Rockig-bluesig-soulig mit funkigen Einsprengseln: Hamilton Loomis mit seiner Band im Weinheimer „Muddy’s“ zu

Schon die ersten Töne machen klar, wie der musikalische Hase laufen wird: rockig-bluesig-soulig mit funkigen Einsprengseln. Hamilton Loomis ist ein Tausendsassa, der mit seiner Band diesen Spagat mühelos vollbringt und es locker schafft, in einem Song alles davon unterzubringen. Der Texaner war nach sechs Jahren wieder mit seiner Band zu Gast im „Muddy’s Club“. Es dürfte dieses Mal ebenso gemütlich gewesen sein wie damals, denn der Zuschauerandrang hielt sich bedauerlicherweise in Grenzen.

Dabei ist der Gitarrist, Sänger, Mundharmonikaspieler und geborene Entertainer eigentlich einer, der keine Grenzen kennt. Seine Gitarre beherrscht er aus dem Effeff, die (Mouth) Harp ist ihm quasi an den Lippen festgewachsen, das Publikum hat er durch seine lockere Art fest im Griff und mit seiner Stimme verleiht er den Songs die richtige Form: modelliert, akzentuiert, ausdrucksvoll. Dabei kommt Loomis zupass, dass sein Organ nicht nur ein Anhängsel der Gitarre ist, wie dies dem Gitarrenhexer Joe Bonamassa manchmal spöttisch nachgesagt wird, sondern ein eigener Charakter.

Doch der Künstler wäre nichts ohne sein Band. Da fällt zuerst Fabian Hernandez ins Auge bzw. geht in die Ohren – wenn der das Saxophon zur Hand nimmt. Mit seinen ausgefeilten Soli ist er Loomis in punkto Außenwirkung ebenbürtig und sorgt so für das gewisse Etwas der Blues- und Rocksongs. Wenn er nicht gerade die Metallknöpfe drückt, sind es die schwarzen und weißen Keyboardtasten, die für einen vollen Sound sorgen.

Eher unauffällig agieren Mike Mead (Bass, Background Vocals) und Armando Aussenac (Schlagzeug). Sie sind dafür zuständig, den jeweiligen Songs den richtigen Rahmen zu geben, während Loomis der Improvisation freien Raum gibt. Die Bühne ist ihm dabei nicht genug. Zuerst macht er einen Ausflug ins seitliche Muddy’s-Gewölbe, ehe er die vordere Stuhlreihe entert und danach spielerisch den Gang entlang tänzelt. Grimassen schneidend albert er vorn auf der Bühne herum und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen.

„Basics“ heißt die neue CD des 42-jährigen Gitarrenvirtuosen, auf der er – Nomen est omen – sehr bodenständig zu Werke geht. Doch von dem Anspruch darf man sich nicht täuschen lassen. Oftmals starten seine Songs langsam, gemächlich, balladesk, aber spätestens mit dem Refrain geht dann die Post ab. Loomis streut hier mal den Riff von „Smoke on the Water“ oder „Kashmir“ ein, dort sind ein paar Töne von ZZ Top zu hören, woanders könnte mit den schnellen Gitarrengriffen auch eine Hardrockband den Saal zum Beben bringen.

„Bow Wow“ ist so ein Knaller, bei dem Loomis nicht übers Wasser, aber über Stühle geht, 20 Minuten lang auf seiner Gitarre zaubert, dass man kaum mit dem Hören nachkommt. Er spielt mit seiner Band die Stücke auf den Punkt, schafft abrupte Stil- und Tempiwechsel, sodass das Ohr kaum hinterher kommt. Ein Lob an den Abmischer, der es im Kellergewölbe schafft, dass die klare Stimme des Texaners super zur Geltung kommt und die Instrumente bestens differenziert aus den Boxen schallen.

„Looking  into a dream“ ist ein formidabler Soul-Stampfer, „A Woman like you“ eine Herzschmerz-Ballade, bei der sich die Gitarre zu einem gefühlvollen Solo aufschwingt.  „Eternally“ oder „Aint‘ what it ain’t“ scheinen zu Beginn eher Mainstream-Stücke zu sein, ehe dann aber der Meister der sechs Saiten loslegt. Und schon hat das Lied das Touch des Besonderen.

