Das Neckartal ist demnächst nur noch auf Umwegen zu erreichen

Das Neckartal ist von der Höhe aus demnächst nur noch mit Einschränkungen zu erreichen. Denn Ende Juni startet die Fahrbahnerneuerung auf der Landstraße 3410 zwischen Kortelshütte und Hirschhorn (Brombacher Wasser) auf etwa dreieinhalb Kilometern. Sie soll dann bis August andauern, erhielten die Ortsbeiräte als Info auf der vergangenen Sitzung. Die offizielle Umleitung erfolgt über Beerfelden. Zusätzlich werden die Strecken zwischen Rothenberg und Ober-Hainbrunn sowie Finkenbach während dieser Zeit als Einbahnstraßen ausgewiesen werden.

„Hier sollte von der Stadt beachtet werden, ab wo die Einbahnstraßenregelung gilt“, so der Wunsch der Mandatsträger. Ihr Vorschlag lautete Richtung Finkenbach ab Beginn des Waldes, Richtung Ober-Hainbrunn ab dem Weg zum Friedhof. Zusätzlich sollten die Straßen, vor allem in Richtung Hainbrunn, auf Straßenschäden überprüft und durch den Bauhof mit Kaltasphalt ausgebessert werden. Denn diese Strecke hat etliche Schlaglöcher.

Einige Rothenberger fahren morgens mit dem Bus nach Hirschhorn und müssen dort die S-Bahn erreichen. Deshalb wurde der Wunsch an die Stadt herangetragen, über die OREG abzuklären, ob dies gewährleistet werden kann und wann die Busse während der Bauzeit fahren.

Zusätzlich zur Hundetoilette in der Verlängerung des Stichwegs Höhenstraße sollen noch drei weitere aufgestellt werden, so die Mittelung: am Sportplatz Rothenberg, auf dem Weg Richtung Schomen (an der „Doppeleiche“) und an der Schutzhütte bei den „Lehmlöchern“. Von einem Zuhörer kam die Anregung, größere Müllbeutel zu deponieren. Denn mit den sehr kleinen bestünden doch Probleme, diese anschließend zu verknoten. Vorreiter in Hinsicht XXL-Tüten ist Beerfelden.

Der Ortsbeirat hatte bereits angeregt, ob von Mai bis September zusätzliche Termine für die Grünschnittannahme im Bauhof Rothenberg möglich sind. Derzeit ist diese jeden zweiten Samstag im Monat möglich. Da die Bauhofmitarbeiter einmal in der Woche bis 16.30 Uhr arbeiten, wurde nachgefragt, eventuell an diesem Tag von 16 bis 16.30 Uhr in den Sommermonaten Grünschnitt anzunehmen. Bürgermeister Christian Kehrer will prüfen, ob dies machbar ist.

Über das Regionalbudget der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) können Projekte in der Gemeinde bezuschusst werden, lautete eine weitere Information. Der MGV Rothenberg versucht eine Schrankwand mit abschließbaren Kühlschränken für den Mannschaftsraum in der Sporthalle mitfinanziert zu bekommen. Diese Kühlschränke könnten dann von verschiedenen Vereinen benutzt werden.

Über den Ortsbeirat wurde bereits in einer vergangenen Sitzung angeregt, am Metzkeil in Rothenberg einen Stromanschluss zu installieren. Den könnten die Vereine für Festivitäten wie etwa am Rad- und Inlinertag nutzen. Eine neue Standsäule kostet etwa 3000 Euro, wurde nun berichtet. Weiterhin sind jährliche Zählerkosten von etwa 100 Euro fällig. Es soll jetzt geprüft werden, ob der in der Nähe liegende Anschluss der Kirchenbeleuchtung genutzt werden kann.

Stadtbaumeister Peter Bauer kümmert um die Planausarbeitung für den zusätzlichen Unterstand auf dem Friedhof. Im Ortsbeirat soll dann der ausgearbeitete Vorschlag vorgestellt werden. Der Blumenschmuck, jedes Jahr auf öffentlichen Bereichen gepflanzt, wird auch weiterhin von der Stadt bezahlt, hieß es. Er fällt nicht in das jährliche Budget des Ortsbeirats von 1900 Euro. Farben, die der Verkehrs- und Verschönerungsverein zur Pflege der Parkbänke benötigt, können über die Stadt abgerechnet werden.

