Eigentümer sollen ihr Grundstück nicht hergeben

Wehret den Anfängen. Schon heute haben die Rothenberger freie Sicht auf drei Windenergieparks auf den gegenüberliegenden Hügeln. Greiner Eck, Stillfüssel und Kahlberg blinken aus den verschiedenen Himmelsrichtungen, als die BI Gegenwind Beerfelden-Rothenberg zur Info über die aktuelle Planung der Projektierer für 13 Rotoren in den Wäldern auf der Hirschhorner Höhe eingeladen hat. Über 100 Interessierte quetschen sich in den Saal des Hotels „Hirsch“.

Eines einte die Referenten: Der Appell an die Grundstückseigentümer, nicht den kurzfristigen Profit zu sehen, sondern die langfristigen Auswirkungen. Denn in den vergangenen Wochen war durchgesickert, dass interessierte Firmen an die Bürger herangetreten waren, um für den Bau notwendige Flächen zu pachten.

Bürgermeister Christian Kehrer formulierte seinen Aufruf eher salomonisch, indem er die Verantwortung der Einwohner ansprach. Vera Krug von der BI Ulfenbachtal und Siedelsbrunn nahm kein Blatt vor den Mund und sah eine Spaltung des Dorfs voraus, wenn wenige auf Kosten der Mehrheit Geld machen wollten. Geld übrigens, das ein schöner Schein sein könnte, wenn nämlich nach dem Abschreibungszeitraum die Rückbaukosten an den Grundstückseigentümern hängen bleiben.

Andreas Krauch von der örtlichen BI führte in die Veranstaltung ein. Im Hintergrund liefen auf der Leinwand verschiedene Animationen, wie die Odenwald-Hügel zugepflastert werden könnten, wenn alle dafür ausgewiesenen Gebiete für Windenergie genutzt werden. Finkenberg, Katzenwinkel, Flockenbusch und eben die Hirschhorner Höhe: Rothenberg wäre eingekesselt.

Bürgermeister Kehrer lobte die sachliche und fachliche Diskussion mit der Bürgerinitiative. „Die breite Masse schweigt“: Damit umschrieb der Rathauschef die Schwierigkeit der Kommunalpolitik in der Abschätzung, „wohin die Reise gehen soll“. Er zeichnete die Planung der Odenwald-Kommunen nach, einen eigenen Flächennutzungsplan für Windkraft auszustellen, der aber vom Regierungspräsidium kassiert wurde. Doch einen Plan braucht’s, sonst gilt laut Kehrer das Baugesetzbuch ohne weiter Einschränkungen.

Der Rathauschef kritisierte das Zustandekommen des Regionalplans, der den Kommunen „übergestülpt“ wurde. Daneben sind die potenziellen Betreiber sehr zugeknöpft, wann um den Ertrag der Anlagen geht, monierte er. Auch der Rückbau sei ein großes Thema. „Da sind viele Fragen offen“, so der Bürgermeister. Er verwies auf einen Bericht des Umweltbundesamts, in dem der Rückbau und die damit einhergehenden Probleme thematisiert werden.

„Bitte überlegen Sie es sich gut“, meinte er in Richtung der Grundstückseigentümer, auch wenn das schnell verdiente Geld verlockend sei. „Denken Sie an die nachfolgenden Generationen.“ Kehrer wünschte sich von den Windkraft-Betreibern mehr Transparenz. „Wir müssen uns ernsthaft Gedanken um die Energiewende machen“, betonte er. Deutschland könne die Welt nicht retten, aber mit gutem Beispiel vorangehen. In der kommenden Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wird ein FDP-Antrag behandelt, der die künftige Haltung Oberzents zur Windenergie festzurren soll.

