„Greifen Sie zum Hörer, rufen Sie uns an“

„Die Situation ist besonders“, formuliert es Rothenbergs evangelischer Pfarrer Reinhold Hoffmann vorsichtig. Ihn treibt die Seelsorge in Coronazeiten um. Denn die Angehörigen können von ihren Lieben nicht mehr so Abschied nehmen, wie dies bisher der Fall war. Das betrifft vor allem diejenigen Verwandten, die in den Pflegeheimen untergebracht sind und für die nun ein Kontaktverbot gilt. „Wir sind für Sie da“, fordert der Geistliche deshalb zur Kontaktaufnahme auf. „Greifen Sie zum Hörer, rufen Sie uns an“, sind seinen Worten zufolge die Pfarrer immer ansprechbar.

Die Beerdigung ist laut Hoffmann nur ein kleiner Teil dessen, was die Kirche anbietet, wenn jemand stirbt. „Es gibt auch Trauergespräche, die nach Bedarf ausgedehnt werden können“, sagt er. Allein zu Hause, ohne die Möglichkeit des Besuchs, „können Fantasien und Gedanken entstehen, wie es den kranken und älteren Menschen geht“. Die wiederum, weiß Hoffmann, verselbständigen sich und „malen ein dunkleres Bild der Realität“, als sie es eigentlich ist.

Ist ein nahe stehender Mensch gestorben, kommt noch hinzu, dass die Möglichkeit fehlt, nach dessen Tod mit jemandem darüber zu reden, „wie die letzten Stunden waren“. Oder wie es war, zu Hause zu leiden, unsicher zu sein über das was kommt.

Der Pfarrer kennt einen Fall, als ein Angehöriger an Covid-19 starb und die Angehörigen drei bis fünf Wochen auf die Beerdigung warten müssen. „Das macht mit den Menschen was“, erläutert er. Denn diese wollen einen bestimmten Schritt abschließen. „Aber hier passiert nichts.“ Die Kirchengemeinde lässt die Leute nicht allein, betont er – unabhängig von den Konfessionen. „Wir müssen es nur wissen.“

Hoffmann weist auf die Möglichkeit hin, auch zuhause Zeit für sich zu gestalten, Schwerpunkte zu setzen. Dafür hat die Rothenberger Kirchengemeinde auf ihrer Homepage sechs Haltepunkte formuliert. „Es ist normal, was passiert“, spricht der Geistliche den Hinterbliebenen Mut zu, wenn sie erschrocken auf sich selbst schauen. „Man braucht Zeit, um alles zu verarbeiten.“ Selbst mit den Toten sprechen zu wollen, kann in dieser besonderen Situation vorkommen.

„Sie sind nicht allein“, ist Hoffmanns wichtigste Botschaft. Die Pfarrer des Dekanats im Odenwaldkreis, zu dem auch die evangelischen Kirchengemeinden Hirschhorn und Neckarsteinach gehören, gehen auf die Menschen zu. In solchen Ausnahmesituationen ist es für ihn ganz wichtig, „mit jemandem zu sprechen, dem man vertraut“. Er animiert dazu, die Scheu abzulegen und den Hörer in die Hand zu nehmen.

Da der Geistliche um diese Zurückhaltung weiß, agiert er proaktiv, ruft Menschen an, die mit der Kirche verbunden sind, fragt sie, wie es ihnen geht. Seine Erfahrung: Nach dem ersten Erstaunen lässt sich spüren, „dass es ihnen guttut, wenn sie jemand Vertrautes hören“. Deshalb kann Hoffmann gar nicht oft genug betonen: „Ja, Sie dürfen anrufen.“ Es ist keine Belästigung. Es handelt sich um ein Angebot, „mit dem wir Pfarrer für die Menschen da sind“.

Der Rothenberger Pfarrer hat beobachtet, dass die Kontaktlosigkeit, das Abstandhalten, die Menschen bedrückt. „Ein Stück Vertraulichkeit geht verloren“, nennt er es. Das Landleben wird in dieser Zeit besonders geschätzt, wenn man noch in den eigenen Garten raus kann. Es kommt aber kein Besuch mehr.

Selbst wenn die Enkel im selben Haus wohnen, soll kein Kontakt stattfinden. „Jemand ist da und doch nicht da“, legt er den Finger in die Wunde. Die persönlichen Berührungen, übers Haar fahren, in den Arm nehmen – all das fehlt den (älteren) Menschen.

Für Hoffmann ist auch das zurückliegende Osterfest ein Beispiel für langsames Lernen, „wie man sich Entlastung und Trost holen kann“. Denn auch die Osterereignisse hätten laut der Bibel Zeit gebraucht, um bei den Menschen anzukommen. Seine Empfehlung: „Lasst uns üben, uns am Telefon gutzutun.“ Die Pfarrer wollen begleiten, dabei sein, Angebote machen, hebt er hervor.

Info: Sechs Haltepunkte auf dem Weg der Trauer: erinnern und begreifen, wertschätzen, deuten, Zukunftsblick, vergewissern, Zuspruch. Mehr dazu auf dem gemeinsamen Internetauftritt der evangelischen Kirchengemeinden Rothenberg, Hirschhorn und Neckarsteinach unter http://www.suedkurve-ekhn.de/

 

Vierburgenbeleuchtung und Brillantfeuerwerk

Zum 51. Mal in Folge veranstaltet die Stadt am Samstag, 27. Juli, den „Tag des Gastes“ mit Vierburgenbeleuchtung und Brillantfeuerwerk. Neckarsteinach zeigt sich mit seiner wunderschönen Landschaft um die vier Burgen, den bunten Schiffen auf dem Neckar und dem Festgelände am Ufer dann von seiner sonnigsten Seite. Viele Vereine laden mit Musik und Unterhaltung sowie einem vielseitigen Angebot an Speisen und Getränken ein.

Mit dem Fassbier-Anstich durch Vierburgenkönigin Franziska I. wird die Veranstaltung am Stand des Turnerbundes um 18 Uhr offiziell eröffnet. Zuvor bieten die Vereine bereits ab 16 Uhr Kaffee und Kuchen an. Um 19 Uhr wird die neue Vierburgenkönigin in Anwesenheit zahlreicher Hoheiten des Nibelungenlandes und der Metropolregion gekrönt. Nachdem dann das neue Burgfräulein in ihr Amt eingeführt wurde, flanieren die Königinnen mit ihrem Gefolge über das Festgelände.

Ab 20 Uhr bietet „Potzblitz“ beste musikalische Unterhaltung am Neckarufer (beim TB 04) und die jungen Tänzer des Vereins zeigen in temperamentvollen Darbietungen ihr Können. Zwischen 18 und 21 Uhr sind Aufführungen der „Askardia Oriental Dance Fusions“-Gruppe am Stand der Opelfreunde zu bewundern. Im Anschluss, etwa 21.30 Uhr, spielt dann „Bagmo“ Rock-Cover und mehr.

Um 20 Uhr startet weitere Live-Musik mit „Best Friends“ am Stand des Heimat- und Kulturvereines. Ab 22 Uhr erleben die Gäste vom Neckarlauer aus die Vierburgenbeleuchtung und das vielbewunderte Brillantfeuerwerk – ein Besuchermagnet Jahr für Jahr. An den Ständen der Vereine wird anschließend bis in die frühen Morgenstunden weitergefeiert. Das Festgelände ist auch bequem (ohne Parkplatzsuche) mit Bussen und der S-Bahn zu erreichen. Parkmöglichkeiten sind entlang der gesamten B 37 vorhanden.

Hirschhorn Mal wieder von den Neckarfluten getroffen

Hirschhorn dieses Mal nicht am Neckar, sondern im Neckar. Die starken Regenfälle der vergangenen Tage ließen den Fluss auch im hessischen Neckartal kräftig anschwellen. In Hirschhorn wurde die Uferstraße samt den angrenzenden Altstadtgassen einmal wieder überschwemmt. Das zweijährliche Hochwasser sollte aber laut Vorhersagen bereits heute Nachmittag seinen Scheitelpunkt am maßgeblichen Pegel Gundelsheim erreicht haben. Somit ist für morgen bereits wieder mit einem Abflauen der Fluten zu rechnen. Für die Anwohner im hessischen Neckartal ist ein solches Hochwasser allerdings business as usual. Sie sind bei weiterem Schlimmeres gewöhnt. Zuletzt vor zweieinhalb Jahren gab es ein 20-jährliches hochwasser, das etliche Keller in den Altstadthäusern unter Wasser setzte. Somit sind es nicht die braunen Fluten, die am meisten Sorgen machen, sondern die unappetitlichen Hinterlassenschaften, die der Bauhof nach jedem neuen Hochwasser wieder von den Straßen kratzen muss. Wie auch im benachbarten Neckarsteinach, wo der Neckarlauer unter Wasser stand.

