Die Spenderniere schenkte Klaus Schäfer ein zweites Leben

Es war ein ganz besonderes Jubiläum, das Klaus Schäfer jetzt feierte. Keines, das Arbeit oder Vereinsmitgliedschaft betraf, sondern ein seltenes: Der 62-Jährige hat seit inzwischen 30 Jahren eine Spenderniere. „Nur wenige Menschen leben so lange mit einem ‚Ersatzteil‘ im Körper“, freut sich sein Sohn Mirko. Sein Vater klopft auf Holz: „Ich hatte in der ganzen Zeit nie wirklich Probleme.“ Durch die Transplantation „wurde mir ein zweites Leben geschenkt“. Er blickt optimistisch nach vorn: „Toi, toi, toi“, grinst Schäfer.

Als er im Februar 1989 das Spenderorgan transplantiert bekam, waren solche Eingriffe auf dem Land noch ziemlich selten. Deshalb musste er dafür nach Heidelberg in die Chirurgie, erinnert sich der Beerfeldener. Er litt unter einer chronischen Nierenentzündung, weswegen die Filter nicht richtig arbeiteten. Hoher Blutdruck und fortwährende Müdigkeit waren die Folge. Da der 62-Jährige in Darmstadt arbeitete, hatte er die Möglichkeit, dort zu einem Facharzt zu gehen. Denn im Odenwald waren diese Spezialisten und auch die Dialyse noch nicht weit verbreitet. Heute ist es anders, da sind Erbach oder Bad König nähere Möglichkeiten

Ein halbes Jahr lang war Schäfer Stammgast für die Dialyse. In dieser Zeit „fuhr meine Frau immer mit und lernte das Punktieren“. Denn die stationären Plätze waren Mangelware, es gab noch die nicht die Dialysezentren wie heute. Die Folge: Heimdialyse. Immer fünf Stunden. Dazu kam die Arbeit. Zum Glück war sein Arbeitgeber kulant, sodass Schäfer in dieser Zeit nur noch halbtags ran musste. Ein knappes Jahr später, Ende 1988, kam der vermeintlich erlösende Anruf, dass ein Spenderorgan gefunden sei. „Aber leider war die Niere nicht kompatibel.“

Im Februar 1989 klappte dann alles. Drei Stunden dauerte die OP und zeitigte schnellen Erfolg. Der wichtige „Kreatinin-Wert“, ein Stoffwechselprodukt, sank von 13 vor der Operation innerhalb von zwei Wochen auf 2,5. Normal ist unter 1. „Der Wert sank dann immer weiter“, erinnert sich Klaus Schäfer. Heute, 30 Jahre später, steigt er wieder an, weil die Spenderniere langsam, aber sicher schlapp macht. Was für den gebürtigen Beerfeldener aufs Neue eine Dialyse nötig machen könnte. So weit will er aber noch nicht denken. „Sie hat nicht mehr die Leistung wie zu Beginn, aber ich kann damit gut leben“, sagt er.

Das Spenderorgan hat sich schon mehr als wacker geschlagen. „Damals sagte man mir, die Niere würde fünf bis sieben Jahre halten“, erinnert er sich. Durch Internet-Recherche kam er dann auf eine mögliche Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren. Heute sind es schon 30. Womit bereits alle Statistiken wiederlegt wären. Die Wasserflasche ist heute ein ständiger Begleiter von Klaus Schäfer. Bis zu sieben Liter musste er nach der OP trinken, „damit die Niere anspringt“. Auch heute noch sollten es mehrere sein. Dem Alkohol und Rauchen hat er vor einiger Zeit abgeschworen.

Über die Transplantation machte sich der 62-Jährige nie viele Gedanken. „Ich habe es so hingenommen“, sagt er. „Ich sehe die Niere nicht als fremdes Organ an“, betont Schäfer. „Ich habe sie sofort als mein Körperteil akzeptiert“. Er hinterfragte auch nie die Identität des Spenders, sondern ist diesem einfach nur dankbar.

