Flutung des Hainbrunner Tals sorgt für viel Hallo

Am deutschlandweiten Warntag war’s zwar ruhiger als gedacht. Aber jetzt wurde es umso lauter. Wenn die Rothenberger Theatergruppe mit ihrem „Polizeidiener“ durch den Ort zieht, dann bekommt das schnell jeder mit. Denn die Schelle von Benni Götz ist laut genug, dass sich entlang der Hauptstraße schnell kleine Grüppchen bilden, die das Neueste aus dem Ortsgeschehen wissen wollen. Fünf Stationen gab es den Berg hinauf, an denen die Laientheaterspieler lustige Begebenheiten zum Besten gaben.

Die Theatergruppe muss in diesem Jahr während der Corona-Pandemie mit ihren etatmäßigen Aufführungen in der Sporthalle pausieren. Um der Bevölkerung aber trotzdem in der ereignislosen Zeit etwas zu bieten, wurde der frühere Zug durch den Ort reaktiviert. Der fand letztmals zum 650-jährigen Bestehen des Höhendorfs 1999 statt. Unterstützt wurde das Spektakel durch Musik aus dem Leierkasten, bedient durch Thomas Wilcke. Bekanntmachungen, neueste Nachrichten und die regionale Wetterkarte wurden dem geneigten Publikum präsentiert.

„Wenn wegen Corona fällt das Theater aus, dann schelle mir ganz einfach aus“, gab Polizeidiener Benni Götz bekannt. Damit es zu keinen verbotenen Ansammlungen kam und die Besucher den gebotenen Abstand einhielten, war Hygienebeauftragter Matthias Hering stets wachsam – auch in den eigenen Reihen.

Denn die Bauersleute mit Handwerker Stephan Kloß, Claus Weyrauch, Tanja Schmidt, Marina Weinthäter, Elisa Köhler, Ulrike Beisel und Susanne Weyrauch hatten stets was zu bequatschen. Sie sorgten für das ordentliche Geschwätz in Klamotten aus Uromas Kleiderschrank. Die Zeit um 1900 wurde dabei lebendig, ohne Radio, Fernseher und Internet. Historische Gerätschaften wie Musrührer, Dreschflegel oder Rechen wurden von den Aktiven ebenfalls mitgeführt.

Das Wetter darf natürlich am Ende nie fehlen. Wettermann Jochen Blutbacher wusste mit überdimensionaler Karte, wie‘s wird oder auch nicht, Harry Foshag hatte dazu die eine oder andere Bauernregel parat. Jannik Uhrig war derweil mit dem Klingelbeutel bei den Zaungästen unterwegs. Den Erlös spendet die RTG an die Familie von Lenn Morr. Der Rothenberger Junge ist an Leukämie erkrankt und braucht viel Unterstützung.

Parken gegen die Fahrtrichtung ist nun verboten, mahnte der Polizeidiener. Allerdings muss keiner vor den Kadi, „denn der Kadi kommt zu uns“, sagte er in Anspielung auf den Nachnamen des Stadtpolizisten. Der Corona-Test funktioniert in Rothenberg mit Ebbelwoi. „Solange der noch schmeckt, hab‘ ich mich nicht angesteckt“, schüttelte Götz den nächsten Reim aus dem Ärmel.

Auch Vereinsneuigkeiten gab’s zu hören, wenn die Vereine schon nicht im Ortsleben aktiv sein können. Die SG sucht einen Vorstand, war zu erfahren, die Sänger haben einen neuen – Dirigenten: den Mario Freidel. Despektierlich dann des Polizeidieners Einschätzung der MGV-Sangeskünste: „Sobald Corona ist vorbei, geht sie los, die Plärrerei.“

Großes Hallo gab’s auf der Höhe, als es um den Start der Bauarbeiten zur Flutung des Hainbrunner Tals ging. „Gewerbeanmeldungen für Bootsverleih sind jetzt bei der Stadt Oberzent möglich“, erläuterte Götz. Bei 226,6 Metern über Meereshöhe ist die dicke Eiche bei Airlenbach erreicht. Der Erneuerungsfortschritt der Ortsstraßen war dem Polizeidiener ein Dorn im Auge. Aber: „Wer im Gammelsbacher Weg auf die Gosch fällt, ist selber schuld“, tat er kund. Die Anwohner müssen dann die Erstversorgung übernehmen.

„Wir hatten viel Spaß und unsere Gäste auch“, blickte Susanne Weyrauch von der RTG zufrieden zurück. Die Wiederholung hatten die Aktiven schon frühzeitig angedacht, um Lenns Familie damit zu unterstützen. Dann kam noch Corona dazu und die Aufführungen in der Halle mussten sowieso ausfallen. Der Erfolg macht Lust auf mehr: „Wann wir nochmal dieses Event wiederholen, ist noch unklar“, erzählte sie. „Aber auf jeden Fall wird‘s wiederholt.“ Weyrauch schätzt gegen Jahresende.

Oberzent als kultureller Leuchtturm

Einen Appell für die Förderung der Kultur hielt der Ausschussvorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) auf der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung. Der Lockdown hat „flächendeckend zu Ausfällen geführt“, sagte er. Ein Neustart steht an. „Wir müssen nun gemeinsam voranschreiten und beispielhaft für andere Kommunen wirken“, so seine Meinung. Der neue städtische Kulturbeauftragte Stefan Rosewick hat ein Kulturnetz Oberzent ins Leben gerufen, das für eine stärkere Verknüpfung der Akteure sorgen soll.

„Wir haben damit einen Türöffner in der Hand, den wir nutzen können. Endlich“, freute sich der Parlamentarier. Es gibt nun einen Adressaten für die Akquise von Fördermitteln des Landes und des Bundes. Durch diese und viele andere kleine Aktionen erzielt Oberzent seiner Beobachtung nach nun endlich wieder die positive Aufmerksamkeit, „die unsere Stadt verdient“.

Zusammen mit der Verwaltung gilt es nun, tragfähige Pläne zu entwickeln und umzusetzen. Zucht nennt hier Pferdemarkt, Brunnenfest, Ausstellungen und Messen. Es darf seinen Worten zufolge nicht mehr um Durchführung im alten Stil oder Absage gehen – sondern um Wege, wie etwas trotzdem, eben mit Hygienekonzept und allen Auflagen, „dennoch durchführbar ist“.

Er weiß: Auch wenn die Corona-Krise vorüber sein wird, ist nichts wird mehr, wie es davor war. Bei den Anstrengungen können die relativ kleine Verwaltung, die flachen Hierarchien und die enge Verknüpfung mit Vereinen und Akteuren helfen, schnelle und vergleichsweise unorthodoxe, aber regelkonforme Wege zu beschreiten. „Dazu müssen wir jedoch zusammenarbeiten“, lautet jedoch seine Aufforderung an alle. Das immer wiederkehrende „Wir und Die“ muss aufhören, so sein Appell.

