Oberzent-Schüler klettern voran

Auf dieses Klettergerüst dürften andere Schüler neidisch sein. „Das ist in dieser Form einmalig“, freute sich Schulleiter Bernd Siefert bei der Einweihung während des Tags der offenen Tür an der Oberzent-Schule. Seit den Sommerferien wurde auf dem Freigelände am Bolzplatz gewerkelt, sodass nun die Jugendlichen, als pünktlich zur Eröffnung die Sonne rauskam, erste Kletterversuche unternehmen konnten.

Jürgen Neff als Vertreter des beauftragenden Odenwaldkreises durfte beim Durchschneiden des offiziellen Bandes zusammen mit den Zehntklässlern Maximilian von Au, Elias Eberhard und Paul Bellut ran. Sie hatten in der fünften Klasse bei ihren damaligen Klassenlehrerinnen Isabel Willenbücher und Tanja Daub den Antrag bei der Schulleitung, zu dieser Zeit Bernhild Hofherr, eingereicht, dass sich die Schüler ein Klettergerüst wünschen.

Bernd Siefert hatte als Stufenleiter 5/6 den Prozess mit Inge Krannich vom Bau- und Immobilienmanagement des Kreises angestoßen. „Jetzt ist das Teil viel größer geworden als erhofft“, stellte er fest. Die Kinder hatten zuvor ein Modell gebaut, was Siefert als Anregung von der Grundschule in Neckarelz mitgenommen hatte.

In seiner Eröffnungsrede nahm Siefert auf das Leitbild der OZS Bezug. Er stellte den Anspruch als „die“ integrierte Gesamtschule für Oberzent und die Region heraus. Die Schule verstehe sich als Lern- und Lebensraum, in dem die individuelle und ganzheitliche Entwicklung der Kinder gefördert wird. „Wir richten unseren Blick auf ihre vielfältigen Begabungen“, betonte er. Die Schulgemeinde begegnet sich mit Respekt, Wertschätzung und Empathie.

Der Schulleiter ging auf die zwei Grundbedürfnisse des Menschen nach Hirnforscher Gerald Hüther ein: Verbundenheit und Wachsen können. An der Oberzent-Schule können die Schüler (symbolisch durch das Klettergerüst) „über sich hinauswachsen“, postulierte er. „Let him go“ sangen zur musikalischen Begleitung bei der Einweihung Nina Ruf, Sina Müller, Anna-Lena Setzer und Ilayda Alahöz.

Die 350 Oberzent-Schüler präsentierten ihre in der Projektwoche erarbeiteten Themen den angehenden Fünftklässlern. „Helfen statt Zuschauen“, Tauchen, Fußball oder „Auf den Spuren von Scotland Yard“ hießen nur ein paar Beispiele. Die spanischen Tapas waren am Ende ebenso leergeputzt wie Waffeln oder Pizzabrötchen.

Die Konzentration der Angebote auf die Aula und die angrenzenden Räume bewährte sich, beobachtete Siefert. „Tolle Stimmung, tolle Atmosphäre“, bilanzierte er. Er hob das große Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb des Kollegen- und Schülerkreises hervor.

Beim Erasmus-Projekt gab’s eine Punktlandung. Die Teilnehmer der Polen-Reise trudelten genau rechtzeitig zum Abschlusstanz der fünften Klassen ein. Die vielen positiven Rückmeldungen beweisen Siefert zufolge, dass sich die OZS auf dem richtigen Weg befindet. Er erwartet bei den Schülerzahlen im kommenden Schuljahr noch mal einen Tiefpunkt, „danach steigen sie wieder an“.

Der Schulleiter schätzt, dass sich die Jahrgänge bei Dreizügigkeit einpendeln, sodass in relativ kleinen Klassen gearbeitet werden kann. Nicht nur aus Oberzent, sondern auch aus Hirschhorn und Erbach schicken Eltern ihre Kinder hierher. Viele von ihnen sind ehemalige Pennäler der Schule auf dem Berg, haben gute Erfahrungen gemacht und unterstützen die dortige Form der Lernvermittlung.

