Sonnenenergie unterhalb des Zieglersfelds

Photovoltaik ja, aber dosiert. So lässt sich die Beratung im Oberzent-Bau- und Umweltausschuss zusammenfassen, als es um die geplante Anlage unterhalb des Gewerbegebiets Zieglersfeld ging. Hierzu hatte es nach einer ersten Beratung Ende August im September einen Vor-Ort-Termin gegeben. Jetzt empfahlen die Mandatsträger der Stadtverordneten-Versammlung einstimmig die Aufstellung des entsprechenden Bebauungsplans.

Ausschuss-Vorsitzende Katharina Riesinger (ÜWO) sprach sich für eine Einzelfall-Entscheidung aus. Sie nicht pauschal für oder gegen Photovoltaik-Anlagen auf Stadtgebiet abstimmen. Das komme immer auf die jeweilige Lage an. Sie sei kein Freund davon, „alles mit Photovoltaik zuzupflastern“. Das gehe auch zu Lasten der landwirtschaftlichen Flächen.

Stadtbaumeister Peter Bauer hakte dahingehend ein, dass man die jetzt angefragten Kollektoren auf dem großen Grundstück genehmigen kann. Von oben her ist das Gelände bereits erschlossen, erläuterte er. Die weitere gewerbliche Nutzung des Zieglersfelds wird dadurch nicht beeinträchtigt, entgegnete Bauer auf Frage von Walter Gerbig (CDU). Denn die ist nur links und rechts der jetzigen Fläche geplant. Unterhalb wird es mit der Entwässerung ganz schwierig. Er  fügte noch an, dass die Stadtverordneten in die Pläne ganz genaue Anforderungen an die Anlage reinschreiben können.

Laut Thomas Mergenthaler (ÜWO) ist es unwahrscheinlich, dass das angefragte Gebiet für eine Erweiterung der Gewerbeflächen in Frage kommt. Deshalb konnte er sich mit dem Antrag anfreunden. Auch von Thomas Väth (Grüne) kamen positive Signale zur Umwandlung des Maisackers. Die Förderung erneuerbaren Energie sei immer positiv zu sehen. Er sprach die Möglichkeit der Beweidung durch Schafe an.

Brigitte Heckmann (SPD) reihte sich in den Kreis der Befürworter ein. Sie machte die Zustimmung ebenfalls an der Lage fest. Woanders „müssen wir vorsichtig sein“. Denn eine „Umzingelung“ mit Photovoltaikanlagen wünschte sie genauso wenig wie eine mit Windrädern. Bürgermeister Christian Kehrer ergänzte, dass sich derzeit Anfragen nach Flächen für die Nutzung der Sonnenenergie häufen. Es seien schon verschiedene Firmen auf die Stadt deswegen zugekommen, aber konkrete Planungen gibt es nicht. Ihm ist bekannt, dass die EGO die Anlage am Eisenweg erweitern möchte, berichtete er.

Neue Aufgabe mit Motivation und Zuversicht

„Ich freue mich, hier zu sein“, sagt Marcel Fischer. Er ist seit kurzem neuer stellvertretender Schulleiter an der Oberzent-Schule und nimmt für seine Tätigkeit gerne einen längeren Anfahrtsweg auf sich. „Das ist es wert“, betont der Lorscher. Das erste Vorstellungsgespräch mit der erweiterten Schulleitung war für ihn „der Entscheidungsmoment für meine Bewerbung“.

Nach seinem Studium an der Kölner Universität zu Köln auf Lehramt arbeitete Fischer in Mönchengladbach und später im erweiterten Schulleitungsteam der Wilhelm-Leuschner-Schule Darmstadt. „Die Zusammenarbeit war sehr wertschätzend und konstruktiv“, erinnert er sich. Es folgte eine zweijährige Abordnung ans hessische Kultusministerium (2018 bis 2020).

Die neue verantwortungsvolle Aufgabe von seinem Vorgänger Dirk Konrad zu übernehmen und nun weiterzuführen, „ist mir eine Ehre“, sagt Fischer. „Ich gehe sie mit viel Motivation und Zuversicht an.“ Aus seiner alten Schule nimmt er mit, dass eine offene Tür für die Belange der Kollegen sehr wichtig ist. Damit sein Beitrag für eine gelingende Schule erfolgreich ist, „ist eine Basis von Verlässlichkeit und Vertrauen selbstverständlich“, hebt der stellvertretende Schulleiter hervor. Respekt, Wertschätzung und Empathie sind für ihn die Grundlagen einer gelungenen Kommunikation.

Seine Aufgabe sieht er darin, gemeinsam mit der Schulleitung, den Kollegen und den Schülern eine Wirkung zu erzielen sowie diese dann zu kommunizieren. „Es ist essenziell, ihnen zuzuhören, zu vertrauen, aber auch Vertrauen zu erlangen und insbesondere dem Wohle aller zu dienen“, betont Fischer.

Als stellvertretender Schulleiter zu arbeiten, heißt auch Beziehung – und Beziehung basiert auf Vertrauen (eine Mischung von Integrität, Offenheit und Kompetenz) und auf dem Glauben an eine gemeinsame Sache, erläutert er. Hierdurch entsteht eine starke Bindung innerhalb der Schulleitung und mit dem Kollegium. „Diese aufzubauen ist wichtig.“

Fischer möchte deshalb Kontinuität soweit wie möglich zu sichern. Dennoch, so sein Denken, gilt es weiter zu blicken und sich den heutigen Herausforderungen wie Digitalisierung oder pandemische Lage gemeinsam zu stellen und einen Weg zu finden, diese zu meistern. In jedem Augenblick „haben wir die Wahl, worauf wir uns konzentrieren oder unsere Aufmerksamkeit richten wollen“, meint der neue Kollege: auf Erfolg und Wachstum oder auf Mangel, Misserfolg, Schwächen und Krisen.

Diese Einstellungen, diese Gedanken sind für ihn „diejenigen, mit denen wir – erfolgreich – führen“. Da Menschen andere Menschen dauernd beobachten und diese sich mindestens genauso oft in ihrer Haltung ändern können, „wie wir Augenblicke haben, eine Wahl zu treffen“, heißt führen auch „vorleben“, ist Fischer überzeugt.

Schulleiter Bernd Siefert freut sich, jetzt endlich nicht mehr das „Küken“ im Schulleitungsteam zu sein, wie er schmunzelnd unter Bezug auf sein Alter meinte. „Loyal, lösungsorientiert, offen“, ist sein Eindruck des neuen Kollegen, mit dem er gut zusammenarbeitet. In seinem Bewerbungsgespräch berichtete Fischer davon, dass er auf seinem landwirtschaftlichen Hof in Lorsch Esel hält. „Da dachte ich, wenn er mit denen umgehen kann, wird er auch mit mir gut zusammenarbeiten können“, lacht Siefert.

Alter Schulgarten ist wieder begehbar

Sänger und Verkehrsverein-Mitglieder (VVR) fühlten sich wie im Urwald. Dazu mussten sie gar nicht weit reisen: Denn der alte Schulgarten Rothenberg war völlig zugewuchert und bedurfte dringend eines intensiven Rückschnitts. Zwölf Mann hoch gingen die Aktiven sieben Stunden lang an die Arbeit. Die konnte sich sehen lassen. „Die Aktion war ein absoluter Erfolg“, freute sich VVR-Vorsitzender Thomas Wilcke.

Es liegt schon einige Zeit zurück, dass sich eine örtliche Initiative um das große Grundstück kümmerte. Sogar Obstbäume wurden in dieser Zeit angepflanzt. Die allerdings waren inzwischen hinter den Brombeeren fast verschwunden. In all dem Grün tauchte bei der Freischnittgeschichte auch eine alte Badewanne auf.

„Wir haben unser Vorhaben mit der unteren Naturschutzbehörde besprochen“, betonte Wilcke. Von dort gab’s ein Plazet. Die Ehrenamtlichen gingen verantwortungsbewusst ans Schneid-Werk, mit Blick auf eventuell vielleicht noch dort lebende Tiere, versicherte er. Um aber die Möglichkeit so gering wie möglich zu halten, doch auf welche zu treffen. hatte man extra das Ende der Brut- und Setzzeit abgewartet. „Wir haben einen guten Kompromiss zwischen Natur- und Kulturlandschaft gefunden“, meinte er.

