Bei Dekodur geht es weiter: Rolf van den Berg und der ehemalige Arbeitsagentur-Chef Weise übernehmen

Eine gute Nachricht für die kleine hessische Neckarstadt: Beim Schichtstoffplattenhersteller „Dekodur“ geht es weiter. Der Hirschhorner Privatinvestor Rolf van den Berg und die Sagacious Beteiligungs GmbH mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Frank Jürgen Weise (früher Chef der Arbeitsagentur) übernehmen die wesentlichen Vermögenswerte der insolventen Firma. Sie führen den Geschäftsbetrieb mit allen etwa 65 Beschäftigten in der neu gegründeten DI Dekodur International fort. Rolf van den Berg hält 70 und Sagacious 30 Prozent an der neuen Gesellschaft.

Einen entsprechenden Kaufvertrag unterzeichnete jetzt Rechtsanwalt Henrik Schmoll, Partner der Sozietät Wellensiek und Insolvenzverwalter von Dekodur, mit den Verantwortlichen. Das Hirschhorner Traditionsunternehmen, einer der größeren Arbeitgeber in der Stadt, mit einer über 170-jährigen Geschichte hatte im vergangenen Dezember Insolvenzantrag gestellt. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

„Wir haben mit den beiden Gesellschaftern Investoren gefunden, die dem Unternehmen und den Beschäftigten von Dekodur gute Perspektiven für die Zukunft bieten“, sagt Schmoll. Er leitete kurz nach Insolvenzantragstellung einen geordneten Investorenprozess ein. Für ihn war es eine wesentliche Erfolgsvoraussetzung, dass Beschäftigte, Kunden, Lieferanten sowie die Mitglieder des Gläubigerausschusses und die Verantwortlichen der Sparkasse Neckartal-Odenwald die Betriebsfortführung sowie die erfolgreiche Übertragung eng und äußerst konstruktiv begleiteten.

„Wir sind von den Marktpotenzialen der Dekodur überzeugt und werden das Unternehmen nachhaltig weiterentwickeln“, teilt der neue geschäftsführende DI-Gesellschafter, Rolf van den Berg, mit. „Wir wollen dabei vor allem die vertrieblichen Aktivitäten weltweit stärken sowie die Produktion effektiver gestalten“, kündigte er zwei wesentliche Maßnahmen an. Dekodur sei ein herausragendes Unternehmen mit einer starken Marke, überzeugenden, innovativen Produkten und engagierten Mitarbeitern.

„Ich konnte nicht zuschauen, dass es die Firma vielleicht nicht mehr geben würde“, begründet van den Berg sein Engagement. „Ich habe mich für Hirschhorn in der Pflicht gesehen etwas zu tun, bevor ein Traditionsunternehmen untergeht“, betont er. „Wenn ich helfen kann, mache ich es gern.“ Er verweist auf die „weltweit geschätzte und bekannte Marke“ Dekodur, die einen sehr guten Ruf genieße. Deshalb ist er auch vom Erfolg der neuen Gesellschaft überzeugt.

Mit Weise arbeitete der Investor schon von 1996 bis 2003 beim Meto-Spinoff, der gemeinsamen Gesellschaft „Microlog Logistics“, zusammen. Weise war dann 2004 bis 2017 Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit. Er ist aktuell Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung und ehrenamtlicher Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Der Investor van den Berg engagierte sich in den vergangenen Jahren vielfach für seine Wahlheimat. Ab 2010 erweckte er viele Hirschhorner Objekte aus ihrem Dornröschenschlaf, hauchte der der Hauptstraße durchs Kartoffelhaus neues Leben ein, machte das Rathaus mit dem Café wieder salonfähig und schuf mit dem Steakrestaurant Debo 800 einen Hingucker an der Neckarpromenade. Fünf Millionen Euro investierte er in Gastronomie- und Wohnimmobilien.

Ein Stadtbild prägendes Fachwerkhaus in der Hauptstraße 24 ließ van den Berg mit viel Liebe zum Detail wieder herrichten. In der alten Brauerei gegenüber dem Bahnhof entstanden zusammen mit einem Neubau Eigentumswohnungen. Der Investor brachte sich auch mit weiteren, Tourismus steigernden Projekten in Hirschhorn ein: etwa die Eislaufbahn im Winter 2011/12, das viel beachtete Lightseeing-Projekt 2013/2014 oder die Geo-Spiele, eine Art virtuelle Schatzsuche in der Hirschhorner Altstadt. Ab dem Spätjahr 2016 zog er sich peu à peu zurück, nachdem es anonyme Drohungen gegeben hatte.

