Oberzent will die Bäche wieder wild werden lassen

Das „Dolle Dorf“ wird ja bereits jedes Jahr gekürt. Jetzt kommen noch die „wilden Bäche“ dazu. Oberzent kann damit in großer Zahl punkten. Denn ob Airlen-, Gammels-, Hetz-, Finken- oder Sensbach: Die vielen auf -bach endenden Ortsnamen machen deutlich, dass ein plätscherndes Gewässer bei der Gründung eines Dorfes vor ein paar Jahrhunderten eine große Rolle spielte. Sauberes Wasser stand schon früher hoch im Kurs, denn ohne Kläranlage mussten sich die Bewohner auf die Reinheit verlassen können.

Die Oberzent-Bäche passen optimal in das neue hessische Landesprogramm „100 wilde Bäche“, das vor kurzem von Umweltministerin Priska Hinz vorgestellt wurde. FDP-Politiker Frank Leutz regte nun an, dass die Verwaltung prüfen möge, welcher Bach auf der Gemarkung für eine Aufnahme in Frage kommt. Denn bei minimalem finanziellen Einsatz „ist ein enormer Nutzen für die Oberzenter Bachläufe zu erzielen“, betonte er. Mit allen positiven Begleiterscheinungen: wild, natürlich und artenreich. Seine Initiative stieß auf viel Wiederhall und soll angegangen werden.

Mit dem Programm „werden wir diesen Gewässern wieder ein natürliches Bachbett geben, das Wasser frei laufen lassen und ein breites und unberührtes Ufer zurückgeben“, heißt es seitens der Grünen-Politikerin. Denn: Gewässer sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Geschützte Arten wie die Groppe, das Bachneunauge oder die grüne Flussjungfer sind dort zu Hause.

Viele Bäche in Hessen wurden in der Vergangenheit ausgebaut, begradigt und in ein Betonbett gedrängt, gibt es einen drängenden Hintergrund für das Programm. An ihren Ufern können keine Bäume und Sträucher mehr wachsen, Insekten finden keine Nahrung und Fische können nicht mehr ungehindert schwimmen.

Durch die Wiederherstellung der Bäche als naturnahen Lebensraum soll die biologische Vielfalt erhalten und ausgebaut werden, ist das Ziel. Derzeit befinden sich laut Umweltministerium 14,6 Prozent der hessischen Fließgewässer in einem sehr guten bis guten ökologischen Zustand. 2014 waren es nur 4,8 Prozent. Mit dem Programm „100 wilde Bäche“ will man diese Verbesserung konsequent fortsetzen.

Das Land unterstützt die Kommunen bei den Renaturierungen umfassend, betonte Leutz. Es übernimmt bis zu 95 Prozent der Kosten. Darunter auch Flächenmanagement, Projektsteuerung und -planung sowie organisatorische Abwicklung der Maßnahmen. So soll es vor allem kleinen Kommunen eine erfolgreiche Teilnahme ermöglicht werden. Von den rund 500 Bächen in Hessen will die Regierung 100 in das Programm aufnehmen. Der Teilnahmewettbewerb startet im Sommer. Die Bekanntgabe der ausgewählten Bäche ist bis zum Jahresende geplant.

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Eines der besten The-Mu-Ku-Festivals an der Oberzent-Schule

Das „Theater-Musik-Kunst“-Festival, kurz The-Mu-Ku, ist an der Oberzent-Schule bereits eine Institution und fest mit dem Namen von Conny Frank verbunden. Die Pädagogin drückt dem künstlerischen Bereich an der Gemeinschaftsschule schon seit knapp vier Jahrzehnten ihren Stempel auf. In diesem Jahr zu letzten Mal, wie mit viel Bedauern aufgenommen wurde. Denn Frank geht Ende des Schuljahres in den Ruhestand.

In seiner Begrüßung zitierte Schulleiter Bernd Siefert aus ihrem Würdigungsbericht von 1980: „Sie trägt durch ihre Ausstellungen von Schülerarbeiten zu einem musischen Schulklima bei.“ Das letzte Festival unter ihrer Regie „war ein voller Erfolg“, freute sich Frank. Kunst wurde mit Überraschungseffekten lebendig: als Inspiration, Irritation oder Provokation, über eine dadaistische Licht-Performance bin hin zu einer farbintensiven surrealen Kunst-Performance mit Bodypainting an mutigen Mitschülern, während parallel unterschiedliche Texte über surreale Stilrichtung gleichzeitig vorgelesen wurden.