Deren Fraktionsvorsitzender Frank Leutz, Geschäftsführer des Reha plus, beleuchtete die gesundheitlichen Risiken. Er ging vor allem auf den Infraschall ein. Das sogenannte „Windturbinensyndrom“ tritt seinen Worten zufolge bei 20 Prozent der Bevölkerung auf. „Es ist fahrlässig, so mit der Gesundheit der Menschen umzugehen“, sagte er. In anderen Ländern gehe man mit dem Thema viel kritischer um. Die Bürger auf dem Land bezeichnete Leutz als „Versuchskaninchen fürs große Geld“, denn in der Stadt gibt es keine Windräder.

Ein Antrag des Ärzterats auf Untersuchung dieses Phänomens ist bis heute nicht erfolgt. Er sah „kein besonders begründetes öffentliches Interesse“ in der Windenergie, sodass dafür die Wälder abgeholzt werden dürften. 30.0000 Windräder produzierten nur vier Prozent des Primärstroms, stellte Leutz die Wirtschaftlichkeit in Frage. Er bezeichnete die Planungen als „einen Wahnsinn, der gestoppt werden muss“.

Als Gast erläuterte Vera Krug als Wald-Michelbach-Siedelsbrunn, wie der dortige Windpark „Stillfüssel“ zustande kam. Sie hatte ferner eine Karte aus dem Teilflächennutzungsplan mitgebracht, der die verschiedenen Planungsflächen in Südhessen aufführt. Daraus wurde deutlich, dass auf etlichen benachbarten Hügeln Gebiete ausgewiesen sind. Obwohl im Gebiet Stillfüssel viele gefährdete Arten nachgewiesen wurden, gab es eine Genehmigung. „Wir waren geschockt“, so Krug. Die Bürger „fühlen sich von der Politik verlassen“. Die Vorsitzende des Vereins Leben und Freiheit, selbst in der Nähe von Stillfüssel wohnhaft, berichtete von ihren eigenen Infraschall-Erfahrungen. „Wenn wir könnten, würden wir sofort gehen“, sah sie die Lebensqualität nicht mehr gegeben. Krug baute einen großen moralischen Druck Richtung Grundstückseigentümer auf, nicht ihr Gelände zu verpachten. „Wir alle wollen das Klima retten, aber nicht durch Naturzerstörung“, postulierte sie.

Das Finkenbachtal bleibt abgehängt

Was sich im Ausschuss bereits abgezeichnet hatte, wurde in der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung Realität. Es wird keine Verbesserung auf der Buslinie 54 im Bereich der früheren Gemeinde Rothenberg mit den Finkenbachtal-Gemeinden geben. Denn die Mehrkosten dafür hatte die OREG auf 185.000 Euro beziffert. Sie wären von der Stadt zu tragen gewesen. Da diese aber kein Geld dafür hat, zog Horst Kowarsch von den initiierenden Grünen den Antrag zurück.

Kowarsch bezeichnete in seiner ursprünglichen Antragsbegründung die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen:  Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Laut OREG stellt der Nahverkehrsplan zunächst einmal nur die Grundversorgung sicher: nämlich den Schülerverkehr. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Das gibt es nach dem Fahrplanwechsel am Wochenende gar nicht mehr. Wenn es, wie im Antrag gewünscht, im werktags stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben sollte, müsste hier die Stadt einspringen.

Kowarsch regte an, dem ÖPNV-Ausbau im südlichen Odenwaldkreis ein besonderes Augenmerk zu schenken. „Wir müssen auch die Nebenstrecken fördern.“ Lediglich auf die Kosten zu verweisen, hielt er für ein „Totschlagargument“. Er hätte sich von der OREG Verbesserungsvorschläge und neue Ideen gewünscht. „Wenn wir unsere Region stärken wollen, brauchen wir die Verbindung zur S-Bahn im Neckartal“, betonte er.

„Wir fühlen uns da oben abgehängt“, brachte es Brigitte Heckmann (SPD) für die Höhenstadtteile Rothenberg und Kortelshütte auf den Punkt. Ihren Worten zufolge gibt es viele Verbindungen vom Nordkreis nach Bayern „und die bringen es nicht fertig, Busse nach Hirschhorn fahren zu lassen“, machte sie ihrem Unmut Luft.

