Wintereinbruch machte in Erbach das frostige Mittelalter erlebbar

Das war Mittelalter pur – nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“. Der Wintereinbruch am Samstag mit Schnee sorgte für das große Bibbern bei den Teilnehmern und doch sehr überschaubare Zuschauerzahlen beim dritten Mittelaltermarkt von „Heimdalls Erben“ auf dem Wiesenmarktgelände. Erfindungsreichtum war gefragt. Dicke Felle erlebten kurz vor dem Frühling eine Renaissance.

Der Perlenmacher war besonders erfinderisch: Er machte eine Marmorplatte mit seinem Brenner heiß, die dann im kleinen Zelt ein paar Stunden wohlige Wärme abgab. Denn viele Teilnehmer übernachten – ganz authentisch – unter einem Stoffdach. Der Sonntag bei aufgelockerter Bewölkung und angenehmeren Temperaturen sah dann etliche Familien auf den Platz strömen, die eine Zeitreise in vergangene Jahrhunderte unternehmen wollten.

Jungs spielen Ritter, Mädchen kleiden sich als Prinzessin: Auf einem Mittelaltermarkt werden Kinderträume schlechthin wahr. Veranstalter Holger Hörstkamp aus Biebesheim hatte das Angebot aus dem vergangenen Jahr mit etwa 50 Ständen noch einmal leicht ausgeweitet. Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt mit ihren 79 Jahren an der Kasse, Vater Hans hat mit seinen 83 hat ein wachsames Auge darauf, dass keiner ohne Eintrittskarte aufs Gelände kommt. Der 55-jährige „Filius“ Holger wiederum steigt bei der Reitershow jahrein, jahraus aufs Pferd. Ein festes Team von nur wenigen Personen schmeißt die komplette Veranstaltung.

Eigentlich hat Holger Hörstkamp ja einen ganz traditionellen Beruf gelernt. Er war früher als Kommissionierer in einem Lager tätig, machte sich dann selbstständig und sattelte um auf Mittelalter. Ganz im Wortsinn: Denn seine ersten Sporen verdiente er sich vor 17 Jahren auf der Ronneburg, wo er bei der dortigen Reitershow mitwirkte. Vor 14 Jahren starteten dann die eigenen historischen Märkte rund um seinen Wohnort Biebesheim.

Die Faszination für Hörstkamp ist es auch nach all dieser Zeit immer noch, „den Markt vom Papier in der Realität umzusetzen“. Manchmal sei es „wie ein großer Kindergarten, alle unter einen Hut zu bringen“, lacht er. Genehmigungen, Verträge, kurzfristige Absagen, Künstlerbuchungen, Absprachen vor Ort und vieles mehr sind aufwendig. „Es macht mir aber immer noch sehr viel Spaß“, betont er.

Seine Frau Sandra, die er Anfang März – natürlich auf einem Mittelaltermarkt – heiratete, steht ihm dabei zur Seite. Hörstkamp kann daneben auf viele Markthändler bauen, die ihn schon jahrelang bei seinen Veranstaltungen begleiten. Aber es gibt auch immer ein paar neue „alte“ Gesichter: Standbetreiber, die man auf historischen Märkten übers Jahr schon oft gesehen hat und die nun auch einmal bei Heimdalls Erben anzutreffen sind.

Etwa Florian „FLux“ Lacina, der mit seinem Weinturm gleich gegenüber der Bühne zu finden ist. Dort spielen gerade die „Bohemian Bards“ auf historischen Instrumenten altertümliche Weisen. Seit 13 Jahren preist Flux die besten Tropfen, egal ob mit oder ohne Prozente, an. Als Feuerkünstler, Grafiker und Techniker machte er bis 2010 die Mittelalter-Rockband „Saltatio Mortis“ mit zu dem, was sie heute ist.

Oder Achim Häfner, der „Falkner der Herzen“. Der Pfälzer aus Kirrweiler ist mit seinen Greifvögeln als Botschafter des Kinderhospizes Sterntaler auch auf mittelalterlichen Märkten anzutreffen. Er arbeitet viel mit Behinderten und ist stolz darauf, laut eigener Aussage „als einziger in Deutschland eine Therapie mit Greifvögeln“ anzubieten. Pfälzisch-redselig preist er den selbst gelesenen Eiswein an, von dessen Verkaufserlös natürlich ein Teil ans Kinderhospiz geht. Die flauschigen, zutraulichen Vögel sind derweil die heimlichen Stars.

