Am Hetzbacher Bahnhof soll es zügig vorangehen

Der Bahnhof könnte zum Schmuckstück am nördlichen Stadteingang von Oberzent werden. Bisher ist er allerdings eher so etwas wie die unansehnliche Rumpelkammer, die ein schiefes Bild der flächenmäßig drittgrößten Kommune Hessens vermittelt. Nachdem sich das Bahnhofsgebäude nun wieder in städtischem Besitz befindet, soll es eine Auffrischung erfahren und in spe Odenwaldbahn-Reisenden Oberzent von seiner besten Seite zeigen.

Um sich ein Bild der Lage zu machen, trafen sich Mitglieder des SPD-Ortsvereins und -Parlamentarier mit Bürgermeister Christian Kehrer vor Ort. Der Tenor war klar: „Da kann man was draus machen, das hat Potenzial“, lautete die einhellige Meinung. Wenn man das nötige Kleingeld dazu hat. Und genau an dem mangelt es der Stadt derzeit bekanntlich. Schon der Kaufpreis von 120.000 Euro wurde auf 120 Monatsraten à 1000 Euro gestreckt.

Die Sanierung wird aber einiges mehr kosten. Kehrer rechnet vorsichtig mit mindestens 180.000 Euro, um das Gebäude wieder in Schuss zu bringen. In der Runde wurde bezweifelt, ob diese Summe angesichts des alten Gemäuers ausreicht. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge des Odenwaldbahn-Baus errichtet – und in manchen Teilen sind die alten Zeiten noch erkennbar.

Wie der Bürgermeister erläuterte, betätigte sich der städtische Bauhof nach dem Kauf erst einmal als Müllentsorgungsunternehmen. „Die haben alles rausgeschafft, was ging.“ In einem zweiten Schritt sollen die Heizkörper raus. Die Fenster müssen ebenfalls erneuert werden. Für die verschiedenen Maßnahmen will man natürlich Fördermittel bekommen. „Das ist ein großes Projekt“, betonte das Stadtoberhaupt.

Damit es eine gewisse Refinanzierungsmöglichkeit gibt, könnten in den beiden oberen Geschossen Mietwohnungen entstehen, so Kehrer. Dort waren früher Büros der Eisenbahn-Mitarbeiter untergebracht. Erste und zweite Etage sind relativ geräumig und müssten entsprechend ertüchtigt werden. Es sollen keine Sozialwohnungen entstehen, meinte Kehrer auf Nachfrage.

Auf dem Komplex lagert innen und außen noch einiges vom Voreigentümer, sagte er. Dem gehören auch noch die alte Lokomotive und der Güterwaggon. Nach einer gewissen Zeit könnte die Stadt diese aber „erben“. Reisende kommen bisher noch in „Beerfelden-Hetzbach“ an, mokierte man in der Gruppe, dass es nach zweieinhalb Jahren noch kein neues Schild gibt. „Die Bahn lässt auf sich warten“, entgegnete der Bürgermeister trocken.

Die notwendigen Flächen, um in Hetzbach einen Begegnungsverkehr einzurichten, sind alle in Besitz von Stadt oder Bahn, erläuterte er auf eine Frage von Thomas Ihrig. Das ist wichtig, denn dies ist eine Voraussetzung für einen stündlichen Verkehr zwischen Erbach und Eberbach, wie ihn die Erbacher Erklärung zur Odenwaldbahn langfristig vorsieht.

„Je schneller, desto besser“, wünschte sich Rüdiger Holschuh ein rasches Agieren. Leader-Mittel sind vorhanden, wusste er. Allerdings bedeutet dies „nur“ eine 65-prozentige Förderung, so Kehrer. Beim integrierten kommunalen Entwicklungskonzeptes (IKEK) wären es 75 Prozent. Da es die Stadt derzeit nicht so dicke hat, ist jedes Prozent mehr an Förderung hochwillkommen. Von der Bahn ist nichts zu erwarten, die trägt lediglich Kosten im Außenbereich. Sie veranschlagt für den Bahnhofsumbau zum Kreuzungspunkt Kosten von mehreren Millionen Euro.

Im Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes sieht es teilweise noch aus wie in Gründerzeiten. Da die handbetriebene Glocke zur Zugankündigung, dort das früher manuell betriebene Stellwerk. Gegenüber dem früheren Schalter steht noch ein Automat zur Wiegekarten-Ausgabe. Deshalb ist die Überlegung naheliegend, möglicherweise hier ein kleines Museum zur Eisenbahngeschichte einzurichten.

Ein Kiosk, befüchtete der Bürgermeister, „wird sicher bei einem Stundentakt wahrscheinlich nicht rechnen“. Aber man könnte sich in der alten Lagerhalle nebenan eine kleine Event-Location vorstellen. Um weitere Ideen zu sammeln, soll es bald ein gemeinsames Brainstorming geben.

 

Stadt kümmert sich jetzt selbst um ihre Gesundheit

Die Realisierung des Gesundheitsversorgungszentrums (GVZ) Beerfelden erfordert einen langen Atem. Bei der Stadt ist man es nun endgültig Leid, immer darauf zu schauen, was andere machen – oder eben nicht. Denn das geht schon jahrelang so. Oberzent treibt seine Planungen jetzt selbst voran, lässt sich aber die Option offen, auf einen möglichen GVZ-Zug mit Lokführer Janowicz aufzuspringen. Weitermachen wie bisher im Breimer-Gebäude ist laut Bürgermeister Christian Kehrer sowieso gesetzt.

Laut Kehrer plant eine Weiterstadter Firma auf dem Janowicz-Gelände zwischen Hedwig-Henneböhl-Seniorenresidenz und Oberzent-Schule in dessen Auftrag einen Neubau. Dieser orientiert sich an der schon länger vorgestellten Systematik. Weiterhin geht es – wie schon seit einiger Zeit – um die Flächenermittlung und den Quadratmeterpreis, damit sich dort Ärzte ansiedeln. „Wir haben kaum Einfluss darauf“, so der Bürgermeister.

Deshalb agiert die Stadt nun, statt dass sie nur reagiert – wie dies in der Vergangenheit länger der Fall war. „Wir schauen, dass es bei Breimer weitergeht, bis ein Neubau steht“, so Kehrer. Das beinhaltet auch die Option, dass es am jetzigen Standort eine dauerhafte Geschichte wird, sollte kein Neubau zustande kommen. Denn Ärzte und auch Patienten sind mit dem Status quo zufrieden, weiß der Rathauschef aus diversen Rückmeldungen. Der Mietvertrag für das Gebäude läuft aktuell, obwohl einseitig gekündigt, „stillschweigend weiter“, sagte er.

Für die Zukunft ist geplant, dass die Stadt mit dem Eigentümer einen neuen Mietvertrag abklären wird. Der soll eine Ausstiegsklausel beinhalten, wenn ein GVZ-Neubau irgendwann realisiert wird. Und wenn der kommt, dürfte es noch zweieinhalb Jahre dauern, schätzt das Stadtoberhaupt. Mit den bisherigen Mietern im Breimer-Gebäude strebt man ein „Nullsummenspiel“ an – die Stadt will an der Vermietung nichts verdienen und übernimmt nur den organisatorischen Part. Das dortige GVZ „hat sich in den Räumlichkeiten etabliert“, betonte er.

Die Stadt fährt auch hier zweigleisig. Denn parallel läuft auch eine Wertermittlung des Gebäudes am nördlichen Stadtrand Richtung Hetzbach. Was wäre günstiger, Miete oder in spe Kauf, lautet die Zielrichtung. Kehrer hofft, innerhalb der kommenden zwei Monate hier belastbare Zahlen zu haben. Grundsätzlichen Beifall für dieses Vorgehen gab’s von den Ausschuss-Mitgliedern.

Elisabeth Büchler-Kowarsch sprach von einer „neverending Story“, bei der die Stadt jetzt selbst initiativ werden müsse. Alles in allem ist das aufgezeichnete Modell für sie „ein sehr gangbarer Weg“. Dem Verein Gesundheitsversorgungskooperation (GVK) wurde signalisiert, dass Ende des Jahres mit dem städtischen Zuschuss Schluss sein muss, entgegnete Kehrer auf eine Frage Oliver von Falkenburgs (CDU).

