Auch der Hessenecker Ausschuss stimmt für den Oberzent-Grenzänderungsvertrag

Der Weg ist frei: In den parallel stattfindenden Stadtverordneten- und Gemeindevertreter-Sitzungen am 2. Mai können die Gremien über den Grenzänderungsvertrag beschließen und damit die Fusion zum 1. Januar 2018 festzurren. Von allen Ausschüssen der Oberzent-Kommunen gab es einstimmige Empfehlungen, das Vertragswerk wie vorgestellt umzusetzen. Als letzter in den vier Gemeinden sprach sich nun der Haupt- und Finanzausschuss von Hesseneck für die Ratifizierung aus.

Zuvor hatte Projektleiter Christian Kehrer vom Kommunalservice Oberzent in bewährter Manier die einzelnen Paragrafen des Grenzänderungsvertrags den Mandatsträgern vorgestellt. Er ging dabei noch einmal auf das Ortsrecht ein. Nachdem aus Gründen der Rechtssicherheit erst die 2018 tagende Interims-Stadtverordnetenversammlung die jeweiligen Satzungen rückwirkend beschließen soll, werden seinen Worten zufolge die Steuerbescheide einen Monat später als gewohnt verschickt.

Im Hessenecker Ausschuss war daneben die Waldbewertung ein Thema. Denn bisher setzen die vier Kommunen unterschiedliche Werte für Boden und Bewuchs an, die im Zuge der Fusion nivelliert werden müssen. Dies geschieht laut Kehrer in Absprache mit Hessen Forst. Die dortige Bewertungsstelle wird aber erst tätig, wenn der Grenzänderungsvertrag unter Dach und Fach ist. Das wird dann mit der offiziellen Unterschrift der Bürgermeister am 3. Mai der Fall sein.

Aktuell sind in der Bilanz bei Hesseneck und Sensbachtal 51 Cent pro Quadratmeter drin, bei Rothenberg 70 Cent und bei Beerfelden sogar 91 Cent. In einer früheren Sitzung war bereits angeklungen, dass der Beerfelder Wert zu hoch ist und sich das Level etwa auf Rothenberger Verhältnisse einpendeln könnte.

Letztlich ist Kehrer zufolge die Kommunalpolitik bis Ende des Jahres gefordert, den Wald neu zu bewerten. Denn die gewählten Zahlen müssen dann in die Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 2018 einfließen. Hessen Forst wiederum muss aus vier Waldwirtschaftsplänen einen machen, der dann für kommendes Jahr gültig ist.

Aber auch wenn der Beerfelder Wald kräftig an Buchwert verlieren wird und sich dies im eigenen Vermögen bemerkbar macht, so ist das „nicht haushaltswirksam“, betonte Kehrer. Denn im Grenzänderungsvertrag sei der Vereinfachungspassus aufgenommen, den das Ministerium den vier Kommunen bei der Fusion eingeräumt habe. Was bedeute, dass dieser Wertverlust buchhalterisch mit dem Eigenkapital verrechnet werden könne.

Der neue gemeinsame Haushalt für 2018 wird laut dem KSO-Projektleiter danach erarbeitet. Alles, was nach dem 2. Mai erfolgt und die Zukunft betrifft, „wird von den vier Gemeinden zusammen erarbeitet und beschlossen“.

Hesseneck als bisherige Schutzschirm-Kommune behält Kehrer zufolge die bisher daraus gewährte Schuldenübernahme. Er erläuterte weiter, dass die Spielautomatensteuer, die bisher nur in Beerfelden galt, voraussichtlich auf die neue Stadt Oberzent ausgeweitet werden soll. Dies sei problemlos möglich, da es in den anderen Kommunen keine Automaten gab und deshalb kein Grund zur Vereinheitlichung besteht.

Rothenberger Ausschuss empfiehlt der Gemeindevertretung einstimmig die Verabschiedung des Grenzänderungsvertrags

Auch die Rothenberger machten den Weg frei. Auf seiner gemeinsamen Sitzung empfahl der Haupt- und Finanz- mit dem Bau- und Umweltausschuss einstimmig der kommende Woche tagenden Gemeindevertretung, den Grenzänderungsvertrag für die Oberzent-Fusion in der vorliegenden Form zu verabschieden. Änderungen am Vertragswerk gab es keine mehr. Nach Beerfelden und Sensbachtal ist es das dritte eindeutige Votum der beteiligten Kommunen hin zur neuen Stadt „Oberzent“.

