Huldigung der „Queen of Soul“

Was für eine Huldigung der „Queen of Soul“. Mit Jessica Born, Ina Morgan und Isabella Hof haben sich in der „Aretha Franklin Tribute Night“ drei Ausnahmesängerinnen aus dem Aschaffenburger Raum zusammengetan, um der vor eineinhalb Jahren gestorbenen Ausnahmekünstlerin Tribut zu zollen. Heraus kommt ein hochkarätiges Programm mit exzellenten Instrumentalisten, das durchaus ein paar mehr Zuschauer im Hüttenwerk Michelstadt  vertragen hätte.

„Son of a Preacherman“ geht nach dem Einstieg gleich in die Vollen. Hof, Gewinnerin des deutschen Rock- und Pop-Preises 2000, die bereits mit Rodger Hodgson (Supertramp) und John Davis (Milli Vanilli) zusammenarbeitete, zeigt hier gleich, warum sie eine so begehrte Künstlerin ist. Mal solo, mal zu dritt, mal mit einer Lead- und zwei Backgroundstimme, bestreiten die drei ihr Programm.

„Say a little Prayer“ sieht Ina Morgan den Song röhren, während sie die anderen beiden im Hintergrund unterstützen. Sie macht deutlich, dass sie zurecht deutschlandweit als Sängerin sehr gefragt ist und schon mit etlichen Größen der Szene auf der Bühne stand. Andy Kirchner (Gitarre), Gernot Dechert (Saxophon), Jörg Dewald (Keyboard/Vocals), Bernhard Kraft (Bass) und Martin Geiberger (Schlagzeug) sorgen für einen dichten Soundteppich, immer dirigiert von den drei Frontfrauen. Besonders Saxophon, Gitarre und Keyboard tun sich außerdem mit schönen Soli hervor.

Jessica Born ist an diesem Abend federführend für die Balladen zuständig. „Ain’t no way“ jagt einen Schauer nach dem anderen über den Rücken, wenn sie mit ihrer Janis Joplin angehauchten Stimme den Song förmlich zelebriert und ihren Schmerz mit Inbrunst herausschreit. Born ist einfach prädestiniert für die Blues- und Soul-Stücke, denen sie ungeheuer viele Emotionen mitgibt.

Ein paar langsame Stücke zu Beginn sind allerdings ein bisschen viel, sie ziehen die Stimmung gerade bei weniger Publikum ein wenig runter. Langsam geht’s dann wieder aufwärts. Erst die Disco-Nummer „Who’s zooming you“ und dann Aretha Franklins Meilenstein schlechthin: der Nummer-eins-Hit „Respect“, die Hymne der afroamerikanischen Befreiungs- und Frauenbewegung. Isabella Hof geht voll aus sich raus. Es kommt Bewegung in den Saal. Rechts wird schon kräftig getanzt, links zumindest zaghaft der Kopf bewegt.

Gegen Ende des ersten Sets kommen dann Kracher auf Kracher. Ina Morgan ist für „Spanish Harlem“ zuständig, ehe der Welthit aus dem Blues-Brothers-Film den vorläufigen Höhepunkt bildet: „Think“ mit Jessica Born, der dieses Stück wie auf den Leib geschrieben ist. Sie hat einfach am meisten Feeling in der Stimme, ohne die Leistung der beiden anderen schmälern zu wollen.

Dass Abrocken extrem viel Spaß macht, zeigen die drei bei „Jumping Jack Flash“ in der Version von Aretha Franklin. Isa Hof gibt die Vorsängerin, während Andy Kirchner ein Keith-Richards-Solo mit Angus-Young-Bewegungen runterrotzt, dass es eine Freude ist. In die zweite Halbzeit geht es mit weiteren Knallern des 1942 in Memphis, Tennessee, geborenen Weltstars Franklin.

„Chain of Fools“, „Natural Woman“, „I necer loved a Man“ oder „Sisters are doing it for themselves“ bilden einen bunten Querschnitt des Schaffens der 18-maligen Grammy-Gewinnerin. Kein Wunder, dass die Fans nicht genug bekommen und sich auch in kleinerer Zahl mit „Do right“ und „Baby I love you“ Zugaben erklatschen. Eine große Hommage an eine unvergessene Künstlerin, die mit 76 Jahren viel zu früh starb.