Viel Aufmerksamkeit zog die Ausstellung des Jahrgangs 9 unter dem Titel „Zeitzeugen des Nationalsozialismus“ auf sich. Die Jugendlichen hatten das KZ Buchenwald besichtigt und von dort viele Eindrücke mitgenommen, die sie auf verschiedene Stellwände projizierten. Thematisiert wurde auch das Schicksal des Beerfelder Juden Joseph Salomon, der 1937 im Konzentrationslager Dachau starb.

Toiletten sollen täglich gereinigt werden

Dem Ortsbeirat Beerfelden stinkt der Zustand der Toiletten am Zwölfröhrenbrunnen. Eine Grundsanierung der Anlage ist über IKEK-Mittel vorgesehen. In der kommenden Sitzung der Steuerungsgruppe soll die Prioritätenliste beschlossen werden, hieß es auf der Sitzung des Gremiums. Da bis dahin aber noch etwas Zeit ins Land gehen wird, beschloss der Ortsbeirat, dass die Toiletten einmal täglich geputzt werden müssen.

Die Mandatsträger zeigten sich rigoros: Wenn diese regelmäßige Reinigung nicht möglich ist, „sollten sie geschlossen werden“. Denn den aktuellen Zustand sah man als nicht mehr akzeptabel an. „Dann lieber schließen“, so die Meinung im Gremium. Auch an anderer Stelle klemmt es. So ist eine einheitliche öffentliche Beschilderung im Stadtgebiet derzeit aus Kostengründen nicht machbar. Allerdings sollte das Hinweisschild zum Feuerwehrhaus bestellt werden, lautete der Wunsch.

Zum Thema Straßensanierung wurde bei der Verwaltung bereists zwei Mal eine Liste mit besonders schlimmen Holperpisten abgegeben. Das Friedhofskonzept mit Urnengräbern wurde im Magistrat aus Kostengründen abgelehnt, gab Ortsvorsteher Christian Zimmermann bekannt. Bei Dauerparkern auf öffentlichen Parkplätzen fehlt zum Teil die Handhabe, ärgerte er sich.

Von Beerfelden aus zum Nibelungensteig gelangen: Der Ortsbeirat beschloss einstimmig, die Kosten für die Markierung des Zubringers aus seinem Budget zu zahlen. Die kostet für elf Kilometer Länge knapp 400 Euro brutto. Weitere 150 Euro fließen in die Anschaffung von Farben, mit denen die Stromkästen im Kernstadtgebiet durch den städtischen Kindergarten bemalt werden können. Galgen und Güttersbacher Weg an der Abzweigung Etzean sind die bevorzugten Plätze für Liegebänke, gab Zimmermann außerdem bekannt.

 

Ein eigenes Etikett für jede Kirche

Dieser Wein wird in den jeweiligen Orten besonders gut munden. Seit einem Dreivierteljahr bezieht die evangelische Kirchengemeinde Beerfelden ihre süffigen Tropfen von einem neuen Weinhändler: dem Weingut Beyer-Bähr aus Rheinhessen, das auch alle vier Wochen auf dem Beerfelder Wochenmarkt anzutreffen ist. Spätburgunder und Riesling bekommen nun je nach Ausschankort ein eigenes Etikett mit der jeweiligen Kirche aus Gammelsbach, Unter-Sensbach und Beerfelden.

Den Entwurf dafür gestaltete Uwe Breidinger, das Etikett stellt die Firma Schwinn in Gammelsbach kostenfrei her. Dort fand auch die offizielle Vorstellung des neuen „Outfits“ der 0,75-Liter-Flaschen mit Pfarrer Roger Frohmuth, Kirchenvorstand Raimund Keysser sowie Geschäftsführer Stefan Frey und Seniorenchef Ernst-Ludwig Schwinn statt.

Als Abendsmahlswein sowie als Präsent für Geburtstage, Goldene Hochzeiten und Jubiläen wird das Produkt des Betriebs aus Flörsheim-Dalsheim verwendet, erläuterte Frohmuth. Der Vorteil: Die Kirchengemeinde muss keine großen Mengen horten, sondern kann jeden Monat ihren Bestand wieder auffüllen, wenn das Weingut sowieso in Beerfelden präsent ist.

