Oberzent-Schule Beerfelden begrüßt 40 neue Fünftklässler

Die Oberzent-Schule hat 40 neue Fünftklässler. Mit einem Einführungsgottesdienst und einer kleinen Feier wurden sie an der Schule willkommen geheißen. Insgesamt besuchen derzeit etwa 400 Jugendliche die integrierte Gesamtschule. Den Gottesdienst in der Martinskirche, für alle Schüler offen, gestalteten Dennis Hemberger und Gabriele Maurer in Zusammenarbeit mit Pfarrer Roger Frohmuth und den Religionsgruppen. Iris Thierolf begleitete an der Orgel. Thema war „Im Meer der Zeit“. Pfarrer Frohmuth erklärte das Gleichnis von der „Sturmstillung“ nachdem es von Schülern erzählt worden war. Gemeinsam wurden die Lieder „Ein neuer Anfang“, „Im Meer der Zeit“, „Herr, gib uns Frieden“ und „Das wünsch ich sehr“ gesungen.

Zurück in der Schule, trafen sich die neuen Fünftklässler mit ihren Eltern in der Mensa, wo sie von der Fördervereinsvorsitzenden Johanna Käpernick-Krämer willkommen geheißen wurden. Sie überreichte jedem als Geschenk ein Geodreieck. Von den beiden Klassenlehrerinnen Angela Jöst und Tanja Daub gab es einen Apfel als Vorgeschmack darauf, dass beim kommenden Begrüßungsfest ein Apfelbaum gepflanzt wird. Danach begrüßte Schulleiter Bernd Siefert jeden Schüler und jede Schülerin persönlich.

Mit Spannung erwartet war die Patenfindung zwischen Fünft- und Zehnklässlern. Die Buspaten und Mediatoren stellten sich vor. Nach einem gemeinsamen Frühstück gingen die Zehntklässler mit den Neulingen die wichtigen Punkte der Schule ab, zeigten das Gebäude und markante Anlaufpunkte wie die Verwaltung. Dies dient dazu, den Fünftklässlern das Gefühl zu geben, gut angekommen zu sein und „dass sie bereits am ersten Tag dazugehören“, so Siefert. Das Schuleingangsprogramm der Oberzent-Schule war von Mareike Hufer ausgearbeitet worden.

Während zu Schuljahresbeginn ab Klasse 7 aufwärts nur ein Tag Klassenlehrerunterricht folgt, sind es bei der Klasse 6 zwei Tage und bei den Fünftklässlern die ersten drei. Nach der ersten Vorstellung durften die Eltern dann wieder nach Hause gehen, während in der Klasse Kennenlernspiele starteten. Anhand von Post- und Landkarten ging es darum, Ferienerlebnisse zu erzählen. Außerdem wurden die Namen der Mitschüler spielerisch geübt. Auch Steckbriefe, Aufgaben und Verantwortung verteilen oder Geburtstagskalender dienten dazu, dass sich die Kinder näher kamen.

Die Oberzent-Schule war für die „Neuen“ keine Unbekannte. Sie hatten die Schule bereits während des Schnuppertags im vergangenen Schuljahr besucht und kennengelernt. Heidi Domack als zuständige Stufenleiterin hatte die Schüler darüber hinaus zu einem Sporttag eingeladen und mit ihnen gekocht. Kein Wunder also, dass bei der Einführung die Stimmung sehr gut war. Die meisten Schüler kommen aus der Oberzent und umliegenden Gemeinden. Nur vereinzelt gehen auch Kinder aus der Unterzent in Beerfelden auf die Schule – meistens, wenn es dort auch Geschwister gibt.

 

 

Beim Kortelshütter Kelterfest am 10. September werden wieder Wildschweine gegrillt

Wenn die Feuerwehrleute im Rothenberger Ortsteil ihr Kelterfest feiern, läuten bei den Schwarzkitteln in der Region die Alarmglocken. Denn zwei von ihnen werden in bester gallischer Tradition erst gegrillt und dann vertilgt. Am Sonntag, 10. September, wird das um 10.30 Uhr im und um das Dorfgemeinschaftshaus Kortelshütte schon zum vierten Mal der Fall sein. Insgesamt findet das Kelterfest bereits zum 26. Mal statt.

