Ourewällerisch babbeln beim Hausarzt in Beerfelden

Beim Hausarzt darf auch ourewällerisch gebabbelt werden: Die Mundartfreunde Südhessen zeichneten Bernhard Wagner, seit Anfang des Monats als Facharzt für Allgemein-, Notfall-, Ernährungsmedizin und Jagd im neuen Gesundheitsversorgungszentrum (GVZ) Oberzent ansässig, mit dem Kultschild „Mer babbele Mundart“ aus. Der junge Hausarzt und Jagdwirt ist ein bekennender Mundartfreund. Das Schild schmückt jetzt die Anmeldung des GVZ im Breimer-Gebäude Beerfelden.

Mundart baut Barrieren und Ängste bei den Patienten ab, wenn in der Praxis „schaij gebabbelt wird“. Außerdem dient sie dem Heilungsprozess, waren sich die zur Feierstunde erschienenen Gäste augenzwinkernd einig. Roland Bauer von den Mundartfreunden Südhessen bereicherte die Feierstunde mit Odenwälder Mundartliedern auf dem Akkordeon, bei denen kräftig mit eingestimmt wurde.

Vormann Fritz Ehmke bedankte sich für die Unterstützung bei der Werbung für die Benefiz-Mundart-CD mit Begleitbuch mit dem Titel „Tross, tross, trill, de Bauer hot e Fill“. Fast 300 Kinder aus der Region Südhessen wirkten auf ihr mit. Die Eröffnung spricht der bekannte Kinderliedermacher Rolf Zuckowski. Das Begleitbuch mit ansprechenden Bildern enthält alle Lieder, Noten und Texte in Mundart und auf Hochdeutsch. Es sind auf der CD auch traditionelle Odenwälder Mundartlieder zu hören, die die Älteren noch kennen.

„Die CD mit Begleitbuch dient als Familienspaß und zum Erlernen unseres kostbaren Kulturgutes“, so Fritz Ehmke. Der vollständige Verkaufserlös geht an den Verein für krebskranke und chronisch kranke Kinder Darmstadt/Rhein-Main-Neckar. Informationen zu den Mundartfreunden Südhessen mit Auflistung der CD-Verkaufsstellen gibt es auf Facebook unter MundartfreundeSüdhessen. Außerdem wird in Kürze die Seite http://www.gebabbel-suedhessen.de wieder freigeschaltet.

Das GVZ geht auf die 2014 entwickelte Gesundheitsstrategie des Odenwaldkreises zurück und wurde vom Hessischen Sozialministerium gefördert, um auch auf dem Land ein wohnortnahes, fachübergreifendes und zukunftsfähiges Versorgungsangebot zu gestalten. Ein besonderer Fokus liegt auf der Stärkung einer koordinierten (fach- und sektorenübergreifenden) medizinischen und psychosozialen Versorgung der zunehmend älter werdenden Bevölkerung, oftmals mit mehreren Erkrankungen. Nähere Informationen unter http://www.gvk-oberzent.de

 Bild v.l. Horst Schnur, Nasir Tajik, Bernhard Wagner, Fritz Ehmke, Roland Bauer, Dietlinde Ehmke. Foto Jan Pastor

 

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Die neue Stadt soll mehr nach Süden blicken, fordern die Gammelsbacher

Früher war’s die Stadt Beerfelden, heute ist es die Verwaltung in Oberzent, von der sich die Einwohner des südlichsten Stadtteils etwas stiefmütterlich behandelt fühlen. Das kam vor allem bei der Friedhofsausgestaltung, dem Wege-Freischnitt und der -Pflege zum Ausdruck. Beim Thema Friedhof waren sich Ortsvorsteher Konrad Helm und der neue Bürgermeister Christian Kehrer einig, dass ein Ortstermin her soll, um anstehende Dinge zu besprechen.

Helm hatte zuvor angeführt, dass bei der Gestaltung der Urnengräber etwas im Argen liege. Man wünscht sich eine bessere Anlegung und Zugänglichkeit sowie einen „ansprechenderen Rahmen“. Ortsbeirat Gerhard Ulrich hatte festgestellt, dass die entsprechenden Bereiche auf anderen Friedhöfen „ordentlicher und aufgeräumter sind“. Vor allem Einfassungen und klare Strukturen liegen den Bürgern am Herzen, „damit man nicht kreuz und quer über die Wiese läuft“.

