Drei Gitarrenvirtuosen ziehen in Finkenbach neue Saiten auf

Das traditionsreiche Finkenbach-Festival muss dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie leider ausfallen. Aber so ganz ohne Musik wollen die Macher des FC Finkenbachtal ihre Fans dann doch nicht lassen. Am Samstag, 15. August, treten die beiden Gitarrenvirtuosen Timo Gross und Adax Dörsam mit ihrem neuen Projekt „Leadbelly Calls“ auf. Aber nicht nur sie: Alex Auer ist solo ebenfalls auf der Bühne zu sehen und wird im Schluss-Set das Duo zum Trio machen. Beginn ist um 18 Uhr im Fußballstadion.

„Wir haben schon länger überlegt, etwas zu machen“, schildert der zweite Vorsitzende des FCF, Armin Löffler, die Vorbereitungen. Den Festival-Fans sollte in der ereignislosen Zeit was geboten werden. Alle drei Musiker wären sowieso dabei gewesen: Gross und Dörsam mit ihrem Duo, Naidoo-Gitarrist Alex Auer mit seinen „Detroit Blackbirds“, bei denen als Gast wiederum Adax Dörsam mitwirkt.

Das Konzert findet nicht auf dem alten wie sonst, sondern auf dem neuen Sportplatz statt, um Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können. Aktuell wird laut Löffler mit 250 Sitzplätzen geplant, die bereits per E-Mail reserviert werden können. Es wird eine kleine Bühne aufgebaut, der FCF sorgt daneben für die Verpflegung. Das Ganze „in gemütlicher Atmosphäre“, wie der Vereinsfunktionär schmunzelt.

Die Gitarrenkönner huldigen dem stimmgewaltigen Bluessänger Hudson Ledbetter aus Louisiana, besser bekannt als „Leadbelly“. Das Projekt gibt es seit einem Jahr, erzählt Adax Dörsam. Die Idee entstand aus den seit einiger Zeit bestehenden jährlichen Sessions mit Timo Gross. „Wir haben manches direkt live einspielt“, stimmte die Chemie zwischen den beiden Profis auf den sechs Saiten. Anderes wurde dann im jeweiligen Studio in Eigenregie gezaubert.

Aktuell hat das Duo schon eine Promo-CD im Gepäck, der „richtige“ Silberling soll kommendes Jahr erscheinen. Den ersten Auftritt mit diesem Programm gab es bereits ebenfalls – vor kurzem in der Pfalz, Timo Gross‘ Heimat. Dörsam bezeichnet die Musik als „innovativ und gleichzeitig Retro“. Der Odenwälder erkennt sowohl spirituellen Gehalt als auch Tiefe in den Songs, die durch ihre Coverversionen Weltruhm erlangten.

Gleichzeitig ist Leadbellys Lebenslauf ein Abbild der aktuellen Ereignisse in den USA, erklärt der Mörlenbacher. Der lebte von 1885 bis 1949 in Louisiana, Texas und New York. In dieser Zeit schlug der Rassismus erbarmungslos zu, so Dörsam: Leadbelly wurde einige Male verurteilt und saß die Hälfte seines Lebens in Gefängnissen. Als Schwarzer hatte man kaum eine Chance vor Gericht und vor der Polizei – wie sich die Zeiten gleichen.

Die beiden Solisten, Songwriter und Produzenten kreieren auf den Schultern dieses Bluesgiganten eigene, raue Klangwelten. Mit Respekt und Mut transformieren sie sein Erbe ins 21. Jahrhundert. „Leadbelly Calls“ mischen ohne Scheu Ethno-, Elektro- und Bluessounds und spielen mit Erwartungen und Nuancen, um die Hörer zu überraschen. Timo Gross erdiger Gitarrenstil verwebt sich eindrucksvoll mit den ausgefallenen und exotischen Sounds von Adax Dörsam.

Das breite Spektrum von „Talking to Huddie Ledbetter“ beginnt bei rohen und ostinaten Blues-Grooves. Zwei Dobros und Stimmen reichen bei „Take this Hammer“, um das verzweifelte Ringen um die Menschenwürde der schwarzen Eisenbahnarbeiter zu beschwören. Ein Highlight ist die Interpretation des Klassikers „Black Betty“, bekannt durch Ram Jam: ein extrem tanzbarer, hypnotischer Groove kontrastiert die klassische türkische Saz.

Leadbelly schrieb Welterfolge wie „Midnight Special“ und „Cottonfields“, interpretiert von Creedence Clearwater Revival, „Good Night Irene“ (Weavers und Eric Clapton) „Where Did You Sleep Tonight“ (Nirvana) oder „The Gallows Pole“ (Led Zeppelin). Foto: Rene_van_der_Voorden

 

Info: „Hallo Finkenbach 2020“ des FC Finkenbachtal am Samstag, 15. August, Einlass 16 Uhr, Beginn 18 Uhr, Open-Air im Fußballstadion, mit „Leadbelly Calls“ (Timo Gross und Adax Dörsam) sowie Alex Auer (solo). Reservierungen unter E-Mail fcfinkenbachtal@t-online.de oder Telefon 0160/2819049 und 0171/5132118.

80-faches Glück im Odenwald

Dass ein Besuch im Odenwald per se glücklich macht, dürfte allgemein bekannt sein. Sigrid Stöckel hat nun 80 Orte zusammengestellt, die die Glückshormone besonders anregen werden. „Glücksorte im Odenwald“ nennt sich ihr 168 Seiten starkes Büchlein, das jetzt gerade im Droste-Verlag entschieden ist und liebevoll zusammengestellt ihren ganz persönlichen Favoriten vom Main bis zum Neckar, von der Bergstraße bis nach Bayern huldigt.

Die 51-jährige Autorin aus Darmstadt weiß, wovon sich schreibt. „Ich habe alle Orte persönlich besucht“, erzählt sie. Stöckel ist quasi jedes Wochenende in der Mittelgebirgsregion unterwegs. Oft verbindet sie damit auch einen Besuch bei ihren Eltern, die seit 30 Jahren in Michelstadt leben. Zu Fuß oder mit dem Rad erkundet sie seit vier Jahren den Odenwald. Dann damals startete ihr Blog odenwaldlust.de als Hobbyprojekt.

Beruflich konnte sie, auch wenn es sie jetzt ganz woanders hin verschlagen hat, aus dem Vollen schöpfen. Denn Sigrid Stöckel war lange Jahre in der Reiseredaktion von t-online tätig, hatte viel mit auch mit der Vermarktung der einzelnen Regionen zu tun. Dabei fiel ihr auf, was sicher jeder Kommunalpolitiker unterschreiben würde: „Der Odenwald bleibt bei der Vermarktung hinter seinen Möglichkeiten zurück.“

Um die von ihr gelebte Gegend zu pushen und sie aus dem Dornröschenschlaf wachzuküssen, „begann ich zuerst aus Spaß, meinen Blog zu gestalten“, erläutert sie. Der füllte sich nach und nach immer mehr, bis irgendwann der Verlag vor der Tür stand und ihr den Vorschlag machte, die einzelnen Stationen ihrer Odenwald-Touren auf Papier zu verewigen. Die Autorin schaute sich das Format an „und es sprach mich an“. Zum einen die bunte Mischung, zum anderen die Emotionalität der einzelnen Berichte sagten ihr zu.

„Mit viel Herzblut habe ich meine Glücksorte im hessischen, bayerischen und badischen Odenwald zusammengetragen, mal kulturell, mal kreativ oder auch kulinarisch, mal aktiv oder abenteuerlich“, hebt Stöckel hervor. Es geht in Museen und Cafés, in kleine Geschäfte und herrschaftliche Parks, zum Kochkurs, zum Wandern und zum Rodeln und sogar in eine Glücksfabrik.

Wie schafft man es, den Odenwald auf „nur“ 80 Glücksorte zu reduzieren? Zuerst einmal „habe ich versucht, regional zu denken“, erläutert Stöckel. Süden, Norden, Osten, Westen: Alles sollte vertreten sein. Und dazu nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern auch Kunst, Kultur, Radfahren, Wandern und Shopping – nicht zu vergessen die kulinarischen Erfahrungen, an denen die Region so reich ist: Eis auf dem Keilvelter-Hof, Lebkuchen in Beerfurth oder frische Milch und Käse in Hüttenthal. „Für jeden soll etwas dabei sein“, lautete ihr Ziel.

Da die 51-Jährige ein offener Mensch ist, kommt sie schnell mit den Leuten in Kontakt. „Ich habe vor Ort nach den Besonderheiten gefragt“, sagt sie. Und so kamen viele kleine Schätze hinzu, die ihr selbst noch gar nicht bekannt waren. Etwa das Museum für kleine Läden in Hammelbach, ein Kleinod für Liebhaber der früheren Tante-Emma-Läden: Verschiedene Einrichtungen ehemaliger Geschäfte gibt’s hier zu bewundern.

