Oberzent als kultureller Leuchtturm

Einen Appell für die Förderung der Kultur hielt der Ausschussvorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) auf der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung. Der Lockdown hat „flächendeckend zu Ausfällen geführt“, sagte er. Ein Neustart steht an. „Wir müssen nun gemeinsam voranschreiten und beispielhaft für andere Kommunen wirken“, so seine Meinung. Der neue städtische Kulturbeauftragte Stefan Rosewick hat ein Kulturnetz Oberzent ins Leben gerufen, das für eine stärkere Verknüpfung der Akteure sorgen soll.

„Wir haben damit einen Türöffner in der Hand, den wir nutzen können. Endlich“, freute sich der Parlamentarier. Es gibt nun einen Adressaten für die Akquise von Fördermitteln des Landes und des Bundes. Durch diese und viele andere kleine Aktionen erzielt Oberzent seiner Beobachtung nach nun endlich wieder die positive Aufmerksamkeit, „die unsere Stadt verdient“.

Zusammen mit der Verwaltung gilt es nun, tragfähige Pläne zu entwickeln und umzusetzen. Zucht nennt hier Pferdemarkt, Brunnenfest, Ausstellungen und Messen. Es darf seinen Worten zufolge nicht mehr um Durchführung im alten Stil oder Absage gehen – sondern um Wege, wie etwas trotzdem, eben mit Hygienekonzept und allen Auflagen, „dennoch durchführbar ist“.

Er weiß: Auch wenn die Corona-Krise vorüber sein wird, ist nichts wird mehr, wie es davor war. Bei den Anstrengungen können die relativ kleine Verwaltung, die flachen Hierarchien und die enge Verknüpfung mit Vereinen und Akteuren helfen, schnelle und vergleichsweise unorthodoxe, aber regelkonforme Wege zu beschreiten. „Dazu müssen wir jedoch zusammenarbeiten“, lautet jedoch seine Aufforderung an alle. Das immer wiederkehrende „Wir und Die“ muss aufhören, so sein Appell.

Der Mandatsträger forderte, schleunigst stabile Kommunikationswege zwischen den Institutionen zementieren. Er stellt sich darunter regelmäßige Treffen vor, die erstmal eine Stunde kosten, „aber am Ende etliche Sitzungen, Mutmaßungen und Missverständnisse einsparen können“. Dies beginnt konkret bei Sitzungsvorbereitungen und zieht sich bis zur aktiven Zusammenarbeit mit den zuständigen Verwaltungsangestellten.

„Es kann und darf nicht sein, dass wir im Denken von vor fünf Jahren festhalten“, so Zuchts Worte.  Das Umfeld hat sich alleine während der letzten Monate „radikal und rasend schnell verändert“. Für die Öffentlichkeit in Heidelberg, Mannheim und Mosbach muss Oberzent zum Begriff für Innovation im ländlichen Raum werden, so seine Vorstellung. Diesen Gedanken „dürfen wir nicht belächelnd ignorieren oder schlechtreden“.

Der Kulturbereich bringt Aufmerksamkeit, ist er sich sicher. „Alles andere wird zwangsläufig folgen.“ Das Ganze kostet kostet relativ wenig Geld, sagte der Ausschuss-Vorsitzende, aber hohen persönlichen Einsatz von jedem Aktiven. „Nie mehr: Das wird eh nichts“, lautete sein Credo. Denn mit dieser Haltung „zerstören wir die Möglichkeiten, die wir uns jetzt gemeinsam erarbeiten“.

Breitband-Ausbau wird richtig teuer

Dass es in Oberzent vor allen in den Seitentälern mit dem mobilen Internet hapert, ist nichts Neues. Genervte Handynutzer wissen ein ungehörtes und unerreichtes Lied davon zu singen. Aber auch Breitband ist nicht flächendeckend zu akzeptablen Geschwindigkeiten verfügbar. In der Bürgermeister-Runde des Odenwaldkreises fanden zum Thema Ausbau schon mehrere Gespräche mit dem Landrat statt, berichtete Bürgermeister Christian Kehrer der Stadtverordneten-Versammlung.

Etliche unterversorgte Bereiche, in den die Übertragungsgeschwindigkeit weniger als 30 Mbit/s beträgt, wurden ermittelt. Und davon gibt es viele im Odenwaldkreis. Geht man von etwa einem Internet-Anschluss pro Haushalt aus, so bedeutet die Zahl 4614 über zehn Prozent der Kreis-Haushalte. Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl sind damit wohl über 10.000 Odenwälder ohne schnelles Breitband.

Wie auch beim Mobilfunk sind davon hauptsächlich die Täler betroffen. Ausnahmen bestätigen aber die Regel. Auch die südlichen Außenbezirke von Beerfelden sind nicht optimal versorgt. Vor allem an Anfang und Ende des Sensbachtals gibt es einige rote Flecken. Weiter Richtung Westen überwiegt dann ganz klar die Farbe Rot gegenüber dem Grün. Hauptsächlich Falken-Gesäß, der westliche Teil von Airlenbach, Raubach und teilweise Olfen surfen mit Kriechgeschwindigkeit.

Dieses Schicksal teilen die ländlichen Gebiete von Oberzent allerdings mit vielen anderen Gemeinden. Ein schwacher Trost. In Mossautal verschwindet das Grün eines schnellen Anschlusses immer mehr, je weiter man nach Nordwesten vorstößt. Reichelsheim, Fränkisch-Crumbach, Brombachtal und Brensbach ergeht es in den Außenbezirken ähnlich. Gut sieht es entlang der B 45 aus.

Laut Kehrer liegt eine Kostenermittlung für den Breitband-Ausbau im Odenwaldkreis vor. Allerdings hat ein Markterkundungsverfahren ergeben, „dass kein Netzbetreiber ausbauen wird“. Aufgrund dieses „Marktversagens“ müssen ihn die Kreis-Kommunen selbst umsetzen. Es ist ein flächendeckender Breitbandausbau (FTTB/H) und Gigabitversorgung geplant, informierte der Bürgermeister. Die Beantragung von Fördermitteln läuft.

Trotz Zuschüssen von 90 Prozent „wird die Finanzierung ein spannendes Thema darstellen“, erläutert er. Denn es verbirgt sich dahinter ein „erhebliches Investitionspotenzial“ mit erklecklichen kommunalen Eigenmitteln. Die Brenergo bietet seinen Worten zufolge den Städten und Gemeinden kostenlos an, einen gemeinsamen Antrag auf Förderung von Beratungsleistungen zu stellen, teilte das Stadtoberhaupt mit. Eigenmittel sind nicht dafür notwendig – erst später.

Der Magistrat nahm zwischenzeitlich das Brenergo-Angebot an. Die Verwaltung soll zur Umsetzung entsprechende Schritte in die Wege leiten. Wenn’s dann in die Umsetzung geht, wird das Thema schnell wieder auf der Tagesordnung landen, denn dann geht es um die Bereitstellung von Haushaltsmitteln.

Dem Ortsbeirat stinkt das marode WC-Häuschen

Die Sache stinkt im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel. Dem Beerfeldener Ortsbeirat ist der Zustand der öffentlichen Toiletten auf dem Parkplatz neben dem Oberzent-Museum ein Dorn im Auge. Schon Anfang des Jahres hatte man eine tägliche Reinigung des prominent gelegenen WC-Häuschens gefordert. Das ist inzwischen dauerhaft geschlossen, da der Zustand nicht mehr haltbar ist und eine regelmäßige Reinigung nicht möglich.

Eigentlich war man im Gremium davon ausgegangen, dass anderweitig nicht benötigte Mittel aus dem integrierten kommunalen Entwicklungskonzept (IKEK) für eine Sanierung umgeschichtet werden können. „Aber das ist wohl doch jetzt nicht mehr der Fall“, zeigt sich Ralf Fiedler enttäuscht. Das Toilettenhäuschen ist für ihn „nicht mehr zeitgemäß“. Gerade vor dem Hintergrund des boomenden Inlands-Tourismus „ist das kein Aushängeschild für den Ort“, beklagt er.

