Wechsel an der Spitze des Heimat- und Geschichtsvereins – Schwerpunkt Oberzent-Museum

Der langjährige Vorsitzende Dieter Borck hört nach 16 Jahren auf, aber ein Nachfolger ist bereits gefunden: Beim Heimat- und Geschichtsverein Oberzent ist an der Spitze Kontinuität angesagt, wenn die Mitglieder am Freitag zur Jahreshauptversammlung zusammenkommen. Denn der neue Mann bringt viel kommunalpolitische Erfahrung mit, wirkte er doch in der früheren Stadt an oberster Stelle. Beste Bedingungen für den 31 Jahre alten Verein, sich auch in Zukunft mit Hingabe der Oberzent-Geschichte zu widmen.

Aus dem „Schwarzen Haus“, das der Verein erbte, wurde das Oberzent-Museum. „Schon damals kam der Name der heutigen Stadt vor“, schmunzelt der 78-Jährige im Rückblick. Der frühere Vorsitzende Kurt Siefert und sein Team „arbeiteten heftig“ an der Ausgestaltung. „Er ist mein Vorbild“, sagt der Schöllenbacher Pfarrer in Rente. Die Gründungsmitglieder wurden jedoch langsam älter, die Aktiven weniger, die Arbeit blieb.

„Der Verein stand damals kurz vor der Auflösung“, erinnert sich Borck, als Kurt Siefert 2002 nach 15 Jahren sein Amt zur Verfügung stellte. Borck kam 1998 als Pfarrer in die Oberzent. „Ich fand es maßlos schade aufzuhören“, sagte er damals, fragte den Kirchenvorstand, ob er „nebenher“ ehrenamtlich tätig sein könne und wurde zum Vorsitzenden gewählt. Mit einem neuen Vorstandsteam „wollten wir alles wieder zum Laufen bringen“. Was auch gelang.

Ein neues Konzept ging weg vom Museum hin zur erlebten Geschichte. Wer ins Museum kam, sollte sich so fühlen, als besuchte er das Haus der Großmutter „und die Oma ist gerade auf dem Markt beim Einkaufen“. Also quasi wie im richtigen Leben. Die Vitrinen kamen raus, die Schränke erhielten Glasschiebetüren, damit man den Inhalt sehen konnte. Was nicht zum Konzept passte, wurde an geeignete Stellen weitergegeben. Ein alter Safe steht jetzt im Erbacher Landratsamt, die Wurzelkrippe des Gammelsbacher Holzschnitzers Tikale fand ihren Platz in der dortigen Kirche.

Eine Aktion für die Zukunft, die immer noch läuft, ist die Digitalisierung der Kirchenbücher. Sie wurden in mühevoller Handarbeit in den Computer getippt, erst in Beerfelden, dann in Rothenberg. „Fürs Tippen war ich nie schnell genug“, schmunzelte der ehemalige Pfarrer, „aber ich kann 200 Jahre zurücklesen“. Die Verknüpfungen in der Datenbank „können bei der Ahnensuche helfen“, stellt er den großen Wert heraus. „Ich habe wenig und viel gemacht“, sagt der 78-Jährige über sich. Es ist immer das Team, das einen Verein voranbringt. Der eine hat Ideen, die anderen setzen sich um. All diese Leistungen „gehen nur übers Ehrenamt“, verdeutlicht Borck.

„Wir haben fürs Museum nie Eintritt genommen“, erläutert der Pfarrer i.R. Ein gutes Konzept: „Die Leute waren so begeistert, dass sie kräftig spendeten.“ Wenn die Grundschüler zu Gast waren, erzählten die Kinder so lebhaft davon zuhause, dass sie Eltern und Großeltern dazu animierten, selbst einmal vorbeizuschauen. Gerade in Beerfelden sieht er aber noch Nachholbedarf. „Die meisten Gäste sind Auswärtige“, beobachtete der Vorsitzende.

Rennfeuer, alte Seilerei, Feldscheune, Wechselausstellungen, alter Backofen: Auf den Nachfolger und sein Team warten einige Aufgaben. „Der muss dann in die Zukunft blicken“, sagt sein Vorgänger. „Die bisherigen können nicht mehr so wie sie wollen.“ Eine neue Mannschaft muss neue Akzente setzen. Einen davon wünscht sich Borck schon seit Langem: die Würdigung der Funde des Lehrer Werner Hardes in Etzean. „Das gehört einfach hierher, das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, hebt er hervor.