Durch die Unterstützung der Ehrenamtsagentur waren die Schaffer bei ihrem Tun zusätzlich versichert. Wenn in Rothenberg angepackt wird, dann können die Aktiven auf die Unterstützung der Geschäftsleute zählen. Wie so oft kümmerte sich die Metzgerei Postawa wieder ums Frühstück, Getränkehändler Gerd Koch stellte einiges gegen den Flüssigkeitsverlust zur Verfügung.

Die Ehrenamtlichen zwischen zwölf und 70 Jahren „haben das Pensum sogar übererfüllt“, so Wilcke. Damit kein Grünschnitt in der Landschaft herumliegt, hatte man einen Häcksler organisiert. Seitens der evangelischen Kirchengemeinde begrüßte Pfarrer Reinhold Hoffmann die Arbeiten. Dann hier denkt man darüber nach, eine Begegnungs- und Ruhefläche in diesem Bereich zu schaffen. Auch die Grundschule könnte eine Art „Klassenzimmer im Freien“ entstehen lassen.

„Ich habe das Grundstück nicht mehr so groß in Erinnerung“, meinte der VVR-Vorsitzende rückblickend schmunzelnd. Zum Glück fanden die Aktiven auf dem Gelände hinter dem Friedhof  keine große Vermüllung vor. Vor allem Pflanzabfälle hatten den Weg dorthin gefunden.

„Wir wollen Nachhaltigkeit herstellen“, sagte Wilcke. Deshalb soll das Grundstück in spe dezent möbliert werden. Hintergrund: Auf dem nebenan gelegenen Friedhof gibt es so gut wie keine Schattenplätze. Die könnten aber hier in natürlichem Schatten durch das umliegende Grün in unmittelbarer Nähe entstehen. Seitens der Kirche könnte man sich sogar kleine Veranstaltungen auf dieser Fläche vorstellen. 

Schon beim Ehrenamtstag Mitte September hatten die Vereinsmitglieder unter Federführung des MGV und Mitwirkung des VVR kräftig angepackt und sich der vielen Brunnen auf der Gemarkung angenommen. Die gewissenhafte Säuberung von Klemerts-, Krämers-, Homerichs- und Matzenbrunnen standen damals im Fokus. Auch sie waren das Ziel von wucherndem Gestrüpp geworden. Dieses Mal war der VVR federführend und die Sänger stimmten freudig mit ein.

Die Holzpreise werden sich erholen

Beerfelden. „Mein Freund, der Baum, ist tot“, hieß es vor Jahrzehnten im Schlager, damals noch auf den sauren Regen gemünzt. Heutzutage gibt’s eine unerwünschte Neuauflage des Klassikers. Der Baum, meistens die Fichte, starb zwar nicht im ersten Morgenrot. Sondern es ist „keine ganz neue Problematik“, erläutert Beerfeldens neuer Forstamtsleiter Ronny Kolb. Der 44-Jährige ist in Oberzent kein Unbekannter, denn er war hier schon lange Jahre bis 2017 tätig.

„Über den Klimawandel und Wettextreme wird schon längere Zeit diskutiert“, sagt Kolb. Allerdings ist es für ihn „erschreckend“, mit welcher Wucht die Veränderung in den vergangenen drei Jahren zugeschlagen hat. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht: „Der Odenwald ist noch ganz gut davongekommen“, betont der Forstamtschef. Es gab keine größeren Stürme wie in Nordhessen. Dadurch stellt sich das Waldbild „noch ein bisschen besser dar“.

Durch die Trockenheit in den vergangenen drei Sommern gab es eine schnelle Vermehrung des Borkenkäfers, schildert er das Problem. Aufgrund der schnellen Reaktion im südlichen Odenwald „haben wir noch ziemlich gute Zahlen“, ist Kolb stolz auf das professionelle Handeln seiner Mitarbeiter in einem Gebiet, das von Neckarsteinach bis Wald-Michelbach, von Abtsteinach bis nach Hesselbach reicht.

Das Ergebnis: „2020 gab es deutlich weniger Käferholz als 2019.“ Das lag auch daran, dass es eine bisschen bessere Verteilung der Niederschläge in der Vegetationsperiode gab. Dazu eine „erfahrene Mannschaft, die weiß was sie tut“. Und eine schnelle Aufarbeitung des Käferholzes. Denn der Faktor Zeit war wichtig, um eine weitere Ausbreitung des Schädlings zu verhindern. „Wir haben auf der Fläche viel richtig gemacht“, hebt Kolb hervor.

Das alles gilt aber nur für die von Hessen Forst betreuten Flächen. Anderen Waldeigentümern ist es mitunter schwierig zu vermitteln, befallenes Holz schnell aufzuarbeiten. Der Forstmann kann es jedoch durchaus verstehen, dass manche nur zögerlich handeln. Denn aktuell „ist es im besten Fall ein Nullsummenspiel“. Sprich: Die Kosten sind mit Glück gerade mal gedeckt, aber Erlös lässt sich keiner erzielen. „Das ist das Dramatische an der Situation“, erklärt er.

Verkaufen lässt sich quasi alles, da Holz nachgefragt wird. „Das Problem ist der Preis.“ Bis Anfang 2017 bewegte sich Fichtenstammholz bei etwa 90 Euro für den Festmeter. Käferholz wird aktuell mit 30 Euro gehandelt, macht den Verfall klar. Bei Aufarbeitungskosten zwischen 25 und 30 Euro ist deutlich, wo das Problem liegt. Geplante Einschläge gibt es schon lange nicht mehr. „Bei Fichte haben wir einen Einschlagstopp.“

Auf Landesebene wird darüber hinaus diskutiert, wie es mit der Buche weitergehen soll. Denn die zeigt bereits auch Absterbe-Erscheinungen. Grund: die Trockenheit. Im Odenwald ist das laut Kolb zum Glück noch nicht so ausgeprägt wie in der Ebene. Probleme gibt es unter anderem dann, wenn kaputte Bäume an Straßen und Wegrändern stehen.

Die große Preisfrage für den Forst in den kommenden Jahren lautet: „Wie gestalten wir unseren Wald teilweise um, um ihn stabil zu machen für den Klimawandel?“ Eine Maßnahme: Auf der Fläche sollen deutlich mehr Baumarten existieren als bisher. Denn mit drei bis fünf Sorten gegenüber den aktuellen Monokulturen ergibt sich eine Risikoverteilung, erläutert Kolb. Er vergleicht das ein wenig mit einem Gemischtwarenladen: Ist eine Schublade leer, „gibt es noch 20 andere“.

90 bis 95 Prozent werden das aber heimische Arten sein, versichert er. Denn bei mediterranen Bäumen weiß man gar nicht, „wie die sich bei uns verhalten“. Buche, Eiche, Tanne, Douglasie: Die Bandbreite ist groß. Genau geachtet wird auch den richtigen Untergrund und Standort. Ein solcher Waldumbau braucht perspektivisch aber 30 bis 40 Jahre Zeit, weshalb aktuell die Planungen „mit Nachdruck“ vorangetrieben werden. Es sind Kolb zufolge vor allem die alten Bäume, die große Probleme haben.

Seine Hoffnung: Neu gepflanzte Bäume, „die nichts anderes kennen“, kommen in spe mit der Trockenheit besser zurecht und adaptieren ihre Standortbedingungen. Breitere und tiefere Wurzeln oder kleinerer Wuchs wären solche Anpassungen an die Gegebenheiten. Diese „Lernfähigkeit“ traut der Forstmann aus Erfahrungen den Gewächsen durchaus zu.

Die Forstleute „müssen sehr langfristige Entscheidungen treffen“, verdeutlicht er. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die letzten Fichten gepflanzt wurden, „dachte noch keiner an den Klimawandel“. Man versuche deshalb mit bestem Wissen und Gewissen zu handeln. Aber keiner weiß, „ob es in 50 oder 100 Jahren auch so funktioniert“.

