Sturm und Käfer lassen Nadelholz-Preise purzeln

Wohl dem Waldbesitzer, der viel Laubholz in seinen Beständen hat. Dafür sind derzeit noch gute Preise zu erzielen. Beim Nadelholz sieht es eher duster aus. Sturmtief „Friederike“ und der Borkenkäfer setzten vor allem der Fichte stark zu und ließen die Preise purzeln. Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, und sein Stellvertreter Sebastian Vocilka skizzierten die aktuelle Marktlage auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG). Diese umfasst die angegliederten Gemeinden des Forstamts Beerfelden, also auch Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach.

Der südliche Odenwald wurde im Januar von Friederike einigermaßen verschont, erläuterte Forstamtsdirektor Sasse. Im Bereich des Forstamts Beerfelden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen. Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern.

Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Allein in Hessen seien eine Million Festmeter betroffen. Bisher wurden im Forstamtsbereich Beerfelden bereits 40.000 fm weggeschafft, wobei er fürs komplette Jahr mit 60.000 rechnet. Betroffen ist vor allem die Fichte – die im Odenwald vorherrschende Baumart, mit der das meiste Geld verdient wird.

Das Problem beim Borkenkäfer: Er ist kein einjähriges Phänomen. „Das dauert mehrere Jahre, bis er wieder verschwunden ist“, so der Forstamtschef. Nach dem Jahrhundertsommer 2003 plagte der Buchdrucker den heimischen Wald bis 2007. Sasse geht davon aus, dass somit in den kommenden Jahren immer um die 60.000 fm Schadholz anfallen, das auf dem Markt den Preis drückt.

Wie stark, machte Sebastian Vocilka deutlich. Vor einem Jahr erzielt das Forstamt noch 92/93 Euro für den Festmeter Fichte. Aber: „Ab dem 18. Januar ging es abwärts.“ An diesem Tag zog Friederike über Deutschland. Käferholz lässt sich derzeit für 45 bis 50 Euro verkaufen, „Tendenz fallend“. Beim Nadel-Frischholz, das allerdings wenig nachgefragt wird „sind wir von den früheren Preisen weit entfernt“, sagte er.

Er empfahl deshalb den Waldbesitzern, erst einmal das Schadholz aufzuarbeiten und den Rest stehen zu lassen. „Es kommen wieder bessere Zeiten“, so der Forstamts-Mitarbeiter. Zwar betreffen die Schäden vor allem die Fichte, „aber der Kieferpreis wurde mit runtergezogen“, bedauerte Vocilka. Lediglich die Douglasie „bringt ordentlich Geld“. Hier sind die Preise mit 100 Euro/fm stabil.

Mit Laubholz wie Buche, sonst oft das Stiefkind, „kann man derzeit viel Geld verdienen“, erläuterte er. Preise für Eichenholz „schießen durch die Decke“. Vocilka empfahl deshalb, wenn möglich diese Baumarten einzuschlagen, frisches Nadelholz stehen zu lassen und erst einmal das vom Borkenkäfer befallene zu verwenden. Kollegin Gudrun Kranhold ergänzte, dass im vergangenen Jahr im Privatwald sowieso weniger als zuvor eingeschlagen worden sei.

In ihrem Geschäftsbericht für 2017 sprach sie von einem Mitglieder- und Flächenzuwachs bei der FBG. Im vergangenen Jahr wurde auf knapp 900 Hektar gekalkt. Der Kassenstand ist laut Kranhold weiterhin ansehnlich im Plus. Sie betonte, dass die Kassengeschäfte wie bisher weitergeführt werden können, da die fusionierte Stadt Oberzent in den Vertrag von Beerfelden eintrat, wo dies zuvor Hans Mader erledigte. Der übernimmt auch weiterhin die Kasse. Die Geschäftsführung der FBG bleibt in den Händen des Forstamts Beerfelden.

Da der bisherige Vorsitzende Gottfried Görig, vormals Bürgermeister in Beerfelden, nicht mehr kandidierte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ralf Kredel (Etzean), bisher Stellvertreter, übernimmt den Posten. Ihm zur Seite steht nun Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer als neuer Stellvertreter.