Gerhard Reinschild monierte, dass frühere städtische Arbeiten auf dem Friedhof nur unvollständig ausgeführt wurden. In Beerfelden sei dieser wunderbar angelegt, so ein Einwurf aus dem Zuschauerraum, aber in Gammelsbach „gibt es Handlungsbedarf“. Der Ortsvorsteher betonte, „wir müssen den Neustart ausnutzen und nochmal nachhaken“.

Die unzureichende Grababräumung wurde ebenfalls moniert. „Das sieht aus wie die Hügelgräber vor 2000 Jahren“, meinte ein Bürger süffisant. Nämlich dann, wenn danach große Höhenunterschiede bestehen. Heinrich Roth warf ein, dass auf dem Rothenberger Friedhof „einer nachschaut und dort Erde nachfüllt wo es nötig ist“. Das Gremium war sich mit Kehrer einig, der Friedhofs- und Bauverwaltung mit ins Boot holen will und dann bei einem Vor-Ort-Termin schauen möchte, was zu tun ist.

Vor allem das Freischneiden und Freihalten der in den 70er Jahren angelegten Wege sei notwendig, betonte der Ortsvorsteher beim nächsten Punkt. Es sei hier Aufgabe der Stadt, für den Rückschnitt zu sorgen, erinnerte er an entsprechende Vereinbarungen. Teilweise gebe es auf 1,50 Meter breiten Wegen nur noch eine Schneise von 50 Zentimetern, die durch herunterhängende Äste quasi unpassierbar sei. Sollte es der Bauhof nicht schaffen, ist laut Helm zu überlegen, wie es eventuell durch Fremdvergabe gewährleistet werden könne.

Kehrer war das Problem bekannt. Die neue Stadt habe 260 Straßen zu betreuen, von den Wegen erst gar nicht zu reden. Vom Organisatorischen her, sagte er, „wurde das nie so aufbereitet, dass nach Plan vorgegangen wird“. Die Verwaltung sei an der Sache dran, „aber es wird noch etwas Zeit dauern, um den Bauhof anders zu strukturieren“. Aus den Rückmeldungen der Bürger ließ sich erkennen, dass das Thema einiges an Konfliktpotenzial birgt.

Wie auch die Nutzung der engen Straßen durch viel zu große Fahrzeuge. Früher seien die für maximal 7,5 Tonnen ausgelegt gewesen, hieß es. Heute würden die schmalen Gassen von 40-Tonnern bei der Müllabfuhr genutzt. Die Fahrer wunderten sich dann, wenn sie steckenbleiben oder die Straße nachgibt. Eine spätere teure Sanierung auf Kosten der Anwohner wurde in den Raum gestellt.

Freienstein-Zukunft beschäftigt die Gammelsbacher

Das Schicksal der über dem Ort thronenden Burgruine Freienstein beschäftigt die Gammelsbacher. In ansehnlicher Zahl kamen sie deshalb zur Sitzung des Ortsbeirats, auf dessen Tagesordnung Ortsvorsteher Konrad Helm das Thema gesetzt hatte. Der Wissensdurst war groß, die Spannung über das, was angehende Architekten und Freiraumplaner am 20. Juli in der Alten Turnhalle Beerfelden an Vorschlägen zur weiteren Entwicklung präsentieren werden, auch.

Helm hatte zusammen mit Mitgliedern des Ortsbeirats schon vor drei Wochen einen Blick auf die Ideen werfen können und berichtete den Zuhörern über teils ausgefallene Gedankenspiele. Der Vorsitzende machte aber gleichzeitig auch klar, dass es noch in den Sternen steht, welcher Vorschlag oder ob überhaupt einer aus dieser Reihe in die Verwirklichung geht.

Der Ortsvorsteher hatte sich einleitend erfreut über die große Zahl an (15) Bewerbern für den Ortsbeirat gezeigt. Er hoffte auf ein weiteres Engagement auch der nicht Gewählten für den Ortsteil, um ihm eine Stimme in der neuen großen Stadt zu verschaffen. Helm ging dann kurz auf die Vorgeschichte der Präsentation ein. Mit dem Symposium „Burgruine Freienstein im Odenwald – Mit einem gemeinsamen Konzept in die Zukunft“ eröffnete das Landesamt für Denkmalpflege im vergangenen Spätjahr die Diskussion über Erhaltungs- und Nutzungsstrategien für die Ruine, die über Jahrhunderte Sitz des Amtes Freienstein war und damit historischer Ursprung von Oberzent ist, erläuterte er.

