Neuer Stadtpolizist in Oberzent: Tempo 70 soll die Motorradraser ausbremsen

„Hier lässt sich etwas aufbauen“, ist Nabil El Kadi voll des Lobes über seine neue Tätigkeit als Stadtpolizist in Oberzent. Der 28-Jährige ist seit Jahresbeginn im Ordnungsamt tätig. Die überall zu spürende Aufbruchstimmung und die flachen Hierarchien in einer kleinen Verwaltung sind für ihn das Besondere – auch im Vergleich zu seiner letzten Arbeitsstelle in Maintal. „Da waren wir 15 Leute, wo in Beerfelden zwei tätig sind“, erzählt er. Das Aufgabenspektrum ist riesig – genauso wie die Überraschung, dass nach längerer „rechtsfreier Zeit“ Falschparker plötzlich wieder aufgeschrieben werden.

Die Verkehrsüberwachung erstreckt sich aber nicht nur auf parkende Autos. Wenn der Oberzent-Haushalt durch ist, soll auch ein mobiler Blitzer angeschafft werden. Ein solches Gerät kostet um die 45.000 Euro. El Kadi betont vor dem Hintergrund dieser Summe jedoch, dass die Bürger nicht über den Umweg der Bußgelder den städtischen Haushalt sanieren sollen. Es geht um die Sicherheit im Straßenverkehr. „Damit soll kein Gewinn gemacht werden.“

Die beiden stationären Blitzer in Hetzbach und Gammelsbach werden im Frühjahr reaktiviert, erläutert der Stadtpolizist. Dann wird dort die Asphaltdecke erneuert und kommen die notwendigen Drucksensoren rein, sodass sie wieder scharf geschaltet sind. Wobei El Kadi aber durchblicken lässt, dass er die mobilen Kontrollgeräte für zielführender hält. Denn oft wird vor dem Blitzer abgebremst und danach wieder beschleunigt.

Als Straßenverkehrsbehörde ist der 28-Jährige auch für den Status des Verbindungswegs von Reußenkreuz nach Bullau zuständig, der aktuell in der Diskussion steht. „Wir wollen keine Autofahrer mit berechtigtem Interesse ausschließen“, betont er. Deshalb sind Anliegergenehmigungen auch kostenlos erhältlich. Es geht ihm darum, den überörtlichen Verkehr von diesem Waldweg zu verbannen, weswegen er für die Allgemeinheit gesperrt wurde.

Auf der Motorradraser-Strecke zwischen Beerfelden und Hirschhorn über Rothenberg und Kortelshütte hat die neue Stadt nun bessere Karten als früher. Denn aufgrund der größeren Bevölkerungszahl bekam sie die entsprechenden, zuvor beim Odenwaldkreis liegenden Befugnisse zur Baustellen- und Tempoanordnung übertragen. Die will El Kadi nutzen und versuchen, dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 anzuordnen. Er weiß aber, dass dies nicht einfach wird, denn „es ist schwer, außerhalb geschlossener Ortschaften eine Ausnahme von Tempo 100 zu begründen“.

Deshalb ist, so makaber es auch klingt, die Zahl der Unfälle auf der L 3410 maßgebend, um vielleicht ein Tempolimit durchzusetzen. „Wir haben eine Aufstellung gemacht“, so der Stadtpolizist. In Absprache mit dem Odenwaldkreis, der Polizei und Hessen-Mobil verschafft er sich derzeit einen Überblick, „weil es früher bestimmte Dinge einfach nicht gab“ – auch hier bedingt durch die kleinere Stadt.

Der neue Mann im Ordnungsamt ist weiterhin auch zuständig, wenn es Beschwerden darüber gibt, dass Tiere nicht ordnungsgemäß gehalten werden. In dem Fall arbeitet er mit dem Veterinäramt zusammen und versucht eine Klärung zu erreichen. El Kadi muss darüber hinaus tätig werden, wenn der Besitzer eines sogenannten „Kampfhundes“ die höhere Hundesteuer nicht zahlt. Letzte Konsequenz wäre dann der Entzug der Halterlaubnis. „Wir versuchen es immer erst im Guten“, betont er jedoch. „Denn das Tier hat nichts davon, wenn es danach im Tierheim sitzt.“

In den ersten zehn Wochen im neuen Job „habe ich überwiegend positive Erfahrungen gemacht“, blickt El Kadi zurück. Natürlich gab es auch einige Anrufe, „dass die Leute nicht mit kostenpflichtigen Verwarnungen einverstanden waren“, meint er. Der Stadtpolizist macht jedoch klar: „Wer falsch parkt, weiß es oftmals, dass er es macht.“ Außerdem, betont er, „hat noch kein Bürger 15 Strafzettel erhalten“. Diese kolportierte Zahl sei falsch. Im Januar stellte er 60 Knöllchen aus, im Februar 70. „Das hatte ich in Frankfurt an einem Tag“, ist für ihn diese Zahl „nicht die Welt“.