Über IKEK hatte sich der Ortsbeirat eine 90-prozentige Förderung der Maßnahme erhofft. Das Gremium würde außerdem einen Großteil seines Budgets zur Verfügung stellte, betont Ortsvorsteher Christian Zimmermann. Der sieht ebenfalls „unmögliche Zustände“: Der Parkplatz als Ausgangspunkt für Stadtführungen hat seinen Worten zufolge Besseres verdient. „Andere Kommunen zeigen, wie so etwas geht“, ergänzte Fiedler.

Die nächste öffentliche Toilette befindet sich am Rathaus, erläutert er. Leider gibt es mangels Café auch nicht die Möglichkeit, in der Nähe ein solches aufzusuchen, einen Kaffee zu trinken und das dortige WC zu nutzen. Fiedler bringt eine Bezahlmethode ins Spiel, wie sie schon öfters in Städten zu sehen ist. Für dieses Jahr ist der Zug zwar schon abgefahren, aber zumindest mit Blick auf die kommende Saison sollte man ein schöneres Bild abgeben.

Musik macht den Markt zum beliebten Treff

Was gibt’s Schöneres? Ein herrlicher Spätsommertag, viel Sonne und dazu leckere lukullische Angebote auf dem Wochenmarkt. Das Ganze untermalt von zart vor sich hinplätschernder Unterhaltungsmusik. Kein Wunder, dass viele Bürger zur Wiedereröffnung des Beerfeldener Wochenmarktes nach der Sommerpause vorbeischauen und sich von Neo Stephanou und dem Duo „Jazzaffair“ bestens unterhalten lassen. Organisiert hat die musikalische Unterhaltung Stefan Rosewick, der neue städtische Kulturbeauftragte.

Neo Stephanou ist auf dem Dilsberg zuhause. Der gefragte Gitarrist aus Zypern, vor kurzem mit Rolf Schaude („Die Nachtigallen“) und Gigu Neutsch („Freddy Wonder Combo“) als Trio „Blu“ im Michelstädter Hüttenwerkt zu sehen. Stephanou war gleich dabei, als er gefragt wurde. Direkt von der Heidelberger Musikschule, wo er jetzt nebenher arbeitet, ging es nach Beerfelden. „Kultur muss unterstützt werden“, betont er.

Der studierte Bassist tritt eigentlich gern mit verschiedenen Bands auf, aber in Corona-Zeiten ist er auch mal zwangsweise allein unterwegs. Vier Monate lang tat sich in Sachen Engagements bei ihm gar nichts. „Jetzt fange ich wieder klein an“, lacht er. Stephanous virtuoses Gitarrenspiel und seine unverwechselbare Stimme nehmen das Publikum mit auf eine Reise in den Süden mit rhythmischen spanischen und lateinamerikanischen Klängen, aber auch Pop- und Rock-Klassikern.

Birgit und Karsten von Lüpke kommen aus Frankfurt und zeigen sich froh, wieder auftreten zu können. Natürlich unterstützen sie eine Kulturaktion, hebt Karsten von Lüpke hervor. In Frankfurt ist derzeit nur eine Jazz-Kneipe wieder offen, berichtet er. Daneben wurde den beiden ein neunwöchiges Kreuzfahrt-Engagement gecancelt, bedauert der Pianist. „Nur der Unterricht läuft weiter“, weist er auf die Schwierigkeiten der Branche hin.

Das umfangreiche Repertoire umfasst Swing, Blues und Latin-Jazz sowie Popklassiker von Ray Charles, Bill Withers oder den Beatles. Die Corona-Auflagen und die damit verbundene räumliche Trennung von Marktgeschehen und Musik führen dazu, dass sich zwar direkt vor den Künstlern nicht so viele Gäste einfinden, aber die Umrahmung im eigentlichen Marktbereich eine Etage höher sehr positiv aufgenommen wird.

„Die Begeisterung für die Musiker ist da“, stellt Stefan Rosewick fest. Die Untermalung kommt seiner Beobachtung nach positiv an, „der Markt ist voll“, beobachtet er. Es wäre schön, so etwas von Zeit zu Zeit zu wiederholen, wäre sein Wunsch. Aktuell brütet er über anderen neuen Ideen, die aber noch der Abklärung bedürfen.

„Es ist schön, dass so etwas geboten wird“, sagt Regina Georg von der städtischen Tourist-Info. Immer wenn es besondere Aktionen auf dem Wochenmarkt gibt, zeigt sich der besonders gut besucht. Thomas Mergenthaler bezeichnet die Musik zum Markt als „super Aktion“. Der regelmäßige freitägliche Besucher freut sich nach einer arbeitsintensiven Woche über den „chilligen Nachmittag“. Die Künstler hätten mehr Besucher verdient, meint er mit Blick Richtung Auftrittsfläche. „Das sollte man ab und zu beibehalten“, so seine Meinung. „Es bereichert das Kulturleben.“

Das ist auch die Meinung von Ina Bottelberger. „Klasse, dass Stefan so etwas in die Hand nimmt“, betont sie. Katharina Riesinger weist auf die schöne Auflockerung des Nachmittags an einem herrlichen Frühherbsttag hin. Alle zusammen lassen es sich mit vielen anderen Gästen bei bester Verpflegung gut gehen.

Das Weingut Beyer-Bähr hat Neuen Wein im Gepäck, der reißenden Absatz findet. Beim Weilerhöfer Putenwagen gibt’s die feste Nahrung dazu, und gesund wird’s beim Imkerverein Beerfelder Land mit seinen Produkten. Mediterrane Spezialitäten runden das Ganze ab. Um 18 Uhr machen zwar die Stände zu, aber das heißt nicht, dass die Gäste den Heimweg antreten würden. Sie sitzen an einem angenehmen Abend noch länger zusammen und lassen es sich gut gehen statt zu gehen.

Freiwillige rücken dem Urwald zu Leibe

Es war höchste Zeit. Denn sonst wäre aus dem Waldseebad Beerfelden ein Urwaldsee geworden. Da Corona-bedingt der Frühjahrsputz ausfiel und auch über den Sommer hinweg alle Arbeiten ruhten, war jetzt, bei der Aktion im Rahmen des Freiwilligentags im Odenwaldkreis, umso mehr zu tun. Die Rasenmäher wummerten, die Freischneider dröhnten, die Rechen glühten, als die 25 Freiwilligen einen Vormittag lang zu Werke gingen und das verwunschene Dornröschen-Gelände wieder herausputzten.

Vereinsvorsitzende Ina Bottelberger freute sich über den starken Zuspruch. „Es sind viele gekommen, obwohl keine Schwimmbadsaison war“, notierte sie. Und auch etliche, die gar keine regelmäßigen Schwimmgäste sind. Dafür fehlten aber wiederum solche, die in normalen Jahren häufig den Weg ins kühle Nass suchen, meinte sie augenzwinkernd. Die haben am kommenden Samstag, 19. September, noch die Möglichkeit sich einzubringen, wenn die Arbeiten wieder um 9 Uhr starten. Auf die Helfer warten dann im Quellwasser gekühlte Getränke und ein (deftiges) Mittagessen.

Unkraut hatte sich seit dem Ende der vergangenen Badesaison im September 2019 en masse angesammelt. Plus die unvermeidlichen Brombeerhecken. Vom Bauhof werden zwar regelmäßig die Freiflächen abgemäht, aber es gab genug Bereiche, wo man mit dem Aufsitzmäher nicht hinkam. Und so war Marc Gärtner mehrmals am Vormittag mit dem durch Grünschnitt voll beladenen Unimog Richtung Kompostierungsanlage unterwegs.

Mit Geräten aus dem Vereinsbestand, vom Bauhof und aus eigenen Vorräten wurde daneben die Schlucht vom Parkplatz abwärts sauber gemacht. Denn sollte es mal kräftig regnen, könnte es sein, dass diese verstopft und dann das Wasser ungebremst Richtung Schwimmbad schießt. Dessen Restbrühe bleibt bis nächstes Frühjahr drin, erläuterte Bottelberger.

