Warnstreik bei Meto in Hirschhorn: Flucht aus Tarifvertrag sorgt für Ärger bei Beschäftigten

Die Geduld ist am Ende. Seit mehr als einem halben Jahr bemühen sich der Betriebsrat der Meto International und die IG Metall um konstruktive Gespräche mit der Geschäftsführung des größten Hirschhorner Arbeitgebers. Jedoch bisher vergeblich. Denn dieser wechselte zum Jahresende in eine „Ohne-Tarif-Mitgliedschaft“ im Arbeitgeberverband. Deshalb gab es nun einen ersten Warnstreik vor dem Unternehmen.

In dessen Mittelpunkt standen nicht nur die „internen“ Meto-Forderungen, sondern auch die in der aktuellen Tarifauseinandersetzung von der IG Metall propagierten nach sechs Prozent mehr Entgelt und dem Anspruch auf eine Reduzierung der Arbeitszeit. Betriebsratsvorsitzender Gernot Walter und Ulrike Köhler von der IG Metall Darmstadt zeichneten vor den etwa 65 Warnstreikenden die bisherige Entwicklung nach.

„Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen“, betonte Köhler. Denn bisher weigere sich die Geschäftsleitung um Peter Sperl, mit der Gewerkschaft zu verhandeln. Diese fordert einen Anerkennungstarifvertrag, damit sämtliche bisherigen Errungenschaften erhalten bleiben und die Mitarbeiter auch in den Genuss der künftigen Verhandlungsergebnisse kommen.

Gernot Walter bezog sich in seinen Worten sowohl auf den aktuellen Tarifstreit als auch die Meto-spezifischen Punkte. „Wenn wir uns die Tarifbindung nicht erkämpfen, ist alles, was in Zukunft ausgehandelt wird, nicht mehr für uns gültig“, betonte er. Ohne einen Anerkennungstarifvertrag sieht er über kurz oder lang auch früher erkämpfte tarifliche Leistungen gefährdet.

Seit über einem halben Jahr setze man sich dafür ein, dass der Betrieb nicht in die Ohne-Tarif-Mitgliedschaft wechsle – aber ohne Erfolg. Die Geschäftsleitung verweigere sich Gesprächen. „Freundliches Bitten half nichts“, sagte Walter. Erst als der Betriebsrat Überstunden verweigerte, gab es Bereitschaft. „Glaubt bitte nicht, dass es uns Spaß macht, Überstunden abzulehnen“, meinte er.

Alles schien seinen Worten zufolge nach eine Gespräch Köhler/Sperl Ende Oktober auf einem guten Weg, als dann kurz vor knapp Mitte Dezember die Geschäftsleitung den anberaumte Verhandlungstermin platzen ließ. Danach schlug die Gewerkschaft den offiziellen Weg ein. Seitdem lehnt der Betriebsrat laut seinem Vorsitzenden Mehrarbeit auch wieder kategorisch ab. Darauf folgten laut Walter Drohungen, „Arbeit wegzugeben und Investitionen nicht zu tätigen“.

Der BR-Vorsitzende wie auch Köhler machten weiterhin ihre Gesprächsbereitschaft deutlich, hoben aber gleichzeitig hervor, dass ein Anerkennungstarifvertrag eine elementare Komponente ihrer Forderungen ist. Walter zitierte den Spruch „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“. Seiner Meinung nach lohnt es sich zu kämpfen – auch im Hinblick auf weitere Einschnitte, die folgen könnten. Je mehr sich am Ausstand, umso schwerer werde es für die Geschäftsleitung, „ihre Verweigerungstaktik weiter zu betreiben“.

