Erst Fotoausstellung, dann Musik

Foto-Kunst und Musik im Maleratelier: Die Fotoausstellung „Auslöser“ von Jens Fiedler und Enno Folkerts wird am Samstag 12.Oktober, 18.30 Uhr, im Atelier Enno Folkerts, Waldmichelbacher Straße 2 in Langenthal (Alte Pappenfabrik Mayr) eröffnet. Die Laudatio hält Angela Mahmoud. Abends spielt dann ab 20 Uhr die „Gerdband“.

Wenn ein Fotograf den „Auslöser“ betätigt, kann es vorkommen, dass er mit seinem Ergebnis Freude, Besorgnis, Neugierde, Zärtlichkeit und andere Gefühle „auslöst“. Er wird somit selbst zum „Auslöser“ dieser Empfindungen. Jens Fiedler ist der typische Fotograf. Er hat den richtigen Blick und drückt im richtigen Augenblick den Auslöser. Er war erster Preisträger beim Fotowettbewerb Kulturgut Waldliebe

Fiedler stellt im Atelier von Enno Folkerts Fotografien aus der Reihe „Musik der Natur“ aus. Diese erhielten bereits große Aufmerksamkeit in Heidelberg. Klang der Farben, Reigen der Blüten, Rhythmus von Wasser und Wind oder musikalische Assoziationen sind sein Ding. Fotografien wie Gemälde lassen den Betrachter innehalten und den Trubel des Alltags vergessen. Minimalistische Details in Großformat beeindrucken und lassen Raum für eigene Interpretationen und Träume.

Für den Maler Enno Folkerts ist es die 80. Ausstellung, jedoch die Erste mit Fotografien. Seine 35 auf 35 Zentimeter Fotos aus der „Quadratmeter“-Reihe könnten als Vorlage für seine großformatigen fotorealistischen Gemälde von Fassaden und Fenstern dienen. Seine Kamera fungiert hier oft als Ersatz für den Skizzenblock. Dagegen sind die einen Quadratmeter großen Fotos tatsächlich Abbilder der Quadratmeter von Böden, auf denen wir leben. So wird auch ein Quadratmeter Boden aus Venedig mit Taube zu sehen sein.

Anschließend findet um 20 Uhr ein Konzert mit der „Gerdband“ statt. Diese erzeugt einen unverwechselbaren Sound, „amerikanisch schnörkellos und zugleich romantisch europäisch verziert“, wie die Gruppe selbst von sich sagt. Alle drei Bandmitglieder sind erfahrene Meister der Technik und Improvisation, mit einer tiefen Leidenschaft für ihre Instrumente. Sie spielen ausschließlich Originalkompositionen von Gerd Baier, die viel Platz bieten für die Entwicklung eigener musikalischer Ideen.

 

Info: An den Wochenenden 19. und 20. sowie und 27. und 28. Oktober ist die Fotoausstellung (mit Kaffeekränzchen) nachmittags ab 15 Uhr geöffnet. Ort: Atelier Enno Folkerts, Waldmichelbacher Straße 2, Hirschhorn-Langenthal

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Das Beste aus Südhessen nicht nur zum Essen

Die Stoffmammuts des Elfenbeinmuseums sind am Wochenende die heimlichen Stars. Sie empfangen die Besucher der Messe „Made in Südhessen“ im Volksbank-Atrium und sind stoische Beobachter des Geschehens. Ihnen entgeht nichts – auch nicht, dass sich die Besucher am Samstag eher spärlich tummelten. Ulrich Diehl vom gleichnamigen Verlag war mit der Veranstaltung im zehnten Jahr ihres Bestehens das erste Mal im südlichen Südhessen zu Gast.

In Darmstadt organisierte Diehl bereits seine Messe. „Weil ich den Odenwald liebe“, erläutert er mit einem Schmunzeln, wollte er testen, „was so tief in Südhessen möglich ist“. Selbstkritisch merkt er aber an, dass das Eintrittskonzept vielleicht nicht so ankommen könnte, „da man hier verwöhnt ist von kostenfreien Veranstaltungen“. Deshalb wurde noch ein Getränkegutschein draufgelegt.