Info: Nabil El Kadi, 28, ist in Erbach aufgewachsen, arbeitete zuletzt im Landkreis Darmstadt-Dieburg, bei der Frankfurter Verkehrsüberwachung und der Ordnungspolizei in Maintal. Für Anregungen und Fragen der Bürger ist er unter E-Mail ordnungsamt@stadt-oberzent.de zu erreichen.

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Mitgliedszahlen der Jugendfeuerwehren in Odenwaldkreis steigen

Die Minifeuerwehren sind stark im Kommen. Auf der Mitgliederversammlung der Jugendfeuerwehr Odenwaldkreis lobte Andreas Brunner das Erfolgsprojekt. 27 Kinderfeuerwehren mit knapp 400 Mitgliedern gibt es aktuell. Die älteste davon aus Neustadt blickte 2018 bereits auf ein 20-jähriges Bestehen zurück, die Minis aus Brombachtal feierten gerade ihre Gründung. Drei weitere Kindergruppen haben schon ihren Dienstbetrieb aufgenommen, so Brunner.

Kreisjugendfeuerwehrwart Dominic Groh begrüßte die vielen Gäste, zu denen neben den Delegierten aus den Jugendfeuerwehren auch Vertreter aus Politik und Feuerwehr zählten. Kreisjugendfeuerwehrsprecher Nick Maruhn gab einen Einblick in die Tätigkeiten und Aufgaben des Jugendforums. Er forderte die Führungskräfte auf, ihre Jugendsprecher zu unterstützen und mit einzubeziehen. Brunner berichtete im Anschluss von der ersten Abnahme der Kinderfeuerwehr-Tatze, einem Abzeichen, welches das erlernte Wissen aus den Gruppenstunden anfragt.

Magdalena Nöske ging auf die vielen vergangenen Veranstaltungen auf Kreisebene ein. Als Highlights nannte sie den Kreisjugendfeuerwehrtag am ersten Ferienwochenende in Beerfelden oder die Jugendfreizeit in Ansiao/Portugal, die bereits zum fünften Mal durchgeführt wurde.

Kreisjugendfeuerwehrwart Dominic Groh freute sich über zum dritten Mal in Folge leicht steigende Mitgliederzahlen. Aktuell sind 660 Kinder und Jugendliche in den 59 Jugendfeuerwehren aktiv. 56 Übertritten aus den Kinderfeuerwehren und 88 Neueintritten stehen seinen Worten zufolge 37 Übertritte in die Einsatzabteilungen und 102 Austritte gegenüber. Die Jugendfeuerwehren sind vielfältig in der Öffentlichkeit präsent „und zeigen, wie toll und vielseitig die Arbeit ist“, betonte er. Hieran sollten die Verantwortlichen anknüpfen.

In den Jugendwehren wurden wieder etliche Stunden geleistet, bilanzierte er: 1900 Stunden für die feuerwehrtechnische Ausbildung und 1200 Stunden für allgemeine Jugendarbeit. „Aber mit der eigentlichen Jugendstunde ist es ja nicht getan“. Daher kommen noch über 1400 Stunden für Vor- und Nachbereitung der Gruppenstunden oder auch von Zeltlagern oder anderen Veranstaltungen hinzu, listete Groh auf.

Der Kreisjugendfeuerwehrwart hob die Vorbildfunktion der Jugendwarte und die Bedeutung der Arbeit hervor. Die Jugendleitercard bezeichnet er „als besonders wichtig für die Betreuer der Odenwälder Kinder- und Jugendfeuerwehren“. Denn hier würden neue Ideen und Impulse vermittelt. Jugendfeuerwehrwarte sichern nicht nur die Zukunft vieler Wehren, „sie leisten außerdem noch einen wichtigen Beitrag zur Prägung der gesellschaftlichen Vorbilder von Morgen“, betonte Groh.

Der allgemeinen Jugendarbeit komme heutzutage eine noch größere Bedeutung zu als vielleicht noch vor ein paar Jahren. „Unser Ziel ist es nicht nur, Nachwuchs zu generieren, der in der Lage ist Feuer auszumachen und Leben zu retten“, erläuterte er. Ziel muss es seinen Worten zufolge auch sein, „Demokratie zu fördern und gemeinsam für die freiheitliche demokratische Grundordnung einzutreten“. Was heute leider nicht mehr selbstverständlich sei, bedauerte Groh. „Hier seid ihr als Betreuer und Jugendfeuerwehrwarte besonders gefordert.“

Neben dem Kassenbericht von Rechner Holger Weimer standen die turnusgemäßen Neuwahlen der Leitung auf dem Programm. Dominic Groh und Michael Estl wurden einstimmig bestätigt. In ihren Grußworten lobten die Gäste die vielseitige Arbeit der Jugendwehren und dankten für die vielen ehrenamtlichen Stunden.