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Geo-Naturpark-Bike-Strecke Michelstadt „Mi 1“ : Alle abwärts gerichteten Passagen sind Trail-Strecken

Mountainbiker, soweit das Auge reichte: Aus dem ganzen Odenwald waren die Geländeradler zusammengekommen, um die Eröffnung der Geo-Naturpark-Bike-Strecke Michelstadt „Mi 1“ mit Streckenlängen von zehn, 21 und 25 Kilometern zu feiern – und sie gleich auszuprobieren. Das herrliche Wetter lud dazu mehr als ein. Den Organisatoren stand die Freude ins Gesicht geschrieben, nach weit mehr als zwei Jahren Vorarbeit nun in die Vollen gehen zu können. Federführend waren die Mümlingtalradler in Zusammenarbeit mit der Stadt.

Bürgermeister Stephan Kelbert, der sich danach selbst aufs Mountainbike schwang, bezeichnete die Eröffnung als „großen Moment“, auf den die Initiatoren jahrelang hinfieberten. 2600 ehrenamtliche Stunden wurden geleistet, erzählte Mitinitiator und Vereinsvorsitzender Boscho Kamenjarin. Weswegen das Stadtoberhaupt auch allen, die seit zwei Jahren „im Wald bauen und kehren“, seinen Dank aussprach. „Wir können uns auf etwas Großartiges freuen“, zeigte sich Kelbert überzeugt.

Zusammen mit Kamenjarin wurden Jörg Reeg und Jürgen Schmidt beim Bürgermeister Ende 2016 „vorstellig“, um ihre Idee vorzutragen. Viel Überzeugungsarbeit mussten sie dabei nicht leisten, sondern rannten offene Türen ein. Denn Kelbert wusste, dass im Mümlingtal noch ein Lückenschluss bei den MTB-Strecken des Geo-Naturparks anstand. Der Trend ist ungebrochen: „Die Mountainbike-Welt entwickelt sich unwahrscheinlich weiter“, so Kelbert.

„Mit viel Leidenschaft und Herzblut“ entstand die Streckenführung, würdigte er die Anstrengungen. Dieses Engagement überzeugte auch Revierförster Burkhardt Klose, der sonst „bestimmt nicht so viel zugelassen hätte“, schmunzelte der Rathauschef. Die Strecke führt nicht nur durch den Stadtwald, sondern auch durch die Stadt, sodass Anhalten und Einkehren quasi zum Pflichtprogramm gehören.

Kelberts Frotzelei vom „Bürgermeisterstück“ auf der Strecke mit der Verpflegungsstation griff Landrat Frank Matiaske auf, der bei seiner fünften MTB-Streckeneröffnung „immer noch auf ein Landratsstück wartet“. Er zog den Hut vor der Leistung der Initiatoren – und vor Kelbert, „der mitfährt und alles gibt“. Die stattliche Zahl an Startern bezeichnete Matiaske, gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Geo-Naturparks, „als den größten Lohn für die Organisatoren“, denen er für ihre Leistung ein Riesenkompliment machte.

Beim Naturpark ist Marcus Seuser seit 1. April Projektleiter für die MTB-Strecken und damit Nachfolger von Dirk Dewald. Er lobte das „großartige Team von Ehrenamtlichen“, das in Michelstadt am Werke war. „Alle abwärts gerichteten Passagen sind Trail-Strecken“, erläuterte er. Seuser kündigte „noch weitere MTB-Projekte in der Pipeline“ an.

„Die Zusammenarbeit mit den Mümlingtalradlern machte Spaß“, freute sich Förster Klose. Die Strecke wertete er als „von der Optik her toll gelungen“. Die „sehr schönen Holzschilder“ trösteten ihn darüber hinweg, dass es doch eine ganze Menge wurden, schmunzelte Klose. Er appellierte an die Mountainbiker: „Ihr seid zu Gast im Wald.“ Und fügte hinzu: „Bitte bleibt auf den ausgewiesenen Strecken.“ Die Nutzung in der Dämmerung und nachts ist laut Klose ein „No-Go“.

Boscho Kamenjarin, der allein Beteiligten dankte, stellte die Mitwirkung des Bürgermeisters heraus: „Ohne ihn hätten wir die Aktion nie starten können.“ Jagd, Forst, Wanderer und Naturschutzbehörde wurden im Anschluss ebenfalls ins Boot geholt. Die Einweihung sei „der Abschluss von drei Jahren harter Arbeit“, an der 60 Helfer mitwirkten. „Mir fällt eine Last von den Schultern“, meinte er. Kamenjarin sah den Verein daneben als Mittler zwischen den Bikern und anderen Waldnutzern.

Jörg Reegs Appell, nach den Regenfällen des Vortags vorsichtig zu fahren, erwies sich als richtig, denn ein paar Meter abwärts gab es im Anschluss gleich einen kleinen Sturz. Der Großteil der Radler ging auf die große Strecke, während am Ponyhof drei örtliche Fahrradhändel ihr Equipment für die Rückkehrer aufrüsteten.

