interessierte und engagierte Boule-Spieler, wusste sie. Grundsätzlich wird der Spielplatz auch durch eine weitere Begegnungsstätte aufgewertet. Der Ortsbeirat will prüfen, ob sich andere Organisationen aus dem Dorf an den anfallenden Materialkosten beteiligten könnten. Das Boule-Spiel ist ebenfalls im Sinne der langjährigen Verschwisterung zwischen Trevignin und Olfen.

Von Vertretern der Freiwilligen Feuerwehr Olfen wurde noch einmal auf die problematische Situation der Ausfahrt am Feuerwehrhaus hingewiesen. Das neue Fahrzeug schert zu weit aus. Die restlichen Arbeiten rund um das neue Tor (Elektrik und Verputzarbeiten) sollten zeitnah fertig gestellt werden.

Um einen „Bienen-Blühstreifen“ anzulegen, gelang es nicht rechtzeitig, die notwendige Zusammenarbeit mit dem Bauhof herzustellen, um geeignete Flächen zu bestimmen und Saatgut erhalten zu können. Aus dem Budget des Ortsbeirates abgerechnet wurde neben dem Bücherschrank eine stabile „Parkbank“ als Ersatz für die kaputte, zuvor dort stehende Bank aus Plastik besorgt, sagte Platt-Rossbach.

Ortsbeirat kümmert sich um schönes Ortsbild

Airlenbach. Der Ortsbeirat hat ein Auge auf die Verschönerung des Oberzent-Stadtteils. Gleich bei mehreren Punkten ging es in der vergangenen Sitzung darum. So bei der Prüfung, ob Holz als Ersatzmaterial für vorhandene Ruhebänke und Tische zur Verfügung gestellt werden kann. Denn diese, rund um Airlenbach gelegen, kommen in die Jahre. Einige sind durch die Witterung allmählich ausbesserungs- oder erneuerungsbedürftig.

Damit Ruhebänke und Tische nicht komplett verrotten und unbrauchbar sind, sollen sie saniert werden. Um die Kosten möglichst gering zu halten, fragte der Ortsbeirat bei der Stadt Oberzent an, ob Holz zur Verfügung gestellt werden kann. Das würde durch Ortsbürger geschnitten und aufbereitet. „Günstiger wird es nicht“, lautete die einfache Begründung.

Als Folge einer Überprüfung aller Ruhebänke auf der Gemarkung wird ihre Anzahl um zwei reduziert, da sie an mehr oder weniger „überflüssigen“ Stellen stehen, ergänzte Ortsvorsteherin Marion Neff. Über die Stadt können beim Geo-Naturpark nur komplette Bank- oder Tischsätze bestellt werden, keine Ersatzteile, berichtete sie. Der Ortsbeirat bestellt aus seinem Budget zwei. Dies zur Erhaltung der touristischen Attraktivität. Denn die Sitzgelegenheiten stehen an einem klassifizierten, stark frequentierten Rundweg.

Aus dem Budget des Ortsbeirats werden auch die Kosten für den Blumenschmuck an der „Dicken Eiche“ übernommen. Die Bepflanzung dient dem Allgemeinwohl, heißt es zur Begründung, und verschönert den Anblick. Dafür sollen keine privaten Gelder verwendet werden. Das Inventar des Sportlerheims wurde erneuert, führte Neff weiter aus. Mit dem Budget wurden neue Stühle und Tische angeschafft. Die Fenster müssen noch gestrichen werden.

Neff berichtete außerdem von der Gefahr einer Straßenunterspülung an der Straße Richtung Bannweide. Da diese von (größeren) Landmaschinen benutzt wird, drohte der Einsturz. Der Mangel wurde zwischenzeitlich vom Bauhof erledigt. Auch die Rutschgefahr am Friedhof bei den Wiesengräbern wurde behoben. Es wurde die Treppe verlängert sowie ein entsprechender Handlauf installiert. Sie erzählte weiter von der Kanalsanierung am Sportplatz, nachdem über den Winter der Brunnen überlief, weil das Wasser durch Bewuchs im Rohr nicht mehr abfließen konnte.