Was sie dann endgültig ins Buch mit aufnahm, entschied Stöckel direkt vor Ort. Getreu dem Motto: „Hier bin ich glücklich.“ Ihr ist klar, dass ihre Tipps natürlich immer auf persönlichen Vorlieben beruhen. Es fällt der Autorin schwer, einen Spitzenreiter unter den 80 zu küren oder sogar eine Top-Five-Liste zu erstellen. Aber es gibt eine Sache, von der Stöckel sehr beeindruckt war: den Lamas in Reichelsheim. Aber auch zu allen anderen 79 Glücksorten „werde ich wieder hinfahren“.

Oder sie hat es bereits getan: Wie vor kurzem zum „Roten Wasser“ in Olfen. Die dortige Wanderung wiederholte die Autorin, weil sie landschaftlich so herrlich ist. Ebenso ist der unweit gelegene Marbachstausee für sie immer eine Reise Wert – auch wenn man derzeit wegen Corona-Auflagen dort nicht baden darf. Zum Glück, sagt sie, ist der allergrößte Teil ihre Glücksorte derzeit problemlos erreichbar. Nur das Theater in Miltenberg gibt’s derzeit lediglich in abgespeckter Form.

An mitreisenden Odenwald-Fans gibt es keinen Mangel, freut sich die Autorin. Entweder Tochter und/oder Mann, daneben die Freundinnen: Für Begleitung in der schönsten der Regionen ist immer gesorgt. Dass sie mit ihrer Einschätzung in Bezug auf Glücksorte richtig lag, kam schon öfters vor: Leser ihres Blogs besuchten ihn und gaben eine positive Rückmeldung. Jeder Glücksort wird mit Foto auf einer Doppelseite vorgestellt. Mit Hilfe einer Übersichtskarte und der ÖPNV-Hinweise lassen sich die Ausflüge gut planen.

Info: Sigrid Stöckel, Glücksorte im Odenwald, Fahr hin und wird‘ glücklich, 168 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-7700-2184-0, Droste-Verlag

Glücksorte-Auszug:

Molkerei Hüttenthal: „Hier herrscht eine Idylle, wie man sie sich für die Herstellung von landwirtschaftlichen Produkten wünscht“, findet Sigrid Stöckel. Die Kombination zwischen Verkauf und Erklärung, „wie Milch und Käse gemacht wird“, wurde sehr gut geschafft, findet sie. Und dazu noch die Landschaft – ein Gedicht.

Museum für kleine Läden Hammelbach: „Man taucht in die verschiedenen Epochen des Einkaufens ein“, bewundert die Autorin die Akribie der Sammler. Alles ist originalgetreu nostalgisch aufgebaut.

Sommerrodelbahn Wald-Michelbach: Damit die Zielgruppe passt, „habe ich unser Patenkind mitgenommen“. Aber natürlich setzte sich die 51-Jährige auch selbst in den Wagen und schoss ins Tal. „Das macht einfach Spaß.“

Draisinenbahn Wald-Michelbach – Mörlenbach: „Landschaftlich unheimlich schön“ und dazu noch ein Stück Eisenbahngeschichte. Für Stöckel immer eine Reise wert, die sie schon zweimal – mit Freundinnen und mit ihrem Mann – unternahm.

Himbächel-Viadukt Hetzbach: „Man kommt ins Staunen, wenn man darunter steht und dieses imposante Bauwerk der Ingenieurskunst bewundert“, beschreibt Stöckel die Faszination. Dazu hat die Eisenbahnbrücke eine besondere Bedeutung für die Erschließung des Tals zwischen Erbach und Eberbach.

Keilvelter-Hof Reichelsheim: „Letzte Woche war ich gerade wieder da“, schwört die Autorin auf das dortige Bauernhof-Eis. Kaum jemand vermutet, hier eine solche Besonderheit für den süßen Zahn zu finden. Leider, bedauert sie, ist derzeit der Innenhof wegen der Corona-Beschränkungen nicht zugänglich.

Kneipp-Becken Gras-Ellenbach: Mit zwei Freundinnen testete Sigrid Stöckel die verschiedenen Becken. Die drei verbanden die erfrischende Tour mit einer Wanderung. „Das hat viel Potenzial“, wünscht sie sich einen Themenrundweg.

 

 

In schwierigen Zeiten den Einzelhandel stärken

Durch die kürzlichen Entscheidungen der Bundesregierung fallen nun auch Veranstaltungen und Events bis Ende August aus oder werden verschoben. „Das ist sehr schade, aber aufgrund der gegebenen Umstände absolut nachvollziehbar“, betont Dominik Seibert, einer der Köpfe hinter der Eberbacher PinVisit-App. Deshalb offerieren die Macher allen interessierten Städten und Gemeinden im Umkreis bis Ende August einen kostenlosen Partner-Account bei PinVisit.

„Events und Veranstaltungen sind natürlich auch einer der Kernpunkte der App“, betont Seibert. Sie dienen dazu, die Menschen in der Region auf das lokale Angebot aufmerksam zu machen und gezielt Anreize für Besuche vor Ort zu schaffen. Das Smartphone soll nicht dazu beitragen, über große Verkaufsportale online zu bestellen, sondern herauszufinden, was es vor Ort an interessanten Angeboten gibt.

Veranstaltungen und größere Reisen sind jetzt aber erstmal nicht angebracht oder sogar untersagt. Trotz dieser schwierigen Situation „möchten wir mit PinVisit aber gerne eine gewisse Hilfestellung für Städte, Gemeinden und deren Bürger leisten“, erläutert Seibert. Es werden über den Sommer nur sehr wenige Freizeitaktivitäten möglich sein. Trotzdem sind seinen Worten zufolge gerade jetzt auch Bewegung und Abwechslung, die sich derzeit die eigene Region beschränken muss, sehr wichtig.

Über diesen kostenlosen Account, „der ausdrücklich nicht automatisch in einer kostenpflichtigen Teilnahme bei PinVisit endet“, können alle sehenswerten Orte, Sehenswürdigkeiten, Startpunkte von Spazier-, Wander- oder Radwegen, Plätze oder Naherholungs-Spots bei PinVisit als sogenannte „PinSpots“ eingestellt werden, erklärt werden. Diese werden dem App Nutzer standortabhängig angezeigt und können einmalig mittels der App vor Ort eingesammelt werden.

Mit dem Smartphone-Tool können die Menschen so spielerisch entdecken, welche interessanten Orte es in der eigenen Region zu besuchen gibt, die man zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto erreichen kann. Das Ganze hat durch die Sammelfunktion und einem Ranking in der App auch noch einen spielerischen Charakter. Zusätzlich lernt man dabei seine eigene Heimat mal wieder besser kennen und vielleicht auch wieder mehr zu schätzen.

Seibert hat noch einen Tipp, wie Städte und Gemeinden mehr User und vielleicht dann auch mehr Leute auf ihre Gemarkung bekommen: „Es wäre toll, wenn die Kommunen zusätzlich etwas über die PinVisit App verlosen möchten“, regt er an. Die digitale Einpflegung wird übernommen.  Mit Punkten, die die App-Nutzer einmalig an den PinSpots einsammeln können, ist es dann möglich, an diesen Prämienverlosungen teilzunehmen, legt er dar.

In einer Gesellschaft, die immer mehr aufs Smartphone schaut, „wollen wir den Blick schärfen für das Angebot aus der näheren Umgebung“, betont Dominik Seibert. Er hat mit ein paar Kollegen die App in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut und dann „im Verborgenen programmiert bis zum Prototyp“.

Eberbach ist quasi das „Herzstück“ mit über der Hälfte der User. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Erbach und Michelstadt. Die beiden Städte warben geschickt am 1. November um badische Kunden, als dort Feiertag war und in Hessen die Geschäfte offen. Mit Erfolg. Seit Ende des vergangenen Jahres ist auch Oberzent dabei.

Seibert kann sich vorstellen, dass gerade jetzt in Zeiten der Rückbesinnung aufs Lokale das hessische Neckartal, aber auch der Überwald sowie andere Kommunen im Odenwaldkreis wie Mossautal oder Reichelsheim Interesse haben könnten, sich mit den schon bestehenden zu einem großen Verbund zu verzahnen. So ergäbe sich eine Odenwald-weite Stärkung des lokalen Einzelhandels in Zeiten, wenn dieser jeden Cent gebrauchen kann.