Im Alltag „wird es mir überhaupt nicht mehr bewusst, dass ich eine Spenderniere habe“, so der Beerfeldener. Wie das Wasser sind aber auch Tabletten sein ständiger Begleiter. „In 30 Jahren dürfte ich inzwischen 165.000 genommen haben“, schmunzelt er. Zur Herabsetzung des Immunsystems, gegen die Abstoßung, zur Blutdruck- oder Blutfettregulierung. Alle vier Wochen steht die Kontrolle beim Arzt an. „Manchmal stimmen dann die Werte nicht und die Medikamente müssen umgestellt werden“, weiß er.

Schäfer ist allen dankbar, die sich zu einer Organspende bereiterklären „und anderen damit womöglich das Leben retten“. Sein Beispiel animierte einige Bekannte, sich einen Organspenderausweis zuzulegen. „Ich würde mit Sicherheit auch Organspender sein, wenn es möglich wäre“, betont er.

Info: Mehr zum Thema Organspende und entsprechendem Ausweis unter http://www.organspende-info.de/organspendeausweis

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Männer-Mumien mögen’s musikalisch: Bunter Abend bei der CGB Beerfelden

Was für eine Sause: An die fünf Stunden lang nahm die Carnevalsgesellschaft (CGB) Beerfelden ihre Zuschauer mit auf eine vergnügliche närrische Reise. „Die Mumie singt, das Kamel lacht, Beerfelden feiert Fassenacht“ hieß es auf der ausverkauften Sitzung in der Alten Turnhalle, wo die Eigengewächse der CGB zusammen mit den Gästen ein ums andere Mal begeisterten Applaus einheimsten. Farbenprächtige Kostüme, witzige Darbietungen, fetzige Musik: Es war einfach alles geboten, was Fasching ausmacht.

Ganz besonders stolz war Sitzungspräsident Robin Hemberger über seine achtjährige Nichte Marlene als jüngste Aktive, die den Bunten Abend eröffnete. „Jugendarbeit wird groß geschrieben bei der CGB“, betont er – was sich auch auf der Bühne zeigt. Der Nachwuchs unter den 120 Aktiven ist gesichert. Mit den Kindern aus den drei kleinen Tanzgruppen sind es 150 bis 160 Mitwirkende in der närrischen Zeit. Die Kleinsten, in denen sogar schon Mädels ab drei Jahren mitwirbeln, treten allerdings nicht samstagabends, sondern sonntags beim Tanzalarm und beim Kinderfest auf.

Klaus „Gaggo“ Skarsig besetzt bei der CGB die andere Seite der Alterspyramide. Der 75-Jährige – er ist damit vier Jahre älter als die Carnevalsgesellschaft – singt seit deren Bestehen bei den „Galgenvögeln“ mit. Die schönste Belohnung für die ganze Arbeit sind für die Fastnachter die beiden ausverkauften Sitzungen – jeweils 330 Personen drängen sich in die Alte Turnhalle. „Dazu braucht es natürlich jede Menge helfende Hände hinter der Theke und den Kulissen“, dankt Hemberger auch diesen – in der Summe dürften es so um die 200 Beteiligte an jedem Termin sein.

Der Beffelemer Bär Gianluca Eifert nahm sich aufs Neue das lokale und Weltgeschehen vor. Mit spitzer Zunge prangerte er so manches an. Ein fester Bestandteil des Faschings in der Stadt am Berge sind die „Dauwegribbel“ Stefan Münkel und Dirk Bondes. Ihre Spezialität ist die Interpretation großer Hits mit eigenen Texten. Maite Kelly fand sich mit „Warum hast Du nicht Nein gesagt?“ wieder, die Proclaimers mit „500 Miles“. Ein Medley der Neuen Deutschen Welle mit Texten über den „Gailsmarkt“ war natürlich der Kracher.

Frauenquote auch für den Elferrat. Fabienne Hemberger, Vanessa Hemberger und Michèle Johe setzten sich vehement dafür ein. Denn: Frauen können viel rhythmischer klatschen und tanzen. Aber warum soll’s bei den Fastnachtern anders laufen als im richtigen Leben: Die „Revolution“ wurde von der versammelten Männlichkeit doch noch einmal abgeschmettert. Dann was für die Augen: die Kleine Garde mit Piratenmärschen, die Große Garde mit einem sehr anspruchsvollen Tanz auf Kölsche Lieder.

