Sängerkreis geht kurz vor dem 100. die Puste aus

Das 100. Jubiläum hat der Sängerkreis hessisches Neckartal „leider nicht mehr zu erreicht“, bedauert der zweite Vorsitzende Gert Menges vom Gemischten Chor Finkenbach. Zum Jahresende 2020 löste sich der Vereinszusammenschluss im 95. Jahr seines Bestehens auf. Hintergrund: Es wurden immer weniger Sänger und Vereine. Die anstehenden Aufgaben konnten somit auf immer weniger Köpfe verteilt werden.

Die sangesfreudigen Gründer hatten 1925 die Vereine in den Ortschaften im Blick, die am Neckar und an seinen Zuflüssen in Südhessen beheimatet waren. Die holten sie ins sprichwörtliche Boot. Am 8. November fand in Neckarsteinach die offizielle Gründung des kreis- und länderübergreifenden „Hessischen Neckartal-Sängergaues“ statt.

Es schlossen sich damals zwölf Vereine mit insgesamt 420 Sängern an: Frohsinn Brombach, Heimatland Darsberg, MGV Ober-Finkenbach, Liederkranz Gammelsbach, Liederkranz Ober-Hainbrunn, Eintracht Hirschhorn, Sängerbund Hirschhorn, MGV Kortelshütte, Frohsinn Langenthal, Sängerbund Neckarsteinach, Eintracht Rothenberg und Frohsinn Rothenberg.

Der Sitz der neu gegründeten Vereinigung war Neckarsteinach. Dort wurde auch am 29./30. Juni 1929 das Gaubanner eingeweiht, das bis zur Auflösung bei allen offiziellen Anlässen mitgeführt wurde. Die jährliche Abhaltung von Wertungssingen, die Teilnahme an Bundeschorfesten und die gegenseitige Unterstützung durch Besuche bei Nachbarvereinen waren die wesentlichen Aktivitäten der Sängervereinigung.

In Folge des Zweiten Weltkrieges kam die Arbeit des Sängerkreises 1945 zum Erliegen, wurde aber 1948 wieder aufgenommen. Im 50. Jubiläumsjahr 1975 gehörten ihm stolze 17 Vereine an mit 17 Männer- und zwei gemischten Chören, einem Jugendchor und drei Kinderchören an: insgesamt 740 Sängerinnen und Sängern. Eine solche wurde nie wieder erreicht. Geographisch erstreckte sich das Gebiet von Darsberg über Hirschhorn und Unter-Schönmattenwag bis nach Gammelsbach, Sensbachtal und an die bayrische Grenze mit Hesselbach.

Wesentlich geprägt wurde der Sängerkreis Neckartal auch immer von seinen Vorsitzenden. Ganz besonders hervorzuheben ist die Zeit ab 1979, als Friedel Sepp aus Schöllenbach mit seiner gewinnenden Art für großen Zusammenhalt im Inneren und auch für eine starke Präsenz des Chorgesangs nach außen sorgte, erläutert Gert Menges.

Das 75. Jubiläum wurde im Jahr 2000 mit noch 15 Kreisvereinen begangen. Hier zeichnete sich bereits eine Trendwende ab: Mangels männlichem Nachwuchs hatten sich mittlerweile einige Männerchöre für Frauen geöffnet und so zu gemischten Chören gewandelt. So hatte der Sängerkreis nun insgesamt 660 Stimmen. Die Ära Friedel Sepp endete 2001 nach 22 Jahren. Danach konnte man den jungen Udo Mayer aus Unter-Schönmattenwag für den Vorsitz gewinnen, der bis 2007 amtierte.

Um den Vorsitzenden zu entlasten, entschloss man sich damals zu einer Doppelspitze, die mit Jutta Ihrig (Schöllenbach) und Ingrid Reinschild (Gammelsbach) eine gute Besetzung fand. Seit Herbst 2012 wurde der Vorsitz bis zuletzt im jährlichen Turnus reihum von den jeweiligen Vorsitzenden der Mitgliedsvereine wahrgenommen, „was auch erstaunlich gut funktionierte“, erinnert sich Menges schmunzelnd.

Mitte 2019 verließ der größte bis dato im Sängerkreis beheimatete Verein, der Sängerbund Unter-Schönmattenwag, die Vereinigung und schloss sich dem Sängerkreis Weschnitztal-Überwald an. Als kurze Zeit darauf noch die Nachricht eintraf, der MGV Liederkranz 1898 Kortelshütte befände sich in Auflösung, sah man im Vorstand die Notwendigkeit gegeben, den Fortbestand des Sängerkreises Neckartal insgesamt zu hinterfragen.

Denn es gab dann nur noch neun angeschlossene Vereine: Eintracht 1912 Falken-Gesäß, Gemischter Chor Finkenbach, Liederkranz 1912 Gammelsbach, Eintracht/Sängerbund Hirschhorn (derzeit nicht aktiv), Sängerbund 1860 Neckarsteinach, MGV Liederkranz 1898 Ober-Hainbrunn, MGV 1911 Rothenberg, Sängerkranz Schöllenbach und MGV Eintracht-Liederkranz 1882 Sensbachtal.

Nach dieser Bestandsaufnahme wurde ab Herbst 2019 im Vorstand diskutiert, ob angesichts des Wegfalls dieser beiden Mitgliedsvereine und einer damit einhergehenden drastischen Reduzierung des belastbaren Personals (nicht zuletzt auch wegen der immer ungünstiger werdenden Altersstruktur) eine Wahrnehmung der Aufgaben im Sängerkreis überhaupt noch gewährleistet werden kann.

Angesichts der geringen Anzahl der verbliebenen Vereine und der Diversität ihrer Chorarbeit konnte zukünftig keine vereinsgerechte Förderung mehr angeboten werden, bedauert Menges. Auch die Ausrichtung von Veranstaltungen erwies sich als fast nicht mehr lösbare Aufgabe. So wurde die Auflösung zum 31. Dezember 2020 beschlossen.

Zum 1. Januar 2021 fanden vier Vereine im Sängerbund Odenwaldkreis (Falken-Gesäß, Finkenbach, Gammelsbach, Schöllenbach), drei im Sängerkreis Weschnitztal-Überwald (Sensbachtal, Rothenberg, Ober-Hainbrunn) und einer im Badischen Sängerbund (Neckarsteinach) eine neue Heimat. In Hirschhorn ruht derzeit der Betrieb.

Am 25. April vergangenen Jahres hätte es eine durch den MGV Sensbachtal organisierte Abschluss-Veranstaltung mit allen Vereinen geben sollen. Dabei wollte man auch zahlreiche Jubilare ehren. Pandemiebedingt wurden jedoch alle Planungen zunichte gemacht. So bleibt den Vereinen nun die Hoffnung, nach der Zeit der Gesangsabstinenz ein verspätetes Abschlussfest feiern zu können.

Straßensanierung zum Schloss verläuft wie geplant

Die Bauarbeiten zur Fahrbahnerneuerung auf der Straße zum Schloss Hirschhorn verlaufen laut Mittelung von Hessen Mobil weiter wie geplant. Die Asphaltschicht ab der Landesstraße L 3119 bis zum Besucherparkplatz wurde bereits fertiggestellt. Derzeit werden noch Arbeiten zum Einbau der Löschwasserzisterne im Bereich des Parkplatzes durchgeführt. In der letzten Woche war die Zisterne mit Wasser befüllt und der Untergrund verfestigt worden. In den kommenden Tagen wird nun die Baugrube aufgefüllt.

Die Löschwasserzisterne verfügt über ein Volumen von 100 m³ und kann damit ab sofort im Brandfall für Löscharbeiten zur Verfügung stehen. Voraussichtlich vom 9. bis 11. Dezember erfolgen dann die Asphaltarbeiten im Bereich des Parkplatzes. Bis etwa 18. Dezember schließen sich Bankett- und Restarbeiten an der Gesamtstrecke an.

Im Rahmen der Bauarbeiten erfolgt auf der Strecke eine Erneuerung und Verstärkung der Asphaltfahrbahn auf einer Gesamtlänge von rund 1,36 Kilometern sowie der Einbau einer Löschwasserzisterne über ein Volumen von 100 m³ im Bereich des Besucherparkplatzes. Der Einbau der Löschwasserzisterne erfolgte zeitweise parallel zur Fahrbahnsanierung.

Zur Sanierung der Fahrbahn wurde zunächst die Fahrbahndecke rund vier Zentimeter tief abgefräst, wurden tiefergehende Schadstellen instandgesetzt sowie Bordanlagen, Bankett und Entwässerung an die künftige Höhe angepasst. Anschließend erfolgt die Verstärkung der Straße durch den Einbau einer 14 Zentimeter starken Asphalttrag- und einer vier Zentimeter starken Asphaltdeckschicht.

