Rothenberger Feuerwehren übten an der Sporthalle Hand in Hand mit dem DRK

„Alles lief soweit nach Plan“. Rothenbergs Gemeindebrandinspektor (GBI) Marco Johe war sehr zufrieden mit der Jahreshauptübung aller vier Gemeindewehren, zu der 58 Brandschützer an der Sporthalle zusammengekommen waren. Dort sah das Szenario vor, dass es in den Jugendfeuerwehrräumen beim Waffelbacken anlässlich Halloween zu einer Verpuffung gekommen war. Sechs vermisste bzw. verletzte Personen galt es neben der Brandbekämpfung aus dem Mannschaftsraum zu bergen.

Neben den Wehrleuten unter der Einsatzleitung des stellvertretenden GBI Oliver Fink war auch der benachbarte DRK-Ortsverband mit acht Personen unter der Leitung von Roland Heckmann mit an der Übung beteiligt. Fünf Sanitäter, zwei Rettungssanitäter und ein Rettungsassistent übernahmen die „Verletzten“ und kümmerten sich um sie. Von diesen waren sowieso nur drei „lebendig“ in Gestalt von geschminkten Mitgliedern des Jugendrotkreuzes dabei, bei den anderen drei handelte es sich um Dummys.

Die Rothenberger Wehr mit ihrem Katastrophen-Löschfahrzeug LF 10 KatS und dem Tanklöschfahrzeug (TLF) 16/25 war logischerweise als erste vor Ort, da sich das Gerätehaus direkt neben der Sporthalle befindet. Deshalb kümmerten sich diese Wehrleute vorrangig um die Menschenrettung. Als weiteres rückte die Kortelshütter Wehr mit ihren Tragkraftspritzenfahrzeug Wasser (TSF-W) sowie dem Mannschaftstransportwagen (MTW) aus und war ebenfalls an der Bergung der Verletzten beteiligte.

Von beiden Wehren waren jeweils zwei Trupps à zwei Personen mit Atemschutz ausgerüstet und drangen ins Gebäude ein. Sowohl Bürgermeister Hans Heinz Keursten als auch der Beerfeldener Wehrführer Rolf Scheuermann, gleich stellvertretender Kreisbrandinspektor, überzeugten sich von der Schlagkraft der Rothenberger.

Mit Unterstützung des Gerätewagens Logistik (GW-l) der Rothenberger legten die Ober-Hainbrunner eine zusätzliche Wasserleitung von der Zisterne am alten Feuerwehrhaus etwa 600 Meter auf die Höhe. Damit, so Johe, sollte der Gefahr entgegengetreten werden, dass die wegen des Brandes gefährdete Zisterne an der Sporthalle möglicherweise ausfallen könnte. „Wir haben auf dem Berg wenig Wasser und wenig Druck auf der Leitung“, erläuterte er. Aufgrund der Größe des Objekts sei diese Vorsichtsmaßnahme angebracht.

20 Minuten dauerte die Leitungsverlegung. „Das ist okay“, meinte Johe mit Blick auf die Uhr. Die zusätzliche Reserve ist seinen Worten zufolge kein Muss, aber mit Blick auf die gute Personalsituation bei der Übung eine sinnvolle Maßnahme. In diesem Zug ließ der GBI auch noch die beiden Pumpen auf dieser Strecke testen. „Wenn wir gerade dabei sind“, schmunzelte er.

Die Finkenbacher wiederum bereiteten vom Hydrant im Gammelsbacher Weg her einen Löschangriff auf der Rückseite der Halle vor, „um sie gegen ein Übergreifen der Flammen zu schützen“. Lob heimste vom GBI der schnelle Einsatz des Lüfters ein. „Der drückt den ganzen Rauch hinten zum Fenster aus“, sagte er. Eine klare Sicht sei unverzichtbar, wenn es um die Bergung von Verletzten gehe.

Ins Szenario mit eingebaut wurde auch ein Atemschutznotfall. Danach bekam ein Feuerwehrmann keine Luft mehr, erlitt einen Kreislaufkollaps und musste gerettet werden. „In einem solchen Fall kommt die Mayday-Meldung von innen“, so der GBI. Die Bergung des Kameraden hat dann absolute Priorität vor der weiteren Brandbekämpfung. Als das Feuer „so weit gelöscht war“, folgte die Nachkontrolle in der angrenzenden Sporthalle, ob es doch noch Glutnester gibt oder irgendwo der Brand übergesprungen war.

