Evangelischer Kindergarten in Neckarsteinach brannte – keine Verletzten

Der evangelische Kindergarten war nicht mehr zu retten. Das einstöckige Gebäude im Rosenweg brannte in der Nacht zum Donnerstag nieder. Verletzte gab es keine. Über 100 Feuerwehrleute aus der gesamten Umgebung waren im Einsatz, die jedoch den Brandherd in einer Zwischendecke nicht richtig erreichen konnten. Deshalb wurde von den Verantwortlichen beschlossen, die „Schatzinsel“ kontrolliert abbrennen zu lassen. Der Schaden dürfte in den siebenstelligen Bereich gehen. Genaue Angaben – auch zur Brandursache – gab es allerdings noch nicht.

Wie Bürgermeister Herold Pfeifer sagte, wurde der Brand von einem vorbeilaufenden jungen Mann bemerkt, der sofort an einem Haus klingelte. Dessen Besitzer riefen dann die 112. Pfeifer, gerade bei einer Vorstandssitzung des Bürger- und Heimatvereins, eilte an den Brandort. Dort trafen dann nach und nach die Feuerwehren aus Neckarsteinach und den Stadtteilen, Hirschhorn, Schönau und Neckargemünd sowie der Messtrupp aus Wald-Michelbach ein. Die Eberbacher Brandschützer lösten gegen Morgen die Hirschhorner ab und überwachten das kontrollierte Abbrennen. Pfeifer lobte die „tolle Zusammenarbeit aller Wehren“.

Der Brand brach laut dem Bürgermeister gegen 19.30 Uhr in der Deckenkonstruktion zwischen Zimmerdecke und Dachhaut aus. „Das war nicht zu löschen“, sagte er. Pfeifer, Kreisbrandmeister Sven Falter, der stellvertretende Kreisbrandinspektor Werner Trares und Clemens Englmeier von der Brandschutzaufsicht des Regierungspräsidiums Darmstadt entschieden sich dann zusammen mit den Feuerwehr-Leitungen für ein kontrolliertes Abbrennen. „Zum Glück war es windstill und es gibt keine Häuser in der Nähe“, so Pfeifer.

Er betonte, dass die Abwägung aller Möglichkeiten ergab, dass Personal-, Material- und Wassereinsatz keine Wirkung gehabt hätten. Denn: „Das Wasser hätte den Brandherd nicht erreicht. Wir konnten das Gebäude nicht retten.“ Selbst jetzt seien noch Glutnester drin, sagte der Bürgermeister. Pfeifer hob hervor, dass bei einem Feuerausbruch im laufenden Kindergartenbetrieb genug Zeit gewesen wäre, alle Personen zu retten.

Die 42 Jahre alte Kindertagesstätte wurde in Holzständerbauweise errichtet. Sie wurde vor einigen Jahren saniert und brandschutzrechtlich auf den neusten Stand gebracht. Auch heutzutage würden Gebäude noch auf diese Weise errichtet. Baurechtlich sei alles in Ordnung, so der Rathauschef. Die Suche nach der Brandursache wurde von der Kripo übernommen.

Übergangsweise sind die 55 Kinder der dreigruppigen Einrichtung für zwei Tage im Martin-Luther-Haus untergebracht. Aktuell werden in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde alternative Standorte für die kommende Woche, erst einmal bis zu den Weihnachtsferien, gesucht. Pfeifer zeigte sich optimistisch, schnell sagen zu können, wie es weitergeht. „Wir sind dabei, eine Lösung für Eltern und Kinder zu finden“, betonte er.

Es gibt derzeit eine große Welle der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Wer etwas spenden möchte, solle sich unter E-Mail ev.kita.nst@gmail.com an die Kita-Leitung wenden, bat er. „Wir müssen das kanalisieren“, sagte der Bürgermeister. „Eine Garage ist schon voll.“ Am ehesten sei der Kirchengemeinde wahrscheinlich mit Geldspenden gedient, um Neues anschaffen zu können. Neben dem materiellen Schaden ist auch der ideelle kaum bezifferbar. Spielzeuge, Kuscheltiere oder gerade gebastelte Weihnachtsgeschenke verbrannten.

Info: Am Sonntag, 16. Dezember, findet um 10.30 Uhr ein Dankgottesdienst in der evangelischen Kirche Neckarsteinach statt, der auch der Aufarbeitung des Geschehenen dient. Zu ihm sind neben Eltern, Kindern und Angehörigen und auch Rettungskräfte eingeladen.