„Funky little Brother“ macht klar, was sich dahinter verbirgt, doch mit dem Funk ist noch lange nicht Schluss. Spielte Hamilton Loomis schon einen ersten Set über 75 Minuten, so verausgabte er sich nach der Pause noch einmal so lange. Er hinterließ eine begeisterte Zuschauerschar, die sich fragen dürfte, warum der 42-Jährige eigentlich noch nicht zu den ganz Großen des Business gehört. Das Zeug hat er allemal.

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Grandioses Zusammenspiel von zwei Frauenstimmen

Mit Gänsehaut-Feeling entlassen Patricia Kain und Felicitas Hadzik ihre Gäste auf den Nachhauseweg. „There is a fine fine line“ aus dem Handpuppen-Musical „Avenue Q“ lebt vom grandiosen Zusammenspiel der beiden Frauenstimmen, vom dezenten Piano im Hintergrund, vom  nachdenklichen Text, von den getragenen Tönen. Nach dem „Musical-Fieber“, wie die beiden ihr Programm in der Alten Druckerei betitelt hatten, somit zum Abschluss eher eine Musical-Ballade, die aber ungemein berührt.

Was die beiden jungen Frauen als Duo „Zweisamkeit“ stimmlich drauf haben, zeigten sie in den knapp zwei Stunden vorher. Da gab es einen Parforceritt durch die Musical-Landschaft mit deutschen Melodien. Vor allem nach der Pause, als die bekannteren Stücke vorgetragen wurden, gab es ein ums andere Mal einen hohen Wiedererkennungseffekt. Mit den flotten Songs bewegten Kain und Hadzik die Zuschauer auch immer wieder zum Mitklatschen.

„Wir sind, was wir sind“ aus „La Cage aux Folles“, dem Käfig voller Narren, „beschreibt uns am besten“, scherzte Hadzik. In ihm durften sie noch einmal all das zeigen, was schon den Abend kennzeichnete: eine enorme stimmliche Power, klare Akzentuierung, hohe Wandlungsfähigkeit,  gepaart mit einer großen Bühnenpräsenz.

Die Persönlichkeiten könnten dabei unterschiedlicher nicht sein: Hier Felicitas Hadzik, die mit weit ausholenden Bewegungen ihren Part gibt, nie still steht, die Augen rollt, Grimassen schneidet, den Hampelmann gibt und kaum eine Sekunde auf dem gleichen Fleck bleibt. Dort Patricia Kain, die ruhige, besonnene, die ihre Kollegin spielerisch wieder auf den Boden der Tatsachen holt, im Zweifel  immer einen Schritt weniger tut, aber dafür auch in ihren Darbietungen besser verständlich ist.

Die Sängerinnen ergänzen sich perfekt in ihrer Unterschiedlichkeit, aber auch gerade dann, wenn es neben dem Schauspielerischen einfach nur um den Gesang geht. „Mondlicht“ aus Cats ist ein solches Beispiel. Dieser unter die Haut gehende Song bietet ihnen die Möglichkeit, mit der ganzen geschulten Stimmgewalt abseits des Agierens zu überzeugen. Und das tun sie perfekt. Da meint man Angelika Milster zu hören, die dem Song von Andrew Lloyd Weber vor über 30 Jahren zur Berühmtheit verhalf.

Das Hit-Medley aus den bekanntesten Musicals bringt einen Schnelldurchlauf der berühmtesten Melodien, von denen es die eine oder andere gerne auch als kompletten Song hätte haben dürfen –anstatt eines eher unbekannteren, nicht so eingängigen Stücks. „Ich gehör‘ nur dir“, „Weine nicht um mich Argentinien“,  „Super Trouper“ oder der „Ewige Kreis“ aus dem König der Löwen haben sich schon längst in den Gehörgänge eingenistet.

Klasse auch das Best-of von Udo Jürgens, mit dem Kain und Hadzik den Spagat zwischen Schlager und Musical schaffen: Denn das Werk des Österreichers wurde 2007 in ein Musical gegossen. „Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“, „Ich war noch niemals in New York“ oder „Aber bitte mit Sahne“ lassen die Besucher selig in Erinnerungen schwelgen, dürften sie doch vom Altersschnitt her noch viel Bekanntschaft mit dem Lebenswerk von Udo Jürgens zu dessen Lebzeiten gemacht haben.

