Wirtschaftsförderung hat eigenes Büro in Oberzent

In traditionsreichen Räumen hat die die Wirtschaftsförderung Oberzent nun ein eigenes Büro in der Mümlingtalstraße 11 eröffnet. Früher befand sich an dieser Stelle über 100 Jahre lang das Wollgeschäft Karl Volk. Jetzt soll von dort aus die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Stadt vorangetrieben werden. Immer mittwochs ist Wirtschaftsförderer Amadeus van Lier vor Ort. Vertreter von Stadt, Gewerbeverein und Odenwald-Regionalgesellschaft Oreg begingen nun gemeinsam den Start.

Bürgermeister Christian Kehrer hätte natürlich gerne alles unter einem (Rathaus-)Dach, „aber leider haben wir zu wenig Platz“. Wenn demnächst noch zwei Azubis hinzubekommen, „wird es sowieso kuschelig“, meinte er. Als Stadt „wollen wir ein Zeichen setzen“, betonte Kehrer mit Blick auf das erwünschte Revival der Innenstadt. Genauso klar ist für ihn aber auch, „dass das Meiste von den Unternehmen kommen muss“.

Das mittwochs geöffnete Büro sah er als „weitere Bereicherung“ des innerstädtischen Angebots. Man suche noch nach weiteren Räumlichkeiten, etwa für die Stadtbibliothek, sagte der Rathauschef. Alles mit dem Ziel: „Wir beleben Beerfelden wieder.“ Kehrer machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass nicht alles von jetzt auf nachher gehen kann. Die Anstrengungen brauchen ihre Zeit.

„Die Oreg leistet ein Stückweit ihren Beitrag“, meinte Geschäftsführer Marius Schwabe, der zusammen mit der Referatsleiterin des Wirtschafts-Services, Gabriele Quanz, nach Oberzent gekommen war. Die Präsenz vor Ort in der südlichsten Stadt des Kreises „stand schon lange auf unserer Agenda“, sagte er. Schwabe freute sich über die erfolgreichen Gespräche mit Vermieter Lothar Volk.

Der Geschäftsführer wies darauf hin, dass Amadeus van Lier natürlich nicht nur mittwochs, „sondern auch nach Vereinbarung verfügbar ist“. Sozusagen, scherzte er unter dem Motto „Call the Wirtschaftsförderer“. In diesem Zusammenhang teilte Schwabe mit, dass „Revive Oberzent“ beim hessischen Demografiepreis ausgezeichnet werden solle. „Wir müssen im Gespräch bleiben“, forderte er alle Akteure auf. Viele kleine Schritte seien notwendig, damit sich der Erfolg einstelle.

Leider, bedauerte Lother Volk, gab es in der Vergangenheit eher viele kleine Schritte nach unten. Er nannte den „Goldenen Stern“ als aktuelles Beispiel, wo Bäckerei und Café (vorübergehend) geschlossen sind und es nur noch die Pension gibt. „Es dürfen nicht noch mehr Bäcker und Metzger zumachen“, wünschte er sich.

Hier hakte Gabriele Quanz ein. „Wir müssen mit vereinten Kräften dem Strukturwandel entgegentreten“, postulierte sie. Leider fehle in vielen Geschäften und Unternehmen die Nachfolge. Es gelte jetzt die Chancen zu nutzen. „etwas Neues, Besseres aufzubauen“. Van Lier betonte, dass es Gewerbeimmobilien gebe, „die sofort nutzbar sind“. Hier will er ansetzen und diese vorrangig vermitteln, während weitere in die Liste mit aufgenommen werden. Aktuelle Objekte sind unter www.kip.net/hessen/odenwaldkreis/gewerbe/gewerbeimmobilien einsehbar.