Inspirierende Kunstwerke der Schüler wurden auf Staffeleien im Foyer ausgestellt: zu Abstraktion, Emotion, Poesie, Perspektive, Traumwelten des Surrealismus, Farbstudien oder humorvolle Antiwerbung als Design zum Thema „Verpackung“. Eine ehemalige Schülerin konnte man sogar beim virtuosen Zeichnen von nahezu lebensechten Tierbildern beobachten. „Eine rundum inspirierende, ausdrucksstarke Präsentation unserer fantasievollen Schüler“, so Frank.

Im kulturellen Rahmenprogramm begeisterte der Spanischkurs mit einem kolumbianischen Tanz. Die Choreographie geschah durch die zurzeit in Gastfamilien der Oberzent-Schüler lebenden kolumbianischen Austauschschüler. Außerdem spielte Schulhund Smilla eine große Rolle mit der Vorführung seiner Kunststücke, mit Begeisterung durchgeführt von den Lernhilfe-Schülern.

Die extra für das The-Mu-Ku gegründete Theater-Gruppe der Oberzent-Schule traf sich kurz vor der Aufführung, um ein eigenes Theaterstück zu schreiben und es zwei Tage später dem Publikum zu präsentieren. Sofort danach war klar: Es sollte mehr davon geben. Die Jugendlichen kreierten ein Szenario, bei dem zwei Schulen für einen Tag zusammengelegt werden, die aber unterschiedlicher nicht sein könnten. Das Publikum hatte viel zu lachen und den Schülern fiel es sichtlich leicht, ihr eigenes Stück zu präsentieren.

Als weiteres Highlight zeigte die Zirkus-AG ihre Kunststücke zu Balance und Akrobatik, teilweise sogar auf Stelzen im Rhythmus zu Walzer, Rock‘n‘Roll und Twist. „Wie immer eine großartige Show“, stellte die Pädagogin fest, die das Publikum mit großer Spannung zuschauen und staunen lässt. Snacks und Drinks an einer Hawaii-Bar rundeten das Festival ab.

Zur guten Stimmung trugen außerdem gelungene musikalische Beiträge des Schulchors, von Pianistin Lea Siefert und des Musik-Ensembles mit Rapper Audrey Ganz Garcia bei. Der versteht es, mit seinem expressiven Stil das Publikum mitzureißen. Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung, wie eine Besucherin kommentierte: „Eines der besten The-Mu-Ku-Festivals, das ich an der Oberzent-Schule je erlebt habe.“

„Ich bin immer wieder erstaunt, wie vielfältig talentiert sich unsere Schüler zeigen“, sagte Conny Frank. Sie ist „jedes Mal aufs Neue begeistert, das große Engagement im musikalischen und künstlerischen Bereich, aber auch im darstellenden Spiel zu erleben“. Die Jugendlichen entdecken mit großer Begeisterung ihre Stärken, entwickeln sie und wachsen daran. Auch das macht die Schule aus, betonte sie: „Hinschauen, Wertschätzen und Wohlfühlen.“

Das Festival „The-Mu-Ku“ gibt es seit ungefähr 15 Jahren. Die Grundidee war, Theateraktivitäten, Musikevents und Kunst-Vernissagen an der Oberzent-Schule, die jeweils als einzelne Veranstaltungen im Laufe eines Schuljahres stattfanden, zu bündeln und dadurch die Vielfalt der schulischen kulturellen Aktivitäten im Rahmen eines Festivals mit Theater, Musik und Kunst zu präsentieren. Somit können Kompetenzen der Schüler in kulturellen Bereichen deutlicher hervorgehoben werden und zum Ausdruck kommen, als es im regulären Schulalltag möglich ist.