Neben dem schnellen Lüftereinsatz stellte Johe auch noch das rasche Auffinden der Verletzten heraus. Auch das Schlauchmanagement funktionierte gut. Denn der Einsatzleiter muss das Objekt abschätzen, um zu wissen, wie viele Meter Schlauch benötigt werden – „um auch in die hinterste Ecke zu kommen“.

Bei der Rothenberger Feuerwehrübung waren etwa 700 Meter B-Schläuche mit einem Durchmesser von 75 Millimetern in Gebrauch. Dazu noch einmal vier C-Rohre, zwei für innen und zwei für außen, mit zusammen etwa 150 bis 200 Metern. Sie haben einen Durchmesser von 42 bis 52 Millimetern.

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Pfeilschnelle Aktionen beim Dartturnier: Am 30. Oktober wird in Ober-Hainbrunn wieder Steel-Dart gespielt

Das Steel-Dartturnier von „Double Trouble“ geht in die dritte Auflage. Die Dartfreunde im SV Ober-Hainbrunn richten es am Montag, 30. Oktober, in der Sporthalle aus. Beginn ist 18.30 Uhr, Meldeschluss 18.15 Uhr. Das komplette Startgeld von zehn Euro pro Nase wird im System 40/30/20/10 Prozent an die Erstplatzierten ausgeschüttet. Gespielt wird nach dem System „Steeldart 501 double out – Doppel K.o.“. Der Gewinner erhält den XXL-Wanderpokal.

Im Sommer 2016 erstmals durchgeführt, war bereits die zweite Auflage des Dartturniers in der Ober-Hainbrunner Sporthalle ein Riesenerfolg. „Wir hatten 42 Teilnehmer aus dem ganzen Umkreis, aus Mosbach, Eberbach oder Zuzenhausen sowie Beerfelden, Rothenberg und Hirschhorn“, freut sich Turnierleiter Uwe Kölbl. „Doppelt so viele wie im vergangenen Sommer“, ergänzt Frank Flachs. Der ist Vorsitzender des SV, unter dessen Dach sich die Dartfreunde „Double Trouble“  gegründet hatten.

Für die knapp 20 Mitglieder der SV-Abteilung ist das eigene Turnier ein großes Erlebnis, betont Flachs. Teils Vereins-, teils Hobbyspieler sind mit dabei, beobachtet er. Die Besonderheit ist das „Steeldart“ mit Metallspitzen, weil ansonsten meist „nur“ noch Automaten-Dart mit Kunststoff-Spitzen gespielt wird. Allerdings werden alle großen Turniere mit den Steeldarts ausgetragen.

Flachs, der früher selbst aktiv war, betont, es kommt auf die verschiedenen Wurftechniken an – „egal wie man zur Scheibe steht“. Wichtig ist es für die Wertung, die Doppelfelder zu treffen. „Die bringen Geld“, also Punkte, die Triple-Felder dagegen sind „was für den Spaß“. Mit der Halle hat man eine „optimale Location“ für den Sport. Die Bühne als Austragungsort und die Übertragung aller Endrundenpartien auf Leinwand stoßen immer auf positive Rückmeldungen bei den Spielern.

Erasmus-Projekt an der Oberzent-Schule Beerfelden: Jugendliche lernen über den eigenen Horizont hinaus zu schauen

Der internationale Schüleraustausch hat an der Oberzent-Schule eine lange Tradition. Seit über zehn Jahren beteiligt man die integrierte Gesamtschule am Erasmus-Projekt der Europäischen Union. Aktuell läuft – seit 2015 – die fünfte Fortsetzung mit einer Schule aus Polen und der Türkei. „Wir müssen jedes Mal ein sehr aufwändiges Konzept erstellen“, weiß Conny Frank, die seit Anfang an dabei ist. Vor vier Jahren kam ihre Kollegin Derya Özdemir mit ins Boot. Beide betreuen nun federführend das Programm.

