Krachende Riffs, fliegende Haare

Bruce Dickinson hätte sicherlich auf dem Konzert von „Iron – Made in Germany“ im Hüttenwerk Michelstadt anerkennend genickt. Was in Vertretung des Iron-Maiden-Shouters Bernd Glomsda am Mikro ablieferte, war aller Ehren wert. Perfekt zauberte er die Knaller der britischen Heavy-Metal-Legende auf die Bühne, dass es sich fast wie das Original anhörte. Oder heutzutage vielleicht fast besser, denn Dickinson schafft die höchsten Höhen von früher nicht mehr.

Nur schaden, dass Glomsdas Stimme in der Abmischung etwas schlecht zu hören ist. Wenn er nicht gerade die Hymnen schmettert, animiert der Sänger das begeisterte Publikum zum Mitsingen. Das ist besonders eindrucksvoll bei „Fear oft he Dark“, als die Meute im sehr gut besetzten Saal selig in ihrem Element ist und dem Dirigenten auf der Bühne willig folgt.

Die fünf Musiker nehmen die euphorischen Fans mit auf eine Zeitreise in die „goldenen“, besten Jahre der Mitbegründer des NWoBHM, des New Wave of British Heavy Metal. Anfang der 80er Jahre räumten Iron Maiden mit ihren Alben so richtig ab. Mit Bruce Dickinson am Mikro kam 1982 der richtige Durchbruch. Mit ihm nahm die Band das Album „The Number of the Beast“ auf.

Der Erfolg bedeutete den weltweiten Durchbruch für Iron Maiden. Es verkaufte sich über eine Million Mal und gilt heute in Fan-Kreisen als Definition des Heavy Metal. Etliche der acht enthaltenen Stücke zählen immer noch heute zu den Klassikern des Genres. „Piece of Mind” und „Powerslave” sind weitere bedeutende Veröffentlichungen aus dieser Zeit.

„Hallowed be thy Name“ und „The Trooper“ am Schluss des Programms waren leuchtende Beispiele dafür, wie das Qunitett die Heroen aus vergangenen Jahren hochleben ließ. Zwei Songs dürfen natürlich nie fehlen: „Run to the Hills“ und „The number of the Beast“ bildeten die Zugaben, auf die jeder gewartet hatte.

Jens Richter und Marco Wandura an den Gitarren eifern den drei Saitenkünstlern des Originals, Dave Murray, Adrian Smith und Janick Gers, bis ins Detail nach. Die melodischen Soli hüllen das Hüttenwerk in einen druckvollen Soundteppich. „Revelations“, „Flight of Icarus“ oder „Where Eagles dare“ zeigen Iron Maiden auf dem Gipfel ihres künstlerischen Schaffens.

Apropos druckvoll: Bassist Steve Harris, das einzig noch verbliebene Gründungsmitglied von 1975, ist in seinen Kreisen eine Legende. Mik Baron, kurzfristig für den verhinderten Jochen Schnur eingesprungen, hat den wummernden Bass bestens drauf. Schlagzeuger Jürgen Rössel wirbelt an seiner Schießbude an Nicko McBrain, der ebenfalls 1982 zur Band dazustieß und bis heute die Drumsticks schwingt.

Musik und Licht an. Weit mehr als 35 Jahre geht’s zurück in die Zeit: „Aces High“, „2 Minutes to midnight“ oder „Children of the damned“ heißen die Klassiker aus der Schaffensphase von 1982 bis 1984, die jedem Fan das Herz höher schlagen ließen. Die Besucher, oft mitgealtetert, aber teilweise noch mit wallender Haarmähne zum Headbangen, sind sofort drin in den Songs. Heavy Metal pur, der einfach nur fetzt, in die Beine geht.

Die Riffs, Breaks und Einsätze sitzen, den fünfen merkt man förmlich die Spielfreude an. Sie wagen sich sogar an Stücke, die das Original kaum auf die Bühne bringt. „Wrathchild“ aus dem Killers-Album von 1981 oder „Running Free“, die allererste Single überhaupt aus dem Jahr 1980 und auf dem Debütalbum „Iron Maiden“ zu finden, beide noch mit dem früheren Sänger Paul di Anno, nehmen die Besucher mit auf eine Zeitreise.