Diehl geht es darum, „Produkte aus Südhessen bekannter zu machen“. Denn die Region hat vom Neckar bis an Main und Rhein etliches zu bieten. Er weiß, dass lokale Produkte in der Regel beliebter sind als überregionale. Außerdem kommt der Klimaschutz dazu. Was vor Ort produziert wird, braucht keine langen Transportwege. Und die Palette der angebotenen Warten ist groß.

Da sind die Elfenbeinschnitzer direkt aus der Kreisstadt bis hin zum Quittenprojekt Bergstraße, das sich ganz in den Dienst der alten Obstsorte gestellt hat. Die Agentur für Arbeit informiert über die offenen Stellen in der Region, aus Mossautal gibt’s die bekannte Seife zu erwerben. Upcyclingmoden, Alarmanlagen, Grünpflanzen oder Kassensysteme: Die Spannbreite der Produkte aus dem Odenwald ist genauso groß wie die der kulinarischen Spezialitäten.

Die Musik aus der Region darf nicht fehlen. Die „Oigeborene“ von der Bergstraße verballhornen bekannte Popsongs, die Jungs von A & B sind zwar in Berlin ansässig, aber im Odenwald groß geworden. „Mar y Aire“ ist das dritte Glied in der Unterhaltungskette. Die Metzgerei Feldmann aus Pfungstadt darf sich an diesem Nachmittag mit dem Preis „Made in Südhessen“ für ein besonderes Sortiment regionaler Produkte schmücken.

In Groß-Gerau, Kranichstein oder Dieburg war Diehl bereits vertreten, allerdings dort zusammen mit Cottage Garden Events. Was seiner Meinung nach natürlich zusätzlich Publikum anzieht. „Ein gutes Feedback“ nahm er von dort mit und hoffte – wie sich zeigte, zurecht – darauf auch am Sonntagnachmittag, denn erfahrungsgemäß kommen und kamen dann drei Viertel der Wochenend-Besucher.

Die Hälfte der Aussteller, schätzte Diehl, begleitet ihn auch bei seinen sonstigen Veranstaltungen, die andere Hälfte ist im Odenwald erstmals dabei. Ein Unikum ist Anne Gaydoul aus Bad König. Die quirlige 77-Jährige ist schon seit einem halben Jahrhundert mit ihren hammergeschmiedeten Eisenpfannen unterwegs. „Pfanne von Anne“ heißt es ebenso kurz wie einprägsam. Wenn sie ins Erzählen kommt, dann sprudelt es nur so aus der Geschäftsfrau heraus.

Vor 50 Jahren „wurde Altes in Grund und Boden gestampft“, erzählt sie. Deshalb musste Gaydoul bis nach Bayern gehen, um dort ihre Pfannen-Idee umzusetzen. Die alte Schmiedekunst-Tradition aus dem Allgäu kommt ohne Beschichtung aus. Lediglich Öl und ein Kratzer sind Grundbestandteile, beweist sie gleich bei der Probe aufs Exempel mit einem fluffigen Rührei. Alleinstellungmerkmal ist der besondere Griff. „Da kriegt die Hitze die Kurve nicht“, erläutert die 77-Jährige ihr Patent.

Thomas Weiterschan aus Forstel bei Höchst schnitzt schon über 25 Jahre „Feine Wesen“ aus Holz. Seine Arbeiten entwickeln sich aus der Vorstellung heraus, „was zum Holz passt“. Früher waren es vor allem diese Eulen, die unter seinen Händen entstanden, heute haben sich die Werke Richtung Naturgeister wie Feen oder Engel verlagert. Ihm kann man bei der filigranen Arbeit zuschauen. Der Toscana-Holzbackofen von Gerhard Gernsbeck macht das Brotbacken zum Erlebnis. Stündlich bietet er Vorführungen ein, wie ein frischer Laib bei 400 Grad eingeschossen wird.

Mehr Busse nach Hirschhorn werden teuer

Es wurde in der Oberzent-Stadtverordnetenversammlung lange darüber geredet, aber am Schluss keine Entscheidung getroffen. Der Antrag der Grünen, eine Taktverdichtung auf der Linie 54 zwischen Beerfelden und Hirschhorn herbeizuführen, soll ausführlich im Infrastruktur- und Sozialausschuss behandelt werden. Denn mit einer Umsetzung wären erhebliche Kosten verbunden, die die OREG auf 185.000 Euro jährlich beziffert. Bei sieben Gegenstimmen wurde die Verweisung beschlossen.

