Der Verkehr soll auf der L 3120 in Airlenbach „entschleunigt“ werden

Im Beerfelder Ortsteil Airlenbach wird zu schnell gefahren. Darüber sind sich alle einig. Doch wie lässt sich der Verkehr auf der L 3120 „entschleunigen“? Im Ortsbeirat ging es mal wieder um dieses Thema, nachdem 2015 zwei Geschwindigkeitsanzeigetafeln in den jeweiligen 60er-Bereichen angebracht worden waren. Diese sind zwar laut Ortsvorsteher Gerd Schäfer „ein kleiner Beitrag, der bisschen hilft“. Aber ohne Konsequenzen für Schnellfahrer.

„Wir haben nicht so viel Verkehr, aber viele, die zu schnell fahren“, meinte Schäfer. Mit baulichen und optischen Maßnahmen will man im Rahmen der eigenen Möglichkeiten die Raser, egal mit zwei oder vier Rädern, zum Abbremsen bringen. Hintergrund ist die 2013 im Auftrag des Ortsbürgers Hans Rausch angefertigte, professionelle Studie „Nicht so schnell in Airlenbach“. Dort werden verschiedene Vorschläge gemacht.

Allerdings sind der Stadt Grenzen gesetzt, wurde in den Äußerungen von Bürgermeister Gottfried Görig und Sascha Flick vom Ordnungsamt deutlich. Denn es handelt sich um eine Landesstraße, für die die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil zuständig ist. Die dortigen Mühlen mahlen langsam und man bekommt auch nicht immer das erhoffte Ergebnis, war allen Anwesenden bewusst. Von daher bedauerte es Schäfer, dass kein Vertreter der Behörde zur Sitzung erschienen war.

„Große Baumaßnahmen wie die Einengung der Fahrbahn und ein Straßenteiler wären mit großen Aufwand verbunden“, erläuterte Görig. Hessen Mobil stelle sich auf den Standpunkt, dass die Gemeinde dafür aufkommen solle. „Im Haushalt 2017 sind aber keine Mittel drin“, sagte der Bürgermeister.

Die Runde war sich uneinig, ob mit einer Bepflanzung links und rechts der Fahrbahn und einer damit verbundenen „Torwirkung“ etwas erreicht werden könnte. Denn ein breiter Grünstreifen ist in Landesbesitz, dafür brächte man wiederum eine Genehmigung. Und ob Bäume, die weiter weg von der Straße stehen, die gewünschte Wirkung bringen, wurde in Frage gestellt. Ganz abgesehen davon, ob sie, wenn dichter dran, nicht bei gefährlichen Kreuzungen die Sicht nehmen.

Man will nun mit kleinen Maßnahmen, die wenig Geld kosten und am einfachsten durchzusetzen sind, schon in diesem Jahr starten. Dazu gehört die von Schäfer vorgeschlagene „60“ an den beiden Ortseingängen mit dem grünen Weilerschild. Außerdem soll eine „50“ auf die Straße, wo dann das gelbe Ortsschild steht. Angedacht sind auch „Rüttelstreifen“, um die Autolenken zum Langsam fahren zu bewegen. Allerdings war Tenor eindeutig: „Wo nicht kontrolliert wird, hält sich keiner dran.“

Weshalb auch das Thema „Blitzer“ wieder angesprochen wurde. Da war man in Airlenbach vor einiger Zeit noch skeptisch, aber die Wirkung in Hetzbach und Gammelsbach bewirkte bei Schäfer ein Umdenken. Auch andere Teilnehmer sprachen sich dafür aus. Flick widersprach der Meinung, ein stationäres Gerät habe nur punktuelle Wirkung. „In den 500 bis 600 Metern davor und dazwischen wird langsamer gefahren“, wies er auf die Erfahrungen aus den beiden Ortsteilen hin.

Der Bürgermeister machte jedoch deutlich, dass diese Geräte an bestimmte Kriterien gebunden seien. Es sei zu ermitteln, wie viele Fahrzeuge wie schnell durch Airlenbach fahren. „Wir brauchen eine positive Stellungnahme der Polizeiakademie“, ergänzte Flick. Es müsste im Einzelfall geprüft werden, wo ein Blitzer Sinn mache. Und: „Es sollte kein Drauflegegeschäft sein.“ Im Gegensatz zu Hetz- und Gammelsbach wären die Fixbetreuungskosten für die Stadt in Airlenbach sicherlich höher, sagte er. Dass die Messungen aber Wirkung zeigen, ist auch klar: Von 18.000 im ersten Jahr sind die Beanstandungen auf jetzt 6000 Fälle zurückgegangen.

