Der restaurierte Wedekindstein erinnert an die Badische Revolution 1848/49

Die hessische Neckarstadt spielte eine bedeutende Rolle in der Badischen Revolution. Eines der letzten Kapitel der Ereignisse 1848/49 wurde in Hirschhorn geschrieben. Hanauer Turner und Bundestruppen lieferten sich rund ums Schloss Mitte Juni 1849 ein Gefecht. Unglücksrabe war Ludwig Wedekind: Der fiel „Friendly Fire“ zum Opfer, nachdem er wohl nicht schnell genug das Passwort wusste und von den eigenen Leuten erschossen wurde. Ihm zu Ehren wurde 1869 ein Gedenkstein errichtet, den man jetzt, 150 Jahre später, frisch restauriert einweihte.

Mit diesem „Wedekindstein“, am Aufgang vom Kloster kommend aufgestellt, hat es eine ganz besondere Bewandtnis. Er stellt neben dem Hambacher Schloss das einzige bauliche Denkmal zur Erinnerung an die Badische Revolution dar. Entsprechend prominent besetzt war die Riege der Laudatoren, allen voran der CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Michael Meister. Begrüßt und ins Thema eingeführt hatte Bürgermeister Oliver Berthold.

Es war an diesem Nachmittag viel von Freiheit und der wehrhaften Demokratie die Rede, „die man sich jeden Tag neu erarbeiten muss“ (Meister). Heutzutage müsse man wieder lernen, dass beides nicht auf ewig gesichert sei, sagte er mit Blick auf aufflammende braune Umtriebe. Der MdB zeigte die Parallelen des 1949 verabschiedeten Grundgesetzes mit der Paulskirchen-Verfassung von 1849 auf. Deutschland sei, betonte er, „aufgrund seiner Verfassung in einer guten Verfassung“.

Für die mit organisierenden Hirschhorner Altstadtfreunde gab’s 500 Euro vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, überreicht von Meister an den Vorsitzenden Reiner Lange. Sie hatten gemeinsam mit der Stadt sowie dem Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum im Gedenken an den im vergangenen Jahr verstorbenen Hirschhorner Stadthistoriker Ulrich Spiegelberg das Projekt zu Ende geführt.

Von den Hanauer Turnern waren Archivar Dietrich Arlt und Präsident Rüdiger Arlt vor Ort. Letzterer ließ die Geschichte des 1837 gegründeten „altrechtlichen Vereins“ (a.V.) humorvoll Revue passieren. Neben Christian Lautenschläger war August Schärttner einer der Gründer. Der, so Arlt, „war kein Sportler, sondern Revoluzzer“. Es wird kolportiert, dass Schärttner sogar seinem Weggefährten Karl Marx zu radikal war.

Als Anfang Juni 1849 der Hilferuf von den badischen Freunden kam, zogen in Hanau 300 Kampfeswillige los. Arlt ging auch auf den Pechvogel Wedekind, einen Goldschmied, ein. Er war der zweite Turner, der damals außerhalb des Schlachtfeldes fiel. Nach der Kapitulation flohen viele Hanauer über die Schweizer Grenze. Wer blieb, kam lange Jahre ins Zuchthaus. Auch Arlt fand mahnende Worte: „Viele von denen, die er heute aufwachsen, wissen es nicht mehr wertzuschätzen, wie gut es uns geht.“ Die damalige Aktion bezeichnete er als Grundstein der Demokratie.

Volker Buser würdigte als Vertreter von Landrat Christian Engelhardt das Wirken Spiegelbergs für die Stadt. Die Wiedereinweihung bezeichnete er als großem Moment für Hirschhorn und den Kreis. Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebes Bau und Immobilien, ging kurz auf die laufenden Maßnahmen rund ums und im Schloss ein, die zusammen etwa drei Millionen Euro kosten. Auch in heutigen Zeit, bedauerte er, „wird so mancher von hinten erschossen“. Dieses Mal durch die sozialen Medien: durch solche, von denen es man nicht vermute.

Pfarrer Joshy und sein evangelischer Amtskollege Reinhold Hoffmann sprachen den Segen. Hoffmann hatte ebenfalls mahnende Worte parat. Er wies, auch wenn es vielleicht komisch klinge, auf das Misstrauen als Grundbestandteil der Demokratie hin. Angesichts vieler „Fake News“ der heutigen Zeit forderte er dazu auf, immer zu hinterfragen und nichts als gegeben hinzunehmen. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler. Archivar Dr. Rüdiger Lenz sprach später zum Thema „Badische Revolution 1848/1849 und Auswirkungen bis in die heutige Zeit“.