Teufelsgeiger Roesch reißt es raus

Wenn „Teufelsgeiger“ Dominik Roesch loslegt, ist Pfeffer drin. Seine klaren, vollen Geigentöne geben den Songs des Folk-Trios „Garden of Delight“ Schmackes, wo es sonst nur  Hausmannskost wäre. Aber irgendwann fällt auf, dass sich auch Roeschs Künste erschöpfen. Denn er bestreitet jeden Song mit einer einzigen Melodie, die er bis zum Exzess wiederholt. Das zwar in Perfektion, aber selbst die schönste Perfektion nutzt sich irgendwann ab.

Trotzdem ist es Roesch, der den Auftritt ein ums andere Mal rausreißt. Was ohne ihn im Hüttenwerk Michelstadt nur monotones Schlagzeug von Philip Möke, gepaart mit austauschbaren Riffs auf der akustischen Gitarre und einer sonoren Stimme von Michael Jung wäre, wird so zu einer fetzigen Mischung aus Folk, Piratenstücken und Country. Mit der unterhält die Gruppe, die sich selbst G.O.D. abkürzt, das sehr gut gefüllte Hüttenwerk bis weit in die Nacht. Die Gäste gehen mit, spenden kräftig Applaus, tanzen im Saal.

Was „Garden of Delight“ um Sänger und Gitarrist Michael Jung aus Lautertal bietet, sind somit gute musikalische Folk-Zutaten, angereichert keltischen Elementen, ergänzt um ein paar Country-Songs, gewürzt mit Piraten-Zutaten und aufgepeppt mit Best-Of-Sprengeln aus 20 Jahren Bandgeschichte.

Das alles kommt ein wenig austauschbar rüber. Das Schlagzeug ist absolut minimalistisch und oft auf zwei Handbewegungen beschränkt. Die Riffs der akustischen Gitarre gleichen sich. Bleibt die prägnante Geige von Roesch, die zum Glück immer wieder für ein Aha-Erlebnis sorgt. Kein Wunder, dass die Gäste richtiggehend aufwachen und mitklatschen, wenn der Derwisch auf der Bühne sie zückt.

Allerdings lässt die einen gewissen Sicherheitsabstand zu den Musikern, der sich lange nicht schließt. Dazu ist die Animation zu dürftig. Weiter hinten hüpfen, tanzen, klatschen die Leute. Der Geiger macht es ihnen in Vollendung vor.

Roesch ist immer in Bewegung, schwingt den Geigenbogen, springt selbst beim Spielen, kann nicht ruhig stehen. Er lebt seine Musik, bringt seine Begeisterung rüber, versucht immer mal wieder das Publikum zu animieren. Wenn er die Geige an den Hals legt und zu spielen anfängt, taucht er völlig in seine Welt ab. Der Geiger ist das musikalische Sahnehäubchen. Er holt die unglaublichsten Töne aus seinem Instrument heraus und singt noch dazu Background.

Mit ihm wird es fetziger Celtic Folk, wo es vorher ohne Geige und mit zweiter Akustik-Klampfe nach gemächlichem Country auf einem staubigen US-Highway klang. Wenn Roesch dann noch neckisch das Keltenröckchen hebt oder einen kräftigen Sprung hinlegt, dass die Kleidung fliegt, erntet er viel Begeisterung.

Über 20 Jahre gibt es Garden of Delight oder G.O.D. bereits. Beste Bedingungen für ein Best-Of aus dieser Zeit, garniert mit ein paar prägenden Songs, die die Musiker oder zumindest Michael Jung während zwei Jahrzehnten beeinflusst haben. Folk, Country und Gothic nennt Jung als Einflüsse. Wenn dann „The Tramp“ aus dem ersten Album, der Piratensong „Go Sailing with us“ oder „Hopeless Rolling Stone“ angestimmt werden, geht es ab.

 

Eine Huldigung der Besten

Sie ist einfach „Simply the Best“. Rock-Legende Tina Turner wird anlässlich ihres 80. Geburtstags im vergangenen Spätjahr allenthalben gewürdigt, unter anderem mit einem Musical und einer Musik-Show. Letztere begeistert jetzt im Mannheimer Rosengarten alle Fans von acht bis 80 – wobei die älteren, die den Superstar noch aus ihren Jugendjahren kennen, eindeutig in der Überzahl sind.

