Großer Andrang im Bauer’schen Insektenhotel

Stolz steht Tom Bauer neben seinem Insektenhotel. Und das völlig zurecht. Der Neunjährige baute es während der Corona-bedingten Schulschließung innerhalb von drei Wochen mit seinem Großeltern Ute und Klaus Krämer aus Beerfelden. Tom bohrte selbst die Löcher, schraubte die Scharniere an, schliff die Bretter ab, strich sowie sammelte Zapfen, Moos und Steine. Und schließlich ging’s im elterlichen Garten auch ums Betonieren, damit alles fest ist.

Die Zeit ohne Schule und soziale Kontakte „war für ihn schwer“, erzählt seine Mutter Nadine Bauer. Somit suchte er nach Aufgaben. Toms Wunsch bestand schon länger, ein Insektenhotel zu bauen. „Es ist wichtig, dass unsere Kinder ein Auge für Natur und Umwelt bekommen und sie schätzen lernen“, betont sie.

Opa Klaus und Oma Ute begannen mit der Planung für den Bau. Es wurde überlegt und gemalt, es wurden Materialien besorgt, im Wald nach verschiedenen benötigten Stoffen gesucht, weiß Nadine Bauer. Nach und nach wurde das Hotel mit sehr viel Freude und schönen gemeinsamen Tagen bei den Großeltern fertig gestellt. Als es einzugsbereit war, wurde das jetzt doch recht große Bauwerk mit dem Anhänger in den Garten der Bauers transportiert. Noch einmal durfte Tom mit anpacken und betonierte, damit es einen guten Stand hat.

Das Prachtstück überragt den Sohn von Nadine und Timo Bauer ums Doppelte und hat sich in Insektenkreisen bereits herumgesprochen. Käfer und Wespen haben bereits ins Beerfeldener Hotel eingecheckt, erzählt Nadine Bauer schmunzelnd. Täglich werden es mehr Gäste. Es bildet ein Schmuckstück im Garten der Familie. „Es war eine schöne Idee und Tom ist sehr stolz auf seine Arbeit“, freut sich seine Mutter.

Der Neunjährige interessierte sich schon immer für Natur und Tiere, weiß sie. Vater Timo vermittelte Tom schon von früh auf, wie wichtig es ist, mit der Umwelt verantwortungsbewusst umzugehen. Er  erklärt seinem Sohn immer viel. Vögel zu beobachten ist ebenfalls eine Leidenschaft von Tom: „Das kann er stundenlang“, weiß seine Mutter. Oma Ute erklärt dem Enkel sehr viel im Garten. Der mag den eigenen Salat, Tomaten und Gurken, die sie selbst anbaut.

Die Familie ist sowieso immer mit Hund Aimy viel im Wald unterwegs. Dabei fällt Tom immer wieder etwas Neues auf und er möchte es erklärt haben. Auch sammelt der Neunjährige Dinge aus dem Wald „für sein Leben gerne“, erzählt Nadine Bauer. „Mittlerweile überlegt er, ob er nicht später mal Förster werden soll“, lacht sie.

In die Liftsanierung kommt Fahrt rein

Im Grunde genommen waren sich die Stadtverordneten einig, dass die dringend notwendige Reparatur am Bikepark Beerfelden endlich durchgeführt werden muss. Denn sonst würde das Regierungspräsidium (RP) am 30. August den Lift komplett stilllegen und Oberzents touristisches Highlight wäre passé. Aber den Weg zur letztendlichen Entscheidung machten sich die Mandatsträger in der auf Abstand getrimmten Sporthalle nicht leicht – zum Schluss wurde einfach der geltende Vertrag herangezogen und umgesetzt.

Anlass für die aufkommende Diskussion war ein Antrag der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO). Den erläuterte Fraktionssprecher Chris Poffo im Detail.  Die „erheblichen sicherheitstechnischen Mängel“ rühren daher, dass der Skilift bei einer Betätigung des Nothalts noch zu lange weiterläuft. Zwar ist sowieso eine Kompletterneuerung des Lifts geplant, aber bis die irgendwann zum Tragen kommt, muss der Mangel abgestellt werden. Und zwar sofort. Daran lassen TÜV und RP keine Zweifel.

Wobei das RP noch weiter als der TÜV ging und eine kurze Frist bis 15. Juni setzte, die nach einem Vor-Ort-Termin letztmalig auf 30. August verlängert wurde. Somit war Eile geboten, was den Parlamentariern gar nicht schmeckte. Da das Problem schon seit vergangenem Jahr bekannt ist, hinterfragten sie auch, warum die Vorlage erst jetzt auf den Tisch kommt – und dann noch von einer Fraktion und nicht von der Verwaltung.

Denn die Stadt Oberzent ist Verpächter von allem. Es gibt einen Vertrag mit Pächter Werner Manschitz, der auch solche notwendigen Reparaturen regelt, erläuterte Poffo. Danach trägt dieser die ersten 5000 Euro einer Maßnahme, der Rest wird hälftig aufgeteilt. Somit würden nach dieser Lösung 38.500 Euro an überplanmäßigen Ausgaben auf den chronisch klammen städtischen Haushalt zukommen.

Wie Bürgermeister Christian Kehrer mitteilte, ist das auch genau die Lösung, die der Magistrat empfiehlt. Getreu dem Motto: „Pacta sunt servanda“, Verträge gilt es einzuhalten. Poffo und die ÜWO schlugen eine andere Lösung vor: Manschitz würde die kompletten Kosten von 82.000 Euro tragen. Dafür würde die Stadt die Pachtzahlungen von 9800 Euro monatlich bis Ende 2023 aussetzen und gleichzeitig den Ende 2022 auslaufenden Pachtvertrag vorzeitig verlängern. Außerdem wurde eine Bürgschaft für den Kredit durch die Stadt angefragt. Aber nur angefragt, sagte Poffo, als sich anhaltender Widerstand dagegen regte. Der Pächter würde auch ohne eine solche agieren.

Das ÜWO-Ansinnen löste – zusammen mit dem komplexen Thema an sich – eine fast zweistündige Diskussion mitsamt Sitzungsunterbrechung aus. In einem waren sich die Stadtverordneten einig: Unisono wurde das Wirken von Manschitz gewürdigt, der mit dem Bikepark für Oberzent fast schon ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen hat. Allerdings gingen die Vorstellungen darüber auseinander, wie die Reparatur ablaufen sollte.

Thomas Ihrig (SPD) sah den ÜWO-Vorschlag mit „viel zu vielen Fragen“ behaftet. Er wie auch danach sein Fraktionskollege Rüdiger Holschuh betrachteten sowohl Bürgschaft als auch vorzeitige Vertragsverlängerung kritisch in Bezug auf die kommende Generalsanierung, die damit verbundene Ausschreibung und den Bezug möglicher Fördermittel. Auch Alexander Beck (FDP) und Thomas Väth (Grüne) hatten Rückfragen oder sahen Probleme.

„Wir haben einen bestehenden Vertrag“, gab es laut Ihrig keinen Grund, jetzt alles umzuschmeißen. Was auch Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) unterstrich, die sich für die Einhaltung des Pachtvertrags aussprach. Der SPD-Fraktionschef hätte sich mehr Informationen von der Verwaltung und eine frühere Beratung gewünscht, um jetzt nicht alles in Zeitnot durchzuhecheln.

Kehrer ergänzte, dass die beauftrage Fachfirma bereits in den Startlöchern steht. Sie könnte die Arbeiten in der zweiten Augustwoche ausführen. Frank Leutz (FDP) brachte noch eine andere Option ins Spiel, die ebenfalls ausgiebig diskutiert wurde. Er war zwar gegen eine Bürgschaft, wollte aber dem Pächter die Option für eine Pachtverlängerung einräumen, damit dieser zumindest ein Stückweit Planungssicherheit hat.