In den vergangenen 16 Jahren „wurde mehr gemacht als wir zu Beginn absehen konnten“, sagt er. „Wir haben Dinge realisiert, an die man damals noch gar nicht dachte.“ Seinem Nachfolger hinterlässt Borck, wie er es selbst einschätzt, „ein bestelltes Museum“. Allerdings ist der Verein mit seinen Anstrengungen „noch lange nicht am Ende“. Viel Arbeit für den „Neuen“. Aber die ist der schon aus seinem letzten „Job“ gewöhnt.

Info: Die Jahreshauptversammlung des Heimat- und Geschichtsvereins Oberzent findet am Freitag, 21. September, um 19 Uhr im Lesesaal des Bürgerhauses in Beerfelden statt.

Advertisements

Die Welt ist klein in Oberzent

Die Familie Foshag aus Rothenberg ist so etwas wie ein Paradebeispiel für den familiären Charakter, die Integrationswirkung der Oberzent-Schule und ihre Bedeutung für die Region: Harry Foshag aus Rothenberg besuchte sie von 1979 bis 85, seine spätere Frau Christiane von 1981 bis 1987. Der ältere Sohn Dominik drückte logischerweise hier auch die Schulbank wie jetzt sein jüngerer Bruder Pascal. Der hatte zum 50. Jubiläum eine tolle Idee.

In der elterlichen Schlosserei wurde nach dem Austüfteln im Kunstunterricht von Maraike Hufer ein Kunstwerk geschaffen, das nun eine Wand am Schulgebäude ziert und am großen Tag feierlich enthüllt wurde. „50 Jahre OZS“ lautete das Thema im Unterricht. Eine Woche vor der Feier hatte Pascal dann die zündende Idee, die Zahlen „1968 – 2018“ zusammen mit dem Kürzel „OZS“ in eine Metall-Installation zu formen. Neben dem Vater half auch der Bruder bei der Realisierung.

„Die Schüler haben überlegt, wie sie die Veranstaltung ‚hypen‘ können“, erläuterte Hufer. Es entstanden außerdem Armbändchen, die Jürgen Nebel von der Initiative „Du musst kämpfen“ gegen eine Spende weitergab. Der Erlös geht an krebskranke Kinder. Daneben betätigten sich die Schüler gärtnerisch. Hinter den Gebäuden wurde mit winterharten Herbstblumen eine „50“ gepflanzt. Das Programm war riesig: Es startete mit der Percussion-Band und einem „Oberzent-Schule olé“. Viele andere Beispiele aus dem Schulalltag schlossen sich an.

„Wir sind die Schule für die Region“, betonte Schulleiter Bernd Siefert die Bedeutung. Ohne sie „hätte es vielleicht die Fusion gar nicht gegeben“, denn seit fünf Jahrzehnten ist sie die erste Möglichkeit für die Kinder aus den verschiedenen Oberzent-Orten, Gleichaltrige kennenzulernen. Verbindende, manchmal sogar ehestiftende Wirkung inklusive. Wie bei Harry Foshag und seiner Christiane.

„Es ist wahnsinnig viel los“, freute sich Siefert nachmittags. Viele Ehemalige, die abends auch in die Alte Turnhalle zum Treffen kamen, schauten bereits früher in den Schulräumen vorbei. Wie Gunter Johe aus Olfen, heute Schulelternbeiratsvorsitzender. Ende der 80er Jahre drückte er die Schulbank – klar, wo. Heute geht seine Tochter auf die … – logisch. Ehemalige finden sich immer noch zurecht, meinte Johe. Von der Grundstruktur her sei vieles gleich geblieben.

„Man kennt sich halt“, sagte er über die Dorfgemeinschaft, die auf Oberzent ausgedehnt auch an der Schule gepflegt wurde. Es ist das Familiäre, Unkomplizierte, es sind kurzen Wege, die Lehrer, die früher selbst Schüler an der OZS waren, die das Besondere ausmachen. „Ich ging mit Bernds Bruder in eine Klasse“, grinst Johe und zeigt zum Schulleiter. Der ist einer von sieben ehemaligen, die heute ihr Wissen an die heutigen Schüler weitergeben. Ein Viertel des Kollegiums. Die Welt ist klein in Oberzent.