Dann werden auch die deutlich sichtbaren Risse in der Beckenwand wieder zugespachtelt. Oder besser gesagt: Man versucht es. Denn die Risse haben bereits eine gewisse Resistenz gegen Spachtelmasse entwickelt. Das Babybecken wurde jetzt gereinigt. Es war voll mit Laub, wodurch sich eine unansehnliche, übelriechende Brühe ergeben hatte.

„Wir tun jetzt alles für die kommende Saison“, so die Vorsitzende. Der Verein lässt die Entwicklung erst einmal auf sich zukommen – in der Hoffnung, dass sich im kommenden Frühjahr alles wieder normalisiert hat. Wenn nicht, will man kurzfristig reagieren. Bottelberger steht nach wie vor hinter der Entscheidung, das Waldseebad in diesem Jahr geschlossen zu lassen.  

Die Aktiven blicken mit einem lachenden und weinenden Auge zurück. Bei allem Bedauern, dass es keine Badesaison gab, nutzte Kiosk-Betreiber Matthias Willenbücher die Pause, „um auch mal wieder durchschnaufen zu können“. Denn sonst geht es bei ihm von Mai bis September nonstop durch – und auch den Rest des Jahres hat er genug zu tun. Weitere Ehrenamtliche konnten sich mal wieder anderen Dingen widmen, als fürs Bad immer Gewehr bei Fuß zu sehen. 2021 geht’s mit neuen Kräften weiter, heißt deshalb die Devise. Denn ihr 85 Jahre altes Bad liegt allen doch sehr Herzen.

Im Frühjahr gibt’s dann ab Anfang April wieder genug zu tun, wenn zuerst das komplette Wasser aus dem Schwimmerbecken abgelassen wird. In diesem Jahr freuten sich die Frösche stattdessen über einen großen Laichteich. Da die Löcher an Rand und Boden nicht gestopft wurden, dürften sie 2021 noch ein Stück tiefer sein als sonst. Und natürlich wird dann der Beckenboden mit allen Kräften geschrubbt.

Die Sonnendecks stehen 2021 ebenfalls im Fokus der Ehrenamtlichen. Denn das Holz der drei Terrassen ist in die Jahre gekommen und muss erneuert werden. Am Beach-Volleyballfeld haben die Holzstämme zur Abgrenzung ebenfalls ihre beste Zeit hinter sich und sollten ausgetauscht werden. An Freizeitaktivitäten gibt es weiterhin Schaukel, Sandkasten, Tischtennisplatte (im Nichtschwimmerbereich) und Kinder-Tischkicker. Das Babybecken ist mit einem Sonnensegel ausgestattet.

„Band der Oberzent“ soll festgezurrt werden

Oberzent hat viele Löcher zu stopfen. Straßenlöcher, Funklöcher, Internetlöcher – und auch Kartenlöcher. Denn was fürs mobile Netz gilt, betrifft auch das Radwegenetz: Es gibt einen großen weißen Fleck im südlichen Odenwaldkreis. Der soll jetzt ausgemerzt werden. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss einstimmig den Antrag der Überparteilichen Wählergemeinschaft (ÜWO), dass die bereits vorliegenden Planungen fürs touristische Radwegenetz „Band der Oberzent“ bis 31. März 2021 zu reaktivieren und realisieren sind.

Fraktionssprecher Chris Poffo erläuterte, dass unter Regie des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald mit regionalen „Fahrradwegepaten“ attraktive Rundwege entstehen. Überall, aber noch nicht in Oberzent. Mit dem seit 2018 in umsetzungsreifer Konzeption vorliegenden „Band der Oberzent“ könnte eine Lücke geschlossen werden, betonte Poffo. „Die Initiative ist eingeschlafen“, bedauerte er.

Das Konzept sieht vier Rundwege mit je etwa 30 Kilometern Länge vor. Sie liegen in den vor der Fusion 2018 bestehenden Altkommunen Beerfelden, Rothenberg, Hesseneck und Sensbachtal. An den Außengrenzen gibt es jeweils Querverbindungen, um die anderen Strecken zu erreichen. Damit ergibt sich eben jenes „Band der Oberzent“ mit zusammen 120 Kilometern, erläuterte der Fraktionssprecher.

Vom Geo-Naturpark wurde die Umsetzung mit einem Zuschuss 50 Prozent gefördert. Eine einschlägige Arbeitsgruppe möchte die ÜWO nun reaktivieren. Über die Ergebnisse sollen die Parlamentarier einen Bericht erhalten. Für Poffo macht es Sinn, die an der Strecke angesiedelten tourismusaffinen Betriebe mit in die Umsetzung einzubeziehen. Das hatte Oliver von Falkenburg (CDU) angeregt.

Dessen Fraktionskollege Jürgen Schmidt wies darauf hin, den Terminus „Rad- und Wanderwege“ zu verwenden, weil damit der Ausbaustandard nicht so hoch sein muss. Auch könnten sich andere Fördermöglichkeiten ergeben. In diese Kerbe hieb auch Frank Leutz (FDP). Er sprach darüber hinaus eine App für solche Aktivitäten als „enormen Mehrwert“ an. Thomas Väth (Grüne) ergänzte, dass es eine solche Anwendung schon gibt. Eventuell könnte man sich daran andocken, Tourenvorschläge ausarbeiten und einstellen.

Die ÜWO strebt darüber hinaus an, in Abstimmung mit dem Kreisentwicklungskonzept ein Fahrradwegekonzept für Oberzent zu erstellen. Der Bau- und Infrastrukturausschuss soll hierzu Vorgaben machen. Das Ganze soll auch unter Einbindung der Ortsbeiräte geschehen. Poffo begründete diesen Antrag damit, dass die Bedeutung des Fahrrads als sauberem Verkehrsmittel stark ansteigt. Allerdings birgt das Befahren von Landesstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften tödliche Gefahren, war vor kurzem auch in Oberzent leidvoll zu erfahren.

Deshalb sollte es langfristig kommunalpolitisches Ziel sein, auf möglichst vielen Strecken separate Fahrradwege zu erstellen. Dazu gibt es laut Poffo eine Förderquote von 70 Prozent durch das Land, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Dem Hinweis von Dr. Michael Reuter (SPD), dass sich der Kreistag ebenfalls mit dem Thema beschäftigt und Doppelstrukturen entstehen könnten, folgte der ÜWO-Fraktionssprecher dahingehend, dass das lokale Vorhaben daran angedockt werden soll. Das Vorhaben wurde einstimmig verabschiedet.

Von Falkenburg wollte auch über Kreis- und Landesgrenzen hinausblicken: zum einen Richtung Eberbach über Gammelsbach und zum anderen Richtung Hirschhorn. Schmidt regte an, frühzeitig die großen Waldbesitzer mit ins Boot zu holen, weil viele Wege durch deren Forst führen. Leutz hob auf die Verkehrssicherungspflicht ab und brachte ins Spiel, das Ganze statt Radwege- Freizeitwegenetz zu nennen.

Väth wollte den Blick über die Freizeit hinaus auch auf die berufliche Nutzung auf dem Weg zur Arbeit richten. Bürgermeister Christian Kehrer ergänzte, dass man mit Eberbach in Gesprächen über einen Ittertalradweg sei. Es gelte nicht nur die Bau-, sondern auch die laufenden Kosten im Blick zu haben, mahnte er.

In die Bahnhofssanierung kommt Zug rein

Der Hetzbacher Bahnhof, das Einfallstor nach Oberzent, rückt immer mehr in den Fokus der städtischen Anstrengungen. Seitdem mit der Erbacher Erklärung eine Attraktivierung der Odenwaldbahn im Raum steht, kommt dem Haltepunkt eine neue, große Bedeutung zu. Denn bei einem stündlichen Takt Richtung Eberbach wäre hier der Begegnungspunkt. Deshalb war der Bahnhof auch in der vergangenen Oberzent-Stadtverordnetenversammlung in Rothenberg gleich mehrfach Thema.

Es geht vor allem um Fördermittel, um das unansehnliche Bahnhofsgebäude wieder auf Vordermann zu bringen und aus einem hässlichen Entlein einen strahlenden Willkommensschwan zu machen. Der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO) ist daran gelegen, hier die neu gegründete Fördermittelberatungsstelle des Odenwaldkreises mit ins Boot zu holen. Deren Gründung hatte Oberzent vor kurzem zugestimmt.