Der instandgesetzte Streckenabschnitt beginnt an der Einmündung in die L 3119 (Hainbrunner Straße), verläuft von dort nach Norden, nach einer Kehre weiter nach Süden und endet am Schloss Hirschhorn. Auch die Einmündungen des die Strecke querenden Radweges muss im Zuge der Maßnahme vollgesperrt werden.

Besucher des Schlosses Hirschhorn haben während der Baumaßnahme die Möglichkeit, das Schloss über die Schlossstraße zu Fuß vom Marktplatz (Hauptstraße) aus zu erreichen. Die Wanderwege über den Schlossparkplatz zum Schloss sind weiterhin passierbar. Die Baukosten der gesamten Maßnahme belaufen sich auf rund 592.000 Euro und vom werden Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) getragen.

Foto: Michael Gärtner GmbH/Amiblu Holding GmbH

Produktionsschmiede für alles Akustische

In schweren Zeiten muss man sich gegenseitig unterstützen. Martin „Mike“ Müller ist selbst Musiker bei der Odenwälder Irish-Folk-Band „Heebie Jeebies“, betreibt aber im Nebenjob auch sein eigenes Tonstudio in Kortelshütte. Damit die Kollegen weiterhin Aufnahmen machen können, kommt er ihnen finanziell sehr weit entgegen. Er sieht sein „ceol.studio“ als Produktionsschmiede und realisiert  unter anderem gerade ein Folk-Projekt mit Musikern aus dem Odenwald.

Das Wort „ceol“ stammt aus dem Irisch-Gälischen, erläutert Müller. Es bedeutet „die künstlerische Anordnung von Klängen und Tönen, die Ideen und Emotionen durch die Elemente Rhythmus, Melodie, Harmonie und Klangfarbe ausdrückt“. Als er auf der Suche nach einem Namen für sein Tonstudio auf diese Definition stieß, war ihm klar: „Das ist es.“ Denn diese vier Buchstaben beschreiben treffend, „was für mich Musik bedeutet, als Musiker, als Tontechniker oder einfach nur als Zuhörer“. 

Mit der Musik ist der Kortelshütter schon seit früh auf verbunden. „Als Jugendlicher sagte ich, wenn ich mal Rentner bin, dann habe ich ein eigenes Tonstudio“, lacht Müller. Damals nahm er Songs mit einem Vierspurrekorder auf Musikkassetten auf. „Das sind die Dinger, die ein Magnetband haben und von Zeit zu Zeit mit einem Bleistift aufgewickelt werden müssen“, erläutert er augenzwinkernd für die jüngere Generation.

2016 beschloss Mike Müller, sich vom „gefährlichen Halbwissen aus dem Internet“ zu verabschieden und Tontechnik „richtig zu lernen“. Er startete sein Fernstudium. Erfolgreicher Abschluss war ein Jahr später mit der Auszeichnung des staatlich zertifizierten Fernkurses zum Audio-Engineer (HOFA Pro). Danach folgte die Gründung seines Tonstudios in Kortelshütte. „Musik habe ich schon immer gemacht“, erzählt er – in verschiedenen Bands und natürlich auch in Form von Aufnahmen für Demos.

Im Wohnhaus des Oberzent-Stadtteils stehen nun mehrere Räume für Aufnahmen von Bands, Gesang und Sprache zur Verfügung. „Alle akustisch optimiert“, verspricht Müller. Fünf Kilometer Kabel hat er dafür verlegt. Sein besonderer Stolz ist die Regie – der Raum mit hochwertigster Ausstattung für Musikproduktionen.

Der Audio-Ingenieur nennt diverse High-End-Lautsprecher und Verstärker zum exakten Hören der Sound-Mixe sein Eigen. Dazu optimierte er die Akustik im Raum aufwändig. 30 Mikrofone, 28 Vorverstärker sowie Geräte zur Bearbeitung des Klangs, alles von höchster Qualität und zum Teil ausgewählte Einzelanfertigungen, wurden verbaut.

Die Philosophie seines ceol.studios erklärt Müller wie folgt: Er sieht sich als Spezialisten für „akustische Musik“ – alles, was man mit einem Mikrofon aufnehmen kann. Das fängt bei Instrumentals an und geht über Chöre, Klassik, Folk, Rock und Pop bis hin zur härteren rockigen Gangart. „Ein E-Gitarren Marshall-Turm ist ja auch nur ein (akustisches) Instrument, das ein Mikrofon zur Aufnahme braucht“, schmunzelt er.

Das ceol.studio ist auch mobil und hat Musikproduktionen vor Ort produziert, schildert der Kortelshütter seine Vorgehensweise. Davon profitierte unter anderen die Wiesenbacher Big Band mit ihren 40 Musikern. Auch Konzerte in Kirchen oder Band-Demoaufnahmen in deren Proberaum begleitete er. Im „Corona-Jahr“ unterstützte Müller die Hirschhorner Veranstalter der „AusKlang“-Reihe im Kloster beim Streaming von 13 Konzerten per Live-Übertragung ins Internet. Weitere Online-Konzerte folgen nach aktuellem Stand ab November, informiert er.

Mike Müller sieht das ceol.studio als „Produktionsschmiede“. Zwei Projekte hat er aktuell in der Mache: Beim einen handelt es sich um ein Irish-Folk-Projekt mit verschiedenen professionellen Musikern aus dem Odenwald. „Eine Art Best-of mit Fokus auf besonders ausgewogenen Klang und musikalisch-gesanglichem Können“, erläutert er. Außerdem begleitet er den deutschen Sänger und Songwriter Lu Franz bei dessen Aktivitäten. Der Kortelshütter plant außerdem, Ende des Monats bei einem Band-Workshop in Siegen (Sauerland) Tontechnik zu unterrichten.

Müller weiß, wie schwer es die Kollegen derzeit gerade haben, da ihnen alle Auftritte weggebrochen sind. Deshalb bietet den Profi-Musikern einen „          Corona-Rabatt“. Er betreibt sein Studio professionell, hat aber noch einen „richtigen“ Job. Weswegen er daher nicht (ausschließlich) auf die Einnahmen des Studios angewiesen ist. Das macht es ihm möglich, den Kollegen entgegenzukommen. Sie bekommen für Aufnahmen Rabatte zwischen 50 und 90 Prozent.

Info: http://www.ceol.studio

In schwierigen Zeiten den Einzelhandel stärken

Durch die kürzlichen Entscheidungen der Bundesregierung fallen nun auch Veranstaltungen und Events bis Ende August aus oder werden verschoben. „Das ist sehr schade, aber aufgrund der gegebenen Umstände absolut nachvollziehbar“, betont Dominik Seibert, einer der Köpfe hinter der Eberbacher PinVisit-App. Deshalb offerieren die Macher allen interessierten Städten und Gemeinden im Umkreis bis Ende August einen kostenlosen Partner-Account bei PinVisit.

„Events und Veranstaltungen sind natürlich auch einer der Kernpunkte der App“, betont Seibert. Sie dienen dazu, die Menschen in der Region auf das lokale Angebot aufmerksam zu machen und gezielt Anreize für Besuche vor Ort zu schaffen. Das Smartphone soll nicht dazu beitragen, über große Verkaufsportale online zu bestellen, sondern herauszufinden, was es vor Ort an interessanten Angeboten gibt.

Veranstaltungen und größere Reisen sind jetzt aber erstmal nicht angebracht oder sogar untersagt. Trotz dieser schwierigen Situation „möchten wir mit PinVisit aber gerne eine gewisse Hilfestellung für Städte, Gemeinden und deren Bürger leisten“, erläutert Seibert. Es werden über den Sommer nur sehr wenige Freizeitaktivitäten möglich sein. Trotzdem sind seinen Worten zufolge gerade jetzt auch Bewegung und Abwechslung, die sich derzeit die eigene Region beschränken muss, sehr wichtig.

Über diesen kostenlosen Account, „der ausdrücklich nicht automatisch in einer kostenpflichtigen Teilnahme bei PinVisit endet“, können alle sehenswerten Orte, Sehenswürdigkeiten, Startpunkte von Spazier-, Wander- oder Radwegen, Plätze oder Naherholungs-Spots bei PinVisit als sogenannte „PinSpots“ eingestellt werden, erklärt werden. Diese werden dem App Nutzer standortabhängig angezeigt und können einmalig mittels der App vor Ort eingesammelt werden.

Mit dem Smartphone-Tool können die Menschen so spielerisch entdecken, welche interessanten Orte es in der eigenen Region zu besuchen gibt, die man zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto erreichen kann. Das Ganze hat durch die Sammelfunktion und einem Ranking in der App auch noch einen spielerischen Charakter. Zusätzlich lernt man dabei seine eigene Heimat mal wieder besser kennen und vielleicht auch wieder mehr zu schätzen.