Bürgermeister Kehrer ergänzte, dass leere Schaufenster der verschiedenen Geschäfte nach und nach mit Hochglanzfotos von Oberzent-Motiven versehen werden sollen. Derzeit wird mit den Eigentümern deren Bereitschaft abgeklärt. „Der Rücklauf könnte besser sein“, sagte er. Die Landschaftsbilderstrecken sehen nicht nur schön aus, sondern haben auch einen praktischen Effekt. Denn auf den Folien wird ebenfalls die Quadratmeterzahl des Objekts genannt. Außerdem wird ein QR-Code aufgebracht, der zum Leerstands-Immobilienportal weiterleitet, wo es weitere Infos zum Objekt gibt.

Van Lier sieht das Büro als erste Anlaufstelle, wo es nicht nur um Gewerbeimmobilien geht, sondern auch weitere Dienstleistungen der Oreg abgefragt werden können: Infos zu Existenzgründungen, Fördermitteln, Fachkräftesicherung oder Bauprojektbegleitung. Der Wirtschaftsförderer vermittelt die Interessenten dann an die entsprechenden Stellen in der Oreg-Zentrale weiter.

Info: Der Wirtschaftsförderer Oberzent, Amadeus van Lier, ist mittwochs von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr im Büro Mümlingtalstraße 11 Beerfelden anzutreffen. Terminvereinbarung unter Telefon 06062/943363.

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Dem Ordnungsamt fehlt die vierte Kraft

Der Motor des Oberzent-Ordnungsamts läuft derzeit nur auf drei Zylindern. Denn es fehlt der vierte Fahrer im Team, erläuterte Stadtpolizist Nabil El-Kadi. „Wir haben die Stelle bereits vier Mal ausgeschrieben“, teilte er mit. Seit Mitte vergangenen Jahres ist die Stadt auf der Suche. Zwei gute Bewerber hatten bereits zugesagt. Darunter auch einer, der wie El-Kadi die gleiche Ausbildung für den mobilen Blitzer hat. „Optimal“, so seine Einschätzung. Leider sagten beide wieder ab.

Aktuell sind drei Mitarbeiter mit einer Vielzahl von Aufgaben beschäftigt, die man einem Ordnungsamt gar nicht gleich zuordnen würde. Das reicht von Fundtieren über die Bearbeitung von Lärmbeschwerden oder Gewerbeanmeldungen bis hin zur Schädlingsbekämpfung wie vor kurzem ein Rattenbefall in Hetzbach. Der Tierschutz wird in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt angegangen. Daneben kümmern sich die Angestellten auch um Wild- und Manöverschäden. Gefährliche Hunde, Straßenreinigung, Heckenrückschnitt, Fischereischeine, Nichtraucher- und Jugendschutzgesetz: Es gibt noch viele weitere Zuständigkeiten.

Verkehrsrechtliche Anordnungen wie etwa Baustellenausschilderungen, Parkausweise, Plakatierung, Verkehrsschau: Die Liste ist lang und wurde mit der Fusion länger, da Oberzent aufgrund der höheren Einwohnerzahl mehr Befugnisse erhielt. So ist El-Kadi jetzt für Beschilderungen auf allen Straßen der Gemarkung außer der B45 zuständig. Der Stadtpolizist spricht derzeit um die 60 Verwarnungen im Monat aus, runtergebrochen auf die Arbeitstage somit ungefähr drei pro Tag. „Auf keinen Fall bekam aber einer allein 15 Knöllchen“, trat er Gerüchten entgegen.

Da rund um die Oberzent-Fusion viele dringende Aufgaben anstanden, musste manches warten. „Der Vertrag mit der Firma Jenoptik ruht seit zwei Jahren“, sagte El-Kadi über die stationären Blitzer in Hetzbach und Gammelsbach. Zuletzt gab es zwischen 5000 und 6000 Erfassungen im Jahr, seit mitte 2017 ist Pause. Jetzt sollen die Asphaltarbeiten vorgenommen werden, damit die Induktionsschleifen wieder funktionieren.