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Odenwald will sein Holz selbst vermarkten

Die Holzvermarktung in Hessen muss neu organisiert werden. Ab 1. Januar 2019 darf Hessen Forst das Holz der Kommunen nicht mehr verkaufen. Eine Ersatzvermarktung muss somit dringend her. Für Oberzent läuft das auf einen Zweckverband der Odenwaldkreis-Kommunen hinaus, erläutert Bürgermeister Christian Kehrer. Daran anschließen können sich die angrenzenden Orte des Landkreises Bergstraße, sofern sie auch im Odenwald liegen. Bei ihnen sind die Interessen ähnlich gelagert.

Alles begann mit dem Urteil des Bundeskartellamts aus dem vergangenen Jahr gegen eine angebliche Machtkonzentration in den Händen der baden-württembergischen Forstämter. Die waren – wie die hessischen auch – für Beförsterung und gleichzeitig Holvermarktung zuständig. Zu viel der Kohle, zu viel Einfluss meinte das Gericht. Dieses Urteil schlägt nun auch ins Nachbarbundesland durch. Eile ist geboten.

Der Rathauschef macht keinen Hehl daraus, dass er die neue Lösung für falsch hält. „Die bisherigen Synergieeffekte fallen weg“, betont er. Hessen Forst konnte bis zu diesem Jahr die Holzernte aus Landes-, Privat- und Kommunalwald in einem Schwung abernten und unter die Abnehmer bringen. Das geht jetzt nur noch für die ersteren beiden. Was für die Gemeinden heißt, dass ein zwischengeschalteter Unternehmer ebenfalls sein Geld haben will, was vom Gewinn abgeht. Vor dem Hintergrund sowieso sinkender Preise und dem Buchdrucker-Befall keine glänzenden Aussichten.

Ursprünglich waren sechs Holzvermarktungsorganisationen auf Landesebene geplant, so Kehrer. Doch diese Gebilde stellten sich als zu groß und zu unterschiedlich gelagert heraus. Eine Stadt wie Oberzent, deren Fläche zu 70 Prozent von Wald bedeckt und für die das Holz ein veritabler Wirtschaftsfaktor ist, hat andere Interessen wie etwa Darmstadt, wo dem Wald vor allem eine Erholungsfunktion zukommt, führt er aus.

Auch die Variante, Landkreis Bergstraße und Odenwaldkreis unter ein Dach zu bringen, „war nicht der Favorit“, betont er. Dazu ist das Ried in der Rheinebene zu weit weg und völlig anders aufgestellt, was sich schon an der Waldfläche bemerkbar macht. Deshalb sind Oberzent (2400 Hektar) und Wald-Michelbach (1600 Hektar) als waldreichste Kommunen in den beiden Kreisen nun federführend bei der Neuorganisation, die die Gemeinden im Odenwald mit viel Waldbesitz kreisübergreifend zusammenführend soll. Aus dem Landkreis Bergstraße sind weiterhin Gras-Ellenbach, Abtsteinach, Hirschhorn, Neckarsteinach, Fürth und Mörlenbach mit involviert.

Zum einen muss es zwar schnell gehen, zum anderen sind aber „die Förderrichtlinien des Landes sind noch nicht draußen“, bedauert der Bürgermeister. Denn bei einer solchen Neuorganisation schießt das Land je nach Größe bis zu 500.000 Euro. Im konkreten Fall dürften es 200.000 Euro sein. „Wir sind zeitlich im Verzug“, so Kehrer. Es sollte dieses Jahr noch eine Entscheidung getroffen werden, um 2019 Beschlüsse fassen zu können.

„Wir haben eine Vorlage erstellt und eine Satzung ausgearbeitet“, erläutert das Stadtoberhaupt. Derzeit läuft die rechtliche Prüfung. Es geht um ein „verbindliches Gebilde“ in Form eines Zweckverbands oder eine Anstalt öffentlichen Rechts. Er rechnet damit, dass die entsprechenden Beschlussvorlagen in die Novemberrunde der verschiedenen Gremien kommen.