Der Mandatsträger forderte, schleunigst stabile Kommunikationswege zwischen den Institutionen zementieren. Er stellt sich darunter regelmäßige Treffen vor, die erstmal eine Stunde kosten, „aber am Ende etliche Sitzungen, Mutmaßungen und Missverständnisse einsparen können“. Dies beginnt konkret bei Sitzungsvorbereitungen und zieht sich bis zur aktiven Zusammenarbeit mit den zuständigen Verwaltungsangestellten.

„Es kann und darf nicht sein, dass wir im Denken von vor fünf Jahren festhalten“, so Zuchts Worte.  Das Umfeld hat sich alleine während der letzten Monate „radikal und rasend schnell verändert“. Für die Öffentlichkeit in Heidelberg, Mannheim und Mosbach muss Oberzent zum Begriff für Innovation im ländlichen Raum werden, so seine Vorstellung. Diesen Gedanken „dürfen wir nicht belächelnd ignorieren oder schlechtreden“.

Der Kulturbereich bringt Aufmerksamkeit, ist er sich sicher. „Alles andere wird zwangsläufig folgen.“ Das Ganze kostet kostet relativ wenig Geld, sagte der Ausschuss-Vorsitzende, aber hohen persönlichen Einsatz von jedem Aktiven. „Nie mehr: Das wird eh nichts“, lautete sein Credo. Denn mit dieser Haltung „zerstören wir die Möglichkeiten, die wir uns jetzt gemeinsam erarbeiten“.

Durchs Finkenbachtal auf eigenem Weg radeln

Wenn nächstes oder spätestens übernächstes Jahr die Landesstraße im Finkenbachtal erneuert wird, dann könnte man im Zuge dieser Arbeiten auch die Herstellung eines Fahrradwegs zwischen Falken-Gesäß und Ober-Hainbrunn ins Auge fassen, war der Gedanke der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO). Sprecher Chris Poffo trug deren Ansinnen auf der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung vor – mit dem Ziel, eine Kostenschätzung dafür erstellen zu lassen.

Für Poffo sollte es „ein elementarer Bestandteil des Fahrradwegenetzes sein“, die südlichen S-Bahn-Anbindungen durch solche zu erschließen. Gerade der erheblichen Einschränkung des ÖPNV in Richtung Metropolregion könnte hier entgegengewirkt werden, meinte er mit Blick auf weniger Busverbindungen über Rothenberg nach Hirschhorn. Damit ließe sich autofreies Pendeln zum Arbeitsplatz ohne erhöhte Unfallgefahr ermöglichen.

Sein Gedanke war weiterhin, die angespannte Parksituation an den Bahnhöfen Eberbach und Hirschhorn zu verbessern. Daneben denkt Poffo an eine Kooperation mit der Stadt Hirschhorn, um eine Weiterführung des Radwegs an den Neckar zu erreichen. Der Fraktionssprecher wünschte sich einen Synergieeffekt mit der Straßensanierung und wollte entsprechende Fördermöglichkeiten kurzfristig geprüft wissen. In der Vorlage rechnete Poffo mit einem städtischen Eigenanteil von 30 Prozent der Baukosten.

Bei der Verwaltung stieß er mit seinen Gedanken auf offene Ohren. Mitte Oktober gibt es in dieser Angelegenheit bereits einen Termin mit der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Die Stadt will einen Bautermin erst in 2022 erreichen, um selbst noch genug Vorbereitungszeit zu haben. Denn erst jetzt ist die Kanalbefahrung fertig, die Auswertung läuft noch. Danach können die Überlegungen anlaufen, was wo erneuert werden muss. Dieses Mal, so Kehrer, soll alles gut vorgeplant sein.

Er wies darauf hin, dass bei der Sanierung von Bundesstraßen bereits ein Radwegekonzept erstellt werden muss. Das Land ist seines Wissens ebenfalls an einer solchen Vorgabe dran. Ein Radweg auf Landeskosten wäre auch dringend nötig, erläuterte er. Denn die Herstellung von einem Kilometer Radweg in qualifiziertem Ausbau kostet seinen Worten zufolge 500.000 Euro. „Ich bin froh, dass wir kein Straßenlastträger sind“, meinte Kehrer. Seinen Informationen zufolge ist die Maßnahme sogar schon ab dem Brombacher Wasser (der Abzweigung nach Kortelshütte) durch ganz Hainbrunn und Finkenbach geplant.

Dem Vorschlag von Frank Leutz (FDP), das Thema zur Klärung in den Bau- und Infrastrukturausschuss zu verweisen, kamen die Stadtverordneten einstimmig nach. Denn der wollte „wissen, was Sache ist“: Ob das Land die Kosten übernimmt oder die Stadt etwas zu zahlen hat. Denn dann würde sich Leutz eine günstigere Lösung etwa unter Einbeziehung von Waldwegen wünschen.

Breitband-Ausbau wird richtig teuer

Dass es in Oberzent vor allen in den Seitentälern mit dem mobilen Internet hapert, ist nichts Neues. Genervte Handynutzer wissen ein ungehörtes und unerreichtes Lied davon zu singen. Aber auch Breitband ist nicht flächendeckend zu akzeptablen Geschwindigkeiten verfügbar. In der Bürgermeister-Runde des Odenwaldkreises fanden zum Thema Ausbau schon mehrere Gespräche mit dem Landrat statt, berichtete Bürgermeister Christian Kehrer der Stadtverordneten-Versammlung.

Etliche unterversorgte Bereiche, in den die Übertragungsgeschwindigkeit weniger als 30 Mbit/s beträgt, wurden ermittelt. Und davon gibt es viele im Odenwaldkreis. Geht man von etwa einem Internet-Anschluss pro Haushalt aus, so bedeutet die Zahl 4614 über zehn Prozent der Kreis-Haushalte. Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl sind damit wohl über 10.000 Odenwälder ohne schnelles Breitband.

Wie auch beim Mobilfunk sind davon hauptsächlich die Täler betroffen. Ausnahmen bestätigen aber die Regel. Auch die südlichen Außenbezirke von Beerfelden sind nicht optimal versorgt. Vor allem an Anfang und Ende des Sensbachtals gibt es einige rote Flecken. Weiter Richtung Westen überwiegt dann ganz klar die Farbe Rot gegenüber dem Grün. Hauptsächlich Falken-Gesäß, der westliche Teil von Airlenbach, Raubach und teilweise Olfen surfen mit Kriechgeschwindigkeit.