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Evangelischer Kindergarten in Neckarsteinach brannte – keine Verletzten

Der evangelische Kindergarten war nicht mehr zu retten. Das einstöckige Gebäude im Rosenweg brannte in der Nacht zum Donnerstag nieder. Verletzte gab es keine. Über 100 Feuerwehrleute aus der gesamten Umgebung waren im Einsatz, die jedoch den Brandherd in einer Zwischendecke nicht richtig erreichen konnten. Deshalb wurde von den Verantwortlichen beschlossen, die „Schatzinsel“ kontrolliert abbrennen zu lassen. Der Schaden dürfte in den siebenstelligen Bereich gehen. Genaue Angaben – auch zur Brandursache – gab es allerdings noch nicht.

Wie Bürgermeister Herold Pfeifer sagte, wurde der Brand von einem vorbeilaufenden jungen Mann bemerkt, der sofort an einem Haus klingelte. Dessen Besitzer riefen dann die 112. Pfeifer, gerade bei einer Vorstandssitzung des Bürger- und Heimatvereins, eilte an den Brandort. Dort trafen dann nach und nach die Feuerwehren aus Neckarsteinach und den Stadtteilen, Hirschhorn, Schönau und Neckargemünd sowie der Messtrupp aus Wald-Michelbach ein. Die Eberbacher Brandschützer lösten gegen Morgen die Hirschhorner ab und überwachten das kontrollierte Abbrennen. Pfeifer lobte die „tolle Zusammenarbeit aller Wehren“.

Der Brand brach laut dem Bürgermeister gegen 19.30 Uhr in der Deckenkonstruktion zwischen Zimmerdecke und Dachhaut aus. „Das war nicht zu löschen“, sagte er. Pfeifer, Kreisbrandmeister Sven Falter, der stellvertretende Kreisbrandinspektor Werner Trares und Clemens Englmeier von der Brandschutzaufsicht des Regierungspräsidiums Darmstadt entschieden sich dann zusammen mit den Feuerwehr-Leitungen für ein kontrolliertes Abbrennen. „Zum Glück war es windstill und es gibt keine Häuser in der Nähe“, so Pfeifer.

Er betonte, dass die Abwägung aller Möglichkeiten ergab, dass Personal-, Material- und Wassereinsatz keine Wirkung gehabt hätten. Denn: „Das Wasser hätte den Brandherd nicht erreicht. Wir konnten das Gebäude nicht retten.“ Selbst jetzt seien noch Glutnester drin, sagte der Bürgermeister. Pfeifer hob hervor, dass bei einem Feuerausbruch im laufenden Kindergartenbetrieb genug Zeit gewesen wäre, alle Personen zu retten.

Die 42 Jahre alte Kindertagesstätte wurde in Holzständerbauweise errichtet. Sie wurde vor einigen Jahren saniert und brandschutzrechtlich auf den neusten Stand gebracht. Auch heutzutage würden Gebäude noch auf diese Weise errichtet. Baurechtlich sei alles in Ordnung, so der Rathauschef. Die Suche nach der Brandursache wurde von der Kripo übernommen.

Übergangsweise sind die 55 Kinder der dreigruppigen Einrichtung für zwei Tage im Martin-Luther-Haus untergebracht. Aktuell werden in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde alternative Standorte für die kommende Woche, erst einmal bis zu den Weihnachtsferien, gesucht. Pfeifer zeigte sich optimistisch, schnell sagen zu können, wie es weitergeht. „Wir sind dabei, eine Lösung für Eltern und Kinder zu finden“, betonte er.

Es gibt derzeit eine große Welle der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Wer etwas spenden möchte, solle sich unter E-Mail ev.kita.nst@gmail.com an die Kita-Leitung wenden, bat er. „Wir müssen das kanalisieren“, sagte der Bürgermeister. „Eine Garage ist schon voll.“ Am ehesten sei der Kirchengemeinde wahrscheinlich mit Geldspenden gedient, um Neues anschaffen zu können. Neben dem materiellen Schaden ist auch der ideelle kaum bezifferbar. Spielzeuge, Kuscheltiere oder gerade gebastelte Weihnachtsgeschenke verbrannten.

Info: Am Sonntag, 16. Dezember, findet um 10.30 Uhr ein Dankgottesdienst in der evangelischen Kirche Neckarsteinach statt, der auch der Aufarbeitung des Geschehenen dient. Zu ihm sind neben Eltern, Kindern und Angehörigen und auch Rettungskräfte eingeladen.

Sturm und Käfer lassen Nadelholz-Preise purzeln

Wohl dem Waldbesitzer, der viel Laubholz in seinen Beständen hat. Dafür sind derzeit noch gute Preise zu erzielen. Beim Nadelholz sieht es eher duster aus. Sturmtief „Friederike“ und der Borkenkäfer setzten vor allem der Fichte stark zu und ließen die Preise purzeln. Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, und sein Stellvertreter Sebastian Vocilka skizzierten die aktuelle Marktlage auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG). Diese umfasst die angegliederten Gemeinden des Forstamts Beerfelden, also auch Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach.

Der südliche Odenwald wurde im Januar von Friederike einigermaßen verschont, erläuterte Forstamtsdirektor Sasse. Im Bereich des Forstamts Beerfelden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen. Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern.

Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Allein in Hessen seien eine Million Festmeter betroffen. Bisher wurden im Forstamtsbereich Beerfelden bereits 40.000 fm weggeschafft, wobei er fürs komplette Jahr mit 60.000 rechnet. Betroffen ist vor allem die Fichte – die im Odenwald vorherrschende Baumart, mit der das meiste Geld verdient wird.

Das Problem beim Borkenkäfer: Er ist kein einjähriges Phänomen. „Das dauert mehrere Jahre, bis er wieder verschwunden ist“, so der Forstamtschef. Nach dem Jahrhundertsommer 2003 plagte der Buchdrucker den heimischen Wald bis 2007. Sasse geht davon aus, dass somit in den kommenden Jahren immer um die 60.000 fm Schadholz anfallen, das auf dem Markt den Preis drückt.

Wie stark, machte Sebastian Vocilka deutlich. Vor einem Jahr erzielt das Forstamt noch 92/93 Euro für den Festmeter Fichte. Aber: „Ab dem 18. Januar ging es abwärts.“ An diesem Tag zog Friederike über Deutschland. Käferholz lässt sich derzeit für 45 bis 50 Euro verkaufen, „Tendenz fallend“. Beim Nadel-Frischholz, das allerdings wenig nachgefragt wird „sind wir von den früheren Preisen weit entfernt“, sagte er.

Er empfahl deshalb den Waldbesitzern, erst einmal das Schadholz aufzuarbeiten und den Rest stehen zu lassen. „Es kommen wieder bessere Zeiten“, so der Forstamts-Mitarbeiter. Zwar betreffen die Schäden vor allem die Fichte, „aber der Kieferpreis wurde mit runtergezogen“, bedauerte Vocilka. Lediglich die Douglasie „bringt ordentlich Geld“. Hier sind die Preise mit 100 Euro/fm stabil.

Mit Laubholz wie Buche, sonst oft das Stiefkind, „kann man derzeit viel Geld verdienen“, erläuterte er. Preise für Eichenholz „schießen durch die Decke“. Vocilka empfahl deshalb, wenn möglich diese Baumarten einzuschlagen, frisches Nadelholz stehen zu lassen und erst einmal das vom Borkenkäfer befallene zu verwenden. Kollegin Gudrun Kranhold ergänzte, dass im vergangenen Jahr im Privatwald sowieso weniger als zuvor eingeschlagen worden sei.

In ihrem Geschäftsbericht für 2017 sprach sie von einem Mitglieder- und Flächenzuwachs bei der FBG. Im vergangenen Jahr wurde auf knapp 900 Hektar gekalkt. Der Kassenstand ist laut Kranhold weiterhin ansehnlich im Plus. Sie betonte, dass die Kassengeschäfte wie bisher weitergeführt werden können, da die fusionierte Stadt Oberzent in den Vertrag von Beerfelden eintrat, wo dies zuvor Hans Mader erledigte. Der übernimmt auch weiterhin die Kasse. Die Geschäftsführung der FBG bleibt in den Händen des Forstamts Beerfelden.

Da der bisherige Vorsitzende Gottfried Görig, vormals Bürgermeister in Beerfelden, nicht mehr kandidierte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ralf Kredel (Etzean), bisher Stellvertreter, übernimmt den Posten. Ihm zur Seite steht nun Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer als neuer Stellvertreter.