„Es muss endlich mal was geschehen“, lautete eine Äußerungen aus dem Publikum. Es gebe immer wieder gefährliche Situationen. Viel zu lange seien die Maßnahmen schon rausgeschoben worden. Ganz klar votierte man pro Blitzer, wollte neben der 60er-Markierung auch ein Überholverbot (Traktoren ausgenommen) in diesem Bereich. Eine Anregung, die Görig und Flick ebenfalls mit in die nächste Verkehrsschau nehmen.

Wie Sascha Flick erläuterte, kann man das Ortsschild nicht weiter nach außen versetzt werden, um eine Ausdehnung des 50er-Bereichs zu erhalten. Dafür fehle die notwendige durchgehende Bebauung. Am Beispiel Schönnen habe man gesehen, wie das ausgehen könne. Dort musste das Ortsschild nach einer Klage zurückversetzt werden. Er sagte zu, die mobile Geschwindigkeitsanzeige zwei bis drei Mal im Jahr an verschiedenen Stellen der Landesstraße anzubringen, damit ein gewisser Wechsel gewährleistet sei.

 

Am 1. April macht der „Schwanen“ am Beerfelder Metzkeil wieder auf

Der „Schwanen“ breitet wieder seine gastronomischen Flügel aus. Zum 1. April kehrt neues Leben in das Beerfelder Traditionslokal am Metzkeil ein. Denn dann übernimmt die Familie Kellum das Lokal mitsamt Hotel, das über die Wintermonate leer gestanden hatte. Weit über die Region hinaus war es im vergangenen Jahrhundert durch Otto und Ilse Sattler geworden. Die Kellums sind Restaurant-Gängern bereits vom „Schlawitzer“ im Leonardshof bekannt, den sie seit vergangenen Juni geführt hatten.

Bauliche Gegebenheiten machten dort die Weiterarbeit nicht mehr möglich, erzählt Kerstin Kellum, die mit ihren drei Söhnen den Familienbetrieb führt. Sie hat die Küche unter sich, wo auch Nikki und Tarek mitarbeiten, während Joshua für den Service zuständig ist. „Wir hätten gerne im Schlawitzer weitergemacht“, bedauert sie. Der werde jetzt wohl als Gasthof nicht weiterbestehen können, sagt Kellum.

Da fügte es sich gut, dass vor einiger Zeit Dr. Raimund Keysser, dessen Sohn Florian zusammen mit Volker Daum das Anwesen seit 2008 gehört, gerade mit der Feuerwehr zu Gast im Schlawitzer war. Kellums Freundin Marita Fischer sprach ihn an, weil sie wusste, dass die Familie ein neues Tätigkeitsfeld suchte. Eine Besichtigung des „Schwanen“ folgte, man wurde sich einig, und die Vorarbeiten konnten starten. Da bis Mitte März der Schlawitzer noch geöffnet war, erst einmal parallel, und jetzt mit Hochdruck.

„Es hat uns einfach gefallen“, sagt Kerstin Kellum über den „Schwanen“. Dazu komme noch die zentrale Lage am Metzkeil in Beerfelden, die traditionsreiche Geschichte und das stimmige Gesamtbild. „Es gibt nur noch wenige Gaststätten mit Pächterwohnungen drin“, nennt Joshua Kellum einen weiteren Vorteil. Dazu kämen die „liebevoll renovierten Hotelzimmer“ des Hotel- und Restaurant-Betriebs, der 1853 von Adam Sattler gegründet worden war.

Das Interieur im Gastraum blieb das Gleiche. „Wir haben gestrichen und dekoriert“, erläutert Kerstin Kellum. Gardinen und Tischdeckchen hat sie selbst genäht. Dazu wurden noch ein paar Regale an der Wand angebracht. 35 Personen finden in der im Landhausstil eingerichteten Gaststätte Platz. Das Nebenzimmer hat noch einmal 50 Sitzplätze und kann für Feiern aller Art von Geburtstagen über Konfirmationen oder Kommunionen bis hin zu Vereinstreffen oder Musikveranstaltungen genutzt werden.