Licht am Ende des Tunnels sieht er für die gebeutelten Waldbesitzer, die derzeit nichts mehr im Geldbeutel haben. Das kommende Jahr wird noch eine Durststrecke sein, 2022 vielleicht auch. Aber danach rechnet Kolb mit einer Erholung der Preise. Jedoch wird diese „nicht so rapide ausfallen wie der Verfall“, warnt er. Jedoch: „Gerade die Fichtenpreise dürften wieder deutlich anziehen.“

Denn Holz wird weiter stark nachgefragt und die aktuelle Schwemme ist dann weg. Vorausgesetzt, ein Sturm bläst nicht wieder Millionen von Festmetern um. Der Forstamtschef weiß um den „riesigen Holzdurst“ in Deutschland, der den Einschlag von 60 bis 80 Millionen Kubikmetern im Jahr weit übersteigt. Aktuell werden deshalb zusätzlich große Mengen importiert. Holz ist, betont er, „einer der wenigen Rohstoffe, die wie hierzulande produzieren“. Deshalb seine Prognose: „Die Nachfrage wird ungebrochen sein.“

Mittelalter trifft auf Quentin Tarantino

Wer vor kurzem am Beerfelder „Galgen“ vorbeikam, wird ziemlich gestutzt haben. Weiße Gestalten in Büßergewändern, dazu noch bei zehn Grad barfuß, außerdem ein paar historische Figuren wie Bischof, Kaufmann und Pestdoktor, dazu ein Mariachi aus dem Wilden Westen: Das gab Anlass zur Spekulation. Die Erklärung ist einfach: Die Szenerie war Teil des Filmprojekts „Dig that hole“, auf Deutsch „Grab dieses Loch“, des Mannheimers Andreas Eichenauer.

Der Song ist Teil des Konzeptalbums „Leche Negra“, das unter seinem Künstler-Ego „Mal Hombre“ im Sommer 2021 veröffentlicht werden soll. Dies Album verarbeitet den Holocaust anhand des Gedichts „Todesfuge“ und verwandter Texte von Paul Celan, erläutert Eichenauer. Beispielsweise beschreibt das einzige deutschsprachige Stück des Albums, „Buchenwald“, seinen Besuch des gleichnamigen Konzentrationslagers. Das Filmkonzept zu „Dig that hole“ ist eine Kombination aus Tarantino-Filmästhetiken wie im Streifen „12 Years a Slave“.

Daneben setzt der Regisseur kompromisslose Darstellung aktueller Themen: Rassismus (in einer besonderen Inszenierung des George-Floyd-Mords), Sexualisierung, Gewalt an Frauen sowie die Corona-Krise. Es entsteht ein Musikvideo „in Form eines Western-Kurzfilms in mittelalterlichen Kulissen mit gesellschaftlicher Sprengkraft und soziokultureller Wertigkeit“, erklärt Eichenauer. Er out sich schmunzelnd als jemanden mit „Mittelalterspleen“.

Dabei wird seinen Worten zufolge nicht einfach in Form eines epischen Historienfilms abermals die Geschichte der schwarzen Sklaven auf amerikanischen Baumwollfeldern nacherzählt, „sondern vielmehr dunkelste Kapitel deutscher und europäischer Geschichte direkt in Verbindung mit aktuellen globalen gesellschaftlichen Vorgängen gebracht“ – und schließlich in der Inszenierung der Szenen miteinander vermischt. Somit reiht sich das Stück in das Gesamtkonzept des Albums ein und stellt dem Regisseur zufolge eine besondere Form der Sozialkritik dar.

Insbesondere der Rolle der jungen schwarzen Frau, dargestellt von Michelle Buchholz, kommt eine besondere Bedeutung zu: Zunächst frei und glücklich, dann entführt, missbraucht und misshandelt von „alten weißen Männern“, bietet sie dem Niederträchtigen dennoch die Stirn und bleibt kämpferisch. Die Geschichte wird vor allem aus Sicht dieser Frauenfigur erzählt, „anstatt ein konturloses Opferbild aus der Perspektive männlicher Darsteller zu zeichnen“. Somit ist sie Teil der aktuellen Diskussion um moderne Frauenrollen, betont Eichenauer.

„Mal Hombre“ sind Rage Against The Machine, Queens Of The Stone Age und Jack White in einem Tarantino-Streifen, erzählt er: Kompromisslose Aggression und zerbrechliche Balladen zwischen Filmmusik, Classic Rock, Folklore und Synth-Pop definieren diesen Industrial Western. Ganz im Sinne der Ästhetik von Filmkünstlern wie Robert Rodriguez und Quentin Tarantino wird nach deren Stil El Mariachi, die zentrale Kunstfigur im Mal Hombre-Kosmos, inszeniert.

Der Act wagt sich dabei Eichenauer zufolge an einige der aktuell heikelsten politischen, sozialen und historischen Themen und sieht sich von daher in einer Linie mit Bands wie „RATM“ oder etwa „Irie Révoltés“. In Planung sind musikalische und künstlerische Aktionen nach der „Guerilla-Methode“ – Straßenmusik, eigene Events, unterschiedliche künstlerische Kooperationen. Zum einen in einer reduzierteren Besetzung, für gezielte Auftritte sogar solo als Sänger und Schlagzeuger, zum anderen als klassische Band, um viele der Stücke von „Leche“ Negra in Originalversionen zu präsentieren.

Eine düstere, gespenstische Grundstimmung wird durch analoge Farbgebung, Entsättigung sowie einen cinematischen Look im Breitbildformat (2,35:1) geschaffen, schildert der Konzeptkünstler seine Gedanken. Die Bilder wechseln zwischen Realtime und Zeitlupe. Zur authentischen Umsetzung der Bilder sind Filmkameras und -objektive mit Outdoor-Ausstattung sowie die entsprechende Lichttechnik vonnöten. Hinzu kommen Kameraleute und Regieassistenz, außerdem eine Special-Make-up-Artistin für die Darstellung von Verletzungen.

Eichenauer war mit seiner Band „Gitarrenhelden“ vor der Corona-Pandemie viel in der Region unterwegs. Die Vorbereitungen zu „Dig that Hole“ begannen bereits vor eineinhalb Jahren. Unfreiwillig hatte er seit März Zeit zur Projektentwicklung. Mit einer Förderung durchs Hilfsprogramm „Neustart Kultur“ kann er nun einen Teil der Kosten decken. 

Musik als eine andere Art des emotionalen Ausdrucks

Mümling-Grumbach/Sandbach. Die Entstehung des Bandnamens ist einigermaßen kurios. „Wir hatten gerade unseren Proberaum etwas vergrößert“, erzählt Sänger und Rhythmus-Gitarrist Tobias Körbel. Auf dem Weg zu einer kleinen Feier sahen die vier Bandmitglieder dann am Straßenrand eine ausrangierte Couch. „Die hat uns so gut gefallen, dass wir sie in den Proberaum geschleift haben.“ Da das Sofa von Oma Helene stammt, „heißen wir seitdem Helens Couch“, lacht er. Seine Musik beschreibt das Quartett als eine Art Hard-Rock-Punk.

Die Gründungsstunde von „Helens Couch“ schlug aber schon vorher – nicht auf einer Couch, sondern  auf einer Dorffeier. Zu späterer Stunde „hatten wir die Idee, doch mal alle zusammen Musik zu machen“. Gesagt, getan. Neben dem 24-jährigen Tobias sind aus Mümling-Grumbach noch Schlagzeuger Yannik (23) und Lead-Gitarrist Johannes (22) sowie aus Sandbach Bassist Tizian (25) dabei. Zuerst wurde eher gecovert, später wandte sich das Quartett eigenen Songs zu.

Alle sind auf unterschiedliche Weise zur Musik gekommen. Yannik sah im Musikunterricht mal ein Schlagzeug stehen sehen und fand das so cool, dass er seine Eltern dazu überredete, damit anfangen zu dürfen, erzählt sein Bandkollege. Johannes bekam zu Weihnachten das Playstation-Spiel „Guitar Hero“ geschenkt und fing mit dem Sechssaiter an. Denn eigentlich hatten seine Eltern zuerst andere musikalische Pläne mit ihm.

