Knapper Wahlausgang in Heddesbach: Volker Reibold neuer Bürgermeister

Gerade einmal 14 Stimmen fehlten am Schluss Martina Tavaglione, damit ihre Aufholjagd doch noch von Erfolg gekrönt sein würde. So aber musste sie sich bei der Heddesbacher Bürgermeisterwahl dem Führenden aus dem ersten Wahlgang, Volker Reibold, geschlagen geben. Der holte 51,8 Prozent der 278 abgegebenen (gültigen) Stimmen. Damit lag die Wahlbeteiligung erneut bei hohen 70,1 Prozent, war jedoch etwas geringer als beim ersten Urnengang.

Schon früh hatten sich die Plätze im Ratssaal gefüllt. Viele Bürger quetschen sich in den engen Raum, um der Auszählung beizuwohnen. Die Mitglieder des Wahlausschusses mussten sich vorkommen wie auf dem Präsentierteller, als sie zu acht begannen, die in auffälligen dunklen Pink gehaltenen Wahlzettel zu sortieren. Als die Uhr langsam vorrückte, wurden die ersten unruhig. Aber dann trat auch schon der scheidende Bürgermeister Hermann Roth vor und verkündete Punk 18.24 Uhr das Ergebnis.

Um stolze 60 Stimmen steigerte die aus dem benachbarten hessischen Weiler Flockenbusch stammende 42-jährige Tavaglione ihren Anteil, von 70 auf jetzt 130 (oder 46,7 Prozent). Damit „erbte“ Tavaglione einen Großteil dessen, was der Zweitplatzierte vor vier Wochen, Karl Lösch aus Altneudorf, mit 78 Stimmen auf sich vereint hatte. Da jedoch auch Reibold 13 Stimmen hinzugewann, schloss er letztendlich vor der stellvertretenden Ortsvorsteherin aus Schönmattenwag ab. Drei Stimmen bekam Heinz Beisel, eine entfiel auf einen weiteren Ortsbürger.

„Ich bin sehr froh über den enormen Stimmenzuwachs“, sagte Tavaglione am Wahlabend, auch wenn ihr die Enttäuschung anzumerken war, dass es knapp nicht reichte. „Ich konnte mein Ergebnis fast verdoppeln.“ Es war eine große Aufholjagd, wertete sie trotz der Niederlage die Zahl der Stimmen als Erfolg. Es war für sie, betonte die 42-Jährige, die richtige Entscheidung noch einmal anzutreten. Sie dankte ihren Wählern für die Unterstützung in den vergangenen Wochen.

Das gute Ergebnis sieht Tavaglione als Ansporn für ihre weitere kommunalpolitische Tätigkeit in Wald-Michelbach und darüber hinaus. „Wenn du dich allein daran machst, etwas in die Tat umzusetzen, dann brauchst du sehr viel Stehvermögen und Ausdauer“, sagte sie. Wenn aber Hilfe wirklich da ist und Menschen, „die dich unterstützen, dann ist das eine großartige Erfahrung“. Dem neugewählten Bürgermeister wünschte sie ein gutes Gelingen im Amt, einen weiten Blick und ein stets offenes Ohr für jeden Bürger.

Volker Reibold hätte den Ausgang nicht so knapp erwartet, gestand er. Er tritt am 1. Februar seinen Posten in der Nachfolge von Hermann Roth an und will in dessen Sinne weiterarbeiten. Die im Wahlkampf genannten Themen werden seine Agenda bestimmen, meinte er. „Ich bin der Materie schon 25 Jahre drin“, wies er auf seine langjährige Tätigkeit als Gemeinderat hin. Zwei Sitzungen des Gremiums werden noch stattfinden, ehe er dann den Stuhl wechselt und vorn Platz nimmt.

Vor allem ein möglicher Kindergarten-Neubau und die Erneuerung der Teichkläranlage werden den 56-Jährigen in den kommenden Jahren beschäftigen. Der eine (bessere) Zuschuss-Topf für eine Kita-Errichtung ist leider überzeichnet, bedauerte Reibold. Die Gemeinde hat zwar noch eine weitere Förderung in Aussicht, aber aus der gibt es nicht so viel Geld wie erhofft.