Streckeninfo

Los geht‘s auf die Mi 1 am Bienenmarkt-Parkplatz. Am Friedhof wird Michelstadt verlassen. Über den Gräsig vorbei am alten Kalksteinbruch warten dann die ersten Highlights: der Kirchberg-Trail, an der Stockheimer Eiche vorbei zum Kilians-Trail – eine kurze, knackige Achterbahnfahrt –, der Hermannstempel mit Blick über den mittleren Odenwald, der Kreuzweg-Trail und schließlich der Viehtrieb-Trail runter zum Parkplatz am Waldschwimmbad.

Es folgt ein erster längerer Anstieg hoch zum Schlangenpfädchen und dem Ritterstein-Trail – eine fast zwei Kilometer lange Abfahrt mit allem, was sich das Bikerherz wünscht: Anlieger, Switchbacks, kleine Sprünge, mal etwas schnellere Teilstücke, dann wieder langsamere. Nun steht der zweite, längere Uphill an. Vorbei am Parkplatz Habermannskreuz, einem der beiden Alternativ-Startpunkte, geht es bis zum höchsten Punkt der Strecke auf knapp über 500 Meter. Die folgenden Trail-Segmente führen, nur unterbrochen von zwei kleineren Gegenanstiegen, wieder hinunter zum Parkplatz am Waldschwimmbad.

Der Silvan-Trail begeistert mit achterbahnähnlichem Flow, das folgende Wurzelpfädchen schüttelt richtig durch, das „Enge Ding“ mit dem verblockten „Dreggs-Ding“ ist das Teilstück für Fahrtechniker, die alpines Feeling lieben, und der Mühlgrund-Trail begeistert als Natur-Pump-Track. Es folgt das Bürgermeister-Stück, flowig und wunderschön zu fahren, und schließlich der Schwimmbad-Trail, auch fast zwei Kilometer lang. Zurück geht es wieder durch die Altstadt.

Die 25-Kilometer-Strecke mit 750 Höhenmetern kann an verschiedenen Stellen auch „entschärft“ und abgekürzt werden – dafür stehen die „Kleine Runde“ (etwa zehn Kilo- und 240 Höhenmeter) sowie die mittlere Runde (etwa 21 Kilo- und 580 Höhenmeter) zur Verfügung. Die Ausrichtung deckt die große Bandbreite der Mountainbiker ab – vom Gelegenheitsfahrer bis zum Profi, vom Anfänger bis zum Könner. Sie ist familien-, touren und in Teilbereichen durchaus Enduro-tauglich.

Hüttenwerk wird mit der Seán Treacy Band zum großen irischen Pub

Er ist der Klischee-Ire par excellence: Grünes Hemd, leicht verwuscheltes, schulterlanges Haar, vom irischen Wind zerzaust, verschmitztes Sonnyboy-Lächeln und ein charmantes, singendes Deutsch, versetzt mit englischen Brocken und ein paar weggelachten Wortdrehern: Seán Treacy hat beim irischen Abend im Hüttenwerk leichtes Spiel, das Publikum für sich einzunehmen. Aber nicht nur mit seiner Erscheinung, sondern auch mit der Musik, die er beim Wohnzimmerkonzert mit seiner Band in die gute Stube zaubert.

Gemütliche Bestuhlung, Knabbereien auf dem Tisch, Kerzenschein, Guinness und irische Whiskeys: Das Ambiente stimmt und wird so stark nachgefragt, dass mehr Besucher an die Abendkasse kommen als Plätze vorhanden sind. Kein Wunder, denn von der Premiere mit den „Damen“ dürfte sich der Erfolg herumgesprochen haben. Vorn steht keine Band, die die Lautstärke-Regler bis ultimo aufreißt, sondern die Musik kommt, zum Gutteil akustisch, angenehm ruhig abgemischt aus den Lautsprechern.

Wenn dann mit der Karlsruher Seán Treacy Band vier Musiker aufspielen, die ihr Handwerk verstehen, hinterlässt das einen nachhaltigen Eindruck. Neben dem Bandgründer sind Stefan Buchholz (Cajon), Andreas Bock (Gitarre) und Claus Bubik (Bass) mit dabei. Letzterer dürfte dabei für ein Hallo sorgen, denn er ist ein Urgestein der regionalen Musikszene, der schon mit all ihren Größen zusammengespielt hat.

