3940 Jahre Feuerwehr-Mitgliedschaft in Oberzent geehrt

3940 Jahre: Das ist die stolze Zahl an Feuerwehr-Mitgliedschaftsdauer, die beim Ehrungsabend in der alten Turnhalle ausgezeichnet wurde. Stadtbrandinspektor Marco Johe freute sich besonders, einige altgediente Brandschützer für 65 und 70 Jahre, davon lange Zeit im aktiven Dienst, würdigen zu dürfen. Insgesamt wurden an 132 Personen Anerkennungen und Ehrungen verliehen, nicht nur durch die Stadt, sondern auch von Kreis und Land.

Schöllenbach, Airlenbach, Gammelsbach, Falken-Gesäß oder Beerfelden: Egal wo man hinschaut, die Treue zur Feuerwehr ist auf den Dörfern quasi schon eine Bürgerpflicht. Für die jahrzehntelangen Wehrleute ist es selbstverständlich zu helfen und sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. „Das gehört für mich im Ort dazu“, so der Tenor aus der Runde. Gerne opferten sie ihre Freizeit zum Schutz der Bürgerschaft.

Heinrich Breimer und Erich Boxberger (beide Beerfelden), Willi Bartmann (Falken-Gesäß), Erwin Ihrig (Schöllenbach), Werner Walz (Gammelsbach), Heinz Schäfer und Ludwig Sattler I (beide Airlenbach) gehören zu den Urgesteinen der 16 Oberzent-Wehren und sind bereits seit 65 oder 70 Jahren Mitglieder der Feuerwehrvereine. Bürgermeister Christian Kehrer, Kreisbeigeordneter Oliver Grobeis, Kreisbrandinspektor Horst Friedrich und Kreisjugendfeuerwehrwart Dominic Groh würdigten die Leistungen in ihren Grußworten. Sie dankten für den selbstlosen ehrenamtlichen Einsatz im Dienste der Bevölkerung.

Anerkennungsprämien, Ehren- und Florian-Medaille, (Brandschutz-)Ehrenzeichen und Urkunden: Lang war die Liste der Auszeichnungen, die innerhalb von zwei Stunden an die Wehrleute überreicht wurden. Es gab allein 52 Anerkennungsprämien für bis zu 40 Jahre aktive Mitgliedschaft in der Einsatzabteilung und 24 Ehrenzeichen des Bezirksfeuerwehrverbandes Hessen-Darmstadt. Das Brandschutzehrenzeichen wurde 40 Mal überreicht.

Bild v.l.: stv. Kreisbrandinspektor Rolf Scheuermann, Erster Kreisbeigeordneter Oliver Grobeis, Heinrich Breimer (FF Beerfelden 70 Jahre), Erich Boxberger (FF Beerfelden 65 Jahre), Willi Bartmann (FF Falken-Gesäß 65 Jahre), Erwin Ihrig (FF Schöllenbach 70 Jahre), Werner Walz (FF Gammelsbach 65 Jahre), Heinz Schäfer (FF Airlenbach 65 Jahre), Bürgermeister Christian Kehrer, Ludwig Sattler I (FF Airlenbach 65 Jahre), Stadtbrandinspektor Marco Johe, Kreisbrandinspektor Horst Friedrich

Werbeanzeigen

Der Grieche bringt neues kulinarisches Leben nach Oberzent

In den „Schützenhof“ kehrt wieder Leben ein. Schlicht „Der Grieche“ heißt das Lokal, für das Özay Salim verantwortlich zeichnet und das mit nur vier Wochen Vorlaufzeit Ende April dort eröffnete. Den Michelstädtern ist der Name schon bekannt, denn die Familie Salim betreibt unter gleichem Namen in der Braunstraße ebenfalls ein Restaurant. In Oberzent wird die Beendigung des Leerstands unisono begrüßt, denn gastronomisch ist in der Stadt der Tisch nicht gerade reich gedeckt.