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Oberzent stellt sich mit großer Mehrheit gegen den Windkraft-Regionalplan

Die Windkraft ist in Oberzent derzeit immer für eine steife Diskussions-Brise gut. Wobei auf der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung dem stickigen Saal im Feuerwehrhaus ein frisches Lüftchen durchaus gut getan hätte. Die aktuelle Zielrichtung (fast) aller ist klar: Es geht gegen den Regionalplan Erneuerbare Energien, die am Freitag von der Regionalversammlung Südhessen beraten und beschlossen werden soll(te). Der scharfe Gegenwind aus dem Odenwald und festgestellter Nachbesserungsbedarf haben den Punkt allerdings zur Makulatur gemacht. 2018 herrscht noch Flaute.

Es ging jedoch nicht nur um den Regionalplanentwurf per se, sondern auch um die Resolution der Odenwaldkreis-Bürgermeister, die sich vehement gegen seine Umsetzung aussprechen. Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch hatte zu Beginn der Sitzung angeregt, dass sich Oberzent dieser Resolution anschließt. Damit setze die Stadt ein klares Zeichen gegen eine „Verspargelung“ der Landschaft, denn auf der Gemarkung sind einige Vorrangflächen vorgesehen.

Das fand bei allen Fraktionen Zuspruch – außer den Grünen. Diese monierten, dass man zu einer Vorlage Stellung beziehen sollte, die von der Tagesordnung der Regionalversammlung am Freitag genommen wurde. Rüdiger Holschuh (SPD) erläuterte, dass das Regierungspräsidium bei der Vorlage formale Fehler gemacht habe. Deshalb gebe es die Verschiebung ins kommende Jahr. Im Übrigen, sagte er, seien die dortigen Mitglieder in ihren Entscheidungen frei und nicht einem Fraktionszwang unterworfen.

Grünen-Sprecherin Elisabeth Bühler-Kowarsch verlieh der Diskussion einen grundsätzlichen Touch über die Energiewende an sich. Damit erzeugte sie viel Stirnrunzeln und auch schärfere Widerworte, die von Weyrauch mit Blick auf die späte Stunde aber eingedämmt wurden. Von Horst Kowarsch wurde das Gerichtsverfahren rund um den FNP als verloren angesehen, machte er auf Nachfrage deutlich. Denn der Ökopartei war von Frank Leutz (FDP) vorgeworfen worden, dass sie diesen bisher mitgetragen habe, aber sich jetzt davon distanziere.

Bühler-Kowarsch stellte den Kampf gegen den Klimawandel über alles. Dessen Auswirkungen seien immer mehr, auch auf lokaler Ebene, spürbar. Ihren Worten zufolge muss die Energiewende so schnell wie möglich kommen. „Alle wollen den Ausstieg (aus fossiler und Kernenergie), aber nicht vor der eigenen Haustür“, kritisierte sie. Als einen Teil davon sieht sie die Forcierung der Windkraft ohne Wenn und Aber.

Die Grünen-Sprecherin relativierte den Regionalplan dahingehend, dass ja nicht auf jeder Vorrangfläche gleich ein Windrad entstehe. Auch bedeuteten 3,74 Prozent Vorrangflächen im Kreisgebiet, dass der Rest ohne Rotoren bleibe. Deshalb sah sie „die immer wieder ins Spiel gebrachte Zahl von 400 Windrädern als komplett übertrieben an“.

Leutz vermochte die Argumentation nicht nachvollziehen. Ihm erschloss sich nicht, warum die Grünen jetzt gegen den zuvor mitgetragenen FNP argumentieren. „Indem man den Odenwald opfert, retten wir weder Fukushima (wo sich 2011 die Atomkatastrophe abspielte) noch die Welt“, sagte er. Brigitte Heckmann (SPD) wies darauf hin, dass der FNP mit „viel Geld und Gehirnschmalz“ erstellt wurde. „Wir haben uns Gedanken gemacht“, betonte sie.

Die Bevölkerung lässt es sich ihren Worten nach nicht gefallen, als Ersatz für den Taunus herzuhalten, „wo die wichtigen Landespolitiker wohnen und keine Windräder haben wollen“. Auch Oliver von Falkenburg (CDU) erkannte in den 3,7 Prozent Vorrangflächen eine „unverhältnismäßige Belastung des Odenwaldkreises“. Es sei nicht einzusehen, warum man hier über den Zwei-Prozent-Ziel liegen solle. Die Resolution wurde mit 30 Ja- gegen vier Nein-Stimmen der Grünen und Lothar Löll (Linke) angenommen.