Die internationalen Begegnungen und der dadurch gelebte europäische Gedanke in den Jugendfeuerwehren wurden in Grußworten hervorgehoben. Für ihre Verdienste wurden verdiente Betreuer ausgezeichnet. Dominic Groh wies zum Schluss darauf hin, dass die ausrichtende Jugendfeuerwehr Hainstadt ebenfalls den Kreisjugendfeuerwehrtag am ersten Ferienwochenende organisiert.

Ehrungen

Ehrenmedaille der Jugendfeuerwehr Odenwaldkreis: Christopher Schlörit und Daniel Zerbe

Florianmedaille der hessischen Jugendfeuerwehr in Silber: Tanja Vetter

Florianmedaille der hessischen Jugendfeuerwehr in Gold: Andreas Thamm

Ehrennadel der Deutschen Jugendfeuerwehr in Silber: Klaus Semek

 

Bild von links: Kreisjugendfeuerwehrwart Dominic Groh, Christopher Schlörit und Daniel Zerbe (beide Michelstadt), Andreas Thamm und Tanja Vetter (beide Fränkisch-Crumbach), Klaus Semek (Erbach) und Linda Trieschmann (Vertreterin der Hessischen Jugendfeuerwehr).

Oberzent-Feuerwehrleuten wird’s in manchen Gerätehäusern nicht warm

Im Feuerwehrbereich brennt es zwar noch nicht, aber es glimmt zumindest kräftig vor sich hin. Oberzent muss sich nicht nur um die Ersatzbeschaffung der in die Jahre gekommenen Fahrzeuge kümmern, sondern auch etliche Altlasten aufarbeiten. Dabei geht es vor allem um die bauliche Substanz der diversen Feuerwehrhäuser, verdeutlichten Bürgermeister Christian Kehrer und Stadtbrandinspektor Marco Johe auf der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Unter-Sensbacher Gemeindezentrum.

Kehrer ging zuerst auf die Situation vor Ort ein. Ober- sei quasi mit Unter-Sensbach „fusioniert“. Ein Fahrzeug steht noch im oberen Gerätehaus, dessen Zustand aber die Prüfer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließ, erläuterte er. Der Bürgermeister erklärte auch die in Hessen geltende zehnminütige Hilfsfrist. Auf der Karte betrachtet, lägen die einzelnen Gerätehäuser zwar dicht beieinander, aber die Hügellandschaft, verbunden mit vielen Kurven, macht die Anfahrt länger.

Es existieren Ausnahmegebiete wie Gebhardshütte oder Raubach, wo die Oberzent-Brandschützer mit den angrenzenden Einsatzabteilungen von Bullau und Schönmattenwag zusammenarbeiten. Anhand einer genauen Aufgliederung wird bestimmt, welche Fahrzeuge in welchem Ort bereitgehalten werden sollen und wer anhand des Alarmierungscodes ausrückt. Bewährt hat sich die Ausstattung der Stadtteilwehren mit Tanklöschfahrzeugen und Wassertank.

Marco Johe erläuterte die Ergebnisse der Begehung vom vergangenen September, an dem neben dem technischen Prüfdienst auch ein Mitarbeiter der Unfallkasse teilnahm. „Es ergab sich ein gewisser Bedarf“, übte er sich in Understatement. Den will der Stadtbrandinspektor jetzt mit den möglichen Zuschüssen abgleichen. Natürlich – und das sei auch den Prüfern bewusst – „kann nicht alles von heute auf morgen erledigt werden“.

Am Beispiel Airlenbach machte er deutlich, dass zuerst eine Vergrößerung des Stellplatzes geschehen muss, ehe dann der Ersatz für das 29 Jahre alte Fahrzeug kommt. Denn der 6,5-Tonner ist nicht nur drei Tonnen schwerer als das bisherige Geschoss, sondern auch höher und passt damit nicht mehr in die bisherige Garage.

In der Regel gibt es laut Johe einen Zuschuss von 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Nur: „Das reicht heute bei weitem nicht mehr aus.“ Er machte das an einem Beispiel aus Beerfelden fest: Wenn 250.000 Euro förderfähig sind, aber das Fahrzeug insgesamt 350.000 Euro kostet, bleibt eine große Summe zusätzlich an der Stadt hängen. 560 Euro kostet die Ausstattung eines Brandschützers, ergänzte Johe. Ist er Atemschutzgeräteträger, kommen noch einmal 660 Euro hinzu.

