Sturm und Käfer lassen Nadelholz-Preise purzeln

Wohl dem Waldbesitzer, der viel Laubholz in seinen Beständen hat. Dafür sind derzeit noch gute Preise zu erzielen. Beim Nadelholz sieht es eher duster aus. Sturmtief „Friederike“ und der Borkenkäfer setzten vor allem der Fichte stark zu und ließen die Preise purzeln. Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, und sein Stellvertreter Sebastian Vocilka skizzierten die aktuelle Marktlage auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG). Diese umfasst die angegliederten Gemeinden des Forstamts Beerfelden, also auch Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach.

Der südliche Odenwald wurde im Januar von Friederike einigermaßen verschont, erläuterte Forstamtsdirektor Sasse. Im Bereich des Forstamts Beerfelden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen. Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern.

Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Allein in Hessen seien eine Million Festmeter betroffen. Bisher wurden im Forstamtsbereich Beerfelden bereits 40.000 fm weggeschafft, wobei er fürs komplette Jahr mit 60.000 rechnet. Betroffen ist vor allem die Fichte – die im Odenwald vorherrschende Baumart, mit der das meiste Geld verdient wird.

Das Problem beim Borkenkäfer: Er ist kein einjähriges Phänomen. „Das dauert mehrere Jahre, bis er wieder verschwunden ist“, so der Forstamtschef. Nach dem Jahrhundertsommer 2003 plagte der Buchdrucker den heimischen Wald bis 2007. Sasse geht davon aus, dass somit in den kommenden Jahren immer um die 60.000 fm Schadholz anfallen, das auf dem Markt den Preis drückt.

Wie stark, machte Sebastian Vocilka deutlich. Vor einem Jahr erzielt das Forstamt noch 92/93 Euro für den Festmeter Fichte. Aber: „Ab dem 18. Januar ging es abwärts.“ An diesem Tag zog Friederike über Deutschland. Käferholz lässt sich derzeit für 45 bis 50 Euro verkaufen, „Tendenz fallend“. Beim Nadel-Frischholz, das allerdings wenig nachgefragt wird „sind wir von den früheren Preisen weit entfernt“, sagte er.

Er empfahl deshalb den Waldbesitzern, erst einmal das Schadholz aufzuarbeiten und den Rest stehen zu lassen. „Es kommen wieder bessere Zeiten“, so der Forstamts-Mitarbeiter. Zwar betreffen die Schäden vor allem die Fichte, „aber der Kieferpreis wurde mit runtergezogen“, bedauerte Vocilka. Lediglich die Douglasie „bringt ordentlich Geld“. Hier sind die Preise mit 100 Euro/fm stabil.

Mit Laubholz wie Buche, sonst oft das Stiefkind, „kann man derzeit viel Geld verdienen“, erläuterte er. Preise für Eichenholz „schießen durch die Decke“. Vocilka empfahl deshalb, wenn möglich diese Baumarten einzuschlagen, frisches Nadelholz stehen zu lassen und erst einmal das vom Borkenkäfer befallene zu verwenden. Kollegin Gudrun Kranhold ergänzte, dass im vergangenen Jahr im Privatwald sowieso weniger als zuvor eingeschlagen worden sei.

In ihrem Geschäftsbericht für 2017 sprach sie von einem Mitglieder- und Flächenzuwachs bei der FBG. Im vergangenen Jahr wurde auf knapp 900 Hektar gekalkt. Der Kassenstand ist laut Kranhold weiterhin ansehnlich im Plus. Sie betonte, dass die Kassengeschäfte wie bisher weitergeführt werden können, da die fusionierte Stadt Oberzent in den Vertrag von Beerfelden eintrat, wo dies zuvor Hans Mader erledigte. Der übernimmt auch weiterhin die Kasse. Die Geschäftsführung der FBG bleibt in den Händen des Forstamts Beerfelden.

