Evangelische Kirchengemeinden in der „Südkurve“ arbeiten zusammen

Die Kirchengemeinden müssen mit der Zeit gehen, sonst gehen sie mit der Zeit. Auf diesen Nenner lassen sich die Bestrebungen der Protestanten von Rothenberg, Hirschhorn, Neckarsteinach und Darsberg seit nunmehr 20 Jahren bringen. Die drei Pfarrer und Kirchenvorstände arbeiten immer intensiver zusammen, um das Feld für die Zukunft zu bestellen. Denn mittelfristig dürften nur noch zwei statt bisher drei Geistliche die „Südkurve“ mit ihren derzeit 3300 evangelischen Gläubigen (Tendenz abnehmend) betreuen, erläutert Rothenbergs Pfarrer Reinhold Hoffmann.

Die drei Gemeinden sind in Sachen seelsorgerischer Betreuung „überbesetzt“, erklärt er. Im Schnitt werden pro Pfarrer 1500 Schäfchen kalkuliert, weiß Hoffmann. Da der Rothenberger Gottesmann bereits Anfang 60 ist und sein Hirschhorner Kollege Jörg Awischus stramm auf dieses Alter zugeht (Norbert Feick aus Neckarsteinach ist der jüngste im Bunde), ist absehbar, wann der erste in Rente gehen wird. Er macht aber auch klar, „dass derzeit nicht gekürzt wird“.

Das Trio treibt seit zwei Jahrzehnten die Zusammenarbeit auf verschiedenen Feldern voran. „Besser jetzt agieren, wenn wir es in Ruhe tun können, als später unter Druck zu reagieren“, betont Hoffmann. Den Geistlichen geht es darum, ihre Pfarrgemeinden für potenzielle Nachfolger attraktiv zu gestalten. In ein paar Jahren, blickt er voraus, „werden jedes Jahr 100 Pfarrer in den Ruhestand gehen und nur 30 kommen nach“. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass 70 Pfarrhäuser leer stehen werden.

„Es ist nicht einfach, junge Pfarrer aufs Land zu locken“, sagt der Rothenberger. Dazu müssen schon die Rahmenbedingungen passen. „Wir schätzen unsere liebenswerten Gemeinden“, betont er, „und wollen, dass sie weiterhin gut versorgt sind“. Hoffmann bezeichnet dies „als den eigentlichen Motor fürs Zusammenwirken“.

Start der Kooperation war vor 20 Jahren mit der Urlaubsvertretung in den südlichsten hessischen Ecken von Odenwaldkreis und Bergstraße. Es folgte der „Kanzeltausch“ an hohen Feiertagen. „Weil es so gut funktionierte“, wurde vor ein paar Jahren das Projekt Sommerkirche ins Leben gerufen. „Einer für alle“ heißt es dann an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen, sodass die Kollegen zwei Wochenenden frei haben.

Darauf aufbauend folgte laut Hoffmann der „Nachbarschaftsgottesdienst“. Dieser läuft übers ganze Jahr. Hierbei hält ein Pfarrer an einem Sonntag alle Gottesdienste in den drei Orten, sodass die anderen beiden ein Wochenende im Monat frei haben. Das hat den Vorteil, „dass jeder von uns in den Kirchengemeinden bekannt ist“, hebt er hervor. Das sei gerade bei Beerdigungen von Vorteil.

Als neuste Entwicklung findet jetzt im zweiten Jahr der Konfirmations-Unterricht teilweise gemeinsam statt. Der demographische Wandel beförderte diese Entwicklung. Waren es früher 20, sind es in diesem Jahr gerade noch acht Rothenberger Konfirmanden. In Hirschhorn sogar nur noch fünf. So wenige werden es den Prognosen nach auch bald in der Odenwald-Gemeinde sein.