Restaurantleiter ist Özays Onkel Tefik Salim. Der 39-Jährige verspricht den Fans der mediterranen Speisen die gleiche Küche wie in Michelstadt, angereichert mit ein paar deutschen Gerichten. „Wir wollen Beerfelden bisschen aufpeppen“, meint der Griechen-Chef in der Stadt augenzwinkernd. Die Klassiker wie Giros, Bifteki, Souflaki, dazu Fischgerichte wie Dorade oder Calamari werden von Darinka Savic in der Küche gezaubert.

Innerhalb von vier Wochen stemmten die Salims das Projekt Schützenhof, nachdem über Facebook „von der lieben Silke“ der Tipp gekommen war, sich doch hier ein zweites gastronomisches Standbein schaffen. Dabei kam dem Familienunternehmen das Glück zugute, „dass wir zu viel Personal hatten“, lacht Özay Salim. Eine Seltenheit in der Gastronomie. Köchin Ljuba Jakelic schmeißt somit nach wie vor in Michelstadt die Küche, während ihre Kollegin die Gäste in Oberzent verwöhnt. Dazu kommen eine Beiköchin, eine Spülkraft und zwei Bedienungen. Am ersten Abend war bereits alles ausgebucht.

60 Plätze hat der Grieche im Schützenhof im Innenbereich, 40 weitere kommen im Biergarten hinzu. Den will Özay Salim mit Blick auf den bevorstehenden Sommer noch etwas erweitern. „Ich sehe das Potenzial für diese Art von Gastronomie in Beerfelden“, betonte er. Mit dieser Meinung ist er nicht allein: Sebastian Hartmann, der stellvertretende Vorsitzende des Gewerbevereins, wertet die Gaststätte als „absoluten Zugewinn“. Jetzt gebe es mehr Möglichkeiten, abends etwas essen zu gehen.

Bürgermeister Christian Kehrer konnte ihm da nur beipflichten. Er sprach von „optimalen Grundvoraussetzungen“ für das Lokal an der belebten Straße. Die Wiedereröffnung des Schützenhofs sei „ganz für wichtig für Beerfelden“, da es mit Gaststätten – unter anderem nach der kürzlichen Schließung des „Schwanen“ – nicht mehr besonders reichlich gesegnet sei. Die frohe Öffnungs-Kunde vernahm auch Thorsten Heckmann von der Schmucker-Brauerei mit Freude. Er wies auf das große Einzugsgebiet des zentral in Oberzent liegenden „Griechen“ hin. Mit Dennis Kolmer war auch er Geschäftspartner von Selgros dabei.

Griechische Wurzeln hat die Familie tatsächlich, meinte Özay Salim auf Nachfrage aufgrund seines Namens. Seine Eltern stammen aus einer Gegend nahe der türkischen Grenze und gehören zu einer moslemischen Minderheit. „Wir reden Türkisch zuhause“, erläuterte er. Aber die Sprache ist auch der einzige Bezugspunkt zum Nachbarland. Sich selbst bezeichnete er schmunzelnd als „Odenwälder Bub“, der in Erbach geboren wurde und in Zell aufwuchs.

Die Eltern betreiben in Bad König das Unternehmen Zeitgeist Multiservices. Ein klassischer Familienbetrieb, betont Salim, in dem sein Onkel in Beerfelden die Stellung hält. „Wir wollen den Gästen Urlaubsfeeling vermitteln“, sagt er. Sie sollen sich ein wenig Auszeit vom Alltag nehmen, sich wohl fühlen und die Mittelmeer-Küche genießen.

Der 36-Jährige freut sich über die herzliche Aufnahme in der Stadt. Von sehr freundlichen Menschen berichtete ihm sein Vater, erwähnte Salim. „Wir wollen die Besucher mit griechischen Köstlichkeiten verwöhnen“, sagt er. Getreu dem Motto: „Masse kann jeder, aber auf Details und Qualität kommt es an.“

Nach der sehr guten Resonanz in Michelstadt, wo das Restaurant vergangenen November nach dreimonatiger Umbauzeit aufmachte, zeigt er sich mehr als optimistisch, „dass es auch in Beerfelden funktionieren wird“. Salim bringt es auf den Punkt: „Wir haben Bock, wir geben Gas.“

Info: „Der Grieche“ in Beerfelden, Viehmarktplatz 11, Telefon 06068-9418174, www.dergrieche-beerfelden.de, Öffnungszeiten Mittwoch bis Freitag 17 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 212 Uhr mit durchgehender warmer Küche.

