Viel Andrang beim Oktoberfest der Freiwilligen Feuerwehr Hirschhorn

Nach einem schleppenden Beginn verzeichnete die Hirschhorner Feuerwehr doch noch einen schönen Erfolg ihres Oktoberfests. Dirndl und Krachlederne waren bei den Brandschützern Trumpf, während bei den Gästen überwiegend Alltagskleidung vorherrschte. Die säumten nach der Mittagszeit, als der Nebel der wärmenden Oktobersonne Platz gemacht hatte, in großen Mengen die Sitzgelegenheiten.

Ein Jahr hatten die Floriansjünger wegen des Umbaus des Feuerwehrgerätehauses in der Hainbrunner Straße mit dem Fest pausiert. Eigentlich wollte man dieses gleich zusammen mit dem Florianstag einweihen. Doch beim Bau „ist leider kein Ende in Sicht“, bedauerte Vereinsvorsitzender Tim Pfisterer. Das Geld der Stadt ist alle. In einer Schauübung wurde am Nachmittag die Bekämpfung eines Wohnungsbrands im Nachbargebäude simuliert.

Bereits am Abend vorher war die Backdraft-Party in der großen Fahrzeughalle gut besucht. Der nächste Morgen startete erfreulich: Die Feuerwehrleute nahmen offiziell ihr neues Fahrzeug, ein LF 10 KatS, zusammen mit dem Rüstwagen in Betrieb. Die Übergabe geschah durch den Ersten Stadtrat Karlheinz Happes. Neben den vielen befreundeten Wehren aus der Umgebung (Brombach, Kortelshütte, Neckarhausen und Langenthal) freute man sich besonders über den Besuch der Kollegen aus Hirschhorn in Niederbayern, die traditionell jedes Jahr zum Oktoberfest vorbeikommen.

Fürs leibliche Wohl war naturgemäß die Auswahl groß. Bereits zwei Tage vorher hatten sich Aktive aus Einsatzabteilung und Verein an die Vorbereitung gemacht. „Der Aufwand hat sich gelohnt“, brachte Pfisterer seinen Dank an die Helfer zum Ausdruck. Weißwürste und Fleischpflanzerl zur Maß Bier, aber auch Flammkuchen von der Jugendfeuerwehr oder Waffeln von den Bambini mundeten bestens. Für die Kinder stand eine Hüpfburg bereits. Auf große Nachfragen stießen die traditionellen Rundfahrten mit den Feuerwehrfahrzeugen.

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Cantautore Roberto Tardito macht mit neuem Programm am 27. Oktober Station bei der Kunstpflege in Hirschhorn

Der international renommierte italienische Cantautore Roberto Tardito macht auf seiner Europa- und Amerika-Tour auch Station in Hirschhorn-Langenthal. Dort ist er am Freitag, 27. Oktober, um 20 Uhr im Atelier Enno Folkerts in der Wald-Michelbacher Straße 2 (Alte Pappenfabrik Mayr) zu Gast. Die Kunstpflege Hirschhorn freut sich besonders darüber, dass Tardito die diesjährige Reihe der Atelierkonzerte abschließen wird. Sein Auftritt 2016 war eines der Highlights im letzten Jahr.

Roberto Tardito ist mit einem neuen Programm auf Tournee, die ihn bis Ende kommenden Jahres durch die Schweiz, durch Österreich, Frankreich, Belgien, England, Schottland, den USA und Kanada führen wird. In Deutschland gibt es einige wenige Stationen wie in Halle, Berlin und Frankfurt. Deshalb ist der Verein stolz, dass ein Auftrittsort nach Städten wie Aberdeen, Edinburgh, Liverpool oder London auch Hirschhorn sein wird.

Der Singer-Songwriter Tardito lebt seine manchmal poetischen, manchmal aber auch gesellschaftskritischen Songs. Nur mit seiner akustischen Gitarre, teilweise auch sich selbst auf der Mundharmonika begleitend – siehe Bob Dylan, mit dem er oft verglichen wird -, philosophiert er über den Sinn des Lebens, die vielen Verbote im täglichen Einerlei, das fehlende Engagement in der Gesellschaft. Eben die klassischen Liedermacher-Themen, die man dem völlig in seine Musik vertieften Italiener sofort abnimmt. Wie im vergangenen Jahr gibt es fürs Publikum wieder eine Übersetzung seiner Text vor dem jeweiligen Lied.

