Sängern zittert vor Wut die Stimme

Thomas Johe ist stinksauer. Auf die Palme gebracht hat die MGV-Vorsitzenden in Sensbachtal die mangelnde Wertschätzung seiner Sängerzunft durch die hessische Landesregierung. Johe weiß sich mit den klingenden Kehlen aus dem ganzen Bundesland in seiner Wut vereint. Geschürt wird die durch einen Passus in den neuesten Corona-Bestimmungen des Landes: „Es wird davon ausgegangen, dass ein besonderes öffentliches Interesse für Chorproben nicht besteht.“

Es sind klangvolle Namen, die daraufhin einen Brandbrief an die Landesregierung mit Volker Bouffier und Sozialminister Kai Klose an der Spitze verfasst haben, sodass diesen die Ohren klingeln dürften. Claus-Peter Blaschke, der Präsident des Hessischen Sängerbundes, gehört dazu. Oder Christoph Degen, Präsident des Hessischen Musikverbands.

„Chor- und Orchesterproben, die nicht beruflich bedingt sind und für die deshalb kein öffentliches Interesse besteht, dürfen daher aktuell nicht stattfinden“, heißt es weiter in den Ausführungen der Regierung. Die Chor- und Orchester-Szene in Hessen „ist vielfältig und momentan nur aus Gründen des Infektionsschutzes nicht in Präsenz aktiv“, entgegnen dazu die Unterzeichner, zu denen auch Volker Bergmann, Präsident des Mitteldeutschen Sängerbunds, gehört.

Dass die Sänger lange nichts von sich hören ließen, hat laut dem Schreiben „mit unserer Vernunft und unserem gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein“ zu tun. Offensichtlich, so die Verfasser weiter, „waren unsere zahlreichen Mitglieder (bewusst) zu leise, weshalb ihre Bedeutung von Ihrer Seite auf fatale Weise falsch gedeutet wurde“.

Die Amateurmusik, argumentiert unter anderem Michael Gerheim, Vorsitzender der Hessischen Chorjugend, trägt seit Jahren zum Zusammenhalt in der Gesellschaft bei. Sie ist essentieller Bestandteil außerschulischer Bildung, Stätte des multikulturellen Austauschs und fördert (wissenschaftlich vielfach erwiesen) Gesundheit, ergänzt Kollegin Sabrina Berktold, Vorsitzende der Landesmusikjugend Hessen.

Weitere Vorteile: Musik erhöht die Lebensqualität, schafft Freundschaften und Zusammenhalt und ist Teil der Identität zahlreicher, insbesondere junger Menschen in Hessen. Ähnliche Begründungen wurden von der Regierung für die Erlaubnis zur Wiederaufnahme des Amateursportbetriebs herangezogen, argumentiert Fanni Mülot vom Landesverband Hessischer Liebhaberorchester.

Sie alle eint die Forderung nach einer Gleichbehandlung von Amateurmusik und Amateursport. „Musikproben und -konzerte können mit effektiven Hygienemaßnamen ebenso im Freien stattfinden wie sportliche Aktivitäten“, betont für den MGV Sensbachtal Thomas Johe. Er sieht in einer Vernachlässigung der Amateurmusik existentielle Probleme aufgrund der langen Ruhephase vorprogrammiert.

Mit Blick auf Oberzent spricht Johe von momentan zehn aktiven Gesangvereinen. Diese „bewegen und verbinden dadurch hunderte von Personen“. Die Altersstrukturen, so der Vorsitzende, reichen von Jugendlichen bis hin zu ganz alten, über 80-jährigen Kameraden. Johe wird von Sängern und Freunden des Vereines regelmäßig gefragt, „wann es wieder mit dem Singen weiter gehen kann“, erläutert er, und zeigt sich sehr froh, dass die Sangeskameraden ungebrochenes Interesse am Musizieren haben.

Dr MGV-Vorsitzende weist darauf hin, dass auf dem Land ein Gesangverein oftmals nicht nur seine Stimmen ertönen lässt. Sondern, und das ist im Sensbachtal nicht anders, vielfältig zum kulturellen Leben auf den Dörfern beitragt. Wenn ein Verein somit stirbt, dann betrifft dies im Tal der Liebe auch Fastnachtveranstaltungen und Laienspieltheater. „Möchten Sie und Ihre Kollegen dies zu verantworten haben?“, richtet Johe anklagend seine Worte gen Landesregierung.

Im vergangenen Jahr wurden über mehrere Wochen in einer sehr guten Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Odenwaldkreis mehrere Hygienekonzepte für Singstunden und gesangliche Veranstaltungen ausgearbeitet, erklärt Johe. „Dies nenne ich konstruktive Lösungen erarbeiten“, meint er süffisant. Denn genau solche vermisst der Vorsitzende „mit diesem Beschluss auf ganzer Linie“.

Anstatt alles zu regulieren und zu verbieten, fordert er vom Land, „könnten Sie und Ihre teuer bezahlten Berater sich darüber Gedanken machen, konstruktive Konzepte auszuarbeiten, wie die Menschen wieder ein Stück Normalität bekommen können“. Er hätte es nie für möglich gehalten, betont Johe, „dass es eine solche kulturelle Zensur in Deutschland nochmals geben würde“.

Electro und House vor Odenwald-Kulisse

Die Corona-Pandemie bringt einige Herausforderung für junge, aufstrebende Musiker aus dem Odenwald mit sich. Gerade hatten sie sich die ersten Sporen mit Konzerten, eigenen Songs oder Plattenproduktionen verdient, kam plötzlich der scharfe Schnitt. Aber die Künstler sind kreativ, lassen sich nicht unterkriegen und planen für die Zukunft. Einer davon: der Electro-DJ Leon Volk aus Beerfelden. Er nutzt während des Lockdowns seine Zeit intensiv.

„Ich habe mich auf virtuelle Formate konzentriert und ziemlich viel herum experimentiert“, erläutert der 18-Jährige. Damit wollte er auch herausfinden, was seinen Followern gefällt. Ende vergangenen Jahres erstellte Leon außerdem seine erste Website (www.leonvolk-music.com), um neben den Social-Media-Kanälen eine weitere Plattform zu bieten. Hier gibt es weiterführende Information und „hoffentlich auch bald Termine meiner Auftritte“, sagt er. Es macht ihm Spaß, sie weiterzuentwickeln und mit Inhalten zu füttern.

Auf seinen Social-Media-Kanälen war der Schüler in der vergangenen Zeit sehr aktiv. Unter anderem nahm er Instagram Reels, kleine Kurzvideos, auf, die zeigen, „wie ich Musik am DJ-Mischpult kreativ und leidenschaftlich auflege und mixe“. Als Vorbild wählte sich Leon den Star-DJ James-Hype aus Großbritannien, der permanent solche Videos postet. Damit „möchte ich nicht nur die Leute im Lockdown unterhalten, sondern auch Lust und Laune auf den Sommer machen“, betont er.

Einige Reels wurden über 1500 Mal angeschaut, freut er sich. Das ist für ihn als Newcomer ein großer Erfolg. Zusätzlich erstellte der junge Musiker viele persönliche Instagram-Storys. „Ich finde es wichtig“, hebt Leon hervor, „mich mit meinen Followern in dieser schwierigen Zeit auszutauschen“. Damit will er auch herausfinden, wie sie ihren Alltag gestalten – und sie durch seine Musik ein wenig von der Tristesse ablenken.

Die vielen leeren Monate nutzte Leon außerdem dazu, neue Social-Media-Kanäle auf Twitch, TikTok und Clubhouse zu eröffnen. Auf Twitch gab es von ihm kleinere Live-Streams zu sehen, zunächst für seine Freunde. Dabei kam ihm die Idee, Live-Streams an den schönsten Plätzen im Odenwald aufzunehmen. „Raus aus dem Haus und rein in die Natur“, setzte er den Gedanken mit seinem Bruder Florian um.

Nach dem Brainstorming gingen die beiden direkt in die Umsetzung. Mit organisatorischer Unterstützung der Freunde Ronny Krämer und Fabio Wimmer gab es vor ein paar Wochen den ersten Live-Test-Set im Sensbachtal. Der war „allerdings noch nicht ganz so perfekt war“, erzählt er selbstkritisch. Jedoch: Die Resonanz auf den Instagram-Post „war trotzdem überwältigend“.