Der Stadtpolizist machte klar, dass sich die Stadtkasse nicht über die Einnahmen saniert. Zwar rechnet man im Schnitt mit jährlichen Einnahmen von 100.000 Euro, denen stehen aber schon Fixkosten von über 40.000 Euro entgegen – die Personalkosten noch gar nicht mit einbezogen. Es gehe vielmehr um die Verkehrssicherheit, betonte er.

Stenografenverein Gabelsberger 1904 Beerfelden löst sich nach 115 Jahren auf

Es war ein sehr emotionaler Moment im Saal der „Krone“. Nach 115 Jahren löste sich der Stenografenverein Gabelsberger 1904 Beerfelden, wie er mit vollen Namen heißt, auf. Das Interesse an der Stenografie ist schon seit etwa zwei Jahrzehnten nicht mehr da, die Tastschreib- und PC-Kurse sind nicht mehr gefragt und der Verein hat keine aktiven Schreiber mehr, auch wenn er 150 Mitglieder zählt. Somit „Time to say goodbye“, was die Anwesenden einstimmig mit vielen wehmütigen Erinnerungen taten und für die Auflösung stimmten.

Auch für Otto Heinrich Sattler war sehr bewegend. Denn in der Gaststätte seiner Familie, dem Beerfelder „Schwanen“, fand vor exakt 115 Jahren im Mai 1904 die Gründungsversammlung statt, ebenso die Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg. Sattler erinnerte sich gern an die „wunderschöne Geselligkeit“. Die Stenografen waren „der edle Verein in Beerfelden“, blickte er zurück. Zu den Hoch-Zeiten zählte er über 300 Mitglieder. Die halfen mit, dass sich die Stadt in den Wirtschaftswunderjahren „wieder nach vorn entwickeln konnte“.

Dem Vorsitzenden Manfred Clauß ist noch gut im Gedächtnis, dass die Firma Edelmann „früher niemanden einstellte, der nicht Steno und Maschinenschreiben konnte“. Das galt auch für die Stadt, so Helmut Ulrich. Als er 1975 bei der Verwaltung anfing, wurde das vorausgesetzt. Seiner Meinung nach spielen viele Punkte eine Rolle, dass beides heute nicht mehr so nachgefragt ist.

Schriftführerin Hiltrud Clauß weiß noch, dass man früher beim Landratsamt höher eingruppiert wurde, „wenn man eine bestimmte Zeilenzahl schreiben konnte“. Hedi Schulz, Jahrgang 1930, ergänzte: „Wer Kurzschrift erlernte, war rechtsschreibsicher.“ In ihrer Generation war die Beherrschung ein Vorteil, „weil sie den Aufstieg im Beruf ermöglichte“. Sie erwähnte die Herzlichkeit untereinander und die vielen schönen Unternehmungen.

Manfred Clauß ist es immer noch ein Rätsel, dass im Computerzeitalter PC-Schreibkurse nicht mehr nachgefragt werden. Denn jeder, der nicht mit dem Adler-Suchsystem, sondern mit zehn Fingern die Tastatur bedienen könne, sei beruflich klar im Vorteil. Den letzten regulären Anfängerkurs gab es 2015, die Kurzschrift wurde schon viel früher nicht mehr nachgefragt, erläuterte er.

Seitens des Vorstands wurden viele Anstrengungen zur Wiederbelebung gestartet: „Wir haben 250 Flyer ausgeteilt“, erzählte er. Dazu Plakate aufgehängt und einen Schnuppertag an der Oberzent-Schule veranstaltet: mit zwei jungen Interessentinnen. Warum das nachlassende Interesse? Der Vorsitzende mutmaßte zwei Gründen: Kinder werden schon am Computer groß – und die Ganztagsschule, die allen Vereinen zu schaffen mache.

An der Altersstruktur machte Clauß fest, dass die Stenografen mit dem demografischen Wandel zu kämpfen haben. 30 Prozent der Mitglieder sind bereits über 60 Jahre alt, nur acht Prozent zwischen 19 und 27 Jahre jung. Viele Jahre war es so, dass Kinder von früheren Kursteilnehmern diese ebenfalls besuchten. Das ist vorbei. Von früher fünf Vereinen im Mümlingtal gibt es nun nur noch den in Erbach, teilte er mit. Auch bei der deutschen Dachorganisation weiß Clauß von einem massiven Rückgang der Mitgliederzahlen.