Ganz Oberzent trifft sich auf der Brunnenfest-Flaniermeile

Zum Brunnenfest kommen sie alle aus sämtlichen Ecken der Oberzent. Schon bald nach der Eröffnung füllt sich gestern die zentrale Meile zwischen Viehmarktplatz und altem Bahnhof mit Menschen. Die meisten kennen sich, die Begrüßungen schwirren hin und her. Denn das ist die Magie des inzwischen 29. Brunnenfests: Es ist immer noch so familiär, dass sich hier alte Bekannte wieder treffen, die sich das ganze Jahr nicht gesehen haben und ein Schwätzchen halten. Und das an Ständen, die oftmals schon von Beginn an mit dabei sein.

Der gestrige Donnerstag bietet einfach optimales Festwetter: nicht zu heiß, immer mal wieder Sonne, ein paar Wolken dabei. Kein Wunder, dass sich bereits zur Eröffnung im Feuerwehr-Zelt viele Gäste einfinden. Dort spielt später auch die Musik in Gestalt der Feuerwehrkapelle. Doch die ist auf der Festmeile beileibe nicht die einzige, die die Besucher aus nah und fern beschallt. Ab der Mittagszeit geht es dicht an dicht weiter, vor manchen Ständen bilden sich Menschentrauben.

Für die Gewerbetreibenden ist das Brunnenfest „die beste Möglichkeit sich zu präsentieren“, betont der Vorsitzende des Verkehrs- und Gewerbevereins, Sebastian Lang. Die Veranstaltung „hat ihren familiären Charakter nie verloren“, freut er sich. Am Bierstand, lacht Lang, „kennt jeder jeden“. Weswegen aus einem kurzen Hallo ein langer Tag werden kann. Sein Namensvetter im Verein, Sebastian Hartmann vom gleichnamigen Fachmarkt als zweiter Vorsitzender, ergänzt: „Wir bekommen jedes Jahr ein durchweg positives Feedback.“ Wer neu dabei ist, „fragt noch am selben Abend, ob er wiederkommen darf“.

Die beiden Familienbetriebe zählen neben dem Autohaus Seeh, der Metzgerei Siefert, der Bäckerei Riesinger oder dem Weingut Zink zu den Betrieben, die schon jahrzehntelang mitmischen. In der ganzen Zeit „gab es noch kein wirklich verregnetes Fest“, meint es Petrus immer gut mit dem Beerfellmern. Weit über 100 Aussteller bevölkern die Hauptdurchgangsstraße als Lebensader des Ortes. Die wurde zum Glück rechtzeitig frei, weil die Baustelle solange pausiert. „Eine Umleitung wäre keine schöne Option gewesen“, meint Hartmann.

„Ein großes Hallo und Wiedererkennen“ macht laut den beiden das Besondere am Brunnenfest aus. Da viele Gewerbetreibende seit Anfang an dabei sind, „treffen die Besucher an den Ständen auf alte Bekannte“. Genau das wird auch gewünscht. „Die Leute erwarten den gleichen Grundstock“, weiß Lang. Deshalb gehen die Macher mit Veränderungen sehr vorsichtig um. „Es wird keiner ersetzt“, betont Hartmann. Vielmehr kommen immer neue hinzu. Weshalb die Hauptstraße inzwischen nicht mehr ausreicht und in die Nebenstraßen ausgewichen wird.

Für den Gewerbeverein, so das Vorstandsgespann, „ist es wichtig, dass sich unsere Mitglieder in dieser Form präsentieren können“. Übertragen gesagt: „Die Tante Emma vor Ort soll zeigen, was die Tante Emma alles im Laden hat.“ Ganz nach diesem Motto ist das Angebot auf jedem Brunnenfest immer sehr vielfältig: Pflanzen, Kleidung, Antiquitäten, Autos, Kulinarisches, Spielzeug, Armbänder, Puppen und, und, und. Neben dem Pferdemarkt ist es „die“ Veranstaltung der Stadt am Berge.

Es eigentlich nichts, was es nicht gibt: Leckereien, fest oder flüssig, in allen Formen, sodass keine Wünsche übrig bleiben, Informationen übers Handwerk oder ein Kinderkarussell. Dazu auch was fürs Auge von Fans alter Bulldogs. Die Oldtimer- und Traktoren-Freunde Beerfelden haben ein paar alte Schnauferl direkt an den Metzkeil gestellt, die Beerfelden-Classics-Leute sind dabei und die Trabifreunde stellen ihre tuckernden Schmuckstücke aus.