Regionalen Betrieben ein Forum geben: Die „Monkeylounge“ veranstaltet „Wine’n Farmer Edition“ in Falken-Gesäß

Bald steppt in Oberzent – nein, nicht der Bär, sondern der Affe. Die „Monkeylounge“ veranstaltet am Samstag, 18. Mai, die „Wine’n Farmer Edition“ im Almenweg Falken-Gesäß. Ab 15 Uhr wird es in dem sonst eher ruhigen Ort ein wenig turbulenter. Veranstalter Valentin Witzgall hat sich mit verschiedenen „Farmern“, also langwirtschaftlichen Betrieben und Erzeugern, zusammengetan und richtet ein Hoffest der besonderen Art aus.

Die Idee dahinter ist, erläutert Witzgall, den regionalen Betrieben in Oberzent ein Forum zu geben und zu zeigen, „welche Schätze wir direkt vor der Haustür haben“. Die fünf teilnehmenden Betriebe sind regionale Landwirte und Kleinunternehmer, die durch Arbeit, Engagement und Fleiß hervorragende Qualität abliefern. Die Monkeylounge soll auch eine Plattform für „Neugründer“ sein, hebt er hervor. Andreas Weinmann von Emotion Picture wird deshalb mit seiner Art der Fotografie den Tag festhalten.

Das Weingut Zink aus Flöhrsheim/Dahlsheim hat seine Wurzeln in der Oberzent. Bei der Winzerfamilie Mathias und Sybille Zink ist die Bindung zu Falken-Gesäß und Beerfelden immer noch sehr ausgeprägt. Von der Zeitschrift „Feinschmecker“ 2018/2019 zum besten Weingut gekürt, stellen die Winzer den Jahrgang 2018 vor, der aufgrund des trockenen und warmen Sommers ein absoluter Spitzenwein ist.

Die Bäckerei Riesinger aus Gammelsbach bezieht einen Teil ihrer Rohstoffe vom landwirtschaftlichen Betrieb Trumpfheller, der das Korn nahe der Burgruine Freienstein anbaut. Werner und Christian Riesinger legen großen Wert auf die Transparenz von der Saat bis zum fertigen Produkt. Gasthaus und Hofmetzgerei „Zum Spälterwald“ in Olfen, von Gerd Seip und Ella Menges geführt, sind weit über die Stadtgrenzen von Oberzent hinaus als Ausflugsziel und Platz zum Verweilen bekannt. Der Familienbetrieb wird mit drei verschiedenen Bratwurstsorten vertreten sein.

Die Hofkäserei Trumpfheller, ebenfalls in Gammelsbach zuhause, wird verschiedene Käse-Spieße anbieten. Natürlich darf der „Odenwälder Kochkäs mit Musik“ nicht fehlen. Alles aus eigener Produktion von hauseigenen Kühen. Der biozertifizierte Milchbetrieb Zimmermann am Nordrand Beerfeldens ist bekannt für seine Eier- und Milchautomaten, die sonntags schon so manchen Kuchen gerettet haben. Gefertigt werden auch Nudeln aus Bioeiern und Wurst aus eigener Viehhaltung.

Valentin Witzgall, der eigentlich die „Monkeylounge“ für ein jährliches Musikevent gründete, fiebert nun der „Wine’n Farmer“ entgegen. „Bisher habe ich die Events veranstaltet, um regionalen Musikern eine Plattform zu geben“, sagt er. Es war alles eher minimalistisch und nur für Freunde gehalten. Wobei die vergangenen drei Terrassenfestivals mit gut 200 Besuchern und vier bis fünf Livebands „schon ganz großartig waren“.