 

Die PinVisit App steht für Nutzer generell kostenlos in den üblichen App-Stores zum Download zur Verfügung. Mehr unter http://www.pinvisit.de

Pin Visit „als neue Form eines Marketingtools“

Lokale Anbieter und Events sollen näher an den Menschen vor Ort sein: Dieses Ziel haben sich die Eberbacher Macher der Pin-Visit-App im Smartphone-Zeitalter gesetzt. Quasi eine Symbiose von „Old School“ mit der Zukunft. Neben Erbach und Michelstadt macht jetzt im Odenwaldkreis auch Oberzent mit, hat 30 Pin-Spots und 60 Events eingestellt. Bürgermeister Christian Kehrer erhofft sich davon positive Effekte für den Einzelhandel und den Tourismus.

In einer Gesellschaft, die immer mehr aufs Smartphone schaut, „wollen wir den Blick schärfen für das Angebot aus der näheren Umgebung“, betont Dominik Seibert. Er hat mit ein paar Kollegen die App in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut und dann „im Verborgenen programmiert bis zum Prototyp“. Seit Ende September kann sie aufs Handy geladen werden.

Die Finanzierung ist aktuell auf drei Jahre gesichert, erläutert er. In dieser Zeit wollen die Betreiber neue Partner wie jetzt Oberzent gewinnen, um den Wirkungskreis zu erweitern. Da neben Eberbach und Schönbrunn bereits auch Neckargemünd mit im Boot ist, ist die hessische Neckarschiene mit Hirschhorn und Neckarsteinach natürlich ebenfalls eine Zielrichtung.

Ein lokaler Anbieter, etwa Gewerbe, Einzelhandel oder Gastronomie, kann laut Seibert sogenannte Pin-Spots schaffen, deren Besuch dann Punkte aufs Konto schaufelt. Gemeinden wiederum haben die Möglichkeit, diverse Sehenswürdigkeiten einzustellen. Die Dicke Eiche in Airlenbach, der Beerfelder Galgen (Bild), Burgruine Freienstein oder der Marbach-Stausee sind einige Beispiele aus Oberzent.

Die gesammelten Punkte lassen sich in der App einlösen, so Seibert. Geschäfte haben die Möglichkeit, die Nutzer zu bestimmten Rabattaktionen einzuladen. Außerdem werden Anreize geschaffen, Standorte in einem bestimmten Zeitrahmen zu besuchen. Wie Seibert hervorhebt, lässt sich damit nicht nur ein Mehrwert für die eigene Bevölkerung schaffen, sondern die App kann auch Touristen an die Hand gegeben werden, um zu zeigen, was in der Stadt alles geboten wird. „Das geht in Richtung Reiseführer“, betont er.

Nach den ersten Wochen haben die Macher die Erfahrung gemacht, „dass die Nutzer intensiv dabei sind“. Denn die App setzt ganz gezielt auch auf einen Spielecharakter und Sammeltrieb, um zum Mitmachen zu animieren. Der Eberbacher zählt über 10.000 Visits nach zwei Monaten, dazu 1500 Downloads der App. Allerdings hapert es noch etwas am Bekanntheitsgrad. Daran wird nun gearbeitet.

Eberbach ist quasi das „Herzstück“ mit über der Hälfte der User. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Erbach und Michelstadt. Die beiden Städte warben geschickt am 1. November um badische Kunden, als dort Feiertag war und in Hessen die Geschäfte offen. Mit Erfolg. Seibert weiß aus Rückmeldungen, dass sich viele Eberbacher dorthin auf den Weg machten. „Ich wusste nicht, dass man dort so toll einkaufen kann“, bekam er mit.

Das Feedback bestätigt ihn in der Annahme, dass die Leute die Pin-Visit-App nutzen, vor Ort fahren „und dann dort Geld in Einzelhandel und Gastronomie lassen“. Aus Sicht einer Stadt ist deshalb die Verwendung der App „eine gute Sache“. Seibert sieht Pin Visit „als neue Form eines Marketingtools“. Er weist darauf hin, dass die Zielgruppe beileibe nicht nur aus den typischen Nonstop-Handy-Nutzern, nämlich jungen Leuten, besteht, sondern auch viele aus der Altersgruppe 35 aufwärts dabei sind.

Da mit der Teilnahme von Oberzent nun der komplette südliche Odenwaldkreis vertreten ist, sieht Seibert eine deutliche Bereicherung gegeben. Bei Pin Visit handelt es sich seinen Worten zufolge „nicht um eine geschlossenes System“ wie eine eigene städtische App. „Deshalb profitieren alle in einer bestimmten Region davon.“ Die Macher sind daran, auch Tourismusverbände für eine Mitwirkung zu begeistern, um so eine breitere Basis zu erreichen.

 

www.pinvisit.de

 

Großer Wurf bei der Flurbereinigung

Das Amt für Bodenmanagement in Heppenheim hat in Oberzent noch Großes vor. Die beiden Verfahrensleiter Jens Bingenheimer und Thomas Fabian stellten dem gemeinsam tagenden Bau- und Hauptausschuss jetzt die bisherigen und kommenden Flurneuordnungs-Maßnahmen auf der Gemarkung vor. „Wir verstehen die Ungeduld“, betonte Fabian angesichts mancher Verzögerungen. Doch will die Behörde jetzt ein Signal setzen und die größeren Vorhaben en bloc angehen.

In den verschiedenen Ortsteilen wurden in der vergangenen Zeit immer wieder die noch ausstehenden Arbeiten thematisiert. Ein Schwerpunkt ist unter anderem das ehemalige Rothenberg mit Ober-Hainbrunn, wo man schon einige Zeit auf die Erledigung wartet. Ein Vorzeigeprojekt war im vergangenen Jahr die Fertigstellung der Brücke in Schöllenbach, die Hessen und Baden verbindet.

Da die Stadt einen Eigenanteil von 20 Prozent zu tragen hat, ist diese finanziell mit im Boot. Wie Fabian erläuterte, will man alle Asphaltweg-Erneuerungen mit einem Volumen von einer Million Euro in ein Paket packen und dann an ein Ingenieurbüro vergeben, das sie zusammen ausschreibt. Oberzent müsste somit um die 200.000 Euro Eigenanteil aufbringen. Da diese Summe im Haushalt drinsteht, könnte die Realisierung danach anlaufen.

„Viele Genehmigungen sind erforderlich“, ging Jens Bingenheimer auf die umfangreichen Verfahren ein. Wege- und Gewässer-, Ausführungs- und Kostenplan, Förderantrag und vorzeitiger Maßnahmenbeginn sind seinen Worten zufolge zu beachtende Punkte bei der Realisierung. Die Wünsche der Teilnehmergemeinschaften „bekommen ein Ranking“, sagte er.

Wie das aussehen könnte, erläuterte er am Beispiel eines Wegs zwischen Rothenberg und Ober-Hainbrunn. Dessen Realisierung war eigentlich für 2019 geplant, konnte aber aufgrund fehlender Fördermittel nicht angegangen werden. In der Ranking-Simulation erreicht die Strecke nun für 2020 einen relativ hohen Wert von 79. Das Problem: Mit 86 steht ein anderes Verfahren besser da. Somit bleibt der hiesigen TG nur die Hoffnung, dass die höher gewertete Maßnahme eventuell nicht realisiert wird.

Bingenheimer erläuterte die maximale Förderung pro Gemeinde. 2500 Euro sind pro Hektar möglich, sagte er. Am Beispiel Rothenberg mit 1500 Hektar Fläche ergibt sich seinen Worten zufolge eine maximale Summe von 3,75 Millionen Euro. Derzeit genehmigt seien 2,6 Millionen – also noch Luft nach oben. Die ist auch nötig ist, denn es hängen noch einige Wünsche in der Pipeline.

„Sechs Verfahren sind in Oberzent am Laufen“, erläuterte Fabian. Früher gab es dafür 90 Prozent Zuschuss, heute sind es noch 80 Prozent, wenn es um die Flurneuordnung geht. Ziel der Verfahren sind die Erhaltung der Kulturlandschaft, die Förderung von Land- und Forstwirtschaft, Wege- und Brückenerneuerung, aber auch Regionalentwicklung oder die Ausweisung von Uferrandstreifen, wie es jetzt an der Mümling in Hetzbach geschah.

11,5 Millionen Euro an Förderung flossen bisher nach Oberzent, listete Fabian auf, davon sieben Millionen für Wegeerneuerung. Er nannte unter anderem den Buckelackerweg in Unter-Sensbach mit 240.000 Euro (inklusive städtischer Anteil) oder die Asphaltstraße von Schöllen- über Hesselbach bis zum Wildgatter Würzberg für 560.000 Euro.

Ob Brückenbau in Schöllenbach, Weg zum Sportplatz in Hetzbach oder Radweg an die Krähberghalle: In den vergangenen Jahren wurde einiges über die Flurbereinigung abgewickelt. Und es kommt noch etliches: „Es sind für Oberzent noch 3,7 Millionen an Fördermitteln geplant“, so der Verfahrensleiter auf. Zwei Strecken zwischen Rothenberg und Ober-Hainbrunn finden sich darin mit 144.000 und 314.000 Euro, dazu noch der Panoramaweg auf 1900 Metern mit 300.000 Euro. Für Hetzbach führte Fabian den Golfplatz-Bereich, den Weg entlang der Bahntrasse unter anderem für Radler und landwirtschaftliche Fahrzeuge und die Strecke hoch zum Friedhof an.