„Werner Manschitz gehört voll unterstützt“, wusste sich der FDP-Fraktionssprecher mit seinen Kollegen einig. Der ÜWO-Antrag wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt, womit der reguläre Vertrag greift. Die Stadtverordneten signalisierten im Anschluss klar, dass sie sich eine Vertragsverlängerung mit Manschitz sehr gut vorstellen können. Allerdings steht jetzt erst einmal die Komplett-Sanierung an. Somit heißt die Devise: Schritt für Schritt.

 

Infos:

Der Lift im Bikepark ist in die Jahre gekommen. Ihn gibt es seit 1971 und die Prüfbehörde fordert schon seit ein paar Jahren seine Sanierung. Das bedeutet letztendlich eine komplette Erneuerung, da die bisherigen Bauteile eine Instandsetzung praktisch nicht mehr zulassen.

Bei neuen Liften werden die Pfosten auf dem Fundament verschraubt, bei den alten wie dem in Beerfelden noch eingegossen. Insgesamt werden die Kosten auf eine Million Euro veranschlagt. Davon erhofft man in Oberzent eine erkleckliche Reduzierung durch entsprechende Fördermittel.

Der Bebauungsplan für die Erneuerung ist in der Mache. Denn es geht neben der Sanierung auch um eine Verlängerung um knapp 200 Meter den Hang hinauf auf 760 Meter Länge. Damit würde der Höhenzug erreicht. Aktuell läuft hierzu ein naturschutzrechtliches Gutachten, wie weit es in die Höhe gehen darf.

Wichtig ist für den Betreiber die Verdoppelung der Kapazität. Denn im bisherigen Bikepark-Betrieb konnten nur 250 Personen pro Stunde befördert werden, mit einem neuen Lift wären es fast 500.  Damit ließen sich die Wartezeiten von fast 45 Minuten in Stoßzeiten stark reduzieren. Allerdings sind es coronabedingt derzeit viel weniger Besucher, weil die Vorschriften nur 150 erlauben.

Jetzt kann’s endgültig losgehen

Eine vor einem Jahr scheinbar abgeschlossene unendliche Geschichte hatte doch noch ein neues Kapitel: Lange ging es bereits mit dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan Gerhard-Hauptmann-Straße 9 Beerfelden hin und her. Dahinter verbirgt sich die Erweiterung des Therapiezentrums Janowicz um eine Kältekammer und Nebenanlagen. Ende Juni 2019 schien alles in trockenen Tüchern. Doch jetzt landete das Thema noch einmal auf der Stadtverordneten-Sitzung.

Gemäß den Beschlüssen wurde Ende des Jahres 2019 mit dem Betreiber ein entsprechender Durchführungsvertrag beschlossen. Allerdings darf dessen Datum, stellte sich heraus, nicht jünger sein, als der Beschluss über den Bebauungsplan selbst. Also noch einmal alles auf Anfang. Der Beschluss über die Satzung war laut Regierungspräsidium Darmstadt nochmal zu fällen, auch wenn der Plan in keiner Weise verändert wurde. Wie schon damals gab ein paar Gegenstimmen.

Es hatte im Vorfeld der letztjährigen Verabschiedung viele Einwände gegeben. Jeder noch so kleine Punkt wurde während der Offenlage damals im Detail mitsamt der Antworten vorgelesen – und die Ablehnungen einzeln beschlossen. Schon einmal hatte das Thema zuvor eine Ehrenrunde drehen müssen, weil der Ortsbeirat Beerfelden nicht beteiligt worden war.

Dessen Einwände bezüglich der Parkplätze, die bereits auch einige Anwohner vorgebracht hatten, wurden aber ebenfalls nicht berücksichtigt. 21 Plätze seien erforderlich, so die Antwort der Verwaltung, 23 vorhanden. Davon 20 auf dem Grundstück und drei in der Stried. Es wurde darauf hingewiesen, dass durch den Anbau keine zusätzlichen Therapieplätze entstehen.

Der Bauausschuss hatte noch ein paar Empfehlungen abgegeben, die Eingang in den Beschluss fanden. Hier ging es darum, die Parkplätze öffentlich-rechtlich zu sichern, die Fenster zu einem Nachbar-Anwesen aus blickdichtem Milchglas zu erstellen, die Prüfung auf weitere Stellplätze und das Verbot der Terrassennutzung auf dem Anbau.

Im bestehenden Janowicz-Gebäude soll eine Kältekammer entstehen, in der besonders schmerzempfindliche Patienten behandelt werden können. Die dafür notwendigen Sanitärräume sind als Anbau im Untergeschoss geplant, der zu einem Drittel aus der Erde ragt. Das Kreisbauamt forderte für die Maßnahme einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, um Unklarheiten und Streitigkeiten möglichst aus dem Weg zu gehen.

Nach der Baunutzungsverordnung ist das Vorhaben in einem allgemeinen Wohngebiet zulässig, verdeutlichte Stadtbaumeister Peter Bauer bei einer vorherigen Sitzung – ähnlich wie ein Kindergarten oder eine Gaststätte. Deshalb ging es bei der Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange auch nicht um die baulichen Angelegenheiten, sondern das Drumherum, so den Autoverkehr oder wildes Parken. Entsprechendes hatten Anwohner in ihren Einwendungen vorgebacht. Es verändert sich laut Bauer lediglich das Angebot, wird aber nicht ausgeweitet. Auch die Zahl der Mitarbeiter soll gleich bleiben.

Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch (ÜWO) zeigte sich „nicht glücklich“ über die Länge des Verfahrens. Bürgermeister Christian Kehrer erklärte, dass der Betreiber im Vorgriff bereits mit dem Umbau hätte beginnen können und nicht die endgültige Entscheidung abwarten müssen. Die war eher Formsache.

 

Info: Das Therapiezentrum Janowicz gibt es seit 1982. Start war mit einer kleinen medizinischen Bäder- und Massagepraxis. In der heutigen Tagesklinik für ambulante Rehabilitation werden orthopädisch-traumatologische Verletzungen und Erkrankungen behandelt. Das gesamte Spektrum physiotherapeutischer und physikalischer Behandlungsmethoden wird angeboten. Zusätzliche Leistungen für Regeneration, Prävention und Therapie runden das Angebot ab. Die Tagesklinik verfügt über ein interdisziplinäres Team aus hochspezialisierten Fachkräften für den Bereich der orthopädischen Rehabilitation und umfasst derzeit 25 Mitarbeiter.

Vor der Sommerpause soll eine Entscheidung her

Die Kinderbetreuung steht in Oberzent ganz oben auf der Agenda. Erst befasste sich der Sozialausschuss mit dem Thema, jetzt auf SPD-Antrag auch die Stadtverordneten-Versammlung bei ihrer Sitzung in Rothenberg. Und demnächst wird es noch einmal der Ausschuss sein, bevor dann final die Stavo noch im Juli entscheidet. Denn die Zeit brennt allen auf den Nägeln. Nachdem lange (umsonst) auf Fördermittel gewartet worden war, muss die Stadt nun selbst agieren, denn sonst stehen zu viele Kinder „auf der Straße“ und nicht im Garten.

SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Ihrig referierte den „Vor-Corona-Antrag“. Dessen sechs Punkte wurden zwischenzeitlich durch die Verwaltung bereits angegangen. Von anderen Fraktionen kamen zustimmende Signale zu dieser Positionierung. Der Bedarf an Kindergartenplätzen wird konstant sein, sagte Ihrig. Es handelt sich nicht um eine Eintagsfliege.