Die Bürgermeister fordern in ihrer Resolution das Regierungspräsidium Darmstadt auf, den Odenwaldkreis-Windkraft-Flächennutzungsplan (FNP) zur Grundlage der weiteren Windkraft-Planungen zu machen. Er wird als vertretbarer Kompromiss zwischen Windenergie und dem Schutz von Landschaft und Natur angesehen. Sollte die Regionalversammlung aber für den Regionalplanentwurf in seiner jetzigen Form votieren, „werden wir unseren Parlamenten empfehlen, mit Unterstützung des Kreises dagegen mit einer Normenkontrollklage vorzugehen“. Und weiter: „Die Bürger wissen uns im Einsatz gegen zu viele Windkraftanlage im Odenwaldkreis an ihrer Seite.“

Meto feierte in Hirschhorn gleich zwei Jubiläen

Die Firma Meto hatte allen Grund zum Feiern. Das Traditionsunternehmen, weltweit für seine Lösungen zur Aus- und Kennzeichnung im Handel bekannt ist, feierte in familiärer Atmosphäre sein 100. Markenjubiläum. Zu den Gästen gehörten die rund 170 Mitarbeiter, Geschäftspartner und Kunden. Es war eine Feier, die zwei runden Geburtstagen würdig war. Denn zusätzlich wurde das 50-jährige Bestehen der Etikettenproduktion begangen. Nach dem offiziellen Teil konnten die Gäste in der „Meto-Challenge“ ihr Geschick unter Beweis stellen.

Zum Auftakt wandte sich Geschäftsführer Peter Sperl an die Gäste, um sich bei ihnen für ihr Kommen zu bedanken. Und weil zu einem Geburtstag nicht nur Gratulanten, sondern auch zumeist Geschenke gehören, hatte er eine besondere Bitte. „Wir wollen in dieser Stunde an die Schwächsten unserer Gesellschaft denken“, betonte Sperl. „Deshalb bitten wir unsere Gäste, von Geschenken abzusehen und stattdessen an das Kinder-Palliativteam Rhein-Neckar zu spenden.“

In einem Jahrhundert passiert eine Menge. So führte im Anschluss Marketing-Manager Klaus-Jürgen Ehret in einer kurzweiligen, informativen und emotionalen Rede durch die 100-jährige Geschichte. Seine Ansprache vermittelte einen interessanten Überblick über die Meilensteine des Unternehmens und war gespickt mit historischen Informationen zur allgemeinen Zeitgeschichte. Ehret brachte außerdem persönliche Erinnerungen und die nötige Prise Humor mit ein.

Die Kantine des Unternehmens hatte sich für das Fest in eine Mischung aus Museum und Messe verwandelt. Die Gäste konnten an Ständen Networking betreiben sowie sich über Neuheiten informieren und austauschen. Zudem hatten die Veranstalter die Geschichte des Konzerns in einer kleinen Ausstellung aufbereitet. In Vitrinen machten Sammelstücke die Geschichte greifbar.

Weil Meto nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber, sondern auch ein Wirtschaftsmotor der Region ist, gratulierte auch der Hirschhorner Bürgermeister Oliver Berthold. Er hatte nicht nur zwei Handauszeichner aus der Meto-Geschichte dabei, sondern überreichte Peter Sperl auch zwei Flaschen Wein.

Danach waren die Gäste gefragt. In verschiedenen Disziplinen konnten Interessierte ihr Können unter Beweis stellen. Dazu gehörten Seifenkisten-Rennen, Hau-den-Lukas und Golf. Selbstverständlich durfte auch ein Geschicklichkeitstest in Form von Etikettieren mit dem Handauszeichner nicht fehlen. Für jede durchlaufene Station konnte man ein Etikett auf einer Sammelkarte erhalten, welche im Anschluss gegen einen Preis getauscht wurde.