Wie Fraktionsvorsitzende Chris Poffo in der Antragsbegründung erläuterte, soll der Bauausschuss nach der Bahnhofs-Besichtigung Anfang des Monats nun Anregungen zu sammeln und frühzeitig Vorschläge für eine Nutzung zu unterbreiten. Integration in ein touristisches Nahverkehrskonzept, Aufbau eines E-Mobilitätscenters, Unterbringung eines städtischen Tourismus-Büros und Verpachtung der Gastronomie sieht Poffo als Ansatzpunkte. Als zweiten Schritt nannte er dann die Beauftragung des Magistrats, Fördermöglichkeiten zu ermitteln. Ende November soll alles vorliegen, um im Haushalt 2021 berücksichtigt zu werden.

Im Rahmen des Freiwilligentags am 19. September ist durch Bürgermeister Christian Kehrer geplant, eine Ideensammlung unter dem Motto „Unser Bahnhof soll schöner werden“ durchzuführen, erläuterte dieser. Poffo ist es daneben wichtig zu überlegen, „wohin die Reise gehen soll“. Walter Gerbig (CDU) merkte an, dass die Fördermittelstelle beim Kreis wohl erst Mitte 2021 ihre Arbeit aufnimmt. Denn die Stelle kann erst nach Genehmigung des 2021er-Haushalts ausgeschrieben werden. „Das wäre wohl zu später für den Bahnhof.“

Kehrer ergänzte, dass die Verwaltung bereits Vorarbeiten leistet. Aktuell gibt es zwei Programme, bei denen wohl eine 90-prozentige Förderung zu erreichen sein dürfte: das integrierte kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) und ein neu aufgelegtes Bundesprogramm mit dem Namen „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Kultur und Jugend“. Bei dem muss sich die Stadt aber ranhalten, denn Abgabeschluss ist der 30. Oktober 2020.

Auch wenn’s über den Bund viel Geld gibt, macht das Prozedere den Rathauschef wütend. Bei diesen „ganz spontanen Programmen“ müssen die Kommunen quasi fertige Anträge in der Schublade haben. „Fast schon unverschämt“ nannte er dies mit Blick auf kleine, personell nicht so gut aufgestellte Gemeinden. Innerhalb von wenig mehr als zwei Monaten muss in diesem Fall alles eingereicht sein.

Neben dem Bahnhof könnten auch der Bikepark, die Sportanlagen in der Stried, der Kunstrasenplatz und das Waldseebad förderfähig sein. Projekte mit besonderer regionaler oder überregionaler Bedeutung stehen dabei im Vordergrund. Kehrer rechnet bei Verabschiedung 2021 im Bundestag mit einer Mittelausschüttung in den Jahren 2022 bis 2024.

Da sich Oberzent aufgrund neuester Finanzzahlen in Haushaltsnotlage befindet, gibt es hier – wie auch bei IKEK – eine stolze 90-przentige Förderung der Kosten. Jedoch, schränkt der Bürgermeister ein: Die restlichen zehn Prozent müssen angesichts der vielen geplanten Projekte auch erst einmal aufgebracht werden. Investitionen in die Stadt sind für ihn aber unabdingbar. Es gilt einen Weg zu  finden, wie sie finanziell darstellbar sind.

Jürgen Schmidt (CDU) wies darauf hin, dass es nicht nur Fördermittel fürs Gebäude geben könnte, sondern auch für andere Dinge im Umfeld wie etwa Erschließung. Kehrer entgegnete, dass man die Fühler in alle Richtungen ausstreckt, um angesichts klammer Kassen die größtmögliche Förderung zu erreichen. Sein Vorschlag, der auch angenommen wurde: Der Magistrat soll alles abklopfen und wieder berichten.

Endlich darf wieder gesungen werden

Während der Corona-Pandemie müssen auch in der Kirchenmusik neue Wege gegangen werden. So hat die Kantorin an der Martinskirche Beerfelden, Iris Thierolf, in der Corona-Zeit vor allem ein umfangreiches Online-Angebot erstellt: Zusammen mit Pfarrer Roland Bahre gab es in den ersten Monaten des Lockdowns wöchentlich „MusikKreuzWorte“, die seit Juni monatlich fortgeführt werden. Ein anderes neues Format findet am Sonntag, 13. September, seine Fortsetzung: ein Singgottesdienst“.

Besonders schön findet es Thierolf, endlich wieder mit den Chören proben zu können: Nach einem eigens entworfenen Hygienekonzept finden wöchentlich Chorproben im Freien statt. „Die erste hat uns alle bewegt“, erinnert sich die Beerfelder Kantorin und Chorleiterin. Die Teilnehmer sind sich einig: Die Chorproben sollen weiterhin auf der großen Wiese des Gemeindehauses stattfinden, solange es das Wetter zulässt.

Aktuell proben dort zu unterschiedlichen Zeiten Kirchen-, Jugend- und Kinderchor. Auch der Posaunenchor unter der Leitung von Gernot Spielmann hat (an anderer Stelle) seine Proben wieder aufgenommen. „Wir binden alle mit ein“, so Thierolf. So entstand auch die Idee eines „Singgottesdienstes“, erinnert sich die Musikerin. Da das Singen im Gottesdienst in der Martinskirche weiterhin noch nicht möglich ist, fand Ende August auf dem Marktplatz davor die erste Veranstaltung dieser Art statt, bei der endlich wieder gesungen werden konnte.

„Nach fünfmonatiger Abstinenz war es ein besonderes Erlebnis“, erinnert sich Thierolf. Da die Resonanz so gut war, folgt nun am kommenden Sonntag, 13. September, um 10 Uhr erneut ein solcher Singgottesdienst. Und: „Wenn es das Wetter zulässt, wird dieses Format unbedingt weiter verfolgt“, bekräftigt sie. Auch der Posaunenchor bringt sich ein: So gaben die Bläserinnen und Bläser kurzerhand nach dem letzten Gottesdienst auf dem Marktplatz ein kleines Konzert, das den Sonntag in besonderer Weise ausklingen ließ.

Wer Iris Thierolf kennt, weiß, dass sie bereits eine Vielzahl von neuen Ideen für die kommende Zeit und sogar fürs nächste Jahr hat. So ist für den Herbst ein Liederabend geplant, den sie zusammen mit David Krahl anbieten möchte. Der ist ihr ehemaliger Schüler und wirkte lange als Chor- und Solosänger in der Kirchengemeinde mit. Momentan schließt er gerade sein Gesangsstudium in Wiesbaden ab. „Da er aber seiner Heimat weiterhin verbunden ist, konnten wir ihn für einen Liederabend gewinnen“, erzählt sie.

Da aktuell coronabedingt keine musikalische Großveranstaltung stattfinden kann, hat die Kantorin  vor, 2021 einmal monatlich ein kleines einstündiges Konzert in der Beerfelder Martinskirche anzubieten. „Wenn die Hygieneanforderungen es nächstes Jahr zulassen, wollen wir außerdem einmal im Monat ein reizvolles musikalisches Angebot entwickeln“, schwärmt Thierolf. Dies könnten sein: ein kleines Gesangsensemble, Mitsingaktionen, „Singgottesdienste“ – oder ein etwas größeres Instrumentalkonzert. Das genaue Programm wird bis Ende des Jahres entwickelt.

„MusikKreuzWorte“ sind kurze Video-Botschaften der evangelischen Kirchengemeinde mit Gebeten, Segen, Bibellesung und einer Kurzpredigt – vor allem aber viel Musik zum Mitsingen für zu Hause. „Dieses Angebot wird sehr gut genutzt“, freut sich Pfarrer Bahre, der die Klicks und „Viewer“ aller Videos regelmäßig analysiert, um das Video-Angebot immer wieder neu an die Zuschauer anzupassen.

Gerade bei den „MusikKreuzWorten“ wird deutlich, dass sich mittlerweile eine Fan-Gemeinde herausgebildet hat, die sich diese Videos regelmäßig und immer wieder anschaut, erläutert er. Sogar einen eigenen „Hoffnungs-Song“ hat Iris Thierolf eigens für die Krisenzeit komponiert, den sie zusammen mit dem Jugendchor als Musikvideo aufgenommen hat. Er ist über YouTube auf dem „Kanal Kirche Beerfelden“ und über die Homepage der Kirchengemeinde abrufbar.