Der hinterfragte auch die Aktivitäten des bisherigen Dienstleisters ASD Concepts. Das Stadtoberhaupt verwies in diesem Zusammenhang auf eine Sitzung des Ältestenrats vor einem Jahr, in der die offenen Punkte geklärt wurden. Von Falkenburg hob auf eine Rückforderung von Fördermitteln durchs Sozialministerium ab, was Kehrer so nicht stehen lassen wollte. Er kritisierte dessen Vorgehen nicht nur hier, sondern auch beim Haus Cordula in Rothenberg mit markigen Worten.

„Wir als Stadt müssen schauen, dass wir aus den Zahlungsverpflichtungen rauskommen“, betonte der Bürgermeister mit Blick nach vorn. Denn der Zuschuss, ergänzte Thomas Ihrig (SPD), ist eine freiwillige Leistung, die wie andere auch auf den Prüfstand muss. Zuerst einmal läuft jetzt alles wie gehabt weiter.

Für die kommenden zweieinhalb Jahre „muss die Leistung da sein“, hob Kehrer hervor. Dafür hat die Stadt viel Zeit in Abklärungen und Vorarbeiten geschickt. Weitere Vorbereitungen gehen in Richtung eines möglichen Dauerbetriebs, sollte das projektierte Ärztehaus doch nicht zustande kommen. Am 1. September stößt noch ein Kinderpsychologe zum bisherigen Team aus Haus- und Fachärzten.

Demnächst soll die Glocke werden

Den Turmbau zu Hebstahl muss die Dorfgemeinschaft wohl selbst in die Hand nehmen. Eine Förderung für die Errichtung eines Glockenturms am Hebstahler Friedhof über das Regionalbudget der Leader-Aktionsgruppe bei der Interessengemeinschaft Odenwald wurde – wie auch für ein ähnliches Projekt in Kailbach – abschlägig beschieden. Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann sprach das Thema auf der Sitzung des Sensbachtaler Gremiums in Unter-Sensbach an.

Seitens der Kirche gibt es laut Kuhlmann die Zusicherung, die Kosten für Glocke und Läutwerk zu übernehmen. Um die Gelder für den Turm aufzubringen, ist nun an eine Haussammlung in Hebstahl gedacht. Denn der Ortsvorsteher weiß, dass man im Dorf Wert auf eine Friedhofsglocke legt. Gleichzeitig wird eine unkonventionelle Idee verfolgt, die auch in Kailbach zum Tragen kommen könnte.

Die Stadt Oberzent ist bekanntlich eine waldreiche Gemeinde. Im Sensbachtal hat man sich nun überlegt, ob sie daraus nicht ein paar Bäume abzwacken könnte, die dann zum Bau des Glockenturms verwendet werden. Denn aktuell gibt es massenweise Käferholz in den heimischen Wäldern, das sowieso so gut wie unverkäuflich ist – warum also nicht zuhause verwenden? Sägen lassen will man die Bretter dann vom heimischen Holzwerk. „Das ist doch eine gute Idee“, schmunzelt Kuhlmann.

In Günterfürst gibt es ein ähnliches Projekt der Dorfgemeinschaft. Vom Erbacher Stadtteil will man sich Infos ins Sensbachtal kommen lassen, „um zu schauen, ob wir in diese Richtung aktiv werden können“. Und mit den Kailbachern will man sich ebenfalls kurzschließen. „Wir müssen ja nicht das Rad neu erfinden“, baut Kuhlmann auf den Ideenaustausch.

Wanderer sollen den richtigen Weg finden

Genugtuung im Sensbachtal: Mit der Sporthallensanierung geht es voran. Der Bau-und Umweltausschuss empfahl jetzt die Sanierung. Die Stadt soll davon maximal 475.000 Euro tragen, den Rest hofft man über Fördermittel zu stemmen. Das Projekt nahm in den vergangenen Jahren immer größere Dimensionen an – was auch eine stetige Verteuerung bedeutete.

In der 1968 erbauten Halle herrscht einiger Sanierungsstau. Bereits 2017 stand eine Förderung von 145.000 Euro aus dem kommunalen Investitionsprogramm KIP an. Hier ging es um die energetische Sanierung. Ende 2017 entschied die Gemeindevertretung dann, die Halle komplett in die Hand zu nehmen und in allen Belangen auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen. Kosten (damals) 577.000 Euro.

Ein Thema auf der Ortsbeiratssitzung war auch das zunehmende Wandereraufkommen. Da der Urlaub im eigenen Land derzeit hoch im Kurs steht, stellte man in ganz Oberzent mehr Freunde der Bewegung auf den eigenen beiden Beinen fest. Viele davon, so Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann, wählten extra das Tal der Liebe, weil dort ein neuer Premium-Wanderweg angepriesen wurde.

Das Problem: An der Sporthalle in Unter-Sensbach hängen noch die alten Wegweiser. „Die Leute wussten nicht wohin“, so Kuhlmann. Bei den bisherigen stationären Wanderkarten behalf man sich dahingehend, dass ein neues DIN A4-Blatt aufgeklebt wurde. Der Ortsvorsteher betont aber: „Wir wollen auf den aktuellen Stand mit den Wegweisern kommen.“

Wanderer wollen auch mal rasten. Über den Verein Sensbachtal aktiv werden die vielen Ruhebänke auf der Gemarkung in Schuss gehalten. Ehrenamtliche sorgen für frische Farbe und Ausbesserung. Um einen Überblick zu gewinnen, wird eine Aufstellung aller Sitzgelegenheiten angestrebt. Wie Kuhlmann berichtet, ist bei der Stadt sowieso eine Datenbank der Oberzent-Bänke geplant, um Reparaturen koordinieren zu können.

Um die städtischen Finanzen ist es derzeit bekanntermaßen nicht zum Besten bestellt. Deshalb sind auch die Ortsbeiräte aufgerufen, mit ihrem Budget sparsam umzugehen. In Sensbachtal kommt man diesem Wunsch nach. „Wir werden nur die bisherigen Dinge weiterführen“, erläutert der Ortsvorsteher. Dazu zählt etwa der Gemarkungsrundgang in Unter-Sensbach, wenn Corona das zulässt.

Im Tal der Liebe gibt’s nun regen Internetverkehr. Mitte Mai wurden zwei kostenlose Wifi-Hotspots in  Betrieb genommen. Am Dorfgemeinschaftshaus Hebstahl wurde ein Indoor-Zugangspunkt installiert. Der an der Sporthalle Unter-Sensbach deckt den Außenbereich auch im Rathausbereich ab.

Haftungsfragen machen es nötig, dass der Feuerwehrteich in Ober-Sensbach eingezäunt wird. Das passiert auch mit den anderen Löschgewässern in Oberzent, so die Auskunft von Bürgermeister Christian Kehrer. Denn es gab mal – auswärts – einen Fall, dass jemand an einem solchen Teich verunglückte.

 

80-faches Glück im Odenwald

Dass ein Besuch im Odenwald per se glücklich macht, dürfte allgemein bekannt sein. Sigrid Stöckel hat nun 80 Orte zusammengestellt, die die Glückshormone besonders anregen werden. „Glücksorte im Odenwald“ nennt sich ihr 168 Seiten starkes Büchlein, das jetzt gerade im Droste-Verlag entschieden ist und liebevoll zusammengestellt ihren ganz persönlichen Favoriten vom Main bis zum Neckar, von der Bergstraße bis nach Bayern huldigt.

Die 51-jährige Autorin aus Darmstadt weiß, wovon sich schreibt. „Ich habe alle Orte persönlich besucht“, erzählt sie. Stöckel ist quasi jedes Wochenende in der Mittelgebirgsregion unterwegs. Oft verbindet sie damit auch einen Besuch bei ihren Eltern, die seit 30 Jahren in Michelstadt leben. Zu Fuß oder mit dem Rad erkundet sie seit vier Jahren den Odenwald. Dann damals startete ihr Blog odenwaldlust.de als Hobbyprojekt.