Da der bisherige Vorsitzende Gottfried Görig, vormals Bürgermeister in Beerfelden, nicht mehr kandidierte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ralf Kredel (Etzean), bisher Stellvertreter, übernimmt den Posten. Ihm zur Seite steht nun Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer als neuer Stellvertreter.

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Neckar-Fährmann dringend gesucht

Neckarhausen/Neckarhäuserhof. Lust auf einen ausgefallenen Beruf? Neckar-Fährmann dringend gesucht! Am besten soll ein erfahrener Binnen-Seebär her. Beginn: möglichst sofort. So liest sich die Stellenbeschreibung des Freundeskreises Fähre, mit dem dieser auf einer der letzten beiden Neckarfähren Personal sucht. Denn sonst ist ein ordnungsgemäßer Betrieb oder sogar der Fortbestand dieser kulturhistorischen Institution in Gefahr.

Zwischen dem hessischen, zu Neckarsteinach gehörenden Neckarhausen und dem badischen, zu Neckargemünd gehörenden Neckarhäuserhof verkehrt ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten: eine Hochseilgierfähre mit Dieselmotor. Bereits im Jahr 1803 wird an dieser Stelle ein Fährnachen mit dem Namen „Napoleon“ überliefert. Die zweite noch verbliebene Neckarfähre von ehemals etlichen schippert ebenfalls in einem Neckarhausen, aber dem bei Edingen, über den Fluss.

Da die Personal-Situation der Fähre prekär ist, startet der Freundeskreis laut der stellvertretenden Vorsitzenden Ute Fries jetzt eine Banner- und Plakatsuchaktion für einen zweiten und dritten Fährmann. Denn Urgestein Achim Landwehr will im Mai 2019 aufhören. Der „Färcher“ ist bereits eine Institution auf dem Neckar. Seit 38 Jahren, seit 1980, steht er jeden Tag parat und bringt Autofahrer, Fußgänger oder Radler von Baden nach Hessen – oder umgekehrt. Älter als er ist das Schiff selbst: Es wurde 1933 angeschafft und kann bis zu acht Autos gleichzeitig über den Neckar transportieren.

Markus Seibert aus Neckarhausen, der aktuell seine Ausbildung zum Fährmann macht, wird frühestens Anfang Dezember seine Prüfung absolvieren. Wenn sich kein Interessent mit Fährpatent findet, der spätestens zum Frühjahr einsteigen könnte, müsste der neu auszubildende Fährmann schon demnächst anfangen, da er 180 Tage Praktikum auf der Fähre benötigt.

Derzeit läuft der Fährverkehr bereits auf Sparflamme: Da ein bisheriger Färcher im April fristlos kündigte, ist das Schiff momentan nur alle zwei Wochen planmäßig unterwegs – und zwar in den ungeraden. In den geraden Wochen pendelt die Fähre nur Montag- bis Freitagvormittags von 6 bis 8 Uhr. Am Wochenende findet gar kein Fährverkehr statt. Die im Vorfeld der Kündigung angesprochenen Mängel „sind inzwischen behoben und ein Teil wurde als ‚kein Mangel‘ zurückgewiesen“, erläutert die stellvertretende Vorsitzende.

„Wir wollen mit unserer Plakat- und Banneraktion die Fährmannsuche nochmal etwas intensivieren und natürlich auch auf die Gefahr hinweisen, dass bald keine Fähre mehr auf dem Neckar verkehren könnte“, betont Ute Fries. „Das wäre für unsere Fähre, die Menschen im Umkreis und auch touristisch gesehen sehr fatal.“

Fries weist in diesem Zusammenhang auf die wichtige Verbindung zwischen den Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen und den beiden Landkreisen Rhein-Neckar und Bergstraße hin. Außerdem sorgt die Fähre für eine kurze, Zeit und Sprit sparende Verbindung zwischen Neckarhausen und Neckarhäuserhof sowie den Anliegergemeinden (Hirschhorn, Neckarsteinach, Mückenloch, Haag, Schönbrunn, Waldwimmersbach) und des badischen Ufers mit der S-Bahn-Linie zwischen Heidelberg und Mosbach auf der hessischen Seite.