Bei der Kläranlage sind um die 800.000 bis 900.000 Euro zu investieren, was mit Landeszuschüssen realisiert werden soll. Weiter muss es für den neuen Bürgermeister darum gehen, das 450-Seelen-Dorf für Zukunft aufzustellen und auch attraktiv für Neubürger zu gestalten, damit die Einwohnerzahl nicht noch mehr abnimmt.

Den Bürgern etwas zurückgeben

Wer kann von sich schon behaupten, von einem früheren Bürgermeister durch die Gegend kutschiert zu werden? Ab kommendem Frühjahr kommen die Sensbachtaler in diesen Genuss. Denn das ehemalige Gemeindeoberhaupt Egon Scheuermann sitzt dann – abwechselnd mit anderen Ehrenamtlichen – am Steuer des Vereinsbusses der Generationenhilfe Oberzent. Der verbindet an einem Tag in der Woche Ober- und Unter-Sensbach sowie Hebstahl mit der Kernstadt Beerfelden.

Aus seiner beruflichen Erfahrung weiß Scheuermann, lange Jahre Erster Beigeordneter, dann zehn Jahre Bürgermeister, dass die Mobilität im ländlichen Raum ein schwieriges Thema ist. Die Grundversorgung mit Schul- und Rufbus ist das höchste der Gefühle, schätzt er. Viel mehr kommt nicht dazu, denkt Scheuermann – mal „Garantiert mobil“ außen vor gelassen. Hier vermisst er aber die persönliche Komponente.

Der Sensbacher findet es gut, dass nicht gewartet wird, bis andere etwas tun, sondern in diesem Fall die Generationenhilfe selbst die Initiative ergreift. Mit Unterstützung von „Echo hilft“ kann der Vereinsbus im kommenden Frühjahr auf den Weg gebracht werden. An zwei weiteren Tagen in der Woche werden außerdem das Finkenbachtal sowie Falken-Gesäß, Airlenbach und Olfen angedient.

Scheuermann verspricht sich neben einer besseren Anbindung ans Zentrum auch eine Stärkung der Kernstadt. Er hofft auf ein erfolgreiches Zusammenwachsen und größeres Zusammengehörigkeitsgefühl von Oberzent, wenn die Satelliten in den anderen Tälern einen stärkeren Bezug zu Beerfelden entwickeln.

„Die Bürger werden von Leuten gefahren, die sie meist persönlich kennen dürften“, nennt er einen Pluspunkt. Der ehemalige Bürgermeister kann sich vorstellen, dass dies die Hemmschwelle für eine Nutzung senkt. „Man kann sich austauschen und unterhalten über die Dinge, die im Ort passieren“, schildert er die Vorzüge. Mit seinem Bekanntheitsgrad will er das Vertrauen gerade der älteren Mitbürger gewinnen, das Angebot zu nutzen.

Für Scheuermann ist seine Tätigkeit daneben auch ein gewisses Geben und Nehmen. Als Beigeordneter und Bürgermeister „habe ich vom Ehrenamt profitiert“, erklärt er. Jetzt möchte er als Fahrer „auch etwas davon an die Bürger zurückgeben, solange es mir möglich ist“, kokettiert der 59-Jährige mit seinem Alter.

Die Mobilität ist ein ganz zentrales Thema in den kleinen Dörfern, betont der Präses des evangelischen Dekanats Odenwald. Deshalb macht es für ihn Sinn, dass die Haltepunkte nicht auf die öffentlichen Haltestellen beschränkt werden, sondern der Bürgerbus auch entlegenere Orte wie etwa Salmshütte bedienen kann. „Damit wir sind wir näher an den Bürgern“, hebt der Alt-Bürgermeister hervor.

