Winterdienst ist bei der Straßenmeisterei in Beerfelden das ganze Jahr ein Thema

Der erste Wintereinbruch sorgte vor einer Woche bereits für weiße Strecken auf den Odenwald-Hügeln und die ersten Verkehrsbehinderungen. Das zweite Intermezzo von Väterchen Frost lässt nicht lange auf sich warten. Für die Straßenmeistereien ist das alle Jahre wieder „Business as usual“. Denn nach dem Winter bedeutet für die Mitarbeiter quasi direkt vor dem nächsten: Die Vorarbeiten starten nahtlos. Welche Vorbereitungen im Odenwaldkreis getroffen wurden, erläuterten jetzt die Verantwortlichen.

Jochen Vogel, Pressesprecher Hessen Mobil in Heppenheim, skizzierte das Prozedere auf den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, für die die Behörde zuständig ist. Vom Landratsamt des Odenwaldkreises war Volker Weyrauch zugegen, für die Erbacher Polizei Ralf Löring. Hausherr in Beerfelden ist Harald Körner, in Bad König Werner Riesinger. Beide Straßenmeistereien teilen sich die Zuständigkeit im Odenwaldkreis.

Ein harter Winter ist nicht unbedingt einer, in dem es viel schneit, sagten die Fachleute. Sondern einer „mit wechselhaftem Wetter“, tagsüber mit Plus-Temperaturen, nachts mit Frost. Denn dann muss quasi nonstop gestreut werden, erläuterte Mitarbeiter Bernd Bechtold von der Beerfelder Straßenmeisterei. Da eine Tonne Salz 90 Euro kostet, geht dies dann kräftig ins Geld.

Polizeihauptkommissar Löring appellierte an die „Teamarbeit“ von Räumdienst und Autofahrern bei winterlichen Straßenverhältnissen. Zum einen sei Vorsicht in Waldgebieten geboten, weil das Salz Tiere an den Straßenrand ziehe. Zum anderen solle immer die Fahrgasse für die mit vier Meter überbreiten und mit 23 Tonnen ganz schön schweren Räumfahrzeuge freigelassen werden. „Bitte nicht überholen und die Geduld aufbringen, dahinter zu bleiben“, wünschte er sich.

Neben der Rücksichtnahme nannte Löring als wichtiges Kriterium auch vorausschauendes Fahren. In Höhenlagen müsse man auf offenen Flächen mit Eisbildung rechnen, sagte er. Ein noch so guter Winterdienst „kann keine sommerlichen Verkehrsverhältnisse schaffen“, ergänzte Riesinger. Am schwierigsten sei die Lage, „wenn es im Berufsverkehr anfängt zu schneien“, meinte Vogel. Dann seien auch eine Stunde zuvor geräumte Straßen rasch wieder zu.

Auf Autobahnen nonstop und auf den anderen Straßen von 6 bis 22 Uhr: So stellt sich der Schichtdienst in den Straßenmeistereien dar. Wobei um 6 Uhr zum Berufsverkehr die Strecken schon frei sein sollen. Deshalb beginnt der Dienst für die Mitarbeiter bereits im 1.30 Uhr nachts mit den Vorbereitungen Dann wird per Computer die Lage auf den Straßen überprüft.

„Winterdienst ist das ganze Jahr ein Thema“, verdeutlichte Vogel. Im Frühjahr gibt es Reparaturen, Ausschreibungen und Neuanschaffungen, im Sommer wird das Salz bezogen, im Herbst werden die Dienstpläne für die kalte Jahreszeit gemacht. Danach geht es schon auf die Strecken, um Schneenetze und -stangen zu stellen. „Ende Oktober sind die Vorbereitungen abgeschlossen.“

Neben dem Rückgriff auf die Wetterdienste helfen laut Jochen Vogel auch die jahrzehntelangen Erfahrungen der Hessen-Mobil-Leute, um zu wissen, „wo es an Brücken oder Waldpassagen glatt werden kann“. Ist Schnee gemeldet wie es derzeit fast jeden Tag vorkommen kann, „wird die Rufbereitschaft ausgelöst“, so der Pressesprecher. Jeder Fahrer hat eine vorgegebene Route, die etwa drei bis vier Stunden dauert.

Verwendet wird dabei eine Mischung aus 70 Prozent Trockensalz und 30 Prozent Lauge, die in der Straßenmeisterei hergestellt wird. Das Ganze nennt sich Feuchtsalz FS 30. „Dann haftet das besser auf dem Asphalt“, weiß Körner. Es wird nicht so schnell verweht, setzt den Auftauprozess schneller in Gang und hält die Straßen länger eisfrei. Laut Vogel testet man auf der Autobahn bei wechselhafter Witterung bereits FS 100, womit sich der Salzverbrauch um 30 Prozent reduzieren lässt. Sollten die 3300 im Odenwaldkreis gelagerten Tonnen Salz doch mal knapp werden, „füllen wir die Hallen unverzüglich wieder auf“, versichert er. Nur in den schneereichen Wintern 2010 und 2012 wurde es einmal knapp.