Ulrike Köhler warf Geschäftsführer Sperl vor zu taktieren. Im Gespräch mit ihm habe sie mehrere Optionen aufgezeigt, der Betriebsrat habe sich kompromissbereit gezeigt. Die Absage von Verhandlungen habe sie ernüchtert. Sie befürchte deshalb nun, sagte die IG-Metall-Sekretärin, dass es dem Unternehmen um mehr als nur die Abfederung von Tariferhöhungen gehe. Denn der Manteltarif ist derzeit offen, erläuterte sie. Deshalb könne die Geschäftsleitung ohne Tarifmitgliedschaft an der Arbeitszeit oder Zuschlägen für Mehrarbeit herummachen.

Der Warnstreik sei ein erstes Zeichen dafür, „dass man mit uns nicht so umspringen kann“, betonte Köhler. Leider, bedauerte sie, „versteht die Geschäftsleitung wohl nur Druck“. Es ist ihren Worten zufolge nicht prickelnd, draußen zu stehen und zu streiken. Wenn das aber die einzige Sprache sei, die der Arbeitgeber verstehe, dann sei man dazu bereit. „Wir reichen die Hand, aber die Geschäftsführung muss sich bewegen und mit uns an einen Tisch setzen“, hob die IG-Metall-Sekretärin hervor.

Die Anfänge der Firma Meto reichen genau 100 Jahre zurück. Sie wurde 1918 in Köln gegründet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Hirschhorn verlegt. Inhaber Oskar Kind entwickelt 1959 den ersten Handauszeichner „Jedermann“ und läutet damit die Geburtsstunde der Handauszeichnung ein. 1999 wird der Betrieb an den amerikanischen Warensicherungsspezialisten Checkpoint Systems verkauft. 2016 erfolgte die Übernahme durch den kanadischen CCL Industries. Meto wird als eigenständige Abteilung weitergeführt. Waren vor 25 und mehr Jahren noch 600 Mitarbeiter am Standort Hirschhorn tätig, so sind es heute noch um die 150. Von diesen sind 65 Prozent gewerkschaftlich organisiert. Meto ist aber weiterhin größter Gewerbesteuerzahler und Arbeitgeber in der 3500-Einwohner-Stadt am Neckar

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Hirschhorner Neujahrsempfang: Mit Ruhe die wichtigen Entscheidungen angehen

Es ist wieder Ruhe eingekehrt im Städtchen – eine Aussage, die sich wie ein roter Faden durch die Reden beim Neujahrsempfang im evangelischen Gemeindehaus zog. Nimmt man den Besuch der Veranstaltung, so wirkte sich diese Rückkehr zum gefühlten normalen Umgang miteinander extrem positiv auf den Besuch aus. Der Saal platzte aus allen Nähten, was die Redner sehr erfreut feststellten. Umrahmt wurde der Empfang von Hirschhorner Musikschülerinnen.

Hausherr Pfarrer Jörg Awischus lobte das ehrenamtliche Engagement. Es sei beileibe kein Selbstläufer und nicht selbstverständlich, dass sich Menschen politisch, sozial oder kulturell einbringen. Sie tun dies, um zur Lebensqualität im Ort beizutragen und ihren Mitbürgern ein Umfeld zu schaffen, in dem sich diese wohlfühlen. „Wir leben in einer Zeit, in der das, was früher selbstverständlich war, es nicht mehr ist“, sagte er.

Für die anstehenden Zukunftsprobleme gibt es keine Patentlösungen, stellte der Geistliche fest. Ihm machte Mut, dass zum Neujahrsempfang „so viele gekommen sind“. Veränderungen wird es immer geben, betonte der Pfarrer. Man könne die Zukunft zum Wohl der Mitmenschen entwickeln, wenn man im Gespräch bleibe, forderte er.

Die Rückkehr der Ruhe stimmte den stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Martin Hölz zuversichtlich für die kommende Zeit. Er sah darin das beste Fundament, um zur Sacharbeit zurückzukehren. Hölz pflichtete Awischus in dessen Worten grundsätzlich bei. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, schloss er mit einem bekannten Buchtitel von Erich Kästner.

