Eine Huldigung der Besten

Sie ist einfach „Simply the Best“. Rock-Legende Tina Turner wird anlässlich ihres 80. Geburtstags im vergangenen Spätjahr allenthalben gewürdigt, unter anderem mit einem Musical und einer Musik-Show. Letztere begeistert jetzt im Mannheimer Rosengarten alle Fans von acht bis 80 – wobei die älteren, die den Superstar noch aus ihren Jugendjahren kennen, eindeutig in der Überzahl sind.

Sie alle eint die Begeisterung über die Darbietung, was wesentlich mit Tina-Darstellerin Dorothea „Coco“ Fletcher zu hat. Die fegt ab Mitte des ersten Sets mit einer Urgewalt über die Bühne und reißt das Geschehen an sich. Flechters Bühnenpräsenz sorgt dafür, dass nach einem etwas zähen Beginn, der chronologischen Erzählweise geschuldet, immer mehr Bewegung in die Zuschauer kommt, die den Mozartsaal praktisch bis auf den letzten Platz füllen.

Vasti Jackson als cholerischer Ike Turner hinterlässt in der ersten Hälfte unter den Mitmusikern den größten Eindruck. Nur schade, dass von seinem nuschelnden amerikanischen Englisch so wenig im Zuschauersaal ankommt. Andreas Walter (Bass), Ilia Skibinsky (Saxophon), Doan Pham (Drums) und Michael Shand (Keyboard) sorgen für den fetten Hintergrund-Sound, der den bekannten Songs einen fetzigen Rahmen gibt.

Nicht zu vergessen die drei „Ikettes“ Della Miles, Sharlie Pryce und Meimouna Coffi. Deren Background-Gesang im Wechsel oder zusammen mit „Coco“ Fletcher ist das Salz in der Suppe und hebt die Blues-, Rock- und Soulstücke aus der Masse hervor, gibt ihnen den nötigen Drive und Pfeffer.

„Sweet Soul Music“, „Twist and Shout“ oder der Durchbruch „A Fool in Love“ sind treibende Uptempo-Nummern, die neben dem Klassiker „Nutbush City Limits“ so richtig Bewegung in die Menge bringen. Die Köpfe im Saal fangen an zu wippen, so mancher singt selig die alten Klassiker mit. Ike und Tina Turner verkörpern den souligen, bluesigen, mit Rock-Elementen versetzten Süden Amerikas, der keinen sillsitzen lässt.

Die Trennung von Ike Turner 1976 ist dann für Anna Mae Bullock, wie sie eigentlich heißt, ein großer Einschnitt. Die folgende Pause kennzeichnet in gewisser Zeitz die Durststrecke. Aber dann geht’s mit „Private Dancer“ richtig in die Vollen. Jetzt hagelt’s einen Hit nach dem anderen, was die Fans begeistert goutieren.

Das titelgebende „Simply the Best“, „What’s Love Got to Do With It“ oder „We Don’t Need Another Hero“ aus dem Mad-Max-Film: Der Stil ändert sich, wird poppiger, wie auch in „Golden Eye“ aus dem James-Bond-Film. Aber genau das ist es, was den richtigen, nachhaltigen Erfolg und die zeitlosen Hits bringt, die im Vergleich zu den früheren Stücken wirklich jeder kennt.

Die Besucher sind bei dieser Klassikerdichte völlig aus dem Häuschen. „Coco“ Fletcher hat eine phänomenale Stimme, die alle Facetten des großen Originals rüberbringt. Sie reißt die Fans auch durch ihre Bühnenperformance mit, hat die eckigen Bewegungen des Vorbilds drauf, wie man sie im Hintergrund auf der Leinwand ein ums andere Mal im Original sieht. Ein groß(artig)er Abend.

Zusammengezimmertes Beiwerk

Gutes Ansinnen, aber schlecht umgesetzt. „The Music of Hans Zimmer & Others“ bot im Mannheimer Musensaal einen Ausschnitt der Werke des weltbekannten Filmkomponisten auf hohem Niveau. Aber sängerisches Beiwerk und untermalende Beamer-Projektion waren leider öfters auf Low-Budget-Level. Da lohnt es sich, ein paar Euro mehr in die Hand zu nehmen und Anfang 2021 in der SAP-Arena das Gastspiel des Originals zu besuchen.

Die Musik zum „Fluch der Karibik“ dürfte aufgrund des Erfolgs der Filmreihe zu den bekanntesten Werken des aus Frankfurt stammenden 62-Jährigen gehören. Das Hollywood Philharmonic Orchestra bringt das monumentale Stück zusammen mit dem Staatlichen Akademischen Symphonie-Orchester und dem Chor der Republik Weißrussland unter der Leitung von Yuri Karavaev klasse rüber.

Ein sehr gelungener Einstand – wäre da nicht die billige Nussschale gewesen, die auf der großformatigen Leinwand auf einem animierten Meer hin und her schaukelte. Waren die Rechte für Originalszenen nicht verfügbar oder zu teuer? Egal wie, hier und auch später kontrastiert die billige Hintergrund-Animation mit der pompösen Musik des deutschen Export-Schlagers.

„Rain Man“, „Mission Impossible“, „Gladiator“, „Interstellar“, „Pearl Harbor“ oder Dunkirk“: Hans Zimmer drückte etlichen Blockbustern der vergangenen Jahrzehnte seinen musikalischen Stempel auf. Doch nicht nur das filmische Schaffen des deutschstämmigen Könners wurde beleuchtet, sondern auch sein Leben. Allerdings leider nur zum Teil auf Deutsch durch Sopranistin Johanna Krumin.

Den Rest übernehmen ihre drei Kollegen auf Englisch, was aufgrund der schlechten sowohl sprachlichen als auch akustischen Verständlichkeit eine unglückliche Wahl darstellte. Da ging einiges an Infos verloren. „Hans Zimmer war sehr vielfältig“, erzählte die moderierende Sängerin. Stimmt: Dass er auch die Musik zu „Miss Daisy und ihr Chauffeur“, „Madagascar II“ oder „Sherlock Holmes“ schrieb, fällt neben seinen Megahits ein wenig neben runter.

„König der Löwen“ ist ein solcher, dem mit drei Titeln viel Raum gegeben wird. „Can you feel the Love tonight“ ist aber, dargeboten von Jean Marc Lerigab, einfach nur grottig. Dazu noch ein Billig-Löwe wie in einem schlechten Video-Spiel, der über die Leinwand hoppelt – das vermiest das ganze Erlebnis. Denn als ein „unvergessliches audiovisuelles Konzertereignis“ wird das Gastspiel beworben – das kann man nach der Vorstellung so und so sehen.

Was Zimmer eigentlich zu bieten hat, kommt unter anderem in der Melange von „Inception“ und „Interstellar“ oder der Musik zu den drei Superhelden-Streifen Bat-, Spider- und Superman rüber: monumentale, mächtige Musik, mitreißend präsentiert, wenn man sich auf den Klang einlässt und dem Drumherum wenig Aufmerksamkeit schenkt. Donnernde Becken, fanfarenartige Trompeten, dazu noch die majestätischen Blechbläser des Orchesters: Das macht Lust auf mehr. Aber dann bitte mit dem Original-Zimmer.