„Es müssen immer drei Länder mit vertreten sein“, erläutert Frank die Voraussetzungen. Es sei gar nicht so einfach, „die passenden Partnerschulen zu finden.“ Ein roter Faden ist die Beteiligung der Schule aus dem polnischen Elblag. „Sie sind seit Beginn an mit dabei“, so Frank. Bei der Erstauflage waren außerdem noch Lehranstalten aus Portugal und Italien (Neapel) involviert. Später dann wieder Portugal, aber auch mal Irland (Dublin) und Venedig (Italien). Schon beim vorherigen Projekt und auch jetzt wieder ist mit der Partnerschule in Gemlik (Region Bursa) die Türkei vertreten.

„Dress to impress: A fashion kiss for peace“ lautet das derzeitige Motto. Das Projekt wurde für drei Jahre bei der EU beantragt und von dieser auch genehmigt, berichtet Conny Frank. Antragstellung, Konzepterarbeitung, Einreichung und regelmäßige Berichterstattung seien sehr viel Arbeit. Aber erfolgreich: „Wir haben 92 von 100 Punkten erreicht“, zeigt sie sich stolz. Die Partnerschulen nehmen bei Bewilligung automatisch teil. Für die Schüler heißt das dann, dass sie für die Reise nichts bezahlen müssen, weil die EU den Austausch finanziert.

Von diesem Auftakt vor eineinhalb Jahren ist Conny Frank vor allem noch die Fashion-Show vor dem Berliner Reichstag in besonderer Erinnerung. Mit viel Aufwand wurde dafür die Genehmigung erreicht. Die Schüler trugen die Friedensaktivitäten in die Hauptstadt, freut sie sich. Denn darum geht es: die Kinder für das Motto Frieden/Peace zu sensibilisieren. Dies geschieht über das Thema Mode, mit dem die 13- bis 16-jährigen Jugendlichen etwas anfangen können.

Nach dem Auftakttreffen im April 2016 in der Oberzent gab es bereits einen Gegenbesuch in Polen. 15 Schüler aus dem Beerfeldener Erasmus-Team, einem festen Bestandteil des Schullebens, reisten im April dieses Jahres nach Polen. Der geplante Gegenbesuch in die Türkei wird leider aufgrund der angespannten politischen Situation ausfallen, bedauert die Lehrerin. Dort war die ganze Schule an der Umsetzung beteiligt. „Wir wollen den Friedensgedanken weitertragen“, erläutert Frank die Motivation.

Das absolute Highlight war in Elblag/Nähe Danzig die Entwicklung einer gemeinsamen länderübergreifenden Fashionshow mit weißen Luftballons und Friedensbotschaften, die zuvor in diversen Workshops vorbereitet wurden. In der riesigen Sporthalle mit transparentem Dachgewölbe entstanden durch musikalische Untermalung eine Stimmung voller Begeisterung und ein fröhliches Miteinander.

In diesem Schuljahr wurde in Beerfelden ein neues Erasmus-Team gebildet, da viele bisher dort aktive Zehntklässler im Sommer die Oberzent-Schule verlassen hatten. Acht- bis Zehntklässler sind nun in ihm vertreten. Für Frank und Özdemir ist es „sehr spannend“, die Jugendlichen über den Modebegriff für die Völkerverständigung zu interessieren. „Wir machen ihnen auch klar, was der Frieden für uns bedeutet“, so die Lehrerin. Gerade in der aktuellen politischen Situation mit viel Unruhe auf der Welt sei das sehr wichtig.

„Es ist toll, dass die Schüler durch das Erasmus-Programm die Möglichkeit haben zu reisen, andere Länder und Kulturen kennenzulernen“, betont Derya Özdemir. Sie bedauert, dass der Gegenbesuch in der Türkei nicht möglich ist. Eine Schülerreise dorthin werde vom Auswärtigen Amt nicht empfohlen. Deshalb findet der Abschluss in Beerfelden statt. Somit können die türkischen Schüler aus Gemlik leider nicht bei diesem Finale des dreijährigen Projekts dabei sein.

Beide Lehrerinnen freuen sich über die Möglichkeit, über Erasmus die Schüler „für eine gemeinsame Sache begeistern zu können“. Damit lernen die Jugendlichen, „über den eigenen Horizont der Oberzent hinauszuschauen“. Die 13- bis 16-Jährigen werden dadurch weltoffener und toleranter. „Vorurteile werden abgebaut“, betonen Frank und Özdemir. Genau diese Zielsetzung des Projekts habe sich schon oft erfüllt, beobachteten beide.

