Auf den sozialen Medien im Gespräch bleiben

Auch während der Corona-Pandemie mit ihren fehlenden Auftrittsmöglichkeiten im Gespräch bleiben: Das beherzigt die Band „Felissima“ der Geschwister Schulz. Dahinter verbergen sich die drei Haisterbacher Felicitas (20), Amadeus (18) und Leander (23). Gerade erst haben sie ein paar eigene Songs geschrieben, da wurden sie unfreiwillig ausgebremst. Was aber der Kreativität des Trios nicht schadet.

So wurden einige Coversongs auf dem eigenen Youtube-Kanal „Felissima“ veröffentlicht. Zu finden sind dort unter anderem von Radiohead „Creap“, Adeles „Make you feel my love“ und „Story of my Life“ von One Direction, erläutert Felicitas. Auch andere soziale Medien werden bedient. So wird täglich ein kurzer Coversong auf der Plattform TikTok publiziert, sagt Amadeus.

Soweit es die Umstände zuließen, gab es auch den einen oder anderen Auftritt, etwa bei der Aktion der „1000 Sterne“ des Rotary Clubs Erbach-Michelstadt. Immer wieder fanden Soloauftritte von Felicitas Schulz in Kirchen statt, da dort während der Corona-Pandemie die Gemeinde nicht selbst singen darf.

Die Odenwälder Musikwelt hält zusammen und unterstützt sich in der schweren Zeit gegenseitig. So wirkten die Schulz-Geschwister beim Livestream des Erbacher DJs Nico Klein in Form von Technik, Werbung und Songs mit. Interviews mit dem Radiosender YouFm wurden in diesem Zuge für ihn ermöglicht. Dazu kam die erfolgreiche Durchführung professioneller Livestreams. „Wir haben außerdem das Studio mit neuer Technik und weiteren Instrumenten erweitert“, erzählt Leander.

In Kooperation mit einem weiteren erfahrenen Hobbyproduzenten, Sebastian Rapp aus Vielbrunn, sitzen die drei gerade an zwei Songs. „Über das neue soziale Netzwerk Clubhouse konnten wir uns mit zahlreichen erfolgreichen Musikkünstlern austauschen“, freut sich die 20-Jährige weiter. Sie probt mit Amadeus momentan außerdem online für das Musical „Anatevka“ in Reichelsheim.

Daneben steht das Trio in ständigem Kontakt mit anderen Musikern aus dem Odenwald, wie Lovis Weller (Künstlername: Vizo Sounds). „Erste Anfragen für Auftritte bei Veranstaltungen nach Corona kommen rein“, freut sich Leander mit Blick nach vorn.

„Musik ist für uns die Projektion unserer Seele“, beschreiben die drei Schulz-Geschwister ihre Motivation, gemeinsam mit ihrer Band „Felissima“ aufzutreten. Wo Worte nicht mehr ausreichen, bietet die Musik eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Zuhörern soll die Chance gegeben werden, in eine andere Welt abzutauchen, weg von Alltagsstress und Sorgen.

Schon vor der Corona-Pandemie machte die Gruppe bei verschiedenen Veranstaltungen wie Festen, Hochzeiten, oder Geburtstagen Musik. Die Idee, sie auch „festzuhalten“, packte die drei in der veranstaltungslosen Zeit. „Deshalb kamen wir auf die Idee, selbst Musik zu produzieren und zu veröffentlichen“, erläutert Leander. „Wir haben zu Hause unser eigenes Studio eingerichtet.“

Alle drei begannen schon ganz früh mit der Musik. Die 20-jährige Felicitas startete mit der musikalischen Früherziehung bei der Musikschule Odenwald. Besonders der Gesang begeisterte sie. Um sich selbst begleiten zu können, erlernte sie Klavier und Gitarre. Eine prägende Erfahrung war für sie die Teilnahme an den jährlichen Musicalproben und -aufführungen der Musikschule. Die Liebe zur Musik möchte Felicitas an Kinder weitergeben und hat sich unter anderem deshalb entschieden, Musik, Religion und Deutsch auf Grundschullehramt zu studieren.

Ihr jüngerer Bruder Amadeus spielte während der musikalischen Früherziehung besonders gern Akkordeon – dem blieb er auch treu. Das Klavier spielen brachte er sich darauf aufbauend selbst bei. Weiterhin beherrscht der 18-Jährige die Ukulele. Seine Leidenschaft gehört auch Synthesizern. Die unendliche Vielfalt an Sounds inspiriert Amadeus sehr. Jeden Tag setzt er sich an den Flügel und kreiert neue Melodien und Songideen, die er dann im Tonstudio der Band verfeinert und festhält.

Leander, mit 23 Jahren der älteste, begann bereits mit fünf Jahren, Schlagzeug zu spielen. In jahrelangem Unterricht verfeinerte er seine Fertigkeiten. Der Masterstudent im Immobilienmanagement ist Backgroundsänger und agiert als Manager der Band. „Generell sind wir für viele Musikrichtungen offen“, sagen die drei. Vorwiegend sind es Popstücke, da ihnen gefühlvolle und emotionale Lieder liegen.

YouTube: www.youtube.com/channel/UCiax2qVW3Iz7fWzVYDqa1_A

TikTok: felissimamusic

Instagram: felissima_music

E-Mail: felicitas_schulz@t-online.de

Rodensteiner greifen nach den Sternen

„Noch einmal zum Himmel“ heißt nicht nur der neue Song der „Rodensteiner“. Er ist in der Corona-Pandemie auch so etwas wie Programm, angesichts der mehr als trüben Auftrittsaussichten den optimistischen Blick nach oben, Richtung Live-Sonne, zu bewahren. Ab dem 26. März ist der Titel von Marcus Greim und Florian Koch auf allen gängigen Streaming- und Downloadportalen erhältlich.

„Die Zeit ist momentan alles andere als einfach für die Kulturbranche im Allgemeinen und für Musiker im Besonderen“, bedauert Koch. Während die Odenwälder Rodensteiner in „normalen“ Jahren für Liveauftritte regelmäßig zigtausende Kilometer im deutschsprachigen Raum unterwegs sind, bleibt aktuell – notgedrungen – ausreichend Gelegenheit für das kreative Arbeiten hinter den Kulissen im Tonstudio.

Die beiden Odenwälder haben diese Zeit genutzt und sich viele Monate mit der Produktion der neuen Single beschäftigt. Die wurde mit viel Liebe zum Detail geplant und in unzähligen Arbeitsstunden umgesetzt. „Wir haben uns viel Mühe mit Produktion, Cover oder Absprache mit der Plattenfirma gegeben“, so Greim.

Im Song geht es ums Spannungsfeld in der Gefühlswelt eines Liebespaares: „Zwischen Macho und Frauenversteher“, wie die Musiker mit einem Augenzwinkern die Kulisse ihrer Geschichte umschreiben. Es handelt sich um die Erzählung einer nahezu alltäglich erscheinenden Situation zwischenmenschlicher Beziehung. Versetzt wurde sie mit einem verspielten Wechsel musikalischer Harmonien in modernem Discofox-Sound. Am Ende siegen geballte Lust und Leidenschaft wie explodierendes Kerosin, schmunzelt Koch, und es geht eben: „Noch einmal zum Himmel“.

Produziert wurde der Titel bei Chorus Music in Schönberg/Tirol. Besonders dankbar sind die Rodensteiner für die Unterstützung vieler bisheriger Weggefährten. So konnten sie auf die jahrzehntelange Erfahrung von Mario Wolf und Christoph Purtscheller bauen, früher beim Alpentrio Tirol aktiv. Weiterhin stand ihnen Texter Alexander Scholz zur Seite, dessen Referenzliste von Ross Antony über Matthias Reim bis zu Jürgen Drews reicht. Selbst die „Amigos“ brachten sich beratend mit ein, erzählt Greim.

Schlussendlich wurde mit „Fiesta Records“ eines der führenden Labels für die Veröffentlichung gewonnen, freut sich Florian Koch. „Das ist für uns ein echter Meilenstein in unserer Karriere“, betont er. Denn diese Zusammenarbeit bedeutet einen Wechsel der Plattenfirma. In Kooperation mit dem österreichischen Label „Tyrolis“ wurden in den vergangenen Jahren bereits vier Tonträger produziert und erfolgreich vermarktet.

Mit der Veröffentlichung von „Noch einmal zum Himmel“ geht auch das Release des entsprechenden Musikvideos einher. Das wurde „in liebevoller Kleinarbeit in der Odenwälder Umgebung gedreht“, erklärt Marcus. Das Wichtigste ist den beiden Volksmusikern, „in dieser tristen Zeit ein Zeichen zu setzen“. Mit dem Song möchten sie ihre Fans erreichen und darüber hinaus neues Publikum begeistern.

„Der Lockdown tut uns weh, weil uns wirklich die Bühne fehlt“, sagt Florian Koch. „Klar halten wir über die sozialen Netzwerke viel Kontakt zu unseren Fans“, erläutert er. Aber es ist einfach nicht das Gleiche wie die Liveauftritte, bedauert der Musiker. „Wir halten die Corona-Maßnahmen für unumgänglich und grundsätzlich richtig“, ergänzt er.

Gleichzeitig äußert der Odenwälder die große Hoffnung, „dass wir bald richtig viel live zu tun haben werden“. Wenn eben die Situation tatsächlich irgendwann unter Kontrolle ist. „Von daher bleiben wir optimistisch“, auch wenn eine klare Perspektive momentan schwierig zu erkennen ist, meint er.

Der 38-jährige Koch aus Fahrenbach ist auf Trompete, Gitarre und steirischer Harmonika aktiv. Er teilt sich mit dem gleichaltrigen Marcus Greim aus Fränkisch-Crumbach den Gesang. Der wiederum ist für Akkordeon und Keyboards zuständig. Diese musikalische Vielfalt, ergänzt durch zweistimmigen Gesang und das sympathische Auftreten der Musiker, sorgt für viel gute Laune. Beide eint die Freude am alpenländischen Musik- und Lebensstil.