In der heutigen Zeit sei jeder gefragt, „die Fahne der Demokratie hochzuhalten“, betonte Bürgermeister Oliver Berthold. „Demokratie braucht Menschen, die Demokratie leben, sie braucht Demokraten, damit sie gut funktioniert und stabil bleibt“, meinte er mit Blick auf so manche Entwicklungen. Das gelte es aber auch fürs eigene Land zu beherzigen. Protest wählen zeige nicht, „dass die da oben“ etwas was ändern müssen. Vielmehr verhindere es, dass etwas geändert werden könne, weil keine vernünftige Regierung zustande komme.

Berthold nannte die Entscheidungen der hessischen Landesregierung aus dem vergangenen Jahr erfreulich. Er bezog sich dabei auf Hessenkasse und eine Teilübernahme der Kindergartengebühren. Erstere dient dazu, die Kommunen bei der Tilgung ihrer Kassenkredite zu unterstützen. Das Land übernimmt die Hälfte, die andere Hälfte müssten die Städte mit etwa 25 Euro/Einwohner/Jahr selbst aufbringen. Für Hirschhorn bedeutet dies, dass innerhalb von 16 Jahren 1,4 Millionen Euro getilgt werden müssen.

Ab August übernehme das Land die Kosten für sechs Stunden Kindergartenbetreuung eines drei- bis sechsjährigen Kindes, führte er weiter aus. Das sei aber nur der Anteil, den eigentlich die Eltern bezahlen müssen, sagte Berthold. Früher war alles schlechter, drängte sich der Eindruck nach den weiteren Worten auf. Das vergangene Jahr habe man dazu genutzt, „wieder Struktur in die Verwaltung zu bringen, Altlasten aufzuarbeiten und zerrissene Bande neu zu knüpfen“, so der Bürgermeister.

„Die Verwaltung habe viele Fehler der vergangenen Jahre aufgedeckt, ist ihren Ursachen auf den Grund gegangen und hat Lösungsansätze erarbeitet“, meinte er. Er sei guter Hoffnung, dass die wichtigen politischen Entscheidungen in 2018 „im offenen Dialog zum Wohle Hirschhorns getroffen werden“, schloss Berthold.

Ehrungen

  • Jugendgruppenpreis für die katholische Kirchenmusik mit ihrem Jugendorchester. Das Ensemble ist vielfältig bei Veranstaltungen in der Stadt aktiv: 150 Euro
  • Silberne Ehrennadel für Arnt Heilmann, seit 15 Jahren Vorsitzender des Gewerbevereins
  • Goldene Ehrennadel für: Marlis Flachs, seit 1991 Vorsitzende, Dieter Klement, seit 1991 Präses des Kolpingvereins; Achim Heiduk, 1980-83 und seit 2008 Notenwart, 1992-2005 Schriftführer der katholischen Kirchenmusik; Karl Neidig, seit 1985 zweiter Vorsitzender, Klaus Zentler, seit 1985 Kassenwart und Vorsitzender des Akkordeon-Orchesters Langenthal.   

Ein grooviger Start in den Heiligen Abend mit „Another Livetime“ im Michelstädter Hüttenwerk

Große Party bis weit in den Heiligen Abend hinein: Zum letzten Mal in diesem Jahr hieß es „Let’s groove tonight“ mit „Another Livetime“ im Hüttenwerk. Wieder mit zwei Gästen, die aufs Neue die voll besetzte Hütte zum Grooven und Mitsingen brachten. Ina Morgan faszinierte mit ihrer phänomenalen Stimme, die Songs von Jess Stone oder Tina Turner einen besonderen Touch verlieh. Funkig-soulig wurde es mit Ollie Rosenberger, dem Shouter der Mannheimer Band Amokoma.