Der Verlust des Zehn-Liter-Bierglases war 2016 fürs Rothenberger Kerwekomitee der „Super-Gau“

„Wir wollen die alte Tradition am Leben erhalten“: Dafür haben sich im Höhendorf einige Gleichgesinnte zusammengefunden, die seit 2009 jedes Jahr wieder die Kerwe veranstalten. Die spielt sich vor allem in den verschiedenen Gaststätten ab. Dieses Jahr wurde das bunte Treiben aber auch in Form einer Planwagenfahrt durch den Ort mehr nach außen getragen, erläutert Benny Beisel, der zusammen mit den anderen Kerweborscht den viertägigen Event organisiert. Er ist seit 2011 dabei.

Eine Tradition wie die Kerwe selbst ist seit ihrer Wiederauferstehung das Zehn-Liter-Bierglas. Es wurde 2009 gekauft und dann jedes Jahr mit dem Namen des aktuellen Kerweborschts und der jeweiligen Jahreszahl versehen. „Dafür fahren wir immer nach Neckarzimmern, um das im Kristallparadies per Hand eingravieren zu lassen“, so Beisel. In jeder Gaststätte, in die das Kerwekomitee während der vier tollen Tage einkehrt, wird das Glas neu befüllt und kreist dann.

Großes Wehklagen gab es im vergangenen Jahr, erinnert sich Beisel. „Keiner wusste mehr, wo das Glas nach der Kerwe 2015 abgeblieben war.“ Was bedeutete, dass für 250 Euro ein neues gekauft werden musste. Der Verlust war für die Kerwefans „der Super-Gau“. Aber wie es eben so kommt, wurde das gute Stück doch wieder gefunden: Es stand im Pokalschrank der „Quelle“. Das doppelte Bierglas hat nun auch sein Gutes: Das alte, wertvolle, wird jedes Jahr aufs Neue graviert. Das neue fährt ist über die Kerwe dabei. Sollte es mal zu Bruch gehen, dann ist das nicht ganz so schlimm.

Um die Ausgaben zu bestreiten, geht in jeder Gaststätte der Hut von Kerweparre Tobias Genschel herum. Er ist neben Dennis Bartmann, Jochen Weinthäter, Sascha Hafner, Jens Beisel und Manuel Bauer derjenige, der vor acht Jahren die Gauditruppe mit ins Leben rief. Seitdem kam zu dieser jedes Jahr einer dazu: der herausgedeutete Kerweborscht. Aktuell sind es 15 Mitwirkende.

Auf diese Weise sind praktisch sämtliche Ortsvereine wie MGV, Feuerwehr, Posaunenchor oder SG durch ihre Mitglieder in der Kerwe aktiv. Der Kerweparre bekam in diesem Jahr Simon Hammann als Vikar zur Unterstützung an die Seite. Zum Kerweborscht wurde Steffen Bartmann auserkoren. „Wir besprechen uns im Komitee, wer aus der Jugend in Frage kommt“, erläutert Beisel. Klar muss der diesen Spaß auch mitmachen wollen. Denn diese „Ehre“ kostet immer etwas. „Er muss den Geldbeutel aufmachen und die Truppe versorgen.“

Zwar werden die Lokalrunden auch aus dem Hut bestritten, aber es wird natürlich gern gesehen, wenn der Borscht auch ein paar Euro locker macht. Die Hutgelder gehen daneben an den Wirt, um das Verköstigte zu bezahlen. Was übrig bleibt, wird für die Gruppe verwendet. Und meistens natürlich in Flüssigkeit investiert. Aber auch, um etwa das neue Glas zu bezahlen oder sonstige Anschaffungen rund um die Kerwe zu tätigen.