 

Das Amt für Bodenmanagement in Heppenheim ist eines von sieben in Hessen. Es betreut die größte Fläche von allen. Zu ihr gehören unter anderem der Kreis Bergstraße und der Odenwaldkreis. Die Ämter sind Teil der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation (HVBG) und bündeln die Bereiche Landesvermessung, Liegenschaftskataster, Flurneuordnung und Wertermittlung. 42 Mitarbeiter beackern derzeit in Heppenheim 40 Verfahren. Jedes Jahr werden im Bundesland fünf Millionen Euro aufgeteilt. Heppenheim bekommt davon 420.000 Euro, somit im Schnitt pro Verfahren 14.000 Euro. Da die Maßnahmen aber nach Ranking abgearbeitet werden, können somit höhere Summen auf einzelne Vorhaben entfallen.

Narrhallas Narren lassen es krachen

Von dem bisschen Wind lassen sich Narrhallas Narren nicht die Feierstimmung wegblasen. Sturmtief „Bennet“ wurde am Rosenmontag einfach ausgesessen. Am Nachmittag waren Orkan und Regen durchgezogen, sodass dem Faschingsumzug durch die Narrenhochburg des Finkenbachtals nichts mehr im Wege stand. Trockenes Wetter, noch erträgliche Temperaturen und 31 ideenreiche Zugnummern bescherten dem Verein wieder einen großen Ansturm zum Nachtumzug.

Besonders am Moderationsstopp kurz vor der Abzweigung zur Sporthalle herrschte großer Betrieb, da die Narren dort auch eine Verpflegungsstation aufgebaut hatten. Dort schwenkte die vorausgehende Guggemusik des Fanfarenzugs Wiesenbach ein und beschallte anschließend die Gäste. Der 15. Rosenmontagsabendumzug im 36. Jahr der Narrhalla wurde an allen Ecken und Enden mit einem lautstarken Helau begrüßt.

31 Fußgruppen, Garden und Motivwagen zogen vom Alten Schulhaus aus über die gesperrte Landesstraße durch den Ort. Danach stieg in der Sporthalle die große Hawaii-Party im Trockenen und Warmen. Die meisten Zuschauer versammelten sich rund um den Dorfbrunnen an der Abzweigung zum Himmelreichweg, wo sie mit Speisen und wärmenden Getränken versorgt wurden. Zugmoderator Carsten Werner kündigte dort die jeweiligen Gruppen und Zugnummern an. Feuerwehr und DRK umrahmten den Narrenwurm.

Die Gäste sparten nicht mit aufmunternden Fastnachts-Rufen für die weit über 200 Aktiven, ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. Erste Auflage des Umzugs war bereits im Jahr 2005 anlässlich des 22. Die Veranstalter vom SV stellten mehr als die Hälfte der Gruppen, darunter – neben anderen – Dancing Starlets, Minischautanzgruppe, Next Generation, Happy Feet, SV-Funken, Männerballett Biergorgler oder die Showtanzgruppe Crazy Girls.

Das Oberzent-Prinzenpaar Trudi und Jupp aus Rothenberg sowie Funkenmariechen Paula Manschitz beschlossen die große Demonstration fastnachtlicher Macht aus dem Oberzent-Stadtteil. Aus Hirschhorn war das Lachsbachperlen-Kinderprinzenpaar Aliyah I. und Elias I. mit Funkenmariechen Josephine dabei.

Auf der Suche nach Dagobert Ducks Tresor machten die Panzerknacker des badischen Äppelwoiteams Heddesbach eine Tour nach Hessen und brachten mit heißer Musik und tanzwütigen Insassen Hainbrunn zum Beben. Die „Wilde 13“ aus Brombach ließ allerlei Clowns aufmarschieren. Auch die Sensbachtaler Fastnachtsfreunde waren mit Elferrat und Garden auf Tour. Der „Wohnwagen Rothenberg“ hatte mal sich der Klempnerkrise angenommen und wieder einen Hingucker gebaut. „Super Mario“ richtet’s, hieß es bei ihnen.

Die Hirschhorner Ritter waren mit Prinzengarde und dem aktuellen Prinzenpaar Ulli I. und Mathias II. vertreten. Alle zusammen liefen sie dann in die Sporthalle ein, um dort schwupps auf Hawaii  anzukommen. Das Aufbauteam des SV Narrhalla hatte ganze Arbeit geleistet. An der Tiki-Bar blieben keine Wünsche offen. Mit lautem „Aloha“ wurden die Gäste begrüßt. Verführerische Südseeschönheiten stillten mit leckeren Cocktails, aber auch fastnachtlichen Standardgetränken den Durst der Narren.

Besonders schöne Stämme kommen unter den Hammer

Die besten und wertvollsten Stämme aus dem Bereich des Forstamts Beerfelden gibt’s derzeit bei der Eberbacher Nadelholz-Submission zu ersteigern. Je vier Lärchen und Douglasien hat Revierförster Stefan Aßmann bei Ober-Schönmattenwag ausgesucht, um mit ihnen bei der 12. Versteigerung dieser Art sehr gute Preise zu erzielen. Insgesamt 1206 Festmeter aus Baden-Württemberg, Hessen und Bayern kommen bis 14. Februar unter den Hammer.

Allen acht Stämmen mit zusammen 23 Festmetern ist gemein, „dass sie besonders schön und relativ gerade sind“, erläutert der stellvertretende Forstamtsleiter Sebastian Vocilka. Denn Käufer suchen Hölzer, die „an der Oberfläche astrein sind“, um in einem Stück verarbeitet werden zu können. Die jetzt zum Verkauf stehenden Bäume haben ihre Äste schon relativ früh verloren, weshalb schon Holz und Rinde darüber gewachsen ist. Es ist nicht so schlimm, wenn es einen einzelnen, dickeren Ast gab: Denn der konnte weggesägt werden, womit der Rest des Stamms noch verwertbar ist, sagt er.

Damit es sich fürs Forstamt lohnt, überhaupt einen voll beladenen Lkw nach Eberbach zu schicken, „müssen die Stämme eine gewisse Stärke haben“, so Vocilka. Ab 50 Zentimeter Durchmesser, also Stärke 5, „wird’s für den Käufer interessant“, weiß er. Zehn oder 20 Zentimeter mehr, Stärke 6 oder 7, „bringen gute Preise“. Bei der Douglasie kommt außerdem hinzu, dass sie groß gewachsen sein sollte.

Mit zehn bis 15 Metern Länge wuchern die vier in Eberbach befindlichen Stämme, dazu mit einem Durchmesser ohne Rinde von 58 bis 63 Zentimetern. „Die Sägewerke zahlen dafür in der Regel gute Preise“, weiß Vocilka. Denn auf den Submissionen sind „dicke Stämme gesucht“. Sie sollen außerdem einen guten Jahresring-Aufbau haben. Wenn diese zu breit sind (über einen Zentimeter), ist der Baum zu schnell gewachsen.

Lärchen der Stärkelasse 6 gibt es nicht so viele auf dem Markt, sagt der Forstmann. Deshalb rechnet er sich für diese und auch etwas schwächere Stämme ein nettes Sümmchen aus. Das muss unterm Strich auch rauskommen, damit sich der Aufwand lohnt. Gebühren, Kosten und Transport läppern sich zu einem Aufschlag von 40 Euro pro Festmeter, der mindestens zusätzlich zum normalen Verkaufspreis „aus dem Wald“ obendrauf kommen muss. Sonst würde es sich fürs das Forstamt nicht rechnen.

Wenn eine besonders gut gewachsene Douglasie direkt aus dem Gemeindewald verkauft wird, sind zwischen 120 und 180 Euro/fm machbar, erläutert der Forstbeamte. Damit also die Kosten „drin sind“, müssten es bei der Submission mindestens 200 bis 220 werden. Vocilka ist optimistisch, dass die anvisierten Preise erzielt werden können. Denn eine solche Qualität findet sich nicht überall. Die Bieter werden für die „richtig wertvollen Sachen“ auf jeden Fall höhere Angebote abgeben, damit sie den Kauf sicher haben. Manchmal komme man so sogar über 300 Euro pro Festmeter.

Anfang 2018 war das Forstamt Beerfelden mit stolzen 150 Festmetern aus den angeschlossenen Revieren vertreten. „Damals hatten wir vorher große Hiebe vor allem im Staatswald“, sagt Vocilka. „Die Submission war insgesamt ein Erfolg“, blickt er zurück, wenn sich auch einzelne Stämme nicht so lohnten. In den Süden Bayerns, in den Schwarzwald, aber auch in den Norden verkaufte man die Stämme. Jetzt ist alles anders. Erst kam Sturm Friederike, dann der Borkenkäfer, weshalb man gerade im Fichten- und Kiefernbereich die Einschlag-Bremse zog.