Die Dekodur entstand 1959 aus einem bereits seit 1846 existierenden Säge- und Furnierwerk in Hirschhorn am Neckar. Dekodur ist ein sehr innovatives Unternehmen, das sich mit der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von dekorativen HPL-Schichtstoffplatten befasst. Die Platten aus unterschiedlichsten Materialien werden sowohl in privaten Wohnräumen, etwa in Küchen, als auch im gewerblichen Bereich zur Oberflächengestaltung eingesetzt. Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von rund zwölf Millionen Euro.

Werbeanzeigen

Roberto Tardito macht Station in Hirschhorn

Es wird langsam zur Tradition: Roberto Tardito wird auch auf seiner diesjährigen Europatournee am Samstag, 4. Mai, 20 Uhr, Station bei der Kunstpflege Hirschhorn machen. Durch seine inzwischen 9 CDs und Liveauftritte in Europa und den USA ist der italienische „Cantautore“ mittlerweile international bekannt. Der Begriff „Cantautore“ entspricht dem deutschen „Liedermacher“, klingt aber natürlich wesentlich besser.

Tardito ist ein Poet, der sehr wohl auch gesellschaftskritisch werden kann. Sein Vortragsstil ist natürlich nicht nur sehr musikalisch, sondern auch gefühlsbetont – singt er doch über Themen, die ihn bewegen. Seine leicht raue Stimme (in Kritiken taucht immer wieder der Vergleich mit Paolo Conte auf) sorgt dabei für besondere Intensität.

Der Singer-Songwriter Tardito lebt seine manchmal poetischen, manchmal aber auch gesellschaftskritischen Songs. Nur mit seiner akustischen Gitarre, teilweise auch sich selbst auf der Mundharmonika begleitend – siehe Bob Dylan, mit dem er oft verglichen wird -, philosophiert er über den Sinn des Lebens, die vielen Verbote im täglichen Einerlei, das fehlende Engagement in der Gesellschaft. Eben die klassischen Liedermacher-Themen, die man dem völlig in seine Musik vertieften Italiener sofort abnimmt. Wie im vergangenen Jahr gibt es fürs Publikum wieder eine Übersetzung seiner Text vor dem jeweiligen Lied.

„Se fossi Dylan“, „Wenn ich Dylan wäre“, heißt eine CD von Roberto Tardito. Und wirklich lassen sich einige Parallelen zwischen dem italienischen „Cantautore“, wie die Liedermacher im Süden genannt werden, und dem amerikanischen Nobelpreisträger finden. Allerdings ist das Italienisch des aus dem Piemont stammenden Tardito eindeutig besser verständlich als das Genuschel des US-Poeten Bob Dylan.

Über den Kortelshütter Musiker Heiko Plank kam der Kontakt Tarditos zur Kunstpflege Hirschhorn zustande. Auf deren Einladung spielt der sympathische 35-Jährige jetzt eines seiner wenigen Deutschland-Konzerte. Seine raue und sehr einfühlsame Stimme liegt irgendwo zwischen Angelo Branduardi und Paolo Conte. Er ist in seiner Musik immer auf der Suche nach Berührungspunkten zwischen den Kulturen und den verschiedenen musikalischen Traditionen.

Tardito singt Balladen und Revolutionslieder, aber auch populäre Songs aus der ganzen Welt. Seine Texte sind voller Reife und Aussagekraft, wie sie in der Tradition eines Hannes Wader, Reinhard Mey oder Konstantin Wecker zu finden sind.

Man darf sich am Samstag, 4. Mai, um 20 Uhr wieder auf ein besonderes Erlebnis freuen. Der Auftritt findet im Atelier von Enno Folkerts in der alten Pappenfabrik in Hirschhorn-Langenthal, Waldmichelbacher Straße 2, statt. Der Eintritt ist frei, jedoch wird um eine Spende für die Gage des Künstlers gebeten.