Marcus und Florian stehen aus Überzeugung auf der Bühne. Denn Musik wird nicht nur mit den Händen, „sondern vielmehr mit dem Herzen gemacht“, ist ihre Überzeugung. Beide sind in „normalen“ Zeiten regelmäßig im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs. Das Duo spielt nicht nur für das, sondern immer auch mit seinem Publikum, „was uns zum Garanten für unvergessliche Volksmusik-Stunden macht“, betont Koch.

Sanierung quasi beendet: Schloss sucht Pächter

Nicht mehr lange, dann werden die letzten Gerüste verschwunden sein. Dann erstrahlt das Hirschhorner Schloss wieder in neuem – alten – Glanz. Alt deshalb, weil bei der aufwändigen Sanierung für knapp drei Millionen Euro in Zusammenarbeit mit der Landesdenkmalbehörde viel Wert darauf gelegt wurde, das Aussehen früherer Jahrhunderte zurückzubringen. Beim zuständigen Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) zeichnet dafür Projektleiter Hermann Felleisen verantwortlich.

Sein Ziel ist es: Ende April die Bauarbeiten zu beenden, während parallel schon die Ausschreibung nach einem neuen Pächter für Hotel- und Gastronomiebetrieb läuft. Ziel des LBIH ist es laut Sprecher Alexander Hoffmann, dass spätestens im Sommer wieder neues Leben auf dem alten Gemäuer einkehrt. Die herrliche Terrasse mit Blick über das Neckartal und Hirschhorn sowie eine zweite Fläche etwas unterhalb Richtung Burghof sind optimal für Außengastronomie geeignet, sollte im Innern eine Bewirtschaftung noch mit Auflagen verbunden sein.

Felleisen ist die Begeisterung anzumerken, wenn er über die Ergebnisse der Sanierungsmaßnahmen spricht. Etwa über den Palas, quasi das frühere „Wohnzimmer“ der Ritter von Hirschhorn. Der wurde komplett freigelegt, von früheren Trennwänden beseitigt und wieder so hergerichtet, als wären die früheren Besitzer gerade ausgezogen. Selbst die alte Farbgebung des Wappenvlieses lässt sich wieder auf der Wand erkennen. Das soll noch hinter Glas verschwinden.

Der Palas, der historischste Teil des Schlosses, wird nach Fertigstellung für die Besucher geöffnet. Sie finden dort Infos übers Schloss und seine Geschichte. Auch will man diverse Fundstücke ausstellen. Von ihm aus geschieht über eine Stahltreppe der Aufstieg zum Bergfried. Eine Seitenwand wurde rot getüncht, um den Charakter einer Hauswand zu erreichen. „Das gibt eine tolle Sache“, schwärmt Felleisen. Er erkennt eine „große Attraktivitätssteigerung“.

Ein anderer Schwerpunkt der (äußeren) Instandsetzungsarbeiten war der Zwingerbereich. Der war laut Felleisen „fast komplett verfüllt“. Da durch den Druck eine starke Rissbildung im Mauerwerk erkennbar war, wurden Massen an Erde und Gestein herausgeschafft. „Mehrere hundert Kubikmeter“, verdeutlicht der Projektleiter. Einen Eindruck davon bekommt man beim Blick auf den großen Sandsteinhaufen neben dem Burgtor. Der Zwinger soll in Zukunft für Führungen zugänglich gemacht werden, so Felleisen. Bei der Gelegenheit entdeckten die Arbeiter auch eine bisher unbekannte Tür.

Die Fassadensanierung, der Austausch der alten Klappläden, die Eindeckung des Dachs mit Biberschwanzziegeln mit Handstrich-Oberfläche, wie sie früher verwendet wurden, oder die Befestigung der Bogensteine an der oberen Mauer: Es ging im Kern darum, die alte Bausubstanz möglichst detailgenau zu erhalten und zukunftsfähig zu machen, erklärt Felleisen.

Eine wahre Herkulesarbeit war die Sanierung von innerer und äußere Mauer sowie Turmstumpf. Auf der kompletten Länge wurde der Bewuchs entfernt, schildert der Architekt die Plackerei. Die Schießscharten waren teilweise nicht mehr erkennbar. Die Mauer Richtung Kloster wurde komplett vom Efeu befreit. Insgesamt, rechnet er nach, beackerte man auf diese Weise über 2000 Quadratmeter.

Die Sonnenterrasse bekam ein neues Schutzgeländer, neue Platten und eine neue Abdichtung, so der Bauleiter. Im kompletten Gebäude wurden die vorherige Einrohr-Heizung („so etwas habe ich als Architekt noch nie gesehen“) und die Elektroleitungen erneuert – immer in Absprache mit der Denkmalpflege.

Damit ist seinen Worten zufolge nun ein ganzjähriger Hotel- und Gaststättenbetrieb möglich. Der war in der Vergangenheit ein Problem, weil im Winter die Zimmer nicht richtig warm wurden. Die zwischenzeitliche frostige Witterung und Lieferschwierigkeit wegen der Corona-Pandemie verhinderten eine frühere Fertigstellung, erklärt er.

„Ein Schmuckstück“ ist nach Fertigstellung die ehemalige Kapelle. Dort befindet sich das Trauzimmer des Hirschhorner Standesamts. Hier baute man die Zwischendecke aus, „um den ganzen Raum erlebbar zu machen“. Dass es überhaupt dazu kam, hat Felleisen zufolge damit zu tun, dass man bei der Dacherneuerung Zugang zu einem bisher verschlossenen Raum erhielt. Flugs wurden die Kosten ermitteln und man ging zu Werke.

Auf dem Weg zum Trauzimmer fallen die alten Verzierungen über den Türen auf. „Architekturmalerei“, erklärt der Bauleiter, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel hat. Sie erstreckte sich früher über den ganzen Mauertrakt, denkt er. Leider wurde vieles im Laufe der Zeit zerstört. „Der Raum wird an Atmosphäre dazugewinnen“, ist er sicher. Und somit als „Eye-Catcher“ nicht nur Brautpaare aufs Schloss ziehen.

Da sowieso praktisch alles in die Hand genommen wurde, beseitigte der Bautrupp auch gleich die Bausünden der 1960er Jahre. Dazu zählt Felleisen sichtlich entrüstet den Kunststoffputz, mit dem die Wandflächen überzogen waren. Er wich einem Kalkanstrich, wie er historisch korrekt ist. Oder Wände und Decken im Restaurant. Hier flog die alte Raufasertapete raus, jetzt glänzt die alte Stuckdecke in neuer Pracht. Alles angelehnt an frühere Farbgebungen.

Außerdem wurden weitere Ein- und Anbauten aus dieser Zeit entfernt. Dazu gehört der fürs Personal. „Den haben wir abgerissen“, erklärt der Architekt. Denn er stand auf unsicherem Fundament. Die dortigen Räume konnte man im Schlossbereich unterbringen. Auch wenn es jedes Jahr Bauunterhaltungsmaßnahmen gab, war es jetzt somit „die größte Sanierung seit den 60er Jahren“.

Felleisen, der in seinen knapp 40 Arbeitsjahren schon seit einiges an Schlössern und Burgen gesehen hat, bleibt die Maßnahme „berufstechnisch in Erinnerung“. Auf seinem Weg zur Arbeitsstätte genießt er, aus dem Hirschhorner Tunnel kommend, den Blick zum Schloss und die Auffahrt. Was andere in der Freizeit machen, schmunzelt er, „habe ich hier jeden Tag: Burgen anschauen“.

Der Architekt Johannes Hug aus Darmstadt hat die planerischen Akzente für den Palasaufbau und –ausbau, für die Restauranträume etc. entwickelt. Dr.-Ing. Anja Dötsch Fachgebietsleiterin Bauangelegenheiten und Denkmalpflege, Staatliche Schlösser und Gärten Hessen

Info: Die Ausschreibung für die Verpachtung des Hirschhorner Schlosses wird demnächst auf der Internetseite des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH) zu finden sein, http://www.lbih.hessen.de.

Schloss Hirschhorn: Zahlen und Fakten

Baubeginn: ca. 1250 als spätstaufische Hangburg. Sie umfasste einen 16 Meter tiefen Halsgraben, einen quadratischen Mauerring, Schildmauer, Toranlage und Bergfried

Heute noch erhaltene Zeugnisse aus den Anfangsjahren: mächtige Schildmauer und Reste eines ersten Wohnbaus (Palas) mit gotischem Fenster (ca. 1300)

15. bis 17. Jahrhundert: fortwährender Um- und Ausbau

Bau des neuen Palas in Renaissanceausgestaltung (Hatzfeld-Bau): zwischen 1583 und 1586

1632 starben die Hirschhorner Ritter aus. Die Burg ging an Kurmainz und 1803 an Hessen-Darmstadt

1803 bis 1918: Amtssitz des Großherzogtums Hessen-Darmstadt

Ab 1949: Das Land Hessen ist Eigentümer

Ab 1959: Im Renaissancebau sowie im Marstall-Nebengebäude ist ein Hotel mit Restaurant untergebracht

Die Burgkapelle aus dem 14. Jahrhundert mit ihren Fresken wird heute als Trauzimmer der Stadt Hirschhorn genutzt

Hotel: acht Zimmer im Hauptgebäude und 24 im Marstall

Restaurant mit Nebenraum: Platz für bis zu 90 Gäste, Rittersaal bis zu 60, multifunktionaler Raum für Veranstaltungen bis zu 20 Gäste, große Terrasse ca. 75 Sitzplätze. Zusätzlich gibt es eine weitere Terrasse, geeignet für kleinere geschlossene Gesellschaften.