2011 kamen die Kellums, seit jeher im Gastronomiebereich tätig, wieder von den USA nach Deutschland. In Mechenhard am Main führten sie das „Country Inn“. Kerstin Kellum schwärmt immer noch von den dortigen „Line Dancern“. 2016 zog es die Familie dann die Oberzent, wo sie den Schlawitzer übernahmen und sich dort viele gastronomische Freunde machen.

Dessen gutbürgerliche deutsche Küche wird sich auch im Schwanen wiederfinden. „Große Portionen für einen vernünftigen Preis“, überschreibt die Köchin das Angebot, Hausmacher Kost eben hausgemacht. Dazu zählt sie kreative Steakgerichte oder hausgemachte Maultauschen in verschiedenen Varianten immer von Samstag bis Montag, außerdem Schnitzelvariationen ab zehn Euro. Spare Ribs mit Salatbüffet gibt es am Donnerstag und Freitag.

Vom Main haben die Kellums das ausgeschenkte Faust-Bier mitgebracht. Montag, Donnerstag und Freitag ist die Gaststätte von 11 bis 14 Uhr und ab 17 Uhr geöffnet, Samstag und Sonntag durchgehend ab 11 bis 22 Uhr. Dienstag und Mittwoch sind Ruhetag.

Ein zweites Standbein des „Schwanen“ sind die Gästezimmer. Fünf mit Bad/WC, Fernseher und WLAN stehen bereits zur Verfügung. Ab 36 Euro kostet das Einzelzimmer, ab 65 Euro das Doppelzimmer. Im Mai/Juni sollen dann noch einige Monteurzimmer für kürzere oder längerfristige Aufenthalte hinzukommen.

Am Eröffnungstag, Samstag, 1. April, gibt es um 11 Uhr einen Empfang mit geladenen Gästen, so die Spitzen aus Stadt und Verwaltung, Vereinsvorsitzende und Familienmitglieder der ehemaligen und heutigen Eigentümer. Ab 12 Uhr steht die Tür dann offen für die Stammgäste aus dem Schlawitzer und alle anderen Interessierten.

Das Hotel „Schwanen“ hat sich im Lauf der Jahre stark verändert. 1853 hatte Urgroßvater Adam Sattler den Gastronomiebetrieb als Apfelweinwirtschaft mit Landwirtschaft gegründet. Otto Heinrichs Vater, August Sattler, schaffte die Landwirtschaft ab, erbaute einen Gästezimmertrakt mit einem weiteren eleganten Gastraum, benannte die Wirtschaft nun in „Hotel Konditorei Café Schwanen“ um. Als Sohn Otto Heinrich Sattler 1964 das Haus übernahm, war eine Edelküche in dem eleganten Landhaus sein Ziel. 2008 kauften es Volker Daum und Florian Keysser.

Beim Gasthaus „Zum Schwanen“ handelt es sich um ein bedeutendes Einzeldenkmal, das in der Denkmaltopographie für den Odenwaldkreis folgendermaßen beschrieben ist: „Großes, dreigeschossiges Gebäude auf trapezförmigem Grundriss mit Walmdach, nach 1810. Massives Erdgeschoss mit Eckquaderung und störenden Fenstereinbrüchen; die Obergeschosse wohl in Fachwerk, mit guter Holzverschindelung und sorgfältig gearbeiteten Fensterrahmen (spätes 19. Jahrhundert). Städtebaulich bedeutende Lage in einer Straßengabelung.“

Beerfelder Ausschuss spricht sich einstimmig für muslimisches Grabfeld aus

Muslimische Bestattungen sollen ab sofort auf dem Friedhof Beerfelden möglich sein. Eine Beerdigung hat sogar schon im Bereich hinter den großen Buchsbäumen stattgefunden, die sich in Verlängerung des unteren Eingangs befinden. Einstimmig empfahl der Haupt-, Finanz-, Bau- und Planungsausschuss nun der Stadtverordnetenversammlung, dem Votum des Magistrats zu folgen und die dafür notwendige Satzung zur Änderung der Friedhofsordnung zu beschließen.

Wie Bürgermeister Gottfried Görig erläuterte, wurde mit der Änderung des Friedhofs- und Bestattungsgesetzes Anfang 2013 die Möglichkeit geschaffen, aus religiösen Gründen eine Bestattung ohne Sarg vorzunehmen. Danach kann der Magistrat nach Anhörung des Gesundheitsamtes aus religiösen Gründen eine solche gestatten. In der Regel werde es sich um muslimische/islamische Bestattungen han­deln.