Der Vorsitzende freute sich, dass noch einmal so viele wie schon lange nicht mehr zu einer Versammlung gekommen waren. „Der Vorstand hat sehr gut zusammengearbeitet“, betonte er. Aber: „Was sollen wir tun, wenn es keinen Sinn mehr macht.“ Die Auflösung wurde von der Versammlung zum 30. Juni beschlossen. „Einer Wiedergründung steht nichts im Weg“, schmunzelte Clauß – sollte es doch wieder mehr Interesse geben.

Das ansehnliche Vermögen fällt an die Stadt Oberzent, die es laut den Vereinsstatuten für gemeinnützige Zwecke verwenden soll. Für den Magistrat würdigte Ellen Koch das Wirken der Stenografen. Seit 13 Jahren hatte die Jugendgruppe immer zu Ostern den Zwölfröhrenbrunnen geschmückt. Das wird nun von den Kaninchenzüchtern übernommen, berichtete Jugendleiter Volker Schmitt.

Schwarzstorch und Rotmilan sollen Katzenwinkel windkraftfrei halten

Die Bemühungen um ein windkraftfreies Gebiet am „Katzenwinkel“ intensivieren sich. Bekanntlich ist die Stadt Oberzent bereits im Rechtsstreit mit dem Projektierer Juwi und will diesem die Zuwegung dorthin verwehren. Mit einem „faunistischen Gutachten“ wird nun eine zweite Front eröffnet, um dem Interessenten das Projekt madig zu machen. Die Initiatoren wollen durch den Nachweis von gefährdeten Arten wie Schwarzstorch und Rotmilan erreichen, dass an dieser Stelle zwischen Etzean, Airlenbach und Güttersbach Windenergieanlagen aus Artenschutzgründen unmöglich werden.

Eine kurzfristig von FDP-Mitgliedern und dem Verein Gesundheit und Naturschutz Sensbachtal von Lothar Moll zu diesem Zweck ins Leben gerufene Spendenaktion hatte einen riesigen Erfolg. 10.000 Euro kamen innerhalb kürzester Zeit bereits aus der ganzen Oberzent zusammen. Die Stadt legte jetzt noch einmal 2000 Euro drauf, sodass die Arbeit von Faunistiker Dirk Bernd aus Lindenfels bezahlt ist. Er macht unter anderem Flugraumanalysen.

Der Fachmann ist seit mehr als drei Wochen im betreffenden Gebiet unterwegs. Die Nist- und Brutzeit betroffener Arten liegt in diesem Jahr relativ früh und die Horste können nur in einem engen Zeitfenster „verwertbar festgestellt werden“. Bis spätestens Anfang Juli muss der Lindenfelser seine Arbeit abgeschlossen haben. Bernd betont aber, dass es ganz schnell gehen kann. „Manchmal habe ich Ergebnisse bereits an einem Tag“, berichtet er.

„Es gibt bereits konkrete Sichtungen“, weiß der CDU-Fraktionsvorsitzende Oliver von Falkenburg. Denn die Flugzonen der Vögel sind bekannt. Er bezeichnete das Artenschutzgutachten als „schärfstes Schwert, das wir uns leisten können“. Es stellt seinen Worten zufolge eine effektive Methode dar, „den Artenschutz im Planungsgebiet Katzenwinkel und im ganzen Odenwaldkreis zu gewährleisten“. Er weiß jedoch, dass die Erfolgsaussichten ungewiss sind. Erst müssen entsprechende Ergebnisse vorliegen, die dann beim Regierungspräsidium Eingang in die Planungen finden müssen.