Seibert hat noch einen Tipp, wie Städte und Gemeinden mehr User und vielleicht dann auch mehr Leute auf ihre Gemarkung bekommen: „Es wäre toll, wenn die Kommunen zusätzlich etwas über die PinVisit App verlosen möchten“, regt er an. Die digitale Einpflegung wird übernommen.  Mit Punkten, die die App-Nutzer einmalig an den PinSpots einsammeln können, ist es dann möglich, an diesen Prämienverlosungen teilzunehmen, legt er dar.

In einer Gesellschaft, die immer mehr aufs Smartphone schaut, „wollen wir den Blick schärfen für das Angebot aus der näheren Umgebung“, betont Dominik Seibert. Er hat mit ein paar Kollegen die App in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut und dann „im Verborgenen programmiert bis zum Prototyp“.

Eberbach ist quasi das „Herzstück“ mit über der Hälfte der User. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Erbach und Michelstadt. Die beiden Städte warben geschickt am 1. November um badische Kunden, als dort Feiertag war und in Hessen die Geschäfte offen. Mit Erfolg. Seit Ende des vergangenen Jahres ist auch Oberzent dabei.

Seibert kann sich vorstellen, dass gerade jetzt in Zeiten der Rückbesinnung aufs Lokale das hessische Neckartal, aber auch der Überwald sowie andere Kommunen im Odenwaldkreis wie Mossautal oder Reichelsheim Interesse haben könnten, sich mit den schon bestehenden zu einem großen Verbund zu verzahnen. So ergäbe sich eine Odenwald-weite Stärkung des lokalen Einzelhandels in Zeiten, wenn dieser jeden Cent gebrauchen kann.

 

Die PinVisit App steht für Nutzer generell kostenlos in den üblichen App-Stores zum Download zur Verfügung. Mehr unter http://www.pinvisit.de

„Greifen Sie zum Hörer, rufen Sie uns an“

„Die Situation ist besonders“, formuliert es Rothenbergs evangelischer Pfarrer Reinhold Hoffmann vorsichtig. Ihn treibt die Seelsorge in Coronazeiten um. Denn die Angehörigen können von ihren Lieben nicht mehr so Abschied nehmen, wie dies bisher der Fall war. Das betrifft vor allem diejenigen Verwandten, die in den Pflegeheimen untergebracht sind und für die nun ein Kontaktverbot gilt. „Wir sind für Sie da“, fordert der Geistliche deshalb zur Kontaktaufnahme auf. „Greifen Sie zum Hörer, rufen Sie uns an“, sind seinen Worten zufolge die Pfarrer immer ansprechbar.

Die Beerdigung ist laut Hoffmann nur ein kleiner Teil dessen, was die Kirche anbietet, wenn jemand stirbt. „Es gibt auch Trauergespräche, die nach Bedarf ausgedehnt werden können“, sagt er. Allein zu Hause, ohne die Möglichkeit des Besuchs, „können Fantasien und Gedanken entstehen, wie es den kranken und älteren Menschen geht“. Die wiederum, weiß Hoffmann, verselbständigen sich und „malen ein dunkleres Bild der Realität“, als sie es eigentlich ist.

Ist ein nahe stehender Mensch gestorben, kommt noch hinzu, dass die Möglichkeit fehlt, nach dessen Tod mit jemandem darüber zu reden, „wie die letzten Stunden waren“. Oder wie es war, zu Hause zu leiden, unsicher zu sein über das was kommt.

Der Pfarrer kennt einen Fall, als ein Angehöriger an Covid-19 starb und die Angehörigen drei bis fünf Wochen auf die Beerdigung warten müssen. „Das macht mit den Menschen was“, erläutert er. Denn diese wollen einen bestimmten Schritt abschließen. „Aber hier passiert nichts.“ Die Kirchengemeinde lässt die Leute nicht allein, betont er – unabhängig von den Konfessionen. „Wir müssen es nur wissen.“

Hoffmann weist auf die Möglichkeit hin, auch zuhause Zeit für sich zu gestalten, Schwerpunkte zu setzen. Dafür hat die Rothenberger Kirchengemeinde auf ihrer Homepage sechs Haltepunkte formuliert. „Es ist normal, was passiert“, spricht der Geistliche den Hinterbliebenen Mut zu, wenn sie erschrocken auf sich selbst schauen. „Man braucht Zeit, um alles zu verarbeiten.“ Selbst mit den Toten sprechen zu wollen, kann in dieser besonderen Situation vorkommen.

„Sie sind nicht allein“, ist Hoffmanns wichtigste Botschaft. Die Pfarrer des Dekanats im Odenwaldkreis, zu dem auch die evangelischen Kirchengemeinden Hirschhorn und Neckarsteinach gehören, gehen auf die Menschen zu. In solchen Ausnahmesituationen ist es für ihn ganz wichtig, „mit jemandem zu sprechen, dem man vertraut“. Er animiert dazu, die Scheu abzulegen und den Hörer in die Hand zu nehmen.

Da der Geistliche um diese Zurückhaltung weiß, agiert er proaktiv, ruft Menschen an, die mit der Kirche verbunden sind, fragt sie, wie es ihnen geht. Seine Erfahrung: Nach dem ersten Erstaunen lässt sich spüren, „dass es ihnen guttut, wenn sie jemand Vertrautes hören“. Deshalb kann Hoffmann gar nicht oft genug betonen: „Ja, Sie dürfen anrufen.“ Es ist keine Belästigung. Es handelt sich um ein Angebot, „mit dem wir Pfarrer für die Menschen da sind“.

Der Rothenberger Pfarrer hat beobachtet, dass die Kontaktlosigkeit, das Abstandhalten, die Menschen bedrückt. „Ein Stück Vertraulichkeit geht verloren“, nennt er es. Das Landleben wird in dieser Zeit besonders geschätzt, wenn man noch in den eigenen Garten raus kann. Es kommt aber kein Besuch mehr.

Selbst wenn die Enkel im selben Haus wohnen, soll kein Kontakt stattfinden. „Jemand ist da und doch nicht da“, legt er den Finger in die Wunde. Die persönlichen Berührungen, übers Haar fahren, in den Arm nehmen – all das fehlt den (älteren) Menschen.

Für Hoffmann ist auch das zurückliegende Osterfest ein Beispiel für langsames Lernen, „wie man sich Entlastung und Trost holen kann“. Denn auch die Osterereignisse hätten laut der Bibel Zeit gebraucht, um bei den Menschen anzukommen. Seine Empfehlung: „Lasst uns üben, uns am Telefon gutzutun.“ Die Pfarrer wollen begleiten, dabei sein, Angebote machen, hebt er hervor.

Info: Sechs Haltepunkte auf dem Weg der Trauer: erinnern und begreifen, wertschätzen, deuten, Zukunftsblick, vergewissern, Zuspruch. Mehr dazu auf dem gemeinsamen Internetauftritt der evangelischen Kirchengemeinden Rothenberg, Hirschhorn und Neckarsteinach unter http://www.suedkurve-ekhn.de/

 

Oberzent-Farbenzwerge sind in Deutschland spitze

Die Kleintierzucht liegt Walter Braner in den Genen. Sein Opa war 1916 Mitbegründer des später unter den Nazis aufgelösten Kaninchenzuchtvereins Hirschhorn. Den damaligen, 94 Jahre alten Wimpel, hält der Enkel in Ehren. Der Vater züchtete Kaninchen und Geflügel beim Kleintierzuchtverein Eberbach und war 1966 Gründungsvorsitzender in Hirschhorn. Walter Braner schließlich blickt bereits auf eine 61-jährige Züchterkarriere zurück, die er gerade vor kurzem wieder mit einem deutschen Meistertitel krönte.

Farbenzwerge thüringerfarbig nennen sich die possierlichen Kaninchen, denen sich der gebürtige Hirschhorner und heutige Finkenbacher seit 2005 widmet. Thüringer und Weißgrannen waren es zuvor, nachdem Braner, beeinflusst durch den Vater, 1959 Mitglied im Kleintierzuchtverein C 248 Eberbach wurde. 1966 war er mit Gerhard Ahlers Gründungsmitglied beim Kleintierzuchtverein C 227 Hirschhorn, der wie die anderen Vereine in der eigentlich hessischen Stadt im Badischen organisiert ist.

Der von 1975 bis 1998 andauernden Züchterpause aus beruflichen und familiären Gründen schloss sich 1999 der Wiedereinstieg in Hirschhorn an. Seitdem ist er Züchter und Kassierer. Der Oberzent-Stadtrat ist als Aussteller auf örtlichen Jungtier- und Lokalschauen, auf allen Landesschauen in Baden und den meisten Bundesschauen aktiv.

