Weg von den Mehrverpackungen an der Oberzent-Schule

Wolfgang Bechtold ist der Oberzent-Schule (OZS) schon seit Jahrzehnten eng verbunden. Seine beiden Kinder drückten hier die Schulbank, viele Azubis des Betriebs für Kunststoffverarbeitung und Werkzeugbau rekrutiert er von der OZS. Er ist auch gerne Partner der Lernanstalt, wenn es um Neuerungen geht. So wie jetzt beim Umstieg von Einwegtetraverpackungen auf Plastikmehrweg-Trinkflaschen.

„Wir wollen unseren Schülern jeden Tag frisches Wasser zur Verfügung stellen“, erläutert Schulleiter Bernd Siefert die Hintergründe. Die Idee kam von der Schülervertretung. Deren ursprüngliches Ansinnen ging in Richtung eines Wasserspenders. Der Weg soll auf jeden Fall wegführen von den Milchbeuteln hin zu weniger Verpackungsmüll. Vom Wasserspender kam man allerdings wieder ab – auch wegen der möglichen Keime.

Zwei Bechtold-Azubis, natürlich von der Oberzent-Schule, werden jetzt in einem speziellen Herstellungsverfahren im Betrieb Mehrweg-Plastikflaschen herstellen, mit denen dann die Wasserleitung direkt „angezapft“ werden kann. „Fridays for Future“ mal anders, meint Siefert augenzwinkernd. „Wir produzieren weniger Müll, was auch der Umwelt zugutekommt.“ Ein weiteres gemeinsames Bechtold-OZS-Projekt sind 300 Familienkalender, in denen sich die verschiedenen Termine gesammelt eintragen lassen.

Vor kurzem feierte der Unternehmer seinen 70. Geburtstag. Bernd Siefert schenkte seinem rotarischen Freund dazu ein Fotobuch mit Bildern der Belegschaft, von Andreas Weinmann „heimlich“ aufgenommen. Jeder Mitarbeiter konnte sich dazu mit einem Spruch eintragen. Ein Fotobuch mit Motiven aus Oberzent, ebenfalls von Weinmann geschossen, ist auch bei der Schule in Planung. Es soll als Geschenk für Partner beider Institutionen dienen, da es mit den jeweiligen Logos versehen ist.

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Der letzte katholische Pfarrer von Oberzent

Der letzte katholische Pfarrer von Oberzent geht in Ruhestand. Ende des Monats verabschiedet sich nicht ganz freiwillig Richard Benner aus seiner bisherigen Verantwortung. 34 Jahre lang betreute der Geistliche St. Leonhard Beerfelden sowie St. Luzia und St. Odilia Hesselbach mit den zusammen 1200 Schäfchen. Obwohl fast 78-jährig, möchte er sich aber auch im Ruhestand nicht zurücklehnen. „Ich will mit meinem bisherigen Lebensweg weiter verbunden sein“, betont Benner.

Für ihn ist es bitter abzutreten, auch wenn „ich mich an den Gedanken gewöhnen konnte“. Trotzdem bezeichnet der Gottesmann die vergangene Zeit als hart, weil die Entscheidung für die Pensionierung „nicht von mir, sondern vom Bistum Mainz kommt“. Als er 75 wurde, gab es dort gerade keinen Bischof, dem er das etatmäßige Rücktrittsschreiben in diesem Alter hätte schicken können. „Außerdem hatte ich noch keinen Bock auf Pension“, formuliert es Benner salopp.

In der Bevölkerung registrierte der scheidende Pfarrer Betroffenheit, dass er aufhört, konfessionsübergreifend verbunden mit viel Zuspruch für seine Tätigkeit. In Oberzent zu wirken, war seine „überzeugte Überzeugung“. Doch: „Ich nehme das an, was der Bischof mir sagt“, bekräftigt er. Benner hofft, in Zukunft ein paar Aushilfstätigkeiten übernehmen zu können. Im Pfarrhaus darf er mangels Nachfolger sowieso wohnen bleiben.

Die beiden katholischen Kirchengemeinden bekommen nach ihm keinen eigenen Pfarrer mehr, sondern werden in Zukunft von St. Sophia Erbach aus mitverwaltet. Und hier sieht sich der Geistliche in der Pflicht, weiterhin in seinem bisherigen Wirkungskreis bei Bedarf – und in Abstimmung mit dem Kollegen – Gottesdienste anzubieten. Auch als Pensionär „möchte ich täglich die Heilige Messe feiern“, sagt er.