 

Neckar-Fährmann dringend gesucht

Neckarhausen/Neckarhäuserhof. Lust auf einen ausgefallenen Beruf? Neckar-Fährmann dringend gesucht! Am besten soll ein erfahrener Binnen-Seebär her. Beginn: möglichst sofort. So liest sich die Stellenbeschreibung des Freundeskreises Fähre, mit dem dieser auf einer der letzten beiden Neckarfähren Personal sucht. Denn sonst ist ein ordnungsgemäßer Betrieb oder sogar der Fortbestand dieser kulturhistorischen Institution in Gefahr.

Zwischen dem hessischen, zu Neckarsteinach gehörenden Neckarhausen und dem badischen, zu Neckargemünd gehörenden Neckarhäuserhof verkehrt ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten: eine Hochseilgierfähre mit Dieselmotor. Bereits im Jahr 1803 wird an dieser Stelle ein Fährnachen mit dem Namen „Napoleon“ überliefert. Die zweite noch verbliebene Neckarfähre von ehemals etlichen schippert ebenfalls in einem Neckarhausen, aber dem bei Edingen, über den Fluss.

Da die Personal-Situation der Fähre prekär ist, startet der Freundeskreis laut der stellvertretenden Vorsitzenden Ute Fries jetzt eine Banner- und Plakatsuchaktion für einen zweiten und dritten Fährmann. Denn Urgestein Achim Landwehr will im Mai 2019 aufhören. Der „Färcher“ ist bereits eine Institution auf dem Neckar. Seit 38 Jahren, seit 1980, steht er jeden Tag parat und bringt Autofahrer, Fußgänger oder Radler von Baden nach Hessen – oder umgekehrt. Älter als er ist das Schiff selbst: Es wurde 1933 angeschafft und kann bis zu acht Autos gleichzeitig über den Neckar transportieren.

Markus Seibert aus Neckarhausen, der aktuell seine Ausbildung zum Fährmann macht, wird frühestens Anfang Dezember seine Prüfung absolvieren. Wenn sich kein Interessent mit Fährpatent findet, der spätestens zum Frühjahr einsteigen könnte, müsste der neu auszubildende Fährmann schon demnächst anfangen, da er 180 Tage Praktikum auf der Fähre benötigt.

Derzeit läuft der Fährverkehr bereits auf Sparflamme: Da ein bisheriger Färcher im April fristlos kündigte, ist das Schiff momentan nur alle zwei Wochen planmäßig unterwegs – und zwar in den ungeraden. In den geraden Wochen pendelt die Fähre nur Montag- bis Freitagvormittags von 6 bis 8 Uhr. Am Wochenende findet gar kein Fährverkehr statt. Die im Vorfeld der Kündigung angesprochenen Mängel „sind inzwischen behoben und ein Teil wurde als ‚kein Mangel‘ zurückgewiesen“, erläutert die stellvertretende Vorsitzende.

„Wir wollen mit unserer Plakat- und Banneraktion die Fährmannsuche nochmal etwas intensivieren und natürlich auch auf die Gefahr hinweisen, dass bald keine Fähre mehr auf dem Neckar verkehren könnte“, betont Ute Fries. „Das wäre für unsere Fähre, die Menschen im Umkreis und auch touristisch gesehen sehr fatal.“

Fries weist in diesem Zusammenhang auf die wichtige Verbindung zwischen den Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen und den beiden Landkreisen Rhein-Neckar und Bergstraße hin. Außerdem sorgt die Fähre für eine kurze, Zeit und Sprit sparende Verbindung zwischen Neckarhausen und Neckarhäuserhof sowie den Anliegergemeinden (Hirschhorn, Neckarsteinach, Mückenloch, Haag, Schönbrunn, Waldwimmersbach) und des badischen Ufers mit der S-Bahn-Linie zwischen Heidelberg und Mosbach auf der hessischen Seite.

Ute Fries weist auf die Fähre als „wichtiges Symbol für die lange gemeinsame Geschichte von Neckarhausen und Neckarhäuserhof“ hin. Sie ist daneben ein historisches Denkmal, da sie eine der letzten beiden ihrer Art auf dem Neckar ist. Als „schwimmende Brücke‘“ verbindet sie den großen mit dem kleinen Odenwald und dem Kraichgau, dazu die Kreisstraßen 205, 4102 und 4103 und dient als Umfahrungsmöglichkeit bei Verkehrsstörungen auf der B37/45. Die Fähre ist eine „Stütze der Infrastruktur, des Tourismus und der Gastronomie“, betont die stellvertretende Vorsitzende.