Dieses Schicksal teilen die ländlichen Gebiete von Oberzent allerdings mit vielen anderen Gemeinden. Ein schwacher Trost. In Mossautal verschwindet das Grün eines schnellen Anschlusses immer mehr, je weiter man nach Nordwesten vorstößt. Reichelsheim, Fränkisch-Crumbach, Brombachtal und Brensbach ergeht es in den Außenbezirken ähnlich. Gut sieht es entlang der B 45 aus.

Laut Kehrer liegt eine Kostenermittlung für den Breitband-Ausbau im Odenwaldkreis vor. Allerdings hat ein Markterkundungsverfahren ergeben, „dass kein Netzbetreiber ausbauen wird“. Aufgrund dieses „Marktversagens“ müssen ihn die Kreis-Kommunen selbst umsetzen. Es ist ein flächendeckender Breitbandausbau (FTTB/H) und Gigabitversorgung geplant, informierte der Bürgermeister. Die Beantragung von Fördermitteln läuft.

Trotz Zuschüssen von 90 Prozent „wird die Finanzierung ein spannendes Thema darstellen“, erläutert er. Denn es verbirgt sich dahinter ein „erhebliches Investitionspotenzial“ mit erklecklichen kommunalen Eigenmitteln. Die Brenergo bietet seinen Worten zufolge den Städten und Gemeinden kostenlos an, einen gemeinsamen Antrag auf Förderung von Beratungsleistungen zu stellen, teilte das Stadtoberhaupt mit. Eigenmittel sind nicht dafür notwendig – erst später.

Der Magistrat nahm zwischenzeitlich das Brenergo-Angebot an. Die Verwaltung soll zur Umsetzung entsprechende Schritte in die Wege leiten. Wenn’s dann in die Umsetzung geht, wird das Thema schnell wieder auf der Tagesordnung landen, denn dann geht es um die Bereitstellung von Haushaltsmitteln.

Dem Ortsbeirat stinkt das marode WC-Häuschen

Die Sache stinkt im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel. Dem Beerfeldener Ortsbeirat ist der Zustand der öffentlichen Toiletten auf dem Parkplatz neben dem Oberzent-Museum ein Dorn im Auge. Schon Anfang des Jahres hatte man eine tägliche Reinigung des prominent gelegenen WC-Häuschens gefordert. Das ist inzwischen dauerhaft geschlossen, da der Zustand nicht mehr haltbar ist und eine regelmäßige Reinigung nicht möglich.

Eigentlich war man im Gremium davon ausgegangen, dass anderweitig nicht benötigte Mittel aus dem integrierten kommunalen Entwicklungskonzept (IKEK) für eine Sanierung umgeschichtet werden können. „Aber das ist wohl doch jetzt nicht mehr der Fall“, zeigt sich Ralf Fiedler enttäuscht. Das Toilettenhäuschen ist für ihn „nicht mehr zeitgemäß“. Gerade vor dem Hintergrund des boomenden Inlands-Tourismus „ist das kein Aushängeschild für den Ort“, beklagt er.

Über IKEK hatte sich der Ortsbeirat eine 90-prozentige Förderung der Maßnahme erhofft. Das Gremium würde außerdem einen Großteil seines Budgets zur Verfügung stellte, betont Ortsvorsteher Christian Zimmermann. Der sieht ebenfalls „unmögliche Zustände“: Der Parkplatz als Ausgangspunkt für Stadtführungen hat seinen Worten zufolge Besseres verdient. „Andere Kommunen zeigen, wie so etwas geht“, ergänzte Fiedler.

Die nächste öffentliche Toilette befindet sich am Rathaus, erläutert er. Leider gibt es mangels Café auch nicht die Möglichkeit, in der Nähe ein solches aufzusuchen, einen Kaffee zu trinken und das dortige WC zu nutzen. Fiedler bringt eine Bezahlmethode ins Spiel, wie sie schon öfters in Städten zu sehen ist. Für dieses Jahr ist der Zug zwar schon abgefahren, aber zumindest mit Blick auf die kommende Saison sollte man ein schöneres Bild abgeben.

Musik macht den Markt zum beliebten Treff

Was gibt’s Schöneres? Ein herrlicher Spätsommertag, viel Sonne und dazu leckere lukullische Angebote auf dem Wochenmarkt. Das Ganze untermalt von zart vor sich hinplätschernder Unterhaltungsmusik. Kein Wunder, dass viele Bürger zur Wiedereröffnung des Beerfeldener Wochenmarktes nach der Sommerpause vorbeischauen und sich von Neo Stephanou und dem Duo „Jazzaffair“ bestens unterhalten lassen. Organisiert hat die musikalische Unterhaltung Stefan Rosewick, der neue städtische Kulturbeauftragte.

Neo Stephanou ist auf dem Dilsberg zuhause. Der gefragte Gitarrist aus Zypern, vor kurzem mit Rolf Schaude („Die Nachtigallen“) und Gigu Neutsch („Freddy Wonder Combo“) als Trio „Blu“ im Michelstädter Hüttenwerkt zu sehen. Stephanou war gleich dabei, als er gefragt wurde. Direkt von der Heidelberger Musikschule, wo er jetzt nebenher arbeitet, ging es nach Beerfelden. „Kultur muss unterstützt werden“, betont er.

Der studierte Bassist tritt eigentlich gern mit verschiedenen Bands auf, aber in Corona-Zeiten ist er auch mal zwangsweise allein unterwegs. Vier Monate lang tat sich in Sachen Engagements bei ihm gar nichts. „Jetzt fange ich wieder klein an“, lacht er. Stephanous virtuoses Gitarrenspiel und seine unverwechselbare Stimme nehmen das Publikum mit auf eine Reise in den Süden mit rhythmischen spanischen und lateinamerikanischen Klängen, aber auch Pop- und Rock-Klassikern.

Birgit und Karsten von Lüpke kommen aus Frankfurt und zeigen sich froh, wieder auftreten zu können. Natürlich unterstützen sie eine Kulturaktion, hebt Karsten von Lüpke hervor. In Frankfurt ist derzeit nur eine Jazz-Kneipe wieder offen, berichtet er. Daneben wurde den beiden ein neunwöchiges Kreuzfahrt-Engagement gecancelt, bedauert der Pianist. „Nur der Unterricht läuft weiter“, weist er auf die Schwierigkeiten der Branche hin.

Das umfangreiche Repertoire umfasst Swing, Blues und Latin-Jazz sowie Popklassiker von Ray Charles, Bill Withers oder den Beatles. Die Corona-Auflagen und die damit verbundene räumliche Trennung von Marktgeschehen und Musik führen dazu, dass sich zwar direkt vor den Künstlern nicht so viele Gäste einfinden, aber die Umrahmung im eigentlichen Marktbereich eine Etage höher sehr positiv aufgenommen wird.