Info: Das sechste mittelalterliche Spektakel in Lampertheim, veranstaltet von Heimdalls Erben, findet am 4. und 5. Mai an den Biedensand-Bädern statt. Mehr unter www.heimdalls-erben.de

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Roberto Tardito macht Station in Hirschhorn

Es wird langsam zur Tradition: Roberto Tardito wird auch auf seiner diesjährigen Europatournee am Samstag, 4. Mai, 20 Uhr, Station bei der Kunstpflege Hirschhorn machen. Durch seine inzwischen 9 CDs und Liveauftritte in Europa und den USA ist der italienische „Cantautore“ mittlerweile international bekannt. Der Begriff „Cantautore“ entspricht dem deutschen „Liedermacher“, klingt aber natürlich wesentlich besser.

Tardito ist ein Poet, der sehr wohl auch gesellschaftskritisch werden kann. Sein Vortragsstil ist natürlich nicht nur sehr musikalisch, sondern auch gefühlsbetont – singt er doch über Themen, die ihn bewegen. Seine leicht raue Stimme (in Kritiken taucht immer wieder der Vergleich mit Paolo Conte auf) sorgt dabei für besondere Intensität.

Der Singer-Songwriter Tardito lebt seine manchmal poetischen, manchmal aber auch gesellschaftskritischen Songs. Nur mit seiner akustischen Gitarre, teilweise auch sich selbst auf der Mundharmonika begleitend – siehe Bob Dylan, mit dem er oft verglichen wird -, philosophiert er über den Sinn des Lebens, die vielen Verbote im täglichen Einerlei, das fehlende Engagement in der Gesellschaft. Eben die klassischen Liedermacher-Themen, die man dem völlig in seine Musik vertieften Italiener sofort abnimmt. Wie im vergangenen Jahr gibt es fürs Publikum wieder eine Übersetzung seiner Text vor dem jeweiligen Lied.

„Se fossi Dylan“, „Wenn ich Dylan wäre“, heißt eine CD von Roberto Tardito. Und wirklich lassen sich einige Parallelen zwischen dem italienischen „Cantautore“, wie die Liedermacher im Süden genannt werden, und dem amerikanischen Nobelpreisträger finden. Allerdings ist das Italienisch des aus dem Piemont stammenden Tardito eindeutig besser verständlich als das Genuschel des US-Poeten Bob Dylan.

Über den Kortelshütter Musiker Heiko Plank kam der Kontakt Tarditos zur Kunstpflege Hirschhorn zustande. Auf deren Einladung spielt der sympathische 35-Jährige jetzt eines seiner wenigen Deutschland-Konzerte. Seine raue und sehr einfühlsame Stimme liegt irgendwo zwischen Angelo Branduardi und Paolo Conte. Er ist in seiner Musik immer auf der Suche nach Berührungspunkten zwischen den Kulturen und den verschiedenen musikalischen Traditionen.

Tardito singt Balladen und Revolutionslieder, aber auch populäre Songs aus der ganzen Welt. Seine Texte sind voller Reife und Aussagekraft, wie sie in der Tradition eines Hannes Wader, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker zu finden sind.

Man darf sich am Samstag, 4. Mai, um 20 Uhr wieder auf ein besonderes Erlebnis freuen. Der Auftritt findet im Atelier von Enno Folkerts in der alten Pappenfabrik in Hirschhorn-Langenthal, Waldmichelbacher Straße 2, statt. Der Eintritt ist frei, jedoch wird um eine Spende für die Gage des Künstlers gebeten.

Stolz, aber auch ein wenig enttäuscht: Stella Stegmann wurde bei Miss-Mermaid-Germany Zweite

„Ich bin stolz auf meine Leistung, aber jetzt trotzdem bisschen enttäuscht“, sagt Stella Stegmann über ihre Teilnahme am Miss-Mermaid-Germany-Wettbewerb im ägyptischen Hurghada. Die 21-Jährige aus Olfen, derzeit Studentin in München, rechnete mit ihrem Sieg bei der Meerjungfrauen-Entscheidung, wurde aber ihrem Eindruck nach auf der Cat-Walk-Zielgeraden von Paulina Pläger aus Frankfurt noch an der Schwanzflosse gepackt und an Land geworfen, sodass es nur zum zweiten Platz reichte.