Das macht richtig Laune auf die Originale, die selbst noch nicht genug bekommen haben vom Touren. Vergangenes Jahr war die britische Band bei mehreren Open-Air-Konzerten in Deutschland zu sehen und wird 2020 für ihre „Legacy Of The Beast“-Tour zu vier Terminen zurückkommen. Am 18. Juli beschallen Iron Maiden in Stuttgart die Mercedes-Benz Arena zusammen mit „Airbourne“ und „Lord of the Lost“.

Mehr Busse nach Hirschhorn wären zu teuer

Schön war’s ja, aber finanziell nicht zu machen. Die Tendenz im gemeinsam tagenden Sozial- und Kultur- sowie Bau- und Umweltausschuss in Beerfelden war ziemlich klar, als es um die Taktverdichtung auf der Linie 54 zwischen Beerfelden und Hirschhorn ging. Die hatten die Grünen mit einem Antrag gefordert. Aber mit einer Umsetzung wären erhebliche Kosten verbunden, die die OREG auf 185.000 Euro jährlich beziffert. Geld, das Oberzent derzeit nicht hat.

Horst Kowarsch (Grüne) hatte bereits in einer vorigen Beratung die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“ bezeichnet. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen: Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Die Linie wird im Nahverkehrsplan des Odenwaldkreises lediglich als Grundversorgung betrachtet, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Laut OREG sieht der Plan zunächst einmal nur die Sicherstellung des Schülerverkehrs vor. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Alles, was darüber hinausgeht, müsste die Stadt Oberzent bezahlen. Die Kalkulation der Regionalgesellschaft kommt auf eben jene 185.000 Euro, wenn es im stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben soll.

Als Alternative zu einem regelmäßigen Busverkehr nannte das Stadtoberhaupt das Angebot „Garantiert mobil“ des Odenwaldkreises. Hier gab der Ausschuss die Empfehlung ab, den städtischen Zuschuss bei den taxOMobil-Fahrten auf 75 statt bisher 50 Prozent anzuheben. Denn die Summe ist relativ überschaubar. Bis Ende Oktober liefen bei der Stadt lediglich 128 Euro an Zuschüssen auf. Fürs Folgejahr sind 1000 Euro im Haushalt eingeplant.

„Mittlerweile läuft das System stabil“, sagte Kehrer. TaxOMobil-Fahrten sind für die nächsten zehn Jahre zum ÖPNV-Bedienungsstandard geworden, informierte er. Mitte des Jahres waren kreisweit etwa 1500 Euro an Subventionsbeträgen aufgelaufen. Der in der Gesamtsumme relativ geringe Betrag ist dem Bürgermeister zufolge auf die Startphase und die anfänglichen technischen Probleme bei der Buchungs-App zurückzuführen.

Kehrer bedauerte, dass das taxOMobil-Angebot trotz der Öffentlichkeitsarbeit weiterhin ein Steifkind-Dasein fristet. Es hängt seiner Ansicht nach nicht nur am Geld, sondern auch an der Akzeptanz, die scheinbar auf dem Land erst nach und nach zu erreichen sei. Bisher gebe es 1500 Anmeldungen. „Andere Regionen wären froh darüber“, brachte er die Besonderheit des Angebots auf den Punkt.

Info: Als integrierter Bestandteil des ÖPNV im Odenwaldkreis sichern taxOMobil-Fahrten die Mobilität der Bürger von der Ortschaft zum jeweiligen Zentrum. Diese Mobilitätsgarantie besteht an allen Tagen in der Woche und unabhängig von Schul- und Ferienzeiten Montag bis Freitag von 5 bis 22 Uhr, an Samstagen von 6 bis 22 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 22 Uhr. Buchbar sind taxOMobil-Fahrten über das Informations- und Buchungssystem http://www.odenwaldmobil.de via Web oder App oder auch telefonisch über die Mobilitätszentrale der OREG. Für seine taxOMobil-Fahrt zahlt der Kunde den RMV-Tarif und einen entfernungsabhängigen Zuschlagspreis.