Die Galgenvögel gab’s gleich zwei Mal. Die Gesangsgruppe, die seit über 33 Jahren jedes Mal aufs Neue umgetextete Lieder zum Besten gibt, wurde am Flügel von Yun Won-Lee begleitet. Dennis Hemberger und Felix Sasse hatten’s in der Büttenrednerschule drauf. Merke: Der beste Witz ist der, über den man selbst am lautesten lacht. Am besten ohne Punkt und Komma reden, da merkt keiner, welcher Unsinn gerade gebabbelt wird.

Wenn Heike Johe in den Saal rauscht, dann geht’s ab. Letztes Jahr mischte sie schon die Bürgermeister-Kandidatenrunde auf, jetzt hatte sie sich auf dem Weg zum Seniorennachmittag verlaufen. Nach allerlei Ausführungen übers Alter mitsamt Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen wurde sie auf der Bühne von den „Blutdruckmessern“ in den Kostümen abgelöst, die ihrem gefühlten Zustand entsprachen: Mumien – übrigens auch das Motiv für den diesjährigen Orden.

Was die Mumien-Männer zu „Walk like an Egyptian“ mitsamt Kamelen, Pharao, „Tänzerinnen“ und Schlangenbeschwörer boten, war erste Sahne. Sitzungspräsi Hemberger wusste um die Herausforderung für die Trainerin: „Die Kathi (Hofmann) weiß, einen Sack voll Flöhe zu hüten ist einfacher.“ Ganz großer Zirkus anschließend mit den „Dream Girls“. Ohne Pause fegen die Mädels zu Zirkusmusik über die Bühne, zeigen akrobatische Einlagen und haben extrem viel Spaß bei der Sache.

Was die „Gammelsbacher Philharmoniker“ musikalisch bieten, ist grandios. Michael Gruber, Ralf „Johnny“ Johann, Justin Ruf, Max Schulz und Andi Weinmann haben sich in die Klischee-Heavy-Metal-Kluft mit Langhaarperücken und Ganzkörpertattoos geworfen und rocken los, was das Zeug hält. Erst „Sweet Child O‘ Mine“ von Guns’n Roses, dann „Thunderstruck“ von AC/DC unter Mitwirkung des ganzen Saals und schließlich Helene Fischers „Atemlos“ auf Hardrock gemacht: Das war einfach klasse.

 

Mitwirkende: Marlene Hemberger, Funkenmariechen Lena Kraus, Beffelemer Bär Gianluca Eifert, Dauwegribbel Stefan Münkel, Dirk Bondes, Ralf „Johnny“ Johann, Frauen in den Elferrat Fabienne und Vanessa Hemberger, Michèle Johe, Kleine Garde, Smart Narrhalla Robin Hemberger, Markus Müller-Jost, Große Garde, Galgenvögel, Büttenrednerschule Dennis Hemberger, Felix Sasse, Wild Angels, Heike Johe, Blutdruckmesser, Udo Reubold, Dream Girls

Der Leerstand ist in Oberzent ein großes Thema

In der guten alten Zeit brummte noch der Einzelhandel in den Dörfern. Früher, weiß Bürgermeister Christian Kehrer aus eigener Anschauung, gab’s in Finkenbach Spar- und Edeka-Markt, Metzger, Bäcker und eine Postfiliale. Heute ist davon ein Tante-Emma-Laden übrig geblieben. In den anderen Oberzent-Stadtteilen sieht’s ähnlich aus. Einkaufswüste und Leerstand allenthalben.

Seitens der Verwaltung stemmt man sich mit Kräften gegen ein weiteres Ausbluten, doch die Einfluss-Möglichkeiten sind begrenzt. Welche Strategien es zur Oberzent-Renaissance gibt, erläuterten jetzt zusammen mit Kehrer Oreg-Geschäftsführer Marius Schwabe und Wirtschaftsförderer Amadeus van Lier.

Das Einkaufsverhalten änderte sich in den vergangenen 20 oder 30 Jahren, die Arbeitsplätze auf dem Land wanderten ab, der Online-Handel wird fleißig genutzt: „In den Straßenzügen spiegelt sich das wieder“, bilanziert Kehrer. Allein in der Durchgangsstraße von Beerfelden gibt es aktuell 22 Geschäfts-Leerstände. Und die geschlossenen Gaststätten. Mitte 2018 machte der „Schwanen“ dicht, ebenso der ehemalige Schützenhof. In Finkenbach brüllt seit Ende des Jahres der „Löwe“ nicht mehr.