Beruflich konnte sie, auch wenn es sie jetzt ganz woanders hin verschlagen hat, aus dem Vollen schöpfen. Denn Sigrid Stöckel war lange Jahre in der Reiseredaktion von t-online tätig, hatte viel mit auch mit der Vermarktung der einzelnen Regionen zu tun. Dabei fiel ihr auf, was sicher jeder Kommunalpolitiker unterschreiben würde: „Der Odenwald bleibt bei der Vermarktung hinter seinen Möglichkeiten zurück.“

Um die von ihr gelebte Gegend zu pushen und sie aus dem Dornröschenschlaf wachzuküssen, „begann ich zuerst aus Spaß, meinen Blog zu gestalten“, erläutert sie. Der füllte sich nach und nach immer mehr, bis irgendwann der Verlag vor der Tür stand und ihr den Vorschlag machte, die einzelnen Stationen ihrer Odenwald-Touren auf Papier zu verewigen. Die Autorin schaute sich das Format an „und es sprach mich an“. Zum einen die bunte Mischung, zum anderen die Emotionalität der einzelnen Berichte sagten ihr zu.

„Mit viel Herzblut habe ich meine Glücksorte im hessischen, bayerischen und badischen Odenwald zusammengetragen, mal kulturell, mal kreativ oder auch kulinarisch, mal aktiv oder abenteuerlich“, hebt Stöckel hervor. Es geht in Museen und Cafés, in kleine Geschäfte und herrschaftliche Parks, zum Kochkurs, zum Wandern und zum Rodeln und sogar in eine Glücksfabrik.

Wie schafft man es, den Odenwald auf „nur“ 80 Glücksorte zu reduzieren? Zuerst einmal „habe ich versucht, regional zu denken“, erläutert Stöckel. Süden, Norden, Osten, Westen: Alles sollte vertreten sein. Und dazu nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern auch Kunst, Kultur, Radfahren, Wandern und Shopping – nicht zu vergessen die kulinarischen Erfahrungen, an denen die Region so reich ist: Eis auf dem Keilvelter-Hof, Lebkuchen in Beerfurth oder frische Milch und Käse in Hüttenthal. „Für jeden soll etwas dabei sein“, lautete ihr Ziel.

Da die 51-Jährige ein offener Mensch ist, kommt sie schnell mit den Leuten in Kontakt. „Ich habe vor Ort nach den Besonderheiten gefragt“, sagt sie. Und so kamen viele kleine Schätze hinzu, die ihr selbst noch gar nicht bekannt waren. Etwa das Museum für kleine Läden in Hammelbach, ein Kleinod für Liebhaber der früheren Tante-Emma-Läden: Verschiedene Einrichtungen ehemaliger Geschäfte gibt’s hier zu bewundern.

Was sie dann endgültig ins Buch mit aufnahm, entschied Stöckel direkt vor Ort. Getreu dem Motto: „Hier bin ich glücklich.“ Ihr ist klar, dass ihre Tipps natürlich immer auf persönlichen Vorlieben beruhen. Es fällt der Autorin schwer, einen Spitzenreiter unter den 80 zu küren oder sogar eine Top-Five-Liste zu erstellen. Aber es gibt eine Sache, von der Stöckel sehr beeindruckt war: den Lamas in Reichelsheim. Aber auch zu allen anderen 79 Glücksorten „werde ich wieder hinfahren“.

Oder sie hat es bereits getan: Wie vor kurzem zum „Roten Wasser“ in Olfen. Die dortige Wanderung wiederholte die Autorin, weil sie landschaftlich so herrlich ist. Ebenso ist der unweit gelegene Marbachstausee für sie immer eine Reise Wert – auch wenn man derzeit wegen Corona-Auflagen dort nicht baden darf. Zum Glück, sagt sie, ist der allergrößte Teil ihre Glücksorte derzeit problemlos erreichbar. Nur das Theater in Miltenberg gibt’s derzeit lediglich in abgespeckter Form.

An mitreisenden Odenwald-Fans gibt es keinen Mangel, freut sich die Autorin. Entweder Tochter und/oder Mann, daneben die Freundinnen: Für Begleitung in der schönsten der Regionen ist immer gesorgt. Dass sie mit ihrer Einschätzung in Bezug auf Glücksorte richtig lag, kam schon öfters vor: Leser ihres Blogs besuchten ihn und gaben eine positive Rückmeldung. Jeder Glücksort wird mit Foto auf einer Doppelseite vorgestellt. Mit Hilfe einer Übersichtskarte und der ÖPNV-Hinweise lassen sich die Ausflüge gut planen.

Info: Sigrid Stöckel, Glücksorte im Odenwald, Fahr hin und wird‘ glücklich, 168 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-7700-2184-0, Droste-Verlag

Glücksorte-Auszug:

Molkerei Hüttenthal: „Hier herrscht eine Idylle, wie man sie sich für die Herstellung von landwirtschaftlichen Produkten wünscht“, findet Sigrid Stöckel. Die Kombination zwischen Verkauf und Erklärung, „wie Milch und Käse gemacht wird“, wurde sehr gut geschafft, findet sie. Und dazu noch die Landschaft – ein Gedicht.

Museum für kleine Läden Hammelbach: „Man taucht in die verschiedenen Epochen des Einkaufens ein“, bewundert die Autorin die Akribie der Sammler. Alles ist originalgetreu nostalgisch aufgebaut.

Sommerrodelbahn Wald-Michelbach: Damit die Zielgruppe passt, „habe ich unser Patenkind mitgenommen“. Aber natürlich setzte sich die 51-Jährige auch selbst in den Wagen und schoss ins Tal. „Das macht einfach Spaß.“

Draisinenbahn Wald-Michelbach – Mörlenbach: „Landschaftlich unheimlich schön“ und dazu noch ein Stück Eisenbahngeschichte. Für Stöckel immer eine Reise wert, die sie schon zweimal – mit Freundinnen und mit ihrem Mann – unternahm.

Himbächel-Viadukt Hetzbach: „Man kommt ins Staunen, wenn man darunter steht und dieses imposante Bauwerk der Ingenieurskunst bewundert“, beschreibt Stöckel die Faszination. Dazu hat die Eisenbahnbrücke eine besondere Bedeutung für die Erschließung des Tals zwischen Erbach und Eberbach.

Keilvelter-Hof Reichelsheim: „Letzte Woche war ich gerade wieder da“, schwört die Autorin auf das dortige Bauernhof-Eis. Kaum jemand vermutet, hier eine solche Besonderheit für den süßen Zahn zu finden. Leider, bedauert sie, ist derzeit der Innenhof wegen der Corona-Beschränkungen nicht zugänglich.

Kneipp-Becken Gras-Ellenbach: Mit zwei Freundinnen testete Sigrid Stöckel die verschiedenen Becken. Die drei verbanden die erfrischende Tour mit einer Wanderung. „Das hat viel Potenzial“, wünscht sie sich einen Themenrundweg.

 

 

Beerfeldener Heimspiel sorgt für volles Hüttenwerk

Die gute Stube des Michelstädter Hüttenwerks war gut voll: Beim Konzert von „Sofia and the Double Us“ hieß es schon ein paar Tage vorher: alles ausgebucht. Das Beerfeldener Trio konnte seinen Odenwald-Heimbonus voll ausspielen. Man kennt Sofia Glaser sowie Esther und Klaus Wilka eben aus verschiedenen Formationen. Sie ziehen die Fans, sodass selbst die Bar noch gut besucht ist. Anders als am folgenden Abend, als das Konzert mit dem Sohn Mannheims, Rolf Stahlhofen, mangels Nachfrage abgesagt werden musste.

Auch wenn sie „erst“ 24 Jahre alt ist, blickt Sofia Glaser schon auf eine lange Musikkarriere zurück. Die begann 2009, als sie beim Nachwuchscontest – natürlich im Hüttenwerk – auf der Bühne stand. Das damals gesungene Lied „Nobody’s wife“ hat sie immer noch im Repertoire. Und ist heute wie damals ziemlich nervös, wie sie gesteht. Damals war es der Anfang, jetzt der Wiederanfang nach der Corona-Zwangspause.