Jetzt rief er den ersten öffentlichen Event ins Leben und hofft, dass er gut angenommen wird. „Das geht in einen Bereich, von dem ich nur wenig Ahnung habe“, schmunzelt Witzgall. Für ihn geht es am 18. Mai in erster Linie darum, heimische Betriebe zu unterstützen und den Leuten bewusst zu machen, was die kleinen Unternehmen jeden Tag leisten. „Und das in einer Qualität, die ich in Großstädten nur beim Feinkosthändler für viel Geld bekomme.“ Musik gehört natürlich auch dazu, aber die wird im Hintergrund gehalten. Es geht in erster Linie um gutes Essen und geselliges Beisammensein bei dem einen oder anderen Glas Wein.

Airlenbach wünscht sich den mobilen Blitzer

Die Zufahrt zum Sportplatz brennt dem Ortsbeirat auf den Nägeln. Denn die ist nur geschottert und wird bei jedem Starkregen ausgespült. Auf der vergangenen Ortsbeiratssitzung wurde der Punkt wieder thematisiert, weil man sich eine Fertigstellung bis spätestens Ende Juli wünscht. Denn im August feiert der Sportverein sein 50. Jubiläum. Dann soll alles erledigt sein und die Besucher ohne Ruckeln das Festzelt erreichen können.

Ortsvorsteherin Marion Neff weiß zwar, dass das Geld zur Sanierung im aktuellen Oberzent-Haushalt drin steht, aber nicht, ob die Zeit für die Sanierung noch ausreichen wird. Bereits vor der Fusion und auch im vergangenen Jahr drängte der Stadtteil auf Erledigung, erläuterte sie. „Das ist eine sehr wichtige Angelegenheit für uns“, machte Neff die Dringlichkeit deutlich.

Sie informierte das Gremium und die anwesenden Bürger auf der vergangenen Sitzung daneben über das jetzt von den Stadtverordneten verabschiedete Budget für die Ortsbeiräte, nach dem Arirlenbach 1302 Euro im Jahr erhält. Unter anderem soll damit der Blumenschmuck an der „Dicken Eiche“ gezahlt werden, den bisher eine Anwohnerin aus ihrer Privatschatulle bestreitet. Über die restliche Verwendung will man im Laufe des Jahres beraten.

Drei Hundekotbehälter mitsamt Beuteln sind im Ortsgebiet (Dicke Eiche, Hardtweg, Wildgehege) angebracht, erläuterte sie. Die undichte Giebelseite des Sporthauses aus der To-do-Liste ist ebenfalls erledigt, sagte Neff. Die Treppenstufen-Erneuerung an der Leichenhalle ist ihren Worten zufolge in Bearbeitung, der Treppensockel am Sporthaus steht noch aus.

Den Schottergehweg außerhalb der geschlossenen Ortschaft entlang der Landesstraße bezeichnete die Ortsvorsteherin als „unbefriedigende Situation“. Denn der wächst nach und nach zu, was ein Begehen schwierig werden lässt. „Wir haben noch keine Lösung gefunden, wie sich das langfristig verbessern lässt“, bedauerte Neff.

Im Laufe des Frühjahrs soll ihrer Mitteilung zufolge ein vom Wald Richtung Hardtweg führender, unbefestigter Weg angegangen werden, teilte sie mit. Im Hardtweg selbst sind im befestigten Randstreifen mehrere Unterflur-Hydranten verborgen. Jedoch würden diese leider teilweise von Autos zugestellt. „Es wäre ärgerlich, wenn die Feuerwehr einen Einsatz hat und erst die Autos wegschleppen müsste“, hob die Ortsvorsteherin hervor. Der Ortsbeirat will außerdem überlegen, wie man die Hydranten besser kenntlich machen kann.

Ein immer wiederkehrendes Thema ist die Verkehrsberuhigung. Anhand der Messung durch Stadtpolizist El Kadi liegen nun belastbare Ergebnisse vor, dass in der Ortsdurchfahrt kräftig gerast wird. „Wir sind daran interessiert, dass mobil geblitzt wird“, forderte Neff für den Ortsbeirat. Wobei sie weiß, dass Lärm und zu schnelles Fahren in der ganzen Stadt ein Thema sind. Angesprochen wurde auch ein mögliches Überholverbot.