„Ich habe überall eine super Performance an den Tag gelegt“, erzählt Stella selbstbewusst. Sie kann ihre Enttäuschung kaum verbergen, „da auch sehr viele Mädels mit meinem Sieg gerechnet haben“. Bekannt waren den Teilnehmerinnen jedoch zunächst nur die Punkte, die sogenannten „Mermaid-Parts“. Hier holte sie bei der Long-Distance-Competition und beim Unterwasser-Posing die volle Punktzahl.

Paulina, dieses Jahr dritte beim Miss-Hessen-Wettbewerb, war unter Wasser nicht besonders herausragend, meint die 21-Jährige. „Sie selbst hatte auch nicht mehr mit dem ersten Platz gerechnet.“ Bei der Jury sei die Frankfurterin jedoch beim Catwalk, dem „Miss-Part“, sehr gut angekommen. „Mir ist gleichzeitig klar: Das ist natürlich Typ-Sache und subjektiv“, weiß Stella. Dritte wurde Sarah Milka aus Kassel.

Die Olferin hatte anfangs „wirklich das Gefühl, dass es eher um sportliche Leistung geht“. Jetzt, im Rückblick, kommt ihr der Mermaid-Wettbewerb doch mehr wie eine „ganz normale“ Miss-Wahl vor. „Das finde ich schade und etwas enttäuschend“, sagt sie. Im Laufe der zwei Wochen wurden immer wieder Schärpen für bestimmte herausragende „Perfomances“ vergeben. „Ich hatte ich die Ehre, für die meisten nominiert zu werden“, freut sich die 21-Jährige: Die für „Best Behaviour“ gewann sie auch.

Eine tolle Erfahrung war die Teilnahme definitiv, betont Stella. „Ich habe alle Mermaids und das ganze Team sehr ins Herz geschlossen.“ Mit vielen wird sie weiterhin Kontakt pflegen und ist sich sicher, „dass ich sie irgendwann mal wieder treffen werde“. Die zwei Wochen im Hotel Baron Palace Sahl Hasheesh Hurghada waren für die junge Frau ein wertvolles Erlebnis. „Auch die Fotografen sind wertvolle Kontakte, wenn man sich im Modelbusiness ein kleines Netzwerk schaffen will“, hebt sie hervor. Denn sie fing bereits mit 13 Jahren an zu modeln.

Prinzipiell fiel ihr jede Disziplin nicht schwer, freut sich die Olfenerin. Am meisten Gedanken machte sich beim Mermaid-Part, „denn dort wollte ich definitiv glänzen“. Ihr war aber gleichzeitig klar, dass sie sich keine Sorgen machen musste. „Denn ich bin die geborene Meerjungfrau“, lächelt sie aufgrund ihrer Schwimmkünste, die sie die Long-Distance-Competition mit 75 Metern unter Wasser gewinnen ließen.

Auf der Bühne „kommt bei mir das Meiste ohne nachdenken ganz natürlich“, weiß die 21-Jährige: das Lächeln, das Laufen und dabei – sehr wichtig – selbstbewusst wirken. Stella machte sich ebenfalls sehr viele Gedanken über ihre Outfits, „denn darauf kommt es schließlich auch an“. Die drei Gewinnerinnen erhalten Preise wie etwa ein Kleid des indischen Designers Mohan. Außerdem werden die Mermaids für Veranstaltungen gebucht.

„Die Tage vergingen wie im Fluge“, schildert die junge Frau ihren Aufenthalt. Neben Tagesausflügen wie zur Makadi Water World, Quad fahren, Kamele reiten oder eine Bootstour gab es auch viele Fotoshootings. Es wurden für das Hotel Bilder gemacht, für Magictail mit der gesponserten Flosse und der Mermaid-Wear, für Mermaid Protector und für den indischen Designer.

„14 Tage mit 40 Mädels zu organisieren ist nicht einfach“, lacht sie. Alle Unternehmungen waren mit enormen Wartezeiten verbunden, was auch mit der Mentalität vor Ort zusammenhing. „Freizeit, in der man wirklich das tun kann, wozu man gerade Lust hat, gab es nur wenig“, bedauert sie. Zurück in Deutschland, „geht der Alltag bei Siemens weiter“, wo sie ein Studium in Business Administration absolviert.