Seit 2013 gibt es den Kirchenwein, erinnert sich Raimund Keysser. Ein paar Flaschen der früheren Bestände existieren noch, aber es musste Nachschub her. „Wir dachten, das wäre ein schönes Symbol, damit die Kirche repräsentiert wird“, ergänzt er. Außerdem haben die Beschenkten etwas Besonderes mit lokalem Charakter in den Händen. Nach Breidingers Vorlage wird das Etikett in seinen drei Ausfertigungen mit den verschiedenen Gotteshäusern bei Schwinn gefertigt. Die Flaschen lassen sich dann je nach „Einsatz“ bekleben.

Etiketten werden in der alteingesessenen Firma seit 1995 hergestellt, eine Haarzurichterei gibt es bereits seit 1948. Inzwischen ist die dritte Generation im Familienbetrieb mit 15 Beschäftigten am Ruder. „Heutzutage wird sehr viel etikettiert“, freut sich Stefan Frey. Die Gammelsbacher Produkte gehen nach ganz Europa – und jetzt eben auch an die heimische Kirchengemeinde.

Windkraft bringt Bewegung in die Menge

Die fortschreitenden Planungen für Windenergieanlagen beschäftigen derzeit die Menschen in Oberzent. In Rothenberg brachte die neu gegründete Bürgerinitiative 300 Leute zu einer Demo auf die Straße, um sich gegen mögliche Rotoren auf der Hirschhorner Höhe auszusprechen. Ein FDP-Antrag ließ nun in der Stadtverordnetenversammlung die Emotionen hochkochen. Am Ende sprach sich das Kommunalparlament aber mit deutlicher Mehrheit gegen Windkraft auf Oberzent-Gemarkung aus.

FDP-Fraktionsvorsitzender Frank Leutz erläuterte das Ansinnen der Liberalen, das in der Abstimmung auch in Gänze von der CDU mitgetragen wurde. SPD und ÜWO votierten uneinheitlich, die Grünen geschlossen dagegen. „Die Stadt Oberzent lehnt es … ab, dass auf Flächen im Stadtgebiet Windenergieanlagen errichtet werden“, lautete ein Punkt des Antrags, den der Gammelsbacher bereits auf einer Infoveranstaltung in Rothenberg skizziert hatte.

Auch der zweite Teil des FDP-Ansinnens fand eine Mehrheit. Darin wird festgehalten, dass Oberzent auf stadteigenen Grundstücken „weder selbst Windenergieanlagen errichten noch Dritten auf diesen die Anlagenerrichtung gestatten wird“. Soweit es der Kommune rechtlich möglich ist, wird sie die städtischen Grundstücke auch nicht für Zwecke der Zuwegung, der Lagerung, der Aufstellung von Kränen oder ähnlichem zur Verfügung stellen.

Leutz brachte es aus seiner Sicht auf den Punkt: Für den Windkraftausbau in Gestalt der Natur „das zu zerstören, was es eigentlich zu schützen gilt, ist im Sinne der FDP grundsätzlich falsch“. Mit dem Antrag sorgten die Freien Demokraten für sicherlich eine der bestbesuchten Stadtverordnetenversammlungen in jüngster Zeit. Alle vorhandenen Stühle der Alten Turnhalle waren belegt, vor allem durch Mitglieder der Rothenberger BI „Pro Natur“. Diese verfolgten die Diskussion interessiert.

„Die Stadt verkennt nicht die hohe Bedeutung, die dem Schutz des Klimas in der heutigen Zeit zukommt“, formulierte der FDP-Mann. Sie sei auch zu weiteren Anstrengungen auf diesem Feld bereit. Die Errichtung von Windenergieanlagen im Wald ist laut Leutz aber „mit derart gewichtigen Nachteilen verbunden“, dass sie abgelehnt wird. Arten- und Denkmalschutz sowie Orts- und Landschaftsbild bezeichnete der Fraktionssprecher neben der Gesundheitsgefährdung als wesentliche Punkte.