„Die Begeisterung für die Musiker ist da“, stellt Stefan Rosewick fest. Die Untermalung kommt seiner Beobachtung nach positiv an, „der Markt ist voll“, beobachtet er. Es wäre schön, so etwas von Zeit zu Zeit zu wiederholen, wäre sein Wunsch. Aktuell brütet er über anderen neuen Ideen, die aber noch der Abklärung bedürfen.

„Es ist schön, dass so etwas geboten wird“, sagt Regina Georg von der städtischen Tourist-Info. Immer wenn es besondere Aktionen auf dem Wochenmarkt gibt, zeigt sich der besonders gut besucht. Thomas Mergenthaler bezeichnet die Musik zum Markt als „super Aktion“. Der regelmäßige freitägliche Besucher freut sich nach einer arbeitsintensiven Woche über den „chilligen Nachmittag“. Die Künstler hätten mehr Besucher verdient, meint er mit Blick Richtung Auftrittsfläche. „Das sollte man ab und zu beibehalten“, so seine Meinung. „Es bereichert das Kulturleben.“

Das ist auch die Meinung von Ina Bottelberger. „Klasse, dass Stefan so etwas in die Hand nimmt“, betont sie. Katharina Riesinger weist auf die schöne Auflockerung des Nachmittags an einem herrlichen Frühherbsttag hin. Alle zusammen lassen es sich mit vielen anderen Gästen bei bester Verpflegung gut gehen.

Das Weingut Beyer-Bähr hat Neuen Wein im Gepäck, der reißenden Absatz findet. Beim Weilerhöfer Putenwagen gibt’s die feste Nahrung dazu, und gesund wird’s beim Imkerverein Beerfelder Land mit seinen Produkten. Mediterrane Spezialitäten runden das Ganze ab. Um 18 Uhr machen zwar die Stände zu, aber das heißt nicht, dass die Gäste den Heimweg antreten würden. Sie sitzen an einem angenehmen Abend noch länger zusammen und lassen es sich gut gehen statt zu gehen.

Freiwillige rücken dem Urwald zu Leibe

Es war höchste Zeit. Denn sonst wäre aus dem Waldseebad Beerfelden ein Urwaldsee geworden. Da Corona-bedingt der Frühjahrsputz ausfiel und auch über den Sommer hinweg alle Arbeiten ruhten, war jetzt, bei der Aktion im Rahmen des Freiwilligentags im Odenwaldkreis, umso mehr zu tun. Die Rasenmäher wummerten, die Freischneider dröhnten, die Rechen glühten, als die 25 Freiwilligen einen Vormittag lang zu Werke gingen und das verwunschene Dornröschen-Gelände wieder herausputzten.

Vereinsvorsitzende Ina Bottelberger freute sich über den starken Zuspruch. „Es sind viele gekommen, obwohl keine Schwimmbadsaison war“, notierte sie. Und auch etliche, die gar keine regelmäßigen Schwimmgäste sind. Dafür fehlten aber wiederum solche, die in normalen Jahren häufig den Weg ins kühle Nass suchen, meinte sie augenzwinkernd. Die haben am kommenden Samstag, 19. September, noch die Möglichkeit sich einzubringen, wenn die Arbeiten wieder um 9 Uhr starten. Auf die Helfer warten dann im Quellwasser gekühlte Getränke und ein (deftiges) Mittagessen.

Unkraut hatte sich seit dem Ende der vergangenen Badesaison im September 2019 en masse angesammelt. Plus die unvermeidlichen Brombeerhecken. Vom Bauhof werden zwar regelmäßig die Freiflächen abgemäht, aber es gab genug Bereiche, wo man mit dem Aufsitzmäher nicht hinkam. Und so war Marc Gärtner mehrmals am Vormittag mit dem durch Grünschnitt voll beladenen Unimog Richtung Kompostierungsanlage unterwegs.

Mit Geräten aus dem Vereinsbestand, vom Bauhof und aus eigenen Vorräten wurde daneben die Schlucht vom Parkplatz abwärts sauber gemacht. Denn sollte es mal kräftig regnen, könnte es sein, dass diese verstopft und dann das Wasser ungebremst Richtung Schwimmbad schießt. Dessen Restbrühe bleibt bis nächstes Frühjahr drin, erläuterte Bottelberger.

Dann werden auch die deutlich sichtbaren Risse in der Beckenwand wieder zugespachtelt. Oder besser gesagt: Man versucht es. Denn die Risse haben bereits eine gewisse Resistenz gegen Spachtelmasse entwickelt. Das Babybecken wurde jetzt gereinigt. Es war voll mit Laub, wodurch sich eine unansehnliche, übelriechende Brühe ergeben hatte.

„Wir tun jetzt alles für die kommende Saison“, so die Vorsitzende. Der Verein lässt die Entwicklung erst einmal auf sich zukommen – in der Hoffnung, dass sich im kommenden Frühjahr alles wieder normalisiert hat. Wenn nicht, will man kurzfristig reagieren. Bottelberger steht nach wie vor hinter der Entscheidung, das Waldseebad in diesem Jahr geschlossen zu lassen.  

Die Aktiven blicken mit einem lachenden und weinenden Auge zurück. Bei allem Bedauern, dass es keine Badesaison gab, nutzte Kiosk-Betreiber Matthias Willenbücher die Pause, „um auch mal wieder durchschnaufen zu können“. Denn sonst geht es bei ihm von Mai bis September nonstop durch – und auch den Rest des Jahres hat er genug zu tun. Weitere Ehrenamtliche konnten sich mal wieder anderen Dingen widmen, als fürs Bad immer Gewehr bei Fuß zu sehen. 2021 geht’s mit neuen Kräften weiter, heißt deshalb die Devise. Denn ihr 85 Jahre altes Bad liegt allen doch sehr Herzen.

Im Frühjahr gibt’s dann ab Anfang April wieder genug zu tun, wenn zuerst das komplette Wasser aus dem Schwimmerbecken abgelassen wird. In diesem Jahr freuten sich die Frösche stattdessen über einen großen Laichteich. Da die Löcher an Rand und Boden nicht gestopft wurden, dürften sie 2021 noch ein Stück tiefer sein als sonst. Und natürlich wird dann der Beckenboden mit allen Kräften geschrubbt.

Die Sonnendecks stehen 2021 ebenfalls im Fokus der Ehrenamtlichen. Denn das Holz der drei Terrassen ist in die Jahre gekommen und muss erneuert werden. Am Beach-Volleyballfeld haben die Holzstämme zur Abgrenzung ebenfalls ihre beste Zeit hinter sich und sollten ausgetauscht werden. An Freizeitaktivitäten gibt es weiterhin Schaukel, Sandkasten, Tischtennisplatte (im Nichtschwimmerbereich) und Kinder-Tischkicker. Das Babybecken ist mit einem Sonnensegel ausgestattet.