Nicht zu vergessen natürlich die hochkarätigen Musiker der Hausband, die es einmal im Monat schafft, für ein volles Haus zu sorgen, in dem sich Besucher dicht an dicht drängen. Und das mit einer Songauswahl, die sich praktisch nie gleicht. Noch am Tag selbst kann es da einen Wechsel geben. Denn eigentlich sollte Olli Roth auf der Bühne stehen. Der Sänger und Gitarrist aus dem Heidelberger Raum ist eher der Mann für erdigen Rock und Blues. Da er krank war, wurde es nun mit dem anderen Ollie funky.

Der hatte stimmlich allerdings wenig Chancen gegen die beiden Frauenröhren, die ein ums andere Mal einmal solo, einmal im Duett zeigten, wie viel Power in der Kehle steckt. „Hot Stuff“ von Donna Summer ist ein Paradestück für Michi Tischler, in dem sie mit Verve und viel Spaß die Disco-Queen gibt. „Come together“ ist im Original von den Beatles, wurde aber auch von Tina Turner gecovert. Deren Version ist Ina Morgan wie auf den Leib geschrieben. Sie machte deutlich, dass sie zurecht deutschlandweit als Sängerin sehr gefragt ist und schon mit etlichen Größen der Szene auf der Bühne stand.

Wenn beide Frauen zusammen loslegen, gibt es kein Halten mehr. „People get ready“ vor der Pause ist solch ein Gänsehaut-Stück, in dem sie sich gegenseitig die musikalischen Bälle zuwerfen und ein ums andere Mal in stimmliche Sphären hochschaukeln, die man zuvor so noch kaum gehört hat. Michi Tischler mit Mariah Careys Weihnachtssong „All iI want for Christmas“ oder Ina Morgen, die kleine Frau mit der großen Stimme, bei „What about us“ von Pink, holen alles und noch mehr raus, was die Stimmbänder zu geben bereit sind.

Ollie Rosenberger geht’s da fast wie ein bisschen wie im richtigen Leben. Wenn er den Mund aufmacht, kann er kaum die lauten Weiber übertönen. Also schnappt er sich zusätzlich seine Gitarre, um dem einen oder anderen Song damit einen funkigen Klang zu geben. „Freak out“, „1999“ oder „This girl“ sind solche Stücke.

„Pump up the Jam“ oder „Sex is on fire“ lassen kurz vor Schluss das Stimmungsbarometer massiv in die Höhe schnellen. Als Zugabe gibt’s dann einen Klassiker, über den keine Worte zu verlieren sind: „Purple Rain“ von Prince ist immer ein Kracher, der das Hüttenwerk am ganz frühen Weihnachtsmorgen so ganz und gar nicht besinnlich klingen lässt.

Mit den fetzigen Saxophon-Solos von Anke Rible (Lindenfels) ist für den perfekten Background-Sound gesorgt. Der Fürther Gitarrist Jens Reyer zeigt ein ums andere Mal, dass er ein Meister auf den sechs Saiten ist. Bandgründer Thomas Klein am Schlagzeug und Keyboarder Axel „Aji“ Imhof (beide aus Michelstadt) machen mit Bassist Christoph Victor Kaiser (Heppenheim) die Rhythmus-Sektion komplett, die bei jedem Lied für den perfekten Sound sorgt.

Sängerin und quasi Allrounderin in Diensten der Band ist Michi Tischler. Sie ist Dreh- und Angelpunkt von „Another Livetime“ und hat die Fäden in der Hand. Neben ihrer freiberuflichen künstlerischen Tätigkeit ist sie für die Organisatorin des gesamten Hausband-Abends verantwortlich und betreibt mit ihrem Mann Achim und dessen Sohn Nico das Hüttenwerk.