„Das hat mich sehr gefreut“, sagt Leon. Deshalb will er eine ganze Serie von Live-Sets mit ein bis zwei Stunden im Frühjahr und Sommer aufnehmen. So will der 18-Jährige die Electro und House Music „mit der atemberaubenden Landschaft des Odenwaldes kombinieren“. Am liebsten möchte er, erläutert der Beerfeldener, sie an den schönsten Stellen aufnehmen und auf YouTube, Instagram, TikTok und Facebook promoten.

Leon Volk strebt deshalb an, seine Follower auf Instagram aktiv in die Gestaltung mit einzubinden. Er bittet sie, ihm ihre schönsten Plätze zu verraten. Um das ganze Vorhaben weiter auszubauen, „habe ich mir Verstärkung aus Michelstadt in mein Team geholt“, erzählt er. Heiko Steiger und Konrad Kiesling, mit denen der 18-Jährige 2020 den Abi-Live-Stream fürs Gymnasium drehte, werden ihn auf der technischen Seite zukünftig unterstützen.

Die Corona-Pandemie „zeigt aber auch deutlich, dass das ganze Vorhaben sich nicht einfach gestalten und umsetzen lässt“, bedauert er. Denn die drei müssen stets auf die Einhaltung der Corona-Regeln achten, um kein Risiko einzugehen. Manchmal fehlt Leon auch das passende Equipment. Das nötige Kleingeld als Schüler „reicht oftmals nicht aus, um professionelles Equipment zu beschaffen“, erklärt er.

Deshalb ist der Musiker intensiv auf der Suche nach Partnern und Sponsoren, „die unser Projekt unterstützen und gemeinsam weiterentwickeln möchten“. Aktuell findet bereits ein erstes Gespräch mit einem potenziellen Partner statt, der das Konzept gerne unterstützen und professionell aufsetzen möchte. Weitere Interessenten sind willkommen. „Außerdem bin ich über jede Anfrage für einen Auftritt sehr dankbar“, betont Leon.

Kontakt: Instagram @leonvolk_music, Facebook @leonvolkmusic, www.leonvolk-music.com, E-Mail kontakt.leonvolk@gmail.com

Stadt ist mit am Ball

Zuerst hatte es so ausgesehen, als ob es bei der Abstimmung ähnlich holpern würde, wie wenn die Kicker von Türkspor Beerfelden auf ihrem Fußball-Acker den Ball versuchen lassen zu laufen. Aber dann ging es zum Schluss doch ganz schnell: Die Stadtverordneten-Versammlung hob in der letzten Sitzung der laufenden Legislaturperiode einstimmig den Haushalts-Sperrvermerk über 60.000 Euro auf. So hoch ist der städtische Zuschuss zur Platz-Sanierung, wenn der Verein alle anderen Kriterien erfüllt.

Den Diskussionsball hatte Frank Leutz (FDP) ins Rollen gebracht. Er berichtete von der kurzfristigen E-Mail eines Anliegern. Auf Rückfrage dazu bei Türkspor bekam er die Nachricht, dass die Themen bereits mit dem Bauamt abgeklärt seien. Stadtbaumeister Peter Bauer entgegnete dazu, dass mit dem Türkspor-Architekturbüro Prozedere, Aufbau und Platzzustand besprochen wurden. Die Anwohnerfrage beziehe sich auf den Zuweg hoch zur „Heumatte“.

Der ist laut Bauer Erschließung nicht nur für den Sportplatz, sondern auch fürs dortige Wohngebiet gedacht und in einem „schlechten Zustand“. Sollte eine grundhafte Erneuerung irgendwann nötig werden, wäre diese nach der Straßenbeitragssatzung abzurechnen. Der Weg, schätzt der Stadtbaumeister, „wird durch den Sportplatzbau nicht besser“. Schon bisher wurde er mit schwerstem landwirtschaftlichem Gerät befahren.

 Bauer betonte, dass das anfallende Oberflächenwasser „oben abgenommen werden muss“, sprich am Sportplatz. Er bezog sich dabei auf eine weitere Frage von Leutz. Vor circa 20 Jahren, so der Verwaltungsmitarbeiter, sei dies geregelt worden, weil damals das kühle Nass auf ein darunter liegendes Grundstück floss. „Seit ein paar Jahren habe ich dahingehend nichts mehr gehört“, nimmt Bauer an, dass sich die Thematik erledigt hat.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) plädierte trotz der aufgekommenen Fragen für eine Abstimmung. „Jeder, der den Platz kennt, weiß um den Sanierungsbedarf“, sagte sie. Die aufgeworfenen Punkte könne man unabhängig von der Mittelfreigabe klären. Das sah auch Walter Gerbig (CDU) so. „Es geht nur um die Aufhebung des Sperrvermerks“, betonte er. Mit den Detailfragen könnte sich dann der neu gebildete Bauausschuss beschäftigen.

Thomas Ihrig (SPD) wollte wissen, wie der Erschließungsweg baulich definiert wird. Denn ist er quasi im Ursprungszustand und wurde noch nie offiziell erschlossen, dann würden bei einer grundhaften Sanierung 90 Prozent der Kosten auf die Anlieger umgelegt. Wird eine bestehende Strecke saniert, sind es „nur“ 75 Prozent. Laut Bauer wird der Weg „schon seit Jahrzehnten als normale Anliegerstraße genutzt“, tendierte er zur zweiten Variante.

Angesprochen wurde daneben, dass es auf der Heumatte praktisch keinen Raum für weitere Parkplätze gibt. Das könnte, so die Annahme aus der Runde, sowieso den Sportplatzverkehr eindämmen, weil dort nur wenig Autos parken können. „Wir wollen die größtmögliche Förderquote“, betonte Bürgermeister Christian Kehrer im Anschluss auf die Frage von Yannick Ullmann (CDU). Mit den entsprechenden Behörden steht man in Kontakt.

Dass sich der Türkspor-Platz in einem bemitleidenswerten Zustand befindet, konnten die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses bereits bei einem Vor-Ort-Termin erkennen. Der rührige, 1979 gegründete Verein will in Zukunft nicht mehr auf einer Schlaglochpiste kicken, sondern auf Kunstrasen. Deshalb wurde auch die Stadt wegen eines Zuschusses angefragt.

Bei Türkspor handelt es um einen der ältesten türkischen Vereine in Deutschland, erläuterte Bürgermeister Kehrer bereits in der Ausschusssitzung. Die 70 Mitglieder unterhalten ein eigenes Vereinsheim. Wie das Stadtoberhaupt erklärte, bringen sich die Fußballer vielfältig ins örtliche Leben ein. Es gibt eine Vielzahl von Sponsoren, die bei einer Sanierung mit im Boot sind.

Der jetzige Acker ist in einem schlechten Zustand, „der Seinesgleichen sucht“, machte der Rathauschef klar, dass der Ball ungeahnte Wendungen nimmt. Zusammen mit einer Flutlichtanlage soll das neue Fußball-Feld 420.000 Euro kosten. Verschiedene Zuschüsse soll es in Höhe von 82.000 Euro geben.

Dazu kommt eine Eigenkapitalbindung von 50.000 Euro. Weitere 200.000 Euro nimmt Türkspor als Darlehen auf. Die Stadt wäre mit 60.000 Euro Förderung dabei. Mit dem Mehrwertsteuerausgleich soll dann die Komplettsumme erreicht werden. Städtisches Geld wird erst fließen, wenn die finanzierende Bank grünes Licht gibt.

Im Odenwald mit regionalen Rohstoffen arbeiten

Handwerk hat goldenen Boden, weiß schon der Volksmund. Die Firma Pracht aus Falken-Gesäß ist das beste Beispiel dafür. Geschäftsführer Daniel Pracht hat große Pläne: Die bisherigen Betriebsstätten sollen in einem Neubau zusammengefasst werden, der am Ortsausgang von Beerfelden Richtung Finkenbach geplant ist. Eine Verdoppelung der Betriebsfläche von 2000 auf 4000 Quadratmeter ist geplant. Außerdem sollen zu den bisherigen 24 Mitarbeitern weitere dazukommen.

„Ich bin hier zuhause“, fühlt sich der 35-Jährige im Odenwald verwurzelt. „Ich find’s toll hier.“ Auch wenn die Firma viele Kunden Richtung Heidelberg hat, plant er den Neubau nicht dort, sondern bewusst in Oberzent. Das hätte sicher Opa Georg gefallen, der die Schreinerei 1957 in Falken-Gesäß gründete. Enkel Daniel übernahm sie vergangenes Jahr von seinem Vater Helmut als Geschäftsführer und führt sie nun unter dem Namen „Pracht Living“ fort. Alles rund um den Innenausbau steht auf der Agenda.