Ein wasserführender Graben vom Anwesen Eichenstraße 20 Richtung Bannweide bereitet Kopfzerbrechen. Denn der unterspült in schöner Regelmäßigkeit den städtischen Flur- und Feldweg. Es erging die Bitte an die Stadt, sich dies anzuschauen. Neff teilte außerdem mit, dass oberhalb des Dicke-Eiche-Denkmals drei marode Eichen gefällt werden müssen.

 

Während der Geschichten war es mucksmäuschenstill

Kein Tisch war mehr frei, als Lisann Fuchs das erste Buch aufklappte: Die Kurzgeschichten-Autorin aus Rothenberg las drei ihrer Werke im „Local d’Arthúr“ am Metzkeil in Beerfelden. Der Verein „Generation Oberzent“ hatte zur zweiten Veranstaltung dieser Art eingeladen, nachdem schon die Premiere mit Alex Assmann im Rothenberger Hirsch ein großer Erfolg war. Auch jetzt dürften es wieder über 40 Gäste gewesen sein. Mystery, Psycho-Drama und Endzeit-Story gab es aus dem Schaffen der Shortstory-Schreiberin zu hören.

„Ich hatte schon ziemlichen Respekt vor der Aufgabe, drei Geschichten lesen zu müssen“, sagte die Wahl-Rothenbergerin. Denn eigentlich wollte sie sich die Aufgabe teilen, aber ihr „Mit-Leser“ erkrankte kurzfristig. „Würde meine Stimme das mitmachen? Sind die Geschichten genügend spannend und unterschiedlich? Werden die Zuhörer meine Stimme und mich drei Geschichten lang ertragen können?“, lauteten die Fragen, die sie sich klammheimlich selbst stellte.

Der Vereinsvorsitzende von „GO!“, Erik Kadesch, führte in die einzelnen Erzählungen ein und sorgte auch für die Überleitungen. Selbstausgewählte Lieder läuteten den Beginn jeder Lesung ein und beendeten jede Geschichte, um die Stimmung noch ein wenig zu tragen. Beginn war mit einem Mystery-Thriller, um die Gäste sofort in den Bann zu ziehen. Die beiden unerwarteten Wendungen und das überraschende Ende von „Der Spielplatz des Bösen“ kamen entsprechend gut an, freute sich Fuchs. „Es war 25 Minuten lang mucksmäuschenstill.“

Vor Beginn der nächsten Geschichte, „Die bessere der Welten“, wurde extra das große Licht im Lokal gelöscht – einzig die Kerzen und die Leselampe brannten. Diese Dystopie-Shortstory hatte die Autorin speziell für die Lesung geschrieben. Nach Lektorat und anschließender Überarbeitung war sie auf einmal „nicht mehr ganz so kurz, nämlich 45 Minuten lang“, bemerkte sie. Doch die Befürchtung, die Zuhörer würden unruhig, „war zu meiner großen Erleichterung unbegründet“, blickte sie zurück. Es gab kein Geraschel, Gehuste oder Stühlerücken. „Nichts. Nur Ruhe.“

Ihr wurde im Nachhinein berichtet, dass die Stimmungen im Lokal deutlich zu spüren waren: „Spannung. Mitfiebern. Rätseln. Betroffenheit.“ Sie selbst hatte bei allen drei Geschichten Phasen mit Gänsehaut. Fuchs ließ sich ganz in die Erzählung fallen, lebte in ihr, fühlte sie. Die darauf folgende Pause wurde zu Gesprächen genutzt, zu Fragen und Gedanken.