Für den Rothenberger Pfarrer bringt das auch ganz praktische Vorteile mit sich. Im Zusammenwirken mit den anderen „macht der Unterricht noch mehr Spaß“, sagt Hoffmann. „Das hat mehr Drive gegeben.“ Er empfindet es „als großen Gewinn für die Jugendlichen“, dass sie drei Ansprechpartner haben.

„Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, muss sich alles ändern“: So prophetisch hieß es bereits Giuseppe Tomasi di Lampedusas „Leopard“. Für die Kirchengemeinden gilt Ähnliches: Bei der Gestaltung der Zukunft werden die eigenen Möglichkeiten genutzt. Eine Fusion soll es nicht geben, beruhigt Hoffmann. Denn man weiß um die Unterschiede in Tradition und Geschichte. Jedoch wird das Büro für alle drei Kirchengemeinden in Hirschhorn konzentriert. Die Kirchen selbst „sind nicht aufgebbar“, macht er klar. Aber bei den anderen der insgesamt elf kirchlichen Gebäude in den drei Kommunen „muss man schauen, welche man braucht“.

Die unterschiedlichen Kompetenzen der drei Kirchengemeinden sind in der Region verteilt. Kinder, Jugend- und Familienarbeit sind eher in Neckarsteinach angesiedelt, Besuchsdienst, Kontemplation und Lesungen in Hirschhorn, Hospizarbeit in Rothenberg, Kirchenmusik in Neckarsteinach und Rothenberg. „Das hat keinen Sinn, wenn jeder alles einzeln machen wollte“, sagt Pfarrer Hoffmann,

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Neues Programm der Langbeinfreunde startet vielversprechend

Mit viel Elan und guten Ideen ist der Vorstand des Freundeskreises Langbeinsche Sammlung ins Jahr 2019 gestartet. In enger Zusammenarbeit haben die Mitglieder etliche Ideen für Events und Ausstellungen zusammengetragen, die jetzt auf Machbarkeit geprüft werden. Die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen und versprechen interessante Veranstaltungen.

Als nächstes steht die ordentliche Mitgliederversammlung an. Diese findet am Freitag, 15. März, um 19.30 Uhr im Gasthaus „Goldene Pfanne“ statt. Neben den üblichen Regularien stehen satzungsgemäß Neuwahlen des Vorstandes an. Es gibt vielversprechende neue Kandidaten. Wer auch einen Kandidatenvorschlag hat, richtet diesen bitte per Mail an vorstand@museum-hirschhorn.de.

Unter dem Titel: „Ein neuer alter Nachbar – Erfahrungen im Zusammenleben von Mensch und Wolf“, hält Sebastian Ehret von der Uni Kiel einen interessanten Vortrag im Museum. Etwa 60 Minuten plus anschließender Diskussion sind dafür vorgesehen. Darin berichtet er von seinen Forschungsaufenthalten in den Wolfsgebieten der Lausitz und gibt Einblicke in die verschiedenen Positionen und Erfahrungen von Menschen, die seit fast 20 Jahren mit, gegen oder einfach neben dem Wolf leben. Termin: 30. März, 19 Uhr, im Museum. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erlaubt.

Im Rahmen des internationalen Museumstages findet am Sonntag, 19. Mai, 15 Uhr, eine Museumsführung mit „Johann Anton von Breitfeld“ statt: ein Zeitgenosse von Carl Langbein aus der szenisch-musikalischen Museumsführung, den Hans-Jürgen Waibel verkörpert. Viele Exponate werden vorgestellt und manche Anekdote, bei der Mark Twain nicht fehlen darf, lässt schmunzeln. Eintritt und Führung sind frei. Spenden erlaubt.