Die erste Hürde für den Neubau ist genommen. Die Stadtverordnetenversammlung fasste jetzt den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan. Nun werden die Öffentlichkeit und die Träger öffentlicher Belange für das Vorhaben in der Hirschhorner Straße 2 gehört. Im Frühjahr 2022 würde Daniel Pracht gern loslegen, wenn bis dahin alle vorbereitenden Arbeiten über die Bühne gegangen sind.

„Wir wollen uns besser für die Zukunft aufstellen“, erläutert der Geschäftsführer die Neubau-Überlegungen. Die ursprüngliche Werkstatt wurde inzwischen viel zu klein, ebenso wie das Lager in Beerfelden und das daneben liegende, gerade fertig gestellte Planungsbüro. Für den inzwischen sechsten Transporter gibt’s keinen Parkplatz. Da sich der Betrieb verstärkt hochwertigem Innenausbau zuwendet, „wollen wir die Prozesse selbst im Griff haben“, erzählt Pracht. Dazu gehört auch die Erweiterung der Produktion. Alles soll unter einem Dach ablaufen.

Er bedauert, dass derzeit „das Team räumlich auseinander gerissen ist“. Pracht wünscht sich „mehr Begegnung“, wodurch auch der Teamgeist gefördert wird. Dazu kommen noch ersparte Wege zwischen Beerfelden und Falken-Gesäß. Am neuen Standort wird bereits für die Zukunft vorgesorgt: Es gibt eine Erweiterungsfläche von noch einmal 4000 Quadratmetern auf insgesamt einem Hektar.

Mit den Grundstückseigentümern im betreffenden Bereich suchte der Geschäftsführer bereits das Gespräch, sagt er. Vor weiteren Schritten sollen nun die Rückmeldungen der Behörden abgewartet werden. Außerdem steht noch die Bezifferung der Erschließungskosten aus. So oder so: „Das ist ein Riesenschritt für uns“, betont der 35-Jährige. „Wir investieren kräftig.“

Pracht sieht den Betrieb „sehr gut aufgestellt, um den Schritt gehen zu können“. Der muss in seinen Augen sogar gegangen werden, „damit wir uns weiterentwickeln können“. Das Handwerk, erläutert er, wird auch auf dem Land stark nachgefragt, wenn es Qualität bietet. Durch die Corona-Pandemie hat sich darüber hinaus der Blick auf die eigenen vier Wände gewandelt, stellt er fest. „Die Leute sind mehr zuhause“, erklärt er. Dadurch wird mehr Wert aufs Wohlbefinden und eine Steigerung der Lebensqualität gelegt.

Der Geschäftsführer nennt noch einen weiteren Grund, weshalb er in den kommenden Jahrzehnten mit einem Boom der Branche rechnet. Wohnhäuser müssten verstärkt energetisch saniert werden, schildert Pracht die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben. „Da ist jede Menge zu tun.“ Schon mit einfachen Mitteln, wie etwa der ausgetauschten Wohnungstür, lässt sich seinen Worten nach ein positiver Effekt erreichen.

Der Trend geht für Pracht zu „wertigen Produkten, an denen man Freude hat“. Ein „Weiter so“ unter dem Billig-Aspekt ist für ihn keine Alternative – schon allein mit Blick auf die dadurch ausgebeutete Umwelt. Der Betrieb will „nachhaltig, zeitgemäß und modern produzieren“, betont er. Und das zu günstigen Preisen. Zum Einsatz kommen sollen dabei möglichst Rohstoffe aus dem Odenwald. Dieses Bekenntnis zur Mittelgebirgsregion trägt die neue Marke auch im Namen: „Pracht Odenwald Germany“.

Die regionale Verbundenheit bekräftigt Pracht mit der Aussage: „Ich bin hier verwurzelt und will was vor Ort aufbauen.“ Es steht für ihn nicht zur Debatte, mit dem Betrieb woanders hinzugehen. Es gibt Visionen, Lösungen und klare Vorstellungen, „wo wir hinwollen“, bekräftigt der 35-Jährige. Ihm ist es sehr wichtig, dass sich das Handwerk zum einem „neuen Miteinander weiterentwickelt“.

Osterlicht geht virtuell durch den Odenwald

Das östliche Hochfest ist in der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden nicht als Präsenzgottesdienst geplant. Es gibt eine breit angelegte „Mitmach-Aktion“, erklärt Pfarrer Roland Bahre. Er stellt auf YouTube unter „Kanal Kirche Beerfelden“ das komplette Oster-Programm mit seinen verschiedenen Punkten vor und erläutert dort das Vorhaben.

Bahre will möglichst viele Menschen ansprechen und zeigen, „dass unser videobasiertes Verkündigungsprogramm keine One-Way-Kommunikation ist“. Christen sollen an Ostern dazu aufgerufen werden, nicht nur zu konsumieren und sich „vor der Glotze oder dem Smartphone berieseln zu lassen“, betont der Geistliche. Christentum bedeutet Gemeinschaft, bedeutet aktive Partizipation, hebt er hervor. Ihm geht es um „Gott hören und von ihm gehört werden, miteinander und mit Gott in Kontakt kommen“.

Der Pfarrer ruft deshalb zu auf, ihm bis spätestens Gründonnerstagabend ein kurzes, selbstgedrehtes Video per WhatsApp auf die Nummer 0170-3479777 zu schicken (im Querformat). In dem soll die Osterbotschaft sinnbildlich nachempfunden werden: dass Jesus Christus mit seiner Auferstehung das Leiden der Welt durchbrochen und in die Dunkelheit Licht gebracht hat. Möglichst viele Gläubige sollen mit einfachen Mitteln filmen, „wie sie eine Kerze im Dunkeln entzünden und sich das Licht im ganzen Raum ausbreitet“, wünscht sich Bahre.

Die Kerze, erläutert er, kann irgendeine oder eine mit besonderer Bedeutung sein: eine Taufkerze etwa oder eine Hochzeitskerze. Oder eine andere mit anderer, persönlicher Bedeutung. Das Ziel des Pfarrers ist eine breite Beteiligung. Es wäre schön, sagt er, „wenn wir auf diese Weise zeigen könnten, wie verbunden wir miteinander sind und gerade in der heutigen Zeit darum beten, dass endlich Licht in unsere Dunkelheit einzieht“. Die eingesendeten Videosequenzen werden zusammengeschnitten und im „Oster-KreuzWort“, also der Videobotschaft zu Ostersonntag, veröffentlicht, kündigt er an.

Die Osterverkündigung wird dieses Jahr auf drei Säulen gestellt, berichtet der Geistliche. Die erste: Bahre hat frühzeitig eine Broschüre erstellt, die am Gründonnerstag allen Haushalten der Kirchengemeinde kostenfrei zugestellt wird. In ihr finden sich Anregungen, „wie in privatem Rahmen an Karfreitag und Ostersonntag Andacht gehalten werden kann“, erklärt er. Außerdem gibt es Liedvorschläge für diese beiden Feiertage.

Die zweite Säule findet vor Ort statt. „Wir haben am Ostersonntag eine Turmandacht geplant“, erläutert der Pfarrer. Wie bereits zu Weihnachten wird sie direkt vom Turm der Martinskirche aus stattfinden. Mit Hochleistungsboxen und in Zusammenarbeit mit dem Bestattungshaus Ihrig in Beerfelden werden vom Turm aus Worte aus der Bibel gelesen und wird österliche Musik erklingen.

„Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen können, kommt die Kirche zu den Menschen“, ist Bahres Maxime. Um Menschenansammlungen zu vermeiden, „können wir leider nicht die genaue Uhrzeit der Turmandacht bekanntgeben“, bedauert er Allerdings wird sie am Ostersonntag aufgenommen und am Ostermontag um 10 Uhr auf den YouTube-Kanal gestellt, „damit jeder etwas davon hat“.

Die dritte Säule ist das reichhaltige videobasierte Verkündigungsangebot: So bereichern nicht nur Iris Thierolf mit kirchenmusikalischen Beiträgen den YouTube-Kanal, sondern auch die „KreuzWorte“ – also Videobotschaften – an Karfreitag und Ostersonntag.

Sonntag und an Ostern wird online gesungen

Ungeachtet der zwischenzeitlichen Diskussion um Präsenzgottesdienste an den Osterfeiertagen steht das Online-Konzertprogramm der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden bereits. „An Ostern wird es ein Konzertvideo geben“, kündigt Kantorin Iris Thierolf an. Denn egal wie die Abstimmungen aussehen werden: „Öffentlich musiziert werden darf ja nach wie vor nicht“, bedauert sie. Deshalb gibt es zu Ostern ein kleines musikalisches Highlight online, kündigt die Chorleiterin an.