1200 Katholiken betreut Pfarrer Benner derzeit noch in 18 verschiedenen Orten auf fast 150 Quadratkilometer Fläche. Als er anfing, waren es noch fast 1500. Er bedauert, dass bei der Entscheidung pro oder kontra eigener Pfarrer „auf die Zahlen geschaut wird und nicht auf die Menschen“. Denn es sei ein großer Unterschied, ob ältere Leute in der Stadt mit ihren vielen Angeboten leben oder „allein auf dem Land“.

Die Hesselbacher haben ab Oktober 33 Kilometer bis zum Pfarrbüro zurückzulegen, rechnet er vor. Das bedeutet „eine ziemliche Umstellung“, da die meisten Gläubigen heutzutage eher ältere Leute sind. Und diese wiederum sind nicht mehr so mobil. Aus der anderen Richtung gesehen hält es für Benner für ambitioniert, dass der Erbacher Pfarrer Martin Eltermann das flächenmäßig große Gebiet zusätzlich betreuen soll. Denn der hat bisher schon mehr als die doppelte Zahl von Gläubigen in seiner Pfarrei.

Allerdings will Benner auch „die Chance nutzen“, um ein paar Dinge abzugeben. So gibt es in seinem Sprengel etwa 14 Friedhöfe, die manchmal für einen älteren Herrn nicht mehr so leicht begehbar sind. Wo es möglich ist, „mache ich es gern weiter“. Denn der Pfarrer ist die weiten Wege gewohnt. Man kennt ihn. „Ich möchte den Leuten das bringen und geben, was ihnen am Herzen liegt“, hebt er hervor. „Nur rumhocken“ als Pensionär ist seine Sache nicht.

„Jener muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Diesen Spruch aus Johannes 3,30 hat sich Richard Benner vor über 50 Jahren aus Anlass seiner Priesterweihe als Leitsatz gewählt und seitdem immer danach gehandelt. Auch jetzt: „Es muss weitergehen“, sagt er. Sein Leitspruch ist für ihn immer wieder Maxime: Denn wenn man diesen ernst nehme, „sieht man manche Dinge etwas lockerer, die einen sonst ärgern würden“, betont der Seelsorger.

Die Zeit auf dem Land hat ihn geprägt. „Ich mache heute einen weiten Bogen um die Stadt“, lächelt er fast schelmisch. In den ersten Jahren habe er in der Oberzent „Aufbauarbeit betrieben“, erzählt der Geistliche. Getreu des Konzils „habe ich die Fenster weit aufgemacht“ und frische Luft in die Gotteshäuser reingelassen. Die Gemeindeglieder zogen mit und unterstützten ihn.

 

Info: Pfarrer Richard Benners Verabschiedungsgottesdienste finden am Sonntag, 29. September, in Hesselbach um 9 Uhr und in Beerfelden um 11 Uhr statt.

 

Großes Interesse an der Stadtgeschichte trotz schlechtem Wetter

Zum „offiziellen“ Start der Stadtführungen hätte das Wetter ein wenig besser sein dürfen. Aber die Bindfäden von oben taten dem Interesse an Beerfeldens Geschichte keinen Abbruch. Zum ersten Rundgang am Tag des offenen Denkmals kamen 25 Interessierte, mit Regenschirmen bewaffnet, vor dem Oberzent-Museum zusammen, wo zuvor bereits der Tag eröffnet worden war. Die Generationenhilfe Oberzent kümmerte sich hier im trockenen Zelt um die Stärkung.

Die Stadtführungen „waren schon jahrelang ein Thema“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Mehrfach wurde in der vergangenen Zeit gefordert, sie auch für die breite Öffentlichkeit anzubieten. „Wir haben uns deshalb gesagt, jetzt müssen wir mal ran“, so der Verwaltungschef. Der Denkmal-Tag bot sich für den Start an. Vor zwei Monaten gab es dann eine interne Abklärung.

Stefanie Ampferl wirkte dabei federführend mit und nahm Kontakt mit allen Beteiligten auf. Später klinkten sich auch die Kirchen mit ein. Sie zog gestern ein positives Fazit der Veranstaltung, wenn diese natürlich durch die ungastliche Witterung beeinträchtigt war. Auch wenn nachmittags der Andrang bei der dritten Stadtführung übersichtlich war, so erfreute sich dann das Apothekenmuseums eines schönen Zuspruchs.