Der Feuerwehrchef machte sich in seinem Alarmplan auch Gedanken über die Ausrückstärke. Während die in Beerfelden und Rothenberg auch tagsüber noch ziemlich gut ist, sieht es in den kleinen Orten ganz anders aus. Etwa in Hesselbach, wo niemand zur Verfügung steht. Zwischen 6 und 18 Uhr „rückt in der Regel deshalb die nächstgrößere Abteilung mit aus“, erläuterte er. Man müsse gegensteuern, „wo es nur geht“, damit weiterhin genügend Feuerwehrleute tagsüber verfügbar sind.

Im 170-Seiten-Prüfbericht geht es auch um fehlende E-Checks (die müssen alle vier Jahre gemacht werden) und teilweise unbeheizte Feuerwehrgerätehäuser wie in Kailbach. „Die stehen ganz oben auf der To-do-Liste“, so Johe. Außerdem ist die Umkleide manchmal noch im selben Raum wie das Fahrzeug untergebracht (auch Kailbach). In Hesselbach ist der Stellplatz zu klein, in Falken-Gesäß das Dach sanierungsbedürftig und, und, und…

Handlungsbedarf gibt es ebenfalls bei den Atemschutzwerkstätten und Beerfelden und Rothenberg. Dieses Thema will der Stadtbrandinspektor umfassen angehen und klären, inwieweit es Sinn macht, eine in eigener Regie weiter zu betreiben, eventuell dann als Dienstleister für andere Kommunen aufzutreten oder – wie dies bereits im ehemaligen Hesseneck und Sensbachtal geschieht – diese Arbeiten nach außen zu vergeben. Das würde, berechnete er, etwa 55.000 Euro im Jahr für ganz Oberzent kosten.

 

Oberzent-Feuerwehr in Zahlen

  • 15 Stadtteilwehren, 16 Standorte (Unter- und Ober-Sensbach bilden eine gemeinsame Einsatzabteilung, haben aber jeweils noch ein Feuerwehrhaus) bei 19 Statteilen und 165 Quadratkilometer Fläche
  • 204 Einsätze im Jahr 2018, davon Beerfelden 107 (weil die dortige Wehr wegen ihrer Tageseinsatzstärke in der Regel immer mitalarmiert wird)
  • 450 Mitglieder in der Einsatzabteilung, davon Beerfelden 68, Rothenberg 53
  • Drei Kindergruppen mit 36 Unter-Zehnjährigen
  • 15 Jugendfeuerwehren mit 145 Angehören
  • 169 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung
  • 54 Mitglieder in zwei Musikzügen (Schöllenbach und Beerfelden)

Fastnachter legen in Unter-Sensbach ihre Kappen ab

Er rief sie herein und alle kamen. „Invocavit“ (lateinisch „hereinrufen“) lautete der Titel des Gottesdienstes in der evangelischen Kirche Unter-Sensbach, in dessen Rahmen (am ersten Sonntag nach Aschermittwoch) das Kappenablegen der Sensbachtaler Fastnachter stattfand. Quasi ein „kirchlicher“ Abschluss der närrischen Tage und Start in die Fastenzeit bis Ostern. Pfarrer Roland Bahre freute sich über den guten Besuch dieser Premiere.

In den vergangenen Jahren hielt der Geistliche immer ein „lustiges Grußwort“, gemeinhin auch Büttenrede genannt, auf der Sensbachtaler Fastnacht. Da alles ein Geben und Nehmen ist, bewegte der Pfarrer die Narren mit seiner Überredungskunst dazu, doch auch mal ins Gotteshaus zu kommen. Nach dem Motto: „Wenn ich in die Bütt steige, können die auch in die Kirche gehen“, schmunzelte er. „Es ist schön, den Kontakt zwischen Kirche und Fastnacht zu haben“, betonte Bahre.

„Bewahrt den Narren in euch“, lautete die Kernaussage seiner Predigt. Denn, so sein Rückgriff auf den Korintherbrief, „auch das Christentum war in den ersten Jahren eine Narretei“. Dort steht zu lesen: „Wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.“

Die Sensbachtaler Fastnachter waren in großer Zahl erschienen, neben den Sitzungspräsidenten Thomas Johe und Marcel Daub auch Elferrat und Gardemädchen. Von befreundeten Verein aus Schönnen-Ebersberg, den Schönberger Fastnachtern, kamen Vertreter mit Sitzungspräsident Thomas Hallstein an der Spitze vorbei. „Alle waren sofort mit dabei“, unterstrich Johe das gute Verhältnis im Ort. „Ich musste nicht kämpfen“, lächelte er. Er zeigte sich erfreut über die große Resonanz.