Jeder der Beteiligten „fiebert auf diese vier tollen Tage hin“, weiß Benny Beisel. Viele aus dem Komitee nehmen extra dafür Urlaub. „Eigentlich bräuchten wir danach auch welchen“, weist er schmunzelnd auf die anstrengende Zeit hin. Die Vorbereitungen starten bereits ein paar Wochen im Vorfeld. Da wird überlegt, wer der Kerweborscht sein könnte und wie die Aktionen aussehen. „Außerdem bauen wir den Wagen auf den Hänger auf.“

Start der Gaudi ist immer mit der Ausgrabung der Kerwe in Form von zwei Flaschen Bier auf dem Höhenrücken zwischen Modellflugplatz und Sporthalle. Die ging dieses Mal ziemlich schnell vonstatten. Es kann manchmal aber auch passieren, dass man die vergrabene Kerwe aus dem Vorjahr nicht so schnell findet. Je nachdem wie gut sie versteckt ist. „Wir haben schon Mal eine Stunde gebuddelt“, lacht Beisel.

Die Planwagenfahrt stößt auf schöne Resonanz in der Bevölkerung. Traditionell gehören der Sonntag- und Montagabend dem Kerweessen in der „Quelle“, wenn sich das Komitee dort zu Schlachtplatte oder Büfett trifft. Allerdings setzt dann auch das große Wehklagen ein. Denn die Kerweschlumbel wird im Anschluss an die Montags-Völlerei verbrannt. Die Asche wird danach zusammen mit den obligatorischen Bierflaschen an einem geheimen Ort fürs nächste Jahr vergraben.

Früher, weiß Benny Beisel, gab es zur Kerwe sogar mal einen großen Umzug und Buden am Metzkeil. Da sich irgendwann aber niemand mehr fand, der dies organisierte, schlief die Tradition ein. Seitdem die Gruppierung die Kerwe neu aufleben ließ, „wird es jedes Jahr ein bisschen mehr“, so Beisel. „Das macht immer einen Riesenspaß“, freut er sich nach der nassen diesjährigen Bestattung der Schlumbel schon aufs nächste Jahr.

Damit die Bürger nicht selbst löschen müssen: Finkenbacher Feuerwehr startete ungewöhnliche Aktion zur Mitgliedergewinnung

Vereine müssen mit der Zeit gehen, sonst gehen sie mit der Zeit. Bei der Finkenbacher Feuerwehr will man nicht tatenlos zusehen, wie die Mitglieder der Einsatzabteilung und des Feuerwehrvereins immer weniger werden. „Wir sind zwar noch ganz gut aufgestellt, aber wollen schon frühzeitig im Vorfeld handeln“, erläutert Vorsitzender Jens Schindler die besondere Werbeaktion, mit der die Brandschützer jetzt im Ort unterwegs sind. „In der näheren Umgebung ist mir das in der Form noch nicht untergekommen“, meint er angesichts des unkonventionellen Herangehens.

Schindler griff dabei auf eine etwas provokante Kampagne zurück, die vor einiger Zeit von der Feuerwehr Vallstedt/Allvesse (in der Nähe von Braunschweig) zusammen mit Typografix Design ins Leben gerufen wurde. Vor zwei Jahren fiel sie dem Odenwälder in die Hände. „Haushalts-Löscheimer“ steht auf den weißen Gefäßen, die in 240-facher Ausfertigung an alle Finkenbacher Haushalte verteilt werden.

Dankbar ist man bei der Wehr der Firma Bechthold in Beerfelden, die diese zur Verfügung stellten. Die Eimer sind als Geschenk für die Finkenbacher gedacht. In der Hoffnung, „dass sie nie zum Löschen gebraucht werden“, sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Alexander Volk. Ein Flyer, den die Ehrenamtlichen in stundenlanger Arbeit in jedes Behältnis legten, weist die Bürger darauf hin, dass es immer weniger Vereinsmitglieder gibt „und die Feuerwehren langsam kaputt gehen“, so Schindler. Vor allem ist es ja nicht nur die Brandbekämpfung, mit der die Wehren aktiv sind. Sie leisten ebenso einen großen Beitrag zum kulturellen Leben im Ort. Wie die Finkenbacher mit ihrem Weinfest. Auch die Durchführung des „Finki“-Festivals ist ohne sie nicht mehr denkbar.