Bei der Submission zählt ebenfalls das Motto: „Dabei sein ist alles.“ Die Forstamts-Mitarbeiter „können etwas über unsere Kunden lernen“, betont Vocilka. „Wir erfahren, was gesucht wird.“ Auch ergeben sich Anschlussgeschäfte. Wie vergangenen Jahr, als ein Sägewerk aus Bayern nur einen halben Lkw voll hatte und noch ein paar Hölzer zum Auffüllen suchte. Die Nadelholz-Versteigerung ist eine Art Messe, auf der sich die Holzvermarkter präsentieren, so der Forstmann. Werbung in eigener Sache heißt die Devise auf einem hart umkämpften Markt.

Die Nadelholz-Submission in Eberbach wird seit 2008 jährlich von den unteren Forstbehörden des Rhein-Neckar- und Neckar-Odenwald-Kreis organisiert. Die Hölzer kommen aus den Regionen Odenwald, Bauland und Heilbronn und somit aus Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Im Schnitt werden 400 Stämme angeboten. Dieses Jahr wird die Rekordmenge von über 1200 Festmetern, davon 730 fm Lärche und 473 fm Douglasie, versteigert. Kiefer ist zu vernachlässigen.

Die erste Abfrage an die Forstämter erfolgt bereits im September oder Oktober des Vorjahres: „Wie viel Holz bringt ihr dieses Mal her?“, heißt es dann an die Vermarkter. Bis Mitte Februar können sich Kunden nach der Anlieferung um die Jahreswende aufgrund des Losverzeichnisses und vor Ort einen Überblick verschaffen, um dann bis spätestens 14. Februar ein Angebot bei der Forstbetriebsleitung Schwarzach abzugeben. In der Regel erhält einen Tag später das höchste Angebot den Zuschlag. Die Käufer müssen die Hölzer bis Ende März abholen.

 

Am Eutersee: Warten auf die Genehmigung zum Ausbaggern

In dem einen Jahr seit dem Start der Arbeiten am Eutersee hat sich schon einiges getan, freut sich Projektlotsin Anneli Hieronymus. Im Rahmen der IKEK-Förderung wurde für das Projekt „Entwicklung der Anlage am Eutersee“ eine Zusage erteilt, was Anfang 2018 zum Start der ehrenamtlichen Tätigkeiten an diesem Naherholungsziel führte. Im Moment sind sie aber etwas ins Stocken geraten, weil eine Genehmigung des Regierungspräsidiums (RP) zur Ausbaggerung am Zulauf fehlt.

Vergangenen Februar liefen in Absprache mit der Naturschutzbehörde die Gehölzschnitte, erläutert Hieronymus. Im Juni gab es eine Mähaktion. Höhepunkt war der Freiwilligentag Mitte September. Es wurde gemäht und zurückgeschnitten, was das Zeug hielt. Mit 20 Freiwilligen „ein voller Erfolg“, betont sie. Im Schnitt kommen zwischen zehn und zwölf Helfer zu den Aktionen, erläutert die Schöllenbacherin. Meistens sind diese im Alter von 60 aufwärts, weswegen sie sich mehr Engagement von Jüngeren wünscht. „Die nutzen den See doch auch als Ausflugsziel“, meint sie schmunzelnd – und könnten deshalb mal mit anpacken.

Für die Ausbaggerung gibt es bereits die Zusage auf Kostenübernahme durch die Stadt, sagt die Projektlotsin. Man warte nun aber auf die Freigabe durch das RP, weswegen derzeit „alles auf Eis liegt“. Dabei wäre der Zeitpunkt optimal. Nach dem Schaden an der Fischtreppe durch das Hochwasser im vergangenen April wurden ein bis zwei Meter Wasser abgelassen, um diese reparieren zu können. Somit beste Bedingungen zum Baggern.

Denn der Eutersee verlandet am nördlichen Einlauf immer mehr. Es wäre jedoch viel zu teuer, die dort entstandene Insel abzutragen. Stattdessen soll lieber im Umfeld abgelagerter Sand ausgebaggert und aufgeschüttet werden. Damit könnte eine begehbare Sandspielinsel für Kinder entstehen. Die Vorarbeiten leisteten die Helfer bereits im vergangenen Jahr, als sie dort die wild gewucherten Sträucher entfernten.

Die Ehrenamtlichen wollen aktuell abwarten, bis die RP-Genehmigung vorliegt. Sollte dies zeitnah erfolgen, „können wir bis Ende Februar noch einmal die Gehölze zurückschneiden“, erläutert Hieronymus. Im Sommer wäre dann eine erneute Mähaktion drin. Sie wünscht sich, dass das freiwillige Engagement auch von Behördenseite dadurch honoriert wird, dass diese für einen zeitigen Fortgang durch entsprechende Genehmigungen sorgt.

Weiterhin gibt es die Überlegung, ob sich auf dem Gelände zusätzliche Ruhebänke aufstellen lassen. Mit dem Naturpark ist man wegen der Erneuerung des Grillplatzes an der Schutzhütte in Kontakt. Ein Mitarbeiter war im Herbst vor Ort. „Leider haben wir seitdem nichts mehr gehört“, bedauert sie. Sollte sich nichts tun, „müssen wir eben im Februar oder März den Leuten nochmal auf die Füße treten“, kündigt die Projektlotsin an.

Früher war von der „Adria des Odenwalds“ die Rede, wenn die Sprache auf den Eutersee kam. Da zählten die Schöllenbacher an einem Tag schon mal 3000 Besucher. Das war aber in den 70er Jahren, der Marbachstausee damals noch nicht gebaut. Auch in späteren Zeiten war das Gewässer, wildromantisch im Tal von Schöllenbach aufwärts Richtung Bullau gelegen, Ziel vieler Ausflügler aus der gesamten Region.

Idyllisch murmelt der Euterbach ins Tal hinunter, eine Holzbrücke führt übers gurgelnde Gewässer, der See gewinnt nur langsam an Tiefe, auf einem unbefestigten Weg lässt er sich gemütlich umrunden: beste Bedingungen, um hier ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen. Das genossen schon vor 30 oder 40 Jahren Ausflügler aus dem hohen (badischen) Odenwald mitsamt den Hessen. Doch die Natur hat sich in der Zwischenzeit das Gelände wieder zurückgeholt.

Der Eutersee, 1971 als Hochwasserrückhaltebecken gebaut, liegt nordöstlich von Badisch- und Hessisch-Schöllenbach. Mit seinem Ostteil gehört er zu Baden-Württemberg. Nur ein paar Meter weiter nördlich ist die bayrische Grenze. Der Stausee hat knapp einen Hektar Fläche. Er wird in Nord-Süd-Richtung vom namengebenden Euterbach durchflossen, der sich im Dorf mit dem Schöllenbach zum Itterbach vereint. Der wird talwärts Itter genannt und mündet bei Eberbach in den Neckar.

Info: Interessierte und Förderer können sich bei Anneli Hieronymus unter Telefon 06276/554 oder E-Mail anneli.hieronymus@web.de melden.

Ural Kosaken mit Liedern aus der russischen Seele

„Lieder der russischen Seele – Erinnerungen an Alexandra“ heißt es am Sonntag, 21. Oktober, mit dem Ural Kosaken Chor und Dorothee Lotsch unter der Mitwirkung des Dreiklang-Frauenchors Igelsbach. Um 18 Uhr geht es in der evangelischen Michaelskirche an der Ecke Bahnhofstraße/Neuer Markt in Eberbach los.

Der berühmte Ural Kosaken Chor, der auf eine mehr als 90-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken kann, begeistert sein internationales Publikum mit Können, Perfektion und authentischen Vorträgen. Zu den Solisten des wohl ältesten Vertreters aller Kosakenchöre zählten der Bass Ivan Rebroff und der charismatische Bariton Alexander Skovitan, Sohn der unvergessenen deutschen Sängerin Alexandra.

In Weiterführung der Tradition der großen russischen Arrangeure S. Jaroff und A. Scholuch präsentiert der Chor neben melancholischen Stücken auch ausdrucksstarke, temperamentvolle Volksweisen aus dem alten zaristischen Russland und der Ukraine, russische Klassiker sowie Lieder aus dem Repertoire von Alexandra wie zum Beispiel „Am großen Strom“, „Sehnsucht – Das Lied der Taiga“, „Ja lublu tebja“ (Schwarze Augen) und „Moskauer Nächte“.