Das bemerkte auch Ingo Stechmann vom Staatlichen Schulamt Heppenheim. „Ich habe das Gefühl, ich bin der einzige, der nicht auf diese Schule gegangen und mit keinem verwandt ist“, lachte er bei der akademischen Feier. Fast. „Dein Vater ist früher beim Sauter (einem Beerfeldener Transportunternehmen) Bus gefahren“, kam prompt die Replik von Rainer Sauter. Wie Recht Stechmann aber mit seiner Vermutung hatte, zeigten die anderen Redner. Der Finkenbacher Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer ging logischerweise auf die OZS. „Der war einen Jahrgang unter mir“, so Siefert.

Der Landtagsabgeordnete Rüdiger Holschuh aus Gammelsbach drückte natürlich auch die Schulbank auf der „Heumatte“. Kreisbeigeordneter Oliver Grobeis spielte für den SV Beerfelden Fußball. Eine große Familie. „Das war ein klasse Zusammentreffen mit alten Freunden“, freute sich Siefert über die Ehemaligenfeier. 300 Gäste kamen, die letzten gingen um 3 Uhr morgens. „Tolle Stimmung und gelungene Jubiläums-Feier“, bilanzierte er.

 

Stimmen

Schulleiter Bernd Siefert: „Wir haben die Oberzent zusammengeführt.“

Ex-Schulleiter Bruno Stracke (1981-1998): „Ich bin vor Neid erblasst, was sich in 20 Jahren alles getan hat. Über die OZS-WhatsApp-Gruppe halte ich mich immer auf dem Laufenden.“

Hedi Schulz, Frau von Hans Schulz (Lehrer von 1968-1983 an der OZS), Mutter des ehemaligen Schülers und heutigen Leiters des BSO Michelstadt, Wilfried Schulz: „Mir bleibt immer ein Zitat meines Mannes in Erinnerung. Als es schneite, sagte der Schüler aus dem einen Tal ‚Es schneicht“, der aus dem anderen ‚Es maicht Schnei‘“.

Hartmut Beisel, ehemaliger Schüler bis 1989: „Wenn man im Ort wohnt, ist die Schule immer präsent. Meine beiden Kinder haben sie auch besucht.“

Zum Artikel geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2018/09/17/die-welt-ist-klein-in-oberzent/Oberzent-Schule

Posted by Thomas Wilken on Monday, September 17, 2018

Weg zum Friedhof in Falken-Gesäß soll rutschsicher werden

Der Weg zum Friedhof kann bei nassem Wetter zu einer ungewollten Rutschpartie werden. Die Stellfläche am Sportplatz, an der der unbefestigte Fußweg startet, braucht ebenfalls eine Überholung. Beide Themen wurden auf der vergangenen Ortsbeiratssitzung angesprochen. Wie Ortsvorsteher Manuel Schwinn sagte, gab es seit Beginn der Planungen 2007 so viele Überarbeitungen gegenüber der Ursprungsvariante, dass die jetzige Version noch einmal genehmigt und beschlossen werden musste.

Die Beilage zum Flurbereinigungsplan soll im Oktober abgeschlossen werden, kündigte er an. Dann kann die Teilnehmerversammlung im November abstimmen. Die Mittel sind im Haushalt 2019 eingeplant. Man erhofft sich einen entsprechenden Start der Maßnahme. Der Parkplatz wurde seinen Worten zufolge landschaftsgestalterisch mit Bäumen entwickelt, damit sich nicht wie bisher den Parkenden eine kahle Schotterfläche bietet.

„Ganz wichtig für die Bürger ist der Friedhofsweg“, betonte Schwinn. Der ist ziemlich steil und soll begradigt werden. Bisher läuft bei Regen das Wasser hinunter, was die ganze Strecke verschlammt und schlecht begehbar macht. Aktuell hat der Bauhof eine Übergangslösung gestaltet. Die Planungen trug jeweils Bürgermeister Christian Kehrer auf der Sitzung im Dorfgemeinschaftshaus vor.

 

Menschen drängen sich beim Messeteam auf dem Metzkeil in Beerfelden

Besser kann eine Premiere wohl nicht funktionieren: Das Messeteam Beerfelden hatte zum Sommerabend auf dem Metzkeil unter dem Motto „Wein & mehr…“ eingeladen. Mit großem Erfolg: Es kamen weit mehr Besucher als erwartet, was das neunköpfige Team bei aller damit verbundenen Arbeit übers ganze Gesicht strahlen ließ. Kein Wunder, dass man sich eine Fortsetzung, vielleicht im jährlichen Rhythmus, vorstellen kann.