Der früheste Hinweis auf eine Neckarquerung ist über 500 Jahre alt, datierend aus einem Rechtsstreit zwischen dem Kloster Schönau und Mückenloch. Nach Genehmigung des Betriebs einer Wagenfähre zwischen Neckarhausen und dem damaligen Finsterbach (Neckarhäuserhof) durch die Großherzoglich Hessische Regierung in Darmstadt wurde diese noch im gleichen Jahr 1812 eingerichtet.

Verstärkt kam in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Personentransport hinzu. Am 15. August 1837 wurde die Nähe erstmals meistbietend verpachtet an „Johannes Krieger zu Finsterbach, für 15 Gulden pro anno“. Damit wurde ein regulärer Fährbetrieb mit einem ständigen Fährmann eingerichtet, der bis heute Bestand hat. Die 1877 eingeführte Kettenschleppschifffahrt wie auch die Einweihung der Neckartaleisenbahn 1879 verlangten nach einer neuen Technik. Die neue, eiserne Gierbundfähre lief ab 1888 an einem Drahtseil, dass über zwei Buchnachen geführt wurde.

Nach dem Bau der Staustufen wurde 1933 eine Hochseilgierfähre aus der Schiffswerft Ph. Ebert & Söhne in Neckarsteinach in Betrieb genommen. Diese wurde mittels einer in Fahrtrichtung liegenden Verholkette über den Neckar gezogen. Diese kraftraubende Tätigkeit fand ab 1958 durch den Einsatz eines Dieselmotors ein Ende. Den nach dem Zweiten Weltkrieg sprunghaft angestiegenen Verkehr bekam auch die Fähre zu spüren – nicht ohne Folgen: Mit geänderten Fährzeiten leisten seitdem zwei Fährmänner im wöchentlichen Wechsel ihren Dienst.

Freundeskreis Fähre Neckarhausen-Neckarhäuserhof

Gründungsjahr: 2004

Mitgliederzahl: 350

Kontakt: Vorsitzender Jörg Polivka, Im Neckarhäuserhof 3, 69151 Neckargemünd, E-Mail info@ffnn.de, zweite Vorsitzende Ute Fries, Im Neckarhäuserhof 4, 69151 Neckargemünd, Telefon 06229-930604, http://www.ffnn.de

Ballonglühen nach der Inthronisation von Franziska beim Neckarsteinacher Tag des Gastes

Das bisherige Burgfräulein Franziska ist neue Vierburgenkönigin. Die 19-Jährige ist damit die Nachfolgerin von Sina I. (17), die beim Tag des Gastes feierlich verabschiedet wurde. Neues Burgfräulein ist jetzt Laura I. (18). Die Zepterübergabe ging auf der großen Freitreppe zwischen Altstadt und Neckarufer über die Bühne. Die beiden gingen abends zusammen mit vielen anderen Prinzessinnen und Königinnen vor allem aus Odenwald und Bergstraße auf große Schifffahrt, um Ballonglühen und Vierburgenbeleuchtung vom Wasser aus zu genießen.

Es war eine besondere Veranstaltung: Zum 50. Mal fand am Neckarufer unter großem Zuspruch der Bevölkerung der Tag des Gastes statt. Leider zum Jubiläum ohne Feuerwerk, denn die Waldbrandgefahr war durch die aktuelle Trockenheit einfach zu hoch. Dafür gab’s am Dilsberger Flussufer ein von Musik untermaltes Ballonglühen. Tagsüber war noch ein Gewitter befürchtet worden, doch die dunklen Wolken und der Wind hatten sich zum Glück abends verflüchtigt.

Die Neckarsteinacher Vereine sorgten an ihren Ständen neben allerlei Kulinarischem auch für Live-Musik der unterschiedlichsten Art. „Bagmo“, „Best Friends“ und „New Phantoms“ unterhielten die zahlreichen Gäste. Beim Turnerbund spielte nicht nur die Musik, sondern waren auch Turngruppen mit verschiedenen Darbietungen präsent. Bei den Opel-Freunden wurde es orientalisch mit Tänzen der „Askardia Oriental Dance Fusion“-Gruppe.