Mit ihr gemeinsam werden Arne Müller (Violine), David Krahl (Bariton), Annika Hofmann (Sopran) und Larissa Lenz (Alt) musizieren. „Nicht alle gleichzeitig, sondern nacheinander.“ Außerdem erklingen österliche Orgelklänge, schwungvoll und tanzend, von Thierolf auf der Königin der Instrumente angestimmt, und ein Frühlingsgruß des Kirchenchores. Am Ostersonntag, 4. April, 18 Uhr, wird das Video auf YouTube im „Kanal Kirche Beerfelden“ zur Verfügung stehen, kündigt sie an.

Bereits am Sonntag, 28. März, findet das nächste (Video-)Konzert in der Reihe 2021 statt: dieses Mal mit den Swinging Ladies. „Wir haben mit sehr großem Aufwand die Filmaufnahmen gemacht“, erzählt Thierolf. In der laufenden Woche war es dann ihre große Aufgabe, diese zu einem ansprechenden Konzertfilm zusammenzusetzen. „Bei zwölf Beteiligten eine sehr umfangreiche Arbeit“, schmunzelt sie. Auch dieses Video wird sonntags um 18 Uhr auf dem YouTube-Kanal online gehen.

Es ist der dritte Termin der Konzertreihe 2021, erzählt die Kantorin. Die „Swinging Ladies“ unter Leitung von Iris Thierolf präsentieren sich mit einem Best-of-Programm. „Gemeinsame Proben gab und gibt es nicht“, schildert sie die schwierige Vorbereitung. Die Damen bereiteten sich deshalb alleine zu Hause mit Übungs-CDs gründlich vor. Die wurden von der Kantorin zur Verfügung gestellt.

„Nur an einem Tag wurde geprobt und entstanden gleich die Aufnahmen“, erklärt Thierolf. Dies in zwei Gruppen, da nicht mehr als sechs Personen gleichzeitig mit vier Metern Abstand singen dürfen. „Keine leichten Voraussetzungen“, weiß die Kirchenmusikerin. „Aber das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen“, betont sie. Wenn die Zuhörer schon nicht in die Martinskirche kommen können, „machen Sie es sich doch zu Hause gemütlich bei einem Glas Sekt und genießen die Aufführung“, lädt Thierolf ein.

Die in Etzean wohnende Kantorin machte sich bereits im Herbst vergangenen Jahres bei der Planung des musikalischen Jahresprogramms für 2021 Gedanken darüber, wie ein Konzert aussehen könnte, sollte eine Live-Aufführung nicht möglich sein. Thierolf hatte die Idee, monatlich kleine Konzerte anzubieten, „die überschaubar im Rahmen sind“. Damit wäre der Verlust nicht zu groß, wenn sie ausfallen würden. Was sie aktuell müssen.

Die Kantorin will ausfallende Live-Konzerte ungern komplett absagen. Da das Online-Neujahrskonzert, das sie mit Arne Müller einspielte und von Roland Bahre aufgenommen wurde, in der Kirchengemeinde sehr großen Erfolg hatte, „hat mich das inspiriert, folgende Termine, die wir nicht mit Publikum machen können, auch online zur Verfügung zu stellen“. Dann war die ganze Vorbereitung nicht umsonst und „außerdem bleibt man an den Menschen dran“.

Info: YouTube „Kanal Kirche Beerfelden“, http://www.youtube.com/channel/UC8FHZsWGZCM8WwcU0EaVBLA

Verwaltung steht vor großen Umwälzungen

„Eine gute Organisationsstruktur ist Basis für eine leistungsfähige Verwaltung“, lautete der Titel eines SPD-Antrags auf der vergangenen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses Beerfelden. Die Verwaltung war in der Zwischenzeit aber sowieso schon tätig geworden – was auch damit zusammenhing, dass der Antrag erstmalig im August aufploppte. Somit gab es keinen Anlass mehr für einen entsprechenden Beschluss-Vorschlag an die Stadtverordneten-Versammlung.

Vor mehr als fünf Jahren, erläuterte Fraktionsvorsitzender Thomas Ihrig die Hintergründe, wurde im Rahmen der Fusionsvorbereitungen ein Bericht mit Empfehlungen für den Verwaltungsaufbau der neuen Stadt erstellt. Im vierten Jahr danach sollte nun eine gründliche Überprüfung der damals unterstellten Annahmen angegangen werden, wünschten sich die Sozialdemokraten. Die aktuelle Organisationsstruktur sollte kritisch betrachtet werden.

Eventuell müsse man aus neuen Erkenntnissen Konsequenzen ziehen. Ihrig machte klar, dass es um Organisation und Leistungsfähigkeit geht und sich der Antrag nicht gegen die Mitarbeiter richtet. Vielmehr könnten die Erfahrungen diesen sogar zugutekommen, hob er hervor.

Bürgermeister Christian Kehrer erklärte, dass es 2017 für die Gemeinden eine Umsetzungsbegleitung zur Fusion gab. Allerdings wurde hierbei nicht berücksichtigt, bedauerte er, dass in den vier ehemaligen Kommunen viele Themen existierten, die seither nur unzureichend bearbeitet wurden und die Stadt Oberzent bis heute, auch personell, vor entsprechende Herausforderungen stellen.

Defizite und Schwachstellen in der Verwaltungsorganisation, wie eine fehlende Rechtsabteilung, im Bereich des Satzungsrechts und der Personaleinsatz aufgrund der dezentralen Standorte, sind laut Kehrer bekannt. „Hier wird bereits intensiv an Lösungen gearbeitet“, betonte er. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten in den vergangenen Monaten keine Schulungen stattfinden. Allein durch Webinare „war es nicht möglich, Verwaltungspersonal im gewünschten Umfang zu qualifizieren“.

Weitere Probleme sieht er darin, dass neue Aufgaben, wie Digitalisierung, Umsatzsteuergesetz 2b oder Holzverkauf, auf die Kommunen übertragen werden. Kleinere Gemeinden sollen diese mit dem vorhandenen Personal bewältigen, kritisierte das Stadtoberhaupt. Beantragung und Abwicklung immer weiter zunehmender Fördermittel charakterisierte er als „sehr umfangreich“.

Der Magistrat beschäftigt sich dem Bürgermeister zufolge ständig mit diesem Thema. Man will Personal effizienter einsetzen können und stellte Überlegungen bezüglich der vier Verwaltungsstandorte, der benötigten Anzahl von Mitarbeitern im Bürgerservice und dem Umgang mit der zukünftig zu erwartenden Personalfluktuation an.

Eine Abfrage über den beabsichtigten Rentenbeginn ergab, dass innerhalb der Verwaltung in den nächsten vier Jahren altersbedingt viele Mitarbeiter in Rente gehen, erklärte der Rathauschef. 2024 sind es insgesamt sechs Stellen. Die Erfahrungen der letzten Nachbesetzungen haben seinen Worten nach gezeigt, dass es schwierig ist, geeignetes Fachpersonal zu finden. Innerhalb der Kommunen ist ein Wettbewerb entstanden, der sich verstärken dürfte.

Kehrer zufolge ist es deshalb „notwendig, dass Neueinstellungen frühzeitig erfolgen“. Nur so kann die erforderliche Einarbeitung erfolgen, damit man auch in Zukunft leistungsfähig bleibt. Er blickte nach vorn: Die Verwaltung, wie es sie heute gibt, „wird es in Zukunft nicht mehr geben“. In der Bürgermeister-Kreisversammlung ging es bereits im vergangenen Jahr insbesondere um Themen wie die Zukunft der Kommunen und der Verwaltung sowie weitere Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit.

Von der kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement gibt es eine Stellenbewertungsdatenbank. Hier wird zurzeit von Verwaltungsseite aus überprüft, inwieweit diese Stellenbeschreibungen und -bewertungen auf die Stadt Oberzent übertragen werden können, informierte der Rathauschef.

In Anbetracht dessen wäre die Untersuchung der Organisationsstruktur, wie sie im SPD-Antrag aufgeführt ist, nicht zielführend und zu kurz gedacht, so Kehrer. Der Magistrat hatte in der Zwischenzeit eine Stellenbewertung in Auftrag gegeben. Die entsprechenden Kosten wurden in den Haushalt 2021 eingestellt. Gleichzeitig befürwortete man den SPD-Antrag. Insgesamt finden sich somit 60.000 Euro im Planentwurf wieder, für die ein Zuschuss von 50 Prozent beantragt wurde.