Wenn keine Floriansjünger mehr ausrücken, sind die Einwohner im Notfall selbst gefragt. Deshalb auch die Löscheimer, um mit eigener Kraft einem Feuer zu Leibe rücken zu können. „Brand unter 112 melden, zehn Minuten abwarten in der Hoffnung, dass die Feuerwehr kommt, wenn nicht, dann Haushalts-Löschkübel mit Wasser befüllen“, lautet die Anweisung. Und: „Wenn Feuer zu groß, Nachbarn informieren und Kübelkette bilden.“

Die merkwürdigen Instruktionen sind auf der Rückseite erklärt. Dort werden die Aufgaben der Wehr erläutert und wird auf ihre Bedeutung im Ort hingewiesen. Durch den Löscheimer „soll mit Witz und Ironie darauf aufmerksam gemacht werden, dass die ehrenamtliche Tätigkeit einer Feuerwehr wichtig ist“, betont Schindler. Die Finkenbacher wünschen sich mehr aktive Mitglieder, „um Mitbürgern in Not zu helfen“. Neben den Alteingesessenen will man auch Zugezogene erreichen.

Wenn sich jemand nicht aktiv einbringen kann oder möchte, ist eine Fördermitgliedschaft ebenso willkommen. „Das kostet nur einen Euro im Monat“, weist der Vorsitzende darauf hin, dass auch wenig Geld der Feuerwehr hilft. Denn mit Vereinsgeldern werden etwa Ausgehuniformen beschafft. Oder, wenn genug zusammen gekommen ist, ein Fahrzeug wie der Mannschaftstransportwagen auf eigene Kosten beschafft. Zusätzliche Ausrüstung wird ebenfalls darüber finanziert.

Damit der Flyer nicht nur graue Theorie bleibt, lädt die Feuerwehr am Samstag, 21. Oktober, ab 9 Uhr zu einem Tag der offenen Tür rund um ihr Gerätehaus in der Wetterbergstraße ein. Dabei präsentiert die Einsatzabteilung unter anderem ihr neues Tragkraftspritzenfahrzeug-Wasser (TSF-W). Der Verein informiert über seine Aufgaben, von der Jugendfeuerwehr gibt es eine kleine Schauübung zu sehen.

„Wir haben nur noch acht Jugendliche in unseren Reihen“, bedauert Wehrführer Fabian Sauter. „Ein paar mehr dürfen gerne noch dazu kommen.“ Denn Jugendwehr bedeute Spaß im Team, Wettbewerbe mit anderen Feuerwehren, Gruppenstunden, Zeltlager und vieles mehr. In der Einsatzabteilung sind es derzeit 31 Aktive. Der Verein zählt insgesamt 130 Mitglieder. Neben den verschiedenen Aktivitäten wird am Aktionstag auch per Brandsimulator gezeigt, wie man löscht.

Straßenumbenennungen bei der Oberzent-Fusion: In Rothenberg wird aus der Hirschhorner die Odenwälder Landstraße

So langsam geht’s in Sachen Fusion in die Vollen. Die letzten Feinheiten gilt es im kommenden Vierteljahr abzuklopfen. Dabei tauchen auch immer mal wieder Dinge auf, die vorher überhaupt nicht auf der Rechnung standen. Fast schon „Normalität“ sind jedoch die Umbenennungen von doppelt vorhandenen Straßennamen, die in allen vier Gemeinden vor sich gehen. Dabei wurden Vorfeld „die Bürger mit ins Boot geholt“, erläutert der Projektleiter Fusion beim Kommunalservice Oberzent (KSO), Christian Kehrer.

Er betont, dass diese Umbenennung notwendig ist, damit Einsatzkräfte wie Feuerwehr, Rettungsdienste oder Polizei, aber auch Paketdienste die richtige Adresse finden. Auf dem Gebiet der künftigen Stadt Oberzent gibt es seinen Worten zufolge „20 doppelte Straßenbezeichnungen, die zu ändern sind“. Als Kriterium fand eine Orientierung an der Anliegerzahl statt. Wer weniger als die Nachbarkommune hat, muss seinen Namen abgeben.

Ausnahme: die Friedhofstraße in Finkenbach. Eigentlich hätten die Kailbacher den Namen hergeben müssen, weil es dort weniger Einwohner gibt. Aber die Anwohner in Finkenbach schlossen sich kurz. Das Ergebnis heißt: Am Finkenberg. Die größte „Maßnahme“ in Rothenberg ist die Umbenennung von Hirschhorner und Odenwaldstraße. Aus beiden zusammen wird eins: die Odenwälder Landstraße.