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Posted by Thomas Wilken on Monday, December 25, 2017

 

Hirschhorner Weihnachtsmarkt war in seiner dritten Neuauflage wieder ein sehr schöner Erfolg

„Der Weihnachtsmarkt war wieder sehr schön“, zeigte sich Mitorganisatorin Marianne Heisner mehr als erfreut über den Verlauf der dritten Veranstaltung nach neuer Hirschhorner Weihnachtsmarkt-Zeitrechnung. Vor zwei Jahren hatte sie ihn zusammen mit Christian Grimm nach 23 Jahren Pause erstmals wieder auf die Beine gestellt. In der Fußgängerzone mit den beiden Fixpunkten Rathausvor- und Marktplatz herrschte an beiden Tagen reger Betrieb. Das Wetter hätte besser sein können, meinte sie. „Aber am Sonntag war schon einiges los.“

„Den Besuchern hat es gut gefallen, die Händler waren auch wieder zufrieden und würden gerne nächstes Jahr wieder dabei sein“, bilanzierte Heisner. Auch die „Neuen“, aus Rothenberg ein Stand mit weihnachtlichen Holzfiguren sowie Energetikschmuck und aus Finkenbach Monika Jung mit ihrer selbstgestalteten massiven Holzdeko, wollen wieder dabei sein, wenn es im kommenden Jahr die vierte Auflage gibt. „Christian Grimm und ich werden den Weihnachtsmarkt wieder veranstalten“, kündigte sie schon jetzt an. „Zwei neue Anfragen für 2018 haben wir schon.“

Die Besucher kamen ihren Worten nach aus der gesamten Odenwald-Umgebung. Sie waren vom Ambiente in der Hirschhorner Altstadt begeistert. Der Gewölbekeller, den Marianne Heisner selbst betrieb, „war an beiden Tagen brechend voll“. Manchmal kam die Anregung, den Markt doch nur an einer Stelle zu veranstalten, um die lange Hauptstraße mit nur wenigen Buden zu vermeiden. Einige konnten sich die Veranstaltung rund um den Marktplatz, andere wiederum im vorderen Bereich der Hauptstraße mit Rathaus- und vielleicht Chateau-Landon-Platz vorstellen – ähnlich wie beim Ritterfest.

Von den Standbetreibern kamen viele positive Rückmeldungen. Das Langbein-Museum war an beiden Tagen bei freiem Eintritt geöffnet. Die Aktiven des Museumsvereins erwarteten die Besucher bei kleinen Leckereien auch zu einer vorweihnachtlichen Sonderausstellung im Erdgeschoss. Der Rathausvorplatz mit historischer Glühweinbude war gegen Abend immer stark belagert.

Den Geschenkideen waren keine Grenzen gesetzt. Seien es nun Weihnachtsgestecke, selbst Gehäkeltes und Gestricktes, Laubsägearbeiten, Kerzen, Räucherwaren, feine Tropfen oder auch Marmeladen, Honig, Tee, Schmuck, Engelsfiguren oder Krippen: Das Angebot war auf dem Weihnachtsmarkt sehr vielseitig, sodass niemand ohne das passende Präsent für die Verwandt- oder Bekanntschaft nach Hause gehen musste.

Der Nikolaus fand für seine Lebkuchen zahlreiche Abnehmer. Die hatte Christian Grimm auf einen überdimensionierten Bollerwagen geklebt, mit dem der Mann im roten Mantel und mit Rauschebart mehrmals an beiden Tagen durch die Hauptstraße unterwegs war. Natürlich erzählte er zu diesem Anlass auch die Legende des Heiligen aus dem türkischen Myra.

Mit zwei klassischen Gitarren wurde von „Millennium“ in Michelstadt die Hütte gerockt

Was für eine große Party, die so gar nicht geplant war. Es kam wie so bei einer Musik-Session oft unverhofft. Und was daraus dann entsteht, ist umso besser. Hinter „Millennium“ verbergen sich die beiden Gitarren-Cracks Andreas Singer und Rainer Müller aus Rimbach und Fürth, die bei ihren Auftritten mit Gastsänger(inne)n zusammenarbeiten. Im Hüttenwerk waren das jetzt Michi Tischler und Bluesrock-Röhre Fritz Strößinger von den legendären Bergsträßer „Starfuckers“. Flugs gesellten sich von der Hausband noch Axel Imhof am Bass und Thomas Klein (Percussion) hinzu.