Mehr Infos finden auf http://www.museum-hirschhorn.de

Weiter keine Einigung im Tarifstreit bei Meto

Auf der Betriebsversammlung von Meto in Hirschhorn, einem führenden Hersteller von Preisauszeichnungsprodukten, gab es nur ein Thema: Der seit knapp zwei Jahren anhaltende Tarifstreit zwischen dem Arbeitgeber und der Gewerkschaft IG Metall. Der Betrieb war laut Mitteilung der Gewerkschaft 2017 in die sogenannte OT-Mitgliedschaft (ohne Tarifbindung) des Arbeitgeberverbandes gewechselt. Betroffen sind etwa 140 Arbeitskräfte.

„Mit dieser Tarifflucht versucht sich Meto seiner tariflichen Verpflichtungen gegenüber den Arbeitnehmern zu entledigen“, so Jochen Homburg, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Darmstadt in seiner Nachricht. Auf der Betriebsversammlung ließ zunächst Betriebsratsvorsitzender Gernot Walter die verschiedenen Einigungsversuche der vergangenen beiden Jahre mit den gemachten Vorschlägen zur Lösung des Konfliktes Revue passieren. Mit jedem dieser Vorschläge „versuchte die Geschäftsleitung einen finanziellen Beitrag der Mitarbeiter zu bekommen“ sagte Walter. Als Grund werde die Sanierung des Betriebs genannt.

Danach erläuterte Homburg den Vorschlag eines Sanierungstarifvertrags von Gewerkschaft und Betriebsrat. Dieser hätte bei gleichzeitiger Zusage einer Standortgarantie und eines Kündigungsschutzes für die Laufzeit des Tarifvertrags den teilweisen Verzicht auf tarifliche Rechte bedeutet. „Dieser Sanierungstarifvertrag wurde von der Geschäftsleitung zurückgewiesen und insbesondere der Kündigungsschutz für alle Abteilungen abgelehnt“, bedauerte er.

Die Geschäftsleitung blieb laut IG Metall der Veranstaltung trotz vorheriger Zusage fern. „Sie entzog sich damit der Diskussion mit der Belegschaft“, so die Gewerkschafter. Walter und Homburg stellten auf der Versammlung noch einmal klar, dass die Herausnahme eines Belegschaftsteils aus dem Kündigungsschutz inakzeptabel sei. Aufgrund der fehlenden Stellungnahme der Geschäftsleitung zu diesem Thema wurde die Versammlung nicht beendet, sondern nur unterbrochen, teilte die IG Metall mit.

Thin Lizzy Tributeband ist im Hüttenwerk „Live and Dangerous“

Phil Lynott hat mit seiner Band „Thin Lizzy“ Musikgeschichte geschrieben. Nicht nur das von ihm neu interpretierte irische Traditional „Whiskey in the Jar“ ist in den Gehörgängen auf Jahrzehnte hängengeblieben. Wie prägend die Gruppe wirklich war, merkt man erst, wenn es bei etlichen anderen Songs einen Aha-Effekt gibt. „Live and Dangerous“ aus dem Jahr 1978 zeigte die Hardrockband auf der Höhe ihres Schaffens – und genau dieses Live-Doppelalbum spielte die Thin Lizzy Tributeband bei ihrem Auftritt im Hüttenwerk komplett hoch und runter, garniert mit ein paar weiteren Hits.

Das Front-Trio macht Laune. Paul McGilley, der Phil Lynotts Gesang super draufhat, und die beiden Gitarristen Andy Kirchner und Bobby Stöcker sind ständig in Bewegung, animieren die Besucher vor der Bühne. Hintendran sorgen Wolfram Klug (Bass) und Volker Stenger (Schlagzeug) für die treibenden Rhythmen. Letzterer eifert bei seinem Solo Original-Drummer Brian Downey nach, der derzeit ebenfalls tourt und exakt die gleiche Scheibe im Gepäck hat.