Ihr Fraktionskollege, Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh, wies auf den Gleichbehandlungsgrundsatz hin. Oberzent müsse die Mittel dem Kreis zur Verfügung stellen, sonst entsteht ein Ungleichgewicht. In den vergangenen Jahren wurde im Kreis sehr viel in den ÖPNV investiert, meinte er. „Deshalb kann ich die Pauschalkritik nicht nachvollziehen“, so Holschuh.

Diskutiert wurden im Rund die Anbindungen an die Grenzregionen mit Eberbach und Hirschhorn, weil von dort die S-Bahn in die Metropolregion und nach Mosbach fährt. Der folgende Vorschlag von Bürgermeister Christian Kehrer fand bei allen Widerhall: „Warum formulieren wir nicht dem Kreistag das, was wir haben wollen“, meinte er. Landrat Frank Matiaske wird im Januar zur Vorstellung des Kreisentwicklungskonzepts in Oberzent sein. Dem könnte man Anregungen mitgeben.

Das Beratungs-Ergebnis sorgte vor allem bei den Mandatsträgern aus dem früheren Rothenberg für Frust, wie sich nach Ende der Sitzung beim gemütlichen Beisammensein zeigte. Linienverdichtungen im Nordkreis und eine neue Verbindung über Mossautal nach Grasellenbach wurden zum Anlass genommen, auf die Vernachlässigung des Finkenbachtals hinzuweisen. Dass im Kreis Bergstraße zwischen Wald-Michelbach und Hirschhorn als Grundversorgung unter der Woche ein stündlicher Takt eingerichtet wurde, war für viele ein positives Beispiel, wie es anders laufen könnte.

Vorweihnachtliche Stimmung im Hirschhorner Langbein-Museum

„Es war so schön bei euch“ lautete das Urteil der Besucher, die von der Einladung ins Langbein-Museum Gebrauch gemacht hatten. Der Freundeskreis Langbein’sche Sammlung hatte eingeladen zu einem vorweihnachtlichen Event unter dem Motto „Wie’s frieher emool war  …“. Im weihnachtlich geschmückten Museum verbreiteten die Frauen vom Spinnzirkel Friedrichsdorf gemütliche Gelassenheit. Christa Haas und Gisela Reinhard saßen in Odenwälder Tracht und sponnen Wolle und Flachs, so wie es früher Tradition war. Dabei beantworteten sie geduldig viele Fragen der Gäste zum Spinnhandwerk und zu ihren Trachten. Am Ende gab es von ihnen noch ein Weihnachtsgedicht und einen kurzen interessanten Vortrag zu den Traditionen im Odenwald und Schwarzwald.

Musikalisch begleitet wurde der Nachmittag mit weihnachtlichen Klängen auf Harfe und Trompete. Die Geschwister Anna und Andreas Wann, beide seit frühester Jugend mit ihren Instrumenten vertrautd, spielten mal abwechselnd, mal gemeinsam und gaben dem vorweihnachtlichen Nachmittag den besonders stimmungsvollen Klang.

Manche Besucher verschafften sich einen Überblick über die Sammlung, während solche, die mehr wissen wollten, gemütlich am Klostertisch bei Weihnachtsgebäck und Apfelglühwein saßen und Jürgen Waibel lauschten, der eine kurze Einführung in die Besonderheiten des Langbein-Museums gab. Wer war eigentlich Carl Langbein und nach welchem Konzept wird seine Sammlung hier gezeigt? Mit kurzen Erläuterungen ging er auf die Idee der Wunderkammern ein und veranschaulichte, wie viel Geschichte und noch besser, wie viele durchaus heitere Geschichten in den einzelnen Exponaten stecken.

Abwechslungsreich ging es weiter mit Lesungen von Elke Timmermann. Sie hatte kurzweilige und humorvollen Erzählungen unter anderem von Mark Twain mitgebracht, die sie den Gästen gekonnt servierte. So mancher, der eigentlich nur auf eine „Stippvisite“ reingeschaut hatte, blieb bis zum Schluss.

