Natur ist die größte Stärke des Odenwaldkreises

Mit Natur und Landschaft kann der Odenwaldkreis ohne Zweifel punkten. 1550 Bürger hatten an der durch die Firma Cima durchgeführten Befragung im Auftrag der Kreisverwaltung teilgenommen. Alle ohne Ausnahme nannten diesen Punkt als größte Stärke der Region, wie Dr. Stefan Leuninger vom Stuttgarter Beratungsbüro in der Alten Turnhalle Beerfelden erläuterte. Die Ergebnisse werden in die Fortschreibung des Kreisentwicklungskonzepts einfließen.

Der Odenwaldkreis wird insgesamt als attraktiver und lebenswerter Wohnstandort eingestuft, erläuterte Leuninger. Wesentliche Gründe dafür lägen in dem naturräumlichen und Landschaftspotenzial, dem sozialen Miteinander, den allgemein guten Bedingungen auf dem Wohnungsmarkt, dem gastronomischen und Sportangebot sowie im Bereich Bildung und Schule. Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt.

Als am häufigsten genannten Kritikpunkt wurde laut dem Referenten der Gesamtkomplex „Verkehr“ angegeben. Der ÖPNV wird als ausbaufähig eingestuft. Ferner wird grundsätzlich eine schlechte Verkehrsanbindung an die umliegenden Ballungsräume angeführt. Das ist für ihn ein „dickes Problem“. Denn drei Viertel aller Bewegungen geschehen mit dem eigenen Pkw.

Nur fünf Prozent der Odenwälder nutzen den ÖPNV in Form von Bus und Bahn. Da gehen sogar noch mehr zu Fuß: 14 Prozent. „Bei der Mobilität muss weitegemacht werden“, ist denn auch die dringende Empfehlung von Leuninger. Der Bereich Sicherheit und Lärmbelästigung betrifft insbesondere die Freizeit-Motorräder sowie die Lkw.

Auch wenn die Bürger grundsätzlich (sehr) gerne im Odenwaldkreis leben, werden von ihnen einige Handlungsfelder thematisiert. Aus Sicht der hier lebenden ist es wichtig, dass die ärztliche Versorgung gewährleistet und die Nahversorgung sichergestellt ist. Bei ersterem Thema sieht der Berater bei Bedarf auch die Kommunen in der Pflicht. Leuninger zufolge in der Umfrage wird außerdem darauf hingewiesen, „dass das Angebot an Arbeits- und Ausbildungsplätzen weiter zu entwickeln ist“. Gerade im industriell-gewerblichen Bereich gibt es Defizite.

Besonders negativ kommt der Kreis als attraktiver Unternehmensstandort weg. Nur 20 Prozent der Befragten stimmen hier voll oder überwiegend zu. Beim Thema Wohnstandort für junge Familien sind es zusammen immerhin 57 Prozent. Ganz klar an der Spitze: der Odenwaldkreis als attraktiver Naherholungsstandort. 66 Prozent der Rückmeldungen lauten „Ich stimme voll zu“, weitere 28 Prozent „überwiegend“.

„Lebenswert, attraktiv, gemütlich, sympathisch und ruhig“: So lauten die Stärken des Kreises. Gedanken machen sollte man sich, so der Berater, zu den Attributen innovativ und modern. Denn da kommt die Region nicht so gut weg. Gerade in punkto Außendarstellung wären hier Ansatzpunkte, meinte er.

Neben diesen allgemeinen Punkten kamen auf der Versammlung auch ein paar Oberzent-spezifische zur Sprache. Etwa der Wunsch eines Stundentakts der Odenwaldbahn zwischen Erbach und Eberbach, um dann per S-Bahn einen besseren Anschluss in die Metropolen Heidelberg und Mannheim zu haben. Oder die Belebung des Zentrums von Beerfelden mit Blick auf Handel und Versorgung. Die Entwicklung einer eigenen Oberzent-Identität war ein weiterer Punkt.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Christian Kehrer hatte Landrat Frank Matiaske zu Beginn die Entwicklung auf größerer Ebene skizziert. „Wir sind kein gallisches Dorf“, betonte er. Er richtete seinen Blick vor allem auf die Bevölkerungsentwicklung. Die ist nach Jahren des Abwärtstrends inzwischen wieder stabil. Was laut Matiaske vor allem auf den Zuzug aus dem EU-Ausland zurückzuführen ist.