„Die Lokale in der Kernstadt kann man inzwischen an einer Hand abzählen“, bedauert der Rathauschef. Ausnahme: „Le Local d’Arthúr“ im ehemaligen Lido. Die Bar am Metzkeil stemmt sich dem Trend entgegen und „wird angenommen“, freut sich Kehrer. Doch das Problemfeld ist größer: „Die Unternehmensnachfolge wird immer zum Thema“, beobachtet er. Metzger und Bäcker finden kaum noch Azubis. Dazu passt, dass die Bäckereifiliale in Rothenberg zum Jahresende ihre Pforten schloss.

Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele. Das Gasthaus „Spälterwald“ in Olfen ist so eines. Hier brummt‘s. Oder aber die Gammelsbacher Gastronomie, die sehr gut angenommen wird. Grundsätzlich gilt: „Wo Innovation ist, etwas geboten wird, läuft es“, fasst Schwabe zusammen. Der Kunde sucht das Erlebnis, egal ob beim Essen oder beim Einkaufen. „Die Leute gehen nicht nur zum Shoppen weg“, betont er. Ein plätschernder Bach, Außenbestuhlung, Kinderbelustigung oder Musik im Freien heißen die Zauberworte.

Das fängt schon im Kleinen an, sagt der Bürgermeister. Beim Dorffest sollten es nicht nur Bratwurst und Steak sein, sondern auch mal Trendiges. Beispiel Pulled Pork, das der Kerweverein im vergangenen Jahr auf den Teller brachte. Das setzt sich, ergänzt van Lier, in der Küche der Gasthäuser fort. Neben gut-bürgerlich darf etwas gezaubert werden. Spareribs aus dem Smoker etwa, wie es sie in regelmäßigen Abständen im Rothenberger „Hirsch“ gibt. Wichtig ist seinen Worten zufolge aber auch, dass die Betreiber ihre Betriebe in Schuss halten.

Die Kommune, erläutert das Stadtoberhaupt, „hat leider keinen großen Handlungsspielraum um einzugreifen“. Allerdings versucht die Verwaltung zu lenken. So sollen die Gaststätten in der neuen Homepage eingebunden und über eine Karte gefunden werden können. Die Oreg ist als Kooperationspartner mit verschiedenen Angeboten an Bord, so Schwabe.

Der Geschäftsführer hebt auf das große Mentorennetzwerk der Wirtschaftsförderer ab. Man betreibe eine erfolgreiche Gründungsberatung und biete – wie alles andere auch – kostenlos eine Fördermittelberatung an. „Wir haben einen ganzen Werkzeugkasten an Unterstützung parat“, betont Schwabe. Wichtig ist jedoch, dass sich die Unternehmer rechtzeitig melden, anstatt erst dann zu reagieren, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

„Einem guten Koch können wir bei den Finanzen helfen“, verdeutlicht es Schwabe. Selbstkritisch meint er auch, „wir müssen unser Angebot stärker in der Zielgruppe bekannt machen“. Die Oreg versucht es auf zahlreichen Wegen, aber es ist „ein mühseliges Geschäft“. Laut Schwab „ist ein großes Rad zu drehen, das braucht Beharrlichkeit“. Er äußerte sich jedoch voller Hoffnung. „Der Schwung des Neuen wird anhalten.“ Außerdem gibt es „engagierte Leute“, meinte er am Paradebeispiel Oberzent-Expo.

Wirtschaftsförderer Amadeus van Lier kümmert sich seit einem Jahr speziell um die Stadt Oberzent. Seine Bestandsaufnahme der Leerstände förderte bereits 35 Objekte zutage. Zehn davon wurden in die Angebotsliste aufgenommen, eines bereits vermittelt. „An manchen Leerstand kommen wir aber nicht ran“, erklärt er. Außerdem gibt es teilweise kein Interesse, für eine Wiederbelebung zu sorgen. Oder es fehlt die räumliche Trennung zu den Privaträumen. „Bei hartnäckiger Nachfrage zeigt sich, dass es doch nicht die vielen Gewerbeimmobilien sind wie gedacht“, meint Schwabe.