Tradition wird beim Ural Kosaken Chor großgeschrieben. Dennoch wagt man es auch, etwas Modernes zu machen. Seit 2004 begleitet die deutsche Solistin Lotsch den Chor bei auserlesenen Galakonzerten: Eine Sängerin, die Gefühl ausstrahlt, eine Sängerin, die das Repertoire von Chansonsängerin Alexandra auferstehen lässt und die das Publikum mit ihrer anmutigen Stimme verzaubert.

Vorverkauf: Rhein-Neckar-Zeitung, Neuer Markt 8, Tabak Presse Shop Sohns, Neuer Weg 47/1 (Kaufland), Barbara´s Beauty Boutique, Hauptstraße 25, Buchhaus Eberbach, Bahnhofstraße 17, alle in 69412 Eberbach, Feines im Fachwerk, Hauptstraße 24, 69434 Hirschhorn. Kartenpreise: Vorverkauf 18 Euro, Abendkasse 23 Euro. Einlass und Restkarten etwa eine Stunde vor Konzertbeginn.

 

Gelungener Brückenschlag in Schöllenbach

Der Brückenschlag von Hessen nach Baden ist mit Hilfe der Flurbereinigung gelungen. Knappe drei Monate war die Euterbachbrücke zwischen Hessisch- und Badisch-Schöllenbach gesperrt, jetzt ist die wieder offiziell für den Verkehr freigegeben. Ihre wichtige Funktion als West-Ost-Verbindung wurde schon bei der Einweihung deutlich, als sie der Pkw-Verkehr eifrig nutzte. Zwei Drittel der notwendigen Mittel wurden im Rahmen der Flurbereinigung durch das Amt für Bodenmanagement (AfB) Heppenheim zur Verfügung gestellt.

Ob badische oder hessische Beteiligte: Alle waren früh darüber, dass die seit 2014 provisorisch gestützte und zwischenzeitlich für den Schwerlastverkehr gesperrte Verbindung jetzt wieder frei befahrbar ist. Ohne die Flurbereinigung wäre es für die beiden beteiligten Städte schwierig geworden, die Gesamtkosten von 260.000 Euro zu stemmen.

Verfahrensleiter Thomas Fabian vom AfB erläuterte, dass die Brückensanierung im 2011 genehmigten Wege- und Gewässerplan zurückgestellt wurde, weil die Erneuerung der benachbarten Friedhofsmauer Priorität hatte. „Die war in einem katastrophalen Zustand“, sagte er. Jedoch „zickte“ 2014 auch die Brücke. Mit Stahlspriesen wurde sie provisorisch befestigt, jedoch bestand Handlungsbedarf. „In Einzelgenehmigungen haben wir das Projekt noch durchgebracht“, beschrieb er den kleinteiligen Weg.

Eigentlich sollte der Beginn der Maßnahme bereits 2017 sein, doch durch die verzögerte Hangsanierung der Verbindungsstraße zwischen Kailbach und Schöllenbach verschob sich der Termin. Somit wurde die Brücke erst Anfang April voll gesperrt, um sie dann in knapp drei Monaten zu erneuern. Das ging so schnell, erläuterte Heiko Stumpf vom Eberbacher Planungsbüro Moray, weil drei Stahlbeton-Fertigbausteile verwendet wurden.

„Die Finanzierung lief für beide Städte recht günstig“, betonte Fabian. In den sechs Vorbesprechungen „haben wir uns locker auf die jeweiligen Sätze geeinigt“. Angesichts der Gesamtkosten nur jeweils mit 40.000 Euro beteiligt zu sein, nannte er „eine schöne Sache für die Kommunen“. Die Planungskosten werden vom AfB getragen.

Stumpf widmete sich der Historie: Demnach gründete die Grenzbrücke auf alten Sandsteinklötzen, die auf Fels errichtet wurden. Die Ertüchtigung 1966 geschah nur bis für eine Last bis zu 18 Tonnen, allerdings seien heutige Lkw viel schwerer. Mit der jetzigen Ausführung „ist die Achslast von 30-Tonnern berücksichtigt“, sagte er.

AfB-Leiter Thomas Knöll wies darauf hin, „dass ohne die Kommunen die Finanzierung nicht möglich wäre“. Die Hälfte der ausgeschütteten Fördermittel komme von der EU, erläuterte er. Landrat-Stellvertreter Franz Löchner freute sich als alter Hesselbacher, dass nun die Verbindungsstraße wieder offen ist. „Früher bin ich hier zum Einkaufen oder zur Bahn oft drübergelaufen“, sagte er. Er wies auf die große Bedeutung des Bauwerks zwischen Hessen und Baden-Württemberg, Oberzent und Eberbach hin.

„Was gibt es Schöneres als Brücken zu schlagen“, meinte Eberbachs Bürgermeister Peter Reichert, der seine Freude über die Erneuerung äußerte. Die Flurbereinigung bietet seinen Worten zufolge gerade „im ländlichen Raum zahlreiche Möglichkeiten“. Er dankte den Anwohnern, „dass sie so lange mit der Baustelle lebten“. Oberzent-Kollege Christian Kehrer sagte trocken, „der Verkehr ist schon da“, als nacheinander ein Schweizer und ein Frankfurter Auto die Brücke querten. „Für uns als Kommune ist es sehr wichtig“, dass die Flurbereinigung „jede Menge Geld in die Hand nimmt“, betonte er.

Hessenecks Ortsvorsteher Martin Pollack, der ebenso wie sein badischer Kollege aus Friedrichsdorf, Harald Friedrich, dabei war, dankte dem früheren Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig für die ständige Baubegleitung auch über das Ende seiner Amtszeit hinaus. Pfarrerin Claudia Borck segnete danach das Bauwerk, ehe es für die Gäste einen Kuchen mit den Wappen beider Städte gab.

 

  • Die Euterbachbrücke verbindet das hessische Oberzent-Schöllenbach mit dem badischen Eberbach-Schöllenbach. Sie liegt zu 90 Prozent auf Oberzent-Gemarkung.
  • Ursprünglich für Pferdefuhrwerke errichtet, erfolgte in den 1960er Jahren eine Ertüchtigung für Autos und Holztransporter.
  • 2014 wurde die marode Brücke mit Stahlpriesen unterstützt und für die Holzabfuhr gesperrt
  • Beginn der Baumaßnahme im Zuge des Flurbereinigungsverfahren Kailbach-Schöllenbach Ende März 2018
  • Fertigstellung der Euterbachbrücke Ende Juni, Bauabnahme 20. August, offizielle Einweihung 21. August
  • Gesamtkosten 260.000 Euro, Bezuschussung durch das Amt für Bodenmanagement in Höhe von 65 Prozent
  • Eigenanteil für die Städte Oberzent und Eberbach 35 Prozent, jeweils etwa 40.000 Euro
  • Für die Erneuerung der Brücke wurde zunächst der alte Überbau komplett abgerissen. Im Anschluss wurden die vorhandenen Widerlager verstärkt, danach der neue Überbau hergestellt. Dieser besteht aus drei Fertigteilen aus Stahlbeton. Mit dem neuen Überbau erfolgte gleichzeitig eine Fahrbahnaufweitung entlang des Euterbaches.

Handkäs ist der Renner bei der Ober-Hainbrunner Feuerwehr

Handkäs, Kochkäs, Bembel und selbstgemachtes Gulasch: Wenn die Ober-Hainbrunner Feuerwehr zu Tisch bittet, dann gibt es die etwas andere, sehr hessische Speisekarte. Die Jugendwehr hat beim traditionellen Handkäsfest ihren großen Auftritt, denn die Einnahmen gehen in ihre Kasse. Da schmeißen sich die Jugendlichen doch gern in ihre Feuerwehr-Shirts und flitzen an den Bierbänken vorbei. Aber natürlich packt an diesem Tag die Einsatzabteilung mit Anhang mit an.

Über Mittagszeit füllen sich Fahrzeughalle und Vorgelände schnell mit vielen Besuchern, die das namensgebende Gericht probieren möchten. Der Betrieb bis fast zur Straße hin ist kein Problem, da sie in den Nachwehen des Finki-Festivals überregional noch als gesperrt gekennzeichnet ist. Für die Ober-Hainbrunner ist das Fest dieses Mal Stress pur: Seit Donnerstag bei der Brandsicherheitswache rund ums Finki aktiv, dürfen sie nach deren Ende gleich weiter ranklotzen, während es sich die Kollegen auf den Holzbänken gemütlich machen und die anstrengenden Tage runterspülen.

„Der Handkäs ist eine super Konstante“, freut sich Kommandant Stefan Hofmann. 165 Portionen mit Musik waren am Ende des Tages verkauft. Für die Zubereitung ist das Frauenküchenteam im Keller zuständig, das seine ganz speziellen Kreationen einbringt. Am Vortrag wurde die Lieferung eingelegt, damit sie das ganze besondere Aroma bekommt. „Alles wird selbst zubereitet“, sagt der Chef der Stadtteilwehr.