Ersheimer Brücke: Vollsperrung jetzt doch erst im Herbst

Die rund 160 Meter lange Wehrbrücke über der Schleusenanlage Hirschhorn im Zuge der Kreisstraße K 38 verbindet das westlich gelegene Hirschhorn mit dem östlichen Ersheim auf der gegenüberliegenden Neckarseite. Die Stahlkonstruktion aus den 1930er Jahren weist starke Korrosionsschäden auf und muss daher dringend instandgesetzt werden, teilt die Straßenbehörde Hessen Mobil mit. Der Landkreis Bergstraße als Baulastträger der K 38 hat Hessen Mobil mit der Planung und Durchführung der Brückeninstandsetzung beauftragt.

Derzeit wird durch ein von Hessen Mobil beauftragtes Ingenieurbüro die Ausführungsplanung und Bauablaufplanung für die Instandsetzungsmaßnahme erstellt. Gleichzeitig wird derzeit durch Hessen Mobil ein detailliertes Verkehrskonzept für die Durchführung der notwendigen Bauarbeiten an der Brücke entwickelt und in den kommenden Wochen mit der Stadt Hirschhorn, der Verkehrsbehörde der Landkreise Bergstraße und Rhein-Neckar, der Polizei und den Rettungsdiensten abgestimmt.

Für die Arbeiten an den Hauptträgern der Brücke sind unter anderem aus statischen Gründen jeweils mehrwöchige Vollsperrungen erforderlich, wobei der Fuß- und Radverkehr davon ausgenommen ist, lautet die Info der Behörde. In den Zeiten zwischen den statisch relevanten Arbeiten an den Hauptträgern kann die Fahrbahn jeweils wieder halbseitig für den Verkehr freigegeben werden. Mit den Bauarbeiten soll im Sommer 2021 begonnen werden. Die erste Vollsperrung der Brücke wird voraussichtlich im Herbst 2021 erfolgen (und nicht im Sommer, wie erst kürzlich noch von Hessen Mobil gemeldet wurde). Die Fertigstellung der Bauarbeiten ist für Ende 2022 geplant, heißt es weiter.

Neben der Verbindungsfunktion zwischen den beiden Hirschhorner Stadtteilen dient die Wehrbrücke zur Anbindung des Flusskraftwerks der Neckar AG, als Revisionsweg zu den Wehrpfeilern und als Leitungsbrücke für Wehr- und Kraftwerksbetreiber sowie den verschiedenen Versorgungsunternehmen. Die Wehrbrücke wurde im Zuge der Errichtung der Neckarstaustufe Hirschhorn in den Jahren 1931 bis 1935 als genietete Stahlkonstruktion errichtet und 1979/1980 umgebaut und erweitert.

Die Wehrbrücke setzt sich aus zwei Teilbrücken zusammen, der zweifeldrigen Schleusenbrücke auf der Seite Ersheim und der namensgebenden dreifeldrigen Wehrbrücke auf Hirschhorner Seite. Beide Stahlkonstruktionen besitzen einen offenen Querschnitt aus einem zweistegigen Plattenbalken und einer orthotropen Fahrbahnplatte aus Stahl. Die Wehrbrücke weist laut Hessen Mobil sichtbare Korrosionsschäden an der Überbaukonstruktion und insbesondere eine Spaltkorrosion an den Verstärkungsblechen der Längsträgeruntergurte auf. Hier wölbten sich die Stahllaschen infolge der Volumenvergrößerung des rostenden Stahls auf.

Da die Spaltkorrosion weiter fortschreitet und sich der Druck auf die Verstärkungsbleche weiter erhöht, besteht für die Instandsetzung der Längsträgeruntergurte der Brücke ein dringender Handlungsbedarf. Um die Verkehrssicherheit und die Standsicherheit des Bauwerks dauerhaft zu gewährleisten, ist die geplante Baumaßnahme zwingend erforderlich, so die Mitteilung.

Zur Beseitigung der Spaltkorrosion an den Brückenträgern müssen die Verstärkungsbleche an den Längsträgeruntergurten sowohl in den einzelnen Brückenfeldern als auch über den Innenstützungen ausgebaut und erneuert werden. Dabei müssen je Hautträger mehrere hundert Nieten aus der Stahlkonstruktion gelöst werden. Bevor die Hauptträger zerlegt werden können, muss das jeweilige Brückenfeld und der Hauptträger statisch über eine Hilfskonstruktion auf der Brücke entlastet werden. Hierfür sind aufwendige Auswechsel- und Gerüstbauten erforderlich. Diese Bauarbeiten am teilweise demontierten Hauptträger können aus statischen Gründen nur unter Vollsperrung der Brücke erfolgen, sagt Hessen Mobil.

Fahrbahnerneuerung zwischen Hirschhorn und Eberbach: Sperrung mit Einbahnregelung ab 11. März

Hirschhorn/Eberbach. Die durch Hessen Mobil Mitte Februar begonnenen Bauarbeiten zur Erneuerung der Fahrbahn im Zuge der Bundesstraße B 37 zwischen Hirschhorn und der Landesgrenze zu Baden-Württemberg verlaufen derzeit wie geplant, teilt die Behörde mit. Ab dem kommenden Donnerstag, 11. März, beginnen nun in den Bauphasen zwei und drei die umfassenden Asphaltarbeiten zur eigentlichen Fahrbahnerneuerung, die bis voraussichtlich Mitte April andauern werden.

Aufgrund der zur Verfügung stehenden Fahrbahnbreite der Bundesstraße und den daraus resultierenden gesetzlichen Vorgaben aus dem Arbeitsschutz können diese Bauarbeiten nur unter halbseitiger Sperrung der Bundesstraße ausgeführt werden, so Hessen Mobil. Mit den zuständigen Verkehrsbehörden des Kreises Bergstraße und des Rhein-Neckar-Kreises, den Kommunen, der Polizei, den Rettungsdiensten und den Verkehrsbetrieben (ÖPNV) wurde als Verkehrsführung für die Bauphasen zwei und drei eine Einbahnregelung in Fahrtrichtung Eberbach abgestimmt, heißt es weiter.

Im Gegensatz zu einer Ampelregelung mit einer Vielzahl von Bauabschnitten, können durch die Einbahnregelung die Einschränkungen auf einen kurzen Zeitraum begrenzt werden und zudem Staubildungen auf der vielbefahrenen Bundestraße vermieden werden, lautet die Pressemitteilung. Verkehrsteilnehmer, die aus Richtung Hirschhorn kommen, können die Bundesstraße weiterhin in Richtung Eberbach befahren.

Der aus Richtung Eberbach kommende Verkehr hingegen wird über die B 45 und die Landesstraße L 3119 über Beerfelden und das Finkenbachtal nach Hirschhorn umgeleitet. Ebenfalls gesperrt bleibt die Einmündung L 3105/B 37 (Einmündung östliche Neckarschleife), so dass von Hirschhorn über die Neckarschleife kommend, nicht auf die B 37 aufgefahren werden kann. Für die Fahrt in Richtung Heidelberg besteht zudem die Möglichkeit, über den kleinen Odenwald zu fahren.

Nach Abschluss der Asphaltarbeiten werden noch Restarbeiten, wie etwa das Einrichten der Schutzeinrichtungen und die Asphaltierung von Zufahrten, ausgeführt. In dieser Bauphase kann der Verkehr wieder über verengte Fahrstreifen geführt werden. Die Fertigstellung der Bauarbeiten ist für Ende April geplant.

Bei der Bundesstraße B 37 handelt es sich laut Hessen Mobil um eine hochbelastete Bundesstraße mit hohem Schwerverkehrsanteil. Im Rahmen der Baumaßnahme wird der Asphaltaufbau der Fahrbahn über eine Gesamtlänge von 4,1 Kilometern im Streckenabschnitt zwischen dem Tunnel Hirschhorn und der Landesgrenze bei Eberbach erneuert und verstärkt.

Grundlage für das Sanierungskonzept sind fachtechnische Gutachten, die im Rahmen der Bauvorbereitung von Hessen Mobil erstellt wurden. Diese zeigen, dass im oben genannten Streckenabschnitt der Bundesstraße B 37 Fahrbahnschäden in Form von Verdrückungen, Rissen und Unebenheiten bestehen, die zum Teil auch aus tieferen Bereichen bis zur Fahrbahndecke durchschlagen.

Im Rahmen der aktuellen Maßnahme erfolgt daher die grundhafte Erneuerung des Asphaltaufbaus, der zusätzlich um etwa 16 Zentimeter verstärkt wird, so die Nachricht. Hierfür wird die Fahrbahndecke etwa zehn Zentimeter tief abgefräst und vorhandene, teilweise tiefergehende Schäden instandgesetzt. Anschließend erfolgt der Einbau einer rund 26 Zentimeter starken Asphaltdecke. Bankette, Schutzeinrichtungen, Muldeneinläufe, Randeinfassungen und Einbauteile werden erneuert und an die neue Fahrbahnhöhe angeglichen.

Ebenso werden die seitlichen Straßeneinmündungen an die neue Fahrbahnhöhe angepasst. Die Baukosten der Maßnahme belaufen sich auf rund 2,56 Millionen Euro und werden vom Bund getragen

Ab Sommer soll das Hirschhorner Schloss wieder verpachtet werden

Ziel ist eine Verpachtung ab Sommer 2021: Diese Info gab’s vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) auf Anfrage, wann auf dem Hirschhorner Schloss wieder Leben einkehrt. Die derzeit laufenden Arbeiten im Trauzimmer können voraussichtlich im Frühjahr abgeschlossen werden, teilt die Pressestelle mit. Gleiches gilt für alle noch zu erledigenden Restarbeiten innerhalb des Schlossgebäudes sowie an der Terrasse. Daher laufen bereits die Vorbereitungen zu einer Verpachtung und die entsprechende Ausschreibung kann voraussichtlich noch im ersten Quartal dieses Jahres veröffentlicht werden, so die weitere Info. Es wurden in den vergangenen zwei Jahren neben dem Innenleben (unter anderem Heizungsbauarbeiten) auch die Dacheindeckung erneuert und die Fassade saniert. Später wurden die Zwingermauern auf Vordermann gebracht. Es folgten dann verschiedene Sanierungsmaßnahmen an, etwa am Palas und an der Terrasse. Die Sanierung der Zufahrtsstraße zum Schloss soll Ende dieser Woche beendet sein. Insgesamt investiert das Land Hessen rund 2,8 Millionen Euro in das Schloss Hirschhorn, lautet die Mitteilung.