Der Projektleiter Fusion beim Kommunalservice Oberzent, Christian Kehrer, war zuvor mit den Mandatsträgern das Vertragswerk Punkt für Punkt durchgegangen. Wichtig war ihm der Hinweis auf die Mindestzahl der Ortsbeiratsmitglieder. „Wenn sieben gefordert sind, kommt mit sechs Mitgliedern kein Gremium zustande“, betonte Kehrer.

Deshalb kam von ihm und auch aus dem Gremium der Hinweis, „dass die Beteiligung der Bürger ausdrücklich gewünscht ist“. Der gemeinsame Ortsbeirat von Finkenbach, Raubach und Hinterbach hat sieben Sitze, ebenso wie der von Rothenberg-Ort. Kortelshütte und Ober-Hainbrunn kommen jeweils auf fünf.

Eigentlich war laut Kehrer geplant, dass das jeweilige Ortsrecht von Beerfelden, Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck noch in diesem Jahr als Satzung verabschiedet wird und in die neue Stadt übergeht. Aus Gründen der Rechtssicherheit habe man nun beschlossen, dass dies im neuen Jahr durch die vorläufige gemeinsame Stadtverordneten-Versammlung geschehen soll und dann rückwirkend gilt. Beides mit dem gleichen Ziel: einheitliche Gebühren zum 1.1.18.

Rothenberg hatte bisher als einzige der vier Kommunen eine Zweitwohnungssteuer. Die spült Kehrer zufolge jährlich 20.000 Euro in die Gemeindekasse. Aus Gründen der Gleichbehandlung müsste sie entweder ab 2018 auf die komplette Oberzent-Stadt ausgeweitet oder zumindest vorläufig auf Eis gelegt werden. Vorerst entschied man sich für die zweite Variante.

Denn die Vorarbeiten bedeuten laut Kehrer einen ziemlichen Verwaltungsakt, bei dem viel Zeit und Arbeitskraft gebunden werden. Das sei vor dem Jahreswechsel nicht mehr zu leisten. Die Entscheidung pro oder kontra „ist eine politische“, so der KSO-Mitarbeiter. Sie sei dann von der neuen Stadtverordneten-Versammlung zu treffen. Um ein bisschen Geld geht es allerdings auch: Auf ganz Oberzent ausgedehnt könnte die Zweitwohnungssteuer pro Jahr 50.000 Euro Einnahmen bringen.

Paragraf 14 des Vertrags beschäftigt sich mit der Organisationsstruktur. Hier erläuterte Kehrer, dass man den Aufbau eines Bürgerservices überdenke, der von Montag bis Donnerstag im rollierenden System in den vier Orten eine Öffnungszeit der jeweiligen Verwaltung bis 18 Uhr vorsieht. Damit sei gewährleistet, dass die Einwohner aus allen Kommunen bis zu dieser Zeit telefonisch einen Mitarbeiter erreichen und bei Bedarf in dem jeweiligen Ort auch direkt vorbeischauen können.

Der Bürgerservice kümmert sich laut dem Projektleiter dann um einfache Verwaltungsangelegenheiten. Dass kann die Beantragung eines Ausweises sein, ebenso An- und Abmeldungen, die Zweitwohnungssteuer, wenn sie wieder kommen sollte, Müllangelegenheiten oder die Abholung der gelben Säcke. Aktuell werde eine Checkliste dafür erstellt.

Beim Paragraf 16, öffentliche Einrichtungen, verdeutlichte Kehrer klar, dass „die neue Stadt die bestehenden weiterführt“. Damit wolle man Befürchtungen entgegentreten, dass im Zuge der Fusion ein Ort der Verlierer sein könnte, weil dort etwas geschlossen werde. Es geht bei den öffentlichen Einrichtungen etwa um Bürgerhäuser, Kindergärten, Sporthalle oder Schwimmbäder.