Sie alle eint die Begeisterung über die Darbietung, was wesentlich mit Tina-Darstellerin Dorothea „Coco“ Fletcher zu hat. Die fegt ab Mitte des ersten Sets mit einer Urgewalt über die Bühne und reißt das Geschehen an sich. Flechters Bühnenpräsenz sorgt dafür, dass nach einem etwas zähen Beginn, der chronologischen Erzählweise geschuldet, immer mehr Bewegung in die Zuschauer kommt, die den Mozartsaal praktisch bis auf den letzten Platz füllen.

Vasti Jackson als cholerischer Ike Turner hinterlässt in der ersten Hälfte unter den Mitmusikern den größten Eindruck. Nur schade, dass von seinem nuschelnden amerikanischen Englisch so wenig im Zuschauersaal ankommt. Andreas Walter (Bass), Ilia Skibinsky (Saxophon), Doan Pham (Drums) und Michael Shand (Keyboard) sorgen für den fetten Hintergrund-Sound, der den bekannten Songs einen fetzigen Rahmen gibt.

Nicht zu vergessen die drei „Ikettes“ Della Miles, Sharlie Pryce und Meimouna Coffi. Deren Background-Gesang im Wechsel oder zusammen mit „Coco“ Fletcher ist das Salz in der Suppe und hebt die Blues-, Rock- und Soulstücke aus der Masse hervor, gibt ihnen den nötigen Drive und Pfeffer.

„Sweet Soul Music“, „Twist and Shout“ oder der Durchbruch „A Fool in Love“ sind treibende Uptempo-Nummern, die neben dem Klassiker „Nutbush City Limits“ so richtig Bewegung in die Menge bringen. Die Köpfe im Saal fangen an zu wippen, so mancher singt selig die alten Klassiker mit. Ike und Tina Turner verkörpern den souligen, bluesigen, mit Rock-Elementen versetzten Süden Amerikas, der keinen sillsitzen lässt.

Die Trennung von Ike Turner 1976 ist dann für Anna Mae Bullock, wie sie eigentlich heißt, ein großer Einschnitt. Die folgende Pause kennzeichnet in gewisser Zeitz die Durststrecke. Aber dann geht’s mit „Private Dancer“ richtig in die Vollen. Jetzt hagelt’s einen Hit nach dem anderen, was die Fans begeistert goutieren.

Das titelgebende „Simply the Best“, „What’s Love Got to Do With It“ oder „We Don’t Need Another Hero“ aus dem Mad-Max-Film: Der Stil ändert sich, wird poppiger, wie auch in „Golden Eye“ aus dem James-Bond-Film. Aber genau das ist es, was den richtigen, nachhaltigen Erfolg und die zeitlosen Hits bringt, die im Vergleich zu den früheren Stücken wirklich jeder kennt.

Die Besucher sind bei dieser Klassikerdichte völlig aus dem Häuschen. „Coco“ Fletcher hat eine phänomenale Stimme, die alle Facetten des großen Originals rüberbringt. Sie reißt die Fans auch durch ihre Bühnenperformance mit, hat die eckigen Bewegungen des Vorbilds drauf, wie man sie im Hintergrund auf der Leinwand ein ums andere Mal im Original sieht. Ein groß(artig)er Abend.

Verdiente Bürger beim Hirschhorner Neujahrsempfang ausgezeichnet

Kurz und knackig, aber trotzdem mit viel Inhalt: So wünscht man sich einen Neujahrsempfang. Der Hirschhorner in der Mark-Twain-Stube war ein Musterbeispiel dafür, wie eine solche Veranstaltung ohne Längen durchgezogen werden kann. Gerne nutzten die Bürger danach die verbliebene Zeit umso ausgiebiger, um im Foyer mit einem Glas Sekt auf 2020 anzustoßen sowie den Freunden und Bekannten ein gutes neues Jahr zu wünschen.

Derzeitige Mitglieder der Musikschule Hirschhorn umrahmten im Zusammenspiel mit Ehemaligen den Neujahrsempfang. Greta Böing, Michaela Elkenhans, Hannah Enger, Salome Kerle und Franz Lechner waren auf verschiedenen Instrumenten zu hören. Einführende Worte sprach Stadtverordneten-Vorsteher Harald Heiß. „Schon wieder ein neues Jahr, dabei hätte das alte noch für Monate gereicht“, gab er geflügelte Worte wieder.