„Wir dürfen die Umweltgüter nutzen“, meinte Leutz Allerdings nur so, „dass sie für künftige Generationen erhalten bleiben und auch von diesen genutzt werden können“. Die Abwägung geht seiner Meinung nach „eindeutig zulasten der Windenergie aus“. Denn ihr Schaden für die Umwelt sei groß. Einen Nutzen für die Begrenzung der Erderwärmung und der durch sie befürchteten Umweltschäden habe sie nicht, so seine Meinung. Er sah – zumindest unter den Rahmenbedingungen des europäischen Emissionshandelssystems – die staatliche Förderung als verfassungswidrig an.

Dem FDP-Fraktionssprecher zufolge erbringt Windkraft derzeit lediglich vier Prozent Primärenergieertrag. Damit müssten zu den bestehenden 30.000 Anlagen „weitere hunderttausende“ folgen, um den Bedarf zu decken. Aber selbst dann könne man nicht gänzlich auf herkömmliche Kraftwerke verzichten, da nicht immer Wind wehe. „Schon gar nicht im Schwachwindgebiet Odenwald.“

Es entwickelte sich in der Folge eine rege Diskussion, vor allem zwischen FDP und Grünen. Hier standen die von den Freien Demokraten angeführten Aussagen des Staatsrechtlers Prof. Dietrich Murswiek von der Uni Freiburg und des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Hans Werner Sinn vom IFO-Institut München im Mittelpunkt.

Als sich der Meinungsaustausch peu à peu hochschaukelte, griff irgendwann Vorsteher Claus Weyrauch ein. Auf dessen Anregung hin sollen die Ausführungen der Fraktionen als Protokoll den Waldbesitzern auf der Hirschhorner Höher zur Verfügung gestellt werden. Denn an diese richtet sich schon seit Bekanntwerden der Betreiber-Pläne der Appell der Windkraft-Gegner, ihre Flächen nicht für Windkraft zur Verfügung zu stellen.

Der Außenanstrich am Bürgerhaus ist fast fertiggestellt

1965 wurde das damalige Schulhaus der Stadt Beerfelden zum Bürgerhaus umgebaut. Seit dieser Zeit gab es nur Unterhaltungsarbeiten, aber keine tierfergehenden Sanierungen. In den vergangenen Jahren traten nun altersbedingt mehrfach Schäden bei der Gebäudeentwässerung auf. „Die verlegten Gussrohre waren derart marode, dass nur ein kompletter Austausch infrage kam“, schildert Stadtbaumeister Peter Bauer. Die sowieso erforderlichen Bauarbeiten nahm der Magistrat zum Anlass, im Bürgerhaus eine umfassende Renovierung der sanitären Anlagen durchzuführen.

Hierbei wurde laut Bauer die Gelegenheit genutzt, die Zuordnung der Toilettenanlagen auch umfassend funktional zu ändern und so im Erdgeschoss eine barrierefrei zugängliche behindertengerechte Toilette einzubauen. Durch diese funktionalen Änderungen konnte die Maßnahme im laufenden IKEK-Verfahren (integriertes kommunales Entwicklungskonzept) gefördert werden, erläutert er.

Die Heizungsanlage wurde außerdem mit einer neuen Steuerung versehen. Somit können die unterschiedlichen Nutzungseinheiten bedarfsgerecht mit Wärme versorgt werden. Die wird seit 2006 mit einer Pelletheizung im Keller erzeugt. Auch diese Maßnahmen wurden durch das IKEK-Verfahren gefördert. Die Fördersumme betrug insgesamt rund 179.000 Euro und wurde zu 75 Prozent bezuschusst. Zusätzlich wurde für das Familienzimmer im zweiten Obergeschoss noch eine neue Küche angeschafft und neue Zimmertüren eingebaut.

Durch die Veränderungen musste zuvor die Elektroinstallation VDE-gerecht hergestellt werden, informiert Bauer. Bestandspläne gab es keine, sodass neben dem zeitlichen Aufwand noch zusätzliche Arbeiten erforderlich wurden. Die alten und teilweise schon durchhängenden Putzflächen aus Schilfrohrmatten an den Decken waren teilweise nicht mehr zu retten. Viele Verputzflächen an Wänden mussten teilweise komplett erneuert werden.