„Band der Oberzent“ soll festgezurrt werden

Oberzent hat viele Löcher zu stopfen. Straßenlöcher, Funklöcher, Internetlöcher – und auch Kartenlöcher. Denn was fürs mobile Netz gilt, betrifft auch das Radwegenetz: Es gibt einen großen weißen Fleck im südlichen Odenwaldkreis. Der soll jetzt ausgemerzt werden. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss einstimmig den Antrag der Überparteilichen Wählergemeinschaft (ÜWO), dass die bereits vorliegenden Planungen fürs touristische Radwegenetz „Band der Oberzent“ bis 31. März 2021 zu reaktivieren und realisieren sind.

Fraktionssprecher Chris Poffo erläuterte, dass unter Regie des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald mit regionalen „Fahrradwegepaten“ attraktive Rundwege entstehen. Überall, aber noch nicht in Oberzent. Mit dem seit 2018 in umsetzungsreifer Konzeption vorliegenden „Band der Oberzent“ könnte eine Lücke geschlossen werden, betonte Poffo. „Die Initiative ist eingeschlafen“, bedauerte er.

Das Konzept sieht vier Rundwege mit je etwa 30 Kilometern Länge vor. Sie liegen in den vor der Fusion 2018 bestehenden Altkommunen Beerfelden, Rothenberg, Hesseneck und Sensbachtal. An den Außengrenzen gibt es jeweils Querverbindungen, um die anderen Strecken zu erreichen. Damit ergibt sich eben jenes „Band der Oberzent“ mit zusammen 120 Kilometern, erläuterte der Fraktionssprecher.

Vom Geo-Naturpark wurde die Umsetzung mit einem Zuschuss 50 Prozent gefördert. Eine einschlägige Arbeitsgruppe möchte die ÜWO nun reaktivieren. Über die Ergebnisse sollen die Parlamentarier einen Bericht erhalten. Für Poffo macht es Sinn, die an der Strecke angesiedelten tourismusaffinen Betriebe mit in die Umsetzung einzubeziehen. Das hatte Oliver von Falkenburg (CDU) angeregt.

Dessen Fraktionskollege Jürgen Schmidt wies darauf hin, den Terminus „Rad- und Wanderwege“ zu verwenden, weil damit der Ausbaustandard nicht so hoch sein muss. Auch könnten sich andere Fördermöglichkeiten ergeben. In diese Kerbe hieb auch Frank Leutz (FDP). Er sprach darüber hinaus eine App für solche Aktivitäten als „enormen Mehrwert“ an. Thomas Väth (Grüne) ergänzte, dass es eine solche Anwendung schon gibt. Eventuell könnte man sich daran andocken, Tourenvorschläge ausarbeiten und einstellen.

Die ÜWO strebt darüber hinaus an, in Abstimmung mit dem Kreisentwicklungskonzept ein Fahrradwegekonzept für Oberzent zu erstellen. Der Bau- und Infrastrukturausschuss soll hierzu Vorgaben machen. Das Ganze soll auch unter Einbindung der Ortsbeiräte geschehen. Poffo begründete diesen Antrag damit, dass die Bedeutung des Fahrrads als sauberem Verkehrsmittel stark ansteigt. Allerdings birgt das Befahren von Landesstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften tödliche Gefahren, war vor kurzem auch in Oberzent leidvoll zu erfahren.

Deshalb sollte es langfristig kommunalpolitisches Ziel sein, auf möglichst vielen Strecken separate Fahrradwege zu erstellen. Dazu gibt es laut Poffo eine Förderquote von 70 Prozent durch das Land, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Dem Hinweis von Dr. Michael Reuter (SPD), dass sich der Kreistag ebenfalls mit dem Thema beschäftigt und Doppelstrukturen entstehen könnten, folgte der ÜWO-Fraktionssprecher dahingehend, dass das lokale Vorhaben daran angedockt werden soll. Das Vorhaben wurde einstimmig verabschiedet.

Von Falkenburg wollte auch über Kreis- und Landesgrenzen hinausblicken: zum einen Richtung Eberbach über Gammelsbach und zum anderen Richtung Hirschhorn. Schmidt regte an, frühzeitig die großen Waldbesitzer mit ins Boot zu holen, weil viele Wege durch deren Forst führen. Leutz hob auf die Verkehrssicherungspflicht ab und brachte ins Spiel, das Ganze statt Radwege- Freizeitwegenetz zu nennen.

Väth wollte den Blick über die Freizeit hinaus auch auf die berufliche Nutzung auf dem Weg zur Arbeit richten. Bürgermeister Christian Kehrer ergänzte, dass man mit Eberbach in Gesprächen über einen Ittertalradweg sei. Es gelte nicht nur die Bau-, sondern auch die laufenden Kosten im Blick zu haben, mahnte er.

In die Bahnhofssanierung kommt Zug rein

Der Hetzbacher Bahnhof, das Einfallstor nach Oberzent, rückt immer mehr in den Fokus der städtischen Anstrengungen. Seitdem mit der Erbacher Erklärung eine Attraktivierung der Odenwaldbahn im Raum steht, kommt dem Haltepunkt eine neue, große Bedeutung zu. Denn bei einem stündlichen Takt Richtung Eberbach wäre hier der Begegnungspunkt. Deshalb war der Bahnhof auch in der vergangenen Oberzent-Stadtverordnetenversammlung in Rothenberg gleich mehrfach Thema.

Es geht vor allem um Fördermittel, um das unansehnliche Bahnhofsgebäude wieder auf Vordermann zu bringen und aus einem hässlichen Entlein einen strahlenden Willkommensschwan zu machen. Der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO) ist daran gelegen, hier die neu gegründete Fördermittelberatungsstelle des Odenwaldkreises mit ins Boot zu holen. Deren Gründung hatte Oberzent vor kurzem zugestimmt.

Wie Fraktionsvorsitzende Chris Poffo in der Antragsbegründung erläuterte, soll der Bauausschuss nach der Bahnhofs-Besichtigung Anfang des Monats nun Anregungen zu sammeln und frühzeitig Vorschläge für eine Nutzung zu unterbreiten. Integration in ein touristisches Nahverkehrskonzept, Aufbau eines E-Mobilitätscenters, Unterbringung eines städtischen Tourismus-Büros und Verpachtung der Gastronomie sieht Poffo als Ansatzpunkte. Als zweiten Schritt nannte er dann die Beauftragung des Magistrats, Fördermöglichkeiten zu ermitteln. Ende November soll alles vorliegen, um im Haushalt 2021 berücksichtigt zu werden.