Damit die ländliche Region nicht ausblutet, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Sonst kommt keiner (zurück) oder bleibt da. Arbeitsplätze, Vernetzung, digitale Infrastruktur, Mobilität, gute Bildungsangebote und medizinische Versorgung nannte der Landrat als Kriterien – wie auch Kultur im ländlichen Raum und eine weltoffene Region Odenwald.

 

 

Info: Der nächste Workshop zur Entwicklung des Landkreises findet am Donnerstag, 14. November, um 19 Uhr, für das Gersprenztal in der Reichenberghalle Reichelsheim statt. Zunächst werden die Ergebnisse der Bürgerumfrage vorgestellt, die im September stattfand. Danach können sich die Teilnehmer einzelnen Themen widmen und ihre Gedanken einbringen.

Zucht will Ordnung die Debattenkultur bringen

„Klartext“ stand drauf und „Klartext“ war drin. Dirk Daniel Zucht war mit dem Auftakt der von ihm konzipierten Veranstaltungsreihe mehr als zufrieden. „Reden wir über Politik“, lautete die Marschrichtung des Oberzenter SPD-Vorsitzenden bei der Veranstaltung in Erbach. „Mein Ziel war es, gemeinsam den sozialdemokratischen Kompass auszurichten“, erläutert er. Das geschah, ist er begeistert, in einer Form, „wie ich es in der SPD bis dato noch nicht erlebt habe“.

Das gelungene Format soll – möglichst getragen durch die Ortsvereine – ab nächsten Jahr auf Tour durch den Odenwaldkreis gehen. Das nächste Thema hat er bereits: „Moral in der Politik“. Zucht will durch die dezentrale Ausrichtung möglichst viele SPD-Mitglieder, aber auch parteilose Gäste erreichen, denen der Weg in die „Kreis-Hauptstadt“ oder einen anderen Ort vielleicht zu weit ist.

„Jeder kann seine Gedanken, Ideen und Meinungen ohne Tabu und ohne ‚politisch korrekt‘ sein zu müssen, äußern“, nennt das SPD-Kreisvorstandsmitglied die „Spielregeln“. Auch soll es während der Beiträge keine Unterbrechungen durch die anderen Diskussionsteilnehmer geben. Er stellt sich vor, drei oder vier Mal im Jahr zu diesen Treffen mit vorhergehendem Impuls-Referat einzuladen.

„Inhaltlich lege ich großen Wert auf das gesprochene Wort“, betont der SPD-Mann. In einer schnelllebigen Zeit des Informationsüberflusses und der daraus resultierenden Rationalisierung der Aussagen durch Abkürzungen, Bilder, begleitende Power-Point-Präsentationen und Verkürzungen durch Emojis ist es für ihn doch die deutsche Sprache, „die in ihrer Komplexität sehr tief und sehr konkret wird“.

„Die deutsche Diskussionskultur ist in der Krise.“ Sie wird immer mehr von Redeweisen bestimmt, die jede vernünftige Zurückhaltung vermissen lassen, bedauert Zucht. Jeden Tag versammelten sich in sozialen Netzwerken, Blogs und Kommentarspalten von Onlinemedien Hunderte von Menschen (und auch BOTS), die bestimmte Diskussionen mit Hass, Hetze und Häme vergiften, legt er den Finger in die Wunde.

Als Ehrenamtlicher, so seine Erfahrung in Oberzent, „wird man zugeballert mit Terminen und Sitzungen“. Deshalb empfindet er es als „schön, mal wieder inhaltlich zu reden“. Seiner Ansicht kommt die Unterhaltung übers Grundsätzliche, was die SPD ausmacht und für was sie steht, zu kurz. Zucht fehlte auf Kreisebene ein Forum, in dem neben den Funktions- und Mandatsträgern auch andere politisch Interessierte dabei sein können.

„Zwar waren wir ‚nur‘ 11 Sozis“, hätten es beim Auftakt ein paar mehr Besucher sein dürfen. Dafür boten, freute er sich, die Anwesenden eine breite Spanne von Jung bis Alt, von Oberzent bis Breuberg. Nach seinem Impulsreferat zum Thema „Polemik“ folgten fast zwei Stunden spannende Diskussionen und Analysen, weshalb für ihn die Veranstaltung „inhaltlich ein voller Erfolg war“.

Der Oberzent-Sozialdemokrat will „alte Zöpfe in Frage stellen“, formulierte er, aber nicht unbedingt abschneiden. Denn es gibt für Zucht gewisse alte Tugenden, die er heute vermisst. So konnte man sich früher in inhaltlichen Auseinandersetzungen „den Marsch blasen“, Klartext reden, diskutieren bis die Hütte qualmte. Aber das immer bei einer klaren Grundausrichtung, deren Weg nicht vorgegeben ist, sondern erst im Miteinander gefunden werden soll.