Depeche Mode als Lebensgefühl

In Sachen Depeche Mode macht Hermann Rang keiner so schnell etwas vor. Der Sänger aus dem Brombachtaler Ortsteil Birkert ist ein eingeschworener Fan der britischen Synthie-Rock- und Pop-Gruppe, eine der erfolgreichsten Bands der Welt. Im Odenwald hat Rang ein paar Gleichgesinnte gefunden, die mit ihm als „Depeche Reload“ die Musik von Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher perfekt bis ins Detail inszenieren.

Mit seinem Faible für Depeche Mode wurde Hermann Rang mehrere Male bei ihm vorstellig, erinnert sich Marco Müller. Die Wege sind kurz, denn auch er wohnt im 250-Seelen-Dorf Birkert. „Hermann ist, seit ich ihn kenne, absoluter Hardcore-Fan“, schmunzelt der Schlagzeuger. 2001 kam er dann selbst in den Genuss eines Live-Erlebnisses und „war schwer begeistert von der Umsetzung der Elektrodrums durch ein akustisches Drumset“. Müller dachte sich: „So einen Job würde ich auch gerne mal machen.“ Es sollte aber noch ein paar Jahre dauern. 2006 war der Zeitpunkt da: „Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Band mehr und wir sind zusammen das Projekt angegangen.“

„Die Band ist fesselnd“, sagt nicht nur Marco Müller über Depeche Mode. „Im Publikum stehen Leute von 20 bis 70 Jahre“, beobachtet er – was der Musiker sonst so nicht kennt. Je mehr man sich mit den Liedern befasst, „desto interessanter werden sie“, erläutert er. Die anderen Bandmitglieder haben zwar ihre musikalische Heimat teilweise ganz woanders, sind aber nicht eingefahren. Alles wird gerne gehört, so lange es gut gespielt und umgesetzt wird, erklärt der Mann aus Birkert. Das reicht von Klassik über Pop, Rock, Metal, Jazz, Funk und Soul bis hin zum „einfachen“ Gesangschor.

Außer Hermann Rang, für den es nur Depeche Reload und sonst nichts gibt, haben die anderen noch weitere Standbeine. Keyboarder Axel „Aji“ Imhof aus Weiten-Gesäß ist in etlichen regionalen Bands mit dabei wie Another Livetime, die Hausband des Hüttenwerks, Stargate oder Blasser Bertram. Der Erbacher Sven Kuhl (Gitarre/Keyboard) zupft die Saiten bei Simple Live, Jumping Jack und Bitter Sweet.

Bassist Markus Kosch aus Linsengericht (bei Gelnhausen), auch am Keyboard aktiv, spielt alles von Rock bis Lederhose. Und Marco Müller nennt als weitere Betätigungsfelder Simple Live, Mindweb, Leaving Paradise, Reckoning und Meloy Valley. Im Durchschnitt, so Müller, „macht jeder von uns schon seit 30 Jahren Musik“.

Der Titel als „Hessens beste Tribute Band“ aus dem Jahr 2009 zeigt, dass hier Profis am Werk sind, die ihre Sache beherrschen. Dass die Bandmitglieder aus dem Odenwald kommen, verschafft ihnen einen unübersehbaren Heimvorteil. Aber auch ohne die Wurzeln in der Region machen der authentische Sound, das Bühnenbild und das Outfit des Quintetts deutlich, dass hinter der Sache mehr steckt als nur reine Covermusik.

Schon bei den ersten Songs, etwa „Policy of Truth“ oder „Strange Love“, sind die Fans kräftig dabei. Das ändert sich auch im Verlauf eines dreistündigen Konzerts nicht. Im Gegenteil. Wenn die Klassiker wie „Personal Jesus“, „Just Can’t Get Enough“, „Enjoy The Silence“, „People are people“ oder „Master and Servant“ angespielt werden, gibt es kein Halten mehr. Erst nach 30 und mehr Songs werden die Musiker von der Bühne gelassen.

Wenn Depeche Reload irgendwo auftritt, sind die Zuschauer begeistert. Oft sind die Locations wie vor kurzem das Rex in Bensheim oder der Colos-Saal in Aschaffenburg mit mehreren hundert Leuten ausverkauft. Marco Müller zeigt sich davon total begeistert. „Weil wir eine echte Live-Band sind, begeistern wir sogar Leute, die eigentlich ‚nur‘ AC/DC hören“, freut er sich.