Steht das Rathaus bald zum Verkauf?

Was wird mit dem Schöllenbacher Rathaus, wenn am Bauhof ein neues Dorfgemeinschaftshaus (DGH) entsteht? Der Ortsbeirat hat keine Bedenken gegen eine Veräußerung, sagte Ortsvorsteher Martin Pollak. Allerdings kann er Vorbehalte nachvollziehen, dass bei einem eventuellen Verkauf dieses ortsbildprägenden Gebäudes es nicht mehr in der bisherigen Form gepflegt und erhalten werden könnte. Er weist jedoch auf den Denkmalschutz hin, der enge Grenzen für die künftige Nutzung setzt.

Aktuell sind im ehemaligen Hessenecker Rathaus noch der Bürgerservice und das Friedhofsamt der Stadt Oberzent untergebracht. Außerdem probt dort – außerhalb Corona – der Sängerkranz. Der Spielmannszug ist im Obergeschoss des bisherigen Feuerwehrhauses untergebracht. Das soll ebenfalls verkauft werden, wenn die Brandschützer in den geplanten Anbau am Bauhof umgezogen sind. Die entsprechenden Pläne hatte Bürgermeister Christian Kehrer bereits in einer Ausschusssitzung vorgestellt.

Baulich und energetisch ist das alte Feuerwehrgebäude in keinem guten Zustand. Eine Sanierung macht keinen Sinn mehr, weiß Pollak. Er denkt, dass dafür gut ein Käufer zu finden sein wird. Die Bauhofdienste würden dann von Beerfelden aus organisiert, erläutert der Ortsvorsteher. „Das wird sicher zufriedenstellend geleistet“, denkt er. Gerade der Winterdienst ist hier ein Thema. Entsprechende Vorbereitungen laufen bereits.

Auch die anderen beiden Feuerwehrhäuser im ehemaligen Hesseneck sind nicht auf dem neuesten Stand. Hesselbach ist zu klein für das neue Fahrzeug. Deshalb soll auf dem früheren Schulhof eine neue Halle erstellt werden. Die Umkleiden sind im DGH. In Kailbach geht es um einen Umkleideraum, da dieser separat von den Fahrzeugen vorhanden sein muss. Die Vorplanungen dazu haben laut Pollak bereits stattgefunden.

Die Planung für die Erweiterung der Kailbacher Kita „Wirbelwind“ wurde leicht verändert, erläutert er auf der Ortsbeiratssitzung im Hesselbacher Dorfgemeinschaftshaus. Demnach werden die zusätzlichen Räume in direkter Linie Richtung Spielplatz angebaut und nicht, wie zuvor angedacht, schräg. Das ist kostengünstiger. Pollak hofft, dass die Realisierung im kommenden Jahr ihren Abschluss findet. Während des Umbaus ist ein Ausweichen ins ISV-Vereinsheim möglich.

Parallel richten die Kindergarten-Eltern das gemeindliche Waldgrundstück her und ertüchtigen es, informiert der Ortsvorsteher. Dann können sich die Kinder – nicht nur während des Umbaus – bei schönem Wetter auch dort aufhalten. Denn aktuell geht es ziemlich eng im Wirbelwind zu. Es gilt unter anderem eine alte Hütte abzubauen, die dann vom Bauhof entsorgt werden soll. Das Gelände wurde bereits in früheren Zeiten schon einmal von der Kita genutzt.

Bis zum Jahresende soll die Glocke hoffentlich läuten. Aktuell wird das notwendige Holz für die beiden Glockentürme in Hebstahl und Kailbach in einem örtlichen Sägewerk zugeschnitten, teilt Pollak mit. Angestrebt wird eine Errichtung durch den Bauhof, um eine Ausschreibung zu vermeiden und alles zeitnah realisieren zu können.

Wenn es endlich mal wieder Sommer wird, könnte ein weiteres Waldsofa am Eutersee zum Relaxen einladen. Dieser Wunsch des Ortsbeirats wird gerade vom Magistrat geprüft. Fürs Gremium gibt es viel junges, frisches Blut bei der Wahl, stellt Pollak lobend das Engagement der Ortsbevölkerung heraus.

Corona die Stirn geboten

In der Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl Beerfelden unter der Trägerschaft des Pflegezentrums Odenwald erkrankte bis heute kein Bewohner und kein Beschäftigter an Corona, freut sich Geschäftsführer Michael Vetter. Darüber herrscht in der Einrichtung große Erleichterung. „Wir haben alles unternommen, damit das Virus nicht eindringen konnte“, sagt Pflegedienstleiterin Angela Scheil. Auch in Zukunft werden diese Anstrengungen mit Nachdruck fortgesetzt.

Schon sehr frühzeitig wurden in Beerfelden Schutzmaßnahmen, wie Hygieneregeln und das Tragen von FFP2-Masken, eingeführt, erläuterte Scheil – noch bevor es die entsprechenden Richtlinien vom Land gab. Gleich zu Beginn der Pandemie kaufte das Pflegezentrum Schutzmaterial direkt in Asien ein. Auch Desinfektionsmittel war immer in ausreichender Menge vorhanden, erläutert sie. „Wir mussten damals alles mit erheblichen eigenen finanziellen Mitteln stemmen“, ergänzt Heimleiter Vetter.

Der frühzeitige Beginn eigener kostenloser Testungen von Besuchern und Bewohnern gab seinen Worten zufolge Sicherheit. „Die Bewohner hatten sehr große Angst, an Corona zu erkranken oder sogar daran sterben zu können“, erinnert er sich. Sie konnten und können sich frei im Haus und auf dem Gelände bewegen, erklärt Vetter. Hierzu stehen Restaurant, Kleinkunstbühne, Bistro und Gemeinschaftsflächen zur Verfügung, weiterhin der großzügige Außenbereich mit Sitzgelegenheiten.

Die Soziale Betreuung mit ihren vielfältigen Angeboten und Pfarrer Roland Bahre von der evangelischen Kirchengemeinde mit seinen regelmäßigen Gottesdienst-Angeboten trugen ganz wesentlich zur Abwechslung in der Seniorenresidenz bei, freut sich Scheil. Ein Besuchskonzept mit einem Online-Buchungssystem sowie Videokonferenzen mit Angehörigen und Freunden halfen mit, dass trotz strenger Regelungen für alle Pflegeeinrichtungen die sozialen Kontakte gepflegt werden konnten.

Für ihre Maßnahmen erhielt die Seniorenresidenz immer große Zustimmung, sagt Vetter. Es wurde regelmäßig das Gespräch mit den Besuchern gesucht und ihnen erklärt, dass der Schutz der Bewohner und Beschäftigten oberste Priorität hat. Auch das vorbildliche Verhalten aller Mitarbeiter trug wesentlich dazu bei, das Corona-Virus fernzuhalten, betont er.

„Immer wieder wurde in ganz vielen Gesprächen auf die notwendigen Kontakteinschränkungen hingewiesen“, teilt Scheil mit. Ganz besonders die Pflegekräfte „haben hier Großartiges geleistet“, lobt Vetter. Als Anerkennung erhielten die Beschäftigten eine Corona-Prämie des Bundes und des Landes. Zusätzlich gab es eine freiwillige Prämie aus Eigenmitteln, so der Geschäftsführer.  

Nach einem erheblichen organisatorischen Aufwand wurde noch im Dezember mit der ersten Impfung bei Bewohnern und Beschäftigten begonnen. „Eine großartige Gemeinschaftsleistung. Wir können darauf sehr stolz sein“, so Vetter. Vor kurzem wurde die letzte Gruppe von Beschäftigten geimpft.

Die Impfquote beim Personal ist inzwischen sehr hoch, worüber sich der Geschäftsführer sehr freut. Auch die Bewohner der Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl erhielten fast alle das Vakzin. Eine kleine Gruppe, die nach den Impfterminen in die Einrichtung einzog, folgt in den kommenden Tagen. Zukünftig können alle neu eingestellten Beschäftigten und neu aufgenommenen Bewohner einzeln im Impfzentrum geimpft werden, informierte Vetter.

Ehrenamtliche haben einen guten Job gemacht

Die Arbeiten der ehrenamtlichen Helfer bei der Sanierung der Sporthalle Unter-Sensbach sind so gut wie abgeschlossen, teilte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann mit. Er nutzte die letzte Sitzung des Ortsbeirats in der zu Ende gehenden Legislaturperiode, um den Aktiven aus dem Ort für ihr Engagement zu danken. Jetzt übernehmen beauftragte Firmen und teilweise der Oberzent-Bauhof.

