Oberzent-Schule mit neuem Look im weltweiten Netz

Beerfelden. Die Oberzent-Schule ist jetzt im weltweiten Netz mit einem frischen, neuen Design vertreten. Bei Erstellung und Gestaltung des neuen Onlineauftritts wurde sie vom neugegründeten Unternehmen „647 Media“ aus Oberzent unterstützt. „Die Homepage ist unsere digitale Visitenkarte und für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“, hebt Schulleiter Bernd Siefert hervor.

Die erste Homepage baute Mathematik-, Physik- und ITG-Lehrer Klaus Tank Anfang der 2000er Jahre auf, blickt er zurück. Bis zu seiner Pensionierung pflegte er sie auch „mit viel Herzblut und Arbeitseinsatz“. Zusammen mit seiner leider schon verstorbenen Frau Irmela, Deutschlehrerin an der Beerfelder Schule, „wurde der Webauftritt am Wochenende in unzähligen Stunden mit den aktuellen Geschehnissen gefüttert“, erläutert Siefert.

Tanks Erbe übernahm bis zum vergangenen Schuljahr Alexander Willuweit. Aktuell kümmert sich Andreas Hauser um Verwaltung und Aktualisierung. Sekretärin Gabi Neff ist für die Koordination der Texte und Bilder für die Homepage und die Veröffentlichung im lokalen Wochenblatt zuständig. Ziel ist es, erklärt Siefert, jede Woche mit einem Artikel präsent zu sein und die Homepage tagesaktuell zu halten.

Anfang des Jahres entwickelte der Schulleiter zusammen mit Yannick Ullmann und Andreas Weinmann, beide Gründer des Start-up-Unternehmens „647 Media“, die Idee, die Homepage der neu und zeitgemäß aufzustellen. Sie soll damit als Pilot- und Vorzeigeprojekt der Jungunternehmer zur Verfügung stehen. Firmen und Unternehmen aus Oberzent und der Region können gegen eine freiwillige Spende als Partner aufgenommen werden, sagt er. Diese Spende dient der Finanzierung der Pflege der Homepage, so Siefert.

„Digitale Medien sind in unserem Alltag und insbesondere in dem von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken“, weiß der Schulleiter. Da sich die Oberzent-Schule als Wegbegleiter von diesen im Erwachsenwerden versteht, ist deshalb auch für sie eine zeitgemäße Internetseite als digitale Kontaktstelle unerlässlich, betont er. Siefert zeigte die Testversion seinem 10er-Relikurs. „Fürs Handy geeignet und damit zeitgemäß, gute Farbgestaltung, professionell“, lautete die stellvertretende positive Rückmeldung von Schülerin Emelie Elser.

In herausfordernden Zeiten, in denen der persönliche Kontakt spürbar eingeschränkt war, ist ein zeitgemäßer Auftritt im Internet für Firmen und Institutionen essentiell, heben Weinmann und Ullmann hervor. Beide sehen jetzt und in Zukunft eine moderne Homepage noch wichtiger als ohnehin schon, „weil der Kontakt mit der Institution genau dort stattfindet“.

Die neue Webseite bietet jetzt „ein modernes und ansprechendes Design in den Farben der Schule“, erklärt Weinmann. Die Webseite läuft seinen Angaben nach schnell und lässt sich ohne lästiges Rein- und Rauszoomen sowohl mit Computern als auch mit Smartphones einwandfrei benutzen. Die Startseite bietet, ergänzt Ullmann, alle Informationen, um sich einen ersten Eindruck über die integrierte Gesamtschule zu verschaffen.

Visuelle Elemente, wie Luftaufnahmen der Schule und ein eigens produzierter Imagefilm, sprachliche Elemente, wie eine Willkommensnachricht und das Leitbild der Oberzent-Schule, laden zum weiteren Surfen auf der Internetseite ein, schildert der Jungunternehmer. Es ist ebenfalls ein Onlineshop für Merchandise integriert. Über diesen ist es möglich, T-Shirts, Polos, Pullover und Mützen, bestickt mit dem Logo, direkt online zu bestellen. Die bestickten Produkte werden von Mac Stick aus Höchst an die Kunden verkauft und versendet.

Als Knotenpunkt der Internetseite dient Weinmann zufolge das Hauptmenü, von dem aus alle Unterseiten gefunden werden können. „Dies sorgt für eine klare Struktur.“ Im Menü finden sich Verlinkungen zu weiteren Informationen über die Schule und das Kollegium, Schulalltagshelfer, sowie interessante Ausführungen zu Schulsozialarbeit, Förderverein, Stiftung, schulische Weiterbildung und beruflichem Einstieg.

„647 Media“

Die Zahlenkombination 647 im Firmennamen steht für den gemeinsamen Teil der Postleitzahlen der Städte und Gemeinden im Odenwald. Dies soll die Verwurzelung und Identifikation der Jungunternehmer Andreas Weinmann und Yannick Ullmann mit ihrer Heimat repräsentieren. Die Full-Service-Agentur bietet eine Vielfalt an Leistungen von Grafikdesign und Logogestaltung über die Erstellung von Webseiten und Onlineshops bis hin zur digitalen Kommunikation in Social Media an.

Vom plätschernden Bach auf stille Höhen

Gammelsbach. Quer durchs Dorf auf ruhigen Wegen und danach obenauf Richtung Sensbacher Höhe: Unser Wandertipp durchquert Gammelsbach von Nord nach Süd und erforscht stille Mischwälder auf 500 Meter Höhe. Highlight ist der Sensbacher Friedhof mit seiner geschichtsträchtigen Kapelle. Zwischendurch können wir auch einen „zwitschern“ und so mit ein paar Prozent mehr kräftig voranschreiten.

Start ist am Friedhofsparkplatz unterhalb der „Krone“ und in Sichtweite des „Grünen Baums“ – beides Lokale, in die sich nach der Tour eine Einkehr lohnt, um die verbrannten Kalorien zu ersetzen. Hier begegnet uns gleich das grüne Quadrat als Markierung, das unseren Weg auch zum Schluss wieder begleitet.

Unterhalb der Burgruine Freienstein (ein Abstecher nach oben lohnt sich wegen des Ausblicks) laufen wir bis zum gleichnamigen Wanderparkplatz, um von dort dem Dreier-Weg zu folgen. Immer auf dem Dorfweg entlang durchqueren wir das alte Gammelsbach. Unterhalb der Kirche müssen wir aufpassen, dass wir auf dem Weg bleiben, sonst landen wir am Sportplatz.

An der Abzweigung mit dem „V“ verlassen wir unseren bisherigen Dreier-Weg, laufen noch ein Stück am Waldrand entlang, bis wir auf die beiden senkrechten gelben Striche stoßen. Die führen uns jetzt, am Campingplatz vorbei, in Serpentinen bergauf zum Höhenweg von Eppingen über Eberbach nach Bad König. Für die ganz Harten unter uns gibt es zwischendurch zwei Stichwege, um die Kurven abzukürzen und somit schneller obenauf zu sein.

Wir lassen uns aber Zeit, denn der Hauptweg schlängelt sich sanft den Berg hoch und gewährt uns zwischendurch einen herrlichen Ausblick aufs Tal. Schon länger hatte uns der Wildzaun links begleitet, jetzt tauchen wir direkt ein: Durch eine riesige Schleuse kommt wir ins Revier. Das hat so bisschen etwas von „Jurassic Park“.

Auf dem Höhenweg mit dem roten Kreuz vergeht die Zeit wie im Flug. Knapp 100 Höhenmeter gilt es für uns auf ein paar Kilometern noch zu überwinden. Ein Klacks. Vor allem weil zwischendurch der von den „E-Gambas“ aufgestellte Zwitscherkasten am Baum hängt. Fünf Schnäpse und Liköre gibt’s zur Auswahl, kleine Plastikbecher inklusive. Wer sich gestärkt hat, darf dann gern sein Kleingeld in die Kasse loswerden.

Kaum sichtbar zweigt nach zwei Dritteln der Strecke der Dreier-Weg halblinks ab. Wir wählen diesen und folgen der alten Langlauf-Loipe, weil wir so den befestigten Weg mit mehr Verkehr verlassen. Herrlich idyllisch geht’s nun auf Tannenadeln durch den Wald. Wer will, kann aber auf der Hauptstrecke bleiben. Auf beiden erreichen wir nach kurzer Zeit den Sensbacher Friedhof mit seiner Kapelle.

Beide sind geschichtsträchtig. Am Rundbogen des Portals ist die Zahl 1619 zu lesen. Zu dieser Zeit dürfte auch die Kapelle erbaut worden sein. Die wurde 1744 zu ihrem heutigen Aussehen umgestaltet. Sie hat einen dreiseitig gebrochenen, nach Osten ausgerichteten Chor.

Bergab geht’s nun immer dem grünen Quadrat folgend durch Feld und Wiesen. Wörtlich. Denn plötzlich macht die Markierung einen scharfen Rechtsknick, wo sich nur mit Mühe ein Trampelpfad erkennen lässt. Das setzt sich weiter unten fort. Hier wäre ein Ausputzen des Wegs dringend erforderlich, sonst feiern die Zecken im hohen Gras an fröhliches Fest an Wandererbeinen.

Wir überstehen die Querfeldein-Tour ohne Bisse, kommen am Steingrund wieder ans Tageslicht und freuen uns über das grüne Tal. Das alte Forsthaus links von uns können wir in seiner Imposantheit nur erahnen. Vorbei am Wasserwerk, hat uns bald die geräuschvolle Durchgangsstraße wieder. Wir überqueren sie, die Markierung an der Straße verlassend, und laufen lieber den Pfad auf der anderen Talseite zurück zum Parkplatz.