Sandsteinplatten erschließen das Freigelände

Das Freigelände oberhalb des Parkplatzes am Oberzent-Museum bekommt ein neues Gesicht. Verschiedene Sandsteinexponate, die Feldscheune und der Rennofen sind dort zu finden. Bisher war der mittlere Aufgang etwas mühsam, jetzt sorgen akribisch verlegte Steinplatten dafür, dass sich der vorher zugewucherte Weg wieder ordentlich präsentiert. Die entsprechenden Mittel stellt der Heimat- und Geschichtsverein Oberzent zur Verfügung.

Verwendet wird dafür Odenwälder Sandstein, erläutert die zweite Vorsitzende Inge Groß. Der wurde bei der Firma Baldauf in Falken-Gesäß geordert und durch die Firma Weber verlegt. Da die Platten nur auf einer oberen Seite bearbeitet sind, damit darüber gemäht werden kann, war es eine zeitaufwändige Arbeit, sie ins Wasser zu bringen. Groß zeigt sich aber sehr zufrieden mit dem Erreichten: „Die arbeiten sehr genau“, stellt sie den Handwerkern ein gutes Zeugnis aus. Etwa 60 Quadratmeter werden verlegt.

Das Gelände ist ihren Worten zufolge immer öffentlich zugänglich. Wer schlecht zu Fuß ist, kann den seitlichen Aufgang nutzen. In der Scheune finden sich landwirtschaftliche Geräte aus früheren Zeiten, Pferde- und Kuhgeschirr, Pflüge, alte Wasserleitungen, außerdem Bienenkörbe und Schleudern. Viele Erläuterungstafeln machen Interessierte mit den Exponaten vertraut. Die Arbeit war hart: Zuerst musste das Getreide gemäht werden, mit der Sichel oder mit der Sense. Dabei wurde die Arbeit immer wieder unterbrochen, um die Sense mit dem Wetzstein zu schärfen.

Helfer banden das gemähte Getreide zum Trocknen zu Garben zusammen, ist im Museumsflyer zu lesen. Erst danach wurde es Getreide eingebracht. Erst wurde es mit dem Dreschflegel gedroschen und dann von Spelzen, Spreu und Unkrautsamen gereinigt. Vor 100 Jahren wurden dafür Maschinen entwickelt, die ursprünglich meist über Transmissionsriemen durch eine Dampfmaschine oder einen Göpel angetrieben wurden. Später wurden als Antrieb Elektromotoren eingesetzt.

Der Säulengöpel wurde noch Anfang des 20. Jahrhunderts eingesetzt und trieb landwirtschaftliche Geräte wie Häcksel- und Dreschmaschinen an. In Bewegung versetzte ihn ein im Kreis laufendes Pferd oder ein Ochse. Im 13. Jahrhundert wurden Göpel bereits in Bergwerken genutzt. Messungen an einem Göpel führten zur Einführung der Leistungseinheit PS (Pferdestärke) durch James Watt.

Dazu kommen verschiedene Sandsteinexponate, wie etwa ein Findling vom Marbachstausee, der nicht fürs Himbächel-Viadukt verwendet wurde.  Der Buntsandstein hatte im Odenwald von jeher eine große Bedeutung. Burgen und großen Häuser wurden damit gebaut. Zahlreiche Gebrauchsgegenstände wie Tröge, Brunnenstöcke, Pressen, Dengelstöcke, Grenz- und Stellsteine wurden aus diesem leicht zu bearbeitenden Stein gefertigt. Verschiedene Grenzsteine, mit und ohne Wappen, mit denen man spätestens seit dem 14. Jahrhundert Grenzen zu sichern versuchte, sind zu sehen.

Zu finden sind auch noch eine Kelter von 1864 oder das Sandsteinrad einer Apfelpresse.  Zur Herstellung des Odenwälder Nationalgetränks, des Apfelweins, müssen die Äpfel zunächst zermahlen und anschließend gepresst werden, ist dem Museumsflyer zu entnehmen. Dies geschah, indem man das Obst in einem bogenförmigen Stein- oder Holztrog mit einem darin laufenden Sandstein-Rad zerquetschte. Geführt wurde es mit einem Holzstamm. Oberhalb des Freigeländes befindet sich eine historische Seilerei.

Ein Rennofen wurde vor drei Jahren in Betrieb gesetzt. Dabei handelt es sich um eine Vorrichtung zum Gewinnen von Eisen aus Eisenerz. Der aus Lehm oder Stein errichtete Schachtofen hat eine Höhe von 50 bis 220 Zentimeter. Daneben befand sich oft eine Herdgrube für Schlackenablass, die so genannte Renngrube. Dabei handelt es sich um das älteste Verfahren, um bearbeitbares Stahl herzustellen. In Etzean wurde eine hochmittelalterliche Waldschmiede-Siedlung archäologisch nachgewiesen. Zu dieser Zeit wurden ausschließlich Rennöfen genutzt.

Der Wald hängt am Fördertropf

Borkenkäferbefall, Sturmtiefs, sich ändernde klimatische Bedingungen: Der Wald ist das Sorgenkind in Oberzent. Um besser auf die Situation reagieren zu können, brachte die CDU den Antrag in den Haupt- und Finanzausschuss ein, dass – eventuell in Kooperation mit dem Forstzweckverband Hessischer Odenwald – geprüft werden soll, ob die Stadt am Förderprogramm „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) teilnehmen kann. Durch die Vorarbeit der Verwaltung wurde er später wieder zurückgezogen, da schon am Laufen.

Innerhalb Deutschlands fördern der Bund und die Länder mit der GAK-Gemeinschaftsaufgabe gemeinsam die ländlichen Räume, die Landwirtschaft und den Schutz der Küsten, erläuterte Fraktionssprecher Oliver von Falkenburg. Der Bund trägt dabei mindestens die Hälfte der Ausgaben.

Seinen Worten zufolge soll damit sichergestellt werden, dass die Land- und Forstwirtschaft leistungsfähig und auf künftige Anforderungen ausgerichtet sowie in der Europäischen Gemeinschaft wettbewerbsfähig ist. Auch sollen die ländlichen Gebiete nachhaltig leistungsfähig bleiben, wobei eine umwelt- und ressourcenschonende Land- und Forstwirtschaft integraler Bestandteil ist.

Mit der Förderung soll laut von Falkenburg dazu beigetragen werden, die Nutz-, Schutz-, Klimaschutz- und Erholungsfunktion der Wälder zu sichern sowie die Produktions-, Arbeits- und Absatzbedingungen in der Forstwirtschaft zu verbessern. Mit den Bundesmitteln können verschiedene Maßnahmen im und um den Wald gefördert werden.

Dazu zählen: naturnahe Waldbewirtschaftung, forstwirtschaftliche Infrastruktur und Zusammenschlüsse, Erstaufforstung, Vertragsnaturschutz sowie Förderung von Maßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald. Diese Fördermaßnahmen könnten „zur Entschärfung der aktuellen Situation im Oberzent-Wald beitragen“, betonte der CDU-Sprecher.

Bis 2017 erbrachte der Wald im Schnitt zusammen 700.000 Euro Einnahmen für die vier ehemaligen Kommunen Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck. Das Geld war eine sichere Bank in den Haushaltsplänen. Die Einnahmen gingen in den vergangenen Jahren mit Beginn der Oberzent-Fusion allerdings drastisch zurück. Für 2020 war ursprünglich im Waldwirtschaftsplan noch ein Plus von 117 Euro angesetzt. Jedoch wird es am Ende des Jahres voraussichtlich ein (größeres) Defizit geben. Denn aktuell kostet die Verarbeitung mehr als der zu erwartende Erlös.

