Sturm und Borkenkäfer sägen an den Holzpreisen

Erst „Friederike“ und dann ein „heißer“ Käfer: Dem Wald wurde in diesem Jahr kräftig zugesetzt. Mit dem Ergebnis, dass die Holzpreise einen Sinkflug hinlegten. Von mehr als 90 Euro ging es runter auf etwa 50 für den Festmeter Nadelholz. Das schlägt sich auf den Waldwirtschaftsplan 2019 der Stadt Oberzent nieder. In guten Jahren würde die Holzvermarktung einen Überschuss von mehr als 300.000 Euro erbringen. 2019 rechnet der Chef des Forstamts Beerfelden, Forstdirektor Norbert Sasse, aber „nur“ mit 100.000 Euro, erläuterte er dem Haupt- und Finanzausschuss.

Durch den Januar-Orkan sowie die durch Trockenheit und Hitze entstandene Borkenkäfer-Überpopulation „ist es in Mitteleuropa ist es zu einem starken Markteinbruch beim Nadel-Sägeholz gekommen“, erläuterte Sasse. Da auch kommendes Jahr mit großen Borkenkäferschäden zu rechnen ist, „sind die Planungen mit großen Unsicherheiten behaftet“, warnte er.

Insgesamt sollen laut Plan 16.255 Festmeter (Fm) Holz eingeschlagen werden, wovon Sasse zufolge 14.626 Fm verwertbar sind. Daraus errechnet er im Plan Holzerlöse von fast 734.000 Euro bei Gesamteinnahmen von 790.000 Euro. Bei den Ausgaben (insgesamt 690.000 Euro) nannte er die Beschäftigung von zwei Forstwirten mit fast 120.000 Euro, der Unternehmereinsatz in der Holzernte mit etwa 283.000 und die Beförsterungsbeiträge an Hessen-Forst mit 138.000 Euro als größte Posten.

In 2019 sollen 4500 Tannen, 5000 Douglasien, 3000 Buchen, 1500 Bergahorn gepflanzt werden, sagte der Forstamtschef. Neben 2000 Festmeter Buche sollen 8.400 Fm Fichte und 5400 Fm Kiefer geschlagen werden, wobei die Aufarbeitung des Käferholzes Priorität hat. Der Stadtwald Oberzent ist 2420 Hektar groß, davon sind 2261 Hektar Bäume, so Sasse, der Rest Wege und Wiesen, listete er auf.

Es kamen diverse Fragen zum Thema Borkenkäfer. Kann man vorbeugend was tun? Nicht viel, sagte Sasse, „nur hinterherrennen und Schaden begrenzen“. Man spreche von Milliarden Tieren. Das eingesetzte Insektizid schade anderen Insekten grundsätzlich nicht, da es nur am Wegrand und in ganz geringen Mengen eingesetzt werde. Der Ausschuss empfahl der am 10. Dezember tagenden Stadtverordneten-Versammlung einstimmig den Beschluss des Waldwirtschaftsplans.

Ebenso einstimmig wurde die Empfehlung zur Gründung des Forstzweckverbands Hessischer Odenwald ausgesprochen. Hintergrund ist die vom Land gewünschte Trennung von Beförsterung und Holzvermarktung. Gründungsmitglieder zum 1. Januar sind Abtsteinach, Fränkisch-Crumbach, Grasellenbach, Hirschhorn, Michelstadt, Neckarsteinach, Oberzent und Wald-Michelbach. Der Beitritt aller Kommunen im Odenwaldkreis sowie weiterer Gemeinden des Kreises Bergstraße ist beabsichtigt. Die Vermarktung soll über die Forstliche Vereinigung Odenwald-Bauland in Buchen erfolgen.

Es gab den Hinweis, dass man den Satzungsentwurf erst beschließen könne, wenn der Text endgültig ausformuliert sei (was er durch ausstehende Abklärungen noch nicht ist). Die Satzung werde von der Verbandsversammlung beschlossen, so Bürgermeister Christian Kehrer. Er wies darauf hin, dass Waldwirtschaftsplan auch in Zukunft Sache der Stadtverordnetenversammlung sei. Dies wurde von den Ausschussmitgliedern als sehr wichtig erachtet.