„Wir dürfen den Zug nicht verpassen“, betonte er. Sonst fehlen demnächst so viele Plätze, dass die Stadt nicht mehr zeitnah reagieren kann. Deshalb ist seinen Worten zufolge die Frage nach Zwischenlösungen wichtig. „Es hilft den Eltern nicht“, hob er hervor, auf die Fördermittel bei großen Vorhaben wie dem Neubau in Rothenberg oder der Erweiterung in Beerfelden zu warten. Bei letzterem Punkt hatte sich der Sozialausschuss bereits für Containerlösungen ausgesprochen.

Ihrig sprach ebenfalls die sehr unterschiedlichen Schließtage der einzelnen Einrichtungen an. Zu Jahresbeginn waren es zwölf Tage, inzwischen sind immer noch acht. Er wünschte sich mehr Einheitlichkeit in Oberzent. Denn letztendlich könnten diese unterschiedlichen Leistungen für Eltern auch ein Grund sein, verschiedene Gebühren zahlen zu wollen. Der SPD-Mann freute sich, „dass der Ausschuss bereits vorgearbeitet hat“.

45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – und es werden nicht weniger. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterungsbau aufgenommen werden müssten.

Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kitas in den Stadtteilen, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen. Auch in Kailbach gibt es zu wenige Plätze, Unter-Sensbach ist durch die zweite Gruppe gut beieinander, in Rothenberg ist vor allem der bauliche Zustand ein Thema.

Von der SPD wurde angeregt, die Einrichtung von Kindergärten in Gammelsbach und Hetzbach zu prüfen, um kürzere Wege zu schaffen. Laut Verwaltung macht dies aber keinen Sinn, da in kleinen Einrichtungen der Personalbedarf höher ist als in größeren. Deshalb sollte so schnell wie möglich eine Erweiterung in Beerfelden her. Über einen Waldkindergarten soll nach dem Wunsch des Sozialausschusses ebenfalls im Juli noch einmal final beraten werden.

Bürgermeister Christian Kehrer verdeutlichte, dass kleinere Kommunen bei der Fördermittelvergabe oftmals ganz hinten stehen. Denn während größere Gemeinden fertige Um- oder Neubaupläne in der Schublade haben oder sie zeitnah erstellen können, hat Oberzent diese Möglichkeiten nicht. Die Folge: Wird eine Förderung nach Windhundprinzip vergeben, geht man leer aus.

Als der Bund vergangenes Jahr 86 Millionen Euro für Kindergartenzwecke bereitstellte, „waren wir noch nicht so weit“, erläuterte er. Die Planungen dauerten noch. Auch von der Aufstockung des Landes profitierte man nicht. Denn: Der wirkliche Bedarf lag bei einer Milliarde Euro. Der Odenwaldkreis, erläuterte Kehrer, habe lediglich die Zusage für eine Million Euro. Die aufgeteilt werden muss.

Hors Kowarsch (Grüne) signalisierte wie seine Kollegen auch seine Unterstützung. Er betonte die Dringlichkeit und wünschte sich einen Beschluss – ob Container oder Neubau –  vor der Sommerpause. Ebenfalls sprach er sich für einen Waldkindergarten aus. Nun ist der Sozialausschuss am Zug.

 

Kreis will sich an der Fördermittelquelle laben

Ländliche Regionen wie der Odenwaldkreis, die eigentlich viele Fördermittel brauchen, gehen viel zu oft leer aus, weil die Städte und Gemeinden nicht die Ressourcen haben, die komplizierten Anträge umfassend und zeitnah zu stellen. Bestes Beispiel: Kindergartenum- und –neubau in Beerfelden und Rothenberg. Jetzt soll eine beim Kreis angesiedelte Stelle Abhilfe schaffen und dafür sorgen, dass mehr Quellen erschlossen werden, die dann im Odenwald sprudeln.

Aufgrund der hohen Anzahl und Komplexität von immer neuen Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Landesebene haben Verwaltungen der Städte und Gemeinden zunehmend Probleme, einen Überblick zu behalten, geschweige denn, Förderanträge inklusive Berichtspflichten und weiterer anhängender Aufgaben personell zu stemmen, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer.

Anstehende Aufgaben lassen sich durch Spezialisten schneller und erfolgreicher erfüllen als durch andere Verwaltungsmitarbeiter oder -beamten. Insbesondere sind seinen Worten zufolge Effizienzgewinne auch deshalb zu erwarten, weil auf diese Weise Erfahrungen aus verschiedenen Kommunen zusammenfließen und Ideen, die in einer (nicht) funktionieren, auf andere übertragen werden können.

Die Fördermittelberatungsstelle Odenwaldkreis wird zunächst durch eine vom Kreis finanzierte Stelle besetzt. Gerechnet wird mit jährlichen Effizienzgewinnen von knapp 60.000 Euro. Annahme ist laut Kehrer außerdem, dass den Kommunen ein um die Hälfte geringerer Zeitaufwand entsteht. Neben dieser Einsparung „sind die höheren Erfolgschancen bei der Bearbeitung von Fördermitteln zu betonen“.

Für die Stelle als Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit gibt es einen einmaligen Zuschuss von 100.000 Euro durch das Land Hessen, informierte der Bürgermeister. Voraussetzung hierfür ist eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren. Die Beratungsstelle kann erweitert werden, wenn weitere Kommunen dafür Interesse zeigen. Ihre Finanzierung soll in spe über die Kreisumlage erfolgen.

Zum Service gehören unter anderem: Recherche von Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Landesebene, Identifizierung von Handlungsbedarfen der städtischen Entwicklung sowie Ausformulierung von Förderanträgen und Vorbereitung nötiger Gremienvorlagen. Außerdem wird die Verwaltung bei der Organisation und Überwachung der Durchführung von geförderten Projekten beraten.

Marcel Gerling (SPD) trug die zustimmenden Beratungen aus dem Ausschuss ins Parlament. Dessen einhellige Empfehlung fand Widerhall, ebenso einstimmig geschah die Verabschiedung. „Es fließen zu wenig Mittel in den Odenwaldkreis“, so sein Tenor. Weshalb die Stelle eine gute Sache ist und die Stadt ihr über eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung betreten sollte. Was auch geschah.

 

Land unter soll passé sein

Das Jahr 2018 ist im Oberzent-Stadtteil Hetzbach noch in unguter Erinnerung. Ende April kam ein Starkregen runter, den man so noch nie oder zumindest seit Jahrzehnten nicht gesehen hatte. Das Ergebnis: In Hetzbach hieß es komplett Land unter. Die B45 verwandelte sich zum reißen Bach. Die Grünen nahmen dies nun zum Anlass, für den Ort die Aufnahme in den Hochwasserrisikomanagementplan für das Gewässersystem Mümling zu beantrage. Beraten wird das Thema weiter im Bauausschuss, der am 9. Juli tagt.

Gastanks wurden abgerissen, Menschen in Autos eingeschlossen, schilderte Thomas Väth (Grüne) das Szenario 2018. Nur mit viel Glück passierte nichts Schlimmeres. In den zwei Jahren seitdem, bedauerte er, „hat sich leider nichts beim Hochwasserschutz getan“. Im Gegenteil: Am Krähberg wurden große Waldflächen gerodet, sodass es jetzt noch heftiger werden könnte.

Die Hochwasserrückhaltebecken bei Schönnen „bringt Hetzbach leider nichts“, sagte der Grünen-Sprecher. Für die Anwohner wiederum bedeutet das damalige Schadensereignis, dass sie keine Hochwasser-Versicherungen mehr für ihre Gebäude abschließen können. Väth sah die Stadt in der Pflicht, etwas zu unternehmen, um Menschenleben zu schützen. Was es damals noch schlimmer machte: Das Feuerwehrhaus war ebenfalls von den Fluten eingeschlossen.