Über das Symposium hat sich laut Helm mit Vertretern der Stadt, der zuständigen Behörden, Eigentümern, Fachleuten und Oberzenter Bürgern die „Perspektivgruppe Freienstein“ zusammen gefunden, die die Entwicklung eines tragfähigen Zukunftskonzeptes auf dem Weg bringen soll. Neben die grundsätzlichen Überlegungen und Strategien des Symposiums treten nun konkrete Vorschläge der Studierenden. „Für die Gammelsbnacher ist das ein wichtiges Bauwerk“, betonte er. Eines, mit dem „sie sich auch identifizieren“. Die generelle und auch touristische Aufwertung stehe im Fokus.

Über die Präsentation hinaus „werden dann die Gremien entscheiden“, wie es weitergeht. Unter den Ideen seien auch „sehr freie, ausgefallene“, so der Ortsvorsteher. Seine Aufforderung mit Blick auf den 20. Juli lautete deshalb: „Geht hin, schaut es euch an.“ Auf Nachfrage sagte Helm, dass sowohl Pächter Andreas Tilly als auch das Fürstenhaus in die Planungen mit einbezogen seien. Es gehe nun darum, ein gemeinsames Konzept zu erstellen, das sich noch einmal stark von den vorgestellten unterscheiden könne.

Der Vorsitzende bezeichnete es als „großes Plus“, dass Leute vom Land am Projekt beteiligt sind und es unterstützen. Aus den Rückmeldungen der Bürger ließ sich erkennen, dass sie sich intensiv mit der Materie beschäftigen. Da wurde von einem alten Tunnel fabuliert, der früher als Fluchtweg diente, überlegt, ob sich ähnlich wie bei Schloss Zwingenberg eine Bühne für Aufführungen schaffen lässt, aber auch die Zufahrt- und Parkplatzsituation angesprochen.

Trotz des bewusst offen gehaltenen Rahmens ohne einschränkende Vorgaben seien die Arbeiten sehr realitätsnah angelegt. Die Studierenden wollen Ideen für die Bürger im Sinne eines identitätsstiftenden Wahrzeichens der Region finden und „ihnen nicht etwas Ungewolltes überstülpen“, lobt Bezirksdenkmalpflegerin Kristin Schubert. Großer Wert werde auf die Beteiligung der Oberzenter Bürger gelegt, die „den jungen Menschen aus der Stadt“ ihr Gammelsbach und ihre Burgruine nahe gebracht haben.

Knapp 20 angehende Architekten und Freiraumplaner der Technischen Universität Darmstadt und der Hochschule Geisenheim University unter Leitung von Prof. Dr. Constanze A. Petrow (Geisenheim) und Dr. phil. Meinrad von Engelberg (Darmstadt) präsentieren ihre Ideen zur Entwicklung der Burgruine Freienstein in Gammelsbach der Öffentlichkeit. Diese sind Ergebnis des interdisziplinären Studierenden-Workshops, der in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen und in Kooperation mit der Stadt Oberzent am 22. und 23. Juni vor Ort stattfand. Abschlusspräsentation: „Burgruine Freienstein im Odenwald – Stadtkrone von Oberzent“ am Freitag, 20. Juli, 16 bis 19 Uhr Beerfelden, Alte Turnhalle, Hirschhorner Straße 40

Die Rückkehr von Hündin Aura ist für Marita Fischer aus Falken-Gesäß „immer noch unglaublich“

„Das war bisher das schönste Geschenk in meinem Leben“, sagt Marita Fischer über ihre wiedergefundene Hündin Aura und schaut sie liebevoll an. Die kehrte vor zwei Jahren über Umwege völlig überraschend zu ihr zurück in den Odenwald, nachdem sie bei einem Bretagne-Urlaub 2007 ausgebüxt und nicht mehr aufzufinden war. War es damals für die gebürtige Finkenbacherin ein Wunder, das Tier wieder in die Arme schließen zu können, macht es sie umso glücklicher, dass Aura mit inzwischen über 16 Jahren immer noch eine Freude in ihrem Leben ist. „Ich wollte, es wäre unendlich“, meint Marita Fischer denn auch und streichelt der Hündin sanft über den Kopf.