Private Waldbesitzer sind beim Zweckverband laut Kehrer derzeit leider außen vor, weil eine wirtschaftliche Betätigung der Kommune durch die hessische Gemeindeordnung untersagt ist. Eventuell werde der Paragraf 121 aber geändert, stellte er in Aussicht.

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Etwas ganz Tolles für die Hetzbacher Dorfgemeinschaft

„Da ist wirklich schön was los“, freut sich Mitorganisatorin Ellen Sturm beim Blick auf die Weihnachtsmeile vor der Krähberghalle. Abgeschirmt von der Straße, finden sich zehn Buden links und rechts des Weges mit allerlei Geschenkideen, aber auch genügend Möglichkeiten, den kalten Temperaturen flüssig wärmend entgegenzutreten oder den knurrenden Magen zu besänftigen. Die schmale Gasse dazwischen tut ein Übriges, dass es aufgrund der drangvollen Enge nicht wirklich kalt werden kann.

Der trockene Samstag mit passendem Weihnachtsmarkt-Wetter sorgt dafür, dass den ganzen Abend über ein stetes Kommen und Gehen herrscht. Der regnerische Sonntag ist dann leider erwartungsgemäß nicht so gut besucht, als nach dem Gottesdienst zuerst ein Kinderbasteln stattfindet, gefolgt vom offenen Weihnachtssingen und dem späteren Besuch des Nikolauses. In ihrer achten Auflage zog die Veranstaltung von der Sciors Mühle um an den Platz vor der Halle, was sich als gute Alternative zeigte. Mit einer Fortsetzung an diesem Ort ist zu rechnen.

„Die Aussteller organisieren den Markt zusammen“, sagt Ellen Sturm, die selbst mit allerlei leckerem, selbstgebackenem Gebäck, Pralinen, vor Ort gebrannten Mandeln und einem süffigen, warmen Apfel-Zimt-Likör dabei war. Der wurde schon ein Vierteljahr vorher angesetzt und schmeckt, garniert mit Sahne, nach mehr. Je nach Jahreszeit und Obst gibt es auch verschiedene Variationen. Den Erlös ihrer Verkäufe spendet sie ans Kinderhospiz im Odenwald. Sturm zeigte sich dankbar, dass zwei lokale Betriebe ihren Ausstellungswagen zur Verfügung stellten, damit dieser von Standbetreibern genutzt werden konnte.

Die meisten von ihnen kommen aus Hetzbach oder anderen Oberzent-Stadtteilen. Gestricktes, Imkereiprodukte, Met, Holzschnitzereien, Nudeln, Liköre, Adventsgestecke und natürlich Glühwein, Punsch, Waffeln und Bratwürste: Ein voller Magen und eine volle Einkaufstasche sind beim Bummel entlang der Stände von Vereinen und Einzelpersonen selbstverständlich. Der Markt „ist ein Treffpunkt für die Hetzbacher“, freut sich Tochter Nina Sturm. In seiner achten Auflage „wurde er bereits zu einer schönen Tradition“, meint Anna Wrba.

Das kann auch Elke Kredel bestätigen. Die Hetzbacherin ist mit ihren Holzschildern und den darauf eingravierten Sprüchen seit Anfang an dabei. „Ich brenne darauf Dinge, die mir auch gefallen“, erklärt sie. Katharina Holschuh, in Airlenbach zuhause, bietet ihre selbst genähten Waren zum zweiten Mal im nördlichsten Oberzent-Stadtteil an. „Alles Eigenarbeit und nichts Industrielles“, betont sie.

Der Weihnachtsmarkt „ist etwas ganz Tolles für die Dorfgemeinschaft“, sagt Kredel. Man kommt zusammen, trifft Leute, die man schon länger nicht gesehen hat, hält ein Schwätzchen – oder mehrere -, trinkt einen Glühwein – oder auch einen zweiten. Wer wie Elke Kredel aus dem Ort stammt, kennt natürlich viele Besucher. Die kommen dann auch gern am Stand vorbei und kaufen das eine oder andere Geschenk.