Denn die meisten Depeche-Mode-Coverbands lassen sehr viel im Hintergrund aus der Konserve laufen, erläutert er. Der eigene Anspruch ist jedoch sehr hoch. „Wir spielen die Musik komplett live“, betont Müller. Quasi „liver“ als das Original selbst. In dieser Band zu spielen, ist, wie wenn man ein anderes Instrument neu lernt, ohne seines zu wechseln, erzählt der Drummer. Und das alles nur nebenbei. Jedes Bandmitglied hat seinen festen Job, zwei sind sogar selbstständig.

Info: Depeche Reload tritt am Freitag, 5. April, im Forum Friedrichsdorf (Hochtaunus) auf, am Samstag, 4. Mai, im Rind Rüsselsheim. Mehr unter http://www.depeche-reload.de

„Miss Mermaid Odenwald“ taucht in Hurghada am weitesten

„Schon am Flughafen sah ich ein paar Mädels mit der Meerjungfrauenflosse rumlaufen“, lacht Stella Stegmann. Die 21-Jährige aus dem Oberzent-Stadtteil Olfen und derzeitige Wahl-Münchnerin hat sich für den „Miss-Mermaid-Germany“-Wettbewerb qualifiziert, der aktuell in Hurghada stattfindet. „Nach ein paar Sätzen ist mir sofort klar, dass das eine tolle Zeit in Ägypten wird“, erzählt sie. Mit dem „Mermaid-Bus“ ging es dort in das Hotel Baron Palace Sahl Hasheesh, natürlich mit Polizeieskorte – das ist in Hurghada so üblich für Touristen.

Am ersten Abend stellten sich die jungen Frauen gegenseitig vor. Aus aller Welt kommen die Teilnehmerinnen an der Miss Mermaid Competition. Zwölf von ihnen konkurrieren um den Titel der Miss Mermaid Germany, etwa 30 um die internationale Krone. Jedes Mädchen bekam seine eigene Schärpe. „Ich darf mich jetzt mit Stolz ‚Miss Mermaid Odenwald‘ nennen“, schmunzelt Stella.

Das Zimmer teilen sich immer zwei Bewerberinnen miteinander. Mitbewohnerin der jungen Olfenerin ist Lara-Chiara Behr, Miss Mermaid Germany-Gewinnerin des vergangenen Jahres. Dieses Jahr nimmt sie an der internationalen Wahl teil. „Mit ihr habe ich eine Spezialistin erwischt, die mir mit Rat und Tat zur Seite steht“, freut sich die 21-Jährige.

Am ersten Tag geht das Programm sofort los. „Rein in unsere Mermaid Protector Anzüge und in den kalten Pool, um Unterwasser-Posing zu üben.“ Vorher gibt es noch ein paar Atemübungen. Nacheinander wird von jeder Mermaid ein paar Probefotos gemacht. Unterwasserfotograf Christian Zink ist Spezialist und war schon vor einem Jahr bei der Miss Mermaid-Wahl dabei. Unter Wasser muss dann in wenigen Sekunden alles stimmen. Die Pose, die Haare und am allerwichtigsten: ein entspanntes Gesicht, erzählt sie.

Am Nachmittag machen sich dann die Mermaids fertig für ein Fotoshooting mit gestylten Haaren, Make-up und dem selbst-designten Bikini-Top. Diese Fotos werden sowohl für die Webseite als auch für die Bewertung verwendet. 100 Punkte sind für jede Disziplin zu vergeben. „Pausen gibt es nur wenige“, weiß Stella Stegmann. Die sogenannte Long-Distance-Competition steht nämlich schon am zweiten Tag an und die meisten Mädels wollen davor definitiv noch einmal trainieren.

„Ich versuche meine Kräfte so gut wie möglich zu einzuteilen“, meint die Bachelor-Studentin. Denn in Deutschland hat sie bereits eifrig trainiert habe und kann die 60 Meter unter Wasser schaffen. Diese Strecke ist nötig, um 100 Punkte zu holen. „Warum findet denn die Long-Distance-Competition jetzt schon statt?“, fragen sich viele Mermaids. Die meisten sind nervös, beobachtet Stella. „Ich freue mich eigentlich darüber, da ich mich nach dieser Disziplin höchstwahrscheinlich viel besser entspannen kann“, denkt sie.

Als zweite Starterin versucht Stella Stegmann sich bestmöglichst zu entspannen und auf ihre Atmung zu achten. Mit der von Magictail zur Verfügung gestellten Flosse geht es los: „Ich fühlte mich so frei unter Wasser wie ein richtiges Wasserwesen.“ Ohne Taucherbrille sind die Markierungen nur schwer zu erkennen, merkt sie, „aber ich versuche meine Richtung beizubehalten“. Mit Erfolg.