Meto-Info

Die Firma Meto International ist ein weltweit führender Anbieter von Aus- und Kennzeichnungslösungen für den Handel und dessen Lieferkette. Meto entwickelt, produziert und vertreibt eine Vielzahl an Etikettenlösungen. Ergänzend bietet das Unternehmen kosteneffiziente Lösungen zur Frischwarenauszeichnung, Befestigungslösungen zur elektronischen Preisauszeichnung sowie Verkaufsförderungslösungen an. Viele der entwickelten Auszeichnungs- und Absatzförderungslösungen gehören heute zum Standard im Handel. Dazu zählen der erste Handauszeichner (1959), das Wellenrandetikett mit Sicherheitsschnitt (1968) sowie verschiedener Preiskassetten und -displays.

Der Betrieb wurde 1918 von Adolf Metzger und Oskar Kind in Köln gegründet. Seit 2016 gehört Meto zu CCL Industries Inc., ein Marktführer für Etiketten- und Verpackungslösungen für Unternehmen und Verbraucher, und wird dort als eigenständige Gesellschaft in der CCL-Sparte Avery geführt. Sitz der europäischen Meto-Zentrale, Produktion und Lager ist Hirschhorn.

Nacht der offenen Kirchen am 29. September in Hirschhorn

Mit einem neuen Konzept startet die dritte ökumenische „Nacht der offenen Kirchen“ am Samstag, 29. September, in Hirschhorn. Die Teilnehmer werden auf eine kleine Rundreise mitgenommen. Die zeitlich aufeinander abgestimmten Programmpunkte machen es möglich. Als Motto wählten die Organisatoren, zu denen die evangelische und katholische Kirchengemeinde Hirschhorns gehören, „Wie im Himmel so auf Erden“ aus. Es geht um das Vaterunser. Die acht Bitten des Vaterunsers werden musikalisch und mit Texten auf verschiedene Stationen aufgeteilt.

Den Anfang macht um 18 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der Ersheimer Kapelle. Die erste Station „Vater – Unser Abba“ ist um 18.40 Uhr vor der Kapelle, die zweite, „Geheiligt werde dein Name“, um 19.10 Uhr auf dem Park-/Spielplatz in der Ersheimer Straße und die dritte, „Dein Reich komme“, um 19.40 Uhr am Schiffermast bei der Neckarbrücke.

Danach geht es hoch in die Klosterkirche auf der anderen Neckarseite. „Dein Wille geschehe“ wird dort ab 20.20 Uhr umrahmt mit den schönen Stimmen von Jugendchors und Band. Danach geht es wieder den Berg hinunter zur fünften Station, „Unser tägliches Brot gib uns heute“, die um 21.20 Uhr am Kreuz vor der Pfarrkirche gestaltet wird. Die Gläubigen gehen dann durch die Hauptstraße zur evangelischen Kirche. Dort beginnt um 22 Uhr die sechste Station „Und vergib uns unsere Schuld“.

Danach trifft man sich wieder vor der katholischen Pfarrkirche, im Hause des „Vaters“ angekommen. „Und führe uns nicht in Versuchung“ sowie „Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“ sind die siebte und achte Station. Zu den Klängen der katholischen Kirchenmusik wird hier um 23 Uhr ein Herz aus vielen brennenden Kerzen gelegt. Es soll ausdrücken, dass viele Hoffnungslichter ein strahlendes Licht ergeben.

Auch wird an dieser Stelle eine kleine Stärkung angeboten, bis es dann zum Abschluss in die katholische Pfarrkirche geht. Zur Erholung gibt es dort ab 23.45 Uhr erst einmal was zum Lachen. Allerdings ist danach um 0.20 Uhr „Gänsehaut“ angesagt, denn es folgt das Mysterienspiel „Totentanz“. Das Spiel will zeigen, dass alle – ob reich oder arm – letztendlich den gleichen Weg gehen müssen. Zum Schluss sind die Teilnehmer um 1 Uhr mit dem Segen zur Nacht zum Brotbrechen und zu einem Glas Wein eingeladen.

Info: Interessierte können den ganzen Meditationsweg mitgehen, haben aber auch die Möglichkeit, nur bei einzelnen Stationen des Vaterunsers mitzumachen. Flyer mit dem gesamten Programmablauf und dem Meditationsweg liegen in den Kirchen und an verschiedenen anderen Stellen der Stadt aus. Gut wäre es, eine Taschenlampe mitzubringen. Sollte es regnen, werden die Außentermine in Ersheim in die Kapelle verlegt, die vor der Pfarrkirche in diese selbst. Ein schönes Kinderproramm wird ab 18.30 in der katholischen Pfarrkirche angeboten. Außerdem erwartet die Gäste eine interessante Ausstellung zum Vaterunser.