Ute Fries weist auf die Fähre als „wichtiges Symbol für die lange gemeinsame Geschichte von Neckarhausen und Neckarhäuserhof“ hin. Sie ist daneben ein historisches Denkmal, da sie eine der letzten beiden ihrer Art auf dem Neckar ist. Als „schwimmende Brücke‘“ verbindet sie den großen mit dem kleinen Odenwald und dem Kraichgau, dazu die Kreisstraßen 205, 4102 und 4103 und dient als Umfahrungsmöglichkeit bei Verkehrsstörungen auf der B37/45. Die Fähre ist eine „Stütze der Infrastruktur, des Tourismus und der Gastronomie“, betont die stellvertretende Vorsitzende.

Der früheste Hinweis auf eine Neckarquerung ist über 500 Jahre alt, datierend aus einem Rechtsstreit zwischen dem Kloster Schönau und Mückenloch. Nach Genehmigung des Betriebs einer Wagenfähre zwischen Neckarhausen und dem damaligen Finsterbach (Neckarhäuserhof) durch die Großherzoglich Hessische Regierung in Darmstadt wurde diese noch im gleichen Jahr 1812 eingerichtet.

Verstärkt kam in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Personentransport hinzu. Am 15. August 1837 wurde die Nähe erstmals meistbietend verpachtet an „Johannes Krieger zu Finsterbach, für 15 Gulden pro anno“. Damit wurde ein regulärer Fährbetrieb mit einem ständigen Fährmann eingerichtet, der bis heute Bestand hat. Die 1877 eingeführte Kettenschleppschifffahrt wie auch die Einweihung der Neckartaleisenbahn 1879 verlangten nach einer neuen Technik. Die neue, eiserne Gierbundfähre lief ab 1888 an einem Drahtseil, dass über zwei Buchnachen geführt wurde.

Nach dem Bau der Staustufen wurde 1933 eine Hochseilgierfähre aus der Schiffswerft Ph. Ebert & Söhne in Neckarsteinach in Betrieb genommen. Diese wurde mittels einer in Fahrtrichtung liegenden Verholkette über den Neckar gezogen. Diese kraftraubende Tätigkeit fand ab 1958 durch den Einsatz eines Dieselmotors ein Ende. Den nach dem Zweiten Weltkrieg sprunghaft angestiegenen Verkehr bekam auch die Fähre zu spüren – nicht ohne Folgen: Mit geänderten Fährzeiten leisten seitdem zwei Fährmänner im wöchentlichen Wechsel ihren Dienst.

Freundeskreis Fähre Neckarhausen-Neckarhäuserhof

Gründungsjahr: 2004

Mitgliederzahl: 350

Kontakt: Vorsitzender Jörg Polivka, Im Neckarhäuserhof 3, 69151 Neckargemünd, E-Mail info@ffnn.de, zweite Vorsitzende Ute Fries, Im Neckarhäuserhof 4, 69151 Neckargemünd, Telefon 06229-930604, http://www.ffnn.de

Legendäre Herrensitzung bei der Narrhalla Hainbrunn – Vorverkauf läuft

Die Herren lassen bitten. Nach vier Jahren Pause ist es wieder so weit: Die Narrhalla Ober-Hainbrunn lädt zur legendären Herrensitzung. Die findet am Freitag, 16. November, um 20.11 Uhr in der Sporthalle statt. „Shoot-out in Hainbrunn City“ lautet das Motto. Der Abend wird ganz im Zeichen des Wilden Westens stehen.

Hochkarätige Büttenredner aus der Umgebung, etwa aus Zwingenberg, Eberbach und Rockenau, sowie aus Hainbrunn selbst und „extra aus Texas eingeflogene“ Saloon-Damen werden die Location in eine Wildwest-Kulisse verwandeln, versprechen die Organisatoren. Mottogetreue Kostümierung ist ausdrücklich erwünscht.