Das Wetter war auch optimal. Es herrschte nicht mehr die große Hitze wie in den Tagen zuvor. Angenehme Temperaturen lockten vor allem die Beerfellmer aus der Kernstadt in Scharen auf den großen Platz vor dem Rathaus, der zu diesen Zweck zur Fußgängerzone wurde. Unter sie mischten sich auch einige Gäste aus den umliegenden Ortschaften. Drei süffige Weine aus der Pfalz, Käse, Wurst und Brot als Basis für anregende Gespräche mit Bekannten und Freunden: Das Konzept funktionierte.

Die Wohlfühlmesse vor eineinhalb Jahren in der Alten Turnhalle „hat uns durch die positive Resonanz motiviert, eine weitere Veranstaltung in kleinerem Rahmen auf die Beine zu stellen“, erläuterte Uwe Sauer. So kam man auf die wohlschmeckende Kombi Wein, Käse und Salami. „Die Abendsonne spiegelt sich in den Scheiben der Stadtverwaltung, der Straßenverkehr ist fast erlahmt, Menschen sitzen auf dem Metzkeil, genüsslich bei guten Gesprächen die letzten Stunden des Samstagabends genießend“: so die perfekt umgesetzte Vorstellung der Organisatoren.

Das Messeteam, zu dem neben Sauer auch Gabi Setzer, Christiane Hackbarth, Regina Ihrig-Jung, Roland Jung, Babette und Achim Böhm sowie Gabi und Hartmut Riesinger gehören, wurde vom Ansturm positiv überrascht. Schon zu Beginn füllten sich die Sitzgelegenheiten bald, nach einer knappen Stunde setzte ein wahrer Run ein, sodass eilig weitere Stehtische herbeigeschafft wurden.

Köstlichkeiten der Metzgerei Siefert und der Molkerei Hüttenthal, dazu Baguette-Brot vom Café Riesinger: Es mundete allen. Ein Weiß- und ein Rotwein, dazu noch ein Rosé, alle drei von wohlschmeckenden Lagen der Pfalz: Fertig war der Gourmet-Abend. „Wir wollen im Ort was bieten“, ist laut Sauer die Motivation des Teams. Denn in den Dörfern rundherum gibt’s laufend Feste, gerade jetzt in Falken-Gesäß, Gammelsbach oder Hetzbach – aber in Beerfelden fehlen sie nach dem Eindruck der Organisatoren. Das soll anders werden.

Neben alten Erinnerungen – wer saß früher nicht gerne bei Eis und Pizza an eben diesem zentralen Punkt – „sollen auch neue geschaffen werden“, wünschte sich Sauer. „Das wird schon jetzt viel angenommen als gedacht“, freute er sich bald nach Beginn. „Es läuft sehr gut.“ Was sich auch in den Rückmeldungen der Gäste wiederspiegelte, die gerne das Angebot annahmen. „Toller Platz, super Ambiente, schöne Stimmung“, so eine Meinung.

„Der Platz bietet sich doch hervorragend für einen solchen Event an“, meinte Sauer mit einem Blick auf den Metzkeil, ehe er sich dann wegen des Andrangs gleich wieder an die Arbeit machen muss und Gläser spült. Gabi Riesinger kommt kaum nach mit dem Brotschneiden, so viele Gäste bestellen ein paar Häppchen. Ihr Mann ist gerade die Straßen hoch geeilt, um Nachschub zu holen. Und auch die restlichen Teammitglieder packen kräftig an.

„Wir kommen nächstes Jahr gerne wieder“, lautete das Resümee eines glücklichen, vom Wein leicht angeheiterten Besuchers. „Das war ein super gelungener Abend bei schönem Wetter, macht weiter so“, so ein anderer Kommentar. Die in zarten Grüntönen dekorierten Sitzgelegenheiten, der sanfte Schimmer der Beleuchtung und der Wirklichkeit gewordene Wunsch nach „Aktion“ endlich einmal im Ortskern der neuen Stadt Oberzent ließen so manchen Gast die komplette Veranstaltung über verweilen.