Pfarrer Bahre wünschte sich, dass dieser „endgültige Abschluss der Fastnacht“ am ersten Sonntag der Fastenzeit zu einer schönen Tradition im Ort werden soll. Die Fastnachtzeit als „schöne, freudige Zeit“ gehört für den Pfarrer ebenfalls zum Leben wie die Hinwendung zu Jesus und dem Kreuzestod in der Fastenzeit. Die folgende Auferstehung sei wieder ein freudiges Ereignis.

Ob denn die Fastnachtszeit zur Kirche gehört? Roland Bahre beantwortete für sich diese Frage mit einem klaren „Ja“. Denn: „Die Kirche gehört zu den Menschen“, hob er hervor. Wer Fastnacht feiern kann, steht mitten im Leben, „so wie die Kirche auch in der Mitte steht“, so der Pfarrer. Denn die eine oder andere Schuld wurde in dieser Zeit auf sich geladen, erläuterte er. So etwa, wenn man über die Stränge schlägt und die Fastenzeit nutzen kann, um Buße zu tun, merkte Bahre lächelnd an.

Die andere Form des Gottesdienstes stieß auf viel Zuspruch. „Es waren einige da, die ich sonst noch nicht in der Kirche gesehen habe“, fiel dem Geistlichen auf. Die Resonanz war sehr gut, stellte Bahre bei der Verabschiedung fest. „Die Besucher fanden es toll“, nahm er mit. Und wollen wieder kommen. Die Stimmung war seiner Beobachtung nach sehr gut, weil beides vereint wurde: die Leichtigkeit von Fastnacht und der Schwere der Fastenzeit. Gesungen wurde unter anderem das „Dona nobis pacem“ als dreistimmiger Kanon gesungen und in Reimform das „Kappengebet“ gesprochen.

Aus seiner Gemeinde weiß er, dass manche bis Ostern auf Alkohol und/oder Fleisch verzichten. „Das war eine typische Aktion eines Ortspfarrers“, sagte Bahre. Denn ein solcher ist er nun schon seit fast vier Jahren in seiner Funktion als Geistlicher für die Pfarrei Beerfelden-Ost mit ihren 1900 Gemeindegliedern. Für ihn ist es „sehr, sehr wertvoll und unersetzlich, dass die Gemeinde in dieser Form mitwirkt“, betonte er. Die Kooperation mit den Bürgern und Vereine ist wichtig. „Das Leben als Ortspfarrer ist einfach schön“, bekräftigte der 35-Jährige.

Heute verbindet man Fastnacht mit Karneval und ausgelassenem Treiben auf der Straße. Ursprünglich bezeichnete die Fastnacht allerdings nur das, was sie ihrem Namen nach ist: Die Nacht vor dem Beginn des Fastens. Und auch die Bezeichnung „Karneval“ hat ihren Ursprung im religiös motivierten Fasten. „Carne vale“ heißt im Lateinischen „Fleisch, leb wohl“. Wenn die Passionszeit und mit ihr das Fasten am Aschermittwoch beginnt, dann sind (theoretisch) viele Speisen und Getränke für die nächsten 40 Werktage verboten. Alkohol gehört dazu, Fleisch ebenfalls.

Beim nächsten Spiel werden die Karten wieder neu gemischt

„Die Quacksalber von Quedlinburg“ heißt das im vergangenen Jahr ausgezeichnete Strategiespiel, das die grauen Zellen am einen Tisch glühen lässt. Nebenan wird ganz konzentriert gewürfelt, damit bei „Mensch ärgere dich nicht“ die richtige Zahl herausspringt. Am dritten Tisch wiederum liegt die Präferenz auf den Kartenspielen. Erst ist es das gute alte Rommé, dann folgt mit „Just One“ eine modernere, diffizilere Ausgabe. Dazu ist der Schrank ist Kellerraum des evangelischen Gemeindehauses prall gefüllt mit einer Vielzahl von Spiel-Varianten, die keine Wünsche offen lassen.

Ob‘s die Karten-Klassiker sind, die bereits von den Großeltern „gekloppt“ wurden, oder die aktuellen Gesellschaftsspiele, bei denen viel Gehirnschmalz eingesetzt werden muss: Auch im Smartphone-Zeitalter hat diese Form der Freizeitbeschäftigung zusammen mit Gleichgesinnten nichts von ihrer Faszination verloren. Das zeigt jeden ersten Freitag im Monat der Spieleabend im evangelischen Gemeindehaus.