Kein Tag des Gastes ohne Freibier: Das entsprechende Fass stachen beim Mitveranstalter Heimat- und Kulturverein Bürgermeister Herold Pfeifer sowie die noch amtierende Vierburgenkönigin Sina und Burgfräulein Franziska an. Der Rathauschef dankte beiden für ihr Engagement als Repräsentanten der Stadt im vergangenen Jahr. Zur Krönung der neuen Hoheit hatten sich viele Gäste aus nah und fern eingefunden.

Als die Wasserschutzpolizei den Fluss gesperrt hatte, fuhren die aus Heidelberg kommenden Ausflugsschiffe vor, allen voran das Flaggschiff der Weißen Flotte, die Königin Silvia. Viele kleinere Boote und Yachten hatten sich bereits zuvor am badischen und hessischen Ufer eingefunden.

Für die Ehrengäste stand in Neckarsteinach die „Merian“ bereit, an deren Bord sie in der Abenddämmerung zunächst flussabwärts bis hinter Neckargemünd fuhren. Hartmut Quiring unterhielt dabei auf Akkordeon und Saxophon. Nach der Rückkehr begann gleich das Ballonglühen, vom Verein Ballonfahrt Kurpfalz organisiert. Die vier Burgen gaben danach im LED-Licht ein herrliches buntes Bild ab, wie sie sich Grün, Blau, Hell und Lila färbten. Das Fest war aber noch lange nicht beendet. Erst in den frühen Morgenstunden gingen nach einer lauschigen Nacht die letzten nach Hause.

 

Winterdienst ist bei der Straßenmeisterei in Beerfelden das ganze Jahr ein Thema

Der erste Wintereinbruch sorgte vor einer Woche bereits für weiße Strecken auf den Odenwald-Hügeln und die ersten Verkehrsbehinderungen. Das zweite Intermezzo von Väterchen Frost lässt nicht lange auf sich warten. Für die Straßenmeistereien ist das alle Jahre wieder „Business as usual“. Denn nach dem Winter bedeutet für die Mitarbeiter quasi direkt vor dem nächsten: Die Vorarbeiten starten nahtlos. Welche Vorbereitungen im Odenwaldkreis getroffen wurden, erläuterten jetzt die Verantwortlichen.

Jochen Vogel, Pressesprecher Hessen Mobil in Heppenheim, skizzierte das Prozedere auf den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, für die die Behörde zuständig ist. Vom Landratsamt des Odenwaldkreises war Volker Weyrauch zugegen, für die Erbacher Polizei Ralf Löring. Hausherr in Beerfelden ist Harald Körner, in Bad König Werner Riesinger. Beide Straßenmeistereien teilen sich die Zuständigkeit im Odenwaldkreis.

Ein harter Winter ist nicht unbedingt einer, in dem es viel schneit, sagten die Fachleute. Sondern einer „mit wechselhaftem Wetter“, tagsüber mit Plus-Temperaturen, nachts mit Frost. Denn dann muss quasi nonstop gestreut werden, erläuterte Mitarbeiter Bernd Bechtold von der Beerfelder Straßenmeisterei. Da eine Tonne Salz 90 Euro kostet, geht dies dann kräftig ins Geld.

Polizeihauptkommissar Löring appellierte an die „Teamarbeit“ von Räumdienst und Autofahrern bei winterlichen Straßenverhältnissen. Zum einen sei Vorsicht in Waldgebieten geboten, weil das Salz Tiere an den Straßenrand ziehe. Zum anderen solle immer die Fahrgasse für die mit vier Meter überbreiten und mit 23 Tonnen ganz schön schweren Räumfahrzeuge freigelassen werden. „Bitte nicht überholen und die Geduld aufbringen, dahinter zu bleiben“, wünschte er sich.

Neben der Rücksichtnahme nannte Löring als wichtiges Kriterium auch vorausschauendes Fahren. In Höhenlagen müsse man auf offenen Flächen mit Eisbildung rechnen, sagte er. Ein noch so guter Winterdienst „kann keine sommerlichen Verkehrsverhältnisse schaffen“, ergänzte Riesinger. Am schwierigsten sei die Lage, „wenn es im Berufsverkehr anfängt zu schneien“, meinte Vogel. Dann seien auch eine Stunde zuvor geräumte Straßen rasch wieder zu.