Es entstand bei der Premiere, so schildert es der Oberzent-SPD-Mann, eine „respektvolle, kontroverse und inhaltlich tiefe Diskussion“, die sich nicht nur ums Thema Polemik drehte. Bald wurde es grundsätzlich. Etwa mit der Frage: Sollte die SPD selbst polemischer auftreten? Ist eine Zuspitzung notwendig, um in der auf Info-Häppchen ausgerichteten Medienlandschaft bestehen zu können? Oder sollte man in der Sozialdemokratie doch weiter auf – auch kompliziertere – Sachlichkeit setzen? Denn die Verkürzung auf nur ein Schlagwort könnte ja genau auf diese ungewünschte Zuspitzung hinauslaufen, die Zucht in seinem Impuls angesprochen hatte: „Populismus“. Dadurch werde man jedoch wiederum angreifbar, postulierte er.

„Es ist schlimm, was heutzutage wieder passiert“

Der 9. November ist seit jeher ein deutsches Schicksalsdatum. Wird er im geschichtlichen Kurzzeitgedächtnis eher mit der friedlichen DDR-Revolution vor 30 Jahre in Verbindung gebracht, so ist er mit dem 9. November 1938 als Reichspogromnacht eine mahnende Erinnerung, zu welchem schrecklichen Taten die Nazi-Herrschaft fähig war. Die neunten und zehnten Klassen der Oberzent-Schule Beerfelden gedachten den Übergriffen auf jüdische Mitbürger, der Ermordung von Menschen anderen Glaubens und der Zerstörung von jüdischem Eigentum.

Der Rundgang führte von der Schule aus über evangelische Kirche und ehemalige Synagoge zum katholischen Gotteshaus. Auf einem Teil waren auch Vertreter der muslimischen Ditib-Gemeinde dabei. Schulleiter Bernd Siefert nahm zu Beginn Bezug auf den Vorfall in Halle an Jom Kippur. Er verwies auf die Wichtigkeit der Veranstaltung. Die Erziehung zum mündigen Bürger wird in der Schule groß geschrieben, betonte er.

Die Ethik-Klasse 10 von Karin Walther sprach den Impuls. Dann ging es vorbei am Versammlungshaus der muslimischen Gemeinde in der Marktstraße in die gegenüber liegende Martinskirche. Dort freute sich Pfarrer Roger Frohmuth, dass weit über 100 Schüler den mittleren Teil des Kirchenschiffs füllten. „Es ist schlimm, was heutzutage wieder passiert“, dass Leid Vorurteile schürt, nahm der Geistliche Bezug auf aktuelle Entwicklung.

Konflikte würden zunehmend mit Fäusten ausgetragen, warnte der Pfarrer vor einer Verrohung der Gesellschaft. „Das ist keine Art, miteinander umzugehen.“ Für ihn ist es wichtig, die Faust des anderen wieder zu öffnen, „denn Gewalt erzeugt Gegengewalt“. Wie es funktionieren kann, machte Frohmuth anschaulich deutlich.

Zwei Schüler schafften es mit aller Kraft nicht, seine Faust zu öffnen. Das schaffte erst Siefert, indem er mit ausgestreckter, offener Hand auf ihn zuging. „Nicht drauf, sondern einschlagen“, ist deshalb für Frohmuth das adäquate Mittel. Auch wenn es nicht immer leicht sein sollte. Aber: „auf der anderen Seite steht auch ein Mensch.“

Mevlüt Erdogan, Vorstandsmitglied der islamischen Ditib-Gemeinde, ging in seinen in seinen mahnenden Worten auf die mehr als 1400 zerstören Synagogen am 9. November 1938 ein. In ganz Deutschland gab es über 400 Tote. Die jüdische Gemeinde in Beerfelden blicke auf eine 300-jährige Geschichte in Oberzent zurück, sagte er. Bis zu 200 Mitbürger waren es 1861.

„Durch Hetze und Propaganda wurde eine ganze Gemeinde vertrieben und ermordet“, so Erdogan. Auch heute gebe es wieder Probleme: politische Parteien, die Hetze gegen Muslime oder Ausländer betrieben. „Wir sind auch hier, wir sind auch Beerfellmer“, betonte der zweite Vorsitzende. „Lasst nicht zu, dass sich die Geschichte wiederholt“, fordert er die Schüler auf.