Name: Rundwanderweg Gammelsbach

Länge: ca. 13 Km

Dauer ohne Pausen: ca. 3,5 Stunden

Höchster Punkt: 530 m

Niedrigster Punkt: 240 m

Höhenmeter: ca. 350

Kategorie: leicht bis mittel

Wanderzeichen: grünes Quadrat, Drei im gelben Kreis, V im gelben Kreis, zwei senkrechte gelbe Striche, rotes Dreieck,  Drei im gelben Kreis, grünes Quadrat

Ausschilderung: mittel, im Ort genauer hinschauen

Verpflegung: „Grüner Baum“, http://www.hotelgruenerbaum.de, 06068/2156, „Krone“, http://www.odenwald-gasthof-krone.de, Telefon 06068/2274

Sehenswürdigkeiten: Burg Freienstein, Sensbacher Friedhof, Zigeunerstein, Steingrund

Wilkens Wander-Wimpel: 4 von 5 Sternen (pro: sehr abwechslungsreiche Tour, contra: total zugewucherte Pfade im Wald)

Die neue Glocke soll in einem Jahr erklingen

Unter-Sensbach. Es vergeht kaum eine Ortsbeiratssitzung, auf der nicht die Sanierung der Sporthalle in Unter-Sensbach Thema wäre. Die positiven Nachrichten halten sich dabei in Grenzen. Meist geht es um den stockenden Baufortschritt oder Kostensteigerungen, was dem Alter des Bauwerks geschuldet ist. Allerdings gab es in anderer Hinsicht auch Positives zu vermelden: Mit den Planungen zum Bau des Glockenturms auf dem Hebstahler Friedhof geht es voran, berichtete der frühere Bürgermeister Egon Scheuermann.

Bürgermeister Christian Kehrer erläuterte den Mandatsträgern die aktuellen Entwicklungen bei der Hallenerneuerung. Nach der Sitzung ging’s gleich mit den Vereinsvertretern weiter. Durch das hohe Alter der Sporthalle kommt es immer mal wieder zu Überraschungen während der Sanierungsarbeiten, bilanzierte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. Die derzeitige Situation im Baugewerbe lässt seinen Worten zufolge abzuwarten, ob Zeit- und Kostenpläne eingehalten werden können. Denn es ist nicht einfach, Firmen für bestimmte Gewerke zu finden.

Die Kirchengemeinde Beerfelden hat Scheuermann zufolge zugesagt, die Kosten für eine Glocke (mit Inschrift und Armaturen) zu übernehmen. Die restlichen Gelder (Glockenantrieb, bauliche Maßnahmen) sind zunächst Sache der Stadt, erläuterte er. Eine überschlägige Kostenermittlung habe ergeben, dass von der Kirchengemeinde etwa 4500 Euro (Kostenschätzung der Glockengießerei in Neunkirchen) und von der Stadt etwa 14.000 Euro zu tragen wären.

Allerdings beruhen diese Kostenschätzungen auf den Angaben zum Glockenturm auf dem Friedhof in Gammelsbach, sagte Scheuermann. Dort ist jedoch eine Glocke mit etwa 100 Kilo Gewicht und 52 Zentimeter Durchmesser vorhanden. In Hebstahl soll alles eine Nummer kleiner werden. Die Glocke soll sich an der auf dem Sensbacher Friedhof orientieren, soll hell klingen und ist deshalb nicht so groß und schwer wie Kirchenglocken an sich. Damit „werden sich die Kosten deutlich reduzieren“, führte das Ortsbeiratsmitglied aus.

Dies resultiert seinen Worten nach daher, dass die vorgesehene Glocke in Hebstahl ein Gewicht von etwa 50 Kilo und einen Durchmesser von nur 43 Zentimeter haben soll – wie eben auf der Sensbacher Höhe. Bürger aus dem Stadtteil sind Scheuermann zufolge bereit, bei der Vorbereitung und Erstellung des Glockenturms Eigenleistungen zu erbringen.

Mit Pfarrer Roland Bahre wurde daneben vereinbart, dass Ortsbeirat und Kirchengemeinde gemeinsam eine Haussammlung durchführen werden. Nächster Schritt wird sein, berichtete der frühere Bürgermeister, mit der Kirchengemeinde die Größenordnung der Glocke festzulegen und auf dieser Grundlage ein konkretes Angebot einzuholen.

Der Ortsvorsteher wiederum hofft, „dass die Glocke in einem Jahr läuten wird“. Das aus städtischen Wäldern stammende Holz ist bereits zum Einschneiden bei Volker Holschuh eingetroffen. Parallel wird auch ein Glockenturm für Kailbach in der gleichen Bauweise erstellt. Die ehemaligen Hessenecker haben gegenüber den Hebstahlern den Vorteil, dass es ihre Glocke schon gibt und sie nicht extra gegossen werden muss. Denn das kann sechs bis neun Monate dauern.

Mit dem privaten Zuspruch fürs IKEK-Dorferneuerungsprogramm zeigte sich Kuhlmann nicht zufrieden. Während in Beerfelden großes Interesse besteht, sogar „ein Run“, hält sich der im früheren Sensbachtal in Grenzen. Er geht davon aus, dass sich die Beantragung sehr kompliziert darstellt und es zu lange für eine Bewilligung braucht. „Da machen es die Leute eben selbst auf eigene Kosten“, so sein Eindruck.

Zum integrierten kommunalen Entwicklungskonzeptes auf Gemeindeebene gehört ebenso die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses Hebstahl, erklärte der Ortsvorsteher. Das steht zwar auf der Prioritätenliste, „aber wir müssen abwarten, wann es losgeht“. Es geht ebenfalls um die Spielplätze. Der in Hebstahl müsste verlegt werden, wenn der notwendige Anbau ans Feuerwehrhaus fürs neue Fahrzeug realisiert wird.

Thematisiert wurde auf der Sitzung auch die Verkehrssituation im Alten Weg. Der teilt sich kurz nach der Abzweigung von der Durchgangsstraße. Eigentlich gilt ja Rechts vor Links, so Kuhlmann, aber für die von oben kommenden Autofahrer ist die Sicht durch eine Mauer verdeckt. Deshalb gab es die Anregung, dies mit einer Markierung auf dem Boden deutlich zu machen. Das städtische Ordnungsamt will sich um die Angelegenheit kümmern.

Vereine bekommen städtische Unterstützung

Rothenberg. Freude bei den Oberzent-Vereinen. Die Jugendförderung 2020 und die Vereinsnothilfe werden ausgezahlt. Das gab Bürgermeister Christian Kehrer auf der vergangenen Stadtverordneten-Sitzung bekannt. Zuvor waren in den konstituierenden Sitzungen die Vorsitzenden der Ausschüsse bestimmt worden. Das sind Thomas Ihrig, Stellvertreter Johannes Barth (Haupt und Finanz), Katharina Riesinger, Stellvertreter Walter Gerbig (Bau und Infrastruktur) sowie Pia Mester, Stellvertreter Nico Frisch (Sozial, Kultur und Tourismus).

Die Vereine und Organisationen im Stadtgebiet Oberzent haben ihre betreuten Kinder und Jugendlichen für die Jugendförderung gemeldet, informierte Kehrer. Es erfolgt seinen Worten nach eine Auszahlung in Höhe von zehn Euro pro Person für insgesamt 1421 gemeldete Mitglieder unter 18 Jahren an die Vereine.

Für die Vereinsnothilfe gingen elf Anträge bei der Stadt ein. Ein Antrag konnte nicht berücksichtigt werden, so der Bürgermeister. Zwei Vereinen wurden 2100 Euro bereits gezahlte Mietkosten für kommunale Räumlichkeiten erlassen oder erstattet. Im Rahmen der Vereinsnothilfe wurde somit dem Rathauschef zufolge an acht Vereine eine Auszahlung von rund 13.100 Euro geleistet. Den verbleibenden Restbetrag wird der Magistrat in einer zweiten Runde vor Jahresende auf Antrag auszahlen.

Das Stadtoberhaupt ging auch auf die neue Anlaufstelle „Stark im Amt“ ein. Die versorgt Volksvertreter auf kommunaler Ebene mit Informationen und Orientierung, wenn sie das Ziel von Beleidigungen, Bedrohung oder Attacken sind. Denn diese Aktionen nehmen zu. „Kommunalpolitik ist die Basis unserer Demokratie. Hass und Gewalt haben in diesem Feld keinen Platz“, betonte Kehrer. Wer Menschen bedroht oder angreift, die sich fürs Gemeinwesen einsetzen, „greift immer auch unsere freiheitliche und demokratische Gesellschaft an“.

Ganz gleich, ob jemand Bürgermeisterin, Landrat oder Mitglied im Stadtrat ist: Das Portal nimmt eine Lotsenfunktion ein und soll für alle aus dieser Gruppe Handlungsoptionen und Kontakte aufzeigen, um die Herausforderung eines Angriffs zu meistern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, führte er aus. Auch sollen Wege der Prävention genannt werden. Gleichzeitig soll das öffentliche Bewusstsein für die Lage der Kommunalpolitiker gestärkt werden. Mehr unter www.stark-im-amt.de.

Beim Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ ging Oberzent leer aus, informierte der Bürgermeister. Auf den Förderaufruf hatten Städte und Gemeinden rund 1300 Interessenbekundungen eingereicht. Der städtische Antrag zur Sanierung des Erlebnis-, Sport- und Freizeitgeländes Sensbacher Höhe wurde nicht ausgewählt, bedauerte er. Die Verwaltung sucht jetzt anderweitige Fördermöglichkeiten.

Die Stadt beteiligt sich am Programm „Ladesäulen für Ihre Kommune 2.0“ der Entega, sagte der Rathauschef weiter. Eine oder zwei E-Ladestationen werden von der Firma zur Verfügung gestellt. Alle möglichen Standorte (in unmittelbarer Nähe zu Trafostationen) wurden besprochen, teilte er mit, und zwei Standorte priorisiert:  Parkplatz Odenwaldstraße/Beerfelden und Freifläche Freiensteinstraße in Gammelsbach.