Schlager sind auch das Steckenpferd der beiden Darstellerinnen. Als Duo Zweisamkeit sind sie mit ihren selbst geschriebenen Liedern unterwegs und etwa am 29. Juli im Weinheimer Schlosshof zu sehen. „Ich bin wie du“ ist eine eigene Ballade, die ein schönes Beispiel der gemeinsamen Arbeit liefert. Patricia Kain und Felicitas Hadzik haben sich an der Stage & Musical School in Frankfurt kennen gelernt und schnell gemerkt, dass sie auf der Bühne hervorragend harmonieren. Seit vier Jahren machen sie inzwischen zusammen Musik.

Das Varietee oder die Revues der 20er Jahre sind ihnen aber auch nicht fremd. Zwei Federboas, eine in Weiß, die andere in Rot, liegen zu Beginn auf den beiden Stühlen. Dazu genau umgekehrt ein roter und ein weißer Hut. Um die Faszination Theater – mit seinen Schattenseiten –  geht es zu Beginn. „Theater, Theater“, bekannt durch Katja Ebstein, beschreibt die Höhen und Tiefen anschaulich.

Schon hier wird die „Arbeitsteilung“ von Kain und Hadzik deutlich. Letzere die überkandidelte mit Gesichtsakrobatik, deren Stimmvolumen manchmal fast das Mikro überfordert. Die burschikose, der das „Puffmedley“  im Rotlichtmilieu sichtlich Freude bereitet, der männermordende Vamp, der sich lasziv auf dem Stuhl räkelt.

Dagegen Patricia Kain, ruhig, fast verschämt, kontrolliert, die aber stimmlich ebenso aus sich herausgehen kann. Doch so kontrolliert, dass man bei ihr jedes Wort versteht. Sie, die sich eigentlich zurücknimmt, hat genau dadurch fast mehr Ausstrahlung als ihre Kollegin, der blonde Wirbelwind auf der Bühne.

„There’s no business like showbusniess“, „Mädchen der Nacht“, „Money, Money“ oder „Märchen schreibt die Zeit” aus der Schönen mit dem Biest sind weitere Stücke, die ein paar Zuschauer mehr in der Alten Druckerei verdient hätten. Aber Patricia Kain und Felicitas Hadzik stehen noch am Anfang ihrer vielversprechenden Karriere. Da ist ein größeres Publikum bei kommenden Veranstaltungen ganz logisch –  mit diesen tollen Stimmen…

Melodisch, mächtig, metallisch: „Leaves Eyes“ im Weinheimer Café Central

Wilde Wikinger in Weinheim: Die Symphonic Metal Band „Leaves Eyes“ hatte zu ihrem Auftritt ins Café Central gleich mehrere furchterregende Gesellen in voller Montur mitgebracht, die zusammen mit den Musikern auf der Bühne waffenstarrend und Schwert schwingend Stimmung machten. Dazu noch die harten, aber immer melodischen Klänge, die sirenenhafte Stimme der finnischen Sängerin Elina Siirala und die heftigen Growls von Alexander Krull – fertig war eine Heavy-Mixtur, die etwa 150 Fans in der schwül-warmen Atmosphäre begeisterte.

„Sign of the dragonhaed“ heißt die neue CD der deutsch-skandinavischen Band, für die der Weinheimer Auftritt fast schon ein Clubkonzert gewesen sein muss. Denn das Quintett spielte bereits beim ungleich größeren Wave Gothic Treffen in Leipzig oder beim Wacken Open Air. Folk- oder Viking-Metal haben die fünf ihre Musik untertitelt –  richtigerweise, denn die keltischen und nordischen Einflüsse sind unüberhör- und -sehbar. Wenn dann zum Schluss fast ein komplettes Wikingerdorf die Bühne entert, gerät der Song schon fast zur Theateraufführung.

„Sign of the dragonhead“ ist auch die erste Veröffentlichung mit dem neuen Line-up, zu dem seit 2016 Siirala gehört, die auf Liv Kristine folgte. Torsten Bauer an Gitarre und Bass ist zwar wie Krull ein Leaves-Eyes-Urgestein seit Gründung 2003, aber Pete Streit (Gitarre) kam erst 2015 hinzu, zwei Jahre nach Schlagzeuger Joris Nijenhuis. Sie stehen für harte Riffs, aber auch sphärische Synthie-Klänge, die zusammen mit dem Gesang den Songs immer eine Struktur geben und sie nicht ins reine Gitarren-Geschrubbe abrutschen lassen.