„Der Service für die Eigentümer ist kostenfrei“, hebt van Lier hervor. Der Wirtschaftsförderer nimmt die ganzen Daten auf, macht bei Bedarf auch die Fotos und stellt die Objekte unter www.kip.net/hessen/odenwaldkreis/gewerbe/gewerbeimmobilien ins Internet ein. Natürlich denkt man bei der Stadt auch darüber nach, Ortsbild prägende Gebäude möglicherweise aufzukaufen, so Kehrer. „Das ist aber eine Frage des Preises.“ Und aktuell werden die Oberzent-Gelder für andere Pflichtaufgaben wie Kanalsanierung dringender gebraucht.

„Wir müssen bei der Stadtentwicklung etwas tun“, hebt der Bürgermeister hervor. Allerdings sollten die Eigentümer auch realistische Preisvorstellungen mitbringen, damit man handeln könne. Ein erster Schritt ist die Optik. „Das geht ohne großen Aufwand.“ Zur Verschönerung des Stadtbilds sollen blinde Schaufenster wieder erstrahlen und zum Fenster der Oberzent werden. Dafür werden beim Drohnen-Überflug im vergangenen Jahr entstandene Landschaftsbilder großflächig darauf geklebt, so wie es Kehrer dann im Rathaus an einem Modell mit Marbachstausee verdeutlichte.

Oberzent-Wirtschaftsförderer Amadeus van Lier ist unter E-Mail a.vanlier@sv.oreg.de oder Telefon 06062/943363 zu erreichen.

Lernen in der „Wohlfühloase Oberzent-Schule“

Wenn die Oberzent-Schule zur Präsentation der Projektwochen-Ergebnisse und zum Schnuppertag einlädt, dann ist die „Bude“ immer voll. Aber dieses Mal war es „so gut besucht wie selten“, freute sich Schulleiter Bernd Siefert. „Ausverkauft“ vermeldete sogar die Mensa, vom Förderverein mit Unterstützung aus den zehnten Klassen gemanagt. Über 200 Besucher zählten die Lehrer bei den verschiedenen Führungen durch die Gebäude.

Die Kombination von Projektwochen-Abschluss plus Info für die kommenden Fünftklässler zieht: Nicht nur die Eltern der aktuellen Viertklässler kommen mit ihren Sprösslingen vorbei, sondern die Erwachsenen der älteren Schüler wollen auch wissen, was ihre Kinder in der einen Woche so alles gemacht haben. Die Palette der angebotenen Projekte ist nämlich sehr vielfältig: Ski fahren, Theater, Medienwelten, Schach, Brettspiele bauen, Chemie, Sport, Erasmus, Zeichnen, Filme oder Fotoromane sind unter anderem im Angebot.

„Origami“ hatte noch einen anderen Hintergrund als nur etwas zu falten. Die Schüler stellten nämlich den Innenhof der Schule mitsamt Bienenkörben nach. Zusammen mit René Tunn und Tanja Stolp soll einen Bienenprojekt gestartet werden. „Dafür gibt’s auch Zuschüsse“, schmunzelt Bernd Siefert. Als Ziel dahinter steht die Produktion des eigenen Honigs. Mit Pressluftflaschen ging‘s zum Tauchen ins Hallenbad. Das Equipment dafür hatte Konrektor Dirk Konrad mitgebracht, nebenbei Vorsitzender des Tauchsportclubs in Michelstadt.

„In der Projektwoche herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre und es sind tolle Produkte entstanden“, bilanziert der Schulleiter. Von den Besuchern gab es nur positive Rückmeldungen. Die „gute Stimmung“ und das ansprechende äußere Erscheinungsbild der Lernanstalt wurden gelobt. Auf die Eigenwerbung ist die Oberzent-Schule natürlich auch angewiesen. 60 angehende Fünftklässler gibt es dieses Jahr, die man (und ihre Eltern) logischerweise gerne von einem Besuch der OZS überzeugen möchte.

„Wir wollen zeigen, warum die Oberzent-Schule die beste weiterführende Schule ist“, nimmt Siefert in punkto Schulvermarktung gerne einen Superlativ in den Mund. Neben der familiären Atmosphäre gehört dazu seinen Worten nach sicherlich auch die gute Anschlussfähigkeit für weiterführende Schulen. „Bei uns sind die Kinder gut aufgehoben, werden fachlich-methodisch und sozial gut geschult“, hebt er hervor.