Was immer wieder deutlich wurde: Der gute Ruf des Langbein-Museums hat inzwischen seine Kreise gezogen. Kein Wunder also, dass etliche Besucher aus Weinheim, Mannheim, Heidelberg und Sinsheim angereist waren, die einen Besuch in Hirschhorn mit einem Besuch im Museum verknüpften und sich vornahmen, wiederzukommen.

Unter den Gästen war auch Dr. Marius Golgath, der neue Leiter des Stadtarchivs Eberbach. Er nahm die Gelegenheit wahr, sich einen ersten Eindruck vom Langbein-Museum zu verschaffen und zeigte sich sichtlich beeindruckt nicht nur vom Gesamtkonzept, sondern auch vom Engagement, mit dem das Museum betrieben wird.

Im Stadtarchiv Eberbach wird ein großer Teil der Langbein‘schen Sammlung aufbewahrt und archiviert, was gleich etliche Anknüpfungspunkte für ein Gespräch bot. Die Vorstandsmitglieder nutzen die Gelegenheit, Dr. Golgath persönlich zu begrüßen. Zum Abschied wurden gegenseitig Einladungen zum gemeinsamen Gedankenaustausch, aber auch zu Führungen sowohl im Stadtarchiv Eberbach als auch im Langbein-Museum ausgesprochen. Am Ende zog der Vorstand des Freundeskreises Langbein’sche Sammlung, der an diesem Nachmittag komplett zur Betreuung angetreten war, eine überaus positive Bilanz. „

Marktplatz als Fixpunkt des Geschehens

Ballten sich am Samstagabend die Besucher auf dem Marktplatz, so ging es am Sonntag bei windigem und regnerischem Wetter auf dem Hirschhorner Weihnachtsmarkt erst einmal geruhsamer zu. Trotzdem wertete Mitorganisatorin Marianne Heisner die Veranstaltung als Erfolg. 2015 hatte sie den Weihnachtsmarkt zusammen mit Christian Grimm nach 23 Jahren Pause erstmals wieder auf die Beine gestellt. Heisner bedauerte, dass dieses Jahr die Glühweinbude auf dem Rathausvorplatz nicht dabei war.

Die Besucher kamen aus der gesamten Odenwald-Umgebung. Sie waren angetan vom Ambiente in der Hauptstraße. Von den Standbetreibern kamen positive Rückmeldungen. Auf dem Marktplatz bot die Feuerwehr an zwei Buden Leckeres für Magen und Gaumen an, das dort aufgestellte Zelt lud auch bei schlechterer Witterung zum Sitzen ein. Die lodernden Holzfeuer schufen eine heimelige Atmosphäre. Gleich nebenan sorgte die katholische Kirchenmusik nicht nur für ein reichhaltiges Angebot an Speisen, Getränken und Selbstgebasteltem der Jugend, sondern auch für die musikalische Unterhaltung.

Den Geschenkideen waren keine Grenzen gesetzt. Seien es nun Weihnachtsgestecke, selbst Gehäkeltes und Gestricktes, Laubsägearbeiten, Kerzen, Räucherwaren, feine Tropfen oder auch Marmeladen, Honig, Tee, Schmuck, Engelsfiguren oder Krippen: Das Angebot war sehr vielseitig, sodass niemand ohne das passende Präsent für die Verwandt- oder Bekanntschaft nach Hause gehen musste. Fürs leibliche Wohl und den Durst gab es neben den Bratwürsten Waffeln, Gulaschsuppe, Tee, Crepes, Glühwein, Punsch und Feuerzangenbowle.

Pin Visit „als neue Form eines Marketingtools“

Lokale Anbieter und Events sollen näher an den Menschen vor Ort sein: Dieses Ziel haben sich die Eberbacher Macher der Pin-Visit-App im Smartphone-Zeitalter gesetzt. Quasi eine Symbiose von „Old School“ mit der Zukunft. Neben Erbach und Michelstadt macht jetzt im Odenwaldkreis auch Oberzent mit, hat 30 Pin-Spots und 60 Events eingestellt. Bürgermeister Christian Kehrer erhofft sich davon positive Effekte für den Einzelhandel und den Tourismus.