Beim Abriss kam so etliches Unvorhergesehenes zutage. So stellte man einen Wasserschaden an der Decke fest. Die vorgesetzte Schallschutzwand an der Außenmauer befand sich lose vor den sogenannten Sauerkrautplatten. Die Verankerungen waren nicht in die Ziegelsteine eingebaut – und damit die komplette Konstruktion instabil. Deshalb rief man den Bauhof zu Hilfe, der alles abtrug.

Die Ehrenamtlichen wurden beim Rückbau eingesetzt, erläuterte Kuhlmann. Sprich: Holz- und Zwischenwände abreißen, Tore, Türen und Fliesen ausbauen, Diverses ausräumen und einlagern. Neuinstallationen lässt die Stadt von Fachfirmen durchführen – unter anderem eine Sache der Gewährleistung.

In der 1968 erbauten Halle herrschte Sanierungsstau. Bereits 2017 stand eine Förderung in Höhe von 145.000 Euro aus dem kommunalen Investitionsprogramm KIP im Raum. Hier ging es um die energetische Sanierung. Ende 2017 entschied die damalige Gemeindevertretung Sensbachtal dann, die Halle komplett in die Hand zu nehmen und in allen Teilen auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen. Denn auch Heizungs- und Elektroanlage sind sanierungsbedürftig.

Isolierung von Giebel- und Außenwänden sowie des Hallenbodens lauteten weitere Punkte, die den Gesamtbetrag auf (damals) 577.000 Euro anwachsen ließen. Parallel dazu tat sich die Möglichkeit einer Förderung über die Hessenkasse mit knapp 250.000 Euro auf. Sportland Hessen steuert weitere 50.000 Euro zu. Allerdings wollten die Ausgaben da auch nicht zurückstehen. Inzwischen kommt man auf fast eine Million, von der knapp die Hälfte über Fördermittel zurückkommen soll.

Der Ortsvorsteher wies darauf hin, dass die Halle vor über 50 Jahren mit viel Eigenleistung gebaut wurde. Deshalb ist es für ihn schon fast normal, bei einer Sanierung auf ein paar unvorhergesehene Dinge zu stoßen. Er lobte die aktuell gute Zusammenarbeit zwischen Stadt, Vereinen, Helfern und Ortsbeirat. Kuhlmann betonte daneben, dass sich die Arbeiten coronakonform nach einem bewilligten Hygienekonzept durchgeführt wurden.

In diesem Jahr fließt sehr viel Geld ins Sensbachtal. Nicht nur für die Sporthalle, sondern auch für die Sanierung der Kläranlage Hebstahl und die Regenwasserbehandlung. Hier kommen 70.000 Euro zusammen. Kurzfristig kam noch ein weiterer Punkt auf die Tagesordnung: die mögliche Neu-Verlegung einer Wasserleitung vom Wasserhäuschen Richtung Ober-Sensbach unter dem Gehweg der Durchgangsstraße hindurch bis kurz vor dem Bürgerzentrum.

Hintergrund: Die bisherige Leitung führt durchs Tal, unter anderem auch über mehrere Privatgrundstücke, so Kuhlmann. Und genau dort, in fünf Metern Tiefe, ziemlich unzugänglich, gab es einen Wasserrohrbruch des in die Jahre gekommenen Uralt-Stücks. Die Reparatur würde 50.000 Euro kosten. Da weitere Brüche nicht ausgeschlossen werden können, überlegt die Stadt, gleich eine Neuverlegung für 250.000 Euro durchzuführen. Dann ist für die kommenden Jahre Ruhe.

Der Ortsbeirat war im vergangenen Jahr sparsam, informierte Kuhlmann. Vom Budget über 2000 Euro wurden nur 370 ausgegeben, sagte er. „Wir bleiben ganz bewusst unter unseren Möglichkeiten“, schmunzelte der Ortsvorsteher. Zum einen ließ die Corona-Pandemie nicht viel mehr Aktivitäten zu, zum anderen wollte man dem klammen Haushalt der Stadt, auch wenn es nur ein kleiner Beitrag ist, etwas Gutes tun.

Dem Schlachthaus in Hebstahl hat nun endgültig das letzte Stündlein geschlagen. Es wird schon seit längerer Zeit nur noch sporadisch genutzt und sollte schon vergangenes Jahr zugunsten der Nutzung durch die Feuerwehr eingemottet werden. Da sich die vorgesehenen Ausbaumaßnahmen aber verschoben, erteilte die Stadt eine letzte Ausnahmegenehmigung für zwei Ortsbürger, hier über den Winter ihre Hausschlachtungen durchführen zu können.

In spe werden die Räume von der Hebstahler Feuerwehr genutzt, die im gleichen Gebäude untergebracht ist. Am FFW-Haus soll kommendes Jahr eine Leichtbauhalle für ein Fahrzeug angebaut werden. Die bestehende Fahrzeughalle wird dann zur Umkleide.

Türkspor will auf Kunstrasen kicken

Der Türkspor-Platz in Beerfelden ist in einem bemitleidenswerten Zustand. Davon konnten sich die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses anhand der Präsentation von Bürgermeister Christian Kehrer ein Bild machen. Der rührige Verein will in Zukunft nicht mehr auf einem Schlaglochfeld kicken, sondern auf Kunstrasen. Deshalb wurde auch die Stadt wegen eines Zuschusses angefragt.

Der Platz wurde im Vorfeld der Sitzung auch besichtigt, erläuterte Kehrer. Bei Türkspor handelt es um einen der ältesten türkischen Vereine in Deutschland, sagte er. Die 70 Mitglieder unterhalten ein eigenes Vereinsheim. Wie das Stadtoberhaupt erklärte, bringen sich die Fußballer vielfältig ins örtliche Leben ein. Es gibt eine Vielzahl von Sponsoren, die bei einer Sanierung mit im Boot sind.

Dass Handlungsbedarf besteht, ist unbestritten. Denn der jetzige Acker ist in einem schlechten Zustand, „der Seinesgleichen sucht“, machte der Bürgermeister klar, dass der Ball kaum noch gerade rollt. Mit einer Flutlichtanlage soll das neue Fußball-Feld 420.000 Euro kosten. Zuschüsse soll es in Höhe von 82.000 Euro geben. Die Stadt wäre zusätzlich mit 60.000 Euro dabei. Dazu kommt eine Eigenkapitalbindung von 50.000 Euro.

Weitere 200.000 Euro sind als Darlehen eingeplant. Mit dem Mehrwertsteuerausgleich soll dann die Komplettsumme erreicht werden.  Eine „lohnenswerte und tolle Sache“ ist laut Magistrat das Vorhaben, berichtete Kehrer. Deshalb plädierte er für eine Aufhebung des entsprechenden Sperrvermerks im Haushalt. Geld wird erst fließen, wenn die Bank grünes Licht gibt.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) wollte wissen, ob der Platz zukunftsfähig ist. Das bejahte der Bürgermeister. Es werden beim Kunstrasen keine Kunststoffteile, sondern Kork verwendet, erklärte er. Das entspricht den aktuellen Vorschriften. Walter Gerbig (CDU) gab den Tipp, dass sich die Kommune ihre Förderung eventuell über Sportland Hessen bezuschussen lassen kann. Er bezeichnete es als toll, dass sich der Verein so engagiert und einbringt.

Der Rathauschef versicherte, dass man bereits mit den entsprechenden Stellen in Kontakt steht und „das Höchstmögliche an Fördermitteln rausholen wird“. Die Ausschussmitglieder sprachen sich im Anschluss für die Aufhebung des Sperrvermerks auf.

Vollzeitstellen für die Schwimmbäder?

Rein ehrenamtlich lassen sich die drei Freibäder in Oberzent nicht mehr stemmen. Um den Betrieb zu gewährleisten, hat der Magistrat nun im Haushaltsplanentwurf jeweils eine Stelle für Finken- und Hetzbach sowie Beerfelden ausgeschrieben, erzählte Bürgermeister Christian Kehrer. Im Vergleich zu anderen Kommunen hat die Stadt für ihre Bäder mit 20.000 Euro bisher relativ wenig Geld im Haushalt stehen, sagte er.