Die Straßenmeisterei Beerfelden mit ihrem Chef Harald Körner betreut 215 Straßenkilometer im südlichen Odenwaldkreis, dazu im benachbarten Kreis Bergstraße das hessische Neckartal und den Überwald rund um Wald-Michlebach bin hin nach Birkenau und ins Gorxheimertal. Daneben werden ein paar dazwischenliegende badische Straßen wie etwa durch Heddesbach oder Richtung Eberbach abgefahren. In der Oberzent-Stadt lagern etwa 1000 Tonnen Salz.

Die Straßenmeisterei Bad König mit Werner Riesinger an der Spitze ist für 285 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im nördlichen Kreisgebiet zuständig. Das neue Silo fasst 2000 Tonnen Salz. In Beerfelden sind sieben Schneeräumer im Einsatz, davon fünf eigene, die im Drei-Schicht-Betrieb von 18 Mitarbeitern gefahren werden. In Bad König sind es acht Fahrzeuge, davon vier eigene mit 15 Angestellten. Alle zusammen kümmern sich um die 500 Kilometer Strecke im Odenwaldkreis.

Weitere kleinere Salzlager gibt es in Hirschhorn und Wald-Michelbach. Insgesamt hält Hessen Mobil im Odenwaldkreis 3300 Tonnen Salz vor, was für einen durchschnittlichen Winter ausreicht. Sollte es einmal den ganzen Tag heftig durchschneien, werden pro Tag und Meisterei etwa 150 Tonnen benötigt.

v.l. Werner Riesinger und Harald Körner, Leiter der Straßenmeistereien Bad König und Beerfelden

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Umfang- und abwechslungsreiches Angebot beim Neckarsteinacher Allerheiligenmarkt am 1. November

Ganz im Zeichen des 875. Stadtjubiläums steht der November-Anfang in Neckarsteinach. Während im umliegenden Baden am 1. November ein Feiertag ist, bieten die arbeitenden Hessen beim 13. Allerheiligenmarkt das Beste aus Küche und Keller auf. Die Einzelhändler der Innenstadt, die Gastronomie sowie zahlreiche weitere Anbieter aus der Kirchenstraße laden ab 10 Uhr zu einem Besuch der Vierburgenstadt ein.

Ab 10 Uhr erwartet die Gäste aus nah und fern ein ebenso umfang- wie abwechslungsreiches Angebot. Neben den typischen Marktwaren (in diesem Jahr unter anderem mit frisch vor Ort geräuchertem Fisch, Kräutern, Gewürzen, Honig, Marmeladen und Brotaufstrichen, edlen Bränden, Käse, Wurst, Schmuck oder Heilsteinen) sorgen die Musikfreunde im „Schadenfroh-Hof“ und in der „Musenklause“, der Sängerbund im „Schönauer Hof“, die Pfandfinder vor dem „Pfarrhaus“ sowie die Knolle-Company vor der Sparkasse für das leibliche Wohl.

Wie in jedem Jahr schenkt die Brauerei Palmbräu auch diesmal Freibier aus ihrem „fahrbaren Bierfass“ aus. Alle Geschäfte haben geöffnet. Der Heimat- und Kulturverein lädt wieder zu Kunst und Handwerk parallel zum Allerheiligenmarkt ein. Zu dieser Veranstaltung sind von 10 bis 18 Uhr die Pforten im Bürgerhaus „Zum Schwanen“ geöffnet. Viele Aussteller aus der Vierburgenstadt und einem weiten Umkreis laden zum Bummeln, Schauen und Kaufen ein.

Beim Bummel können Besucher viele schöne Dinge entdecken und eventuell schon an Weihnachtseinkäufe denken. Das Angebot der Aussteller reicht von Schmuck über Ringe bis zu Armbändern, aus kleinsten Perlen genäht. Selbsthergestellte Gruß- und Weihnachtskarten sowie Bilder in 3D-Technik, Geschenkkartons aus verschiedenen Materialien und Falttechniken sind ebenfalls zu finden. Der weitere Rundgang bietet handgefertigte Holzschnitzkunst. Teddybären warten auf ihre Liebhaber genauso wie Tiffany- und Patchwork-Arbeiten. Es wird geklöppelt, gesponnen oder auch gestrickt.