Musikalisch schnurrt’s wie eine Eins

Bei diesen dreien schnurrt’s musikalisch wie eine Eins: Als „Aristocrats“ sind Marco Minnemann, Guthrie Govan und Bryan Beller derzeit auf Tour. Was die Band im erstaunlich gut besuchten „Rex“ Bensheim an virtuosen Songs ablieferte, versetzte die Fans in helle Freude. Vier Studioalben hat das Trio bereits seit 2011 auf den Markt geworfen, eines musikalisch anspruchsvoller als das andere.

Bei diesen drei Spezies ist es nicht verkehrt, von einer Supergroup zu sprechen. Der gebürtige Hannoveraner Marco Minnemann ist als versierter Drummer in der Progressive-Rock-Szene ein Hans Dampf in allen Gassen. Ex-Genesis-Mann Steve Hackett, Joe Satriani, Steven Wilson, The Sea Within oder den Mute Gods lieh er schon seine wirbelnden Schlagzeugstöcke. Und früher in Deutschland den H-Blockx. Da wundert es nicht, dass sich der 48-Jährige mit Wahlheimat Kalifornien bei „Get it like that“ an der Schießbude austoben darf, dass es Hobby-Schlagzeugern wahrscheinlich die Tränen vor Neid in die Augen treibt.

Der Brite Guthrie Govan griff auch schon für Steven Wilson in die Saiten. Asia oder das Nachfolgeprojekt GPS zeigten seine große Klasse und die Verortung im Prog-Rock-Bereich. Er lässt an diesem Abend nicht nur progressiv-spielerisch die Sau raus, sondern macht all das, was wohl in seinen weiteren musikalischen Heimathäfen zu abgedreht, zu verquer, zu verspielt ist.

Die beiden Gitarrenhexer Joe Satriani und Steve Vai sicherten sich ebenfalls die Künste von Bryan Beller am Bass. Scheinbar hatte ihn jede Rockband, die etwas auf sich hält, schon im Line-up. Dream-Theater-Frontmann James La Brie holte ihn für seine Solo-Platten, mit Zappa-Sidekick Mike Keneally arbeitet er bereits seit 1995 zusammen. Beller spielt den Bass nicht nur als Rhythmus-Hintergrundinstrument, bei ihm ist er fast schon eine zweite Gitarre.

Genauso wie Minnemann das erste Zusammentreffen der drei vor acht Jahren beschreibt, stehen sie an diesem Abend auch in Bensheim auf der Bühne. Eine Gute-Laune-Kombo mit Flausen im Kopf, die herumalbert und sich blind versteht. Die Chemie stimmt. Sie spielen mit „ihrer“ Band das, was Spaß macht, auch wenn’s möglicherweise etwas sperrig für die Gehörgänge des „normalen“ Konzertbesuchers sein sollte.

Je drei Stücke hat jeder für die neue Platte „You Know What…?“ komponiert. Eines dabei verzwickter als das andere. Wobei dabei aber nicht unbedingt das eigene Instrument im Vordergrund stehen muss. Govan lässt seine Finger die irrsinnigsten Bewegungen auf „D-Grade Fuck Movie Jam“ vollbringen, das sich aber Beller ausdachte. Mit seinem Slide-Guitar-Sound bekommt das Instrument einen vollen Sound, der über manche unmelodische Saitenhexerei hinweghilft.

Der „Spanish Eddie“ wiederum ist wirklich dem Mastermind von Govan entsprungen. „Den Titel gibt’s auch von Laura Brannigan“, grinst er. Sind es hier die Flamenco-Einsprengsel, hat sich Minnemann bei „When we all came together“ ein paar Akkorde aus Western-Melodien geklaut. Bonanza lässt grüßen, während die Gitarre wiehert und die Band in den musikalischen Exzess reitet.

Fusion, Jazz-Einflüsse, ein paar funkige Töne, Progressive-Rock-Anleihen und ein paar augenzwinkernde Metal-Ausflüge später wird’s dann todtraurig, erzählt der britische Gitarrist. „Nicht was ihr denkt“, schiebt er gleich lachend hinterher: Der Brexit ist nicht gemeint. Sondern die englische Sperrstunde in den Pubs um 23 Uhr. „Last Orders“ heißt die Ballade, die ein kurzes Innehalten bedeutet, bevor die Aristocrats wieder die Krallen ausfahren.