Irische Balladen, nur von Treacy auf der akustischen Gitarre vorgetragen, fetzige Pub-Songs, Covers bekannter Rock- und Pop-Stücke von dortigen Bands, dazu noch ein paar eigene Stücke aus dem Fundus: Das war eine Song-Zusammenstellung, von einer bestens aufgelegten Band inklusive Pause fast drei Stunden lang auf hohem musikalischem Niveau präsentiert, das einfach nur Laune machte.

Der irische Karlsruher oder Karlsruher Ire hat genau die richtige Stimme für die verrauchten Pub-Stücke. À la Bob Dylan begleitet er sich dabei auch auf der Mundharmonika, steuert filigrane Töne von der akustischen Gitarre bei und hat zu den einzelnen Liedern immer die eine oder andere Geschichte parat. Etwa der Klassiker „Wild Rover“, aus dem „Klaus & Klaus“ vor ein paar Jahrzehnten „An der Nordseeküste“ machten. Sofort wird aus voller Kehle mitgesungen – zum Glück die englische Version.

Mit Stefan Buchholz und Claus Bubik hat der Bandchef zwei Mitspieler im Gepäck, die ihren Heidenspaß beim Auftritt haben. Ständig werden Grimassen geschnitten, wird hinter dem Rücken des „Chefs“ gefeixt und wird er ab und zu auf die Schippe genommen. Die gute Laune ist mit Händen zu greifen, die beiden sind voll drin in ihrer Musik.

Ob es nun „I don’t like Mondays“ von den Boomtown Rats ist, „Dancing in the Moonlight“ von Thin Lizzy oder U2s „I still havent’t found“: Die Band findet immer den richtigen Groove, den richtigen Ton, lässt die Stimmung bei einem ruhigen Stück wie dem „It’s a long way from Claire“ nicht zu sehr in den Keller wandern, sondern hängt gleich einen Gassenhauer wie „Galway Girl“ dran, das mit dem Film „P.S.: Ich liebe dich“ bekannt wurde.

Seán Treacys Bargespräche im Hüttenwerk-Wohnzimmer sind eine Show für sich: Die einzig wahre Liebe kann für einen Iren – klar – nur der Alkohol sein, lacht er über ein Liebeslied. Oder der Pub-Besuch, bei dem man als Fremder kommt und – zwei Tage später – als Freund geht. Die Anfahrt mit dem Quartett vom Neckartal auf der B 45 in den Odenwald muss ein Erlebnis gewesen sein. „Gammelhausen, Günterfürst“ ist Buchholz im Gedächtnis. Und Treacy natürlich „Beer“-felden, bis er bemerkt, dass nicht die englische Schreibweise gemeint ist.

„Sunday, Bloody Sunday“ und „Whiskey in the Jar“ mit einem schönen Solo von Andreas Bock leiten über zur Liebeserklärung an Schottland, „Caledonia”. Dass mit dem Herzschmerz-Song nicht Schluss sein würde, ist klar. Am liebsten hätten die Gäste noch – ganz irisch – in den nächsten Tag weitergefeiert. Das können sie aber bald, denn die Band wird demnächst zwei Mal in Beerfelden auftreten.

Info: Die Seán Treacy Band spielt beim Pferdemarkt Beerfelden am Sonntagabend, 14. Juli, ab etwa 19 Uhr bei der Oberzent-Expo. Bei der Beerfelder Musiknacht am Samstag, 26. Oktober, ist sie ebenfalls mit dabei.

Bei Dekodur geht es weiter: Rolf van den Berg und der ehemalige Arbeitsagentur-Chef Weise übernehmen

Eine gute Nachricht für die kleine hessische Neckarstadt: Beim Schichtstoffplattenhersteller „Dekodur“ geht es weiter. Der Hirschhorner Privatinvestor Rolf van den Berg und die Sagacious Beteiligungs GmbH mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Frank Jürgen Weise (früher Chef der Arbeitsagentur) übernehmen die wesentlichen Vermögenswerte der insolventen Firma. Sie führen den Geschäftsbetrieb mit allen etwa 65 Beschäftigten in der neu gegründeten DI Dekodur International fort. Rolf van den Berg hält 70 und Sagacious 30 Prozent an der neuen Gesellschaft.

Einen entsprechenden Kaufvertrag unterzeichnete jetzt Rechtsanwalt Henrik Schmoll, Partner der Sozietät Wellensiek und Insolvenzverwalter von Dekodur, mit den Verantwortlichen. Das Hirschhorner Traditionsunternehmen, einer der größeren Arbeitgeber in der Stadt, mit einer über 170-jährigen Geschichte hatte im vergangenen Dezember Insolvenzantrag gestellt. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

„Wir haben mit den beiden Gesellschaftern Investoren gefunden, die dem Unternehmen und den Beschäftigten von Dekodur gute Perspektiven für die Zukunft bieten“, sagt Schmoll. Er leitete kurz nach Insolvenzantragstellung einen geordneten Investorenprozess ein. Für ihn war es eine wesentliche Erfolgsvoraussetzung, dass Beschäftigte, Kunden, Lieferanten sowie die Mitglieder des Gläubigerausschusses und die Verantwortlichen der Sparkasse Neckartal-Odenwald die Betriebsfortführung sowie die erfolgreiche Übertragung eng und äußerst konstruktiv begleiteten.