Der 66-jährige Downey gehörte 1969 gemeinsam mit dem inzwischen bereits verstorbenen Bassist und Sänger Phil Lynott zu den Gründern von Thin Lizzy. Im Verlauf seiner Karriere als Schlagzeuger war er zudem an diversen Lynott-Soloalben sowie Gary-Moore-Produktionen beteiligt – darunter auch der Meilenstein „Still Got The Blues“. Am 13. Februar in Aschaffenburg (Colos-Saal) und am 14. Februar in Mannheim (7er Club) können Fans den Vergleich wagen – wer trommelt besser, wer singt besser den Phil?

Apropos Gary Moore: Thin Lizzy produzierte nicht nur Hits am laufenden Band, sondern war oftmals auch erste Station für Musiker, die danach selbst zu einiger Berühmtheit kamen. Wie etwa für den schon 2011 verstorbenen irischen Ausnahmegitarristen. John Sykes, aus dessen Wirken „Holy War“, „Hollywood“ und „Cold Sweat“ zu hören waren, oder Tommy Aldrigde spielten später bei Whitesnake.

Die Twin-Guitars, das zweistimmige Gitarrenspiel, war seit jeher ein Markenzeichen der irischen Band. Kirchner und Stöcker beherrschen es in Perfektion – samt der zugehörigen Rockerposen. Denn der Name verpflichtet: Schließlich heißt ein Originalsong auch „The Rocker“. Ob das balladeske „Rosalie“ oder das fetzige „Waiting for an Alibi“: McGilley ist stimmlich sehr nah dran am Original. Am besten lässt man ihn einfach singen, denn seine Moderation ist etwas speziell.

Zum Glück werden aber zwischen den Songs nicht viele Worte gewechselt. Die Musik zählt. „Dancing in the Moonlight“ zeigt die sanfte Seite des harten Jungen Lynott, der sich durch Alkohol und Drogen so zugrunde gerichtet hatte, dass sein Körper Anfang 1986 streikte. Bezeichnend für Phil Lynotts großes Talent als Songwriter waren seine Texte, oftmals melancholisch geprägt, die Außenseiter, Verstoßene, Verzweifelte und Missverstandene oder Männer-Klischees zum Inhalt hatten.

Die Coverband gibt es in dieser Besetzung erst seit einem Jahr. Im Hüttenwerk war das Quintett zum ersten Mal zu Gast. Die Fans begeistert es mit einem Sound, wie das Original bei einem seinem letzten Auftritte mit dem Frontmann 1983 geklungen haben dürfte. Paul McGilley wird nicht müde, die Zuschauer zum Mitsingen zu animieren, springt bei den weltbekannten Tönen von „Whiskey in the Jar“ kurzerhand einfach mit dem Mikro von der Bühne.

„China Town“ oder „Jailbreak“ sind weitere Stücke mit fetzigem Sound und einprägsamen Gitarrenriffs. Kirchner und Stöcker wechseln sich in den Soli ab, was den Liedern jeweils eigene Akzente gibt. Sowieso ist deutlich zu spüren, dass da Profis auf der Bühne stehen, die Metier bis ins Effeff beherrschen. Bobby Stöcker etwa spielt auch in einer Whitesnake- oder Kiss-Tribute-Band mit. „Still in love with you“ zeigt, dass Thin Lizzy auch Balladen kann, während „Killer on the loose“ wieder die Hosenbeine flattern lässt. „The Boys are back in town“ heißt es zum Schluss nicht ohne Grund – sie kommen bestimmt wieder.

Info: Mit „Coversnake – Tribute to Whitesnake and David Coverdale” ist Gitarrist Bobby Stöcker am Samstag, 9. Februar, 21 Uhr, zu Gast im Hüttenwerk Michelstadt. Weiteres unter http://www.huettenwerk.info