Das Sextett lieferte eine spontan improvisierte Show ab, die einfach nur Laune machte. Die einzelnen Songs entwickelten eine ungeahnte Dynamik. Auch wenn mal was schief ging, weil diese Besetzung noch nie zusammengespielt hatte, wurde das einfach weggelacht. Die Zuschauer waren genauso begeistert wie die Musiker von dem, was da ad-hoc auf den Instrumenten und mit Stimmen gezaubert wurde. Viel länger als geplant „musste“ die Band auf der Bühne stehen.

Irgendwann ist dann doch mal Schluss. Aber Fritz Strößinger sorgte für einen, den man nicht so schnell vergisst. „Hymn“ von Barclay James Harvest haut er in einer Form ins Mikro, dass es eine Pracht ist. Dazu noch die beiden akustischen Gitarren im Hintergrund, klassisch mit spanischen Anklängen gespielt. Das alles gibt einen Soundteppich, den man mal gehört haben muss um zu wissen, wie der Song unverstärkt von einem altgedienten Rocker geröhrt wird. Das Lied wird in der Begeisterung und Spiellaune fast zur Endlos-Schleife, in der Strößinger ein ums andere Mal im Zusammenwirken mit den Saitenkünstlern den monumentalen Touch des Welthits rüberbringt.

Schon „In the air tonight“ von Phil Collins als Abschluss des regulären Sets hatte klar gemacht, dass die Musiker nicht ohne eine Zugabe davonkommen würden. Auch hier dominierte Strößinger mit seiner markanten Stimme, während Andreas Singer ein filigranes Solo zauberte. Diese geballte Spielfreude zusammen mit unbändigem Spaß riss einfach mit. Ihrer Vorliebe für Disco-Musik frönte Michi Tischler dann mit einem „Hot Stuff“ von Donna Summer, das voll abging.

Sie hatte bereits bei „Let it rain“ von Amanda Marshall gleich nach der Pause eindrucksvoll gezeigt, was sie stimmlich drauf hat. Das „Amazing” von George Michael oder auch „One“ von U2 in der Version mit Mary J. Blidge (also Michi Tischler) waren weitere Stücke, in denen sich die beiden Sänger die Bälle zuwarfen. Das soulige Duett lebte durch die Improvisation. Was wären diese Songs aber ohne die Gitarrenklänge. Erst im Hintergrund, wurde bei den Soli die Kunst der beiden Könner auf den sechs Saiten deutlich.

Der warme Klang ihrer Instrumente bildete das Fundament und die stilistische Basis der Formation. Mit vollen Einsatz: „Ich hab‘ mir die Finger blutig gespielt“, lachte Andreas Singer nach dem dreistündigen Auftritt. Zum Wohl der Zuschauer. Die bekamen ein „Billie Jean” von Michael Jackson zu hören, das sie so noch nicht kannten. Oder wer kann schon von sich behaupten, das „Jump“ von Van Halen mit zwei akustischen Gitarren zu kennen.

Fritz Strößinger gab dem Song mit seinen rauen Rockattitüden ein ganz anderes Aussehen als David Lee Roth. Andreas Singer und Rainer Müller dann noch vereint als Eddie van Halen – das hatte nmicht nur was, sondern ganz viel. Das „Horse without a name“ von America oder „Maneater“ von Hall & Oates waren weitere Stücke, die einfach nur Laune machten. Dazu noch Akteure auf der Bühne, die miteinander können, über sich und die anderen lachen und aus dem Nichts einen Song zaubern.

„Burning down the house” der Talking heads, „Eye of the Tiger” von Survivor, „Run to you“ von Bryan Adams  oder „Junimond“ von Rio Reiser sind neben vielen anderen Songs Titel, die in dieser ungewöhnlichen Version einfach ins Ohr gehen und dort haften bleiben. Ein Abend genau nach dem Geschmack von Singer & Müller, die gerne der Improvisation freien Lauf geben. „Akustisch ist alles echt, authentisch“, betont der Gitarrist Singer.