„Sehr schön, bleibt das nun stehen?“ und „Ihr habt alles richtig gemacht“ waren weitere Rückmeldungen. Das Messeteam freute sich über die vielen Besucher. Dem häufig an die Bewirter herangetragene Wunsch, dieses Fest unbedingt zu wiederholen – gerne auch unter Berücksichtigung der Anregungen – versucht das „Messeteam“ im nächsten Jahr nachzukommen, sagte Uwe Sauer. Vielleicht im gleichen Rahmen, vielleicht aber auch als Baustellenparty oder Ähnliches. Der Erlös der Veranstaltung wird komplett einem gemeinnützigen Zweck der Stadt Oberzent zugeführt.

Mecki-Zeichner Reinhold Escher schwärmte in Bildern für die angebetete Cousine Käte aus Beerfelden

Reinhold Escher ist den nicht mehr ganz so Jungen unter uns noch gut in Erinnerung: Jahrzehntelang begleiteten seine „Mecki“-Zeichnungen in der Hörzu Generationen von Kindern. Der Hamburger mit späterem Wohnsitz in der Schweiz hatte auch Verwandtschaft in Beerfelden. Der Verehrung seiner sieben Jahre älteren Cousine Katharina, auch Käte oder Katl genannt, entsprangen um 40 Zeichnungen. Sie entstanden vor allem zwischen 1925 und 1934 und befinden sich heute im Besitz von Großnichte Barbara Platt, geborene Escher.

„Für mein Kätchen“ steht auf der Mappe, in der Bärbel Platt die malerischen Schätze aus dem Familienbesitz aufbewahrt. Die sehen so ganz anders aus als der spätere Igel Mecki. Eher expressionistisch, mit Anklängen an Kandinsky oder Dali, grotesk, dekorativ, jedoch auch naturalistisch, zeichnete Reinhold Escher zu Beginn seiner Malerei. Vater Friedrich, ein Bierbrauer, konnte ihn nicht für das Familien-Handwerk begeistern.

Friedrich hatte einen Bruder, ebenfalls Reinhold Escher (*1867). Der lernte Maria Engelter aus Beerfelden, die damals in Hamburg in Stellung war, kennen und lieben. Ihn zog es Ende des 19. Jahrhunderts in die alte Heimat seiner Frau, nachdem von dort die Nachricht gekommen war: „Beerfelden hat Zukunft, Beerfelden bekommt die Eisenbahn.“ Der Schlossermeister packte seine Lieben und sieben Sachen, siedelte in den Odenwald um und machte dort seine Werkstatt auf. 1898 kam dort Tochter Katharina auf die Welt.

Ab 1925 geht der 1905 geborene Cousin aus dem Norden mit befreundeten Malern auf Wanderjahre Richtung Schweiz. Der Stopp in Beerfelden bei der Verwandtschaft in der Geißgasse 6 ist da immer eine willkommene Abwechslung. Karl Duch, Hans Bukor, Walter Ohnesorge oder „Kuddel“ waren mit dabei und hinterließen als Dank bei den Odenwald-Eschers kleine Bilder oder schickten selbstgezeichnete Postkarten – wie dies auch der Cousin in den Folgejahren immer wieder tat.

Ob es nun eine Schwärmerei oder doch Liebe war, weiß Bärbel Platt nicht mehr zu sagen. Allerdings deutet ein Motiv darauf hin, dass Käte die jungen Männer nicht ganz so ernst nahm. „Stoßseufzer einer Maid: ‚Zum Donnerwetter noch mal, man hat seine Not mit den Bälgern‘“ heißt ein Bild, das sie als Kindermädchen zeigt, die einen Wagen mit Kleinkindern schiebt: Einer davon ist der sieben Jahre jüngere Reinhold.

Käte Escher war zeitlebens das „Fräulein“. Auf diese Bezeichnung „legte sie viel Wert“, weiß Bärbel Platt noch über die Großtante. Allerdings schmunzelt sie beim Gedanken, dass diese deshalb ohne Mann blieb, weil es mit dem Cousin nicht klappte. Es lag eher daran, dass durch die beiden Weltkriege Männermangel herrschte „und sich einfach nicht der richtige fand“, erzählte ihr die aus der Ferne angebetete.