Seine Tiere sind oberhalb des Hauses untergebracht. „Die mögen alles außer Zucchini und Gurken“, weiß der Züchter aus Erfahrung. Vor die Gitter der Ställe hat er auf einer Seite Sperrholzbretter dagegen genagelt, damit die Tiere einen Schutz haben, wenn der Marder vorbeischauen sollte. „Sonst werden die absolut panisch und verletzen sich“, erzählt er.

Kleintierzüchter sind heutzutage eine aussterbende Spezies. In früheren (Hoch-)Zeiten waren es in Hirschhorn um die 20 Aktive, heute gerade noch drei oder vier. Die Lokalschau ist deshalb nicht mehr durchführbar, das Vereinsheim soll demnächst an die HCV-Fastnachter verkauft werden. Braner bedauert das alles sehr.

Seine Farbenzwerge werden erst seit den 1960er Jahren gezüchtet, erläutert er. Denn vorher widmete man sich den Tieren, „um was für die Pfanne zu haben“. Dieser Aspekt ging jedoch in den vergangenen Jahren stark zurück. So entstand quasi von allen Kaninchenrassen im Laufe der Zeit eine Zwergvariante. Deren Anteil auf den Ausstellungen wird immer größer.

Nicht nur väterlicherseits ist ihm die Beschäftigung mit den Tieren in die Wiege gelegt. Braners Mutter stammt von einem Bauernhof in Kocherbach, wo es natürlich auch an allen Ecken wuselte. „Die Bienentradition hat ein Cousin in Heiligkreuzsteinach übernommen“, schmunzelt er. Für den begeisterten Züchter war es selbstverständlich, nach der Pause wieder einzusteigen. „Der Reiz war immer groß“, sagt er. Züchterisch zu experimentieren und auf Ausstellungen zu gehen macht ihm Spaß.

Es gibt 64 verschiedene Kaninchen-Grundrassen mit vielen Farbausprägungen, weiß der Fachmann. Allein von den Farbenzwergen existieren 54 Farbschattierungen. Seit Braner 2011 von der allgemeinen In die Herdbuch-Abteilung wechselte, ist er damit fast ein Exot. 28.000 Tiere wurden auf der 34. Bundeskaninchenschau in Karlsruhe ausgestellt, gerade mal 60 in seiner Klasse. Die Schau-Vorbereitung nimmt einige Zeit in Anspruch, denn die Kaninchen gilt es ganz genau anzuschauen. Dienstag werden die Tiere hingebracht, Mittwoch und Donnerstag begutachtet, ehe dann die Käufer aus vielen europäischen Ländern kommen.

Aktuell hat der Finkenbacher 14 junge und 14 ältere Tiere hinterm Haus. Es können dann je nach Nachwuchs bis zu 40 werden. Herdbuch bedeutet dann, dass es zwar weniger „Mitbewerber“, aber strengere Vorschriften gibt, was die Sammlung angeht. Braner muss acht statt vier Tiere melden, die alle vom gleichen Vater abstammen. Sein alter Stammrammler „deckt neun verschiedene Häsinnen“, erläutert er. Der ist bestimmt Vater von 20 Würfen, schätzt der Züchter.

 

 

Werden die Kaninchen nicht bei der Ausstellung gekauft, dann können sich die Käufer die Tiere auch per Spedition schicken lassen. Bis Anfang der 1970er Jahre, erinnert sich Walter Braner, gab es für die Versendung noch eine andere Methode: Da ging der Züchter mit einer Apfelsinenkiste und dem tierischen Inhalt an den Hirschhorner Bahnhof, von wo aus sich der Vierbeiner dann als Expressgut auf den Weg zum neuen Besitzer machte. Das Ganze per Nachnahme, was für den Verschicker eine große Sicherheit bedeutete.

Eigentümer sollen ihr Grundstück nicht hergeben

Wehret den Anfängen. Schon heute haben die Rothenberger freie Sicht auf drei Windenergieparks auf den gegenüberliegenden Hügeln. Greiner Eck, Stillfüssel und Kahlberg blinken aus den verschiedenen Himmelsrichtungen, als die BI Gegenwind Beerfelden-Rothenberg zur Info über die aktuelle Planung der Projektierer für 13 Rotoren in den Wäldern auf der Hirschhorner Höhe eingeladen hat. Über 100 Interessierte quetschen sich in den Saal des Hotels „Hirsch“.

Eines einte die Referenten: Der Appell an die Grundstückseigentümer, nicht den kurzfristigen Profit zu sehen, sondern die langfristigen Auswirkungen. Denn in den vergangenen Wochen war durchgesickert, dass interessierte Firmen an die Bürger herangetreten waren, um für den Bau notwendige Flächen zu pachten.

Bürgermeister Christian Kehrer formulierte seinen Aufruf eher salomonisch, indem er die Verantwortung der Einwohner ansprach. Vera Krug von der BI Ulfenbachtal und Siedelsbrunn nahm kein Blatt vor den Mund und sah eine Spaltung des Dorfs voraus, wenn wenige auf Kosten der Mehrheit Geld machen wollten. Geld übrigens, das ein schöner Schein sein könnte, wenn nämlich nach dem Abschreibungszeitraum die Rückbaukosten an den Grundstückseigentümern hängen bleiben.

Andreas Krauch von der örtlichen BI führte in die Veranstaltung ein. Im Hintergrund liefen auf der Leinwand verschiedene Animationen, wie die Odenwald-Hügel zugepflastert werden könnten, wenn alle dafür ausgewiesenen Gebiete für Windenergie genutzt werden. Finkenberg, Katzenwinkel, Flockenbusch und eben die Hirschhorner Höhe: Rothenberg wäre eingekesselt.

Bürgermeister Kehrer lobte die sachliche und fachliche Diskussion mit der Bürgerinitiative. „Die breite Masse schweigt“: Damit umschrieb der Rathauschef die Schwierigkeit der Kommunalpolitik in der Abschätzung, „wohin die Reise gehen soll“. Er zeichnete die Planung der Odenwald-Kommunen nach, einen eigenen Flächennutzungsplan für Windkraft auszustellen, der aber vom Regierungspräsidium kassiert wurde. Doch einen Plan braucht’s, sonst gilt laut Kehrer das Baugesetzbuch ohne weiter Einschränkungen.

Der Rathauschef kritisierte das Zustandekommen des Regionalplans, der den Kommunen „übergestülpt“ wurde. Daneben sind die potenziellen Betreiber sehr zugeknöpft, wann um den Ertrag der Anlagen geht, monierte er. Auch der Rückbau sei ein großes Thema. „Da sind viele Fragen offen“, so der Bürgermeister. Er verwies auf einen Bericht des Umweltbundesamts, in dem der Rückbau und die damit einhergehenden Probleme thematisiert werden.

„Bitte überlegen Sie es sich gut“, meinte er in Richtung der Grundstückseigentümer, auch wenn das schnell verdiente Geld verlockend sei. „Denken Sie an die nachfolgenden Generationen.“ Kehrer wünschte sich von den Windkraft-Betreibern mehr Transparenz. „Wir müssen uns ernsthaft Gedanken um die Energiewende machen“, betonte er. Deutschland könne die Welt nicht retten, aber mit gutem Beispiel vorangehen. In der kommenden Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wird ein FDP-Antrag behandelt, der die künftige Haltung Oberzents zur Windenergie festzurren soll.

Deren Fraktionsvorsitzender Frank Leutz, Geschäftsführer des Reha plus, beleuchtete die gesundheitlichen Risiken. Er ging vor allem auf den Infraschall ein. Das sogenannte „Windturbinensyndrom“ tritt seinen Worten zufolge bei 20 Prozent der Bevölkerung auf. „Es ist fahrlässig, so mit der Gesundheit der Menschen umzugehen“, sagte er. In anderen Ländern gehe man mit dem Thema viel kritischer um. Die Bürger auf dem Land bezeichnete Leutz als „Versuchskaninchen fürs große Geld“, denn in der Stadt gibt es keine Windräder.

Ein Antrag des Ärzterats auf Untersuchung dieses Phänomens ist bis heute nicht erfolgt. Er sah „kein besonders begründetes öffentliches Interesse“ in der Windenergie, sodass dafür die Wälder abgeholzt werden dürften. 30.0000 Windräder produzierten nur vier Prozent des Primärstroms, stellte Leutz die Wirtschaftlichkeit in Frage. Er bezeichnete die Planungen als „einen Wahnsinn, der gestoppt werden muss“.