Die Stadtführungen, durchgeführt von Flora Berger und Brigitte Sauer, sollen im kommenden Jahr kontinuierlich angeboten werden, erläuterte Kehrer. Zum einen mit festen Terminen im Jahresplan, zum anderen aber auch auf Nachfrage durch Gruppen buchbar. „Wir überlegen uns dazu was Thematisches“, sagte er. Und was bietet sich im Odenwald da besser an als etwas Kulinarisches mit regionalen Spezialitäten. Das Gesamtziel: Oberzent touristisch voranbringen und besser vermarkten.

Am Eröffnungstag führte Flora Berger in typischer Odenwälder Tracht gleich drei Mal die Wissbegierigen durch die Stadt. Obwohl erst 19 Jahre alt, verfügt sie doch über jahrelange Erfahrung dabei. Als 15-Jährige war sie bereits die jüngste Stadtführerin des Odenwaldkreises. Wetterbedingt ging’s etwas zügiger als sonst im Galopp an den markanten Punkten vorbei.

Auf halber Höhe der Rollgasse bleibt Flora Berger stehen und deutet auf ein altes, schon in die Jahre gekommenes Haus auf der rechten Straßenseite. „Das ist das älteste Gebäude in Beerfelden“, erläutert sie. Das Haus mit den weißen Holzschindeln wurde im Jahr der französischen Revolution, 1789, erbaut. Seine Besonderheit liegt darin, dass es als einziges den großen Brand von 1810 überstand, der ansonsten die komplette Altstadt vernichtete.

Im Oberzent-Museum sind geschichtliche Zeugnisse der Region und ihrer Bürger zu sehen, erklärt die Jugendliche. Die Bedeutung des unterhalb gelegenen heutigen Zwölf-, früheren Acht-Röhren-Brunnens für die städtische Wasserversorgung war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts existenziell, so Flora Berger. Weiter geht’s danach die Rollgasse hinauf bis zum Bürgerhaus. Das „war früher das Rathaus und noch früher die Volksschule“. 1886 wurde es umgebaut und erhielt damals ein weiteres Stockwerk. Vor kurzem wurde es gerade wieder saniert.

2015 jährte sich die Wiedereinweihung der Martinskirche nach dem großen Brand zum 200. Mal – auch die Kirche war 1810 Opfer des Feuers. Früher war der Eingang ein Stockwerk höher, denn eine große Treppe führte direkt ins erste Obergeschoss, von wo aus es geradeaus ins Kirchenschiff weitergeht. Als der Marktplatz umgestaltet wurde, fiel ihm die Treppe zum Opfer. Ab 1876 war vor dem Gotteshaus ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 zu finden, das jetzt auf der Sensbacher Höhe steht.

Neben dem Pfarrhaus zeigt Berger den Interessierten auch andere Stadtbild prägende Gebäude, „die in ihrer Art typisch für die Bauweise nach dem Brand waren“. Die ehemalige Jugendherberge im blauen Haus (von 1941 bis 1971) liegt ebenso auf dem Weg wie der „Beerfelder Knast“. Den gab es dort zwischen 1859 und 1923.

 

Tag des Denkmals in Oberzent

Das Heimatmuseum öffnete seine Pforten ebenso wie das Apothekenmuseum von Jürgen Frank, beide in Beerfelden. Die evangelische Martinskirche Beerfelden mit ihrem Turm war zu besichtigen wie auch die ehemalige Wallfahrtskirche St. Marien in Schöllenbach. Bereits oft dabei: die „Alte Pumpe“, der Schmid‘sche Wassermotor zwischen Rothenberg und Kortelshütte. Hier wirkte der Verkehrs- und Verschönerungsverein Rothenberg.

Neue Finanzchefin liefert erste Zahlen

Die Stadt hat eine Chefin der Zahlen. Franziska Michel leitet seit ein paar Wochen die Finanzabteilung. Die 25-Jährige war vorher auf dem Wald-Michelbacher Rathaus als Sachbearbeiterin in der Finanzabteilung tätig. Sie hatte auf der neuen Stelle auch gleich einiges zu tun, denn ein Bericht über den Haushaltsvollzug wurde in der Vergangenheit schmerzlich vermisst. Die Verwaltungsstelle war längere Zeit vakant, entsprechend blieb einiges unerledigt.