Odenwald will sein Holz selbst vermarkten

Die Holzvermarktung in Hessen muss neu organisiert werden. Ab 1. Januar 2019 darf Hessen Forst das Holz der Kommunen nicht mehr verkaufen. Eine Ersatzvermarktung muss somit dringend her. Für Oberzent läuft das auf einen Zweckverband der Odenwaldkreis-Kommunen hinaus, erläutert Bürgermeister Christian Kehrer. Daran anschließen können sich die angrenzenden Orte des Landkreises Bergstraße, sofern sie auch im Odenwald liegen. Bei ihnen sind die Interessen ähnlich gelagert.

Alles begann mit dem Urteil des Bundeskartellamts aus dem vergangenen Jahr gegen eine angebliche Machtkonzentration in den Händen der baden-württembergischen Forstämter. Die waren – wie die hessischen auch – für Beförsterung und gleichzeitig Holvermarktung zuständig. Zu viel der Kohle, zu viel Einfluss meinte das Gericht. Dieses Urteil schlägt nun auch ins Nachbarbundesland durch. Eile ist geboten.

Der Rathauschef macht keinen Hehl daraus, dass er die neue Lösung für falsch hält. „Die bisherigen Synergieeffekte fallen weg“, betont er. Hessen Forst konnte bis zu diesem Jahr die Holzernte aus Landes-, Privat- und Kommunalwald in einem Schwung abernten und unter die Abnehmer bringen. Das geht jetzt nur noch für die ersteren beiden. Was für die Gemeinden heißt, dass ein zwischengeschalteter Unternehmer ebenfalls sein Geld haben will, was vom Gewinn abgeht. Vor dem Hintergrund sowieso sinkender Preise und dem Buchdrucker-Befall keine glänzenden Aussichten.

Ursprünglich waren sechs Holzvermarktungsorganisationen auf Landesebene geplant, so Kehrer. Doch diese Gebilde stellten sich als zu groß und zu unterschiedlich gelagert heraus. Eine Stadt wie Oberzent, deren Fläche zu 70 Prozent von Wald bedeckt und für die das Holz ein veritabler Wirtschaftsfaktor ist, hat andere Interessen wie etwa Darmstadt, wo dem Wald vor allem eine Erholungsfunktion zukommt, führt er aus.

Auch die Variante, Landkreis Bergstraße und Odenwaldkreis unter ein Dach zu bringen, „war nicht der Favorit“, betont er. Dazu ist das Ried in der Rheinebene zu weit weg und völlig anders aufgestellt, was sich schon an der Waldfläche bemerkbar macht. Deshalb sind Oberzent (2400 Hektar) und Wald-Michelbach (1600 Hektar) als waldreichste Kommunen in den beiden Kreisen nun federführend bei der Neuorganisation, die die Gemeinden im Odenwald mit viel Waldbesitz kreisübergreifend zusammenführend soll. Aus dem Landkreis Bergstraße sind weiterhin Gras-Ellenbach, Abtsteinach, Hirschhorn, Neckarsteinach, Fürth und Mörlenbach mit involviert.

Zum einen muss es zwar schnell gehen, zum anderen sind aber „die Förderrichtlinien des Landes sind noch nicht draußen“, bedauert der Bürgermeister. Denn bei einer solchen Neuorganisation schießt das Land je nach Größe bis zu 500.000 Euro. Im konkreten Fall dürften es 200.000 Euro sein. „Wir sind zeitlich im Verzug“, so Kehrer. Es sollte dieses Jahr noch eine Entscheidung getroffen werden, um 2019 Beschlüsse fassen zu können.

„Wir haben eine Vorlage erstellt und eine Satzung ausgearbeitet“, erläutert das Stadtoberhaupt. Derzeit läuft die rechtliche Prüfung. Es geht um ein „verbindliches Gebilde“ in Form eines Zweckverbands oder eine Anstalt öffentlichen Rechts. Er rechnet damit, dass die entsprechenden Beschlussvorlagen in die Novemberrunde der verschiedenen Gremien kommen.

 

Neckar-Fährmann dringend gesucht

Neckarhausen/Neckarhäuserhof. Lust auf einen ausgefallenen Beruf? Neckar-Fährmann dringend gesucht! Am besten soll ein erfahrener Binnen-Seebär her. Beginn: möglichst sofort. So liest sich die Stellenbeschreibung des Freundeskreises Fähre, mit dem dieser auf einer der letzten beiden Neckarfähren Personal sucht. Denn sonst ist ein ordnungsgemäßer Betrieb oder sogar der Fortbestand dieser kulturhistorischen Institution in Gefahr.

Zwischen dem hessischen, zu Neckarsteinach gehörenden Neckarhausen und dem badischen, zu Neckargemünd gehörenden Neckarhäuserhof verkehrt ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten: eine Hochseilgierfähre mit Dieselmotor. Bereits im Jahr 1803 wird an dieser Stelle ein Fährnachen mit dem Namen „Napoleon“ überliefert. Die zweite noch verbliebene Neckarfähre von ehemals etlichen schippert ebenfalls in einem Neckarhausen, aber dem bei Edingen, über den Fluss.

Da die Personal-Situation der Fähre prekär ist, startet der Freundeskreis laut der stellvertretenden Vorsitzenden Ute Fries jetzt eine Banner- und Plakatsuchaktion für einen zweiten und dritten Fährmann. Denn Urgestein Achim Landwehr will im Mai 2019 aufhören. Der „Färcher“ ist bereits eine Institution auf dem Neckar. Seit 38 Jahren, seit 1980, steht er jeden Tag parat und bringt Autofahrer, Fußgänger oder Radler von Baden nach Hessen – oder umgekehrt. Älter als er ist das Schiff selbst: Es wurde 1933 angeschafft und kann bis zu acht Autos gleichzeitig über den Neckar transportieren.

Markus Seibert aus Neckarhausen, der aktuell seine Ausbildung zum Fährmann macht, wird frühestens Anfang Dezember seine Prüfung absolvieren. Wenn sich kein Interessent mit Fährpatent findet, der spätestens zum Frühjahr einsteigen könnte, müsste der neu auszubildende Fährmann schon demnächst anfangen, da er 180 Tage Praktikum auf der Fähre benötigt.

Derzeit läuft der Fährverkehr bereits auf Sparflamme: Da ein bisheriger Färcher im April fristlos kündigte, ist das Schiff momentan nur alle zwei Wochen planmäßig unterwegs – und zwar in den ungeraden. In den geraden Wochen pendelt die Fähre nur Montag- bis Freitagvormittags von 6 bis 8 Uhr. Am Wochenende findet gar kein Fährverkehr statt. Die im Vorfeld der Kündigung angesprochenen Mängel „sind inzwischen behoben und ein Teil wurde als ‚kein Mangel‘ zurückgewiesen“, erläutert die stellvertretende Vorsitzende.

„Wir wollen mit unserer Plakat- und Banneraktion die Fährmannsuche nochmal etwas intensivieren und natürlich auch auf die Gefahr hinweisen, dass bald keine Fähre mehr auf dem Neckar verkehren könnte“, betont Ute Fries. „Das wäre für unsere Fähre, die Menschen im Umkreis und auch touristisch gesehen sehr fatal.“

Fries weist in diesem Zusammenhang auf die wichtige Verbindung zwischen den Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen und den beiden Landkreisen Rhein-Neckar und Bergstraße hin. Außerdem sorgt die Fähre für eine kurze, Zeit und Sprit sparende Verbindung zwischen Neckarhausen und Neckarhäuserhof sowie den Anliegergemeinden (Hirschhorn, Neckarsteinach, Mückenloch, Haag, Schönbrunn, Waldwimmersbach) und des badischen Ufers mit der S-Bahn-Linie zwischen Heidelberg und Mosbach auf der hessischen Seite.

Ute Fries weist auf die Fähre als „wichtiges Symbol für die lange gemeinsame Geschichte von Neckarhausen und Neckarhäuserhof“ hin. Sie ist daneben ein historisches Denkmal, da sie eine der letzten beiden ihrer Art auf dem Neckar ist. Als „schwimmende Brücke‘“ verbindet sie den großen mit dem kleinen Odenwald und dem Kraichgau, dazu die Kreisstraßen 205, 4102 und 4103 und dient als Umfahrungsmöglichkeit bei Verkehrsstörungen auf der B37/45. Die Fähre ist eine „Stütze der Infrastruktur, des Tourismus und der Gastronomie“, betont die stellvertretende Vorsitzende.