Er sagte außerdem, dass die Veranlagung für die Erhebung der Zweitwohnungssteuer durchgeführt wurde. Die Bescheide gingen raus. Von der Steuerpflicht befreit sind seinen Worten zufolge Schüler und Studenten, sofern eine entsprechende Bescheinigung vorgelegt wird. Die Gründung eines Landschaftspflegeverbandes ist im Odenwaldkreis angedacht, so Kehrer. Eine Auftaktveranstaltung findet am 30. Juni statt.

Eröffnet wurde die Stadtverordneten-Versammlung und die vorgeschalteten Ausschusssitzungen vom Stadtverordneten-Vorsitzenden Dirk Daniel Zucht. Der wies darauf hin, dass er bei der Konstituierung des Odenwälder Kreistages 14 Kollegen aus Oberzent zählte. „Damit sind wir quasi der kleine Kreistag“, schmunzelte er. Zucht betrachtete es als positiv für alle Bürger der Stadt, dass man somit davon ausgehen könne, „dass unsere städtischen Belange, aber auch überregionale Informationen stets im aktuellen Fokus sein können“.

Dem neuen Vorsitzenden ging es auch um die Sitzungsökonomie. Er bat darum, Anträge an die jeweiligen Ausschüsse zu adressieren. Die werden dann direkt dort besprochen und nicht zuvor in der Stadtverordnetenversammlung „vorberaten“. Zucht möchte so bei bestimmten Themen „effektiver und schneller ans Ziel kommen“.

Dank an zwei kommunalpolitische Urgesteine

Unter-Sensbach. Mit Herbert Obenauer und Manfred Heiss wurden auf der vergangenen Ortsbeiratssitzung zwei kommunalpolitische Urgesteine verabschiedet. Beide prägten seit den 1980er Jahren das gesellschaftliche und kulturelle Leben in der früheren Gemeinde Sensbachtal mit. Ab 2006/2007 nahmen sie sich eine Auszeit, quasi eine Altersteilzeit, feierten aber mit der Fusion noch einmal ihr Comeback im damals neu geschaffenen Ortsbeirat.

Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann ließ Manfred Heiss ein paar „Lorbeeren“ zukommen. Herbert Obenauer konnte bei der Würdigung nicht dabei sein. Er bekommt die Glückwünsche und sein Präsent privat übermittelt. Kuhlmann dankte im Namen des Ortsbeirats und auch persönlich für das langjährige Engagement. Als kommunalpolitischer Neuling wurde er „2018 selbst ins kalte Wasser geschmissen“, schmunzelte er. Da war es, zeigte er sich dankbar, „für mich immer hilfreich, dass das solch zwei erfahrene Mitglieder im Ortsbeirat waren“.

Manfred Heiss, weiß der gerade wiedergewählte Ortsvorsteher, hat enormes kommunalpolitisches, aber auch historisches Wissen von Sensbachtal. Das ist „von enormem Wert für uns alle und unbezahlbar“. Die kommunalpolitische Karriere des 75-Jährigen begann 1981 als Gemeindevertreter. In diesem Ehrenamt war er zwei Legislaturperioden lang tätig, bis er 1989, damals noch vom Parlament, zum Bürgermeister gewählt wurde.

Nach zweimaliger Bestätigung durch die Bürger ging Heiss 2007 in den kommunalpolitischen Ruhestand, blieb der Gemeinde aber auf vielen anderen Feldern erhalten: in verschiedenen Funktionen im Vorstand des TSV Sensbachtal, bei Sensbachtal Aktiv, als Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Unter-Sensbach und beim Heimat- und Geschichtsverein Beerfelden. 2007 wurde er daneben zum Ehrenbürgermeister ernannt und erhielt die Ehrenplakette des Odenwaldkreises in Bronze.

Herbert Obenauer war eine Legislaturperiode lang ab 1985 Gemeindevertreter. Nach der Wahl 1989 amtierte er als Erster Beigeordneter, von 1993 bis 1987 als Beigeordneter. 1997 bis 2006 war der 65-Jährige wieder Gemeindevertreter. Seit 1977 ist er darüber hinaus im Vorstand der Nabu-Ortsgruppe tätig. 2006 erfolgte die Ernennung zum Gemeindeältesten, 2007 erhielt er die Verdienstmedaille der Gemeinde in Bronze.

Auf der Suche nach dem Panoramablick

Würzberg. Anspruch und Wirklichkeit klaffen etwas auseinander. Weiß der Wanderer das im Vorfeld, dann kann er sich auf lange, ausgedehnte Waldstücke einstellen. Verlässt er sich auf die Beschreibung der Odenwald-Tourismus im Internet, dann ist er auf dem Hubenweg beständig auf der Suche nach den vielen angepriesenen Panoramablicken rund um Würzberg. Immerhin: Mit dem Römerbad und der Heinstermühle gibt’s tiefe Einblicke in die regionale Geschichte.

Zu Beginn und am Schluss hat der knapp 16 Kilometer lange Weg etwas mehr Flair, wenn sich enge, auch mal breitere Pfade auf weichen Tannennadeln durch den Wald winden. Auf dem Rest der Strecke ist der Schotter mal dicker, mal dünner, mal fein, mal grob, aber meistens vorhanden.

Frohgemut machen wir uns auf die Strecke, biegen nach dem Friedhof links in den Wald ab, um dann dem Limeswanderweg ein gutes Stück zu folgen. Irgendwann spuckt uns das Gehölz nach Überquerung der Zufahrtsstraße von Michelstadt kommend an der Mangelsbach wieder aus, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Üppige Wiesen, viel Grillengezirpe, ein plätscherndes Bächlein: Hier ist die Welt in Ordnung.

Auf dem frisch angelegten Wander-Highway reißen wir danach Kilometer um Kilometer ab. Links der Wald, rechts das Feld: Das war’s. Danach erwartet uns nur noch Wald: optimal für die kommenden, hoffentlich heißen Sommertage. Wenn wir nicht genau hinschauen, genießen wir den noch länger, denn die Beschilderung ist an der wichtigsten Stelle schlecht.

Zwischendurch liegt die Heinstermühle an unserer Strecke. Um sie ranken sich zahlreiche Sagen und Anekdoten, wahre und nicht ganz so wahre Geschichten. Bis 1870 wurde sie noch von Müller zu Müller weitergegeben. Der letzte aktive Heinstermüller war bis 1927 Johann Leonhard Heß. 1540 wurde die Mühle erstmals urkundlich erwähnt. Nach einem Brand 1846 wurde sie 1847 wieder so aufgebaut, wie sie heute noch aussieht.

Bevor der Mühlenbetrieb eingestellt wurde, trieb das Wasserrad einen Dynamo an, um das Haus mit elektrischem Strom zu versorgen. Die kleine Landwirtschaft wurde nach Aufgabe der Mühle von der Eigentümerfamilie weiter bewirtschaftet. Leonhard Heß schrieb 1928 die Geschichte der Heinstermühle auf und begann 1936 die Chronik des Dorfes Würzberg. 1967 starb er als Ehrenbürger des Ortes.

Zwischenzeitlich fragen wir uns, warum ein überregional beworbener Wanderweg unbedingt auf solchen breiten Strecken verlaufen muss, die man auch problemlos mit dem Auto befahren könnte. Es zweigen so viele kleinere Wege oder Pfade unterwegs ab, dass man sicherlich eine etwas abwechslungsreichere, interessantere und nicht so monotone Wegführung hätte finden können.

Sehnlichst herbeigewünscht, dürfen wir gleich nach dem Wanderparkplatz rechts in den Wald abbiegen und uns auf dem kleinen Pfad zwischen Heidelbeeren Richtung Römerbad entlangschlängeln. Das ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Auch wenn es zu den kleinsten Thermen am obergermanischen Limes zählt, gewährt es einen eindrucksvollen Einblick in die weit entwickelte römische Badekultur.

Das Kastell wurde bereits in der Lorscher Urkunde von 819 als „Wullineburch“ erwähnt. Neben vielen Wachturmsockeln in der Region, so auch beim südlich gelegenen Hesselbach, ist das Römerbad eines der am besten erhaltenen Zeugnisse am Odenwald-Limes. Es war damals üblich, dass zu einem römischen Kastell auch ein Badehaus gehört. So erhielten die im kalten Norden stationierten Soldaten ein wenig Luxus und das Gefühl von heimischer Lebensart.

Teilweise restauriert, lässt die Ruine des Badehauses den Aufbau der Therme leicht nachvollziehen: Kaltbäder, Schwitzraum, Kalt- und Warmwasserbecken sowie Hypokausten-Heizung. Im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde das Bad etwa 60 Jahre lang genutzt. Danach wurde die römische Grenze weiter nach Osten verschoben, entlang der Linie Walldürn–Osterburken–Jagsthausen–Öhringen.

Hatten uns auf dem ersten Teil der Strecke viele Sitzbänke begleitet, so waren diese nach und nach immer seltener geworden. Jetzt gibt es sie am Bad inklusive Hütte alle auf einmal. Allerdings will es gut überlegt sein, eineinhalb Kilometer vor dem Tourende noch eine größere Rast einzulegen. Es wird danach schwer, die müde gewordenen Knochen noch einmal zu motivieren.

Wir halten es deshalb mit den Doors: „The End“, singt Jim Morrison. Deshalb: Zähne zusammenbeißen und nach ein paar Schluck Wasser auf zu den letzten Metern. Vorbei an einem Wachturmsockel kommen wir zu dem Punkt, der wohl dem Prädikat „aussichtsreich“ in der Beschreibung seinen Namen gab.

Kurz taucht rechts Würzberg mit den dahinter liegenden Hügeln auf, nach links gibt es einen ebenso schönen Blick über die Höhen des Mümlingtals. Wir folgen nun am Tierheim vorbei der alten römischen Handelsstraße. Am Parkplatz angekommen, bilanzieren wir: Wü 4 bräuchte auf jeden Fall ein Qualitätsupdate. Quasi ein Wanderweg Wü 4.0. Mit Aussicht.