Das eine ist Sofias besondere Stimme, etwa beim Tracy-Chapman-Opener „Talking about a Revolution“, das andere Klaus Wilkas filigranes Gitarrenspiel. Wie er die Finger über die Saiten fliegen lässt und sich manchmal fast in einen Rausch spielt, ist sehens- und hörenswert. Rock- und Soulklassiker der vergangenen Jahrzehnte sowie aktuelle Songs der Singer- und Songwriter-Szene haben die drei im Programm. Mit seiner Tochter Esther ist Klaus noch bei „Fools Crossing“ aktiv, daneben mit Marco Born als „Dr. Soul & Mr. Blues“. Esther wiederum tritt auch solo auf.

Klaus und Sofia kennen sich schon lange vom Beerfeldener Musikerstammtisch. „Es war immer mal wieder im Gespräch, ob wir denn mal ein gemeinsames Projekt starten“, berichtet sie. „Bisher kamen wir aber nicht dazu.“ Bis Klaus sich vor zwei Wochen meldete und fragte, „ob ich nicht Lust hätte, mit ihm und Esther ein Projekt zu starten“. Gesagt, getan.

Wie immer, wenn die Beerfeldenerin mit Gitarre auf der Bühne steht, spielt sie als erstes Stück das von Tracy Chapman. „Für das konnte ich meine beiden Kollegen ebenfalls begeistern“, freut sie sich. „Chain of Fools“, der „Maxi Cosi“ von Ina Müller oder „Something‘s got a hold on me“ von Etta James gehören ebenso zum Set wie der Deep-Purple-Klassiker „Smoke on the Water“ oder „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin.

Die Freude am Spielen steht dabei klar im Vordergrund. Wenn’s mal nicht gleich so klappt, wie es sein soll, lachen die drei das einfach weg. Die vielen Zuschauer, unter ihnen etliche Verwandtschaft von Sofia Glaser und gefühlt halb Oberzent, hatten Spaß. Was das Trio bot, war so etwas wie ein „Best-of“ der Rockgeschichte. „Losing my Religion“ von REM gehörte ebenso dazu wie „Hit the Road Jack“ von Ray Charles oder „Lay down Sally“ von Eric Clapton.

Auch wenn sie selbst ebenfalls Lieder schreibt, spielt sie live hauptsächlich Cover-Stücke. „Meine Favoriten wechseln oft“, so Sofia, aber Tina Dico hat es ihr angetan. „Ihre Texte finde ich alle durchweg sehr gut geschrieben.“ Seit sie selbst Lieder schreibt, „achte ich sehr auf die Texte“, hebt Sofia hervor.

Ob unplugged, mit der Celtic-Folk-Band „Dhalias Lane“ oder in der Heidelberger Band „Potzblitz“: Sofia ist neben Studium und Ausbildung vielfältig aktiv. Ein weiteres Musikprojekt unter dem Namen „Duo Sehnsucht“ gibt es mit Berk Demiray, den Gitarristen und Sänger von Dhalias Lane. „Wir sind nach der Corona-Zeit wieder am Proben und basteln eigene Stücke“, erzählt die 24-Jährige. Sie ist froh, dass es langsam wieder losgeht, „denn ich habe es sehr vermisst, Musik zu machen“.

Sofia Glaser wohnt in der Nähe von Heidelberg in einer Mietswohnung, „wo man doch anders probt als in einem ordentlichen Proberaum oder Studio“, schmunzelt sie. Sie studiert im Bachelor Gerontologie, Gesundheit und Care sowie Philosophie. Parallel macht die 24-Jährige eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin. Im Rahmen dieser hat sie in den vergangenen Wochen den theoretischen Teil des Examens absolviert.

 

Wirbeln für die Kindergarten-Vergrößerung

Die Verwaltung muss wirbeln und kräftig Wind machen, damit der Kailbacher Kindergarten bald vergrößert werden kann: Diesen Wunsch äußerte der Sozial- und Gesundheitsausschuss unter seinem neuen Vorsitzenden Dirk Daniel Zucht (SPD) bei seiner Sitzung in Beerfelden als Empfehlung an die Stadtverordneten-Versammlung. Bis spätestens Ende kommenden Jahres soll nach dem Wunsch der Mandatsträger ein modularer Anbau mit Kosten von 650.000 Euro realisiert sein.

Vor fünf Jahren, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer, stellte sich die Situation noch so sehr entspannt dar, dass die Einrichtung kurz vor der Schließung stand. Es wurden sogar Kinder aus dem badischen Friedrichsdorf „angeworben“. Doch dann kam der bisher anhaltende Babyboom. Zusammen mit der Tendenz, dass immer mehr unter Dreijährige aufgenommen werden, herrscht nun Platzmangel.

Mehrere Kinder aus den Hesseneck-Gemeinden sind bereits in Unter-Sensbach und Beerfelden untergebracht. Positiver Nebeneffekt einer Vergrößerung: Mehr Platz im Kailbacher „Wirbelwind“ würde bedeuten, dass dann auch im Beerfelder „Abenteuerland“ wieder mehr Kapazitäten zur Verfügung stünden, wo sie ebenfalls händeringend gebraucht werden.

Kehrer führte aus, dass es bisher nur Platz für eine Gruppe gibt. Auch fehlt ein geeigneter Schlafraum für die Kleinsten. Das komplette ISV-Heim lässt sich seinen Worten zufolge nicht für den Kindergarten umwidmen, da es auch als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft dient. Daneben hält der Bürgermeister einen Umbau im Bestand bei älteren Gebäuden für problematisch, da sich dies – aufgrund der hohen Auflagen für einen Kindergartenbetrieb – als Kostenfalle herausstellen könnte.

Container bezeichnete Kehrer nur als Zwischenlösung, denn diese Variante ist seinen Worten zufolge mit ein paar Handicaps behaftet. Ganz davon abgesehen, dass eine Miete auf zwei Jahre bereits 300.000 Euro kostet – die modulare, aber dafür beständige Variante etwas mehr als das Doppelte, 655.000 Euro. Dieser Vergleich, zusammen mit dem Zeitaspekt, ließ die Ausschussmitglieder dann klar Richtung Modularbau tendieren. Der könnte laut Kehrer mit einem geeigneten Generalunternehmer innerhalb eines Jahres verwirklicht werden.

„Es geht um Schnelligkeit“, betonte Horst Kowarsch (Grüne). Die Eltern wollten nicht noch zwei oder drei Jahre warten, bis ihre Kinder in Kailbach untergebracht werden können. „Wo geht die Zukunft hin“, warf Kehrer als Überlegung in den Raum. Bei konstant hohen Kinderzahlen sollte man die konventionelle Bau-Lösung anstreben, sagte er. Denn auch für Container müsste man erst einen geeigneten Platz finden – und diesen mit den nötigen Versorgungsleitungen ausstatten. Daneben gibt es eine Nutzungsbefristung auf fünf Jahre.

Mit dem Wunsch, endlich zu Potte zu kommen, brachte Tobias Stadler die Meinung seiner Kollegen auf den Punkt. Am Beispiel Neckarsteinach erläuterte der Bürgermeister auf Frage von Dominik Foshag (beide ÜWO), dass eine Containerlösung als Vorlaufzeit bis zum Einsatz ein halbes Jahr braucht.

Wenn es eine Finanzierung ohne Fördermittel geben sollte, dann kann die nur über Kredite geschehen, machte das Stadtoberhaupt deutlich. Die Verwaltung ist aber derzeit in Klärung, inwieweit möglicherweise schon ein Baubeginn erfolgen kann und erst danach Fördergelder beantragt werden. Bis funktionierte eine Bewilligung nur vor Baubeginn.

Für Frank Leutz (FDP) war klar: „Wenn wir uns auf Fördermittel verlassen, sind wir verlassen“, spielte er darauf an, dass die Stadt bisher beim Windhundrennen um Bundes- und Landesgelder für Kindergartenbauten leer ausging. Seine Forderung: „Wenn wir uns entscheiden, Schulden zu machen, sollten wir das sofort machen.“ Denn die Diskussion dreht sich längerer Zeit im Kreis „und die Situation spitzt sich immer mehr zu“. Die Formulierung der Beschlussempfehlung erwies sich als nicht einfach, bis allen Punkten Rechnung getragen war. Aber der Tenor war eindeutig: Es muss jetzt ganz schnell gehen.