Wie Kehrer daneben erklärt, werden nicht nur in der Höhengemeinde chaotische Hausnummern-Anordnungen vereinfacht, wenn dies von den Bürgern so gewünscht wurde. Auch in Falken-Gesäß gibt es etliche unklare Zuordnungen, die im Zuge der Fusion logischer aufgebaut werden. Allerdings bleibt in dieser Hinsicht noch viel zu tun, sagt er. Wenn nicht der direkte Hinweis kam, habe man das Thema aufgrund der zahlreichen anderen Aufgaben erst einmal zurückgestellt. Weiterer Punkt waren Stichstraßen, die wie mit „Am Wetterberg“ (bisher Teil der Wetterbergstraße) oder Talblick (bisher Hirschhorner Straße) nun eigene Namen erhalten.

Mit der Postleizahl 64760 (Oberzent) reicht laut Kehrer die neue Straßenbezeichnung zusammen mit Vor- und Zuname ab dem 1. Januar aus, damit die Post Sendungen richtig zuordnen. Allerdings könne auch der Stadtteil mit in die Adresse aufgenommen werden. Dieser hat dann direkt unter dem eigenen Namen an zweiter Stelle zu stehen. „Das schafft die lokale Identität in der neuen Stadt“, hebt er hervor.

Über ein Jahr lang wird dem KSO-Mitarbeiter zufolge die Zustellung auch mit alter Adresse durch die Post garantiert. „Wir haben die Umstellung von vier- auf fünfstellige Postleitzahlen geschafft, also packen wir auch das“, so Kehrer. Von der Verwaltung wurde schon Vorarbeit geleistet, damit die Bürger am 1. Januar nicht bei null anfangen müssen. Vorher, betont er, ist alles noch nicht gültig.

An verschiedene Behörden und Ämter sowie Krankenkassen ging bereits die Infos über neue PLZ und Stadtnamen. „Wir wollen den Einwohnern möglichst viel Arbeit abnehmen“, sagt der KSO-Mann. Und verhindern, dass etwa die Kassen im neuen Jahr mit Post überschwemmt werden. Die Bürger bekommen zeitnah noch eine Checkliste, was alles zu tun ist, kündigt er an.

Als „größtes Problem“ bezeichnet Kehrer die Umstellung der Navigationssysteme. Man sei bereits an die Hersteller herangetreten. „Aber wir haben keine Antwort bekommen.“ Vorrangig will sich der KSO darum kümmern, dass in Google Maps alles richtig eingepflegt wird. An den Rest sei die Veränderung „schwierig zu kommunizieren“.

15.000 Dokumente der künftigen Oberzent-Einwohner gilt es ab dem 1. Januar zu ändern. Dies geschehe bei Perso und Reisepass mittels eines Aufklebers. Angedacht ist Kehrer zufolge, die Bürger nach einer bestimmten Reihenfolge zur Änderung auf die jeweilige Kommune zu bitten, damit nicht alle auf einmal kommen. „Wer aber im Januar in die USA reisen will, sollte frühzeitig mit der Verwaltung Kontakt aufnehme“, empfiehlt er. Beim Fahrzeugschein gibt es eine Übergangsfrist von drei Jahren. „Wer also das Auto bald abmeldet oder wessen Leasingvertrag 2018 endet, muss nichts mehr ändern“, so Kehrer.

Kritik in der Rothenberger Gemeindevertretung: Das Oberzent-Gesundheitskonzept krankt an der Umsetzung

Das Thema „Erstellung von Flächenkonzepten für ein Gesundheitsversorgungszentrum (GVZ) Oberzent“ nutzte in der Gemeindevertretung Claus Weyrauch (WGR) für eine Generalabrechnung mit den bisherigen Bemühungen. Bei seinen Kollegen traf er damit genau ins Schwarze, was das beifällige Klopfen und die Äußerungen bewiesen. Der Beschlussvorschlag wurde deshalb auf Vorschlag von Frank Knecht (CDU/BuLiRo) auch auf einen Satz eingedampft, um sich nicht in seinen Augen gefährliches (Haftungs-)Fahrwasser zu begeben.