Bürgermeister Christian Kehrer erläuterte, dass im Rahmen des Beförsterungsvertrags das Forstamt Beerfelden die Organisation und Antragsstellung für alle forstrelevanten Förderungen übernimmt. Der Großteil der Anträge beschäftigt sich mit der Aufarbeitung von Schadholz und Flächenräumung, ergänzte er. Hier sind bereits auch schon Gelder in ansehnlicher Höhe geflossen. Gefördert werden außerdem die Erstaufforstung und eine naturnahe Waldbewirtschaftung.

Straßenbeiträge sind noch nicht auf der Zielgeraden

Mit den Straßenbeiträgen ist es wie mit Gremien-Beratungen. Es gibt einmalige und wiederkehrende. Der Oberzent-Bauausschuss beschäftigte sich nun auf Antrag der Grünen zum wiederholten Mal mit dem Thema. Die Fraktion wünschte sich ein Konzept für wiederkehrende Beiträge, änderte ihr Ansinnen aber im Laufe der längeren Diskussion hin zu einer allgemeinen Informationssammlung unter Einbeziehung des hessischen Städte- und Gemeindebunds (HSGB).

Das ist nicht neu. Seit zwei Jahren beschäftigen sich die Gremien mit dem Thema. Es gab nach einem erstmaligen SPD-Antrag bereits Präsentationen des Büros Eckermann & Krauß sowie Becker – eine Entscheidung wollte bisher noch niemand treffen. Auch in der aktuellen Sitzung herrschte der Tenor vor, dass noch die entsprechenden belastbaren Grundlagen fehlen, um hopp oder top zu sagen. Allerdings wurde ebenso darauf abgehoben, „dass Druck auf die Pipeline kommen soll“ (Thomas Väth, Grüne).

Seit der einschlägigen Gesetzesänderung vor sieben Jahren gibt es nicht mehr nur die einmaligen Straßenbeiträge, erläuterte er. Bei denen wurden angrenzende Grundstückseigentümer an den Kosten einer Straßensanierung beteiligt, wenn diese „grundhaft“ ausgeführt wurde. Sprich: Wenn nicht nur ein paar Schlaglöcher gestopft werden, sondern Kanal und Wasser zu einer komplett neuen Asphaltschicht hinzukommen. Das brachte oft hohe vierstellige Beträge mit sich, die nur schwer auf einen Rutsch zu tragen waren.

Seit ein paar Jahren gibt es nun die wiederkehrenden Beiträge. Aufgrund deren Planbarkeit und vermuteten höheren Gerechtigkeit plädieren die Grünen für diese Variante. Hier werden bestimmte Abrechnungsgebiete gebildet, in denen dann alle Grundstücksbesitzer jährlich eine festgelegte Summe beisteuern. Die ist zwar auf den ersten Blick niedriger, aber am Ende, sprich nach ein paar Jahrzehnten, steht unterm Strich mehr oder weniger das Gleiche, als wenn alles auf einmal gezahlt würde. Aber das ist genau der Punkt: Es fällt nicht mehr alles auf einmal an.

Allerdings gibt es durch die Möglichkeit der Stundung auf 20 Jahre inzwischen eine ähnliche „finanzielle Streckung“ bei den einmaligen Beiträgen. Die dritte Möglichkeit kommt in Oberzent nicht in Frage: eine Refinanzierung über die Grundsteuer. Diese Mittel will und muss man sich für andere Vorhaben aufheben und „nicht unser Pulver verschießen“ (Ausschuss-Vorsitzende Katharina Riesinger, ÜWO).

Es gäbe noch die ganz elegante Lösung: Das Land Hessen zahlt die Straßensanierung. Aber das ist zu knausrig und überlässt den klammen Kommunen die Suche nach einer Lösung. Die wiederum geben die Geldforderungen nach unten weiter – beziehungsweise müssen sie weitergeben, weil sie selbst nichts in der Kasse haben.

Die Schaffung von Abrechnungsgebieten bei der Einführung von wiederkehrenden Beiträgen wird pro Einheit mit 20.000 Euro vom Land bezuschusst, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Würde man die 19 Stadtteile somit in zehn Gebiete aufteilen, bekäme man 200.000 Euro. Allerdings nur einmal, wies er auf den Haken an der Sache hin. Denn nach fünf Jahren ist eine Neukalkulation vorgeschrieben, die dann die Stadt aus eigenen Mitteln bezahlen muss.

Wiederkehrende Beiträge wecken seiner Meinung nach außerdem eine Erwartungshaltung. Denn wer in den Pott einzahlt, will, dass die Holperstrecke vor seiner Tür irgendwann auch mal saniert wird. Das sieht anders aus, wenn man den großen Batzen einmalig zu zahlen hat. Dann bessert sich der Zustand einer Straße schlagartig, wenn die Sanierungskosten bekannt werden, meinte Stadtbaumeister Peter Bauer trocken.

Aus den Wortäußerungen der Ausschussmitglieder schälten sich zwei Konsensstränge heraus: Jede Variante hat ihre Ungerechtigkeiten (Andrea Heß-Kraus, SPD). Und: Eine Entscheidung sollte zwar bald fallen, aber gut fundiert sein, weshalb sie zum jetzigen Zeitpunkt zu früh wäre (Thomas Mergenthaler, ÜWO). Bauer bot an, eine Modellrechnung für zwei unterschiedliche Gebiete wie Beerfelden und Raubach zu erstellen. Marcel Gerling (SPD) mahnte einen Überblick an, „wo die Hütte am meisten brennt“, sprich Straßen am dringendsten saniert werden müssen.

Walter Gerbig (CDU) hatte ein paar Argumente gegen wiederkehrende Beiträge zusammengetragen. Aus den Beiträgen kristallisierte sich heraus, dass er damit nicht allein stand und es einige Sympathien für die Beibehaltung der bisherigen Lösung gibt. Sein Vorschlag, die aktuelle Satzung zu modifizieren und eventuell eine prozentuale Deckelung der umgelegten Kosten festzuschreiben, fand auch bei Wilfried Friedrich (ÜWO) Widerhall.

Friedrich und Gerbig waren mit ihrem Wunsch nach einer Überarbeitung der derzeit geltenden Satzung nicht allein. Mergenthaler äußerte sich ähnlich. Trotz aller Ungerechtigkeiten sehen sie mit einer Maßnahmen bezogenen Abrechnungsart die besten Chancen, allen gerecht zu werden. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die damit verbundenen Kosten auf zwei Jahrzehnte gestreckt werden können.

Auch wenn sich die Grünen in ihrem Antrag für wiederkehrende Beiträge aussprachen, konnte sich Elisabeth Bühler-Kowarsch mit einer ergebnisoffenen Herangehensweise anfreunden. Ihr war es wichtig, aktuelle Ergebnisberichte abzufragen. Hier kommt unter anderem der HSGB ins Spiel. Der Ausschuss empfahl einstimmig, dass die Stadtverordneten dem Magistrat den Auftrag erteilen sollen, Informationen zu verdichten. Die Stavo soll dann entscheiden, wie mit den Zwischenständen umgegangen wird: ob der Bauausschuss bei weiteren Beratungen federführend bleibt oder das Thema weiter in der Stavo diskutiert wird.

Vereinsförderung soll schneller kommen

Die Neuordnung der Vereinsförderrichtlinien ist ein heißes Eisen. Sie stand auf der Agenda quasi aller Oberzent-Fraktionen im Vorfeld der Kommunalwahlen 2018. Getan hat sich bisher: nichts. Was Frank Leutz (FDP) auf der vergangenen Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses dazu bewegte, mit der Verwaltung hart ins Gericht zu gehen. Allerdings hängt es auch an zwei Dritteln der Oberzent-Vereine, dass es nicht wirklich vorangeht, machte er deutlich.

SPD, CDU und FDP taten sich vor längerer Zeit zusammen und erarbeiteten einen Vorschlag, wie die Vereinsförderung geregelt werden könnte, erläuterte Leutz. Die Verwaltung wollte per Fragebogen Details erfahren: etwa wie viele Mitglieder hat ein Verein, wie viele Jugendliche sind aktiv, gibt es eigene Liegenschaften und Ähnliches. Denn es soll möglichst gerecht zugehen.