Der Islamische Verein Beerfelden, vertreten durch Naci Ülger, habe Ende September 2014 angefragt, ob es möglich wäre, ein muslimi­sches Grabfeld innerhalb des Beerfelder Friedhofs einzurichten. Im Oktober sprach sich der Magistrat einstimmig da­für aus, die Angelegenheit in der Stadtverordneten-versammlung abschließend bera­ten zu lassen. Zuvor sollte mit dem Islamischen Verein bei einem gemein­samen Ortstermin die Anlegung des entsprechenden Grabfeldes sowie die Nutzung der Friedhofskapelle besprochen werden.

Görig informierte, dass bei diesem Ortstermin im Mai 2015 festgestellt wurde, dass auf dem Friedhof Platz zur Anlegung eines muslimischen Grabfeldes und eine Schaffung möglich wäre. In seiner Januar-Sitzung habe nun der Magistrat einstimmig empfohlen, innerhalb des Friedhofs dieses anzulegen und die Änderung der Friedhofsordnung als Satzung zu beschließen.

Bericht des städtischen Jugendpflegers in Beerfelden: Mit dem Apfel-Projekt wurden 400 Kinder erreicht

Die vielfältige Arbeit des städtischen Jugendpflegers stellte Rene Tunn auf der vergangenen gemeinsamen Sitzung von Haupt- und Finanz- mit Sozial- und Umweltausschuss vor. Die Hälfte seiner 39-Stunden-Woche ist Tunn dabei im Kindergarten tätig. Vier Stunden seiner Arbeitszeit sind regelmäßigen Angeboten gewidmet, zwei weitere als Sprechzeit für die Bürger. Der Rest ist bunt gemischt, wie er berichtete: Veranstaltungen, Büroarbeit, Planung von Aktionen, Fortbildung, Arbeitskreistreffen oder Werbung in eigener Sache.

Die Palette an Projekten und Veranstaltungen war im vergangenen Jahr sehr weit gefächert, erläuterte der Jugendpfleger. Angefangen von der Eröffnung des Mädchentreffs über das Alkoholpräventionsprojekt BOB und die Renovierung der städtischen Spielplätze ging das Spektrum bis zur Fußball AG und der Fahrt nach Leverkusen zum dortigen Bundesligaspiel gegen die Bayern.

Alle zwei Wochen findet Tunn zufolge das Flüchtlingskino „Schöne Momente schaffen“ statt. Bei den Ferienspielen war er mit im Boot, ebenso beim Kinderfest auf dem Pferdemarkt mit über 200 Kindern. Dazu wurde beim Bienenmarktradio die Kooperation mit der evangelischen Kirche vorgestellt. Weitere Aktivitäten: die Renovierung des Jugendraums, der Tanzworkshop und das Kinderkonzert mit Detlev Jöcker.

Unter die Schlagworte „Sport, Spaß und Integration“ hatte Rene Tunn den Bericht über die Fußball AG im vierten Jahr an der Oberzent-Schule gepackt. Angesprochen werden davon Jugendliche von der siebten bis zur zehnten Klasse. Nach den Herbstferien bis Ende März verzeichnet der Jugendpfleger dabei zwischen sieben und 16 Teilnehmern in der Woche. Auch nahm man an der Erbacher Fußballnacht teil.

Der „offene Treff“ als Begegnungsstätte bestehe nun schon im dritten Jahr, führte er aus. Er werde in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde donnerstags von 16 bis 18.30 Uhr angeboten. Derzeit wird er laut Tunn in der Woche von 15 bis 20 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren besucht. „Aktuell nur Jungs“, meinte er, die zu 80 Prozent einen Migrationshintergrund hätten.

Eine Mammut-Veranstaltung ist das Apfelprojekt. Hierbei wurden Tunn zufolge im vergangenen Jahr 400 Kinder verschiedener Altersgruppen erreicht. Entstanden ist es durch den Wunsch der Jugendlichen, im Jugendraum etwas trinken zu wollen. Inzwischen findet das Projekt alle zwei Jahre statt. 2,3 Tonnen Äpfel wurden 2016 zusammen mit den Erwachsenen gesammelt.