Name: Hubenweg Würzberg

Länge: 15,6 Km

Dauer ohne Pausen: 4 Stunden

Höchster Punkt: 542 m

Niedrigster Punkt: 407 m

Höhenmeter insgesamt: 232

Kategorie: leicht bis mittel

Wanderzeichen: grünes Wü über grüner 4 im Hufeisen

Ausschilderung: mittel, an zwei wichtigen Verzweigungen schlecht  

Verpflegung: Rucksack, für danach: Odenwälder Caféstube, Telefon 06061/3506, https://odenwaeldercafestube.page4.com/#

Sehenswürdigkeiten: Römerbad, Heinstermühle

Mehr Infos: www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f15411f0e3c1c0fedd15a08

Wilkens Wander-Wimpel: 3 von 5 Sternen (pro: Römerbad mit Info-Tafeln, Heinstermühle, contra: Weg mit wenig Abwechslung)

Der Wind frischt wieder auf

Etzean/Falken-Gesäß. Auch wenn es zwischenzeitlich so rüberkam: Ein Windenergiepark oberhalb von Etzean im Gebiet Katzenwinkel hat sich noch nicht erledigt. Das machte Bürgermeister Christian Kehrer auf der Stadtverordnetenversammlung deutlich. Nach wie vor hält die Projektiererfirma Juwi aus Wörrstadt hält trotz kräftigem Gegenwind aus praktisch der gesamten Stadt an dem Vorhaben fest und will fünf Windräder oberhalb des Stadtteils Richtung Güttersbach errichten.

Wie der Rathauschef erklärte, hat sich nur das bisherige Ansinnen von Juwi erledigt, eine Zuwegung zum Katzenwinkel-Gebiet vom Galgen her erreichen zu wollen. Dies wollte die Stadt verhindern und war dagegen rechtlich vorgegangen. Die Firma hatte das Wege-Vorhaben plötzlich aufgegeben, was in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckte, Rotoren auf Oberzent-Gemarkung seien in dem Gebiet passé. Aber das erweist sich nun als Ruhe vor dem Sturm.

Denn die Verwaltung erreichte Ende Mai ein Schreiben des beauftragen Juwi-Anwaltsbüros, führte Kehrer aus. Darin wird darauf abgehoben, dass die Firma bekanntermaßen die Errichtung und den Betrieb von Windenergieanlagen in der Gemarkung Etzean beabsichtigt. Eine Entscheidung über das entsprechende Genehmigungsverfahren wird vom Regierungspräsidium zeitnah erwartet, heißt es weiter. Die dürfte positiv ausfallen.

Der Projektierer will die vorhandenen Erschließungswege „auch für den Errichtungsverkehr und während des Bestehens des Windparks unter Umständen für ein Befahren mit Schwerlasttransportern im Rahmen eines Austausches von Großkomponenten“ nutzen, zitierte der Verwaltungschef. Deshalb wird der Stadt der Abschluss eines Gestattungsvertrages angeboten. Unverhohlen wird bei einer Weigerung von Oberzent damit gedroht, die Ansprüche gerichtlich durchzusetzen.

„Sollten wir keine Rückmeldung von Ihnen erhalten, gehen wir davon aus, dass Sie an einer vertraglichen Vereinbarung nicht interessiert sind“, schreibt das Juwi-Anwaltsbüro. Jeden aus einer Verzögerung entstehenden Schaden soll dann gegenüber der Stadt geltend gemacht werden. „Da unserer Mandantin jedoch weiter nicht an einer konfrontativen Auseinandersetzung mit Ihnen interessiert ist“, teilen die Juristen großzügig mit, „hoffen wir, dass es genau hierzu nicht kommen wird“.

Kehrer wiederum informierte die Stadtverordneten: Die Stadt Oberzent hat die Unterlagen zur Bewertung an die eigene Anwaltskanzlei weitergeleitet. Es geht in diesem Fall um die Zufahrt über den verlängerten Güttersbacher Weg, sagte er. Der Bürgermeister befürchtet, auch wenn sich Oberzent nach Kräften wehrt: „Wir werden rechtlich keine Handhabe haben.“ Denn die Gesetzestexte zur Windenergie sind ziemlich eindeutig.

Eine Veränderung der Planung gab es laut Kehrer insofern, dass die ersten beiden Windräder, von Beerfelden aus gesehen Richtung Güttersbach, in der Planung weggefallen sind. Denn die standen zu nahe an Etzean. Stattdessen wurden sie weiter hinten, Richtung des Mossautaler Ortsteils, wieder angedockt. Damit bleiben drei von fünf auf Oberzent-Gebiet. Wie es mit den anderen beiden, jetzt auf Gemarkung Mossautal projektierten aussieht, will der Bürgermeister bei seinem Amtskollegen erfragen.

Auf dem Höhenzug sind dem Rathauschef zufolge von Juwi fünf Windräder geplant. Diese haben bei einer Leistung von jeweils 5,5 Megawatt eine Nabenhöhe von 161 Metern. Obendrauf kommen die Rotoren mit einem Durchmesser von 158 Metern, was somit zu einer Gesamthöhe von 240 Metern führt.

In Sachen Windräder kommt es derzeit für Oberzent „knüppeldick“, bedauerte der Bürgermeister. Nachdem einige Zeit Flaute herrschte, rührt sich nun ein weiterer Projektierer, der auf dem Finkenberg zwischen Falken-Gesäß und Hinterbach/Raubach gleich neun Rotoren plant. Der bietet der Kommune eine Beteiligung am geplanten Windenergiepark an. Eine solche ist nach der Überarbeitung des Erneuerbare-Energie-Gesetz jetzt möglich, informierte das Stadtoberhaupt.

„Die wollen die Stadt ködern“, macht Kehrer klar. Die finanzielle Beteiligung der Gemeinden soll dazu beitragen, die Akzeptanz der Windenergieanlagen vor Ort zu verbessern, so seine Meinung. Aktuell wird ein Mustervertrag von einem Arbeitskreis erarbeitet, dem die Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind), die drei kommunalen Spitzenverbänden sowie Verbände der Energiewirtschaft angehören. Der Bürgermeister wies darauf hin, dass sich die Planungen bei Falken-Gesäß noch im Anfangsstadium befinden.

Mehr Panorama geht praktisch nicht

Unter-Ostern. Vom Titel dürfen wir uns nicht täuschen lassen. Was unter „Erz- und Steinwanderweg“ firmiert, hat nur auf einen Kilometer unter dem Titel „Geopark-Lehrpfad Manganerzbergbau“ damit zu tun. Den Rest sind Odenwald-Ausblicke satt. Ein Panoramaweg par excellence somit. Leckere Odenwälder Küche und was Süßes inklusive.

Das mit den „leichten Anstiegen“ in der Tourbeschreibung sollte allerdings mit Vorsicht betrachtet werden. Denn ab und zu geht es gewaltig den Buckel hoch und runter. 130 Höhenmeter auf einem Kilometer wollen erst einmal bewältigt sein. Die wären uns nach oben bevor gestanden, wenn wir den Rundwanderweg R8 im Uhrzeigersinn absolviert hätten. Anders herum geht es auf etwas mehr als drei Kilometern etwa 200 Meter bergauf – immerhin etwas besser verteilt.

Für die Bergetappe konnten wir uns aber vorher stärken: Am Keilvelterhof, direkt neben dem Wanderparkplatz der Alten Schule von Unter-Ostern gelegen, gibt’s jedes Wochenende selbst gemachtes Eis. Mit einer Kugel in der Hand schnauft es sich doch viel angenehmer den Hügel hinauf Richtung Irrbachquelle. Zwischendurch dürfen wir einen Blick auf Schloss Reichenberg und sogar über die Mainebene hinaus zum Taunus genießen.

Da gleichzeitig unser Weg abwechselnd über Feld, Wald und Wiesen führt, kommt keine Langeweile auf. Manchmal Asphalt, dann wieder bisschen Schotter plus Tannennadelpfade sorgen dafür, dass es unseren Füßen nicht zu eintönig wird. Rund um den Dachsberg nähern wir uns auf abgeschiedenen Wegen, die Quelle passierend, langsam der Ohrmshöhe.

Mal blicken wir ins eine Tal, mal ins andere. Da fliegen die Höhenmeter nur so dahin. Und wenn nicht, gibt es in regelmäßigen Abständen eine Sitzbank oder sogar eine Schutzhütte – sollten die Muskeln in diesem frühen Stadium doch schon zu sehr zwicken. An der Pferdewiese vorbei laufen den Rechbuckel hinunter nach Ober-Ostern. An der Gaststätte „Zur Erholung“ gibt’s für den ersten Hunger kräftige Hausmannskost plus kleine Speisen auf den Weg.

Wir müssen nun leider ein Stück der Straße Richtung Weschnitz folgen. Das ist gerade an vielbefahrenen Wochenenden ohne Gehweg nicht besonders prickelnd – am Anfang der Tour in Unter-Ostern war es genauso. Es heißt Augen (und Ohren) zu und durch. Mit dem „Ostertal“ lockt gleich eine weitere Einkehrmöglichkeit.

Direkt dahinter verlassen wir wieder die Zivilisation und den Verkehrslärm. Es geht das Tal des Dickheckenbachs hinauf bis zur neuen Schutzhütte. Hier haben wir den Hügelkamm erreicht und laufen jetzt über freies Feld der L 3105 entgegen. Nach deren Überquerung kommt der größte Waldabschnitt der gesamten Tour. Ein kleiner Pfad führt uns zur Kreuzung mit dem von Hiltersklingen kommenden Waldweg.

An dieser Stelle haben die Wanderwarte wohl Erbarmen mit denen, deren Füße bereits qualmen. Rechts der Kreuzung sind es 5,5 Kilometer zurück nach Unter-Ostern, links der Kreuzung 5,1 Kilometer. In Wahrheit, belegt das spätere Kartenmaß, dürften es um die sieben Kilometer sein. Mit Siebenmeilenstiefeln eilen wir ahnungslos dem doch so fernen Ziel entgegen. Wie mit den Entfernungsangaben hält man es auch mit den Markierungen nicht immer so genau. Ab und zu wäre an manchen Kreuzungen das eine oder andre zusätzliche Zeichen hilfreich.