Die zahlreichen Gäste lassen sich nicht nur ein mächtiges Wildschwein vom Spieß aus den heimischen Wäldern munden, sondern vertilgen in der Regel noch ein weiteres, das zuvor zu Wildgulasch verarbeitet wurde. Diese Neuerung aus 2014, eine Wildsau am Spieß anzubieten, bewährte sich bisher bestens und beschert den Brandschützern immer einen großen Andrang.

Natürlich muss die Sau auch schwimmen. Deshalb gibt es wieder leckeren, frisch gekelterten Süßmost von Kortelshütter Äpfeln und neuen Wein. Dazu reichen die Floriansjünger selbstgebackenen Zwiebelkuchen, Haxen, geräucherte Forellen und weitere leckere Spezialitäten. Wie schon in den vergangenen Jahren findet am Tag zuvor, Samstag, 9. September, ab 20 Uhr eine Bembelparty mit „DJ Firefighter“ statt.

Neben den Kameraden der befreundeten Wehren aus Hirschhorn und den Rothenberger Ortsteilen kommen gerne auch viele Auswärtige, die die Gastfreundschaft der Wehrleute und das ausgefallene Speisen- und Getränkeangebot zu schätzen wissen. Etliche Zentner Äpfel von Wiesen auf der heimischen Gemarkung werden im Vorfeld von Einsatzabteilung und Jugendwehr gesammelt, um daraus viele Liter Apfelsaft direkt vor Ort frisch zu pressen.

Am Grill steht immer in bewährter Manier der gelernte Koch Stefan Sonnenburger. Der ist zwar kein Feuerwehr-Mitglied, aber bei den Festen immer an vorderster Front dabei, wenn es ums Helfen geht. Damit der Grill unter der Wildsau nie ausgeht und sie nach mehr als sechs Stunden das entsprechende Aroma hat, schlagen sich die Feuerwehrleute gern die Nacht um die Ohren. Insgesamt sind rund um die Veranstaltung 25 Helfer aus der gesamten Feuerwehr aktiv. Viele Speisen werden vor Ort selbst zubereitet, so das frisch gekochte Sauerkraut oder der Zwiebelkuchen.

Rothenberger Feuerwehren spenden zwei digitale Pager fürs Kriseninterventionsteam des Odenwaldkreises

Eine Hilfsorganisation hilft der anderen. Gemeinde und Feuerwehren von Rothenberg vereinbarten, dem Team der Notfallseelsorge und Krisenintervention des Odenwaldkreises zwei digitale Pager aus den Haushaltsmitteln der Feuerwehr im Wert von fast 1000 Euro kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Übergabe fand jetzt im Rahmen der monatlichen Schulung statt. Die fand in den neuen Feuerwehrräumen in der Rothenberger Sporthalle statt.

„Leider sind es bis jetzt erst drei Kreis-Kommunen, die dies so umsetzen wollen“, bedauerte Gemeindebrandinspektor (GBI) Marco Johe. „Wenn alle 15 Odenwälder Gemeinden zwei solcher Pager spenden würden, wäre das Team der Krisenintervention bestens versorgt und könnte so schnell und zielgerichtet alarmiert werden“, führte er aus. Denn die Ehrenamtlichen werden nicht staatlich gefördert und sind auf Spenden angewiesen. „In der Vergangenheit haben sie sich immer per Telefon irgendwie gegenseitig zu Einsätzen gerufen“, erläuterte der GBI.