Die Oberzent-Parlamentarier die kürzlich einstimmig dem 2000-Euro-Zuschuss zustimmten, versprechen sich aber von der städtischen Unterstützung einen Signaleffekt für Windkraft-Projektierer, eine größere Außenwirkung, dass Windenergie hier nicht gewünscht sei. „Die sehen dann, dass alle Mittel ergriffen werden.“ Denn die Samthandschuhe wurden auf beiden Seiten längst ausgezogen.

„Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen“, betonte von Falkenburg. Nur so könne man sich die kommunale Selbstverwaltung zurückholen, die gerade beim Thema Windkraft stark eingeschränkt wurde. Er nannte als bestes Beispiel den Odenwaldkreis-weiten gemeinsamen Flächennutzungsplan zur Windenergie, der vom Regierungspräsidium nicht anerkannt werde. Mit der finanziellen Unterstützung des Gutachtens möchte die Stadt dann auch Zugriff aufs Gutachten haben, um es im weiteren Verfahren nutzen zu können.

Es ist Eile geboten, betonte von Falkenburg. Da der Teilplan Erneuerbare Energien (TPEE) des Regionalplans Mitte Juni von der Regionalversammlung Südhessen verabschiedet werden soll, „muss im Hinblick auf den weiteren möglichen Ausbau von Windkraftanlagen dringend gehandelt werden“. Die kürzlich durch das Regierungspräsidium Darmstadt (vorübergehend) gestrichenen Flächen in Reichelsheim und Mossautal belegen für ihn, „dass der Artenschutz im Odenwald noch nicht ausreichender Form berücksichtigt wurde“.

Mit dem faunistischen Gutachten könne man dazu beitragen, ungeeignete Flächen noch vor Verabschiedung des Plans noch zu eliminieren. Sollte die Einarbeitung der Ergebnisse nicht mehr rechtzeitig gelingen, so sei das Gutachten trotzdem noch im nachgeschalteten Prüfungsverfahren bis zu fünf Jahre lang verwertbar.

(Der Vogel auf dem Bild ist ein Rotmilan…)

Beerfeldener Gewerbeverein will mit neuen Ideen etwas bewegen

Der Verkehrs- und Gewerbeverein (VG) betrachtet die Entwicklung in der Beerfelder Innenstadt mit einer gewissen Sorge. Gastronomie und Geschäfte sind sowieso nicht üppig gesät und werden peu à peu weniger. Der Metzkeil ist derzeit eine riesige Baustelle, was den Ortsmittelpunkt darüber hinaus eine gewisse Zeitlang aus dem Geschehen nimmt. Leere Ladenfronten ziehen sich die Mümlingtalstraße hinab. Der verjüngte Vereinsvorstand will nun mit neuen Ideen dem langsamen Ausbluten entgegenwirken.

Die Traditionsgaststätte „Schwanen“ ist schon einige Zeit zu, am „Goldenen Stern“ Richtung Bürgerhaus hängt seit ein paar Tagen das Schild „vorübergehend geschlossen“. Arthúr Allibe, der aus den ehemaligen „Lido“-Räume das „Le Local“ machte, kann wegen der Bauarbeiten derzeit nicht den zentralen Platz bewirtschaften und damit seine Erfolgsgeschichte seit Eröffnung fortsetzen. Nach Abschluss soll es aber weitergehen.

„Das Problem von Gastronomie und Geschäften ist oft die Nachfolgeregelegung“, weiß der stellvertretende VG-Vorsitzende Sebastian Hartmann. Deshalb freut er sich umso mehr, dass im ehemaligen Schützenhof jetzt „Der Grieche“ ansässig ist. Dem Metzkeil schreibt er eine Mittelpunkt-Funktion zu und würde sich natürlich über dessen Wiederbelebung auf allen Seiten freuen.

Mit dem Brunnenfest, am 30. Mai zum 29. Mal ausgerichtet, „wollen wir zeigen, was Beerfelden alles zu bieten hat“, erläutert er. Gemeinsam mit der Feuerwehr richtet der VG das größte Straßenfest in Oberzent aus. „Jedes Geschäft aus der Hauptstraße macht mit“, betont Hartmann. Dazu kommen etliche weitere Unternehmer aus den verschiedenen Oberzent-Stadtteilen.