Als Gast erläuterte Vera Krug als Wald-Michelbach-Siedelsbrunn, wie der dortige Windpark „Stillfüssel“ zustande kam. Sie hatte ferner eine Karte aus dem Teilflächennutzungsplan mitgebracht, der die verschiedenen Planungsflächen in Südhessen aufführt. Daraus wurde deutlich, dass auf etlichen benachbarten Hügeln Gebiete ausgewiesen sind. Obwohl im Gebiet Stillfüssel viele gefährdete Arten nachgewiesen wurden, gab es eine Genehmigung. „Wir waren geschockt“, so Krug. Die Bürger „fühlen sich von der Politik verlassen“. Die Vorsitzende des Vereins Leben und Freiheit, selbst in der Nähe von Stillfüssel wohnhaft, berichtete von ihren eigenen Infraschall-Erfahrungen. „Wenn wir könnten, würden wir sofort gehen“, sah sie die Lebensqualität nicht mehr gegeben. Krug baute einen großen moralischen Druck Richtung Grundstückseigentümer auf, nicht ihr Gelände zu verpachten. „Wir alle wollen das Klima retten, aber nicht durch Naturzerstörung“, postulierte sie.

Das Finkenbachtal bleibt abgehängt

Was sich im Ausschuss bereits abgezeichnet hatte, wurde in der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung Realität. Es wird keine Verbesserung auf der Buslinie 54 im Bereich der früheren Gemeinde Rothenberg mit den Finkenbachtal-Gemeinden geben. Denn die Mehrkosten dafür hatte die OREG auf 185.000 Euro beziffert. Sie wären von der Stadt zu tragen gewesen. Da diese aber kein Geld dafür hat, zog Horst Kowarsch von den initiierenden Grünen den Antrag zurück.

Kowarsch bezeichnete in seiner ursprünglichen Antragsbegründung die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen:  Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Laut OREG stellt der Nahverkehrsplan zunächst einmal nur die Grundversorgung sicher: nämlich den Schülerverkehr. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Das gibt es nach dem Fahrplanwechsel am Wochenende gar nicht mehr. Wenn es, wie im Antrag gewünscht, im werktags stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben sollte, müsste hier die Stadt einspringen.

Kowarsch regte an, dem ÖPNV-Ausbau im südlichen Odenwaldkreis ein besonderes Augenmerk zu schenken. „Wir müssen auch die Nebenstrecken fördern.“ Lediglich auf die Kosten zu verweisen, hielt er für ein „Totschlagargument“. Er hätte sich von der OREG Verbesserungsvorschläge und neue Ideen gewünscht. „Wenn wir unsere Region stärken wollen, brauchen wir die Verbindung zur S-Bahn im Neckartal“, betonte er.

„Wir fühlen uns da oben abgehängt“, brachte es Brigitte Heckmann (SPD) für die Höhenstadtteile Rothenberg und Kortelshütte auf den Punkt. Ihren Worten zufolge gibt es viele Verbindungen vom Nordkreis nach Bayern „und die bringen es nicht fertig, Busse nach Hirschhorn fahren zu lassen“, machte sie ihrem Unmut Luft.

Ihr Fraktionskollege, Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh, wies auf den Gleichbehandlungsgrundsatz hin. Oberzent müsse die Mittel dem Kreis zur Verfügung stellen, sonst entsteht ein Ungleichgewicht. In den vergangenen Jahren wurde im Kreis sehr viel in den ÖPNV investiert, meinte er. „Deshalb kann ich die Pauschalkritik nicht nachvollziehen“, so Holschuh.

Diskutiert wurden im Rund die Anbindungen an die Grenzregionen mit Eberbach und Hirschhorn, weil von dort die S-Bahn in die Metropolregion und nach Mosbach fährt. Der folgende Vorschlag von Bürgermeister Christian Kehrer fand bei allen Widerhall: „Warum formulieren wir nicht dem Kreistag das, was wir haben wollen“, meinte er. Landrat Frank Matiaske wird im Januar zur Vorstellung des Kreisentwicklungskonzepts in Oberzent sein. Dem könnte man Anregungen mitgeben.

Das Beratungs-Ergebnis sorgte vor allem bei den Mandatsträgern aus dem früheren Rothenberg für Frust, wie sich nach Ende der Sitzung beim gemütlichen Beisammensein zeigte. Linienverdichtungen im Nordkreis und eine neue Verbindung über Mossautal nach Grasellenbach wurden zum Anlass genommen, auf die Vernachlässigung des Finkenbachtals hinzuweisen. Dass im Kreis Bergstraße zwischen Wald-Michelbach und Hirschhorn als Grundversorgung unter der Woche ein stündlicher Takt eingerichtet wurde, war für viele ein positives Beispiel, wie es anders laufen könnte.

Vorweihnachtliche Stimmung im Hirschhorner Langbein-Museum

„Es war so schön bei euch“ lautete das Urteil der Besucher, die von der Einladung ins Langbein-Museum Gebrauch gemacht hatten. Der Freundeskreis Langbein’sche Sammlung hatte eingeladen zu einem vorweihnachtlichen Event unter dem Motto „Wie’s frieher emool war  …“. Im weihnachtlich geschmückten Museum verbreiteten die Frauen vom Spinnzirkel Friedrichsdorf gemütliche Gelassenheit. Christa Haas und Gisela Reinhard saßen in Odenwälder Tracht und sponnen Wolle und Flachs, so wie es früher Tradition war. Dabei beantworteten sie geduldig viele Fragen der Gäste zum Spinnhandwerk und zu ihren Trachten. Am Ende gab es von ihnen noch ein Weihnachtsgedicht und einen kurzen interessanten Vortrag zu den Traditionen im Odenwald und Schwarzwald.

Musikalisch begleitet wurde der Nachmittag mit weihnachtlichen Klängen auf Harfe und Trompete. Die Geschwister Anna und Andreas Wann, beide seit frühester Jugend mit ihren Instrumenten vertrautd, spielten mal abwechselnd, mal gemeinsam und gaben dem vorweihnachtlichen Nachmittag den besonders stimmungsvollen Klang.

Manche Besucher verschafften sich einen Überblick über die Sammlung, während solche, die mehr wissen wollten, gemütlich am Klostertisch bei Weihnachtsgebäck und Apfelglühwein saßen und Jürgen Waibel lauschten, der eine kurze Einführung in die Besonderheiten des Langbein-Museums gab. Wer war eigentlich Carl Langbein und nach welchem Konzept wird seine Sammlung hier gezeigt? Mit kurzen Erläuterungen ging er auf die Idee der Wunderkammern ein und veranschaulichte, wie viel Geschichte und noch besser, wie viele durchaus heitere Geschichten in den einzelnen Exponaten stecken.

Abwechslungsreich ging es weiter mit Lesungen von Elke Timmermann. Sie hatte kurzweilige und humorvollen Erzählungen unter anderem von Mark Twain mitgebracht, die sie den Gästen gekonnt servierte. So mancher, der eigentlich nur auf eine „Stippvisite“ reingeschaut hatte, blieb bis zum Schluss.

Was immer wieder deutlich wurde: Der gute Ruf des Langbein-Museums hat inzwischen seine Kreise gezogen. Kein Wunder also, dass etliche Besucher aus Weinheim, Mannheim, Heidelberg und Sinsheim angereist waren, die einen Besuch in Hirschhorn mit einem Besuch im Museum verknüpften und sich vornahmen, wiederzukommen.

Unter den Gästen war auch Dr. Marius Golgath, der neue Leiter des Stadtarchivs Eberbach. Er nahm die Gelegenheit wahr, sich einen ersten Eindruck vom Langbein-Museum zu verschaffen und zeigte sich sichtlich beeindruckt nicht nur vom Gesamtkonzept, sondern auch vom Engagement, mit dem das Museum betrieben wird.

Im Stadtarchiv Eberbach wird ein großer Teil der Langbein‘schen Sammlung aufbewahrt und archiviert, was gleich etliche Anknüpfungspunkte für ein Gespräch bot. Die Vorstandsmitglieder nutzen die Gelegenheit, Dr. Golgath persönlich zu begrüßen. Zum Abschied wurden gegenseitig Einladungen zum gemeinsamen Gedankenaustausch, aber auch zu Führungen sowohl im Stadtarchiv Eberbach als auch im Langbein-Museum ausgesprochen. Am Ende zog der Vorstand des Freundeskreises Langbein’sche Sammlung, der an diesem Nachmittag komplett zur Betreuung angetreten war, eine überaus positive Bilanz. „

Marktplatz als Fixpunkt des Geschehens

Ballten sich am Samstagabend die Besucher auf dem Marktplatz, so ging es am Sonntag bei windigem und regnerischem Wetter auf dem Hirschhorner Weihnachtsmarkt erst einmal geruhsamer zu. Trotzdem wertete Mitorganisatorin Marianne Heisner die Veranstaltung als Erfolg. 2015 hatte sie den Weihnachtsmarkt zusammen mit Christian Grimm nach 23 Jahren Pause erstmals wieder auf die Beine gestellt. Heisner bedauerte, dass dieses Jahr die Glühweinbude auf dem Rathausvorplatz nicht dabei war.