Bürgermeister Christian Kehrer attestiert dem Fest eine überregionale Bedeutung. Längst kommen nicht nur die Oberzenter dorthin, sondern auch Besucher aus dem ganzen Odenwaldkreis, dem benachbarten Überwald und dem Neckartal. Er wertet die Veranstaltung als „tolles Bespiel der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Vereinen“. Für das riesige Angebot, gepaart mit einem großen Unterhaltungsangebot, reicht manchmal ein Tag kaum aus.

 

 

Stimmen zum Brunnenfest

Egon Scheuermann am Infostand der VdK-Ortsvereine aus Oberzent: „Das Besondere ist das Familiäre. Man trifft immer einen bestimmten Personenkreis. Das Engagement der Beerfeldener ist beeindruckend.“

Norbert Sattler von der gleichnamigen Metzgerei: „Es gibt immer ein großes Hallo, weil wir bekannt und schon ewig dabei sind. Die Besucher kommen aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Für uns ist es eine schöne Gelegenheit, sich direkt vor Ort zu präsentieren, auf die eigene Wurstherstellung, Viehhaltung und Schlachtung hinzuweisen.“

Bernd Siefert (Oberzent-Schule): „Ich freue mich über die Belebung der neuen Stadt. Das Brunnenfest zeigt, was in Oberzent alles geboten wird. Es ist schön, dass wir als Schule, die der Stadt den Namen gegeben hat, die Möglichkeit haben, uns mit unseren vielfältigen Angeboten auf der Bühne zu präsentieren.“

Thomas Mergenthaler (EGO): „Die Teilnahme am Brunnenlauf ist für mich seit über 20 Jahren Pflicht. Die Heimspiel-Atmosphäre sorgt für den besonderen Kick. Mit jeder der fünf Runden nimmt die Zuschauerzahl zu. Am Schluss wird man nach acht Kilometern förmlich vom Beifall ins Ziel getragen. Dann geht’s um die Ehre und ich muss noch einen Zahn zulegen.“

Christian Zimmermann (Ortsbeirat Beerfelden): „Ich habe das Brunnenfest schon als kleiner Bub miterlebt. Hier trifft man Leute, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht. Es ist schön, dass die Stadt an diesem Tag vor Leben pulsiert und wir zeigen, was der Ort zu bieten hat. Das hat eine gute Außenwirkung.“

Bürgermeister Christian Kehrer: „Freundschaften und Kontakte werden erneuert, gepflegt, wieder aufgefrischt. Schon als Jugendlicher bin ich immer gern an diesem Tag von Finkenbach nach Beerfelden gefahren. Heute freue ich mich, viele ehemalige Schulfreunde wieder zu sehen.“

Mit „Next Wave“ gibt‘s die nächste große Partywelle

Der Odenwald rockt. Die Coverband „Next Wave“ ist das beste Beispiel dafür. Sie steht für Rock- und Popmusik, die energetisch und virtuos von der Band auf der Bühne zelebriert wird. Tanzbare Songs heizen von der ersten bis zur letzten Nummer das Publikum an, wie der Fünfer bei seinen Auftritten schon oft demonstrierte. Gigs der Band sind eine einzige große Party, woran Frontfrau Chris Kessler einen wesentlichen Anteil ab. „Wir bekommen sehr viele positive Reaktionen“, freut sich Bassist Volker Hallstein.

Die fünf Musiker vereinen jahrelange Banderfahrung in verschiedenen Combos. Die jetzige Formation ging aus einer Acht-Mann-Mann Kapelle mit zwei Sängerinnen, einem Sänger und einem zweiten Gitarristen hervor, erzählt der Vier-Saiten-Mann. „InGris“, in der Hallstein den Bass bediente und Ulrich „Kühli“ Kühlwetter für die Drums zuständig war, löste sich um das Jahr 2014 herum auf.

Ursprünglich existierte außerdem eine Jugendband, „No Limitz“ (später „Second Wave“), in der sein Sohn Nico Gitarre spielte und Volker als Bassist aushalf. Nachdem es diese ebenfalls nicht mehr gab, gründeten sie zusammen „Next Wave“. Ziel: Es sollte etwas sein, „das sich etwas von einer normalen Coverband abhebt“, betont der Höchster.