Vereine sind unverzichtbar fürs örtliche Leben

Die Vereine tragen das gesellschaftliche Leben in Airlenbach, erläutert Ortsvorsteherin Marion Neff die Qualitäten des kleinen Oberzent-Stadtteils. Zu dieser „Software“ kommt noch die entsprechende „Hardware“: Ruhe, Natur und die vielfältigen Wandermöglichkeiten mit tollen Ausblicken. „Das ist genau die Lebensqualität, die die Städter suchen“, weiß sie.

Der Sportverein mit seinen zahlreichen Abteilungen bietet den 300 Einwohnern eine breite Palette an Freizeitmöglichkeiten. Neben Fußball gibt es Tischtennis, Volleyball, Kinderturnen und Theater. Neff bedauert es, dass die Vorstellungen nach Ostern nicht stattfinden konnten. Aufgrund des Lockdowns mussten sie abgesagt und auf 2022 verschoben worden, weil es den Verantwortlichen in 2021 zu unsicher war. „Das ist auch gut so, da wir ja noch nicht wieder proben könnten“, erläutert sie.

Die Hütte am Sportplatz sieht die Ortsvorsteherin als Dorfmittelpunkt und integrativen Faktor. Hier pulsiert das Leben und kommen nicht nur die Dörfler, sondern etwa beim Pfingstfest auch Auswärtige zusammen. Deshalb war es nur folgerichtig, hier durch den Ortsbeirat eine Panoramabank aufstellen zu lassen.

Die Feuerwehr ist ein anderer gewichtiger Pluspunkt im Airlenbacher Veranstaltungskalender. Sie kümmert sich zum einen um die Fastnacht, ist andererseits durch die gut aufgestellte Einsatz- und Jugendabteilung eine schlagkräftige Truppe. Im Wechsel mit dem SV kümmern sich die Brandschützer um die Kerwe-Ausrichtung, so Neff.

Der Dorfverein organisiert in der Regel um die Weihnachtsbaum-Abholung und -Verbrennung. Letztere wird zwar 2021 erst einmal nicht stattfinden. Die ausgedienten nadelnden Gehölze werden aber trotzdem abgeholt, um sie möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt in Flammen aufgehen zu lassen. Koordiniert wird daneben das jährliche „Bankstreichevent“, bei dem die Sitzgelegenheiten wieder auf Vordermann gebracht werden.

Vierte im Vereinsbunde sind die Landfrauen. Außerdem gibt es noch den Skiclub, der in der weißen Theorie den Lift betreut. Da der aber mangels Masse schon lange nicht mehr in Betrieb war, hatte der Club in den vergangenen Wintern auch wenig zu tun. „Es wird recht viel im Ort gemacht“, meint Neff mit Blick auf diese gesammelten Aktivitäten.

2020 war hart für die an Geselligkeit gewöhnten Airlenbacher. „Wir haben den Ausfall gemerkt“, bedauert die Ortsvorsteherin. „Es fehlten die Treffen.“ Immerhin war die Teilnahme am Freiwilligentag Mitte September möglich. Hier kam der große Zusammenhalt im Dorf zum Ausdruck. Schnell finden sich genügend Helfer, auch wenn Airlenbach nicht so viele Einwohner hat.

Die Pils- und Kegelstube am Dorfgemeinschaftshaus ist ein weiterer beliebter Treffpunkt. Hier kommen die Ortsbürger nicht nur zum Tischtennis spielen hin, sondern auch einfach, um den Austausch und die Geselligkeit zu pflegen, „wie sie nicht mehr überall zu finden ist“.  

Die Ortsvorsteherin hat festgestellt, dass die Heimat nach wie vor eine große Rolle spielt. Es gibt noch einige Familienverbünde im Ort, wo Großeltern und Enkel unter einem Dach wohnen. Die Jungen, hat sie bemerkt, kommen manchmal auch wieder zurück, nachdem sie zu Studium oder Ausbildung auswärts waren.

Die Bevölkerungsentwicklung, schätzt sie, dürfte zwar leicht rückläufig sein, „aber wir haben relativ wenig Leerstand“. Nur das eine oder andere Haus steht zum Verkauf. Und das könnte auch „im Ort bleiben“, wenn es ein Bürger erwirbt. Damit sind dem Zuzug auch natürliche Grenzen gesetzt, denn es fehlt einfach die Masse auf dem Immobilienmarkt. Ein Bauplatz steht schon längere Zeit zum Verkauf. Warum der nicht weggeht, kann sich die Ortsvorsteherin nicht erklären. Grundstücks- und Hauspreise bezeichnet sie als „überschaubar“.

Airlenbach ist vor allem ein Wohnort. Arbeitsplätze finden sich nur wenige, erläutert Neff. Es gibt eine Schreinerei und eine Büroverwaltung. Die Jüngeren haben oft einen Arbeitsplatz in der Nähe gefunden, andere pendeln wiederum in die Ballungsgebiete. Im Oberdorf würde es in Sachen Homeoffice auch nicht so prickelnd aussehen, da es noch „strukturelle Probleme mit dem Internet gibt“.

Vier Vollerwerbslandwirte machen deutlich, welch große Bedeutung dieser Wirtschaftszweig früher hatte. „Die halten den Ort offen“, freut sich die Ortsvorsteherin. Die Wiesen sind alle verpachtet und werden beweidet. Vor ein paar Jahrzehnten waren etliche Airlenbacher noch Selbstversorger-Landwirte. „In fast jeder Seitenstraße gibt es ehemalige Bauernhöfe“, erklärt sie.

Im Dorf ist man fahren gewohnt. Für größere Einkaufe ging’s schon immer nach Beerfelden, auch als es noch einen kleinen Laden gab. Schulbusse fahren zuverlässig, aber dann hört’s auch schon auf mit dem ÖPNV. Seit kurzem ist der Bürgerbus der Generationenhilfe unterwegs.

Ähnlich wie mit den Einkäufen sieht’s auch mit der Kinderbetreuung aus. Es ist alles in Beerfelden oder, wenn es ums Gymnasium geht, in Michelstadt angesiedelt. „Es gibt es nichts Außergewöhnliches“, erläutert Neff. Aber die Airlenbacher leben gut mit dem, was vor Ort angeboten wird. 

Eigentlich gibt’s zwischen den Jahren immer eine vom Ortsbeirat organisierte Wanderung. Die muss aktuell leider ausfallen. Stattdessen kreierte eine Mitbürgerin eine Art „Solo-Grenzgangstour“ rund um den Ort mit weihnachtlichem Touch, sodass sich die Leute trotzdem etwas an der frischen Luft betätigen können. Der Ortsbeirat hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Infrastruktur zu erhalten. Der Fokus liegt auf Sport- und Spielplatz, „damit Jüngere gerne hierbleiben und sich mit dem Ort identifizieren können“, sagt Neff.

Schleusentore werden in die Heimat gebracht

Für Tobias Bell ist die Fracht so eine Art Ehrensache: Es kommt schließlich nicht oft vor, dass der Binnenschiffer in seiner kleinen Heimatstadt Hirschhorn ausladen darf. In der Nacht von Montag auf Dienstag (25./26. Januar) macht der 27-Jährige sein Schiff „Somnium Videre“ an der Ersheimer Schleuse. Im Gepäck, sprich im Frachtraum, hat er sehnlichst erwartete Ware: die beiden neuen Schleusentore. Bell beförderte sie von Magdeburg aus durch ganz Deutschland in die hessische Neckarstadt.

Die Schifffahrt liegt der Familie im Blut – und sie ist die letzte in Hirschhorn, die diesen Beruf noch betreibt. Früher, erinnert er sich, gab es noch über 30 Partikuliere im südlichsten hessischen Zipfel, dem einzigen Landstrich, der an den ansonsten baden-württembergischen Neckar grenzt. Heute sind nur noch die Bells übrig geblieben. Tobias führt mit seinem Bruder Joachim in achter Generation die Tradition fort.

Während sein 30-jähriger Bruder das sich seit 1989 im elterlichen Besitz befindliche Schiff steuert, ließ sich der der 27-Jährige vor drei Jahren den Tanker „Bayernland“ für seine Zwecke umbauen. Heute ist er damit zusammen mit Frau Madeleine und dem fünf Monate alten Sohn Friedrich mitsamt zwei Hunden auf den Wasserstraßen unterwegs.

Für Tobias Bell gab es nie eine Alternative zum Binnenschiffer-Beruf. Schon mit 15 Jahren kam er nach dem Schulabschluss an Bord. Mit diesem Ziel schon frühzeitig vor Augen „war ich kein guter Schüler“, lacht er. Auf der Schiffer-Berufsschule in Duisburg ging die große Fahrt weiter. „Ich habe meine Berufswahl noch nie bereut“, berichtet er. Wobei auch klar ist: Rein aus wirtschaftlichen Erwägungen macht das niemand, „es gehört auch Passion dazu“.