Oberzent-Haushalt 2018: Tue Gutes und rede darüber

Es tut sich viel in der neuen Stadt Oberzent. Weil das aber von allein zu wenig nach außen dringt, soll es den Bürgern besser vermittelt werden. Diese Anregung von Chris Poffo (ÜWO) im Rahmen seiner Haushaltsrede auf der Stadtverordneten-Versammlung fand viel Widerhall. Er stellt sich vor, wöchentlich ein anderes Thema aufzugreifen und im Blättel zu beleuchten. Nach dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber.“ Die Mandatsträger stimmten dem Zahlenwerk 2018 im Anschluss einhellig zu.

Die Ausschussmitglieder taten sich bei der gemeinsamen Sitzung aller drei damit befassten Gremien mit den vielen Zahlen nicht leicht, berichtete Vorsitzender Marcel Gerling (SPD) im Vorfeld. Aus dem mehrere hundert Seiten umfassenden Werk werde deutlich, „dass die Stadt nicht auf Halbgas losfährt, sondern bereits in voller Fahrt ist“. Das lasse sich vor allem an den vielen Investitionen erkennen, die sich auf Rekordniveau befinden.

Poffo forderte, nicht alles am Haushalts-Überschuss festzumachen, sondern genauer hinzuschauen. Denn die finanziellen Vorteile der Fusion kommen kräftig zum Tragen, „jedoch ist die Gesamtsituation für den ländlichen Raum weiter schwierig“. Erschwerend gibt es viele Altlasten, die nun dringend angegangen werden müssen. „Das wird die künftigen Haushalte belasten.“ Poffo sprach wie andere Redner auch von „Mammutaufgaben“.

Eine Abwanderung müsse man mit allen Mitteln verhindern, betonte der Fraktionsvorsitzende. Dazu komme die Bestandspflege beim Gewerbe. Wenn eine ländliche Kommune Erfolg haben will, „muss sie was tun und ihr Profil schärfen“. Er plädierte deshalb dafür, die Zeit und den Handlungsspielraum zu nutzen, „die wir durch die Fusion gewonnen haben“.

Auch Thomas Ihrig (SPD) will den Vorurteilen entgegentreten, „dass die neue Stadt kein Geld hat und schon wieder Kredite aufnehmen muss“. Allein in diesem Jahr werde eine zusätzliche hohe sechsstellige Summe in Investitionen gesteckt, als dies zuvor in allen vier früheren Kommunen der Fall war. Nur durch eine dauerhafte Unterhaltung „können wir die Infrastruktur erhalten“, machte er klar. Ihrig nannte unter anderem das riesige Projekt der Sanierung von Wasserleitungen und Kanälen zwischen B45 und Birkenhöhe durch ganz Beerfelden mit 4,3 Millionen Euro. Summen, „die wir der Öffentlichkeit ins Bewusstsein bringen müssen“.

Walter Gerbig (CDU) verlas die Haushaltsrede des erkrankten Fraktionsvorsitzenden Oliver von Falkenburg. Dieser wies darauf hin, das für 2019 mit negativen Belastungen durch den sinkenden Gewinn aus dem Holzverkauf und einen Rückgang beim kommunalen Finanzausgleich zu rechnen sei. Beim Thema Gesundheitsversorgungszentrum (GVZ) sprach er sich gegen eine kommunale Trägerschaft aus. Jedoch bestehe für die Gemeinde Handlungsbedarf beim Thema Kindergärten, weshalb man über Mittel für Sanierung oder Neubau nachdenken müsse.

„Wir müssen den Worten Taten folgen lassen“, hob Frank Leutz (FDP) hervor. „Zäh wie Kaugummi“ seien bisher die Beratungen zum GVZ, kritisierte er. Auch bei der Straßensanierung sollte endlich was geschehen. Mit Blick auf die Windkraftplanungen forderte Leutz, „wir dürfen den südlichen Odenwald nicht zum Industriegebiet verkommen lassen“. Die Vereinsförderung sollte seiner Meinung nach umgesetzt werden, „denn dies bedeutet auch eine Wertschätzung für die Ehrenamtlichen“.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) äußerte ihr Verständnis dafür, „dass nicht alles von Anfang an rund läuft“. Beim GVZ forderte sie einen Beschluss in diesem Jahr. Sie fragte nach der Konzeption für die Jugendarbeit in Oberzent, die laut Bürgermeister Christian Kehrer in Arbeit ist. „Wir dürfen den Schwung der Fusion nicht verlieren“, hob die Fraktionschefin hervor.