Im Paragraf 27 wurde verdeutlicht, dass jetzt die Interessen der neuen Stadt zählen und in die Zukunft gerichtete Entscheidungen nur noch gemeinsam getroffen werden. Unter anderem auch eine mögliche in Bikepark/Liftanlage und Sensbacher Höhe, die Claus Weyrauch kurz dem Gremium skizzierte. Außerdem wies Kehrer noch einmal auf die Umbenennung der Straßennamen hin. Bis nach den Sommerferien gebe es hier noch die Möglichkeit für Vorschläge oder Ideen.

Landesstraße zwischen Hirschhorn und Hainbrunn wird wieder voll gesperrt

Am Dienstag, 2. Mai, beginnt Hessen Mobil mit den Bauarbeiten zur Herstellung eines Steinfangnetzes im Zuge der Landesstraße L 3119 zwischen Hirschhorn und Unter-Hainbrunn. Für die Durchführung ist laut Mitteilung eine Vollsperrung der Landesstraße im Bereich der Baustelle bis voraussichtlich Freitag, 5. Mai, erforderlich. Die weiteren Bauarbeiten können unter halbseitiger Sperrung mit Baustellenampel abgewickelt werden und sollen bis voraussichtlich Mittwoch, 10. Mai, andauern.

Während der Vollsperrung führt die ausgeschilderte Umleitung ab dem Brombacher Tal (Einmündung K 35) über die L 3410 über Rothenberg nach Beerfelden und umgekehrt.
Im Rahmen der Baumaßnahme werden auf einem rund 600 Meter langen Streckenabschnitt teilweise Steinfangnetze in der Straßenböschung befestigt. Die Arbeiten sind Teil der Böschungssicherungsmaßnahme, bei der bereits im vergangenen Jahr ein Steinfangzaun entlang der Landesstraße errichtet wurde.

Die Sicherungsmaßnahmen sind laut Hessen Mobil notwendig, da das Sandgestein der Straßenböschung große Zerklüftungen aufweist, die teilweise nur durch vorhandenen starken Bewuchs gehalten werden. Zudem steigt der Hang teilweise bis zu 80 Grad auf. Die Gefahr besteht, dass Steine auf die Fahrbahn fallen können. Diese Gefahr wird durch starke Rotwildwanderungen im betreffenden Gebiet verstärkt, das zusätzlich Steine lostreten kann.
Die Kosten belaufen sich auf rund 140.000 Euro.

Maddin: Der Meister im hessischen Dummbabbeln zu Gast in Beerfelden

Der Meister ist wieder da. Gut, Maddin würde man normalerweise anders titulieren als den unangefochtenen Chef im Ring. Aber der hessische Comedian hat ein Selbstbewusstsein mindestens so groß wie sein Mund breit ist – also immens. Und deshalb geht es nicht unter diversen Superlativen, nicht nur was seine Person, sondern auch seine Anziehungskraft aufs weibliche Geschlecht betrifft. „Meister Maddin“ eben, der der Carneval Gesellschaft als Veranstalter eine ausverkaufte Alte Turnhalle bescherte.

Das Publikum hat er schnell auf seiner Seite, auch wenn seine Hommage an Beerfelden die eine oder andere Schleimspur auf der Bühne hinterlässt. Er war nie in der Oberzent-Stadt, so Maddin grinsend (und wer ihn kennt, weiß, wie breit dieses Grinsen ist), „aber es war schon immer mein größter Traum“. Denn wer hierher kommt, „der hat es geschafft“.

Flugs sind auch die ersten Opfer in der ersten Reihe rausgedeutet, die als willkommene Zielscheiben bei den diversen Gags herhalten dürfen. Dieter, Diana und Doschun wünschten sich danach sicherlich, sie hätten sich einen Platz weiter hinten gesucht und wären nicht so sehr auf Tuchfühlung mit dem Meister des verqueren Humor gegangen. Aber mitgefangen, mitgehangen: Die drei machten ihre Sache so gut, dass selbst dem Dummbabbler per excellence das eine oder andere Wort der ernsthaften Begeisterung über die Lippen kam.