Gerade Ältere tun sich leichter mit einem festen Fahrplan, denkt er. Das erleichtert die Planbarkeit, wenn es dann etwa um Arzttermine geht. Den Bedarf sieht er daneben auch bei Fahrten zu den Einkaufsmärkten. Scheuermann hofft, damit der allgemeinen Abwärtsspirale auf dem Land etwas entgegenwirken zu können. Ihm geht es darum, als gutes Beispiel voranzugehen oder in diesem Fall voranzufahren, damit andere auf den Zug aufspringen.

In den drei Orten des früheren Sensbachtals gibt es seiner Beobachtung nach derzeit noch viele Mehrgenerationenhäuser, in denen weiterhin jemand Jüngeres aus der Familie wohnt und damit die Senioren unterstützt. Man hilft sich. Verwandt- und Nachbarschaft sprechen sich ab, wenn es Erledigungen gibt: „Ich fahre dahin, soll ich was mitbringen?“ Denn im Tal gibt es weder Ärzte noch einen Nahversorger. Nur zwei Bäcker halten mit ihren Verkaufswagen. Für mehr bleibt nur der Weg nach Eberbach oder Beerfelden.

Der neue Hangar nimmt Gestalt an

Der Grundstock ist gelegt, jetzt geht es sukzessive bis kommenden Sommer weiter. Nachdem die Betonumrandung für den neuen Hangar des Aero-Clubs Michelstadt  bereits Mitte Oktober fertiggestellt worden war, starteten nun die Arbeiten für den Aufbau. Die Hallenstützen wurden gestellt, erläutert Axel Engelhardt von der gleichnamigen Erbacher Firma. Dann werden die Wandriegel eingebaut. Auf das sieben Meter hohe Gerüst wird danach das Dachträgerwerk aufgebaut.

Oberhalb von Michelstadt gelegen, kommt der Hangar-Neubau auf Bruttobaukosten von 470.000 Euro. Es gibt einen Zuschuss aus Leader-EU-Fördermitteln über die Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) von 55.000 Euro. Daneben steuert das Land 35.000 Euro bei, Kreis und Stadt zusammen 5000 und der Landessportbund 7000 Euro. Den Rest schultert der 180 Köpfe zählende Verein über einen Kredit. Seit Antragstellung verteuerte sich das Projekt von ursprünglich 360.000 Euro um 25 Prozent.

Wie der Vorsitzende Joachim Walther ergänzt, wurde das Fundament teurer als gedacht, weil man mehr Masse benötigt und stärker in den Hang reingehen musste. „Der Lehmboden kann nicht verdichtet werden“, sagt er. Zum Wald hin wurde eine 2,70 Meter hohe Stützwand errichtet. Da sich andere Elemente wiederum verbilligten, liegt man derzeit in der – allerdings bereits verteuerten – Kostenschätzung.

Die Maße der neuen Halle betragen etwa 25 auf 25 Meter. Der komplette Flugplatz mit seiner 600 Meter langen Landebahn inklusive Nachtflugbeleuchtung wird durch den Verein unterhalten. Kassenprüfer Michael Reinhard macht den Bedarf an mehreren Punkten fest. Zum einen „kommen nach Schließung des Flugplatzes Babenhausen mehr Flieger zu uns“. Zum anderen stehen bereits mehrere Flugzeuge der Vereinsmitglieder im Freien. Acht Exemplare davon dürften ins neue Gebäude reinpassen.

Und zum Dritten will man den Platz zukunftssicher machen „und eine funktionsfähige Infrastruktur vorhalten“. Denn er dient auch für Rettungsflüge, Krankentransporte und Geschäftsreisen. In der Summe „ist es enorm, was hier oben passiert“. Der Aero-Club-Mann will den Hangar nicht als isoliertes Projekt sehen. „Wir investieren in die Infrastruktur der Region“, betont er. Denn es werden auf Dauer nur die Flugplätze überleben, auf denen auch genügend Flieger stehen.