Die Besucher kamen aus der gesamten Odenwald-Umgebung. Sie waren angetan vom Ambiente in der Hauptstraße. Von den Standbetreibern kamen positive Rückmeldungen. Auf dem Marktplatz bot die Feuerwehr an zwei Buden Leckeres für Magen und Gaumen an, das dort aufgestellte Zelt lud auch bei schlechterer Witterung zum Sitzen ein. Die lodernden Holzfeuer schufen eine heimelige Atmosphäre. Gleich nebenan sorgte die katholische Kirchenmusik nicht nur für ein reichhaltiges Angebot an Speisen, Getränken und Selbstgebasteltem der Jugend, sondern auch für die musikalische Unterhaltung.

Den Geschenkideen waren keine Grenzen gesetzt. Seien es nun Weihnachtsgestecke, selbst Gehäkeltes und Gestricktes, Laubsägearbeiten, Kerzen, Räucherwaren, feine Tropfen oder auch Marmeladen, Honig, Tee, Schmuck, Engelsfiguren oder Krippen: Das Angebot war sehr vielseitig, sodass niemand ohne das passende Präsent für die Verwandt- oder Bekanntschaft nach Hause gehen musste. Fürs leibliche Wohl und den Durst gab es neben den Bratwürsten Waffeln, Gulaschsuppe, Tee, Crepes, Glühwein, Punsch und Feuerzangenbowle.

Pin Visit „als neue Form eines Marketingtools“

Lokale Anbieter und Events sollen näher an den Menschen vor Ort sein: Dieses Ziel haben sich die Eberbacher Macher der Pin-Visit-App im Smartphone-Zeitalter gesetzt. Quasi eine Symbiose von „Old School“ mit der Zukunft. Neben Erbach und Michelstadt macht jetzt im Odenwaldkreis auch Oberzent mit, hat 30 Pin-Spots und 60 Events eingestellt. Bürgermeister Christian Kehrer erhofft sich davon positive Effekte für den Einzelhandel und den Tourismus.

In einer Gesellschaft, die immer mehr aufs Smartphone schaut, „wollen wir den Blick schärfen für das Angebot aus der näheren Umgebung“, betont Dominik Seibert. Er hat mit ein paar Kollegen die App in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut und dann „im Verborgenen programmiert bis zum Prototyp“. Seit Ende September kann sie aufs Handy geladen werden.

Die Finanzierung ist aktuell auf drei Jahre gesichert, erläutert er. In dieser Zeit wollen die Betreiber neue Partner wie jetzt Oberzent gewinnen, um den Wirkungskreis zu erweitern. Da neben Eberbach und Schönbrunn bereits auch Neckargemünd mit im Boot ist, ist die hessische Neckarschiene mit Hirschhorn und Neckarsteinach natürlich ebenfalls eine Zielrichtung.

Ein lokaler Anbieter, etwa Gewerbe, Einzelhandel oder Gastronomie, kann laut Seibert sogenannte Pin-Spots schaffen, deren Besuch dann Punkte aufs Konto schaufelt. Gemeinden wiederum haben die Möglichkeit, diverse Sehenswürdigkeiten einzustellen. Die Dicke Eiche in Airlenbach, der Beerfelder Galgen (Bild), Burgruine Freienstein oder der Marbach-Stausee sind einige Beispiele aus Oberzent.

Die gesammelten Punkte lassen sich in der App einlösen, so Seibert. Geschäfte haben die Möglichkeit, die Nutzer zu bestimmten Rabattaktionen einzuladen. Außerdem werden Anreize geschaffen, Standorte in einem bestimmten Zeitrahmen zu besuchen. Wie Seibert hervorhebt, lässt sich damit nicht nur ein Mehrwert für die eigene Bevölkerung schaffen, sondern die App kann auch Touristen an die Hand gegeben werden, um zu zeigen, was in der Stadt alles geboten wird. „Das geht in Richtung Reiseführer“, betont er.

Nach den ersten Wochen haben die Macher die Erfahrung gemacht, „dass die Nutzer intensiv dabei sind“. Denn die App setzt ganz gezielt auch auf einen Spielecharakter und Sammeltrieb, um zum Mitmachen zu animieren. Der Eberbacher zählt über 10.000 Visits nach zwei Monaten, dazu 1500 Downloads der App. Allerdings hapert es noch etwas am Bekanntheitsgrad. Daran wird nun gearbeitet.

Eberbach ist quasi das „Herzstück“ mit über der Hälfte der User. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Erbach und Michelstadt. Die beiden Städte warben geschickt am 1. November um badische Kunden, als dort Feiertag war und in Hessen die Geschäfte offen. Mit Erfolg. Seibert weiß aus Rückmeldungen, dass sich viele Eberbacher dorthin auf den Weg machten. „Ich wusste nicht, dass man dort so toll einkaufen kann“, bekam er mit.

Das Feedback bestätigt ihn in der Annahme, dass die Leute die Pin-Visit-App nutzen, vor Ort fahren „und dann dort Geld in Einzelhandel und Gastronomie lassen“. Aus Sicht einer Stadt ist deshalb die Verwendung der App „eine gute Sache“. Seibert sieht Pin Visit „als neue Form eines Marketingtools“. Er weist darauf hin, dass die Zielgruppe beileibe nicht nur aus den typischen Nonstop-Handy-Nutzern, nämlich jungen Leuten, besteht, sondern auch viele aus der Altersgruppe 35 aufwärts dabei sind.

Da mit der Teilnahme von Oberzent nun der komplette südliche Odenwaldkreis vertreten ist, sieht Seibert eine deutliche Bereicherung gegeben. Bei Pin Visit handelt es sich seinen Worten zufolge „nicht um eine geschlossenes System“ wie eine eigene städtische App. „Deshalb profitieren alle in einer bestimmten Region davon.“ Die Macher sind daran, auch Tourismusverbände für eine Mitwirkung zu begeistern, um so eine breitere Basis zu erreichen.

 

www.pinvisit.de

 

Bessere Verbindung von Hainbrunn nach Hirschhorn gewünscht

Positives Echo für den Vereinsbus der Generationenhilfe: Den stellten Vorsitzende Brigitte Schanbacher und Klaus Kaden auf der Sitzung des Ortsbeirats vor. Was den Hainbrunnern aber fast mehr auf den Nägeln brennt: eine bessere Verbindung ins benachbarte Hirschhorn. Da das aber dem Kreis Bergstraße mit eigenem Nahverkehrsplan angehört, lässt der ÖPNV dorthin zu wünschen übrig. Jedoch fährt von dort die S-Bahn nach Heidelberg, außerdem verdienen viele ihre Brötchen im Neckartal.

Einmal in der Woche soll der Bürgerbus auch durchs Finkenbachtal fahren, berichteten die Aktiven der Generationshilfe bei der Vorstellung. Er kommt von Beerfelden, nimmt den Weg über Finken-, Hinter- und Raubach Richtung Neckar, dient dann auch Hirschhorn an und fährt über Kortelshütte und Rothenberg wieder zurück. Das Ganze soll dienstags drei Mal am Tag außerhalb der sonstigen Busabfahrtszeiten geschehen.

An den Ortsbeirat wurde von den Ehrenamtlichen der Wunsch herangetragen, nach möglichen Haltepunkten zu suchen. Denn die müssen ja nicht denen des ÖPNV entsprechen, sondern könnten sich auch danach ausrichten, wo viele Senioren wohnen. Gleichzeitig will man in der Vorlaufzeit die Abfahrtszeiten des Busses mit denen des ÖPNV abgleichen, damit es keine Dopplungen gibt. Auch ist die Generationshilfe noch auf der Suche nach ehrenamtlichen Fahrern.

Auf der Sitzung gab’s einen ÖPNV-Rundumschlag. Denn Mobilitätsberater Matthias Kusch von der OREG stellte Ruftaxi und Taxomobil vor. Im Vergleich zum „normalen“ Bus, wo man einsteigt und das Ticket löst, empfand Ortsvorsteher Stefan Hofmann das System der erstmaligen Aktivierung etwas kompliziert. Gerade ältere Menschen könnten sich damit schwer tun.