Großer Zuspruch für den Kunsthandwerkermarkt der Schreinerei Bellut in Airlenbach

„Die Kunden warten schon immer sehnsüchtig darauf“, freut sich Jürgen Bellut. Sie kommen dann immer gern in großer Zahl zum Kunsthandwerkermarkt vorbei, den die Schreinerei jetzt zum achten Mal veranstaltete. Künstler auf dem Odenwald zeigen hier ihre Arbeit quasi „zum Anfassen“ und haben ihre schönsten Exponate eingepackt. Die Dorfgemeinschaft Airlenbach kümmert sich darum, dass auch das Lukullische zu seinem Recht kommt.

Lederarbeiten, Messer, Porzellan, Drechselwaren, Kunstglaserei, Rasenkunst, Näh- und Schnitzarbeiten, Seife oder Gefilztes: Die Angebotspalette war groß, die Zahl der Besucher auch. Im Laufe des Mittags füllt sich der Innenhof zwischen den Schreinereigebäuden immer mehr, sodass sich sowohl der 58-jährige Jürgen Bellut als auch sein designierter Nachfolger, der 24-jährige Mitgeschäftsführer Moritz Schuhmacher, über den guten Zuspruch freuen. Immer wieder wird auch fachliche Beratung zum Möbel- und Treppenbau sowie zum gesunden Schlafen nachgefragt.

Für seine Lederwaren hat Frank Derikatz aus Wald-Michelbach ganz hohe Qualitätsansprüche. Alles wird so weit wie möglich in Handarbeit hergestellt. Der 55-Jährige kennt seine Produzenten genau, weiß, woher sein Leder kommt, sucht sich die Gerberei akribisch aus, bei der er die benötigte Rohware kauft. Was Derikatz darüber hinaus benötigt, findet sich vielleicht sogar auf dem eigenen Grundstück. Wie etwa das Wachs für den Leinenzwirn, das die eigenen Bienenvölker liefern. Genäht wird ausschließlich mit Leinenzwirn, nicht mit Polyester.

Mit Produkten aus dem Hammelbacher Imasgo-Atelier des Vereins „Christen für Afrika“ ist Martine Rüdinger dabei. Der Erlös der Produkte aus Burkina Faso geht direkt wieder an die Menschen vor Ort, damit sich diese ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können. „Wir kaufen Stoff für einen Schneider in Imasgo“, so Rüdinger. Der näht dann Kleider auf Bestellung, bekommt seinen Lohn dafür und kann damit einen Teil seines Lebensunterhalts bestreiten. Unter den Waren sind auch afrikanische Tiere aus Ebenholz oder Kaïcedra, von den Dorfbewohnern hergestellter Schmuck aus Glas, Papier, Horn und Stoff oder filigrane Basteleien in Form von Autos oder Fahrrädern aus alten Blechdosen.

Thomas Weiterschan aus Forstel bei Höchst schnitzt schon 25 Jahre „Feine Wesen“ aus Holz. Seine Arbeiten entwickeln sich aus der Vorstellung heraus, „was zum Holz passt“. Aus einem Eichenbalken entsteht etwa eine Schleiereule. „Ein Kamel wäre unpassend“, schmunzelt er. Material ist für den Diplom-Designer manchmal auch Inhalt. Früher waren es vor allem Eulen, die unter seinen Händen entstanden, heute haben sich die Werke Richtung Naturgeister wie Feen oder Engel verlagert.

Peter Hermans beschäftigt sich seit 20 Jahren im Lindenfelser Stadtteil Winterkasten mit Kunstglaserei. Den im Stand hängenden Drachen malte er auf Glas, „bevor es das Drachenmuseum gab“, lächelt der Künstler. „Die Leute kommen mit ihren Vorstellungen zu mir und ich setze diese um“, beschreibt er einen Gutteil seiner Arbeit. Da passt es, dass seine Frau Jeanne Kloepfer als Illustratorin für die perfekten Entwürfe sorgt. Hermans ist wieder bei der Weihnachtsausstellung in Michelstadt anzutreffen.

Schreibgeräte, Gewürzmühlen und Holzgefäße hat Thomas Sauer aus Wahlen mitgebracht. Einheimische Obsthölzer wie Birne, Kirsche oder Zwetschge verwendet er ebenso für seine Arbeiten wie Eiche, Esche und Ulme. Seine Gewürzmühlen „sind der Renner“, freut er sich. Die Käufer kommen von weit her, um die filigran selbst gedrechselten Schmuckstücke zu erwerben. Sie können ihm auch bei der Herstellung zuschauen, als die Späne nur so fliegen.