Am imposanten Forsthaus Roter Kandel geht’s rechts ab tief in den Wald, der uns nun über einen Kilometer begleitet. Gegenüber vom Gasthof „Lärmfeuer“ werden wir plötzlich von der Stille ausgespuckt. Die Straße nach Ober-Mossau überquerend, können wir uns auf den folgenden drei Kilometern nicht sattsehen am Panorama. Ein herrliches Fleckchen Erde, das uns mit seinem Weitblick ziemlich neidisch macht auf die diversen Hausbesitzer im oberhalb gelegenen Weiler.

Für eine Stunde tun wir es ihnen gleich und lassen unsere Blicke gen Reichelsheim und Lindenfels schweifen. Wir folgen nun teilweise dem Geopark-Lehrpfad „Manganerzbergbau“, der die Bergbaugeschichte um 1900 erzählt. Die Infotafeln sowie ein kurzer Abstecher zu einem ehemaligen Bergwerksstollen lohnen sich.

Langsam merken wir, dass die fünf Kilometer auf dem Schild genau jetzt vorbei sind. Wir aber bewegen uns immer noch auf der Höhe. In dem Bewusstsein, dass kein steiler Abhang kommt, wird uns klar, dass die Entfernungsangabe etwas ungenau war. Wir trösten uns damit, dass wir rechts noch einmal Schloss Reichenberg in den Blick bekommen und weitab jedes Lärms laufen.

Erst zögerlich, dann immer schneller geht es durch Wald bergab. Wir verlieren rasend schnell an Höhenmetern. An Gewicht trotz der verbrannten Kalorien doch eher nicht, denn neben der Schule lockt wieder die Eisdiele. Ein Spaghetti- und ein Erdbeereis müssen jetzt sein. Klasse – wie auch die Wanderung.

Name: Erz- und Steinwanderweg

Länge: 14,8 Km

Dauer ohne Pausen: 4 Stunden

Höchster Punkt: 387 m

Niedrigster Punkt: 221 m

Höhenmeter insgesamt: 431

Kategorie: mittel

Wanderzeichen: grünes R über grüner 8 im Hufeisen

Ausschilderung: mittel, an manchen Kreuzungen wären ein paar mehr Markierungen sinnvoll  

Verpflegung: Landgasthof „Ostertal“, www.ostertal-odenwald.de, Telefon 06164/1054; Gasthof „Lärmfeuer“, www.laermfeuer.de, Telefon 06164/1254; Keilvelterhof (für den süßen Eis-Abschluss), www.hardthof-eis.de, Telefon 06164/910317

Sehenswürdigkeiten: Geopark-Lehrpfad „Manganerzbergbau“, herrlich-weite Odenwald-Blicke

Mehr Infos: http://www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f1540fc0e3c1c0fedd1597c

Wilkens Wander-Wimpel: 4,5 von 5 Sternen (pro: tolle Ausblicke, sehr abwechslungsreiche Strecke, contra: zwei Abschnitte an vielbefahrener Straße)

Herrliche Fleckchen mitten im Wald

Ober-Mossau. Eine besseren Start- und Zielpunkt für eine Wanderung gibt es wohl kaum: Am Schmucker-Brauereigasthof schnüren wir unsere Stiefel für den Drachenweg „Saphira“, einen von vieren auf Mossautaler Gemarkung, der der Nibelungensaga huldigt und Siegfrieds Blutbad thematisiert. Da 80 Prozent der abwechslungsreichen Strecke im Wald verlaufen, empfiehlt er sich besonders für warme, sonnige Sommertage.

Getreu dem Motto „Das Heftigste zuerst“ gehen wir die 15 Kilometer lange Tour im Uhrzeigersinn an. Denn da blühen uns auf den ersten nicht einmal drei Kilometern gleich über 150 Höhenmeter. Nach dem Start am Fußballplatz vorbei in lichtem Mischwald, zweigt bald ein kleiner Pfad Richtung Lärmfeuer in die Höhe ab. Der macht unseren Beinmuskeln so Richtung Feuer.

Oben angekommen, tut sich plötzlich eine kleine Lichtung mit Ihrig-Hütte, Panoramabank und weiteren Sitzmöglichkeiten auf. Ein herrliches Fleckchen mitten im Wald, das früher als Platz fürs Signalfeuer Richtung Osten diente, wenn während des Dreißigjährigen Kriegs Truppen von der Rheinebene her vorrückten.

Die Flammen und Rauchsäulen waren weithin sichtbar und der Alarm konnte von Berg zu Berg weitergeleitet werden. Die Lärmfeuer waren auch später noch während der Napoleonischen Kriege im Einsatz. Östlichster Punkt ist die Sensbacher Höhe. Ende März wird seit einiger Zeit die Tradition wieder lebendig, wenn auf den Hügelkuppen weithin sichtbare Feuer lodern.

Wer den Buckel hoch läuft, der muss auch wieder runter. Irgendwann spuckt uns der Waldpfad beim Mossauer Bild aus, einem der ältesten Bildstöcke im Odenwald. Es wurde erstmals 1576 erwähnt. Der Bildstock steht an einem ehemaligen Pilgerpfad zum „Heiligen Blut“ nach Walldürn. Da zu dieser Zeit im Landkreis Erbach bereits die Reformation eingeführt war, wird angenommen, dass man im Odenwald den Katholiken gegenüber sehr tolerant war.

Wir merken, dass der Wanderparkplatz Dehnbuche nicht mehr weit entfernt sein kann. Denn die Fußgängerfrequenz nimmt deutlich zu, während auf dem Rest der Strecke eher ein überschaubares Aufkommen herrscht. Talwärts reihen wir uns ein, tun es aber nicht den anderen gleich, die an der Verbindungsstraße zwischen Rohrbach und Ober-Mossau ins Auto steigen, sondern überqueren diese.

Hinter ihr brauchen wir auf den kommenden zweieinhalb Kilometern etwas Durchhaltevermögen. Lang und länger wird der Waldweg, auf dem nur sporadisch mal links Unter-Ostern, Reichelsheim und Beerfurth zwischen den Bäumen hervorblitzen. Am „Schlagbaum“ reisen wir 450 Jahre zurück in die Geschichte.

An der Siebener-Kreuzung befand sich die Grenze der Grafschaften Erbach und Breuberg. Wer hier, mitten im Wald, weiterwollte, der musste erst einmal dem jeweiligen Landesherrn Zoll zahlen. Diese Kleinstaaterei ist heute kaum noch vorstellbar, aber Zölle gibt es weiterhin – nur heutzutage auf höheren Ebenen.

Auf welchem früheren Territorium wir dann weiterlaufen, wissen wir nicht. Aber unsere Strecke, die halblinks den Wald hinaufführt, bietet zum Glück wieder mehr Abwechslung. Wir kraxeln auf wenigen hundert Metern noch einmal nach oben, um dann mit dem Morsberg den höchsten Punkt der Wanderung erreicht zu haben. Danach geht es praktisch nur noch abwärts.

Auf engen Pfaden quer durch schier endlose Heidelbeer-Felder, macht nicht nur die Fuchshütte deutlich, dass der Wildtierbestand in diesem Bereich des Waldes sehr hoch sein muss. Alle paar Meter steht außerdem ein Hochsitz. Die „Hohe Straße“ hatten wir zwischenzeitlich bereits einmal gestreift. Ab der L 3260 wird der historische Höhenweg zwischen dem Marbachstausee und dem Otzberg jetzt zu unserem ständigen Begleiter.

Da er auch als Fahrradweg ausgewiesen ist, ist auf dieser Strecke wieder etwas mehr los als auf den vorherigen einsamen Wegen. Durch das letzte Waldstück müssen wir jetzt noch durch, ehe uns mit einem Schlag das freie Feld empfängt. Rechts lassen sich die ersten Häuser von Ober-Mossau ausmachen, links taucht der Michelstadter Flugplatz auf. Mit etwas Glück sehen wir gerade eine Maschine starten oder landen. 

Auch wenn das Wandern übers freie Feld landschaftlich herrlich ist, meldet uns der Magen, dass wir gefälligst bald ankommen sollen. Denn wir haben uns bereits bei Abmarsch darüber informiert, was uns im Biergarten des Brauerei-Gasthofs alles erwartet. Da läuft das Wasser im Mund zusammen. Als dann der Feldweg von der kleinen Straße rechts zum Ort abzweigt, kommt uns das gerade recht.

Immer näher kommen wir dem Ort und genießen auf den letzten Metern ein schönes Panorama des Tals. Unterhalb liegt die Johanniterkirche. Ein Blick hinein lohnt sich. Bei Renovierungsarbeiten wurden hier Malereien aus dem 13. und 14. Jahrhundert freigelegt. Aber die müssen bis nach dem Essen warten. Das steht schnell mit einem frisch gezapften Schmucker-Bier aus dem Fass auf dem Tisch.

Name: Drachenweg „Saphira“

Länge: 15 Km

Dauer ohne Pausen: 4 Stunden

Höchster Punkt: 510 m

Niedrigster Punkt: 336 m

Höhenmeter insgesamt: 330

Kategorie: mittel

Wanderzeichen: grünes MD über grüner 4 im Hufeisen

Ausschilderung: gut  

Verpflegung: Sudhausbiergarten des Brauereigasthofs Schmucker, www.brauereigasthof-schmucker.de, Telefon 06061/94110

Sehenswürdigkeiten: Lärmfeuer, Steinerner Tisch, Schlagbaum, Mossauer Bild, Johanniterkirche

Mehr Infos: https://www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f1541340e3c1c0fedd15a5e

Wilkens Wander-Wimpel: 4 von 5 Sternen (pro: viel Regionalgeschichtliches, schöne schmale Waldpfade zwischen Heidelbeer-Hecken, contra: einige lange, gerade, geschotterte Waldstrecken)

Rettung vor dem sicheren Mähtod

Beerfelden. Die Kitzretter sind wieder unterwegs. Wenn Anfang/Mitte Mai die ersten Rehkitze auf die Welt kommen, werden sie von der Ricke in den Wiesen abgelegt. Die Kitze haben dann drei bis vier Wochen lang keinen Eigengeruch und auch noch keinen Fluchtinstinkt. Das heißt, bei Gefahr ducken sie sich im Gras, anstatt vor einer Gefahr wegzulaufen. Genau in dieser Zeit mähen die Landwirte aber zum ersten Mal die Wiesen, um Futter für ihr Vieh in die Scheune zu bringen.