An der ehemaligen Synagoge, wo sich heute das „S‘Lagger“ befindet, machte die Gruppen nach einem Schweigemarsch als nächster Station Halt. Das jüdische Gotteshaus war in der betreffenden Nacht vor 81 Jahren abgerissen worden. Im Gegensatz zu anderen in Deutschland zerstörten Synaogen wurde sie nicht gesprengt oder angezündet, da man in der Oberzent-Stadt noch das Trauma des großen Stadtbrandes von 1810 vor Augen hatte.

Die letzten zwölf jüdischen Bewohner wurden im Herbst 1942 – über die Sammelstelle in Darmstadt – „in den Osten umgesiedelt“, wie die Nazi-Propaganda den Weg in die Vernichtungslager euphemistisch beschrieb. Ab Oktober 1942 gab es in Beerfelden keine Juden mehr. „Für diese Menschen haben wir 2012 die Stolpersteine verlegen lassen“, so Siefert.

Jetzt gibt es wieder jüdische Mitbürger in Oberzent, betonte der Schulleiter. Einer war der Einladung gefolgt: Sarig Nachum. Der ging „für die deportierten jüdischen Mitbürger mit“ und lobte am Ende das Engagement von Eltern und Schülern: „Sie machen tolle Aktionen an der Oberzent-Schule.“ In der katholischen Kirche als letzter Station hielt der Erbacher Pfarrer Martin Eltermann ein Plädoyer für den Frieden.

 

Info: Öffentlich ist der Vortrag von Dr. Dirk Strohmenger zur „NS-Zeit im Erbacher Landkreis am Beispiel von Beerfelden“, den er am Donnerstag, 14. November, um 19.30 Uhr in der Aula der Oberzent-Schule hält.

Beklagenswerter Zustand der Wälder

Die umgegrabenen Straßenränder in der Region machen es deutlich: Wildschweine sind derzeit schwer aktiv. Somit kein Wunder, dass die Schwarzkittel bei der Hubertusjagd der Hegegemeinschaft Oberzent am meisten vor die Flinte kamen. Deren Revier umfasst 4000 Hektar. Zur Strecke kamen durch etwa 300 Schützen sieben Stück Rotwild, 31 Stück Rehwild, 46 Mal Schwarzwild und zehn Füchse.

Vor der Beerfeldener Martinskirche wurde im Anschluss unter großem Interesse der Bevölkerung die Strecke gelegt und von Jagdhornbläsern aus Oberzent verblasen. Den anschließenden Gottesdienst hielt Pfarrer Roger Frohmuth. Hier ließen die Parforcehornbläser aus dem kleinen Odenwald ihre Instrumente erklingen. Insgesamt, so der Eindruck der Veranstalter, dürften es mehr Teilnehmer als im vergangenen Jahr gewesen sein.

„Das ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild, waidmännisch jagt, wie sich’s gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt“, leitete Bernhard Wagner mit einem Vers aus dem Gedicht von Oskar von Riesenthal die Hubertusfeier ein. Die findet im Gedenken an Hubertus von Lüttich (655-727) statt, den Bischof von Maastricht und Lüttich. Er wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt.

Es wird berichtet, so Wagner, dem passionierten Jäger Hubertus sei eines Tages ein Kruzifix im Geweih eines gejagten Hirsches erschienen. Der bis dahin heidnisch Lebende ließ sich daraufhin taufen und schwor der Jagd gänzlich ab. „Nun, das wünsche ich keinem meiner Waidkameraden“, schmunzelte der in Beerfelden praktizierende Mediziner. „Denn was wüssten wir in der gewonnenen Zeit sonst mit uns anzufangen“, lachte er. Den Jägern gilt diese Hirschlegende vielmehr als Vorbild und Ansporn zur waidgerechten Jagd.

Wagner ging auch auf den beklagenswerten Zustand der Wälder ein. Der Buchdrucker und der Kupferstecher verursachen seinen Worten zufolge in bereits durch die veränderten klimatischen Bedingungen vorgeschädigten und dem Populationsdruck ausgesetzten Fichtenkulturen große finanzielle Schäden. Die Holzindustrie ächze unter verfallenden Preisen, erläutert er. Hessen Forst habe sich gerade dazu entschieden, bis auf weiteres kein Holz mehr aus dem Wald zu transportieren.