Die dritte Shortstory durften die Besucher unter drei Vorschlägen heraussuchen. Es wurde „Beste Freunde und andere Feinde“ ausgewählt. Sie beginnt als klassische Dreiecksgeschichte, eine Frau zwischen Ehemann und Geliebtem, und wird zu einem überraschenden Psycho-Drama. „Auch hier wieder: Stille während der Lesung“, zollte Lisann Fuchs den Gästen großes Lob. Sie war sehr dankbar dafür, „dass die Besucher mir die Sicherheit gegeben haben, in meine Geschichten eintauchen zu können“. Sie musste über nichts, über keine Betonungen oder Pausen, nachdenken. „Der Text durfte einfach fließen – so und konnten Welten entstehen.“

Stadt und Windkraft-Projektierer tauschen Anwaltsschreiben aus

„Wir tauschen uns derzeit über die Anwälte aus“, sagt Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer über den aktuellen Stand beim „Katzenwinkel“. Bekanntlich will dort die Firma Juwi aus dem rheinland-pfälzischen Wörrstadt eine Windenergieanlage errichten, was in Oberzent auf versammelten Widerstand quer durch alle Bevölkerungsschichten und politischen Parteien trifft. Die Firma hat Klage eingereicht, weil ihr die Stadt die Zuwegung zum betreffenden Gelände zwischen Etzean, Airlenbach und Güttersbach verweigert.

Der Flächennutzungsplan des Odenwaldkreises, auch wenn er vom Regierungspräsidium Darmstadt abgelehnt worden sei, werde vom beauftragten Anwaltsbüro als „scharfes Schwert“ angesehen, da der Katzenwinkel dort nicht enthalten sei, hatte Bürgermeister Kehrer bereits auf einer früheren Stadtverordneten-Versammlung betont. Durch die Klage des Kreises gegen die Ablehnung handle es nämlich um ein laufendes Verfahren.

Während der Haushalts-Beratungen war von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) die Summe von 30.000 Euro für Anwaltskosten genannt worden. Kehrer präzisierte auf Nachfrage, dass diese Summe zwar im Haushalt eingestellt sei, man bisher davon aber nur 4000 Euro verausgabt habe. Es geht in der Auseinandersetzung mit der Firma derzeit um die Zuwegung. Die Stadt verweigert ihr die Nutzung der in ihrem Eigentum befindlichen Strecken und auch deren Verbreiterung, damit dort schwere Lkw fahren können.

Der Regionalplan Erneuerbare Energien zum Thema Windkraft sollte ja bekanntlich bereits im vergangenen Dezember Thema in der südhessischen Regionalversammlung sein. Aufgrund der großen Widerstände fand eine Verschiebung statt. Jetzt soll Mitte Juni wieder darüber beraten werden. „Wir wissen noch nicht genau, was zur Verabschiedung vorgelegt wird“, so das Stadtoberhaupt.

Seiner Kenntnis nach sollen „Weißflächen“ aus dem bisherigen Plan herausgenommen werden, die dann einer besonderen Beratung und Beschlussfassung bedürfen. Dabei handle es sich um bisher strittige Gebiete, wo spezielle Tiervorkommen wie Schwarzstorch abgeprüft werden sollen. Das Problem: „Im Odenwald gibt es nur wenige Weißflächen“, betont der Bürgermeister. Was somit mehr oder weniger einen Status Quo bedeute. Nach wie vor, sagt Kehrer, steht bei einer Verabschiedung des Regionalplans eine Normenkontrollklage durch die Odenwald-Kommunen dagegen im Raum.

Das Verfahren läuft auch noch beim Kaltschmidt’schen Anwesen. Das liegt im Außenbereich von Etzean und soll nach dem Willen des Kreisbauamts abgerissen werden, wogegen sich die Eigentümer wehren (wir berichteten). Diese Abrissverfügung wird – auch ohne dass es dafür einen schriftlichen Beleg gäbe – mit dem Windpark Katzenwinkel in Zusammenhang gebracht, weil das Gebäude nur 300 Meter von einem projektierten Windrad entfernt läge und es damit nach geltendem Recht verhindern würde.