Er sehe den Zusammenschluss als Chance und den Haushalt als eine Art Eröffnungsbilanz, so der fraktionslose Lothar Löll (Linke). Seiner Meinung nach ist das Land in der Pflicht, um für die Kommunen vernünftige finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen, „damit sie auf gesunden Beinen stehen“.

 

Oberzent-Haushalt 2018

Erträge: ca. 23,18 Millionen Euro

Aufwendungen: ca. 23,05 Millionen Euro

Überschuss: 122.300 Euro

Investitionssumme: 4,5 Millionen Euro

Zahlungsmittelüberschuss Finanzhaushalt: 715.000 Euro

Kreditaufnahme: 3,2 Millionen Euro

Kassenkredite: 800.000 Euro

Hebesätze: Grundsteuer A 350, Grundsteuer B 365, Gewerbesteuer 380 Prozentpunkte

 

Am Marbach-Stausee tut sich was

Mit dem Bebauungsplan „Marbach-Hochwasserrückhaltebecken“ will der Odenwaldkreis das Gelände rund um die Wasserfläche bei Beerfelden, Mossautal und Erbach touristisch aufwerten, gleichzeitig aber auch planerisch ordnen. Jetzt standen auf der Sitzung des Bau-, Infrastruktur- und Umweltausschusses von Oberzent Beratung und Beschlussfassung über die eingegangenen Stellungnahmen und die Ergebnisse aus der Beteiligung der Öffentlichkeit an. Diese wurden in den Beschlussvorschlag für die Stadtverordneten eingearbeitet.

Die Erweiterung des Parkplatzes am DLRG-Gebäude ist gegenüber der früheren Planung nicht mehr vorgesehen. Denn dagegen hatte sich Widerspruch geregt. Hier denkt man an jetzt Wohnmobil- und Behindertenparkplätze in diesem Bereich. Für Stausee-Besucher soll die bisherige Stellfläche jenseits der B460 ertüchtigt und erweitert werden. Davon erhofft man sich, die bisherige teilweise chaotische Parksituation vor der Schranke zu entzerren.

Neben einer öffentlichen Grünfläche „Jugendzeltplatz“ soll am Wasser ein Kiosk mit einer Toilettenanlage entstehen. Ein ganzjähriger Betrieb ist angedacht, um so auch einen Anziehungspunkt für Wanderer und Radfahrer zu schaffen. Der in Teilen bereits vorhandene Weg am Ufer wird weitergeführt. Außerdem erhält der naturnahe Quellsumpf etwas oberhalb eine Umzäunung. Im Uferbereich entstehen Umkleiden-Paravents und Spielgeräte. Weiterhin ist ein Steg in den See vorgesehen, damit man nicht durch den Schlamm waten muss.

Damit es mit dem „Bikepark Beerfelden“ weitergehen kann, wurde jetzt die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen und die Beteiligung der Öffentlichkeit in die Wege geleitet. „Es wird noch kein Geld in die Hand genommen“, betonte Stadtbaumeister Peter Bauer. Allerdings müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, um loslegen zu können, wenn sich die Planung konkretisiert und die Beantragung von Fördergeldern ansteht.

Bereits im Frühjahr hatte sich die vorläufige Stadtverordneten-Versammlung mit der Thematik Bikepark beschäftigt. Vor einigen Wochen gab es einen Scoping-Termin mit den Behörden. Das touristische Highlight zieht etwa 15.000 Besucher pro Jahr an. Allerdings ist die Liftanlage aus dem Jahr 1971 in die Jahre gekommen und reparaturanfällig. Außerdem ist der Lift 200 Meter zu kurz für die Biker.