In Deutschland, sagte er, seien seit dem vergangenen Jahr rund 110.000 Hektar Wald abgestorben – eine Fläche etwa halb so groß wie das Saarland. Ungefähr ein Fünftel der deutschen Waldflächen sind Wagner zufolge stark geschädigt, „nur noch ein Drittel gilt als komplett gesund“. Das Aufkommen an Schadholz lag 2018 bei rund 32 Millionen Kubikmetern, für dieses Jahr rechnen Experten mit weiteren 35 Millionen Kubikmetern. Über 114.000 Hektar Wald, also mehr als die Fläche Berlins, seien kahl und müssen aufgeforstet werden.

500 Millionen Euro aus dem Klimafonds sollen dem Wald zugutekommen, teilte der Jagdwirt mit. Die Jäger müssten sich bemühen, mit dem Geld verbesserte Lebensbedingungen für die dem Jagdrecht unterliegenden Tiere zu schaffen, „wie es unser gesetzlicher Auftrag bestimmt“. Viele Untersuchungen renommierter Institute zeigen Wagner zufolge, dass Reh und Rotwild den Wald nicht schädigen oder ihn gar zerstören.

Viele Studien bestätigten darüber hinaus, erläuterte er, dass durch den Einfluss von Pflanzenfressern die natürliche Bewaldung nicht zwangsläufig aufgehalten, sondern lediglich verlangsamt werde. Das Fell der Huftiere könne als Nistmaterial dienen, ihr Kot zur Nahrungsquelle werden, ihr Geweih eine wichtige Nährstoffquelle für Mäuse und ihr Kadaver Ursprung für eine ganze Gemeinschaft von Arten sein.

Gleichzeitig hätten Waldbesitzer und Förster auch eine Verantwortung für die Schutz- und Erholungsfunktion ihrer Wälder, führte er aus. Die Erde könnte ein Drittel mehr Wälder nicht nur vertragen, sondern diese würden auch das CO2-Problem lösen, zitierte er das Magazin „Science“. Es gebe einige Wege des guten und sinnvollen Zusammenlebens von Jagdrechtsinhabern und Jagdausübungsberechtigten, schloss der Jagdwirt deshalb.

 

 

 

Die Hegegemeinschaft Oberzent Beerfelder Land wurde 1988 gegründet. Zuvor gab es den sogenannten „Hegering“ Beerfelden. Die Mitglieder setzen sich zusammen aus den Revierinhabern und den Eigenjagdbesitzern, den Jägern und den Nichtjägern. Vorsitzender ist derzeit Lothar Beck. Mehr unter http://www.hegegemeinschaft-oberzent.de.

Der Trend geht zu wiederkehrenden Beiträgen

Straßenausbaubeiträge werden derzeit heiß diskutiert. Jahrzehntelang gab es nur ein Modell: die einmaligen Zahlungen. Dazu kommt jetzt die Möglichkeit von wiederkehrenden Beiträgen. Wer es sich leisten kann, erlässt den Bürgern gleich komplett die Kosten. Das ist in Oberzent aufgrund der Haushaltslage nicht drin. Aber Handlungsbedarf ist gegeben. Deshalb informierte jetzt Thomas Becker von der Firma Kommunal-Consult die Stadtverordneten über Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten.

In einem ersten Schritt machte Becker deutlich, dass bei Beitragsabschaffung, einer Finanzierung über laufende Einnahmen oder etwa eine Grundsteuererhöhung durch die Doppik kalkulatorisch mehr Geld veranschlagt müsste als bei der Erhebung von Straßenbeiträgen. Außerdem würde das bedeuten, dass dann die Beiträge nur durch die Bürger bezahlt werden müssten. „Die öffentliche Hand zahlt keine Grundsteuer“, machte er deutlich. Der Vorteil: Es gäbe kaum Verwaltungsaufwand.

Bei wiederkehrenden Straßenbeiträge wird ein komplettes Abrechnungsgebiet herangezogen, erläuterte Becker. Meistens entspricht das einem Stadtteil, im Beispielfall etwa Beerfelden. Manche Ortsteile könnten dafür aber auch zu klein sein, sagte er. Da bliebe es dann beim bisherigen Modell, bei dem die Kosten abzüglich der Gemeindeanteil auf die direkten Anlieger umgelegt werden.

Am Beispiel einer bekannten Holperstrecke in Beerfelden, der Hofwiese, machte der Geschäftsführer eine Modellrechnung auf. Bei der sei noch wichtig, ob gleichzeitig Kanal und Wasser saniert werden, denn dann werden diese Kosten bei der Straße rausgerechnet. Für ein 750-qm-Grundstück würden bei einmaligen Beiträgen etwa 18.600 Euro fällig, für 1250 qm wären es 31.000 Euro. Wäre der Kanal mit drin, sind es ein paar tausend Euro weniger.