Dorothee Flachs aus Hirschhorn stellt all ihre Kreationen selbst in ihrer Hirschhorner Werkstatt „Midlandfilz“ her. Filztiere wie Frösche, Hasen oder Katzen als Kantenhocker sowie Gartenstecker in Form von Mohnkapseln – natürlich mit einem Filzkopf – hat sie dieses Mal neu dabei. „Filz ist wasserabweisend“, erläutert sie. Es ist eher die Sonne, die das Material beeinträchtigen kann und ausbleichen lässt. Auch handgefärbte Schals aus Wolle und Seide ziehen die Blicke auf sich.

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2018/09/10/grosser-zuspruch-fuer-den-kunsthandwerkermarkt-der-schreinerei-bellut-in-airlenbach/Schreinerei Bellut

Posted by Thomas Wilken on Monday, September 10, 2018

Hirschhorner „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ Carl Langbeins als „Museum des Monats August“ ausgezeichnet

Der hessische Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein war sichtlich angetan: „Alle Achtung“ und „super spannend“ war von ihm zu hören, als ihm Hans-Jürgen Waibel im Schnelldurchlauf das Langbein-Museum, die „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ von Carl Langbein (1816-1881), zeigte. In das war der Minister gekommen, um es als „Museum des Monats August“ auszuzeichnen und mit einem Preisgeld von 1000 Euro zu würdigen. Die Hirschhorner Sammlung der Exponate von Carl Langbein ist hessenweit das dritte in dieser Form ausgezeichnete Museum, im südhessischen Raum sogar das erste.

Es sind nicht nur die großen, bekannten Einrichtungen, die das kulturelle Leben im Bundesland prägen, betonte Rhein. Die Kulturlandschaft lebe auch von den kleinen Perlen auf dem Land, „die oft von Ehrenamtlichen betreut werden“, so der Minister. Um die dort geleistete Arbeit hervorzuheben, sei die Auszeichnung „Museum des Monats“ ins Leben gerufen worden.

Mitarbeit gab es im Vorfeld auch aus Hirschhorn selbst und dem Kreis Bergstraße, erläuterte der Minister. So wirkte an der Idee bereits die frühere Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Ilona Dörr mit, an der Entwicklung waren der ehemalige MdL Peter Stephan und seine Nachfolgerin Birgit Heitland beteiligt. „Wir arbeiten nicht einfach die Liste der Museen ab“, betonte Rhein. Vielmehr wird Wert auf gewisse Standards, das öffentliche Interesse und die Form der Präsentation gelegt. Letztere „ist beeindruckend“, attestierte der Besucher aus Wiesbaden dem Hirschhorner Kleinod.

In der „Wunderkammer“ Langbeins herrsche trotzdem museale Ordnung, sagte Rhein. Das Gebäude mitsamt den Museumsräumen wurde „auf besondere Weise saniert“, meinte er. Das koste eine Stadt natürlich Geld – bei sowieso knappen Mitteln. Der tägliche Betrieb „wird durch Menschen im Ehrenamt gestemmt“. Genau das mache die Einrichtungen vor Ort so spannend: „dass sie von denjenigen geführt werden, die sich am besten auskennen“.

Bei der Übergabe der Urkunde und des Preises an die zweite Vorsitzende des Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum, Aloisia Sauer, wies diese auf die segensreiche Arbeit des kürzlich verstorbenen Vorsitzenden Ulrich Spiegelberg hin. Immer wieder wurde von den Rednern betont, welch großen Anteil der Heimatkundler am Entstehen der Ausstellung in dieser Form hatte und wie viel Herzblut er einbrachte.

Sauer wies auf den Audioguide als Besonderheit hin. Besucher können sich über diesen fast jedes Exponat erläutern lassen. „Das war ein besonderes Steckenpferd von Uli Spiegelberg“, betonte sie. Die Kinderspur wurde von Kindern gesprochen, „die noch gar nicht lesen konnten“, ergänzte Waibel. Er war es auch, der dem Gast aus Wiesbaden dann einige Exponate näher brachte und mit viel Witz die interessanten Aspekte aus dem einen oder anderen Stück herauskitzelte.