Zwar sagt ihr Körper langsam, dass er eigentlich wieder Luft will. Auch die Beine werden müde. Der Kopf sagt aber, „dass ich noch mehr schaffen kann“. Stimmt. Die Olfenerin taucht als beste deutsche Kandidatin bei 75 Metern auf. „Mehr als 100 Punkte gibt es natürlich trotzdem nicht“, lächelt sie. Aber: „Stolz bin ich definitiv auf meine Leistung.“ Die 21-Jährige freut sich, bei dieser Disziplin einen Vorsprung zu ihren Mitstreiterinnen, die inzwischen schon zu meinen Freundinnen geworden sind, erschwommen zu haben.

Das Unterwasser-Shooting sollte gleich am nächsten Tag stattfinden, wurde dann aber wegen ungünstiger Wasser- und Wetterkonditionen auf später verschoben. „Etwas Entspannung tut uns allen aber auch mal gut“, meint sie. Die Mädels freuten sich auf das „Vergnügungsprogramm“, wie beispielsweise einen Tag in der Makadi Water World oder eine Safari.

Der Video-Link zur Long-Distance-Competition von Stella Stegmann: www.instagram.com/p/Bvwmy_XhRKu/?utm_source=ig_web_button_share_sheet. Weitere Infos zum Miss-Mermaid-Wettbewerb auf www.facebook.com/missmermaidoffiziell/

Sebastian Weinmanns Erstlingsfilm „Versus“ stößt im Erbacher Kino auf riesiges Interesse

10.000 Euro steckte Sebastian Weinmann in seinen ersten eigenen Film mit dem Titel „Versus“. Dessen Erstaufführung in den Erbacher Lichtspielen dürfte für den gebürtigen Hetzbacher eine Riesen-Genugtuung sein. Denn der große Saal mit seinen 180 Plätzen platzte aus allen Nähten, sodass der 55-minütige Streifen parallel auch im kleineren Kino gezeigt wurde. Der 33-Jährige bekam sehr viel Feedback für sein „Kind“, mit dem er sich in den vergangenen Jahren beschäftigte.

Gefühlt halb Oberzent war bei der Premiere dabei. Ob er die Hälfte der Besucher kennt? Sebastian Weinmann lacht. „Nein, alle“, meint er trocken. In sechs Tagen drehte der 33-Jährige den Film ab. Darunter war auch ein Tag in Ober-Sensbach, als die Sänger des MGV Eintracht-Liederkranz Sensbachtal hoch über dem Dorf das Lied „Heimat“ schmetterten. Zwei Tage wurde geschnitten.

Der Filmemacher freut sich über „die tolle Unterstützung von allen Seiten“. Sein Werk, so Weinmann, „wirft Fragen auf“. Er war stolz darüber, „dass ich nicht alle beantworten kann“, sagt er schmunzelnd. Denn genau so ist der Film auch gedacht: „Jeder soll für sich einen eigenen Eindruck mitnehmen.“ Jeder Zuschauer soll dadurch etwas nachdenklich werden. Der Oberzenter in Berlin freut sich über das gemischte Publikum jeden Alters, denn genau so sieht er auch „Versus“: für die Region gedacht.

„Beeindruckt, baff, überwältigt vom Andrang und der Neugier der Leute“ zeigt sich der Autor, Regisseur und Produzent in Personalunion. „Ich habe alles selbst geschrieben, jede Textzeile“, erläutert er. Und auch den Sprinter mit dem Kamera-Equipment gefahren. „Ich war nervös, wie es ankommt“, gestand der 33-Jährige. Gut, wie die Frage- und Antwort-Runde zeigte.

Moderiert wurde die von Bruder Andreas Weinmann, Lehrer an der Oberzent-Schule. Die natürlich Sebastian als Kind der Oberzent auch besuchte. „Es gibt verschiedene Geschmäcker“, weiß der Filmemacher. Deshalb „hatte ich auch keine Angst vor dem Versagen“. Dann merkt er, „dass ich den ganzen Tag vor Aufregung nur eine Cola getrunken habe“.