 

 

Die Badische Revolution rund um Hirschhorn

Längs der Neckar-Odenwald-Linie war eine Verteidigungsstellung gegen die heranrückenden Preußen und Bundestruppen aufgebaut worden. Die Hanauer Turnerwehr, verstärkt durch Heilbronner Turner, war dem Hilferuf der badischen Revolutionäre gefolgt. Das strategisch wichtige Hirschhorn wurde am 13. Juni 1849 besetzt. Der „Traum von der Freiheit“ und einem Deutschen Staat scheiterte später an den deutschen Fürsten.

Am Abend des 15. Juni kam es zum Gefecht zwischen mit den von Beerfelden herangerückten Bundestruppen – kurhessische Infanterie und bayerische Jäger, verstärkt durch zwei mecklenburgische Geschütze, insgesamt etwa 2000 Mann. Nach einem Vorpostengefecht mit Kanonenbeschuss an der Schneidmühle erfolgte der Angriff auf die Burg, in der sich die Hanauer verschanzt hatten.

Hilfe wurde den Turnern zuteil durch Freischärler, die von Heddesbach aus herangerückt waren und die Bundestruppen im Rücken angriffen. Nach erfolglosem Sturm auf die Burg entschloss sich Oberst Weiss als Kommandeur der hessisch-bayerischen Truppen zum Rückzug, da er seine Stellung ungeschützt vorfand und umfangreiche Verbände von Freischärlern in der näheren Umgebung vermutete. Die Hanauer Turner wiederum verließen Hirschhorn am Morgen des 16. Juni und zogen sich ins benachbarte Eberbach zurück.

Das Gefecht von Hirschhorn blieb im Rahmen der Revolutionsereignisse eine Episode. Als Achtungserfolg fand es jedoch große Beachtung. 20 Jahre später bekam Wedekind von seinen ehemaligen Kampfgefährten im Rahmen einer Gedenkfeier einen Grabstein gesetzt. Die Gedenkrede hielt der Hanauer Wilhelm Kämmerer als einer derjenigen, die in Hirschhorn gekämpft hatten. Er war erst 1860 wieder aus der Haft freigekommen.

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Auf der Jagd nach dem LTE-Mobilfunkempfang

Auf der Jagd nach dem LTE-Funkloch: Die Deutsche Telekom hat einen Wettbewerb gestartet, um diese mobilfunk- und internetfreien Zonen auszuspüren. In Oberzent dürfte sie damit reichlich fündig werden. Die LTE-Abdeckung in der Stadt ist „ziemlich durchwachsen“, formuliert es Fachmann Henning Gajek aus Rothenberg vorsichtig. Er arbeitet für teltarif.de, ein Verbrauchermagazin rund um Telekommunikation und Internet.

Vodafone (D2) funktioniert in Finkenbach, Falken-Gesäß oder Airlenbach absolut nicht, weiß der Experte. Mit Telekom (D1) ist es in Teilen von Beerfelden „auch kein Vergnügen“. LTE gibt es nur von der Telekom und nur in Rothenberg. Vodafone-Kunden müssten sich hoch auf den Berg beim Wasserreservoir stellen oder nach Kortelshütte und weiter Richtung Hirschhorn laufen, um Empfang zu haben. LTE von O2 gibt’s an einigen höheren Stellen in Rothenberg, weil der Sender irgendwo bei Ober-Abtsteinach steht.

Die Deutsche Telekom „verschenkt“ aktuell eine komplette LTE-Sendeanlage an 50 Gemeinden bundesweit, berichtet Gajek. Die müssen sich aber darum bewerben und einen verbindlichen Ratsbeschluss für einen Ausbau mitsamt einem ortsnahen oder ortsinternen Standort (Grundstück, Gebäude) für einen Sendemasten vorweisen. „Kommunen können durch die Aktion aktiver Partner in unserem Mobilfunkausbau werden“, wird Walter Goldenits, Telekom-Geschäftsführer Technik, zitiert.

Üblicherweise entscheidet die Telekom alleine, wo ein neuer (Telekom-)Standort entstehen soll. Da dabei aber marktwirtschaftliche und funktechnische Erwägungen im Vordergrund stehen, sind die dünn besiedelten Odenwald-Täler meistens außen vor. „Es gibt Kommunen, die bei dieser Betrachtung immer wieder durchs Raster fallen“, heißt es von Goldenits euphemistisch.