Horst Kowarsch (Grüne) bezeichnete die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen:  Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Es gelte, „von unten Druck zu machen“, damit sich etwas bewegt. Aktuell kommt seinen Worten nach noch die mangelnde Anschlusssicherheit dazu: Der Bus erreicht verspätet den Bahnhof. „Das Taxomobil ist zu teuer“, meinte Kowarsch mit Blick auf das „Garantiert-Mobil“-Konzept des Odenwaldkreises.

Laut Oreg sieht der Nahverkehrsplan zunächst einmal nur die Sicherstellung des Schülerverkehrs vor. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Alles, was darüber hinausgeht, müsste die Stadt Oberzent bezahlen. Und hier kommt die Kalkulation der Regionalgesellschaft auf eben jene 185.000 Euro, wenn es im stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben soll.

Grundsätzlich befürworteten die Mandatsträger eine bessere Anbindung nach Süden. Allerdings schreckten sie die Kosten. Chris Poffo (ÜWO) hielt die Oreg-Argumentation für nicht zu Ende gedacht. Denn dieser hohe Zuschuss gehe von den aktuellen Nutzerzahlen aus. Vor einer Entscheidung wäre es sinnvoll, einen tatsächlichen Bedarf abzufragen.

Thomas Väth (Grüne) unterstellte der Oreg, an dieser Verbindung nicht übermäßig interessiert zu sein. „Ist es zukunftsgerichtet, dass ein Ort wie Rothenberg ohne Auto nicht zu bewohnen ist“, stellte er in den Raum. Thomas Ihrig (SPD) wies darauf hin, dass im Nahverkehrsplan das umgesetzt werde, was der Kreistag vorgebe. Dessen Vorsitzender Rüdiger Holschuh ergänzte, dass es auch um die Gleichbehandlung der Kommunen gehe.

„Über die nackten Zahlen“ wollte Oliver von Falkenburg (CDU) reden. Finanziell fahre die Stadt derzeit „auf Sicht“, sagte er. Zusätzliche Kosten könne man sich nicht leisten. Die Novelle der Gemeindeordnung lege der Stadt noch weitere finanzielle Fesseln an. Ähnlich Frank Leutz (FDP): „Woher sollen die Gelder kommen“, fragte er. Seine Befürchtung: Es wird ein Präzedenzfall geschaffen.

Gegen wilden Aktionismus im Wald

Wilder Aktionismus ist zwar fehl am Platz, waren sich die Diskutanten einig. Aber die Lage ist mehr als ernst, schälte sich aus den Wortbeiträgen der Fachleute heraus, die auf Einladung der SPD Mossautal in die gleichnamige Halle gekommen waren. „Dürresommer – Klimawandel: Ist unser Wald in Gefahr?“ lautete der Titel der Veranstaltung, zu dem sich die Sozialdemokraten ein paar mehr Besucher erhofft hätten. Denn ihnen liegt das Thema extrem am Herzen, machte Moderator Matthias Brenner deutlich.

Fünf Referenten begrüßte der Vorsitzende des Ortsvereins. Mit Heike Hofmann war darunter auch die SPD-Vizepräsidentin des Hessischen Landtags dabei. Prof. Dr. Arnulf Rosenstock von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Dr. Georg Berthold vom hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, der stellvertretende Michelstädter Forstamtsleiter Steffen Hering und Gerhard Eppler vom NABU Hessen.

Rosenstock sprach bei seiner Ursachenforschung die zwei Extremsommer in Folge und die negative Wasserbilanz durch zu wenige Niederschläge an. Dadurch gab‘s optimale Vermehrungsbedingungen für Schädlinge aller Art, nicht nur den Borkenkäfer. Das Problem dabei: Die natürlichen Fressfeinde werden im gleichen Maße durch die Klimaveränderung in ihrer Verbreitung ausgebremst wie die „neuen Gäste“ zunehmen.