Viele ehemalige Weggefährten sind da: die ehemalige Grundschullehrerin Angelika Knapp-Rademacher, von der seine Mutter Grüße ausrichtete. Oder die frühere Deutschlehrerin an der OZS, Johanna Käpernik-Krämer. „Das hast du gut gemacht“, raunt ihm sein Vater Ferdinand anerkennend ins Ohr. „Ganz schön harter Tobak“, meint seine Mutter Gisela. „Alles andere dann am Küchentisch“, entgegnet der Sohn lächelnd. „Ich arbeite derzeit am Vertrieb und kann sagen, dass der Film im Herbst in die Kinos kommt“, teilt er mit.

Etliche andere Bekannte gratulieren zur Fertigstellung seiner Herzensangelegenheit. Bruder Andreas ist stolz darüber, „dass Sebastian einen Film gemacht hat, der in Erbach aufgeführt wurde“. Denn jeder, der in der Oberzent aufwuchs, „geht hier das erste Mal ins Kino“. Es sei ein Vertrauensbeweis für seine Arbeit, „dass so viele gekommen sind“. Gelobt wurde von mehreren Gästen die Musik von Fred Prest. Der „durfte machen, was er wollte“, schmunzelt der Regisseur. Ohne zu wissen, „was im Film passiert“.

Marcel Schäfer, bei den Dreharbeiten als MGV-Sänger dabei, war beeindruckt vom großen Kontrast in den einzelnen Szenen. Er wurde nachdenklich beim in der Metzgerei spielenden Ausschnitt, als die beiden Protagonisten in Konflikt gerieten, was wiederum von einer sehr ruhigen Szene abgelöst wurde. „Sehr speziell, mit einigen Absurditäten“, so Oliver von Falkenburg. Er erwähnte unter anderem den Kontrast der Schaufensterauslagen zwischen rohem Fleisch und Gemüse. „Da braucht man zwei oder drei Tage zum Verdauen“, ergänzte Gerald Schwinn. Überhaupt nicht kommerziell, „jenseits des Mainstreams“, bezeichnete er den Streifen.

Auch Christina Obenauer, die wie etliche Besucher „Sebastian von früher kennt“, betonte wie andere Zuschauer: „Der Film regt zum Nachdenken an.“ Es ist keiner, den man gleich wieder vergisst. „Der bleibt im Gedächtnis.“ Da Weinmanns Erstling zum Teil in Oberzent gedreht wurde, „habe ich natürlich auch überlegt, wo die einzelnen Passagen entstanden sind“, so die Apothekerin.

„Versus“ erzählt vom Drang und dem Aufbruch in die eigene Welt. Dohensa (Dennis Habermehl) versucht seinen Weg zu finden und wird dabei mit Fragen konfrontiert, die nicht nur sein, sondern unser aller Leben betrifft. Unterstützt von Rica (Kristin Becker) erlebt das Publikum, wie er in der Lage ist, aus alten und neuen Kulturen herauszukommen und sich all dem zu stellen. Der Film arbeitet mit besonderer Sprache und geht tief an die Wurzeln des Alltags und der Umgebung, die uns beeinflusst. „Wir werden mit unserem Inneren konfrontiert“, so der Regisseur.

Regie, Buch, Produktion, Schnitt: Sebastian Weinmann

Schauspieler: Dennis Habermehl, Kristin Becker, Axel Perenz, Sebastian M. Weißbach, Martin Maier, MGV Eintracht-Liederkranz Sensbachtal

Musik Fred Prest, Kamera Oliver Moron, Setbau Ferdinand Weinmann, Maske Carlotta C. Whan, Ton Nils Weber

Rückkehr der Wölfe ist eine gesellschaftliche Herausforderung

Der Wolf ist wieder da. Von den einen begrüßt, weil mit Meister Isegrim ein Stück heimische Mythologie und Identität zurückkommt, wird er von anderen mit Furcht betrachtet, da der „böse Wolf“ über lange Jahre hinweg eine Angstfigur war. Nutztierhalter beobachten darüber hinaus den Anstieg der Population mit großer Sorge. Im Hirschhorner Langbein-Museum versuchte nun Kulturgeograph Sebastian Ehret von der Christian-Albrechts-Universität Kiel unter dem Titel „Unsere neuen alten Nachbarn – Erfahrungen und Positionen im Zusammenleben zwischen Menschen und Wölfen in Deutschland“ etwas Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen.