Das heiße Wetter macht der Hunde-Seniorin an diesem Tag etwas zu schaffen. Sie muss ziemlich hecheln, ist aber trotzdem noch unterwegs, auch wenn die Beine nicht mehr so richtig wollen. „Sie verlässt sich absolut auf ihre Nase“, sagt ihr Frauchen. Denn Augen und Ohren mussten ebenfalls schon dem Alter Tribut zollen. Geht es aber in den Wald, ist es fast die alte Aura, die fröhlich umhertollt und an den Kirrungen schnuppert. „Wenn sie merkt, dass es raus geht, ist sie sogar vor mir unten an der Treppe“, schmunzelt Marita Fischer.

Sie tut alles dafür, dass ihr wieder heimgekehrtes Ein und Alles noch einen schönen Lebensabend in der alten Heimat hat. „Nachts stehe ich auf, wenn sie winselt“, berichtet Fischer. Denn die Deutsch-Drahthaar-Hündin hat auf der einen Seite kaum noch Muskeln und kann sich manchmal nicht von selbst drehen. Spaziergänge nachts um 2 Uhr, weil die Hündin halt mal raus muss, sind auch keine Seltenheit. „Dann muss ich eben raus auf die Guss“, lacht Fischer.

„Ich weiß dass es sehr schwer sein wird, eine Entscheidung zu treffen, wann es so weit ist“, sagt Frauchen traurig. Ihr ist aber bewusst, dass auch ein Hundeleben mal zu Ende geht. Vor zwei Monaten schien das bereits so, aber dann rappelte sich Aura wieder auf und zaubert ihrer Besitzerin jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht. Eine Spritze und sie war wieder fit. Natürlich machen ihr die Gelenke stark zu machen, „aber die Nase funktioniert noch bestens“, lacht Frauchen.

In der Zeit nach ihrer Rückkehr hat sich Aura gut wieder zuhause eingelebt. Oft geht es nach Finkenbach in den Schulzengrund, wo das Tier geboren wurde. Dort lebt Marita Fischers Ex-Mann mit Hündin Nora. Die Tiere tollen dann zusammen herum. Aura vergisst dabei völlig, dass sie bereits im Großmutter-Alter ist. „Sie kannte sich dort sofort aus“, freut sich Fischer. Beim ersten Mal ging sie schnurstracks in die frühere Küche, das heutige Büro, um nach Fressen zu suchen, berichtet sie.

Wenn Marita Fischer einen Besuch in Finkenbach plant, „scheint Aura das sofort zu merken“. Autofahren liebt sie sowieso. Am Anfang war alles bisschen beschwerlich, weil das Tier verwahrlost war, nur noch 18 Kilo wog und nicht allein gelassen werden konnte. Heute wiegt Aura wieder stolze 32 Kilo. Sie wird von Marita Fischer mit leckerem Futter aufgepäppelt und schafft es, zwei Stunden allein zu bleiben. Mit den Hunden aus der Nachbarschaft hat sie Freundschaft geschlossen.

Der Bericht in dieser Zeitung über Aura Rückkehr schlug damals hohe Wellen. Marita Fischer hatte viel Besuch. Im Spätjahr 2016 kam ein Filmteam aus Berlin vorbei, das dann in Falken-Gesäß, im Tierheim und in der Bretagne dreht. Mit drei Hunden wurde die Szene an einer ähnlichen Küste nachgestellt. „Das wurde bei Terra Xpress gezeigt“, ist sie stolz über Auras Bekanntheitsgrad.

Auch in der Region hat die Hündin einen großen Wiedererkennungswert. An der Josefs-Klinik in Heidelberg, erinnert sie sich, stieg Marita Fischer aus dem Auto, redete auf die Hündin ein, die ein wenig allein bleiben musste. „Ach, das ist doch der Hund aus der Zeitung“, wurde diese dann von Passanten erkannt. „Es ist für mich immer noch unglaublich und unfassbar, dass sie zurückgekommen ist“, sagt Fischer auch noch zwei Jahre danach.