In einigen Räumen war nur ein Anstrich vorgesehen. „Teilweise blieb jedoch der Altanstrich auf der Farbrolle hängen“, weiß Bauer um die Schwierigkeiten. Das bedeutete, dass die Untergründe zunächst umfangreich vorbereitet werden mussten. Im Gebäude sind nun nur noch kleinere Restarbeiten durchzuführen.

Nach Abschluss ist das Bürgerhaus nun auch energetisch auf dem neuesten Stand. Die funktionalen Änderungen, insbesondere die seniorengerechte Gestaltung der Toilettenanlagen und das barrierefrei zugängliche Behinderten-WC bis hin zur akustisch wirksamen Streulochdecke im Singsaal, sollen künftig ihren Beitrag dazu leisten, dass das Gebäude weiterhin eine vielseitig genutzte Begegnungsstätte für die Ortsbevölkerung bleibt.

In einem weiteren IKEK-Verfahren werden derzeit die Dacheindeckung in Biberschwanzziegeln, die Dachentwässerung sowie der Anstrich der Fassade denkmalgerecht erneuert. Seitens der Denkmalschutzbehörde des Odenwaldkreises gab es eine intensive Farbberatung. Künftig erstrahlt die Fassade nach historischen Vorbildern in einem gebrochenen Weiß. Die Baukosten an Dach und Fassade betragen rund 150.000 Euro, die ebenso mit 75 Prozent gefördert werden.

Ausbesserungsarbeiten waren auch an einem weiteren ortsbildprägenden Gebäude, der Alten Turnhalle in der Hirschhorner Straße, erforderlich. Die denkmalgeschützte Fachwerkkonstruktion musste insbesondere an der straßenseitigen Fassade fachgerecht saniert werden. Unter Begleitung der Denkmalschutzbehörde wurden teilweise verfaulte Bauteile an Schwellen, Pfosten, Riegeln und Streben fachgerecht herausgestemmt und ersetzt.

Des Weiteren wurde im Gebäude die Saalbeleuchtung erneuert. Hierbei kommen nun energiesparende LED-Strahler zum Einsatz. Im Rahmen des sogenannten Öko-Audits der Entega wurden die entsprechenden Voruntersuchungen durchgeführt. Alle Maßnahmen wurden im Rahmen der Hessenkasse gefördert, sodass von den veranschlagten Kosten in Höhe von 22.500 Euro die Stadt Oberzent zehn Prozent zu tragen hat.

 

Eindrucksvolle Demo der Windkraftgegner

Spätestens jetzt dürfte das ganze Höhendorf aufgeschreckt sein. Die vor einer Woche neu gegründete Bürgerinitiative (BI) „Rothenberg Pro Natur“ hatte zu einer Demonstration gegen mögliche Windenergieanlagen auf der Hirschhorner Höhe Richtung Beerfelden aufgerufen. Gleichzeitig sollte auf die Grundstückseigentümer Druck ausgeübt werden, ihre Flächen nicht für eine Rotoren-Errichtung an Projektierer zu verpachten.

Die Veranstalter können ihre Aktion als vollen Erfolg verbuchen. Geschätzt 300 Bürger machten ihrem Unmut lautstark Luft, dass 13 Windräder entstehen konnte. Eine Stunde lange bewegte sich der Demonstrationszug von der Sporthalle durchs 900-Seelen-Dorf bis zum Rathaus, unterbrochen von einigen Wortbeiträgen und vor allem großem Getöse durch Trillerpfeifen. Trotz der Kälte harrten die Teilnehmer bis zum Ende aus.

Die Demonstranten kamen dabei nicht nur aus Rothenberg selbst, sondern auch aus vielen anderen Odenwald-Orten. Start vertreten war die Überwald-Fraktion, die bereits mit der WEA „Stillfüssel“ bei Wald-Michelbach leidvolle Erfahrungen machte. Aber auch Mossautal (Kahlberg) und Breuberg waren dabei.

Noch ein zweites Ziel erreichte die BI: Angetreten mit dem Wunsch, die Werbeveranstaltung für die Waldbesitzer, angesetzt durch die Projektierer in der „Frischen Quelle“, zu stören, wurde diese von der betreffenden Firma im Vorfeld abgesagt, weil sie zu viel Gegenwind fürchtete.