Bürgermeister Oliver Berthold freute sich, dass der Neujahrsempfang wieder zum jetzigen Rahmen zurückgefunden hat. Der Beginn eines neuen Jahres sei mit Hoffnungen verbunden, meinte er. Allerdings wisse man, dass man nicht einfach den Reset-Knopf drücken könne. Er äußerte seine Hoffnung, in 2020 wieder gemeinsam viel für Hirschhorn erreichen zu können.

Die politischen Entscheidungen waren in 2019 nicht gerade die leichtesten, so der Bürgermeister. Aber trotz der Finanzknappheit habe man viele Dinge auf den Weg gebracht. Am Beispiel der Wasserversorgung machte er deutlich, wie langsam die Mühlen mahlen. Eigentlich sollte die Sanierung des Hochbehälters am Schloss schon längst gestartet sein, aber weil inzwischen drei Behörden involviert sind und dazu noch die Baubranche boomt, gibt es gravierende Verzögerungen.

Es darf nichts kosten, sollte am besten gestern geschehen sein, aber eigentlich darf gar nichts mehr aufgegraben werden, brachte er die Differenzen der Vorgaben von oben auf den Punkt. Berthold wies darauf hin, dass Wasser- und Abwassergebühren in Hirschhorn noch relativ günstig sind. „Wir müssen unsere Infrastruktur zukunftsfähig machen“, betonte er. In den nächsten Jahren seien dicke Bretter zu bohren.

„Wenn auch das tiefe Tal der Tränen durchschritten ist, so haben wir doch noch ein gutes Stück Weg vor uns“, schloss das Stadtoberhaupt. Nach der Absolvierung der Pflicht „können wir uns wieder der Kür widmen“, hoffte er. Traditionell werden beim Neujahrsempfang auch verdiente Bürger ausgezeichnet, was Berthold und Heiß zusammen vornahmen.

 

Bronzene Ehrennadel: Monika Feldmann und Marianne Heisner (Engagement in der Kleiderstube)

Silberne Ehrennadel: Harald Bohländer, Kurt Friedrich, Erwin Kumpf und Ernst Hofmann (langjährige Vorstandsarbeit im Bienenzuchtverein), Marianne Ammerl (Engagement für den Verein Obdach und Aufbau eine Buschschule in Kenia), Sylvie Méron-Minuth und Klara Weber (Engagement im Freundeskreis Hirschhorn/Chateau-Landon)

Goldene Ehrennadel: Karl Satter (über 25 Jahre in Funktionen bei der Freiwilligen Feuerwehr), Oliver Neuer (26 Jahre Schatzmeister bei den Hirschhorner Rittern)

Das Finkenbachtal bleibt abgehängt

Was sich im Ausschuss bereits abgezeichnet hatte, wurde in der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung Realität. Es wird keine Verbesserung auf der Buslinie 54 im Bereich der früheren Gemeinde Rothenberg mit den Finkenbachtal-Gemeinden geben. Denn die Mehrkosten dafür hatte die OREG auf 185.000 Euro beziffert. Sie wären von der Stadt zu tragen gewesen. Da diese aber kein Geld dafür hat, zog Horst Kowarsch von den initiierenden Grünen den Antrag zurück.

Kowarsch bezeichnete in seiner ursprünglichen Antragsbegründung die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen:  Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Laut OREG stellt der Nahverkehrsplan zunächst einmal nur die Grundversorgung sicher: nämlich den Schülerverkehr. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Das gibt es nach dem Fahrplanwechsel am Wochenende gar nicht mehr. Wenn es, wie im Antrag gewünscht, im werktags stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben sollte, müsste hier die Stadt einspringen.

Kowarsch regte an, dem ÖPNV-Ausbau im südlichen Odenwaldkreis ein besonderes Augenmerk zu schenken. „Wir müssen auch die Nebenstrecken fördern.“ Lediglich auf die Kosten zu verweisen, hielt er für ein „Totschlagargument“. Er hätte sich von der OREG Verbesserungsvorschläge und neue Ideen gewünscht. „Wenn wir unsere Region stärken wollen, brauchen wir die Verbindung zur S-Bahn im Neckartal“, betonte er.