Dazu gibt’s weitere nützliche Tipps, wie der Saft früher hergestellt wurde oder über die Vielseitigkeit des Obstes in seinen verschiedenen Ausführungen. Der Erlös kommt in Form von Spenden den Kindergärten und der Grundschule in Beerfelden zugute. Beim Apfelfest der Firma Koziol wurde das Projekt vorgestellt und außerdem Zuckerwatte verkauft.

Weiterhin wurden im vergangenen Jahr alle Geräte auf den städtischen Spielplätzen aufgelistet, so Tunn. Die Planungen seien in Absprache mit den Ortsbeiräten erfolgt. Daneben sei man in Planung und konkrete Umsetzung der Kernstadtspielplätze gegangen. In den Jahren 2015/2016 habe er für diesen Bereich 160 Arbeitsstunden aufgewendet. Tunn erwähnte darüber hinaus die Einweihung des Hetzbacher Spielplatzes mit einem Fest und den Start der Aktion „rauchfreie Spielplätze“.

Mit Blick auf die laufenden Projekte und seine Vorstellungen nannte der Jugendpfleger unter anderem den weiteren Ausbau der Kooperation mit der evangelischen Kirche. Die Renovierung der Jugendräume soll im Juni/Juli fertig sein. Tunn will den „offenen Treff“ als zentrale Anlaufstation für Jugendliche etablieren. Daneben gelte es, das Lebensumfeld der neuen, ab 1. Januar fusionierten Stadt kennenzulernen. Außerdem: die Mädchenarbeit in der Oberzent und die Schule als zentrale Anlaufpunkt für Jugendarbeit in der Gemeinde.

Vorstellung des Oberzent-Grenzänderungsvertrags in der Ober-Hainbrunner Sporthalle: Die Namensdiskussion kann keiner mehr hören

Als der erste das Wort „neuer Stadtname“ in den Mund nimmt, geht bei der Rothenberger Bürgerversammlung zuerst ein Raunen durch die Menge, gefolgt von deutlichen Unmutsäußerungen. Die 175 Besucher in der Ober-Hainbrunner Sporthalle wollten in der überdeutlichen Mehrheit das Thema einfach nicht mehr hören. Stattdessen ging es bei der Vorstellung des Grenzänderungsvertrags eher um die Ärzteversorgung in der Oberzent und um die weitere Zeitschiene.

Unter der Leitung des Gemeindevertreter-Vorsitzenden Dr. Horst Schwinn stellten Kommunalberater Thomas Fiedler und KSO-Fusionsprojektleiter Christian Kehrer nach Sensbachtal und Beerfelden zum dritten Mal die wichtigsten Bestandteile des Grenzänderungsvertrags vor. Fiedler machte deutlich, dass diese „noch nicht in Stein gemeißelt ist“. Bis zum 16. März könnten die Bürger beim Kommunalservice Oberzent noch Eingaben machen, sei es zum Namen oder zu anderen Inhalten.

Allerdings, so Fiedler, müssten bestimmte Punkte auch rechtlichen Erfordernissen Rechnung tragen. Und es gelte die Zeitschiene nicht zu vergessen, damit die Fusion wie im letztjährigen Bürgerentscheid beschlossen am 1. Januar 2018 über die Bühne gehen könne. Er erläuterte, dass es über den Grenzänderungsvertrag oder den neuen Namen „keinen Bürgerentscheid geben wird“. Denn die Thematik sei viel zu diffizil, „um sie nur mit Ja oder Nein zu beantworten“. Wer dagegen sei, müsse den Weg über ein Bürgerbegehren gehen.

Was denn passiert, „wenn in einer Gemeinde mangels Mehrheit der Jahresabschluss 2017 nicht verabschiedet wird“, wollte der Beerfelder Andreas Krauch wissen. „Nichts“, entgegnete Fiedler. Denn das positive Votum sei reine Kosmetik. Eine Ablehnung rein aus politischen Gründen habe keine Auswirkungen. Sollten sich Anhaltspunkte für Fehler ergeben, dann schalte sich sowieso die Kommunalaufsicht ein.