„Außer ordnerfüllenden Konzeptansätzen ist noch nicht wirklich viel Greifbares passiert“, kritisierte Weyrauch. Die Provisoriums-Immobilie „Breimer“ sei bis heute nicht bezogen worden, sagte er. Für die Standortfrage müssten weitere Konzepte beauftragt werden. Bis August wurden seinen Worten nach nur etwa 45 Prozent der Landesfördermittel abgerufen. Die Suche nach Investoren, die auch das Vermietungsrisiko übernehmen, war bisher wie auch die nach ansiedlungswilligen Hausärzten erfolglos, beklagte der WGR-Mann.

Der jetzt vorliegende Lösungsansatz ist laut Weyrauch mit finanziellen Risiken behaftet. Denn die Stadt Oberzent gehe damit ins volle Vermietungsrisiko. Der Betrag von zehn Euro, zu dem seitens der Gemeinde angemietet werden solle, liege deutlich über dem Mietspiegel. Damit „droht entweder die Nicht-Vermietbarkeit oder es verbleibt dauerhaft der Differenzbetrag als Belastung für die Kommune“.

Die WGR fordert deshalb nach den Worten des Sprechers weitere Überlegungen für den Entscheidungsprozess. Es müsse ein städteplanerischer Gesamtansatz zum Tragen kommen (Belebung Innenstadt, Auswirkungen auf verbleibende Geschäftslokale, Vermeidung/Reduzierung Leerstände, Verkehrsströme).

Daneben sei noch vor der Standortfrage zu klären, ob die Stadt tatsächlich als Mieter und Vermieter oder vielleicht besser als Eigentümer und Vermieter auftrete, meinte er. Dafür sollte man sich in Bezug auf öffentliche Fördermitteln schlau machen. Mögliches „Private-Sponsoring“ werde nur als Bauherr sinnvoll möglich sein. Natürlich, gestand Weyrauch ein, werde den Mandatsträgern wegen „Wichtigkeit und Brisanz des Themas“ einiges an Risikobereitschaft abverlangt. Doch müsse man das Risiko minimieren „und die Belastung für die Bürger so gering wie möglich halten“.

Bei Frank Knecht rannte die WGR mit dieser Stellungnahme offene Türen ein. Dieser attestierte dem bisherigen Verfahren, „eine so dilettantische Projektentwicklung im Gesundheitswesen selten erlebt zu haben“. Als jemand, „der den Job schon lange macht“, könne er das beurteilen. Knecht hatte sich auch gegen den ursprünglichen Beschlussvorschlag gewandt. „Warum soll ich den Fortgang für toll befinden“, sagte er. Er wolle nicht mittragen, dass durch eine Zustimmung „eventuell finanzielle Risiken für Jahrzehnte geschaffen werden“, meinte er.

Die Ablehnung des Odenwälder Windkraft-Flächennutzungsplans durch das Verwaltungsgericht Darmstadt führte in der Gemeindevertretung zu Nachfragen. Vor allem den Hinterbachern ging es um das sogenannte „harte“ Kriterium eines 1000-Meter-Abstands zur Wohnbebauung. Auch in der Bürgerfragestunde war das Thema schon aufgekommen. Da die Hinterbach als Weiler und nicht als geschlossene Ortschaft firmiert, würden in ihrem Fall die „weicheren“ Kriterien zum Tragen kommen, die eine größere Nähe der Windräder zu den Häusern ermöglichen.

Bürgermeister Hans Heinz Keursten sagte, vor einer genauen Bewertung müsse man das schriftliche Urteil abwarten. Seinem Eindruck nach habe der Richter die 1000 Meter als hartes Kriterium aufgefasst, auch wenn die Klage als Ganzes abgelehnt worden sei. „Wir sollten uns nochmal über die gelben Ortsschilder für die Hinterbach unterhalten“, lautete deshalb der Vorschlag aus dem Gremium. Denn dann wäre das Thema Entfernung sowieso obsolet.

Seine Freude äußerte Bürgermeister Hans Heinz Keursten über den Beitritt des Odenwaldkreises zur Metropolregion Rhein-Neckar. Der ist für 1. Januar 2018 geplant. Das sei auch wichtig, um die beiden Verkehrsverbünde VRN und RMV in der Grenzregion besser zu verzahnen. Über den Kreis soll seinen Worten zufolge eine Stelle für Wirtschaftsförderung geschaffen werden. Diese wäre dann in der Oberzent angesiedelt.