„Se fossi Dylan“, „Wenn ich Dylan wäre“, heißt eine CD von Roberto Tardito. Und wirklich lassen sich einige Parallelen zwischen dem italienischen „Cantautore“, wie die Liedermacher im Süden genannt werden, und dem amerikanischen Nobelpreisträger finden. Allerdings ist das Italienisch des aus dem Piemont stammenden Tardito eindeutig besser verständlich als das Genuschel des US-Poeten Bob Dylan.

Über den Kortelshütter Musiker Heiko Plank kam der Kontakt Tarditos zur Kunstpflege Hirschhorn zustande. Auf deren Einladung spielt der sympathische 33-Jährige jetzt eines seiner wenigen Deutschland-Konzerte. Seine raue und sehr einfühlsame Stimme liegt irgendwo zwischen Angelo Branduardi und Paolo Conte. Er ist in seiner Musik immer auf der Suche nach Berührungspunkten zwischen den Kulturen und den verschiedenen musikalischen Traditionen. Tardito singt Balladen und Revolutionslieder, aber auch populäre Songs aus der ganzen Welt. Seine Texte sind voller Reife und Aussagekraft, wie sie in der Tradition eines Hannes Wader, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker zu finden sind.

Um auch weiterhin die Konzerte bei freiem Eintritt ermöglichen zu können (ein freiwilliger Obolus für den Kulturbeutel ist allerdings auch immer willkommen), bietet der Maler Enno Folkerts zehn sehr dekorative Siebdrucke zum Kauf an. Jeweils fünf von zwei Motiven aus seiner Fensterserie zum Mindestpreis von 100 Euro. Die Auflage beträgt je 40 Stück, nummeriert und signiert, ohne Rahmen. Weitere Infos unter E-Mail erhard.folkerts@web.de.

 

Arbeitskreis kümmert sich jetzt um die interkommunale Zusammenarbeit zwischen Hirschhorn und Neckarsteinach

Ein Arbeitskreis soll die weitere interkommunale Zusammenarbeit der beiden hessischen Neckartalstädte koordinieren. Er löst damit den bisherigen, gemeinsam tagenden Ausschuss aus Neckarsteinach und Hirschhorn ab, der bisher drei Mal zusammenkam. Weiterhin wurde beschlossen, dass es spätestens ab dem 1. Januar 2019 ein gemeinsames Mitteilungsblatt für beide Städte geben soll.

Da Ausschuss für Stadtentwicklung (AfS) in Hirschhorn sowie Haupt- und Finanzausschuss in Neckarsteinach beratende Funktion haben, müssen die Beschlüsse noch durch die jeweilige Stadtverordneten-Versammlung. Was aber bei einstimmigen Entscheidungen eine Formsache sein dürfte. Überhaupt war die Versammlung von viel Einmütigkeit geprägt.

Die Einrichtung des Arbeitskreises geschah auf CDU-Antrag hin. Er soll zwölf Mitglieder haben, neben Bürgermeistern und Stadtverordneten-Vorstehern auch die jeweiligen Fraktionsvorsitzenden – oder jeweilige Vertreter. Dazu ist ein externer Berater angedacht. Man verspricht sich von der Verlagerung weg vom Ausschuss eine effektivere Arbeitsweise in kleinem Kreis, in dem auch mal offen Themen angesprochen werden können, die nicht gleich in die Öffentlichkeit sollen. Wobei abstimmungsfähige Ergebnisse auf die nächste Sitzung des jeweiligen Ausschusses kommen sollen.

Ein konkreter Zeitplan wurde noch nicht erstellt. Die Einladungen sollen den jeweiligen Stavo-Vorstehern vorbehalten bleiben, denn die Sitzungen finden abwechselnd in den Orten statt. Von den Mandatsträgern kamen durchweg positive Rückmeldungen. Gleichzeitig wurde aber deutlich gemacht, dass es auch von ihnen selbst abhängt, dass Bewegung in die Sache kommt. Aktuelle Themen können im Arbeitskreis schneller aufgegriffen werden, wurde als Vorteil herausgestellt. Und jeder kann so reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

In der Diskussion wurde mit Blick auf die Fusion in der benachbarten Oberzent aber auch klar, dass noch viel Wasser den Neckar hinunterlaufen wird, bis die beiden Städte in die Nähe eines Gemeindeverwaltungsverbands oder gar Zusammenschlusses kommen. Im südlichen Odenwaldkreis gab es eine Vorlaufzeit von etwa zehn Jahren, weshalb ein oder zwei Jahre am Neckar für den gleichen Prozess ziemlich unwahrscheinlich sein dürften. Zu viele kleine und große Dinge gilt es im Vorfeld noch zu klären.