Das Satteldach wird Engelhardt zufolge mit Fachwerkbindern hergestellt. 60 Kubikmeter Brettschichtholz werden verwendet. Dazu kommen 17 Kubikmeter Fassadenschalung aus einheimischer Lärche. Wie der Zimmermeister hervorhebt, werden durch die Holz- statt Massiv- oder Stahlbauweise 63 Tonnen Kohlendioxid aufgrund der Verwendung eines nachwachsenden Rohstoffs eingespart.

Wenn die Hallenstruktur steht, geht es mit Dachentwässerung und Eindeckung weiter, schildert Engelhardt die weiteren Arbeiten. Fassade und Toranlage folgen im kommenden Jahr, ehe dann Bodenplatte und Drehteller anstehen. Letzterer bereitet Reinhard noch Sorgen, da dafür eine geeignete Firma gefunden werden muss. „Es gibt nur wenige Hersteller.“ Mitte 2020 muss das Projekt abgeschlossen sein, „da ich dann für Leader den Verwendungsnachweise erbringen muss“.

Bei allen Arbeiten achtet der Verein darauf, dass die Aufträge möglichst in der Region ein. Das fängt bei der Erbacher Hausbau-Firma an. Das Fundament wurde von einem Unternehmen aus Bad König gefertigt, für die Bodenplatte liegen zwei Angebote von heimischen Betrieben vor. Auch die Elektrik wird von Fachleuten aus dem Odenwald eingerichtet.

 

So voll war’s noch nie beim Nikolausmarkt

Für die Kinder hatte der Nikolaus Süßigkeiten im Gepäck, den Erwachsenen versüßte er ebenfalls den Tag. Denn beim Nikolausmarkt der Generationenhilfe im Rehazentrum Beerfelden herrschte ein reger Andrang, über den sich die Ehrenamtlichen freuten. „So voll war’s noch nie“, meint Vorsitzende Brigitte Schanbacher. Die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und die Unterstützung durch „Echo hilft“ zeigten Wirkung. Dazu kam erstmals das Krippenspiel der Grundschule Gammelsbach.

Gleich am Eingang ist Jürgen Nebel anzutreffen. Er engagiert sich für die Aktion „Du musst kämpfen“, die das Vermächtnis des ehemaligen Tennisspielers Jonathan „Johnny“ Heimes hochhält. Der erkrankte schon 14-jährig an einem bösartigen Gehirntumor, kämpfte sich dann ins Leben zurück, starb aber 2016 nach einem Rückfall. Für eine Mindestspende von drei Euro gibt es das sogenannte „Motivationsbändchen“.

Ein buntes Allerlei bietet Stefanie Schröder, auch sie aus Beerfelden. Selbst Gebasteltes und Genähtes, dazu Adventskränze, Holzsterne, Stollen und Leseknochen: Alles wird in Heimarbeit hergestellt. In gewisser Weise lässt Heino Siefert für sich arbeiten, kreiert mit seiner Frau Anni dann jedoch Wachskerzen in allen möglichen Formen aus dem, was seine Bienen ihm bieten. Der Imker aus Unter-Hainbrunn hat „echten Bienenhonig“ im Gepäck, hebt er auf die Reinheit des Produkts ab.

Zum vierten Mal kamen die Aussteller im Rehazentrum von Frank Leutz zusammen, den Nikolausmarkt gibt’s aber schon viel länger. Die Generationshilfe verwendet ihren Erlös aus der Bewirtung für den Vereinsbus, der ab Frühjahr die einzelnen Stadtteile von Oberzent mit der Kernstadt verbinden soll und damit gerade Älteren zu mehr Mobilität verhilft.

„Unser Bekanntheitsgrad steigt enorm“, hat Schanbacher festgestellt. In diesem Jahr gab es bereits 17 Neueintritte. Der überwiegende Teil davon kommt aus Oberzent. „Aber natürlich sind weitere Mitglieder auch von außerhalb willkommen“, schmunzelt sie. Dankbar ist sie für die Echo-Hilft-Aktion, die dem Verein einen breiteren Bekanntheitsgrad beschert.