Durchs vergangene Jahr schipperte die Familie ganz gut. Es gab zwar coronabedingt leichte Einbußen, erklärt der Hirschhorner. Aber die waren bei Weitem nicht so stark wie in anderen Berufsgruppen, wie Gastronomie oder Handel. Denn Warentransport ist immer gefragt – und auf dem Wasser nicht so stauanfällig wie auf der Straße.

An Weihnachten ankert die Familie schon traditionell in Hirschhorn. Denn übers Jahr hinweg ist man sonst nur zehn Nächte zuhause. Neben ganz Deutschland führte der Wasserweg bereits nach Belgien und Frankreich oder in die Schweiz und Niederlande. Auf Bells „To-do-Liste“ stehen noch Bremerhaven und die Fahrt auf der Donau bis ans Schwarze Meer. „Es ist immer etwas Besonderes, mit einer Fracht nach Hirschhorn zu kommen“, freut sich der 27-Jährige.

Den Auftrag für den Transport der Schleusentore wollte er auf jeden Fall bekommen, erzählt Bell. Vor einem Jahr transportierte er bereits Hochwasser-Sperrtore von Sachsen-Anhalt nach Ladenburg und erfuhr bei dieser Gelegenheit, dass irgendwann die Fracht nach Hirschhorn anstehen würde. Bell blieb am Ball und bekam den Zuschlag, die beiden Tore von der Werft in Roßlau an der Elbe ins Hessische durchzuführen.

Die beiden Schleusentore, weiß er, lagerten dort einige Zeit. Denn das Bauvorhaben in Hirschhorn dauert um einiges länger als geplant. Vor sechs Jahren ging’s los – mit einer geplanten Bauzeit von 22 Monaten. Ein paar Baufirmen versuchten sich, es gab zwischenzeitlich ein paar verzögernde Baumängel. Ein Ende ist aber auch nach Ankunft der Tore noch nicht in Sicht, sagt Tobias Bell. Denn manchmal passen sie nicht gleich und müssen noch einmal in Roßlau nachjustiert werden.

Die 73 Tonnen der beiden Schleusentore machen trotz des enormen Gewichts nur einen Bruchteil der möglichen Schiffs-Tragkraft von 2620 Tonnen aus. Die Stahlungetüme haben jeweils zehn auf sieben Meter bei einer Dicke von einem Meter. Bell erläutert, dass diese Maße nicht in jeden Frachtraum passen. Damit sich die Fahrt auch rentiert, hat er gleich noch eine große Menge an Altmetall dabei, die in Mannheim gelöscht wird.

Das Schwerlastsegment als Spezialisierung ist eine Zielrichtung des Binnenschiffers. Denn immer mehr Projekte, weiß er, „werden von der Straße aufs Wasser verlegt“. Dazu zählt etwa der Transport von sperrigen Windrädern. Mit seinem niedrig gehenden Schiff ist er flexibel bei entsprechenden Durchfahrtshöhen, die andere Frachter nicht schaffen.

Der Binnenschiffer ist gespannt auf die Ausladung. Denn die passiert mit einem extra dafür aufgebauten Kran, wofür die Ersheimer Straße gesperrt werden muss. Zusammen mit der sowieso schon bestehenden halbseitigen Sperrung der Schleusenbrücke „wird das eine Herausforderung“, denkt er. Zusätzlich ist am Dienstag der Neckar von 7 bis 17 Uhr für die Schifffahrt dicht.

Die Länge der „Somnium Videre“ (lat. Träumen) von Tobias Bell beträgt 105 Meter, die Breite elf Meter. Die Tragkraft des Schiffes beträgt 2620 Tonnen bei einem maximalen Tiefgang von 3,20 Metern. Es wurde 1984 als Tanker in Erlenbach/Main gebaut und hieß damals Bayernland. Das Schiff war 108,5 Meter lang und wurde für die Verwendung auf kleinen Wasserstraßen während des Umbaus 2018 gekürzt.

Sängerkreis geht kurz vor dem 100. die Puste aus

Das 100. Jubiläum hat der Sängerkreis hessisches Neckartal „leider nicht mehr zu erreicht“, bedauert der zweite Vorsitzende Gert Menges vom Gemischten Chor Finkenbach. Zum Jahresende 2020 löste sich der Vereinszusammenschluss im 95. Jahr seines Bestehens auf. Hintergrund: Es wurden immer weniger Sänger und Vereine. Die anstehenden Aufgaben konnten somit auf immer weniger Köpfe verteilt werden.

Die sangesfreudigen Gründer hatten 1925 die Vereine in den Ortschaften im Blick, die am Neckar und an seinen Zuflüssen in Südhessen beheimatet waren. Die holten sie ins sprichwörtliche Boot. Am 8. November fand in Neckarsteinach die offizielle Gründung des kreis- und länderübergreifenden „Hessischen Neckartal-Sängergaues“ statt.

Es schlossen sich damals zwölf Vereine mit insgesamt 420 Sängern an: Frohsinn Brombach, Heimatland Darsberg, MGV Ober-Finkenbach, Liederkranz Gammelsbach, Liederkranz Ober-Hainbrunn, Eintracht Hirschhorn, Sängerbund Hirschhorn, MGV Kortelshütte, Frohsinn Langenthal, Sängerbund Neckarsteinach, Eintracht Rothenberg und Frohsinn Rothenberg.

Der Sitz der neu gegründeten Vereinigung war Neckarsteinach. Dort wurde auch am 29./30. Juni 1929 das Gaubanner eingeweiht, das bis zur Auflösung bei allen offiziellen Anlässen mitgeführt wurde. Die jährliche Abhaltung von Wertungssingen, die Teilnahme an Bundeschorfesten und die gegenseitige Unterstützung durch Besuche bei Nachbarvereinen waren die wesentlichen Aktivitäten der Sängervereinigung.

In Folge des Zweiten Weltkrieges kam die Arbeit des Sängerkreises 1945 zum Erliegen, wurde aber 1948 wieder aufgenommen. Im 50. Jubiläumsjahr 1975 gehörten ihm stolze 17 Vereine an mit 17 Männer- und zwei gemischten Chören, einem Jugendchor und drei Kinderchören an: insgesamt 740 Sängerinnen und Sängern. Eine solche wurde nie wieder erreicht. Geographisch erstreckte sich das Gebiet von Darsberg über Hirschhorn und Unter-Schönmattenwag bis nach Gammelsbach, Sensbachtal und an die bayrische Grenze mit Hesselbach.

Wesentlich geprägt wurde der Sängerkreis Neckartal auch immer von seinen Vorsitzenden. Ganz besonders hervorzuheben ist die Zeit ab 1979, als Friedel Sepp aus Schöllenbach mit seiner gewinnenden Art für großen Zusammenhalt im Inneren und auch für eine starke Präsenz des Chorgesangs nach außen sorgte, erläutert Gert Menges.

Das 75. Jubiläum wurde im Jahr 2000 mit noch 15 Kreisvereinen begangen. Hier zeichnete sich bereits eine Trendwende ab: Mangels männlichem Nachwuchs hatten sich mittlerweile einige Männerchöre für Frauen geöffnet und so zu gemischten Chören gewandelt. So hatte der Sängerkreis nun insgesamt 660 Stimmen. Die Ära Friedel Sepp endete 2001 nach 22 Jahren. Danach konnte man den jungen Udo Mayer aus Unter-Schönmattenwag für den Vorsitz gewinnen, der bis 2007 amtierte.

Um den Vorsitzenden zu entlasten, entschloss man sich damals zu einer Doppelspitze, die mit Jutta Ihrig (Schöllenbach) und Ingrid Reinschild (Gammelsbach) eine gute Besetzung fand. Seit Herbst 2012 wurde der Vorsitz bis zuletzt im jährlichen Turnus reihum von den jeweiligen Vorsitzenden der Mitgliedsvereine wahrgenommen, „was auch erstaunlich gut funktionierte“, erinnert sich Menges schmunzelnd.

Mitte 2019 verließ der größte bis dato im Sängerkreis beheimatete Verein, der Sängerbund Unter-Schönmattenwag, die Vereinigung und schloss sich dem Sängerkreis Weschnitztal-Überwald an. Als kurze Zeit darauf noch die Nachricht eintraf, der MGV Liederkranz 1898 Kortelshütte befände sich in Auflösung, sah man im Vorstand die Notwendigkeit gegeben, den Fortbestand des Sängerkreises Neckartal insgesamt zu hinterfragen.

Denn es gab dann nur noch neun angeschlossene Vereine: Eintracht 1912 Falken-Gesäß, Gemischter Chor Finkenbach, Liederkranz 1912 Gammelsbach, Eintracht/Sängerbund Hirschhorn (derzeit nicht aktiv), Sängerbund 1860 Neckarsteinach, MGV Liederkranz 1898 Ober-Hainbrunn, MGV 1911 Rothenberg, Sängerkranz Schöllenbach und MGV Eintracht-Liederkranz 1882 Sensbachtal.

Nach dieser Bestandsaufnahme wurde ab Herbst 2019 im Vorstand diskutiert, ob angesichts des Wegfalls dieser beiden Mitgliedsvereine und einer damit einhergehenden drastischen Reduzierung des belastbaren Personals (nicht zuletzt auch wegen der immer ungünstiger werdenden Altersstruktur) eine Wahrnehmung der Aufgaben im Sängerkreis überhaupt noch gewährleistet werden kann.

Angesichts der geringen Anzahl der verbliebenen Vereine und der Diversität ihrer Chorarbeit konnte zukünftig keine vereinsgerechte Förderung mehr angeboten werden, bedauert Menges. Auch die Ausrichtung von Veranstaltungen erwies sich als fast nicht mehr lösbare Aufgabe. So wurde die Auflösung zum 31. Dezember 2020 beschlossen.