„The Kentucky Meat Shower“, „Desert Tornado“ oder „Smuggler’s Corridor“ von den älteren Veröffentlichungen treiben noch einmal die Dezibelzahlen in gnadenlose Höhen. Govan darf sich als Wüstentornado willenlos austoben, während Minnemann und Beller unverhoffte Breaks und präzise Einsätze zelebrieren. Drei spielstarke, klasse gelaunte Superstars, bei denen es Govan manchmal mit der kleinteiligen Herumpfriemelei auf seinem Instrument aber etwas übertreibt – gerade wenn die hohen Gitarrentöne sowieso etwa schrill abgemischt sind.

Meto verlagert Gerätefertigung von Hirschhorn nach Rumänien

In der letzten Betriebsversammlung erhielten die Beschäftigten des Herstellers von Auszeichnungsgeräten in Hirschhorn, Meto, „ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk“, wie es die IG Metall in ihrer Mitteilung formuliert. Der Arbeitgeber kündigte demnach die Verlagerung von zehn der 120 noch verbliebenen Arbeitsplätze in der Gerätefertigung nach Rumänien an. Von dieser Maßnahme sind fast ausschließlich die Stellen von Frauen betroffen, teilt die Gewerkschaft mit.

Grund dafür seien der Umsatzrückgang und ein großer Verlust im Ergebnis durch die hohen Pensionsrückstellungen, begründetet die Geschäftsleitung ihren Schritt. IG Metall und Betriebsrat haben nach dem Austritt aus dem Verband mehr als zwei Jahre versucht, dies mit Hilfe eines Sanierungstarifvertrages zu verhindern, heißt es weiter.

„Auf die Angebote von Seiten der Belegschaft ging der Arbeitgeber jedoch nicht ein und blieb bei seinem Beschluss“, so die IG Metall. Der Schock und die Enttäuschung bei den Kollegen sind groß. Sie fürchten auf längere Sicht um den Rest der noch verbleibenden Fertigung am Standort. „Nun werden wir gemeinsam für einen Sozialplan streiten“, kündigen die Gewerkschafter an.

„Queensrÿche“ begeistert mit vielen alten Krachern

Es ist ein begeisternder Ausflug in die gute alte Zeit. Die Progressiver-Metaller von „Queensrÿche“ halten sich beim Gastspiel im MS Connexion Mannheim nicht lange mit neuen Stücken auf, obwohl die sich im Gesamtschaffen nicht verstecken müssen. Gerade mal vier Songs von den beiden Alben mit dem neuen Shouter Todd La Torre haben die US-Amerikaner mit ins Programm ihrer Tour genommen.

Der Rest ist eine Reminiszenz an die erfolgreichen 80er Jahren mit dem unvergessenen Geoff Tate am Mikro, der vor ein paar Monaten mit seiner eigenen Band ebenfalls die Kolbenhalle begeisterte. Die ist beim Gastspiel seiner ehemaligen Kollegen, von denen Gitarrist Michael Wilton, Schlagzeuger Scott Rockenfield und Bassist Eddie Jackson noch zur Urbesetzung gehören, allerdings deutlich besser gefüllt.

Der Sound ist zum Glück so, dass die vertrackten Melodien und vielen Feinheiten in den Queensrÿche-Songs gut zur Geltung kommen. Der progressiv angehauchte Metal, teilweise sogar mit Elementen einer Rockoper wie bei „Operation: Mindcrime“, sah die Band Mitte der 80er als Vorreiter und stilbildend. Das Konzeptalbum bedeutete den Durchbruch für den Fünfer, zu dem lange Jahre auch Gitarrist Chris de Garmo als songschreibendes Mastermind gehörte.

Singt Todd la Torre auf den neueren Stücken eher im tieferen Bereich, hat er bei den älteren die Gelegenheit zu zeigen, dass er ein würdiger Nachfolger von Geoff Tate ist. Er schafft locker mehrere Oktaven. Gleich vier Mal bedient sich die Gruppe bei „Operation: Mindcrime“. Neben dem Titelsong ist es vor allem „The Mission“, das im Gedächtnis hängen geblieben ist. Und logischerweise das fetzige „Eyes of a Stanger“ als letzte Zugabe.