Gerade vor kurzem habe es mehrere tödliche Unfälle gegeben, bei denen es den Helfern vor Ort eindringlich bewusst wurde, „wie sehr man Leute wie die Notfallseelsorger braucht“, um Angehörige und Freunde zu betreuen. Auch für die Feuerwehrleute sei es eine große seelische Belastung, an einen Unfallort zu kommen und dort unter den Opfern möglicherweise einen Bekannten zu finden. Es sei wichtig, „eine schnelle Aktivierung zu gewährleisten“.

Die Grundeinrichtung der Geräte ist laut Johe bereits geschehen. Die Bedienung ist denkbar einfach: „Die Menüführung funktioniert wie bei alten Nokia-Handys“, schmunzelte er. „Ich hoffe, die Pager müssen nicht so oft zum Einsatz kommen“, meinte der GBI. Wie Johe erläuterte, geschieht die Feuerwehr-Alarmierung seit Ende 2016 digital. Die Rothenberger hätten die Geräte Ende März eingeführt.

Teamleiterin Annette Herrmann-Winter zeigte sich sehr dankbar über die Spende. Für weitere Pager-Anschaffungen habe man bereits Rücklagen gebildet, sagte sie. „Denn wir wissen, dass es ein Thema ist.“ Dem Ehrenamtlichen-Kreis gehören derzeit 43 Personen an, davon drei aus Rothenberg.

Diese dort ehrenamtlich engagierten Menschen leisten Betroffenen in schweren Notsituationen seelischen Beistand und helfen, schreckliche Erlebnisse besser zu verarbeiten. Auch Feuerwehren werden bei schweren Schadensereignissen von ihnen unterstützt, um die eventuell erlebten traumatischen Einsätze besser verarbeiten zu können.

Die Helfer waren von Bürgermeister Hans Heinz Keursten als erste Nutzer des neu gebauten Feuerwehr-Mehrzweckraums begrüßt worden. „Viel Schweiß“ sei in die Räume geflossen, betonte der Rathauschef. Denn dieser wie auch die Sporthalle wurde mit viel Eigenleistung gebaut. „Wo findet man einen Raum mit einem solchen Ausblick“, meinte Keursten mit Hinweis auf den Blick aus dem Fenster auf die Odenwaldhügel. „Die Aufgaben des Teams sind schon etwas Besonderes“, sagte er verbunden mit einem Dank für die geleistete Hilfe.

Ansprechpartner der Notfallseelsorge des Odenwaldkreises

Leiterin Pfarrerin Annette Herrmann-Winter ist seit 2004 Supervisorin und Ausbilderin für die Mitarbeit im aktiven Team. „Ich bilde mit Begeisterung Ehrenamtliche für diesen Dienst aus. Mir ist die Qualität der Vorbereitung wichtig und ich habe großen Respekt vor ihrem engagierten und kompetenten Dienst“, sagt sie: E-Mail: AHerrmann-Winter@t-online.de. Stellvertreter ist Rothenbergs Pfarrer Reinhold Hoffmann, ebenfalls seit 2004, wirkt seit 1999 im Team mit. „Die Beteiligung der Ehrenamtlichen im Team ist mir ein Hoffnungszeichen. Es tut mir gut zu sehen, dass Menschen bereit sind in außergewöhnlichen und oft erschreckenden Ereignissen Unbekannten zur Seite zu stehen. Jeder darf, aber niemand muss mit schwierigen Eindrücken alleine sein. Ich habe Hochachtung davor, dass diese Ehrenamtlichen bereit sind, sich auf fremde Wertvorstellungen und Lebensgestaltungen einzulassen, ohne zu werten.“. E-Mail: kgm@rothenberg-evangelisch.de

Die kleinste Schule Hessens in Gammelsbach ist ein Schatz, den es zu bewahren gilt

Ihren ersten Schultag wird die kleine Lilly nicht so schnell vergessen. Denn welche ABC-Schützin kann von sich schon behaupten, dass zu ihrer Einschulung der hessische Kultusminister zu Besuch war. Und nicht nur der: In der kleinsten Schule Hessens versammelten sich neben Prof. Alexander Lorz auch der Leiter des Staatlichen Schulamts in Heppenheim, Rainer Kilian, Kreisbeigeordneter Oliver Grobeis und der Landtagsabgeordnete Rüdiger Holschuh (SPD). Sie alle waren sich einig in dem Bestreben, die kleinen Schulen im ländlichen Raum zu erhalten.