Auf dem neuen Silberling spinnt die Gruppe die Wikinger-Chroniken aus den früheren Jahren fröhlich weiter, nimmt aber neue Einflüsse mit auf, ohne die alten Stärken zu vergessen. „Across The Sea” wird so etwa zu einer Art „Metal-Shanty” mit unwiderstehlichem Rhythmus. „Like A Mountain” erzählt eine tragische isländische Liebesgeschichte, untermalt von einem gothiclastigen Basstrack. Wie überhaupt die Double Bassdrum gerade im hinteren Teil des Cafés so manchen Gitarrenton überdeckte.

Elina Siirala kann sämtliche Facetten ihrer eindrucksvollen Stimme voll ausschöpfen. Sie dominiert mit ihrem wandlungsfähigen Organ, das teilweise schon Anklänge ans Opernhafte hat, ganz klar die verschiedenen Songs. Da merkt man sehr deutlich die klassische Ausbildung. Mal sanft säuselnd, dann aber auch wieder kraftvoll, saalfüllend, voll klingend bei anderen: Jeder Songs ist ein Erlebnis. Wenn Sänger Alex Krull nicht gerade seine mit Reißnägeln gegurgelte Growls einstreute, dann animierte er die Menge erfolgreich zum Mitklatschen, Mitsingen und Mitgrölen – eine eingeschworene Gemeinschaft.

Natürlich standen die neuen Lieder ganz klar im Mittelpunkt des Konzerts, das Mayan und Almanac als Vorgruppen sah. Mittelalterliche Schlüsselfideln, Geigen, schottische Dudelsäcke und Flöten bildeten einen interessanten  Hintergrund bei Stücken wie „Shadows In The Night” und „Völva“, die die Fans bei geschlossenen Augen in eine mystische Welt der nordischen Seher und Sucher entführten. Melodisch, mächtig, metallisch präsentierte sich die Band, die gnadenlos Stimmung machte und nicht so  schnell von der Bühne gelassen wurde.

Den Vergleich mit einer der führenden Bands der Szene „Nightwish“, muss sich die Truppe gefallen lassen. Einige Anklänge lassen sich feststellen, was per se aber nichts Schlechtes ist.  Im Gegenteil: „Leaves Eyes“ wissen ihre eigenen Einflüsse geschickt einzubauen. „Riders On The Wind”, eigentlich ein klassisches Heavy Metal-Stück, gewinnt stark durch die Konfrontation mit Celtic Folk und bildet die Basis für eine große Wikinger-Party.

„Jomsborg” wiederum handelt von einer legendären baltischen Festung und ihrer Armee, zelebriert durch am Anfang genannte Streiter. Gleichzeitig bildet der Song eine Hommage an die Reenactment-Szene, die immer mehr an Zulauf gewinnt. Living History wie etwa in Haithabu, eine frühe Wkinger-Siedlung, die heute in Schleswig liegt, ist dafür nur ein Schlagwort. So weit musste man aus Baden aber nicht fahren, um die Wikinger zu sehen – das Café Central reichte.

Zum Bericht geht's hier:…

Posted by Thomas Wilken on Friday, May 11, 2018

Schloss Hirschhorn bleibt trotz Sanierung als Ausflugsziel erhalten

Das Land Hessen saniert Schloss Hirschhorn gerade rundum, damit es auch auf lange Sicht ein attraktives Tourismusziel bleibt, teilt der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen mit. Ein Ausflug lohnt sich auch während der Bauzeit: Das Areal rund um das Schloss bleibt während der Arbeiten für Besucher geöffnet. Der für die Sanierung zuständige Landesbetrieb hat im Zusammenspiel mit der Stadt Hirschhorn dafür gesorgt, dass ein ganz besonderes kulinarisches Angebot auf die Gäste wartet: ein Food-Truck in historischem Gewand, der ab dem kommenden Himmelfahrtswochenende geöffnet sein wird.

Die Bewirtung übernimmt zunächst der Hirschhorner Gastronom Giuseppe Lauria, der die Pizzeria „Bei Peppe“ in der Hauptstraße führt. „Der Food-Truck ist weit mehr als nur eine Übergangslösung während der Sanierung. Mit ihm können wir unseren Gästen während der Bauzeit ein tolles Angebot zur Stärkung und zum Verweilen machen“, erklärte Bürgermeister Oliver Berthold bei der Vorstellung des Food-Trucks. Giuseppe Lauria plant, den Truck bei gutem Wetter täglich von 10 bis 18 Uhr zu öffnen. Der mobile Verpflegungsstand beinhaltet eine komplette Küche und eignet sich für ein breites gastronomisches Angebot: Vom Schnitzel über belegte Brötchen, von kühlen Getränken bis zum heißen Kaffee aus der eingebauten Kaffeemaschine reichen die Möglichkeiten.