Mit Saxophonist Luis Jäger, den Nico von den „Schürzis“ mit in die Trupp in die Truppe brachte, gelingt das. Er gibt den verschiedenen Stücken einen ganz eigenen Klang. Aus früheren Zeiten ist auch Ulrich Kühlwetter wieder mit im Boot. „Mit ihm mache ich nun schon gute 30 Jahre Musik“, sagt Volker Hallstein – da weiß man, was man hat. Zusammen mit Chris Kessler „gibt das jetzt eine sehr coole Mischung, auch was die Altersstruktur angeht“, weiß er.

Die Fans werden ihm beipflichten. Bei ihren Auftritten im Odenwald und darüber hinaus werden die fünf aus Höchst, Michelstadt und Rodgau stets kräftig gefeiert. Das liegt auch an der Songauswahl. Die explosive Mischung aus Erfahrung und Spielwitz haucht dem Liedmaterial eine verblüffende, neue Note ein. „Next Wave“ interpretiert aktuelle und bekannte Songs, unter anderem von Pink, Melissa Etheridge, Bruno Mars oder Joss Stone bis hin zu Guano Apes und Skunk Anansie.

Durch die etwas ungewöhnliche Besetzung für eine Coverband ohne Keyboard „spielen wir Songs von Rock’n‘Roll über die 80er bis zu neuen Popstücken in ganz eigenen Sound“, hebt Volker Hallstein hervor. Von Hardrock bis sogar Schlager (die aber nicht mehr im Programm sind) „sind wir für alle Musikrichtungen offen“, erzählt er. Neue Stücke bringt eigentlich jeder mit ein. Coole Nummern werden in der Probe gespielt – „und wenn keiner schräg guckt, dann läuft das“. Wenn ein Veranstalter spezielle Songs wünscht, werden die kurzfristig mit ins Programm aufgenommen.

Höchst ist das Epizentrum der Band. Von dort kommt neben den Hallsteins auch Sängerin Chris Kessler, die auch schon bei NaNoo und Stage Diva die Bühne rockte. Nico Hallstein verdiente sich die Gitarristensporen bereits bei Second Wave, Ingris und den Schürzis. Er gibt unter anderem Unterricht in seiner Musikschule „Studio B45“.

Vater Volker spielte den Bass schon bei Rezeptfrei, B45 oder Ingris. Schon vor über 20 Jahren waren beide mit den Jungs von Rezeptfrei beim „Umsonst und Draußen-Festival“ in Würzburg dabei, schafften es mit Ingris drei Mal ins Finale des Deutschen Rock- und Pop-Preises. Mit Ulrich Kühlwetter tourte er bereits quer durch Deutschland und das europäische Ausland, unter anderem als Support für Karat, Flatsch und Hob Goblin. Der Rodgauer Luis Jäger schließlich erlernte sein Instrument beim Saxophonisten der Schürzenjäger.

Quasi sechstes Bandmitglied ist Jochen Rosskopf. „Er ist unser, wir sagen Präsident“, lacht Hallstein. Denn Rosskopf kümmert sich um die Gigs, Booking, den Kontakt zu den Veranstaltern „und auch während Auftritts um unser Wohl“. Der von ihm liebevoll so bezeichnete „Lieblingssoundathlet“ Robert stellt die Technik, sitzt am Mischpult und sorgt für den guten Ton.

 

Info: „Next Wave“ spielt das nächste Mal am Donnerstag, 13. Juni, gegen 19.30 Uhr auf dem Michelstadter Bienenmarkt im Apfelweinzelt. Mehr unter http://www.nextwave-music.de

Wirtschaftsförderung hat eigenes Büro in Oberzent

In traditionsreichen Räumen hat die die Wirtschaftsförderung Oberzent nun ein eigenes Büro in der Mümlingtalstraße 11 eröffnet. Früher befand sich an dieser Stelle über 100 Jahre lang das Wollgeschäft Karl Volk. Jetzt soll von dort aus die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Stadt vorangetrieben werden. Immer mittwochs ist Wirtschaftsförderer Amadeus van Lier vor Ort. Vertreter von Stadt, Gewerbeverein und Odenwald-Regionalgesellschaft Oreg begingen nun gemeinsam den Start.