Mit der Musiknacht Ende Oktober, die sich vor allen in der Gastronomie abspielt, will man diese fördern, erzählt der Vereinsvertreter. Dazu gibt es weitere Überlegungen, welche zusätzlichen Veranstaltungen möglich wären, „damit die Gaststätten profitieren“. Ein Baustein davon sind auch die Einkaufsgutscheine. Die gab es bisher bereits auf Beerfelden-Ebene, in diesem Jahr werden sie auch vom Layout her auf ganz Oberzent ausgedehnt.

Die Gutscheine können bei den Mitgliedern des Gewerbevereins gekauft und eingelöst werden. Egal ob es beim Autokauf ist, beim Restaurantbesuch oder an der Theke beim Metzger. Und jetzt eben auch in den Stadtteilen. Hartmann schätzt, dass der Verein derzeit mindestens 50 Mitglieder hat – Tendenz steigend. „Wir müssen mehr bei den Leuten sein“, hebt er hervor. Die eigenen Aktivitäten bekannt machen, Events veranstalten, auf die Vorteile hinweisen.

Er weiß: „Ohne kräftig trommeln tut sich nichts.“ Der junge Vorstand, sagt er, „will etwas bewegen“. In der ersten Zeit seit Amtsantritt gab es eine Bestandsaufnahme, „jetzt wollen wir neue Themen abarbeiten“, erläutert er auch im Namen des Vorsitzenden Sebastian Lang. So etwa die vereinseigene Dr.-Weber-Wanderhütte. Von der, schmunzelt Hartmann, „weiß leider keiner, wo sie ist“: an der Sensbacher Höhe. Hier ist die Idee, eine Wanderung dorthin anzubieten, verbunden mit einem Gastronomie-Event.

Der Bike-Park wiederum ist ebenfalls eine Zielrichtung: Der VG möchte mit Betreiber Werner Manschitz in Kontakt treten. Ziel: Die Gastronomie soll dort Werbung machen können, aber auch der Handel (Stichwort: Reparatur eines kaputten Reifens). „Es ist ja alles da“, ist Beerfelden laut Hartmann bei Handel, Handwerk und Gewerbe „theoretisch ganz gut aufgestellt“. Ein großer Wunsch wäre ein Drogeriemarkt. Aber nach der Schlecker-Schließung hatte die Stadt keinen Erfolg damit, eine andere Kette für den Standort zu begeistern.

Es gibt keine Ansiedlung „mit größerer Außenwirkung“, bedauert Hartmann. Deshalb denkt der Verein darüber nach, im kommenden Jahr überregional wirksame Aktionen zu starten. Generell „wird die Situation schwieriger“, aber er weiß um die vielen jungen, engagierten Unternehmer in Oberzent. Deshalb äußert sich der stellvertretende Vorsitzende auch optimistisch mit Blick in die Zukunft.

Info: Das Beerfelder Brunnenfest findet an Himmelfahrt, Donnerstag, 30. Mai, von 10 bis 18 Uhr in der gesamten Innenstadt statt.

Oberzent-Vereinsförderung soll bis Ende des Jahres stehen

Mit der Vereinsförderung in der neuen Stadt verhält es sich wie mit einer Babuschka-Puppe. Es tauchen beim Entblättern bzw. genauerer Betrachtung immer wieder neue Aspekte auf, die berücksichtigt werden müssen. Die Details werden immer mehr, die Schwierigkeiten, alles zusammenzufügen, größer. Die Stadtverwaltung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, zusammen mit Parlamentariern und Vereinsvertretern bis zum Jahres eine verabschiedungsreife Vorlage auf den Tisch zu bekommen. Schließlich war es ein Kommunalwahlthema praktisch jeder Gruppierung, das Ehrenamt zu stärken.