Tizian wiederum besuchte schon mit zwei Jahren die musikalische Früherziehung und startete in der Grundschule mit dem Klavierspiel. Später kam er dann in seine „Metal-Phase“, in der er auch E-Gitarre erlernte. Bass spielt er eigentlich erst, seitdem er in der Band eingestiegen ist. Tobias‘ Anfänge liegen bei der Akustik-Gitarre. Später wurde daraus die verstärkte Variante, „weil ich Punk einfach viel cooler fand, als mit Mama Musik zu machen“, erzählt er lachend. Dann begannen auch die ersten „Mit-Sing-Versuche“.

Als nach der Bandgründung vor vier Jahren die ersten Auftritte auf einer Kerb eintrudelten, „haben wir gemerkt, dass live zu spielen uns allen riesigen Spaß macht“, schildert Tobias den Werdegang. Dafür mussten die vier aber ordentlich proben. „So haben wir uns dann stetig weiterentwickelt“, erläutert er. Mit Erfolg. Von den Kerben ging es mittlerweile auf Bühnen bis nach Frankfurt. Bei Bandcontests gab es bereits schon viel Lob – bei Emergenza schafften es die Odenwälder als bestplatzierte Rock-Band in die nächste Runde.

Jeder Musiker hat so seine großen Vorbilder. Für Yannik sind es definitiv die „Foo Fighters“. Er hört mittlerweile am liebsten punkige Sachen, eher in Richtung Pop-Punk. Bei Johannes stehen „Linkin Park“, „Rise Against the Machine“ und die Ärzte ganz oben auf der Hitliste. Er ist ein Fan von Hard Rock, Metal (vor allem New Metal und Metal Core) und hört gerne das ein oder andere Punk-Lied.

Tizian nennt Thomas Bergersen und „As I Lay Dying“ als Top-Acts. Er beschäftigt sich viel mit Soundtrack-Musik und hört dazu noch gerne Death Metal. Tobias erwähnt zusätzlich noch „Blink 182“, besonders den langjährigen Sänger und Gitarristen Tom DeLonge. Er hört relativ viel Punk und Pop-Punk, aber in letzter Zeit auch immer mehr Metal Core.

Live-Auftritte sind für die vier das „absolute Highlight“. Das gibt Emotionen, Stimmung und auch einfach Nervenkitzel, den man sonst nirgends findet. Wenn Besucher die Lieder mitsingen, die Musiker einen „Mosh-Pit“ sehen oder sie die Zuschauer zu einer „Wall of Death“ auffordern, ist es „das Beste, was es gibt“.

Dazu kommt natürlich noch, dass Musik zu machen „eine andere Art des emotionalen Ausdrucks ist“, erklärt Tobias den Reiz. „Wir alle packen unsere Gedanken, Probleme, Hoffnungen und Ängste in die Songs rein.“ Man kann einfach seinen Gefühlen Ausdruck verleihen und Geschehnisse auf seine eigene Art und Weise verarbeiten. Als Band zu spielen, ist seinen Worten zufolge auch deswegen klasse, „weil aus vier Individuen eine Einheit wird, die zusammen echt geile Musik macht“.

„Unsere Musik ist laut“, grinst der Sänger und Gitarrist. Gespielt wird nichts, das leise von der Bühne trällert, sondern es gibt Feuer. Die „Mitmach-Teile“ kommen immer gut an. Die Gäste müssen damit rechnen, „dass zwischen den Liedern auch einiges an Dumm-Gebabbel kommt“,  meint er schmunzelnd. Aber bisher nahmen die das alles klaglos hin.

Vor der Corona-Pandemie hatte die Band das Gefühl, dass es langsam richtig mit der Karriere losgeht. Für März und April waren innerhalb von zwei Monaten sechs feste Auftritte geplant. „Das Ding sollte scheinbar so langsam wirklich ins Rollen kommen.“ Doch nun wurden die vier, wie fast alle Künstler der Musikbranche, „ganz schön zurückgeworfen“.

Alle Konzerte wurden abgesagt, teilweise mittlerweile sogar mit der schlechten Aussicht, dass sie auch 2021 nicht stattfinden werden. Es gibt momentan so gut wie keine Möglichkeit irgendwo aufzutreten, beklagt Tobias. Dazu kommt, „dass unsere Musik keine ist, bei der man sich mit 1,50 Meter Abstand auf einen Schaukelstuhl setzt und lauscht“, weiß er.

Aufgrund der aktuellen Lage kann die Band nicht beurteilen, wie’s weiter gehen soll. Die vier Studenten wollen sich jetzt darauf konzentrieren, neue Songs zu schreiben, eventuell ein paar aufzunehmen und zu veröffentlichen. Ein Lied befindet sich gerade in Produktion. „So werden wir versuchen irgendwie durch die Pandemie zu kommen, um dann, wenn wir wieder live spielen können, perfekt vorbereitet zu sein“, hofft Tobias.

Mehr unter www.facebook.com/helenscouch.band/ oder http://www.backstagepro.de/helens-couch

Erste Auszubildende überhaupt holt gleich die Bestnote

Mit Nadja Jäger hat das Therapiezentrum Janowicz in Beerfelden einen Glücksgriff getan. Die 23-Jährige aus Wald-Michelbach holte bei der IHK Darmstadt die Azubi-Bestnote im Rahmen der Winterprüfung 2019. Jäger wurde als Kauffrau im Gesundheitswesen ausgebildet und inzwischen in den Betrieb übernommen. Für das Therapiezentrum bedeutete die Auszeichnung einen doppelten Gewinn: Nicht nur, dass man die Top-Azubi stellte, es war auch das erste Mal überhaupt, dass der Betrieb ausbildete.

„Auf dem Land ist es schwer, passende Fachkräfte zu finden“, erläutert Max Janowicz. Die Tagesklinik für ambulante Rehabilitation, deren Gründer und Geschäftsführer sein Vater Werner ist, suchte lange nach einer geeigneten Person. Die betreffende Stelle war immer mal wieder besetzt, „aber es gab eine hohe Fluktuation“. Dazu kommt, dass es besondere Anforderungen gibt: Es sind nicht nur kaufmännische, sondern auch medizinische Kenntnis von Vorteil.

Deshalb kam Janowicz der Gedanke, dass es Sinn machen könnte, die benötigte Fachkraft selbst auszubilden. Denn er erwarb im Zuge seines BWL-Studiums einen Ausbilderschein und darf deshalb selbst tätig werden. Es gab mehrere Bewerber, erzählt er. Mit Nadja Jäger stellte man genau die Richtige ein. Sie startete im August 2017 und schloss die Ausbildung in diesem August ab. Seitdem ist sie in Festanstellung an der Rezeption als Kauffrau im Gesundheitswesen tätig.

In der Berufsschule wurde neben dem Kaufmännischen das Fach Medizin zusätzlich unterrichtet. „Sie hat alles von der Pike auf gelernt“, freut sich Max Janowicz. Durch die Mitarbeit im Therapiezentrum „kennt sie unsere Abläufe“. Damit ist sie eine unverzichtbare Kraft für den 18 Mitarbeiter zählenden Betrieb: „Es passt perfekt“, stellt er der jungen Frau ein positives Zeugnis aus.

Der Betrieb baut auf seine Top-Azubi an der Rezeption und will sie auch beständig weiterbilden. Nach den guten Erfahrungen „wollen wir kommendes Jahr wieder einen Azubi einstellen“, sagt Janowicz. Ebenfalls wieder eine Kauffrau im Gesundheitswesen. Zum einen spricht die Auszeichnung natürlich für den Ausbilder, schmunzelt der 31-Jährige. Zum anderen „kann ich nur die Voraussetzungen schaffen“. Der Rest kommt vom Azubi selbst. „Sie ist sehr ehrgeizig und hat viel gelernt“, lobt Janowicz.

1982 gegründet, wuchs das Therapiezentrum seit dieser Zeit ständig. In diesem Jahr wurden die Stellplätze neu angelegt. Bis Jahresende soll noch ein weiteres, schon lange in der Pipeline befindliches Projekt angegangen werden. Nachdem nun endlich die Baugenehmigung für den Anbau eingetrudelt ist, will man mit dem Ausbau starten und den Rohbau erstellen. In diesen sollen dann die sanitären Anlagen aus dem bisherigen Gebäude ausgelagert werden.