Im Rahmen des Freiwilligentags am 19. September ist durch Bürgermeister Christian Kehrer geplant, eine Ideensammlung unter dem Motto „Unser Bahnhof soll schöner werden“ durchzuführen, erläuterte dieser. Poffo ist es daneben wichtig zu überlegen, „wohin die Reise gehen soll“. Walter Gerbig (CDU) merkte an, dass die Fördermittelstelle beim Kreis wohl erst Mitte 2021 ihre Arbeit aufnimmt. Denn die Stelle kann erst nach Genehmigung des 2021er-Haushalts ausgeschrieben werden. „Das wäre wohl zu später für den Bahnhof.“

Kehrer ergänzte, dass die Verwaltung bereits Vorarbeiten leistet. Aktuell gibt es zwei Programme, bei denen wohl eine 90-prozentige Förderung zu erreichen sein dürfte: das integrierte kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) und ein neu aufgelegtes Bundesprogramm mit dem Namen „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Kultur und Jugend“. Bei dem muss sich die Stadt aber ranhalten, denn Abgabeschluss ist der 30. Oktober 2020.

Auch wenn’s über den Bund viel Geld gibt, macht das Prozedere den Rathauschef wütend. Bei diesen „ganz spontanen Programmen“ müssen die Kommunen quasi fertige Anträge in der Schublade haben. „Fast schon unverschämt“ nannte er dies mit Blick auf kleine, personell nicht so gut aufgestellte Gemeinden. Innerhalb von wenig mehr als zwei Monaten muss in diesem Fall alles eingereicht sein.

Neben dem Bahnhof könnten auch der Bikepark, die Sportanlagen in der Stried, der Kunstrasenplatz und das Waldseebad förderfähig sein. Projekte mit besonderer regionaler oder überregionaler Bedeutung stehen dabei im Vordergrund. Kehrer rechnet bei Verabschiedung 2021 im Bundestag mit einer Mittelausschüttung in den Jahren 2022 bis 2024.

Da sich Oberzent aufgrund neuester Finanzzahlen in Haushaltsnotlage befindet, gibt es hier – wie auch bei IKEK – eine stolze 90-przentige Förderung der Kosten. Jedoch, schränkt der Bürgermeister ein: Die restlichen zehn Prozent müssen angesichts der vielen geplanten Projekte auch erst einmal aufgebracht werden. Investitionen in die Stadt sind für ihn aber unabdingbar. Es gilt einen Weg zu  finden, wie sie finanziell darstellbar sind.

Jürgen Schmidt (CDU) wies darauf hin, dass es nicht nur Fördermittel fürs Gebäude geben könnte, sondern auch für andere Dinge im Umfeld wie etwa Erschließung. Kehrer entgegnete, dass man die Fühler in alle Richtungen ausstreckt, um angesichts klammer Kassen die größtmögliche Förderung zu erreichen. Sein Vorschlag, der auch angenommen wurde: Der Magistrat soll alles abklopfen und wieder berichten.

Endlich darf wieder gesungen werden

Während der Corona-Pandemie müssen auch in der Kirchenmusik neue Wege gegangen werden. So hat die Kantorin an der Martinskirche Beerfelden, Iris Thierolf, in der Corona-Zeit vor allem ein umfangreiches Online-Angebot erstellt: Zusammen mit Pfarrer Roland Bahre gab es in den ersten Monaten des Lockdowns wöchentlich „MusikKreuzWorte“, die seit Juni monatlich fortgeführt werden. Ein anderes neues Format findet am Sonntag, 13. September, seine Fortsetzung: ein Singgottesdienst“.

Besonders schön findet es Thierolf, endlich wieder mit den Chören proben zu können: Nach einem eigens entworfenen Hygienekonzept finden wöchentlich Chorproben im Freien statt. „Die erste hat uns alle bewegt“, erinnert sich die Beerfelder Kantorin und Chorleiterin. Die Teilnehmer sind sich einig: Die Chorproben sollen weiterhin auf der großen Wiese des Gemeindehauses stattfinden, solange es das Wetter zulässt.

Aktuell proben dort zu unterschiedlichen Zeiten Kirchen-, Jugend- und Kinderchor. Auch der Posaunenchor unter der Leitung von Gernot Spielmann hat (an anderer Stelle) seine Proben wieder aufgenommen. „Wir binden alle mit ein“, so Thierolf. So entstand auch die Idee eines „Singgottesdienstes“, erinnert sich die Musikerin. Da das Singen im Gottesdienst in der Martinskirche weiterhin noch nicht möglich ist, fand Ende August auf dem Marktplatz davor die erste Veranstaltung dieser Art statt, bei der endlich wieder gesungen werden konnte.

„Nach fünfmonatiger Abstinenz war es ein besonderes Erlebnis“, erinnert sich Thierolf. Da die Resonanz so gut war, folgt nun am kommenden Sonntag, 13. September, um 10 Uhr erneut ein solcher Singgottesdienst. Und: „Wenn es das Wetter zulässt, wird dieses Format unbedingt weiter verfolgt“, bekräftigt sie. Auch der Posaunenchor bringt sich ein: So gaben die Bläserinnen und Bläser kurzerhand nach dem letzten Gottesdienst auf dem Marktplatz ein kleines Konzert, das den Sonntag in besonderer Weise ausklingen ließ.

Wer Iris Thierolf kennt, weiß, dass sie bereits eine Vielzahl von neuen Ideen für die kommende Zeit und sogar fürs nächste Jahr hat. So ist für den Herbst ein Liederabend geplant, den sie zusammen mit David Krahl anbieten möchte. Der ist ihr ehemaliger Schüler und wirkte lange als Chor- und Solosänger in der Kirchengemeinde mit. Momentan schließt er gerade sein Gesangsstudium in Wiesbaden ab. „Da er aber seiner Heimat weiterhin verbunden ist, konnten wir ihn für einen Liederabend gewinnen“, erzählt sie.

Da aktuell coronabedingt keine musikalische Großveranstaltung stattfinden kann, hat die Kantorin  vor, 2021 einmal monatlich ein kleines einstündiges Konzert in der Beerfelder Martinskirche anzubieten. „Wenn die Hygieneanforderungen es nächstes Jahr zulassen, wollen wir außerdem einmal im Monat ein reizvolles musikalisches Angebot entwickeln“, schwärmt Thierolf. Dies könnten sein: ein kleines Gesangsensemble, Mitsingaktionen, „Singgottesdienste“ – oder ein etwas größeres Instrumentalkonzert. Das genaue Programm wird bis Ende des Jahres entwickelt.