Frank Flachs sprach die Ärzteversorgung an. Ein Walldorfer Ärztehaus wie in der Präsentation als Beispiel zu nehmen, betrachtete er als „ambitioniert“, weil die SAP-Stadt ungleich mehr Geld habe. Er stelle es sich schwierig vor, in einem ehemaligen Bürogebäude in Beerfelden Ärzte ansiedeln zu wollen, meinte Flachs. „Wir streben eine Übergangslösung an, damit ein Anfang gemacht ist“, sagte Christian Kehrer. Man wolle sich darum kümmern, junge Allgemeinmediziner und Fachärzte in die Region zu bekommen. „Nichts zu tun ist auch keine Option“, meinte er unter dem Beifall der Bürger.

Krauch war es danach, der nochmal den kommenden Stadtnamen ansprach. Fiedler entgegnete, dass die „Geschäftsgrundlage“ beim Bürgerentscheid im vergangenen Jahr gewesen sei, dass ein neuer Name anstatt der vier bestehenden her solle. „Niemand ist von Oberzent absolut begeistert“, sagte er. Aber die mittelalterliche Bezeichnung des Gerichtsbezirks sah er als „am kompromissfähigsten“ an. Daneben sei der Begriff „Oberzent“ durch den Fusionsprozess schon zu Bekanntheit gelangt.

Aus der Bürgerrunde kam noch einmal der Vorschlag „Freienstein“, weil die Fusion der vier Orte „eine freie Entscheidung“ gewesen sei. Auch dieser Vorschlag werde Bestandteil der Anhörung sein, der seitens des Fusionsarbeitskreises Ende März anstehe. Danach befassen sich laut Fiedler noch einmal die Kommunalparlamente mit dem Thema. Dort könnten auch Anträge zu anderen Namen kommen. Allerdings „wird es problematisch, wenn es unterschiedliche Meinungen dazu in den vier Kommunen gibt“. Denn alle müssten sich auf eine Bezeichnung einigen.

Ins Gespräch kam noch einmal die Beibehaltung der alten Postleitzahlen. Gerd Menges brachte sie ins Spiel, um das große Gebiet besser zu strukturieren. Theoretisch möglich, sagte Fiedler, man habe aber eine einheitliche vorgeschlagen, um den Neuanfang auch hier zu dokumentieren. Selbst wenn man sie beibehalte, betonte er, „befreit das nicht davon, die Straßennamen zu vereinheitlichen“. Christian Kehrer ergänzte, dass die Bestrebungen dahin gingen, dass bei Eingabe des Namens „Oberzent“ ins Navi ein sinnvoller zentraler Punkt angezeigt werde.

Insgesamt, bilanzierte Gemeindevertreter-Vorsitzender Horst Schwinn zum Schluss der nur halbstündigen Diskussionsrunde unter dem Beifall der Besucher, „wird der Grenzänderungsänderungsvertrag im Großen und Ganzen angenommen“. Nach der Sitzung des Arbeitskreises im Laufe des März stehe Anfang Mai die Verabschiedung des Vertrags durch die vier Kommunalparlamente an. Dann stehe der Fusion am 1. Januar 2018 nichts mehr im Wege.

Info: Die Bürger von Beerfelden, Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal haben im Rahmen der Anhörung die Möglichkeit, Namensvorschläge für die neue Stadt sowie Stellungnahmen zum Grenzänderungsvertrag bis zum 16. März, 18 Uhr, beim gemeinsamen Zweckverband Kommunalservice Oberzent, Projektleitung, z. Hd. Herrn Christian Kehrer, Hauptstraße 32, 64759 Sensbachtal, einzureichen.

 

 

 

Hessische Kabbeleien und Babbeleien mit Hintersinn: Kikeriki-Theater war mit „Achtung Oma“ in Beerfelden zu Gast

Da hat der Kasper nichts zu lachen. Er, der im ersten Akt noch den Briefträger gnadenlos runterlaufen lässt und den Beamten schier zum Wahnsinn treibt, ist danach selbst das Opfer. Nämlich seiner Oma, die ihn mit ihren Wünschen zur Raserei bringt. Wenn dann der Holz-Kasper in breitestem Hessisch vor sich hin mault, grummelt, schreit und zetert, dann sind die Zuschauer gleich mittendrin im „Kikeriki-Theater“, das diese mundartliche Selbstentblößung im Stück „Achtung Oma“ bis zum Exzess beherrscht. Gute Laune mehr als inklusive.