Die Idee dazu hatte Stadtjugendpfleger René Tunn, der seit jeher an Gesellschaftsspielen interessiert war. Gesagt, getan: „Zu Beginn testeten wir verschiedene Spiele während des offenen Donnerstags-Treffs“, erinnert sich Tunn. Die Jugendlichen waren von diesen so begeistert, „dass wir uns dazu entschieden, einen monatlich stattfindenden Spieltreff für Jung und Alt in den Wintermonaten zu initiieren“.

„Mindestens zehn Spielinteressierte zwischen elf und 76 Jahren sind pro Veranstaltung da“, freut sich Tunn über die große Resonanz. Außerdem sind noch vier Spieleerklärer dabei, die den Teilnehmern zum einen bei den Grundzügen helfen, zum anderen auch bei Fragen zwischendurch als Ansprechpartner fungieren. Die Veranstaltung bis dato an die 80 Besucher. „Manche kommen einmal pro Spielesaison und andere sind regelmäßig dabei“, hat er festgestellt.

Warum Spielen? „Das eröffnet Lernfelder“, weiß Tunn. Man lernt mit Niederlagen umzugehen und mit anderen Menschen zu kooperieren. „Das Gewinnen sorgt für schöne Erlebnisse“, hat er festgestellt. Eine wichtige Erfahrung ist laut Tunn aber auch, „dass das Verlieren zum Leben dazugehört und schon im nächsten Spiel die Karten neu gemischt werden“. Werte wie Fairness, Respekt, Toleranz und Gleichheit sind genauso wichtig wie Offenheit und der gemeinsame Dialog – egal ob es sich um kooperative Spiele handelt oder man im Wettstreit gegeneinander antritt.

Gesellschaftliche Ereignisse führten Ende 2018 dazu, dass sich eine Gruppe von Spielebloggern zusammentat, um die Wichtigkeit dieser Werte hervorzuheben, erläutert der Stadtjugendpfleger. Innerhalb kürzester Zeit schlossen sich hunderte Spielblogger der Aktion „Spielend für Toleranz“ an. Die Jury des „Spiels des Jahres“ unterstützte sie ebenfalls. „Aktuell steht unser Spieltreff genau unter diesem Motto“, so Tunn. Die Spiel-des-Jahres-Jury sponserte im Dezember den Treff mit einem großzügigen Spielpaket, erzählt er.

Gespielt werden an den Freitagen aktuelle Karten-, Würfel- und Brettspiele wie etwa Looping Louie, Geistesblitz, Klask oder Speed Cups sowie Klassiker wie Dame, Mensch ärgere dich nicht und Rommé. Ob ein kurzes Würfel- oder ein Legespiel oder verschiedene Fungames: „Für jeden ist etwas dabei“, versichert Tunn. Der Einzelne kann aus sich rausgehen, aber auch das Erlebnis in der Gruppe genießen.

Spieleerklärer Tim Koch, ein Mitinitiator des Spieltreffs, ist Jurymitglied beim „Spiel des Jahres“. Durch ihn kommen die Teilnehmer – neben seinem unschätzbaren Wissen auf dem Spielebereich – in den Genuss, jedes Mal Neues ausprobieren zu können, ohne diese Spiele gleich kaufen zu müssen. Er hat beobachtet, dass sich die Spiewle immer weiterentwickeln. „Die sind heute Lichtjahre vom früheren Mensch ärgere dich nicht entfernt.“  Das bei dem Treff am meisten gehörte Geräusch „ist übrigens das Lachen der verschiedenen Teilnehmer“, hat René Tunn beobachtet.

Info: Der nächste Spieleabend findet am Freitag, 5. April, von 18 bis 22 Uhr im Keller des evangelischen Gemeindehauses statt. Mehr Infos bei Stadtjugendpfleger René Tunn unter 06068/7590985.

Vom Roten Moor in Olfen als Meerjungfrau ans Rote Meer in Ägypten: Stella Stegmann nimmt am Miss Mermaid-Wettbewerb teil

Als Meerjungfrau in den warmen Gewässern des Roten Meeres herumplantschen? Für Stella Stegmann aus dem kleinen Oberzent-Stadtteil wird dieser Mädchen-Traum bald wahr. Die 21-Jährige hat sich für den „Miss-Mermaid-Germany“-Wettbewerb qualifiziert, der ab 31. März im ägyptischen Hurghada stattfindet. Nur gut aussehen reicht aber nicht, betont die Odenwälderin: Sie muss auch schwimmerisch fit sein und sich daneben im Interview beweisen. Für die Einser-Abiturientin des Michelstädter Gymnasiums kein Problem, lächelt sie selbstbewusst.