Zum 1. Januar 2021 fanden vier Vereine im Sängerbund Odenwaldkreis (Falken-Gesäß, Finkenbach, Gammelsbach, Schöllenbach), drei im Sängerkreis Weschnitztal-Überwald (Sensbachtal, Rothenberg, Ober-Hainbrunn) und einer im Badischen Sängerbund (Neckarsteinach) eine neue Heimat. In Hirschhorn ruht derzeit der Betrieb.

Am 25. April vergangenen Jahres hätte es eine durch den MGV Sensbachtal organisierte Abschluss-Veranstaltung mit allen Vereinen geben sollen. Dabei wollte man auch zahlreiche Jubilare ehren. Pandemiebedingt wurden jedoch alle Planungen zunichte gemacht. So bleibt den Vereinen nun die Hoffnung, nach der Zeit der Gesangsabstinenz ein verspätetes Abschlussfest feiern zu können.

Straßensanierung zum Schloss verläuft wie geplant

Die Bauarbeiten zur Fahrbahnerneuerung auf der Straße zum Schloss Hirschhorn verlaufen laut Mittelung von Hessen Mobil weiter wie geplant. Die Asphaltschicht ab der Landesstraße L 3119 bis zum Besucherparkplatz wurde bereits fertiggestellt. Derzeit werden noch Arbeiten zum Einbau der Löschwasserzisterne im Bereich des Parkplatzes durchgeführt. In der letzten Woche war die Zisterne mit Wasser befüllt und der Untergrund verfestigt worden. In den kommenden Tagen wird nun die Baugrube aufgefüllt.

Die Löschwasserzisterne verfügt über ein Volumen von 100 m³ und kann damit ab sofort im Brandfall für Löscharbeiten zur Verfügung stehen. Voraussichtlich vom 9. bis 11. Dezember erfolgen dann die Asphaltarbeiten im Bereich des Parkplatzes. Bis etwa 18. Dezember schließen sich Bankett- und Restarbeiten an der Gesamtstrecke an.

Im Rahmen der Bauarbeiten erfolgt auf der Strecke eine Erneuerung und Verstärkung der Asphaltfahrbahn auf einer Gesamtlänge von rund 1,36 Kilometern sowie der Einbau einer Löschwasserzisterne über ein Volumen von 100 m³ im Bereich des Besucherparkplatzes. Der Einbau der Löschwasserzisterne erfolgte zeitweise parallel zur Fahrbahnsanierung.

Zur Sanierung der Fahrbahn wurde zunächst die Fahrbahndecke rund vier Zentimeter tief abgefräst, wurden tiefergehende Schadstellen instandgesetzt sowie Bordanlagen, Bankett und Entwässerung an die künftige Höhe angepasst. Anschließend erfolgt die Verstärkung der Straße durch den Einbau einer 14 Zentimeter starken Asphalttrag- und einer vier Zentimeter starken Asphaltdeckschicht.

Der instandgesetzte Streckenabschnitt beginnt an der Einmündung in die L 3119 (Hainbrunner Straße), verläuft von dort nach Norden, nach einer Kehre weiter nach Süden und endet am Schloss Hirschhorn. Auch die Einmündungen des die Strecke querenden Radweges muss im Zuge der Maßnahme vollgesperrt werden.

Besucher des Schlosses Hirschhorn haben während der Baumaßnahme die Möglichkeit, das Schloss über die Schlossstraße zu Fuß vom Marktplatz (Hauptstraße) aus zu erreichen. Die Wanderwege über den Schlossparkplatz zum Schloss sind weiterhin passierbar. Die Baukosten der gesamten Maßnahme belaufen sich auf rund 592.000 Euro und vom werden Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) getragen.

Foto: Michael Gärtner GmbH/Amiblu Holding GmbH

Musik als eine andere Art des emotionalen Ausdrucks

Mümling-Grumbach/Sandbach. Die Entstehung des Bandnamens ist einigermaßen kurios. „Wir hatten gerade unseren Proberaum etwas vergrößert“, erzählt Sänger und Rhythmus-Gitarrist Tobias Körbel. Auf dem Weg zu einer kleinen Feier sahen die vier Bandmitglieder dann am Straßenrand eine ausrangierte Couch. „Die hat uns so gut gefallen, dass wir sie in den Proberaum geschleift haben.“ Da das Sofa von Oma Helene stammt, „heißen wir seitdem Helens Couch“, lacht er. Seine Musik beschreibt das Quartett als eine Art Hard-Rock-Punk.

Die Gründungsstunde von „Helens Couch“ schlug aber schon vorher – nicht auf einer Couch, sondern  auf einer Dorffeier. Zu späterer Stunde „hatten wir die Idee, doch mal alle zusammen Musik zu machen“. Gesagt, getan. Neben dem 24-jährigen Tobias sind aus Mümling-Grumbach noch Schlagzeuger Yannik (23) und Lead-Gitarrist Johannes (22) sowie aus Sandbach Bassist Tizian (25) dabei. Zuerst wurde eher gecovert, später wandte sich das Quartett eigenen Songs zu.

Alle sind auf unterschiedliche Weise zur Musik gekommen. Yannik sah im Musikunterricht mal ein Schlagzeug stehen sehen und fand das so cool, dass er seine Eltern dazu überredete, damit anfangen zu dürfen, erzählt sein Bandkollege. Johannes bekam zu Weihnachten das Playstation-Spiel „Guitar Hero“ geschenkt und fing mit dem Sechssaiter an. Denn eigentlich hatten seine Eltern zuerst andere musikalische Pläne mit ihm.

Tizian wiederum besuchte schon mit zwei Jahren die musikalische Früherziehung und startete in der Grundschule mit dem Klavierspiel. Später kam er dann in seine „Metal-Phase“, in der er auch E-Gitarre erlernte. Bass spielt er eigentlich erst, seitdem er in der Band eingestiegen ist. Tobias‘ Anfänge liegen bei der Akustik-Gitarre. Später wurde daraus die verstärkte Variante, „weil ich Punk einfach viel cooler fand, als mit Mama Musik zu machen“, erzählt er lachend. Dann begannen auch die ersten „Mit-Sing-Versuche“.

Als nach der Bandgründung vor vier Jahren die ersten Auftritte auf einer Kerb eintrudelten, „haben wir gemerkt, dass live zu spielen uns allen riesigen Spaß macht“, schildert Tobias den Werdegang. Dafür mussten die vier aber ordentlich proben. „So haben wir uns dann stetig weiterentwickelt“, erläutert er. Mit Erfolg. Von den Kerben ging es mittlerweile auf Bühnen bis nach Frankfurt. Bei Bandcontests gab es bereits schon viel Lob – bei Emergenza schafften es die Odenwälder als bestplatzierte Rock-Band in die nächste Runde.

Jeder Musiker hat so seine großen Vorbilder. Für Yannik sind es definitiv die „Foo Fighters“. Er hört mittlerweile am liebsten punkige Sachen, eher in Richtung Pop-Punk. Bei Johannes stehen „Linkin Park“, „Rise Against the Machine“ und die Ärzte ganz oben auf der Hitliste. Er ist ein Fan von Hard Rock, Metal (vor allem New Metal und Metal Core) und hört gerne das ein oder andere Punk-Lied.

Tizian nennt Thomas Bergersen und „As I Lay Dying“ als Top-Acts. Er beschäftigt sich viel mit Soundtrack-Musik und hört dazu noch gerne Death Metal. Tobias erwähnt zusätzlich noch „Blink 182“, besonders den langjährigen Sänger und Gitarristen Tom DeLonge. Er hört relativ viel Punk und Pop-Punk, aber in letzter Zeit auch immer mehr Metal Core.

Live-Auftritte sind für die vier das „absolute Highlight“. Das gibt Emotionen, Stimmung und auch einfach Nervenkitzel, den man sonst nirgends findet. Wenn Besucher die Lieder mitsingen, die Musiker einen „Mosh-Pit“ sehen oder sie die Zuschauer zu einer „Wall of Death“ auffordern, ist es „das Beste, was es gibt“.

Dazu kommt natürlich noch, dass Musik zu machen „eine andere Art des emotionalen Ausdrucks ist“, erklärt Tobias den Reiz. „Wir alle packen unsere Gedanken, Probleme, Hoffnungen und Ängste in die Songs rein.“ Man kann einfach seinen Gefühlen Ausdruck verleihen und Geschehnisse auf seine eigene Art und Weise verarbeiten. Als Band zu spielen, ist seinen Worten zufolge auch deswegen klasse, „weil aus vier Individuen eine Einheit wird, die zusammen echt geile Musik macht“.

„Unsere Musik ist laut“, grinst der Sänger und Gitarrist. Gespielt wird nichts, das leise von der Bühne trällert, sondern es gibt Feuer. Die „Mitmach-Teile“ kommen immer gut an. Die Gäste müssen damit rechnen, „dass zwischen den Liedern auch einiges an Dumm-Gebabbel kommt“,  meint er schmunzelnd. Aber bisher nahmen die das alles klaglos hin.

Vor der Corona-Pandemie hatte die Band das Gefühl, dass es langsam richtig mit der Karriere losgeht. Für März und April waren innerhalb von zwei Monaten sechs feste Auftritte geplant. „Das Ding sollte scheinbar so langsam wirklich ins Rollen kommen.“ Doch nun wurden die vier, wie fast alle Künstler der Musikbranche, „ganz schön zurückgeworfen“.

Alle Konzerte wurden abgesagt, teilweise mittlerweile sogar mit der schlechten Aussicht, dass sie auch 2021 nicht stattfinden werden. Es gibt momentan so gut wie keine Möglichkeit irgendwo aufzutreten, beklagt Tobias. Dazu kommt, „dass unsere Musik keine ist, bei der man sich mit 1,50 Meter Abstand auf einen Schaukelstuhl setzt und lauscht“, weiß er.