Dazu noch 90 Portionen Kochkäse und als Mittagessen Gulasch – aus dem Keller wird nonstop das Beste aufgefahren. Fürs Gulasch schnippelte Hofmann mit Tränen in den Augen kiloweise Zwiebeln, während sich Klaus Wendler, früher Koch im Rothenberger Hirsch, ums Fleisch kümmerte. „Ab 7 Uhr morgens“, merkt er an. 70 bis 80 Portionen wurden zubereitet. Der Lohn der vielen Arbeit waren leere Kühlschränke: Die Gäste futterten alle Vorräte auf.

Damit’s auch richtig schön zünftig zugeht, haben die Brandschützer etliche Bembel im Umlauf, aus denen der Äppelwoi in Strömen fließt. Auch die Floriansjünger aus dem badischen Brombach werden langsam ans hessische Nationalgetränk herangeführt. Die Badener sind nicht die einzigen Besucher von befreundeten Wehren. Neben den Abteilungen Kortelshütte und Rothenberg (die Finkenbacher waren noch durchs Festival gefordert) sind auch die Hirschhorner und Langenthaler gerne gesehene Gäste.

Zu diesen gesellen sich aber über den Tag auch viele andere Besucher sowohl aus der neuen Stadt als auch von außerhalb. Nach dem HSV-Spiel in Sandhausen kamen auf dem Rückweg noch ein paar Rentner vorbei und feierten den Sieg der Hamburger. Angeschaut werden konnten den Tag über auch die beiden neuen Feuerwehrfahrzeuge.

Seit elf Jahren, mit Einweihung des Feuerwehrhauses am Ortsausgang Richtung Finkenbach, feiern die Floriansjünger nun dort ihr Handkäsfest. Zuvor war man in der freien Natur bei der unteren Hommerischen Quelle zuhause. Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung Ende der 70er Jahre zur Unterstützung der 1975 gegründeten Jugendwehr. In deren Kasse fließt auch der Erlös. Neue Feldbetten werden davon bezahlt.

Zehn Heranwachsende zählt die Jugendwehr, von denen einige an diesem Tag auch eifrig am Bedienen sind, nonstop die Treppe hoch und runter laufen. Natürlich tatkräftig unterstützt von der 21 Köpfe zählenden Einsatzabteilung. 70 Passive und zwischen sieben und acht Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung gehören ebenfalls mit zur Hainbrunner Truppe. 30 Aktive stemmen an diesem Tag das Fest, weitere sind an Auf- und Abbau beteiligt.

Eberbacher Grundschüler waren von den Beerfelder Bienen begeistert

Lustig zappelt der Drohn zwischen den Fingern von Su-Menekse. Interessiert und ohne Scheu schaut sich die Zweitklässlerin die männliche Biene von allen Seiten an. Nebendran freut sich Klassenlehrerin Pia Peters wie ein Schneekönig. „Genau das war mein Ziel“, sagt sie: nämlich den Kindern der 2a aus der Eberbacher Dr.-Weiß-Grundschule die Scheu vor den fleißigen Tieren zu nehmen. 22 Schüler waren zusammen mit ihr und fünf begleitenden Müttern zu Gast beim Imkerverein Beerfelder Land, wo es alles rund um die Bienen in spielerischer Form zu erfahren gab.

Etwa bei Alexander Friedel. Der wusste mit der Lust auf Süßes den Schülern die Angst vor der Bienenwabe zu nehmen. Drei Kilo ist der volle Honigraum schwer, berichtete er beim Herausnehmen aus der Beute, dem Bienenstock. Sol-Lady, Carolina, Erik und Anna schauten erst einmal etwas skeptisch auf das Gewusel und Geschwirre. Zaghaft steckten sie den Finger in den Honig, dann in den Mund – und der Bann war gebrochen. „Das schmeckt voll süß“, freute sich Carolina. Prompt tauchten sie die Finger zum Probieren noch mehrmals hinein.

„Unter dem Honigraum befinden sich zwei Bruträume“, erläuterte Friedel den Kindern. Die Honigsaison dauert von Mitte April bis Ende Juni. Die Bienen liefern pro Volk im Schnitt etwa 75 Kilo Honig im Jahr, leckeren Blütenhonig vom Bienenplatz Beerfelden. Aktuell sind es vor allem die stark blühenden Brombeeren, aber auch die Esskastanien, die als Nahrungsquelle dienen.

In der ersten Klasse galt es ein Maskottchen zu finden, erläutert Pia Peters den Hintergrund des Besuchs. „Da haben wir die Biene genommen.“ Kein Wunder, denn die Klassenlehrerin aus Michelstadt ist selbst Imkerin mit vier großen und zwei kleinen Völkern und Mitglied des Kreisverbands der Odenwälder Imker. Bei Dieter Berg, dem früheren Vorsitzenden des Beerfelder Vereins, ging sie „in die Lehre“. Es sei naheliegend, „dass die Bienenklasse mal bei den Bienen war“, schmunzelt sie.

Die Schüler waren bei den verschiedenen Aufgaben mit Begeisterung bei der Sache. Neben Friedel und Berg kümmerten sich auch die Vereinsmitglieder Norbert Kramer, Marlon Ihrig und Uwe Röglin um sie. Es ging um die Themen Kerzenrollen aus Bienenwachs, Königinnen zeichnen, Lebensräume schaffen, Futterquellen anlegen, die Entwicklung der Bienen oder männliche Tiere erkennen.

Im Unterricht war der Besuch natürlich im Vorfeld Thema. „Bis zu 60.000 Arbeiterinnen leben in einem Bienenstock“, erläuterte Peters dabei den Schülern. Dazu kommen maximal ein Drittel Drohnen und eine Königin. Im Laufe des Jahres nimmt die Zahl der Arbeiterinnen ab. Sie leben im Schnitt 35 Tage, während die Königin bis zu fünf Jahre alt werden kann. Sie legt am Tag etwa 2000 Eier.  Um Stock putzen, Wabenbau und Aufzucht kümmern sich die Weibchen. Die Männchen „fressen, fliegen aus, befruchten und werden dann gekillt“, brachte es die Lehrerin plastisch auf den Punkt.

„Das Kerzenrollen war besonders schön“, meinte Jule. Carolina schmeckte der Honig super, den sie direkt aus der Wabe naschen durfte. „Ich hatte keine Angst“, meinte sie selbstbewusst. Auch Anna machte alles viel Spaß. „Der Honig war sehr lecker“, sagte sie. Yusuf war von den „großen Glubschaugen“ der Drohnen beeindruckt. Auch hatte er sich den Unterschied zu den Arbeiterinnen gemerkt. Wie die Vereinsmitglieder ein verwildertes Grundstück wieder herrichteten, fand er toll.

Was es damit auf sich hat, erklärte Norbert Kramer. An der B45 nahm sich der Imkerverein ein Gelände vor, richtete es her, säte einen Grünstreifen ein und pflegt es regelmäßig. Wildbienen finden dort Nahrung. „Kürzlich haben wir Heu gemacht“, sagte er. Das geht dann an einen Bauern. An Birkenhöhe und Jahnstraße gibt es zwei weitere Grundstücke, auf denen Spätblüher angepflanzt wurden.

„Zehn Quadratmeter Blühstreifen pro Garten sind nicht viel“, meinte Kramer. Wenn es 1000 Einwohner machen, „kommt damit ein Hektar zusammen“. Er ist gegen einen kurz gehaltenen Rasen. „Wo was wächst, finden die Bienen genug Nahrung“, so sein Credo.

 

Bild: Alexander Friedel mit Sol-Lady, Carolina, Erik und Anna (v.l.)

 

Eberbacher Segelflieger ehrten langjährige Mitglieder

Gerd Weinelt, Ehrenpräsident des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbands (BWLV), schaute kürzlich bei der Versammlung des Segelflieger-Clubs Eberbach vorbei. Der Grund: die Ehrung von drei seit vielen Jahren ehrenamtlich für den Luftsport und hier besonders für den Eberbacher Verein engagierten Fliegern. Vorsitzender André Foshag freute sich über hohen Besuch.

Peter Schink konnte seine Ehrung nicht persönlich entgegennehmen. Er ist seit 1993 Mitglied. Ohne seine Spenden hätte sich der Verein verschulden müssen und die daraus resultierenden Flugstundenpreise wären für viele Mitglieder nicht mehr tragbar gewesen. Foshag bringt ihm die Urkunde und die „Wolf-Hirth“-Medaille in Bronze vorbei.

Dieter Gerbracht stand als Zweiter auf der Liste. Er ist seit 1961 Mitglied im Segelfliegerclub. Seine ehrenamtlichen Leistungen seit vielen Jahren als Fluglehrer sind beispiellos, führte Foshag aus. 1978 wurde ihm die bronzene Ehrennadel verliehen, jetzt erhielt er die silberne des BWLV für seine langjährige aktive Mitgliedschaft. Darüber hinaus wurde Gerbracht die Ehrennadel des Deutschen Aeroclubs in Gold für über 30 Jahre ehrenamtliche Fluglehrertätigkeit verliehen.