Mit der Aktion sollen Gajek zufolge zunächst 50 Gemeinden mit Funklöchern mit LTE-Netz versorgt werden. „Die Zahl der wirklichen Funklöcher dürfte weit darüber hinaus liegen“, meint er – und wird damit sicherlich auf Zustimmung bei den Ein-Balken-geplagten Odenwäldern stoßen, denen oftmals ein „E“ in der Internet-Anzeige lacht. Andere Länder sind in ihrer Pampa schon viel weiter. Gerade die nordischen und baltischen Staaten bieten LTW quasi flächendeckend.

Die Bewerbungsfrist der Aktion für die Kommunen läuft bis zum 30. November. „Wir sind am Ball“, entgegnet Ober-Bürgermeister Christian Kehrer, den Gajek mit der entsprechenden Info eindeckte. Der Antennen-Standort in den ausgewählten Gemeinden soll bis Ende 2020 in Betrieb gehen. Nach Angaben der Telekom dauert es derzeit in der Regel rund zwei Jahre, einen Mobilfunk-Standort in Betrieb zu nehmen. Bürger und Gemeindeverwaltungen können sich auf einer speziellen Telekom-Seite informieren.

Info: http://www.teltarif.de/netzausbau-funkloch-telekom-gemeinde/news/77688.html

Odenwald-Rotwild schmort im eigenen Saft

Das Odenwald-Rotwild „schmort im eigenen Saft“. So plastisch formulierte es Vorsitzender Dr. Andreas Wiese von der Vereinigung der Rotwildjäger im Odenwald nach dem Bericht von Prof. Gerald Reiner. Der Gießener Hochschuldozent hatte in der Igelsbacher Sängerhalle auf deren Einladung über die „genetische Diversität beim Rotwild in Hessen“ referiert. Seine Forderungen waren klar: Es muss sich was tun, sonst leidet über kurz oder lang fast jede Population unter „Inzestdepression“.

Wiese sagte in seiner Begrüßung, dass Material aus dem gesamten Odenwald-Bereich, also Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, untersucht worden sei. Analog des länderübergreifenden Gebiets kamen auch die Besucher zum Vortrag. Die genetische Vielfalt ist in der hiesigen Mittelgebirgslandschaft so stark bedroht wie sonst nirgendwo in Hessen, sagte Reiner. Weiter nördlich gibt es zumindest teilweise noch stärkere Wanderungsbewegungen.

„Das Rotwild-Management funktioniert nicht mehr“, brachte es der Referent auf den Punkt. Die Gründe sind für ihn naheliegend. Zersiedlung und Autobahnbau behindern die natürliche Wanderung der Tiere oder haben sie zum Stillstand gebracht. Die geschätzten 2000 Exemplare im Odenwald sind dafür das beste Beispiel. 90 Prozent von ihnen gehören zum sogenannten Genotyp 9, der in dieser Konzentration nur im Dreiländereck vorkommt.

Reiner ging auch auf eine mögliche Überpopulation ein, die mit Schälschäden in Verbindung gebracht wird. „Es sind zwar zu viele, aber die falschen“, betonte er. Auch warnte der Referent davor, den Verbiss mit der reinen Masse in Verbindung zu bringen. Diesen Anteil sah er nur bei 20 Prozent. 80 Prozent davon wertete Reiner als stressbedingt.

Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Durch immer weiter schwindende Lebensräume plus den Jagddruck gehen die Äsungsflächen zurück oder trauen sich die Tiere nicht mehr auf diese. Das Ergebnis: Es wird an den Bäumen rumgenagt. Reiner appellierte, „das Rotwild nicht nur als Schädling zu sehen“, sondern im Zuge der Biodiversität ihm den gleichen Rang wie Luchs oder Wolf zukommen zu lassen. Das größte Säugetier in Deutschland „gehört einfach dazu“, meinte er.

Um den Bestand wieder zukunftsfähig zu machen, Vitalität und Fruchtbarkeit zu erhöhen, Missbildungen zu vermeiden, plädierte er für Leitstrukturen. Dafür gehören für Reiner unter anderem die Schonung junger Rothirsche auf Wanderschaft, die Schaffung von Grünbrücken über Autobahnen („die nutzen auch anderen Tieren“) und die Vernetzung von Biotopen. Hier müssten auch die Leute an der Basis mitmachen, „die wissen, wo die Wildwechsel sind“.