In einer Gesellschaft, die immer mehr aufs Smartphone schaut, „wollen wir den Blick schärfen für das Angebot aus der näheren Umgebung“, betont Dominik Seibert. Er hat mit ein paar Kollegen die App in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut und dann „im Verborgenen programmiert bis zum Prototyp“. Seit Ende September kann sie aufs Handy geladen werden.

Die Finanzierung ist aktuell auf drei Jahre gesichert, erläutert er. In dieser Zeit wollen die Betreiber neue Partner wie jetzt Oberzent gewinnen, um den Wirkungskreis zu erweitern. Da neben Eberbach und Schönbrunn bereits auch Neckargemünd mit im Boot ist, ist die hessische Neckarschiene mit Hirschhorn und Neckarsteinach natürlich ebenfalls eine Zielrichtung.

Ein lokaler Anbieter, etwa Gewerbe, Einzelhandel oder Gastronomie, kann laut Seibert sogenannte Pin-Spots schaffen, deren Besuch dann Punkte aufs Konto schaufelt. Gemeinden wiederum haben die Möglichkeit, diverse Sehenswürdigkeiten einzustellen. Die Dicke Eiche in Airlenbach, der Beerfelder Galgen (Bild), Burgruine Freienstein oder der Marbach-Stausee sind einige Beispiele aus Oberzent.

Die gesammelten Punkte lassen sich in der App einlösen, so Seibert. Geschäfte haben die Möglichkeit, die Nutzer zu bestimmten Rabattaktionen einzuladen. Außerdem werden Anreize geschaffen, Standorte in einem bestimmten Zeitrahmen zu besuchen. Wie Seibert hervorhebt, lässt sich damit nicht nur ein Mehrwert für die eigene Bevölkerung schaffen, sondern die App kann auch Touristen an die Hand gegeben werden, um zu zeigen, was in der Stadt alles geboten wird. „Das geht in Richtung Reiseführer“, betont er.

Nach den ersten Wochen haben die Macher die Erfahrung gemacht, „dass die Nutzer intensiv dabei sind“. Denn die App setzt ganz gezielt auch auf einen Spielecharakter und Sammeltrieb, um zum Mitmachen zu animieren. Der Eberbacher zählt über 10.000 Visits nach zwei Monaten, dazu 1500 Downloads der App. Allerdings hapert es noch etwas am Bekanntheitsgrad. Daran wird nun gearbeitet.

Eberbach ist quasi das „Herzstück“ mit über der Hälfte der User. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Erbach und Michelstadt. Die beiden Städte warben geschickt am 1. November um badische Kunden, als dort Feiertag war und in Hessen die Geschäfte offen. Mit Erfolg. Seibert weiß aus Rückmeldungen, dass sich viele Eberbacher dorthin auf den Weg machten. „Ich wusste nicht, dass man dort so toll einkaufen kann“, bekam er mit.

Das Feedback bestätigt ihn in der Annahme, dass die Leute die Pin-Visit-App nutzen, vor Ort fahren „und dann dort Geld in Einzelhandel und Gastronomie lassen“. Aus Sicht einer Stadt ist deshalb die Verwendung der App „eine gute Sache“. Seibert sieht Pin Visit „als neue Form eines Marketingtools“. Er weist darauf hin, dass die Zielgruppe beileibe nicht nur aus den typischen Nonstop-Handy-Nutzern, nämlich jungen Leuten, besteht, sondern auch viele aus der Altersgruppe 35 aufwärts dabei sind.