„MusikKreuzWorte“ sind kurze Video-Botschaften der evangelischen Kirchengemeinde mit Gebeten, Segen, Bibellesung und einer Kurzpredigt – vor allem aber viel Musik zum Mitsingen für zu Hause. „Dieses Angebot wird sehr gut genutzt“, freut sich Pfarrer Bahre, der die Klicks und „Viewer“ aller Videos regelmäßig analysiert, um das Video-Angebot immer wieder neu an die Zuschauer anzupassen.

Gerade bei den „MusikKreuzWorten“ wird deutlich, dass sich mittlerweile eine Fan-Gemeinde herausgebildet hat, die sich diese Videos regelmäßig und immer wieder anschaut, erläutert er. Sogar einen eigenen „Hoffnungs-Song“ hat Iris Thierolf eigens für die Krisenzeit komponiert, den sie zusammen mit dem Jugendchor als Musikvideo aufgenommen hat. Er ist über YouTube auf dem „Kanal Kirche Beerfelden“ und über die Homepage der Kirchengemeinde abrufbar.

Polizeidiener hat viel zu berichten

Dem Polizeidiener entgeht nichts. Das letzte Mal war er 1999 zum 650-jährigen Bestehen von Rothenberg unterwegs. Jetzt zieht es ihn wieder auf die Rothenberger Straßen. Wegen Corona. Die Theatergruppe muss in diesem Jahr während der Pandemie mit ihren etatmäßigen Aufführungen in der Sporthalle pausieren. Um der Bevölkerung aber trotzdem in der ereignislosen Zeit etwas zu bieten, wird der frühere Zug durch den Ort am 12. September reaktiviert.

Anlässlich der Feiern zum 650. Jubiläum der Ersterwähnung Rothenbergs zogen damals Mitglieder der Rothenberger Theatergruppe (RTG) durch das Dorf. Vorneweg der Polizeidiener mit der Schelle. Unterstützt wurde das Spektakel durch Musik aus dem Leierkasten. Bekanntmachungen, neueste Nachrichten und die regionale Wetterkarte wurden dem geneigten Publikum präsentiert.

Für das ordentliche Geschwätz sorgten Mitmarschierende in Klamotten aus Uromas Kleiderschrank. Die Zeit um 1900 wird dabei lebendig, ohne Radio, Fernseher und Internet. „Es wird ausgeschellt.“ Historische Gerätschaften wie Musrührer, Dreschflegel oder Rechen werden ebenfalls mitgeführt. Außerdem sorgte der Leierkastenmann in Frack und Zylinder für Stimmungsmusik. Unterwegs gab es auch ein paar Getränkestationen, damit die Aktiven nicht Durst leiden mussten.

„Bekanntmachungen“ rief der Dorfbüttel in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten mit lauter Stimme und betätigte dazu kräftig seine Schelle. Von allen Seiten strömten daraufhin die Dorfbewohner zusammen, um das Neueste aus dem Ortsgeschehen zu erfahren. Auf diese Weise wurden die Rothenberger noch bis zum Beginn der 1960er Jahre übers aktuelle Geschehen unterrichtet.

Einmal im Monat samstags zogen die Theaterleute 1999 durch die Straßen und verkündeten ihre Neuigkeiten, erinnert sich Susanne Weyrauch. „Das kam richtig gut an“, weiß sie. Die Aktiven wurden in der Folge immer wieder auf eine Wiederholung angesprochen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. „Es ist schön, wieder was machen zu können.“ Um allen Erfordernissen Genüge zu tun, wurde sogar ein Hygienekonzept erstellt, informiert sie.

Die Theaterleute sind alle mit an Bord, erzählt Weyrauch. Die heiße Phase kommt erst noch, denn es gab keine Vereinstreffen. „Wir haben noch nichts rausgesucht und nichts geprobt“, lacht sie. Jeder macht sich seine Gedanken, was zur Sprache kommen könnte. „Wir sind noch in der Themenfindung.“ Gesetzt sein dürfte eine Bauernregel zum Schluss, denn die war früher sehr beliebt.

Info: Die Ausschellerei beginnt am Samstag, 12. September, um 17 Uhr am Metzkeil. Weitere Stationen sind: vor dem Gasthaus „Zur frischen Quelle“, etwa 17.45 Uhr, Hauptstraße an der Einmündung Bergweg, etwa 18.30 Uhr, und vor dem Gasthaus „Zur Rose“, etwa 19.15 Uhr. Geltende Hygienevorschriften sind einzuhalten. Wer „ebbs auszuschelle hot“ (etwa Vereinstermine, neueste Gerüchte, Ehekrach), meldet das bei Susanne Weyrauch, Telefon 06275/1012, oder unter E-Mail polizeidiener@vvrothenberg.de.

Sandsteinplatten erschließen das Freigelände

Das Freigelände oberhalb des Parkplatzes am Oberzent-Museum bekommt ein neues Gesicht. Verschiedene Sandsteinexponate, die Feldscheune und der Rennofen sind dort zu finden. Bisher war der mittlere Aufgang etwas mühsam, jetzt sorgen akribisch verlegte Steinplatten dafür, dass sich der vorher zugewucherte Weg wieder ordentlich präsentiert. Die entsprechenden Mittel stellt der Heimat- und Geschichtsverein Oberzent zur Verfügung.

Verwendet wird dafür Odenwälder Sandstein, erläutert die zweite Vorsitzende Inge Groß. Der wurde bei der Firma Baldauf in Falken-Gesäß geordert und durch die Firma Weber verlegt. Da die Platten nur auf einer oberen Seite bearbeitet sind, damit darüber gemäht werden kann, war es eine zeitaufwändige Arbeit, sie ins Wasser zu bringen. Groß zeigt sich aber sehr zufrieden mit dem Erreichten: „Die arbeiten sehr genau“, stellt sie den Handwerkern ein gutes Zeugnis aus. Etwa 60 Quadratmeter werden verlegt.

Das Gelände ist ihren Worten zufolge immer öffentlich zugänglich. Wer schlecht zu Fuß ist, kann den seitlichen Aufgang nutzen. In der Scheune finden sich landwirtschaftliche Geräte aus früheren Zeiten, Pferde- und Kuhgeschirr, Pflüge, alte Wasserleitungen, außerdem Bienenkörbe und Schleudern. Viele Erläuterungstafeln machen Interessierte mit den Exponaten vertraut. Die Arbeit war hart: Zuerst musste das Getreide gemäht werden, mit der Sichel oder mit der Sense. Dabei wurde die Arbeit immer wieder unterbrochen, um die Sense mit dem Wetzstein zu schärfen.