„Jetzt heißt es Kumpels mobilisieren und ab nach Hainbrunn City“, fordert Narrhalla-Präsident Franks Flachs die Herren-Narren auf. Da es nur eine Sitzung geben wird, sind die Tickets sehr begehrt. Es herrscht Fotoverbot, Einlass ist erst ab 18 Jahren. „Die berühmte Hainbrunner Bar ist bestens bestellt“, verspricht er.

Urheber dieser speziellen Sitzung war vor zwölf Jahren Narrhalla-Urgestein Ralph Volk, der selbst immer in den Faschingssitzungen als Weltenbummler oder „Schackeline“ in der Bütt dabei ist. Seitdem finden die Events in unregelmäßigen Abständen statt und sind in der Regel schnell ausverkauft. Frauen, auch in Männer-Klamotten, dürfen nicht rein, bedauert der Präsident.

Info: Der Vorverkauf läuft. Kartenbestellungen bis 6. Oktober unter E-Mail shootout@ober-hainbrunn.de oder WhatsApp 0163/1616134. Eine komplette Tischeinheit besteht aus 18 Plätzen, falls diese jemand buchen möchte.

Nacht der offenen Kirchen am 29. September in Hirschhorn

Mit einem neuen Konzept startet die dritte ökumenische „Nacht der offenen Kirchen“ am Samstag, 29. September, in Hirschhorn. Die Teilnehmer werden auf eine kleine Rundreise mitgenommen. Die zeitlich aufeinander abgestimmten Programmpunkte machen es möglich. Als Motto wählten die Organisatoren, zu denen die evangelische und katholische Kirchengemeinde Hirschhorns gehören, „Wie im Himmel so auf Erden“ aus. Es geht um das Vaterunser. Die acht Bitten des Vaterunsers werden musikalisch und mit Texten auf verschiedene Stationen aufgeteilt.

Den Anfang macht um 18 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der Ersheimer Kapelle. Die erste Station „Vater – Unser Abba“ ist um 18.40 Uhr vor der Kapelle, die zweite, „Geheiligt werde dein Name“, um 19.10 Uhr auf dem Park-/Spielplatz in der Ersheimer Straße und die dritte, „Dein Reich komme“, um 19.40 Uhr am Schiffermast bei der Neckarbrücke.

Danach geht es hoch in die Klosterkirche auf der anderen Neckarseite. „Dein Wille geschehe“ wird dort ab 20.20 Uhr umrahmt mit den schönen Stimmen von Jugendchors und Band. Danach geht es wieder den Berg hinunter zur fünften Station, „Unser tägliches Brot gib uns heute“, die um 21.20 Uhr am Kreuz vor der Pfarrkirche gestaltet wird. Die Gläubigen gehen dann durch die Hauptstraße zur evangelischen Kirche. Dort beginnt um 22 Uhr die sechste Station „Und vergib uns unsere Schuld“.

Danach trifft man sich wieder vor der katholischen Pfarrkirche, im Hause des „Vaters“ angekommen. „Und führe uns nicht in Versuchung“ sowie „Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“ sind die siebte und achte Station. Zu den Klängen der katholischen Kirchenmusik wird hier um 23 Uhr ein Herz aus vielen brennenden Kerzen gelegt. Es soll ausdrücken, dass viele Hoffnungslichter ein strahlendes Licht ergeben.

Auch wird an dieser Stelle eine kleine Stärkung angeboten, bis es dann zum Abschluss in die katholische Pfarrkirche geht. Zur Erholung gibt es dort ab 23.45 Uhr erst einmal was zum Lachen. Allerdings ist danach um 0.20 Uhr „Gänsehaut“ angesagt, denn es folgt das Mysterienspiel „Totentanz“. Das Spiel will zeigen, dass alle – ob reich oder arm – letztendlich den gleichen Weg gehen müssen. Zum Schluss sind die Teilnehmer um 1 Uhr mit dem Segen zur Nacht zum Brotbrechen und zu einem Glas Wein eingeladen.