Die schnelllaufenden Mähwerke an den Traktoren sind eine tödliche Bedrohung für die jungen Rehe. Aus diesem Grunde haben die Beerfelder Jagdpächter André Fichtel, Marc Moder und Peter Bitz bereits vor vier Jahren eine Kitz-Rettungs-Gruppe über WhatsApp ins Leben gerufen. Aktuell sind es schon über 30 Personen, unter ihnen viele Kinder, die sich kurzfristig abends treffen und die Wiesen in einer langen Kette durchgehen, kurz bevor der Landwirt mäht.

Allein dieses Jahr konnten damit 18 Kitze vor dem sicheren Mähtod gerettet werden, erzählt Thomas Mergenthaler, einer der Mitwirkenden. Bei entsprechend gutem Wetter wollen alle Landwirte gleichzeitig mähen, so dass dann viele Kilometer am selben Abend abzulaufen sind. Durch die harmonische Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen Jägern und Landwirten können jedoch immer Zeiten und Wege gefunden werden, welche Wiesen zuerst abgesucht und gemäht werden.

Gemäß dem alten Spruch „Viele Hände – Schnelles Ende“ sind weitere Helfer gerne gesehen. Interessierte können einfach die Jagdpächter direkt ansprechen. Ganz wichtig ist auch, die jungen Kitze nicht durch freilaufende Hunde zu beunruhigen, weiß Mergenthaler. Wenn ein Hund ein Kitz auch nur kurz mit der Schnauze anstößt, besteht die Gefahr, dass die Ricke es nicht mehr annimmt, also nicht mehr säugt – und es somit qualvoll verhungern muss.

In der letzten Zeit wird auch vermehrt mit Drohnen nach den Kitzen gesucht, erzählt er. Aber leider funktioniert diese Methode nur in den frühen Morgenstunden. Danach hat sich der Boden so sehr aufgeheizt, dass sie die Wärmebildkamera nicht mehr findet. Wie wichtig dieses Thema auch der Politik ist, sieht man daran, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium Drohnen mit Wärmebildtechnik zur Kitzrettung finanziell fördert. Nur liegen leider die Anschaffungskosten im hohen fünfstelligen Bereich.

Mehr Panorama geht praktisch nicht

Sensbachtal. Der Panoramaweg trägt seinen Namen zurecht. Bis auf ein paar Waldabschnitte auf der Sensbacher Höhe gibt’s tolle Aussichten auf den Odenwald en masse. Dazu jede Menge Sitzgelegenheiten und Schutzhütten, um auf der langen Strecke gemütlich ein paar Pausen einlegen zu können. Mit der Friedhofskapelle erwartet uns auf der Strecke außerdem ein kulturgeschichtliches Kleinod.

Wir starten am Parkplatz auf der Sensbacher Höhe, der aus allen Richtungen gut zu erreichen ist. Wahlweise kommen auch das „Reußenkreuz“ oder der unterhalb gelegene Wanderparkplatz in Frage. Die Richtung ist egal. So oder so müssen wir in unter-Sensbach einen knackigen Auf- und Abstieg bewältigen.

Wir laufen erst einmal Richtung Süden, um am Osthang des Gickelsbergs noch möglichst viele Sonnenstrahlen zu erhaschen. Nach einem kleinen Aufstieg hinter der Kapelle beginnt ein langer Abwärtstrend des Wanderwegs. Irgendwann blitzen hinter den Bäumen die ersten Häuser von Unter-Sensbach hervor. Zwei Serpentinen lassen wir noch hinter uns, ehe aus den vorherigen Schemen der erste richtig schöne Talblick wird. 

Am Waldrand entlang setzt sich dies fort: Wir können auf der anderen Talseite Falken-, Ameisen- und Hornissenberg erkennen. Noch ein paar Meter zwischen hochgewachsenen Bäumen, dann beginnt der Abstieg auf einem schmalen Weg über schöne Wiesen. Mitten im Ort stoßen wir auf die Hauptstraße, laufen am Schulhaus vorbei bis kurz vor dem Bürgerzentrum, um hier rechts wieder an Höhe zu gewinnen.

Und wie: Steil führt unsere Strecke bergauf. In kürzester Zeit sind die Höhenmeter wieder drin, die wir gerade verloren haben. „Am Pilz“ hätten wir uns das erste Pils verdient, wenn wir eines mitgenommen hätten. Die Schutzhütte lädt nach etwa einem Drittel der Strecke zu einer gemütlichen Pause ein. Der Blick in alle Richtungen ist herrlich. Guten Gewissens können wir die Vesper auspacken. Weitere Anstiege werden folgen, aber der war der schlimmste.

Was folgt, ist eine Aneinanderreihung von Weitsichten Richtung Odenwald-Berge. Darunter ist mit dem Katzenbuckel auch seine höchste Erhebung. Wir wollen aber nicht nur nach oben, sondern auch nach unten schauen. Je weiter wir Richtung Ober-Sensbach kommen, desto schöner und langgestreckter werden die Talansichten.

Nicht nur die Landschaft präsentiert sich außerordentlich abwechslungsreich, sondern auch unser Wanderweg. Der ist am Anfang eher breiter gestrickt, zweigt dann aber immer mal wieder auf einen schmalen Waldpfad mit Tannennadelbett ab, wenn es zu monoton würde. Bei zahlreichen Sitzgelegenheiten, weiteren Schutzhütten und zwei Panoramabänken am Streckenrand kostet es ab und zu Überwindung, nicht schon wieder eine Rast einzulegen.

Nach einem Waldstück spuckt uns der Wanderweg unterhalb des Sportplatzes aus. Wir dürfen uns an blühenden Wiesen erfreuen, um Kraft für weitere Höhenmeter zu tanken. Aufs Neue begeistert uns der Wechsel zwischen offenen Flächen und lichtem Nadelwald mit schönen, gut begehbaren Pfaden. Aufgrund des Wurzelwerks sollte man aber trotzdem mit festem Schuhwerk die Tour angehen.

Entlang der Flanke des Hesseheckenbergs nähern wir uns dem Höhenkamm. Ein paar Meter geradeaus und wir wären im anderen Tal Richtung Schöllenbach. „Steinhäusel“- und „Talblick“-Schutzhütte passierend, wird Ober-Sensbach linkerhand immer kleiner und rückt das Reußenkreuz näher. Kurz bevor unsere Strecke einen Linksknick zur K 39 macht, führt rechts der Waldpfad zum Gasthof. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er dort zu einem leckeren, sättigenden Essen einkehrt oder die letzten Kilometer noch mit vorwärts treibendem, knurrendem Magen zurücklegen will.

Nach so viel Einsamkeit auf den Hängen oberhalb der beiden Sensbachs kommen wir uns nach dem Wanderparkplatz fast wie in einer anderen Welt vor. Breite Wander- und Radwege bestimmen erst einmal das Bild. Weiterhin müssen wir noch ein paar Höhenmeter runterreißen. Gerade als die Strecke Richtung Monotonie abzurutschen tut, erhört uns scheinbar der Wandergott und schickt uns wieder den ersehnten Waldpfad.

Als der nach dem Höhenkamm einen langsam Abwärtstrend bekommt, wissen wir: Das Ziel ist nah. Immer geradeaus bewegen wir uns auf den Parkplatz zu. Gleich an dessen Beginn geht’s rechts zum Aussichtspunkt hoch, der eine herrliche Aussicht auf Beerfelden und die angrenzenden Dörfer beschert.

Wer jetzt noch Muße hat, kann etwas für die geschichtliche Bildung tun: Auf dem Sensbacher Friedhof befindet sich die Grablege des Erbach-Fürstenauer Grafenhauses. Die Friedhofskapelle wurde 1619 erstmalig erwähnt und erhielt 1744 ihr heutiges Aussehen. Aber wir haben auch vollstes Verständnis für die, denen nach 17 Kilometern die Beine wehtun und die sich jetzt zuhause auf die Couch hauen wollen.

Name: Panoramaweg Sensbachtal

Länge: 16,9 Km

Dauer ohne Pausen: 5 Stunden angeben, in 4,5 Stunden zu schaffen

Höchster Punkt: 546 m

Niedrigster Punkt: 333 m

Höhenmeter insgesamt: 403

Kategorie: mittel bis schwer

Wanderzeichen: grünes S über grüner 6 im Hufeisen (manchmal auch weiß)

Ausschilderung: gut  

Verpflegung: Waldgasthof Reußenkreuz, Telefon 06068/2086, www.reussenkreuz.de, im Ort: Holzerstube, Telefon 06068/2402.

Sehenswürdigkeiten: Sensbacher Friedhofskapelle, Odenwald-Blicke

Mehr Infos: http://www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f15410e0e3c1c0fedd159c4

Wilkens Wander-Wimpel: 4,5 von 5 Sternen (pro: tolle Ausblicke, größtenteils sehr abwechslungsreiche Strecke, contra: rund um Sensbacher Höhe ein paar eintönige „Waldstraßen“-Anteile)

Volksläufer haben einen langen Atem

Rothenberg. Langer Atem zahlt sich aus. Die Planungen für den Rothenberger Panorama-Lauf starteten bereits 2019. Als er 2020 das erste Mal stattfinden sollte, funkte Corona dazwischen. Dieses Jahr stehen die Zeichen für die Premiere aktuell sehr gut. Die Inzidenzzahlen sinken. Zupass kommt den Verantwortlichen bei der Werbung für den Event am 4. Juli das Internet. „Das geht wesentlich schneller als wenn alles gedruckt werden müsste“, meint Mitorganisator Stefan Pahl.