Im Wesentlichen rechnet Michel damit, dass Haushaltsansatz und Ergebnis zum Jahresende 2019 einigermaßen passgenau sein werden. Mit Datum 31. Juli fehlen allerdings noch zu viele Variablen, um genauere Auskünfte machen zu können. Beim Holzverkauf, durch Dürre, Borkenkäfer und Windwurf stark durch die Mangel gedreht, stehen fast 900.000 Euro Umsatzerlöse als Annahme drin. Da bisher 560.000 Euro bereits in der Kasse sind, geht die Finanzfachfrau davon aus, dass die komplette Summe erreicht wird.

Eine ähnliche Prognose gibt sie auch für die zu erwartenden kommunalen Steuern und Gemeindeanteile ab. Die Gewerbesteuer, mit über zwei Millionen im Haushaltsansatz, beruht in ihrem Aufkommen auf Landeszahlen, erläutert sie. Ob auf den Euro genau alles in den Stadtsäckel reinkommen wird, vermag sie nicht zu sagen. Aber es sollte nicht allzustarke Abweichungen geben.

Einen Kassenkredit musste Oberzent in diesem Jahr noch nicht aufnehmen. Auch die möglichen Investitionskredite von 3,3 Millionen wurden noch nicht angetastet. Stattdessen griff die Stadt auf die Darlehensermächtigung 2018 zurück und nahm darüber ein Darlehen von zwei Millionen (von möglichen 3,2 Millionen Euro) auf.

Die Haushaltsverfügung der Kommunalaufsicht für den Doppeletat 2019/2020 ist zwischenzeitlich ebenfalls bei der Stadt eingetrudelt. Oberzent wird demnach zwar als leistungsfähig eingestuft, aber ebenso als finanzschwach. Durch Zuwendungen aus der Hessenkasse gab es quasi aus „Fremdmitteln“ eine Ergebnisverbesserung von einer Million Euro.

Nicht hinterm Berg hält die Kommunalaufsicht damit, dass eine Verbesserung der Haushaltszahlen in spe gewünscht ist – ob dies durch Kürzung freiwilliger Leistungen oder Steuer- und Entgelterhöhungen passiert, lässt sie dem Kommunen gnädigerweise offen. Vor allem bei der Grundsteuer sieht die Aufsichtsbehörde Luft nach oben. Beim Gebührenhaushalt Friedhof wird die Deckungsrate von nur 70 Prozent moniert und eine Neufestsetzung gefordert.

Belastbare Ist-Daten zum Haushaltsvollzug sind nun durch die Wiederbesetzung der Stelle in der Finanzabteilung möglich. Die noch ausstehenden Jahresabschlüsse aus 2016 und 2017, jeweils fünf Stück für die ehemaligen Gemeinden und den Kommunalservice Oberzent, soll das Büro Eckermann und Krauß ebenso erstellen wie auch die Oberzent-Eröffnungsbilanz 2018.

Dringender Handlungsbedarf bei Kita-Erweiterung

Der Bedarf an neuen Kindergartengruppen ist in Beerfelden noch größer als zuerst angenommen. Vor kurzem hatte die Verwaltung noch mit zwei neuen Gruppen geplant, jetzt sollen es angesichts der ständig steigenden Zahlen sogar drei sein. Kosten für den Anbau an die Kita „Abenteuerland“ in der Gammelsbacher Straße: etwa 1,3 Millionen Euro, wovon eine Dreiviertelmillion über Zuschüsse reinkommen soll. Die Stadtverordnetenversammlung erkannte den Bedarf an und empfahl schnelles Handeln, wollte aber in dem Zuge mehr Dateninput haben (Chris Poffo, ÜWO).

Mit 111 Kindern ist die Kita derzeit voll belegt, erläuterte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich. Die Warteliste mit Stand August beträgt bereits 16 Kinder. Seinen Worten nach gibt es auch in der evangelischen Kita eine Warteliste. Ulrich listete im Einzugsbereich beider Kindertagesstäten einen rechnerischen Fehlbedarf von 67 Plätzen auf.

Wie Ulrich vortrug, gäbe es in einer achtgruppigen Einrichtung mit drei Krippen- und fünf Ü3-Gruppen insgesamt 155 Plätze. Die 16 auf der Warteliste abgezogen, verblieben somit für die kommende Zeit noch 28 weitere für den erwarteten steigenden Bedarf. Würden nur zwei neue Gruppen errichtet, dann käme man ziemlich schnell wieder an seine Grenzen.