Aber natürlich hat Queensrÿche noch ganz andere Klassiker drauf. „NM 156“ vom 1984er Album „The Warning“ ist ein erster Vorgeschmack auf die kommende Zeitreise back to the Roots. Bei „Walk in the Shadows“ von der 86er Scheibe „Rage for Order“ fangen die Augen der Fans schon sehnsüchtig an zu glänzen. Völlig aus dem Häuschen geraten sie beim kommenden Dreierpack.

Der Knaller „Queen of the Reich“ geht ganz weit zurück zu den Anfangen und zur ersten EP von 1983. „Silent Lucidity“ steht für den größten Hit der Band aus der 1990er-Empire-Scheibe (deren Titeltrack auch zu hören ist) und der eingängige Refrain von „Jet City Woman“ zeigt die große musikalische Spannbreite der Gruppe auf.

Einer geht noch: „Take Hold of the Flame“ ist das Sahnehäubchen eines vielumjubelten, überzeugenden Auftritts, dessen einziges Manko seine kurze Dauer von gerade mal 80 Minuten ist. Auch 38 Jahre nach Gründung haben die Prog-Metal-Heroen bewiesen, dass sie Feuer haben, dass neben den alten Klassikern auch die neue Scheibe „The Verdict“ viel Potenzial hat – inklusive einer Rückbesinnung auf frühere Tugenden bietet.

Mehr als nur eine Vorgruppe war „Firewind“ um den ehemaligen Ozzy-Osbourne-Gitarristen Gus G. Fünf Mann hoch bietet die Gruppe rohen, ungeschliffenen Power Metal mit einem paar symphonischen Einsprengseln. Wo Queensrÿche manchmal eher glatt produziert rüberkommen, strotzt Firewind mit dem deutschen Sänger Henning Basse vor ungestümer Kraft und holt die Fans hinterm Ofen hervor. Ein Top-Anheizer.           (Bild: PR)

Den Bürgern etwas zurückgeben

Wer kann von sich schon behaupten, von einem früheren Bürgermeister durch die Gegend kutschiert zu werden? Ab kommendem Frühjahr kommen die Sensbachtaler in diesen Genuss. Denn das ehemalige Gemeindeoberhaupt Egon Scheuermann sitzt dann – abwechselnd mit anderen Ehrenamtlichen – am Steuer des Vereinsbusses der Generationenhilfe Oberzent. Der verbindet an einem Tag in der Woche Ober- und Unter-Sensbach sowie Hebstahl mit der Kernstadt Beerfelden.

Aus seiner beruflichen Erfahrung weiß Scheuermann, lange Jahre Erster Beigeordneter, dann zehn Jahre Bürgermeister, dass die Mobilität im ländlichen Raum ein schwieriges Thema ist. Die Grundversorgung mit Schul- und Rufbus ist das höchste der Gefühle, schätzt er. Viel mehr kommt nicht dazu, denkt Scheuermann – mal „Garantiert mobil“ außen vor gelassen. Hier vermisst er aber die persönliche Komponente.

Der Sensbacher findet es gut, dass nicht gewartet wird, bis andere etwas tun, sondern in diesem Fall die Generationenhilfe selbst die Initiative ergreift. Mit Unterstützung von „Echo hilft“ kann der Vereinsbus im kommenden Frühjahr auf den Weg gebracht werden. An zwei weiteren Tagen in der Woche werden außerdem das Finkenbachtal sowie Falken-Gesäß, Airlenbach und Olfen angedient.

Scheuermann verspricht sich neben einer besseren Anbindung ans Zentrum auch eine Stärkung der Kernstadt. Er hofft auf ein erfolgreiches Zusammenwachsen und größeres Zusammengehörigkeitsgefühl von Oberzent, wenn die Satelliten in den anderen Tälern einen stärkeren Bezug zu Beerfelden entwickeln.