Überhaupt: Einer wie Maddin Schneider kann eigentlich nur Komiker werden. Sein, positiv formuliert, extravagantes Aussehen prädestiniert ihn geradezu für den Job. Gut, als Quatschmacher könnte er vielleicht noch den Clown im Kindergarten geben, aber möglicherweise würde er dort sogar den Kleinsten auf den Nerv gehen. Dann doch besser gutes Geld vor eine Meute williger Fans verdienen, denen er lang und breit aus seinem Gefühlsleben erzählen kann und die auch die etwas flacheren Gags gerne goutieren.

Breites Grinsen von einem Ohr zum anderen, dazu breitestes Hessisch in seiner gedehnten, leicht einschläfernden Variante, rollende Augen, dass einem schon beim Zuschauen schwindlig wird, eine hagere Figur, sodass sich jede Diätkur danach die Finger schlecken würde: nein, Maddins Vorzüge sind eindeutig nicht körperlicher Art. Die Kleiderauswahl mit weißem Hemd, das um den schmalen Oberkörper schlottert, und den weiten, beigefarbenen Hosen über dünnen Stelzen sind ebenfalls dazu geeignet, nicht von seinem besten Kapital abzulenken: dem schiefen Schlappmaul.

Wobei: Das wäre nichts ohne seine Oma. Deren Weisheiten, immer mal wieder ins Programm eingestreut, sind fast die besten Lacher, weil einfach und doch treffend. Hessische Dorfweisheiten eben. Wie von den Leuten, „die ich jetzt schon gerne vermissen täte“. Oder das Einfache, das total simpel klingt. Und natürlich: „Die Seele einer Frau und das Innere von Lewwerworscht bleiben ewig unerforscht.“

Aber eigentlich geht’s dem Komiker in seinem neuen Programm um den Zusammenhang zwischen Hessen und Indien. Einen hat er natürlich schnell gefunden, die „Grün‘ Soße“, vulgo Curry. Oder Babbal-Yoga, das total entspannt – im Anfangsstadium Dummbabbeln genannt. Und genau hier ist natürlich der Meister am Werk, kennt Maddin aus dem Effeff, wovon er spricht – oder babbelt. Und weiß sich auf einer Ebene mit Sportlern und Politikern, die das bis zum Exzess beherrschen.

Diverse Sprechübungen machen auch den aus dem Badischen eingewanderten Besuchern klar, dass sie nicht ohne eine große Dosis Hessisch wieder zurück an den Neckar dürfen. Der Schlabberlabbe oder der Schoggelaaaaadehaaaaas sind perfekte Beispiele dafür, wie sich mit urhessischen Mantras das Herz-Chakra öffnen lässt. Und dann noch der Flenn-Club nach Maddins Beziehungsende, der sich dem Heul-Sauf-Yoga verschrieben hat.

Manchmal bleibt es bei seinen Monologen allerdings auch unerforscht, warum die besonders witzig sein sollen. Andererseits haut Maddin dann aus dem Nichts einen solchen Kracher raus, dass sich der Saal wieder vor Lachen biegt. Was heißt, dass seine Fans in Beerfelden absolut auf ihre Kosten kamen.

 

Das Projekt „Aufeinander zugehen“ von Oberzent-Schule Beerfelden und Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl findet bei Schülern und Senioren viel Anklang

Jung und Alt lernen voneinander, bauen Vorurteile ab, gehen aufeinander zu. Und genauso, „Aufeinander zugehen“, heißt auch das Projekt an der Oberzent-Schule, das diese gemeinsam mit der benachbarten Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl durchführt. Neunt- und Zehntklässler besuchen im Rahmen ihres Ethik- und Religionsunterrichts an einem Tag in der Woche die älteren Menschen und gestalten ihre Zeit zusammen. Für beide Seiten sehr fruchtbar, wie ein Besuch in den drei Gruppen zeigte.