„Wir bekommen, ob wir es wollen oder nicht, neue Waldgesellschaft“, prognostizierte Rosenstock. Es gehe darum, sich auf die neue Situation einzustellen. Seinen Worten zufolge ist ein Paradigmenwechsel bei der Waldwirtschaft notwendig, weg von Bewirtschaftungsinteressen hin zu einem Klima-, Wind- und Wasserschutzwald.

„Für den Wald kommt es knüppeldick“, meinte die SPD-Landtagsabgeordnete. Und damit auch für die Menschen. Denn: „Nur ein gesunder Wald erfüllt eine Klimaschutzfunktion“, betonte sie. Deshalb müsse man alles für seine Rettung tun. Hofmann forderte „einen Pakt für den Wald“. Der Gesellschaft müsse der Schutzwaldgedanken wichtiger sein als der wirtschaftliche Aspekt.

Einen ganz anderen Aspekt brachte Dr. Berthold ein. Er wies auf die trockenen Böden durch fehlenden Regen hin. „2019 haben wir das Defizit aus dem Vorjahr übernommen“, erläuterte er. Die Böden seien bis in eine Tiefe von zwei Metern trocken. Die Quellschüttung geht seinen Worten zufolge „sukzessive zurück“. Verstärkt lässt sich das seit dem Jahr 2000 beobachten. „Als wäre ein Schalter umgelegt worden“, sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter.

Die Grundwasserneubildung belaufe sich nur noch auf 85 Prozent des langjährigen Mittels. Gleichzeitig stieg die Wassertemperatur der Quellen um ein bis 1,5 Grad an. Dürren, so seine Aussage, kamen früher im Abstand von 20 bis 30 Jahren, „jetzt alle vier bis fünf“. Was Berthold zur Aussage führte: „Wir müssen wirklich was tun.“ Denn über kurz oder lang sah er in wasserarmen Regionen Nutzungskonflikte. Wenn es diesen Winter nicht ausreichend bis überproportional regnet, „wird 2020 extrem bei der Wasserversorgung“, prognostizierte er.

Der Odenwald ist zwar in Mitleidenschaft gezogen, aber im bundesweiten Vergleich kommt er noch einigermaßen gut weg, berichtete Steffen Hering. Im Staatswald belief sich der Käferholzanteil auf die Hälfte des Einschlags, sagte er. Hessenweit waren es 70 Prozent. „Große Entwaldungen haben wir zum Glück noch nicht“, machte er drei Kreuze. Hering war guten Mutes, „dass wir es hinbekommen“, mit den verschiedenen hier wachsenden Baumarten den (Oden-)Wald zu retten.

Gerhard Eppler wandte sich gegen eine „hektische Regulierung“. Denn der Klimawandel sei längst in vollem Gange. Er verglich ihn mit einer Fußbodenheizung, die nur langsam auf Touren kommt, aber dann so richtig losbollert. Ein bisschen weniger Kohlendioxid bedeute lediglich eine Reduzierung des Anstiegs, aber keine pauschale Reduzierung. „Wir dürfen keine Fichte mehr pflanzen“, forderte er. Auch die Douglasie sei kein „Heilsbringer“. In der folgenden Diskussion ging es vor allem um die Privatwaldbesitzer – was sie tun können, welche Hilfen sie bei Waldschäden bekommen.

 

Der restaurierte Wedekindstein erinnert an die Badische Revolution 1848/49

Die hessische Neckarstadt spielte eine bedeutende Rolle in der Badischen Revolution. Eines der letzten Kapitel der Ereignisse 1848/49 wurde in Hirschhorn geschrieben. Hanauer Turner und Bundestruppen lieferten sich rund ums Schloss Mitte Juni 1849 ein Gefecht. Unglücksrabe war Ludwig Wedekind: Der fiel „Friendly Fire“ zum Opfer, nachdem er wohl nicht schnell genug das Passwort wusste und von den eigenen Leuten erschossen wurde. Ihm zu Ehren wurde 1869 ein Gedenkstein errichtet, den man jetzt, 150 Jahre später, frisch restauriert einweihte.

Mit diesem „Wedekindstein“, am Aufgang vom Kloster kommend aufgestellt, hat es eine ganz besondere Bewandtnis. Er stellt neben dem Hambacher Schloss das einzige bauliche Denkmal zur Erinnerung an die Badische Revolution dar. Entsprechend prominent besetzt war die Riege der Laudatoren, allen voran der CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Michael Meister. Begrüßt und ins Thema eingeführt hatte Bürgermeister Oliver Berthold.