„Wir sind von den Marktpotenzialen der Dekodur überzeugt und werden das Unternehmen nachhaltig weiterentwickeln“, teilt der neue geschäftsführende DI-Gesellschafter, Rolf van den Berg, mit. „Wir wollen dabei vor allem die vertrieblichen Aktivitäten weltweit stärken sowie die Produktion effektiver gestalten“, kündigte er zwei wesentliche Maßnahmen an. Dekodur sei ein herausragendes Unternehmen mit einer starken Marke, überzeugenden, innovativen Produkten und engagierten Mitarbeitern.

„Ich konnte nicht zuschauen, dass es die Firma vielleicht nicht mehr geben würde“, begründet van den Berg sein Engagement. „Ich habe mich für Hirschhorn in der Pflicht gesehen etwas zu tun, bevor ein Traditionsunternehmen untergeht“, betont er. „Wenn ich helfen kann, mache ich es gern.“ Er verweist auf die „weltweit geschätzte und bekannte Marke“ Dekodur, die einen sehr guten Ruf genieße. Deshalb ist er auch vom Erfolg der neuen Gesellschaft überzeugt.

Mit Weise arbeitete der Investor schon von 1996 bis 2003 beim Meto-Spinoff, der gemeinsamen Gesellschaft „Microlog Logistics“, zusammen. Weise war dann 2004 bis 2017 Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit. Er ist aktuell Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung und ehrenamtlicher Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Der Investor van den Berg engagierte sich in den vergangenen Jahren vielfach für seine Wahlheimat. Ab 2010 erweckte er viele Hirschhorner Objekte aus ihrem Dornröschenschlaf, hauchte der der Hauptstraße durchs Kartoffelhaus neues Leben ein, machte das Rathaus mit dem Café wieder salonfähig und schuf mit dem Steakrestaurant Debo 800 einen Hingucker an der Neckarpromenade. Fünf Millionen Euro investierte er in Gastronomie- und Wohnimmobilien.

Ein Stadtbild prägendes Fachwerkhaus in der Hauptstraße 24 ließ van den Berg mit viel Liebe zum Detail wieder herrichten. In der alten Brauerei gegenüber dem Bahnhof entstanden zusammen mit einem Neubau Eigentumswohnungen. Der Investor brachte sich auch mit weiteren, Tourismus steigernden Projekten in Hirschhorn ein: etwa die Eislaufbahn im Winter 2011/12, das viel beachtete Lightseeing-Projekt 2013/2014 oder die Geo-Spiele, eine Art virtuelle Schatzsuche in der Hirschhorner Altstadt. Ab dem Spätjahr 2016 zog er sich peu à peu zurück, nachdem es anonyme Drohungen gegeben hatte.

Die Dekodur entstand 1959 aus einem bereits seit 1846 existierenden Säge- und Furnierwerk in Hirschhorn am Neckar. Dekodur ist ein sehr innovatives Unternehmen, das sich mit der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von dekorativen HPL-Schichtstoffplatten befasst. Die Platten aus unterschiedlichsten Materialien werden sowohl in privaten Wohnräumen, etwa in Küchen, als auch im gewerblichen Bereich zur Oberflächengestaltung eingesetzt. Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von rund zwölf Millionen Euro.

Xenia Mai ist die neue Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinden Mossau und Güttersbach

„Ich habe das Gefühl, das passt menschlich ziemlich gut“, sagt die designierte Pfarrerin von Mossau und Güttersbach, Xenia Mai, über ihre neue Wirkungsstätte. Die 53-Jährige will möglichst zur Jahresmitte vom Vogelsberg in den Odenwald wechseln, wenn dann (hoffentlich) das Pfarrhaus renoviert ist. Damit ist sie auch näher bei ihrer Familie, die in der Nähe von Darmstadt zuhause ist. Sie freut sich über die Rückkehr in die Heimat, wenn sie wieder „wie früher babbeln kann“.