Natürlich, betonte er, „ist das Rotwild nicht vom Aussterben bedroht“. Durch den Inzest in den verschiedenen Verbreitungsgebieten nehmen aber die Missbildungen zu. Die Gesundheit des Bestands ist in Gefahr. Er machte dies beim Odenwald an ein paar statistischen Zahlen fest. Von den 2000 Tieren „geben nur 116 ihre Gene an die nächste Population weiter“, erläuterte der Vortragende. Lediglich 34 Hirsche sind darunter.

Die Zahl 100 ist die magische Grenze. Wird sie unterschritten, ist die Gefahr groß, dass innerhalb von fünf Jahren ein Negativtrend einsetzt, der die Inzucht begünstigt. Der von Reiner genannte „Inzucht-Zuwachs“ liegt im Odenwald bei 0,45 Prozent, was einen Mittelwert im hessischen Vergleich bedeutet. Er machte aber auch deutlich, dass zehn Prozent der hier untersuchten Proben einen hohen Inzuchtgrad aufwiesen.

2000 Tiere sind eine ganze Menge, fasste Wiese zusammen. Bei eingeschränkter genetischer Vielfalt „nutzt das aber nichts“. Er erwähnte das Abschussgebot außerhalb des Rotwildgebiets, das Wanderungen unterbinde. Es gebe zwar Bestrebungen in Richtung einer Aufhebung, aber der „stehen Forst und Land entgegen“, beschrieb der Vorsitzende die Schwierigkeit. Da in Baden-Württemberg 2020 die Rotwildverordnung zur Überarbeitung ansteht, könnte es Ansatzpunkte geben. „Warum gilt der Wildwegeplan nicht auch fürs Rotwild?“, warf Reiner abschließend ein.

Da kommen selbst die Ritter ins Schwitzen

Da wird es dem Ritter warm unter seiner Rüstung: Der Samstag bringt beim 43. Hirschhorner Ritterfest Temperaturen von über 30 Grad, was selbst die tapferen Recken aus Tschechien von „Fictum“ schwitzen lässt. Aber die sind Profis: Beim 43. Hirschhorner Ritterfest schwingen sie beim Schaukampf trotz Hitze in voller Montur Schwerter, Schilder, Äxte und Lanzen. Mit ihren launigen Sprüchen und viel Witz sind sie die Lieblinge des Publikums.

Ob es damals, vor mehr als 600 Jahren, war, oder heutzutage: Schlechtes Wetter gibt es eigentlich nie, wenn die Ritter rufen. Am heißen Samstag ließen sich einige Besucher bis zum frischeren Abend Zeit um vorbeizuschauen. Aber dann umso länger. Der kühlere Sonntag beschert der Zeitreise ins Mittelalter dann wieder einen sehr starken Besuch, sodass Hirschhorn mit mehreren tausend Besuchern aus allen Nähten platzt. 90 teilnehmende Gruppen, Händler, Handwerker und Künstler zählt der Markt praktisch jedes Jahr.

Auf dem Rathausplatz findet die feierliche Eröffnung statt, zu der alle Beteiligten mit aufgelaufen waren. Präsident Klaus-Jürgen Ehret findet wohlgesetzte Worte für die „Edlen aus Politik, Adel und Klerus“, die es aufs Neue an den Neckar gezogen hat. Vor 1246 Jahren, 773, schenkten die Mönche die Siedlung in Ersheim dem Kloster Lorsch, was die erste urkundliche Erwähnung der Stadt bedeutete.

Marktvogt Dieter König verliest die diversen Marktregularien, an die sich jeder zu halten hat. „Wer frevelt und tut Sünden, dem will ich jetzt noch künden.“ Finanzhaie sind nicht gerne gesehen:  „Wer Wucher treibt, ein armer Wurm, sitzt fünf Tage im Pulverturm“, warnt er. Außerdem: „Wer sticht mit Messer, Dolch und Schwert, sitzt auf dem Pfahl, bis er bekehrt.“ Ins Programm führt der letzte Hirschorner Reitter, Friedrich, alias Hans-Jürgen Waibel ein

Ein Markenzeichen des Ritterfests ist immer das große Handwerkerdorf mit unzähligen Mitwirkenden, wo man das alte Brauchtum aus vergangenen Jahrhunderten live erleben kann. Dort lässt sich den zahlreichen Künstlern über die Schulter schauen und so manches über die alten Handwerke erfahren.