Becker wies darauf hin, dass die Zahlung dieser Summen auf 20 Jahre gestreckt werden können. Beim aktuellen niedrigen Basiszinssatz wäre die Stadt damit quasi eine „Bank Oberzent“. Sie müsste alles vorfinanzieren, was den städtischen Haushalt unnötig belaste. Wird bei dieser Variante bei Anliegerstraßen ein Gemeindeanteil von 25 Prozent angenommen, wären es bei wiederkehrenden für ein ganzes Gebiet 30.

Hierzu erklärte er, dass pro Beerfeldener, bezogen auf die Grundstücksgrößen, zwischen 65 und 108 bzw. 108 und 180 Euro jährlich gezahlt werden müssten – je nach Dauer zwischen drei und fünf Jahren. Danach wird dann eine neue Maßnahme angegangen. Da meistens ein paar Maßnahmen gleichzeitig laufen, dürften im Jahr Summen zwischen 200 und 300 Euro auf die Bürger zukommen, so Becker auf Nachfrage. Für einen kompletten Straßen-Sanierungszyklus werden 60 Jahre veranschlagt. „Danach geht’s wieder von vorn los.“

Der Kommunalberater wertete das wiederkehrende Modell als generationengerechter. „Es zahlt nicht der Opa und dann erst wieder die Kinder“, sagte er – sondern alle gleich. Becker wies darauf hin, dass es keine lineare Entwicklung bei der Straßensanierung gibt. Das hängt damit zusammen, dass viele Strecken in den 60er bis 80er Jahren gebaut wurden und jetzt marode werden. Hier sollte man im Vorfeld eine Bestandsaufnahme machen und schauen, wo etwas unerlässlich ist und wo man noch strecken kann. Dies auch deshalb, um nicht nur den Straßenbelag, sondern in einem Aufwasch auch die Leitungen und Kanäle zu erneuern.

Der Mehraufwand für die wiederkehrenden Beiträge „ist bei geschickter Organisation nicht messbar“, meinte er auf eine Frage aus dem Rund. Denn die notwendigen Grundstücksinformationen liegen über verschiedene Stellen sowieso vor. Die könnte man dann in einer zentralen Datenbank erfassen. Becker wies darauf hin, dass die Umstellung vom Land darüber hinaus mit 20.000 Euro pro Abrechnungsbezirk gefördert werde.

„Der Trend geht zu wiederkehrend“, sagte er. „Viele zahlen öfter weniger“, heißt dann die Methode. Unterm Strich, auf die komplette Zeit von 60 Jahren gerechnet, kommt aber genau die gleiche Summe rein wie bei einmaligen Beiträgen.

In Bensheim wurden gerade die Straßenausbaubeiträge rückwirkend zu Juli 2018 komplett abgeschafft. Denn in dem Monat trat ein neues Landesgesetz in Kraft, das den hessischen Kommunen diese Möglichkeit eröffnet, wenn sie durch andere Einnahmen ihren Haushalt ausgleichen können. Grasellenbach wiederum kann auf die Einnahmen nicht verzichten. Die Überwald-Gemeinde ist gerade dabei, auf wiederkehrende Beiträge umzustellen, um die Lasten gleichmäßig auf alle Schultern zu verteilen

Heiße Rhythmen rund um den Metzkeil

Bei der Musiknacht ist die Innenstadt Beerfeldens standesgemäß eine einzige große Partymeile. Das Wetter spielt super mit. Tagsüber herrliche Sonne, abends kühlt es nicht zu schnell ab. Besonders zwischen Rat- und Bürgerhaus ballen sich Musikbegeisterten bei der sechsten Auflage. Etwas weniger Besucher als vor zwei Jahren ziehen durch die Kneipen, auch wenn das in den Locations selbst überhaupt nicht auffällt. Alle sieben teilnehmenden Kneipen und Gaststätten sowie Rathaus-Innenhof und Marktplatz-Zelt sind den ganzen Abend über proppenvoll.

Weit mehr als 600 Gäste zählen die Veranstalter von Gewerbeverein und Stadt am Schluss. Auch wenn man einen Rückgang der Zahlen verzeichnen muss: Die Begeisterung der Fans und Musiker macht das wieder wett. Die Bands haben eine riesige Resonanz auf ihre Auftritte. Somit eine perfekte Symbiose für einen mehr als gelungenen Abend, den viele auch nutzen, um einfach mal wieder in angenehmer Atmosphäre alte Freunde wiederzutreffen.