In Hetzbach, erläuterte Kehrer dem Bau- und Infrastrukturausschuss, wurde bereits mehrfach die Kioskverpachtung vergeblich ausgeschrieben. In Finkenbach ist im Sommer der parallele Betrieb von Bäckerei und Schwimmbad sehr zeitintensiv, weiß er. Und am Waldschwimmbad Beerfelden ist allein durch die schiere Größe schon einiges zu tun. Der Rathauschef betonte jedoch: „Ohne das Ehrenamt geht es nicht.“

Deshalb will man für jedes Bad eine Vollzeitstelle vorsehen. Die kümmert sich dann um Kiosk, Reinigung, Technik oder Eingangskontrolle. Außerhalb der Saison werden dem Bürgermeister zufolge erst einmal die aufgelaufenen Überstunden abgefeiert, ehe dann die Mitarbeiter in der restlichen Zeit im Bauhof zum Einsatz kommen. Wie es mit der Öffnung in diesem Sommer aussieht, kann Kehrer zu seinem Bedauern noch nicht sagen. Hier ist Abwarten angesagt, wie es mit der Corona-Pandemie weitergeht.

Eine betrübliche Mitteilung hatte der Bürgermeister für die „Garantiert mobil“-Nutzer. Eigentlich wollte Oberzent die Taxomobil-Fahrten zu 90 (statt bisher 75) Prozent subventionieren. Dagegen legte die OREG aber ihr Veto ein. Begründung: Damit wäre eine Taxi-Fahrt so günstig, dass die Leute nicht mehr den Linienbus nutzen. Denn das Taxomobil hätte den Vorteil eines Haus-zu-Haus-Services.

Die Befürchtung: Der ÖPNV würde damit noch mehr Defizite produzieren. Die angestrebten 90 Prozent wurden bisher noch nicht umgesetzt, informierte Kehrer. Die Stadtverordneten müssen nun in der kommenden Sitzung ihren Beschluss rückgängig machen. Langsam, aber sicher, gehen die Nutzerzahlen des Taxomobils nach oben, beobachtet er. 

Sehr gut angenommen werden dem Stadtoberhaupt zufolge die Impffahrten nach Erbach mit dem Taxomobil. Für die müssen die Bürger nur den regulären RMV-Tarif bezahlen. Die restlichen Kosten teilen sich Odenwaldkreis und Stadt.

Im Haushalt fehlt eine Million Euro

Der Haushaltspanentwurf 2021 von Oberzent ist Spitz auf Knopf genäht. Gerade einmal 2300 Euro Überschuss weist er im ordentlichen Ergebnis aus. Und das, obwohl eine Fast-Verdoppelung der Grundsteuer bereits eingepreist ist: von 365 auf 700 Prozentpunkte. Eine Maßnahme, die in den anstehenden Beratungen der Fraktionen noch für heiße Diskussionen sorgen dürfte. Andererseits, machte Bürgermeister Christian Kehrer bei der Einbringung klar: Die Stadt weiß nicht, woher das Geld sonst kommen soll, wenn man alles umsetzen möchte.

Der Rathauschef erläuterte im Haupt- und Finanzausschuss, dass ein Defizit ohne Steuererhöhung nicht abzudecken wäre. Denn das würde sonst etwa eine Million Euro betragen. Oberzent hat keine großen Überschüsse aus vergangenen Jahren, die es als Ausgleich verwenden könnte. Zum einen gibt es seit 2016 keine Jahresabschlüsse, zum anderen schiebt man aus 2019 noch ein Defizit von 300.000 Euro vor sich her. 2020 dürfte es zwar besser aussehen, aber die Endabrechnungen sind noch nicht da.

In diesem Jahr „kommt weniger rein als erhofft und erwartet“, schilderte Kehrer die Misere. Die Zuweisung des Landes, die eigentlich jährlich höher wird, ging auf das Niveau von 2019 zurück. Dazu kommt die unsichere Entwicklung der Gewerbesteuer, auch wenn man die Steuer um 20 Prozentpunkte erhöhte. Die belief sich auf 1,6 Millionen Euro in 2020. Zusammen mit dem Landes- und Bundeszuschuss von 400.000 Euro „hat uns das gerettet“, so Kehrer. Die Bundeswaldprämie von 200.000 Euro obendrauf und fertig ist in etwa der Überschuss im vergangenen Jahr, rechnete er vor.

Ohne Kohle fürs Holz hätte es im Forst ganz duster ausgesehen: Denn der Zuschuss deckt ziemlich genau die roten Zahlen ab, die ansonsten im Haushalt aufgetaucht wären. Die niedrigen Holzpreise aufgrund von Witterungs- und Käfereinflüssen sorgten dafür, dass sich der Verkauf mit dem Aufwand ziemlich genau die Waage hielt. Weil das im Waldwirtschaftsplan aber nicht alles an Ausgaben ist, kam es zu diesem Defizit.

Kein Vergleich zu den früheren goldenen Jahren im Wald, als die vier ehemaligen Kommunen zusammengerechnet um die 700.000 Euro Überschuss erwirtschaften. Fast punktgenau mit der Fusion brachen diese Gelder allerdings weg. Für 2021 hofft der Bürgermeister, dass es mit einem Minus von 20.000 Euro getan ist. „Wir sind von der Forstwirtschaft sehr abhängig“, erklärt er.

Anderer Kostentreiber ist die städtische Personalaufstockung. Sie ist allerdings durch die Erweiterung der Kindergärten und das Gute-Kita-Gesetz unausweichlich. Der Bürgermeister kommt hier auf zusammen elf Stellen, was in der Summe ein paar hunderttausend Euro mehr an Ausgaben bedeutet. Das alles bei stagnierenden bis zurückgehenden städtischen Einnahmen.

Der Einkommensteueranteil ist mit 5,1 Millionen Euro auf dem Stand wie 2019, erklärte das Stadtoberhaupt. „Es gibt keine Steigerung wie sonst.“ Die Schlüsselzuweisungen gehen von 5,5 auf 5,4 Millionen Euro zurück. Beim Umsatzsteueranteil herrscht Stagnation, beim Familienleistungsausgleich kommen 20.000 Euro mehr rein.

In den Haushaltsplan hat die Verwaltung alles reingepackt, „was die Kommunalpolitik an freiwilligen Leistungen wünschte“, betonte Kehrer. Dazu zählen etwa Vereinsförderung oder Corona-Hilfen für Vereine. Sporthallensanierung Unter-Sensbach und Waldkita Beerfelden finden sich als große Baumaßnahmen ebenfalls wieder.

Insgesamt listet der Finanzplan Investitionen von 5,7 Millionen Euro auf. Dafür stehen Kreditmöglichkeiten von zwei Millionen in diesem und restliche Darlehensmittel in gleicher Höhe aus 2020 zur Verfügung. Nur wenige Punkte wurden rausgestrichen, wie etwa 100.000 Euro für Maßnahmen rund um die Burgruine Freienstein.

Das Stadtoberhaupt legt den Finger in die Wunde: Als Flächenkommune im ländlichen Raum „bekommen wir zu wenige Zuweisungen“, kritisierte er. Kehrer betrachtet eine kontinuierliche Förderung als wichtiger statt einzelne Programme. Denn „jeder stürzt sich drauf“, hat er festgestellt. Bei kleinen Projekten, wie sie in Oberzent eher an der Tagesordnung sind, findet man dann keine Firmen mehr oder muss Mondpreise blechen. Regelmäßige Zahlungen „würden den Markt entspannen“, denkt er.

Als 2018 die Fusion vollzogen wurde, „hätte ich nie erwartet, dass der Haushalt so schlecht aussehen wird“, erklärt der Rathauschef. Trotzdem, hebt er hervor, „müssen wir attraktiv bleiben und werden“. In der Stadt, hat Kehrer festgestellt, „gibt es eine hohe Erwartungshaltung“. Er will sich gar nicht vorstellen, meint er, „wie es den vier Kommunen ohne Fusion ergehen würde“.

Gerade in Corona-Zeiten ist eine Steuererhöhung schwer zu vermitteln, weiß Kehrer. Denn überall steigen die Kosten. Deshalb tun sich Magistrat und Verwaltung auch sehr schwer damit. „Die Stadt kann ihre Steuern nicht stabil halten“, bedauert der Bürgermeister. Die aktuellen 365 Prozentpunkte sind weit unterhalb des hessischen Durchschnitts. Sollte Oberzent einen unausgeglichenen Haushalt vorlegen, „ist kein Entgegenkommen zu erwarten“, befürchtet der Rathauschef. In dieser Hinsicht gibt es „klare Signale von oben“.