Renate Löw, die neben der Generationshilfe auch in der evangelischen Kirchengemeinde aktiv ist, hat vom dortigen Basar allerlei Überbleibsel mitgebracht. Holzarbeiten, Gebäck, selbst gestrickte Socken und weihnachtliche Figuren schmücken das Sortiment. Der NABU hatte zehn Futterbretter zur Verfügung gestellt, die gegen eine Spende für die Generationenhilfe erhältlich waren.

Für ihre Töchter Steffi und Julia ist Ute Selic mit dabei. Die beiden jungen Frauen engagierten sich in den vergangenen Jahren stark in der Nepalhilfe. Zusammen mit einer dänischen Organisation wurden Spenden gesammelt, damit eine beim Erdbeben 2015 zerstörte Schule wieder aufgebaut werden kann. Da größere Projekte mit viel Bürokratie verbunden sind, will die aus Olfen stammende Familie nun lieber im Kleinen helfen. Etwa durch Finanzierung der Schulausstattung oder Unterstützung von Nepalesen, die durch die Katastrophe besonders stark betroffen wurden.

„Gezeichnet habe ich eigentlich schon immer“, sagt Annika Schmitt. Tiere haben es ihr besonders angetan. Ihre klein- bis großformatigen Bilder gibt’s auf dem Nikolausmarkt ebenfalls zu erwerben. Die Beerfelderin hat sich das Malen autodidaktisch beigebracht und nutzt es, um während ihres Architektur-Studiums beim Büffeln „den Kopf wieder freizubekommen“.

Während an den Ständen ein reger Andrang herrscht, lassen es sich die Besucher bei Kaffee, Kuchen, Glühwein und Kinderpunsch, serviert von den fleißigen Helferinnen, gut gehen. Wie auch das Museumscafé bietet der Nikolausmarkt eine willkommene Gelegenheit für die Senioren, sich wieder einmal zu treffen und mit einigen, die man schon länger nicht mehr gesehen hat, ins Gespräch zu kommen.

Gastronomisch die „Krone“ aufgesetzt

Wer auf eine über 400-jährige Tradition zurückblicken kann, weiß, was die Kunden wünschen. Somit sind die „Zwei Löwen“ als Auszeichnung der Qualitätsgemeinschaft „Hessen à la Carte“ für den Hotel-Gasthof „Zur Krone“ in Gammelsbach nur folgerichtig. In den beiden südhessischen Kreisen Bergstraße und Odenwald ist der Betrieb damit einer von nur vier (unter insgesamt 100 landesweit) geehrten. Wenn man dann noch weiß, dass zwei weitere bei Bensheim angesiedelt sind, macht das die Auszeichnung rein auf den Odenwald bezogen noch wertvoller.

Die Übergabe erfolgte durch Armin Treusch, den Vorsitzenden des DEHOGA-Kreisverbandes Odenwald, und die Geschäftsführerin des Deutschen Hotel-und Gaststättenverbands für Südhessen, Christine Friedrich. Bürgermeister Christian Kehrer und Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh richteten ebenfalls anerkennende Worte an die Inhaber-Familie Gerbig.

Edgar Gerbig zeichnete die Geschichte der Gaststätte nach, die seinen Worten zufolge zu den ältesten im Odenwald und Hessens zählen dürfte. Vor über 400 Jahren lässt sich der erste im Foshag-Stammbaum ausmachen, der sich als Hufschmid im Ort niederließ und auf der Burg Freienstein, dem Wahrzeichen von Gammelsbach, tätig war. Neben der Schmiede war damals schon eine Gaststätte mit Landschaft vorhanden.

1972 übernahm dann Mutter Gertrud die Krone, erzählte Sohn Edgar. Sie ist die älteste von drei Mädchen. Sowohl sie, ihr Mann Hermann als auch die Geschwister packen heute immer noch mit an, wenn Not am Mann oder an der Frau ist. Mit drei Urenkelinnen, die während der Übergabe zwischen den Gästen herumwuselten, ist die Zukunft des Familienbetriebs gesichert. Der Name Foshag wurde damals zu Gerbig, aber bei den Älteren im Ort heißt es immer noch, „wir gehen zu Schmieds was essen oder trinken“, schmunzelte er.