Der früheste Hinweis auf eine Neckarquerung ist über 500 Jahre alt, datierend aus einem Rechtsstreit zwischen dem Kloster Schönau und Mückenloch. Nach Genehmigung des Betriebs einer Wagenfähre zwischen Neckarhausen und dem damaligen Finsterbach (Neckarhäuserhof) durch die Großherzoglich Hessische Regierung in Darmstadt wurde diese noch im gleichen Jahr 1812 eingerichtet.

Verstärkt kam in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Personentransport hinzu. Am 15. August 1837 wurde die Nähe erstmals meistbietend verpachtet an „Johannes Krieger zu Finsterbach, für 15 Gulden pro anno“. Damit wurde ein regulärer Fährbetrieb mit einem ständigen Fährmann eingerichtet, der bis heute Bestand hat. Die 1877 eingeführte Kettenschleppschifffahrt wie auch die Einweihung der Neckartaleisenbahn 1879 verlangten nach einer neuen Technik. Die neue, eiserne Gierbundfähre lief ab 1888 an einem Drahtseil, dass über zwei Buchnachen geführt wurde.

Nach dem Bau der Staustufen wurde 1933 eine Hochseilgierfähre aus der Schiffswerft Ph. Ebert & Söhne in Neckarsteinach in Betrieb genommen. Diese wurde mittels einer in Fahrtrichtung liegenden Verholkette über den Neckar gezogen. Diese kraftraubende Tätigkeit fand ab 1958 durch den Einsatz eines Dieselmotors ein Ende. Den nach dem Zweiten Weltkrieg sprunghaft angestiegenen Verkehr bekam auch die Fähre zu spüren – nicht ohne Folgen: Mit geänderten Fährzeiten leisten seitdem zwei Fährmänner im wöchentlichen Wechsel ihren Dienst.

Freundeskreis Fähre Neckarhausen-Neckarhäuserhof

Gründungsjahr: 2004

Mitgliederzahl: 350

Kontakt: Vorsitzender Jörg Polivka, Im Neckarhäuserhof 3, 69151 Neckargemünd, E-Mail info@ffnn.de, zweite Vorsitzende Ute Fries, Im Neckarhäuserhof 4, 69151 Neckargemünd, Telefon 06229-930604, http://www.ffnn.de

Ballonglühen nach der Inthronisation von Franziska beim Neckarsteinacher Tag des Gastes

Das bisherige Burgfräulein Franziska ist neue Vierburgenkönigin. Die 19-Jährige ist damit die Nachfolgerin von Sina I. (17), die beim Tag des Gastes feierlich verabschiedet wurde. Neues Burgfräulein ist jetzt Laura I. (18). Die Zepterübergabe ging auf der großen Freitreppe zwischen Altstadt und Neckarufer über die Bühne. Die beiden gingen abends zusammen mit vielen anderen Prinzessinnen und Königinnen vor allem aus Odenwald und Bergstraße auf große Schifffahrt, um Ballonglühen und Vierburgenbeleuchtung vom Wasser aus zu genießen.

Es war eine besondere Veranstaltung: Zum 50. Mal fand am Neckarufer unter großem Zuspruch der Bevölkerung der Tag des Gastes statt. Leider zum Jubiläum ohne Feuerwerk, denn die Waldbrandgefahr war durch die aktuelle Trockenheit einfach zu hoch. Dafür gab’s am Dilsberger Flussufer ein von Musik untermaltes Ballonglühen. Tagsüber war noch ein Gewitter befürchtet worden, doch die dunklen Wolken und der Wind hatten sich zum Glück abends verflüchtigt.

Die Neckarsteinacher Vereine sorgten an ihren Ständen neben allerlei Kulinarischem auch für Live-Musik der unterschiedlichsten Art. „Bagmo“, „Best Friends“ und „New Phantoms“ unterhielten die zahlreichen Gäste. Beim Turnerbund spielte nicht nur die Musik, sondern waren auch Turngruppen mit verschiedenen Darbietungen präsent. Bei den Opel-Freunden wurde es orientalisch mit Tänzen der „Askardia Oriental Dance Fusion“-Gruppe.

Kein Tag des Gastes ohne Freibier: Das entsprechende Fass stachen beim Mitveranstalter Heimat- und Kulturverein Bürgermeister Herold Pfeifer sowie die noch amtierende Vierburgenkönigin Sina und Burgfräulein Franziska an. Der Rathauschef dankte beiden für ihr Engagement als Repräsentanten der Stadt im vergangenen Jahr. Zur Krönung der neuen Hoheit hatten sich viele Gäste aus nah und fern eingefunden.

Als die Wasserschutzpolizei den Fluss gesperrt hatte, fuhren die aus Heidelberg kommenden Ausflugsschiffe vor, allen voran das Flaggschiff der Weißen Flotte, die Königin Silvia. Viele kleinere Boote und Yachten hatten sich bereits zuvor am badischen und hessischen Ufer eingefunden.

Für die Ehrengäste stand in Neckarsteinach die „Merian“ bereit, an deren Bord sie in der Abenddämmerung zunächst flussabwärts bis hinter Neckargemünd fuhren. Hartmut Quiring unterhielt dabei auf Akkordeon und Saxophon. Nach der Rückkehr begann gleich das Ballonglühen, vom Verein Ballonfahrt Kurpfalz organisiert. Die vier Burgen gaben danach im LED-Licht ein herrliches buntes Bild ab, wie sie sich Grün, Blau, Hell und Lila färbten. Das Fest war aber noch lange nicht beendet. Erst in den frühen Morgenstunden gingen nach einer lauschigen Nacht die letzten nach Hause.

 

Winterdienst ist bei der Straßenmeisterei in Beerfelden das ganze Jahr ein Thema

Der erste Wintereinbruch sorgte vor einer Woche bereits für weiße Strecken auf den Odenwald-Hügeln und die ersten Verkehrsbehinderungen. Das zweite Intermezzo von Väterchen Frost lässt nicht lange auf sich warten. Für die Straßenmeistereien ist das alle Jahre wieder „Business as usual“. Denn nach dem Winter bedeutet für die Mitarbeiter quasi direkt vor dem nächsten: Die Vorarbeiten starten nahtlos. Welche Vorbereitungen im Odenwaldkreis getroffen wurden, erläuterten jetzt die Verantwortlichen.

Jochen Vogel, Pressesprecher Hessen Mobil in Heppenheim, skizzierte das Prozedere auf den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, für die die Behörde zuständig ist. Vom Landratsamt des Odenwaldkreises war Volker Weyrauch zugegen, für die Erbacher Polizei Ralf Löring. Hausherr in Beerfelden ist Harald Körner, in Bad König Werner Riesinger. Beide Straßenmeistereien teilen sich die Zuständigkeit im Odenwaldkreis.

Ein harter Winter ist nicht unbedingt einer, in dem es viel schneit, sagten die Fachleute. Sondern einer „mit wechselhaftem Wetter“, tagsüber mit Plus-Temperaturen, nachts mit Frost. Denn dann muss quasi nonstop gestreut werden, erläuterte Mitarbeiter Bernd Bechtold von der Beerfelder Straßenmeisterei. Da eine Tonne Salz 90 Euro kostet, geht dies dann kräftig ins Geld.

Polizeihauptkommissar Löring appellierte an die „Teamarbeit“ von Räumdienst und Autofahrern bei winterlichen Straßenverhältnissen. Zum einen sei Vorsicht in Waldgebieten geboten, weil das Salz Tiere an den Straßenrand ziehe. Zum anderen solle immer die Fahrgasse für die mit vier Meter überbreiten und mit 23 Tonnen ganz schön schweren Räumfahrzeuge freigelassen werden. „Bitte nicht überholen und die Geduld aufbringen, dahinter zu bleiben“, wünschte er sich.

Neben der Rücksichtnahme nannte Löring als wichtiges Kriterium auch vorausschauendes Fahren. In Höhenlagen müsse man auf offenen Flächen mit Eisbildung rechnen, sagte er. Ein noch so guter Winterdienst „kann keine sommerlichen Verkehrsverhältnisse schaffen“, ergänzte Riesinger. Am schwierigsten sei die Lage, „wenn es im Berufsverkehr anfängt zu schneien“, meinte Vogel. Dann seien auch eine Stunde zuvor geräumte Straßen rasch wieder zu.

Auf Autobahnen nonstop und auf den anderen Straßen von 6 bis 22 Uhr: So stellt sich der Schichtdienst in den Straßenmeistereien dar. Wobei um 6 Uhr zum Berufsverkehr die Strecken schon frei sein sollen. Deshalb beginnt der Dienst für die Mitarbeiter bereits im 1.30 Uhr nachts mit den Vorbereitungen Dann wird per Computer die Lage auf den Straßen überprüft.