Das Problem: Nur 42 der 138 angeschriebenen schickten die Unterlagen zurück. Für Leutz ist die Sache deshalb klar. „Bei Nichtausfüllen entfällt der Anspruch“, so sein Vorschlag fürs aktuelle Jahr. Denn eine Neuregelung muss unbedingt her, betonte er. Gab es in einer der vier bisherigen Kommunen eine Vereinsförderung, dann besteht die erst einmal fort.

Was dazu führt, dass manche noch was bekommen, andere aber leer ausgehen. „Dieser Zustand ist nicht haltbar“, kritisierte Leutz. Seit zwei Jahren könnte man schon so weit sein, eine neue Vereinsförderrichtlinie zu haben, führte er aus. Seine Meinung: Wer in diesem Jahr leer ausgeht, macht sich vielleicht in 2021 die Arbeit, den Fragebogen auszufüllen.

Horst Kowarsch (Grüne) hieb in dieselbe Kerbe. Schon vor der Fusion „haben die ehemaligen Bürgermeister nichts gemacht, obwohl es den Auftrag gab“, lautete sein Vorwurf. Der Grünen-Mandatsträger schlug vor, der Verwaltung ein Datum vorzugeben, bis zu dem die Vereinsförderrichtlinien verabschiedet sein müssen. Die Förderung von Kinder und Jugendlichen sah er unter dem Aspekt der Daseinsvorsorge.

Deshalb ließ Kowarsch wie Leutz auch das Argument der Aufsichtsbehörde nicht gelten, dass die Jugendförderung als freiwillige Ausgabe zu betrachten ist, die man bei knappen Haushaltsmitteln nicht auszahlen sollte. „Wir müssen zu Potte kommen“, so der Tenor aus der Runde. Lösung könnte analog des Ortsbeiratsbudgets ein Sockelbetrag pro Verein plus eine bestimmte Summe pro Jugendlichem sein.

Dominik Foshag (ÜWO) äußerte den Wunsch, dass die Verwaltung zu dem SPD/CDU/FDP-Vorschlag Stellung nehmen soll. Von Fraktionskollege Claus Weyrauch kam die Anregung eines „Neustarts“, anstatt aufwändig eine Aufstellung des Bestehenden zu machen. Nach einem Jahr könne man nachjustieren, wenn es zu Verzerrungen kommen sollte.

Dem Vorschlag von Frank Leutz konnte der Ausschuss folgen: Die Oberzent-Vereine sollen noch einmal und zum letzten Mal angeschrieben werden. Rückmeldefrist ist der 30. September. Von wem dann wieder nichts kommt, der ist in diesem Jahr außen vor. Das Gremium will auf dieser Basis in der kommenden Sitzung wieder beraten.

Sebastian Siefert stellte im Anschluss einen Vorzeigeverein in Oberzent vor: den ersten Jugendförderverein im Odenwaldkreis. In ihm bündeln sieben, bald acht Fußballvereine ihre Arbeit im Jugendbereich. Der JFV hat sich zum Ziel gesetzt, den Kindern und Jugendlichen langfristig eine Perspektive für den Fußballsport zu bieten. Alle Altersklassen sollen mit Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Derzeit eifern etwa 130 Kinder und Jugendliche in Oberzent dem runden Leder nach, angeleitet von 20 Trainern und Betreuern. Ein Schnuppertag war vor kurzem mit 30 jungen Teilnehmern ein großer Erfolg, freute er sich.

in den vergangenen Jahrzehnten wurde es für die Vereine immer schwieriger, eigene Jugendmannschaften zu stellen. Die Folge war die Gründung von immer mehr Spielgemeinschaften, so vor zehn Jahren auch die JSG Oberzent, „um den Jugendfußball zu stabilisieren“. Aber auch dieses Modell erwies sich über die Jahre hinweg als problemanfällig.

 

Auf der Suche nach dem richtigen Platz

„Es tut sich was“, lauten die positiven Reaktionen aus der Bevölkerung über die Entscheidungen der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung zur Kinderbetreuung. Aber natürlich kann jede gute Nachricht noch getoppt werden. Deshalb kam auch die Frage nach einer möglichst schnellen Realisierung auf, erläuterte Vorsitzender Dirk Daniel Zucht (SPD) auf der Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses. Erweiterung Kita Beerfelden und Kailbach sowie Schaffung Waldkindergarten lauten die Vorhaben.

Für letzteren müssen noch die entsprechenden Haushaltsmittel eingestellt werden, informierte er. Das müsste durch die Stadtverordneten geschehen, sagte Erster Stadtrat Gerhard Rebscher. Außerdem muss die entsprechende Betriebserlaubnis eingeholt werden, wofür etwa ein halbes Jahr  ins Land gehen könnte. Dazu gilt es, eine möglichst genaue Kinderzahl zu ermitteln. Und schließlich kommen noch sechs bis sieben Monate Lieferzeit für den Waldbauwagen dazu.

Da der Waldkindergarten zum 1. August kommenden Jahres seinen Betrieb aufnehmen soll, muss möglichst viel Vorarbeit noch in diesem Jahr laufen, meinte der Ausschuss-Vorsitzende. Horst Kowarsch (Grüne) wünschte sich eine Bestellung des Bauwagens noch in 2020. Obwohl der Arbeitsmarkt im Erzieherinnenbereich ziemlich erschöpft ist, verspricht man sich aufgrund des besonderen Konzepts keine Probleme bei der Personalfindung.

In diesem Haushaltsjahr sind 50.000 Euro für die Renovierung der Waldhütte eingeplant, informierte Rebscher. Der genaue Platz für den Waldkindergarten steht allerdings noch nicht fest. Hier ist im Vorfeld am 10. September eine Begehung geplant. Eine Möglichkeit wäre an dieser Hütte, die sich in der Verlängerung des Weges nach der ehemaligen Hühnerfarm Schwinn befindet.

Dort war früher der „Städtische Pflanzgarten“. In späteren Jahren fanden dort regelmäßig die „Waldwochen“ des städtischen Kindergartens statt. Die Hütte selbst darf aus baurechtlichen Gründen allerdings aktuell nicht dauerhaft genutzt werden. Sie müsste erst ertüchtigt werden. Die vollständigen Herstellungs-Kosten fallen dann im Haushalt 2021 an.

Auf Frage von Claus Weyrauch (ÜWO) sagte Rebscher, dass die Abfrage vor allem ein Interesse von Eltern aus Beerfelden ergeben hatte. Deshalb wäre eine Realisierung in diesem Stadtteil sinnvoll. Weyrauch wollte ebenfalls wissen, wie es mit dem Kindergarten in Rothenberg weitergeht. Denn dort herrscht ebenfalls Handlungsbedarf, weil die Räumlichkeiten nicht mehr zeitgemäß sind. Zucht teilte mit, dass eine Besichtigung geplant ist. Der Ausschuss einigte sich auf den 8. September, um die Einrichtung in Augenschein zu nehmen.

 

Kulturbeauftragter will im Süden wirbeln

Der neue Oberzent-Kulturbeauftragte Stefan Rosewick will ein Kulturnetzwerk schaffen, erläuterte er in der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses. Ihm geht es darum, die bisherigen Aktiven zu reaktivieren und neue für das Thema zu gewinnen, Oberzent in Sachen Kultur voranzubringen. Denn: „Man braucht eine breite Plattform und Rückendeckung von allen Seiten“, betonte der Airlenbacher.

Projekte in diesem Jahr sind wegen der Corona-Pandemie schwierig, bedauerte Rosewick. Angedacht ist derzeit, den Wochenmarkt nach seiner Sommerpause bei Wiedereröffnung am 5. September mit einem Kulturprogramm zu versehen, erzählte er. Damit der Kulturbeauftragte direkt erreicht werden kann, wird gerade eine E-Mail-Adresse eingerichtet, informierte er.

Ausschuss-Vorsitzender Dirk Daniel Zucht ergänzte, dass noch in diesem Jahr durch die Stadt ein Forum in der Alten Turnhalle organisiert werden soll, mit dem man alle in Oberzent niedergelassenen Künstler ansprechen möchte. Und zwar nicht nur die „zuhause“ aktiven, sondern auch andere, die eher nach außen, in die Metropolregionen, wirken.