All das ist aber eher Beerfelden-zentriert, monierte Hofmann. „Die Anbindung nach Hirschhorn ist bisschen unbefriedigend“, sagte er. Deshalb schaut er interessiert auf die Anfang Dezember stattfindenden Beratungen des Oberzent-Bau-, Umwelt- und Infrastrukturausschusses, wenn es um eine Intensivierung der Linie 54 zwischen Beerfelden und dem Neckar geht. Allerdings wäre diese Erweiterung wohl mit relativ hohen Kosten verbunden.

Dass dieses Thema auch der Bevölkerung auf den Nägeln brennt, zeigte sich an einigen Fragen. Hier wurde unter anderem die Verbindung von Ober-Hainbrunn zu den weiterführenden Schulen im badischen Eberbach angesprochen. Diese könnte sich in spe mit einem Umweg über Beerfelden möglicherweise kompliziert gestalten, befürchtete Hofmann.

Der diesjährige Freiwilligen-Tag war ein großer Erfolg, freute sich der Ortsvorsteher. In einjähriger Arbeit richteten Ehrenamtliche in vielen Arbeitsstunden das alte Schulhaus für die Nutzung durch die Dorfgemeinschaft her. Exakt am Tag der Sitzung wurden auch die Tische geliefert, sodass man den neuen Raum gleich einweihen konnte. Für das kommende Jahr werden Ideen gesammelt, was dann anzugehen ist. Ein Gedanke ist die Aufhübschung des alten Gefriertruhen-Häuschens. Der Ortsbeirat ist für weitere Anregungen dankbar.

Ein anderes Thema waren die alten Ortschilder. An denen nagt zum einen der Zahn der Zeit, zum anderen sind sie noch nicht auf Oberzent umgepolt. Angedacht ist Hofmann zufolge eine Vereinheitlichung, die gleichzeitig die Möglichkeit bietet, zum „Herzlich Willkommen“ per einschiebbarem Aluschild den Hinweis auf aktuelle Veranstaltungen einzubinden.

Der Ortsbeirat machte sich außerdem Gedanken über die Verwendung seines Budgets. Die bereits bestellten beiden Liegebänke sollen noch vor Weihnachten geliefert werden, kündigte Hofmann an. Im kommenden Frühjahr ist die Aufstellung beim Spielplatz und am Panoramaweg geplant. Vom Rest beschaffte man zwei „Street-Buddys“, reflektierende Figuren in Kinder-Größe. Auch fürs kommende Jahr machte man sich Gedanken. Hier soll der SV beim Sporthallen-Umbau im Zuge verschiedener Brandschutzmaßnahmen unterstützt werden.

Der restaurierte Wedekindstein erinnert an die Badische Revolution 1848/49

Die hessische Neckarstadt spielte eine bedeutende Rolle in der Badischen Revolution. Eines der letzten Kapitel der Ereignisse 1848/49 wurde in Hirschhorn geschrieben. Hanauer Turner und Bundestruppen lieferten sich rund ums Schloss Mitte Juni 1849 ein Gefecht. Unglücksrabe war Ludwig Wedekind: Der fiel „Friendly Fire“ zum Opfer, nachdem er wohl nicht schnell genug das Passwort wusste und von den eigenen Leuten erschossen wurde. Ihm zu Ehren wurde 1869 ein Gedenkstein errichtet, den man jetzt, 150 Jahre später, frisch restauriert einweihte.

Mit diesem „Wedekindstein“, am Aufgang vom Kloster kommend aufgestellt, hat es eine ganz besondere Bewandtnis. Er stellt neben dem Hambacher Schloss das einzige bauliche Denkmal zur Erinnerung an die Badische Revolution dar. Entsprechend prominent besetzt war die Riege der Laudatoren, allen voran der CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Michael Meister. Begrüßt und ins Thema eingeführt hatte Bürgermeister Oliver Berthold.

Es war an diesem Nachmittag viel von Freiheit und der wehrhaften Demokratie die Rede, „die man sich jeden Tag neu erarbeiten muss“ (Meister). Heutzutage müsse man wieder lernen, dass beides nicht auf ewig gesichert sei, sagte er mit Blick auf aufflammende braune Umtriebe. Der MdB zeigte die Parallelen des 1949 verabschiedeten Grundgesetzes mit der Paulskirchen-Verfassung von 1849 auf. Deutschland sei, betonte er, „aufgrund seiner Verfassung in einer guten Verfassung“.

Für die mit organisierenden Hirschhorner Altstadtfreunde gab’s 500 Euro vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, überreicht von Meister an den Vorsitzenden Reiner Lange. Sie hatten gemeinsam mit der Stadt sowie dem Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum im Gedenken an den im vergangenen Jahr verstorbenen Hirschhorner Stadthistoriker Ulrich Spiegelberg das Projekt zu Ende geführt.

Von den Hanauer Turnern waren Archivar Dietrich Arlt und Präsident Rüdiger Arlt vor Ort. Letzterer ließ die Geschichte des 1837 gegründeten „altrechtlichen Vereins“ (a.V.) humorvoll Revue passieren. Neben Christian Lautenschläger war August Schärttner einer der Gründer. Der, so Arlt, „war kein Sportler, sondern Revoluzzer“. Es wird kolportiert, dass Schärttner sogar seinem Weggefährten Karl Marx zu radikal war.

Als Anfang Juni 1849 der Hilferuf von den badischen Freunden kam, zogen in Hanau 300 Kampfeswillige los. Arlt ging auch auf den Pechvogel Wedekind, einen Goldschmied, ein. Er war der zweite Turner, der damals außerhalb des Schlachtfeldes fiel. Nach der Kapitulation flohen viele Hanauer über die Schweizer Grenze. Wer blieb, kam lange Jahre ins Zuchthaus. Auch Arlt fand mahnende Worte: „Viele von denen, die er heute aufwachsen, wissen es nicht mehr wertzuschätzen, wie gut es uns geht.“ Die damalige Aktion bezeichnete er als Grundstein der Demokratie.

Volker Buser würdigte als Vertreter von Landrat Christian Engelhardt das Wirken Spiegelbergs für die Stadt. Die Wiedereinweihung bezeichnete er als großem Moment für Hirschhorn und den Kreis. Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebes Bau und Immobilien, ging kurz auf die laufenden Maßnahmen rund ums und im Schloss ein, die zusammen etwa drei Millionen Euro kosten. Auch in heutigen Zeit, bedauerte er, „wird so mancher von hinten erschossen“. Dieses Mal durch die sozialen Medien: durch solche, von denen es man nicht vermute.

Pfarrer Joshy und sein evangelischer Amtskollege Reinhold Hoffmann sprachen den Segen. Hoffmann hatte ebenfalls mahnende Worte parat. Er wies, auch wenn es vielleicht komisch klinge, auf das Misstrauen als Grundbestandteil der Demokratie hin. Angesichts vieler „Fake News“ der heutigen Zeit forderte er dazu auf, immer zu hinterfragen und nichts als gegeben hinzunehmen. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler. Archivar Dr. Rüdiger Lenz sprach später zum Thema „Badische Revolution 1848/1849 und Auswirkungen bis in die heutige Zeit“.

 

 

Die Badische Revolution rund um Hirschhorn

Längs der Neckar-Odenwald-Linie war eine Verteidigungsstellung gegen die heranrückenden Preußen und Bundestruppen aufgebaut worden. Die Hanauer Turnerwehr, verstärkt durch Heilbronner Turner, war dem Hilferuf der badischen Revolutionäre gefolgt. Das strategisch wichtige Hirschhorn wurde am 13. Juni 1849 besetzt. Der „Traum von der Freiheit“ und einem Deutschen Staat scheiterte später an den deutschen Fürsten.

Am Abend des 15. Juni kam es zum Gefecht zwischen mit den von Beerfelden herangerückten Bundestruppen – kurhessische Infanterie und bayerische Jäger, verstärkt durch zwei mecklenburgische Geschütze, insgesamt etwa 2000 Mann. Nach einem Vorpostengefecht mit Kanonenbeschuss an der Schneidmühle erfolgte der Angriff auf die Burg, in der sich die Hanauer verschanzt hatten.

Hilfe wurde den Turnern zuteil durch Freischärler, die von Heddesbach aus herangerückt waren und die Bundestruppen im Rücken angriffen. Nach erfolglosem Sturm auf die Burg entschloss sich Oberst Weiss als Kommandeur der hessisch-bayerischen Truppen zum Rückzug, da er seine Stellung ungeschützt vorfand und umfangreiche Verbände von Freischärlern in der näheren Umgebung vermutete. Die Hanauer Turner wiederum verließen Hirschhorn am Morgen des 16. Juni und zogen sich ins benachbarte Eberbach zurück.