Ein Punkt wurde nun bereits konkret angegangen. Spätestens zum 1. Januar 2019 soll es ein gemeinsames Mitteilungsblatt geben. Die Verzögerung ergibt sich dadurch, dass Neckarsteinach im kommenden Jahr noch vertraglich gebunden ist. Man will aber versuchen, früher zu Potte zu kommen. Die genauen Modalitäten müssen noch ausgearbeitet werden. Denn in Hirschhorn wurde der Stadtanzeiger bislang kostenlos haushaltsdeckend verteilt. In Neckarsteinach geschah dies auf Abo-Basis für eine jährliche Gebühr.

In Hirschhorn wäre man nicht glücklich damit, nun von den Bürgern Geld verlangen zu müssen. Andererseits gab es schon bisher mit Rothenberg ein gesplittetes Modell, bei dem die interessierten Leser des Höhendorfs bezahlen mussten. Denn letztendlich ist eine kostenlose Verteilung auch eine Geldfrage, wurde deutlich. In der künftigen Stadt Oberzent kostet das Amtsblatt in einer Auflage von 5400 Stück (haushaltsdeckend) 30.000 Euro im Jahr. Es wird dort kostenlos abgegeben.

Sowohl diese unterschiedlichen Modelle als auch andere Details wie Umfang, Kosten für die Stadt, Farbe oder Online-Verfügbarkeit müssen nun unter einen Hut gebracht werden. Eine erste Abfrage bei fünf Verlagen führte noch nicht zu wirklich belastbaren Ergebnissen. Zu viele Details waren noch unklar, weshalb die Verwaltung den Auftrag bekam, anhand von konkreten Vorgaben neue Verhandlungen aufzunehmen.

Drei Gebäude in Hirschhorn repräsentieren die alte „Macht und Pracht“

„Macht und Pracht“ hieß das Motto beim diesjährigen Tag des offenen Denkmals. Und von beidem gibt es in Hirschhorn mit seiner reichen Geschichte genug. Schloss, Mitteltorturm und Langbein-Museum standen im Mittelpunkt der Aktionen, zu denen der Altstadtverein eingeladen hatte. Während es auf dem Schloss eine Führung gab, war das Museum als ehemaliges großherzogliches hessisches Forstamt mit seiner „Alterthümer- und Naturaliensammlung“ von Carl Langbein ebenso geöffnet wie der Turm, in dem Exponate aus der 50-jährigen Schaffensperiode von Ludwig Schmeisser zu sehen waren.

Der Vorsitzende des Altstadtvereins, Rainer Lange, eröffnete im Langbein-Museum den Aktionstag. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler an der Gitarre. Es ist laut Lange „eine schöne Tradition“, dass sich der Verein jedes Jahr einbringt. Er bezeichnete es ebenso als „Herausforderung“, immer dem zentralen Motto zu entsprechen. Die Idee hinter „Macht und Pracht“ sei die Demonstration nach außen, aber auch der Schutz nach innen gewesen.

Gerade das Hirschhorner Schloss „repräsentiert das Motto sehr treffend“, meinte Lange. Im Mitteltorturm könne man eine schöpferische Reise durch das Wirken von Schmeisser im vergangenen halben Jahrhundert unternehmen – passend zum dessen 70. Geburtstag in diesem Jahr. Im und um das Museum lasse sich die Pracht des früheren Forstamts in Gebäude und Garten erahnen.

Schmeisser sah das Thema des Tages „für Hirschhorn von herausragender Bedeutung“. Er bezeichnete es als außergewöhnlich, dass der Mitteltorturm als Teil der alten Stadtmauer noch erhalten sei. Dies geschah durch den „Funktionswandel“ von einem Wehr- zum späteren Kirchturm. In dieser Form könnten sich Macht und Pracht auch verschieben, betonte er. Alte Gebäude würden so belebt und lebten weiter.