„Ich gehöre wohl zu einer aussterbenden Spezies“, meint die Geistliche über ihren Wunsch, als Pfarrerin auf dem Land tätig zu sein. Mit den Mossautalern sieht sie sich auf einer Wellenlänge: „Die suchten das, was ich ihnen bieten kann.“ Mai spürte die Freude darüber, „dass sich jemand meldet, der aufs Land will“. Sie sagt von sich, nicht die Nähe der Menschen zu scheuen. Sie sei greifbar, natürlich auch angreifbar, aber gerade im ländlichen Raum, wo jeder jeden kennt, als Pfarrerin „das Gesicht der Kirche“.

„Jüngere verstecken sich vielleicht in der Anonymität der Großstadt“, vermutet sie. Was nicht das Ding von Xenia Mai ist. Zwar wertet sie es augenzwinkernd als „durchaus anstrengend, wenn jeder meint, alles über den Gegenüber zu wissen“. Andererseits bedeutet es für sie ein „schönes Miteinander“, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Denn durch den persönlichen Kontakt „weiß dann auch jeder, woran er beim anderen ist“.

Nach ihrem Amtsantritt will sich die Südhessin „erst einmal einen Überblick verschaffen“. Sie möchte erfahren, welche Bedürfnisse die Menschen haben, wie der Glaube gelebt wird, welche Traditionen es gibt, was die Einwohner vielleicht auch nicht aufgeben wollen. „Ich will meine Dörfer kennenlernen“, betont sie. Und dabei auch erfahren, wie die Gläubigen von A nach B kommen. Mit ihrer Erfahrung aus bestimmten Bereichen „höre und schaue ich mir alles an“, um dann zu überlegen, was gemeinsam auf die Beine gestellt werden kann.

„Manchmal sind Umwege ganz gut“, sagt Mai über ihre Arbeit an einer geriatrischen und gerontopsychiatrischen Tagesklinik in Darmstadt. „Davon profitiere ich immer noch.“ Die Gespräche mit den Beteiligten und mit den Ärzten bezeichnet sie als sehr aufschlussreich. Gerade in einer immer älter werdenden Gesellschaft kommt ihr diese Erfahrung, auch in der Krankenhausseelsorge, zugute. Deshalb fühlte sie sich von der Ausschreibung für die Stelle im Mossautal sehr angesprochen, wo jemand „mit Herz für Seniorenarbeit“ gesucht wurde.

Andererseits, erläutert die Geistliche, wuchs sie auch mit dem Kindergottesdienst auf. Der Großvater war im Kirchenvorstand tätig, ihr Konfirmator aus der benachbarten Kirchengemeinde die prägende Figur. „Er hat mir die Kirche nahegebracht, sodass die Tätigkeit Freude und Spaß machte.“ Mai bezeichnet sich als „sehr vertraut“ mit Kinder- und Jugendarbeit, auch wenn diese bedauerlicherweise aufgrund der demografischen Entwicklung nicht mehr so stark nachgefragt sei.

Die Unsicherheit, wie es mit der bisherigen Pfarrstelle im Vogelsberg weitergehen würde, beförderte dann die Entscheidung, sich wieder in Richtung alter Heimat zu orientieren. „Wann, wenn nicht jetzt mit 53“, meint sie lächelnd. Ab kommenden Jahr hätte der evangelischen Kirchengemeinde Schwarz-Udenhausen nur noch eine halbe Pfarrerstelle zugestanden. Das bisherige Hin und Her „war kein gutes Arbeiten mehr“, sagt Mai. Für eine zweite halbe Stelle wäre sie in einem großen Flächendekanat nur im Auto unterwegs gewesen. „Nicht meine Vorstellung der Arbeit einer Pfarrerin“, betont sie.

Bis Anfang Juli ist Xenia Mai noch an ihrer derzeitigen Wirkungsstätte gebunden. Frühestens könnte sie Mitte Juli loslegen, sagt sie. „Ich würde gerne im Sommer starten“, so die neue Pfarrerin. Denn dann ist noch ein entspannteres Einarbeiten, bevor das Kirchenjahr richtig beginnt. Allerdings stehen noch die Renovierungsarbeiten am Pfarrhaus aus, von denen sie hofft, dass sie rechtzeitig über die Bühne gehen werden.

Xenia Mai (53) ist gebürtig aus Seeheim-Jugenheim (bei Darmstadt) und wuchs bei Pfungstadt auf, wo auch die Familie verwurzelt ist. Nach dem Abitur in Darmstadt studierte sie dort auch Religionspädagogik, danach Theologie in Mainz und Heidelberg. Nach dem Berufsanerkennungsjahr bei der evangelischen Kirchengemeinde Hahn verbrachte sie ihre Vikariatszeit in der Wetterau, in Geiß-Nidda und Bad Salzhausen.