Info: Interessierte können den ganzen Meditationsweg mitgehen, haben aber auch die Möglichkeit, nur bei einzelnen Stationen des Vaterunsers mitzumachen. Flyer mit dem gesamten Programmablauf und dem Meditationsweg liegen in den Kirchen und an verschiedenen anderen Stellen der Stadt aus. Gut wäre es, eine Taschenlampe mitzubringen. Sollte es regnen, werden die Außentermine in Ersheim in die Kapelle verlegt, die vor der Pfarrkirche in diese selbst. Ein schönes Kinderproramm wird ab 18.30 in der katholischen Pfarrkirche angeboten. Außerdem erwartet die Gäste eine interessante Ausstellung zum Vaterunser.

Altstadtfreunde boten zum Tag des offenen Denkmals eine Burgführung auf dem Hirschhorner Schloss an

Am diesjährigen Tag des offenen Denkmals beteiligten sich auch wieder die Freunde der Hirschhorner Altstadt, diesmal mit einer Burgführung. Bei herrlichem Sommerwetter fanden sich über 60 interessierte Teilnehmer ein, um den spannenden und unterhaltsamen Ausführungen von Richard Köhler zu folgen. Sehr erfreulich war die Tatsache, dass neben Hirschhorner Bürgern ebenso etliche Besucher aus den Nachbarstädten und von weiter her der Einladung folgten. Aber auch Feriengäste fanden sich unter den Teilnehmern.

Köhler stellte bei seinen Ausführungen die bauliche Entwicklung der Burg bis hin zu einem repräsentativen Schloss in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Stand zunächst die Wehrhaftigkeit im Vordergrund der Architektur – mit beschaulichen und spartanisch ausgestatteten Wohnbereichen -, änderte sich das im Laufe der Jahrhunderte hin zu mehr Komfort.

Besonders die mehrfache Ummauerung im hinteren Bereich machte die Burg zu einer fast nicht einnehmbaren Festung. Allerdings wurde diese in der Ritterzeit wenig gefordert. Dies war erst im Rahmen der deutschen Revolution der Jahre 1848/49 der Fall, als sich Hanauer Truppen in der Burg verschanzten und gegen die Belagerung der Bundestruppen heftig wehrten.

Aus dieser Zeit stammt auch der Wedekindstein, der an die irrtümliche Erschießung des Leutnants Wedekind erinnert. Das Besondere dabei ist, dass es sich um eine von insgesamt nur drei „Gedenkstätten“ der 1848/49er Revolution in Süddeutschland handelt. Die bekannteste ist sicherlich das Hambacher Schloss.

Nach gut einer Stunde mit sehr interessanten Informationen, die auch für „alte“ Hirschhorner viel Neues beinhalteten, bedankte sich der Vorsitzende Reiner Lange bei Köhler für die Unterstützung an diesem Tage und bei den Zuhörern für ihre Aufmerksamkeit. Dank des „Food-Trucks“ von Peppe konnten viele noch bei einem kleinen Snack und erfrischenden Getränken den Sonntag gemütlich ausklingen lassen. Auch im kommenden Jahr will der Verein am Tag des offenen Denkmals eine Veranstaltung anbieten.

 

Hirschhorner Firma Meto wurde vor 100 Jahren gegründet

Ein Unternehmen – zwei runde Geburtstage. Am Neckar gibt es allen Grund zu feiern. Meto begeht in diesem Jahr sein 100. Markenjubiläum. Zeitgleich wird die Etikettenproduktion 50 Jahre alt. Das Traditionsunternehmen ist für seine Lösungen zur Aus- und Kennzeichnung für den Handel bekannt. Der Erfinder von Handauszeichner und Wellenrand-Etikett feiert den runden Geburtstag am 21. September.

„100 Jahre nach der Gründung ist Meto als Qualitätsanbieter gut für die Zukunft gerüstet und in der globalen Handelslandschaft der Inbegriff für Qualität und Bedienkomfort in den Bereichen Auszeichnung, Kennzeichnung und Absatzförderung“, so Geschäftsführer Peter Sperl. Rund 170 Mitarbeiter sind aktuell bei der Firma beschäftigt.