Der Lift als Kernstück der Konzeption muss auf jeden Fall erneuert werden, um einen funktionsfähigen Grundstock zu bilden. Inwieweit dann die auf der Sensbacher Höhe ins Spiel gebrachte Flyline-Anlage mit Aussichtsturm, Schaukel-/Erlebnispfad oder Kinderseilgarten und Relaxzone hinzukommen, muss sich zeigen.

Im Rahmen eines touristischen Gesamtkonzepts mit einer Neukonzeption könnte eine (Teil-)Förderung von 50 Prozent aus EU-Mitteln erreicht werden, lautete damals die Auskunft der OREG. Bei einer Gesamtsumme von 3,7 Millionen Euro wurde im Vorfeld eine maximale Summe von 1,3 Millionen errechnet, da nicht alle Projekte förderfähig sind. Angesichts der hohen Kosten stand schon vor einem halben Jahr die Priorisierung von Maßnahmen im Raum.

Bebauungsplan „Gewerbepark Odenwald“ hört sich erst einmal hochtrabend an. Doch in Wirklichkeit ging es hierbei nur um eine formale Änderung des Gebiets südlich von Kailbach direkt angrenzend ans badische Friedrichsdorf. Hier wurde die Itter vor ein paar Jahren verlegt, was die Angleichung des Geltungsbereichs notwendig machte. Die verschiedenen Stellungnahmen wurden en bloc abgehakt, sodass es eine einstimmige Beschlussempfehlung gab.

Ähnlich verhielt es sich bei der Abrundungssatzung „Helmsgrundstraße“ in Unter-Sensbach. Die Formalien wurden ebenso an die am 10. Dezember in Beerfelden tagenden Mandatsträger zum Beschluss weitergegeben. Bei der dritten Änderung des Bebauungsplans „Zwischen Lindenallee und Eberbacher Weg“ ging es darum, aus dem bisherigen Industriegebiet zwischen Siemens- und Dieselstraße ein Gewerbegebiet zu machen, weil dort keine Industriebetriebe angesiedelt sind.

Schlechte Holzpreise: „Lassen Sie die guten Bäume stehen“

Von den aktuell niedrigen Holzpreisen sind auch die Privatwaldbesitzer im Bereich des Forstamts Beerfelden betroffen. Ihnen standen jetzt an drei Abenden in Wald-Michelbach, Finkenbach und Unter-Sensbach die Mitarbeiter des Forstamts Beerfelden Rede und Antwort, wie sie angesichts der Marktflaute am besten reagieren können. „Lassen Sie bis auf Weiteres die guten Bäume stehen“, lautete die Empfehlung von Forstamtsdirekter Norbert Sasse.

Der Chef des Forstamts Beerfelden skizzierte auf den drei Terminen, zu denen insgesamt etwa 60 Waldbesitzer erschienen, die Situation. „Alles sah gut aus, bis Friederike kam“, nahm er Bezug auf den Orkan, der am 18. Januar über Deutschland fegte. Der südliche Odenwald wurde zwar einigermaßen verschont, erläuterte Sasse. Im Bereich der sechs angeschlossenen Gemeinden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen.

Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern. Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Betroffen ist vor allem die Fichte, mit der das meiste Geld verdient wird. Erzielte man im Januar noch 93 Euro/fm, so fiel der Preis für Käferholz auf jetzt durchschnittlich nur noch 50.

Die Privatwaldbesitzer haben seinen Worten zufolge jedoch kaum Edel-Laubholz wie Buche oder hochwertigere Nadelhölzer wie Lärche oder Douglasie im Bestand, die sie verkaufen können. Denn für diese Baumarten lassen sich nach wie vor noch gute Preise erzielen. Deshalb ging seine Empfehlung dahin, „die gesunden Bäume nicht wegzuwerfen“. Dies wurde laut Sasse von den Anwesenden unisono auch so gesehen.

Ein anderes Thema war die Umstrukturierung der Holzvermarktung vor allem im Kommunalwald. Hessen Forst darf diese nicht mehr übernehmen, wenn die Gemeinde (und auch Privatleute) mehr als 100 Hektar Wald besitzen. Für die privaten Kleinwaldbesitzer, die unterhalb dieser Grenze liegen, „ändert sich nichts“, sagte er. Hier ist weiterhin das Forstamt der Ansprechpartner.