Allerdings verfolgte die 1985 verstorbene Käte das Wirken des entfernten Cousins auf andere Weise: „Sie hat die Hörzu abonniert, weil dort immer die Mecki-Geschichten erschienen“, lacht die Großnichte. Auch wenn der Kontakt nach 1935 schwächer wurde, weil Reinhold Escher nach dem Tod des Vaters in Hamburg gefordert war, schlief er nie ganz ein. „Meiner lieben Käte“ lautet die Widmung aus dem Buch „Wichtelhochzeit“, das zu Weihnachten 1949 den Weg nach Beerfelden fand.

Escher malte auch einmal das Wohnhaus der Verwandtschaft und versah es mit einem Gedicht: „Ich weiß im Odenwald ein Städtchen mit einem kleinen süßen Mädchen, ich weiß im Odenwald ein Haus, darin gibt es manchen Schmaus“, heißt es unter anderem. Zwei Originalbilder aus der damaligen Zeit zeigen, wie gut er das Gebäude getroffen hat. „Hessen einst und jetzt“ heißt ein Motiv, das Käte einmal in Tracht, einmal in 20er-Jahre-Fummel mit Bubikopf zeigt. „Aber so hätte die sich nie gekleidet“, lächelt die Nichte. „Sie war immer das Fräulein.“

Auf Eschers Tochter Regine Mosimann stieß die Verwandte aus dem Odenwald eher per Zufall: „Ich schaute immer mal wieder unter dem Begriff Reinhold Escher im Internet nach“, erzählt Bärbel Platt. Irgendwann kam sie dann auf die Seite reinhold-escher.com, die von der in der Schweiz lebenden, 1946 geborenen Tochter betrieben wird.

„Am Wochenende hatten wir Besuch von einer mir bisher unbekannten Cousine, die mit einer dicken Zeichenmappe aus dem Nachlass ihrer Tante kam, voller Bilder, die mein Vater Reinhold seiner angebeteten Cousine Katharina Escher aus Beerfelden zwischen 1925 und 1934 gemalt hat“, schreibt Regine Mosimann auf der Bilderseite mit den 2014 bei einem Besuch der Platts eingescannten Motiven. Auf ihr sind alle Motive abgebildet, die aus Hamburg den Weg in den Odenwald fanden.

Reinhold Escher (*1905) erlernte das Zeichnen an der Landeskunstschule in Hamburg und war seit 1929 Presseillustrator für die Zeitschriften Nebelspalter, Funkwacht und den Hamburger Anzeiger. Besonders interessierten ihn Tierzeichnungen. Für die Sonntagsausgaben zeichnete er Tiergeschichten und Witzzeichnungen wie zum Beispiel 1938/1939 Peter mit dem Mikrophon und 1939 eine Vielzahl seiner Comicstrips Hein Ei. Nach dem Krieg illustrierte Escher Kinderbücher wie Die Wichtelhochzeit und Nicks Brautfahrt und arbeitete für die Zeitschrift Kristall. 1940 heiratete er die Journalistin Gretel Kirchhoff, deren Anteil an seiner Arbeit stetig zunahm. 1948 wurde er freier Mitarbeiter bei der neu gegründeten Hörzu. 1976 setzte sich Escher zur Ruhe und verstarb am 9. Mai 1994 in der Nähe von Zürich. Mehr unter reinhold-escher.com, mehr zu den Bildern aus Beerfelden auf www.reinhold-escher.com/Escher/Private_Zeichnungen.html und www.flickr.com/photos/reginemosimann/sets/72157644098843265/.

Das Bild Hessen einst und jetzt ist im Oberzent-Museum Beerfelden ausgestellt

Förderverein der Oberzent-Schule wird 25 Jahre alt

Der Förderverein der Oberzent-Schule feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Es sind zwei Veranstaltungen zum Vereinsjubiläum geplant, berichtete die Vorsitzende Johanna Käpernick-Krämer. Zum einen wird es eine Präsentation für Lehrer und Eltern unter dem Titel „Das Lernen lernen“ geben. Einladungen gehen an alle Grundschulen, die dortigen Eltern und auch die Eltern der Oberzent-Schüler. Auch benachbarte Lernanstalten wie Erbach, Eberbach, Michelstadt, Wald-Michelbach und Hirschhorn sollen eingeladen werden.