Die große Resonanz auf die Veranstaltung zeigt sich schon bei der beeindruckenden Feuer- und Jonglageshow des Gammelsbachers „Jeremy“ zu Beginn auf dem Metzkeil. Dicht gedrängt stehen die Gäste zusammen, um sich das Spiel mit dem Feuer aus nächster Nähe anzuschauen – und vielleicht schon ein wenig aufzuwärmen. Danach geht’s schnurstracks in die verschiedenen Lokalitäten, wo mit Gongschlag halb 9 die Musik startet – und mehr als vier Stunden lang nicht mehr stoppt. Leider schaffen’s die Musiker ohne Absprache aufs Neue, quasi gleichzeitig Pausen zu machen.

Die „Blue Healers“ aus Frankenthal, 2015 und 2017 der Kracher im Programm, dürfen im Rössl wieder ran. Blues, Rock oder zusammen erdigen Bluesrock zelebrieren die vier. Das ist authentisch, knackig, handgemacht, laut, mitreißend – 70er-Jahre-Feeling pur, das die Musiker exzessiv ausleben. ZZ Top, AC/DC, James Brown oder Led Zeppelin sind nur einige der Heroen, denen die Band gekonnt nacheifert – und damit nicht nur das Lokal, sondern gleich die gesamte Straße mitbeschallt. Von innen laufen die Scheiben an, so heiß ist die urige Show. „Die Band wird jedes Mal gefordert“, weiß Organisator Michael Reinhard.

Über die „Heebies Jeebies“ muss man keine Worte mehr verlieren. Die Irish-Folk-Band als Lokalmatador mit ihren Mitgliedern aus dem früheren Rothenberg bringt das Flair der Grünen Insel auf die grünen Odenwald-Hügel. Schnell werden die Besucher zum Mitklatschen verleitet. Auf Einladung der Stadt treten sie im Rathaus-Innenhof auf. Kulinarisch geht’s aber nicht nach Irland, da bleibt’s eher bodenständig bei Kartoffelsuppe mit Rindswurst.

In der „Unantast-Bar“ rockten die „Bombshells“ mit ihren fetzigen Covern der letzten 40 Jahre los. Bei der fünfköpfigen Band aus der Landauer und Mannheimer Ecke geht die Post ab. Sängerin Dani hat eindeutig das Heft in der Hand. „Rhythm of the Night“ von Corona oder „Walking on Sunshine“ von Katrina and the Waves sind mit Queens „The show must go on“ oder einem Mischmasch aus „Let it be“ und „No Woman, no cry“ die beste Melange für einen unterhaltsamen Abend.

Bei „Arthúr“ im früheren Eiscafé Lido heißt es „Just Brill“. Stefanie Brill bietet mit ihren Musikern eine bunte Melange aus Rock und Pop, die zum Mittanzen einlädt. Im Foyer des Bürgerhauses stapeln sich die Gäste bei der „Sean Treacy Band“. Es ist kaum ein Durchkommen, die Luft zum Schneiden, die Stimmung super. Die Karlsruher Truppe hat die schönsten Rockklassiker der vergangenen Jahrzehnte akustisch im Gepäck, mit denen sie schon einmal im Hüttenwerk Michelstadt auftrat. Ein Genuss.

Die „Desperados“ im Marktplatz-Zelt, vom Verein Generation Oberzent geschmissen, sind deutlich rockiger als es die Selbstbeschreibung mit „Hits der 80er und 90er Jahre“ vermuten lässt. „Kiss“ von Prince, der „Hoochie Coochie Man“ von Muddy Waters und weitere fetzige Stücke beschallen die komplette Straße bis hinunter zum Metzkeil. Im „s´Lagger“ ist mit Peter Heger der Frontmann der süddeutschen Boogie-Woogie-Szene zu Gast.

Für die Organisatoren ist die sechste Auflage des größten Musik-Spektakels in Beerfelden wieder ein Erfolg, auch wenn ein paar Karten weniger verkauft wurden. Nicht nur aus Beerfelden, sondern auch von weiter her, aus dem Weschnitz- und Neckartal, aber auch aus dem nördlichen Odenwaldkreis kommen die Gäste zum Feiern. Erst spät in der Nacht wird der letzte Verstärker ausgedreht, die letzte Gitarre ausgestöpselt, werden die Instrumente eingepackt. Bis der letzte Gast den Heimweg antritt, sind schon die frühen Morgenstunden angebrochen. Alle wünschen sich die Fortsetzung.