„Aura bereitet mir unheimlich viel Freude“, schaut sie die Heimkehrerin liebevoll an. Die ganze Familie ist unheimlich froh, dass die Hündin wieder dort zuhause ist, wo sie aufwuchs. Diese hat jetzt das Alter ihrer Mutter Cindy erreicht, die sechszehneinhalb Jahre alt wurde. Schwester Alpha starb bereits mit 14. Marita Fischer hofft nun, dass Aura die mit Abstand älteste der Familie sein wird.

Maria Fischer erinnert sich noch an den schlimmen Tag, als sei es gestern. Es war der 5. September 2007, als sie mit ihrem Mann Heinrich Urlaub in Plogoff/Bretagne machte. Dabei waren auch die drei Hunde, neben Aura noch Schwester „Alpha“ und Mutter „Cindy“. Alle drei richtige Wasserratten. Aura dazu noch eine passionierte Möwenjägerin. Die Hunde stürzten sofort Richtung Meer, als sie sie von der Leine ließ. „Cindy kam nach einer Stunde wieder zurück“, erzählt Marita Fischer. „Aura habe ich das letzte Mal auf der anderen Seite der Bucht gesehen“, als sie den Möwen hinterher schwamm. Auch nach intensiver Suche war sie nicht mehr zu finden.

Wie es der Zufall will, sah Fischer dann Ende Mai 2016 die Anzeige der Organisation „Tiere in Not Odenwald“ (Tino), dass eine 13-jährige „Toupie“ zu vermitteln sei. „Ich bin sofort zur Pflegestelle in Bad König gefahren“, schildert sie ihr rasches Handeln, nachdem das veröffentlichte Bild ihrer Aura aufs Haar glich. Dass Aura überhaupt in den Odenwald kam und damit als Pflegetier inseriert wurde, beruhte ebenfalls auf einem großen Zufall. Denn aus Frankreich wurde die Hündin von der Tierschutzinitiative Frankfurt geholt, die sich um herrenlose oder in Heimen befindliche Tiere kümmert. Da die Betreuerin in der Mainmetropole aber krank wurde, schickte sie Aura zur Pflege in die hiesige Region.

 

Vom Erdbeben zerstörte Schule in Nepal wird mit Hilfe aus Olfen wieder aufgebaut

Die gute Nachricht kommt erst hinterher. Beim Gespräch ist Steffi Selic noch etwas unzufrieden mit dem Fortgang der Wiederaufbauarbeiten eines Schulgebäudes in Nepal. Denn die sind im Dorf Sagradanda ins Stocken geraten, nachdem das benötigte Holz fehlt. Kurze Zeit später dann eine aufmunternde Nachricht für sie und von ihr. „Der Schulbau wurde fortgesetzt, das Fundament ist gelegt“, freut sich die OIfenerin. Denn um dieses Projekt kümmerte sich das „Namaste Nepal Project“, das die 31-Jährige mit ihrer 28-jährigen Schwester Julia nach dem Erdbeben vor drei Jahren ins Leben gerufen hatte, schwerpunktmäßig.

Im Dorf Sagradanda, mit seinen 250 Bewohnern gelegen im Bezirk Solukhumbu abseits der Touristenströme, setzen sich die beiden für die Neuerrichtung eines beim Erdbeben völlig zerstörten Grundschul-Gebäudes ein. Der Distrikt liegt im Mount-Everest-Gebiet, allerdings nicht an einer der bekannten Wanderrouten. Es gibt in dem Ort sechs Klassen einer Primary School, die in drei Gebäuden unterrichtet werden. Alle wurden sie 2015 dem Erdboden gleich gemacht.

„Zwei Gebäude wurden zum Großteil wieder errichtet“, berichtet Steffi Selic. Die Dächer müssen noch erneuert und beide Häuser mit Zement verputzt werden. Das dritte Gebäude wird komplett neu gebaut. Alles erdbebensicher nach strengen Vorgaben. Namaste Nepal unterstützt in Zusammenarbeit mit dem dänischen „Himalayan Project“ den Bau des dritten Schulhauses mit drei Klassenräumen.

Ein Teil des im Winter in Deutschland gesammelten Geldes wurde bereits dafür verwendet, vor dem Monsun Holz für den Schulbau einzuschlagen. Allerdings wurde der nahe gelegene Wald ein paar Wochen vor Anreise der beiden Schwestern privatisiert. „Alles sehr undurchsichtig und korrupt“, meint Steffi Selic. Die Konsequenz: Die Leute aus dem Ort durften dort keine Bäume mehr fällen. Die nächste Einschlagmöglichkeit liegt einen Tagesmarsch entfernt. Sie schätzt, dass sich der Wiederaufbau deshalb etwas verzögert.