Lilly, die einzige Erstklässlerin in ihrem Jahrgang, war durch die Schultüte in Regenbogenfarben mit Eule und dem Schulranzen mit Rehmotiv unschwer auszumachen. Ihre Mitschüler lernte sie bereits am Schnuppertag kennen, sagte Schulleiterin Nina Allmann. Da gefiel es ihr so gut, dass sie gleich noch zum Sportunterricht bleib. Allmann ging auf die vielfältigen Anstrengungen auch unter ihrer Vorgängerin ein, „die kleinste und schönste Schule des Kreises“ zu erhalten. Umso mehr freute es sie, den Kultusminister begrüßen zu dürfen.

In der vergangenen Zeit wurde bereits einiges in die fast 100 Jahre alte Reinhart-van-Gülpen-Schule investiert, erläuterte sie. So erhielt das Gebäude eine neue Küche und einen Laptopwagen. Daneben wurden zahlreiche Ausbesserungen vorgenommen. Mit denen wird es auch weitergehen. So steht eine Erneuerung der Toiletten auf der Agenda. „Wir sind es wert“, betonte Allmann. Die Schülerzahlen seien in den kommenden Jahren stabil, hob sie hervor.

„Die Schule ist eine kleine Oase“, sagte Allmann. Der ländliche Raum werde durch ihre Existenz gestärkt. Viele tragen ihren Worten zufolge zum Gelingen bei. Ein großer Aktivposten ist die sehr engagierte Elternschaft. Die Leiterin bezeichnete die Lehranstalt deshalb auch als „Schatz, den es zu bewahren gilt“. Das Kindermoderatorenteam Melike und Mika, das durch die Feier führte, kündigte danach den Kultusminister an.

„Dieses Aufgebot am ersten Schultag hat nicht jedes Kind“, meinte dieser scherzhaft an Lilly gewandt. Lorz wies darauf hin, dass die zwei kleinsten hessischen Schulen im Odenwaldkreis liegen: neben Gammelsbach noch Sensbachtal. Hinter dem Besuch stehe auch die Botschaft, „dass sich das Land zum Erhalt kleiner Schulen bekennt“.

Lorz betonte wie auch die anderen Redner die Bedeutung dieser Lehranstalten für einen Ort wie Gammelsbach. Der Erhalt funktioniere aber nur mit Unterstützung des Schulträgers. Und der hat sich, wie der Kreisbeigeordnete Oliver Grobeis sagte, diese ebenfalls auf die Fahnen geschrieben. Die Grenze für den Erhalt einer Grundschule sei in Hessen mit 13 ganz niedrig festgesetzt, so Lorz. Das Starterpaket, eigentlich nur für die Erstklässler gedacht, gab es angesichts der weniger Kinder gleich für alle.

Kilian freute sich über die Unterstützung des Landes, die auch dem Schulamt seine Arbeit erleichtere. „Feiert den Tag schön“, meinte er an die Kinder gewandt. Mit Rüdiger Holschuh ist ein ehemaliger Gammelsbacher Grundschüler jetzt Landtagsabgeordneter. „Damals waren wir 19 Erstklässler“, machte dieser den demografischen Wandelt deutlich. Gerade im Grenzgebiet nach Baden-Württemberg sei ein breites Schulangebot wichtig, betonte Holschuh. „Ihr seid in einer tollen Schule“, attestierte er den Kindern.