Im Rahmen des 875. Stadtjubiläums lädt der Heimat- und Kulturverein darüber hinaus zu einem besonderen Konzert ins Bürgerhaus „Zum Schwanen“ ein. Das „Trio Bergheim“ mit der Neckarsteinacher Pianistin Cornelia Rau, der Geigerin Johanna Lastein und dem Cellisten Frederik Durczok musiziert dort mit Unterstützung der überregional bekannten Sopranistin Antonietta Jana erstmals. Gegeben wird ein buntes Programm von der Barockzeit bis zur Moderne mit bekannten Meisterwerken von Bach, Schubert, Brahms und Fauré, aber auch einigen spannenden Neuentdeckungen. Der Eintritt ist frei. Das Konzert beginnt am Samstag, 4. November, um 19.30 Uhr.

Mit der Königin Silvia auf dem Neckar nach Hirschhorn: Gäste waren von den Schönheiten der Stadt begeistert

Königlicher Besuch in der Perle des Neckartals: Auf der „Ritter- und Burgenfahrt“ mit der Königin Silvia, dem Flaggschiff der Heidelberger Weißen Flotte, machten 325 BAZ-Leser drei Stunden lang Station in Hirschhorn. Bei herrlichem Wetter war die Stimmung schon auf dem neuen Schiff prächtig. Stadtführer Ludwig Heyer als Bettelmönch war bereits an Heidelberg gegangen und informierte über die Schönheiten entlang der Strecke. Zusammen mit seinen Kollegen Richard Köhler und „dem letzten Ritter Friedrich“, Jürgen Waibel, bot er dann in Hirschhorn Stadtführungen an.

Auf einen Schlag kamen an diesem Nachmittag zehn Prozent der Hirschhorner Bevölkerung vom Schiff und bevölkerten die Altstadt. Auch ein Besuch im Langbein-Museum war inklusive. Kooperationspartner dieser Fahrt waren BAZ, Weiße Flotte Heidelberg, Stadt Hirschhorn und die „Romantischen Vier“. Empfangen wurden die Gäste am Anleger unterhalb der Altstadt von Stadtrat Willi Dreher und Heike Schön-Leucht von der Tourist-Info. Diese hatte auf städtischer Seite auch die organisatorische Hauptlast zu tragen. Für die Ausflügler galt es 250 Geschenktaschen mit Informationen über Hirschhorn und die Romantischen Vier zu packen.

Eine „kurzweilige Fahrt“ bekam Christoph Ecken von der Weißen Flotte bereits auf der Hinreise als Rückmeldung. Verbunden mit dem Lob für das „sehr schöne Schiff“, das bei Sonnenschein prächtig funkelte. Ludwig Heyer hatte auf der Strecke Wissenswertes über die verschiedenen Orte parat: etwa zur Geschichte der Neckarsteinacher Werft, zum Dilsberg oder zur Fähre Neckarhausen. In seiner ihm eigenen Art würzte er die Erzählungen mit viel Humor.

Die Teilnehmer kamen aus der gesamten badisch-hessisch-pfälzischen Region. Von der Bergstraße bis in den Kraichgau, vom Odenwald bis in die Rheinebene waren die Schifffahrtsgäste dabei. „Ich habe den wunderschönen Rundblick und das schöne Wetter heute genossen. Besonders die Organisation der Fahrt und der Service an Bord haben mir außerordentlich gut gefallen“, meinte Liesel Lumpp aus Lützelsachen.

„Wir sind zum ersten Mal mit der ‚Königin Silvia‘ gefahren und das Schiff hat uns beeindruckt. Auch das Weißwurst-Frühstück und die unterhaltsame Vorführung des Bettelmönchs hat uns gut gefallen“, sagten Karin und Klaus Winkler aus Schwetzingen. „Für uns war die Fahrt heute ein Erlebnis. Der Preis ist angemessen, der Service freundlich und schnell, die Portionen reichlich. Bei einer nächsten Fahrt würden wir wieder mit dabei sein“, meinten Ehepaar Elfriede und Otto Lehnert aus Hoffenheim. Die BAZ schrieb unter den Teilnehmern der Fahrt einen Wettbewerb aus. Preise für die Gewinner stellen die Weiße Flotte, die Stadt und die Romantischen Vier zur Verfügung.

Nach dem bayrischen Frühstück erzählte Ecken vom Besuch der „echten Königin Silvia“ auf dem nach ihr benannten Neckar-Schiff. Mit ihrem Bruder unternahm die schwedische Königin vor kurzem eine Burgenfahrt nach Neckarsteinach. Gekocht wurde dabei von Johann Lafer. Dass die Fahrt nach Hirschhorn führte, hat die Stadt Geschäftsführer Karl Hofstätter zu verdanken. Denn Speyer oder Mannheim standen ebenfalls zu Auswahl. Doch er schlug die Tour auf dem Neckar vor.