Bürgermeister Christian Kehrer hätte natürlich gerne alles unter einem (Rathaus-)Dach, „aber leider haben wir zu wenig Platz“. Wenn demnächst noch zwei Azubis hinzubekommen, „wird es sowieso kuschelig“, meinte er. Als Stadt „wollen wir ein Zeichen setzen“, betonte Kehrer mit Blick auf das erwünschte Revival der Innenstadt. Genauso klar ist für ihn aber auch, „dass das Meiste von den Unternehmen kommen muss“.

Das mittwochs geöffnete Büro sah er als „weitere Bereicherung“ des innerstädtischen Angebots. Man suche noch nach weiteren Räumlichkeiten, etwa für die Stadtbibliothek, sagte der Rathauschef. Alles mit dem Ziel: „Wir beleben Beerfelden wieder.“ Kehrer machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass nicht alles von jetzt auf nachher gehen kann. Die Anstrengungen brauchen ihre Zeit.

„Die Oreg leistet ein Stückweit ihren Beitrag“, meinte Geschäftsführer Marius Schwabe, der zusammen mit der Referatsleiterin des Wirtschafts-Services, Gabriele Quanz, nach Oberzent gekommen war. Die Präsenz vor Ort in der südlichsten Stadt des Kreises „stand schon lange auf unserer Agenda“, sagte er. Schwabe freute sich über die erfolgreichen Gespräche mit Vermieter Lothar Volk.

Der Geschäftsführer wies darauf hin, dass Amadeus van Lier natürlich nicht nur mittwochs, „sondern auch nach Vereinbarung verfügbar ist“. Sozusagen, scherzte er unter dem Motto „Call the Wirtschaftsförderer“. In diesem Zusammenhang teilte Schwabe mit, dass „Revive Oberzent“ beim hessischen Demografiepreis ausgezeichnet werden solle. „Wir müssen im Gespräch bleiben“, forderte er alle Akteure auf. Viele kleine Schritte seien notwendig, damit sich der Erfolg einstelle.

Leider, bedauerte Lother Volk, gab es in der Vergangenheit eher viele kleine Schritte nach unten. Er nannte den „Goldenen Stern“ als aktuelles Beispiel, wo Bäckerei und Café (vorübergehend) geschlossen sind und es nur noch die Pension gibt. „Es dürfen nicht noch mehr Bäcker und Metzger zumachen“, wünschte er sich.

Hier hakte Gabriele Quanz ein. „Wir müssen mit vereinten Kräften dem Strukturwandel entgegentreten“, postulierte sie. Leider fehle in vielen Geschäften und Unternehmen die Nachfolge. Es gelte jetzt die Chancen zu nutzen. „etwas Neues, Besseres aufzubauen“. Van Lier betonte, dass es Gewerbeimmobilien gebe, „die sofort nutzbar sind“. Hier will er ansetzen und diese vorrangig vermitteln, während weitere in die Liste mit aufgenommen werden. Aktuelle Objekte sind unter www.kip.net/hessen/odenwaldkreis/gewerbe/gewerbeimmobilien einsehbar.

Bürgermeister Kehrer ergänzte, dass leere Schaufenster der verschiedenen Geschäfte nach und nach mit Hochglanzfotos von Oberzent-Motiven versehen werden sollen. Derzeit wird mit den Eigentümern deren Bereitschaft abgeklärt. „Der Rücklauf könnte besser sein“, sagte er. Die Landschaftsbilderstrecken sehen nicht nur schön aus, sondern haben auch einen praktischen Effekt. Denn auf den Folien wird ebenfalls die Quadratmeterzahl des Objekts genannt. Außerdem wird ein QR-Code aufgebracht, der zum Leerstands-Immobilienportal weiterleitet, wo es weitere Infos zum Objekt gibt.

Van Lier sieht das Büro als erste Anlaufstelle, wo es nicht nur um Gewerbeimmobilien geht, sondern auch weitere Dienstleistungen der Oreg abgefragt werden können: Infos zu Existenzgründungen, Fördermitteln, Fachkräftesicherung oder Bauprojektbegleitung. Der Wirtschaftsförderer vermittelt die Interessenten dann an die entsprechenden Stellen in der Oreg-Zentrale weiter.