„Wir öffnen unsere Schule nach außen“, sagt der Pädagoge. Denn vor zehn Jahren waren es noch 110 Viertklässler, die die Grundschulen der Region abschlossen. Aber die kleinere Schülerzahl hat auch was Gutes. Es gibt quasi die „Wohlfühloase Oberzent“. Siefert macht das auch am geringen Krankenstand fest. „In der vergangenen Woche war kein Lehrer krank“, sagt er. Und das bei immerhin 30 Pädagogen.

Die sind immer voll dabei, wenn es um die die Erarbeitung der Themen für die Projektwoche geht. Die Schüler können aus dann aus dem Angebot je nach eigenem Geschmack auswählen. Das Schulleitungsteam leistet laut Siefert in dieser Richtung „herausragende Arbeit“: Dirk Konrad, Heidi Domack, die Stufenleiterin für die Klassen fünf bis zehn, und Klaus Seeh, der Koordinator für die Übergänge ans Gymnasium, hängen sich mit den Kollegen voll rein.

Der Schulleiter spricht mit Blick auf die vielen Aktivitäten von einem gewissen Alleinstellungsmerkmal der OZS. Das Angebot kommt auch bei den Schülern gut an, beobachtet Lehrerin Angela Jöst. Die waren mit einem solchen Feuereifer bei der Sache, dass im Chemieversuch sogar der Feueralarm losging. Den zweiten Test der Brandmeldeanlage während der Herstellung gebrannter Mandeln konnte man gerade noch vermeiden, schmunzelt sie.

Traditioneller Abschluss des Tags ist immer die Präsentation des Zirkusworkshops, bei dem Ralf „Jeremy“ Breitinger die Fünf- bis Zehntklässler anleitet. Die AG findet seit langer Zeit immer einmal wöchentlich statt. Dieses Mal wurde in der Sporthalle jongliert und balanciert, was das Zeug hielt. Kleine und etwas größere Artisten freuten sich über den Applaus des Publikums.

Info: Beim Frühlingskonzert der Oberzent-Schule besteht am Sonntag, 31. März, 11 Uhr, das nächste Mal Gelegenheit, die Lernanstalt in Augenschein zu nehmen. Es spielt die Fachschaft Musik von Volker Reichelt.

Baustoff Benz in Beerfelden ist vorerst dicht

Die Schließung von Baustoffe Benz in der Gammelsbacher Straße erwischte die Stadtverwaltung kalt. „Wir erhielten erst einen Tag vorher Nachricht darüber“, berichtete Bürgermeister Christian Kehrer. Das Hauptproblem soll fehlendes Personal gewesen sein, erfuhr er bei einem Telefonat mit der Geschäftsführung. Bereits seit November suchte der Betrieb nach Ersatz – erfolglos. Für hiesige Unternehmer und den Bauhof bedeutete der Markt kurze Wege, um Kies oder Baustoffe zu erhalten. Damit ist es jetzt vorbei. „Nun müssen wir die in Lauerbach oder Neckarsteinach holen“, sagte der Rathauschef.

Wie Kehrer erläuterte, wurde die Schließung vom Unternehmen umso mehr bedauert, weil die Ursprünge vor 100 Jahre im Odenwald lagen. Nachdem die Eberbacher Filiale bereits vor einigen Jahren dichtgemacht hatte, gibt es jetzt außer der Zentrale in Neckarbischofsheim noch die Filialen an der Bergstraße oder in der Ebene. Der Bürgermeister ergänzte, dass es seitens der Geschäftsführung Gespräche gebe, damit ein Weiterbetrieb erfolgen kann.

Die Filialen in Eberbach und Beerfelden wurden Anfang der 90er Jahre eröffnet. 2007 erfolgte der Umbau mit Erweiterung der Verkaufsflächen und Neustrukturierung des Lagers am Standort Beerfelden. Dieser verfügt über 3200 Quadratmeter Freilagerfläche, davon 250 überdacht für die empfindlicheren Baustoffe und Materialien. Weiterhin gibt es 100 qm Ausstellungsfläche sowie einen Fachmarkt auf 75 qm.