In spe ist dann eine Kältekammer im bestehenden Haus geplant. Aber die wird laut Max Janowicz noch ein wenig auf sich warten lassen. Mindestens zwei Jahre könnte es dauern, schätzt er. Denn: „Corona ist nicht spurlos an uns vorüber gegangen.“ Sehr viele Patienten sagten im Frühjahr ihre Termine wegen Vorerkrankungen und Furcht vor Ansteckung ab. Kurzarbeit war aufgrund des Rehabetriebs nicht möglich, erläutert er. „Wir wollten unsere Öffnungszeiten halten.“ Im Sommer herrschte dann wieder Normalbetrieb, nachdem die zurückgestellten Operationen nachgeholt wurden.

Aktuell geht zwar durch den Lockdown light wieder alles von vorn los, aber die Situation stellt sich nicht so schlimm dar wie Ende März. Die Reha-Zahlen sind noch nicht rückläufig. „Wir schauen, wie es sich entwickelt“, sagt er. Janowicz macht gleichzeitig klar, dass das Therapiezentrum sehr penibel auf die Einhaltung der Hygienevorschriften achtet: „Bei uns tragen alle eine Maske, auch im medizinischen Trainingsbetrieb.“

Ein anderes Projekt hat die Familie Janowicz beerdigt: den Bau eines Ärztehauses zwischen Haus Henneböhl und Oberzent-Schule. „Wir sind da raus“, erklärt der 31-Jährige. Ein Quadratmeterpreis von acht bis zehn Euro, wie er von der Ärzteschaft gewünscht wurde, „ist total unrealistisch“, meint er. „Das können wir als Investor nicht stemmen.“

Jetzt ist ein anderer Interessent seit einem Jahr am Werkeln. Der plant gerade das Gebäude um und fragt bei potenziellen Mietern nach. Ein Treffen mit Interessierten gab es vor etwa zwei Monaten. Jetzt laufen die weiteren Abstimmungen. Sollte aus dem Projekt was werden, „dann würde er uns das Grundstück abkaufen“, erläutert Janowicz.

„1000 Sterne“ leuchten für die Menschen

In einer dunklen Zeit lässt der Rotary-Club Erbach-Michelstadt „1000 Sterne“ leuchten. So nennt sich die diesjährige Aktion in der Vorweihnachtszeit. Eigentlich veranstaltet der Club alle Jahre wieder ein großes Konzert in der Erbacher Stadtkirche, erläutert der seit Juli amtierende Präsident Roger Frohmuth aus Beerfelden. Das fällt aber dieses Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer.

Stattdessen „schwirren alle Clubfreunde aus“ und werden am zweiten Adventssonntag, 6. Dezember, von 14 bis 18 Uhr die 28 Pflegeeinrichtungen im Odenwaldkreis besuchen. Im Gepäck haben die Rotarier für die jeweiligen Bewohner einen Weihnachtsstern und –gruß, der natürlich außerhalb der Häuser übergeben wird.

Die Ehrenamtlichen denken bei ihrer Aktion aber auch an all diejenigen, die in den Einrichtungen eine unverzichtbarere Arbeit leisten. Für die Beschäftigten haben die Rotarier einen Präsentkorb als Anerkennung im Gepäck. Es dürften im Odenwaldkreis etliche hundert Mitarbeiter sein, die nicht nur in Corona-Zeiten ihren wertvollen Dienst versehen, schätzt der Beerfelder Pfarrer. „Es ist ein Zeichen, das wir setzen wollen“, erläutert er, um auf die „unglaubliche Arbeit“ hinzuweisen, die hier geleistet wird. „Wir schätzen das sehr wert.“

Laut Frohmuth gibt einen gemeinsamen Start in Erbach. Von dort schwärmen die knapp 30 Rotarier in einer Sternfahrt in alle Himmelsrichtungen aus. Oberzent, Erbach-Michelstadt, Gersprenztal sowie Höchst und Bad König heißen die angesteuerten Regionen. Vor den verschiedenen Häusern soll es eventuell auch ein Weihnachtssingen geben.

Die Amtsübergabe an Frohmuth fand schon im Sommer ohne größere Feier statt. „Viele Gaben – ein Geist“ lautet das Motto, unter das der Präsident das neue rotarische Jahr gestellt hat. Das passt zum evangelischen Pfarrer, denn es ist ein biblisches. Der Apostel Paulus bezieht das auf seine Gemeinde in Korinth – Roger Frohmuth bezieht es auf den Rotarischen Club.

Hier treffen sich seinen Worten zufolge Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die in ganz verschiedenen Bereichen tätig sind. „Zusammengenommen ergibt sich daraus ein Club, der wie ein bunter Blumenstrauß ist.“ Zusammengehalten wird der Club durch die Bereitschaft, diese Gaben in den Dienst der Menschen zu stellen, sie nicht für sich zu behalten, sondern damit anderen zu einem besseren Leben zu verhelfen. Und auf diese Weise die Welt ein Stückchen freundlicher, gerechter, friedlicher zu machen.

Auf der Suche nach der Kostendeckung

Wenn es um Gebühren und Satzungen geht, dann sind lange Sitzungen der Gremien vorprogrammiert. Wie jetzt im Haupt- und Finanzausschuss Oberzent, der sich mit der Friedhofsgebührenordnung zu beschäftigen hatte. Die Kalkulation dafür geschah durch das Büro Eckermann & Krauß. In Stein gemeißelt ist davon noch nichts, denn die Fraktionen nehmen die Zahlen zur Beratung mit.

Im Vergleich zu den bisherigen Gebührensätzen ist eine deutliche Erhöhung festzustellen, sagte Norman Krauß. Die ist seinen Worten zufolge vorrangig darauf zurückzuführen, dass die letztmaligen Kalkulationen von Hesseneck, Rothenberg, Sensbachtal und Beerfelden bereits viele Jahre zurückliegen und in Teilen bereits damals nicht kostendeckend waren.

Vom Büro wurden die Sätze für 2021 bis 2023 neu berechnet. Auftragsgemäß wurde ein Grünanteil von 20 Prozent der Kosten der Friedhofsunterhaltung angesetzt. Alle übrigen Kosten sollten hingegen vollständig durch Gebühren gedeckt werden. Im Falle einer Umsetzung wie vorgeschlagen ist Krauß zufolge ist mit jährlichen Einnahmen von rund 250.000 Euro zu rechnen, von denen allerdings rund 110.000 auf Grabnutzungsrechte entfallen. Die sind haushaltsrechtlich nicht sofort wirksam, sondern müssen auf den Zeitraum der Grabnutzung umgelegt werden. Deshalb werden im Etat die Auswirkungen der Gebührenerhöhung nur schrittweise und zeitverzögert erkennbar sein.

Eine Kostendeckung im Bereich des Friedhofs- und Bestattungswesens „ist erstrebenswert und wird von den Aufsichtsbehörden in immer stärkerem Maße gefordert“, betonte Krauß. Er sagte, dass die Gebührensätze betriebswirtschaftliche Vorschläge aufgrund der Kalkulation sind. Die endgültigen Zahlen stehen „im politischen Ermessen“, erläutert er, sofern der Deckungsgrad eingehalten wird.

Im Ausschuss wurde die Höhe des Gebührensatzes von 360 Euro für die Nutzung der Trauerhalle diskutiert. Nach Meinung der Mitglieder ist dieser zu hoch, da nicht jede Trauerhalle über die gleiche Kapazität, Ausstattung und Beschaffenheit verfügt. Bürgermeister Christian Kehrer erläuterte, dass es in dieser Hinsicht auch Bedenken im Magistrat gab.

Das Stadtoberhaupt machte darauf aufmerksam, dass dieser Gebührensatz noch in der politischen Diskussion verändert werden kann. Kehrer ergänzte aber auch, dass der Kostendeckungsgrad im Haushaltsplan 2019/20 mit nur knapp über 70 Prozent der Verpflichtung nicht nachkommt.

Beitragssatz kann bestehen bleiben

Die Globalkalkulation für die Anschlussbeiträge von Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung ist eine diffizile Sache, erfuhr der Haupt- und Finanzausschuss Beerfelden bei seiner vergangenen Sitzung. Norman Krauß vom Büro Eckermann & Krauß informierte die Mandatsträger zu diesem Thema. Er präsentierte daneben Möglichkeiten und Beispiele für beitrags- und gebührenqualifizierte Erneuerungsinvestitionen.