Hirschhorn Mal wieder von den Neckarfluten getroffen

Hirschhorn dieses Mal nicht am Neckar, sondern im Neckar. Die starken Regenfälle der vergangenen Tage ließen den Fluss auch im hessischen Neckartal kräftig anschwellen. In Hirschhorn wurde die Uferstraße samt den angrenzenden Altstadtgassen einmal wieder überschwemmt. Das zweijährliche Hochwasser sollte aber laut Vorhersagen bereits heute Nachmittag seinen Scheitelpunkt am maßgeblichen Pegel Gundelsheim erreicht haben. Somit ist für morgen bereits wieder mit einem Abflauen der Fluten zu rechnen. Für die Anwohner im hessischen Neckartal ist ein solches Hochwasser allerdings business as usual. Sie sind bei weiterem Schlimmeres gewöhnt. Zuletzt vor zweieinhalb Jahren gab es ein 20-jährliches hochwasser, das etliche Keller in den Altstadthäusern unter Wasser setzte. Somit sind es nicht die braunen Fluten, die am meisten Sorgen machen, sondern die unappetitlichen Hinterlassenschaften, die der Bauhof nach jedem neuen Hochwasser wieder von den Straßen kratzen muss. Wie auch im benachbarten Neckarsteinach, wo der Neckarlauer unter Wasser stand.

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Die knalligen Rocksongs gehen runter wie Öl

Wenn die Odenwälder Band „ØL“ ihre Fans ruft, kann sie sicher sein, dass das Hüttenwerk aus allen Nähten platzt. Wie auch jetzt wieder beim Konzert rund um den Jahreswechsel. Die fünfköpfige Truppe aus Erbach und Michelstadt setzt dabei Jahr für Jahr auf Altbewährtes und liefert eine solide Mischung aus schnörkellosem Independent-, Alternative-, aber auch melodischen Mainstream-Rock, garniert mit ein paar Balladen. Und das ohne Pause zweieinhalb Stunden lang.

Über zwei Jahrzehnte gibt es die Band bereits. Die beiden Erbacher Gründungsmitglieder Sebastian Schimmer (Gesang und Gitarre) sowie Schlagzeuger Sascha Brandel bilden das Fundament. Michelstadt wird vertreten von Jens Weimar (Gitarre, Gesang) und Dirk Weimar (Keyboards). Marcus Hartmann (Bass, Gesang) zog es zwischenzeitlich von Erbach weg nach Stuttgart, aber für diverse Gigs kommt er natürlich zurück in die alte Heimat.

Was auf den Studio-Einspielungen eher bisschen glattgebügelt rüberkommt, lebt auf der Bühne von der überschäumenden Spielfreude. Die Songs haben bis auf ein paar Ausnahmen Hitpotenzial, sind eingängig, haben griffige Refrains, oft auch zum Mitsingen. Gepaart mit der Spielfreude der fünf Musiker, eine Kombination, die unter den Fans bestens ankommt.

„Jeder bringt bestimmte Einflüsse mit“, erzählt Jens Weimar. Das Spektrum ist ziemlich breit gefächert und reicht von Bands wie Nirvana bis hin zu aktuellen Pop-Produktionen (Coldplay oder Ed Sheeran). „Diese Einflüsse verbinden sich letztendlich zu unserer Musik.“ Die letzte Einspielung „Decades“ erschien 2016 zum 20-jährigen Bestehen der Band. „Wir sammeln momentan aber Material für ein neues Album“, kündigt der Gitarrist an. „Wann das rauskommt, steht aber noch nicht fest“, schmunzelt er.

Die Lieder entstehen im Wesentlichen aus Ideen der Mitglieder (hauptsächlich Sebastian Schimmer, teilweise Jens Weimar) und werden dann in verschiedenen Besetzungen im Proberaum ausarrangiert, sagt er. Für die Texte ist fast ausschließlich der Gitarrist verantwortlich. In voller Besetzung tritt die Gruppe derzeit nicht sehr oft auf. Es gibt aber auch eine „Unplugged“-Version von ØL, die im Wesentlichen aus Schimmer und Weimar besteht, teilweise noch Brandel. Diese abgespeckte Version ist 15 bis 20 Mal pro Jahr live zu sehen.