Zweites „Problem“: Es gibt derzeit keine Arbeiter. Das hat mit einer für die Einwohner positiven Entwicklung zu tun. Endlich, drei Jahre nach dem schweren Erdbeben, zahlt die Regierung Entschädigungen an die Erdbebenopfer aus. „Die Leute sind jetzt natürlich dabei, ihre Häuser wieder aufzubauen“, schildert sie. Und zerstört war sehr viel. Nun „ist Aufbruchsstimmung eingekehrt“. Langsam bewegt sich etwas, „es gibt Fortschritte“, freut sich Steffi nach dem sechswöchigen Aufenthalt vor Ort. Da Sagradanda am Ende einer Sackgasse liegt, können Arbeitskräfte auch nur aus einer Richtung angeworben werden.

Nach dem Sommer dürften die Reparaturarbeiten ziemlich durch sein, nimmt sie an. „Wir holen das Holz für die Schule dann aus dem anderen Wald.“ Das bedeutet zwar einen mehrstündigen Fußmarsch mit Trägern, ist aber immer noch die günstigste Lösung. „Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, dass das Projekt verwirklich wird“, betont die Olfenerin. „In Nepal ist es eben schwierig, mit deutschen Vorstellungen ranzugehen.“

Aus der Not machten die Schwestern eine Tugend. Nach einer Trekking-Tour zu einem heiligen Bergsee, „bei der ich meinen ersten Schneeleoparden gesehen habe“, ging es weiter nach Junbesi, wo es bereits Kontakte von einem früheren Aufenthalt gab. Die Selic-Schwestern besuchten dort die Familie von Ringi-Lama und entschlossen sich, sie nachhaltig zu unterstützen. Denn der Vater musste bisher sieben Tage die Woche auf dem Feld arbeiten, die Mutter hütete auf dem Feld die Kühe.

„Wir bezahlen Ringi den Führerschein“, erläutert Steffi. Denn der bekommt damit einen Job als Fahrer beim Kloster, hat dann eine Fünf-Tage-Woche und kann sich auch mehr ums Kind kümmern, das bald in die Schule kommt. „Er schickt uns immer Bilder vom Unterricht“, freut sie sich über den Fortschritt. Für die Schwestern ist klar: „Wir werden die Familie langfristig unterstützen.“ Damit gebe man den Menschen eine Perspektive und der Tochter die Möglichkeit einer guten Schulbildung.

Das Namaste Nepal Project engagiert sich außerdem beim Wiederaufbau einer weiteren Schule in Belcot, 45 Kilometer westlich von Katmandu gelegen. Die Errichtung des zweiten Gebäudes wird von der Ganesh-Nepal-Hilfe in Dortmund unterstützt. „Die leisten sehr gute Arbeit“, sagt sie. „Wir klinken uns da ein“, so Steffi Selic. Es handelt sich um ein Bauwerk für die Unterstufe, die von 480 Schülern besucht wird. Diese Schule wird gerade aktiv aufgebaut. Steffi Selic war zur Zeit des Erdbebens gerade in Nepal und entschied sich danach, vor Ort zu helfen.

Bankverbindung Namaste Nepal Project

Stefanie Selic, Stichwort: Namaste Nepal Project, IBAN DE35509514690011203621, Sparkasse Starkenburg

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2018/07/03/vom-erdbeben-zerstoerte-schule-in-nepal-wird-mit-hilfe-aus-olfen-wieder-aufgebaut/Namaste Nepal Project

Posted by Thomas Wilken on Tuesday, July 3, 2018

Eberbacher Grundschüler waren von den Beerfelder Bienen begeistert

Lustig zappelt der Drohn zwischen den Fingern von Su-Menekse. Interessiert und ohne Scheu schaut sich die Zweitklässlerin die männliche Biene von allen Seiten an. Nebendran freut sich Klassenlehrerin Pia Peters wie ein Schneekönig. „Genau das war mein Ziel“, sagt sie: nämlich den Kindern der 2a aus der Eberbacher Dr.-Weiß-Grundschule die Scheu vor den fleißigen Tieren zu nehmen. 22 Schüler waren zusammen mit ihr und fünf begleitenden Müttern zu Gast beim Imkerverein Beerfelder Land, wo es alles rund um die Bienen in spielerischer Form zu erfahren gab.