In den bisherigen vier Gemeinden Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck gab es sehr unterschiedliche Herangehensweisen, erläutert Bürgermeister Christian Kehrer die Schwierigkeiten. Etwa bei den Sportplätzen: „Manche Vereine bekamen nichts, andere alle zwei Jahre den Platz erneuert“, verdeutlicht er. Instandhaltungen mit Summen von 1400 bis 3300 Euro/Platz nannte er ebenso wie die Zurverfügungstellung von Düngemitteln. Häufigkeit der Nutzung und Belastung seien ebenfalls Kriterien.

Bei der Hallennutzung ist es ähnlich. In Beerfelden wurde die Stadt bei Vereinsveranstaltungen am Umsatz beteiligt. Die Rothenberger Sporthalle wiederum war kostenfrei nutzbar, weil sie unter großem ehrenamtlichem Einsatz saniert wurde. Jugendförderung gab es mit 7260 Euro bisher in Rothenberg und Beerfelden, so der Bürgermeister. Außerdem teilweise die Kostenübernahme von Grundbesitzabgaben mit 26.000 Euro, Investitionszuschüsse auf Antrag, Erlass der Gewerbesteuer und Verwaltungskosten oder Unterstützung durch den Bauhof.

So gerne er es auch wollte, „ist es unrealistisch, alles kostenlos zu stellen“, bedauert der Rathauschef. Denn durch eine verschlechterte Einnahmesituation – unter anderem weil 250.000 Euro Erlöse aus dem Holzverkauf fehlen – gibt der Haushalt dafür nicht genug Mittel her. Kehrer machte er aber klar: „Wir wollen die Vereine auf jeden Fall unterstützen.“ Bei der Summe könne man jonglieren, da im aktuellen Doppelhaushalt noch Verfügungsmasse bei der Instandhaltung von städtischen Einrichtungen drin sei. Eventuell lasse sich eine höhere Summe „auch über Mehrausgaben beschließen“.

Derzeit wartet man in der Verwaltung auf einen Rücklauf aus den Vereinen. Die wurden nämlich als Entscheidungsgrundlage zu Mitgliederstand, Anzahl der Jugendlichen, eigenem Vermögen und vorhandener Bausubstanz abgefragt. Laut Kehrer gibt ungefähr 125 von ihnen in der Stadt, dazu noch einige weitere Organisationen. Wenn die Ergebnisse vorliegen, sollen die Mandatsträger einen Katalog erhalten, in dem die bisherige Förderung, Vergleichszahlen aus anderen Gemeinden und die Rückmeldung enthalten sind.

„Danach wird intern in den Fraktionen diskutiert“, schildert der Bürgermeister den weiteren Fortgang vor der Entscheidung, ob eine Arbeitsgruppe gebildet wird. Hierzu gab es bereits die Anregung, Vereinsvertreter mit einzubinden. Wenn in diesem Jahr nicht allzu spät eine Entscheidung fallen sollte, kann sich das Stadtoberhaupt vorstellen, die Vereinsförderung noch rückwirkend zum Januar greifen zu lassen.

Kaufhaus Knoll steht im Fokus der Bemühungen

Die Stadtentwicklung haben sich alle Oberzent-Parteien und -Wählervereinigungen auf die Fahnen geschrieben. Allein: Die Umsetzung gestaltet sich noch etwas zäh. Da kam die Chance gerade recht, im Rahmen des Regionalbudgets der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) eine 80-prozentige Förderung für eine „Konzepterstellung zur Transformation von Leerstandimmobilien“ zu erhalten. Die Stadtverordneten stimmten einem SPD-Antrag zu, der die Zukunft des Kaufhauses Knoll in der Brunnengasse in den Fokus rückt.