Aufgrund der aktuellen Lage kann die Band nicht beurteilen, wie’s weiter gehen soll. Die vier Studenten wollen sich jetzt darauf konzentrieren, neue Songs zu schreiben, eventuell ein paar aufzunehmen und zu veröffentlichen. Ein Lied befindet sich gerade in Produktion. „So werden wir versuchen irgendwie durch die Pandemie zu kommen, um dann, wenn wir wieder live spielen können, perfekt vorbereitet zu sein“, hofft Tobias.

Mehr unter www.facebook.com/helenscouch.band/ oder http://www.backstagepro.de/helens-couch

Der „Rocket Man“ geht ab wie eine Rakete

Was hat der Mann für eine Wahnsinns-Stimme. Sein Name: Andreas Kümmert. Klingelt’s? Der Unterfranke gewann 2013 die damalige dritte Staffel von „Voice of Germany“. Danach verschwand er zwischenzeitlich aus gesundheitlichen Gründen in der Versenkung. Und jetzt ein denkwürdiges Konzert auf der Kulturbühne, bei dem sich der 34-Jährige als eine solche Blues-, Rock- und Soulröhre zeigt, dass einem fast der Mund vor Staunen offen stehen bleibt.

Wer kann schon von sich behaupten, einen Songs besser zu performen als das Original? Kümmerts Meisterstück von 2013, seine Version von Elton Johns „Rocket Man“, glänzt durch die eindringliche Performance und die phänomenale Stimme, die viel mehr Substanz und Power hat als die des Briten. Da geht der Rocket Man wirklich ab wie eine Rakete, kommt der „Rock“ im Titel absolut zu seinem Recht.

Kümmert tut gut daran, möglichst viel Zeit des Konzerts der Musik zu widmen. Ein volles Bluesrock-Brett, groovende Soul-Nummern oder krachende Hardrock-Ausflüge werden immer von seiner über ein paar Oktaven ragenden Stimme getragen. Was er zwischen den Songs allerdings von sich gibt, ist etwas gewöhnungsbedürftig. Da wäre weniger mehr und er würde sich eher Fans damit machen.

„The Voice of Rock“ nennt sich der ehemalige Deep-Purple-Sänger und -Bassist Glenn Hughes. Allerdings sind dessen besten Zeiten vorbei. Kümmert tritt mit ein paar Songs in Hughes‘ Fußstapfen, wenn er tief röhrt, gleichzeitig aber auch die hohen Töne problemlos schafft. Immer dann, wenn er alte Klassiker interpretiert, scheint sein Faible für die Musik der 60er und 70er Jahre durch. Denn diese Songs lebt er förmlich, zelebriert sie mit jeder Pore, geht ganz in ihnen auf.

Das eine ist sein Gesang, das andere sein Gitarrenspiel. Da merkt man, dass er schon als 13-Jähriger begann, sich den sechs Saiten zu widmen. Epische Soli in bester Blues- und Hardrock-Manier zeichnen die Lieder aus. Das Ganze im Zusammenspiel mit seinem Sidekick, dem Leadgitarristen Stefan Kahne. Wie beide sich die Saitenbälle zu werden, sich mit der Leadgitarre abwechseln, mal die Twin Guitars à la Wishbone Ash auspacken oder auch ein Battle liefern, ist große Klasse.

Asbjörn Gärtner am Bass und Michael Germer am Schlagzeug ist ebenfalls die große Spielfreude an diesem Abend anzumerken, auch wenn die Fans vor der Kulturbühne überschaubar bleiben. Aber die gehen umso mehr ab, wenn Kümmert sich entweder die Seele aus dem Leib singt oder wahlweise in ausufernden Gitarren-Exzessen mit Kahne fast verliert.

„Harlekin Dreams“ heißt sein aktuelles Album, mit dem er so langsam wieder auf Tour geht. Erschienen kurz vor dem Lockdown, konnte er es bisher kaum vermarkten, was er nun umso eindringlicher nachholt. Sind Kümmerts Cover eher roh, ungeschliffen, jammig, kommen die eigenen Stücke auf der CD etwas glattgebügelter, eingängiger daher, aber natürlich mit dem Fokus auf der außergewöhnlichen Stimme.

Im gefälligen „Milk“, der Midtempo-Nummer „Something in my Heart“ oder dem autobiografischen „Been down so long“ hat der Sänger und Gitarrist auch seinen eigenen Werdegang mit verarbeitet. Er war ganz unten, rappelte sich aber wieder auf und singt jetzt alles in Grund und Boden. Manches klingt ein wenig nach der Blues-Ära des legendären Gary Moore, während der Shouter anderswo die legendären Blues-Größen aus Chicago perfekt interpretiert.

Es ist schwer, auf den „Rocket Man“ noch einen draufzusetzen. Aber die Band hat als Zugabe noch ein besonderes Schmankerl in petto: Kümmert knallt „This is a mans‘ World von James Brown derart raus, dass man sich wieder fragen muss, wieso solch ein Sänger nicht viel mehr Beachtung erfährt. Aber Kümmert kümmert es scheinbar wenig, was andere von ihm denken, wenn man seine Worte zwischen den Songs heranzieht. Also am besten in dieser Zeit Ohren zu und dann wieder aufmachen, wenn er losröhrt.

„Summer of 69“ zum Schluss des Sommers 2020

Bryan Adams hat unzählige Hits geschrieben. Spätestens seit Mitte der 80er Jahre ist er mit „Run to you“ oder „Summer of 69“ nicht mehr aus dem Playlists wegzudenken. Dass von über 20 Songs eigentlich jeder im Ohr hängen geblieben ist, zeigt der Auftritt der „Adams Family“ auf der Kulturbühne des Hüttenwerks Michelstadt. Die fünf Musiker um Sänger und Gitarrist Bobby Stöcker widmen sich dem vielschichtigen Lebenswerk des Kanadiers.

Der hat viele Facetten. Es ging Anfang der 80er Jahre ziemlich rockig los, auch wenn Adams eher als Meister der radiotauglichen Rockballade bekannt ist. „Heaven“ ist das beste Beispiel dafür. „Kids wanna rock“ andererseits haut so richtig rein und zeigt, dass er durchaus losfetzen kann. „Reckless“ hießt die erfolgreichste Scheibe von Adams, die inzwischen 36 Jahre auf dem Buckel hat. Von der gab es gleich sieben Songs zu hören, die sich allesamt in den Gehörgängen eingenistet haben.

„Somebody“, „One Night love affair“ und „It’s only Love“. Die Gäste haben nur darauf gewartet, um wie bei anderen Stücken auch lautstark mitzusingen. Die Adams Family, vor knapp 20 Jahren gegründet, unternimmt beim Konzert ein vielumjubelten Streifzug durch das Schaffen des 59-jährigen Ausnahmemusikers. Willy Wagner (Bass), Jürgen Lucas (Drums), Heiko Elger (Rhythmusgitarre) und Axel Balke (Keyboards) setzen neben Stöcker die vielen Hits perfekt in Szene.

Aus dem MTV-Unplugged-Set gibt’s nach der Pause gleich vier Lieder zu hören. Das bekannte „Heaven“ macht sich natürlich in dieser Variante besonders gut, aber auch „Straight from the Heart“ rührt das Herz. Dass Bryan Adams sogar mal einen Country-Ausflug machte, zeigt „I think about you“.

Stöcker zeigt dabei seine große Wandlungsfähigkeit. Am einen Abend spielt er Soul und Funk mit „Spirit of Soul“, am nächsten dann Softrock und in die Vollen geht’s mit „Coversnake“, seiner Whitesnake- und David Coverdale-Coverband. Letztere ist für ihn musikalisch am anspruchsvollsten, erzählt er. Außerdem ist er genau mit der Musik aufgewachsen. Sein Herz hängt aber an „Spirit of Soul“, die er vor 20 Jahren gründete. „Das ist mein Baby“, meint er stolz.

„Du singst wie Bryan Adams“, sagte ein Bekannter Anfang der 2000er-Jahre mal zum Groß-Umstadter. Der ließ das nicht einfach so stehen, sondern hörte genauer ins Werk des Kanadiers rein, von dem er vorher nur die Hits kannte. „Ich bin dabei geblieben“, schmunzelt Stöcker im Rückblick. Die begeisterten Fans danken es ihm.

Inzwischen hat der Hans Dampf an allen Gitarren zehn Cover- und Tribute-Bands am Laufen. „Ich bin an den Aufträgen gewachsen“, berichtet er. „Groove Control“ bietet einen Querschnitt der bekanntesten Rockklassiker, „Bobby & Friends“ bedient die akustische Schiene. Anfragen, ob er nicht mal was von der einen oder anderen Band spielen könnte, führten unter anderem dazu, dass sich weitere Tribute-Projekte entwickelten. „Ich decke alles ab, was Spaß macht“, lacht er.

Überschneidungen gibt’s dabei keine, sagt Stöcker. Jede Band bedient eine andere Klientel, eine andere Zeit, einen anderen Stil. Im Sommer ist er mehr auf Firmenevents und Feiern unterwegs, im Winter stehen dann Konzerte mit Tribute-Bands in Clubs an. Durch den großen Künstlerpool mit Musikern aus der Rhein-Main-Region „sind wir flexibel aufgestellt“, erzählt er.

Wie viel Songs er drauf hat? Da kommt der Groß-Umstadter ins Grübeln. Mehrere hundert, wenn nicht sogar Tausende, schätzt er. Auf der Gitarre sowieso auswendig, textlich muss er manchmal reinschauen – gerade wenn jetzt eine Band wie „Adams Family“ fast ein Dreivierteljahr nicht zusammenspielte.

Bryan Adams arbeitete viel und gern mit anderen Musikern zusammen. Auf „When your’re gone“ etwa mit Mel C., die an diesem Abend von Michi Tischler verkörpert wird. Das Duett hat Drive und gibt dem Song Pepp. Der „Summer of 69“ als Zugabe fetzt nochmal richtig los, ehe mit der Robin-Hood-Soundtrack-Schmuseballade „Everything I do“ der Abend leider zu Ende gehen muss.