Die Landschaft und Natur sind hier viel abwechslungsreicher als in der Ebene. Dazu kam ein praktisches Element. Von der Zeit her dritteln sich die Anteile in Hin- und Rückfahrt sowie Aufenthalt mit je etwa drei Stunden. „Dann hat die gastgebende Stadt am meisten davon“, betonte Ecken. Dieser nahm Kontakt mit Heike Schön-Leucht auf. Gemeinsam wurde der Tag geplant.

Von den Hirschhorner Vorzügen konnten sich die Ausflügler bei den Stadtrundgängen überzeugen. Einer davon, mit Ritter Friedrich, führte zusätzlich noch zum Karmeliterkloster, das nach 200 Jahren Vakanz inzwischen wieder von fünf indischen Patres bewohnt wird. Alle drei Gruppen wanderten durch schmale Gassen der romantischen Altstadt mit ihren bezaubernden Fachwerkhäusern und den Zunftzeichen. In Augenschein genommen wurden auch das alte Rathaus, das ehemalige Amtsgericht oder die Hochwassermarken der Neckar-Überflutungen.

Zwei neue indische Patres sind ins Karmeliter-Kloster Hirschhorn eingezogen

Die Karmeliter-Gemeinde im Hirschhorner Kloster wächst. 2009 waren dort nach 200-jähriger Vakanz die drei indischen Patres Joshy, Cyril und Sijoy eingezogen. Cyril wirkt seit inzwischen zwei Jahren als Pfarrer in Mörlenbach, Sijoy schon länger in Bad Wimpfen, das ebenfalls zum Dekanat Bergstraße-Ost gehört. Acht Jahre später kommen nun die beiden Patres Linto und Sudeesh hinzu. Sie stammen ebenso wie ihre Mitbrüder aus dem südindischen Kerala.

Pater Joshy ist Pfarrer der fusionierten katholischen Kirchengemeinde von Hirschhorn und Neckarsteinach im hessischen Neckartal. Dort ist auch der 36-jährige Linto jetzt als Pfarrvikar/Kaplan tätig. Sein Glaubensbruder, der 37-jährige Sudeesh, versieht diese Funktion bei Pfarrer Peter Pristas in der Pfarrgruppe Überwald mit ihren Teilorten Wald-Michelbach, Unter-Schönmattenwag, Aschbach und Hammelbach. Eine zeitliche Begrenzung für ihre Tätigkeit, die sie im August und September aufnahmen, gibt es seitens des Bistums Mainz nicht.

In ihrer Funktion arbeiten die Patres dem jeweiligen Pfarrer zu, gestalten und halten Gottesdienste sowie sind für Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen zuständig. Gemeinsam mit Pfarrer Joshy bereitet Linto die Kinder auf die Kommunion vor und kümmert sich um die Jugendarbeit. „Außer Verwaltung machen wir alles“, hebt Sudeesh die große Breite der seelsorgerischen Arbeit hervor. Zusätzlich besuchen beide auch einen Pastoralkurs des Bistums Mainz.

Zwölf Jahre Ausbildung liegen hinter den Indern, die aus demselben Bezirk in Kerala stammen. Sie besuchten Priesterseminare der Karmeliter in Kothamangalam und Bangalore. Linto wurde nach seinem Studium 2009 zum Priester geweiht, Sudeesh bereits 2008. 2015 kamen sie nach Deutschland, wo in Mainz unter anderem Deutschkurse auf der Tagesordnung standen. Seit dem vergangenen Jahr besuchen beide den dortigen Pastoralkurs.

„Ich habe in der Region sehr gute erste Erfahrungen im Gottesdienst gemacht“, betont Pater Sudeesh. Linto ergänzt: „Die Menschen hier sind nett und freundlich und haben keine Berührungsängste.“ Eben weil sie schon die Patres kennen, Joshy im Neckartal und Cyril im Überwald, als dieser dort ebenfalls als Pfarrvikar tätig war. In Indien wird der Glaube bunt und lebhaft praktiziert. Eben diese Tradition bringen sie mit nach Deutschland. Ihre lockere Art kommt bei den Menschen sehr gut an.

Für Sudeesh und Linto war es schon früh klar, wohin sie ihr Weg führen würde. „Das Christentum hat eine schöne Tradition in unserer Heimat“, erläutert Linto. Er war Ministrant, ein regelmäßiger Kirchgänger. Nach der Schule hospitierte er in einem Priesterseminar. „Ich war sehr beeindruckt vom Erlebten“, berichtet er. Ihm war schnell klar: „Das passt für mich.“ Sudeesh entschied sich schon während der Schulzeit, Priester zu werden und fragte dort nach aufgenommen zu werden. Auch er war Ministrant in seinem Bezirk mit einem hohen christlichen Bevölkerungsanteil.