„Wir fühlen uns da oben abgehängt“, brachte es Brigitte Heckmann (SPD) für die Höhenstadtteile Rothenberg und Kortelshütte auf den Punkt. Ihren Worten zufolge gibt es viele Verbindungen vom Nordkreis nach Bayern „und die bringen es nicht fertig, Busse nach Hirschhorn fahren zu lassen“, machte sie ihrem Unmut Luft.

Ihr Fraktionskollege, Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh, wies auf den Gleichbehandlungsgrundsatz hin. Oberzent müsse die Mittel dem Kreis zur Verfügung stellen, sonst entsteht ein Ungleichgewicht. In den vergangenen Jahren wurde im Kreis sehr viel in den ÖPNV investiert, meinte er. „Deshalb kann ich die Pauschalkritik nicht nachvollziehen“, so Holschuh.

Diskutiert wurden im Rund die Anbindungen an die Grenzregionen mit Eberbach und Hirschhorn, weil von dort die S-Bahn in die Metropolregion und nach Mosbach fährt. Der folgende Vorschlag von Bürgermeister Christian Kehrer fand bei allen Widerhall: „Warum formulieren wir nicht dem Kreistag das, was wir haben wollen“, meinte er. Landrat Frank Matiaske wird im Januar zur Vorstellung des Kreisentwicklungskonzepts in Oberzent sein. Dem könnte man Anregungen mitgeben.

Das Beratungs-Ergebnis sorgte vor allem bei den Mandatsträgern aus dem früheren Rothenberg für Frust, wie sich nach Ende der Sitzung beim gemütlichen Beisammensein zeigte. Linienverdichtungen im Nordkreis und eine neue Verbindung über Mossautal nach Grasellenbach wurden zum Anlass genommen, auf die Vernachlässigung des Finkenbachtals hinzuweisen. Dass im Kreis Bergstraße zwischen Wald-Michelbach und Hirschhorn als Grundversorgung unter der Woche ein stündlicher Takt eingerichtet wurde, war für viele ein positives Beispiel, wie es anders laufen könnte.

„D-A-D“ ist live eine Wucht

Dass die dänischen Hardrocker von „D-A-D“ live eine Wucht sind, hat sich herumgesprochen. Beim ersten Gastspiel in der Quadratestadt Mannheim füllen sie die Kolbenhalle fast bis in den hintersten Winkel. Und die Vorschusslorbeeren sind berechtigt. 19 Stücke, die meisten nur zwischen drei und vier Minuten lang, gibt’s auf die Ohren – was durchaus wörtlich zu nehmen ist.

Jesper Binzer (Vocals, Guitar), Stig Pedersen (Bass, Vocals), Jacob Binzer (Guitar) und Schlagzeuger Laust Sonne legen los, als gäbe es kein Morgen. Was sich auf der Platte noch etwas handzahm, dezent losgerockt präsentiert, kommt auf der Bühne mit dem vollen Brett rüber.

Natürlich steht das neue, hochgelobte Album „No prayer fort he Loud“ mit sechs Songs im Mittelpunkt, aber die vier Dänen bieten an dem Abend einen breiten Querschnitt des bisherigen Schaffens bis zum tiefen Griff in die musikalische Mottenkiste.

Die Charaktere könnten verschiedener nicht sein. Dort der hyperaktive Drummer Sonne, der stimmlich des Öfteren Sänger Jesper Binzer unter die Arme greift. Der mit seiner Reibeisenstimme als Bon-Scott-Wiedergänger hat wohl auf der Tour das eine oder andere Mal zu viel mit Reißnägeln gegurgelt und kommt aus dem Krächzen gar nicht mehr raus.

Stig Pedersen hat eindeutig einen Bass-Fimmel. Seine Instrumente haben zumeist schräge Designs, er muss zuhause den ganzen Keller damit vollstehen haben. Leider bestreitet er bei zwei Liedern auch den Lead-Gesang. Muss man nicht haben… Der einzig „normale“ in der Truppe scheint Gitarrist Jacob Binzer zu sein, der mit schöner Regelmäßigkeit griffige, melodiöse Soli liefert, die eine Vielzahl von musikalischen Einflüssen in sich vereinen.