Krauß ergänzte, „dass eine Kalkulation empfehlenswert ist“. Man sollte nicht komplett darauf verzichten. Zudem, so seine Ausführungen, sollten die Kommunen beachten, dass je nach Art der Entscheidung für eine bestimmte Kostendeckung eine Befreiung alter Gebühren- und Beitragszahler notwendig wird. Dies erfordert seitens der Verwaltung Aufwand, „der dann geleistet werden muss“, betonte er.

Wenn eine Gemeinde bei der Abwasserbeseitigung von einer Beitrags- und Gebührenfinanzierung auf eine ausschließliche Gebührenfinanzierung umstellen will, müssen unterschiedliche Sätze festgesetzt werden, erläuterte Krauß. Denn für Grundstückseigentümer, die bereits einen Anschlussbeitrag gezahlt haben, verbleibt es beim bisherigen Gebührensatz. Die anderen zahlen seinen Worten zufolge einen höheren.

Hält hingegen eine Gemeinde am Mischfinanzierungssystem fest, kann sie laut Krauß den Aufwands-Deckungsgrad in der Höhe zukünftig zu verändern. Als Beispiel führte der Fachmann an: Wird innerhalb einer Kalkulationsperiode ein Deckungsgrad von 70 Prozent veranschlagt, so kann dieser später erhöht oder gesenkt werden. „Die Gemeinde ist nicht an die früher getroffene Entscheidung gebunden.“

Das Doppelbelastungsverbot bei Grundstückseigentümern greift nur, ergänzte er, wenn das Finanzierungssystem grundsätzlich geändert wird. Krauß zog folgendes Fazit: Der in Oberzent vereinheitlichte Beitragssatz in Höhe von einem Euro Anschlussgebühr pro Quadratmeter Veranlagungsfläche bei Wasser und Abwasser kann bestehen bleiben. Dafür ist es erforderlich, dass mit dem Beitragssatz nur ein Teil der Investitionen und der Rest über Abschreibungen oder Gebühren nachträglich finanziert wird.

Außerdem soll keine wesentliche Benachteiligung von Alt-Beitragszahlern zu befürchten sein. Durch eine Rechnungsperiodenkalkulation muss laut Krauß belegt werden, dass der tatsächliche beitrags- und umlagefähige Aufwand oberhalb von einem Euro liegt. Ansonsten ist eine Globalkalkulation zu empfehlen, betonte er. Die Ausschussmitglieder nahmen die Ausführungen zur Kenntnis.

Gedenken auch in Corona-Zeiten

In diesem Jahr ist alles anders. Normalerweise machen sich mehrere Klassen der Oberzent-Schule rund um den Jahrestag der Reichspogromnacht immer auf, um in Beerfelden die Stolpersteine im Gedenken an die deportierten und ermordeten Juden zu reinigen. Diese Aktion wurde nun völlig anders konzipiert. 

Friedensgebet und Gedenkgang konnten nicht wie gewohnt stattfinden. Externe durften in diesem Jahr nicht teilnehmen. Schulleiter Bernd Siefert verwies im Vorfeld aber auf die Bedeutung dieser Veranstaltung: „Es ist dennoch wichtig, in einem kleinen Rahmen ein Zeichen zu setzen.“ Man kam überein, dass die Religions- und Ethikkurse der Jahrgänge 9 und 10 individuell vorgehen.

Wegen der aktuellen Kontaktbeschränkungen wurde darauf geachtet, dass sich die jeweiligen Kurse nicht zur gleichen Zeit am selben Ort befinden. Dennis Hemberger und Bernd Siefert besuchten mit ihren Religionskursen  die evangelische Kirche und die ehemalige Synagoge. Pfarrer Roger Frohmuth ging mit seinem Religionskurs in die katholische Kirche, Tamara Weihrauch auf den Vorplatz der evangelischen Kirche und der ehemaligen Synagoge und gedachte dort der Reichpogromnacht.

Mevlüt Erdoğan, Vorstandsmitglied der islamischen DITIB-Gemeinde richtete eine Videobotschaft an Erdogan Sunas Ethikkurs der Jahrgangsstufen 9 und 10. Symbolisch wurde später eine Kerze angezündet und eine Schweigeminute eingelegt. Zwar waren die Schüler räumlich getrennt, hatten aber beim Rundgang etwas, was sie gedanklich verband.

Mehr als 1400 Synagogen wurden am 9. November 1938 in ganz Deutschland zerstört. Es gab es über 400 Tote. Die jüdische Gemeinde in Beerfelden blickte damals auf eine 300-jährige Geschichte in Oberzent zurück, sagte er. Bis zu 200 Mitbürger waren es 1861. An der ehemaligen Synagoge befindet sich heute das „S‘Lagger“.

Das jüdische Gotteshaus war in der betreffenden Nacht vor 82 Jahren abgerissen worden. Im Gegensatz zu anderen in Deutschland zerstörten Synagogen wurde sie nicht gesprengt oder angezündet, da man in der Oberzent-Stadt noch das Trauma des großen Stadtbrandes von 1810 vor Augen hatte.

Um das Jahr 1900 gab es in Beerfelden noch über 100 jüdische Mitbürger. In der heutigen Judengasse wohnten keine. Nur ein Weg führte durch die Straße zur Synagoge. Die Juden waren, das zeigt ein Stadtplan aus dem Jahre 1905, überall in der Stadt verteilt. Schon vor dem Novemberpogrom von 1938 war die jüdische Einwohnerschaft aber stark zurückgegangen. Viele emigrierten, vor allem in die USA.

An der zerstörten Synagoge wurde bereits 2010 eine Gedenktafel angebracht. Siefert erwähnte auch den Landrats-Bescheid vom 15. April 1942, der euphemistisch von einer „Evakuierung“ sprach. Unterlagen wurden gefälscht, damit nichts auf eine konzertierte Aktion hinwies.

Die letzten zwölf jüdischen Bewohner wurden im Herbst 1942 – über die Sammelstelle in Darmstadt – „in den Osten umgesiedelt“, wie die Nazi-Propaganda den Weg in die Vernichtungslager euphemistisch beschrieb. Ab Oktober 1942 gab es in Beerfelden keine Juden mehr. „Für diese Menschen haben wir 2012 die Stolpersteine verlegen lassen“, so Siefert.

Ein weiterer Stolperstein kam 2016 hinzu: für den in den letzten Kriegstagen durch Nazi-Schergen ermordeten 22-jährigen Soldaten Herbert Creutzburg, der auf dem Platz vor der Martinskirche am 25. März 1945 gehängt wurde.

Praxis kann bis zu 3000 Patienten versorgen

Mit dem Richtfest für die hausärztliche Gemeinschaftspraxis an der Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl Beerfelden wurde ein weiterer Schritt für die Versorgung der Menschen in der Region getan, betonte Annegret Hoffmann, Vorsitzende des Stiftungsvorstandes der Pflegestiftung Odenwald. Parallel sind auch die die neuen Räumlichkeiten für die Mobile Pflege Oberzent am Werden. Hoffmann hob hervor, dass es für das Bauvorhaben keine öffentlichen Zuwendungen von Bund, Land und Kommunen gibt.

Geschäftsführer Michael Vetter erläuterte, dass die allgemeinzugängliche Gemeinschaftspraxis mit vier Arztzimmern und vier Behandlungsräumen ausgestattet ist. Dazu kommen großzügige Wartezimmer sowie Anmeldebereich, Räume für Labor, Sonographie, Personal, Lager sowie getrennte Toilettenbereiche für Personal und Patienten. Alles ist barrierefrei.

Die hellen Räume haben große Fenster und verfügen über eine optimale Beleuchtung, die eine gute Atmosphäre für Arzt und Patient schafft, betonte Vetter. Besonders hervorgehoben wurden von ihm die zahlreichen Parkplätze direkt am überdachten und ebenerdigen Eingangsbereich. Für das Personal der Arztpraxis sind zwei eigene Eingänge vorgesehen.