„Die Bürger werden von Leuten gefahren, die sie meist persönlich kennen dürften“, nennt er einen Pluspunkt. Der ehemalige Bürgermeister kann sich vorstellen, dass dies die Hemmschwelle für eine Nutzung senkt. „Man kann sich austauschen und unterhalten über die Dinge, die im Ort passieren“, schildert er die Vorzüge. Mit seinem Bekanntheitsgrad will er das Vertrauen gerade der älteren Mitbürger gewinnen, das Angebot zu nutzen.

Für Scheuermann ist seine Tätigkeit daneben auch ein gewisses Geben und Nehmen. Als Beigeordneter und Bürgermeister „habe ich vom Ehrenamt profitiert“, erklärt er. Jetzt möchte er als Fahrer „auch etwas davon an die Bürger zurückgeben, solange es mir möglich ist“, kokettiert der 59-Jährige mit seinem Alter.

Die Mobilität ist ein ganz zentrales Thema in den kleinen Dörfern, betont der Präses des evangelischen Dekanats Odenwald. Deshalb macht es für ihn Sinn, dass die Haltepunkte nicht auf die öffentlichen Haltestellen beschränkt werden, sondern der Bürgerbus auch entlegenere Orte wie etwa Salmshütte bedienen kann. „Damit wir sind wir näher an den Bürgern“, hebt der Alt-Bürgermeister hervor.

Gerade Ältere tun sich leichter mit einem festen Fahrplan, denkt er. Das erleichtert die Planbarkeit, wenn es dann etwa um Arzttermine geht. Den Bedarf sieht er daneben auch bei Fahrten zu den Einkaufsmärkten. Scheuermann hofft, damit der allgemeinen Abwärtsspirale auf dem Land etwas entgegenwirken zu können. Ihm geht es darum, als gutes Beispiel voranzugehen oder in diesem Fall voranzufahren, damit andere auf den Zug aufspringen.

In den drei Orten des früheren Sensbachtals gibt es seiner Beobachtung nach derzeit noch viele Mehrgenerationenhäuser, in denen weiterhin jemand Jüngeres aus der Familie wohnt und damit die Senioren unterstützt. Man hilft sich. Verwandt- und Nachbarschaft sprechen sich ab, wenn es Erledigungen gibt: „Ich fahre dahin, soll ich was mitbringen?“ Denn im Tal gibt es weder Ärzte noch einen Nahversorger. Nur zwei Bäcker halten mit ihren Verkaufswagen. Für mehr bleibt nur der Weg nach Eberbach oder Beerfelden.

Gastronomisch die „Krone“ aufgesetzt

Wer auf eine über 400-jährige Tradition zurückblicken kann, weiß, was die Kunden wünschen. Somit sind die „Zwei Löwen“ als Auszeichnung der Qualitätsgemeinschaft „Hessen à la Carte“ für den Hotel-Gasthof „Zur Krone“ in Gammelsbach nur folgerichtig. In den beiden südhessischen Kreisen Bergstraße und Odenwald ist der Betrieb damit einer von nur vier (unter insgesamt 100 landesweit) geehrten. Wenn man dann noch weiß, dass zwei weitere bei Bensheim angesiedelt sind, macht das die Auszeichnung rein auf den Odenwald bezogen noch wertvoller.

Die Übergabe erfolgte durch Armin Treusch, den Vorsitzenden des DEHOGA-Kreisverbandes Odenwald, und die Geschäftsführerin des Deutschen Hotel-und Gaststättenverbands für Südhessen, Christine Friedrich. Bürgermeister Christian Kehrer und Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh richteten ebenfalls anerkennende Worte an die Inhaber-Familie Gerbig.

Edgar Gerbig zeichnete die Geschichte der Gaststätte nach, die seinen Worten zufolge zu den ältesten im Odenwald und Hessens zählen dürfte. Vor über 400 Jahren lässt sich der erste im Foshag-Stammbaum ausmachen, der sich als Hufschmid im Ort niederließ und auf der Burg Freienstein, dem Wahrzeichen von Gammelsbach, tätig war. Neben der Schmiede war damals schon eine Gaststätte mit Landschaft vorhanden.