Zum anderen soll es eine kleine Feier zum 25-jährigen Bestehen des Fördervereins geben, für die alle Gründungs- und ehemalige Vorstandsmitglieder (zusammen 35 Personen) auf der Einladungsliste stehen. Geplant ist, sie um 15 Uhr während des Drachenfestes am 28. Oktober zu ehren. Laut Käpernick-Krämer ist neben der Einladung zu Kaffee und Kuchen auch eine Info durch sie über die Arbeit des Schulvereins vorgesehen. Um 11 Uhr soll in der Mensa noch einmal das Musical aufgeführt werden. Danach beginnt das Fest im Außenbereich.

In ihrem Bericht über das vergangene Schuljahr berichtete die Vorsitzende, dass der Verein vielfältig aktiv war. So übernahm er beim Auftritt von Walter Renneisen die Bewirtung in der Alten Turnhalle, war im Februar in der Schule beim Schnuppertag für die Grundschüler und deren Eltern zur Bewirtung eingeteilt und übernahm diese auch bei der Musicalaufführung im Juni. Beim Pferdemarkt wurde das Schul-Musical noch einmal gezeigt. Bei diesem Anlass hatte der Verein das neues Roll-up und den Flyer dabei.

Käpernick-Krämer war bei der Abschlussfeier in der Alten Turnhalle und bei der Begrüßung der neuen Fünftklässler dabei. Jedes Kind bekam wieder ein Geodreieck mit dem Flyer und einem kleinen Brief. Sie bemühe sich, zu allen öffentlichen Veranstaltungen der Schule wie Frühlingskonzert, Begrüßungsfest und The-Mu-Ku zu gehen, „wenn ich den Termin weiß“, sagte die Vorsitzende.

Klaus Kaaden berichtete im Anschluss über die Mitgliederzahl. Ein- und Austritte halten sich in etwa die Waage. Der Verein zählt derzeit etwa 200 Mitglieder. Die Einnahmen bestehen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und dem Kreis-Zuschuss für die Mittagsbetreuung. Ausgaben sind vor allem Personalkosten für die Mittagsbetreuung, Zuschüsse zu schulischen Unternehmungen und Finanzierung von Aktionen wie Drogenprävention oder Berufseignungstests.

Ingrid Schenkel prüfte mit Bruno Stracke die von Klaus Kaaden geführte Kasse. Sie bescheinigte ihm eine korrekte Kassenführung. Die Versammlung entlastete auf Antrag im Anschluss den Vorstand einstimmig. Bei den Neuwahlen wurde Johanna Käpernick-Krämer als Vorsitzende bestätigt. Ein Stellvertreter konnte nicht gefunden werden. Rechner bleibt Klaus Kaaden, Schriftführer wird Dirk Konrad. Beisitzer sind Kerstin Röglin, Claudia Roth und Alexander Brendel, zweite Kassenprüferin wird Marion Neff. Alle Wahlen erfolgten einstimmig.

Oberzent-Schule mit Modellcharakter in Hessen

„Die Gesamtschule hat Modellcharakter für ganz Hessen“, hieß es Anfang 1977 in einer örtlichen Tageszeitung. Da gab es die Oberzent-Schule auf der „Heumatte“ bereits seit fast zehn Jahren, als integrierte Gesamtschule (IGS) existierte sie seit 1970. 924 Schüler aus der gesamten Oberzent besuchten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in 32 Klassen die Lernanstalt. Eine Delegation von Schulamt und Regierungspräsidium besuchte damals die Schule und ließ sich über das Erreichte informieren, denn in der Oberzent entstand 1970 eine der ersten Schulen dieser Art in Hessen.

In Beerfelden waren die Verantwortlichen stolz über ihr Wirken. Ende der 60er Jahre erreichten nur 20 Prozent der Schüler einen mittleren Bildungsabschluss. Mitte der 70er Jahre waren es bereits 56 Prozent. „Der planmäßige Unterricht an der Gesamtschule wird fast zu 100 Prozent erfüllt“, erläuterte der damalige Direktor Karl Lebert. Dazu waren auch alle Stellen besetzt.

Die Idee eines horizontalen Schulsystems, in dem Haupt- und Realschule nebst Gymnasium nebeneinander existieren, hat seine Anfänge Ende der 60er Jahre. Mit ihm wollten die Initiatoren „vom Schulkindergarten bis zum Abitur die Ausbildung systematisch fördern“. Bildung könne nicht allein „auf die Heranzüchtung von Arbeitskräften“ beschränkt bleiben, sondern sollte die Menschen in die Lage versetzen, „ihr eigenes Leben selbstbewusst zu führen“. Deshalb wollte man im Zuge des Aufbruchs durch die 68er-Bewegung weg vom „starren und auf Auslese ausgelegten Prinzip der vertikalen Schularten“.

Der „Antrag auf Zulassung eines Schulversuchs mit integrierter Sekundarstufe ab dem siebten Schuljahr“, erstellt im Juni 1970 und bewilligt im Spätjahr, geht detailliert auf die soziostrukturellen Begebenheiten in der Oberzent ein. Er liefert den argumentativen Hintergrund für die Errichtung der integrierten Gesamtschule ab dem 1. August 1970.

Bezug genommen wird auf die schulische Situation Anfang der 1960er Jahre, als nur 18 Prozent der Grundschul-Kinder auf weiterführende Schulen wechselten, obwohl nach Ansicht der Lehrer 42 Prozent des Jahrgangs geeignet gewesen wären. Diesem Aspekt wurde 1968 durch die Gründung der Mittelpunktschule Rechnung getragen, die eine Hauptschule mit Förderstufe, ein Gymnasium für die Klassen 7 bis 10 und eine Sonderschule umfasste.

Der Beginn des Schuljahrs 1970/71 wurde als beste Gelegenheit gesehen, „die Schulverhältnisse in diesem Raum (Oberzent) so zu verbessern, dass allen Kindern optimale Bildungsverhältnisse angeboten werden können“. Denn im ländlichen Gebiet war für die Initiatoren des Projekts der gesellschaftspolitischen Forderung nach Durchsetzung einer echten Chancengleichheit „in besonders ausgeprägtem Maß“ dringend nachzukommen.

Bezug genommen wird auf die sozioökonomischen und -kulturellen Bedingungen: „Das Gebiet der Oberzent ist wirtschaftlich überwiegend agrarisch geprägt“, heißt es. Kleine und mittlere Industriebetriebe sind nur in Beerfelden vorhanden. Die Anstrengungen zur Verbesserung der Infrastruktur liefen, aber wegen der ungünstigen Verkehrslage und der relativ dünnen Besiedlung „kann für die nächste Zeit nur mit kleinen Fortschritten gerechnet werden“.

Zum Schuljahresbeginn 1968/69 war für die fünften Klassen die Förderstufe eingeführt worden, von 240 Schülern besucht. Im folgenden Schuljahr kamen noch einmal 180 Kinder dazu. „Die Gesichtspunkte der Koedukation, des Zusammenlebens konfessionell verschiedener Gruppen, der sozialen Streuung, der unterschiedlichen Begabung und Leistung „wurden weitgehend beachtet“, so der Antrag. Deshalb hätten die elf Klassen „annähernd gleiche Ausgangschancen“. Das Ziel, alle Kinder zu fördern, „kann als erreicht angesehen werden“, so das positive Fazit.

Der Erfolg des Kernunterrichts in der IGS wird herausgestellt, weil er dabei hilft, die soziale Integration zu verwirklichen. Damit wird die Fähigkeit der Schüler gefördert, in einer Gruppe zu arbeiten, die Kommunikation vorangetrieben und die Akzeptanz der Unterrichtsbeiträge aller gefördert. „Der Kernunterricht wirkt sich positiv auf die soziale Interaktion von Schülern verschiedener sozialer Schichten aus“, so die Erkenntnis. Lediglich zu große Klassen behinderten dieses Ziel (5. Schuljahr 36, 6. Schuljahr 39 Kinder).

Meilensteine in der Entwicklung der Oberzent-Schule

1968 Bau der Schulgebäude und Turnhalle „Auf der Heumatte“

1969 „Schulzentrum Oberzent – Volks- und Realschule Beerfelden“, 5. Klassen kommen aus den umliegenden Volksschulen in die Förderstufe

1970 Integrierte Gesamtschule (IGS)

1971 „Gesamtschule des Landkreises Erbach“, Neubau des Hallenbads

1974 Neubau des C-Baus

1982 Neubau der Pausenhalle, Musikräume, Schülerarbeitsräume (SAR), Lehrerzimmer

1983 Neuer Name „Oberzent-Schule“

2006 Sanierung und Erweiterung alter Gebäude zur Mensa

2009 Bushaltestellen werden neu angelegt, Erweiterung des Lehrerzimmers

2014 Neubau des Hallenbads