Seit ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr 1985/86 sammelte sie Erfahrungen in kirchlicher Gemeindearbeit. Mai war zehn Jahre Mitglied des Kirchenvorstandes, leitete Kinder- und Jugend- sowie Frauen- und Seniorenkreise, führte Freizeiten im In- und Ausland durch, hielt Konfirmanden- und Religionsunterricht, feierte (Kinder-)Gottesdienste, machte Seelsorge- und Geburtstagsbesuche.

Nach dem zweiten theologischen Examen arbeitete die neue Pfarrerin im Rahmen eines freiwilligen Spezialvikariats als Krankenhauspfarrerin im Elisabethenstift Darmstadt. Dabei lernte Mai die Arbeit der Palliativmedizin, des Hospizdienstes und der Krankenhausseelsorge kennen, übte sich in interdisziplinärer Teamarbeit und sammelte Erfahrung im freien Predigen, vor allem in den Gottesdiensten auf den Demenzstationen. Von 2006 bis 2009 war Xenia Mai Pfarrvikarin in der evangelischen Kirchengemeinde Schwarz-Udenhausen (Vogelsberg), seitdem dort Pfarrerin.

 

Die evangelische Kirchengemeinde Güttersbach umfasst mit Olfen, Hiltersklingen und Hüttenthal 779 Gemeindeglieder, (Unter-/Ober-)Mossau 534.

Wintereinbruch machte in Erbach das frostige Mittelalter erlebbar

Das war Mittelalter pur – nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“. Der Wintereinbruch am Samstag mit Schnee sorgte für das große Bibbern bei den Teilnehmern und doch sehr überschaubare Zuschauerzahlen beim dritten Mittelaltermarkt von „Heimdalls Erben“ auf dem Wiesenmarktgelände. Erfindungsreichtum war gefragt. Dicke Felle erlebten kurz vor dem Frühling eine Renaissance.

Der Perlenmacher war besonders erfinderisch: Er machte eine Marmorplatte mit seinem Brenner heiß, die dann im kleinen Zelt ein paar Stunden wohlige Wärme abgab. Denn viele Teilnehmer übernachten – ganz authentisch – unter einem Stoffdach. Der Sonntag bei aufgelockerter Bewölkung und angenehmeren Temperaturen sah dann etliche Familien auf den Platz strömen, die eine Zeitreise in vergangene Jahrhunderte unternehmen wollten.

Jungs spielen Ritter, Mädchen kleiden sich als Prinzessin: Auf einem Mittelaltermarkt werden Kinderträume schlechthin wahr. Veranstalter Holger Hörstkamp aus Biebesheim hatte das Angebot aus dem vergangenen Jahr mit etwa 50 Ständen noch einmal leicht ausgeweitet. Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt mit ihren 79 Jahren an der Kasse, Vater Hans hat mit seinen 83 hat ein wachsames Auge darauf, dass keiner ohne Eintrittskarte aufs Gelände kommt. Der 55-jährige „Filius“ Holger wiederum steigt bei der Reitershow jahrein, jahraus aufs Pferd. Ein festes Team von nur wenigen Personen schmeißt die komplette Veranstaltung.

Eigentlich hat Holger Hörstkamp ja einen ganz traditionellen Beruf gelernt. Er war früher als Kommissionierer in einem Lager tätig, machte sich dann selbstständig und sattelte um auf Mittelalter. Ganz im Wortsinn: Denn seine ersten Sporen verdiente er sich vor 17 Jahren auf der Ronneburg, wo er bei der dortigen Reitershow mitwirkte. Vor 14 Jahren starteten dann die eigenen historischen Märkte rund um seinen Wohnort Biebesheim.

Die Faszination für Hörstkamp ist es auch nach all dieser Zeit immer noch, „den Markt vom Papier in der Realität umzusetzen“. Manchmal sei es „wie ein großer Kindergarten, alle unter einen Hut zu bringen“, lacht er. Genehmigungen, Verträge, kurzfristige Absagen, Künstlerbuchungen, Absprachen vor Ort und vieles mehr sind aufwendig. „Es macht mir aber immer noch sehr viel Spaß“, betont er.

Seine Frau Sandra, die er Anfang März – natürlich auf einem Mittelaltermarkt – heiratete, steht ihm dabei zur Seite. Hörstkamp kann daneben auf viele Markthändler bauen, die ihn schon jahrelang bei seinen Veranstaltungen begleiten. Aber es gibt auch immer ein paar neue „alte“ Gesichter: Standbetreiber, die man auf historischen Märkten übers Jahr schon oft gesehen hat und die nun auch einmal bei Heimdalls Erben anzutreffen sind.