„Was heute beschlossen wird, kann nächste Woche wieder Makulatur sein“: Bisher galt dieser Satz eher in die negative Richtung. Inzwischen, freuen sich die Macher, werden sie von den positiven Ereignissen überholt. „Wir hoffen, dass zum Termin möglichst wenige Vorgaben noch zu beachten sind“, erklärt Pahl. Wo zuerst nur 100 Teilnehmer pro Starterwelle möglich waren, sind es nun durch abnehmende Inzidenzzahlen bereits 200.

Diese Zahl, betont der Rothenberger, gilt wohlgemerkt nicht für die „3G“, also Genesene, Geimpfte und Getestete. Die kommen noch einmal oben drauf. Da diese Gruppe Pahls Schätzung nach um die 50 Prozent ausmachen dürfte, könnten somit um die 300 Läufer bei einem der beiden Startzeitpunkte auf die fünf oder zehn Kilometer lange Strecke gehen. 

Die Rothenberger haben mit dem Termin aufs richtige Pferd gesetzt. Es finden praktisch keine anderen Volksläufe statt. „Das spielt uns in die Karten“, lächelt Pahl und hofft auf viele namhafte Läufer, die den Weg ins Höhendorf finden. Bereits jetzt haben ein paar Top-Athleten zugesagt. Tobias Balthesen vom TV Eberbach etwa, ein Spezi des Triathleten Timo Bracht. Oder Julian Beuchert von der LAZ Mosbach.

Der Mit-Organisator freut sich „über ein starkes Feld in Spitze und Breite“. Es werden täglich mehr Starter, hat er beobachtet. Die kommen nicht nur aus dem Odenwälder Umfeld. Inzwischen hat die Ausschreibung Kreise bis nach Heidelberg, Frankfurt, Worms und Karlsruhe gezogen. Und vielleicht, so seine Hoffnung, schauen spontan ein paar internationale Spitzencracks vorbei, um auf der herrlichen Strecke ein paar Trainingseinheiten zu absolvieren.

Initialzündung für die Rothenberger Veranstaltung war der Feuerwehrlauf. An dem nahm auch Sascha Hafner teil, der in der folgenden Zeit die treibende Kraft für einen Volkslauf im Oberzent-Stadtteil wurde. Bei der SG Rothenberg wurden die Laufbegeisterten „mit offenen Armen empfangen“, erinnert sich Pahl, und firmieren nun unter deren Dach als Lauftreff.

Apotheker Frank Knecht bringt seine Erfahrungen vom Eberbacher Frühlingslauf mit und kümmert sich um die Zeitmessung. Da er gleichzeitig auch die Testzentren in seinen Apotheken betreibt, ist er fit in Sachen Hygieneverordnungen und allem anderen rund um Corona. Die Homepage baute bereits im vergangenen Jahr Benjamin Beisel.

Um den Jahreswechsel öffneten die Rothenberger die Anmeldung. Allerdings gingen dann erst einmal wieder die Zahlen nach oben, bedauert Pahl. Man wartete Ostern ab. Als langsam die Hoffnung auf gute Rahmenbedingungen stieg, ging die Planung in die Vollen. Als man erfuhr, dass der Lauf in Frankfurt-Enkenheim durchgeführt werden soll, „sagten wir, das machen wir auch“.

Bei der Stadt Oberzent erfuhr man viel Unterstützung, können die Veranstalter auf die Unterstützung von Marco Johe im Ordnungsamt zählen. Zahlreiche Sitzungen des fünfköpfigen Orga-Teams folgten. Dann wurden die Strecken vermessen, damit sie auch nach international gültigen Kriterien anerkannt sind.

„Wir wollen ein schönes Fest für Rothenberg bieten“, blickt Pahl nach vorn. Das alles zu einem kleinen Startgeld, da einige Sponsoren mit im Boot sind. Er preist die „tolle Laufstrecke“ an. Startend an gewaltigen Eichen, führt die Tour an glücklichen Hühnern vorbei, bevor sich zu beiden Seiten der Ausblick zu Katzenbuckel, Königstuhl und bei besonders guter Fernsicht zu den Vogesen eröffnet. „Wir wollen Flagge zeigen“, signalisiert er.

Nach aktuellen Vorgaben dürfen keine Duschmöglichkeiten angeboten werden, bedauert Pahl. Vielleicht erlauben es sich verändernde Verordnungen noch, dass ein kleines Kuchenbüffet möglich ist, hofft er. Aktuell ist im Start-/Zielbereich eine Verpflegungsstelle mit Wasser und Bananen vorgesehen.

Die Aufstellung muss etwas entzerrt erfolgen, erläutert der Organisator. Durch die Netto-Zeitmessung „ist aber keiner benachteiligt“. Das Orga-Team „ist für alles gewappnet“, versichert Pahl. Je nach Bedarf kann man kurzfristig reagieren.

Info: http://www.panorama-lauf.de

Wo Siegfrieds Blut das Wasser rot färbte

Hüttenthal/Olfen. Nach dieser Tour triumphieren wir über den bissigen Drachen der schweren Beine: Knapp 16 Kilometer führt uns die Wanderung „Triumphalis“ auf dem Drachenweg ab der Mossautalhalle an etlichen Quellen entlang – unter anderem natürlich auch an der, wo Siegfried von Hagen gemeuchelt worden sein soll. Aber diese zweifelhafte Ehre nehmen einige Brunnen im Odenwald für sich in Anspruch. Feld, Wald, Wiesen im Überfluss: Nur ganz am Schluss wird’s ein wenig zäh, sonst denken wir angesichts der zahlreichen Abwechslungen nicht an Müdigkeit.

Wir entscheiden uns dafür, zuerst den Abschnitt an der Straße Richtung Güttersbach hinter uns zu bringen und laufen die Tour deshalb entgegen dem Uhrzeigersinn. Im Nachhinein war das eine gute Entscheidung, denn in der anderen Richtung wäre es ein sehr knackiger Anstieg mit mehr als 120 Höhenmetern auf nicht einmal zwei Kilometer. Durchs Mösselbachtal unterhalb des Mühlbergs, in das wir nach etwa 500 Metern abzweigen, steigt der Wanderweg stattdessen auf den ersten vier Kilometern nur gemächlich an.

Erst der Dachsbrunnen, dann der idyllisch gelegene Weißfrauenbrunnen mit einem naturbelassenen Quellbereich zeigen uns, dass hier das kühle Nass aus jeder Ecke strömt. Schlagartig ändern sich in einer scharfen Rechtskurve Wegbeschaffenheit und Steigungswinkel. Ein Waldpfad bringt uns dem Etappenziel, dem Siegfriedbrunnen, ein gutes Stück näher und höher.

Kurz dürfen wir uns auf der Höhe auf breiterem Weg ausruhen, dann geht’s schon wieder rechts ab in den Wald. Der ist hier wie auch im weiteren Teil der Strecke aufs Neue übersät mit Heidelbeeren. Das macht Lust auf den Sommer, wenn dann reife Früchte in unüberschaubarer Zahl an den Sträuchern hängen werden. Nach ein wenig Zickzack durch Mischwald tauchen plötzliche etliche Sitzgelegenheiten und zwei Hütten auf: Wir sind am Gras-Ellenbacher Siegfriedbrunnen.

Gerade in den hoffentlich bald kommenden wärmeren Sommermonaten lässt es sich hier, etwa auf der Hälfte unserer Tour, perfekt rasten. Das grüne Laubdach hält die Sonne draußen. Ein kurzer Snack, noch ein letzter Schluck, dann stehen uns die letzten 50 Höhenmeter ins Haus, um mit dem Spessartskopf den höchsten Punkt unserer Wanderung zu erreichen. Kurz blitzen Geisberg und Herrnberg weit hinter dem Marbachsee am Horizont auf.

Bald hat uns ein befestigter Waldweg wieder. Der führt uns zielstrebig den Hang hinab Richtung Naturschutzgebiet Rotes Wasser bei Olfen. Den Namen verdankt das Hochmoor einer Braunalge, die den Eisengehalt des Wassers bindet und sich als rostroter Belag absetzt. Seltene Pflanzen wie Sonnentau und Wollgras sind hier zu sehen. Bei unserem Besuch präsentiert sich dieses Kleinod allerdings frühlingshaft grün und quakend.

Hier wie auch an anderen Stellen des Wegs finden sich immer wieder Bänke, um den Beinen ab und zu eine Pause zu gönnen. Allerdings könnte es vorkommen, dass die nach einem Stopp noch schwerer als zuvor erscheinen. Deshalb will die Rast wohlüberlegt sein. Wir verlassen diese sonnige Insel inmitten des Mischwalds Richtung des Orts. Es kommt, wie es kommen muss:  Die verlorene Höhe muss zurückgewonnen werden. Wenigstens gibt es direkt an der Kreuzung bergauf noch einen herrlichen Blick auf Olfen.

Grob behauene Findlingssteine, die die Erbacher Grafen im Jahr 1544 zur Grenzmarkierung aufstellen ließen, tauchen im weiteren Verlauf auf. Ein paar Meter abseits, am Nibelungensteig, ist das Olfener Bild zu sehen, ein einfacher spätgotischer Bildstock aus Sandstein. Es wird auf den Beginn des 16. Jahrhunderts datiert und lag auf dem Weg der Gläubigen nach Schöllenbach oder Walldürn. Zurück auf unserem Drachenweg folgt bald mit das schönste Stück. Wir überqueren auf einem Waldpfad die Landesstraße von der Olfener Höhe Richtung Güttersbach, um auf der anderen Seite genauso weich auf Tannenadeln weiterzulaufen.