 

Pure Freude über Abenteuerland-Spende

Unverhofft kommt oft: Vor ein paar Tagen hatten sich Stadtverordnete und –verwaltung noch die Köpfe zerbrochen, wie der Anbau der Kindertagesstätte „Abenteuerland“ in Beerfelden finanziert werden könnte. Das müssen sie jetzt nicht mehr. Der anonyme Gönner, der bereits mehrfach Geld für seine Stadt locker machte, zeigt sich dieses Mal besonders spendabel: Er steuert mit 1,2 Millionen Euro 80 Prozent des Gesamtbetrags für den Anbau bei. Dessen komplette Realisierungskosten werden auf 1,5 Millionen Euro veranschlagt.

Beim bisherigen Wettkampf um die zur Verfügung stehenden Fördermittel kam Oberzent nicht aufs Treppchen. Die Bundesmittel für Kindergartenbau waren so schnell anderweitig vergeben, kaum dass man hingeschaut hatte. Von den 92 Millionen hessischen Landesmitteln kommt im Odenwaldkreis eine Million an – es gibt aber geplante Maßnahmen von acht Millionen. Oberzent will auf jeden Fall ein Stück vom Förderkuchen haben – denn dabei handelt es sich um Mittel, „die uns unabhängig von der Finanzierung zustehen“, betont Bürgermeister Christian Kehrer.

Der Rathauschef hatte dem Ehrenbürger der Stadt beim jährlichen Treffen – neben der Vorstellung verschiedener Projekte – die Sorgen um die dringend notwendige Erweiterung der Kindertagesstätte in Beerfelden vorgetragen. Man einigte sich dann auf die Unterstützung des Kita-Ausbaus. „Dieses großzügige und uneigennützige Engagement für unsere Stadt“ bezeichnet der Bürgermeister als eine sehr erfreuliche Entwicklung.

Der Spender hatte sich bereits vorher mit der Stiftung Jugendförderpreis, bei Spielplatz-Ausstattungen oder dem Erbacher Hospiz in die Gemeinschaft eingebracht. Der generöse Gönner erkannte den dringenden Handlungsbedarf. Er finanziert den Erweiterungsbau einschließlich der erforderlichen Ausstattung. Die Stadt trägt die Kosten der Erschließung, der Außenanlagen und der Parkflächen von etwa 300.000 Euro.

Insbesondere in Beerfelden ist der Bedarf an Kita-Plätzen sehr groß, informiert Kehrer. Aktuell fehlen etwa 45 davon. Dieser Bedarf kann seinen Worten zufolge nur durch eine Erweiterung des „Abenteuerlands“ in der Gammelsbacher Straße und der Schaffung von drei neuen Gruppen gedeckt werden. Die Verwaltung plant einen Anbau auf dem unteren Teil der Freifläche, wo es jetzt noch Parkplätze für den Pferdemarkt gibt.

Der neu errichtete Komplex soll dann mit einem Verbindungsgang an das bestehende Gebäude angeschlossen werden. Die Baumaßnahmen können vonstattengehen, ohne dass der laufende Betrieb gestört wird. Die bisherigen beiden Eingänge lassen sich in der Zeit weiterhin nutzen. Die Planung liegt bereits in der Schublade. Somit können nun die Bauanträge erarbeitet werden. Der Rathauschef hofft bei flottem Fortschritt und einer modularen Bauweise auf eine Realisierung bis zum nächsten Kindergartenjahr 2021/22.

Als erste Anzahlung erhielt die Stadt bereits einen Scheck über eine halbe Million Euro – mit der Auflage, diese Geldmittel exklusiv für den Erweiterungsbau zu verwenden. Kehrer äußerte seine „große Erleichterung“, dieses Projekt nun stemmen zu können und noch finanziell „Luft zum Atmen“ für andere Vorhaben zu haben. Auch müssen jetzt nicht so viele Kredite aufgenommen werden wie ursprünglich befürchtet. Der notwendige Grundstückstausch ging ebenfalls bereits über die Bühne.

Die Rothenberger Planung wird hingegen noch einmal genau unter die Lupe genommen. Hier ist es nicht der Platz-Fehlbedarf, der Sorgen macht, sondern die bauliche Situation der Kita „Himmelsauge“ im ehemaligen Rathaus. Es geht um Ertüchtigung oder Neubau, wobei Kehrer zufolge einiges für eine Neuerrichtung unterhalb der Sporthalle spricht. Denn sonst müsste ein Umbau im Bestand mit allen Unwägbarkeiten eines alten Gebäudes stattfinden. Allerdings hat der Neubau seinen (hohen) Preis: vier Millionen Euro lautet die letzte Schätzung. (Foto: Stadt Oberzent)

Gewerbe steht aufs Zieglersfeld

Lange dämmerte das Gewerbegebiet Zieglersfeld in Beerfelden im Dornröschenschlaf vor sich hin. So lange, dass die Oberzent-Parteien irgendwann nicht mehr darauf warten wollten, bis es wieder von allein erwacht, sondern es kräftig wachküssen wollten. Die gute wirtschaftliche Entwicklung vor Corona nahm ihnen aber die Entscheidung ab. „Seit Mai sind alle Grundstücke verkauft“, freut sich Bürgermeister Christian Kehrer.

2001 hatte die damalige Stadt Beerfelden mit der Hessischen Landgesellschaft (HLG) eine Vereinbarung über Landankäufe abgeschlossen. Daraus entstand das Gewerbegebiet am südlichen Rand Richtung Gammelsbach. Die Firma Kress Zerspanungstechnik gleich nach dem Abzweig von der Dieselstraße ist mit ihrer großen Halle bislang der sichtbarste Beweis für den Baufortschritt. Aber auch ganz unten gibt es derzeit Erdbewegungen.

Es sind vor allem Betriebe aus der Region, die sich hier bisher angesiedelt haben oder dies in Zukunft vorhaben. Fliesen Mayer ist darunter, Braner Völker Vermietungs-GmbH, Naturprodukte Odenwald, Warner Mader Maschinen- und Betonspritztechnik oder die Garagenland GmbH, um nur einige zu nennen. Sie haben für fürs „Ausverkauft“ gesorgt.

„Zwei weitere Anfragen liegen vor“, ergänzt der Bürgermeister. Weshalb bereits eine Erweiterung geplant ist. „Aktuell sind die Grundstückseigentümer zu Gesprächen eingeladen“, informiert er. Links und rechts, bis zur L 3120 und bis zur B 45, ist die Vergrößerung angedacht. Als Gründe für eine mögliche Quasi-Verdoppelung führt er an, dass sich Gewerbebetriebe an ihren seitherigen Standorten nicht vergrößern können.

Bauland in den anderen Kommunen ist seinen Worten zufolge scheinbar auch nicht mehr vorhanden. Daneben gefällt den Firmen der Standort am südlichen Stadtende mit kurzen Wegen auf die B45 und somit Richtung Eberbach und Erbach augenscheinlich sehr gut. „Wir hoffen zukünftig auf Einnahmen aus der Gewerbesteuer“, nennt Kehrer den Mehrwert für die Stadt. Die gesamte Abwicklung lief über die Hessische Landgesellschaft.

Diese hatte das betreffende Gelände nach dem Kauf erst einmal weiter landwirtschaftlich betreiben lassen. Die HLG führte nach dem Spatenstich im September 2016 den Straßenbau sowie Verlegung von Wasser- und Abwasserleitungen durch und finanzierte auch die komplette Maßnahme vor. 27.000 Quadratmeter Gewerbefläche entstanden auf diese Weise. 7000 davon angrenzend an die Dieselstraße waren vor vier Jahren bereits verkauft, der Rest folgte jetzt.

Mit der Erschließung wollte man dem örtlichen Gewerbe die Möglichkeit zur Erweiterung und Betrieben aus der Region die zur Ansiedlung geben. Auf der anderen, stadteinwärts gelegenen Seite der Dieselstraße nutzten in der vergangenen einige Unternehmen aus der Stadt die Chance zur Ausdehnung. Dass die Grundstücke nun verkauft wurden, ist positiv fürs Gemeindesäckel. Denn nach Ablauf der Vertragslaufzeit mit der HLG hätten sie von der Kommune aufgekauft werden müssen.