Für den Schulträger ist es „das Schönste überhaupt“, den Worten der Vorredner zu lauschen. Signalisierten diese doch die vollste Unterstützung für den Standort, meinte Grobeis. Die „Nestwärme“ sei in den kleinen Orten und Schulen wichtig, betonte er. Ihre Schüler zeichneten sich durch eine hohe Sozialkompetenz aus. Auch weiterhin werde man unter dem Slogan „Kurze Wege für kurze Beine“ investieren. Gerade in der neuen Stadt Oberzent mit ihren dann vier Grundschulen sei aufgrund der großen Entfernungen deren Erhalt von Bedeutung.

Reinhart-van-Gülpen-Schule Gammelsbach

  • Umrahmung der Feier mit dem Schulfestlied „Unsere Schule hat keine Segel“, dem Schullied und einem Sommer-Gedicht von drei Zweitklässlern. Zum Abschluss Überreichung eines von den Schülern gestalteten Warhol-Bilds an Prof. Lorz sowie einer Schulbrezel an Lilly und Lorz.
  • Kollegium: Leiterin Nina Allmann und zwei Lehrer mit fünf bzw. sieben Stunden Deputat
  • derzeit 17 Schüler in den Klassen 1 bis 4
  • Fritz Reinhart-van Gülpen war ein Unternehmer, der den Gammelsbachern 1924 ein Schulgebäude „spendiert“ hat. Geboren 1869 in Worms, starb er 1947 in Bensheim.

Die Finki-Fans kennen kein schlechtes Wetter: Das Krautrock-Festival lief wieder super

Für die echten Finki-Fans gibt es kein schlechtes Wetter. Da werden wie am absolut verregneten Wochenende beim Krautrock-Festival im Odenwald Regenponchos in den wildesten Farben ausgepackt. Den Besucherzahlen tut der Dauerregen sowieso praktisch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Ohne den Herbsteinbruch im Hochsommer wären die Organisatoren wahrscheinlich auf einen neuen Rekord zugesteuert. „Trotz des miesen Wetters lief es super“, freute sich auf Seiten des mitveranstaltenden FC Finkenbachtal Armin Löffler.

Denn im Vorverkauf gingen ein paar hundert Karten mehr als im vergangenen Jahr über die Bühne. Angler-Gummistiefel ersetzen die normalen Schuhe, eine Filzkappe kollidiert modisch mit einer hellbraun-getönten Dieter-Thomas-Kuhn-Sonnenbrille – oder es geht gleich barfuß aufs Gelände, um den zehn Bands zu lauschen, die Mani Neumeier von „Guru Guru“ wieder zusammengetrommelt hat.

Aber auch sonst ein ähnliches Bild wie bei vorigen Festivals: Freitagabend füllte sich das Gelände zusehends, trudelten gegen 20 Uhr immer mehr Besucher ein. Allerdings ist dann immer noch ein Durchkommen zur Bühne, das am Samstag gegen Abend zunehmend schwieriger wird. Denn wenn traditionsgemäß gegen 21 Uhr Neumeier mit seinen Guru Guru auftritt, schließen sich die Reihen.

Die alten Herren rocken die Bühne wie eh und je. Kein Anzeichen von Müdigkeit bei den über 70-Jährigen, die im kommenden Jahr ihr 50-jähriges Bandbestehen mit einer rauschenden Party beim Finki 2018 feiern wollen. Vielleicht dann ohne die vielen Holzhackschnitzel auf der Wiese, um die schlimmsten Schlammlöcher zuzudecken. Und ohne ein Meer von Regenschirmen gegen das immer wiederkehrende Nass von oben.

Für Mastermind Mani Neumeier ist die Durchführung des „Guru-Feschts“, wie das Finki seit Beginn bei den Einheimischen heißt, immer wieder „eine große Ehre“. Denn als erstes Musikfestival im Odenwald vor 41 Jahren ins Leben gerufen, wird es jedes Jahr aufs Neue durchgeführt. Auch wenn die Sonne nicht vom Himmel knallt, merkt der Musiker immer, „dass das Feeling stimmt“. Aus den Rückmeldungen von Besuchern hat er erfahren, wie wichtig denen die große Fete in ihrem Kalender ist.