„Winterdienst ist das ganze Jahr ein Thema“, verdeutlichte Vogel. Im Frühjahr gibt es Reparaturen, Ausschreibungen und Neuanschaffungen, im Sommer wird das Salz bezogen, im Herbst werden die Dienstpläne für die kalte Jahreszeit gemacht. Danach geht es schon auf die Strecken, um Schneenetze und -stangen zu stellen. „Ende Oktober sind die Vorbereitungen abgeschlossen.“

Neben dem Rückgriff auf die Wetterdienste helfen laut Jochen Vogel auch die jahrzehntelangen Erfahrungen der Hessen-Mobil-Leute, um zu wissen, „wo es an Brücken oder Waldpassagen glatt werden kann“. Ist Schnee gemeldet wie es derzeit fast jeden Tag vorkommen kann, „wird die Rufbereitschaft ausgelöst“, so der Pressesprecher. Jeder Fahrer hat eine vorgegebene Route, die etwa drei bis vier Stunden dauert.

Verwendet wird dabei eine Mischung aus 70 Prozent Trockensalz und 30 Prozent Lauge, die in der Straßenmeisterei hergestellt wird. Das Ganze nennt sich Feuchtsalz FS 30. „Dann haftet das besser auf dem Asphalt“, weiß Körner. Es wird nicht so schnell verweht, setzt den Auftauprozess schneller in Gang und hält die Straßen länger eisfrei. Laut Vogel testet man auf der Autobahn bei wechselhafter Witterung bereits FS 100, womit sich der Salzverbrauch um 30 Prozent reduzieren lässt. Sollten die 3300 im Odenwaldkreis gelagerten Tonnen Salz doch mal knapp werden, „füllen wir die Hallen unverzüglich wieder auf“, versichert er. Nur in den schneereichen Wintern 2010 und 2012 wurde es einmal knapp.

Die Straßenmeisterei Beerfelden mit ihrem Chef Harald Körner betreut 215 Straßenkilometer im südlichen Odenwaldkreis, dazu im benachbarten Kreis Bergstraße das hessische Neckartal und den Überwald rund um Wald-Michlebach bin hin nach Birkenau und ins Gorxheimertal. Daneben werden ein paar dazwischenliegende badische Straßen wie etwa durch Heddesbach oder Richtung Eberbach abgefahren. In der Oberzent-Stadt lagern etwa 1000 Tonnen Salz.

Die Straßenmeisterei Bad König mit Werner Riesinger an der Spitze ist für 285 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im nördlichen Kreisgebiet zuständig. Das neue Silo fasst 2000 Tonnen Salz. In Beerfelden sind sieben Schneeräumer im Einsatz, davon fünf eigene, die im Drei-Schicht-Betrieb von 18 Mitarbeitern gefahren werden. In Bad König sind es acht Fahrzeuge, davon vier eigene mit 15 Angestellten. Alle zusammen kümmern sich um die 500 Kilometer Strecke im Odenwaldkreis.

Weitere kleinere Salzlager gibt es in Hirschhorn und Wald-Michelbach. Insgesamt hält Hessen Mobil im Odenwaldkreis 3300 Tonnen Salz vor, was für einen durchschnittlichen Winter ausreicht. Sollte es einmal den ganzen Tag heftig durchschneien, werden pro Tag und Meisterei etwa 150 Tonnen benötigt.

v.l. Werner Riesinger und Harald Körner, Leiter der Straßenmeistereien Bad König und Beerfelden

Umfang- und abwechslungsreiches Angebot beim Neckarsteinacher Allerheiligenmarkt am 1. November

Ganz im Zeichen des 875. Stadtjubiläums steht der November-Anfang in Neckarsteinach. Während im umliegenden Baden am 1. November ein Feiertag ist, bieten die arbeitenden Hessen beim 13. Allerheiligenmarkt das Beste aus Küche und Keller auf. Die Einzelhändler der Innenstadt, die Gastronomie sowie zahlreiche weitere Anbieter aus der Kirchenstraße laden ab 10 Uhr zu einem Besuch der Vierburgenstadt ein.

Ab 10 Uhr erwartet die Gäste aus nah und fern ein ebenso umfang- wie abwechslungsreiches Angebot. Neben den typischen Marktwaren (in diesem Jahr unter anderem mit frisch vor Ort geräuchertem Fisch, Kräutern, Gewürzen, Honig, Marmeladen und Brotaufstrichen, edlen Bränden, Käse, Wurst, Schmuck oder Heilsteinen) sorgen die Musikfreunde im „Schadenfroh-Hof“ und in der „Musenklause“, der Sängerbund im „Schönauer Hof“, die Pfandfinder vor dem „Pfarrhaus“ sowie die Knolle-Company vor der Sparkasse für das leibliche Wohl.

Wie in jedem Jahr schenkt die Brauerei Palmbräu auch diesmal Freibier aus ihrem „fahrbaren Bierfass“ aus. Alle Geschäfte haben geöffnet. Der Heimat- und Kulturverein lädt wieder zu Kunst und Handwerk parallel zum Allerheiligenmarkt ein. Zu dieser Veranstaltung sind von 10 bis 18 Uhr die Pforten im Bürgerhaus „Zum Schwanen“ geöffnet. Viele Aussteller aus der Vierburgenstadt und einem weiten Umkreis laden zum Bummeln, Schauen und Kaufen ein.

Beim Bummel können Besucher viele schöne Dinge entdecken und eventuell schon an Weihnachtseinkäufe denken. Das Angebot der Aussteller reicht von Schmuck über Ringe bis zu Armbändern, aus kleinsten Perlen genäht. Selbsthergestellte Gruß- und Weihnachtskarten sowie Bilder in 3D-Technik, Geschenkkartons aus verschiedenen Materialien und Falttechniken sind ebenfalls zu finden. Der weitere Rundgang bietet handgefertigte Holzschnitzkunst. Teddybären warten auf ihre Liebhaber genauso wie Tiffany- und Patchwork-Arbeiten. Es wird geklöppelt, gesponnen oder auch gestrickt.

Im Rahmen des 875. Stadtjubiläums lädt der Heimat- und Kulturverein darüber hinaus zu einem besonderen Konzert ins Bürgerhaus „Zum Schwanen“ ein. Das „Trio Bergheim“ mit der Neckarsteinacher Pianistin Cornelia Rau, der Geigerin Johanna Lastein und dem Cellisten Frederik Durczok musiziert dort mit Unterstützung der überregional bekannten Sopranistin Antonietta Jana erstmals. Gegeben wird ein buntes Programm von der Barockzeit bis zur Moderne mit bekannten Meisterwerken von Bach, Schubert, Brahms und Fauré, aber auch einigen spannenden Neuentdeckungen. Der Eintritt ist frei. Das Konzert beginnt am Samstag, 4. November, um 19.30 Uhr.

Mit der Königin Silvia auf dem Neckar nach Hirschhorn: Gäste waren von den Schönheiten der Stadt begeistert

Königlicher Besuch in der Perle des Neckartals: Auf der „Ritter- und Burgenfahrt“ mit der Königin Silvia, dem Flaggschiff der Heidelberger Weißen Flotte, machten 325 BAZ-Leser drei Stunden lang Station in Hirschhorn. Bei herrlichem Wetter war die Stimmung schon auf dem neuen Schiff prächtig. Stadtführer Ludwig Heyer als Bettelmönch war bereits an Heidelberg gegangen und informierte über die Schönheiten entlang der Strecke. Zusammen mit seinen Kollegen Richard Köhler und „dem letzten Ritter Friedrich“, Jürgen Waibel, bot er dann in Hirschhorn Stadtführungen an.

Auf einen Schlag kamen an diesem Nachmittag zehn Prozent der Hirschhorner Bevölkerung vom Schiff und bevölkerten die Altstadt. Auch ein Besuch im Langbein-Museum war inklusive. Kooperationspartner dieser Fahrt waren BAZ, Weiße Flotte Heidelberg, Stadt Hirschhorn und die „Romantischen Vier“. Empfangen wurden die Gäste am Anleger unterhalb der Altstadt von Stadtrat Willi Dreher und Heike Schön-Leucht von der Tourist-Info. Diese hatte auf städtischer Seite auch die organisatorische Hauptlast zu tragen. Für die Ausflügler galt es 250 Geschenktaschen mit Informationen über Hirschhorn und die Romantischen Vier zu packen.