Neues Kapitel beim Langbein-Freundeskreis aufgeschlagen

Der Freundeskreis Langbein’sche Sammlung hat einen neuen Vorstand. Die bisherige zweite Vorsitzende Aloisia Sauer trat die Nachfolge des im vergangenen Jahr verstorbenen Ulrich Spiegelberg an. Sie erinnerte auf der Jahreshauptversammlung daran, dass es das Museum ohne Spiegelberg in dieser Form gar nicht gäbe. Er habe mit enormer Schaffenskraft ein immenses historisches Erbe hinterlassen, darunter eine beeindruckende Bibliothek und Bücher, die er als Autor verfasste. „Mit seinen Werken begleitet und lenkt er unsere Arbeit auch in Zukunft“, betonte Sauer.

Das Museum hat ihren Worten zufolge innerhalb der hessischen Museumslandschaft eine herausragende Position mit hoher Reputation. Die gelte es jetzt auch öffentlichkeitswirksam umzusetzen. „Der akute Schwund an Geschäften und damit Lebendigkeit im Ortskern von Hirschhorn hat unmittelbaren Einfluss auf den Tourismus“, sagte sie. Das Museum als eine der wenigen Sehenswürdigkeiten im Stadtkern übernehme eine wichtige Aufgabe, „der wir uns im Vorstand jetzt gemeinsam stellen“.

Zum einen geschieht das mit Veranstaltungen, die auch stärker mit dem Alltag der Einwohner verwoben sind. Dazu zählt beispielsweise der Expertenvortrag am 30. März über das Miteinander von Mensch und Wolf. Hans Jürgen Waibel gab dazu einige Detailinformationen. Er verwies auch auf weitere geplante Veranstaltungen wie etwa den Internationalen Tag des Museums am 19. Mai und die „Nacht der offenen Museen“ im September.

Derzeit laufen auch noch Gespräche mit der hessischen Burgen- und Schlösser-Verwaltung über eine Präsentation zum aktuellen Stand der Sanierung von Burg Hirschhorn. „Es ist ein Thema, das uns alle interessiert und als Bürger auch viel angeht“, so der Tenor. Der Verein möchte erreichen, dass die Hirschhorner über die Entwicklung auf dem Laufenden gehalten werden.

In ihrem Rückblick erwähnte Aloisia Sauer Eckpunkte wie die Neugestaltung des Dioramas nach einem Wasserschaden. Auch ging sie auf die neue Webseite ein, die das Museum in einem neuen Look nach außen repräsentiert (www.museum-hirschhorn.de). Das Haus lebt von interessanten Sachspenden und davon gab es 2018 reichlich: Steinmetzwerkzeug, Bücher aus der ehemaligen Gefängnisbibliothek, schöne Gemälde mit ungewöhnlichen Hirschhorn-Ansichten, historische Bierflaschen der Brauerei Jäger und vieles mehr.

Ein großer Dank des Vorstands galt Roswita Rossmann, die in den vergangenen zwölf Jahren den Adventskaffee in allen Details organisierte. Dr. Wolfgang Schuler wurde für seine akribische Arbeit an der bisherigen Webseite des Museums gedankt. Ohne ihn wäre dieses Fenster ins weltweite Netz in den vergangenen Jahren verschlossen gewesen. Bernd Meschede und sein Sohn Joachim gestalteten das Diorama mit dem im Museum vorherrschenden historischen Wandmuster neu. Sandra Fink investierte viel Zeit in die aufwändige Reinigung der Vitrinen.

„Es ist das Miteinander, das uns voranbringt“, zeigte sich der Vorstand des Freundeskreises Langbein’sche Sammlung zuversichtlich. Neue zweite Vorsitzende ist Dr. Irmtrud Wagner, Schriftführerin Petra Flachs, Schatzmeister Hans Jürgen Waibel, Kassenprüfer Ilona Dörr und Rainer Mathes, Beisitzer Wilfried Geyer, Dr. Arnt Heilmann, Roswita Rossmann, Elke Timmermann und Andrea Weber. Mit dem neuen Vorstand habe der Freundeskreis ein neues Kapitel aufgeschlagen. „Es gibt viel zu tun“, betonte Aloisia Sauer in ihrem Ausblick.

Vortrag in Hirschhorn: Über die Nachbarschaft von Wolf und Mensch

Über Wölfe wird derzeit viel diskutiert. Überall dort, wo sie auftauchen, lösen sie Emotionen und Diskussionen aus – und Verunsicherung. Denn die heutigen Menschen haben längst vergessen, wie es ist, mit Wölfen einen Lebensraum zu teilen. Der letzte Wolf im Odenwald wurde vor mehr als 150 Jahren erschossen. Daher begegnet man dem neuen Nachbarn mit gemischten Gefühlen, mit Angst, Freude und Neugier.