Auf Autobahnen nonstop und auf den anderen Straßen von 6 bis 22 Uhr: So stellt sich der Schichtdienst in den Straßenmeistereien dar. Wobei um 6 Uhr zum Berufsverkehr die Strecken schon frei sein sollen. Deshalb beginnt der Dienst für die Mitarbeiter bereits im 1.30 Uhr nachts mit den Vorbereitungen Dann wird per Computer die Lage auf den Straßen überprüft.

„Winterdienst ist das ganze Jahr ein Thema“, verdeutlichte Vogel. Im Frühjahr gibt es Reparaturen, Ausschreibungen und Neuanschaffungen, im Sommer wird das Salz bezogen, im Herbst werden die Dienstpläne für die kalte Jahreszeit gemacht. Danach geht es schon auf die Strecken, um Schneenetze und -stangen zu stellen. „Ende Oktober sind die Vorbereitungen abgeschlossen.“

Neben dem Rückgriff auf die Wetterdienste helfen laut Jochen Vogel auch die jahrzehntelangen Erfahrungen der Hessen-Mobil-Leute, um zu wissen, „wo es an Brücken oder Waldpassagen glatt werden kann“. Ist Schnee gemeldet wie es derzeit fast jeden Tag vorkommen kann, „wird die Rufbereitschaft ausgelöst“, so der Pressesprecher. Jeder Fahrer hat eine vorgegebene Route, die etwa drei bis vier Stunden dauert.

Verwendet wird dabei eine Mischung aus 70 Prozent Trockensalz und 30 Prozent Lauge, die in der Straßenmeisterei hergestellt wird. Das Ganze nennt sich Feuchtsalz FS 30. „Dann haftet das besser auf dem Asphalt“, weiß Körner. Es wird nicht so schnell verweht, setzt den Auftauprozess schneller in Gang und hält die Straßen länger eisfrei. Laut Vogel testet man auf der Autobahn bei wechselhafter Witterung bereits FS 100, womit sich der Salzverbrauch um 30 Prozent reduzieren lässt. Sollten die 3300 im Odenwaldkreis gelagerten Tonnen Salz doch mal knapp werden, „füllen wir die Hallen unverzüglich wieder auf“, versichert er. Nur in den schneereichen Wintern 2010 und 2012 wurde es einmal knapp.

Die Straßenmeisterei Beerfelden mit ihrem Chef Harald Körner betreut 215 Straßenkilometer im südlichen Odenwaldkreis, dazu im benachbarten Kreis Bergstraße das hessische Neckartal und den Überwald rund um Wald-Michlebach bin hin nach Birkenau und ins Gorxheimertal. Daneben werden ein paar dazwischenliegende badische Straßen wie etwa durch Heddesbach oder Richtung Eberbach abgefahren. In der Oberzent-Stadt lagern etwa 1000 Tonnen Salz.

Die Straßenmeisterei Bad König mit Werner Riesinger an der Spitze ist für 285 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im nördlichen Kreisgebiet zuständig. Das neue Silo fasst 2000 Tonnen Salz. In Beerfelden sind sieben Schneeräumer im Einsatz, davon fünf eigene, die im Drei-Schicht-Betrieb von 18 Mitarbeitern gefahren werden. In Bad König sind es acht Fahrzeuge, davon vier eigene mit 15 Angestellten. Alle zusammen kümmern sich um die 500 Kilometer Strecke im Odenwaldkreis.

Weitere kleinere Salzlager gibt es in Hirschhorn und Wald-Michelbach. Insgesamt hält Hessen Mobil im Odenwaldkreis 3300 Tonnen Salz vor, was für einen durchschnittlichen Winter ausreicht. Sollte es einmal den ganzen Tag heftig durchschneien, werden pro Tag und Meisterei etwa 150 Tonnen benötigt.

v.l. Werner Riesinger und Harald Körner, Leiter der Straßenmeistereien Bad König und Beerfelden

Umfang- und abwechslungsreiches Angebot beim Neckarsteinacher Allerheiligenmarkt am 1. November

Ganz im Zeichen des 875. Stadtjubiläums steht der November-Anfang in Neckarsteinach. Während im umliegenden Baden am 1. November ein Feiertag ist, bieten die arbeitenden Hessen beim 13. Allerheiligenmarkt das Beste aus Küche und Keller auf. Die Einzelhändler der Innenstadt, die Gastronomie sowie zahlreiche weitere Anbieter aus der Kirchenstraße laden ab 10 Uhr zu einem Besuch der Vierburgenstadt ein.

Ab 10 Uhr erwartet die Gäste aus nah und fern ein ebenso umfang- wie abwechslungsreiches Angebot. Neben den typischen Marktwaren (in diesem Jahr unter anderem mit frisch vor Ort geräuchertem Fisch, Kräutern, Gewürzen, Honig, Marmeladen und Brotaufstrichen, edlen Bränden, Käse, Wurst, Schmuck oder Heilsteinen) sorgen die Musikfreunde im „Schadenfroh-Hof“ und in der „Musenklause“, der Sängerbund im „Schönauer Hof“, die Pfandfinder vor dem „Pfarrhaus“ sowie die Knolle-Company vor der Sparkasse für das leibliche Wohl.

Wie in jedem Jahr schenkt die Brauerei Palmbräu auch diesmal Freibier aus ihrem „fahrbaren Bierfass“ aus. Alle Geschäfte haben geöffnet. Der Heimat- und Kulturverein lädt wieder zu Kunst und Handwerk parallel zum Allerheiligenmarkt ein. Zu dieser Veranstaltung sind von 10 bis 18 Uhr die Pforten im Bürgerhaus „Zum Schwanen“ geöffnet. Viele Aussteller aus der Vierburgenstadt und einem weiten Umkreis laden zum Bummeln, Schauen und Kaufen ein.

Beim Bummel können Besucher viele schöne Dinge entdecken und eventuell schon an Weihnachtseinkäufe denken. Das Angebot der Aussteller reicht von Schmuck über Ringe bis zu Armbändern, aus kleinsten Perlen genäht. Selbsthergestellte Gruß- und Weihnachtskarten sowie Bilder in 3D-Technik, Geschenkkartons aus verschiedenen Materialien und Falttechniken sind ebenfalls zu finden. Der weitere Rundgang bietet handgefertigte Holzschnitzkunst. Teddybären warten auf ihre Liebhaber genauso wie Tiffany- und Patchwork-Arbeiten. Es wird geklöppelt, gesponnen oder auch gestrickt.

Im Rahmen des 875. Stadtjubiläums lädt der Heimat- und Kulturverein darüber hinaus zu einem besonderen Konzert ins Bürgerhaus „Zum Schwanen“ ein. Das „Trio Bergheim“ mit der Neckarsteinacher Pianistin Cornelia Rau, der Geigerin Johanna Lastein und dem Cellisten Frederik Durczok musiziert dort mit Unterstützung der überregional bekannten Sopranistin Antonietta Jana erstmals. Gegeben wird ein buntes Programm von der Barockzeit bis zur Moderne mit bekannten Meisterwerken von Bach, Schubert, Brahms und Fauré, aber auch einigen spannenden Neuentdeckungen. Der Eintritt ist frei. Das Konzert beginnt am Samstag, 4. November, um 19.30 Uhr.

Mit der Königin Silvia auf dem Neckar nach Hirschhorn: Gäste waren von den Schönheiten der Stadt begeistert

Königlicher Besuch in der Perle des Neckartals: Auf der „Ritter- und Burgenfahrt“ mit der Königin Silvia, dem Flaggschiff der Heidelberger Weißen Flotte, machten 325 BAZ-Leser drei Stunden lang Station in Hirschhorn. Bei herrlichem Wetter war die Stimmung schon auf dem neuen Schiff prächtig. Stadtführer Ludwig Heyer als Bettelmönch war bereits an Heidelberg gegangen und informierte über die Schönheiten entlang der Strecke. Zusammen mit seinen Kollegen Richard Köhler und „dem letzten Ritter Friedrich“, Jürgen Waibel, bot er dann in Hirschhorn Stadtführungen an.

Auf einen Schlag kamen an diesem Nachmittag zehn Prozent der Hirschhorner Bevölkerung vom Schiff und bevölkerten die Altstadt. Auch ein Besuch im Langbein-Museum war inklusive. Kooperationspartner dieser Fahrt waren BAZ, Weiße Flotte Heidelberg, Stadt Hirschhorn und die „Romantischen Vier“. Empfangen wurden die Gäste am Anleger unterhalb der Altstadt von Stadtrat Willi Dreher und Heike Schön-Leucht von der Tourist-Info. Diese hatte auf städtischer Seite auch die organisatorische Hauptlast zu tragen. Für die Ausflügler galt es 250 Geschenktaschen mit Informationen über Hirschhorn und die Romantischen Vier zu packen.

Eine „kurzweilige Fahrt“ bekam Christoph Ecken von der Weißen Flotte bereits auf der Hinreise als Rückmeldung. Verbunden mit dem Lob für das „sehr schöne Schiff“, das bei Sonnenschein prächtig funkelte. Ludwig Heyer hatte auf der Strecke Wissenswertes über die verschiedenen Orte parat: etwa zur Geschichte der Neckarsteinacher Werft, zum Dilsberg oder zur Fähre Neckarhausen. In seiner ihm eigenen Art würzte er die Erzählungen mit viel Humor.

Die Teilnehmer kamen aus der gesamten badisch-hessisch-pfälzischen Region. Von der Bergstraße bis in den Kraichgau, vom Odenwald bis in die Rheinebene waren die Schifffahrtsgäste dabei. „Ich habe den wunderschönen Rundblick und das schöne Wetter heute genossen. Besonders die Organisation der Fahrt und der Service an Bord haben mir außerordentlich gut gefallen“, meinte Liesel Lumpp aus Lützelsachen.

„Wir sind zum ersten Mal mit der ‚Königin Silvia‘ gefahren und das Schiff hat uns beeindruckt. Auch das Weißwurst-Frühstück und die unterhaltsame Vorführung des Bettelmönchs hat uns gut gefallen“, sagten Karin und Klaus Winkler aus Schwetzingen. „Für uns war die Fahrt heute ein Erlebnis. Der Preis ist angemessen, der Service freundlich und schnell, die Portionen reichlich. Bei einer nächsten Fahrt würden wir wieder mit dabei sein“, meinten Ehepaar Elfriede und Otto Lehnert aus Hoffenheim. Die BAZ schrieb unter den Teilnehmern der Fahrt einen Wettbewerb aus. Preise für die Gewinner stellen die Weiße Flotte, die Stadt und die Romantischen Vier zur Verfügung.

Nach dem bayrischen Frühstück erzählte Ecken vom Besuch der „echten Königin Silvia“ auf dem nach ihr benannten Neckar-Schiff. Mit ihrem Bruder unternahm die schwedische Königin vor kurzem eine Burgenfahrt nach Neckarsteinach. Gekocht wurde dabei von Johann Lafer. Dass die Fahrt nach Hirschhorn führte, hat die Stadt Geschäftsführer Karl Hofstätter zu verdanken. Denn Speyer oder Mannheim standen ebenfalls zu Auswahl. Doch er schlug die Tour auf dem Neckar vor.

Die Landschaft und Natur sind hier viel abwechslungsreicher als in der Ebene. Dazu kam ein praktisches Element. Von der Zeit her dritteln sich die Anteile in Hin- und Rückfahrt sowie Aufenthalt mit je etwa drei Stunden. „Dann hat die gastgebende Stadt am meisten davon“, betonte Ecken. Dieser nahm Kontakt mit Heike Schön-Leucht auf. Gemeinsam wurde der Tag geplant.

Von den Hirschhorner Vorzügen konnten sich die Ausflügler bei den Stadtrundgängen überzeugen. Einer davon, mit Ritter Friedrich, führte zusätzlich noch zum Karmeliterkloster, das nach 200 Jahren Vakanz inzwischen wieder von fünf indischen Patres bewohnt wird. Alle drei Gruppen wanderten durch schmale Gassen der romantischen Altstadt mit ihren bezaubernden Fachwerkhäusern und den Zunftzeichen. In Augenschein genommen wurden auch das alte Rathaus, das ehemalige Amtsgericht oder die Hochwassermarken der Neckar-Überflutungen.