„Es ist schön, dass auf diese Weise Leben reinkommt“, sagte Heimleiter Michael Vetter. Die Schüler seien „sehr engagiert dabei“ und könnten so von den Bewohnern die eine oder andere Geschichte über das Leben in früheren Jahrzehnten erfahren. „Manche Bewohner verpassen keine Freitagsgruppe mit den Jugendlichen“, wusste Pflegedienstleiterin Angela Scheil.

Was auch Helga Sattler unterstrich: „Es klappt ganz toll mit den Schülern“, unterstrich die Seniorin, Teilnehmerin in der Sportgruppe. „Wir freuen uns immer sehr auf ihren Besuch.“ Wenn den Älteren mal etwas keinen Spaß machen sollte, „dann werden die das schon merken“, schmunzelte sie. Denn, so stellte sie fest, „die Jugendlichen verlassen sich auf unsere Rückmeldung“.

Oftmals seien die Heranwachsenden in einem schwierigen Alter und hätten ihre eigenen Probleme, meinte Scheil. Wovon man aber in der Seniorenresidenz nichts merke: „Ich höre immer wieder von Bewohnern und Betreuungskräften, dass alle sehr freundlich und den Älteren zugewandt sind“, sagte sie. Was Helga Sattler bekräftigte: „Wir werden wie die eigenen Großeltern behandelt“, freute sie sich.

Den Besuch einer Schülergruppe – es ist der dritte im laufenden Schuljahr – „können wir uns gar nicht mehr wegdenken“, unterstrich Scheil. Der Unterricht bekommt laut Oberzent-Schulleiter Bernd Siefert „eine andere Komponente“, wenn er nicht nur theoretisch orientiert sei, sondern die Jugendlichen nach draußen gehen und mit anderen ins Gespräch kommen. Das kommt auch bei den Schülern gut an: „Wir hatten mehr Anfragen als verfügbare Plätze“, sagte Ethik-Lehrerin Juliane Rapp.

Auf Seiten der Seniorenresidenz koordiniert Michaela Maurer das Projekt. Jede Gruppe besteht aus 20 bis 24 Schülern, sagte sie, pro Schuljahr sind es drei Stück. Die anfängliche Skepsis auf beiden Seiten weicht ihrer Beobachtung nach bald einem fast innigen Verhältnis. „Wenn Ferien sind und der etatmäßige Freitag ausfällt, gibt es betrübte Nachfragen der Senioren“, berichtete sie. Denn die rechnen inzwischen fest mit dem Angebot, nachdem zu Beginn des Projekts die Vorbehalte groß waren, „ob die jungen Leute uns verstehen“.

Auf der anderen Seite seien die Jugendlichen traurig, wenn die sechs Wochen vorbei sind – und fragen, ob sie wiederkommen dürfen. „Manche haben eine emotionale Verbindung aufgebaut und wollen ihre Lieblingsomi wieder besuchen“, schmunzelte sie. Denn die frühere Großfamilie unter einem Dach gebe es nicht mehr. Die Großeltern wohnten oft weit entfernt.

Für die „Seele der alten Leutchen“ sei es ganz wichtig, dass sich Jüngere für sie interessieren, so Maurer. Ob es nun Gymnastik von Kopf bis Fuß ist, Memory-Spiele oder Berufe raten sowie Brettspiele oder Gedächtnistraining: Jung und Alt sind in die verschiedenen Aktivitäten vertieft. Das geht dann schon so weit, dass sich die Senioren den Besuch der Angehörigen an einem anderen Tag als dem Freitag wünschten, lächelte Scheil.

Die letztjährigen Berichte der Teilnehmer sorgten nach der Beobachtung von Juliane Rapp dafür, dass sich auch der diesjährige Jahrgang so stark dafür interessierte. „Die haben tolle Erfahrungen gesammelt“, berichtete sie. Von einer „lebenden und lebendigen Schule“ sprach in diesem Zusammenhang Bernd Siefert. Es gab viele positive Rückmeldungen. Umgekehrt genauso: „Ich hätte nie gedacht, dass das ein solcher Renner wird“, so Angela Scheil. Weshalb sich alle einig waren, das Projekt auch im nächsten Schuljahr fortzusetzen.