„Wir haben gegen den Ablehnungsbescheid der Bauaufsichtsbehörde Einspruch eingelegt“, entgegnet Heinz Kaltschmidt auf Nachfrage. Bereits seit Ende der 1940er Jahre steht das „Behelfsheim“, für das er seit 1997 ein Nießbrauchrecht hat. „Alle Behörden wussten spätestens seit 2004 von der Existenz“, betont er. Auch Oberzent-Stadtbaumeister Peter Bauer geht von einer rechtmäßigen Bebauung aus. Er schrieb bereits im April 2017 an Kaltschmidt, dass das Wohnhaus „unter Mitwirkung der damals zuständigen Behörden rechtmäßig errichtet wurde“. Seit drei Wochen liegt die Sache nun beim Verwaltungsgericht in Darmstadt. „Mit der Hoffnung, dass das Häuschen doch stehen bleiben darf“, ergänzt der Heidelberger Landwirt.

Neue Luther-Bibeln erhalten Eichenholzauflage

Die drei evangelischen Kirchen in Oberzent bekommen neue Luther-Bibeln. Pfarrer Roger Frohmuth freute sich, in der Schreinerei Pracht jetzt die entsprechenden, dort hergestellten Holz-Unterlagen entgegennehmen zu können. Rechtzeitig zum Gottesdienst am Ostersonntag sollen diese die schweren Werke anheben, damit sie nicht mehr so „platt“ auf dem Altar liegen. Die Bibeln werden dann „offiziell“ in die Kirchen hineingetragen.

Die aus Eichenholz bestehenden Unterlagen wurden von den drei Azubis des Betriebs hergestellt. Anica Dreher aus Rothenberg und Eva Reitz aus Wald-Michelbach (18) absolvieren gerade zusammen mit dem in Affolterbach wohnhaften Mehdi Hashemi (19) ihr erstes Lehrjahr. „Wir haben je eineinhalb Tage daran gearbeitet“, erzählt Anica. Die Holzplatten wurden zugeschnitten, aufs Maß gebracht, dann die Schwalbenschwanz-Zinkung eingezeichnet, ausgesägt und ausgestemmt, so Eva.

Beerfelden, Unter-Sensbach und Gammelsbach bekommen je eine der neuen Bibeln, die 2017 anlässlich des 500. Reformationsjubiläums neu herausgegeben wurden. Diese revidierte Luther-Übersetzung „ist wieder näher am Original“, erläuterte Pfarrer Frohmuth. Sie bilde die Grundlage für Lesungen und Gottesdienste. Der Pfarrer erwähnte, dass es die Einheitsbibel für Protestanten und Katholiken nicht mehr gebe.

Mit der überarbeiteten Fassung bewege man sich quasi „Back to the roots“, sagte er. Denn im Laufe der Jahre gab es verschiedene Übersetzungen, die sich zum einen unterschieden, zum anderen weg von der ursprünglichen Fassung bewegten. Hier gehe es nun darum, wieder alle unter einen Hut zu bringen. Die Rückkehr zum früheren Text „merkt man, wenn man die Bibel liest“, so Frohmuth. Denn er hat zuhause ein Faksimile der Luther-Bibel von 1534.

Bei Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte“, lässt sich laut dem Geistlichen gut erkennen, inwieweit wieder die Rückbesinnung auf den Luther‘schen Buchstaben erfolgte. „Genauso hat es der Reformator damals gesagt“, sagt Frohmuth nach der Lektüre. In den vergangenen 500 Jahren „ist nichts Besseres nachgekommen“, erklärt er die Wiederauflage des Originals.

Der Kirchenvorstand, für den sich Stefan Tragiser und Vorsitzender Raimund Keysser über die neuen Bibeln freuten, beschloss im vergangenen Jahr die Anschaffung. Als man über einen geeigneten Zeitpunkt zur Einführung nachdachte, war schnell klar, dass nur Ostern als Hochfest dafür in Frage kommt. Die bisherigen Bibeln lagen flach auf dem Altar, deshalb gab es die Idee einer Auflage. Da Frohmuth und Daniel Pracht, Juniorchef der Schreinerei, öfters gemeinsam in Rotarier-Angelegenheit unterwegs sind, ergab sich „auf dem kurzen Dienstweg“ die jetzige Lösung, die vom Betrieb gespendet wird.

Info: Die Oster-Gottesdienste in den evangelischen Kirchen Beerfelden, Unter-Sensbach und Gammelsbach beginnen am 21. April jeweils um 10 Uhr.