„Das Feedback ist überwiegend positiv“, freut sich Weimar. Die Musik von „ØL“ wird in Magazinen als nicht extrem spektakulär, aber ausgesprochen eingängig und zeitlos beschrieben, „was uns sehr freut“. Die Band hat nicht den Anspruch, „bemerkenswert innovativ zu sein“, witzelt er. Die Bandmitglieder wollen einfach nur Musik produzieren, „mit der wir uns identifizieren können“. Mit Erfolg: „Das persönliche Feedback, das wir bekommen, ist zumeist sehr positiv.“

Das Quintett geht ziemlich schnörkellos zu Werke. Ausufernde Gitarren- oder Schlagzeug-Soli zur Selbstdarstellung gibt es praktisch nicht, kein Stück hat mehr als drei oder vier Minuten. Musikalisch lässt sich die Band in keine Schublade stecken. Einem richtigen Rocker dürften ein paar der Songs zu soft sein. Manchmal kommt ein Stück fast balladesk daher. Allerdings ist ja bekannt, dass Rockmusiker die schönsten Schmusesongs schreiben.

Auf der anderen Seite rockt das Quintett dann so überraschend wieder los, dass die Hosenbeine vor lauter Bass- und Bassdrum-Vibrationen flattern. Punk- und Indierock-Einflüsse sind manchmal unverkennbar. Manche Riffs erinnern an Fischer Z, Fury in the Slaughterhouse lässt sich auch wenig heraushören, zum Schluss wird’s dann monumental wie bei U2. Durch spacige Keyboard-Töne schleicht die eine oder andere progressive Komponente ein.

Frontmann Sebastian Schimmer ist wie ein Dopsball auf dem Bühne unterwegs und steckt seine ebenfalls stehenden Kollegen Marcus Hartmann und Jens Weimar mit seinem Bewegungsdrang immer wieder an. Drei Mann wie auf Kommando hopsend: Das hat was. Dirk Weimar ist eher einer von der stoischen Sorte, während sich Sascha Brandel an seiner Schießbude kräftig abarbeitet.

Ökumenisches Gebet über die Zukunft der Kirchengemeinden im Mossautal

Es war ein Neuanfang in Form eines Gebets: Beerfeldens evangelischer Pfarrer Roland Bahre, seit einem halben Jahr Vakanzverwalter der Kirchengemeinden Güttersbach und Mossau, stößt in seiner Arbeit immer wieder auf neue Aufgaben und kommt – auch zeitlich – an seine Grenzen. Um nun neue Wege zu gehen und „mehr Gottvertrauen zu wagen“, hatte der Geistliche zu einem ökumenisches Neujahrsgebet über die Zukunft der Kirchengemeinden im Mossautal in die Quellkirche Güttersbach eingeladen.

Das eine oder andere kurzfristige Projekt wie die Erntedanksammlung brachte er zwischenzeitlich auf den Weg. „Für eine nachhaltige Gestaltung fehlt mir aber naturgemäß der lange Atem“, sagt Bahre. Gerade um diesen Atem, den Geist Gottes, „haben wir in diesem Neujahrsgebet gebetet“, erläutert er. Als Vakanzverwalter ist es seine Aufgabe, die Kirchengemeinden pfarramtlich zu betreuen und die Kirchenvorstände zu begleiteten Projekten anzustoßen.

Als Pfarrer, so Bahre, „gebe ich von Herzen das Beste“. Allerdings ist der Weg für die Kirche im Mossautal steinig, stellt er fest. Auch für die Seelsorge hat er kaum Kapazitäten. „Deshalb wurde es Zeit, Gott um seine Hilfe zu bitten, denn die Zukunft der Kirche liegt in seinen Händen“, formuliert der Geistliche den dringenden Handlungsbedarf. „Eine Kirche, in der der Geist Gottes nicht weht, ist ein Museum mit religiöser Kulisse. Eine Kirchengemeinde ohne den Geist Gottes ist schlicht leblos und nichts wert“, betont er.