Im Hintergrund hängt eine volle Wäscheleine, daneben ein komisch anzuschauender Holzturm, auf der anderen Seite der Bühne wird etwas achtlos eine Leiter aufgestellt, in der Mitte ein Notenständer, rechts ein Akkordeon. Fünf Männer kommen auf die Bühne, etwas abgerissen, verwahrlost aussehend, die sich selbst als fahrendes Volk definieren. Und was sie danach an hessischer Wortakrobatik aus dem Mund fahren lassen, ist wirklich eine Klasse für sich.

Allein voran Roland Hotz, vor dessen Gosch sich jeder in Acht nehmen muss, der seine Aufmerksamkeit erregt. Und wehe das Publikum zieht nicht gleich mit, dann wird es frech angemacht, dass die Schauspieler ja nicht zum Spaß da seien. Da steht ein –neudeutsch Stand-up-Comedian – Vollblutkomiker auf der Bühne, der auf alles eine Antwort weiß. Egal wie weit er den Gürtel tiefer schnallen muss, damit diese noch darüber liegt.

Es folgt knapp zwei Stunden lang eine Hessisch-Lehrstunde mit ernstem Hintergrund. Denn die Fünf haben sich den Generationenkonflikt als Thema ihres Stücks ausgesucht. Von oben runter kommt das aber mit einem solch charmanten, schnoddrigen, dialekteingefärbten Ton, dass das Publikum gar nicht anderes tun kann – als zu lachen.

Ein Geheimnis des Erfolgsstücks ist die Unaufgeregtheit der Schauspieler. Spontaneität ist quasi Pflicht, kurzzeitige Hänger werden mit Humor überspielt, manchmal überholen sie sich beim Babbeln und Kabbeln selbst und kommen darüber ins Lachen. Die Zuschauer dürfen dabei auch nicht einfach still dasitzen. Das fängt damit an, dass es nicht nur in den Saal hinein-, sondern auch hinausschallen soll. Fragen müssen beantwortet werden. „Das üben wir gleich nochmal“, gibt’s nach der ersten, nur zaghaften Antwort zu hören.

Das Nonstop-Feuerwerk aus derb-frivolen Babbeleien und Kabbeleien genügt erst einmal sich selbst. Die Satzfetzen und Weisheiten fliegen nur so hin und her, Sinn und Zweck werden gerne auch mal ausgeblendet, wenn sich ein Wort das andere gibt und die Schauspieler am Ende nicht mehr wissen, wie der Anfang war.

Zur Story: Der Kasper will auf jeden Fall vermeiden, dass die stressige Oma zu ihm zieht und ihn täglich nervt. Denn die treibt ihn mit ihren „Kaaaaaaaaaasper“-Rufen zum Wahnsinn. Es geht um den Sex des Alters, das Essen. Wenn sie das nicht bekommt, lautet die Drohung sofortiges Ableben. „E Wurstplättche ohne Zervelatwurst“ und dazu noch ein Käs, „aber nix Abgepacktes“, gefolgt von was „Frisches ausm Garte“ (Gürkchen, Tomätchen und Silberzwiebeln – und das Anfang März), „e Tässche Kaffee und e schee Stücksche Tort“ sind weitere Wünsche, während sie mit den Zigarren die ganze Bude vollqualmt.

Was für den Kasper die Bedeutung von „OMA“ klar macht: „O mei Alptraum“. Deshalb beschließt er, ihren Hausbesitzer auf Seite zu ziehen und zum Einlenken zu bewegen, damit die renitente alte Dame weiter zuhause wohnen bleiben kann. Das mit allen Mitteln, auch als Oma oder „Omina“ verkleidet. Natürlich mit Erfolg, das ist klar, und zwischenzeitlichen Wendungen, die das Publikum vor lauter Lachen jubeln ließen.

Aber geht’s wirklich um die Erzählung? Eigentlich nicht. Zoten, Anekdoten, Kabbeleien, Babbeleien und Beschimpfungen stehen im Vordergrund, bei denen die Darsteller so lustvoll agieren, dass man nicht mehr weiß, ob das nun gespielt oder ernst ist. Dazu das extreme Tempo von Hotz‘ Schlappmaul, das sich fast schon selbst überholt. Wilde Wortkreationen inklusive: „Du sollst nicht begehren der Oma ihr Haus, sonst schlag ich dir die Zähne aus.“

Das Kikeriki-Theater gastierte zwei Mal in der proppenvollen Oberzent-Halle, wie sich die Finkenbacher Feuerwehr als Veranstalter freute. Um die 1000 Besucher aus allen Ecken und Enden des südlichen Odenwalds und benachbarten Badens waren es, die den Weg auf den Beerfelder Berg gefunden hatten. Seit über 20 Jahren gibt es die Darmstädter Comedy-Hall mit angeschlossenem Theater schon. In dieser Zeit haben weit mehr als eine Million Zuschauer die verschiedenen Vorstellungen gesehen. Inzwischen ist schon die zweite komödiantische Generation am Start.