Das Gefecht von Hirschhorn blieb im Rahmen der Revolutionsereignisse eine Episode. Als Achtungserfolg fand es jedoch große Beachtung. 20 Jahre später bekam Wedekind von seinen ehemaligen Kampfgefährten im Rahmen einer Gedenkfeier einen Grabstein gesetzt. Die Gedenkrede hielt der Hanauer Wilhelm Kämmerer als einer derjenigen, die in Hirschhorn gekämpft hatten. Er war erst 1860 wieder aus der Haft freigekommen.

Auf der Jagd nach dem LTE-Mobilfunkempfang

Auf der Jagd nach dem LTE-Funkloch: Die Deutsche Telekom hat einen Wettbewerb gestartet, um diese mobilfunk- und internetfreien Zonen auszuspüren. In Oberzent dürfte sie damit reichlich fündig werden. Die LTE-Abdeckung in der Stadt ist „ziemlich durchwachsen“, formuliert es Fachmann Henning Gajek aus Rothenberg vorsichtig. Er arbeitet für teltarif.de, ein Verbrauchermagazin rund um Telekommunikation und Internet.

Vodafone (D2) funktioniert in Finkenbach, Falken-Gesäß oder Airlenbach absolut nicht, weiß der Experte. Mit Telekom (D1) ist es in Teilen von Beerfelden „auch kein Vergnügen“. LTE gibt es nur von der Telekom und nur in Rothenberg. Vodafone-Kunden müssten sich hoch auf den Berg beim Wasserreservoir stellen oder nach Kortelshütte und weiter Richtung Hirschhorn laufen, um Empfang zu haben. LTE von O2 gibt’s an einigen höheren Stellen in Rothenberg, weil der Sender irgendwo bei Ober-Abtsteinach steht.

Die Deutsche Telekom „verschenkt“ aktuell eine komplette LTE-Sendeanlage an 50 Gemeinden bundesweit, berichtet Gajek. Die müssen sich aber darum bewerben und einen verbindlichen Ratsbeschluss für einen Ausbau mitsamt einem ortsnahen oder ortsinternen Standort (Grundstück, Gebäude) für einen Sendemasten vorweisen. „Kommunen können durch die Aktion aktiver Partner in unserem Mobilfunkausbau werden“, wird Walter Goldenits, Telekom-Geschäftsführer Technik, zitiert.

Üblicherweise entscheidet die Telekom alleine, wo ein neuer (Telekom-)Standort entstehen soll. Da dabei aber marktwirtschaftliche und funktechnische Erwägungen im Vordergrund stehen, sind die dünn besiedelten Odenwald-Täler meistens außen vor. „Es gibt Kommunen, die bei dieser Betrachtung immer wieder durchs Raster fallen“, heißt es von Goldenits euphemistisch.

Mit der Aktion sollen Gajek zufolge zunächst 50 Gemeinden mit Funklöchern mit LTE-Netz versorgt werden. „Die Zahl der wirklichen Funklöcher dürfte weit darüber hinaus liegen“, meint er – und wird damit sicherlich auf Zustimmung bei den Ein-Balken-geplagten Odenwäldern stoßen, denen oftmals ein „E“ in der Internet-Anzeige lacht. Andere Länder sind in ihrer Pampa schon viel weiter. Gerade die nordischen und baltischen Staaten bieten LTW quasi flächendeckend.

Die Bewerbungsfrist der Aktion für die Kommunen läuft bis zum 30. November. „Wir sind am Ball“, entgegnet Ober-Bürgermeister Christian Kehrer, den Gajek mit der entsprechenden Info eindeckte. Der Antennen-Standort in den ausgewählten Gemeinden soll bis Ende 2020 in Betrieb gehen. Nach Angaben der Telekom dauert es derzeit in der Regel rund zwei Jahre, einen Mobilfunk-Standort in Betrieb zu nehmen. Bürger und Gemeindeverwaltungen können sich auf einer speziellen Telekom-Seite informieren.

Info: http://www.teltarif.de/netzausbau-funkloch-telekom-gemeinde/news/77688.html

Odenwald-Rotwild schmort im eigenen Saft

Das Odenwald-Rotwild „schmort im eigenen Saft“. So plastisch formulierte es Vorsitzender Dr. Andreas Wiese von der Vereinigung der Rotwildjäger im Odenwald nach dem Bericht von Prof. Gerald Reiner. Der Gießener Hochschuldozent hatte in der Igelsbacher Sängerhalle auf deren Einladung über die „genetische Diversität beim Rotwild in Hessen“ referiert. Seine Forderungen waren klar: Es muss sich was tun, sonst leidet über kurz oder lang fast jede Population unter „Inzestdepression“.

Wiese sagte in seiner Begrüßung, dass Material aus dem gesamten Odenwald-Bereich, also Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, untersucht worden sei. Analog des länderübergreifenden Gebiets kamen auch die Besucher zum Vortrag. Die genetische Vielfalt ist in der hiesigen Mittelgebirgslandschaft so stark bedroht wie sonst nirgendwo in Hessen, sagte Reiner. Weiter nördlich gibt es zumindest teilweise noch stärkere Wanderungsbewegungen.

„Das Rotwild-Management funktioniert nicht mehr“, brachte es der Referent auf den Punkt. Die Gründe sind für ihn naheliegend. Zersiedlung und Autobahnbau behindern die natürliche Wanderung der Tiere oder haben sie zum Stillstand gebracht. Die geschätzten 2000 Exemplare im Odenwald sind dafür das beste Beispiel. 90 Prozent von ihnen gehören zum sogenannten Genotyp 9, der in dieser Konzentration nur im Dreiländereck vorkommt.

Reiner ging auch auf eine mögliche Überpopulation ein, die mit Schälschäden in Verbindung gebracht wird. „Es sind zwar zu viele, aber die falschen“, betonte er. Auch warnte der Referent davor, den Verbiss mit der reinen Masse in Verbindung zu bringen. Diesen Anteil sah er nur bei 20 Prozent. 80 Prozent davon wertete Reiner als stressbedingt.

Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Durch immer weiter schwindende Lebensräume plus den Jagddruck gehen die Äsungsflächen zurück oder trauen sich die Tiere nicht mehr auf diese. Das Ergebnis: Es wird an den Bäumen rumgenagt. Reiner appellierte, „das Rotwild nicht nur als Schädling zu sehen“, sondern im Zuge der Biodiversität ihm den gleichen Rang wie Luchs oder Wolf zukommen zu lassen. Das größte Säugetier in Deutschland „gehört einfach dazu“, meinte er.

Um den Bestand wieder zukunftsfähig zu machen, Vitalität und Fruchtbarkeit zu erhöhen, Missbildungen zu vermeiden, plädierte er für Leitstrukturen. Dafür gehören für Reiner unter anderem die Schonung junger Rothirsche auf Wanderschaft, die Schaffung von Grünbrücken über Autobahnen („die nutzen auch anderen Tieren“) und die Vernetzung von Biotopen. Hier müssten auch die Leute an der Basis mitmachen, „die wissen, wo die Wildwechsel sind“.

Natürlich, betonte er, „ist das Rotwild nicht vom Aussterben bedroht“. Durch den Inzest in den verschiedenen Verbreitungsgebieten nehmen aber die Missbildungen zu. Die Gesundheit des Bestands ist in Gefahr. Er machte dies beim Odenwald an ein paar statistischen Zahlen fest. Von den 2000 Tieren „geben nur 116 ihre Gene an die nächste Population weiter“, erläuterte der Vortragende. Lediglich 34 Hirsche sind darunter.

Die Zahl 100 ist die magische Grenze. Wird sie unterschritten, ist die Gefahr groß, dass innerhalb von fünf Jahren ein Negativtrend einsetzt, der die Inzucht begünstigt. Der von Reiner genannte „Inzucht-Zuwachs“ liegt im Odenwald bei 0,45 Prozent, was einen Mittelwert im hessischen Vergleich bedeutet. Er machte aber auch deutlich, dass zehn Prozent der hier untersuchten Proben einen hohen Inzuchtgrad aufwiesen.

2000 Tiere sind eine ganze Menge, fasste Wiese zusammen. Bei eingeschränkter genetischer Vielfalt „nutzt das aber nichts“. Er erwähnte das Abschussgebot außerhalb des Rotwildgebiets, das Wanderungen unterbinde. Es gebe zwar Bestrebungen in Richtung einer Aufhebung, aber der „stehen Forst und Land entgegen“, beschrieb der Vorsitzende die Schwierigkeit. Da in Baden-Württemberg 2020 die Rotwildverordnung zur Überarbeitung ansteht, könnte es Ansatzpunkte geben. „Warum gilt der Wildwegeplan nicht auch fürs Rotwild?“, warf Reiner abschließend ein.