Es war an diesem Nachmittag viel von Freiheit und der wehrhaften Demokratie die Rede, „die man sich jeden Tag neu erarbeiten muss“ (Meister). Heutzutage müsse man wieder lernen, dass beides nicht auf ewig gesichert sei, sagte er mit Blick auf aufflammende braune Umtriebe. Der MdB zeigte die Parallelen des 1949 verabschiedeten Grundgesetzes mit der Paulskirchen-Verfassung von 1849 auf. Deutschland sei, betonte er, „aufgrund seiner Verfassung in einer guten Verfassung“.

Für die mit organisierenden Hirschhorner Altstadtfreunde gab’s 500 Euro vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, überreicht von Meister an den Vorsitzenden Reiner Lange. Sie hatten gemeinsam mit der Stadt sowie dem Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum im Gedenken an den im vergangenen Jahr verstorbenen Hirschhorner Stadthistoriker Ulrich Spiegelberg das Projekt zu Ende geführt.

Von den Hanauer Turnern waren Archivar Dietrich Arlt und Präsident Rüdiger Arlt vor Ort. Letzterer ließ die Geschichte des 1837 gegründeten „altrechtlichen Vereins“ (a.V.) humorvoll Revue passieren. Neben Christian Lautenschläger war August Schärttner einer der Gründer. Der, so Arlt, „war kein Sportler, sondern Revoluzzer“. Es wird kolportiert, dass Schärttner sogar seinem Weggefährten Karl Marx zu radikal war.

Als Anfang Juni 1849 der Hilferuf von den badischen Freunden kam, zogen in Hanau 300 Kampfeswillige los. Arlt ging auch auf den Pechvogel Wedekind, einen Goldschmied, ein. Er war der zweite Turner, der damals außerhalb des Schlachtfeldes fiel. Nach der Kapitulation flohen viele Hanauer über die Schweizer Grenze. Wer blieb, kam lange Jahre ins Zuchthaus. Auch Arlt fand mahnende Worte: „Viele von denen, die er heute aufwachsen, wissen es nicht mehr wertzuschätzen, wie gut es uns geht.“ Die damalige Aktion bezeichnete er als Grundstein der Demokratie.

Volker Buser würdigte als Vertreter von Landrat Christian Engelhardt das Wirken Spiegelbergs für die Stadt. Die Wiedereinweihung bezeichnete er als großem Moment für Hirschhorn und den Kreis. Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebes Bau und Immobilien, ging kurz auf die laufenden Maßnahmen rund ums und im Schloss ein, die zusammen etwa drei Millionen Euro kosten. Auch in heutigen Zeit, bedauerte er, „wird so mancher von hinten erschossen“. Dieses Mal durch die sozialen Medien: durch solche, von denen es man nicht vermute.

Pfarrer Joshy und sein evangelischer Amtskollege Reinhold Hoffmann sprachen den Segen. Hoffmann hatte ebenfalls mahnende Worte parat. Er wies, auch wenn es vielleicht komisch klinge, auf das Misstrauen als Grundbestandteil der Demokratie hin. Angesichts vieler „Fake News“ der heutigen Zeit forderte er dazu auf, immer zu hinterfragen und nichts als gegeben hinzunehmen. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler. Archivar Dr. Rüdiger Lenz sprach später zum Thema „Badische Revolution 1848/1849 und Auswirkungen bis in die heutige Zeit“.

 

 

Die Badische Revolution rund um Hirschhorn

Längs der Neckar-Odenwald-Linie war eine Verteidigungsstellung gegen die heranrückenden Preußen und Bundestruppen aufgebaut worden. Die Hanauer Turnerwehr, verstärkt durch Heilbronner Turner, war dem Hilferuf der badischen Revolutionäre gefolgt. Das strategisch wichtige Hirschhorn wurde am 13. Juni 1849 besetzt. Der „Traum von der Freiheit“ und einem Deutschen Staat scheiterte später an den deutschen Fürsten.