Da mit der Teilnahme von Oberzent nun der komplette südliche Odenwaldkreis vertreten ist, sieht Seibert eine deutliche Bereicherung gegeben. Bei Pin Visit handelt es sich seinen Worten zufolge „nicht um eine geschlossenes System“ wie eine eigene städtische App. „Deshalb profitieren alle in einer bestimmten Region davon.“ Die Macher sind daran, auch Tourismusverbände für eine Mitwirkung zu begeistern, um so eine breitere Basis zu erreichen.

 

www.pinvisit.de

 

Bessere Verbindung von Hainbrunn nach Hirschhorn gewünscht

Positives Echo für den Vereinsbus der Generationenhilfe: Den stellten Vorsitzende Brigitte Schanbacher und Klaus Kaden auf der Sitzung des Ortsbeirats vor. Was den Hainbrunnern aber fast mehr auf den Nägeln brennt: eine bessere Verbindung ins benachbarte Hirschhorn. Da das aber dem Kreis Bergstraße mit eigenem Nahverkehrsplan angehört, lässt der ÖPNV dorthin zu wünschen übrig. Jedoch fährt von dort die S-Bahn nach Heidelberg, außerdem verdienen viele ihre Brötchen im Neckartal.

Einmal in der Woche soll der Bürgerbus auch durchs Finkenbachtal fahren, berichteten die Aktiven der Generationshilfe bei der Vorstellung. Er kommt von Beerfelden, nimmt den Weg über Finken-, Hinter- und Raubach Richtung Neckar, dient dann auch Hirschhorn an und fährt über Kortelshütte und Rothenberg wieder zurück. Das Ganze soll dienstags drei Mal am Tag außerhalb der sonstigen Busabfahrtszeiten geschehen.

An den Ortsbeirat wurde von den Ehrenamtlichen der Wunsch herangetragen, nach möglichen Haltepunkten zu suchen. Denn die müssen ja nicht denen des ÖPNV entsprechen, sondern könnten sich auch danach ausrichten, wo viele Senioren wohnen. Gleichzeitig will man in der Vorlaufzeit die Abfahrtszeiten des Busses mit denen des ÖPNV abgleichen, damit es keine Dopplungen gibt. Auch ist die Generationshilfe noch auf der Suche nach ehrenamtlichen Fahrern.

Auf der Sitzung gab’s einen ÖPNV-Rundumschlag. Denn Mobilitätsberater Matthias Kusch von der OREG stellte Ruftaxi und Taxomobil vor. Im Vergleich zum „normalen“ Bus, wo man einsteigt und das Ticket löst, empfand Ortsvorsteher Stefan Hofmann das System der erstmaligen Aktivierung etwas kompliziert. Gerade ältere Menschen könnten sich damit schwer tun.

All das ist aber eher Beerfelden-zentriert, monierte Hofmann. „Die Anbindung nach Hirschhorn ist bisschen unbefriedigend“, sagte er. Deshalb schaut er interessiert auf die Anfang Dezember stattfindenden Beratungen des Oberzent-Bau-, Umwelt- und Infrastrukturausschusses, wenn es um eine Intensivierung der Linie 54 zwischen Beerfelden und dem Neckar geht. Allerdings wäre diese Erweiterung wohl mit relativ hohen Kosten verbunden.

Dass dieses Thema auch der Bevölkerung auf den Nägeln brennt, zeigte sich an einigen Fragen. Hier wurde unter anderem die Verbindung von Ober-Hainbrunn zu den weiterführenden Schulen im badischen Eberbach angesprochen. Diese könnte sich in spe mit einem Umweg über Beerfelden möglicherweise kompliziert gestalten, befürchtete Hofmann.

Der diesjährige Freiwilligen-Tag war ein großer Erfolg, freute sich der Ortsvorsteher. In einjähriger Arbeit richteten Ehrenamtliche in vielen Arbeitsstunden das alte Schulhaus für die Nutzung durch die Dorfgemeinschaft her. Exakt am Tag der Sitzung wurden auch die Tische geliefert, sodass man den neuen Raum gleich einweihen konnte. Für das kommende Jahr werden Ideen gesammelt, was dann anzugehen ist. Ein Gedanke ist die Aufhübschung des alten Gefriertruhen-Häuschens. Der Ortsbeirat ist für weitere Anregungen dankbar.