Ende 2017 gab es in der Region bereits mehrere Wolfssichtungen. Einmal wurde ein Tier in Wald-Michelbach im September gesichtet. In Mossautal und Kailbach wurden im November 2017 einige Schafe und eine Ziege gerissen. Erst vor ein paar Wochen wurde ein Wolf bei Neckargerach gesehen, der kurze Zeit darauf bei Öhringen auf der Autobahn überfahren wurde.

Was bedeutet die Rückkehr der Wölfe? Wie kann sich eine solche Nachbarschaft gestalten? Welche Erfahrungen haben Menschen mit Wölfen bereits gemacht? Diese und mehr Fragen beantwortet der Kulturgeograph Sebastian Ehret in seinem Vortrag „Wie können wir mit Wölfen zusammenleben?“. Er hält diesen am Samstag, 30. März um 19 Uhr im Langbein-Museum Hirschhorn.

Sebastian Ehret ist ein Experte in diesem Thema. Im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität Kiel forschte er über das Zusammenleben von Menschen und Wölfen. Er besuchte die Wolfsgebiete der Lausitz und sammelte Einblicke in die verschiedenen Positionen und Erfahrungen von Menschen, die seit fast 20 Jahren mit, gegen oder einfach neben dem Wolf leben.

Im Rahmen eines lebendigen Vortrags wird er im Langbein-Museum über seine Forschungsarbeiten berichten und schildern, wie es sich mit unserem neuen Nachbarn auskommen lässt. Ehret stellt sich im Anschluss den Fragen aus dem Publikum. Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen.

 

Evangelische Kirchengemeinden in der „Südkurve“ arbeiten zusammen

Die Kirchengemeinden müssen mit der Zeit gehen, sonst gehen sie mit der Zeit. Auf diesen Nenner lassen sich die Bestrebungen der Protestanten von Rothenberg, Hirschhorn, Neckarsteinach und Darsberg seit nunmehr 20 Jahren bringen. Die drei Pfarrer und Kirchenvorstände arbeiten immer intensiver zusammen, um das Feld für die Zukunft zu bestellen. Denn mittelfristig dürften nur noch zwei statt bisher drei Geistliche die „Südkurve“ mit ihren derzeit 3300 evangelischen Gläubigen (Tendenz abnehmend) betreuen, erläutert Rothenbergs Pfarrer Reinhold Hoffmann.

Die drei Gemeinden sind in Sachen seelsorgerischer Betreuung „überbesetzt“, erklärt er. Im Schnitt werden pro Pfarrer 1500 Schäfchen kalkuliert, weiß Hoffmann. Da der Rothenberger Gottesmann bereits Anfang 60 ist und sein Hirschhorner Kollege Jörg Awischus stramm auf dieses Alter zugeht (Norbert Feick aus Neckarsteinach ist der jüngste im Bunde), ist absehbar, wann der erste in Rente gehen wird. Er macht aber auch klar, „dass derzeit nicht gekürzt wird“.

Das Trio treibt seit zwei Jahrzehnten die Zusammenarbeit auf verschiedenen Feldern voran. „Besser jetzt agieren, wenn wir es in Ruhe tun können, als später unter Druck zu reagieren“, betont Hoffmann. Den Geistlichen geht es darum, ihre Pfarrgemeinden für potenzielle Nachfolger attraktiv zu gestalten. In ein paar Jahren, blickt er voraus, „werden jedes Jahr 100 Pfarrer in den Ruhestand gehen und nur 30 kommen nach“. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass 70 Pfarrhäuser leer stehen werden.

„Es ist nicht einfach, junge Pfarrer aufs Land zu locken“, sagt der Rothenberger. Dazu müssen schon die Rahmenbedingungen passen. „Wir schätzen unsere liebenswerten Gemeinden“, betont er, „und wollen, dass sie weiterhin gut versorgt sind“. Hoffmann bezeichnet dies „als den eigentlichen Motor fürs Zusammenwirken“.