Beerfelder Gehwege in der Stadtmitte bekommen rotes „Metzkeilpflaster“

Die Sanierung der Mümlingtalstraße durch Hessen Mobil läuft auf Hochtouren. Deshalb rückt langsam auch der Moment näher, wenn die noch von der Beerfeldener Stadtverordnetenversammlung beschlossene Gestaltung des Bereichs zwischen Metzkeil und Waschbrunnenplatz umgesetzt wird. Stadtbaumeister Peter Bauer erläuterte dem Ortsbeirat auf dessen Sitzung die geplanten Maßnahmen. Außerdem stellte sich dort auch der neue Stadtpolizist Nabil El Kadi vor.

Ortsvorsteher Christian Zimmermann fragte nach, ob im Zuge der Straßensanierung die Zufahrt zum Parkplatz beim Oberzent-Museum optimiert werden könne. Viele Fahrzeuge hätten Probleme, da sie dort aufsetzten. Laut Bauer soll dies im Zuge des Ausbaus – soweit möglich – angepasst werden. Beim Waschbrunnenplatz bleibt es bei der jetzigen Pflasterung, allerdings werden schadhafte Steine ausgewechselt und die Fläche wird eingeebnet, erläuterte er.

Das sogenannte „Metzkeilpflaster“ aus rotem Betonstein soll in den Gehwegen sowohl Richtung Waschbrunnenplatz als auch in den Einmündungen der Nebenstraßen Verwendung finden. Ebenso soll es rund um den Zwölfröhrenbrunnen zur Anwendung kommen. Es ist schon jetzt vor dem Rathaus verlegt. Im Bereich Waschbrunnen soll das bisher dort verwendete Natursteinpflaster erneuert werden, sagte Bauer. Graues Granitpflaster sei auch auf historischen Aufnahmen zu finden. Im Odenwald unterscheiden sich die verwendeten Pflaster in ihren Farben nicht wesentlich.

Nabil El Kadi stellte dem Gremium seinen umfangreichen Aufgabenbereich vor. Er erwähnte zu Beginn, dass entgegen der Diskussion im Stadtparlament kein Autofahrer bereits 15 Strafzettel erhalten habe. Angedacht ist seinen Worten zufolge eine Information über „richtiges Verhalten im Straßenverkehr“. Zimmermann regte an, einmal im Monat eine Liste der kontrollierten Straßen im Blättchen zu veröffentlichen.

El Kadi teilte mit, dass die Tempo-30-Beschilderung am Kindergarten zeitnah in Absprache mit Hessen Mobil angebracht werde. Die Blitzer in Gammelsbach und Hetzbach sollen Richtung Frühjahr wieder funktionstüchtig sein. Bisher fehlen noch die entsprechenden Kontaktstreifen im Asphalt. Blitzersäulen, die den Verkehr auf beiden Seiten erfassen können, sind zu teuer, erläuterte er. Hintergrund: Immer wieder stellt man fest, dass besonders schlaue Autofahrer an dieser Stelle einfach auf die andere Fahrbahn ausweichen. Der Stadtpolizist kann sich aber vorstellen, mit einem mobilen Blitzer ergänzend zu kontrollieren.

El Kadi erwähnte außerdem die Straßenreinigungssatzung, die für Oberzent noch beschlossen werden muss. Als Problem benannte er illegale Müllentsorgung und die Nachlässigkeiten bei der Schneeräumpflicht. Wenn die weiße Pracht nach drei Tagen immer noch auf den Gehweg liegt, schaut El Kadi nach dem Rechten. Ein Ärgernis ist seinen Worten zufolge die Dauernutzung von öffentlichen Parkplätzen, wo unter anderem abgemeldete Fahrzeuge abgestellt werden.

Das Thema Bepflanzungen im Ort etwa auf Verkehrsinseln oder Blühstreifen wird von Magistratsmitglied Walter Braner bearbeitet. Dieser ist bereits im Gespräch mit den Imkern. Er wird dann auch Kontakt zum Ortsbeirat aufnehmen, hieß es auf der Sitzung. Die gewünschte Beschriftung des Rathauses muss noch mit dem Denkmalschutz geklärt werden. Sie soll bei der Fassadensanierung, wenn ohnehin ein Gerüst steht, umgesetzt werden, informierte Zimmermann.