Der ehemalige Landrat Horst Schnur, einer der engagiertesten Windkraft-Gegner im Kreis, stimmte die Menge vor der Sporthalle auf die Situation ein. Es geht darum, den Kahlschlag und die Betonierung für 13 Rotoren sowie die Landschaftszerstörung zu verhindern, betonte er. Die Akteure sehen sich laut Schnur auf einer Linie mit den Gremien der Stadt Oberzent. Die Schweigsamkeit der Bevölkerungsmehrheit in der öffentlichen Wahrnehmung sollte beendet werden, forderte er.

250 Meter hohe, subventionierte Rotoren im windschwachen Odenwald leisten dem Ex-Landrat zufolge „weder einen Beitrag zur Energiesicherheit noch zum Klimaschutz“. Stattdessen seien die andernorts gewonnenen Erkenntnisse zur Trinkwassergefährdung und zum gesundheitsschädlichen Infraschall zu berücksichtigen, betonte er. Bereits jetzt hätten die Rothenberger mit Blick nach Westen auch nachts die roten Blinkfeuer von drei Windparks (Greiner Eck, Kahlberg, Stillfüssel) vor Augen. Es dürfe kein Verpächter auf Kosten der Mitbürger deren Lebensqualität durch Windindustrieanlagen zerstören, hob er hervor.

Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch unterstrich die Position des Gremiums, das sich bereits schon einmal gegen Windkraft auf der Gemarkung ausgesprochen hatte. Am kommenden Mittwoch ist ein weiterer Beschluss geplant, um das Gebiet von Oberzent Windanlagen frei zu halten. Weyrauch forderte klar eine Inkraftsetzung des Odenwaldkreis-Flächennutzungsplan zur Windkraft, der bisher vom Regierungspräsidium abgelehnt wird.

Irmgard Neuer begrüßte für die BI mit großer Freude die vielen Teilnehmer. Niemals hätte sie es sich träumen lassen, dass so viele Menschen zusammenkommen, meinte die Rothenbergerin. Vera Krug von der BI Gegenwind Ulfenbachtal-Siedelsbrunn ermahnte die Mitstreiter, nicht locker zu lassen und über die negativen Auswirkungen der Windkraft-Industrialisierung aufzuklären. Die Wälder sind ihren Worten zufolge die größten CO2-Speicher. „Keine Naturzerstörung hat jemals positive Auswirkungen auf das Klima“, so Krug.

Zur Sprache kam die Angst von Rothenberger Bürgern, dass ihr Dorf gespalten wird und die Geldgier der Verpächter siegen könnte. Krug erwähnte, dass sich bestimmt andere Käufer für die betreffenden Grundstücke finden lassen, wenn es allein um Geld gehe. Die Pacht, damit dort Windräder errichtet werden, betitelte sie als „Judaslohn“. Roland Wolf, Vorsitzender der neuen BI, betonte: „Wir haben etwas dagegen, dass ein paar weniger Profite auf Kosten der Allgemeinheit machen.“

 

 

 

Die PNE AG mit Sitz in Cuxhaven (jetzt im Eigentum von Morgan Stanley)  und die UKA Meißen Projektentwicklung planen derzeit auf dem im Regionalplan für Windkraft ausgewiesenen Flächen 23, 23 a und 23 b auf der Höhe zwischen Beerfelden (Trimmdichpfad) und Rothenberg etwa 13 Standorte für Rotoren. Hinzu kommt dem Vernehmen nach nun als neuer Interessent die bayrische VenSol Neue Energien GmbH aus Babenhausen (Bayern).

Oberzent-Neujahrsempfang: Jugendförderpreis für Singkreis Odenwald

Er sei froh, Bürgermeister in einer Stadt zu sein, „in der so viel geleistet wird“, bekannte Bürgermeister Christian Kehrer beim Neujahrsempfang der Stadt Oberzent in der Alten Turnhalle Beerfelden. Bis die Gäste im gestopft vollen Saal mit einem Glas Sekt aufs neue Jahr anstoßen durften, sollte allerdings einige Zeit vergehen. Denn das umfangreiche, aber auch kurzweilige Programm erforderte Sitzfleisch.