Der Abend folgte keinem festen liturgischen Programm, schildert der Beerfelder Pfarrer. Es war keine besondere Form vorbereitet, „wir haben uns einfach treiben lassen“. Allen ging es hinterher so, dass sie selbst überrascht waren. Eingeladen waren nämlich Gäste aus der Pfingstgemeinde Michelstadt, die den Gebetsabend mit Lobpreis, Gebeten und Erzählungen über Gott mitgestalteten. So wurde es beinahe zu einem Konzert, „in dem wir gemeinsam beteten, sangen, Gott lobten und um seinen Segen baten“. Es war sehr beschwingte Musik, mit Klavier, Gitarren und Cachonne, die zum Mitsingen und -tanzen einlud.

Der Kontakt zwischen der evangelischen Kirchengemeinde und der Pfingstkirche in Michelstadt kam zustande, weil zwei Mitglieder der Pfingstgemeinde in Unter-Sensbach wohnen und Teil des Bibelkreises sind, den die Protestanten in Hebstahl über die Wintermonate anbieten. So entstand ein guter Kontakt zwischen den beiden Pfingstlern und Bahre, der sie einlud, für die Zukunft der Kirchen im Mossautal mitzubeten. „Eine tolle Fügung“, freut er sich.

Die Art der Pfingstgemeinde, Gott zu loben und ihn in die Kirche einzuladen, ist für evangelische Christen gewöhnungsbedürftig, weiß der Pfarrer. Deshalb war es eine ungewöhnliche Veranstaltung in einem evangelischen Gotteshaus, „aber ein tolles Erlebnis für alle“, stellt er fest. „Und mir persönlich sehr wichtig.“ Es waren etwa 50 Besucher dabei: Außer Gemeindegliedern vor allem Mitglieder der Pfingstgemeinde, aber auch Konfessionslose und Katholiken. „Viele junge, sehr engagierte Christen“, hebt er hervor.

Die Resonanz war sehr positiv. Melanie Kredel aus Ober-Mossau meinte: „Ich hatte sehr viel Spaß und hätte gerne mitgetanzt. Gerade dass so viele junge Leute dabei waren, fand ich toll. Ich war hin und weg.“ Christiane Spatz, ebenfalls aus Ober-Mossau, betonte: „Ich nehme etwas mit heim. Die gute Stimmung und die Begeisterung: Da wurde Glauben lebendig.“ Gisela Emig aus Unter-Mossau ergänzte: „Ich hatte das Gefühl, Gott ganz nah zu sein.“ Auch einige Tage später bekam sie noch Gänsehaut. Auch die Gäste der Pfingstgemeinde waren sehr angetan. Alle waren sich einig, dass dies der Beginn von gemeinsamen Veranstaltungen sein wird.

Die Kirchenvorstände von Güttersbach und Mossau sowie Pfarrer Bahre waren am vergangenen Wochenende auf einer Klausurtagung, um unter professioneller Anleitung zweier Gemeindeberater/Supervisoren die Vergangenheit aufzuarbeiten und zu schauen, „wie wir die Zukunft der Kirchengemeinden gestalten können“. Aktuell ist noch kein neuer Pfarrer in Sicht.

Zu den Kirchengemeinden Güttersbach und (Unter-/Ober-)Mossau gehören auch Olfen, Hiltersklingen und Hüttenthal. Die erneute Vakanz seit dem Weggang von Pfarrerin Julia Fricke an Pfingsten 2018 ist laut Roland Bahre für alle eine Herausforderung: für das Gemeindebüro, für den Kirchenvorstand und die Ehrenamtlichen, für die Eltern der Konfirmanden, die ihre Kinder nach Beerfelden fahren müssen, aber auch für den Vakanzpfarrer Bahre, der seit Mitte 2018 hier tätig ist.

(Foto: Bernhard Bergmann)