Bereits gegen 1780 war der Wolf im Odenwald ausgerottet. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es plötzlich noch einmal große Aufregung über Rückkehrer. 1866 wurde der letzte Wolf im Odenwald getötet und auf dem Marktplatz in Eberbach ausgestellt. Noch heute steht das Tier ausgestopft im Museum der Stadt. Von Zwingenberg/Neckar führt die Wolfsschlucht hoch bis zum Wolfsstein, der die Stelle markiert, wo ihn der Schollbrunner Ratsschreiber Vincenz Diemer im Eberbacher Stadtwald erlegte.

„Die Rückkehr der Wölfe stellt uns als Gesellschaft vor eine Herausforderung“, betonte Ehret vor einem zahlreichen Publikum. Er ist überzeugt davon, dass es nur dann einen gleichberechtigten Dialog um Lösungsansätze geben kann, „wenn wir versuchen, die Position unseres Gegenübers zu verstehen – gerade wenn wir sie persönlich nicht teilen“. Der Geograph bezeichnete das Zusammenleben von Menschen und Wölfen als vielschichtig.

„Oft vergessen wir, dass die Rückkehr der Wölfe in den unterschiedlichsten Bereichen diskutiert wird“, sagte er. In Biologie, Recht, Moral, Politik, Psychologie oder Praxis gelten jedoch unterschiedliche Logiken. Das könne zu Konflikten führen. Statistisch sei es zwar richtig, dass es in den letzten 20 Jahren keinen Angriff von Wölfen auf Menschen in Deutschland gab. Trotzdem hätten einige Angst vor Wölfen. „Wissenschaftliche Analysen und psychologische Emotionen funktionieren eben nicht nach derselben Logik“, so Ehret.

Angst ist laut Ehret in den meisten Fällen also nicht das Ergebnis persönlicher Erfahrungen – „direkt betroffene Nutztierhalter mal ausgenommen“. Er erkannte vielmehr „eine Angst vor dem Unbekannten und vor dem unbekannt Bleibenden“. Möglicherweise, so seine Vermutung, sei dies auch ein Grund dafür, warum Menschen in der Beschreibung ihrer Angst häufig auf kulturgeschichtliche Bilder und Symboliken zurückgreifen.

„Ein Grund, warum die Debatte um die Rückkehr der Wölfe so emotional geführt wird, liegt an ihrer moralischen Ebene“, erläuterte Ehret. Verschiedene moralische Auffassungen geben seiner Meinung nach unterschiedliche Antworten auf die Frage, ob nun die Bedürfnisse von Menschen oder die von Wölfen bei Konflikten schwerer wiegen.

Nutztiere gehören Ehret zufolge nur mit einem sehr geringen Prozentsatz zur Wolfsnahrung. „Nun sollte man diese Zahl aber richtig einordnen“, betonte er. Dass es aber ein Missverhältnis zwischen Nahrung und viel mehr gerissenem Tieren gibt, das sogenannte „Surplus killing“ (Überschuss-Töten), führte der Referent auf zwei Ursachen zurück. Im Gegensatz zu Wildtieren hätten ihre „domestizierten“ Artgenossen keine Schutzstrategien mehr, die sie reaktiveren können. Außerdem könnten sie durch die Haltung in Gehegen nicht flüchten und sich auch nicht wehren.

Bei Wölfen wiederum „wird der typische Ablauf einer Jagd durch die Präsenz der Nutztiere gestört und immer wieder von vorne gestartet“. Pro Angriff werden dann mehrere Tiere gerissen. So geschehen Ende 2017 in Kailbach (Oberzent). Erst vor eineinhalb Monaten wurde wieder ein Tier bei Neckargerach beobachtet – interessanterweise nicht weit weg von der Stelle, wo 1866 der letzte Odenwald-Wolf erschossen wurde.

Die mediale Debatte um das Zusammenleben von Menschen und Wölfen verläuft also derart umfangreich, laut und kontrovers, „dass es nicht mehr möglich ist, ihr zur Gänze zu folgen“, sagte Ehret. Mittlerweile handle es sich um ein gesamtgesellschaftliches Thema. Verschiedenste Interessensvertretungen und Verbände versuchten ihren Positionen Gehör zu verschaffen. Alle großen Parteien hätten eigene Positionen zu dem Thema entwickelt. „Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir lernen, uns gegenseitig besser zu verstehen und aufeinander zuzubewegen“, so Ehret abschließend.

 

Sebastian Ehret, aus Wilhelmsfeld (bei Heidelberg) stammend, lebt seit zehn Jahren in Kiel und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut der dortigen Universität.