„Purple Rising“ erweckt im Hüttenwerk Michelstadt Deep Purple zum Leben

Als wäre die Zeit stehen geblieben: So muss es vor 45 oder 50 Jahren geklungen haben, als die britische Hardrockband Deep Purple in wechselnden Besetzungen eines ihrer legendären Konzerte gab. „Mark II“ ist dabei die Formation, die sich am ehesten ins Gedächtnis eingebrannt hat, da der Fünfer so legendäre Songs wie „Smoke on the Water“, „Child in Time“, „Lazy“ oder „Space Truckin‘“ komponierte. Aber auch Mark III mit „Burn“ oder „Mistreated“ kommt zu seinem Recht.

Satt wummert der Bass von Roger Glover aus den Marshall-Boxen, majestätisch thront die Hammond-Orgel von Jon Lord über den Songs, filigran reiht sich Ritchie Blackmores Gitarrenspiel ein, in schnellem Rhythmus halten die Drums von Ian Paice den Takt, während sich Ian Gillan die Seele aus dem Leib singt und schreit. Mit einem Unterschied: Es stehen nicht die Deep Purple von 1972 wie bei „Made in Japan“ auf der Bühne des Hüttenwerks, sondern mit „Purple Rising“ eine Coverband, die die Hits von damals auf der Bühne frisch und fetzig spielt – einfach perfekt.

Dominik Stotzem (Bass), Andreas König (Hammondorgel, Keyboards), Patrick Sühl (Vocals), Stefan Deissler (Drums) und Reik Muhs (Gitarre) erschaffen im Hüttenwerk Michelstadt eine perfekte Illusion früherer Jahre. Enthusiastisch, exzessiv, ausufernd, nicht enden wollend, auf den Punkt genau werden die alten Kracher von der fünfköpfigen Band förmlich zelebriert, die Spielfreude kommt in jedem Ton rüber. Die Reminiszenz ist quasi total.

Es stimmt alles, von den Handbewegungen, dem affektierten Gehabe über die Kleidung und den Haaren bis hin zu den diversen Instrumenten. Reik Muhs imitiert den Meister auf den sechs Saiten, Ritchie Blackmore, beinahe schon so perfekt, dass es unheimlich ist. Selbst die Frisur aus den 70ern stimmt. Mit der Fender Stratocaster-Gitarre ergibt das inklusive stimmiger Bewegungen, den typischen Posen und dem virtuosen Spiel ein Gesamtbild, wie es besser nicht sein könnte.

Richtig (unheimlich) authentisch wird es, wenn er sich mit Andreas König an Hammond-Orgel und Keyboards immer wieder die legendären musikalischen Duelle liefert. „Highway Star“, „Space Truckin‘“ oder „Black Night“ sind solche Klassiker, die inklusive der eingestreuten Soli überhaupt nicht mehr enden wollen.

Wie König den nicht mehr unter uns weilenden Jon Lord gibt, ist ebenfalls ein Hingucker für sich. Seine Hammond-Orgel hat schon 63 Jahre auf dem Buckel und ist bei jedem Aufbau „eine Riesen-Plackerei“. Aber der Sound! Der ist unvergleichlich und legt quasi sofort den Schalter um – das legendäre Live-Album „Made in Japan“ lässt grüßen. Dazu noch die Leslie-Verstärker, nur wenig jünger als das Instrument. Auch Jon Lords Fingerzeige hat sein Epigone bis ins kleinste Detail drauf.

Dominik Stotzem am Bass hat eher was vom zappeligen und nie still stehenden Ausnahmekünstler Glenn Hughes. Er ist eindeutig der Partymacher in der Band, animiert das Publikum ein ums andere Mal erfolgreich zum Mitmachen und Mitsingen, ist wie ein Irrwisch auf der Bühne unterwegs und hat einfach den puren Groove im Blut.