Stadtverordneten-Versammlung Beerfelden: Sitzungstermine sollen langfristig festgelegt werden

Mit ihrem Antrag fand die FDP-Fraktion in der Stadtverordneten-Versammlung Gehör. Demnach sollen die Termine der Sitzungen und die der Ausschüsse für ein Jahr im Voraus festgelegt werden. Dies sei in vielen anderen Kommunen bereits üblich, begründete der Fraktionsvorsitzende Frank Leutz. Damit sei eine Gleichbehandlung jedes Berufsstands gewährleistet und das Jahr besser planbar, sagte er.

Wie Leutz argumentierte, finden übers Jahr im Schnitt sechs oder sieben Sitzungen statt. Somit könne man acht Termine festlegen und die unnötigen wieder streichen. Nach der hessischen Gemeindeordnung könne in dringenden Fällen sowieso mit einer Frist von drei Tagen geladen werden. Bürgermeister Gottfried Görig sah bei diesem Ansinnen kein Problem für das kommende Dreivierteljahr, in dem Beerfelden noch als Beerfelden existiert.

Wie es danach weitergeht, wird dann in der neuen Stadtverordneten-Versammlung beraten. Deshalb warf Elisabeth Bühler-Kowarsch auch ein, ob die Festlegung für diese Zeitspanne noch Sinn macht. Sie verdeutlichte jedoch, dass sie wegen der besseren Planbarkeit für den Vorschlag Sympathie hege. „Das macht Sinn“, sagte auch Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Jürgen Löw.

Löw teilte auf der vergangenen Sitzung darüber hinaus mit, dass mit Manuel Schwinn (SPD) und Dr. Ralph Willenbücher (FDP) zwei Mandatsträger ihren Rückzug aus dem Gremium mitgeteilt hätten. Die Nachfolger sollen auf der kommenden Stadtverordneten-Versammlung ins Ehrenamt eingeführt werden.

Eine Reihe von Auftragsvergaben kostet die Stadt ein schönes Sümmchen. Für fast 13.000 Euro ging der Auftrag für die Erneuerung der Heizanlage im Sporthaus Airlenbach an eine Firma aus Affolterbach, teilte Bürgermeister Gottfried Görig mit. Diese Maßnahme wird über das kommunale Investitionsprogramm gefördert. Im städtischen Anwesen Finkenbacher Straße in Olfen kam dieselbe Firma für die gleiche Maßnahme mit einem Angebot von 11.000 Euro ebenfalls zum Zuge. Die Erneuerung des Hallenschutzbodens in der Oberzent-Halle kostet knapp 19.000 Euro.

Kanalsanierung ist immer ein Fass ohne Boden, weil in der Regel bei der genaueren Inaugenscheinnahme vorher nicht sichtbare Mängel zutage treten. So auch bei den Kanälen in Friedhofs- und Siedlerweg sowie Sudeten- und Königsberger Straße. Ursprünglich sollte die Maßnahme dem Rathauschef zufolge 157.000 Euro kosten, jetzt mussten noch einmal 35.000 Euro obendrauf geschlagen werden. Ein bisher geleastes Bauhof-Fahrzeug wurde für 10.800 Euro übernommen, so der Bürgermeister weiter. „Das ist in einem Top-Zustand“, meinte er.

Gute Folgekonditionen gibt es für ein Kommunaldarlehen. Das hatte einen Zinssatz von bisher 3,91 Prozent und läuft noch bis Juni 2026. Die aktuelle Restschuld beträgt 146.000 Euro. Für eine Verlängerung bis zum Ende der Laufzeit bot die Sparkasse Odenwaldkreis nun Konditionen von 0,89 Prozent, woraufhin die Stadt zuschlug. Denn diese waren noch einmal 0,1 Prozent unter dem Angebot der Volksbank.