Info: Der Wirtschaftsförderer Oberzent, Amadeus van Lier, ist mittwochs von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr im Büro Mümlingtalstraße 11 Beerfelden anzutreffen. Terminvereinbarung unter Telefon 06062/943363.

Dem Ordnungsamt fehlt die vierte Kraft

Der Motor des Oberzent-Ordnungsamts läuft derzeit nur auf drei Zylindern. Denn es fehlt der vierte Fahrer im Team, erläuterte Stadtpolizist Nabil El-Kadi. „Wir haben die Stelle bereits vier Mal ausgeschrieben“, teilte er mit. Seit Mitte vergangenen Jahres ist die Stadt auf der Suche. Zwei gute Bewerber hatten bereits zugesagt. Darunter auch einer, der wie El-Kadi die gleiche Ausbildung für den mobilen Blitzer hat. „Optimal“, so seine Einschätzung. Leider sagten beide wieder ab.

Aktuell sind drei Mitarbeiter mit einer Vielzahl von Aufgaben beschäftigt, die man einem Ordnungsamt gar nicht gleich zuordnen würde. Das reicht von Fundtieren über die Bearbeitung von Lärmbeschwerden oder Gewerbeanmeldungen bis hin zur Schädlingsbekämpfung wie vor kurzem ein Rattenbefall in Hetzbach. Der Tierschutz wird in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt angegangen. Daneben kümmern sich die Angestellten auch um Wild- und Manöverschäden. Gefährliche Hunde, Straßenreinigung, Heckenrückschnitt, Fischereischeine, Nichtraucher- und Jugendschutzgesetz: Es gibt noch viele weitere Zuständigkeiten.

Verkehrsrechtliche Anordnungen wie etwa Baustellenausschilderungen, Parkausweise, Plakatierung, Verkehrsschau: Die Liste ist lang und wurde mit der Fusion länger, da Oberzent aufgrund der höheren Einwohnerzahl mehr Befugnisse erhielt. So ist El-Kadi jetzt für Beschilderungen auf allen Straßen der Gemarkung außer der B45 zuständig. Der Stadtpolizist spricht derzeit um die 60 Verwarnungen im Monat aus, runtergebrochen auf die Arbeitstage somit ungefähr drei pro Tag. „Auf keinen Fall bekam aber einer allein 15 Knöllchen“, trat er Gerüchten entgegen.

Da rund um die Oberzent-Fusion viele dringende Aufgaben anstanden, musste manches warten. „Der Vertrag mit der Firma Jenoptik ruht seit zwei Jahren“, sagte El-Kadi über die stationären Blitzer in Hetzbach und Gammelsbach. Zuletzt gab es zwischen 5000 und 6000 Erfassungen im Jahr, seit mitte 2017 ist Pause. Jetzt sollen die Asphaltarbeiten vorgenommen werden, damit die Induktionsschleifen wieder funktionieren.

Der Stadtpolizist machte klar, dass sich die Stadtkasse nicht über die Einnahmen saniert. Zwar rechnet man im Schnitt mit jährlichen Einnahmen von 100.000 Euro, denen stehen aber schon Fixkosten von über 40.000 Euro entgegen – die Personalkosten noch gar nicht mit einbezogen. Es gehe vielmehr um die Verkehrssicherheit, betonte er.

Stenografenverein Gabelsberger 1904 Beerfelden löst sich nach 115 Jahren auf

Es war ein sehr emotionaler Moment im Saal der „Krone“. Nach 115 Jahren löste sich der Stenografenverein Gabelsberger 1904 Beerfelden, wie er mit vollen Namen heißt, auf. Das Interesse an der Stenografie ist schon seit etwa zwei Jahrzehnten nicht mehr da, die Tastschreib- und PC-Kurse sind nicht mehr gefragt und der Verein hat keine aktiven Schreiber mehr, auch wenn er 150 Mitglieder zählt. Somit „Time to say goodbye“, was die Anwesenden einstimmig mit vielen wehmütigen Erinnerungen taten und für die Auflösung stimmten.