Neumeier spielt viele Konzerte auswärts, aber das Heimspiel ist für ihn etwas Besonderes. „Den Platz, die Musik, die Schwingungen“ empfindet er im Finkenbachtal anders. Das Gelände und die Atmosphäre sind für ihn außergewöhnlich. „Das ist echte und unverfälschte Kultur“, schwärmt er über die auftretenden Bands. Ohne viel „Hitparaden-Brimborium“ spielen auf „seinem“ Finki Gruppen außerhalb des Üblichen. „Das wird von den Leuten geschätzt“, weiß er.

Um immer wieder neue Acts zu finden, nutzt Mani Neumeier auch YouTube. Wie etwa bei „Jack Dupon“, dem Auftakt-Act vom Freitag. Die Franzosen mit außergewöhnlicher Musik und exaltiertem Aussehen „habe ich mir angehört und gebucht“. „Samsara Blues Experiment“ ist eine weitere Gruppe, die es auf diese Weise aufs Finki schaffte. Aber natürlich gehören Veteranen wie die britische Rocklegende Arthur Brown dazu wie das Salz in der Suppe. „So lange es diese Bands noch gibt, kommen sie auch immer wieder“, schmunzelt Neumeier.

Auf diese Weise will er den Fans etwas bieten, das es anderswo kaum gibt. Denn viele Festivals sind für ihn „ohne Gesicht und Griff für die Musik“. Schon vor 50 Jahren, meint Neumeier, „haben wir mit Guru Guru freche Musik gemacht“. Um sich dieses Mal total auszuleben, hat er sich mit Harald Grosskopf (Ashra Tempel) und Eberhard Kranemann (Ex-Kraftwerk) zwei altgediente Recken geholt, „um moderne Sachen zu spielen“.

Die Bandbreite beim Finki ist sowieso phänomenal. „Jobarteh Kunda“ etwa sind eine international besetzte Truppe mit Musikern aus Afrika, der Karibik, den USA, Italien und Deutschland. „DeWolff“ ist eine niederländische Band aus dem Bereich Psychedelic- und Bluesrock. Die „Kunens Män“ aus Stockholm stehen für Improvisationen aus Krautrock, Shoegaze, Noiserock und Free Jazz. Ob er das Finki in einem kurzen Satz charakterisieren kann? Da kommt Mani Neumeier angesichts der vielen Jahre und Eindrücke doch etwas ins Überlegen. „Legendäres Festival mit Herz“, meint er dann nach einer halben Minute sinnierend.

„Das Finki ist einmalig“, betonte der zweite Vorsitzende des FCF, Armin Löffler. „Wohin kommen so viele Besucher, wenn es zwei Tage in Strömen gießt“, meinte er. Die Zuschauerzahl sei angesichts dieser Wetterbedingungen „optimal“ gewesen. Der Samstag war wie immer „sehr gut besucht“. Löffler notierte „nur positive Rückmeldungen“ der Fans aus Deutschland, Schweiz, Österreich oder den Benelux-Staaten, die teilweise seit Jahrzehnten das Finki besuchen.

Die „absolut friedliche, große Feier“ dauerte bis nach 6 Uhr am Sonntagmorgen. „Als ich um 6.30 Uhr nach Hause ging, standen immer noch ein paar am Bierstand“, lachte Löffler. „Dass so etwas mitten im Ort stattfindet“, sorgt bei den Gästen immer wieder für Begeisterung, beobachtete er. Dazu kommt die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. „Das ganze Dorf macht mit“, bedankte er sich bei den Anwohnern.

Heute ist weitere Arbeit angesagt: Durch den nassen Untergrund sind viele Camper mit ihren Fahrzeugen am Finkenbach buchstäblich abgesoffen. Mit Traktoren oder anderem schweren Gerät der Bauern geht es nun daran, die Autos aus dem Sumpf zu ziehen und wieder auf die Straße zu schleppen. Aber das schockt die wenigsten. „Das war vor zwei Jahren auch schon so“, hieß die lakonische Antwort einer Betroffenen.