André Assmann (ÜWO) wies darauf hin, dass Hochwasser und Starkregen zwei verschiedene Paar Stiefel sind. Denn in Hetzbach kam 2018 das Wasser aus allen Richtungen. Marcel Gerling (SPD) wollte alle Stadtteile in Bezug auf Hochwasser abgeklopft wissen. Denn auch in den anderen Tälern könnte so etwas passieren. Allerdings wird das dann nicht mit dem Mümling-Plan laufen, kam die Erwiderung aus dem Rund.

Projektierer machen in Oberzent viel Wind

Oberzent ist ein begehrtes Fleckchen für Windkraft-Projektierer. Die lassen sich auch nicht davon abschrecken, dass die Stadtverordneten-Versammlung dieses Jahr bereits klipp und klar deutlich machte, dass man keine riesigen Rotoren auf der Gemarkung haben möchte. Bürgermeister Christian Kehrer informierte auf der jüngsten Sitzung, dass derzeit vier Flächen im Fokus der Firmen sind: Katzenwinkel, oberhalb von Leonardshof, Hirschhorner Höhe und Finkenberg.

Seit März ist der Regionalplan Erneuerbare Energien Südhessen in Kraft, der die Windkraft-Ausschlussflächen definiert, erläuterte Kehrer. Der brachte dann auch Bewegung ins Gebiet Katzenwinkel, wo sich bisher die Stadt und der Projektierer Juwi beharkt hatten. Denn zwei der geplanten fünf Windräder liegen außerhalb des Plans.

Mit Juwi hatte es bereits einen Rechtsstreit über die Erschließung für deren bisheriges Vorhaben gegeben. Denn die Firma hatte der Stadt die Erschließungsanträge zur Unterzeichnung zugeschickt. Gegen eine solche wandten sich aber die Mandatsträger. Sie wollten die benötigten Flüchen nicht zur Verfügung stellen. Daraufhin folgte die Klage.

Da nun die beiden vorderen Windräder Richtung Etzean qua Regionalplan rausgeflogen sind, ist Oberzent-Gebiet in Gestalt von Grundstücken nicht mehr betroffen, so Kehrer. Die Folge: Der Projektierer zog seine Klage zurück, will aber, dass die Stadt die Verfahrenskosten trägt. Nicht mit uns, entgegnete diese, und beauftragte über ihr Anwaltsbüro, dass Juwi die Kosten tragen soll.

Die Erschließung wird jetzt wohl über Mossautal laufen, mutmaßte Kehrer, der damit rechnet, dass die Windräder weiter nach hinten Richtung dessen Gemarkung verlegt werden. Oberzent habe wenig Einfluss auf das weitere Geschehen. Man werde sich mit der Nachbargemeinde abstimmen, erläuterte er. Im vergangenen Jahr liefen 6000 Euro an Anwaltskosten auf, sagte er auf Nachfrage. Die Stadt will nun analog einer Anregung aus dem Gremium prüfen, ob diese Summe bei Juwi eingefordert werden kann.

Am Finkenberg tut sich ebenfalls etwas. Hier sind die Firmen Enercon und NWind an der Planung dran. Aktuell sind sieben Anlagen vorgesehen, frühere Planungen wurden zurückgenommen. Für den Wege- und Leitungsbau sollen 22 Flurstücke der Stadt in Anspruch genommen werden, teilte Kehrer mit. Da Oberzent hier – im Vergleich zum Katzenwinkel – nicht im Besitz der neben dem Weg liegenden Flächen ist, sieht der Bürgermeister Verhinderungschancen als gering an.

Die Erschließung soll seinen Worten zufolge von Airlenbach auf der Höhe Richtung Olfen laufen. Die Stadt bekäme für die Verlegung der Kabeltrasse einmalig 10.500 Euro, für die Zuwegung jährlich 10.200 Euro. Wie Kehrer mitteilte, sind Enercon und NWind sehr daran interessiert, das Projekt einvernehmlich mit Stadt und Bürgern zu realisieren. Deshalb gibt es auch das Angebot einer Vorstellung für die Öffentlichkeit. Der Magistrat beschloss, die Unterlagen der Stadtverordneten-Versammlung für eine kommende Sitzung zur Entscheidung vorzulegen.

Es dürfte sich um die gleiche Fläche wie die im (durchs Regierungspräsidium abgelehnten) Odenwald-Windkraftflächennutzungsplan handeln, antwortete der Bürgermeister auf eine Frage von Chris Poffo (ÜWO). Die Anzahl von möglichen Windrädern ist darin kein Thema, es wird nur das Gebiet ausgewiesen, erklärte er. Rüdiger Holschuh (SPD) befürchtete, dass bei dieser Dimensionierung außerhalb der Ortsbebauung die Windräder näher als einen Kilometer an manche Häuser heranrücken werden.

Beim Leonardshof ist die Stadt Grundstücksbesitzer. „Da haben wir das Heft in der Hand“, betonte Kehrer. Zum Vorhaben oberhalb von Rothenberg liegen der Stadt offiziell noch keine Infos vor. Allerdings weiß man, dass bereits Anwohner zwecks Grundstückverpachtung durch die Firma PNE angesprochen wurden.  Hier hat die Stadt keinen eigenen Besitz, um Windkraftanlagen zu verhindern, bedauerte das Stadtoberhaupt außer der moralischen Kompetente fehlende handfeste Einflussmöglichkeiten.

Wissen, was finanziell Sache ist

Quo vadis, Haushaltsberatung? Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses in Beerfelden sprachen sicherlich auch für ihre Kollegen aus der Stadtverordneten-Versammlung, als sie die große Informationsflut und sich stetig ändernde Zahlen anführten, wenn es um die einzelnen Etat-Posten geht. Chris Poffo (ÜWO) brachte dieses Thema auf der vergangenen Sitzung vor. „Ein umfangreiches Konstrukt wird ständig erneuert“, meinte er. Weiter: „Wir können nicht sehen, was sich ändert und wo wir stehen.“

Oliver von Falkenburg (CDU) hatte dazu im Vorfeld die Vorgehensweise aus dem benachbarten Kreis Bergstraße erläutert. Es müsse unterjährig ein Informationsmanagement entlang den Produkten des Haushaltes erfolgen, forderte er, das in der Lage ist, die verschiedenen Berufsgruppen/Ehrenamtlichen in der Stavo angemessen zu informieren.

Darauf hob Poffo ab: Er wünschte sich eine Art „Änderungsmarkierung wie beim Word-Dokument in den städtischen Haushaltsunterlagen.“ In relativ kurzen Abständen sollten Infos über den Ist-Zustand des Haushalts erfolgen, damit die Parlamentarier wissen, was finanziell Sache ist.

Claus Weyrauch (ÜWO) attestierte ihm bei diesem Wunsch. Er schlug eine gewisse Regelmäßigkeit vor. So könnte eine Zusammenstellung der wichtigsten Zahlen monatlich an die Ausschussmitglieder gehen, quartalsweise dann an die Stavo. Immer von Jahresanfang bis zum Ende des jeweiligen Monats, präzisierte er auf Nachfrage von Finanzchefin Franziska Michel. Das fand auch Beifall bei Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne).

Michel und Bürgermeister Christian Kehrer machten jedoch darauf aufmerksam, „dass Höhen und Tiefen drin sind“, etwa durch Steuereinnahmen und Umlagezahlungen. Manchmal „gibt es gravierende Ausschläge“, sagte Michel. Vorsitzender Marcel Gerling (SPD) ergänzte, er würde gerade bei Großprojekten gerne einen Überblick haben, „wie gerade der Stand der Dinge ist“.

Allerdings wäre der regelmäßige Blick ins Detail laut Kehrer schwierig zu machen, da er sehr viel Personalaufwand bedeutet. Worauf Poffo anmerkte, dass es den Mandatsträger um einen ungefähren Rahmen geht, ums große Ganze.