In der „Krone“ wird wieder aufgetischt

Unter-Sensbach. Der Tod von Ulla Hecker war Ostern 2021 ein schwerer Schlag für den Stadtteil. Sie betrieb mit der „Krone“ das einzig verbliebene Gasthaus und war auch sonst vielfältig im Ort aktiv. Mit der Familie von Adrian Dorel-Micu und seiner Frau Anna-Maria gibt es nun eine gastronomische Nachfolge für den Dorfmittelpunkt. Die Eröffnung eine Woche vor der Kerwe war sehr gut besucht.

Die neuen Besitzer erfüllten sich mit der Übernahme des Traditionsbetriebs einen Herzenswunsch. „Wir haben schon länger gesucht“, erläutert die Chefin. Zuerst nach einem Gasthaus zur Miete, aber es war nichts zu finden. Als sie auf die zum Verkauf stehende Krone stießen, wurde zugeschlagen. Die Familie ist von Mossautal nach Unter-Sensbach gezogen und wohnt jetzt im Obergeschoss des Gebäudes.

In ihrer alten Heimat Rumänien haben sie bereits gastronomische Erfahrung als Bedienungen gesammelt. Während Adrian Dorel-Micu kocht, kümmert sich Anna-Maria um den Service. Ihr Schwiegervater ist ebenfalls mit im Boot. Ihnen geht es wie anderen Gastronomiebetrieben: Weiteres Personal wird dringend gesucht. Auf der Speisekarte finden sich gutbürgerliche deutsche und Odenwälder Gerichte. In spe ist angedacht, einmal im Monat am Wochenende rumänische Spezialitäten anzubieten.

Sehr zufrieden ist das Ehepaar mit dem Andrang bei der Eröffnung. Bei diesem Anlass wurde auch der neu gestaltete, gegenüber liegende überdachte Biergarten seinen circa 60 Plätzen eingeweiht. Im Gebäude selbst wurde nichts verändert. „Das Essen war echt gut“, schwärmt Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann, der Grußworte des Ortsbeirats übermittelte und viel Erfolg wünschte. „Wir freuen uns alle hier im Tal, dass es nun wieder einen gastronomischen Anlaufpunkt gibt“, sagte er.

Ulla Hecker hatte 45 Jahre das Regiment geführt. Schon mit 19 übernahm sie die Gastwirtschaft von ihrer Großmutter. Vielfältig war sie auch in den Vereinen aktiv. Beim TSV Sensbachtal fungierte sie von 2003 bis 2007 als zweite, 2007 bis 2014 dann als erste Vorsitzende, außerdem war sie ab 2003 Schriftführerin. Ab 2014 stand Hecker dem Verein Sensbachtal aktiv vor. Sie sorgte unter anderem dafür, dass die Unter-Sensbacher Kerwe am Leben erhalten wurde.

„District Music Festival“ bringt Odenwälder auf die Bühne

Sandbach. Pop, Rock und Folk Metal gibt’s beim „District Music Festival“ zu hören. Das richtet der junge Sandbacher Veranstalter Pierre Hallstein mit seiner Agentur PHA_Events am 9. und 10. September in der Heinrich-Böhm-Halle aus. Einlass ist jeweils um 19.45 Uhr. Am Start: die Bands Eazy, Pilots Not Flying und Minotaurus. Tickets gibt es unter phaevents.de oder an der Abendkasse.

Hallstein ist in der Region bereits bekannt für die Organisation von Veranstaltungen wie Galaxy Beats oder der Clochard Revival Party. Das Festival ist sein letzter Event für dieses Jahr. Freitags sorgt bei Jung und Alt die Band „Eazy“ aus dem nördlichen Odenwaldkreis für gute Laune. Mit Hits von früher bis heute ist sie ein Garant für beste Stimmung. Als Gast dabei ist auch die 17-jährige Angelina Schork mit ihrer Ausnahmestimme.

Gegründet im Jahre 2010, nannte man sich aufgrund der etwas originellen Besetzung Eazy – und dem Motto „… like sunday morning!“, angelehnt an den gleichnamigen Song von „Faith No More“, einem der frühesten Titel auf der Setliste. Erarbeitet wurde ein weites Spektrum an bekannten Rock-, Pop- und Partysongs, die auf diversen Veranstaltungen Möglichkeit bieten, mitzusingen und Musik zu feiern, sich eben „eazy“ zu fühlen.