 

 

Finki-Festival: Warten auf das Ende des Regens

Nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Tage kam auch heute wieder mehr Wasser als nötig in Finkenbach vom Himmel. Die Helfer des FC Finkenbachtal waren den ganzen Tag über beschäftigt, alles für den Start um 19 Uhr trockenzulegen. Die eingefleischten Fans ließen sich davon nicht beeinflussen und bauten unverdrossen ihre Zelte auf. Auch die restlichen Aufbauarbeiten gingen reibungslos über die Bühne. Programm Finki-Festival 2017: Freitag, 11. August, Einlass 17 Uhr, 19 Uhr Jack Dupon, 21 Uhr Neumeier (Guru Guru) & Grosskopf (Ashra Tempel) & Kranemann (ex-Kraftwerk), 23 Uhr Pretty Things, 1 Uhr Samsara Blues Experiment. Samstag, 12. August, Einlass 13 Uhr, 15 Uhr Jobarteh Kunda, 17 Uhr Ease Up Ltd, 19 Uhr DeWolff, 21 Uhr Guru Guru, 23 Uhr Arthur Brown, 1 Uhr Kungens Män. Weitere Infos unter http://www.finki-festival.de

Beim Finki-Festival ist der gesamte FC gefordert

Wenn es auf das „Finki“-Festival, das „Woodstock im Odenwald“, zugeht, ist beim mitveranstaltenden FC Finkenbachtal immer viel Arbeit angesagt. Bereits einen Monat vor dem Event am zweiten Augustwochenende starten die Arbeiten auf dem Festplatz neben Sportgelände und Freibad. Dann beginnt eine eingeschworene Truppe von zehn bis 15 Vereinsmitgliedern, die drei in Zuständigkeit des FC fallenden Zelte aufzubauen. Neben Gastro- und Bierzelt ist das auch der Backstagebereich.

„Die Rentner sind dann tagsüber fast jeden Tag anzutreffen“, schmunzelt der zweite Vorsitzende Armin Löffler. Abends kommen dann die Berufstätigen mit dazu und packen an. Etliche Strom- und Wasserleitungen gilt es außerdem zu verlegen. Übers Wochenende vom 11. bis 13. August, wenn dann die Musik spielt, hat der FC 120 Helfer in verschiedenen Schichten im Einsatz. Dazu kommen noch Feuerwehr und Rotes Kreuz.

In der letzten Woche vor dem Happening, das die Kultband „Guru Guru“ mit ihrem Mastermind Main Neumeier musikalisch ausrichtet, herrscht auf Vereinsseite Hochbetrieb. Allerdings ohne viel Hektik, denn der FC ist organisatorisch ja schon seit 30 Jahren mit im Boot. „Uns kann nichts mehr schocken“, blickt Löffler gelassen auf mögliche unvorhergesehene Ereignisse.

Aktuell steht der Zaunaufbau rund um das Gelände an. 110 Elemente à drei Meter sind zu stellen, die danach mit einer undurchsichtigen grünen Plane verkleidet werden. Damit es eben nicht zu viele „Zaungäste“ gibt, die sich den Eintritt ersparen wollen. Der Klassiker beim Finki sind immer die FC-Bratkartoffeln. Damit diese in rauen Mengen bereit stehen, sind im Vorfeld die Hausfrauen des Orts gefordert. 50 von ihnen sind es, die sich ums Abkochen der Kartoffeln kümmern, die auch noch geschnippelt werden müssen.

Noch einmal die gleiche Zahl an Hausfrauen macht sich kurz vor dem Fest ans Backen der diversen Kuchen, die dann die Theke zusammen mit dem Kaffee füllen und die Leckermäuler begeistern. Bei den Fleischwaren setzt der Verein ganz auf die Regionalität, denn sie werden von der Metzgerei Beisel und Jehle und Rothenberg bezogen. Das Bier kommt in Form der Marke Radeberger von etwas weiter her. Erstmals gibt’s in diesem Jahr Pepsi statt Coca Cola. „Wir zapfen die aus 25-Liter-Behältern“, so Löffler. Damit fällt das umständliche Hantieren mit den Flaschen weg.