Etwa der Wippdrechsler Johannes Brenner, der seit 20 Jahren den weiten Weg von Meinerzhagen in Nordrhein-Westfalen an den Neckar auf sich nimmt. „Ich weiß, dass heute junge Frauen an meinen Stand kommen, an die ich mich noch erinnere, wie sie als kleine Mädels mit Opa die Wippdrechselbank bedient haben“, meint er verschmitzt.

An seinem Stand ist immer Betrieb. Die 1000 Jahre alte Möglichkeit, mit eigenen Händen aus einem knorrigen Stück Holz ein besonderes Andenken herzustellen, zieht heutzutage immer noch. Sogar Kinder können unter fachkundiger Anleitung auf Zugbank und Kinderdrechselbank selbst Hand und Fuß anlegen und sich ihr eigenes Hölzlein erarbeiten.

Der 52-jährige Silber- und Bronzeschmied Thomas Eisermann aus Ober-Olm findet es gut, „dass es hier so viel vorführendes Handwerk gibt“. Hirschhorn ist „ein sehr angenehmer Markt mit supernetten Veranstaltern, die sich um alles kümmern“. Nur knapp 20 Kilometer muss Frank Derikatz aus Wald-Michelbach an den Neckar zurücklegen. Der Lederer „macht wirklich alles selbst“, wie er betont: Gürtel, Taschen, Schnallen, Schließen und vieles mehr. Ein kleiner Abstecher in die aktuelle Politik inklusive.

Buchdrucker Dieter Steiner sieht aus wie Johannes Gutenberg. Er macht den „Job“ mit viel Herzblut. Ihm tut es in der Seele weh, dass er für seine Druckwerkstatt noch keinen Nachfolger gefunden hat. Seit 2002 steht der 79-Jährige auf den Mittelaltermärkten und will langsam mal an die Rente denken. Aber man lässt ihn nicht, schmunzelt er. Und so geht’s Jahr für Jahr weiter auf die historischen Veranstaltungen.

Ganz auf die Bedürfnisse der kleinen Prinzessinnen ist Hans Franzisko mit den Burgfräuleinkränzen eingestellt. Der 70-jährige Hirschhorner ist ein Urgestein der Szene, der als Rentner „endlich“ viel Zeit hat und das Heimspiel genießt. Gutgelaunt sitzt er am Stand und baut die Bogen für die kleinen Ritter zusammen.

Die Glasmalerei ist eine traditionelle handwerkliche Technik mit einer über tausendjährigen Geschichte. Demonstriert wird sie von Martina Mechler-Flachs aus Eberbach. Seit über zehn Jahren baut Drehleierbauer Fritz Hirsch Instrumente. Er hat sich ganz dem Holz gewidmet, dem die Töne des Mittelalters entlockt werden.

Die Liebe zum Bogenbau in der Familie Siebert begann mit Großvater Adolf, der bereits 1948 mit dem Handwerk in der damaligen Wagnerei begann. Martin und Petra Bauer stellen den Beruf des Flachsbauers und -webers dar. Sie zeigen die Entstehung des Leinenstoffes von der grünen Flachspflanze bis zum fertigen Stoff

Dabei als Künstler außerdem: Nikodemaus, Kampfhus, Fabian le Corbeau, Musica Canora und Irregang. Abends fand die große Feuershow mit „Chapeau Claque Rouge“ statt. Beim Tavernenspiel erlebten die Besucher noch einmal alle Akteure zusammen. Viel Applaus war den Akteuren für ihre Darbietung gewiss.

Info: Heute ist das Hirschhorner Ritterfest noch bis 20 Uhr geöffnet. http://www.hirschhorner-ritter.de

 

 

Bedeutendes Zeugnis deutscher Demokratiegeschichte: Übergabe des restaurierten Wedekindsteins in Hirschhorn am 8. September

Mit dem Wedekindstein am Hirschhorner Schloss hat es eine ganz besondere Bewandtnis. Er stellt neben dem Hambacher Schloss das einzige bauliche Denkmal zur Erinnerung an die Badische Revolution von 1848/49 dar. Dabei ist der Hintergrund seiner Errichtung 1869 eher tragisch: Ludwig Wedekind wurde 20 Jahre zuvor von den eigenen Leuten erschossen. Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 8. September, wird das restaurierte Zeitzeugnis ans Land Hessen als Eigentümer des Schlosses übergeben.