Angeregt wurde die Bemalung der Strom- und Verteilerkästen. Hier ist aber die Genehmigung durch Telekom und MediaNet seitens der Verwaltung zu klären. Danach könnte eine Gestaltung durch Schulen oder hier lebende Künstler erfolgen. Hofwiese, der erste Abschnitt des Güttersbacher Wegs, Gabelsbergerstraße, Eberbacher Weg, Friedrich-Ebert- und Gerhart-Hauptmann-Straße haben neben Walterbachweg und Häfengasse nach Meinung des Ortsbeirats eine Sanierung dringend nötig, weswegen sie auf der Prioritätenliste landeten.

 

Haushalts-Genehmigung für Oberzent ohne Auflagen

Die Kommunalaufsicht des Odenwaldkreises hat den 2018er-Haushalt der Stadt Oberzent ohne Auflagen bewilligt, aber gleichzeitig in bestimmten Punkten den Zeigefinger erhoben. So fasste Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch auf der vergangenen Sitzung des Gremiums die Feststellungen zusammen. Die Höhe der (Kassen-)Kredite mit insgesamt vier Millionen Euro wurde genehmigt.

Allerdings weist die Behörde darauf hin, dass die Stadt eher als finanzschwach einzustufen ist und daher sämtliche Entscheidungen immer mit Blick auf die haushaltswirtschaftlichen Auswirkungen zu überdenken sind. Der Hintergrund: Schwankungen in der konjunkturellen Entwicklung und der kommunale Finanzausgleich könnten den finanziellen Spielraum einengen.

Die Kommunalaufsicht sieht „Handlungsspielraum“ beim Friedhofs- und Bestattungswesen. Denn der dortige Deckungsgrad von 74 Prozent könne nicht als kostendeckend betrachtet werden, trug Weyrauch vor. Er erwähnte daneben die geparkten Mittel für die Zuschussrückzahlung nach dem Insolvenzverfahren des Hauses Cordula. Sämtliche Investitionen sollten „nochmals auf ihre unbedingte Notwendigkeit und den erforderlichen Umfang überprüft werden“, fordert die Aufsichtsbehörde.

Der Forstzweckverband ist von Oberzent-Seite unter Dach und Fach. Die Stadtverordneten-Versammlung stimmte einhellig der Verbandssatzung zu. Gründungsmitglieder sind außerdem Abtsteinach, Fränkisch-Crumbach, Grasellenbach, Hirschhorn, Michelstadt, Neckarsteinach und Wald-Michelbach. In spe sollen alle Gemeinden des Odenwaldkreises plus fünf aus dem Kreis Bergstraße dabei sein.

Der Bereich des Forstamts Lampertheim sei außen vor, teilte Bürgermeister Christian Kehrer mit. Die dortigen Interessenslagen seien zu unterschiedlich. Sitz des Verbands ist Oberzent, Kehrer auch Vorsitzender der Versammlung. Sein Stellvertreter ist Bürgermeister Sascha Weber als Wald-Michelbach. Als weiterer Oberzent-Vertreter wurde Wilfried Friedrich (ÜWO) einstimmig gewählt. In einer geheimen Abstimmung um den Stellvertreter-Posten erhielt Alexander Beck (FDP) 20 Stimmen und wurde gegen Thomas Väth (Grüne) mit 13 bestimmt.

Zwei Mal ging es auf der Sitzung um öffentlich-rechtliche Vereinbarungen. Mit der einen beschlossen die Mandatsträger die Übertragung der Aufgaben nach dem Prostituiertenschutzgesetz an den Kreis. Das Stadtoberhaupt erläuterte, dass es auf städtischer Gemarkung nur eine solche Einrichtung gebe und es für den Verwaltung einen Riesenaufwand bedeute, Personal zu schulen und entsprechende Formulare vorzuhalten.

Die Stadtverordneten wurden außerdem über die Schaffung einer gemeinsamen Vergabestelle beim Eigenbetrieb Bau- und Immobilienmanagement informiert. Der Entwurf einer entsprechenden Vereinbarung ist derzeit in der rechtlichen Prüfung. Eine Beschlussfassung ist zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen. Bei einer „Vergabestelle Odenwaldkreis“ sollen die Kompetenzen gebündelt werden, damit sie nicht in jeder Gemeinde einzeln vorgehalten werden müssen. Außerdem möchte man so eine Trennung von Bauherrschaft und Vergabestelle erreichen.