Am Abend des 15. Juni kam es zum Gefecht zwischen mit den von Beerfelden herangerückten Bundestruppen – kurhessische Infanterie und bayerische Jäger, verstärkt durch zwei mecklenburgische Geschütze, insgesamt etwa 2000 Mann. Nach einem Vorpostengefecht mit Kanonenbeschuss an der Schneidmühle erfolgte der Angriff auf die Burg, in der sich die Hanauer verschanzt hatten.

Hilfe wurde den Turnern zuteil durch Freischärler, die von Heddesbach aus herangerückt waren und die Bundestruppen im Rücken angriffen. Nach erfolglosem Sturm auf die Burg entschloss sich Oberst Weiss als Kommandeur der hessisch-bayerischen Truppen zum Rückzug, da er seine Stellung ungeschützt vorfand und umfangreiche Verbände von Freischärlern in der näheren Umgebung vermutete. Die Hanauer Turner wiederum verließen Hirschhorn am Morgen des 16. Juni und zogen sich ins benachbarte Eberbach zurück.

Das Gefecht von Hirschhorn blieb im Rahmen der Revolutionsereignisse eine Episode. Als Achtungserfolg fand es jedoch große Beachtung. 20 Jahre später bekam Wedekind von seinen ehemaligen Kampfgefährten im Rahmen einer Gedenkfeier einen Grabstein gesetzt. Die Gedenkrede hielt der Hanauer Wilhelm Kämmerer als einer derjenigen, die in Hirschhorn gekämpft hatten. Er war erst 1860 wieder aus der Haft freigekommen.

Odenwald-Rotwild schmort im eigenen Saft

Das Odenwald-Rotwild „schmort im eigenen Saft“. So plastisch formulierte es Vorsitzender Dr. Andreas Wiese von der Vereinigung der Rotwildjäger im Odenwald nach dem Bericht von Prof. Gerald Reiner. Der Gießener Hochschuldozent hatte in der Igelsbacher Sängerhalle auf deren Einladung über die „genetische Diversität beim Rotwild in Hessen“ referiert. Seine Forderungen waren klar: Es muss sich was tun, sonst leidet über kurz oder lang fast jede Population unter „Inzestdepression“.

Wiese sagte in seiner Begrüßung, dass Material aus dem gesamten Odenwald-Bereich, also Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, untersucht worden sei. Analog des länderübergreifenden Gebiets kamen auch die Besucher zum Vortrag. Die genetische Vielfalt ist in der hiesigen Mittelgebirgslandschaft so stark bedroht wie sonst nirgendwo in Hessen, sagte Reiner. Weiter nördlich gibt es zumindest teilweise noch stärkere Wanderungsbewegungen.

„Das Rotwild-Management funktioniert nicht mehr“, brachte es der Referent auf den Punkt. Die Gründe sind für ihn naheliegend. Zersiedlung und Autobahnbau behindern die natürliche Wanderung der Tiere oder haben sie zum Stillstand gebracht. Die geschätzten 2000 Exemplare im Odenwald sind dafür das beste Beispiel. 90 Prozent von ihnen gehören zum sogenannten Genotyp 9, der in dieser Konzentration nur im Dreiländereck vorkommt.

Reiner ging auch auf eine mögliche Überpopulation ein, die mit Schälschäden in Verbindung gebracht wird. „Es sind zwar zu viele, aber die falschen“, betonte er. Auch warnte der Referent davor, den Verbiss mit der reinen Masse in Verbindung zu bringen. Diesen Anteil sah er nur bei 20 Prozent. 80 Prozent davon wertete Reiner als stressbedingt.

Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Durch immer weiter schwindende Lebensräume plus den Jagddruck gehen die Äsungsflächen zurück oder trauen sich die Tiere nicht mehr auf diese. Das Ergebnis: Es wird an den Bäumen rumgenagt. Reiner appellierte, „das Rotwild nicht nur als Schädling zu sehen“, sondern im Zuge der Biodiversität ihm den gleichen Rang wie Luchs oder Wolf zukommen zu lassen. Das größte Säugetier in Deutschland „gehört einfach dazu“, meinte er.