Die Verpflegung ist das eine, die Instandsetzung des Platzes das andere. Jürgen Bartmann kümmert sich um das Mähen des Rasens. Danach kommt die Feuerwehr angerückt und zieht „Schneisen“ mit Flatterband, um Rettungswege freizuhalten. Die Brandschützer sind auch bei der Statik der Bühne gefordert. An jeder Ecke wird ein Tank mit 20 Kubikmeter Wasser platziert, damit sie bei Wind nicht ins Schwanken gerät.

Ein „Renner“ waren im vergangenen Jahr die Öko-Toiletten, weshalb es sie diesmal wieder gibt. „Die kamen beim Publikum sehr gut an“, lacht Löffler. Denn sie arbeiten ohne Chemie. Wer aufs stille Örtchen geht, schmeißt vorher erst einmal eine Ladung Sägemehl hinein…

Nachdem auch immer mehr Festivalgäste den Luxus eines Bettes zu schätzen wissen, sind die meisten Übernachtungsmöglichkeiten jetzt schon ausgebucht. Das macht es für Löffler gar nicht einfach, für die Bands noch ein zusätzliches Zimmer aufzutun, wenn sich bei diesen die Anzahl der Mannschaft ändert. Die Musiker sind in der Raubach, in Gammelsbach und in Beerfelden sehr Finkenbach-nah untergebracht.

Traditionsgemäß stehen natürlich im kompletten Finkenbachtal etliche Zeltplätze zur Verfügung – für all diejenigen, die authentische Festivalluft schnuppern wollen. Vom Gelände bis an den Ortsausgang Richtung Ober-Hainbrunn zieht sich in der Regel ein buntes Zeltmeer den Bach entlang. Frühstücken können die Camper im Schwimmbad, das auch eine kleine Auswahl an Lebensmitteln bereithält, nachdem der kleine örtliche Laden im Mai zumachte. Über den Mittag ist jeweils der „rollende Bauernladen“ an der ehemaligen Metzgerei vor Ort, damit es an nichts mangelt. Samstag und Sonntag kommt die Rentnerbrigade schon frühmorgens vorbei, um das Gelände wieder ordentlich herzurichten.

Für Mani Neumeier ist das Finki immer „das Highlight des Jahres“. Er freut sich, in Finkenbach vor vielen alten Bekannten zu spielen und ebenso viele wiederzutreffen. 2018, das ist jetzt schon klar, wird es ein großes Hallo geben. Denn dann wird Guru Guru 50 Jahre alt. Neumeier macht sich schon jetzt Gedanken, wie dies gebührend gefeiert werden kann.

Programm Finki-Festival 2017

Freitag, 11. August, Einlass 17 Uhr, 19 Uhr Jack Dupon, 21 Uhr Neumeier (Guru Guru) & Grosskopf (Ashra Tempel) & Kranemann (ex-Kraftwerk), 23 Uhr Pretty Things, 1 Uhr Samsara Blues Experiment. Samstag, 12. August, Einlass 13 Uhr, 15 Uhr Jobarteh Kunda, 17 Uhr Ease Up Ltd, 19 Uhr DeWolff, 21 Uhr Guru Guru, 23 Uhr Arthur Brown, 1 Uhr Kungens Män. Vorverkauf online bei Reservix, per E-Mail unter ticket@finki-festival.de , telefonische Kartenbestellung unter 06235/491997, Hard-Tickets gibt es in Heidelberg – Crazy Diamond, Mannheim – Come Back, Finkenbach – Bäckerei Hering, Würzburg – H 2 O Plattenladen, Aschaffenburg – Echobeat, Darmstadt – Come Back. Weitere Infos unter http://www.finki-festival.de