1972 übernahm dann Mutter Gertrud die Krone, erzählte Sohn Edgar. Sie ist die älteste von drei Mädchen. Sowohl sie, ihr Mann Hermann als auch die Geschwister packen heute immer noch mit an, wenn Not am Mann oder an der Frau ist. Mit drei Urenkelinnen, die während der Übergabe zwischen den Gästen herumwuselten, ist die Zukunft des Familienbetriebs gesichert. Der Name Foshag wurde damals zu Gerbig, aber bei den Älteren im Ort heißt es immer noch, „wir gehen zu Schmieds was essen oder trinken“, schmunzelte er.

Von 1972 bis 2002 führten die Eltern den Betrieb und bauten ihn aus. Das Restaurant fasst heute 150 Personen, es wurden zwei Kegelbahnen gebaut, ein Gästehaus, Fremdenzimmer und eine Ferienwohnung. „Seit 2008 gehören wir zu den Drei-Sterne-Hotels im Odenwald“, erläuterte Edgar Gerbig. 2017 wurde das Hotel mit Drei-Sterne-Superior bewertet und 2019 bestätigt. Den 2010/11 im umgebauten alten Saal eingerichteten Wellness-Tempel „Toscana“ führt Dirk Gerbig, während Eric seinen Vater Wolfgang in der Küche unterstützt.

Die ist es auch, die für beiden Auszeichnungen in diesem Jahr steht. Im März wurde die „Krone“ unter die 50 besten Dorfgasthäuser in Hessen gewählt. Eine Prämierung, die sich laut Edgar Gerbig bereits in einigen Anfragen auszahlte. Auch hier vertritt das Gammelsbacher Gasthaus die Stadt Oberzent und ist eines von nur vieren aus dem Odenwald. Die jetzige Urkunde freute die Familie noch mehr.

„Ohne die Großfamilie geht nichts“, betonte Gerbig gegenüber den Gästen. Denn nach wie vor trifft sich in der „Krone“ der ganze Ort, ob zum Stammtisch oder für Familienfeiern. Da muss oftmals schnell mal angepackt werden. Dazu kommt das Prädikat „Odenwald“ über allem. Der Trend geht zum Regionalen, weiß man im Gasthof. Deshalb wird konsequent sowohl bei den Speisen als auch bei den Aktionen darauf gesetzt. Das ist dann das Kochkäs-Schnitzel genauso wie ein Ausflug zur Käserei, das lokale Bier analog zur Besichtigung der Brauerei.

Küchenchef Wolfgang Gerbig zeigte sich in seinen Dankeswortes erfreut darüber, dass es als Neuling „gleich zu zwei Löwen reicht“. Schwanen-Wort Armin Treusch aus Reichelsheim war froh „über die Verstärkung im südlichen Teil“. Er wies darauf hin, dass Gäste sensibel für Natur und Umwelt sind, weswegen Betriebe mit diesem Pfund wuchern können.

Christine Friedrich zeigte sich beeindruckt davon, „dass die Familie voll dahinter steht“. Genau das macht ihren Worten zufolge „den Betrieb stark“. Die Auszeichnung belegt, „dass sie etwas für die Region tun“, sagte sie. Das unterstrich auch Bürgermeister Kehrer, der davon sprach, dass die „Krone“ die Stadt nach aßen repräsentiert.

 

 

Hessen à la carte

Über 100 ausgewählte Restaurants und Gasthöfe aus den unterschiedlichen Regionen Hessens bilden Deutschlands älteste regionale Qualitätsgemeinschaft (seit 1984), die Kooperation der hessischen Regionalküche. Die Betriebe sind nach außen erkennbar am rot-weißen Hessen à la carte-Mitgliedsschild. Hessische Küche ist regional, traditionell, innovativ, ursprünglich und nachhaltig, lauten die Schlagworte. Nach diesen Kriterien lassen sich die Mitglieder alle drei Jahre durch einen Zehn-Punkte-Kriterienkatalog zertifizieren. Danach erhalten die Betriebe eine Urkunde, in der sie anhand der erreichten Punkte durch einen, zwei oder drei hessische Landeslöwen auf der Urkunde ausgezeichnet werden. Vertragspartner sind der Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA Hessen und der Hessische Tourismusverband. Gefördert wird die Kooperation durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen.