Das alte Hirschhorn wird wieder lebendig: Altstadtfreunde haben für 2018 einen neuen Kalender mit früheren Stadtmotiven zusammengestellt

Nach einem Jahr Pause gibt es ihn wieder: den Kalender mit Motiven aus der Neckarstadt, veröffentlicht vom Verein der Altstadtfreunde. Seine Fans dürften den Vorverkaufsstart am 21. Oktober sehnsüchtig erwarten. 13 Motive inklusive Deckblatt haben die Verantwortlichen dieses Mal unter dem Titel „Hirschhorn wie es einmal war…“ für 2018 zusammengetragen. Zum sechsten Mal lässt sich so die Stadt in jedem Monat auf besondere Weise erfahren.

Hirschhorner Gaststätten, Geschäfte, Ortsimpressionen, Originale und die Fastnacht bildeten in den vergangenen Jahren die Themen des begehrten Kalenders. „Wir haben etwas längere Zeit für neue Ideen gebraucht“, begründet Altstadtverein-Vorsitzender Reiner Lange die einjährige Pause. Zusätzlich waren die drei Hauptverantwortlichen beruflich stark eingespannt. Als man dann im Frühjahr in die Diskussion einstieg, fiel das zeitlich zusammen mit Langes Sichtung des Nachlasses seines Vaters Heinz.

Dieser war viele Jahre Vorsitzender der Freunde der Hirschhorner Altstadt gewesen – ein Ehrenamt, in dem ihm der Sohn nachfolgte. Der Fundus war sehr umfangreich. So trug man dann Ansichten zusammen, die Hirschhorn vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigen. Die unterschiedlichen Blickwinkel auf die Stadt mit ihren Straßen und Gassen lassen erahnen, welche Veränderungen sich ergaben, aber auch welche Konstanz es noch gibt.

Mit der Bildauswahl, so Reiner Lange, „haben wir versucht, möglichst viele Facetten unserer Stadt aus der vergangenen Zeit zu beleuchten“. Nicht immer sah früher alles schöner aus. „Doch nehmen uns die Aufnahmen mit auf eine Zeitreise durch unsere Heimatstadt.“ Die zeitliche Einordnung der Aufnahmen und Postkarten ließ sich entweder durch Stempel, Datierungen oder genaue Inaugenscheinnahme der baulichen Aspekte erreichen.

Die verschiedenen Blickwinkel werden durch Bilder von Vorder- und Hinterstädtchen, Kirche und Schloss, aber auch Ersheim, Kapelle, Marktplatz, Hauptstraße, Klostergasse oder Neckaralm deutlich. Gerade dieses Motiv der ehemaligen Gaststätte aus den 1920er Jahren im September 2018 „fällt aus dem Rahmen“, macht Lange die Seltenheit deutlich. Denn normalerweise gibt’s Bilder nur aus der anderen Richtung. Dieses mit dem Schloss im Hintergrund, von Moosbrunn kommend, ist etwas Besonderes.

Die Neckaralm gibt es schon längst nicht mehr, sie wurde 1969 geschlossen. Zahlreich sind die Erzählungen über die verschiedenen Sperrstunden. Denn die Gaststätte wurde zwar Hirschhorn zugerechnet, lag aber auf badischer Gemarkung. Und die Sperrstunde differierte um eine Stunde von Land zu Land… Auch der Mai 2018 ist eine Seltenheit: Hier ist die Postkarte zum Anlass des Wettsingens aus dem Jahr 1906 abgebildet, ausgerichtet vom Sängerbund Neckartal. Ein wirkliches Unikat.

„Nicht für jede gute Idee gibt es immer Material“, erläutert Lange, dass es zahlreiche Anregungen gab. Die sich aber dann leider mangels Masse nicht verwirklichen ließen. Denn Resonanz aus der Bevölkerung bekommen die Altstadtfreunde immer viel. Mit der rechnet der Vereinsvorsitzende auch nach Veröffentlichung. „Da kommt von unseren Rentnern bestimmt noch der eine oder andere Tipp“, schmunzelt er.

Denn alles konnten die Initiatoren auch nicht zuordnen. So gibt es auf dem Februar-Motiv mit evangelischer Kirche, Kloster und Altstadt (entstanden in den 1950er Jahren) im Vordergrund ein kleines Gebäude, das Lange nicht bestimmen kann. Was er weiß: Die in der Bildmitte sichtbare Rennescheuer existiert nicht mehr. Dafür heute die Umgehungsstraße, wovon zu dieser Zeit noch nichts zu sehen. Hier plätschert der Neckar noch bis praktisch an die Stadt- und Kirchenmauer.

Info: Kalender 2018 „Hirschhorn wie es einmal war…“, herausgegeben vom Verein Freunde der Hirschhorner Altstadt, limitierte Auflage 300 Stück, Preis 13 Euro, Verkaufsstart am Samstag, 21. Oktober von 11 bis 13 Uhr am Freien Platz. Der Kalender ist ab Montag, 23. Oktober, in den Verkaufsstellen Sparkasse und Volksbank, Schreibwaren Münz und Sportlerheim „Bei Ätsche“ erhältlich.

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„Mareikes Backshop“ schließt Mitte Oktober die Lücke in der Finkenbacher Nahversorgung

Die Nahversorgung im 450-Seelen-Ort ist ab Mitte des Monats wieder gesichert. Nachdem im Mai der bisherige Laden dicht gemacht hatte, die einzige Einkaufsmöglichkeit des Finkenbachtals weit und breit, eröffnet Mareike Niesen an selber Stelle am 14. Oktober „Mareikes Backshop“. Dort gibt es aber nicht nur Gebackenes, sondern alles für den täglichen Bedarf, wofür die Finkenbacher seit ein paar Monaten zehn Kilometer nach Beerfelden oder Hirschhorn fahren mussten. Die Vorfreude auf die Eröffnung ist deshalb im Ort groß, denn Metzger oder Bäcker sind schon lange hier nicht mehr präsent.

Das Geschäft hat in Finkenbach eine große Tradition. Am 20. Februar 1868 war es von Marie Seip, der Urgroßmutter der jetzigen Besitzerin, eröffnet worden. In den vergangenen Jahren hatte es kurzfristige Intermezzi der Pächter gegeben. Mareike Niesen, die von ihrem Mann Christian unterstützt wird, „liegt die Nahversorgung im Ort sehr am Herzen“. Sie hatte bereits über den Sommer mit großen Erfolg den Schwimmbad-Kiosk gepachtet. Nächstes Jahr gibt es dort eine Fortsetzung der Zusammenarbeit.

„Verkaufen liegt mir im Blut“, betont die gelernte Fleischerei-Fachverkäuferin. Die nötige Einzelhandelserfahrung bringt sie in den Job mit. „Ich wollte mal wieder was Neues angehen“, sagt Niesen. Sie sieht den Laden optimal in der Synergie mit dem Schwimmbad-Kiosk. „Ich habe gerne mit Menschen zu tun.“ Es geht ihr nicht nur um die Einkaufsmöglichkeit. Vielmehr möchte sie ihren Shop zu einem Ortstreffpunkt machen, wo man auch gern mal für ein Schwätzchen bei einem Kaffee zusammenkommt. Deshalb gibt es in dem 120-Quadratmeter-Geschäft ein paar Stehtische zum Verweilen.

„Die Leute mussten samstags wegen ein paar Brötchen etliche Kilometer fahren“, sieht die 43-Jährige großen Bedarf. Auch für Zigaretten, Zeitungen, Getränke oder Haushaltswaren in kleinerem Umfang waren die Finkenbacher oft unterwegs. „Im Schwimmbad bin ich oft darauf angesprochen worden, ob nicht das eine oder andere vorrätig ist.“ Sie musste verneinen. Nicht mehr. „Der Bedarf ist da“, schätzt Niesen. Denn es gab viel Zuspruch aus dem Ort, als sie ihr Vorhaben ankündigte.

Eine „Frühstückstüte“ liegt Mareike Niesen als Neuerung besonders am Herzen. Die lässt sich individuell auf Vorbestellung zusammenfügen. Etwa mit belegtem Brötchen, Mürbs, Süßigkeit Getränk, Zeitung – egal ob sie jetzt für Kinder auf dem Schulweg oder für Handwerker auf dem Weg zur Arbeit gedacht sein soll. „Sie wird dann morgens frisch gerichtet und liegt zum Mitnehmen bereit.“

Wie schon im Schwimmbad-Kiosk geht es dem Ehepaar darum, möglichst viel regionale Waren anzubieten. Etwa von der Hofkäserei am Schlossberg Gammelsbach oder der Hüttenthaler Molkerei. Wurst und Fleisch gibt’s aus Beerfelden von der Metzgerei Sattler. Um die Brötchen kümmert sich Chefin selbst. Die werden im Lagerraum per Automat aufgebacken. Auf diese Weise ist Niesen flexibel und kann auf Nachfrage über den Lieferanten auch glutenfreie Backwaren anbieten.

Neben Heidelberger Partnerschaftskaffee sollen noch weitere Produkte aus Odenwald und Kurpfalz ins Sortiment. Die Inhaberin denkt unter anderem dabei an spezielle Stollen zu Weihnachten. Die „Standardware“ bietet sie aus dem „Gut und Günstig“-Programm von Edeka. Lokale Zeitungen finden sich natürlich ebenso im Regal wie überregionale Blätter. Bestimmte Illustrierte werden auf Bestellung angefordert und sind dann erhältlich.

Dies gilt ebenfalls für Lebensmittel. Ein Finkenbacher ließ bereits verlauten, dass er eine ganz bestimmte Sorte der Drei-Glocken-Nudeln haben möchte. Ihm wird geholfen. Ebenso den Bierkennern aus dem Ort, die gerne mal ein „Schlappeseppel“ aus dem Aschaffenburger Raum trinken. Das hat mittlerweile der Getränkehändler vorrätig. „Wir können gezielt auf Kundenwünsche eingehen“, hebt sie hervor. Pflegeprodukte, Briefmarken, Postkarten, Eis, Eier, Kuchen, Tabak, Brot, Kaffee to go oder Konserven gehören ebenso zum regulären Sortiment. Auch gelbe und graue Müllsäcke findet man im Laden.

Info: Die Eröffnungsfeier von „Mareikes Backshop“ in der Beerfeldener Straße 8, Finkenbach, ist am Samstag, 14. Oktober, ab 6 Uhr. Danach ist der Laden montags bis freitags von 5.30 bis 13 Uhr geöffnet, samstags von 6 bis 11 Uhr. Sonntag ist geschlossen. Infos und Bestellungen unter 0177-1651279.

 

Viel Andrang beim Oktoberfest der Freiwilligen Feuerwehr Hirschhorn

Nach einem schleppenden Beginn verzeichnete die Hirschhorner Feuerwehr doch noch einen schönen Erfolg ihres Oktoberfests. Dirndl und Krachlederne waren bei den Brandschützern Trumpf, während bei den Gästen überwiegend Alltagskleidung vorherrschte. Die säumten nach der Mittagszeit, als der Nebel der wärmenden Oktobersonne Platz gemacht hatte, in großen Mengen die Sitzgelegenheiten.

Ein Jahr hatten die Floriansjünger wegen des Umbaus des Feuerwehrgerätehauses in der Hainbrunner Straße mit dem Fest pausiert. Eigentlich wollte man dieses gleich zusammen mit dem Florianstag einweihen. Doch beim Bau „ist leider kein Ende in Sicht“, bedauerte Vereinsvorsitzender Tim Pfisterer. Das Geld der Stadt ist alle. In einer Schauübung wurde am Nachmittag die Bekämpfung eines Wohnungsbrands im Nachbargebäude simuliert.

Bereits am Abend vorher war die Backdraft-Party in der großen Fahrzeughalle gut besucht. Der nächste Morgen startete erfreulich: Die Feuerwehrleute nahmen offiziell ihr neues Fahrzeug, ein LF 10 KatS, zusammen mit dem Rüstwagen in Betrieb. Die Übergabe geschah durch den Ersten Stadtrat Karlheinz Happes. Neben den vielen befreundeten Wehren aus der Umgebung (Brombach, Kortelshütte, Neckarhausen und Langenthal) freute man sich besonders über den Besuch der Kollegen aus Hirschhorn in Niederbayern, die traditionell jedes Jahr zum Oktoberfest vorbeikommen.

Fürs leibliche Wohl war naturgemäß die Auswahl groß. Bereits zwei Tage vorher hatten sich Aktive aus Einsatzabteilung und Verein an die Vorbereitung gemacht. „Der Aufwand hat sich gelohnt“, brachte Pfisterer seinen Dank an die Helfer zum Ausdruck. Weißwürste und Fleischpflanzerl zur Maß Bier, aber auch Flammkuchen von der Jugendfeuerwehr oder Waffeln von den Bambini mundeten bestens. Für die Kinder stand eine Hüpfburg bereits. Auf große Nachfragen stießen die traditionellen Rundfahrten mit den Feuerwehrfahrzeugen.

Mit der Königin Silvia auf dem Neckar nach Hirschhorn: Gäste waren von den Schönheiten der Stadt begeistert

Königlicher Besuch in der Perle des Neckartals: Auf der „Ritter- und Burgenfahrt“ mit der Königin Silvia, dem Flaggschiff der Heidelberger Weißen Flotte, machten 325 BAZ-Leser drei Stunden lang Station in Hirschhorn. Bei herrlichem Wetter war die Stimmung schon auf dem neuen Schiff prächtig. Stadtführer Ludwig Heyer als Bettelmönch war bereits an Heidelberg gegangen und informierte über die Schönheiten entlang der Strecke. Zusammen mit seinen Kollegen Richard Köhler und „dem letzten Ritter Friedrich“, Jürgen Waibel, bot er dann in Hirschhorn Stadtführungen an.

Auf einen Schlag kamen an diesem Nachmittag zehn Prozent der Hirschhorner Bevölkerung vom Schiff und bevölkerten die Altstadt. Auch ein Besuch im Langbein-Museum war inklusive. Kooperationspartner dieser Fahrt waren BAZ, Weiße Flotte Heidelberg, Stadt Hirschhorn und die „Romantischen Vier“. Empfangen wurden die Gäste am Anleger unterhalb der Altstadt von Stadtrat Willi Dreher und Heike Schön-Leucht von der Tourist-Info. Diese hatte auf städtischer Seite auch die organisatorische Hauptlast zu tragen. Für die Ausflügler galt es 250 Geschenktaschen mit Informationen über Hirschhorn und die Romantischen Vier zu packen.

Eine „kurzweilige Fahrt“ bekam Christoph Ecken von der Weißen Flotte bereits auf der Hinreise als Rückmeldung. Verbunden mit dem Lob für das „sehr schöne Schiff“, das bei Sonnenschein prächtig funkelte. Ludwig Heyer hatte auf der Strecke Wissenswertes über die verschiedenen Orte parat: etwa zur Geschichte der Neckarsteinacher Werft, zum Dilsberg oder zur Fähre Neckarhausen. In seiner ihm eigenen Art würzte er die Erzählungen mit viel Humor.

Die Teilnehmer kamen aus der gesamten badisch-hessisch-pfälzischen Region. Von der Bergstraße bis in den Kraichgau, vom Odenwald bis in die Rheinebene waren die Schifffahrtsgäste dabei. „Ich habe den wunderschönen Rundblick und das schöne Wetter heute genossen. Besonders die Organisation der Fahrt und der Service an Bord haben mir außerordentlich gut gefallen“, meinte Liesel Lumpp aus Lützelsachen.

„Wir sind zum ersten Mal mit der ‚Königin Silvia‘ gefahren und das Schiff hat uns beeindruckt. Auch das Weißwurst-Frühstück und die unterhaltsame Vorführung des Bettelmönchs hat uns gut gefallen“, sagten Karin und Klaus Winkler aus Schwetzingen. „Für uns war die Fahrt heute ein Erlebnis. Der Preis ist angemessen, der Service freundlich und schnell, die Portionen reichlich. Bei einer nächsten Fahrt würden wir wieder mit dabei sein“, meinten Ehepaar Elfriede und Otto Lehnert aus Hoffenheim. Die BAZ schrieb unter den Teilnehmern der Fahrt einen Wettbewerb aus. Preise für die Gewinner stellen die Weiße Flotte, die Stadt und die Romantischen Vier zur Verfügung.

Nach dem bayrischen Frühstück erzählte Ecken vom Besuch der „echten Königin Silvia“ auf dem nach ihr benannten Neckar-Schiff. Mit ihrem Bruder unternahm die schwedische Königin vor kurzem eine Burgenfahrt nach Neckarsteinach. Gekocht wurde dabei von Johann Lafer. Dass die Fahrt nach Hirschhorn führte, hat die Stadt Geschäftsführer Karl Hofstätter zu verdanken. Denn Speyer oder Mannheim standen ebenfalls zu Auswahl. Doch er schlug die Tour auf dem Neckar vor.

Die Landschaft und Natur sind hier viel abwechslungsreicher als in der Ebene. Dazu kam ein praktisches Element. Von der Zeit her dritteln sich die Anteile in Hin- und Rückfahrt sowie Aufenthalt mit je etwa drei Stunden. „Dann hat die gastgebende Stadt am meisten davon“, betonte Ecken. Dieser nahm Kontakt mit Heike Schön-Leucht auf. Gemeinsam wurde der Tag geplant.

Von den Hirschhorner Vorzügen konnten sich die Ausflügler bei den Stadtrundgängen überzeugen. Einer davon, mit Ritter Friedrich, führte zusätzlich noch zum Karmeliterkloster, das nach 200 Jahren Vakanz inzwischen wieder von fünf indischen Patres bewohnt wird. Alle drei Gruppen wanderten durch schmale Gassen der romantischen Altstadt mit ihren bezaubernden Fachwerkhäusern und den Zunftzeichen. In Augenschein genommen wurden auch das alte Rathaus, das ehemalige Amtsgericht oder die Hochwassermarken der Neckar-Überflutungen.

Aus kleinen Anfängen wurde in Ober-Hainbrunn ein großes Schlepper- und Oldtimertreffen

„Mit einem kleinen Eicher hat alles angefangen“, erinnert sich Wilfried Friedrich. Den Traktor bekam der MGV-Vorsitzende vor zehn Jahren zu seinem 50. Geburtstag geschenkt. Damals ließ er sich bestimmt nicht träumen, dass daraus ein großes Schlepper- und Oldtimertreffen werden würde, das inzwischen jedes Jahr 200 alte Vehikel mitsamt Eigentümern in den kleinen Odenwaldort im Süden des Kreises führt. Wie auch heuer wieder zur Freude des MGV – zum zehnten Mal.

Die Sänger als Veranstalter werden bei herrlichem Wetter „förmlich überrannt“, wie sich Friedrich etwas heiser freut – denn gleichzeitig steigt die Hainbrunner Kerwe. Es sind ja nicht nur die Fahrer mit ihren liebevoll gepflegten Karossen, die den kleinen Rothenberger Ortsteil bevölkern. Es kommt noch einmal eine Vielzahl von Gästen obendrauf, die die Gastfreundschaft der Sänger und das bekannte gute gastronomische Angebot Open-Air genießen. Der MGV-Chef zählt mehr Teilnehmer als 2015 und 2016. Schon damals freute man sich über einen Riesen-Andrang.

Am Vorabend wurde bereits die Kerwe, in deren Rahmen auch das Schleppertreffen stattfindet, eingeläutet. Nun entwickelten sich viele Benzingespräche rund um die Vehikel mit mehreren Jahrzehnten auf dem Buckel, die von ihren Eigentümern so hergerichtet werden, dass sie als neu durchgehen könnten. Friedrich, der die Fahrzeuge an der Einfahrt zum Platz in Empfang nimmt, kommt aus dem Schwärmen kaum mehr heraus.

Mit dem Eicher im Gepäck „kam spontan die Idee auf, doch ein Schleppertreffen zu veranstalten“, erzählt er. Gesagt, getan. Mit 70 Fahrzeugen startete man und verzeichnete Jahr für Jahr eine Steigerung. Dieses Jahr wurde noch eine zusätzliche Wiese angemietet, um dort Allradfahrzeuge unterzubringen. Besucher und Eigentümer kommen dabei längst nicht mehr aus der näheren Umgebung. Offenbach, Darmstadt, Miltenberg oder Aschaffenburg lauten neben Mosbach, Heppenheim und Heidelberg die Herkunftsorte und –kreise.

Aus Schlierbach bei Fürth kam einer mit seinem Schlepper über die Odenwaldhügel getuckert, ebenso ein Traktorbesitzer aus Mühlhausen über die Kraichgau-Erhebungen. Die Schlepperfreunde Allemühl aus dem kleinen Odenwald sind schon von Anfang an dabei. Erich Martin aus Schwanheim fuhr mit seinem neu restaurierten Hanomag vor. Ein herrliches altes BMW-Cabrio stammt aus Kreidach bei Wald-Michelbach – der Besitzer nennt vier davon sein Eigen. Ein Deutz-Bulldog bekam einen neuen Frontlader verpasst. Wie überhaupt die Fahrzeuge „Jahr für Jahr veredelt werden“, wie Friedrich beobachtet.

Die badischen Brombacher aus der direkten Nachbarschaft sind ebenfalls immer stark vertreten. Acht Gefährte stellen sie diesmal. Dennis Weber und sein Team kümmern sich um die Einweisung. Unter Anleitung von Fritz Heinzmann fand ein Kohleschaufel-Tennisturnier statt. Der Ball, den der Auspuff eines Lanz ausspuckt, muss mit der Schaufel zum anderen geschlagen werden. Eine große Gaudi, freute sich Friedrich.

Hanomag, Deutz, Lanz, Eicher, IHC, McCormick, Porsche, Allgaier, MAN oder Normag: Die Namen der alten, manchmal schon „ausgestorbenen“ Marken schwirren nur so durch die Luft auf dem Hainbrunner Festplatz. Da werden so manche Erinnerungen wach: „Gugge mol, so äna hot da Vadda ghabt“, heißt es von einer älteren Frau erstaunt.

Mit die weiteste Anfahrt hatte Pascal Wagner aus Neulautern bei Löwenstein im Schwäbischen. Ihm gehört ein restaurierter Normag, Baujahr 1952, mit zehn PS, der gerade so seine 15 km/h macht. Das chromblitzende Gefährt kaufte die Familie vor zwei Jahren für 1500 Euro – heute ist es in Super-Zustand ein Vielfaches davon wert.

Was dem einen die Schlepper, sind dem anderen die Auto-Oldtimer. Ein Stoewer Sedina von 1937 gehört Manfried Bauer aus Wald-Michelbach. In seinem dortigen Museum der deutschen Zwischenkriegs-Marke aus Rostock hat er noch mehrere dieser imposanten Gefährte stehen. Opel GT 1900, MG, Corvette, Karmann Ghia, VW 1303, Topolino, BMW-Isetta, Jaguar E-Type, Alfa Romeo-Cabrio oder diverse Enten treiben den Fans immer wieder die Freudentränen ins Gesicht.

Hans-Heinrich Hildebrand aus Langenbrombach nennt ein herrliches Traktor-Schmuckstück sein Eigen. Den 22-PS-Allgaier aus dem Jahr 1951 hat er 2008 gekauft und seitdem schon 20.000 Kilometer damit zurückgelegt. Unter anderem brereits zwei Mal über die Alpen nach Meran. „Bei Rückenwind und Heimweh hab ich zweieinhalb Tage nach Hause gebraucht“, erzählt er schmunzelnd. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h.

Das Besondere an dem guten Stück ist der Wasserverdampfer, bei dem auch der Brombacher Platzeinweiser Dennis Weber ins Schwärmen kommt. So schluckt der Traktor auch 30 Liter Wasser und nur 7,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Die Schutzbleche behandelt Hildebrand mit Leinöl und Firniss, damit sie nicht rosten.