Geboren in Frankfurt, kam sie mit sechs Monaten in den tiefen Odenwald. Ihre Eltern hatten auch noch den zweieinhalb Jahre älteren Bruder Jannis mit im Gepäck. „Sie dachten sich, es ist schöner, auf dem Land als in der Großstadt aufzuwachsen“, schmunzelt Stella. Es folgte der „klassische Schulweg“, wenn jemand in Oberzent wohnt: Grundschule in der Stried Beerfelden, Oberzent-Schule, Gymnasium Michelstadt.

Schon mit 13 Jahren fing Stella an zu modeln. Seit sie nach dem Abi fürs Duale Studium bei Siemens nach München gezogen ist, „gehe ich das etwas professioneller an“, erzählt die Olfenerin. Sie bereitet sich in der bayrischen Landeshauptstadt auf den Bachelor in Business Administration vor, eine Art international ausgelegtes BWL-Studium.

Da die Teilnehmerinnen des Miss Mermaid-Wettbewerbs sportlich fit sein sollen, kommen der 21-Jährigen ihre bisherigen, vielfältigen Aktivitäten sehr entgegen. „Tanzen ist meine große Leidenschaft“, schildert sie. Ihre ersten Schritte machte sie bei der Tanzschule Hinkelbein in Michelstadt. Stella engagierte sie bereits bei Tanzmodenschauen mit den Schwerpunkt Choreographie. In Olfen unterrichtete sie lange Zumba, in Airlenbach spielte sie Tischtennis.

Der Kontakt zu William Balser, dem Organisator des Meerjungfrauen-Contest, kam im vergangenen Jahr durch ihre Teilnahme an einer Miss Hessen-Wahl zustande. Im Dezember bewarb sie sich und bekam bald darauf die Zusage. „Ich habe vorher vom Meerjungfrauen-Schwimmen noch nie was gehört“, gesteht die Olfenerin. „Das ist eine sehr faszinierende Idee“, sagt sie. Die junge Frau fühlt sich „geehrt“, unter den zwölf Teilnehmerinnen zu sein.

Mit einer von der Firma Magictail zur Verfügung gestellten Flosse durfte sie ausprobieren, wie sich das Schwimmen damit anfühlt. „Ich bin beeindruckt, wie schnell man damit vorankommt und wie ergonomisch es ist“, sagt Stella. Nicht der Fantasy-Effekt, sondern der Sport, den man dabei betreibt, steht für sie im Vordergrund. „Ich bin schon immer gerne geschwommen“, erzählt die 21-Jährige. Jetzt ist es eben noch ein bisschen mehr, um demnächst topfit zu sein.

Daneben übt sie auch das Tauchen, weil es neben dem Fotoshooting auch ein Unterwasserposing geben soll. Das Kostüm gestaltet Stella selbst. Zupass kommt ihr dabei, dass sie schon früher Kleidung selbst genäht und designt hat. Perlen und Muscheln kommen logischerweise zum Einsatz, damit es nach Meer aussieht. Hinzu kommt eine Show, die jede Teilnehmerin selbst einstudieren soll und so ihrer Kreativität freien Lauf lassen kann. „Ich finde es schade, dass Models oft aufs Äußere reduziert werden“, sagt sie. „Dabei ist es doch intelligent, die eigene Schönheit zu nutzen“, meint die Einser-Abiturienten.

Die Wahl-Münchnerin aus Olfen „liebt es, zu den Eltern in den Odenwald zurückzukommen“, fühlt sich aber auch in Bayern sehr wohl. Stella freut sich über die bevorstehenden „zwei Wochen Wärme mit den anderen Mädels“. Untergebracht sind die im Sechs-Sterne-Hotel „Baron Palace“ in der Bucht Sahl Hasheesh bei Hurghada, einem opulenten Strandresort. „Ich liebe es zu reisen“, erzählt sie. Nach der Schule legte sie deshalb ein sechsmonatiges Auslandssemester in Südafrika ein.

„Ich habe sicher keine schlechten Karten“, übt sich Stella in Understatement. Sie möchte natürlich beim ersten Wettbewerb dieser Art, an dem sie teilnimmt, auf jeden Fall aufs Treppchen. Im Verwandten- und Freundeskreis sorgte ihre Teilnahme erst einmal für Schmunzeln, erinnert sie sich. Als Stella dann den Hintergrund erklärte, „sahen die es unter einem anderen Blickwinkel“. Ihre Eltern werden das Abschneiden der Tochter zuhause über die sozialen Medien verfolgen. „Sie sind sehr stolz auf mich“, weiß die 21-Jährige.