Inzwischen liegt auch ein Schreiben des Umweltministeriums vor. Dieses will gewährleisten, dass es ab dem 1. Januar kein Vakuum gibt, wenn bis dahin die Kommunen noch keine eigene Holzvermarktung auf die Beine gestellt haben. Sasse liest deshalb heraus, dass Hessen Forst noch hilft, „wenn es nicht gleich klappt“. Als Deadline steht der Herbst kommenden Jahres im Raum. So lange dürfen zumindest Altverträge aus diesem Jahr noch abgewickelt werden.

Auch könnten die Forstämter noch das ganze kommende Jahr tätig werden, wenn es um die Abfuhr von Windwurf- und Käferholz geht, heißt es im Brief der Ministerin. Damit soll die kontinuierliche Vermarktung von Kommunalwaldholz gewährleistet werden. Darüber hinaus werden verschiedene Ausnahmen skizziert, die vor allem größere Privatwälder betreffen.

Der Forstdirektor verdeutlichte, dass es im Bereich des Forstamts Beerfelden eher Verquickungen von Staats- und Privatwald gibt. Vor diesem Hintergrund sei es für Hessen Forst einfacher, hier Synergieeffekte zugunsten der Privateigentümer zu erreichen als wenn diese ihren Besitz angrenzend an Gemeindewald hätten. „Dann könnte es mit dem Blockverkauf schwierig werden“, sagte er.

Bekanntlich wollen sich die bisherigen sechs dem Forstamt Beerfelden angeschlossenen Gemeinden zum „Zweckverband hessischer Odenwald“ zusammenschließen. Die Aufnahme weiterer Städte und Kommunen aus beiden Kreisen ist angedacht und teilweise schon in Umsetzung. Es fehlt laut Sasse aber noch der rechtliche Rahmen dafür. „Es können keine Nägel mit Köpfen gemacht werden, weil sie die Spielregeln nicht kennen“, verdeutlichte er. Im Schreiben von Ministerin Priska Hinz erläutert sie, dass dies bis zum Jahreswechsel erfolgen soll.

Sachstandbericht zum von der Firma Juwi geplanten Windpark „Katzenwinkel“ im Ortsbeirat Etzean

Ein Sachstandbericht zum von der Firma Juwi geplanten Windpark „Katzenwinkel“ im Dreieck Etzean, Airlenbach und Güttersbach stand auf der Tagesordnung des Ortsbeirats. Instandhaltungsmaßnahmen im Stadtteil, die Straßensanierung und der Friedhof waren weitere Themen unter der Leitung von Ortsvorsteher Ralf Kredel. Außerdem ging es um Ergänzungen für die von der Stadtverwaltung ausgearbeitete Mängelliste, aus der eine To-do-Liste hervorgehen soll.

Kredel erläuterte zum Thema Windkraft, dass das Genehmigungsverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit anstehe, sobald alle Juwi-Unterlagen beim Regierungspräsidium (RP) eingegangen sind. Schon seit Anfang des Jahres seien diese noch unvollständig. Das Genehmigungsverfahren dauere dann noch einmal mindestens sechs Monate. Einsprüche könnten danach erneut erfolgen.

Die Klageschrift der Firma, mit der diese gerichtlich die Nutzung der in städtischem Besitz befindlichen Erschließungswege erzwingen will, liegt laut Bürgermeister Christian Kehrer vor. Sollte die Stadt hier unterliegen, ist ein zweiter Schritt die für den Transport notwendige Erweiterung der Wege um in Gemeindebesitz befindliche Flächen links und rechts der Strecke. „Die Stadt Oberzent hat einen Rechtsanwalt wegen der Zuwegung beauftragt“, teilte Kredel mit. Die Genehmigung durchs RP könne erst dann erfolgen, wenn die Zuwegung gesichert sei, so sein Kenntnisstand nach Auskunft beim RP.

Der Ortsvorsteher wies weiter darauf hin, dass die betreffende Fläche nur im Regionalplanentwurf Erneuerbare Energien (Windkraft) des RP Darmstadt ausgewiesen sei, nicht aber im Flächennutzungsplan des Odenwaldkreises, der allerdings vom RP abgelehnt worden sei. „Jede Verzögerung arbeitet gegen die Genehmigung“, betonte Kredel. Seit Februar gebe es den gleichen Erschließungsstand.