Es sei für ihre Erhaltung ein großes Engagement nötig, bei den auch Bürger und Vereine gefragt seien, so der Künstler. Denn: „Wenn sie abgerissen werden, sind sie weg.“ In Gebäuden mit großer Ausstrahlung „entdeckt man immer wieder neue Dinge“, sagte Schmeisser. Dem gewohnten Blick müsse man eine neue Erfahrung hinzufügen, betonte er.

Die Idee, den mittelalterlichen Turm als imaginäres Atelier zu gestalten, geschah laut Schmeisser „durch eine lange Beschäftigung mit der Geschichte“. Außerdem befasste er sich mit dem Aussehen und der Konstruktion „dieses faszinierenden Gebäudes“. Bilder und Objekte wurden so positioniert, dass sie einen lebendigen Dialog mit dem Raum bildeten. Die ausgestellten Arbeiten stammten aus verschiedenen Schaffensperioden.

Die zweite Vorsitzende der Langbein-Freunde, Aloisia Sauer, hob die enge Zusammenarbeit der beiden Vereine hervor. So sei es auch möglich gewesen, die frühere Pietà aus der Hauptstraße 40 mit Unterstützung der Altstadtfreunde zu erwerben und ins Museum zu holen. Der Erste Stadtrat Karlheinz Happes dankte für das Engagement der beiden Vereine. Die Stadt übernehme jedes Jahr gerne die Schirmherrschaft für die Teilnahme am Tag des offenen Denkmals.

Viele wollten die Windräder auf dem Greiner Eck in Augenschein nehmen

Schon allein die schieren Dimensionen sind beeindruckend, für etliche Bürger in der Region aber auch beängstigend. 200 Meter ragen die fünf Windräder am Greiner Eck in den Himmel. Von weithin sind die Kolosse im ganzen Odenwald sichtbar. Steht man, wie jetzt beim Windparkfest anlässlich der offiziellen Einweihung, unter einem der Rotoren, wird der Mensch zur Ameise.

Kein Wunder, dass sich viele Interessierte einen Besuch der Windräder auf dem Höhenrücken zwischen Hirschhorn, Neckarsteinach, Schönau und Heddesbach nicht entgehen lassen wollten. Zu diesem hatten Energiegenossenschaft Starkenburg und die Windpark Greiner Eck GmbH als Betreiber eingeladen. Als es gegen Mittag aufklarte und die Sonne rauskam, fassten die Shuttlebusse die große Anzahl an Besuchern kaum noch, die auf über 500 Meter Höhe kutschiert werden wollte.

Bei Bewirtung durch die Greiner Feuerwehr, Livemusik, Kinderprogramm, Führungen und vielen Informationen rund um die Windenergie füllten sich die anfangs leeren Sitzbänke außerhalb und im großen Zelt immer mehr. Etliche wagten einen Blick ins „Erdgeschoss“ des Windrads. Weiter hinauf durfte man nicht – wobei das aufgrund der zahlreichen Rückfragen ein Renner gewesen wäre. Jedoch wären dafür Schutzkleidung und eine eintägige Einweisung nötig gewesen.

Ralph Franke, Geschäftsführer sowohl des Windparks Greiner Eck als auch der Eigentümer Stadtwerke Viernheim und Bad Vilbel, würdigte den Abschluss der Bauarbeiten. Es gebe einen Vier-Kilometer-Rundweg über den Windpark mit seinen fünf Rotoren. Geplant sei noch eine Wanderschutzhütte mit Ruhebänken und einer E-Bike-Ladestation an Nummer 5. Er dankte allen am Projekt Beteiligten, die es auf den Weg brachten.

Vorstandsmitglied Micha Jost von der Energiegenossenschaft Starkenburg sagte, dass „fünf Jahre Vorarbeit für diesen Tag erforderlich war“. Das Greiner Eck sei der erste Windpark im Kreis Bergstraße. Er dankte den Stadtwerken, dieses „Abenteuer“ auf sich genommen zu haben, mit der ES das Projekt angegangen zu haben. „Es gab auch kritische Stimmen“, so Jost. Man habe die sachliche Diskussion nie gescheut, betonte er.