Mit der Goldenen BWLV-Ehrennadel wurde Armin Mohr geehrt, seit 1966 aktives Mitglied. Er war 35 Jahre lang Kassenwart und meist zugleich Schriftführer. Zusätzlich war Mohr von 1987 bis 1996 zweiter Vorsitzender der Segelflieger. 1981 wurde ihm die bronzene und 1997 die silberne Ehrennadel des BWLV verliehen. Foshag betonte, dass der Verein heute noch von Mohrs gründlichen Dokumentationen und Arbeiten vergangener Tage profitiert und sich sehr darüber freut, dass er ihm weiter mit Rat und Tat zur Seite steht. Bei der Übergabe der Ehrennadeln und Urkunden dankte auch Gerd Weinelt den Geehrten für ihre hervorragenden Leistungen für den Luftsport und den Segelfliegerclub.

 

 

Engagierte Ehrenamtliche wollen den Eutersee bei Schöllenbach als Naherholungsgebiet wieder attraktiver machen

Früher war von der „Adria des Odenwalds“ die Rede, wenn die Sprache auf den Eutersee kam. „Da haben wir an einem Tag schon mal 3000 Besucher gezählt“, erinnert sich Rudolf Brandel. Das war in den 70er Jahren, der Marbachstausee damals noch nicht gebaut. Auch in späteren Zeiten war das Gewässer, wildromantisch im Tal von Schöllenbach Richtung Bullau gelegen, Ziel vieler Ausflügler aus der gesamten Region. Jetzt ist es in die Jahre gekommen. Engagierte Bürger wollen dem Gelände zu früherem Glanz verhelfen.

Idyllisch murmelt der Euterbach ins Tal hinunter, eine Holzbrücke führt übers gurgelnde Gewässer, der See gewinnt nur langsam an Tiefe, auf einem unbefestigten Weg lässt er sich gemütlich umrunden: Beste Bedingungen, um hier ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen. Das genossen schon vor 30 oder 40 Jahren Ausflügler aus dem hohen badischen Odenwald mitsamt den Hessen. Doch die Natur hat sich in der Zwischenzeit das Gelände wieder zurückgeholt. An der Grillhütte wurde vor fünf Jahren das letzte Mal gewerkelt.

Jetzt gibt es neue Möglichkeiten: Denn im Rahmen der Beratungen über das IKEK-Programm kam der Gedanke auf, auch am See tätig zu werden, erläutert Anneli Hieronymus. Sie trommelte zehn Interessierte für ein erstes vorbereitendes Treffen zusammen, bei dem Ideen gesammelt wurden, was man wie angehen kann. Vier Arbeitseinsätze im Jahr will die Truppe anstreben. Der erste findet am 17. Februar zwischen 10 und 14 Uhr statt. Dann soll es dem Wildwuchs an die Büsche gehen. Weitere Interessierte sind gerne willkommen.

Renovierungsarbeiten an der in den 80er Jahren entstandenen Hütte will man für den Sommer ins Auge fassen. Es geht außerdem darum, das Brückengeländer instand zu setzen, die Bankanlage wieder auf Vordermann zu bringen und dem Grillplatz neuen Glanz zu verleihen. Im Gespräch ist auch eine Art Hausmeister, der ein Auge auf das Gelände hat. Denn Wildcamper und Feierwütige haben ihre Spuren hinterlassen. Die Hütte ist öffentlich nutzbar, für größere Feiern empfiehlt sich eine Anmeldung, damit dann der Strom freigeschaltet wird.

Anneli Hieronymus stellt sich vor, über das Leader-Programm und den GEO-Naturpark Fördertöpfe anzuzapfen. Darüber hinaus „sind Sponsoren gerne willkommen“, lacht sie. Auch die neue Stadt ist natürlich im Boot. Mit Interims-Bürgermeister Egon Scheuermann, Bauamt und Bauhof steht die Kontaktaufnahme an, um von dort Fachwissen und Manpower zu erhalten.

Rudolf Brandel erinnert sich noch wehmütig an all die vielen Grillfeste, die an dieser Stelle gefeiert wurden. Legendär ist die Beach-Party der Jugendfeuerwehr, die Gäste in großen Scharen anzog. Aber genau das war dann auch das Problem. „Wir konnten die Sicherheit nicht mehr gewährleisten“, bedauert er. „Das ist sehr schade, weil das Gelände ideal für Feiern ist.“ Jetzt dümpelt es seinen Worten nach nur noch vor sich hin, „keiner macht mehr Feste“.

Damit es am Eutersee aber mal wieder hoch hergehen kann, muss erst das Umfeld stimmen. Eine feste Zuwegung, die nötige Infrastruktur und einen Shuttleservice aufgrund begrenzter Parkplatzzahl nennt Hieronymus als Grundvoraussetzungen. Der Weg am anderen Seeufer sollte schon vor längerer Zeit saniert werden. „Wir wollen diese ganzen Maßnahmen jetzt wieder anstoßen“, sagen die Ehrenamtlichen.

Auf einer Wunschliste wurde darüber hinaus das zusammengetragen, was den Teilnehmern spontan in den Sinn kam. Dazu zählen eine Liegefläche, ein Steg im See, Befestigung der Wege, eine Spielinsel für Kinder, Erhalt der Schutzhütte und Sitzgelegenheiten rund um den See. Eine Toilettenanlage und die Erweiterung des Pflasters rund um die Hütte sind ebenfalls angedacht. Man würde auch gerne die direkt angrenzenden Bäume fällen, erläutert Brandner, aber die sind in Privatbesitz.

Der Eutersee, 1971 als Hochwasserrückhaltebecken gebaut, liegt nordöstlich von Badisch- und Hessisch-Schöllenbach. Mit seinem Ostteil gehört er zu Baden-Württemberg. Nur ein paar Meter weiter nördlich ist die bayrische Grenze. Der Stausee hat knapp einen Hektar Fläche. Er wird in Nord-Süd-Richtung vom namengebenden Euterbach durchflossen, der sich im Dorf mit dem Schöllenbach zum Itterbach vereint. Der wird talwärts Itter genannt und mündet bei Eberbach in den Neckar.

Info: Interessierte und Förderer können sich bei Anneli Hieronymus unter Telefon 06276/554 oder E-Mail anneli.hieronymus@web.de melden.

 

Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff tritt am Freitag, 17. November, in der katholischen Pfarrkirche Hirschhorn auf

Eine festliche Konzert-Gala mit dem Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff findet am Freitag, 17. November, in der katholischen Pfarrkirche Hirschhorn statt. Um 19.30 Uhr geht es in Maria Immaculata los. Das Konzert findet unter Mitwirkung und in Zusammenarbeit mit dem Dreiklang-Frauenchor Igelsbach statt. Zu Gehör kommen festliche Gesänge der russisch-orthodoxen Kirche, Volksweisen und Lieder der klassischen Komponisten.

Der Don-Kosaken-Chor, bekannt aus unzähligen Fernsehsendungen und CD-Einspielungen, wird stimmgewaltig mit einem begeisternden Konzert-Programm zum ersten Mal in Hirschhorn gastieren. Ermöglicht wurde dieses Gastspiel durch eine enge künstlerische und organisatorische Zusammenarbeit mit dem Frauenchor. Die Zuschauer erwartet ein musikalisches Fest großer Stimmen, vertrauter Melodien und heitere, bravouröse Gesangsakrobatik.

Durch eine langjährige Gastspieltätigkeit hat der Chor unter seinem künstlerischen Leiter Wanja Hlbika überall begeisterte und treue Zuhörer. Die Konzerte des Ensembles aus studierten Sängern werden mit stehenden Ovationen gefeiert. Hlibka hat viele Jahre als damals jüngster Solist im weltberühmten Chor von Serge Jaroff gesungen und durfte die Original-Arrangements als Ausgangsbasis seiner künstlerischen Arbeit nutzen. Die anderen Sänger kommen von großen osteuropäischen Opernhäusern.

Die stimmgewaltigen Solisten werden von der Fachpresse immer wieder als „russisches Stimmwunder“ bezeichnet. Sie vermitteln den ganzen Zauber und auch die eigene Melancholie der russischen Musik in höchster Vollendung. Ihr Repertoire reicht von den festlichen Gesängen der russisch-orthodoxen Kirche über die immer wieder begehrten Volksweisen bis hin zu großen, klassischen Komponisten. Kartenvorverkauf bei Tabak Presse Shop Sohns, Barbaras Beauty Boutique und Buchhaus Erb, alle in Eberbach. Restkarten an der Konzertkasse.