„Bisher verweigert die Stadt standhaft ihr Einvernehmen“, teilte er mit. In der Gegnerschaft zum Regionalplan „gibt es viel Bewegung“, sagte er mit Blick auf die ins Spiel gebrachte Normenkontrollklage durch Landrat Frank Matiaske, der dafür Unterstützung von den beiden Fraktionen der regierenden großen Koalition erhielt.

Ortsbeiratsmitglied Jürgen Freudel informierte über die Möglichkeiten der Kommunikation zwischen den Bewohnern von Etzean und dem Ortsbeirat, entweder durch Bildung einer WhatsApp-Gruppe, einen Email-Verteiler oder Aushang im Ort. Es kam der Einwand, dass die Einhaltung der Datenschutzrichtlinien bei Nutzung von WhatsApp fraglich sei. Die Kommunikation mittels E-Mail sei vermutlich besser. Man will zur Abklärung mit der Stadtverwaltung Kontakt aufnehmen.

Ortsvorsteher Kredel sprach die zu späte Benachrichtigung der Öffentlichkeit bei der Sanierung der K48 von Hetzbach nach Etzean an. Hierzu teilte Erster Stadtrat Gerhard Rebscher mit, dass nicht die Stadt Oberzent für die Information der Öffentlichkeit zuständig sei, sondern Hessen Mobil. Die Bordsteine hätten die vorgeschriebene Höhe. Der Randstreifen zum tiefen Graben Richtung Beerfelden wurde neu geteert.

Von den Bürgern wurden verschiedene Punkte wie ein zu reinigender Kanaldeckel, ein eingebrochener oder ein zugeschwemmter Kanal moniert. Teerwege hätten Risse und die würden jeden Winter größer, hieß es. „Das Wasser kann nicht seitlich abfließen, weil der Graben verstopft ist.“ Moniert wurde auch das schlechte Lichtraumprofil auf der Straße zwischen Etzean und Beerfelden.

Kredel informierte, dass eine Mängelliste durch die Stadt Oberzent ausgearbeitet und vom Ortsbeirat ergänzt werde. In diese fließen die Anregungen ein. Die einzelnen Anliegen sollen Nummern bekommen, die dann im „To-do-System“ in Form eines Ampelverfahrens abgearbeitet werden. „Das ist positiv von der Organisationsseite her“, meinte er. Der Ortsvorsteher gab weiter bekannt, dass das Urnenfeld in Etzean gemeinsam mit der Anlegung auf anderen Friedhöfen ausgeschrieben werde.

Ralf Kredel erläuterte, dass aufgrund der Größe von Oberzent (19 Ortsteile mit 13 Ortsbeiräten) eine gewisse Struktur wichtig sei. Die an den Ortsbeirat gerichteten Anfragen würden weitergeleitet an die Stabstelle beim Bürgermeister, die in Kürze besetzt werden soll. Diese sei dann Ansprechpartner der Ortsbeiräte, um so kurze Wege zu gewährleisten.

Gesundheitsversorgung in Oberzent: Die Vernetzung aller Akteure ist notwendig

Das Gesundheitsversorgungszentrum (GVZ) ist seiner Eröffnung im März kräftig gewachsen. Und es ist noch lange nicht am Ende, wie der zweite Vorsitzende des Vereins Gesundheitsversorgungskooperation Oberzent (GVKO), Dr. Alwin Weber, in der Begrüßung anlässlich des Tags der offenen Tür betonte. Die Organisatoren hatten ein abwechslungsreiches Vortragsprogramm zu Themen wie Demenz, Schlaganfall, Arthrose oder Depression vorbereitet. Dazu informierten verschiedene Aussteller über ihr Angebot.

„Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, bei der Gesundheitsversorgung in der Fläche für Verbesserung zu sorgen“, betonte Weber in seiner Begrüßung. Die Stadt (früher Beerfelden, jetzt Oberzent) habe den Fehlbedarf frühzeitig gesehen und begonnen gegenzusteuern. Die Ausstellung „zeigt, was die Region leisten kann“, hob Weber mit Blick auf die Pflegeanbieter und Wohlfahrtsorganisationen sowie Beratungsstellen hervor.

„Gesundheit ist unser höchstes Gut“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Gerade jetzt, wenn eine Erkältungswelle durchs Land rolle, „von der Männer besonders betroffen sind“, sagte er schmunzelnd, werde der Bedarf an ärztlicher Versorgung deutlich. Vor drei Jahren sei man vor dem Hintergrund der kommunalen Daseinsvorsorge tätig geworden, erläuterte er. Denn damals wie heute „haben wir ein Marktversagen festgestellt“. Es gab immer weniger Ärzte, die immer älter werden.

Kehrer wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Thema Gesundheit „nicht die originäre Aufgabe der Kommune ist“. Jedoch gelte es die wohnortnahe Versorgung sicherzustellen. Gerade bei einer immer älter werdenden Bevölkerung mit mehreren Leiden reiche ein Hausarzt nicht mehr aus. „Wir können die Leute nicht von Pontius nach Pilatus schicken“, sagte er. Gerade auf dem Land gebe es lange Wege.

Im GVZ, wo Haus- und Fachärzte zusammenarbeiten und es darüber hinaus noch Psycho- und Physiotherapeuten gibt, „haben wir kurze Wege“. Kehrer hob hervor: „Die Vernetzung aller Akteure ist notwendig.“ Zum Glück gebe es bei der Gesundheitsversorgung gerade im Hausarztbereich inzwischen „punktuelle Lichtblicke“.

Weber warnte davor, „den Blick auf die gute Hausarztsituation zu verengen“. Die Analyse habe ergeben, dass in Oberzent der größte Bedarf herrsche. Der Mediziner sprach von einer „Superversorgung in Deutschland“. Jedoch befänden sich die einzelnen Sparten „in Silos“. Es gebe kaum Querverbindungen. Er stellte jedoch derzeit den Beginn einer Neuentwicklung fest. Mit dem GVZ „haben wir ein zartes Pflänzchen geschaffen, das weiterentwickelt werden muss“.

Das Jahr 2020 bezeichnete er als „gewissen Endpunkt“, auch im Hinblick auf bisher bestehende Förderungen. Danach, betonte Weber, „wird sich die Region selbst um die Strukturerhaltung kümmern müssen“. Bis dahin, wünschte er sich, soll das GVZ ein Selbstläufer werden. Er zeigte sich optimistisch, dass dieses Ziel erreicht werden kann.

„Es geht nicht nur um die körperliche, sondern auch um die psychische und soziale Gesundheit“, meinte er. Alle drei Teile sollten miteinander verknüpft werden. Die Versorgung von Bedürftigen „dürfen wir nicht vom Arzt aus denken“, forderte Weber. Die Befragung der Bürger habe ergeben, dass neben dem Hausarzt großer Bedarf bei Augenärzten und Orthopäden gesehen werde. Deshalb sei das Ziel des GVZ, „Multiprofessionalität unter ein Dach zu bringen“. Ziel sei es, „die Region für neue Niederlassungen attraktiv zu machen“.

Wichtig ist es nach Webers Worten, dass das GVZ für die Bevölkerung leicht erreichbar ist. Er warb angesichts der Bevölkerungszahl von Oberzent für Verständnis, dass die Fachärzte nicht an jedem Wochentag Sprechstunden anbieten können. Der Mediziner bezeichnete es als Herausforderung, die neue Stadt so zu versorgen, dass die Erreichbarkeit aus allen Stadtteilen gewährleistet ist. Da drei Viertel der Bevölkerung mit dem Auto unterwegs sind, „müssen wir auch immer die Parkplätze im Fokus haben“, so Weber.

Info: Das Gesundheitsversorgungszentrum befindet sich im ehemaligen Breimer-Gebäude am nordöstlichen Ortsausgang von Beerfelden Richtung Hetzbach, Mümlingtalstraße 58, Telefon 06068/75910-00, http://www.gesundheitsregion-oberzent.de