Allgemein bedauert wurde im Rund, dass die drei Oberzent-Bäder dieses Jahr nicht öffnen können. Chris Poffo hätte sich die Möglichkeit gewünscht, dass man die Kräfte vielleicht auf ein Freibad konzentriert und wenigstens dieses den Planschwilligen zur Verfügung stellt. Laut Bürgermeister wurden alle Varianten durchgespielt, es fand sich jedoch kein Königsweg.

Die Furcht bei der Öffnung eines Freibads ist, dass dann ganz Oberzent in dieses strömt, so Kehrer. Auch wollen die Ehrenamtlichen nicht dafür verantwortlich sein, die Hygiene- und Abstandsregeln durchzusetzen, war der Tenor. Alternativ wäre nur der Betrieb mit von der Stadt bezahltem Personal möglich gewesen – und das kostet wieder Geld, das Oberzent nicht hat. Man will nun eventuell die Bad-lose Zeit dazu nutzen, Sanierungen im Rahmen des Swim-Förderprogramms in Finkenbach und Hetzbach vorzuziehen. Sonst müsste nächstes Jahr wieder geschlossen werden.

Den Förder-Überblick behalten

Kommunales Investitionsprogramm KIP, Hessenkasse und integriertes kommunales Entwicklungskonzeptes (IKEK): Überall gibt’s Fördergelder für die Kommunen, die aber oftmals an eine Eigenbeteiligung geknüpft sind. Dazu noch andere Zuschusstöpfe, die oftmals nach Windhundprinzip vergeben werden: Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer präsentierte dem Haupt- und Finanzausschuss einen aktuellen Stand. Daneben ging es auch um die geplante Fördermittelstelle beim Landratsamt.

Am weitesten abgearbeitet ist das kommunale Investitionsprogramm. Hiervon steht eigentlich nur noch die Sporthalle in Unter-Sensbach aus, ein Projekt, das von der Bevölkerung sehnlichst erwartet wird. 145.000 Euro weist dieser Posten in zwei Chargen aus. Das „Problem“: Die Stadt muss sich mit über 50.000 Euro auch beteiligen. Geld, das derzeit angesichts der schlechten Haushaltszahlen schwer aufzutreiben ist. Aber die Beratungen über eine mögliche Realisierung laufen.

Die energetische Sanierung der Rothenberger Sporthalle oder des Rathauses Beerfelden, der Austausch der Ölheizungen im Dorfgemeinschaftshaus Olfen oder im Kailbacher Sporthaus sind bereits verwirklichte Projekte. Mittelüberschreitungen bei der einen oder anderen Maßnahme ließen sich durch Einsparungen bei anderen kompensieren. Die Sanierung des Friedhofsweg 19 in Beerfelden wurde erst einmal zurückgestellt.

Die Hessenkasse-Maßnahmen sind erst zu etwa einem Drittel durch. Zwar muss die Stadt immer nur zehn Prozent der Kosten selbst tragen, aber die schiere Masse des Investitionsvolumens von 2,6 Millionen Euro macht daraus doch einen großen Batzen. Die Sanierung der Straße und des Parkplatzes am Sportplatz Airlenbach waren ein größerer Posten. Oder aber das Sporthaus in Hetzbach.

Auf der To-do-Liste steht eine weitere, größere Summe bei der Sanierung der Sensbacher Sporthalle, die über die KIP-Mittel hinausgeht. Der Anbau der Fahrzeughalle am Feuerwehrhaus Airlenbach ist mit 175.000 Euro ebenfalls ein großer Brocken. Und die Erneuerung der Asphaltdecke in der Waldstraße Kortelshütte mit 143.000 Euro ist weiterhin nicht zu verachten.

Beim Thema IKEK gab es unterschiedliche Wahrnehmungen zwischen Bürgermeister und Mandatsträgern. Wie Kehrer erläuterte, wurden nach der Fusion die beiden Gruppen aus Beerfelden und Sensbachtal/Hesseneck zusammengeführt. Diese hätten sich aber bisher nicht auf eine Priorisierung von Maßnahmen einigen können. Diese ist seinen Worten zufolge aber wichtig, „weil die WI-Bank sonst keine Fördermittel ausschüttet“. Er wies darauf, dass die Förderung nur noch bis 2024 läuft. „Es wäre fatal, wenn wir keine kriegen“, so das Stadtoberhaupt.

Ausschussvorsitzender Marcel Gerling (SPD) brach eine Lanze für die Ehrenamtlichen. Die Frustration durch die stetige Änderung der Förderkriterien „ist ziemlich hoch“, sagte er. Er wie auch Achim Schäffler (ÜWO) und Thomas Ihrig (SPD) wiesen darauf hin, dass noch Entscheidungskriterien fehlen. „Es gibt gute Ideen“, die aber noch nicht präzisiert wurden, „weil wir noch Details wissen wollen“, gab Ihrig den Ball zurück. Der Magistrat will sich auch selbst Gedanken machen, welches Projekt an erster Stelle stehen könnte, und der Steuerungsgruppe Vorschläge unterbreiten, so Kehrer.

In diesem Zusammenhang wurde die Einrichtung einer Fördermittelberatungsstelle im Odenwaldkreis positiv aufgenommen und der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung empfohlen. Für ihre Einrichtung als Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit gibt es einen einmaligen Zuschuss über 100.000 Euro vom Land Hessen.

Hintergrund: Aufgrund der hohen Anzahl und Komplexität von immer neuen Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Landesebene haben Verwaltungen zunehmend Probleme, einen Überblick zu behalten, geschweige denn, Förderanträge inklusive Berichtspflichten und weiterer anhängender Aufgaben personell zu stemmen. Das soll nun zentral erfolgen.

Haushalt wird kräftig durcheinander gewirbelt

Die Corona-Pandemie sorgt für kräftige Turbulenzen im städtischen Haushalt. Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer und Finanzchefin Franziska Michel stellten die aktuellen Zahlen dem Haupt- und Finanzausschuss auf dessen Sitzung im Bürgerhaus vor. Es ist überwiegend die Gewerbesteuer, die für kräftige rote Zahlen sorgt. Die Parlamentarier wussten sich mit der Verwaltung in der Hoffnung vereint, dass ein staatlicher Schutzschirm bis Jahresende für Besserung sorgen möge.

Kehrer wies zu Beginn darauf hin, dass es sich hauptsächlich um Schätzzahlen handelt. Die Gewerbesteuer liegt seinen Worten nach derzeit um 455.000 Euro niedriger als im Ergebnis 2019. Damals landete man bei 1,863 Millionen. Das war bereits niedriger als der Ansatz, was aber an sich ändernden Zahlen aus dem kommunalen Finanzausgleich lag.

Gerechnet hatte man fürs Jahr 2020 in der Planung ursprünglich mit 1,629 Millionen Euro Einnahmen, was nun obsolet ist. Auch Einkommen- und Umsatzsteuerumlage werden nach unten gehen, prognostizierte der Bürgermeister. Allerdings ist die Höhe noch unklar. Weniger Gewerbesteuereinnahmen bedeuten auch eine geringere Umlage, die noch nicht genau bezifferbar ist. Also ein Fahren auf Sicht.

„Wir fahren im Odenwaldkreis eine einheitliche Linie“, meinte Kehrer zum geplanten Erlass der Kindergartengebühren in den Monaten April bis Juli. Dieser muss jedoch noch final von der Stadtverordneten-Versammlung beschlossen werden. Derzeit, erläuterte er, läuft in den Einrichtungen ein erweiterter Notbetrieb. Der Magistrat beschloss bereits eine Stundung, die von den Gremien in ihrer Juli-Sitzung noch in einen Gebührenerlass umgewandelt werden müsste. Es geht hier um 76.000 Euro.