Eine „kurzweilige Fahrt“ bekam Christoph Ecken von der Weißen Flotte bereits auf der Hinreise als Rückmeldung. Verbunden mit dem Lob für das „sehr schöne Schiff“, das bei Sonnenschein prächtig funkelte. Ludwig Heyer hatte auf der Strecke Wissenswertes über die verschiedenen Orte parat: etwa zur Geschichte der Neckarsteinacher Werft, zum Dilsberg oder zur Fähre Neckarhausen. In seiner ihm eigenen Art würzte er die Erzählungen mit viel Humor.

Die Teilnehmer kamen aus der gesamten badisch-hessisch-pfälzischen Region. Von der Bergstraße bis in den Kraichgau, vom Odenwald bis in die Rheinebene waren die Schifffahrtsgäste dabei. „Ich habe den wunderschönen Rundblick und das schöne Wetter heute genossen. Besonders die Organisation der Fahrt und der Service an Bord haben mir außerordentlich gut gefallen“, meinte Liesel Lumpp aus Lützelsachen.

„Wir sind zum ersten Mal mit der ‚Königin Silvia‘ gefahren und das Schiff hat uns beeindruckt. Auch das Weißwurst-Frühstück und die unterhaltsame Vorführung des Bettelmönchs hat uns gut gefallen“, sagten Karin und Klaus Winkler aus Schwetzingen. „Für uns war die Fahrt heute ein Erlebnis. Der Preis ist angemessen, der Service freundlich und schnell, die Portionen reichlich. Bei einer nächsten Fahrt würden wir wieder mit dabei sein“, meinten Ehepaar Elfriede und Otto Lehnert aus Hoffenheim. Die BAZ schrieb unter den Teilnehmern der Fahrt einen Wettbewerb aus. Preise für die Gewinner stellen die Weiße Flotte, die Stadt und die Romantischen Vier zur Verfügung.

Nach dem bayrischen Frühstück erzählte Ecken vom Besuch der „echten Königin Silvia“ auf dem nach ihr benannten Neckar-Schiff. Mit ihrem Bruder unternahm die schwedische Königin vor kurzem eine Burgenfahrt nach Neckarsteinach. Gekocht wurde dabei von Johann Lafer. Dass die Fahrt nach Hirschhorn führte, hat die Stadt Geschäftsführer Karl Hofstätter zu verdanken. Denn Speyer oder Mannheim standen ebenfalls zu Auswahl. Doch er schlug die Tour auf dem Neckar vor.

Die Landschaft und Natur sind hier viel abwechslungsreicher als in der Ebene. Dazu kam ein praktisches Element. Von der Zeit her dritteln sich die Anteile in Hin- und Rückfahrt sowie Aufenthalt mit je etwa drei Stunden. „Dann hat die gastgebende Stadt am meisten davon“, betonte Ecken. Dieser nahm Kontakt mit Heike Schön-Leucht auf. Gemeinsam wurde der Tag geplant.

Von den Hirschhorner Vorzügen konnten sich die Ausflügler bei den Stadtrundgängen überzeugen. Einer davon, mit Ritter Friedrich, führte zusätzlich noch zum Karmeliterkloster, das nach 200 Jahren Vakanz inzwischen wieder von fünf indischen Patres bewohnt wird. Alle drei Gruppen wanderten durch schmale Gassen der romantischen Altstadt mit ihren bezaubernden Fachwerkhäusern und den Zunftzeichen. In Augenschein genommen wurden auch das alte Rathaus, das ehemalige Amtsgericht oder die Hochwassermarken der Neckar-Überflutungen.

Zwei neue indische Patres sind ins Karmeliter-Kloster Hirschhorn eingezogen

Die Karmeliter-Gemeinde im Hirschhorner Kloster wächst. 2009 waren dort nach 200-jähriger Vakanz die drei indischen Patres Joshy, Cyril und Sijoy eingezogen. Cyril wirkt seit inzwischen zwei Jahren als Pfarrer in Mörlenbach, Sijoy schon länger in Bad Wimpfen, das ebenfalls zum Dekanat Bergstraße-Ost gehört. Acht Jahre später kommen nun die beiden Patres Linto und Sudeesh hinzu. Sie stammen ebenso wie ihre Mitbrüder aus dem südindischen Kerala.

Pater Joshy ist Pfarrer der fusionierten katholischen Kirchengemeinde von Hirschhorn und Neckarsteinach im hessischen Neckartal. Dort ist auch der 36-jährige Linto jetzt als Pfarrvikar/Kaplan tätig. Sein Glaubensbruder, der 37-jährige Sudeesh, versieht diese Funktion bei Pfarrer Peter Pristas in der Pfarrgruppe Überwald mit ihren Teilorten Wald-Michelbach, Unter-Schönmattenwag, Aschbach und Hammelbach. Eine zeitliche Begrenzung für ihre Tätigkeit, die sie im August und September aufnahmen, gibt es seitens des Bistums Mainz nicht.

In ihrer Funktion arbeiten die Patres dem jeweiligen Pfarrer zu, gestalten und halten Gottesdienste sowie sind für Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen zuständig. Gemeinsam mit Pfarrer Joshy bereitet Linto die Kinder auf die Kommunion vor und kümmert sich um die Jugendarbeit. „Außer Verwaltung machen wir alles“, hebt Sudeesh die große Breite der seelsorgerischen Arbeit hervor. Zusätzlich besuchen beide auch einen Pastoralkurs des Bistums Mainz.

Zwölf Jahre Ausbildung liegen hinter den Indern, die aus demselben Bezirk in Kerala stammen. Sie besuchten Priesterseminare der Karmeliter in Kothamangalam und Bangalore. Linto wurde nach seinem Studium 2009 zum Priester geweiht, Sudeesh bereits 2008. 2015 kamen sie nach Deutschland, wo in Mainz unter anderem Deutschkurse auf der Tagesordnung standen. Seit dem vergangenen Jahr besuchen beide den dortigen Pastoralkurs.

„Ich habe in der Region sehr gute erste Erfahrungen im Gottesdienst gemacht“, betont Pater Sudeesh. Linto ergänzt: „Die Menschen hier sind nett und freundlich und haben keine Berührungsängste.“ Eben weil sie schon die Patres kennen, Joshy im Neckartal und Cyril im Überwald, als dieser dort ebenfalls als Pfarrvikar tätig war. In Indien wird der Glaube bunt und lebhaft praktiziert. Eben diese Tradition bringen sie mit nach Deutschland. Ihre lockere Art kommt bei den Menschen sehr gut an.

Für Sudeesh und Linto war es schon früh klar, wohin sie ihr Weg führen würde. „Das Christentum hat eine schöne Tradition in unserer Heimat“, erläutert Linto. Er war Ministrant, ein regelmäßiger Kirchgänger. Nach der Schule hospitierte er in einem Priesterseminar. „Ich war sehr beeindruckt vom Erlebten“, berichtet er. Ihm war schnell klar: „Das passt für mich.“ Sudeesh entschied sich schon während der Schulzeit, Priester zu werden und fragte dort nach aufgenommen zu werden. Auch er war Ministrant in seinem Bezirk mit einem hohen christlichen Bevölkerungsanteil.

Im indischen Karmeliterkloster kamen die beiden nur theoretisch mit der deutschen Sprache in Kontakt. „Am Anfang war es deshalb schwierig sie zu erlernen“, meint Sudeesh. Einmal hier angekommen, gestaltete sich dies dann einfacher. „Wir haben dann an unserer Aussprache gefeilt“, so Linto. Eine „Herausforderung“ ist für sie immer noch der hiesige Dialekt, lachen die Patres. „Wir erschließen uns dann manche Wörter.“

Mindestens drei Mal die Woche kommen die fünf Karmeliter-Patres in Hirschhorn zu gemeinsamen Gebeten zusammen. Wobei die „neuen“ von den „alten Hasen“ lernen. „Joshy, Cyril und Sijoy haben hier einen guten Anfang gemacht“, betont Linto. „Sie kennen die hiesige Sprache und Kultur und geben das Wissen an uns weiter“, ergänzt Sudeesh. „Wir wollen in ihre Fußstapfen treten und die Spiritualität der Karmeliter vermitteln“, heben sie hervor.

Arbeitskreis kümmert sich jetzt um die interkommunale Zusammenarbeit zwischen Hirschhorn und Neckarsteinach

Ein Arbeitskreis soll die weitere interkommunale Zusammenarbeit der beiden hessischen Neckartalstädte koordinieren. Er löst damit den bisherigen, gemeinsam tagenden Ausschuss aus Neckarsteinach und Hirschhorn ab, der bisher drei Mal zusammenkam. Weiterhin wurde beschlossen, dass es spätestens ab dem 1. Januar 2019 ein gemeinsames Mitteilungsblatt für beide Städte geben soll.