Von 1972 bis 2002 führten die Eltern den Betrieb und bauten ihn aus. Das Restaurant fasst heute 150 Personen, es wurden zwei Kegelbahnen gebaut, ein Gästehaus, Fremdenzimmer und eine Ferienwohnung. „Seit 2008 gehören wir zu den Drei-Sterne-Hotels im Odenwald“, erläuterte Edgar Gerbig. 2017 wurde das Hotel mit Drei-Sterne-Superior bewertet und 2019 bestätigt. Den 2010/11 im umgebauten alten Saal eingerichteten Wellness-Tempel „Toscana“ führt Dirk Gerbig, während Eric seinen Vater Wolfgang in der Küche unterstützt.

Die ist es auch, die für beiden Auszeichnungen in diesem Jahr steht. Im März wurde die „Krone“ unter die 50 besten Dorfgasthäuser in Hessen gewählt. Eine Prämierung, die sich laut Edgar Gerbig bereits in einigen Anfragen auszahlte. Auch hier vertritt das Gammelsbacher Gasthaus die Stadt Oberzent und ist eines von nur vieren aus dem Odenwald. Die jetzige Urkunde freute die Familie noch mehr.

„Ohne die Großfamilie geht nichts“, betonte Gerbig gegenüber den Gästen. Denn nach wie vor trifft sich in der „Krone“ der ganze Ort, ob zum Stammtisch oder für Familienfeiern. Da muss oftmals schnell mal angepackt werden. Dazu kommt das Prädikat „Odenwald“ über allem. Der Trend geht zum Regionalen, weiß man im Gasthof. Deshalb wird konsequent sowohl bei den Speisen als auch bei den Aktionen darauf gesetzt. Das ist dann das Kochkäs-Schnitzel genauso wie ein Ausflug zur Käserei, das lokale Bier analog zur Besichtigung der Brauerei.

Küchenchef Wolfgang Gerbig zeigte sich in seinen Dankeswortes erfreut darüber, dass es als Neuling „gleich zu zwei Löwen reicht“. Schwanen-Wort Armin Treusch aus Reichelsheim war froh „über die Verstärkung im südlichen Teil“. Er wies darauf hin, dass Gäste sensibel für Natur und Umwelt sind, weswegen Betriebe mit diesem Pfund wuchern können.

Christine Friedrich zeigte sich beeindruckt davon, „dass die Familie voll dahinter steht“. Genau das macht ihren Worten zufolge „den Betrieb stark“. Die Auszeichnung belegt, „dass sie etwas für die Region tun“, sagte sie. Das unterstrich auch Bürgermeister Kehrer, der davon sprach, dass die „Krone“ die Stadt nach aßen repräsentiert.

 

 

Hessen à la carte

Über 100 ausgewählte Restaurants und Gasthöfe aus den unterschiedlichen Regionen Hessens bilden Deutschlands älteste regionale Qualitätsgemeinschaft (seit 1984), die Kooperation der hessischen Regionalküche. Die Betriebe sind nach außen erkennbar am rot-weißen Hessen à la carte-Mitgliedsschild. Hessische Küche ist regional, traditionell, innovativ, ursprünglich und nachhaltig, lauten die Schlagworte. Nach diesen Kriterien lassen sich die Mitglieder alle drei Jahre durch einen Zehn-Punkte-Kriterienkatalog zertifizieren. Danach erhalten die Betriebe eine Urkunde, in der sie anhand der erreichten Punkte durch einen, zwei oder drei hessische Landeslöwen auf der Urkunde ausgezeichnet werden. Vertragspartner sind der Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA Hessen und der Hessische Tourismusverband. Gefördert wird die Kooperation durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen.