Der Praxisbetrieb zeige, „dass sich manche Vorurteile nicht bewahrheiteten“, meinte er. Leider habe es auch Vorwürfe unterhalb der Gürtellinie gegeben. Er stehe aber immer für Gespräche zur Verfügung und forderte die Besucher auf, nach der Begrüßung mit Fragen auf ihn zuzukommen. Der ES-Vorstand beleuchtete die verschiedenen Energiearten und machte klar, dass Atomkraft, Kohle, Öl oder Gas mit diversen Nachteilen behaftet seien. Wenn man die Energiewende wolle, „müssen wir vor der eigenen Haustür anfangen“.

Wie Jost sagte, will die ES mit ihren 840 Mitgliedern im direkten Umfeld „für grünen Strom sorgen“. Seit dem Jahr 2010 seien deshalb 18 Millionen Euro in erneuerbarer Energien gesteckt worden. Das Greiner Eck erzeugte seinen Worten zufolge seit Inbetriebnahme im Mai bereits acht Millionen kWh Strom. Das bedeute eine Ersparnis von 4200 Tonnen Kohlendioxid. Auf 20 Jahre gerechnet, seien dies 570 Millionen kWh Strom und 280.000 Tonnen CO²-Ersparnis. Die Mittel für den späteren Rückbau seien schon heute in Form von Bürgschaften hinterlegt, versicherte er.

„Es muss einen Energiemix geben“, betonte die Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht. Dazu gehört für sie auch unabdingbar Windkraft. Allerdings „brauchen wir dafür eine breite Akzeptanz in der Bürgerschaft“. Sie sah keinen Widerspruch zwischen Naturschutz und der Nutzung erneuerbarer Energien. Vorbehalte müsstenin offen geführten Diskussionen ausgeräumt werden.

Er habe beobachtet, wie sehr das Projekt „die Bevölkerung spaltet“, so Hirschhorns Bürgermeister Oliver Berthold. Vor Ort lasse sich jetzt beobachten, „dass sich die die Ängste nicht bewahrheitet haben“. Die Gemüter hätten sich zwischenzeitlich etwas beruhigt. Kollege Herold Pfeifer aus Neckarsteinach wies darauf hin, dass schon auf einer Kreistagssitzung vor fünf Jahren die vom Kreis in Auftrag gegebene Studie „Erneuerbar komm“ der FH Frankfurt, damals von Ex-Landrat Matthias Wilkes vorgestellt, der Windkraft eine bedeutende Rolle bei der Energieversorgung in Bergstraße und Odenwald zugeschrieben hatte. Der Kreis könnte dadurch „allein drei Viertel seines Gesamtenergiebedarfs decken“, lautete das Fazit.

Herwig Winter und Guido Carl vom BUND legten ein klares Bekenntnis zur Windkraft ab. Der erste Windpark im Kreis helfe, „die Energieversorgung auf gesunde Füße zu stellen“, so Carl. Winter erwähnte, man verkenne nicht mögliche negative Begleitumstände. Deshalb habe sich der Verband für die Beschränkung auf zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie eingesetzt. Er grenzte sich klar von den Bürgerinitiativen gegen die Windkraft und deren Vorgehen ab.

Der Windpark verfügt laut EGO über eine Leistung von 15 Megawatt und kann damit rund 28,6 Millionen kWh Strom pro Jahr klimaneutral erzeugen. Damit wird rechnerisch die Versorgung von etwa 9.200 Haushalten sichergestellt. Er entstand in Kooperation der Stadtwerke Viernheim und Bad Vilbel mit der Energiegenossenschaft Starkenburg und umfasst ein Investitionsvolumen von rund 26 Millionen Euro. Die Besonderheit des Windparks besteht darin, dass von Anbeginn ein eigenes EGO-Bürgerwindrad Bestandteil des Projekts war.

Windenergieanlagen: Enercon E115/3,0 MW

Nabenhöhe: 135 Meter

Rotorendurchmesser: 115,7 Meter

Baubeginn Februar 2016, Fertigstellung 11. Mai 2017

Betriebsgenehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz: 30 Jahre

Windgeschwindigkeit im Jahresdurchschnitt auf dem Greiner Eck: 6,3 m/s

Die Ritter tauchten zum 41. Mal ins Hirschhorner Mittelalter ein

Die Hirschhorner Ritter hatten schon immer einen guten Draht nach oben. Ob es damals, vor mehr als 600 Jahren war, oder heutzutage, beim inzwischen 41. Ritterfest der Carnevalsgesellschaft. Die ganze Woche wurde gebibbert und gebangt, ob Petrus seine Schleusen am Wochenende geschlossen halten würde. Das tat er natürlich fast so wie erhofft, bis auf ein paar wenige Ausrutscher – und bescherte den Rittern wieder einmal ein volles Festgelände wie in den Vorjahren. 90 teilnehmende Gruppen, Händler, Handwerker und Künstler zählt der Markt praktisch jedes Jahr.