Mit dem aktuellen Entwurf „gehen wir uns Rennen“, machte er deutlich. An der Stadtpolitik ist es seinen Worten nach nun zu entscheiden, „wo die Reise hingeht“. Entweder müssten die Mandatsträger einen Haushalt mit Defizit verabschieden, der nicht genehmigungsfähig wäre. Oder bei den Aufwendungen sagen, „was man sich gönnen will oder nicht“. Kehrer sieht ansonsten keine weiteren Einnahmemöglichkeiten.

Komfortabel aus dem Sessel aufstehen

Nicht mehr so mobile Bewohner können zukünftig in sehr komfortablen Sesseln mit Aufstehhilfe an Gruppenveranstaltungen in der Kleinkunstbühne der Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl Beerfelden teilnehmen. Geschäftsführer Michael Vetter vom Pflegezentrum Odenwald übergab vor kurzem vier dieser neuen Aufstehsessel der „Sozialen Betreuung“ in der Einrichtung. Diese können auf Rollen frei durch die Kleinkunstbühne bewegt werden.

Der große Raum wurde in der Corona-Pandemie als kleines hausinternes Impfzentrum genutzt und steht jetzt täglich als Besucherzentrum für die Bewohner zur Verfügung. Dort finden an jedem Wochentag auch gemeinsame Veranstaltungen, wie ein Gottesdienst oder die Kreativ- und Bewegungsgruppe, sowie vieles mehr mit den Bewohnern statt.

Die Bewohner können die Sessel sehr einfach über eine Fernbedienung selbst steuern. Sie erlauben ein optimales Sitzen, Liegen und Entspannen mit einem Hochlegen der Beine, das zu einer Entlastung des Kreislaufs und einer Regeneration der Muskulatur beiträgt. Es entsteht ein Gefühl von positiver Ruhe, Ausgeglichenheit und Wohlbefinden, so Vetter. Außerdem gewährleistet die stufenlose Verstellbarkeit ein sicheres Platznehmen und Aufstehen.

Vetter probierte zusammen mit Wilma Devos, Hilde Wolf und der Pflegedienstleiterin Angela Scheil die neuen Aufstehsessel aus. Gelobt wurde die per Fernbedienung stufenlose Verstellbarkeit, die den Bewohnern viel Komfort bietet. Mit ihrem klassisch modernen Design passen die Sessel Vetter zufolge gut in die Kleinkunstbühne, so dass sie bald von vielen Bewohnern als Lieblingsplatz auserkoren werden könnten.

Für Besuche in der Seniorenresidenz ist es möglich, Corona-Tests kostenlos vor Ort durchzuführen. Vetter hat hierzu eine Online-Anmeldung auf der Homepage http://www.pflegezentrum-odenwald.de freigeschaltet und für die Bearbeitung zusätzliches Personal eingestellt. Die Tests können montags, mittwochs und freitags von 8 bis 10.30 Uhr nach Terminvereinbarung vorgenommen werden. Die Besuchstermine im Haus werden schon seit einiger Zeit über eine Online-Anmeldung gebucht.

Die Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl bietet Plätze zur Vollzeitpflege, aber auch zur Kurzzeit- und Verhinderungspflege an. Weitere Infos unter Telefon 06068/7599-507 werktags in der Zeit von 8.30 Uhr bis 16 Uhr.

Modeln in Zeiten der Pandemie

Auch während der Corona-Pandemie geht das Modeln weiter. Den Start in ihre Selbständigkeit hätte sich die aus dem kleinen Oberzent-Stadtteil Olfen stammende Wahl-Münchnerin Stella Stegmann aber anders vorgestellt. Aber mit viel Einfallsreichtum und kreativen Ideen arbeitet die 23-Jährige weiter hart an ihrer Karriere. „Ich bereue nichts“, lächelt sie.

Nach dem dualen Studium bei Siemens wollte sich Stella eigentlich hauptberuflich dem Modeln widmen. Doch während des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr praktisch nichts, erzählt sie. Den Sommer über herrschte dann quasi Normalbetrieb, ehe wieder die Schotten runtergingen.

Immerhin, berichtet die Olfenerin, gibt es immer mal wieder Aufträge wie etwa Fotoshootings. Bei denen sind in der Regel Corona-Tests vorgeschaltet, geht alles streng nach Hygienevorschriften. „Ich komme über die Runden“, sagt sie – auch wenn nicht wie im vergangenen Jahr die tollen Shootings wie etwa fürs Playboy-Cover reinflattern.

Nach der deutschen Ausgabe war Stella Stegmann jetzt auch auf dem Titel der niederländischen Publikation vertreten. Dazu kam es eher per Zufall über einen Instagram-Chat, sagt sie. Dabei tauchte die Frage auf, ob ihre Bilder denn auch in anderen Playboys außerhalb Deutschlands erscheinen würden. Das wäre möglich, wenn die komplette Fotostrecke aus Mexiko übernommen wird, schildert es die 23-Jährige.

Die Niederländer schlugen zu, sodass Stegmann das Februar-Cover ziehrt. „Ein total schöner Erfolg“, freut sie sich – sogar mit einem anderen Titelbild als dem in Deutschland. Auf Instagram gab es viel Resonanz, hat sie festgestellt. Zum einen in Form von Komplimenten aus dem Nachbarland, zum anderen durch mehr Follower. 31.000 davon zählt die Exil-Odenwälderin inzwischen. „Das sind gute Zahlen im Model-Bereich“, weiß sie. Solche, „bei denen die Leute zuhören und man eine Community hat“.

Je mehr Follower, desto mehr Aufmerksamkeit. Langsam kommen Unternehmen auf sie zu und fragen nach einer Kooperation, erzählt die Olfenerin. Es geht um das Testen von Produkten oder um deren gemeinsame Entwicklung. Stella ist daneben auch Zumba-Trainerin, sportbegeistert, designt und näht gern. Folgerichtig klopfte auch schon ein Sportartikelhersteller an.

Trotz des Lockdowns „ist mir nicht langweilig“, erklärt sie. Vor kurzen fand ein Fotoshooting in Tirol statt – das erste seit langer Zeit außerhalb Deutschlands. In den vergangenen zwei Monaten arbeitete Stella mit einigen Deutschrappern bei deren Musikvideoproduktion zusammen. Unter anderem ist sie im aktuellen Clip „Brachland“ von Cool Savas zu sehen.

Das Modeln ist für die 23-Jährige aber nicht alles. Vergangenen Herbst begann sie in einem Café zu arbeitet und schätzt dort sehr die Gespräche mit den Kunden. Nicht nur dort ist aktuell Pause. „Ich hoffe, dass die Fitnessstudios bald wieder öffnen“, sagt Stella. Denn sie gibt auch einschlägigen Unterricht. Die Online-Kurse sind das Eine, „aber es ist was anderes, wenn man mit den Leuten trainiert, schwitzt und Spaß hat“.

Ihr Kalender-Projekt für 2021 lief sehr gut, freut sie sich. Das Thema lautete „Powerfrau“. Ein Teil der Einnahmen ging in das Waisenhaus nach Tansania, in dem sie 2014 ein Praktikum machte. In die alte Heimat zieht es auch ab und zu, wenn sie mit ihrem Bruder gemeinsam das elterliche Haus saniert.

Was sie als Erstes gerne wieder machen würde, wenn die Beschränkungen fallen? „Reisen“, sagt Stella sofort. Irgendwo im Süden Europas am Strand liegen. Mit etwas Glück könnte es ein Fotoshooting für ein Bademodenunternehmen in Griechenland geben, erzählt sie. Damit hat die Olfenerin Erfahrung, nahm sie doch bereits vor einiger Zeit am „Miss Mermaid“-Wettbewerb teil.

„Ich freue mich über das, was kommt“, nimmt die 23-Jährige die Entwicklung gelassen. Sie möchte gerne im Sportbereich für eine bekannte Marke arbeiten, hat aber keine speziellen Vorlieben. Durch das Onlinecasting öffnen sich derzeit neue Türen, sagt sie, für die sie nun mehr Zeit hat.

Parallel ist die Wahl-Münchnerin bei der YouTube-Show „Stellas Shooting Shuttle“ mit dabei. Sie moderiert die humorvollen Casting-Clips auf http://www.youtube.com/watch?v=XyYAki3HwNg. Im April ist sie als Model für einen Unterwasserworkshop eines Fotografen gebucht. Wenn im kommenden Semester Zeit bleibt, möchte Stella gern Finno-Ugristik studieren. Denn ihr Freund kommt aus Finnland und sie will die Sprache besser verstehen. Im Raum steht auch noch ein Masterstudiengang im Kommunikationsbereich.