Ob es nun Tisch und Stühle im Eingangsbereich waren, die von dem Karmelitermönchen hergestellt wurden und in deren Besitz Langbein kam, der Hirsch ohne Geweih an der Wand (auch „Mönch“ genannt), das alte Gasthausschild des „Ochsen“, die „Carlsburg“ oder das Allsehende Auge: Waibel wusste zu allem etwas aus seinem profunden Wissensschatz beizutragen, den er sich in langen Jahren aneignete.

Bürgermeister Oliver Berthold freute sich, dass Hirschhorn zu den ersten Museen in Hessen gehört, die diese Auszeichnung erhalten. Dies trage dazu bei, dass die Stadt in einer hessischen Randregion stärker wahrgenommen werde. Er lobte die „Begeisterung für dieses Haus“ bei den Ehrenamtlichen. Der Bürgermeister erhoffte sich eine lange Fortsetzung des Engagements.

1806 wurde das heutige Museumsgebäude als Forstamt errichtet. Skurrile, anrührende und wertvolle Exponate befinden sich dort. Bekannt ist Langbeins „Naturalist“ durch die Schilderung in Mark Twains „Bummel durch Europa“, als dieser dort 1878 übernachtete und sich nachts Auge in Auge mit einer ausgestopften Eule sah. Denn die Tierpräparation war ein Steckenpferd des Gastwirts. Skulpturen, Gemälde, Grafiken, Möbel, Kleidung, Trachten, Harnische, Ritterhelme, Münzen und, und, und: Langbeins Sammelwut kannte keine Grenzen.

Info: Langbein-Museum, Alleeweg 2, 69434 Hirschhorn, www.museum-hirschhorn.de, Telefon  06272-1742, geöffnet Mittwoch bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr, Sonntag 15 bis 17 Uhr. Anlässlich des Hirschhorner Ritterfests am 1. (15 bis 19 Uhr) und 2. September (14 bis 18 Uhr) gibt es Sonderöffnungszeiten.

 

Carl Langbein (1816-1881)

  • 1816 geboren als Sohn des Hirschhorner Bürgermeisters Franz Langbein
  • 1840 übernahm er den elterlichen Gasthof „Zum Ochsen“
  • 1854 übernahm er den „Darmstädter Hof“ und machte daraus das Gasthaus „Zum Naturalisten“. Das Sammeln von wertvollen „Alterthümern“ hatte er zu dieser Zeit schon längst begonnen
  • 1858 erfolgte Heirat mit Marie, die Ehe blieb kinderlos. Seine Frau führte mit Langbeins Schwester Ida den Gasthof
  • 1881 verstarb er, ohne dass seine Sammlung katalogisiert worden wäre.

Da stecken Emotionen in den Autos: Treffen der Italo-Freunde Rhein-Main

Sie alle eint die Liebe zu den italienischen Autos, ob es jetzt der Fiat 500 oder der Lamborghini ist: Zum fünften Mal trafen sich auf Einladung der Italo-Freunde Rhein-Main nicht nur „Ferraristi“, sondern auch viele „Fiatisti“. Zum vierten Mal geschah dies auf dem Wiesenmarkt-Gelände in Erbach. 113 Fahrer mit ihren Karossen zählte das Orga-Team um den Vorsitzenden Timo Wahler. „Das sind Emotionen, die in den Autos stecken“, erläutert der 28-jährige Weinheimer die Faszination der Fahrzeuge vom Stiefel.

Seitdem sich die Italo-Freunde das erste Mal vor vier Jahren in Heppenheim trafen, „ist die Besucherzahl sehr konstant“, freut sich Wahler. Dazu kommen immer ein paar Interessierte aus der Region, die sich den Blick auf liebevoll gepflegte und gestylte Autos und dazu noch ein paar schicke Flitzer nicht entgehen lassen wollen. Um die 200 „Erbäscher“ dürften es wohl dieses Jahr gewesen sein, schätzt der Vorsitzende.

Sie hatten eindeutig den kürzesten Anfahrtsweg. Den weitesten dürften mit Abstand drei Briten auf sich genommen haben. „1180 Kilometer“, meint Wahler bewundernd. Die Italo-Auto-Liebhaber organisierten sich übers soziale Netzwerk und traten dann gemeinsam den Weg in den Odenwald an. Dort trafen sie auf Teilnehmer des angrenzenden europäischen Auslands wie Österreich, Schweiz oder Frankreich, vor allem aber auf Fahrer aus allen Ecken und Enden Deutschlands. Aus Italien war allerdings noch niemand dabei, sagt Wahler bedauernd. Jedoch natürlich hierzulande lebende Italiener.