Um den Bestand wieder zukunftsfähig zu machen, Vitalität und Fruchtbarkeit zu erhöhen, Missbildungen zu vermeiden, plädierte er für Leitstrukturen. Dafür gehören für Reiner unter anderem die Schonung junger Rothirsche auf Wanderschaft, die Schaffung von Grünbrücken über Autobahnen („die nutzen auch anderen Tieren“) und die Vernetzung von Biotopen. Hier müssten auch die Leute an der Basis mitmachen, „die wissen, wo die Wildwechsel sind“.

Natürlich, betonte er, „ist das Rotwild nicht vom Aussterben bedroht“. Durch den Inzest in den verschiedenen Verbreitungsgebieten nehmen aber die Missbildungen zu. Die Gesundheit des Bestands ist in Gefahr. Er machte dies beim Odenwald an ein paar statistischen Zahlen fest. Von den 2000 Tieren „geben nur 116 ihre Gene an die nächste Population weiter“, erläuterte der Vortragende. Lediglich 34 Hirsche sind darunter.

Die Zahl 100 ist die magische Grenze. Wird sie unterschritten, ist die Gefahr groß, dass innerhalb von fünf Jahren ein Negativtrend einsetzt, der die Inzucht begünstigt. Der von Reiner genannte „Inzucht-Zuwachs“ liegt im Odenwald bei 0,45 Prozent, was einen Mittelwert im hessischen Vergleich bedeutet. Er machte aber auch deutlich, dass zehn Prozent der hier untersuchten Proben einen hohen Inzuchtgrad aufwiesen.

2000 Tiere sind eine ganze Menge, fasste Wiese zusammen. Bei eingeschränkter genetischer Vielfalt „nutzt das aber nichts“. Er erwähnte das Abschussgebot außerhalb des Rotwildgebiets, das Wanderungen unterbinde. Es gebe zwar Bestrebungen in Richtung einer Aufhebung, aber der „stehen Forst und Land entgegen“, beschrieb der Vorsitzende die Schwierigkeit. Da in Baden-Württemberg 2020 die Rotwildverordnung zur Überarbeitung ansteht, könnte es Ansatzpunkte geben. „Warum gilt der Wildwegeplan nicht auch fürs Rotwild?“, warf Reiner abschließend ein.

Da kommen selbst die Ritter ins Schwitzen

Da wird es dem Ritter warm unter seiner Rüstung: Der Samstag bringt beim 43. Hirschhorner Ritterfest Temperaturen von über 30 Grad, was selbst die tapferen Recken aus Tschechien von „Fictum“ schwitzen lässt. Aber die sind Profis: Beim 43. Hirschhorner Ritterfest schwingen sie beim Schaukampf trotz Hitze in voller Montur Schwerter, Schilder, Äxte und Lanzen. Mit ihren launigen Sprüchen und viel Witz sind sie die Lieblinge des Publikums.

Ob es damals, vor mehr als 600 Jahren, war, oder heutzutage: Schlechtes Wetter gibt es eigentlich nie, wenn die Ritter rufen. Am heißen Samstag ließen sich einige Besucher bis zum frischeren Abend Zeit um vorbeizuschauen. Aber dann umso länger. Der kühlere Sonntag beschert der Zeitreise ins Mittelalter dann wieder einen sehr starken Besuch, sodass Hirschhorn mit mehreren tausend Besuchern aus allen Nähten platzt. 90 teilnehmende Gruppen, Händler, Handwerker und Künstler zählt der Markt praktisch jedes Jahr.

Auf dem Rathausplatz findet die feierliche Eröffnung statt, zu der alle Beteiligten mit aufgelaufen waren. Präsident Klaus-Jürgen Ehret findet wohlgesetzte Worte für die „Edlen aus Politik, Adel und Klerus“, die es aufs Neue an den Neckar gezogen hat. Vor 1246 Jahren, 773, schenkten die Mönche die Siedlung in Ersheim dem Kloster Lorsch, was die erste urkundliche Erwähnung der Stadt bedeutete.