Die neu formierte „Big Band Oberzent“ sorgte für die musikalische Auflockerung zwischen einzelnen Punkten. In ihr haben sich etliche gestandene Männer plus ein Jungspund zusammengefunden, die der Spaß am Musizieren eint. Rauschender Beifall belohnte den Auftritt, der unter anderem ein Glenn-Miller-Medley und ein paar Rockstücke umfasste. Bei diesem Repertoire und den gezeigten musikalischen Fähigkeiten wäre ein eigenes Konzert der nächste logische Schritt.

Von den älteren Semestern zu den Jüngsten: Der Kinderchor des Singkreises Odenwald erhielt aus den Händen von Kehrer und Landrat Frank Matiaske nicht nur den mit 1000 Euro dotierten Jugendförderpreis, sondern eroberte mit zwei Stücken auch die Herzen der Zuhörer. Unter der Leitung von Melanie De Meo wurden bei „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ Schneebälle übers Publikum ausgeschüttet.

Matiaske nahm es mit Humor, dass er direkt nach dem schwungvollen Auftritt der Big Band ans Mikro trat. „Viele hätten gerne eine heiße Sohle auf Parkett legen wollen und jetzt kommt das Grußwort des Landrats“, schmunzelte er. „Von deinen Kindern lernst du mehr als sie von dir. Sie lernen eine Welt von dir, die nicht mehr ist, du lernst von ihnen eine, die nun wird und gilt“, stellte er ein Bonmot von Friedrich Rückert in den Mittelpunkt.

„Die Jugend ist unsere Zukunft“, führte Matiaske in sein Lieblingsthema ein, den demographischen Wandel. Angesichts von schrumpfenden Dörfern auf dem Land sah er eine Beschäftigung damit als brennender denn je an. Der Landrat zeigte sich den vielen Vereinen gegenüber dankbar, die Kindern im Odenwald eine gute Jugend bieten. Damit wird seinen Worten zufolge eine wichtige Basis geschaffen, damit diese nach Ausbildung und Studium in der Ferne wieder in die Heimat zurückkehren.

Bisher auf Beerfelden beschränkt, kann der Jugendförderpreis seit der Fusion an Vereine in ganz Oberzent ausgeschüttet werden, informierte Kehrer. Ohne die Vereine ist für ihn die gemeinsame Stadt nicht vorstellbar. „Es ist einiges geboten in 19 Stadtteilen“, sagte der Bürgermeister. Er rief die Bürger auf, den gemeinsam begonnenen Weg weiter zu beschreiten. Beifall bekam Kehrer für seinen Appell, „nicht zu meckern, sondern rauszugehen“, den er im Zusammenhang mit den weniger werdenden Gaststätten an die Zuschauer richtete.

In seinem Jahresrückblick griff das Stadtoberhaupt einige prägnante Ereignisse von 2019 heraus. Natürlich dabei: die Musiknacht, bei der der Rathaus-Innenhof mangels der Masse an Kneipen „zur Partyzone wurde“. Oder Sportlerehrung, Zirkuswochen und Pferdemarkt, um nur einige zur nennen. Als Highlight nannte Kehrer den Seniorennachmittag, der hunderte von älteren Mitbürgern in die Walter-Heckmann-Halle führte, wo sie Tommy Steiner und Bata Illic lauschten.

Nicht nur in diesem Zusammenhang stellte er sein Rathausteam heraus, „das nicht auf die Uhr schaut“ und viele Veranstaltungen wie auch den Neujahrsempfang ehrenamtlich begleitet. OREG, Wirtschaftsförderung, Gewerbegebiet Zieglersfeld, Oberzent-Schule oder Revive Oberzent waren weitere erwähnte Punkte.

Grußworte richtete neben der Verleihung von Dankpräsenten Stadtverordnetenvorsteher Claus Weyrauch an die Gäste. Vor der Preisverleihung des Taschen-Gewinnspiels gab es einen eindrucksvollen Vortrag von Silke Naun-Bates. Sie sieht sich nach ihren schweren Unfall im Kindesalter, nach dem ihr beide Beine amputiert werden mussten, als „Botschafterin“ des Glücks, der Freiheit und des Friedens. Die in Bad Rappenau wohnende will Menschen Mut und Hoffnung schenken.