Prinzipiell sollte es erst einmal um die Beantragung der Förderung gehen, um die Fristen bis Ende September nicht zu verpassen, betonten die Stadtverordneten. Denn angesichts der hohen Bausummen, die sich bei Haushaltsaufstellung noch niedriger lasen, wollten sie erst einmal tiefer in die Materie einstellen und die Zahlen nachvollziehen.

Denn so erfreulich die hohen Kinderzahlen auch für die Zukunft der Gemeinde sind (Horst Kowarsch, Grüne), so sehr bringen sie die Finanzen der Stadt ins Ungleichgewicht. Frank Leutz (FDP) hatte deshalb auch einen Waldkindergarten ins Spiel gebracht, der eine geringere Investition erfordern würde. Die Überlegung gab es in der Verwaltung auch, ergänzte Ulrich. Jedoch kam man zur Erkenntnis, diesen quasi als Reserve „on top“ zur dreigruppigen Erweiterung vorzuhalten, sollte diese nicht ausreichen.

Eine ganze andere Hausnummer mit 4,1 Millionen Euro ist der Neubau des Rothenberger Kindergartens. Zwar gibt es auch hier Zuschüsse von 1,25 Millionen, aber die Mandatsträger mussten bei der Summe kräftig schlucken. Deshalb wurde der Beschlussvorschlag der Verwaltung dahingehend verändert, dass erst einmal nur die Förderung beantragt und über den Neubau später gesondert beraten wird, wie es Poffo (und nach ihm auch Leutz) schon zu Beginn vorgeschlagen hatte – ehe sich dann noch eine lange Diskussion inklusive Sitzungsunterbrechung anschloss.

Auch wenn die Notwendigkeiten inklusive Attraktivitätssteigerung für den Wohnstandort Rothenberg klar erkannt wurden, bemängelten einige Stadtverordnete, dass die Verwaltung erst einmal ihre Hausaufgaben mache solle. Thomas Ihrig (SPD) ging hier ins Detail. Er vermisste den Hinweis auf den Haushaltsplan, die Finanzierung der über die dort aufgeführten 2,3 Millionen Euro hinaus und die finanziellen Auswirkungen. Ins Spiel gebracht wurden von verschiedenen Seiten auch die Unterhaltungskosten.

In dieselbe Kerbe hieb Oliver von Falkenburg (CDU). „Kinder sind die Zukunft der Gemeinde“, sagte er. Aber bei den entsprechenden Beschlussvorlagen sollten doch die einschlägigen Vorschriften beachtet werden, gerade was die Darstellung der Kosten betreffe. „Wir sollten rechtlich auf sicheren Füßen stehen“, betonte er.

Zumindest in punkto Haushaltsdarstellung konnte Bürgermeister Christian Kehrer beruhigen. Da sich das Vorhaben bis 2022 ziehen dürfte, könnte man die benötigen Gelder bis dahin veranschlagen. Elisabeth Bühler-Kowarsch wollte bei beiden Kitas auch Park- und Verkehrssituation im Fokus haben, damit alles geordnet abläuft. Für die Beantragung der Fördermittel stimmte das Gremium jeweils einhellig.

 

 

Juwi will am Katzenwinkel noch größere Windräder bauen

Über dem Odenwald weht ein rauer Wind. Kommunen und Windkraftprojektierer stehen sich fast feindlich gegenüber. Die Gerichte müssen entscheiden. Nachdem der Verwaltungsgerichtshof Kassel den gemeinsamen Windkraft-Flächennutzungsplan der Odenwald-Gemeinden abschmetterte, werden jetzt die Bandagen härter. Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer rechnet mit zunehmenden Einzelfallklagen, gerade wenn es um die Entfernung zur Wohnbebauung geht.

Im Falle Beerfelden ist es bereits so weit. Dort plant bekanntlich der rheinland-pfälzische Windkraftprojektierer Juwi fünf Windräder im Bereich „Katzenwinkel“ zwischen Etzean, Airlenbach und Güttersbach. Die haben zum Teil einen viel geringeren Abstand als die 1000 Meter des Odenwaldplans. Die Stadt wehrt mit sich allen juristischen Mitteln dagegen. Wie Kehrer mitteilt, habe die Firma vor kurzem in der Verwaltung angefragt, ob sie zum Vorhaben neu informieren könne.