Sänger Patrick Sühl darf sich gleich an vier Vorgängern abarbeiten und macht seine Sache sehr gut. Rod Evans stand bei „Hush“ und „April“ am Mikro, mit dem Deep Purple 1968 die ersten großen Erfolge feierte. Und dann natürlich Ian Gillan vom klassischen Mark II-Line-up, den Sühl sehr gut draufhat. „Child in Time“ etwa oder „Smoke on the Water“ klingen mit geschlossenen Augen wie vor mehr als 45 Jahren. Mit „Stormbringer“ lieferte David Coverdale ein Glanzstück ab. Etwas schwerer tut er sich mit dem Gesang von Glenn Hughes oder auch Joe Lynn Turner, wenn mit „Fortuneteller“ ein Rainbow-Stück eingestreut wird.

„Catch the Rainbow“ am Schluss, bei dem der vor einigen Jahren verstorbene Ronnie James Dio am Mikro stand, ist ein besonderes Schmankerl. Wie auch „Halleluja“, der erste Song der Mark II-Besetzung, oder das Concerto von Jon Lord, bei dem dieser wegbereitend eine Rockband zusammen mit einem klassischen Orchester auftreten ließ. Der Jubel der Besucher kennt keine Grenzen, die Band wird enthusiastisch gefeiert.

Zweite Hirschhorner Gitarrennacht mit hochkarätigen Musikern

Wer „A“ sagt, muss auch „B“ sagen, sagt der Volksmund. Wer eine erste Hirschhorner Gitarrennacht veranstaltet, muss auch (mindestens) eine zweite veranstalten, findet die Kunstpflege Hirschhorn. Am Freitag, 4. Mai, um 21 Uhr ist es also so weit: Im Atelier von Enno Folkerts in der alten Pappenfabrik am Ortseingang von Langenthal werden drei außergewöhnliche Musiker von internationalem Ruf für ein Musikerlebnis der besonderen Art sorgen.

Claus Boesser-Ferrari ist ein „stilprägender deutscher Gitarrist, Komponist und Dozent mit internationaler Reputation“, wie man bei Wikipedia nachlesen kann. Er steht für eine individuelle Klangästhetik, die die Grenzen seines Instruments erweitert. Wer schon einmal das Glück hatte, Heiko Plank aus Kortelshütte zu hören, versteht, warum er in Ungarn als „außergewöhnlicher Gitarrist der Welt“ bezeichnet wurde. Er hat ein eigenständiges Instrument und damit einen völlig eigenen Stil entwickelt.

Konark Reddy ist der „Großmeister“ der indischen Gitarrenszene und unterhält eine eigene Musikschule in Bangalore. Er studierte zunächst klassische westliche Gitarre und Jazz, zusätzlich hindustanische Musik und das indische Saiteninstrument Sarod. In seiner Musik kombiniert er Einflüsse des Jazz, der westlichen Klassik und indische Musikstile. Wie auch bei der ersten Gitarrennacht erhält der Nachwuchs eine Chance. Im Vorprogramm treten die Geschwister Lana und Thea Karapandza von der Musikschule Odenwald auf. Ihr Lehrer ist David Forstman, der 1975 aus Nashville nach Deutschland kam.

International renommierte Künstler – das klingt nach hohen Gagen und entsprechenden Eintrittspreisen. Die Kunstpflege bleibt jedoch dabei: Es wird kein Eintritt erhoben. Das Publikum wird nur gebeten, den Künstlern durch Spenden, deren Höhe jedem überlassen bleibt, wenigstens eine gewisse Gage zukommen zu lassen. Um das zu unterstützen, haben drei Künstler Bilder gestiftet, deren Erlös ebenfalls an die Künstler geht. Diese Bilder können zu sehr günstigen Preisen über die Webseite des Vereins gekauft werden.

Weitere Infos: www.kunstpflege-hirschhorn.de/veranstaltungen.html

„Undercure“ machen im Hüttenwerk Michelstadt den Originalen alle Ehre

Augen zu und die Illusion ist perfekt. Vorn auf der Bühne des Hüttenwerks steht die britische Pop-/Rock-/Wave-/Gothic-Band „The Cure“ und spielt ihre größten Hits aus 40 Jahren Bandgeschichte. Augen auf – und die Illusion ist noch genau so perfekt. „Undercure“-Frontmann Holger Schwinn hat sich optisch so detailgetreu seinem Idol Robert Smith angenähert, dass höchstens das Alter noch ein Unterschied sein könnte. Musikalisch gibt’s nichts zu meckern: Die Band aus dem Odenwaldkreis bleibt so dicht am Original wie es eben möglich ist.