Oberzent-Wald als großer Kindergarten

Entlastung schaffen für den vollen Kindergarten in Beerfelden: Der Sozialausschuss hat da einen guten Vorschlag. Einstimmig empfahl das Gremium der Stadtverordneten-Versammlung, einen Waldkindergarten ins Leben zu rufen. Der könnte 20 bis 25 Kinder aufnehmen und ist im Vergleich zu den Kosten von anderen Neu- oder Umbauten ein echtes Schnäppchen. Im Gespräch ist ein Gelände beim früheren städtischen Pflanzgarten.

Ausschuss-Vorsitzender Dirk Daniel Zucht (SPD) zeigte sich sehr unzufrieden, wie Fördergelder an die bedürftigen Kommunen fließen. „Wir müssen es stemmen“, sagte er mit Blick auf die vom Land erlassenen Bestimmungen etwa beim Kinderförderungsgesetz, „aber die Mittel werden sehr intransparent vergeben“. Es geht um die frühkindliche Bildung, wies er auf die besondere Bedeutung dieser Aufgabe hin.

Die Platznot ist groß: 49 Kinder warten in Oberzent auf adäquate Kindergartenplätze, listete er auf. „Wir sind in der Pflicht zu reagieren“, wies Zucht auf den Rechtsanspruch der Eltern hin. Mit einem Waldkindergarten könnte etwa die Hälfte dieses Bedarfs abgedeckt werden. Denn die dortigen Plätze werden voll zum Angebot hinzugezählt, erläuterte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich auf Nachfrage von Frank Leutz (FDP).

Heidi Birkenstock aus Michelstadt, die vor 18 Jahren die Gründung des ersten Waldkindergartens im Odenwaldkreis mitbegleitete und auch heute noch in einer Einrichtung tätig ist, brach eine Lanze für diese Betreuungsform. „Was Besseres gibt es nicht“, meinte sie. Für die Kleinen gibt es nichts Schöneres, „als im Matsch zu spielen“. Sie erleben die Jahreszeiten ganz anders. Der Wald bietet alles: „Die brauchen keine Spielsachen“, betonte sie.

Aus dem Rund gab es viele Nachfragen. Johannes Barth (CDU) interessierte sich für den Tagesablauf. „Der Waldkindergarten wird ganzjährig betrieben“, informierte Birkenstock. Selbst im Winter sind die Kids in der freien Natur. Das einzige Problem: Sturm und Gewitter. Dafür braucht es dann einen Notraum.

Die Fachfrau empfiehlt eine Öffnung von maximal sechs Stunden. Länger geht auch, würde aber ein warmes Mittagessen bedeuten. Das gilt es dann zu organisieren. Möglich wäre bei Wunsch nach längerer Öffnung ein „Andocken“ an einen stationären Kindergarten – was laut „Abenteuerland“-Leitung Elke Krause aufgrund der aktuellen Auslastung derzeit jedoch nicht möglich ist.

Horst Kowarsch (Grüne) zeigte sich von dem Konzept begeistert. Er sah einen Waldkindergarten als „besonderes Merkmal für Oberzent“. Seine Frau Elisabeth wies auf die Stadt als waldreiche Kommune hin: Da passt eine solche Einrichtung wie die Faust aufs Auge. Die Hütte beim ehemaligen Pflanzgarten darf man leider aus baurechtlichen Gründen nicht dauerhaft nutzen, sagte Helmut Ulrich. Deshalb soll ein Bauwagen angeschafft werden.

Die beiden Michelstädter Einrichtungen erfreuen sich einer großen Nachfrage und sind immer ausgebucht, informierte Birkenstock. Einen Mehraufwand bei der Betreuung gibt es nicht, entgegnete sie auf eine Frage von Dominik Foshag (ÜWO). Der Personalschlüssel ist der gleiche. Fraktionskollege Tobias Stadler wollte die Vorgehensweise wissen: Erst Abfrage oder erst Bauwagen-Kauf? Die Fachfrau sah keinen Widerspruch: Ist ein Waldkindergarten erst einmal eingerichtet, „spricht sich das rum und alle sind begeistert“.

Bei einer Umfrage zu Jahresbeginn hatten 25 Oberzent-Eltern Interessen an einem Waldkindergarten gezeigt. Der Rücklauf belief sich auf knapp 50 Prozent. Eventuell wären noch mehr dafür zu begeistern, zeigte sich auf der Sitzung. Ulrich listete an einmaligen Kosten die Anschaffung eines Bauwagens mit etwa 70.000 Euro sowie Nebenkosten von 5000 Euro auf. Es könnte – unter Vorbehalt – mit einer Zuwendung von etwa 37.500 Euro gerechnet werden. Er nannte jährliche Personalkosten von 135.000 Euro für drei Fachkräfte. Die dritte Kraft könnte in den anderen vier Kitas eventuell als Springerin eingesetzt werden.

Statt kühles Wasser kühles Blondes

Das Finkenbacher Freibad ist zwar nicht wieder auf, aber dafür an ein paar Wochenenden schon der „Dorftreff“ im Kioskbereich am Eingang. „Es war gut was los“, freut sich Christian Niesen vom Heimat- und Verschönerungsverein, dessen Frau Mareike sich um das Wohl der Gäste kümmert. Die schätzen es, mit dem gebührenden Abstand auf den gemütlichen Bänken unter den Schirmen wieder ein Schwätzchen halten zu können.

Mit einem reduzierten Angebot wird der Kiosk je nach Witterung bis Anfang/Mitte September offen bleiben, kündigt Niesen an. Jedes Wochenende gibt’s ein „Special“, etwa Hand- und Kochkäse oder Wurstsalat. Gerade der Handkäse wird gut nachgefragt, hat er beobachtet. Nicht nur die Finkenbacher, auch Besucher aus anderen Oberzent-Stadtteilen oder Hirschhorn freuen sich, hier gemütlich beisammen sitzen zu können. Wenigstens in kleinem Rahmen gibt es die Möglichkeit, mal wegzugehen und sich mit Bekannten zu treffen.

Das Team wurde oft angesprochen, wann denn das Bad nun öffnet – oder dass es sehr schade ist, dass es in diesem Jahr geschlossen bleibt. So ganz wollen es die Freibadfans noch nicht wahrhaben, dass sie in Oberzent ohne Sprung ins kühle Nass bleiben werden, bedauert Niesen. Er weist dann darauf hin, dass die Finkenbacher nicht allein damit sind. Neben den beiden anderen Oberzent-Bädern bleiben auch das in Bad König und der Marbachstausee in diesem Jahr dicht.

 

Info: Der Kiosk-Dorftreff am Finkenbacher Freibad ist wie folgt geöffnet: Freitag 15 bis 19 Uhr, Samstag 15 bis 20 Uhr und Sonntag 12 bis 19 Uhr. Bei schlechtem Wetter können sich die Zeiten ändern.

Alle sind dabei und machen mit

Wenn „Machmit“ ruft, dann sind sie alle dabei und machen mit. Der Ortsverein in Falken-Gesäß hat zwar zahlenmäßig nicht so viele Mitglieder, aber umso mehr Helfer aus dem Dorf, wenn es etwas zu tun gibt. Wie jetzt die überdachte, massive Holz-Sitzbank oberhalb des Sportplatzes neben dem Kinderspielbereich, die zum gemütlichen Verweilen einlädt. Finanziert wurde sie mit dem Erlös des Kaffeestands, den der Verein auf der „OX“ während des Pferdemarkts 2019 betrieb.

Bernhild Hofherr, Jutta Pracht und Andrea Schneider sind stolz über das Erreichte. Aktiv für den Ort sind die Bürger schon lange, als es den Verein in der heutigen Form noch gar nicht gab. Hinter „Machmit“ steht eine Gruppe von Ortsbürgern, die durch verschiedene Aktivitäten „Gelder reinbringen will“, die dann im Dorf für sinnvolle Zwecke ausgegeben werden.

Der harte Kern umfasst etwa zehn Personen, erzählt Jutta Pracht. Bei Veranstaltungen oder Aktionen wie dem jetzigen Aufbau helfen viele andere mit. Zu denen gehört neben den Ortsbürgern auch der Oberzent-Bauhof, zu dem man ein gutes Verhältnis pflegt. Wie auch in diesem Fall: Fundament und Pflasterung wurden fachgerecht ausgeführt, damit die Holzkonstruktion einen stabilen Unterbau hat.