Ruhrpott, Bayern oder der Norden: Den Fahrern sind keine Mühen zu viel und keine Straßen zu weit, um einen Tag unter Gleichgesinnten zu verbringen, erläutert der IG-Vorsitzende. Da wird dann über die eigenen und anderen Vehikel gefachsimpelt, gibt es viele Benzingespräche. „Es ist sehr familiär“, betont Wahler. Jeder kennt quasi jeden, meint er, denn es gibt nur fünf größere italienische Autoclubs in Deutschland. „Die kommen dann immer wechselseitig auf die Treffen.“ Grande Famiglia sozusagen.

Natürlich richten sich die Blicke der Fans auf die roten und gelben Rennwagen wie Ferrari und Lamborghini, die Prachtexemplare der italienischen Autobauerkunst. „Doch auch Serienfahrzeuge sind gerne gesehen“, hebt Wahler hervor. Diese machen in Gestalt von Fiat, Lancia oder Alfa Romeo sowieso die große Mehrzahl der Besucherautos aus. Natürlich bleibt die neue Giulia-Sportvariante mit 510 PS nicht unbeobachtet.

„Fare una bella figura“ gilt ebenso für Autos. Wer will nicht gut aussehen. Bei der Prämierung der 25 schönsten Teilnehmer-Untersätze gewann ein Fiat Grande Punto mit vergoldeten Applikationen, Flügeltüren oder angepassten Giuletta-Scheinwerfern, schwärmt der Vorsitzende. Ein blauer Fiat Coupé und ein weißer Stilo landen auf den Plätzen. Bestes Race-Car wird ein Punto Abarth, als schönster Oldtimer wird ein Fiat Uno ausgezeichnet.

Gewertet wird auch die Musikanlage nach Klang und Optik, es gibt eine dB-Messung der Subwoofer und eine Auspuffmessung unterteilt nach Turbo- und Saugmotoren. Ein Lackaufbereiter beseitigt vor Ort Dellen, ein Folierer steht mit Rat und Tat zur Seite. Dazu Foodtrucks, Hüpfburg, XXL-Dart, Tombola: Es ist ein großes Happening für die ganze Familie.

Die Rhein-Main-Italos bekamen auf ihre Veranstaltung ein sehr positives Feedback, freut sich ihr Vorsitzender. „Den befreundeten Clubs hat es super gefallen“, bilanziert er. „Die freuen sich schon auf eine Fortsetzung.“ Denn die Liebhaber der diversen Karossen sind über ganz Deutschland verteilt und nutzen die Treffen, um sich auszutauschen oder Ideen und Anregungen für die Optimierung der eigenen Fahrzeuge zu holen.

„Als Italo-Fahrer sind wir eine Randgruppe“, meint Wahler schmunzelnd. Die Szene ist überschaubar, kennt sich aber dafür umso besser. Die Modelle vom Stiefel „sieht man außer dem Fiat Panda oder 500 nicht so häufig auf den Straßen“. Ein echter Liebhaber „gibt seinen Wagen trotz aller Problemchen nicht her“, weiß der Vorsitzende. Früher etwas verschrieen für ihre Reparatur-Anfälligkeit, „hat die Zuverlässigkeit der Autos wesentlich zugenommen“, sagt er.

Die Mitglieder der Italo-Freunde kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Neckar-Gebiet von Heidelberg bis Frankfurt über die Bergstraße bin hinein in den Odenwald. Derzeit sind etwa 15 Freunde der italienischen Fahrzeuge in der IG organisiert. Timo Wahler aus Weinheim leitet den seit 2012 existierenden Club seit seiner Gründung. „Bei mir ging es 2008 direkt nach dem Führerschein los“, sagt er über seine Leidenschaft. „Mein erstes Auto war ein Fiat Seicento und gab den Startschuss für diese Vorliebe.“ Derzeit hat er zwei Autos vom Stiefel: einen Fiat Bravo Baujahr 2007 und eine Alfa Romeo Giuletta von 2014. „Solange es Modelle gibt, die mir zusagen, gibt es keinen Grund zum Wechseln“, betont Wahler. „Meine Frau kann fahren was sie will“, grinst er.

Bild: Exost Photography