Ein anderes Thema waren die alten Ortschilder. An denen nagt zum einen der Zahn der Zeit, zum anderen sind sie noch nicht auf Oberzent umgepolt. Angedacht ist Hofmann zufolge eine Vereinheitlichung, die gleichzeitig die Möglichkeit bietet, zum „Herzlich Willkommen“ per einschiebbarem Aluschild den Hinweis auf aktuelle Veranstaltungen einzubinden.

Der Ortsbeirat machte sich außerdem Gedanken über die Verwendung seines Budgets. Die bereits bestellten beiden Liegebänke sollen noch vor Weihnachten geliefert werden, kündigte Hofmann an. Im kommenden Frühjahr ist die Aufstellung beim Spielplatz und am Panoramaweg geplant. Vom Rest beschaffte man zwei „Street-Buddys“, reflektierende Figuren in Kinder-Größe. Auch fürs kommende Jahr machte man sich Gedanken. Hier soll der SV beim Sporthallen-Umbau im Zuge verschiedener Brandschutzmaßnahmen unterstützt werden.

Der restaurierte Wedekindstein erinnert an die Badische Revolution 1848/49

Die hessische Neckarstadt spielte eine bedeutende Rolle in der Badischen Revolution. Eines der letzten Kapitel der Ereignisse 1848/49 wurde in Hirschhorn geschrieben. Hanauer Turner und Bundestruppen lieferten sich rund ums Schloss Mitte Juni 1849 ein Gefecht. Unglücksrabe war Ludwig Wedekind: Der fiel „Friendly Fire“ zum Opfer, nachdem er wohl nicht schnell genug das Passwort wusste und von den eigenen Leuten erschossen wurde. Ihm zu Ehren wurde 1869 ein Gedenkstein errichtet, den man jetzt, 150 Jahre später, frisch restauriert einweihte.

Mit diesem „Wedekindstein“, am Aufgang vom Kloster kommend aufgestellt, hat es eine ganz besondere Bewandtnis. Er stellt neben dem Hambacher Schloss das einzige bauliche Denkmal zur Erinnerung an die Badische Revolution dar. Entsprechend prominent besetzt war die Riege der Laudatoren, allen voran der CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Michael Meister. Begrüßt und ins Thema eingeführt hatte Bürgermeister Oliver Berthold.

Es war an diesem Nachmittag viel von Freiheit und der wehrhaften Demokratie die Rede, „die man sich jeden Tag neu erarbeiten muss“ (Meister). Heutzutage müsse man wieder lernen, dass beides nicht auf ewig gesichert sei, sagte er mit Blick auf aufflammende braune Umtriebe. Der MdB zeigte die Parallelen des 1949 verabschiedeten Grundgesetzes mit der Paulskirchen-Verfassung von 1849 auf. Deutschland sei, betonte er, „aufgrund seiner Verfassung in einer guten Verfassung“.

Für die mit organisierenden Hirschhorner Altstadtfreunde gab’s 500 Euro vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, überreicht von Meister an den Vorsitzenden Reiner Lange. Sie hatten gemeinsam mit der Stadt sowie dem Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum im Gedenken an den im vergangenen Jahr verstorbenen Hirschhorner Stadthistoriker Ulrich Spiegelberg das Projekt zu Ende geführt.

Von den Hanauer Turnern waren Archivar Dietrich Arlt und Präsident Rüdiger Arlt vor Ort. Letzterer ließ die Geschichte des 1837 gegründeten „altrechtlichen Vereins“ (a.V.) humorvoll Revue passieren. Neben Christian Lautenschläger war August Schärttner einer der Gründer. Der, so Arlt, „war kein Sportler, sondern Revoluzzer“. Es wird kolportiert, dass Schärttner sogar seinem Weggefährten Karl Marx zu radikal war.