Etwas Punk, dann wieder Southern Rock, eine Prise Country, gepfeffert mit Western, eine kräftige Dosis Hardrock und ein Schlag Heavy Metal: Fertig ist die spezielle Melange, mit der die Band zu begeistern weiß.  Die Stücke aus der vorhergehenden D-A-D-Scheibe „Riskin‘ it all“ präsentieren sich irgendwie griffiger, eingängiger als die neue rohe, rockig-rotzige Aufnahme. „Grow or pay“ ist ein gutes Beispiel dafür, wenn die Meute wie ein Mann mitsingt. Die Dänen fetzen. Aber irgendwo bei Stück 14 oder 15 wird’s aber dann austauschbar. Die Riffs gleichen sich, die Töne auch.

 

Vorweihnachtliche Stimmung im Hirschhorner Langbein-Museum

„Es war so schön bei euch“ lautete das Urteil der Besucher, die von der Einladung ins Langbein-Museum Gebrauch gemacht hatten. Der Freundeskreis Langbein’sche Sammlung hatte eingeladen zu einem vorweihnachtlichen Event unter dem Motto „Wie’s frieher emool war  …“. Im weihnachtlich geschmückten Museum verbreiteten die Frauen vom Spinnzirkel Friedrichsdorf gemütliche Gelassenheit. Christa Haas und Gisela Reinhard saßen in Odenwälder Tracht und sponnen Wolle und Flachs, so wie es früher Tradition war. Dabei beantworteten sie geduldig viele Fragen der Gäste zum Spinnhandwerk und zu ihren Trachten. Am Ende gab es von ihnen noch ein Weihnachtsgedicht und einen kurzen interessanten Vortrag zu den Traditionen im Odenwald und Schwarzwald.

Musikalisch begleitet wurde der Nachmittag mit weihnachtlichen Klängen auf Harfe und Trompete. Die Geschwister Anna und Andreas Wann, beide seit frühester Jugend mit ihren Instrumenten vertrautd, spielten mal abwechselnd, mal gemeinsam und gaben dem vorweihnachtlichen Nachmittag den besonders stimmungsvollen Klang.

Manche Besucher verschafften sich einen Überblick über die Sammlung, während solche, die mehr wissen wollten, gemütlich am Klostertisch bei Weihnachtsgebäck und Apfelglühwein saßen und Jürgen Waibel lauschten, der eine kurze Einführung in die Besonderheiten des Langbein-Museums gab. Wer war eigentlich Carl Langbein und nach welchem Konzept wird seine Sammlung hier gezeigt? Mit kurzen Erläuterungen ging er auf die Idee der Wunderkammern ein und veranschaulichte, wie viel Geschichte und noch besser, wie viele durchaus heitere Geschichten in den einzelnen Exponaten stecken.

Abwechslungsreich ging es weiter mit Lesungen von Elke Timmermann. Sie hatte kurzweilige und humorvollen Erzählungen unter anderem von Mark Twain mitgebracht, die sie den Gästen gekonnt servierte. So mancher, der eigentlich nur auf eine „Stippvisite“ reingeschaut hatte, blieb bis zum Schluss.

Was immer wieder deutlich wurde: Der gute Ruf des Langbein-Museums hat inzwischen seine Kreise gezogen. Kein Wunder also, dass etliche Besucher aus Weinheim, Mannheim, Heidelberg und Sinsheim angereist waren, die einen Besuch in Hirschhorn mit einem Besuch im Museum verknüpften und sich vornahmen, wiederzukommen.

Unter den Gästen war auch Dr. Marius Golgath, der neue Leiter des Stadtarchivs Eberbach. Er nahm die Gelegenheit wahr, sich einen ersten Eindruck vom Langbein-Museum zu verschaffen und zeigte sich sichtlich beeindruckt nicht nur vom Gesamtkonzept, sondern auch vom Engagement, mit dem das Museum betrieben wird.

Im Stadtarchiv Eberbach wird ein großer Teil der Langbein‘schen Sammlung aufbewahrt und archiviert, was gleich etliche Anknüpfungspunkte für ein Gespräch bot. Die Vorstandsmitglieder nutzen die Gelegenheit, Dr. Golgath persönlich zu begrüßen. Zum Abschied wurden gegenseitig Einladungen zum gemeinsamen Gedankenaustausch, aber auch zu Führungen sowohl im Stadtarchiv Eberbach als auch im Langbein-Museum ausgesprochen. Am Ende zog der Vorstand des Freundeskreises Langbein’sche Sammlung, der an diesem Nachmittag komplett zur Betreuung angetreten war, eine überaus positive Bilanz. „