Die Restaurierung des Wedekindsteins war eines der Projekte, die der Hirschhorner Stadthistoriker Dr. Ulrich Spiegelberg unbedingt noch realisiert haben wollte. Leider verhinderte sein früher Tod im August vergangenen Jahres die Umsetzung dieses Projektes durch seine Federführung. Im Gedenken und als Verpflichtung sahen sich die Stadt Hirschhorn und die beiden Vereine Freunde der Hirschhorner Altstadt sowie Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum in der Verantwortung, das Projekt abzuschließen.

Zwar waren der eigentliche Termin und die damit verbundenen Jahrestage (170 Jahre Badische Revolution und dem Gefecht um Hirschhorn und 150 Jahre Errichtung des Gedenksteins durch die Hanauer Turnerwehr) im Juni, doch aus organisatorischen und zeitlichen Gründen war die Gedenkfeier zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Der „Tag des offenen Denkmals“ ist im Hirschhorner Veranstaltungskalender eine feste Größe und für die Feierstunde der geeignete Termin.

Denn: Eines der letzten Kapitel der Revolution 1848/49 wurde in Hirschhorn geschrieben. 1848 hatten die Deutschen Fürsten dem Volksbegehren nach einem einheitlichen deutschen Staat mit einer Verfassung nachgegeben und damit letztlich dem revolutionären Geist den Wind aus dem Segel genommen. Der „Traum von der Freiheit“ und einem Deutschen Staat war gescheitert.

So kam es zur Revolution in der Pfalz und in Baden. Dort wurde die Republik ausgerufen, die sich nun gegen den Deutschen Bund unter der Führung Preußens zu verteidigen hatte. Längs der Neckar-Odenwald-Linie war eine Verteidigungsstellung gegen die heranrückenden Preußen und Bundestruppen aufgebaut worden. Die Hanauer Turnerwehr, verstärkt durch Heilbronner Turner, war dem Hilferuf der badischen Revolutionäre gefolgt. Das strategisch wichtige Hirschhorn als Ort eines möglichen Neckarübergangs wurde am 13. Juni 1849 von der 1. Kompagnie, 142 Mann stark, besetzt.

Am Abend des 15. Juni kam es zum Gefecht zwischen mit den von Beerfelden herangerückten Bundestruppen – kurhessische Infanterie und bayerische Jäger, verstärkt durch zwei mecklenburgische Geschütze, insgesamt etwa 2000 Mann. Nach einem Vorpostengefecht mit Kanonenbeschuss an der Schneidmühle erfolgte der Angriff auf die Burg, in der sich die Hanauer verschanzt hatten. In diesen Wirren wurde irrtümlich Ludwig Wedekind von den eigenen Leuten erschossen. Heute würde man es „Friendly Fire“ nennen.

Hilfe wurde den Turnern zuteil durch Freischärler, die von Heddesbach aus herangerückt waren und die Bundestruppen im Rücken angriffen. Nach erfolglosem Sturm auf die Burg entschloss sich Oberst Weiss als Kommandeur der hessisch-bayerischen Truppen zum Rückzug, da er seine Stellung ungeschützt vorfand und umfangreiche Verbände von Freischärlern in der näheren Umgebung vermutete. Die Hanauer Turner wiederum verließen Hirschhorn am Morgen des 16. Juni und zogen sich ins benachbarte Eberbach zurück.

Das Gefecht von Hirschhorn blieb im Rahmen der Revolutionsereignisse eine Episode. Als Achtungserfolg fand es jedoch große Beachtung. 20 Jahre später bekam Wedekind von seinen ehemaligen Kampfgefährten im Rahmen einer Gedenkfeier einen Grabstein gesetzt. Die Gedenkrede hielt der Hanauer Wilhelm Kämmerer als einer derjenigen, die in Hirschhorn gekämpft hatten. Er war erst 1860 wieder aus der Haft freigekommen. Kämmerer erinnerte an die Kampftage, an die Zeit nach dem Scheitern der Revolution mit Jahren von Haft und Verbannung, und an die Gefährten, die in der Emigration gestorben waren.

Gestaltung und Ausmaß des Wedekind-Steines lassen erkennen, dass hier nicht nur an einen Grabstein und eine nachgeholte Beerdigungsfeier gedacht war. Der Ablauf der damaligen Gedenkfeier bestätigte auch deren politischen Charakter, mit dem die Teilnehmer durchaus eine Gefängnisstrafe riskierten.