Im indischen Karmeliterkloster kamen die beiden nur theoretisch mit der deutschen Sprache in Kontakt. „Am Anfang war es deshalb schwierig sie zu erlernen“, meint Sudeesh. Einmal hier angekommen, gestaltete sich dies dann einfacher. „Wir haben dann an unserer Aussprache gefeilt“, so Linto. Eine „Herausforderung“ ist für sie immer noch der hiesige Dialekt, lachen die Patres. „Wir erschließen uns dann manche Wörter.“

Mindestens drei Mal die Woche kommen die fünf Karmeliter-Patres in Hirschhorn zu gemeinsamen Gebeten zusammen. Wobei die „neuen“ von den „alten Hasen“ lernen. „Joshy, Cyril und Sijoy haben hier einen guten Anfang gemacht“, betont Linto. „Sie kennen die hiesige Sprache und Kultur und geben das Wissen an uns weiter“, ergänzt Sudeesh. „Wir wollen in ihre Fußstapfen treten und die Spiritualität der Karmeliter vermitteln“, heben sie hervor.

Arbeitskreis kümmert sich jetzt um die interkommunale Zusammenarbeit zwischen Hirschhorn und Neckarsteinach

Ein Arbeitskreis soll die weitere interkommunale Zusammenarbeit der beiden hessischen Neckartalstädte koordinieren. Er löst damit den bisherigen, gemeinsam tagenden Ausschuss aus Neckarsteinach und Hirschhorn ab, der bisher drei Mal zusammenkam. Weiterhin wurde beschlossen, dass es spätestens ab dem 1. Januar 2019 ein gemeinsames Mitteilungsblatt für beide Städte geben soll.

Da Ausschuss für Stadtentwicklung (AfS) in Hirschhorn sowie Haupt- und Finanzausschuss in Neckarsteinach beratende Funktion haben, müssen die Beschlüsse noch durch die jeweilige Stadtverordneten-Versammlung. Was aber bei einstimmigen Entscheidungen eine Formsache sein dürfte. Überhaupt war die Versammlung von viel Einmütigkeit geprägt.

Die Einrichtung des Arbeitskreises geschah auf CDU-Antrag hin. Er soll zwölf Mitglieder haben, neben Bürgermeistern und Stadtverordneten-Vorstehern auch die jeweiligen Fraktionsvorsitzenden – oder jeweilige Vertreter. Dazu ist ein externer Berater angedacht. Man verspricht sich von der Verlagerung weg vom Ausschuss eine effektivere Arbeitsweise in kleinem Kreis, in dem auch mal offen Themen angesprochen werden können, die nicht gleich in die Öffentlichkeit sollen. Wobei abstimmungsfähige Ergebnisse auf die nächste Sitzung des jeweiligen Ausschusses kommen sollen.

Ein konkreter Zeitplan wurde noch nicht erstellt. Die Einladungen sollen den jeweiligen Stavo-Vorstehern vorbehalten bleiben, denn die Sitzungen finden abwechselnd in den Orten statt. Von den Mandatsträgern kamen durchweg positive Rückmeldungen. Gleichzeitig wurde aber deutlich gemacht, dass es auch von ihnen selbst abhängt, dass Bewegung in die Sache kommt. Aktuelle Themen können im Arbeitskreis schneller aufgegriffen werden, wurde als Vorteil herausgestellt. Und jeder kann so reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

In der Diskussion wurde mit Blick auf die Fusion in der benachbarten Oberzent aber auch klar, dass noch viel Wasser den Neckar hinunterlaufen wird, bis die beiden Städte in die Nähe eines Gemeindeverwaltungsverbands oder gar Zusammenschlusses kommen. Im südlichen Odenwaldkreis gab es eine Vorlaufzeit von etwa zehn Jahren, weshalb ein oder zwei Jahre am Neckar für den gleichen Prozess ziemlich unwahrscheinlich sein dürften. Zu viele kleine und große Dinge gilt es im Vorfeld noch zu klären.

Ein Punkt wurde nun bereits konkret angegangen. Spätestens zum 1. Januar 2019 soll es ein gemeinsames Mitteilungsblatt geben. Die Verzögerung ergibt sich dadurch, dass Neckarsteinach im kommenden Jahr noch vertraglich gebunden ist. Man will aber versuchen, früher zu Potte zu kommen. Die genauen Modalitäten müssen noch ausgearbeitet werden. Denn in Hirschhorn wurde der Stadtanzeiger bislang kostenlos haushaltsdeckend verteilt. In Neckarsteinach geschah dies auf Abo-Basis für eine jährliche Gebühr.