Auf dem Rathausplatz fand die feierliche Eröffnung statt, zu der alle Beteiligten mit aufgelaufen waren. Präsident Klaus-Jürgen Ehret fand wohlgesetzte Worte für die „Edlen aus Politik, Adel und Klerus“, die es aufs Neue an den Neckar gezogen hatte. 41 Jahre sind vergangenen, seit Oberritter Karl erstmals zum Fest gerufen hatte. Zum 600. Mal jährte sich in diesem Jahr die Marktrechtsverleihung. Noch länger ist es her, dass Hirschhorn die Stadtrechte bekam.

Und vor 1244 Jahren, 773, schenkten die Mönche die Siedlung in Ersheim dem Kloster Lorsch, was die erste urkundliche Erwähnung der Stadt bedeutete. Das Rittergeschlecht derer von Hirschhorn brachte bedeutende Personen hervor, so etwa einen Advocatus am Hofe des Königs von Britannien, führte Ehret aus. Die Fanfarenzüge aus Eberbach und Pforzheim sowie die Hirschhorner Fahnenschwinger umrahmten die Eröffnung.

Marktvogt Dieter König verlas die diversen Marktregularien, an die sich jeder zu halten hatte. „Wer frevelt und tut Sünden, dem will ich jetzt noch künden.“ Neben anderen Verhaltungsregeln sind Finanzhaie nicht gerne gesehen:  „Wer Wucher treibt, ein armer Wurm, sitzt fünf Tage im Pulverturm“, warnte er. Außerdem: „Wer sticht mit Messer, Dolch und Schwert, sitzt auf dem Pfahl, bis er bekehrt.“

Altes Handwerk wurde ganz groß geschrieben: Der mittelalterliche Markt ist dafür bekannt, dass immer zahlreiche Darsteller ihre sonst längst vergessenen Künste demonstrieren. Etwa der Wippdrechsler Johannes Brenner, der seit etlichen Jahren den weiten Weg von Meinerzhagen in Nordrhein-Westfalen an den Neckar auf sich nimmt. Er ist schon so lange mit im Boot, dass er die vielen Jahre nicht mehr zusammenbekommt.

Der 50-jährige Silber- und Bronzeschmied Thomas Eisermann aus Ober-Olm findet es gut, „dass es hier so viel vorführendes Handwerk gibt“. Hirschhorn sei „ein sehr angenehmer Markt mit supernetten Veranstaltern, die sich um alles kümmern“. Nur knapp 20 Kilometer muss Frank Derikatz aus Wald-Michelbach an den Neckar zurücklegen. Der Lederer „macht wirklich alles selbst“, wie er betont: Gürtel, Taschen, Schnallen, Schließen und vieles mehr. Kinderbelustigung wurde groß geschrieben: An jeder Ecke gab’s für die Kleinen was zu probieren, zu fertigen oder zu spielen.

Ein Markenzeichen des Ritterfests war wieder das große Handwerkerdorf mit unzähligen Mitwirkenden, wo man das alte Brauchtum aus vergangenen Jahrhunderten live erleben konnte. Dort ließ sich den zahlreichen Künstlern über die Schulter schauen und so manches über die alten Handwerke erfahren. Zu bestaunen waren beispielsweise Buchdrucker, Bogenbauer, Scherenschleifer, Quacksalber, Brillenmacher, Papierschöpfer, historische Färberei und vieles mehr.

Allerlei Händler priesen ihre Waren an. Die weiblichen Besucher erfreuten sich an Kränzen aus Getreide und Blumen, mittelalterlichen Gewändern, Taschen, Tüchern, individuellem Schmuck, Kopfschmuck, edlen Steinen, Seifen, Körperölen und Düften, während die Herren sich für Zinnfiguren, Fahnen, Schwerter, Äxte, Rüstungsteile und Helme interessierten. Auch allerhand Nahrhaftes wie Honig, Konfitüren, Marmeladen und Gelees, Gewürze, Kerniges aus der Räucherkammer und Flüssiges vom Metbrauer, Kräuterweine, Frucht- und Sahneliköre, Kräuterliköre und Schnäpse wurden feilgeboten.