Früher, erinnert sich Hofherr, stand an dieser Stelle eine alte, kaputte Sitzgruppe, die schon länger ein Dorn im Auge war. Sie kam weg. In mehreren samstäglichen Einsätzen wurden zuerst die Hölzer vorgestrichen und dann fachmännisch am neuen Platz zusammengeschraubt. Die Idee für diesen stabilen Unterstand mit Sitzgelegenheit hatte Andrea Schneider, nachdem sie im Internet etwas Ähnliches gesehen hatte.

Anpacken und mitmachen war schon seit jeder die Devise der Vereinsmitglieder. Der alte Bauwagen am ehemaligen Dorfgemeinschaftshaus sollte eigentlich nur renoviert werden. „Aber am Schluss war nur noch das Eisengestell übrig“, erinnert sich Andrea Schneider schmunzelnd. Jetzt ist er mit kleiner Kochecke, Heizung und sämtlichem Feierequipment bestens sowohl für den Weihnachtsmarkt als auch andere Feste ausgerüstet.

Etliche Vereinsmittel wurden zur Sanierung des Friedhofs verwendet. Auch hier waren die Bauhof-Mitarbeiter eine wertvolle Unterstützung. Eine Trockenmauer wurde errichtet, Tröge gesetzt oder an der anonymen Grabstelle ein Stein aufgestellt. Es wurde eine Markise für die Trauerhalle gekauft, weil zuvor die Besucher davor im Regen – oder in der Sonne – standen. Der Friedhof „war ein großes Projekt, das uns ein ganzes Jahr beschäftigt hat“, erinnert sich Pracht.

Wer anpackt, möchte das Erreichte auch genießen und die Fertigstellung feiern – selbst wenn diese durch andere durchgeführt wurde. Hofherr nennt etwa die Einweihung der Brücke oder die Fertigstellung der Straßensanierung in den vergangenen Jahren. Dazu kommen noch verschiedene Stände auf dem Falken-Gesäßer Weihnachtsmarkt und seit zwei Jahren der Kaffeestand auf der Oberzent-Expo.

Vorzeigeprojekt von „Machmit“ ist natürlich das „Café Miteinander“ im alten Schulhaus, das aktuell pausieren muss. Ansonsten lädt das Team seit fünf Jahren einmal im Monat die Dorfbürger – meistens kommen die Älteren – zu einem gemütlichen Miteinander ein. Die Kuchenspenden für diese geselligen Stunden stammen von den Einwohnern. Um die Organisation und den Fahrdienst kümmern sich neben Schneider Cornelia Haas und Maria Seip.

In diesem Jahr kommt coronabedingt praktisch nichts in die Vereinskasse, da es keine Veranstaltungen gibt. „Wir geben derzeit das Geld aus, das wir noch haben“, erläutert Hofherr. Eventuell soll noch die Erweiterung des Spielplatzes angegangen werden, bei der man wieder auf die Unterstützung des Bauhofs zählt. „Jetzt ist gerade schön trocken“, meint Pracht lächelnd.

Abwarten heißt die Devise, weshalb weitere Projekte noch nicht besprochen wurden. Normalerweise kommt der harte Kern jeden ersten Montag im Monat im Bauwagen zusammen – aber auch das ist ausgesetzt. „Der Ort soll lebenswerter sein“, ist die Devise der Aktiven. „Falken-Gesäß erhalten und gestalten“, haben sie sich deshalb auf die Fahnen geschrieben.

 

Spielmeile soll vervollständigt werden

Auf dem Friedhof steht noch ein bisschen Arbeit an. Auf der vergangenen Ortsbeiratssitzung in Finkenbach wurde aufgelistet, was dort alles zu tun ist. Die Dorfgemeinschaft will im Herbst die Hecken auf der linken und rechten Seite schneiden, berichtete Ortsvorsteher Christian Niesen. Oben und unten passierte dies schon. Kritikpunkt war die noch ausstehende Reparatur der Beleuchtung. Bei einer kürzlichen Begehung mit der Stadtverwaltung wurde außerdem eine pflegefreie Erdbestattung angesprochen, die auch in Finkenbach möglich sein soll.

Der Tretbecken auf der Grünfläche neben dem Feuerwehrhaus „war bestimmt schon 1000 Mal Thema“, meinte Niesen. Inzwischen, beklagte er, „ist es nur noch ein Schlammbecken“, da bereits die ursprüngliche Planung Mängel hatte. Mit der Stadt will man bei einem Vor-Ort-Termin besprechen, „was wir mit dem Dreckloch machen“. Denn gedacht war anfangs, dass der Bach mit seinem Sog das Becken auch wieder leersaugt, wovon der aber nichts wissen will. Das Resultat: Schlamm.

Mit der Umgestaltung der dortigen Grünfläche ist man im Ortsbeirat nicht ganz zufrieden. Denn Hessen Mobil hatte die Brücke über die Kreisstraße erneuert und in diesem Zuge dort eine Behelfsbrücke errichtet. Die Finkenbacher wünschen sich, dass die Stadtverwaltung mit der Straßenbaubehörde Kontakt aufnimmt, um für eine Ausbesserung zu sorgen.

Der Freiwilligentag ist Corona-bedingt dieses Jahr auf zwei Wochenenden verteilt. An diesen wollen die Helfer die Boccia-Bahn am Spielplatz neben dem Schwimmbad anlegen – ein Projekt, das schon jahrelang auf der Wunschliste steht. Zusammen mit dem Schachbrett, das von der anderen Straßenseite hierher verlegt wurde, nimmt die Spielmeile für Jung und Alt Gestalt an.

Ein Dorn im Auge ist dem Ortsbeirat eine fehlende Geschwindigkeitsbeschränkung zwischen dem Kohlenmeiler-Platz und dem Ortseingang Hinterbach. Dort gibt es bei der Brunnenstraße eine gefährliche Ecke, wo die Autofahrer mit Tempo 100 angebraust kommen. „Da sollte Tempo 70 gelten“, forderte Niesen.

Eine weitere Verkehrsangelegenheit kam ebenfalls zur Sprache. Navis sind bekanntermaßen nicht unbedingt die verlässlichsten Instrumente, um sich auf dem Land zu orientieren. Bekannt ist, dass Auto- und Lkw-Fahrer von Beerfelden kommend aus über den Finkenberg (die ehemalige Friedhofstraße) geleitet werden, wenn sie Richtung Hinter- und Raubach wollen.

Das Problem: Die Straße ist sehr schmal und für schwere Fahrzeuge nicht ausgelegt. Deshalb wünschen sich örtlichen Mandatsträger an der Abzweigung von der Beerfelder Straße ein Verbotsschild für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, sodass diese dann die „normale“ Strecke an der „Traube“ entlang über die Brücke nehmen.

Besucher hatten viel Lust auf Musik

Es ist heiß an diesem Nachmittag im Erbacher Lustgarten. Zu heiß, um in der Sonne zu sitzen, weshalb unter den Schirmen ein dichtes Gedränge herrscht. Wohl den Besuchern, die wie zwei mitdenkende ihre Schirme selbst mitgerbacht haben und es sich nun im Café direkt vor der Band gemütlich machen. „Real Touch“ heißt die, kommt aus dem Raum Hanau/Offenbach und unterhält – natürlich auch beschirmt – die Gäste ein paar Stunden mit perlender Unterhaltungsmusik.

Wirtin Suzanna Christian flitzt derweil durch die Reihen und schaut, dass es an nichts fehlt. Sie hat noch einige Pläne mit dem Areal. Da geht es im kommenden Jahr um die Ausrichtung von Hochzeiten und eine Tapas-Bar mit süffigen Weinen im anderen Teil der Orangerie. Städtischer Unterstützung kann sie sich dabei sicher sein, signalisiert Bürgermeister Peter Traub, der sie für ihren engagierten Einsatz lobt.

Mit Gitarre, Mundharmonika, Bass, Schlagzeug und einem dominierenden Saxophon erschafft „Real Touch“ eine Wohlatmosphäre im Lustgarten. Die kommt beim durchweg älteren Publikum sehr gut an, wecken doch die gefälligen Rock-, Soul-, Funk- und Popsongs Erinnerungen an die Jugend. Dem Quartett geht es wie vielen anderen Gruppen auch: Es herrschte monatelang Funkstille. Umso mehr freute es, endlich mal spielen zu dürfen.