Bei der Spielapparatesteuer rechnet die Stadt mit Ausfällen von 6000 Euro. 9000 Euro zusätzlich fielen durch die Beschaffung von Masken und Desinfektionsmitteln sowie durch Schutzmaßnahmen an. Auf der anderen Seite gab unfreiwillige Einsparungen durch die Absage von Veranstaltungen wie Pferdemarkt und Seniorennachmittag in Höhe von 56.500 Euro.

Der Wald bleibt weiter das Oberzent-Sorgenkind. Der Borkenkäfer treibt weiter sein Unwesen und sorgt dafür, dass die Holzpreise im Keller sind. „Da wird sich nicht viel tun“, blickte der Bürgermeister sorgenvoll auf die einstige Schatzkammer von Oberzent. Bis 2017 lieferte der Wald im Schnitt zusammen 700.000 Euro Einnahmen an die vier früheren Kommunen Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck ab.

Seit der Fusion ist es damit vorbei. Erst kaum der Sturm, dann die Hitze, dann der Käfer – oder alles zusammen. Die Einnahmen bewegten sich über 130.000 (2018) und 33.000 Euro (2019) Richtung rote Null in diesem Jahr. Auf dem Papier sind im Waldwirtschaftsplan 2020 noch 117 Euro Plus vermerkt, aber aktuell steht man bei 100.000 Euro Miesen, verdeutlichte der Bürgermeister. „Wir hoffen noch auf null zu kommen“, sagte er.

Die Aufarbeitung des Käferholzes kostet seinen Worten nach so viel, „dass die Einnahmen nicht gedeckt sind“. Die fehlenden 700.000 Euro aus der Holzvermarktung zehren quasi komplett den „Fusionsbonus“ auf, erklärte das Stadtoberhaupt. Also die Summe, die die neue Stadt eigentlich zusätzlich im Haushalt haben wollte, eben weil sich die vier Gemeinden zusammengeschlossen hatten. Nun ist also wie bereits früher Sparen angesagt, bis es knirscht.

Kehrer hatte wenig Hoffnung auf schnellere Finanz-Besserung. Er rechnet damit, dass mindestens fünf bis sechs Jahre lang, wahrscheinlich länger, der Wald als Geldgeber ausfällt. Michel kündigte noch an, dass in der nächsten Zeit ein Darlehen aufgenommen werden muss, um die anfallenden Ausgaben zu bestreiten. Es dürfte zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro werden, sagte sie. Für diese Höhe liegt noch eine Ermächtigung aus dem Haushaltsjahr 2019 vor.

 

Dringender Handlungsbedarf bei Kita-Plätzen

Oberzent braucht dringend neue Kindergartenplätze. In Beerfelden ist die Not am größten, aber auch Kailbach klagt über Platzmangel. Unter-Sensbach steht durch die Eröffnung einer zweiten Gruppe ganz gut da. In Rothenberg geht es vor um die räumliche Situation. Stoff genug also für den Sozial-, Kultur- und Gesundheitsausschuss, der erstmals in eigener Verantwortung tagte. „Wir nehmen als Mandatsträger das Heft in die Hand, damit Bewegung in die Sache kommt“, kündigte der stellvertretende Vorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) an.

Das ewige Warten auf Fördermittel, nur um zu erfahren, „dass sie vergeben oder gestrichen sind“, ist seiner Ansicht nach nicht zielführend, betonte er. Denn wenn danach die Planungen für einen Um- oder Neubau erst einmal wieder ad acta gelegt werden, bleibt das Problem der fehlenden Plätze bestehen oder wird sogar noch größer.

„Es ist ein schweres Dilemma“, formulierte Zucht, dass Fördermittel des Landes anscheinend – wie beim Beispiel Kindergartenneubau Rothenberg – im „Windhundprinzip“ vergeben werden. Er sah dies als eine gravierende Benachteiligung des ländlichen Raumes.

„Um zu Potte zu kommen“, ist ein Agieren unabhängig von Fördermittel notwendig, wusste sich Zucht mit seinen Kollegen der verschiedenen Fraktionen einig. „Wir sind in der Pflicht“, wies er auf den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hin. 45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – „und es werden nicht weniger“.

Bis zur kommenden Sitzung des Ausschusses am 13. Juli soll das Bauamt nach dem Wunsch des Ausschusses nun unter zeitlichen und finanziellen Kriterien prüfen, wie eine Containerlösung für die Standorte Beerfelden und Kailbach aussehen könnte. Auch für einen möglichen Waldkindergarten soll bis dahin eine Expertise eingeholt werden. Varianten davon gibt es bereits in umliegenden Orten wie Eberbach und Erbach. „Jedes Format ist ein Plus“, so der Ausschuss-Vorsitzende.

Dann könnte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Nägel mit Köpfen machen. Natürlich würden es die Ausschussmitglieder gerne sehen, wenn es bereits zum nächsten Kindergartenjahr eine Lösung gäbe, aber so schnell wird es wohl nicht gehen. Zucht hob hervor, dass ein Anbau in Beerfelden und ein Neubau in Rothenberg „noch nicht vom Tisch sind“. Sollte es neue Fördermittel geben, „stehen wir Gewehr bei Fuß“.

Diese Projekte laufen seinen Angaben nach aber mehrere Jahre. „Wir brauchen jedoch jetzt etwas kurzfristig Umsetzbares“, betonte er. Bei den Containern denkt man an einen Kauf. Denn sie ließen sich, sollten sie für den Kindergarten einmal nicht mehr gebraucht werden, anderweitig umwidmen. Andererseits werden sie jedoch für diesen Zweck einige Zeit im Einsatz sein, sodass eine Anmietung nicht so sinnvoll erscheint.

Dem Ausschuss geht es mit seinen Vorschlägen und Ideen auch um die Außenwirkung: „Wir müssen ein Signal setzen, dass etwas passiert“, ist Zucht wichtig. Denn das Thema schleppt sich schon lange dahin, ohne dass Fortschritte zu erkennen sind. „Es muss Priorität haben“, postulierte er. Die Mandatsträger wollen nicht länger zuwarten. So schnell wie es organisatorisch und finanziell machbar ist, sollen die Container sehen. „Wir haben ein Ziel formuliert und werden es mit Nachdruck weiter verfolgen“, war fraktionsübergreifend der Tenor im Gremium.

Im Vorfeld hatte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich die Zahlen erläutert. In Beerfelden ist die Kita derzeit voll belegt. Es gibt hier eine lange Warteliste. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterweiterungsbau aufgenommen werden müssten. Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kita, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen.

 

Auf dass so etwas nie mehr passieren möge

Vor vier Jahren wurde vor der evangelischen Martinskirche Beerfelden der Stolperstein für Herbert Creutzburg verlegt. Der Unteroffizier war genau an dieser Stelle am 25. März 1945 wegen angeblicher Fahnenflucht von Nazi-Schergen gehängt worden – vier Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner in Beerfelden. Jedes Jahr wird der Gedenkstein von den Oberzentschülern bei einem Gedenken gereinigt. Dieses Jahr – zur 75. Wiederkehr der Ereignisse – war coronabedingt nur der Religionskurs von Schulleiter Bernd Siefert beteiligt.

Angestoßen wurde die Stolperstein-Verlegung 2016 von den Religionsklassen der Oberzent-Schule mit ihrem (damaligen) Lehrer Bernd Siefert. Der wurde von Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich im Zuge der Vorarbeiten für die Stolpersteine vor den Häusern von jüdischen Einwohnern im Jahr 2012 erstmals auf die Creutzburg-Hinrichtung aufmerksam gemacht.

Daraus entwickelte sich dann der Kontakt zu Franz Ulm, der damals als junger Soldat zu Creutzburg in die Zelle gesperrt wurde, um dessen Selbstmord zu verhindern und ihn auch auf dem Weg zum Galgen begleitete. Ulm hatte noch ein Gnadengesuch verfasst, das aber nicht mehr angenommen wurde.