Info: www.missmermaid.de oder www.facebook.com/events/331345910853125/

 

Narren setzen in Beerfelden dem Regen ein Helau ohne Ende entgegen

Wohl dem Narr, der sein Regencape mit im Gepäck hatte. Ganze 20 Minuten hörte der Regen beim Umzug in Beerfelden auf, um dann aber in Form von Graupel wieder umso stärker einzusetzen. Der guten Laune der Mitwirkenden tat dies keinen Abbruch. Lautstarkes Helau erschütterte ein ums andere Mal die Innenstadt, wo sich am Metzkeil die meisten Schaulustigen versammelt hatten. Insgesamt waren es weniger Besucher als sonst, die sich auf die Straße getraut hatten, um den nassen Narrenwurm in Augenschein zu nehmen.

Ein kleines Tränchen gab’s bei „Margrets Gymnastikfrauen“ vom TVB zu verdrücken. Die sind schon ein Vierteljahrhundert beim Umzug dabei „und heute sagen wir Goodbye“. Die Fußgruppe nahm das letzte Mal teil. Aber natürlich entsprechend lautstark und farbenfroh in allen Bonbonpapier-Schattierungen. Der TV Hetzbach nutzte die Gelegenheit, auf die Feierlichkeiten zu seinem 100. Jubiläum hinzuweisen. Höhepunkt ist am letzten Juni-Wochenende.

Die Carnevalsgesellschaft CGB fuhr ganz groß auf: Großer Elferrat, Große Garde, Kleine Strolche, Kleiner Elferrat, Minimäuse, Tanzmäuse, kleines Prinzenpaar, Kleine Garde und Funkenmariechen waren neben den Dream Girls und den Wild Angels am Start, um die Zuschauer von der unschönen Witterung abzulenken. Regenponchos gab’s in allen durchsichtigen Farben.

Der Elferrat in seinem großen Narrenschiff hatte alles richtig gemacht und das Sonnensegel gesetzt. Dummerweise folgte danach der Brexit-Wagen der Jungen Union, der typisch englisches Mistwetter mitgebracht hatte. „England verschwindet, Oberzent verbindet“, setzten die JU-Leute auf Harmonie. Partymucke bei den „Freestylers“: Das Männerballett aus Sensbachtal brachte heiße Klänge aus dem Tal der Liebe mit.

Kamele sind derzeit des Öfteren in natura auf Deutschlands Straßen unterwegs. Die CGB-Männer der „Blutdruckmesser“ importierten ihr vermenschlichtes Höckertier allerdings direkt aus Ägypten, wohin sie auch als Mumien bei „Walk like an Egyptian“ lautstark entführten und mordsmäßig Radau machten. Getreu dem diesjährigen Motto: „Die Mumie singt, das Kamel lacht – Beerfelden feiert Fassenacht.“ Überhaupt, die Tiere: Der kleine Elferrat war mit einem kompletten Zoo unterwegs wie auch verschiedene Fußgruppen der Fantasie freien Lauf ließen. Derzeit immer angesagt: Einhörner.

Ob’s wohl Absicht war? Den „Chaostrupp“ hatten die Zugmarschalls Volker Grohmann und Jürgen Rüting ganz nach hinten platziert (damit er keinen Unfug macht?), während vorn die anderen Gruppen tapfer den Metzkeil erklammen, wo die größte Faschingsmeute auf sie wartete. Über Marktstraße, Geißgasse, Kirch-, Jahn- und Odenwaldstraße ging’s wieder am Metzkeil vorbei, um dann über Gammelsbacher, Neue und Hirschhorner Straße zur Alten Turnhalle einzubiegen, wo es endlich trocken wurde. Denn während der zweiten Hälfte des Umzugs schüttete es so kräftig, dass es alle erwischte.

Der TV Gammelsbach nahm sich die fehlenden Ehrenamtlichen zur Brust und sah das Schiff schon am Untergehen. Mit Schlachtboot und Rettungsringen hatten sich die Mitglieder dafür gerüstet. Passte auch zum Wetter. „Wenn keener mei im Veroin was macht, is irgendwann Schicht im Schacht“, hieß es. Der „Wohnwagen Rothenberg“ musste aufgrund der Witterung kurzfristig absagen, da er mitsamt der Musikanlage nicht für das regnerische Wetter ausgelegt war.

Bei knapp 30 Zugnummern schätzte Sitzungspräsident Robin Hemberger die Teilnehmerzahl auf 300. Vom CGB waren alle Gruppen dabei. „Ich denke mal exakt 111 Leute“, grinste er. Den Umzug durch die Stadt am Berge gibt es seit den 50er Jahren. Die Zuschauerzahlen „waren schon immer locker vierstellig“, freute er sich.