Etwa Florian „FLux“ Lacina, der mit seinem Weinturm gleich gegenüber der Bühne zu finden ist. Dort spielen gerade die „Bohemian Bards“ auf historischen Instrumenten altertümliche Weisen. Seit 13 Jahren preist Flux die besten Tropfen, egal ob mit oder ohne Prozente, an. Als Feuerkünstler, Grafiker und Techniker machte er bis 2010 die Mittelalter-Rockband „Saltatio Mortis“ mit zu dem, was sie heute ist.

Oder Achim Häfner, der „Falkner der Herzen“. Der Pfälzer aus Kirrweiler ist mit seinen Greifvögeln als Botschafter des Kinderhospizes Sterntaler auch auf mittelalterlichen Märkten anzutreffen. Er arbeitet viel mit Behinderten und ist stolz darauf, laut eigener Aussage „als einziger in Deutschland eine Therapie mit Greifvögeln“ anzubieten. Pfälzisch-redselig preist er den selbst gelesenen Eiswein an, von dessen Verkaufserlös natürlich ein Teil ans Kinderhospiz geht. Die flauschigen, zutraulichen Vögel sind derweil die heimlichen Stars.

Info: Das sechste mittelalterliche Spektakel in Lampertheim, veranstaltet von Heimdalls Erben, findet am 4. und 5. Mai an den Biedensand-Bädern statt. Mehr unter www.heimdalls-erben.de

Roberto Tardito macht Station in Hirschhorn

Es wird langsam zur Tradition: Roberto Tardito wird auch auf seiner diesjährigen Europatournee am Samstag, 4. Mai, 20 Uhr, Station bei der Kunstpflege Hirschhorn machen. Durch seine inzwischen 9 CDs und Liveauftritte in Europa und den USA ist der italienische „Cantautore“ mittlerweile international bekannt. Der Begriff „Cantautore“ entspricht dem deutschen „Liedermacher“, klingt aber natürlich wesentlich besser.

Tardito ist ein Poet, der sehr wohl auch gesellschaftskritisch werden kann. Sein Vortragsstil ist natürlich nicht nur sehr musikalisch, sondern auch gefühlsbetont – singt er doch über Themen, die ihn bewegen. Seine leicht raue Stimme (in Kritiken taucht immer wieder der Vergleich mit Paolo Conte auf) sorgt dabei für besondere Intensität.

Der Singer-Songwriter Tardito lebt seine manchmal poetischen, manchmal aber auch gesellschaftskritischen Songs. Nur mit seiner akustischen Gitarre, teilweise auch sich selbst auf der Mundharmonika begleitend – siehe Bob Dylan, mit dem er oft verglichen wird -, philosophiert er über den Sinn des Lebens, die vielen Verbote im täglichen Einerlei, das fehlende Engagement in der Gesellschaft. Eben die klassischen Liedermacher-Themen, die man dem völlig in seine Musik vertieften Italiener sofort abnimmt. Wie im vergangenen Jahr gibt es fürs Publikum wieder eine Übersetzung seiner Text vor dem jeweiligen Lied.

„Se fossi Dylan“, „Wenn ich Dylan wäre“, heißt eine CD von Roberto Tardito. Und wirklich lassen sich einige Parallelen zwischen dem italienischen „Cantautore“, wie die Liedermacher im Süden genannt werden, und dem amerikanischen Nobelpreisträger finden. Allerdings ist das Italienisch des aus dem Piemont stammenden Tardito eindeutig besser verständlich als das Genuschel des US-Poeten Bob Dylan.

Über den Kortelshütter Musiker Heiko Plank kam der Kontakt Tarditos zur Kunstpflege Hirschhorn zustande. Auf deren Einladung spielt der sympathische 35-Jährige jetzt eines seiner wenigen Deutschland-Konzerte. Seine raue und sehr einfühlsame Stimme liegt irgendwo zwischen Angelo Branduardi und Paolo Conte. Er ist in seiner Musik immer auf der Suche nach Berührungspunkten zwischen den Kulturen und den verschiedenen musikalischen Traditionen.

Tardito singt Balladen und Revolutionslieder, aber auch populäre Songs aus der ganzen Welt. Seine Texte sind voller Reife und Aussagekraft, wie sie in der Tradition eines Hannes Wader, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker zu finden sind.

Man darf sich am Samstag, 4. Mai, um 20 Uhr wieder auf ein besonderes Erlebnis freuen. Der Auftritt findet im Atelier von Enno Folkerts in der alten Pappenfabrik in Hirschhorn-Langenthal, Waldmichelbacher Straße 2, statt. Der Eintritt ist frei, jedoch wird um eine Spende für die Gage des Künstlers gebeten.