Entwickelt hat sich aus dem Jahrzehnte umfassenden Musikprogramm ein Konzept, das seit 2018 unter dem Titel „History of Music“ dargeboten wird. Die Band präsentiert eine Reise durch alle Epochen und Stilrichtungen der Musikgeschichte. Beginnend in den 1960ern und nach fünf Stunden 60 Jahre später angekommen in der heutigen Musikszene, reisen die Gäste durch die verschiedenen Jahrzehnte mit ihren je eigenen musikalischen wie modischen Ausprägungen. Ob deutsche Schlager von Jürgen Drews oder australischen Hardrock von AC/DC: „Eazy“ bedient alle Geschmäcker.

Am Samstag wird es dann etwas rockiger. Es geht los mit den „Pilots Not Flying“ aus Michelstadt und Lützelbach mit ihrem Alternative Rock. Die Band bietet knackige Songs und einen Sound, der zeigt, was handgemachte Rockmusik kann: nämlich Spaß machen. Martin Schmidl legt am Schlagzeug ein präzises Fundament, das im Zusammenspiel mit Martin Kutscher am Bass einen Groove entwickelt, der die Beine zucken lässt.

Die Virtuosität von Mario Wilhelm an der Gitarre ist ein prägendes Element und wird mit Chris Schlindwein an Gesang und Gitarre zu überzeugenden Rocksongs mit teils mehrstimmigen Gesang, die trotz ihrer Komplexität Leichtigkeit besitzen. Die Gruppe gewann bereits den „Battle of the Bands“ 2015 bei Radio Bob.

Das selbstbetitelte erste Album ist ein kurzweiliger Genuss: abwechslungsreich und doch auch sehr eingängig. Mit „Queens over Kings“ gab es einen beeindruckenden Nachfolger. Davon überzeugen konnten sich vor kurzem die Besucher der Regenbogen 2-Party in Michelstadt, wo die Odenwälder vor dem Hauptact „Delta Rock“ die Gäste begeisterten.

Die beiden Hainstädter Rainer und Rouven Zumkeller sind nicht nur bei „Eazy“, sondern auch bei der Aschaffenburger Folkmetal-Band „Minotaurus“ von Oliver Klump aktiv. Den Folk Metal aus dem Odenwald gibt es jetzt schon seit 28 Jahren: Das Mischwesen aus Mensch und Stier, der Minotaurus der griechischen Mythologie, ist als Bandname bis in die Region vorgedrungen.

Die Geburtsstunde schlug 1994, als Klump Minotaurus mit dem damaligen Bassisten Uwe Elbert ins Leben rief. Schon kurze Zeit nach der Gründung stieß Reiner Zumkeller dazu. Da Elbert viele Musiker kannte, waren recht schnell die restlichen Mitglieder gefunden. Wenn’s um die Kompositionen geht, ist Reiner Zumkeller das Mastermind.

„Er hat bestimmt 90 Prozent der Songs geschrieben“, schätzt Klump, der sich selbst bei „Lonely Dwarf“ und „Warriorhearts“ (die Powerballade ist der Soundtrack zum Film „Kriegerherzen“) zusätzlich einbrachte, aber auch ein paar wenige alleine verfasste. Im Gepäck hat die Band, zu der auch der Erbacher Bassist Marcus Finger gehört, ihr zum 25. Jubiläum erschienenes Album „Warriors of the Underworld“.

Mächtige metallische, aber gleichzeitig melodiöse Klänge, etwas mystisch mittelalterlich angehaucht: Was die Band auf die Bühne bringt, ist abwechslungsreich, verspielt, gut gemacht, professionell. Während der Minotaurus im Altertum als furchteinflößende Gestalt, halb Mensch, halb Stier, sein Unwesen trieb, hat er heute als Maskottchen und dem Wiedererkennungs-Spruch „Holla, die Waldfee“ eine wesentlich angenehmere Beschäftigung.