Der passionierte Oldtimer-Fan Hildebrand weiß jedes Detail über sein Gefährt. Etwa dass das Verdeck der Firma Bruns sehr selten ist. Oder Erwin Allgaier Traktoren nach dem Krieg 1946 als Erster gebaut hat. 1956 wurde die Firma an Mannesmann verkauft. Durch eine Zusammenarbeit mit Porsche entstand die Porsche-Diesel Motorenbau mit Sitz in Friedrichshafen. Danach hieß der Schlepper Porsche-Diesel. Ein solches Nachfolger-Exemplar aus dem Jahr 1960 stand als „Junior“-Ausführung ebenfalls nicht weit weg. Mit 11 PS und 822 Kubik im Originalzustand aus erster Hand. „Das findet man ganz selten“, meint Dennis Weber ehrfürchtig.

Mehr Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1637349822975827.1073742023.100001024761983&type=1&l=aeb93f8269

 

Viele Besucher beim Heddesbacher Sport- und Spieltag

Ende gut, alles gut. Nach tagelangem Dauerregen und unvorhersehbaren Schauern fragten sich alle Organisatoren, ob es zum Sport- und Spieltag wohl trocken bleiben würde. Es blieb. Während es noch grau und neblig war, als am Vormittag der Aufbauarbeiten liefen, zeigte sich um die Mittagszeit die Sonne, sodass alle noch einen schönen Spätsommertag genießen durften. Gleich zu Beginn der Wettbewerbe wurden zahlreiche Besucher aus nah und fern begrüßt.

Beim Hufeisenwerfen hatten Groß und Klein viel Spaß. Andere maßen sich bei Tischtennis oder Boule. Viel Freude bereitete den Kleinen ein riesiges „Mensch-ärgere-dich-nicht“-Spiel, den Großen das Brettspiel „Jakkolo“. Wie immer war auch das Schießen auf die Torwand sehr beliebt. Das von der Jugendfeuerwehr betreute Kistenstapeln fand viele interessierte Zuschauer.

Bei den Kindern bis zwölf Jahren stapelte ein Junge unter großem Beifall 21 Kisten übereinander und stand darauf, bevor der Turm zusammenfiel. Ein Erwachsener schaffte sogar 22 Kisten. Viel mehr ist wegen des Anreichens und der Höhe des Astes, an dem das Sicherheitsseil befestigt ist, nicht möglich. Für ein halbstündiges Fußballspiel fanden sich danach zwei Mannschaften zusammen.

Am späten Nachmittag unterhielt der Posaunenchor Wald-Michelbach unter der Leitung von Frank Bihn die Besucher mit schönen Weisen, die teilweise auch zum Mitsingen einluden. Zwischendurch gab es Kaffee und Kuchen, Getränke, einen kleinen Imbiss und die nicht nur bei den Kindern beliebten Pommes. Am Abend wurden die jeweils drei Bestplatzierten der einzelnen Wettbewerbe durch Bürgermeister Hermann Roth mit einer Urkunde geehrt. Sie durften sich einen der gestifteten Preise aussuchen.

Roth dankte zum Abschluss allen Teilnehmern und Besuchern, den vielen Helfern aus der Gemeinde für ihren Einsatz, aber auch den Firmen, die etwas gestiftet hatten. Beim Nachhause gehen waren sich Besucher und Veranstalter einig: Es war wieder ein gelungenes Spätsommerfest, das alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Dorffest veranstaltet wird.

Zwei neue indische Patres sind ins Karmeliter-Kloster Hirschhorn eingezogen

Die Karmeliter-Gemeinde im Hirschhorner Kloster wächst. 2009 waren dort nach 200-jähriger Vakanz die drei indischen Patres Joshy, Cyril und Sijoy eingezogen. Cyril wirkt seit inzwischen zwei Jahren als Pfarrer in Mörlenbach, Sijoy schon länger in Bad Wimpfen, das ebenfalls zum Dekanat Bergstraße-Ost gehört. Acht Jahre später kommen nun die beiden Patres Linto und Sudeesh hinzu. Sie stammen ebenso wie ihre Mitbrüder aus dem südindischen Kerala.