Wie kommt das Projekt „Aufeinander zugehen“ bei den Schülern an? „Wir machen jeden Freitag verschiedene Spiele“, meint Xenia. Im Umgang mit an Demenz leidenden Senioren kann sie auch Erfahrungen fürs familiäre Umfeld sammeln. Am Anfang, gesteht sie, „war es etwas schwerer, als ich es mir vorgestellt habe“. Im Laufe der verschiedenen Besuche wurde es aber einfacher.

Was auch die ebenfalls 15-jährige Mattea betont: „Man muss Geduld haben und darf nicht locker lassen“, sagt sie. Ihre anfänglichen Bedenken legten sich. „Die älteren Menschen sind nett und offen“, beobachtet sie. Sie fassten nach und nach Vertrauen und erinnerten sich auch immer wieder an Geschichten von früher. Wie rührend sich die Neuntklässler um die Senioren kümmerten, zeigten sie auch am Ende der Gruppenstunde, als sie diese mit ihren Gehhilfen und Rollatoren fürsorglich zum Fahrstuhl begleiteten.

 

Der Weg zur Verabschiedung des Grenzänderungsvertrags in der Stadtverordneten-Versammlung Beerfelden ist frei

Der Weg für die Oberzent-Fusion am 1.1.2018 ist zumindest in Beerfelden so gut wie frei. Denn auf seiner gemeinsamen Sitzung empfahlen Haupt- und Finanz- zusammen mit Sozial- und Umweltausschuss einstimmig der Stadtverordneten-Versammlung, auf ihrer Sitzung am 2. Mai den Grenzänderungsvertrag zu verabschieden. Die einzige Enthaltung kam vom SPD-Fraktions- und Hauptausschuss-Vorsitzenden Erwin Körber (SPD). Auf der Sitzung aller Ortsbeiräte einen Tag später nahmen diese den Vertrag ebenfalls zur Kenntnis.

Eine Diskussion über die aktuellste Variante des Grenzänderungsvertrags hatte es in der Ausschuss-Sitzung nicht mehr gegeben. Fusions-Projektleiter Christian Kehrer vom Kommunalservice Oberzent hatte kurz vor knapp vorgenommene kleinere Änderungen noch einmal erläutert. Das Paragrafenwerk war zudem in einer gemeinsamen Sitzung aller vier Gemeindevertretungen durchgesprochen worden.

Eigentlich war laut Kehrer geplant, dass das jeweilige Ortsrecht von Beerfelden, Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck noch in diesem Jahr als Satzung verabschiedet wird und in die neue Stadt übergeht. Aus Gründen der Rechtssicherheit wurde nun beschlossen, dass dies im neuen Jahr durch die vorläufige gemeinsame Stadtverordneten-Versammlung geschehen soll und dann rückwirkend gilt. Beides mit dem gleichen Ziel: einheitliche Gebühren zum 1.1.18. Die spätere Verabschiedung bringt es nun mit sich, dass die Steuerbescheide einen Monat später als sonst verschickt würden.

Denn im neuen Jahr soll es nur noch eine Gebühr für alle Einwohner von Oberzent geben. Die für Wasser und Abwasser muss noch kalkuliert werden, weil hier eine Pflicht zur Kostendeckung gilt. Bei den anderen orientiert man sich Kehrer zufolge an den in der Machbarkeitsstudie genannten Werten. Die Grundsteuer A beläuft sich dann auf 350 Prozentpunkte, Grundsteuer B für bebaute Grundstücke auf 365 v.H., Gewerbesteuer auf 380 v.H. Die Bürger der fusionierten Gemeinden haben in Zukunft 48 Euro Steuer für den ersten Hund zu zahlen.

In der gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte wurde die anstehende Adressänderung thematisiert. Eine neue Postleitzahl und einen anderen Stadtnamen gibt es für alle Bürger. Teilweise werden auch Straßennamen geändert, zusätzlich manchmal Hausnummern – oder bestimmte Häuser werden anderen Straßen zugeordnet. Wie Kehrer erläuterte, werden Personalausweise, Reisepässe und Kfz-Scheine in den jeweiligen Verwaltungen kostenfrei geändert. Dies geschieht durch Aufkleber oder Stempel.