Etwa bei Alexander Friedel. Der wusste mit der Lust auf Süßes den Schülern die Angst vor der Bienenwabe zu nehmen. Drei Kilo ist der volle Honigraum schwer, berichtete er beim Herausnehmen aus der Beute, dem Bienenstock. Sol-Lady, Carolina, Erik und Anna schauten erst einmal etwas skeptisch auf das Gewusel und Geschwirre. Zaghaft steckten sie den Finger in den Honig, dann in den Mund – und der Bann war gebrochen. „Das schmeckt voll süß“, freute sich Carolina. Prompt tauchten sie die Finger zum Probieren noch mehrmals hinein.

„Unter dem Honigraum befinden sich zwei Bruträume“, erläuterte Friedel den Kindern. Die Honigsaison dauert von Mitte April bis Ende Juni. Die Bienen liefern pro Volk im Schnitt etwa 75 Kilo Honig im Jahr, leckeren Blütenhonig vom Bienenplatz Beerfelden. Aktuell sind es vor allem die stark blühenden Brombeeren, aber auch die Esskastanien, die als Nahrungsquelle dienen.

In der ersten Klasse galt es ein Maskottchen zu finden, erläutert Pia Peters den Hintergrund des Besuchs. „Da haben wir die Biene genommen.“ Kein Wunder, denn die Klassenlehrerin aus Michelstadt ist selbst Imkerin mit vier großen und zwei kleinen Völkern und Mitglied des Kreisverbands der Odenwälder Imker. Bei Dieter Berg, dem früheren Vorsitzenden des Beerfelder Vereins, ging sie „in die Lehre“. Es sei naheliegend, „dass die Bienenklasse mal bei den Bienen war“, schmunzelt sie.

Die Schüler waren bei den verschiedenen Aufgaben mit Begeisterung bei der Sache. Neben Friedel und Berg kümmerten sich auch die Vereinsmitglieder Norbert Kramer, Marlon Ihrig und Uwe Röglin um sie. Es ging um die Themen Kerzenrollen aus Bienenwachs, Königinnen zeichnen, Lebensräume schaffen, Futterquellen anlegen, die Entwicklung der Bienen oder männliche Tiere erkennen.

Im Unterricht war der Besuch natürlich im Vorfeld Thema. „Bis zu 60.000 Arbeiterinnen leben in einem Bienenstock“, erläuterte Peters dabei den Schülern. Dazu kommen maximal ein Drittel Drohnen und eine Königin. Im Laufe des Jahres nimmt die Zahl der Arbeiterinnen ab. Sie leben im Schnitt 35 Tage, während die Königin bis zu fünf Jahre alt werden kann. Sie legt am Tag etwa 2000 Eier.  Um Stock putzen, Wabenbau und Aufzucht kümmern sich die Weibchen. Die Männchen „fressen, fliegen aus, befruchten und werden dann gekillt“, brachte es die Lehrerin plastisch auf den Punkt.

„Das Kerzenrollen war besonders schön“, meinte Jule. Carolina schmeckte der Honig super, den sie direkt aus der Wabe naschen durfte. „Ich hatte keine Angst“, meinte sie selbstbewusst. Auch Anna machte alles viel Spaß. „Der Honig war sehr lecker“, sagte sie. Yusuf war von den „großen Glubschaugen“ der Drohnen beeindruckt. Auch hatte er sich den Unterschied zu den Arbeiterinnen gemerkt. Wie die Vereinsmitglieder ein verwildertes Grundstück wieder herrichteten, fand er toll.

Was es damit auf sich hat, erklärte Norbert Kramer. An der B45 nahm sich der Imkerverein ein Gelände vor, richtete es her, säte einen Grünstreifen ein und pflegt es regelmäßig. Wildbienen finden dort Nahrung. „Kürzlich haben wir Heu gemacht“, sagte er. Das geht dann an einen Bauern. An Birkenhöhe und Jahnstraße gibt es zwei weitere Grundstücke, auf denen Spätblüher angepflanzt wurden.