Am 16. Februar 1918 beginnt die Erfolgsgeschichte: Der Betrieb wird von Adolf Metzger und Oskar Kind in Köln gegründet. Der Firmenname setzt sich aus den Namen der Gründer entsprechend ihrer Anteile zusammen. Metzger, dem 75 Prozent gehörten, verlässt das Unternehmen 1920. Oskar Kind wird alleiniger Gesellschafter. Etiketten und Handauszeichnungslösungen, für die METO heutzutage im Handel bekannt ist und die den Erfolg bestimmen, spielen in den Anfangsjahren noch keine Rolle: Die Meto-Schnürungs GmbH produziert Verpackungsapparate mit Drahtbindetechnik sowie Heftapparate für Kartons.

Ab 1921 beliefert Meto die Deutsche Reichspost. Den Zuschlag erhält der Betrieb dank einer Vorrichtung, die bei Metallflachbändern die Kanten umbiegt, was für mehr Stabilität sorgt, aber vor allem die Verletzungsgefahr reduziert. 1937 wird das Unternehmen sogar um eine Spielefabrikation erweitert (bis 1959). Damals bietet Meto das heute noch bekannte Tischfußballspiel „Tip-Kick“ an.

Seit 1944 besteht der Firmensitz im südhessischen Hirschhorn. Vom Rhein an den Neckar zog es Oskar Kind, nachdem die Produktionsanlagen in Köln-Rodenkirchen im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Die Geschichte von Meto spiegelt auch die Entwicklung des deutschen Einzelhandels wider. Anfang der 1950er Jahre beginnt das Unternehmen mit der Produktion von halbautomatischen Spendgeräten für Verpackungsklebestreifen.

1959 folgt der vielleicht größte Meilenstein der Firmengeschichte: Oskar Kind erfindet den weltweit ersten Handauszeichner. Die Idee, die Preisauszeichnung zu automatisieren, bringt der Unternehmer von einer Amerika-Reise mit. Der „Jedermann“ revolutioniert im Einzelhandel die Preisauszeichnung: Mit Einzug des Selbstbedienungsprinzips steigen die Anforderungen, jeden einzelnen Artikel mit Preisen auszuzeichnen. METO ermöglicht fortan für „jedermann“ das Bedrucken und Spenden der Etiketten in einem Arbeitsschritt – und zwar direkt am Ort der Ware.

Entsprechend überwältigend ist die Nachfrage. Etwa 450.000 Jedermann-Geräte wurden bereits bis 1970 produziert und über die Grenzen hinweg verkauft. Gesetzliche Verordnungen oder auch die doppelte Preisauszeichnung bei der Euro-Einführung bringen der Handpreisauszeichnung im Handel weiteren Schub. Bis heute produziert der Betrieb seine Handauszeichnungsgeräte in Hirschhorn.

Beflügelt vom Erfolg des Handauszeichners beginnt Meto im Februar 1968 mit der Produktion von Etiketten, die bis dahin zugekauft worden sind. Auch das bekannte Wellenrandetikett, eines der auffälligsten Kennzeichen im Einzelhandel, stammt von der Firma. Seine wellenartige Form verdankt das Etikett dabei einem praktischen Grund: So kann der Platz auf den Papierbahnen bestmöglich genutzt werden.

Bis heute sind Etiketten ein wichtiges Unternehmensstandbein. Das Portfolio ist gewaltig: Neben Preisetiketten bietet Meto auch Siegel-, Produkt- und Marketing-, Warensicherungs- und Schmucketiketten an, die individuell nach Kundenwünschen gestaltet werden können. Über 150.000 Vordruckklischees lagern in Hirschhorn. Mit einer Jahresproduktion an Etiketten könnte man die dreifache Fläche vom Fürstentum Monaco bekleben. Seit 2017 hat der Spezialist auch Thermoetiketten wieder im Portfolio.