Fetzige Musik mit viel Spirit und Soul

Ordentlich Spirit bringen die elf Musiker aus dem Rhein-Main-Delta in den Odenwald. „Spirit of Soul“ nennt sich die Truppe um Tausendsassa Bobby Stöcker, die weit über zwei Stunden die Besucher der Kulturbühne Michelstadt mit „The Finest of Black Music“ begeistert. 600 bis 800 Gäste sind es jedes Mal, die den Frankfurter Südbahnhof bei den etatmäßigen Gastspielen ausverkaufen. Ein Teil davon war jetzt auch nach Michelstadt gekommen.

„Spirit of Soul“ gibt es jetzt genau 20 Jahren. „Das ist unser Jubiläum“, freut sich Stöcker. Das aber durch die Corona-Pandemie gründlich vermiest wurde. Denn der Auftritt im Odenwald „ist der erste Auftritt der Formation seit dem Lockdown“, erzählt er. Umso hungriger waren die Musiker darauf, endlich wieder live performen zu dürfen.

Während der ersten 15 Jahre des Bandbestehens nur auf Firmenevents aktiv, erspielte sich „Spirit of Soul“ seit 2015 einen großen Bekanntheitsgrad im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus. Warum, zeigte sich von Beginn an auf der Kulturbühne. Die vier Frontleute wissen, wie man das Publikum animiert und bringen ihre Freude an der Musik rüber. Auch wenn natürlich Abstand gehalten muss, waren schnell die ersten am Mitklatschen, Mitwippen und später Mittanzen.

Für die eingefleischten Fans „produzierten wir eigens eine Live-CD mit fünf eigenen Songs“, erzählt Stöcker. Die wird unter dem Titel („20 Years Spirit of Soul live“) unters Volk gebracht. „Dann kam Corona und zerstörte uns dieses Jubiläumsjahr“, ärgert er sich. Das Gastspiel in Michelstadt dürfte angesichts der begeisterten Fans eine Entschädigung dafür gewesen sein, dass in Frankfurt nichts geht und sicherlich bis Jahresende nichts in der bisherigen Form gehen wird.

Ron Jackson, Derrick Alexander und Myk Snow bilden das Sänger-Trio aus den USA, das sich abwechselnd die Bälle am Mikrofon zuwirft und sich mit der Lead-Stimme bei den Songs abwechselt. Normalerweise ist auch Leah Jones mit dabei, aber die sitzt derzeit in den USA fest. Für sie sprang Another-Livetime-Frontfrau Michi Tischler ein und zeigte nach ihrer kürzlichen Teilnahme am Schlagernachmittag wieder einmal ihre Wandlungsfähigkeit.

Ron Jackson hat genau die richtige Stimme für „Kiss“ von Prince. Mit seinem Falsett bringt er den Song fast originalgetreu rüber. Zuvor hatte Tischler „Super Duper Love“ geschmettert, das durch Joss Stone bekannt geworden war. Motown, Disco, Soultrain, Rhythm & Blues, Hiphop und Soulklassiker: Sie alle werden durch die hochkarätigen Begleitmusiker zusammengehalten.

Bobby Stöcker verleiht manchen Songs durch seine Soli ein fast rockiges Gewand. Des Öfteren ist spürbar, wo seine musikalischen Wurzeln liegen. Mit Jürgen Lucas (Drums), der ebenfalls gerne den Hardrocker raushängen lässt, spielt er auch bei einigen anderen Formationen zusammen. Ein ums andere Mal macht außerdem die Bläsersektion auf sich aufmerksam.

Vor allem Christian Falke am Saxophon zaubert einige tolle Soli. Geppi Schmidt (Trompete) und Stephan Schlett (Posaune) sind daneben für einen fetten Sound zuständig. Frieder Gottwald (Bass) und Jimmy Cee (Percussion) komplettieren an diesem Abend das Line-up. Sie sorgen für ein imposantes Bild einer bis auf die letzten Ecke besetzten Bühne und super Stimmung.

Der Funke ist schon übergesprungen, kaum dass die Truppe begonnen hat. Gerade im ersten Set hagelt es nur so bekannte Stücke. Bei „Let’s groove tonight“ sorgt Lucas am Schlagzeug für den genannten. „Soul Man“, bekannt aus „Blues Brothers“, kracht so richtig rein und macht Lust auf viel mehr. Myk Snow röhrt den Klassiker prächtig raus.

Starken Frauen hat sich Michi Tischler verschrieben. Sei es „Ain’t nobody“ von Chaka Khan oder „Baby Love“ von Mother’s Finest und als Highlight Tina Turners Welthit „Simply the Best“, abgerundet durch ein Saxophon-Solo: „Spirit of Soul“ bringen ganz ganz, hochklassige Musik in den Odenwald, die sonst hier nicht zu hören ist. Das setzt sich nach der Pause mit „Ride Like The Wind“,  „Intoxicated“, „Uptown Funk“ und „Sexmachine“ fort.

 

Ein Comedian, der mehr singen sollte

Seine stärkten Momente hat Andy Ost auf der Kulturbühne vor dem Michelstädter Hüttenwerk dann, wenn er sich bekannte Songs vornimmt, denen einen neuen Text mit einem Thema verleiht, das er vorher angerissen hat und dann auf Keyboard oder Gitarre loslegt. Denn der Hanauer ist nicht nur Comedian, sondern auch ein begnadeter Sänger. Dazu noch hat er Sangesgrößen parodistisch klasse drauf.

Das Publikum ist an diesem Abend überschaubar, macht das aber durch Begeisterung wett. Außerdem hat’s ein paar eingefleischte Ost-Fans gen Süden gezogen, bei denen es nicht viel braucht, damit sie aus dem Kichern nicht mehr rauskommen. Das ist schon zu bemerken, wenn der bald 40-Jährige einen auf Herbert Grönemeyer macht – oder besser es erst einmal nur versucht.

Wenn der Comedian die ersten typischen Laute anstimmt, kommt nicht nur er ins Lachen, sondern auch etliche andere – was dazu führt, dass der Song erst mit einiger Verspätung starten kann. Aber dann: Grönemeyers „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist“ dichtet Ost um in ein Stück über eine Veganerin: „Sie macht Musik nur, wenn sie Kraut isst.“

Das zeigt, wohin die abendliche Reise in Michelstadt geht. Der Hanauer hat die klassischen Themen drauf: Früher war alles besser, die Zipperlein des Alterns, die Probleme des Mannes mit der unbekannten Welt des Putzens – und logischerweise darf der kulturelle Lockdown nicht fehlen, in dem er überhaupt erst auf diese Ideen kam.

Überhaupt: Was Gutes muss Corona ja auch haben: Die Feier zum 40. Geburtstag fällt aus. „Alles hat sich so krass geändert“, meint er im Rückblick auf die 20er. Die Leute werden immer seltsamer. Was in einer Aufzählung der vielen neuen hippen Bier- und Weinsorten endet, wo es früher zum Geburtstag nur einen Kasten Oettinger gab – für jeden. Das gerät in Summe teilweise etwas länglich.

Zum Aufhorchen wird’s dann, wenn Andy Ost nach seinem wortreichen Lamento zum Instrument greift. Er besingt kraftvoll frei nach Udo Jürgens die schlimme Zeit nach dem Besäufnis, als seine Frau ihn schon um 14.30 Uhr am nächsten Tag zur Hausarbeit verdonnert. Und wegen der fortgeschrittenen Alters sind die Nachwirkungen schlimmer als ein Männerschnupfen – das sagt schon alles.

Der Comedian ist auf der Bühne immer in Bewegung. Interaktion mit den Fans, auch wenn sie nicht in Massen gekommen sind, wird bei ihm groß geschrieben. Kommt mal ein Gluckser aus dem Publikum oder kriegt sich einer vor Lachen nicht mehr ein („Ist das jetzt ein Asthma-Anfall?“), steigt er drauf ein.

Männer und Aufräumen? Fast so ähnlich wie Männer und Romantik. Dreckige Hemden sehen dann gut aus, wenn man sie neben noch dreckigere legt. Geschirr schimmelt nicht, wenn man es in die Tiefkühltruhe legt. Diese und andere Tipps für Putzmuffel hat Ost für seine Artgenossen parat, ehe er dann mit dem dazu passenden Song rausrückt, für den er sich eigentlich die Vorrede hätte sparen können.

Wenn Jon Bon Jovi (oder „Schon bon Schovi“ aus Büttelborn) mal schlecht bei Stimme sein sollte, kann er den Hessen als Ersatz buchen. Wenn Ost erzählt, hört man zwar den heimischen leichten Singsang raus, singt er aber seine Parodie auf „Bed of Roses“, bleibt der Mund offen stehen. Zwar weiß Ost nicht, „wo mei bleedi Hos ist“, aber er knallt das stimmlich so raus, dass man sich wünscht, er würde mehr von der Sorte bieten.

Stattdessen geht’s in die Kochuntiefen mit Horst Lichter, dem der Comedian (zu) viel Platz im Versuch der natürlich zum Scheitern versuchten Nachahmung gibt. Die auf Erbsengröße geschrumpften Blumenkohlröschen, die er mit dem Lieblingsschraubenzieher aus dem Topf meißeln will, brennen sich ins Gedächtnis ein.

Männer und Beinenthaarung: Das geht ins Mark. Ein jammernder Udo Lindenberg, weiß, wovon er nuschelt: „Ist das Wachs erst ab, brennt’s weiter, dieser Schmerz geht so tief rein, ich verlier mein linkes Bein.“ Klasse. Mit diesen Parodien hätte Ost gern seinen gesamten Auftritt bestreiten dürfen.