In Hirschhorn wäre man nicht glücklich damit, nun von den Bürgern Geld verlangen zu müssen. Andererseits gab es schon bisher mit Rothenberg ein gesplittetes Modell, bei dem die interessierten Leser des Höhendorfs bezahlen mussten. Denn letztendlich ist eine kostenlose Verteilung auch eine Geldfrage, wurde deutlich. In der künftigen Stadt Oberzent kostet das Amtsblatt in einer Auflage von 5400 Stück (haushaltsdeckend) 30.000 Euro im Jahr. Es wird dort kostenlos abgegeben.

Sowohl diese unterschiedlichen Modelle als auch andere Details wie Umfang, Kosten für die Stadt, Farbe oder Online-Verfügbarkeit müssen nun unter einen Hut gebracht werden. Eine erste Abfrage bei fünf Verlagen führte noch nicht zu wirklich belastbaren Ergebnissen. Zu viele Details waren noch unklar, weshalb die Verwaltung den Auftrag bekam, anhand von konkreten Vorgaben neue Verhandlungen aufzunehmen.

Viele wollten die Windräder auf dem Greiner Eck in Augenschein nehmen

Schon allein die schieren Dimensionen sind beeindruckend, für etliche Bürger in der Region aber auch beängstigend. 200 Meter ragen die fünf Windräder am Greiner Eck in den Himmel. Von weithin sind die Kolosse im ganzen Odenwald sichtbar. Steht man, wie jetzt beim Windparkfest anlässlich der offiziellen Einweihung, unter einem der Rotoren, wird der Mensch zur Ameise.

Kein Wunder, dass sich viele Interessierte einen Besuch der Windräder auf dem Höhenrücken zwischen Hirschhorn, Neckarsteinach, Schönau und Heddesbach nicht entgehen lassen wollten. Zu diesem hatten Energiegenossenschaft Starkenburg und die Windpark Greiner Eck GmbH als Betreiber eingeladen. Als es gegen Mittag aufklarte und die Sonne rauskam, fassten die Shuttlebusse die große Anzahl an Besuchern kaum noch, die auf über 500 Meter Höhe kutschiert werden wollte.

Bei Bewirtung durch die Greiner Feuerwehr, Livemusik, Kinderprogramm, Führungen und vielen Informationen rund um die Windenergie füllten sich die anfangs leeren Sitzbänke außerhalb und im großen Zelt immer mehr. Etliche wagten einen Blick ins „Erdgeschoss“ des Windrads. Weiter hinauf durfte man nicht – wobei das aufgrund der zahlreichen Rückfragen ein Renner gewesen wäre. Jedoch wären dafür Schutzkleidung und eine eintägige Einweisung nötig gewesen.

Ralph Franke, Geschäftsführer sowohl des Windparks Greiner Eck als auch der Eigentümer Stadtwerke Viernheim und Bad Vilbel, würdigte den Abschluss der Bauarbeiten. Es gebe einen Vier-Kilometer-Rundweg über den Windpark mit seinen fünf Rotoren. Geplant sei noch eine Wanderschutzhütte mit Ruhebänken und einer E-Bike-Ladestation an Nummer 5. Er dankte allen am Projekt Beteiligten, die es auf den Weg brachten.

Vorstandsmitglied Micha Jost von der Energiegenossenschaft Starkenburg sagte, dass „fünf Jahre Vorarbeit für diesen Tag erforderlich war“. Das Greiner Eck sei der erste Windpark im Kreis Bergstraße. Er dankte den Stadtwerken, dieses „Abenteuer“ auf sich genommen zu haben, mit der ES das Projekt angegangen zu haben. „Es gab auch kritische Stimmen“, so Jost. Man habe die sachliche Diskussion nie gescheut, betonte er.

Der Praxisbetrieb zeige, „dass sich manche Vorurteile nicht bewahrheiteten“, meinte er. Leider habe es auch Vorwürfe unterhalb der Gürtellinie gegeben. Er stehe aber immer für Gespräche zur Verfügung und forderte die Besucher auf, nach der Begrüßung mit Fragen auf ihn zuzukommen. Der ES-Vorstand beleuchtete die verschiedenen Energiearten und machte klar, dass Atomkraft, Kohle, Öl oder Gas mit diversen Nachteilen behaftet seien. Wenn man die Energiewende wolle, „müssen wir vor der eigenen Haustür anfangen“.

Wie Jost sagte, will die ES mit ihren 840 Mitgliedern im direkten Umfeld „für grünen Strom sorgen“. Seit dem Jahr 2010 seien deshalb 18 Millionen Euro in erneuerbarer Energien gesteckt worden. Das Greiner Eck erzeugte seinen Worten zufolge seit Inbetriebnahme im Mai bereits acht Millionen kWh Strom. Das bedeute eine Ersparnis von 4200 Tonnen Kohlendioxid. Auf 20 Jahre gerechnet, seien dies 570 Millionen kWh Strom und 280.000 Tonnen CO²-Ersparnis. Die Mittel für den späteren Rückbau seien schon heute in Form von Bürgschaften hinterlegt, versicherte er.