„Zehn Quadratmeter Blühstreifen pro Garten sind nicht viel“, meinte Kramer. Wenn es 1000 Einwohner machen, „kommt damit ein Hektar zusammen“. Er ist gegen einen kurz gehaltenen Rasen. „Wo was wächst, finden die Bienen genug Nahrung“, so sein Credo.

 

Bild: Alexander Friedel mit Sol-Lady, Carolina, Erik und Anna (v.l.)

 

Conny Frank wurde an der Oberzent-Schule für 40 Jahre im öffentlichen Dienst geehrt

„Ich komme auch aus einem Dorf, aus Düsseldorf“, lacht Conny Frank mit Blick auf die dünn besiedelte Odenwald-Landschaft. Aus dem Rheinland verschlug es die 64-jährige schon früh in die Oberzent (damals noch Name der Region und nicht der Stadt). Fast 39 Jahre ist sie inzwischen Lehrerin an der Oberzent-Schule und damit die dienstälteste Kollegin von Schulleiter Bernd Siefert. Insgesamt sind es jetzt 40 Jahre im öffentlichen Dienst, was die Überreichung einer Urkunde durch ihn im Rahmen einer kleinen Feierstunde bedeutete.

Die Jubilarin studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen, ehe sie in Lorsch an der Werner-von-Siemens-Schule ihre erste Arbeitsstelle als Referendarin antrat. Der Wechsel an die OZS in Beerfelden „war schon ein kleiner Kulturschock“, schmunzelt sie im Rückblick. „Zu meiner eigenen Überraschung“, ergänzt sie augenzwinkernd, lernte sie Stadt, Schule und Menschen schnell lieben. Und die Ourewäller Sprache kennen. Beste Voraussetzungen, um in fast vier Jahrzehnten der integrierten Gesamtschule mitsamt Jugendlichen ihren Stempel in den Fächern Kunst und Französisch aufzudrücken.

Conny Frank begründete das Theater-Kunst-Musik-Festival (The-Ku-Mu) mit, rief das Erasmus-Projekt ins Leben, kümmert sich um den Genf-Austausch („der geht übrigens weiter“, ruft sie freudig durch den Hörer) und organisiert seit zehn Jahren die Paris-Exkursion unter dem Motto „Vier Museen in 24 Stunden“. Die Lehrerin begründete daneben das Glücksseminar, um Lebensfreude und Glücklichsein mit anderen zu teilen. Schließlich ist die neurolinguistische Programmierung (NLP) ein Steckenpferd der engagierten Pädagogin.

Mit einer durchgängig positiven Grundeinstellung gesegnet, handelt Conny Frank unter dem Motto „Das kriegen wir schon hin“. Für sie ist da Glas immer halb voll. Oder, um mit der Rheinländerin zu sprechen: „Et kütt wie et kütt.“ Ihr Erfolgsgeheimnis: „Die Menschen so akzeptieren wie sie sind.“ Eine gute Portion rheinländischer Humor und Gelassenheit tun das Übrige dazu, dass sie stets gut gelaunt durchs Leben geht. Für ist es im Arbeitsalltag ein Highlight, wenn der Unterricht den Schülern großen Spaß macht, abwechslungsreich ist und sie in guter Stimmung lernen.

Die Schüler ihrer ersten Klasse an der OZS „sind inzwischen gerade 50 geworden“, blickt Conny Frank auf die lange Zeit in Beerfelden zurück. Ein heutiger Lehrerkollege an der Oberzent-Schule war früher ihr Schüler, weiß sie. „Der sang für mich damals ‚17 Jahr, blondes Haar‘“, lacht sie. Die Kinder kamen von ihrem Unterricht so happy nach Hause, dass eine Mutter ihren Sohn in Verdacht hatte, in die Lehrerin verliebt zu sein, grinst die 64-Jährige.

Conny Frank hofft, vielen Schülergenerationen die Liebe zur Kunst und zur französischen Sprache weitergegeben zu haben. Wie stark die Verbundenheit mit diesen ist, zeigte sich nach ihrem Schulterbruch Anfang des Jahres. „Da kamen Kollegen und Schüler fast täglich bei mir vorbei“, freut sie sich. Von Zuhause aus managte sie noch den Genf-Austausch. Wie überhaupt „eine große Liebe zu dem, was ich tue“, aus ihren Worten spricht. „Ich mache lauter Dinge, die ich schön finde.“