Das ehemalige Kaufhaus in stadtbildprägender Lage von Beerfelden „bildete über Jahrzehnte den kommerziellen Mittelpunkt der Oberzent“, erläuterte SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Ihrig. Es sorgte für eine starke Belebung des innerstädtischen Raums. Die Eigentümer betreiben den Verkauf, sehen sich aber laut Ihrig bislang vorwiegend mit Kaufinteressenten konfrontiert, „deren Nutzungskonzepte bei tatsächlicher Umsetzung zweifelsfrei schädliche Auswirkungen auf die städtische Entwicklung hätten“.

Im Gegensatz dazu wäre jedoch auch ein Erwerb durch Stiftungen, Vereine oder die Stadt selbst denkbar. Dies dann, erläuterte Ihrig, wenn diesen potenziellen Käufern ein fertiges, umsetzungsfähiges und aus der Bürgerschaft getragenes Nutzungskonzept für das Gebäude präsentiert werden könnte. Einige Projektentwickler seien auf eben solche Konzeptentwicklungen unter öffentlicher Beteiligung spezialisiert.

Die Familie Knoll, so der Fraktionsvorsitzende, „forciert den Verkauf nicht auf Teufel komm raus“. Aus Interesse an einer positiven Entwicklung der Stadt Oberzent und getragen von dem Wunsch, das Objekt in ein für die Stadtentwicklung förderliches Projekt einzubringen, „werden die Eigentümer bis zur Fertigstellung des Konzeptes auf einen möglichen Verkauf verzichten“, teilte er mit. Die Familie begrüße die mit dem Antrag angestoßene Initiative und öffne die Türen für Interessierte und Beteiligte des Konzeptentwicklungsprozesses.

Nach Konzeptfertigstellung könnte dann ein Erwerb durch unterschiedliche am Gemeinwohl interessierte Institutionen möglich werden. Ihrig wies darauf hin, dass dort bereits im vergangenen Jahr eine IGO-Veranstaltung durchgeführt wurde. Er postulierte die Idee eines „Kunst- und Kulturhauses Knoll“.

Das Augenmerk sollte insbesondere auf kulturelle und gemeinschaftsbildende Faktoren gelegt werden, so der SPD-Mann. Der Magistrat, so der Beschluss, soll die inhaltliche Ausgestaltung des Förderantrags in Abstimmung mit der IGO vornehmen und die erforderlichen Angebote bei Projektentwicklern einzuholen. Dabei sollen nach SPD-Wunsch vor allem solche Projektentwickler berücksichtigt werden, die sowohl auf öffentliche Beteiligungsprozesse als auch auf die Transformation von stadtbildprägendem Leerstand spezialisiert sind.

Die IGO-Förderung der Projektkosten ist Ihrig zufolge bis zu 20.000 Euro möglich. Davon müsste die Stadt 20 Prozent, also 4000 Euro, selbst tragen. „Eine einmalige Förderquote“, betonte er. „Wir sollten prüfen, was in dem Objekt möglich ist“, forderte der Fraktionsvorsitzende. Es sei gut, „einen Blick von außen zu bekommen“. Denn: „Wir müssten bei der Stadtentwicklung schon weiter sein.“

Wenn auch Chris Poffo (ÜWG), Oliver von Falkenburg (CDU) und Thomas Väth (Grüne) darauf hinwiesen, dass es einige weitere, in Frage kommende Objekte gebe, so stimmten sie diesem ersten Schritt zu. Denn Rüdiger Holschuh (SPD) hatte darauf hingewiesen, dass der jetzige Förderantrag „kein Gesamtkonzept ersetzen soll“. Denn da eben das fehlt, „wollen wir klein anfangen, ohne das große Rad zu drehen“.

Für Frank Leutz (FDP) ist es „absolut sinnvoll“, Planerangebote unter Nutzung der Förderung einzuholen. Er wies darauf hin, dass es im Gebäude auch drei Wohnungen gebe. Das Kaufhaus Knoll nannte er deshalb „finanziell interessant“, weil sich allein durch die Vermietung der Kaufpreis innerhalb einer überschaubaren Zeit amortisiere. Deshalb sollte man über einen Kauf nachdenken.