Start der Kooperation war vor 20 Jahren mit der Urlaubsvertretung in den südlichsten hessischen Ecken von Odenwaldkreis und Bergstraße. Es folgte der „Kanzeltausch“ an hohen Feiertagen. „Weil es so gut funktionierte“, wurde vor ein paar Jahren das Projekt Sommerkirche ins Leben gerufen. „Einer für alle“ heißt es dann an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen, sodass die Kollegen zwei Wochenenden frei haben.

Darauf aufbauend folgte laut Hoffmann der „Nachbarschaftsgottesdienst“. Dieser läuft übers ganze Jahr. Hierbei hält ein Pfarrer an einem Sonntag alle Gottesdienste in den drei Orten, sodass die anderen beiden ein Wochenende im Monat frei haben. Das hat den Vorteil, „dass jeder von uns in den Kirchengemeinden bekannt ist“, hebt er hervor. Das sei gerade bei Beerdigungen von Vorteil.

Als neuste Entwicklung findet jetzt im zweiten Jahr der Konfirmations-Unterricht teilweise gemeinsam statt. Der demographische Wandel beförderte diese Entwicklung. Waren es früher 20, sind es in diesem Jahr gerade noch acht Rothenberger Konfirmanden. In Hirschhorn sogar nur noch fünf. So wenige werden es den Prognosen nach auch bald in der Odenwald-Gemeinde sein.

Für den Rothenberger Pfarrer bringt das auch ganz praktische Vorteile mit sich. Im Zusammenwirken mit den anderen „macht der Unterricht noch mehr Spaß“, sagt Hoffmann. „Das hat mehr Drive gegeben.“ Er empfindet es „als großen Gewinn für die Jugendlichen“, dass sie drei Ansprechpartner haben.

„Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, muss sich alles ändern“: So prophetisch hieß es bereits Giuseppe Tomasi di Lampedusas „Leopard“. Für die Kirchengemeinden gilt Ähnliches: Bei der Gestaltung der Zukunft werden die eigenen Möglichkeiten genutzt. Eine Fusion soll es nicht geben, beruhigt Hoffmann. Denn man weiß um die Unterschiede in Tradition und Geschichte. Jedoch wird das Büro für alle drei Kirchengemeinden in Hirschhorn konzentriert. Die Kirchen selbst „sind nicht aufgebbar“, macht er klar. Aber bei den anderen der insgesamt elf kirchlichen Gebäude in den drei Kommunen „muss man schauen, welche man braucht“.

Die unterschiedlichen Kompetenzen der drei Kirchengemeinden sind in der Region verteilt. Kinder, Jugend- und Familienarbeit sind eher in Neckarsteinach angesiedelt, Besuchsdienst, Kontemplation und Lesungen in Hirschhorn, Hospizarbeit in Rothenberg, Kirchenmusik in Neckarsteinach und Rothenberg. „Das hat keinen Sinn, wenn jeder alles einzeln machen wollte“, sagt Pfarrer Hoffmann,

Hirschhorn Mal wieder von den Neckarfluten getroffen

Hirschhorn dieses Mal nicht am Neckar, sondern im Neckar. Die starken Regenfälle der vergangenen Tage ließen den Fluss auch im hessischen Neckartal kräftig anschwellen. In Hirschhorn wurde die Uferstraße samt den angrenzenden Altstadtgassen einmal wieder überschwemmt. Das zweijährliche Hochwasser sollte aber laut Vorhersagen bereits heute Nachmittag seinen Scheitelpunkt am maßgeblichen Pegel Gundelsheim erreicht haben. Somit ist für morgen bereits wieder mit einem Abflauen der Fluten zu rechnen. Für die Anwohner im hessischen Neckartal ist ein solches Hochwasser allerdings business as usual. Sie sind bei weiterem Schlimmeres gewöhnt. Zuletzt vor zweieinhalb Jahren gab es ein 20-jährliches hochwasser, das etliche Keller in den Altstadthäusern unter Wasser setzte. Somit sind es nicht die braunen Fluten, die am meisten Sorgen machen, sondern die unappetitlichen Hinterlassenschaften, die der Bauhof nach jedem neuen Hochwasser wieder von den Straßen kratzen muss. Wie auch im benachbarten Neckarsteinach, wo der Neckarlauer unter Wasser stand.