Da Ausschuss für Stadtentwicklung (AfS) in Hirschhorn sowie Haupt- und Finanzausschuss in Neckarsteinach beratende Funktion haben, müssen die Beschlüsse noch durch die jeweilige Stadtverordneten-Versammlung. Was aber bei einstimmigen Entscheidungen eine Formsache sein dürfte. Überhaupt war die Versammlung von viel Einmütigkeit geprägt.

Die Einrichtung des Arbeitskreises geschah auf CDU-Antrag hin. Er soll zwölf Mitglieder haben, neben Bürgermeistern und Stadtverordneten-Vorstehern auch die jeweiligen Fraktionsvorsitzenden – oder jeweilige Vertreter. Dazu ist ein externer Berater angedacht. Man verspricht sich von der Verlagerung weg vom Ausschuss eine effektivere Arbeitsweise in kleinem Kreis, in dem auch mal offen Themen angesprochen werden können, die nicht gleich in die Öffentlichkeit sollen. Wobei abstimmungsfähige Ergebnisse auf die nächste Sitzung des jeweiligen Ausschusses kommen sollen.

Ein konkreter Zeitplan wurde noch nicht erstellt. Die Einladungen sollen den jeweiligen Stavo-Vorstehern vorbehalten bleiben, denn die Sitzungen finden abwechselnd in den Orten statt. Von den Mandatsträgern kamen durchweg positive Rückmeldungen. Gleichzeitig wurde aber deutlich gemacht, dass es auch von ihnen selbst abhängt, dass Bewegung in die Sache kommt. Aktuelle Themen können im Arbeitskreis schneller aufgegriffen werden, wurde als Vorteil herausgestellt. Und jeder kann so reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

In der Diskussion wurde mit Blick auf die Fusion in der benachbarten Oberzent aber auch klar, dass noch viel Wasser den Neckar hinunterlaufen wird, bis die beiden Städte in die Nähe eines Gemeindeverwaltungsverbands oder gar Zusammenschlusses kommen. Im südlichen Odenwaldkreis gab es eine Vorlaufzeit von etwa zehn Jahren, weshalb ein oder zwei Jahre am Neckar für den gleichen Prozess ziemlich unwahrscheinlich sein dürften. Zu viele kleine und große Dinge gilt es im Vorfeld noch zu klären.

Ein Punkt wurde nun bereits konkret angegangen. Spätestens zum 1. Januar 2019 soll es ein gemeinsames Mitteilungsblatt geben. Die Verzögerung ergibt sich dadurch, dass Neckarsteinach im kommenden Jahr noch vertraglich gebunden ist. Man will aber versuchen, früher zu Potte zu kommen. Die genauen Modalitäten müssen noch ausgearbeitet werden. Denn in Hirschhorn wurde der Stadtanzeiger bislang kostenlos haushaltsdeckend verteilt. In Neckarsteinach geschah dies auf Abo-Basis für eine jährliche Gebühr.

In Hirschhorn wäre man nicht glücklich damit, nun von den Bürgern Geld verlangen zu müssen. Andererseits gab es schon bisher mit Rothenberg ein gesplittetes Modell, bei dem die interessierten Leser des Höhendorfs bezahlen mussten. Denn letztendlich ist eine kostenlose Verteilung auch eine Geldfrage, wurde deutlich. In der künftigen Stadt Oberzent kostet das Amtsblatt in einer Auflage von 5400 Stück (haushaltsdeckend) 30.000 Euro im Jahr. Es wird dort kostenlos abgegeben.

Sowohl diese unterschiedlichen Modelle als auch andere Details wie Umfang, Kosten für die Stadt, Farbe oder Online-Verfügbarkeit müssen nun unter einen Hut gebracht werden. Eine erste Abfrage bei fünf Verlagen führte noch nicht zu wirklich belastbaren Ergebnissen. Zu viele Details waren noch unklar, weshalb die Verwaltung den Auftrag bekam, anhand von konkreten Vorgaben neue Verhandlungen aufzunehmen.

Viele wollten die Windräder auf dem Greiner Eck in Augenschein nehmen

Schon allein die schieren Dimensionen sind beeindruckend, für etliche Bürger in der Region aber auch beängstigend. 200 Meter ragen die fünf Windräder am Greiner Eck in den Himmel. Von weithin sind die Kolosse im ganzen Odenwald sichtbar. Steht man, wie jetzt beim Windparkfest anlässlich der offiziellen Einweihung, unter einem der Rotoren, wird der Mensch zur Ameise.

Kein Wunder, dass sich viele Interessierte einen Besuch der Windräder auf dem Höhenrücken zwischen Hirschhorn, Neckarsteinach, Schönau und Heddesbach nicht entgehen lassen wollten. Zu diesem hatten Energiegenossenschaft Starkenburg und die Windpark Greiner Eck GmbH als Betreiber eingeladen. Als es gegen Mittag aufklarte und die Sonne rauskam, fassten die Shuttlebusse die große Anzahl an Besuchern kaum noch, die auf über 500 Meter Höhe kutschiert werden wollte.

Bei Bewirtung durch die Greiner Feuerwehr, Livemusik, Kinderprogramm, Führungen und vielen Informationen rund um die Windenergie füllten sich die anfangs leeren Sitzbänke außerhalb und im großen Zelt immer mehr. Etliche wagten einen Blick ins „Erdgeschoss“ des Windrads. Weiter hinauf durfte man nicht – wobei das aufgrund der zahlreichen Rückfragen ein Renner gewesen wäre. Jedoch wären dafür Schutzkleidung und eine eintägige Einweisung nötig gewesen.

Ralph Franke, Geschäftsführer sowohl des Windparks Greiner Eck als auch der Eigentümer Stadtwerke Viernheim und Bad Vilbel, würdigte den Abschluss der Bauarbeiten. Es gebe einen Vier-Kilometer-Rundweg über den Windpark mit seinen fünf Rotoren. Geplant sei noch eine Wanderschutzhütte mit Ruhebänken und einer E-Bike-Ladestation an Nummer 5. Er dankte allen am Projekt Beteiligten, die es auf den Weg brachten.

Vorstandsmitglied Micha Jost von der Energiegenossenschaft Starkenburg sagte, dass „fünf Jahre Vorarbeit für diesen Tag erforderlich war“. Das Greiner Eck sei der erste Windpark im Kreis Bergstraße. Er dankte den Stadtwerken, dieses „Abenteuer“ auf sich genommen zu haben, mit der ES das Projekt angegangen zu haben. „Es gab auch kritische Stimmen“, so Jost. Man habe die sachliche Diskussion nie gescheut, betonte er.

Der Praxisbetrieb zeige, „dass sich manche Vorurteile nicht bewahrheiteten“, meinte er. Leider habe es auch Vorwürfe unterhalb der Gürtellinie gegeben. Er stehe aber immer für Gespräche zur Verfügung und forderte die Besucher auf, nach der Begrüßung mit Fragen auf ihn zuzukommen. Der ES-Vorstand beleuchtete die verschiedenen Energiearten und machte klar, dass Atomkraft, Kohle, Öl oder Gas mit diversen Nachteilen behaftet seien. Wenn man die Energiewende wolle, „müssen wir vor der eigenen Haustür anfangen“.

Wie Jost sagte, will die ES mit ihren 840 Mitgliedern im direkten Umfeld „für grünen Strom sorgen“. Seit dem Jahr 2010 seien deshalb 18 Millionen Euro in erneuerbarer Energien gesteckt worden. Das Greiner Eck erzeugte seinen Worten zufolge seit Inbetriebnahme im Mai bereits acht Millionen kWh Strom. Das bedeute eine Ersparnis von 4200 Tonnen Kohlendioxid. Auf 20 Jahre gerechnet, seien dies 570 Millionen kWh Strom und 280.000 Tonnen CO²-Ersparnis. Die Mittel für den späteren Rückbau seien schon heute in Form von Bürgschaften hinterlegt, versicherte er.

„Es muss einen Energiemix geben“, betonte die Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht. Dazu gehört für sie auch unabdingbar Windkraft. Allerdings „brauchen wir dafür eine breite Akzeptanz in der Bürgerschaft“. Sie sah keinen Widerspruch zwischen Naturschutz und der Nutzung erneuerbarer Energien. Vorbehalte müsstenin offen geführten Diskussionen ausgeräumt werden.