Pater Joshy ist Pfarrer der fusionierten katholischen Kirchengemeinde von Hirschhorn und Neckarsteinach im hessischen Neckartal. Dort ist auch der 36-jährige Linto jetzt als Pfarrvikar/Kaplan tätig. Sein Glaubensbruder, der 37-jährige Sudeesh, versieht diese Funktion bei Pfarrer Peter Pristas in der Pfarrgruppe Überwald mit ihren Teilorten Wald-Michelbach, Unter-Schönmattenwag, Aschbach und Hammelbach. Eine zeitliche Begrenzung für ihre Tätigkeit, die sie im August und September aufnahmen, gibt es seitens des Bistums Mainz nicht.

In ihrer Funktion arbeiten die Patres dem jeweiligen Pfarrer zu, gestalten und halten Gottesdienste sowie sind für Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen zuständig. Gemeinsam mit Pfarrer Joshy bereitet Linto die Kinder auf die Kommunion vor und kümmert sich um die Jugendarbeit. „Außer Verwaltung machen wir alles“, hebt Sudeesh die große Breite der seelsorgerischen Arbeit hervor. Zusätzlich besuchen beide auch einen Pastoralkurs des Bistums Mainz.

Zwölf Jahre Ausbildung liegen hinter den Indern, die aus demselben Bezirk in Kerala stammen. Sie besuchten Priesterseminare der Karmeliter in Kothamangalam und Bangalore. Linto wurde nach seinem Studium 2009 zum Priester geweiht, Sudeesh bereits 2008. 2015 kamen sie nach Deutschland, wo in Mainz unter anderem Deutschkurse auf der Tagesordnung standen. Seit dem vergangenen Jahr besuchen beide den dortigen Pastoralkurs.

„Ich habe in der Region sehr gute erste Erfahrungen im Gottesdienst gemacht“, betont Pater Sudeesh. Linto ergänzt: „Die Menschen hier sind nett und freundlich und haben keine Berührungsängste.“ Eben weil sie schon die Patres kennen, Joshy im Neckartal und Cyril im Überwald, als dieser dort ebenfalls als Pfarrvikar tätig war. In Indien wird der Glaube bunt und lebhaft praktiziert. Eben diese Tradition bringen sie mit nach Deutschland. Ihre lockere Art kommt bei den Menschen sehr gut an.

Für Sudeesh und Linto war es schon früh klar, wohin sie ihr Weg führen würde. „Das Christentum hat eine schöne Tradition in unserer Heimat“, erläutert Linto. Er war Ministrant, ein regelmäßiger Kirchgänger. Nach der Schule hospitierte er in einem Priesterseminar. „Ich war sehr beeindruckt vom Erlebten“, berichtet er. Ihm war schnell klar: „Das passt für mich.“ Sudeesh entschied sich schon während der Schulzeit, Priester zu werden und fragte dort nach aufgenommen zu werden. Auch er war Ministrant in seinem Bezirk mit einem hohen christlichen Bevölkerungsanteil.

Im indischen Karmeliterkloster kamen die beiden nur theoretisch mit der deutschen Sprache in Kontakt. „Am Anfang war es deshalb schwierig sie zu erlernen“, meint Sudeesh. Einmal hier angekommen, gestaltete sich dies dann einfacher. „Wir haben dann an unserer Aussprache gefeilt“, so Linto. Eine „Herausforderung“ ist für sie immer noch der hiesige Dialekt, lachen die Patres. „Wir erschließen uns dann manche Wörter.“

Mindestens drei Mal die Woche kommen die fünf Karmeliter-Patres in Hirschhorn zu gemeinsamen Gebeten zusammen. Wobei die „neuen“ von den „alten Hasen“ lernen. „Joshy, Cyril und Sijoy haben hier einen guten Anfang gemacht“, betont Linto. „Sie kennen die hiesige Sprache und Kultur und geben das Wissen an uns weiter“, ergänzt Sudeesh. „Wir wollen in ihre Fußstapfen treten und die Spiritualität der Karmeliter vermitteln“, heben sie hervor.