So traten in Hirschhorn die Hanauer Turner auch 1869 zum zweiten Mal mutig für ihre freiheitlichen und demokratischen Ideale ein. Der Gedenkstein ist als ältestes Denkmal zur Badischen Revolution ein bedeutendes Zeugnis deutscher Demokratiegeschichte. Die Schlussworte von Kämmerer, „bleibt treu den Grundsätzen der Freiheit und Humanität“, sind heute noch genauso aktuell damals.

Programm am Tag des offenen Denkmals, 8. September:

11 Uhr: Burgführung, Treffpunkt im Schlosshof (Eintritt frei). Start der Bewirtung am Food-Truck durch Pepe und sein Team.

14 Uhr: Feierstunde mit symbolischer Übergabe des restaurierten Wedekindsteins und der Hinweistafel an das Land Hessen, begleitet durch den Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Michael Meister (CDU)

15.45/16.45 Uhr: Vortrag Archivar Dr. Rüdiger Lenz zum Thema „Badische Revolution 1848/1849 und Auswirkung bis in die heutige Zeit“ (Dauer etwa eine halbe Stunde im Seminarraum unterhalb der Schlossterrasse, Eintritt frei).

17.30 Uhr: Konzert der Katholischen Kirchenmusik Hirschhorn KKM im Schlosshof

 

15. Garten- und Pflanzenmarkt auf Schloss Zwingenberg am 7. und 8. September

Die Tore von Schloss Zwingenberg öffnen sich am 7. und 8. September, 10 bis 18 Uhr, nun schon zum 15. Mal für den Garten- und Pflanzenmarkt. Prinzessin Marianne und Prinz Ludwig von Baden laden die Besucher zu einer spätsommerlichen Landpartie für alle Sinne ein, um einen besonderen Tag mit der Familie oder guten Freunden zu verleben und die schönen Dinge des Lebens zu genießen.

Das historische Ambiente, das zauberhafte Flair der herrlichen Burganlage, das vielfältige Angebot prächtiger Blumen und Pflanzen, die bezaubernden Accessoires sowie das gärtnerische Fachwissen der Blumen- und Pflanzenspezialisten machen die Gartentage wieder zu einer Informations- und Verkaufsausstellung für Menschen mit grünem Daumen oder für solche, die es noch werden wollen.

Die eine oder andere schöne Pflanze für Haus und Garten, einen fachkundigen Tipp, charmante Accessoires wie Schmuck oder Hüte, Bürsten, Besen und Körbe nimmt jeder gerne mit nach Hause. Von den Besuchern Gekauftes wird mit dem Bringservice kostenlos vom Schloss bis zum Auto am Neckar oder Bahnhof transportiert.

In der wunderschönen Umgebung auf der Terrasse des Schlosses haben die Gäste nicht nur die Möglichkeit, den Blick über das Neckartal zu genießen, sie können auch die Seele baumeln lassen oder dort Hunger und Durst stillen. Um etwas von der Geschichte dieses Ortes zu erfahren, werden historische und Kinder-Erlebnisführungen angeboten.

Beim Ritterfest geht’s in Hirschhorn zurück ins Mittelalter

Die Neckarstadt steht am Samstag, 31. August, und Sonntag, 1. September, bereits zum 43. Mal ganz im Zeichen der Historie. Die Hirschhorner Ritter übernehmen das Regiment über die Stadt und laden zum Ritterfest ein. Zwei Tage lang heißt es rund um den Chateau-Landon- und Freien Platz am Rathaus „Hirschhorn lebt im Mittelalter“. Beginn ist an beiden Tagen um 11 Uhr. Das Fest startet auf dem Rathausvorplatz mit der offiziellen Markteröffnung durch die Hirschhorner Ritter und dem Böllerschuss.

Die bekannte Rittergruppe Fictum kommt auch 2019 gerne wieder an den Neckar. Die tapferen Recken aus Tschechien verstehen sich vortrefflich auf den Schaukampf in Rüstung mit historischen Waffen. Dabei außerdem: Nikodemaus, Kampfhus, Fabian le Corbeau, Fictum, Musica Canora und Irregang. Abends findet die große Feuershow mit „Chapeau Claque Rouge“ statt.

Die vier Musiker von Musica Canora haben mit ihren gotischen Dudelsäcken, Saiteninstrumenten, allerlei Pfeifen und Trommeln sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit der Mittelalterfans. Beim abendlichen Tavernenspiel mit feurigem Spektakel erleben die Besucher noch einmal alle Akteure zusammen. Die jeweiligen Auftrittszeiten und -orte sind im Ritterfestflyer und auf der Homepage ersichtlich.