Das Gespräch ging ziemlich schnell, so der Bürgermeister, da die Firma nach wie vor fünf Anlagen plant. „Der Magistrat hat unmissverständlich seine Meinung deutlich gemacht“, betont der Rathauschef. Diese fußt auf der Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung, an dieser Stelle keinen Windenergiepark zuzulassen. Da Juwi an dem Projekt unverändert festhält, „wird alles weitere dann vom Gericht entschieden“.

Dabei geht es konkret um die Zuwegung, die die Stadt dem Projektierer nicht gewährt und wogegen dieser geklagt hat. Kehrer rechnet mit der Verhandlung im Spätjahr. Dazu kommt ein Rechtsstreit mit dem Land Hessen, was das Baurecht betrifft. Hier wehrt sich die Stadt insofern, als dass sie der Erschließung nicht zustimmte und somit auch keine Genehmigung ausgesprochen werden sollte.

Der Bürgermeister erwähnt noch einen anderen interessanten Aspekt. Bei Abgleich mit dem Flächennutzungsplan entdeckte man, dass nur die oberen drei Juwi-Anlagen im Windkraft-Regionalplan enthalten sind, der im Juni von der Regionalversammlung verabschiedet wurde – aber noch vom Landtag bestätigt werden muss. „Die beiden unteren sind es nicht“, weist er auf mögliche Ansatzpunkte für die Stadt hin, dagegen vorzugehen.

Als ob die Windkraftanlagen noch nicht groß genug wären, wachsen sie noch weiter. Wie Kehrer erläutert, plant Juwi eine „Aufstockung“ analog dem neusten Stand der Technik. Wo bisher die Rotorenbreite bei 141 Metern lang, was 230 Meter Gesamthöhe des Windrads bedeutet, soll sie nun auf 158 Meter anwachsen, was 240 Meter Gesamthöhe bedeuten würde. Das ist mehr als vier Mal so hoch wie der Turm der Martinskirche in Beerfelden.

In der Bürgermeister-Kreisversammlung wird dem Stadtoberhaupt zufolge demnächst besprochen, ob und wie die Kommunen gegen das Gerichtsurteil vorgehen. Eine Normenkontrollklage steht im Raum, wofür der Kreistag den Gemeinden 100.000 Euro als Unterstützung zusagte. Die steife Brise hält an – und wird stärker.

Zwei neue Gruppen für Beerfeldens Kita

Steigende Kinderzahlen lassen die bisherigen Einrichtungen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. „Wir haben einen erheblichen Platzbedarf“, sagt Stadtbaumeister Peter Bauer. In der Kita „Abenteuerland“, am Ortsausgang Richtung Gammelsbach gelegen, sollen deshalb zwei zusätzliche Gruppen geschaffen werden: eine für Über- und eine für Unter-Dreijährige.

Zur Realisierung plant die Verwaltung einen Anbau auf der Freifläche, wo es jetzt noch Parkplätze für den Pferdemarkt gibt. Dass dort in Teilen Stellflächen wegfallen, ist für den Bauamts-Chef angesichts der Bedeutung der dortigen Einrichtung verschmerzbar. „Wir bemühen uns aber um Ersatz“, betonte er. Das Stadtparlament muss zum Vorhaben noch grünes Licht geben.

Der neu errichtete Komplex soll dann laut Bauer mit einem Verbindungsgang an das bestehende Gebäude angeschlossen werden. „Die Baumaßnahmen können von statten gehen, ohne dass der laufende Betrieb gestört wird“, nannte er als Vorteil. Die bisherigen beiden Eingänge ließen sich in der Zeit weiterhin nutzen. Durch die Vorarbeit im Stadtbauamt „lassen sich die zeitlichen Vorgaben erfüllen“, sagte er. Die Kostenschätzung für die Vorplanung bezifferte er auf unter 10.000 Euro, weshalb eine beschränkte Ausschreibung möglich sei.

Bis zum 1. Oktober müssen die Förderanträge beim Kreisjugendamt vorliegen, hob Bauer die Dringlichkeit der Maßnahme hervor. Denn für die Stadt geht es um viel Geld: Vom Land gibt es pro neuer Kindergartengruppe einen Zuschuss von 250.000 Euro. Die halbe Million würde einen gewaltigen Beitrag zu den geschätzten, etwa doppelt so hohen Baukosten leisten, die der Stadtbaumeister aber erst ganz grob überschlagen hat.