Die bisherigen Bemühungen der neuen Stadt, sich auch kulturell in ihrer Vielfalt zu zeigen, „werden außerhalb wahrgenommen“, freute sich Zucht. „In Oberzent passiert etwas“, so sein Statement. Die Aktivitäten tragen dazu bei, „eine eigene Identität zu schaffen“, meinte er. Denn „wir wollen etwas zu Wachsen bringen“, wünschte er sich.

Wie Rosewick hervorhob, geht es ihm um die kulturelle Wahrnehmung der Stadt. Und zwar nicht nur im Odenwaldkreis. Sein Fokus liegt auf dem Süden, um im angrenzenden Baden-Württemberg auf der Neckarschiene Mosbach-Eberbach-Heidelberg eine größere Wahrnehmung für die südhessischen Aktivitäten zu erreichen. In diese Kerbe hieb auch Zucht: „Wir müssen überlegen, wie wir unsere Infos gut transportieren“, hob er hervor. „Tun, wühlen und machen“, sind für ihn die Prämissen.

Mit den Finkenbach-Festival und „Sound of the Forest“ (SOTF) gibt es zwei große Events auf der Gemarkung, die jedes Jahr Tausende von Besuchern nach Oberzent bringen, wies Rosewick auf das Potenzial hin. Städtischerseits sollte man sich stärker einklinken und die Veranstaltungen im eigenen Interesse auch über eigene Kanäle bewerben. Es gibt dazu die Idee, von den Festivalorten durch Aktionen eine Brücke in die Kernstadt zu schlagen.

Rosewick sieht eine seiner Aufgaben auch darin, die Wogen zwischen Stadt und SOTF-Machern am Marbachstausee wieder zu glätten. Denn nach der kurzfristigen städtischen Absage des Festivals 2018 ist man sich nicht ganz grün. „Die Gespräche sollen wieder anlaufen“, sieht er einen Silberstreif am Horizont.

In diesem Zusammenhang sprach Johannes Barth (CDU) den Informationsbesuch im Vorfeld der Verleihung des hessischen Demografiepreises durch Staatsminister Axel Wintermeyer bei den SOTF-Aktiven an. Beim Termin am Stausee war kein Vertreter der Stadt dabei, monierte er – und die Stadtverordneten bekamen davon, wenn überhaupt, nur sehr kurzfristig was mit. Seiner Kenntnis nach war keiner der Anlieger-Bürgermeister, auch nicht die aus Mossautal und Erbach, vor Ort, entgegnete der Erste Stadtrat Gerhard Rebscher.

Horst Kowarsch (Grüne) wies auf die laufende Ausschreibung für den „Kulturkoffer“ hin. Dabei handelt es sich um ein Förderprogramm der Landesregierung. Sie will vor allem benachteiligten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, kostenlose oder kostengünstige Angebote wahrzunehmen. Die aktuelle Ausschreibungsrunde läuft noch bis zum 21. Oktober. Da es sich um ein niederschwelliges Angebot handelt, wünschte sich Kowarsch, möglichst noch teilzunehmen. „Das wird vom Land gut bezuschusst“, sagte er.

„Kein Netz“ gehört zum täglichen Brot

Leidgeprüfte Odenwälder wissen genau, wo in welchem Tal plötzlich das Handy-Gespräch abbricht oder wo es auf Teufel kommt raus kein mobiles Internet gibt. Nach wie vor hat die Telekom auf dem Land das beste Netz. Vodafone und o2-Telefonica folgen auf schlechten zweiten Plätzen. Da die Stadt auf den Netzausbau nicht einwirken kann, nutzt sie ihre eigenen Möglichkeiten und installiert derzeit an neuralgisch unterversorgten Punkten Wifi-Hotspots.

Henning Gajek aus Rothenberg kennt die Internet-Löcher auf Oberzent-Gemarkung punktgenau. Er schreibt für das Internet-Fachmagazin teltarif.de. Die Telekom versorgt seinen Worten zufolge Rothenberg, Kortelshütte und Hainbrunn mit LTE. 3G, also UMTS, wird bald durch 5G auf 2100 MHz ersetzt, teilt er mit. In Beerfelden sollte das schon der Fall sein. Das Problem: Es gibt für 5G bisher kaum passende Endgeräte zu kaufen. Die dürften erst Richtung Weihnachten auf den Markt kommen.

Vodafone plant, (irgendwann) Rothenberg und Kortelshütte mit LTE zu versorgen, weiß Gajek. „Aber in den nächsten drei Monaten nicht“, so sein Kenntnisstand. Auch o2 will in diesem Gebiet LTE einführen. Dazu muss aber der Sender in Brombach umgebaut werden – und das ist etwas kompliziert. In Gammelsbach gibt es seit kurzem o2-LTE, wo vorher mit Edge das mobile Internet nur ganz rudimentär vertreten war.

In Finkenbach „ist die Versorgung des Schwimmbad-Geländes kritisch“, erläutert Gajek. Die Telekom schlägt sich hier am besten, Vodafone kommt auf dem letzten Platz – aber o2 „ist auch nicht gut“. Zum Glück gibt es in diesem Bereich einen Wifi-Hotspot. Falken-Gesäß und Airlenbach sieht nur den magentafarbenen Riesen am Start. Als „nicht begeisternd“ bezeichnet der Fachmann die Lage im Sensbachtal. „Unter-Sensbach und Hebstahl teilweise weiter nix“, lautet sein Fazit.

Für die Rothenberger hat er eine gute Nachricht. Die betrifft allerdings „nur“ das Festnetz-Internet der Telekom. Interessierte können inzwischen zu Magenta-Regio wechseln, wobei Download-Geschwindigkeiten ab 50 Mbit aufwärts (vorher 16) buchbar sind. Weitere Infos unter www.telekom.de/zuhause/tarife-und-optionen/internet/magenta-zuhause-regio. Die Kunden werden Gajek zufolge von der Telekom an das Versorgungsnetz der Entega angeschlossen, bleiben aber deren Kunden.

Der Vorteil laut dem Experten: Der Telekom Magenta Eins-Rabatt (Flatrate vom Heim-Anschluss zu allen Handynetzen) bleibt nutzbar. Es muss kein Anschluss gekündigt und zu Entega „portiert“ werden. „Das regelt die Telekom alles hinter den Kulissen.“ Nachteil: Es gibt keinen Strom-/Telefon-Kombi-Tarif wie bei de Entega.

Selbst mit dem reinen Mobilfunkempfang hapert es an etlichen Stellen des Stadtgebiets. „Im Finkenbachtal gehen alle drei Netze hoch bis Finkenbach“, erklärt Gajek. Dahinter wird’s aber duster. Sowohl weiter nach Falken-Gesäß und Airlenbach als auch den Berg hoch nach Beerfelden regiert allein die Telekom.

Finkenbach und Teile von Hinterbach könnten jedoch Gajek zufolge „recht einfach versorgt werden“. Nämlich dann, wenn der Sender für den Digital-Funk der Hilfsorganisationen am Taleingang Hinterbach mit Handy-Mobilfunk ausgerüstet würde. Im Sensbachtal ist die Situation „ziemlich mau“. Der Telekom-Empfang geht einigermaßen, aber mit o2 kommt man gerade im unteren Bereich nicht weit. Ein oder zwei eigene Sendemasten fürs Tal wären eine gute Lösung, schlägt er vor.

Noch weiter talwärts am Ortsausgang Hebstahl und im badischen Gaimühle „sind alle Netze tot“. Auf der anderen Seite in Olfen ergibt sich ein ähnliches Bild. Kein Netz und manchmal sogar kein Notruf zeigt das Handy je nach Anbieter an. Nach dem Motto: „Schlimmer geht immer“.

Das dortige Dorfgemeinschaftshaus war deshalb auch das erste mit einem frei zugänglichen WLan-Hotspot. Sechs dieser geförderten Projekte sind bereits fertig, so etwa auch in Falken-Gesäß und Hebstahl. Andere wie bei den Feuerwehren Hetzbach und Gammelsbach sind in Umsetzung. Bikepark und Bahnhof Hetzbach lauten die Anregungen für weitere Punkte.