„Es muss einen Energiemix geben“, betonte die Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht. Dazu gehört für sie auch unabdingbar Windkraft. Allerdings „brauchen wir dafür eine breite Akzeptanz in der Bürgerschaft“. Sie sah keinen Widerspruch zwischen Naturschutz und der Nutzung erneuerbarer Energien. Vorbehalte müsstenin offen geführten Diskussionen ausgeräumt werden.

Er habe beobachtet, wie sehr das Projekt „die Bevölkerung spaltet“, so Hirschhorns Bürgermeister Oliver Berthold. Vor Ort lasse sich jetzt beobachten, „dass sich die die Ängste nicht bewahrheitet haben“. Die Gemüter hätten sich zwischenzeitlich etwas beruhigt. Kollege Herold Pfeifer aus Neckarsteinach wies darauf hin, dass schon auf einer Kreistagssitzung vor fünf Jahren die vom Kreis in Auftrag gegebene Studie „Erneuerbar komm“ der FH Frankfurt, damals von Ex-Landrat Matthias Wilkes vorgestellt, der Windkraft eine bedeutende Rolle bei der Energieversorgung in Bergstraße und Odenwald zugeschrieben hatte. Der Kreis könnte dadurch „allein drei Viertel seines Gesamtenergiebedarfs decken“, lautete das Fazit.

Herwig Winter und Guido Carl vom BUND legten ein klares Bekenntnis zur Windkraft ab. Der erste Windpark im Kreis helfe, „die Energieversorgung auf gesunde Füße zu stellen“, so Carl. Winter erwähnte, man verkenne nicht mögliche negative Begleitumstände. Deshalb habe sich der Verband für die Beschränkung auf zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie eingesetzt. Er grenzte sich klar von den Bürgerinitiativen gegen die Windkraft und deren Vorgehen ab.

Der Windpark verfügt laut EGO über eine Leistung von 15 Megawatt und kann damit rund 28,6 Millionen kWh Strom pro Jahr klimaneutral erzeugen. Damit wird rechnerisch die Versorgung von etwa 9.200 Haushalten sichergestellt. Er entstand in Kooperation der Stadtwerke Viernheim und Bad Vilbel mit der Energiegenossenschaft Starkenburg und umfasst ein Investitionsvolumen von rund 26 Millionen Euro. Die Besonderheit des Windparks besteht darin, dass von Anbeginn ein eigenes EGO-Bürgerwindrad Bestandteil des Projekts war.

Windenergieanlagen: Enercon E115/3,0 MW

Nabenhöhe: 135 Meter

Rotorendurchmesser: 115,7 Meter

Baubeginn Februar 2016, Fertigstellung 11. Mai 2017

Betriebsgenehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz: 30 Jahre

Windgeschwindigkeit im Jahresdurchschnitt auf dem Greiner Eck: 6,3 m/s

Der Äskulapnatter geht’s im Neckartal gut

Es gibt nur vier kleine Vorkommen in Deutschland. Eines davon ist im südlichsten Kreis Bergstraße, im hessischen Neckartal: Die Äskulapnatter steht als bedrohte Schlangenart auf der roten Liste. Seit 2009 läuft ein Artenhilfsprogramm des Kreises Bergstraße zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Äskulapnatter. Die Ergebnisse stimmen optimistisch, erfuhr der Kreisbeigeordnete Karsten Krug bei einem Besuch im Brombacher Grund bei Hirschhorn. Der Bestand ist mehr als stabil. Die Helfer gehen von mehreren tausend Tieren in diesem Bereich aus. Die Art scheint sogar das Potenzial zur Ausbreitung weiter in den Odenwald hinein zu haben.

Für Krug war es der erste Kontakt mit dem Tier, seitdem er vor knapp einem Jahr seine Tätigkeit als Beigeordneter beim Kreis Bergstraße aufgenommen hat. „Kontakt“ ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen, denn Michael Waitzmann und Jenny Behm von der AG Äskulapnatter ließen die Besucher in Berührung mit der bis zu 1,80 Meter langen Schlange kommen. Auch Hirschhorns Bürgermeister Oliver Berthold, der gemeinsame Umweltbeauftragte mit Neckarsteinach, Werner Hildwein, und Dr. Hermann Joachim von der Unteren Naturschutzbehörde waren vor Ort.