Als Anfang Juni 1849 der Hilferuf von den badischen Freunden kam, zogen in Hanau 300 Kampfeswillige los. Arlt ging auch auf den Pechvogel Wedekind, einen Goldschmied, ein. Er war der zweite Turner, der damals außerhalb des Schlachtfeldes fiel. Nach der Kapitulation flohen viele Hanauer über die Schweizer Grenze. Wer blieb, kam lange Jahre ins Zuchthaus. Auch Arlt fand mahnende Worte: „Viele von denen, die er heute aufwachsen, wissen es nicht mehr wertzuschätzen, wie gut es uns geht.“ Die damalige Aktion bezeichnete er als Grundstein der Demokratie.

Volker Buser würdigte als Vertreter von Landrat Christian Engelhardt das Wirken Spiegelbergs für die Stadt. Die Wiedereinweihung bezeichnete er als großem Moment für Hirschhorn und den Kreis. Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebes Bau und Immobilien, ging kurz auf die laufenden Maßnahmen rund ums und im Schloss ein, die zusammen etwa drei Millionen Euro kosten. Auch in heutigen Zeit, bedauerte er, „wird so mancher von hinten erschossen“. Dieses Mal durch die sozialen Medien: durch solche, von denen es man nicht vermute.

Pfarrer Joshy und sein evangelischer Amtskollege Reinhold Hoffmann sprachen den Segen. Hoffmann hatte ebenfalls mahnende Worte parat. Er wies, auch wenn es vielleicht komisch klinge, auf das Misstrauen als Grundbestandteil der Demokratie hin. Angesichts vieler „Fake News“ der heutigen Zeit forderte er dazu auf, immer zu hinterfragen und nichts als gegeben hinzunehmen. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler. Archivar Dr. Rüdiger Lenz sprach später zum Thema „Badische Revolution 1848/1849 und Auswirkungen bis in die heutige Zeit“.

 

 

Die Badische Revolution rund um Hirschhorn

Längs der Neckar-Odenwald-Linie war eine Verteidigungsstellung gegen die heranrückenden Preußen und Bundestruppen aufgebaut worden. Die Hanauer Turnerwehr, verstärkt durch Heilbronner Turner, war dem Hilferuf der badischen Revolutionäre gefolgt. Das strategisch wichtige Hirschhorn wurde am 13. Juni 1849 besetzt. Der „Traum von der Freiheit“ und einem Deutschen Staat scheiterte später an den deutschen Fürsten.

Am Abend des 15. Juni kam es zum Gefecht zwischen mit den von Beerfelden herangerückten Bundestruppen – kurhessische Infanterie und bayerische Jäger, verstärkt durch zwei mecklenburgische Geschütze, insgesamt etwa 2000 Mann. Nach einem Vorpostengefecht mit Kanonenbeschuss an der Schneidmühle erfolgte der Angriff auf die Burg, in der sich die Hanauer verschanzt hatten.

Hilfe wurde den Turnern zuteil durch Freischärler, die von Heddesbach aus herangerückt waren und die Bundestruppen im Rücken angriffen. Nach erfolglosem Sturm auf die Burg entschloss sich Oberst Weiss als Kommandeur der hessisch-bayerischen Truppen zum Rückzug, da er seine Stellung ungeschützt vorfand und umfangreiche Verbände von Freischärlern in der näheren Umgebung vermutete. Die Hanauer Turner wiederum verließen Hirschhorn am Morgen des 16. Juni und zogen sich ins benachbarte Eberbach zurück.

Das Gefecht von Hirschhorn blieb im Rahmen der Revolutionsereignisse eine Episode. Als Achtungserfolg fand es jedoch große Beachtung. 20 Jahre später bekam Wedekind von seinen ehemaligen Kampfgefährten im Rahmen einer Gedenkfeier einen Grabstein gesetzt. Die Gedenkrede hielt der Hanauer Wilhelm Kämmerer als einer derjenigen, die in Hirschhorn gekämpft hatten. Er war erst 1860 wieder aus der Haft freigekommen.