Das alljährliche Karfreitags-Konzert im Hüttenwerk mit „Undercure“ ist seit zwölf Jahren ein Kult-Event: Man trifft sich in den guten, alten 80ern. 2006 gründete sich die Band und kann seitdem eine stetig wachsende Fanbasis verzeichnen. Die wissen es zum einen zu schätzen, was sie musikalisch geboten bekommen, zum anderen, dass es am Karfreitag eine willkommene Abwechslung zum Feiertags-Einerlei gibt. 260 Gäste zählte man zur Halbzeit an der Kasse, was eine ziemliche Enge im Saal bedeutete – die Michelstädter wissen, was sie an der Band haben.

Schwinn mit seiner hellen Stimme, die schon Richtung Falsett geht, mit seinen toupierten Haaren und dem geschminkten Gesicht gibt den Smith par excellence. Die Bühnenshow mitsamt Ausleuchtung ist völlig auf ihn zugeschnitten. Die fokussierten Bühnenstrahler in Weiß vom Boden, in Rot, Blau oder Gelb von der Decke her tauchen den Frontmann immer wieder ins richtige Licht, das in seiner scharfen Abgrenzung einen sehr stimmigen Rahmen zur Musik schafft.

Wenn auch der Sänger absolut im Fokus steht, ist der beste Shouter nichts ohne die Band im Hintergrund. Für den mal fetten, druckvollen, mal dezenten, getragenen Sound haben sich ein paar Instrumenten-Cracks aus dem Odenwald zusammengefunden, die auch in anderen Bands ihren Dienst tun. Schwarz ist natürlich die dominante Farbe bei der Kleidung, aber zum Glück nicht musikalisch dominierend. Markus Fabian (Gitarre), der seine lange Kutte wegen der Hitze auf der Bühne schnell fallen lässt, ist für die meist funkigen Riffs zuständig, darf aber auch mal solomäßig ran.

Jens Weimar (Bass) und und Heiko Birkenstock (Schlagzeug) halten immer den richtigen Groove und sorgen dafür, dass alles im Takt bleibt. Sie treiben mit ihrem Spiel kräftig die Songs voran und schaffen es, dass „langsame“ Studionummern live doch ein bisschen anders, fetziger klingen. Dirk Weimar (Keyboard) lässt sein Instrument mal sphärenhaft, synthiemäßig oder als Piano klingen – je nachdem welche Schaffensphase „The Cure“ damals hatten.

Über allem thront natürlich Holger Schwinn: schmale Gestalt, schwarze Klamotten, extrem rot geschminkte Lippen, eine Stromschlag-Frisur vom Feinsten. Viele Worte gibt es über die Songs nicht zu machen. Es ist immer wieder überraschend, wie viele Hits die Band geschrieben hat, die man irgendwo alle schon einmal gehört hat und die in Fleisch und Blut übergegangen sind.

„Fascination street“, „Fire in Cairo“, „Pictures of You“, „Boys don’t cry“ oder „Love cats“ sind solche unvergesslichen Stücke aus den vergangenen 40 Jahren, die von der Coverband in der ersten Hälfte wie an einer Perlenkette zelebriert werden. Ohne große Ansage geht’s in die Pause, um danach ähnlich weiterzumachen. Nach „Friday I’m in love“, „Lullalby“ oder „Jumping someone elses train“ ist klar, dass noch nicht Schluss sein würde. „Play for today“ und Seventeen Seconds“ schließen sich als Zugabe an.

Aber auch danach konnte, wer wollte, noch lange weiter feiern. Passend zum Konzert begeht das Original ja in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen unter diesem Namen. Die fünf Musiker von „Undercure“ hatten deshalb ihren Kollegen Sebastian Schimmer von der Band „Oel“ (DJ Schimmi) mitgebracht, um den Abend abzurunden. Im Anschluss gab‘s volles Programm mit 80er-Jahre-Musik im „Disco-Bistro“.

„Undercure“ will nicht nur die Songs der legendären, britischen Wave-Helden originalgetreu covern, nicht nur die Akkorde und Texte wiedergeben, sondern auch bei aller musikalischen Detailtreue den Geist der Songs auferstehen zu lassen und auf das Publikum zu übertragen. Das neue Experiment, die Songs auf Deutsch umzusetzen ist eine spannende Gradwanderung.

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Posted by Thomas Wilken on Saturday, March 31, 2018