Seit Anfang der 90er Jahre gibt es „Real Touch“ – in vielen verschiedenen Besetzungen, sodass aus der Anfangsformation inzwischen keiner mehr dabei ist. Geblieben ist die Freude an der Musik und den Liedern, die jeder schon einmal gehört hat, auch wenn einem der Titel nicht gleich wieder einfällt. „After Midnight“, bekannt durch Eric Clapton, aber auch von J.J. Cale gesungen, oder Jacob Millers „Baby I Love You So“ sind solche.

Suzanne Christian teilte ein ähnliches Schicksal: Kaum dass sie im Februar das Café übernommen hatte, musste sie Mitte März wegen der Corona-Bestimmungen wieder schließen. Genauso schnell machte sie aber Mitte Mai wieder auf, als die Regelungen gelockert wurden. Über den Sommer hinweg möchte sie nun ab und zu Events gestalten – der Auftritt von „Real Touch“ war der erste.

Am ersten Sonntag im Monat, das nächste Mal am 2. August, wird Alleinunterhalter Ewald für die Senioren auftreten – und dazu gibt’s dann wie jeden Tag in der Woche (außer montags) leckeres Frühstück. Die knapp 80 Plätze im weitläufigen Außenbereich mit herrlichem Blick auf Park und Schloss stehen dafür zur Verfügung. Hier lassen sich Hygiene- und Abstandsregeln problemlos einhalten. Wenn’s heißer wird, braucht Christian noch mehr Sonnenschirme – „ich kümmere mich drum“, versprach sie denjenigen, denen die Schweißperlen von der Stirn liefen.

Bürgermeister Peter Traub freute sich, dass so langsam die Veranstaltungen wieder starten. „Es ist schön, dass der Gemeinschaftssinn dabei hilft, die Krise zu überwinden“, betonte er. Langsam kehrt wieder Normalität ein, beobachtete er. Manche Dinge muss man eben noch vorsichtiger angehen, mahnte er. Erbach soll laut dem Stadtoberhaupt „noch lebendiger und liebenswerter werden“.

Traub zählte in diesem Zusammenhang verschiedene Entwicklungen auf: so den neuen Pop-up-Biergarten, eine Außenbewirtschaftung in der Schützenstraße oder die baldige Fertigstellung der oberen Hauptstraße. Außerdem, so seine Hoffnung, „können wir auf dem Marktplatz bald wieder Veranstaltungen machen“. Das Engagement von Suzanna Christian „fügt sich in den Blumenstrauß von Events ein“, sagte er. Traub wünschte wie auch die Wirtin den Nachmittagsbesuchern „viel Freude bei toller Musik“.

Den hatten diese auf jeden Fall – wie auch die vielen Zaungäste, die im Lustgarten vorüberflanierten, oder sich ein Eis auf einer vielen, teilweise schattigen Parkbänke schmecken ließen. Kaffee und Kuchen standen derweil im Café im Vordergrund – sehr gerne von den Senioren angenommen. Die Wirtin zeigte sich mit dem Andrang bei der ersten Veranstaltung dieser Art sehr zufrieden und will demnächst nachlegen. Am 16. August spielt wieder „Real Touch“.

 

Mit „Lichtenberg“ kommt wieder Licht in die Kulturlandschaft

Lange, viel zu lange, dauerte die Corona-bedingte Veranstaltungspause. Nicht nur im Odenwald. Das Hüttenwerk Michelstadt startete als eine der ersten Locations der Region Mitte Mai wieder mit kleinen, abgespeckten Wohnzimmerkonzerten. Jetzt wird die ganze Sache in der Zusammenarbeit von Odenwälder Kulturschaffenden eine Nummer größer. Mit dem Konzert von „Lichtenberg“ startete die Kulturbühne auf dem Freigelände vor dem Hüttenwerk ihr Programm, das bis Ende Oktober laufen soll.

Die Erleichterung und Freude war allen Beteiligten anzumerken, dass dieses besondere Projekt zum einen auf die Beine gestellt wurde und zum anderen einen gelungenen Start hinlegte. Die optimalen äußeren Bedingungen trugen ihren Teil dazu bei. Unterholz, Spiellust, Hüttenwerk und Freilichtbühne Bad König haben sich zusammengefunden, um Theater, Lesungen und Konzerte Open-Air im Rahmen der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln zu bieten.

Sie alle eint ein Ziel: die Kultur (nicht nur im Odenwald) am Leben zu erhalten. Denn Großveranstaltungen sind noch bis Ende Oktober verboten. Auf den Hüttenwerk-Vorplatz dürfen 250 Besucher rein – mit dem entsprechenden Sicherheitsabstand. Wenn auch bei der Premiere noch ein paar freie Plätze waren, so läuft der Vorverkauf für das Kikeriki-Theater und die Lesung von Sebastian Fitzek gut, erläuterte Fritz Krings von Peripherique. Der Bestseller-Autor hat Ende August sein neues Buch „Das Geschenk“ im Gepäck.

Roger Tietz von der Spiellust freute sich über die sehr positive Nachricht, „dass der Odenwald Dinge gemeinsam auf die Bühne stellt“. Er hätte sich zwar ein paar mehr Eröffnungsgäste gewünscht, sah aber auch das Positive: Bei weniger als 100 „dürft ihr aufstehen und tanzen“ – was später gerne angenommen wurde. „Wir brauchen jeder Art von Unterstützung“, betonte der Theatermacher. Die gab es auch, listete er die vielen Helfer auf. Marcel Iwanicki von Peripherique bekam Lob für die Umgestaltung des Parkplatzes in eine schöne Event-Location.

Clementine Dingeldein, Erste Stadträtin von Michelstadt, zeigte sich stolz darüber, dass die Stadt in Sachen kultureller Neuaufbruch Vorreiter ist. Die Verantwortlichen schafften es, „innerhalb von kürzester Zeit das Projekt zu stemmen und die Schockstarre der Veranstaltungsbranche nach dem Lockdown zu überwinden“, sagte sie.

Landrat Frank Matiaske sprach von einer „Vollkatastrophe“ durch den Lockdown. Er dankte den Organisatoren, dass sie sich in einer schwierigen Zeit dagegenstemmten. Auch der Kreis steht voll hinter der Sache, hob er hervor. Dass das Theaterstück „Gert, Königin des Odenwalds“ nicht aufgeführt wird, bezeichnete Matiaske als sehr schade. Gelang es doch, dafür eine „fette Förderung“ in die Region zu holen.

Zum Glück „switchten“ die Verantwortlichen schnell um und machen nun einen Film daraus, der Ende des Monats ebenfalls auf der Kulturbühne gezeigt wird. Der Landrat war mehr als angetan davon, mit welchem Gemeinschaftssinn „der kulturelle Lockdown im Odenwald auf diese Weise beendet wird“. Beate Beerboom von der Freilichtbühne, die auch den Act „Lichtenberg“ beisteuerte, freute sich „tierisch, dass wir die Zusammenarbeit hingekriegt haben“.

Ein Hoch auf Äbbelwoi, Handkäs und Ourewällerisch dann mit der Band Lichtenberg. Von Anfang an rocken die fünf die Menge. Alla Gude, die Scholze Gret, geboten von den feschen Odenwälder Jungs – das macht Laune. Die Gruppe schafft es perfekt, mit viel Schmackes traditionelles Liedgut in ein neues Gewand zu packen.

Irgendwo zwischen Westernhagen und Rodgau Monotones angesiedelt, gepaart mit einer Prise Rap und Soul, angereichert mit einigen Pop-Versatzstücken, vorrangig aber knackig mit E-Gitarre und wummerndem Bass, spielt sich das Gründer-Trio Marcel Zocher, Thorsten Großkopf und Sebastian Altzweig geschmeidig durch die verschiedenen Genres. Thomas Markowic (Piano, Trompete, Akkordeon und Gesang) ist dabei das instrumentale i-Tüpfelchen, der für die entsprechenden Mundart-Anklänge sorgt.

Infos: http://www.kulturbuehne-odw.de