Da das Kreisprojekt über zehn Jahre läuft, steht im kommenden Jahr eine Neubewertung an. Das war auch mit ein Grund für Krug, sich vor Ort ein Bild der Aktivitäten zu machen. Über 80.000 Euro investierte man in den vergangenen acht Jahren. Die Mittel stammen aus sogenannten Ersatzgeldern, die nach dem Bundesnaturschutzrecht für Eingriffe in die Natur erhoben werden. Wobei Waitzmann betonte, dass die AG ehrenamtlich arbeite.

Der Fachmann erläuterte, dass es sich bei der Äskulapnatter um die größte Schlangenart in Mitteleuropa handle. In Hessen gebe es ein zweites Vorkommen bei Wiesbaden. Dazu kommen noch zwei in Südostbayern bei Burghausen und Passau. Aber das war es dann auch in Deutschland. „Wir haben hier einen relativ gesunden Bestand“, meinte er mit Blick aufs hessische und badische Neckartal zwischen Neckargemünd und Eberbach.

Waitzmann wies darauf hin, dass es sich um ein länderübergreifendes Schutzprojekt handelt. Inzwischen sind Vorkommen das Ulfenbachtal hoch bis nach Heddesbach und Flockenbusch (Wald-Michelbach) nachgewiesen, im Finkenbachtal bis nach Ober-Hainbrunn und Kortelshütte. Auf der anderen, badischen Neckarseite wurde die Schlange bereits im Pleutersbacher Tal gesichtet. Neckarabwärts gibt es erste Vorkommen über Neckarsteinach hinaus bei Neckargemünd. „Im Kerngebiet ist die Population sehr stabil“, betonte der AG-Mitarbeiter. Ob die Tiere immer weiter in den Odenwald vorrücken, vermochte er nicht mit Bestimmtheit zu sagen.

Von der AG wurden laut Behm seit 2010 im Kerngebiet etwa 80 Eiablageplätze angelegt, „weil wir nie Jungtiere gefunden haben“. Dazu wurden verschiedene Materialien wie Sägespäne und Pferdemist verwendet. Im Herbst werden die Plätze laut Waitzmann umgegraben, weil die jungen Schlangen im September schlüpfen. „Das bedeutet viel Arbeit für uns“, betonte er, weil sie jedes Jahr gepflegt werden müssen. Deshalb versucht die AG auch die Wiesenbesitzer in diese Arbeit einzubinden. Der Erfolg kann sich sehen lassen.

„Seit das Projekt intensiv läuft, sind 186 Gelege dokumentiert“, sagte der Fachmann. Jede Äskulapnatter legt zwischen acht und zwölf Eiern. Aus 1650 schlüpften 1432 Schlangen. „Allerdings wissen wir nicht, wie hoch die Mortalitätsrate ist.“ Denn natürliche Feinde gibt es genug. Gleichzeitig ließ sich auf die Weise auch die Fortpflanzung der kleineren Ringelnatter beobachten. Hier stellte man bei 86 Gelegen über 3000 Eier fest.

Die „erfolgreiche Reproduktion“ und die „positive Zukunftsprognose“ machten die beiden Fachleute an der ausgeglichen Populationsstruktur von jung bis alt und der Mobilität der Schlangen fest. „Männchen können in der Paarungszeit bis zu einem Kilometer schlängeln“, hob Behm hervor. Wenn das Projekt auf dem bisherigen Niveau weitergeführt wird, ist Waitzmann um den Fortbestand der bedrohten Art im Neckartal nicht bange.

 

Äskulapnatter

Benannt wurde die Schlange nach dem griechischen Gott Asklepios, um dessen Stab sich eine solche Natter wand. Der Äskulapstab ist heute noch das Symbol der Heilberufe. Gefährdet ist sie durch den Verluste an Lebensräumen, so durch die Verbuschung von offenen, besonnten Biotopen oder durch Siedlungserweiterungen. Typische Lebensräume sind Wiesenhänge und Streuobstflächen mit guten Versteckmöglichkeiten wie Trockenmauern oder Holzstapel. Die Pflege der bestehenden, aber oft zugewachsenen Biotope hat einen großen Anteil am Kreis-Projekt. Darüber hinaus wird mit der Neuanlage von Habitatstrukturen eine Verbesserung der örtlichen Lebens- und Fortpflanzungsstrukturen erreicht. Damit einher geht ein intensives Monitoring.

Die Natter ist für den Menschen völlig ungefährlich. Die eher dünnleibige Würgeschlange ernährt sich vor allem von Kleinsäugern wie Mäusen und Eidechsen, aber auch von Vögeln, die sie aufgrund ihrer hervorragenden Kletterfähigkeit auch in Bäumen erreichen kann. Ihre Oberseite ist braun gefärbt, die Unterseite meist hellgelb. Von der Ringelnatter kann man die erwachsene Äskulapnatter durch das Fehlen der auffälligen hellgelben Flecke am Kopfende unterscheiden.