Auch für Otto Heinrich Sattler war sehr bewegend. Denn in der Gaststätte seiner Familie, dem Beerfelder „Schwanen“, fand vor exakt 115 Jahren im Mai 1904 die Gründungsversammlung statt, ebenso die Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg. Sattler erinnerte sich gern an die „wunderschöne Geselligkeit“. Die Stenografen waren „der edle Verein in Beerfelden“, blickte er zurück. Zu den Hoch-Zeiten zählte er über 300 Mitglieder. Die halfen mit, dass sich die Stadt in den Wirtschaftswunderjahren „wieder nach vorn entwickeln konnte“.

Dem Vorsitzenden Manfred Clauß ist noch gut im Gedächtnis, dass die Firma Edelmann „früher niemanden einstellte, der nicht Steno und Maschinenschreiben konnte“. Das galt auch für die Stadt, so Helmut Ulrich. Als er 1975 bei der Verwaltung anfing, wurde das vorausgesetzt. Seiner Meinung nach spielen viele Punkte eine Rolle, dass beides heute nicht mehr so nachgefragt ist.

Schriftführerin Hiltrud Clauß weiß noch, dass man früher beim Landratsamt höher eingruppiert wurde, „wenn man eine bestimmte Zeilenzahl schreiben konnte“. Hedi Schulz, Jahrgang 1930, ergänzte: „Wer Kurzschrift erlernte, war rechtsschreibsicher.“ In ihrer Generation war die Beherrschung ein Vorteil, „weil sie den Aufstieg im Beruf ermöglichte“. Sie erwähnte die Herzlichkeit untereinander und die vielen schönen Unternehmungen.

Manfred Clauß ist es immer noch ein Rätsel, dass im Computerzeitalter PC-Schreibkurse nicht mehr nachgefragt werden. Denn jeder, der nicht mit dem Adler-Suchsystem, sondern mit zehn Fingern die Tastatur bedienen könne, sei beruflich klar im Vorteil. Den letzten regulären Anfängerkurs gab es 2015, die Kurzschrift wurde schon viel früher nicht mehr nachgefragt, erläuterte er.

Seitens des Vorstands wurden viele Anstrengungen zur Wiederbelebung gestartet: „Wir haben 250 Flyer ausgeteilt“, erzählte er. Dazu Plakate aufgehängt und einen Schnuppertag an der Oberzent-Schule veranstaltet: mit zwei jungen Interessentinnen. Warum das nachlassende Interesse? Der Vorsitzende mutmaßte zwei Gründen: Kinder werden schon am Computer groß – und die Ganztagsschule, die allen Vereinen zu schaffen mache.

An der Altersstruktur machte Clauß fest, dass die Stenografen mit dem demografischen Wandel zu kämpfen haben. 30 Prozent der Mitglieder sind bereits über 60 Jahre alt, nur acht Prozent zwischen 19 und 27 Jahre jung. Viele Jahre war es so, dass Kinder von früheren Kursteilnehmern diese ebenfalls besuchten. Das ist vorbei. Von früher fünf Vereinen im Mümlingtal gibt es nun nur noch den in Erbach, teilte er mit. Auch bei der deutschen Dachorganisation weiß Clauß von einem massiven Rückgang der Mitgliederzahlen.

Der Vorsitzende freute sich, dass noch einmal so viele wie schon lange nicht mehr zu einer Versammlung gekommen waren. „Der Vorstand hat sehr gut zusammengearbeitet“, betonte er. Aber: „Was sollen wir tun, wenn es keinen Sinn mehr macht.“ Die Auflösung wurde von der Versammlung zum 30. Juni beschlossen. „Einer Wiedergründung steht nichts im Weg“, schmunzelte Clauß – sollte es doch wieder mehr Interesse geben.

Das ansehnliche Vermögen fällt an die Stadt Oberzent, die es laut den Vereinsstatuten für gemeinnützige Zwecke verwenden soll. Für den Magistrat würdigte Ellen Koch das Wirken der Stenografen. Seit 13 Jahren hatte die Jugendgruppe immer zu Ostern den Zwölfröhrenbrunnen geschmückt. Das wird nun von den Kaninchenzüchtern übernommen, berichtete Jugendleiter Volker Schmitt.