Ein Markenzeichen des Ritterfests ist immer das riesige Handwerkerdorf mit unzähligen Mitwirkenden, wo man das alte Brauchtum aus vergangenen Jahrhunderten live erleben kann. Dort lässt sich den zahlreichen Künstlern über die Schulter schauen und so manches über die alten Handwerke erfahren. Zu bestaunen sind beispielsweise Bogenbauer, Scherenschleifer, Quacksalber, Brillenmacher, Papierschöpfer, historische Färberei und vieles mehr.

In der Buchdruckerei von meint man, Guttenberg und Kessler stehen persönlich in der Werkstatt, verkörpert von Dieter Steiner. Auch einen Fellgerber kann man bei der Ausübung seines Handwerks beobachten und die von ihm gefertigten Produkte wie Hausschuhe, Westen oder Felle direkt erwerben. Die Glasmalerei ist eine traditionelle handwerkliche Technik mit einer über tausendjährigen Geschichte. Demonstriert wird sie von Martina Mechler-Flachs aus Eberbach.

Ausschließlich mit alten originalgetreuen Werkzeugen wird in der Goldschmiedewerkstatt gearbeitet. Gelötet wird auf Holzkohlenglut mit Mundblasrohr. Ein Meister seines Handwerks ist der Korbflechter. Er bietet seine handgeflochtenen Körbe feil, zeigt ihre Entstehung und bringt den Kindern das Korbflechten bei.

Auch das von vielen vergessene alte archaische Handwerk des Mollenhauers wird dargestellt. Dieser Ausdruck bezeichnet den Beruf, bei dem hölzerne Sautröge komplett aus einem Pappel-Baumstamm gearbeitet werden. Klangvoll wird’s woanders: Seit über zehn Jahren baut Drehleierbauer Fritz Hirsch Instrumente. Er hat sich ganz dem Holz gewidmet, dem die Töne des Mittelalters entlockt werden.

Der Silber- und Bronzeschmied zeigt altes Handwerk mit Vorführungen. Man findet von ihm selbst gefertigte Armspangen, Gewandfibeln, Halsreife und Ringe sowie Amulette und Ohrhänger. Ein Wetterfahnenmacher berichtet über seine Arbeit und fertigt individuelle Einzelstücke von unvergänglichem Wert. Die Liebe zum Bogenbau in der Familie Siebert begann mit Großvater Adolf, der bereits 1948 mit dem Handwerk in der damaligen Wagnerei begann.

Martin und Petra Bauer stellen den Beruf des Flachsbauers und -webers dar. Sie zeigen die Entstehung des Leinenstoffes von der grünen Flachspflanze bis zum fertigen Stoff. Eine 1000 Jahre alte Handwerkskunst lässt Johannes Ulrich Brenner wieder lebendig werden: die Drechselkunst. Auf einer nachgebauten Wippdrechselbank erlebt man eine Demonstration alten Handwerks, bei der man das Entstehen eines Werkstückes vom rohen Klotz bis zum fertigen Gegenstand mit verfolgen kann. Sogar Kinder können unter fachkundiger Anleitung auf Zugbank und Kinderdrechselbank selbst Hand und Fuß anlegen und sich ihr eigenes Hölzlein erarbeiten.

Allerlei Händler preisen ihre Waren an. Die weiblichen Besucher erfreuen sich an Kränzen aus Getreide und Blumen, mittelalterlichen Gewändern, Taschen, Tüchern, individuellem Schmuck, Kopfschmuck, edlen Steinen, Seifen, Körperölen und Düften, während die Herren sich für Zinnfiguren, Fahnen, Schwerter, Äxte, Rüstungsteile und Helme interessieren. Auch allerhand Nahrhaftes wie Honig, Konfitüren, Marmeladen und Gelees, Gewürze, Kerniges aus der Räucherkammer und Flüssiges vom Metbrauer, Kräuterweine, Frucht- und Sahneliköre werden feilgeboten.

 

Info: 43. Hirschhorner Ritterfest am Samstag, 31. August, und Sonntag, 1. September, jeweils ab 11 Uhr. Der ganztägige „Wegezoll“ beträgt 7 Euro, für das Zweitagesticket 10 Euro. Kinder unter „Schwertmaß“ haben freien Durchlass. Der Eintritt für Gewandete beträgt 4/6 Euro. Weiteres unter http://www.hirschhorner-ritter.de