Er habe beobachtet, wie sehr das Projekt „die Bevölkerung spaltet“, so Hirschhorns Bürgermeister Oliver Berthold. Vor Ort lasse sich jetzt beobachten, „dass sich die die Ängste nicht bewahrheitet haben“. Die Gemüter hätten sich zwischenzeitlich etwas beruhigt. Kollege Herold Pfeifer aus Neckarsteinach wies darauf hin, dass schon auf einer Kreistagssitzung vor fünf Jahren die vom Kreis in Auftrag gegebene Studie „Erneuerbar komm“ der FH Frankfurt, damals von Ex-Landrat Matthias Wilkes vorgestellt, der Windkraft eine bedeutende Rolle bei der Energieversorgung in Bergstraße und Odenwald zugeschrieben hatte. Der Kreis könnte dadurch „allein drei Viertel seines Gesamtenergiebedarfs decken“, lautete das Fazit.

Herwig Winter und Guido Carl vom BUND legten ein klares Bekenntnis zur Windkraft ab. Der erste Windpark im Kreis helfe, „die Energieversorgung auf gesunde Füße zu stellen“, so Carl. Winter erwähnte, man verkenne nicht mögliche negative Begleitumstände. Deshalb habe sich der Verband für die Beschränkung auf zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie eingesetzt. Er grenzte sich klar von den Bürgerinitiativen gegen die Windkraft und deren Vorgehen ab.

Der Windpark verfügt laut EGO über eine Leistung von 15 Megawatt und kann damit rund 28,6 Millionen kWh Strom pro Jahr klimaneutral erzeugen. Damit wird rechnerisch die Versorgung von etwa 9.200 Haushalten sichergestellt. Er entstand in Kooperation der Stadtwerke Viernheim und Bad Vilbel mit der Energiegenossenschaft Starkenburg und umfasst ein Investitionsvolumen von rund 26 Millionen Euro. Die Besonderheit des Windparks besteht darin, dass von Anbeginn ein eigenes EGO-Bürgerwindrad Bestandteil des Projekts war.

Windenergieanlagen: Enercon E115/3,0 MW

Nabenhöhe: 135 Meter

Rotorendurchmesser: 115,7 Meter

Baubeginn Februar 2016, Fertigstellung 11. Mai 2017

Betriebsgenehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz: 30 Jahre

Windgeschwindigkeit im Jahresdurchschnitt auf dem Greiner Eck: 6,3 m/s

Der Äskulapnatter geht’s im Neckartal gut

Es gibt nur vier kleine Vorkommen in Deutschland. Eines davon ist im südlichsten Kreis Bergstraße, im hessischen Neckartal: Die Äskulapnatter steht als bedrohte Schlangenart auf der roten Liste. Seit 2009 läuft ein Artenhilfsprogramm des Kreises Bergstraße zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Äskulapnatter. Die Ergebnisse stimmen optimistisch, erfuhr der Kreisbeigeordnete Karsten Krug bei einem Besuch im Brombacher Grund bei Hirschhorn. Der Bestand ist mehr als stabil. Die Helfer gehen von mehreren tausend Tieren in diesem Bereich aus. Die Art scheint sogar das Potenzial zur Ausbreitung weiter in den Odenwald hinein zu haben.

Für Krug war es der erste Kontakt mit dem Tier, seitdem er vor knapp einem Jahr seine Tätigkeit als Beigeordneter beim Kreis Bergstraße aufgenommen hat. „Kontakt“ ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen, denn Michael Waitzmann und Jenny Behm von der AG Äskulapnatter ließen die Besucher in Berührung mit der bis zu 1,80 Meter langen Schlange kommen. Auch Hirschhorns Bürgermeister Oliver Berthold, der gemeinsame Umweltbeauftragte mit Neckarsteinach, Werner Hildwein, und Dr. Hermann Joachim von der Unteren Naturschutzbehörde waren vor Ort.

Da das Kreisprojekt über zehn Jahre läuft, steht im kommenden Jahr eine Neubewertung an. Das war auch mit ein Grund für Krug, sich vor Ort ein Bild der Aktivitäten zu machen. Über 80.000 Euro investierte man in den vergangenen acht Jahren. Die Mittel stammen aus sogenannten Ersatzgeldern, die nach dem Bundesnaturschutzrecht für Eingriffe in die Natur erhoben werden. Wobei Waitzmann betonte, dass die AG ehrenamtlich arbeite.

Der Fachmann erläuterte, dass es sich bei der Äskulapnatter um die größte Schlangenart in Mitteleuropa handle. In Hessen gebe es ein zweites Vorkommen bei Wiesbaden. Dazu kommen noch zwei in Südostbayern bei Burghausen und Passau. Aber das war es dann auch in Deutschland. „Wir haben hier einen relativ gesunden Bestand“, meinte er mit Blick aufs hessische und badische Neckartal zwischen Neckargemünd und Eberbach.

Waitzmann wies darauf hin, dass es sich um ein länderübergreifendes Schutzprojekt handelt. Inzwischen sind Vorkommen das Ulfenbachtal hoch bis nach Heddesbach und Flockenbusch (Wald-Michelbach) nachgewiesen, im Finkenbachtal bis nach Ober-Hainbrunn und Kortelshütte. Auf der anderen, badischen Neckarseite wurde die Schlange bereits im Pleutersbacher Tal gesichtet. Neckarabwärts gibt es erste Vorkommen über Neckarsteinach hinaus bei Neckargemünd. „Im Kerngebiet ist die Population sehr stabil“, betonte der AG-Mitarbeiter. Ob die Tiere immer weiter in den Odenwald vorrücken, vermochte er nicht mit Bestimmtheit zu sagen.

Von der AG wurden laut Behm seit 2010 im Kerngebiet etwa 80 Eiablageplätze angelegt, „weil wir nie Jungtiere gefunden haben“. Dazu wurden verschiedene Materialien wie Sägespäne und Pferdemist verwendet. Im Herbst werden die Plätze laut Waitzmann umgegraben, weil die jungen Schlangen im September schlüpfen. „Das bedeutet viel Arbeit für uns“, betonte er, weil sie jedes Jahr gepflegt werden müssen. Deshalb versucht die AG auch die Wiesenbesitzer in diese Arbeit einzubinden. Der Erfolg kann sich sehen lassen.

„Seit das Projekt intensiv läuft, sind 186 Gelege dokumentiert“, sagte der Fachmann. Jede Äskulapnatter legt zwischen acht und zwölf Eiern. Aus 1650 schlüpften 1432 Schlangen. „Allerdings wissen wir nicht, wie hoch die Mortalitätsrate ist.“ Denn natürliche Feinde gibt es genug. Gleichzeitig ließ sich auf die Weise auch die Fortpflanzung der kleineren Ringelnatter beobachten. Hier stellte man bei 86 Gelegen über 3000 Eier fest.

Die „erfolgreiche Reproduktion“ und die „positive Zukunftsprognose“ machten die beiden Fachleute an der ausgeglichen Populationsstruktur von jung bis alt und der Mobilität der Schlangen fest. „Männchen können in der Paarungszeit bis zu einem Kilometer schlängeln“, hob Behm hervor. Wenn das Projekt auf dem bisherigen Niveau weitergeführt wird, ist Waitzmann um den Fortbestand der bedrohten Art im Neckartal nicht bange.

 

Äskulapnatter

Benannt wurde die Schlange nach dem griechischen Gott Asklepios, um dessen Stab sich eine solche Natter wand. Der Äskulapstab ist heute noch das Symbol der Heilberufe. Gefährdet ist sie durch den Verluste an Lebensräumen, so durch die Verbuschung von offenen, besonnten Biotopen oder durch Siedlungserweiterungen. Typische Lebensräume sind Wiesenhänge und Streuobstflächen mit guten Versteckmöglichkeiten wie Trockenmauern oder Holzstapel. Die Pflege der bestehenden, aber oft zugewachsenen Biotope hat einen großen Anteil am Kreis-Projekt. Darüber hinaus wird mit der Neuanlage von Habitatstrukturen eine Verbesserung der örtlichen Lebens- und Fortpflanzungsstrukturen erreicht. Damit einher geht ein intensives Monitoring.

Die Natter ist für den Menschen völlig ungefährlich. Die eher dünnleibige Würgeschlange ernährt sich vor allem von Kleinsäugern wie Mäusen und Eidechsen, aber auch von Vögeln, die sie aufgrund ihrer hervorragenden Kletterfähigkeit auch in Bäumen erreichen kann. Ihre Oberseite ist braun gefärbt, die Unterseite meist hellgelb. Von der Ringelnatter kann man die erwachsene Äskulapnatter durch das Fehlen der auffälligen hellgelben Flecke am Kopfende unterscheiden.