Durch seine Recherchen machte Siefert den über 90-Jährigen vor sechs Jahren in Köln aus. „Franz Ulm konnte sich noch sehr gut an das Ereignis erinnern.“ Dem ehemaligen Soldaten sei das „präsent gewesen, als ob es gestern war“. Das späte Gedenken durch die Stolperstein-Verlegung erlebte Franz Ulm aber nicht mehr: Er starb 2015.

Creutzburgs war Unteroffizier im Zweiten Weltkrieg und hatte sich kurz vor Kriegsende unerlaubt von seiner Truppe entfernt. Er hatte genug vom Krieg, wollte zu seiner Verlobten und sich Heiratspapiere beschaffen. An der Bahnüberführung zwischen Gammelsbach und Eberbach wurde er von Feldgendarmen festgenommen, nach Beerfelden ins Gefängnis gebracht, von einem Standgericht zum Tode verurteilt und vor der evangelischen Kirche hingerichtet.

Der Oberzent-Lehrer wies auf das „zynische Handeln“ der Verantwortlichen gegen einen jungen Mann hin, „der in den letzten Kriegstagen lediglich heim zur Freundin und diese heiraten wollte“. Genau am Tag der Hinrichtung habe sich der Befehlsgeber des Befehls von Mitte Februar 1945, dass Fahnenflüchtige hingerichtet werden sollten, Gauleiter und Verteidigungskommissar Jakob Sprenger, von Frankfurt von Südbayern abgesetzt.

Dies ist im Buch „Nationalsozialismus im Erbacher Landkreis 1923-1945“ von Dirk Strohmenger nachzulesen. Laut Strohmenger blieb der Leichnam des Unteroffiziers Creutzberg zur Abschreckung der Bevölkerung „noch einige Zeit am Baum zwischen dem Kriegerdenkmal und der Kirche hängen“. In Beerfelden sei das Standgericht der Heeresstreife 17 für das Urteil Fahnenflucht und Hinrichtung zuständig gewesen. Wie der Autor weiter schreibt, seien die verantwortlichen Offiziere trotz Ermittlungen deutscher Justiz- und Polizeibehörden nach 1945 nie gefasst worden.

Der damalige Pfarrer May beobachtete die damaligen Ereignisse aus der evangelischen Kirche heraus und verurteilte sie aufs Schärfste. Die entsprechenden Passagen und Strohmengers Aufzeichnungen brachten die Neuntklässler Caroline Siebert und Sina Pehmöller zu Gehör. Letzte zitierte auch das Leitbild der Oberzent-Schule: „Wir begegnen uns in der Schule mit Respekt, Wertschätzung und Empathie.“ So etwas darf sich nie wiederholen, meinte Noah-Leon aus der 9a. Und Luisa wollte die damaligen Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Bernd Siefert wies auf aktuelle Ereignisse hin. Wehret den Anfängen, so sein Tenor. Er nannte den Mord an Walter Lübcke im vergangenen Jahr als erschreckendes Beispiel, dass rechte Gedanken in Deutschland weiterhin präsent sind und unselige Auswüchse zeigen. Die Beschäftigung der Schüler mit diesem Thema ist laut dem Schulleiter wichtig bei der Erziehung zum mündigen Bürger. Nach der Reinigung des Stolpersteines wurden Kerzen angezündet, Blumen auf den Stolperstein gelegt und das Vater Unser gebetet.

Haushalt wird kräftig durcheinander gewirbelt

Die Corona-Pandemie sorgt für kräftige Turbulenzen im Oberzent-Haushalt. Bürgermeister Christian Kehrer und Finanzchefin Franziska Michel stellten die aktuellen Zahlen dem Haupt- und Finanzausschuss auf dessen Sitzung im Bürgerhaus vor. Es ist überwiegend die Gewerbesteuer, die für kräftige rote Zahlen sorgt. Die Parlamentarier wussten sich mit der Verwaltung in der Hoffnung vereint, dass ein staatlicher Schutzschirm bis Jahresende für Besserung sorgen möge.

Kehrer wies zu Beginn darauf hin, dass es sich hauptsächlich um Schätzzahlen handelt. Die Gewerbesteuer liegt seinen Worten nach derzeit um 455.000 Euro niedriger als im Ergebnis 2019. Damals landete man bei 1,863 Millionen. Das war bereits niedriger als der Ansatz, was aber an sich ändernden Zahlen aus dem kommunalen Finanzausgleich lag.

Gerechnet hatte man fürs Jahr 2020 in der Planung ursprünglich mit 1,629 Millionen Euro Einnahmen, was nun obsolet ist. Auch Einkommen- und Umsatzsteuerumlage werden nach unten gehen, prognostizierte der Bürgermeister. Allerdings ist die Höhe noch unklar. Weniger Gewerbesteuereinnahmen bedeuten auch eine geringere Umlage, die noch nicht genau bezifferbar ist. Also ein Fahren auf Sicht.

„Wir fahren im Odenwaldkreis eine einheitliche Linie“, meinte Kehrer zum geplanten Erlass der Kindergartengebühren in den Monaten April bis Juli. Dieser muss jedoch noch final von der Stadtverordneten-Versammlung beschlossen werden. Derzeit, erläuterte er, läuft in den Einrichtungen ein erweiterter Notbetrieb. Der Magistrat beschloss bereits eine Stundung, die von den Gremien in ihrer Juli-Sitzung noch in einen Gebührenerlass umgewandelt werden müsste. Es geht hier um 76.000 Euro.

Bei der Spielapparatesteuer rechnet die Stadt mit Ausfällen von 6000 Euro. 9000 Euro zusätzlich fielen durch die Beschaffung von Masken und Desinfektionsmitteln sowie durch Schutzmaßnahmen an. Auf der anderen Seite gab unfreiwillige Einsparungen durch die Absage von Veranstaltungen wie Pferdemarkt und Seniorennachmittag in Höhe von 56.500 Euro.

Der Wald bleibt weiter das Oberzent-Sorgenkind. Der Borkenkäfer treibt weiter sein Unwesen und sorgt dafür, dass die Holzpreise im Keller sind. „Da wird sich nicht viel tun“, blickte der Bürgermeister sorgenvoll auf die einstige Schatzkammer von Oberzent. Bis 2017 lieferte der Wald im Schnitt zusammen 700.000 Euro Einnahmen an die vier früheren Kommunen Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck ab.

Seit der Fusion ist es damit vorbei. Erst kaum der Sturm, dann die Hitze, dann der Käfer – oder alles zusammen. Die Einnahmen bewegten sich über 130.000 (2018) und 33.000 Euro (2019) Richtung rote Null in diesem Jahr. Auf dem Papier sind im Waldwirtschaftsplan 2020 noch 117 Euro Plus vermerkt, aber aktuell steht man bei 100.000 Euro Miesen, verdeutlichte der Bürgermeister. „Wir hoffen noch auf null zu kommen“, sagte er.

Die Aufarbeitung des Käferholzes kostet seinen Worten nach so viel, „dass die Einnahmen nicht gedeckt sind“. Die fehlenden 700.000 Euro aus der Holzvermarktung zehren quasi komplett den „Fusionsbonus“ auf, erklärte das Stadtoberhaupt. Also die Summe, die die neue Stadt eigentlich zusätzlich im Haushalt haben wollte, eben weil sich die vier Gemeinden zusammengeschlossen hatten. Nun ist also wie bereits früher Sparen angesagt, bis es knirscht.

Kehrer hatte wenig Hoffnung auf schnellere Finanz-Besserung. Er rechnet damit, dass mindestens fünf bis sechs Jahre lang, wahrscheinlich länger, der Wald als Geldgeber ausfällt. Michel kündigte noch an, dass in der nächsten Zeit ein Darlehen aufgenommen werden muss, um die anfallenden Ausgaben zu bestreiten. Es dürfte zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro werden, sagte sie. Für diese Höhe liegt noch eine Ermächtigung aus dem Haushaltsjahr 2019 vor.