Die Räumlichkeiten werden automatisiert belüftet, informierte Vetter. Sie können mit Jalousien beschattet werden und sind klimatisiert. Die Praxis und die ambulante Pflege sind mit Natursteinboden und Fußbodenheizung ausgestattet. Die Arztpraxis wurde nach einem Hygienekonzept unter fachärztlicher Beratung geplant und erfüllt alle brandschutzrechtlichen Anforderungen. Alle Räume verfügen über eine Akustikdecke mit dem erforderlichen Schallschutz.

Eine leistungsfähige Anbindung an das Breitbandnetz ist vorgesehen, so der Geschäftsführer. Damit soll ein schneller Austausch mit anderen Gesundheitseinrichtungen gewährleisten werden. Die Ausstattung auf einer Fläche von 380 Quadratmeter entspricht den modernsten Anforderungen, sagte er.

Das neue Gebäude wird Vetter zufolge im Außenbereich durch eine großzügige Bepflanzung umrahmt. Die Gemeinschaftspraxis kann bis zu 3000 Patienten versorgen. Sie soll in den ersten zwei Jahren mietfrei an Ärzte überlassen und anschließend zu einem Preis von fünf Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Der Richtspruch wurde von Thomas Hübner von der Firma MIM aus Höchst gesprochen. Im Anschluss waren die Gäste zu einem Richtschmaus eingeladen.

Viel Geld für die Kinderbetreuung

Alles zurück auf Anfang. Im Sommer hatten die Oberzent-Stadtverordneten Nägel mit Köpfen gemacht und einige Pflöcke in Sachen Kinderbetreuung eingerammt. Die Kita „Abenteuerland“ in Beerfelden soll einen großen Anbau bekommen, in der Nähe der Kernstadt soll ein Waldkindergarten entstehen und der „Wirbelwind“ in Kailbach wird ebenfalls vergrößert. Im Bau- und Umweltausschuss berichtete Helmut Ulrich nun, dass sich in der Zwischenzeit Förderprogramme und Zuschusshöhe änderten.

„Wir müssen die alten Anträge noch einmal einreichen“, berichtete Ulrich. Teilweise gibt’s dann etwas mehr Geld, teilweise aber auch weniger. Im Sommer hatte man für die Kita Beerfelden einen Zuschuss von 300.000 Euro pro zusätzlicher Gruppe eingeplant. Drei weitere soll es geben. Stand jetzt sind es lediglich 150.000 Euro, wobei Bürgermeister Christian Kehrer davon ausgeht, dass noch Luft nach oben ist. Es gibt Hoffnung auf mehr. Allerdings fällt das nicht so stark ins Gewicht: Ein anonymer Wohltäter wird einen Großteil der Bausumme von 1,5 Millionen Euro spenden.

Stadtbaumeister Peter Bauer wies auf das enge Zeitfenster hin. Das lässt sich in Beerfelden nur einhalten, wenn modular gebaut wird. „So früh wie möglich werden wir den Erdbauer beauftragen“, betonte er. Thomas Ihrig (SPD) wies in diesem Zusammenhang hin, dass der Haushaltsposten noch mit einem Sperrvermerk versehen ist. Den müssten die Stadtverordneten rechtzeitig aufheben. Das Stadtoberhaupt erwähnte bereits vorbeugend, dass bei dieser Bauweise „ein paar Monate nichts passieren wird“. Denn viel Arbeit wird im Vorfeld im Werk erledigt. „Vor Ort geht es dann schnell“, versprach er.

Die Erweiterung in Kailbach soll über das integriertes kommunales Entwicklungskonzept IKEK laufen. Die Gesamtkosten von fast 800.000 Euro werden mit 90 Prozent, allerdings einer Obergrenze von 500.000 Euro, gefördert. Somit muss die Stadt knapp 300.000 Euro aus eigener Tasche bezahlen. Fertigstellung dürfte Mitte 2022 sein.

Der Waldkindergarten wiederum soll etwa 80.000 Euro kosten. Hier ist ein Zuschuss von 75 Prozent der förderfähigen Netto-Kosten, somit 50.000 Euro, aus dem Leader-Programm zu erhalten. Die wäre höher als der Zuschuss aus dem Landesprogramm zur Kinderbetreuungsfinanzierung. In der Summe enthalten wären ein Waldkinderbauwagen, die entsprechende Bodenplatte, ein Geräte-/Materialhäuschen, eine Zaunanlage und ein Wasseranschluss.

Dem Bürgermeister zufolge gibt es drei mögliche Standorte: Eisenweg am Hochbehälter, Deltapark oder alte Waldhütte. Favorit ist derzeit der Platz am Hochbehälter. Hier steht aber noch eine Klärung mit dem Regierungspräsidium wegen des Umspannwerks im Raum. Die Realisierung soll so schnell wie möglich bis Mitte kommenden Jahres sein.

Sonst jedoch „ist der Platz ideal“, so Kehrer. An- und Abfahrt von Rettungsfahrzeugen wäre problemlos möglich, außerdem gibt es bereits Wasser und Strom. Bei beiden Maßnahmen, Wirbelwind-Erweiterung und Waldkindergarten, ist Ulrich zufolge ein erneuter Beschluss der Mandatsträger notwendig, sowohl die Investitionssumme in den Haushalt 2021 einzustellen als auch die Folgekosten zu schultern. Die belaufen sich beim Waldkindergarten auf 2300 Euro, für den Kailbacher Anbau auf 19.400 Euro im Jahr.

Der Förderantrag für einen Kindergarten-Neubau in Rothenberg wurde erst einmal zurückgezogen, fügte der Verwaltungsmitarbeiter an. Er soll demnächst neu gestellt werden. Kehrer ergänzte, dass man das Projekt nicht bis Mitte 2022 hätte fertigstellen können. Aber das ist Bedingung der Förderung. „Einen Tag später und wir müssten alles zurückzahlen“, erläuterte er. Die Mittel wären dann auch für den Odenwaldkreis verloren, der sie pauschal für Kindergarten-Maßnahmen zugeteilt bekommt. „Im Sinne der kommunalen Familie“ habe man sich deshalb zu diesem Schritt entschlossen.

Claus Weyrauch (ÜWO) wollte allerdings ein Signal senden, dass die Kita nicht aus den Augen verloren wird. Er sah hier weiterhin „absoluten Handlungsbedarf“. Kehrer auch. Im ersten Quartal 2021 soll im Parlament eine Entscheidung getroffen werden, um dann ins neue Förderprogramm reinzukommen, peilt er als Zeitschiene an.

Bei Nutzung des Bundes- und Landesförderprogramms wäre ein vorzeitiger Baustart möglich, sagte der Bürgermeister. Das betrifft Beerfelden. Nicht so bei Leader und IKEK. „Da dürfen wir nicht zu schnell schießen.“ Die Unterscheidung ist nicht immer einfach, „denn wir arbeiten mit vier Förderprogrammen“.

Mehr Geld durch mehr Hundesteuer

Folgt die Stadtverordneten-Versammlung Oberzent der Empfehlung des Haupt- und Finanzausschusses, dann müssen Hundehalter ab kommendem Jahr tiefer in die Tasche greifen. Es steht eine teilweise kräftige Anhebung der Hundesteuer für Oberzent im Raum. Die Stadt verspricht sich dadurch etwa 21.500 Euro zusätzliche Einnahmen (bisher 53.500 Euro).

Bisher kostete der erste Hund 48, der zweite 72 und der dritte 96 Euro. Kampfhunde wurden pro Tier jeweils mit 600 Euro besteuert. Oberzent lag damit um etwa zwölf/33/17 Euro unter dem Schnitt benachbarter Kommunen. Lediglich bei den Kampfhunden lag man um etwa 150 Euro drüber. Wobei es dort ziemliche Ausreißer nach oben und unten gibt. Günstig ist die Hundehaltung im badischen Waldbrunn mit 30 Euro.

Teuer wird’s im benachbarten Hirschhorn mit gleich 100 Euro fürs erste Tier. Dort schlagen Hund 2 und 3 mit je 200 Euro zu Buche, während Waldbrunn nur je 50 Euro verlangt. In Michelstadt sind es 66/72 und in Kirchzell 60/80 Euro. Uneinheitlichkeit gibt es auch der Besteuerung von Kampfhunden. Zwischen 300 und 620 Euro lauten hier die verschiedenen Sätze.