 

Über den „Katzenwinkel“ wird erst Ende April verhandelt

Entscheidung vertagt. Eigentlich sollte in diesen Tagen der Termin zur Güteverhandlung nebst möglichem Haupttermin zwischen dem rheinland-pfälzischen Windkraftprojektierer Juwi und der Stadt Oberzent stattfinden. Der wurde aber vom Landgericht Frankfurt „aus dienstlichen Gründen“ auf Ende April 2020 verschoben.

„Darüber bin ich nicht böse“, meinte Bürgermeister Christian Kehrer. Denn in der Stadt will kaum einer die fünf Windräder im Bereich „Katzenwinkel“ zwischen Etzean, Airlenbach und Güttersbach. Und je länger sich die Sache zieht, desto unattraktiver wird die Sache vielleicht für die Firma, hofft er. Denn allgemein bekommt die Windkraft immer mehr Gegenwind.

Die geplanten Windräder haben zum Teil einen viel geringeren Abstand als die 1000 Meter des Odenwald-Teilflächenutzungplans (der aber vom Regierungspräsidium abgelehnt wurde). Allerdings wurde dieser Abstand inzwischen ja auch vom Bundeswirtschaftsministerium ins Spiel gebracht – was sich bei einer Realisierung positiv für Oberzent auswirken könnte.

Die Stadt wehrt mit sich allen juristischen Mitteln gegen die Juwi-Pläne. Dabei geht es konkret um die Zuwegung, die die Stadt dem Projektierer nicht gewährt und wogegen dieser geklagt hat. Dazu kommt ein Rechtsstreit mit dem Land Hessen, was das Baurecht betrifft. Hier wehrt sich die Stadt insofern, als dass sie der Erschließung nicht zustimmte und somit auch keine Genehmigung ausgesprochen werden sollte.

Der Bürgermeister erwähnt noch einen anderen interessanten Aspekt. Beim Abgleich mit dem Flächennutzungsplan entdeckte man, dass nur die oberen drei Juwi-Anlagen im Windkraft-Regionalplan enthalten sind, der im Juni von der Regionalversammlung verabschiedet wurde. „Die beiden unteren sind es nicht“, weist er auf mögliche Konfliktpunkte hin.

Juwi plant daneben gegenüber früheren Plänen eine „Aufstockung“ analog dem neusten Stand der Technik. Wo bisher die Rotorenbreite bei 141 Metern lag, was 230 Meter Gesamthöhe des Windrads bedeutet, soll sie nun auf 158 Meter anwachsen, was 240 Meter Gesamthöhe bedeuten würde. Das ist weit mehr als vier Mal so hoch wie der Turm der Martinskirche in Beerfelden.

Während an einer Stelle somit derzeit Flaute herrscht, dreht sich das Windrad an anderer Stelle weiter. Auf der Höhe zwischen Rothenberg und Beerfelden wurden laut Info der Verwaltung Grundstückseigentümer von Windkraft-Projektierern angesprochen. Hier liegen ein paar Gebiete, die im Teilplan Erneuerbare Energien (TPEE) als Vorrangflächen ausgewiesen sind. Kehrer zufolge handelt es sich um die Firmen UNA aus Meißen und PNE aus Cuxhaven.

Das Nordkap ist vor allem eines: nass

Was passiert, wenn ein Irish-Folk-Musiker mit seiner Harley zum Nordkap fährt? Natürlich, er nimmt seine Gitarre mit. Auf dem Motorrad muss die entsprechend klein sein, aber Paddy Schmidt weiß natürlich eine Lösung in Form eines zusammenklappbaren Instruments. Charmant plaudernd, mit einigen humorvollen Spitzen, entführt der Frontmann von „Paddy goes to Holyhead“ sein Publikum im Rothenberger Gemeindehaus in einer musikalischen Lesung mit Dia-Schau in den äußersten Norden Europas.

Er wollte mal etwas anderes als nur Irland erleben, meint Schmidt zu Beginn augenzwinkernd. Nicht immer nur viel Grün, Regen und kalt. Was er jedoch auf der Tour zum norwegischen Nordkap fand: Grün, Regen, kalt, schmunzelt der Musiker. Der locker-leichte Umgang mit der nassen Tour dürfte jedoch eher im Nachgang entstanden sein, wenn man seinen Ausführungen zum Feuchtigkeitsgehalt des 8000 Kilometer langen Trips folgt. Denn in denen spielt die Nässe eine sehr große Rolle.