In einer Übergangsphase sind die alten Dokumente weiterhin gültig, informierte er. Die Einwohner würden rechtzeitig über die weitere Vorgehensweise informiert. Wahrscheinlich werde man sukzessive nach Ortsteilen und Straßen die dort Ansässigen aufrufen, ihre Dokumente in den vier bisherigen Rathäusern ändern zu lassen. So soll ein großer Ansturm direkt nach dem 2. Januar verhindert werden.

Kehrer beleuchtete daneben Zusammensetzung und Stärke der Ortsbeiräte. Er wies darauf hin, dass die jeweilige Mindestzahl an Mandatsträgern im Gegensatz zur Gemeindevertretung auf jeden Fall erreicht werden müsse. „Sonst kommt kein Ortsbeirat zustande“, machte er klar. Die nächste Möglichkeit einer Änderung ist allerdings in absehbarer Zeit. Denn die Wahlen 2018 sind außerplanmäßig, im Jahr 2021 wird etatmäßig sowieso wieder gewählt. Man sei derzeit in Gesprächen mit dem Ministerium, ob man den örtlichen Gremien ein kleines Budget an die Hand geben könne.

Um den Bürgern viel Arbeit zu ersparen, leite der Kommunalservice zahlreiche „Pauschaländerungen“ in die Wege, so Kehrer. So gehen Mitteilungen die größeren Krankenkassen, Banken, Stromversorger und Telefonanbieter, dass aus vier Postleitzahlen eine neue werde und aus vier Gemeindenamen ein Stadtname. Das sei auch im Interesse der genannten, „damit diese am 2. Januar nicht tausende von Briefen bekommen“. Beim wem sich aber zusätzlich Straßenname und/oder Hausnummer ändere, müsse die Änderungen beantragen. Dafür werden laut Kehrer Formulare auf der Homepage bereitgestellt.

Info: http://www.oberzent.info

Bikepark und Liftanlage in Beerfelden sollen mit Sanierung zum touristischen Highlight werden

Die Liftanlage am Nordhang des Tannenbergs ist in die Jahre gekommen und muss bald umfassend erneuert werden. Damit man sich rechtzeitig darüber Gedanken macht, wie sich auch die Stadt dabei einbringen kann, hatten CDU und SPD auf der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung einen entsprechenden Antrag eingebracht, dass sich das Gremium mit der touristischen Weiterentwicklung dort und auf der Sensbacher Höhe beschäftigen möge.

Auf der gemeinsamen Sitzung von Haupt- und Sozialausschuss stellten jetzt Bikepark- und Skiliftbetrieber Werner Manschitz sowie Claus Weyrauch ein Konzept vor, wie die Erneuerung der Liftanlage und verschiedene touristische Highlights auf der Höhe aussehen könnten. Dass dies für die Stadt als Verpächter nicht ganz billig wird, war schon im Vorfeld klar. 1,7 Millionen Euro netto stehen allein für einen neuen Lift auf dem Papier, weitere Attraktionen nicht eingeschlossen.

2008 hatte Manschitz den Betrieb übernommen und seit 2011 als Ski- und Bikelift geführt. Heute ist laut Weyrauch darauf ein rentabler Betrieb für Pächter und Verpächter geworden, belegte er mit den entsprechenden Zahlen. Daraus wurde auch die stetige Aufwärtsentwicklung bei den Besuchern deutlich. Die kommen, wie Manschitz sagte, aus einem Umkreis von bis zu 250 Kilometern, bei bestimmten Events sogar aus ganz Deutschland.

In seiner Präsentation arbeitete Weyrauch die Funktion von Bikepark und Skilift als touristisches Highlight heraus. Es gebe allerdings den „Wachstumsengpass“ Liftanlage. Diese stammt aus dem Jahr 1971, hat hohe Instandhaltungskosten und die TÜV-Prüfungen gestalten sich immer problematischer. Im Spitzenbetrieb gebe es Wartezeiten von bis zu einer Stunde. Auch sei der Lift 200 Meter zu kurz, weil die Sensbacher Höhe nicht erreicht werde.