Ergänzt wird das Portfolio zur Aus- und Kennzeichnung seit 1969 um Verkaufsförderungslösungen. Den Anfang machte ein Schreibsystem, um Angebote und Verkaufsbotschaften wirkungsvoll in Szene zu setzen. Meto bietet heute Preiskassetten, Displays und Systeme zur Befestigung von elektronischer Preisauszeichnung sowie zur Regaloptimierung und Lösungen zum Warteschlangenmanagement an. „Unsere Lösungen sollen Einzelhändlern dabei helfen, den Anforderungen einer sich ständig wandelnden Einzelhandelslandschaft gerecht zu werden und sich weiterhin zukunftsfähig aufzustellen“, erklärt Peter Sperl.

Nachdem Meto 17 Jahre zum Warensicherungsspezialist Checkpoint Systems gehörte, folgte 2016 die Übernahme durch die kanadische CCL Industries, innerhalb derer die Firma als eigenständige Gesellschaft zur Avery-Division gehört. Sitz der europäischen Meto-Zentrale, Produktion und Lager ist Hirschhorn. Viele der entwickelten Auszeichnungs- und Absatzförderungslösungen gehören heute zum Standard im Handel. Dazu zählen der erste Handauszeichner (1959), das Wellenrandetikett mit Sicherheitsschnitt (1968) sowie verschiedene Preiskassetten und -displays. Weiteres unter www.meto.com

Archivbild

Beim Hirschhorner Ritterfest ins Mittelalter abtauchen

Die Hirschhorner Ritter hatten schon immer einen guten Draht nach oben. Ob es damals, vor mehr als 600 Jahren war, oder heutzutage, beim inzwischen 42. Ritterfest der Carnevalsgesellschaft. Am Freitag regnete es noch länger, am Samstag stand pünktlich zur Eröffnung die Sonne hoch am Himmel. Die trockene Witterung bescherte den Rittern wieder einmal ein volles Festgelände wie in den Vorjahren. 90 teilnehmende Gruppen, Händler, Handwerker und Künstler zählt der Markt praktisch jedes Jahr, ebenso wie immer mehrere tausend Besucher kommen.

Auf dem Rathausplatz fand die feierliche Eröffnung statt, zu der alle Beteiligten mit aufgelaufen waren. Ritter-Präsident Klaus-Jürgen Ehret fand wohlgesetzte Worte für die „Edlen aus Politik, Adel und Klerus“, die es aufs Neue an den Neckar gezogen hatte. Und das in großer Zahl, schließlich sind am 28. Oktober die hessischen Landtagswahlen. Der Fanfarenzug aus Eberbach sowie die Hirschhorner Trommler und Fahnenschwinger umrahmten die Eröffnung.

Marktvogt Dieter König verlas die diversen Marktregularien, an die sich jeder zu halten hatte. „Wer frevelt und tut Sünden, dem will ich jetzt noch künden.“ Neben anderen Verhaltungsregeln sind Finanzhaie nicht gerne gesehen:  „Wer Wucher treibt, ein armer Wurm, sitzt fünf Tage im Pulverturm“, warnte er.

Altes Handwerk wurde ganz groß geschrieben: Der mittelalterliche Markt ist dafür bekannt, dass immer zahlreiche Darsteller ihre sonst längst vergessenen Künste demonstrieren. Etwa der Wippdrechsler Johannes Brenner, der seit etlichen Jahren den weiten Weg von Meinerzhagen in Nordrhein-Westfalen an den Neckar auf sich nimmt. Inzwischen wohnt sogar schon seine Tochter mit dem vier Monate alten Enkel Wendelin in Hirschhorn.