Die bekannte Rittergruppe Fictum kam auch 2017 wieder an den Neckar. Die tapferen Recken aus Tschechien verstehen sich vortrefflich auf den Schaukampf in Rüstung mit historischen Waffen und haben dabei immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Gerade für die Kinder sind ihre Auftritte mit viel Humor immer ein besonderes Ereignis.

Dabei außerdem: Luftartistik mit Trifabula, die Hirschhorner Gruppe kampfhûs mit Fechtvorführungen, die Komödianten Pill und Pankratz, das aus den Vorjahren bestens bekannte Gauklerduo Forzarello und der Feuerzirkus Bilenko. Mit bereits 20-jähriger Erfahrung auf den Mittelalterbühnen brachten die Musikerinnen von „Mucker Pazza“ geballte Spielweiber-Power mit, die sich gewaschen hatte. Beim abendlichen Tavernenspiel mit feurigem Spektakel erlebten die Besucher noch einmal alle Akteure zusammen. Viel Applaus war den Akteuren für ihre Darbietung gewiss.

Altstadtfreunde zeigen „Macht und Pracht“: Drei Hirschhorner Bau- und Kunstdenkmäler stehen im Mittelpunkt des Tag des Denkmals am 10. September

Der landesweite Tag des Denkmals am 10. September steht dieses Jahr unter dem Motto „Macht und Pracht“. Architektur und Kunst drücken seit jeher den Wunsch ihrer Erbauer, Erschaffer und Auftraggeber aus, Schönheit, Wohlstand, weltliche und religiöse Machtansprüche abzubilden. Der Tag möchte alle Interessierte dazu anregen, sich mit den vielfältigen Ausdrucksformen von „Macht und Pracht“ in allen relevanten Bereichen von Architektur- und Kunstgeschichte einmal bewusster auseinanderzusetzen. Dafür hat der Verein Freunde der Hirschhorner Altstadt dieses Mal drei Bau- und Kunstdenkmäler für eine nähere Betrachtung herausgestellt.

Zusammen mit den Freunden der Langbeinschen Sammlung wird der Tag offiziell in den Räumlichkeiten des Langbein Museums eröffnet. Erlauben doch die dort beheimateten Exponate einen Eindruck in die unterschiedlichen Epochen der Heimatgeschichte. Das Schloss als unverwechselbares Wahrzeichen steht geradezu exemplarisch für die Macht und Pracht der Herren von Hirschhorn gleichermaßen. Die Entwicklung dieses Bauwerks kann im Rahmen einer Führung hautnah miterlebt werden.

Weiterhin wird im Mitteltorturm als noch heute sichtbares Zeichen einer recht frühen Macht zum Schutze der Stadt und seiner Bürger eine interessante Ausstellung angeboten. Der Turm als imaginäres Atelier nimmt die Gäste mit auf eine Zeitreise des künstlerischen Schaffens von Ludwig Schmeisser. Grafik, Malerei, Skulptur, Objekte und Installationen aus 50 Jahren, von 1967 bis 2017, werden gezeigt.

Der mittelalterliche Wehrturm wurde nach der Stadterweiterung als Glockenturm der Marktkirche genutzt und hat seine ursprüngliche Holzkonstruktion im Inneren bewahrt. Ludwig Schmeisser, geboren 1947 in Rastatt und seit 1971 wohnhaft in Hirschhorn, hat den Turm als „imaginäres Atelier“ eingerichtet, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart in kreativer Form begegnen. Die Freunde der Hirschhorner Altstadt hoffen damit auch in diesem Jahr, einen interessanten Beitrag zum Tag des Denkmals leisten zu können.

Programm Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September:

12 Uhr Offizielle Eröffnung in den Räumen des Langbein Museums Hirschhorn, von 12.30 bis 18 Uhr ist das Museum geöffnet, gleichzeitig Ausstellung im Mitteltorturm „Zeitreise – der Turm als imaginäres Atelier“, 14 Uhr Schlossführung, Treffpunkt im Schlosshof. Der Eintritt ist jeweils frei.