Marktvogt Dieter König verliest die diversen Marktregularien, an die sich jeder zu halten hat. „Wer frevelt und tut Sünden, dem will ich jetzt noch künden.“ Finanzhaie sind nicht gerne gesehen:  „Wer Wucher treibt, ein armer Wurm, sitzt fünf Tage im Pulverturm“, warnt er. Außerdem: „Wer sticht mit Messer, Dolch und Schwert, sitzt auf dem Pfahl, bis er bekehrt.“ Ins Programm führt der letzte Hirschorner Reitter, Friedrich, alias Hans-Jürgen Waibel ein

Ein Markenzeichen des Ritterfests ist immer das große Handwerkerdorf mit unzähligen Mitwirkenden, wo man das alte Brauchtum aus vergangenen Jahrhunderten live erleben kann. Dort lässt sich den zahlreichen Künstlern über die Schulter schauen und so manches über die alten Handwerke erfahren.

Etwa der Wippdrechsler Johannes Brenner, der seit 20 Jahren den weiten Weg von Meinerzhagen in Nordrhein-Westfalen an den Neckar auf sich nimmt. „Ich weiß, dass heute junge Frauen an meinen Stand kommen, an die ich mich noch erinnere, wie sie als kleine Mädels mit Opa die Wippdrechselbank bedient haben“, meint er verschmitzt.

An seinem Stand ist immer Betrieb. Die 1000 Jahre alte Möglichkeit, mit eigenen Händen aus einem knorrigen Stück Holz ein besonderes Andenken herzustellen, zieht heutzutage immer noch. Sogar Kinder können unter fachkundiger Anleitung auf Zugbank und Kinderdrechselbank selbst Hand und Fuß anlegen und sich ihr eigenes Hölzlein erarbeiten.

Der 52-jährige Silber- und Bronzeschmied Thomas Eisermann aus Ober-Olm findet es gut, „dass es hier so viel vorführendes Handwerk gibt“. Hirschhorn ist „ein sehr angenehmer Markt mit supernetten Veranstaltern, die sich um alles kümmern“. Nur knapp 20 Kilometer muss Frank Derikatz aus Wald-Michelbach an den Neckar zurücklegen. Der Lederer „macht wirklich alles selbst“, wie er betont: Gürtel, Taschen, Schnallen, Schließen und vieles mehr. Ein kleiner Abstecher in die aktuelle Politik inklusive.

Buchdrucker Dieter Steiner sieht aus wie Johannes Gutenberg. Er macht den „Job“ mit viel Herzblut. Ihm tut es in der Seele weh, dass er für seine Druckwerkstatt noch keinen Nachfolger gefunden hat. Seit 2002 steht der 79-Jährige auf den Mittelaltermärkten und will langsam mal an die Rente denken. Aber man lässt ihn nicht, schmunzelt er. Und so geht’s Jahr für Jahr weiter auf die historischen Veranstaltungen.

Ganz auf die Bedürfnisse der kleinen Prinzessinnen ist Hans Franzisko mit den Burgfräuleinkränzen eingestellt. Der 70-jährige Hirschhorner ist ein Urgestein der Szene, der als Rentner „endlich“ viel Zeit hat und das Heimspiel genießt. Gutgelaunt sitzt er am Stand und baut die Bogen für die kleinen Ritter zusammen.

Die Glasmalerei ist eine traditionelle handwerkliche Technik mit einer über tausendjährigen Geschichte. Demonstriert wird sie von Martina Mechler-Flachs aus Eberbach. Seit über zehn Jahren baut Drehleierbauer Fritz Hirsch Instrumente. Er hat sich ganz dem Holz gewidmet, dem die Töne des Mittelalters entlockt werden.

Die Liebe zum Bogenbau in der Familie Siebert begann mit Großvater Adolf, der bereits 1948 mit dem Handwerk in der damaligen Wagnerei begann. Martin und Petra Bauer stellen den Beruf des Flachsbauers und -webers dar. Sie zeigen die Entstehung des Leinenstoffes von der grünen Flachspflanze bis zum fertigen Stoff

Dabei als Künstler außerdem: Nikodemaus, Kampfhus, Fabian le Corbeau, Musica Canora und Irregang. Abends fand die große Feuershow mit „Chapeau Claque Rouge“ statt. Beim Tavernenspiel erlebten die Besucher noch einmal alle Akteure zusammen. Viel Applaus war den Akteuren für ihre Darbietung gewiss.

Info: Heute ist das Hirschhorner Ritterfest noch bis 20 Uhr geöffnet. http://www.hirschhorner-ritter.de