Info: www.millennium-band.de

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Posted by Thomas Wilken on Saturday, December 2, 2017

 

Abwechslungsreiches und kurzweiliges Konzert von Hirschhorns katholischer Kirchenmusik

Ein gelungenes, abwechslungsreiches und kurzweiliges Kirchenkonzert bot die katholische Kirchenmusik (KKM) den Besuchern in der Hirschhorner Pfarrkirche. Begonnen wurde es von der Jugend unter Leitung von Katharina Weber mit „Siyahamba“, einem traditionellen Südafrikanischen Lied der Zulu-Bevölkerung, und dem Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“ von Martin Luther. Dabei wurde deutlich, wie die gute Jugendarbeit Früchte trägt. Danach begrüßte der Vorsitzende Karl-Ludwig Motzer die Gäste.

Im Anschluss spielte das Orchester der KKM unter Leitung von Kerstin Obert die Musikstücke „A Festige Tribute“, ein Arrangement des Chorsatzes „Auf, schmetternde Töne der munter’n Trompeten“ von J. S. Bach, und das „Ave Maria“, ein Arrangement des Songs aus dem Film „Enrico IV“ von Astor Piazzolla. An der Solo-Trompete entlockte Alexander Hess seinem Instrument wahrlich die höchsten Töne.

Mit Anerkennung würdigte dann Bernhard Frey vom Diözesanverband im Bistum Mainz die Leistungen des Vereins und ehrte verdiente Mitglieder des Orchesters für ihre langjährige Treue: Karl-Ludwig Motzer, Bernhard Weber und Wolfgang Weber für 40 Jahre aktive Mitgliedschaft sowie Heinrich Grad, der 60 Jahre aktiv in der KKM ist. Laut Frey ist dies im gesamten Diözesanverband einmalig.

Nach den Ehrungen trug das Klarinettenensemble, bestehend aus Alfons Flachs, Heinrich Grad, Heinz Hess und Bernhard Iberl, die Musikstücke „Moment Musical Nr.3, D.958“ von Franz Schubert und „Canzona Teruza“ von Giovanni Gabrieli vor. Nun kam das Orchester wieder zum Einsatz und präsentierte „Lenas Song“, ein Arrangement des Songs „Fly with me“ aus dem Film „Wie im Himmel“ von Stefan Nilsson, arrangiert von Thiemo Kraas.

Die Ballade „Candle in the Wind“ von Elton John erinnerte die Anwesenden an den Tod von Lady Diana. Peter I. Tschaikowsky steuerte im Anschluss seine „Romance op.5“ bei nach einer Bearbeitung von J.G. Mortimer bei. Die Musikstücke „I will follow him“ aus dem Film „Sister Act“ und das „Hallelujah“ von Leonard Cohen rundeten das Konzert ab.

Nach dem Dankeschön durch Karl-Ludwig Motzer war natürlich noch nicht Schluss. Die Besucher wurden von Kerstin Obert aufgefordert, zusammen mit Jugendorchester und den „Großen“ nochmals das „Siyahamba“ erklingen zu lassen: ein spontanes Gemeinschaftswerk der Besucher und der Aktiven. Das letzte Zugabestück, „I will follow him“, rundete einen tollen Konzertabend ab.

„U12“ zelebrierte auf der Michelstädter Hüttenwerk-Bühne eine Hommage an die irische Rockband U2

Bono singt sich mit viel Botschaft auf der Bühne die Seele aus dem Leib, „The Edge“ ist mit seinen unverwechselbaren Gitarrenklängen zu hören, Adam Clayton zupft stoisch perfekt den Bass und Larry Mullen jr. trommelt wie ein Wilder auf seinem Schlagzeug. Das könnte ein Überraschungsgig von der irischen Rockband U2 im Michelstädter Hüttenwerk sein, wenn man nicht so genau hinschauen würde. Tatsächlich aber eifern die vier Musiker von „U12“ ihren Vorbildern in perfekter Manier nach. Outfit, Klang, Passion, Instrumente: Es stimmte.