Mit einer neuen Sesselliftanlage der Firma Doppelmayr könnten 900 Personen pro Stunde befördert werden, sagte er. Diese ermögliche dann auch die touristische Weiterentwicklung der Sensbacher Höhe. Weyrauch nannte hier Barfuß- oder Baumwipfelpfad, Waldspielplatz, bewirtete Höhenhütte, Zip-Line oder Zip-Coaster. Attraktionen, die mit Investitionen bis zu 500.000 Euro aber auch einiges kosten würden.

Um genügend Fördermittel zu bekommen, ist laut Weyrauch der Verpächter, also die Stadt, gefragt. Denn nur sie könne die „große“ Tourismusförderung aus Efre-Mitteln erhalten. Hier gebe es einen Zuschuss von bis zu 50 Prozent des Investitionsvolumens auf alles. Über die WI-Bank könne man an ergänzende Förderkredite kommen oder die fehlende Summe über ein Kommunaldarlehen finanzieren.

Die Tragfähigkeit unterstrich Weyrauch mit verschiedenen Zahlen. So gebe es bereits eine bisherige jährliche Pachtzahlung von über 8000 Euro. Preiserhöhungen im Liftbetrieb seien aufgrund des Vergleichs mit anderen Anbietern um bis zu 20 Prozent möglich, was im Jahr weitere 40.000 Euro bringe. Und wenn die Besucherzahlen weiter wachsen wie bisher, sei eine jährliche Umsatzsteigerung im fünfstelligen Bereich durchaus möglich. Das reiche aus, um die monatlichen Kreditraten – je nach Darlehen zwischen 50.000 und 60.000 Euro – zu bedienen.

Man sollte die Chance Bikepark mit einem neuen Sessellift nutzen, um auf diese Weise ein touristisches Konzept zu entwickeln, sagte Weyrauch. Das könne gewinnbringend für Menschen und Region sein. Wie Manschitz verdeutlichte, wird die Anlage zu 98 Prozent von Auswärtigen genutzt. Bis 2018/2019 sollte ein neuer Lift realisiert sein, weil der alte nicht mehr lange durchhalte. Eine Sanierung lohne sich nicht mehr.

Man solle ein „Highlight in der Region schaffen“, meinte Rüdiger Holschuh (SPD). Als Landtagsabgeordneter will er auch seine Kontakte in Wiesbaden pflegen, damit Zuschüsse und Kredite fließen. Ein solches Projekt „schafft Aufmerksamkeit für die Oberzent“, sagte er. Um die Details sollte sich ein Arbeitskreis kümmern. Der wird nach dem Willen des Ausschusses interkommunal sein und nach dem Beschluss über den Grenzänderungsvertrag in der kommenden Stadtverordnetensitzung in Absprache mit den vier anderen Kommunen ins Leben gerufen werden.

Die verschiedenen Zuschussmöglichkeiten beleuchtete Gabriele Quanz von der Wirtschaftsförderung der Odenwald-Regionalgesellschaft (Oreg). Sie bestätigte prinzipiell den möglichen 50-prozentigen Zuschuss. Es müsse belegt werden, „wie sich die Investition positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region auswirkt“, sagte sie. Daneben seien Ersatzbeschaffungen nicht förderfähig. Somit gelte es den alten Lift etwa als Kinderlift zu nutzen. „Ein bisschen der Haken an der Sache“ ist ihren Worten zufolge, dass aufgrund der gewährten Fördermittel die Vergabe an Dritte über eine öffentliche Ausschreibung erfolgen müsse.

Von Walter Gerbig (CDU) kam in diesem Zusammenhang die Anregung, auch das in Beerfelden und seinen Stadtteilen schon in Anspruch genommene Ikek-Programm auf mögliche Zuschüsse abzuklopfen. Was Quanz für eine gute Idee hielt, weil man so vielleicht die touristischen Angebote auf der Sensbacher Höhe über Efre und den Lift über Ikek abwickeln könne. Johannes Drerup (FDP) brachte darüber hinaus die Verwendung von gebrauchten Liftanlagen ins Spiel. Die würden vom selben Anbieter für viel weniger Geld – mit Garantie – ebenfalls vermarktet.