Mit HighTech brummt’s für die Bienen

In der Oberzent-Schule Beerfelden brummt es. Unter dem Motto „BEE-4-Future“ startete jetzt ein besonderes Naturprojekt. Im Schulhof werden derzeit drei Bienenvölker von Kindern und Jugendlichen betreut. Die bestehende Projektgruppe unter der Leitung von Stadtjugendpfleger René Tunn sowie den Schulsozialarbeiterinnen Tanja Stolp und Tünde Schweighardt vom Verein für Bildung und Kulturarbeit Lernstubb wurde aus 300 Bewerbern ausgewählt, einen von bundesweit 100 vergebenen HighTech-Bienenstöcken im Innenhof der Oberzent-Schule aufzustellen.

Die Jugendlichen hatten sich hierfür im Rahmen einer Projektwoche beworben und klassenübergreifend ein Bewerbungsvideo erstellt. Es ging darum, mit der Falttechnik Origami Bienen, Bäume, Schmetterlinge und Blumen herzustellen. Damit entstand als Modell der Innenhof nach den ihren Vorstellungen. Sie ließen darin alles einfließen, was sie als für Bienen wertvoll erachteten.

Mit dem Video der Modell-Entstehung ging es dann in die Bewerbungsphase für das von der Audi-Stiftung geförderten Projekts „We4Bee“. Nach der offiziellen Begrüßung durch Schulleiter Bernd Siefert und Bürgermeister Christian Kehrer wurde die Funktionsweise der „HighTech-Bienenbeute“ erläutert, stellvertretend von Siebtklässler Jannik Eichmann in Betrieb genommen und mit dem Internet verbunden.

Ab sofort werden alle Umwelteinflüsse wie beispielsweise Feinstaub, Niederschlagsmenge, Luftdruck oder Helligkeit über Sensoren gemessen und zur Weiterbearbeitung an die Uni Würzburg geleitet. „Die Innen- und Außenkameras lassen Interessierte zu jeder Zeit am Bienenleben teilhaben“, erläutert Tunn. Eine entsprechende Verlinkung wird sowohl auf der Homepage der Oberzent-Schule als auch auf der Internetseite der Stadt eingerichtet.

Die Lernklasse hatte für die Veranstaltung Honigplätzchen in Bienenform und andere Leckereien mit Honig vorbereitet. Anspruchsvolle Acrylbilder, die zu Gunsten des Bienenprojektes von den Schülern gefertigt wurden, konnten gegen eine Spende erworben werden. Ein Bienenlehrpfad führte die erwartungsvollen Besucher durch das Gebäude der Schule.

Die Oberzent-Schule ist nach eigener Aussage im Odenwald die einzige Lernanstalt, in der das Wissen rund um die Biene in dieser Form zielgerecht an die künftigen Generationen weitergegeben wird. Die entstandene, offene AG trifft sich einmal pro Woche und wird je nach Jahreszeit tagesaktuelle, am Bienenkalender orientierte Arbeiten durchführen.

Neben der Wissensvermittlung geht es bei diesem Projekt um praktische Fertigkeiten, um die für die Bienen vorgesehenen Materialien zu pflegen und den Innenhof instand zu halten (Streichen der Behausungen, Rasen mähen, Bepflanzung, Wandgestaltung). Den Projektinitiatoren ist es ein besonderes Anliegen, „den Erfahrungsraum Natur erlebbar und greifbar zu machen“, erläutert René Tunn.

Ihrer Meinung nach ist in einer immer schneller lebenden, verkopften, erfolgsorientierten Gesellschaft die Gefahr gestiegen, den Blick fürs Wesentliche, nämlich die Natur, zu verlieren. Wann immer sich die Möglichkeit bietet, wird generationsübergreifend gearbeitet, um Kindern, Jugendlichen und Interessierten das Wissen über Bienen, insbesondere aber über die Honigbiene zu vermitteln.

So wurden beispielsweise zu Beginn der Projektphase die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen von der fünften bis zur zehnten Klasse eingeladen, bei der Firma Wagner in Mudau erste eindrucksvolle Einblicke in das Bienenleben zu gewinnen. Ziel war es, Ängste und Vorurteile abzubauen oder ihnen entgegenzuwirken. Das Erlebnis, wie es sich anfühlt, eine Honigbiene auf der Hand zu haben, „wird die Beteiligten noch lange nachhaltig begleiten und das Projekt tragen“, ist Tunn sicher.