Buchdrucker Dieter Steiner sieht aus wie Johannes Guttenberg. Er macht den „Job“ mit viel Herzblut. Ihm tut es in der Seele weh, dass er für seine Druckwerkstatt noch keinen Nachfolger gefunden hat. Seit 2002 steht der 78-Jährige auf den Mittelaltermärkten und will langsam mal an die Rente denken. „Das wird wohl das letzte Mal in Hirschhorn gewesen sein“, bedauert Dieter Steiner. Wer eine originalgetreue Darstellung der Gutenberg-Druckerei mitsamt Presse braucht, kann jetzt zuschlagen.

Monika Jung aus Finkenbach zaubert in ihrer Freizeit viele verschiedene Motive aus Holz. Seit bald drei Jahren widmet sie sich bereits diesem Hobby. „Ich habe eine große Verbundenheit mit Holz“, sagt sie, deren Schwiegereltern lange Jahre die Bürstenfabrik Edelmann führten. Für ihre Arbeiten verwendet sie Eichen- und Buchenholz aus dem Odenwald. Hergestellt wird, was Jung gerade in den Sinn kommt. Manches davon „ist nicht ganz gerade, die Rinde ist gesprungen oder das Holz hat Unebenheiten“. Das ist aber gewünscht. „Ich will nicht die Handschrift der Natur verfälschen“, betont sie.

Der 51-jährige Silber- und Bronzeschmied Thomas Eisermann aus Ober-Olm findet es gut, „dass es hier so viel vorführendes Handwerk gibt“. Hirschhorn sei „ein sehr angenehmer Markt mit supernetten Veranstaltern, die sich um alles kümmern“. Nur knapp 20 Kilometer muss Frank Derikatz aus Wald-Michelbach an den Neckar zurücklegen. Der Lederer „macht wirklich alles selbst“, wie er betont: Gürtel, Taschen, Schnallen, Schließen und vieles mehr.

Ein Markenzeichen des Ritterfests war wieder das große Handwerkerdorf mit unzähligen Mitwirkenden, wo man das alte Brauchtum aus vergangenen Jahrhunderten live erleben konnte. Dort ließ sich den zahlreichen Künstlern über die Schulter schauen und so manches über die alten Handwerke erfahren. Zu bestaunen waren beispielsweise Buchdrucker, Bogenbauer, Scherenschleifer, Quacksalber, Brillenmacher, Papierschöpfer, historische Färberei und vieles mehr.

Die bekannte Rittergruppe Fictum kam auch 2018 wieder an den Neckar. Die tapferen Recken aus Tschechien verstehen sich vortrefflich auf den Schaukampf in Rüstung mit historischen Waffen und haben dabei immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Gerade für die Kinder sind ihre Auftritte mit viel Humor immer ein besonderes Ereignis. Lautes Geschrei, viele Grimassen, klirrende Schwerter, rollende Raubauken: Die Ritter rosten nicht, sie gehen mit der Zeit. Inklusive Frauenquote: Das erste Mal war eine Ritterin dabei.

Dabei außerdem: Kelvin Kalvus, die Hirschhorner Minnesänger, kampfhûs, Ars Mystica, die Rapauken, Dr. Dr. Dr. Bombastus und Leonardo, Ignis Libra & Zacharias der Feuersöldner sowie Ars Floreo. Die vier Musiker von Musica Canora haben mit ihren gotischen Dudelsäcken, Saiteninstrumenten, allerlei Pfeifen und Trommeln sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit der Mittelalterfans, begleitet von Bauchtänzerinnen. Beim abendlichen Tavernenspiel mit feurigem Spektakel erlebten die Besucher noch einmal alle Akteure zusammen. Viel Applaus war den Akteuren für ihre Darbietung gewiss.

Info: Am morgigen Sonntag, 2. September, wird noch einmal ab 11 Uhr auf Freiem und Chateau-Landon-Platz gefeiert. Um 19 Uhr findet zum Abschluss das große Tavernenspiel statt. Mehr unter http://www.hirschhorner-ritter.de

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2018/09/01/beim-hirschhorner-ritterfest-ins-mittelalter-abtauchen-am-morgigen-sonntag-gehts-weiter/Ritterfest Hirschhorn

Posted by Thomas Wilken on Saturday, September 1, 2018