Danach wird’s kurzzeitig monoton: Mit dem Rechtsschwenk auf den Waldweg bleiben wir auf den nächsten 3,5 Kilometern auf etwa 400 Höhenmetern und umrunden Güttersbach im Süden. Viel zu sehen gibt’s nicht, höchstens ab und zu mal ein Motorrad zu hören. Das Nadelgehölz ist einfach zu dicht. Immerhin können wir hier, ohne Steigerungen, strammen Schritts schnell eine längere Strecke runterreißen. 

Kurz hinter dem Vogelberg winken an der Schutzhütte die sattgrünen Wiese mit tollem Blick ins Tal.  Wir aber biegen nach rechts auf den Vogel-Lehrpfad ein und lassen uns auf dem letzten Kilometer mit dem Wissen über die heimische Fauna und Flora versorgen. Imposant liegt plötzlich die vom Blitz gefällte Wetterfichte im Weg. Sie wirkt mit ihrem zahlreichen Verästelungen wie ein aus den Alien-Filmen entsprungenes monströses Wesen.

Der Rest ist ein Klacks. Noch ein Stück bergab, zwischen landwirtschaftlichen Gehöften hindurch, genießen wir Aussicht und Landluft, ehe unser Ausgangspunkt in Reichweite liegt. Wir wissen bereits, was uns erwartet: Der „Worscht-Automat“ mit allerlei Flüssigem und noch mehr Festem, süß, salzig und deftig. Zahlreiche Wurstsorten sichern das spätere Grillen auf der Terrasse.

Name: Drachenweg „Triumphalis“ Hüttenthal

Länge: 16 Km

Dauer ohne Pausen: 4 Stunden

Höchster Punkt: 545 m

Niedrigster Punkt: 277 m

Höhenmeter insgesamt: 379

Kategorie: mittel

Wanderzeichen: grünes MD über grüner 1 im Hufeisen

Ausschilderung: gut

Verpflegung: „Worscht-Automat“ an der Mossautalhalle mit Süßigkeit, Getränken und Snacks

Sehenswürdigkeiten: Olfener Bild, Rotes Wasser, Siegfriedbrunnen, Weißfrauenbrunnen

Mehr Infos: https://www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f15411c0e3c1c0fedd159fc

Ortsbeirat hat einen Blick auf die Straßen

Ober-Hainbrunn. Die Agenda ist reich gefüllt für den Ortsbeirat, wenn er nach der konstituierenden Sitzung erstmals in der neuen Legislaturperiode wieder gegen Ende des Monats zusammenkommt. Den Straßen gilt dabei viel Aufmerksamkeit, innerorts und außerorts. Aktuell wird gerade die L 3119 zwischen Ober-Hainbrunn und Finkenbach unter Vollsperrung komplett saniert. Das bringt für die Anwohner einige Erschwernisse mit sich, wenn sie ein Dorf weiter wollen.

Zwischenzeitlich konnte man noch innerörtlich über Post- und verlängerte Talstraße ein Stück weit die gesperrte Strecke umgehen. Doch das war nicht von längerer Dauer. Die reguläre Umleitung führt ab dem Brombacher Wasser über Rothenberg und dann oberhalb von Beerfelden am Deltaparcours wieder zurück ins Tal. Die Bauarbeiten von Hessen Mobil sollen bis in den Herbst hinein andauern. Nächstes Jahr geht es dann innerorts weiter.

In dem Zuge ist auch die Stadt gefordert, sich an die Überprüfung von Kanälen und Wasserleitungen zu machen, um sie dann gegebenenfalls in einem Aufwasch zu erneuern. Auf jeden Fall sind wieder größere Einschränkungen zu erwarten. Der Ortsbeirat will sich in dem Zuge der Straßensanierung auch um die Aufhübschung der Bushaltestellen kümmern, erläutert Ortsvorsteher Stefan Hofmann. Denn die sollen teilweise behindertengerecht ausgebaut werden und einen höheren Randstein erhalten. Und da könnte man, so die Idee, doch auch gleich was am Outfit machen.

Im Rahmen der Flurbereinigung ist daneben die Erneuerung von innerörtlichen Straßen geplant. Teilweise geschah dies schon in der verlängerten Poststraße. Noch in der Mache ist der Verbindungsweg vom Sägewerk Ihrig hoch nach Rothenberg und der Panoramaweg oberhalb des Ortes, der das Himmelreich mit der verlängerten Poststraße verbindet. „Das muss man gut begleiten“, weiß der Ortsvorsteher um die Langwierigkeit einer solchen Maßnahme. Er hofft auf eine Realisierung im kommenden Jahr.

Der gut angenommene Spielplatz bei der Sporthalle soll erweitert werden, informiert Hofmann. Beim Land wurde der Antrag auf Förderung eines Bodentrampolins gestellt, erzählt er. Auch diese Realisierung könnte aber in 2022 rutschen. Außerdem braucht der dortige Zaun eine Auffrischung. Durch die aktuell hohen Metallpreise verzögert sich ebenfalls die Realisierung. Man will die Preisentwicklung abwarten.

Der Freiwilligentag ist in Ober-Hainbrunn immer eine Erfolgsgeschichte. Selbst während der Corona-Pandemie werkelten vergangenen September zahlreiche Ehrenamtliche im Ort und kümmerten sich um die Instandsetzung. „Den wollen wir weiterführen“, bekräftigt Hofmann. Sein Wunsch ist außerdem eine eigene, stationäre Geschwindigkeitsmesstafel fürs Dorf. Denn gerade in der Neckarstraße wird oft und gerne gerast.

Die Vereine sind die Stütze des örtlichen Lebens und halten mit ihren Veranstaltungen die Geselligkeit hoch. Deshalb ist es dem Ortsbeirat ein Anliegen, sie bei ihren Aktivitäten zu unterstützen, kündigt Hofmann an. Und damit den Vereinen die Mitglieder nicht ausgehen, will man auf Zugezogene zugehen und sich um ihre bessere Integration ins Ortsleben kümmern. „Wir haben relativ viel Zuzug“, freut sich Hofmann. Man will „die Leute abholen“, damit sie sich im Ort engagieren. Als erster Schritt ist eine Neubürger-Broschüre angedacht.

Endlich wieder Live-Musik

Beerfelden. Endlich wieder ein Live-Konzert in der Martinskirche. Iris Thierolf, Arne Müller und David Krahl begeisterten das ausverkaufte Gotteshaus mit ihrem Programm „Traum durch die Dämmerung“. Die Sehnsucht nach den echten Schwingungen, wie sie nur „live“ erlebt werden können, war allgegenwärtig. Der für die Liturgie an diesem Abend zuständige Pfarrer Roland Bahre stellte mit den Aufführenden drei musikalische Aushängeschilder der Region vor.

Die Leistungen der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden während der Pandemiezeit waren gewaltig: Jede Woche eine Onlineandacht, jeden Monat ein ausschließlich für das Internet eingespieltes Konzert und Nutzerzahlen bis in den vierstelligen Bereich für einzelne Veranstaltungen. Ganz besonders Pfarrer Roland Bahre und Kirchenmusikerin Iris Thierolf leistete hier großartige Arbeit. Die bewahrte die Gemeinde im vergangenen Jahr davor, ihre Identität zu verlieren, und erschloss stattdessen möglicherweise sogar einen neuen Kreis Interessierter.

Das Aufatmen der Zuhörer angesichts des ersten Konzertgottesdienstes war durch die Masken hindurch vernehmbar. In Windeseile waren nach der Bekanntgabe des Termins die maximal 200 Besucherplätze vergeben. Eine lange Warteliste musste mit Bedauern nahezu unberücksichtigt bleiben. Die Sehnsucht nach den echten Schwingungen, wie sie nur „live“ erlebt werden können, war allgegenwärtig.

In wechselnden Besetzungen, aber immer mit Iris Thierolf als höchst umsichtiger und feinfühliger Begleiterin am Klavier, wurde gesungen und gestrichen. Der vom Hohberg stammende David Krahl bestach mit seiner hervorragend ausgebildeten Baritonstimme und souveräner Bühnenpräsenz. Thierolf war präsent als dessen langjährige Lehrerin und ihn fördernde Chorleiterin mit warmem, facettenreichem Sopran, Arne Müller fungierte als einfühlsamer Begleiter im Trio und als virtuoser Solist im Zusammenspiel mit Partnerin Iris Thierolf.

Der berühmte Funken sprang schon beim ersten Titel über – einem Lied von Richard Strauss, dessen Titel „Traum durch die Dämmerung“ namensgebend war. Nicht weniger begeistert wurden Lieder von Wagner und Vaughan-Williams für Bariton aufgenommen. Ganz hervorragend harmonierten die Stimmen von Thierolf und Krahl bei Liedern von Mendelssohn und Hallén für Sopran und Bariton.

Auszüge aus großen barocken Oratorien von Händel („Sibilar gli angui d’aletto“ aus der Oper Rinaldo) und Bach („Mach dich, mein Herze, rein“ aus der Matthäus-Passion) zeigten die gestalterische Bandbreite Krahls. Zeitgenössisch wurde es mit einer höchst eindrucksvollen Komposition von Iris Thierolf, in der Krahl überaus anschaulich den bösen Verlockungen der Hexe Loreley verfiel.

Zwischendurch füllte die angesichts Müllers Körpergröße doch recht zierliche Geige mit barocken Klängen von Corelli und Vitali den Raum. So gab es die Gelegenheit, geigentechnische Spezialitäten wie Doppelgriffspiel und rasante Tonfolgen in Verbindung mit fast romantisch besinnlichen Melodien zu erleben.

Mit dem Verklingen der letzten Töne der Barcarolle von Offenbach erhob sich das gesamte Publikum von seinen Sitzen und bejubelte neben den Solisten wohl auch das Wiederbeleben des Musizierens „in Präsenz“. Zwei Zugaben – Korngolds „Mein Sehnen, mein Wähnen“ und Humperdincks „Abendsegen“ – sorgten für einen etwas längeren Gottesdienst als üblich.