Hintergrund der Anhebung: Mit der Neufassung der Hundesteuer-Satzung soll das Oberzent-Modell an das Muster des Hessischen Städte- und Gemeindebundes angepasst werden. Außerdem werden Hundesteuermarken, Steuerbefreiungen und Meldepflichten geregelt. Aktuell sind in Oberzent etwa 1000 Hunde gemeldet.

Claus Weyrauch (ÜWO) bemängelte, dass in der Neufassung die Eigentümer in Gestalt der Hundebestandsaufnahmen mit in die Verantwortung genommen werden. Dies ist allerdings in der Mustersatzung so vorgesehen und war auch in früheren Satzungen immer so berücksichtigt, so Bürgermeister Christian Kehrer. Er erläuterte, dass die Angaben der Eigentümer sehr wichtig sein können. Alleine durch die Bestandsaufnahme im Frühjahr 2020 wurden seinen Worten zufolge 40 nichtregistrierte Hunde festgestellt.

Mit Blick auf die höheren Steuerbeträge bestand bei den Mandatsträgern große Einigkeit, dass diese vertretbar sind. Es wurde darauf verwiesen, dass die Hundesteuer schon einige Jahre nicht mehr erhöht wurde. Künftig kostet der erste Hund ab Januar 66 Euro, der zweite 108 und der dritte 132 Euro. Dabei nimmt man die hessischen Durchschnittswerte als Vergleichswert. Kampfhunde werden pro Jahr weiter mit 600 Euro besteuert.

Bauamt war ständig auf Achse

In diesem Jahr hat sich auf und über der Erde in Oberzent viel bewegt. Manches auch nicht ganz freiwillig. Britta Bechtold vom Bauamt gab nun in der Sitzung des Bau- und Umweltausschuss einen Überblick über die aktuellen Tiefbauarbeiten. Wenn auch die Stadt mit der Sanierung der Ortsdurchfahrt L 3119 selbst wenig zu tun hatte, da sie „an der Oberfläche“ durch Hessen Mobil ausgeführt wurde, war sie doch seit zweieinhalb Jahren das sichtbarste Zeichen der zahlreichen Maßnahmen.

Die Straßenbaubehörde war für die Erneuerung der Fahrbahndecke auf der kilometerlangen Strecke zwischen B 45-Einmündung und Ortsausgang Richtung Finkenbach zuständig. In verschiedenen Bauabschnitten wurde – nicht immer zur Freude der Anwohner – seit Sommer 2018 gearbeitet. Auch die Umleitungen zerrten an den Nerven.

Es wurde im gesamten Bereich die Fahrbahn rund zehn Zentimeter tief abgefräst und anschließend mit sechs Zentimeter Asphaltbinderschicht und vier Zentimeter Asphaltdeckschicht neu aufgebaut. Darüber hinaus wurden die vorhandenen Entwässerungsrinnen sowie Straßenablaufsätze, Schieberkappen und Schachtdeckel ausgebaut und erneuert.

Im Auftrag der Stadt erfolgte außerdem eine Sanierung der Gehwege sowie die Herstellung von zwei Niederflurhaltestellen. Da man nur die Oberfläche der Fußgängerwege erneuerte, gestaltete sich diese Maßnahme laut Stadtbaumeister Peter Bauer für die Bürger kostenneutral. Es wurden keine Straßenausbaubeiträge erhoben.

Zwischen dem Metzkeil und dem Zwölfröhrenbrunnen wurde in der Brunnenstraße Richtung Mümlingtalstraße das traditionelle rote Metzkeil-Pflaster verlegt. Außerdem gestaltete man die Rinnen nach historischem Vorbild. Diesen Beschluss hatten noch die Gremien der früheren Stadt Beerfelden vor der Fusion gefasst, unterstützt vom Runden Tisch im Rahmen der IKEK-Gruppe Innenstadtgestaltung.  

Die gesamten Kosten der Baumaßnahme belaufen sich laut Hessen Mobil auf rund 1,5 Millionen Euro. Die Stadt trägt davon rund 538.000 Euro. Für den punktuellen Vollausbau der Gehwege wird die Stadt Oberzent im Rahmen der Verkehrsinfrastrukturförderung vom Land Hessen mit einem Zuschuss von 75 Prozent, rund 63.000 Euro, unterstützt, heißt es. Die städtischen Maßnahmen bewegen sich im Kostenrahmen, freute sich Bechtold. Die Endabrechnungen liegen allerdings noch nicht auf dem Tisch.

Bevor es seitens Hessen Mobil an die Straßendecke ging, hatte die Stadt bereits Wasserleitungen und Kanäle überprüft und erneuert. Vereinzelt stellte sich Bauer zufolge dabei heraus, dass Hausanschlüsse sanierungsbedürftig waren. Das wurde mit den jeweiligen Eigentümern abgerechnet. Bechtold ergänzte, dass man sich Gehwegsanierungskosten in einem Teil der Hirschhorner Straße mit der e-Netz teilen konnte. Denn die musste auf der rechten Straßenseite noch ein 20-kV-Kabel verlegen, was der Stadt zupass kam.

Etliche andere Tiefbauarbeiten hatte das Bauamt gar nicht oder nicht so auf der Rechnung, berichtete Bechtold dem Ausschuss. Etwa die Mümling-Verrohrung bei der Mümlingtalstraße, bei deren Sanierung erhebliche Schäden zutage traten. Hier war unter anderem das Erdreich weggespült. Andere unverhoffte Baustelle: die Überschwemmung bei Forsthaus und Autohaus Lang. „Wir wussten zuerst gar nicht, wo das Wasser herkommt“, sagte sie.

Kaputte Rohre sorgten dafür, dass in der Gerhard-Hauptmann-Straße der Gehweg absackte, erläuterte die Tiefbau-Spezialistin weiter. In der Edelmann-Straße stellte man bei der Kanal-Umlegung fest, dass ein Teil der Schächte „in üblem Zustand“ war. Ein großer Muffenabstand tat das Übrige für die Undichtigkeit.

Auch sonst wurde Bauamt und Bauhof nicht gerade langweilig. In Hetzbach galt es laut Bechtold, die Quelle des Wassers zu finden, das aus der Böschung kam und den Campingplatz unter Wasser setzte. In Airlenbach wurde im Hardtweg der Aufgang zum alten Hochbehälter befestigt, im Gammelsbacher Weg fanden Kanal- und Straßenbau statt. Kaum noch zählbar waren die Wasserrohrbrüche in der Friedrich-Ebert-Straße. Zehn in diesem Jahr dürften es bis dato gewesen sein.

Der Bauhof nahm sich außerdem verschiedener Friedhöfe an, so die Bauamtsmitarbeiterin. Es wurde unter anderem die Anlage auf der Sensbacher Höhe umgestaltet, die Mauer am Beerfelder Friedhof instand gesetzt sowie eine Friedparkanlage dort, in Olfen und in Gammelsbach umgesetzt. Daneben waren die Bauhofleute in der Poststraße zwischen Rothenberg und Hainbrunn sowie im Postweg Falken-Gesäß tätig.

Da das Bauamt einiges selbst in die Hand nahm, sparte man dadurch fast 200.000 Euro an Ingenieurkosten, erläuterte Bechtold. 97 Rohrbrüche und 28 Kanalschäden listete sie für die ersten zehn Monate dieses Jahres auf. Ganze Sattelzüge an Material waren für die Behebung notwendig.

Wie Bürgermeister Christian Kehrer ergänzte, hatte der Bauhof durch den coronabedingten Ausfall des Pferdemarkts mehr Kapazitäten als in anderen Jahren. Deshalb konnte man auch vieles angehen. Das änderte aber nichts daran, „dass die vier Leute in der Wasserversorgung manchmal auf dem Zahnfleisch gehen“. Bis zu 300 Überstunden haben sich angesammelt. Wohlgemerkt bei einem Mitarbeiter.

Ressourcen werden auch dort gebunden, wo man es nicht vermutet. Etwa durch einen hyperaktiven Biber in Falken-Gesäß. Der staut am Sommerberg in schöner Regelmäßigkeit einen großen See auf, so dass „wir laufend für eine Öffnung sorgen müssen“. Es fanden Kehrer zufolge bereits Gespräche mit verschiedenen Behörden statt, um Möglichkeiten auszuloten, wie man dem Tier Herr werden kann.