Und weil es so viel regnete, kann Schmidt auch mit nicht vielen Bildern dienen, wie er entschuldigend anmerkt. Dafür mit umso mehr Text. Denn der 56-jährige führte ein Tagebuch während des Trips, das er mit allerlei Anekdoten spickte. Auf Einladung des Vereins Generation Oberzent (GO) breitete der Musiker seine Erfahrungen vor einem interessierten Publikum aus, das sich gerne hinter ihn aufs Motorrad setzte und der Reise gespannt beiwohnte.

Die Tour zum Nordkap ist für die Europäer das, was für die Amerikaner die Route 66 bedeutet: der Traum von der grenzenlosen Freiheit, mutmaßt Schmidt. Quasi ein „Harley-luja“ auf das Abenteuer auf zwei Rädern, ohne Dach über dem Kopf, immer den Launen der Natur ausgesetzt. Und das mehr als einem lieb ist. Fast hörte es sich an, als würde es der Detmolder Wahl-Hesse zwischendurch bereuen, überhaupt losgefahren zu sein. Aber natürlich kommen immer wieder die Aha-Erlebnisse, wegen denen er sich auf den Weg machte.

In einer endlosen, erst bewaldeten, dann kargen Landschaft, umhüllt von gleißender Mitternachtssonne, ertappt sich Schmidt dabei, „wie ich mit dem Motorrad spreche“. Kein Wunder, wenn man in 30 Stunden 1500 Kilometer runterreißt. Und das im Sommer, wenn sich zuhause die Freunde im Freibad aalen, er wiederum völlig durchnässt und frierend auf seinem Geschoss sitzt.

Bei all dem lässt Paddy Schmidt natürlich auch die Musik sprechen, indem er Bezüge zu Irland herstellt. Ist zwar nicht skandinavisch, aber es gibt ja genug Berührungspunkte zwischen Keltern und Wikingern. Eigentlich ist das Nordkap, 500 Kilometer oberhalb des Polarkreises gelegen, ziemlich unspektakulär, erklärt der Globetrotter. Ein 300 Meter über dem Meer befindliches Hochplateau mit Denkmal, von dem man aus die See aber praktisch sowieso nie sehen kann, weil alles neblig ist.

Den Zugang lassen sich die Norweger gut bezahlen: Um die 25 Euro kostet der Eintritt, berichtet Schmidt. Sein Glück, dass gerade das Kassenhäuschen nicht besetzt war, als er mit seinem Leidensgenossen Andrew dort ankam. Humorvoll nimmt der bikende Musiker das Selbstverständnis der Harley-Fahrer auf die Schippe, aus Prinzip keinen Integralhelm zu tragen. Womit kleine Regentropfen bei Tempo 80 wie Gesichtsakupunktur wirken.

Der Weg ist das Ziel, könnte man bei seiner Beschreibung meinen. Etwa die imposante Öresund-Brücke oder die durchquerte Landschaft. Das mystische Smaland zum Beispiel, Michel aus Lönneberga, der eigentlich Emil hieß, oder der in die USA ausgewanderte Joe Hill, dessen Erinnerung Joan Baez und die Dubliners hochhielten. Und natürlich auch Paddy Schmidt in Rothenberg.

„Auch das Schöne kann abstumpfen“, erkennt der musizierende Biker angesichts von 24 Stunden Mitternachtssonne, gepaart mit endlosen Baumreihen auf hinderten von Kilometern. Schmidts sonore Stimme, unterbrochen von Folk-Einsprengseln auf Gitarre und Mundharmonika, machen den Abend kurzweilig. Der Verein GO hätte sich dazu bestimmt noch ein paar mehr Harley-, Nordkap- und Irish-Folk-Fans gewünscht.