 

Dringender Handlungsbedarf bei Kita-Plätzen

Oberzent braucht dringend neue Kindergartenplätze. In Beerfelden ist die Not am größten, aber auch Kailbach klagt über Platzmangel. Unter-Sensbach steht durch die Eröffnung einer zweiten Gruppe ganz gut da. In Rothenberg geht es vor um die räumliche Situation. Stoff genug also für den Sozial-, Kultur- und Gesundheitsausschuss, der erstmals in eigener Verantwortung tagte. „Wir nehmen als Mandatsträger das Heft in die Hand, damit Bewegung in die Sache kommt“, kündigte der stellvertretende Vorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) an.

Das ewige Warten auf Fördermittel, nur um zu erfahren, „dass sie vergeben oder gestrichen sind“, ist seiner Ansicht nach nicht zielführend, betonte er. Denn wenn danach die Planungen für einen Um- oder Neubau erst einmal wieder ad acta gelegt werden, bleibt das Problem der fehlenden Plätze bestehen oder wird sogar noch größer.

„Es ist ein schweres Dilemma“, formulierte Zucht, dass Fördermittel des Landes anscheinend – wie beim Beispiel Kindergartenneubau Rothenberg – im „Windhundprinzip“ vergeben werden. Er sah dies als eine gravierende Benachteiligung des ländlichen Raumes.

„Um zu Potte zu kommen“, ist ein Agieren unabhängig von Fördermittel notwendig, wusste sich Zucht mit seinen Kollegen der verschiedenen Fraktionen einig. „Wir sind in der Pflicht“, wies er auf den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hin. 45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – „und es werden nicht weniger“.

Bis zur kommenden Sitzung des Ausschusses am 13. Juli soll das Bauamt nach dem Wunsch des Ausschusses nun unter zeitlichen und finanziellen Kriterien prüfen, wie eine Containerlösung für die Standorte Beerfelden und Kailbach aussehen könnte. Auch für einen möglichen Waldkindergarten soll bis dahin eine Expertise eingeholt werden. Varianten davon gibt es bereits in umliegenden Orten wie Eberbach und Erbach. „Jedes Format ist ein Plus“, so der Ausschuss-Vorsitzende.

Dann könnte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Nägel mit Köpfen machen. Natürlich würden es die Ausschussmitglieder gerne sehen, wenn es bereits zum nächsten Kindergartenjahr eine Lösung gäbe, aber so schnell wird es wohl nicht gehen. Zucht hob hervor, dass ein Anbau in Beerfelden und ein Neubau in Rothenberg „noch nicht vom Tisch sind“. Sollte es neue Fördermittel geben, „stehen wir Gewehr bei Fuß“.

Diese Projekte laufen seinen Angaben nach aber mehrere Jahre. „Wir brauchen jedoch jetzt etwas kurzfristig Umsetzbares“, betonte er. Bei den Containern denkt man an einen Kauf. Denn sie ließen sich, sollten sie für den Kindergarten einmal nicht mehr gebraucht werden, anderweitig umwidmen. Andererseits werden sie jedoch für diesen Zweck einige Zeit im Einsatz sein, sodass eine Anmietung nicht so sinnvoll erscheint.

Dem Ausschuss geht es mit seinen Vorschlägen und Ideen auch um die Außenwirkung: „Wir müssen ein Signal setzen, dass etwas passiert“, ist Zucht wichtig. Denn das Thema schleppt sich schon lange dahin, ohne dass Fortschritte zu erkennen sind. „Es muss Priorität haben“, postulierte er. Die Mandatsträger wollen nicht länger zuwarten. So schnell wie es organisatorisch und finanziell machbar ist, sollen die Container sehen. „Wir haben ein Ziel formuliert und werden es mit Nachdruck weiter verfolgen“, war fraktionsübergreifend der Tenor im Gremium.

Im Vorfeld hatte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich die Zahlen erläutert. In Beerfelden ist die Kita derzeit voll belegt. Es gibt hier eine lange Warteliste. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterweiterungsbau aufgenommen werden müssten. Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kita, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen.

Trockenschwimmen ist angesagt

Die Oberzent-Freibäder bleiben in diesem Jahr zu: Die drei ehrenamtlichen Schwimmbad-Initiativen auf städtischer Gemarkung (Beerfelden, Finkenbach und Hetzbach) sehen sich personell nicht in der Lage, die Corona-Auflagen zu erfüllen. Von allen wird sehr bedauert, nicht öffnen zu dürfen. Eberbach, Erbach und Michelstadt lauten die Alternativen für Badefans.

Vor kurzem fand eine Sitzung mit Vertretern der Stadt statt. Darin wurde die in Hessen ab Monatsmitte mögliche Öffnung diskutiert. Allerdings unter großen, bis 16. August geltenden Auflagen, die den Knackpunkt bilden. Zum einen geht es natürlich um die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern. Zum anderen dürfen Sammelumkleiden von höchstens einer Person je angefangenen fünf Quadratmetern Grundfläche genutzt werden, soweit keine festen Trennvorrichtungen angebracht sind.

Außerdem muss der Zutritt ins Bad ohne Warteschlangen erfolgen. Die Betreiber müssen dazu ein Hygiene- und Zugangskonzept vorlegen und überwachen, das auch eine Reinigung der sanitären Anlagen und Umkleideräumlichkeiten in kurzen Intervallen vorsieht. Im Becken darf sich maximal eine Person je angefangener Wasserfläche von fünf Quadratmetern aufhalten.

Zum einen können die Ehrenamtlichen die Auflagen mit dem vorhandenen Personal nicht umzusetzen. Zum anderen signalisieren sie auch, dass sich „niemand die Konfrontationen bei der Umsetzung zumuten will“, wie es der Hetzbacher Walter Gerbig formuliert. Gekaufte (Jahres-)Karten für 2020 sollen nun ihre Gültigkeit für 2021 behalten. Wie es mit der Öffnung des Marbachstausees aussieht, klärt nach Auskunft von Bürgermeister Christian Kehrer derzeit der Wasserverband Mittlere Mümling.

„Wir bitten die Bürger um Verständnis“, sagt Ina Bottelberger vom Arbeitskreis Waldseebad, dass eine Öffnung der Bäder in den angrenzenden Städten leichter zu handhaben ist, weil Hauptamtliche dahinter stehen. „Wir haben uns gemeinschaftlich geeinigt, dass alle drei Bäder geschlossen bleiben“, erläutert sie. In Beerfelden wollen die Helfer nun Unkraut jäten, Büsche, Dornenhecken und Bäume zurückschneiden, „damit wir im kommenden Frühjahr keinen Urwald haben“.

„Die Grünanlage wäre gepflegt und betriebsbereit“, bedauert auch Christian Niesen vom Heimat- und Verschönerungsverein Finkenbach die fortwährende Schließung. Aber leider ist nur mit ehrenamtlichem Personal nichts zu machen. Die Helfer gehen nun daran, die Mängelliste zu aktualisieren und dann an die Stadt weiterzugeben. Dach abdichten, Wand verputzen oder Folie erneuern sind einige der Punkte, die vom Bauhof erledigt werden müssten.

Ähnlich in Hetzbach. Die Schwimmbad-Initiative will nun übers Jahr den Grünschnitt organisieren und die Wartungsarbeit für 2021 vorbereiten. Da ein Kiosk-Betreiber nach wie vor fehlte, hätte unter der Woche eine Person die Badeaufsicht übernehmen, die Eintrittskarten abreißen und die Hygienevorschriften überwachen müssen. Unmöglich, schildert Gerbig die Voraussetzungen