Von der Qualität der Interpretation hatten wohl auch etliche Fans im Vorfeld Wind bekommen. Denn beim ersten Auftritt der Main-Metropolen-Epigonen im tiefen Odenwald war es im Hüttenwerk für diese Verhältnisse sehr voll. Da hatten andere, bekanntere Coverbands deutlich mehr Anlaufschwierigkeiten, bei der Premiere genug Besucher in die Location zu ziehen.

Bei anderen wiederum war die gefühlte Distanz zu den Musikern viel geringer, weil diese vom ersten Song an das Publikum in ihrem Band zogen, sich viel präsenter und mehr „zum Anfassen“ präsentierten. Das war dieses Mal nicht so. Vor der Bühne war zu Beginn noch ziemlich viel Platz. Der füllt sich mehr und mehr erst nach der Pause, als die Coverband dann mit den ganzen Hits der Iren Stimmung ohne Ende verbreitete, mitgesungen und -getanzt wurde.

Am Anfang ging’s mit Wolfgang Meisetschläger (Gesang, Gitarre), Oliver Horst (Gitarre, Gesang), Dennis Lapp (Bass) und Lothar Weise jr. (Schlagzeug, Gesang) noch etwas verhalten los. Das könnte auch daran gelegen haben, dass bis auf „Sunday Bloody Sunday“ oder „Desire“ erst einmal eher unbekanntere Stücke der Supergruppe gespielt wurden. Was beileibe nicht heißt, dass die in irgendeiner Form schlechter gewesen wären. Eben nur nicht solche Ohrwürmer wie die späteren Hits.

Die vier Vollblutmusiker von U12 nahmen das Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise durch alle Schaffensphasen der irischen Vorbilder. Dabei klang die Band in allen Nuancen so authentisch, wie es nur die persönliche Faszination durch das Original ermöglicht. Wie Meisetschläger den Bono in Bewegung, Ausdrucksweise und Gesang gibt, ist das schon sehr nah am Meister selbst. Oliver Horsts Gitarre hat dabei den absolut typischen Edge-Sound drauf, der die Songs von U2 so unverwechselbar macht.

Die vier Musiker beweisen dabei, dass U2 längst nicht nur für die Stadion-Hymnen steht, sondern mit „Sometimes you can’t“ oder „Sweetest Thing“ dynamische, eingängige Balladen im Gepäck hat, die durch virtuoses Zusammenspiel begeistern. Wenn darauf ein Gassenhauer wie „Sunday Bloody Sunday“ folgt, schnellt der Stimmungspegel natürlich gewaltig in die Höhe. Auch sich Oliver Horst beim Intro so kräftig verhaut, dass er über den eigenen Fehler lachend nochmal von vorn anfangen muss. Er sorgt nebenher zusammen mit Lothar Weise für einen sehr prägnanten Background-Gesang bei etlichen Songs und gibt diesen viel Klangform.

„Desire“ kurz vor der Pause macht dann Lust auf das, was danach kommt. Denn im zweiten Set legen die Frankfurter so richtig los, ein Hit reiht sich an den anderen. „One“, „New Years Day“, „Where the streets have no name“, „I still haven‘t found”, „Pride“ oder „With or without you“ zusammen mit dem Original-Sound knallen in die Menge, die davon nicht genug bekommen kann und Zugaben fordert.

Die Coverband macht nebenher klar, dass die Musik von Bono & Co. nicht nur ein Privileg von kultureller und sozialer Botschaft ist, sondern mit ihren hymnenhaften Refrains auch einfach nur riesigen Spaß machen kann. Genau diese Hingabe nimmt man den vier Musikern auf der Bühne auch sofort ab, selbst wenn sie bisweilen mal etwas kühl und professionell rüberkommen.