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=2090977487657650&id=430825950339487

Evangelischer Kindergarten in Neckarsteinach brannte – keine Verletzten

Der evangelische Kindergarten war nicht mehr zu retten. Das einstöckige Gebäude im Rosenweg brannte in der Nacht zum Donnerstag nieder. Verletzte gab es keine. Über 100 Feuerwehrleute aus der gesamten Umgebung waren im Einsatz, die jedoch den Brandherd in einer Zwischendecke nicht richtig erreichen konnten. Deshalb wurde von den Verantwortlichen beschlossen, die „Schatzinsel“ kontrolliert abbrennen zu lassen. Der Schaden dürfte in den siebenstelligen Bereich gehen. Genaue Angaben – auch zur Brandursache – gab es allerdings noch nicht.

Wie Bürgermeister Herold Pfeifer sagte, wurde der Brand von einem vorbeilaufenden jungen Mann bemerkt, der sofort an einem Haus klingelte. Dessen Besitzer riefen dann die 112. Pfeifer, gerade bei einer Vorstandssitzung des Bürger- und Heimatvereins, eilte an den Brandort. Dort trafen dann nach und nach die Feuerwehren aus Neckarsteinach und den Stadtteilen, Hirschhorn, Schönau und Neckargemünd sowie der Messtrupp aus Wald-Michelbach ein. Die Eberbacher Brandschützer lösten gegen Morgen die Hirschhorner ab und überwachten das kontrollierte Abbrennen. Pfeifer lobte die „tolle Zusammenarbeit aller Wehren“.

Der Brand brach laut dem Bürgermeister gegen 19.30 Uhr in der Deckenkonstruktion zwischen Zimmerdecke und Dachhaut aus. „Das war nicht zu löschen“, sagte er. Pfeifer, Kreisbrandmeister Sven Falter, der stellvertretende Kreisbrandinspektor Werner Trares und Clemens Englmeier von der Brandschutzaufsicht des Regierungspräsidiums Darmstadt entschieden sich dann zusammen mit den Feuerwehr-Leitungen für ein kontrolliertes Abbrennen. „Zum Glück war es windstill und es gibt keine Häuser in der Nähe“, so Pfeifer.

Er betonte, dass die Abwägung aller Möglichkeiten ergab, dass Personal-, Material- und Wassereinsatz keine Wirkung gehabt hätten. Denn: „Das Wasser hätte den Brandherd nicht erreicht. Wir konnten das Gebäude nicht retten.“ Selbst jetzt seien noch Glutnester drin, sagte der Bürgermeister. Pfeifer hob hervor, dass bei einem Feuerausbruch im laufenden Kindergartenbetrieb genug Zeit gewesen wäre, alle Personen zu retten.

Die 42 Jahre alte Kindertagesstätte wurde in Holzständerbauweise errichtet. Sie wurde vor einigen Jahren saniert und brandschutzrechtlich auf den neusten Stand gebracht. Auch heutzutage würden Gebäude noch auf diese Weise errichtet. Baurechtlich sei alles in Ordnung, so der Rathauschef. Die Suche nach der Brandursache wurde von der Kripo übernommen.

Übergangsweise sind die 55 Kinder der dreigruppigen Einrichtung für zwei Tage im Martin-Luther-Haus untergebracht. Aktuell werden in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde alternative Standorte für die kommende Woche, erst einmal bis zu den Weihnachtsferien, gesucht. Pfeifer zeigte sich optimistisch, schnell sagen zu können, wie es weitergeht. „Wir sind dabei, eine Lösung für Eltern und Kinder zu finden“, betonte er.

Es gibt derzeit eine große Welle der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Wer etwas spenden möchte, solle sich unter E-Mail ev.kita.nst@gmail.com an die Kita-Leitung wenden, bat er. „Wir müssen das kanalisieren“, sagte der Bürgermeister. „Eine Garage ist schon voll.“ Am ehesten sei der Kirchengemeinde wahrscheinlich mit Geldspenden gedient, um Neues anschaffen zu können. Neben dem materiellen Schaden ist auch der ideelle kaum bezifferbar. Spielzeuge, Kuscheltiere oder gerade gebastelte Weihnachtsgeschenke verbrannten.

Info: Am Sonntag, 16. Dezember, findet um 10.30 Uhr ein Dankgottesdienst in der evangelischen Kirche Neckarsteinach statt, der auch der Aufarbeitung des Geschehenen dient. Zu ihm sind neben Eltern, Kindern und Angehörigen und auch Rettungskräfte eingeladen.