Helfer banden das gemähte Getreide zum Trocknen zu Garben zusammen, ist im Museumsflyer zu lesen. Erst danach wurde es Getreide eingebracht. Erst wurde es mit dem Dreschflegel gedroschen und dann von Spelzen, Spreu und Unkrautsamen gereinigt. Vor 100 Jahren wurden dafür Maschinen entwickelt, die ursprünglich meist über Transmissionsriemen durch eine Dampfmaschine oder einen Göpel angetrieben wurden. Später wurden als Antrieb Elektromotoren eingesetzt.

Der Säulengöpel wurde noch Anfang des 20. Jahrhunderts eingesetzt und trieb landwirtschaftliche Geräte wie Häcksel- und Dreschmaschinen an. In Bewegung versetzte ihn ein im Kreis laufendes Pferd oder ein Ochse. Im 13. Jahrhundert wurden Göpel bereits in Bergwerken genutzt. Messungen an einem Göpel führten zur Einführung der Leistungseinheit PS (Pferdestärke) durch James Watt.

Dazu kommen verschiedene Sandsteinexponate, wie etwa ein Findling vom Marbachstausee, der nicht fürs Himbächel-Viadukt verwendet wurde.  Der Buntsandstein hatte im Odenwald von jeher eine große Bedeutung. Burgen und großen Häuser wurden damit gebaut. Zahlreiche Gebrauchsgegenstände wie Tröge, Brunnenstöcke, Pressen, Dengelstöcke, Grenz- und Stellsteine wurden aus diesem leicht zu bearbeitenden Stein gefertigt. Verschiedene Grenzsteine, mit und ohne Wappen, mit denen man spätestens seit dem 14. Jahrhundert Grenzen zu sichern versuchte, sind zu sehen.

Zu finden sind auch noch eine Kelter von 1864 oder das Sandsteinrad einer Apfelpresse.  Zur Herstellung des Odenwälder Nationalgetränks, des Apfelweins, müssen die Äpfel zunächst zermahlen und anschließend gepresst werden, ist dem Museumsflyer zu entnehmen. Dies geschah, indem man das Obst in einem bogenförmigen Stein- oder Holztrog mit einem darin laufenden Sandstein-Rad zerquetschte. Geführt wurde es mit einem Holzstamm. Oberhalb des Freigeländes befindet sich eine historische Seilerei.

Ein Rennofen wurde vor drei Jahren in Betrieb gesetzt. Dabei handelt es sich um eine Vorrichtung zum Gewinnen von Eisen aus Eisenerz. Der aus Lehm oder Stein errichtete Schachtofen hat eine Höhe von 50 bis 220 Zentimeter. Daneben befand sich oft eine Herdgrube für Schlackenablass, die so genannte Renngrube. Dabei handelt es sich um das älteste Verfahren, um bearbeitbares Stahl herzustellen. In Etzean wurde eine hochmittelalterliche Waldschmiede-Siedlung archäologisch nachgewiesen. Zu dieser Zeit wurden ausschließlich Rennöfen genutzt.

Der Wald hängt am Fördertropf

Borkenkäferbefall, Sturmtiefs, sich ändernde klimatische Bedingungen: Der Wald ist das Sorgenkind in Oberzent. Um besser auf die Situation reagieren zu können, brachte die CDU den Antrag in den Haupt- und Finanzausschuss ein, dass – eventuell in Kooperation mit dem Forstzweckverband Hessischer Odenwald – geprüft werden soll, ob die Stadt am Förderprogramm „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) teilnehmen kann. Durch die Vorarbeit der Verwaltung wurde er später wieder zurückgezogen, da schon am Laufen.

Innerhalb Deutschlands fördern der Bund und die Länder mit der GAK-Gemeinschaftsaufgabe gemeinsam die ländlichen Räume, die Landwirtschaft und den Schutz der Küsten, erläuterte Fraktionssprecher Oliver von Falkenburg. Der Bund trägt dabei mindestens die Hälfte der Ausgaben.

Seinen Worten zufolge soll damit sichergestellt werden, dass die Land- und Forstwirtschaft leistungsfähig und auf künftige Anforderungen ausgerichtet sowie in der Europäischen Gemeinschaft wettbewerbsfähig ist. Auch sollen die ländlichen Gebiete nachhaltig leistungsfähig bleiben, wobei eine umwelt- und ressourcenschonende Land- und Forstwirtschaft integraler Bestandteil ist.

Mit der Förderung soll laut von Falkenburg dazu beigetragen werden, die Nutz-, Schutz-, Klimaschutz- und Erholungsfunktion der Wälder zu sichern sowie die Produktions-, Arbeits- und Absatzbedingungen in der Forstwirtschaft zu verbessern. Mit den Bundesmitteln können verschiedene Maßnahmen im und um den Wald gefördert werden.

Dazu zählen: naturnahe Waldbewirtschaftung, forstwirtschaftliche Infrastruktur und Zusammenschlüsse, Erstaufforstung, Vertragsnaturschutz sowie Förderung von Maßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald. Diese Fördermaßnahmen könnten „zur Entschärfung der aktuellen Situation im Oberzent-Wald beitragen“, betonte der CDU-Sprecher.

Bis 2017 erbrachte der Wald im Schnitt zusammen 700.000 Euro Einnahmen für die vier ehemaligen Kommunen Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck. Das Geld war eine sichere Bank in den Haushaltsplänen. Die Einnahmen gingen in den vergangenen Jahren mit Beginn der Oberzent-Fusion allerdings drastisch zurück. Für 2020 war ursprünglich im Waldwirtschaftsplan noch ein Plus von 117 Euro angesetzt. Jedoch wird es am Ende des Jahres voraussichtlich ein (größeres) Defizit geben. Denn aktuell kostet die Verarbeitung mehr als der zu erwartende Erlös.

Bürgermeister Christian Kehrer erläuterte, dass im Rahmen des Beförsterungsvertrags das Forstamt Beerfelden die Organisation und Antragsstellung für alle forstrelevanten Förderungen übernimmt. Der Großteil der Anträge beschäftigt sich mit der Aufarbeitung von Schadholz und Flächenräumung, ergänzte er. Hier sind bereits auch schon Gelder in ansehnlicher Höhe geflossen. Gefördert werden außerdem die Erstaufforstung und eine naturnahe Waldbewirtschaftung.

Straßenbeiträge sind noch nicht auf der Zielgeraden

Mit den Straßenbeiträgen ist es wie mit Gremien-Beratungen. Es gibt einmalige und wiederkehrende. Der Oberzent-Bauausschuss beschäftigte sich nun auf Antrag der Grünen zum wiederholten Mal mit dem Thema. Die Fraktion wünschte sich ein Konzept für wiederkehrende Beiträge, änderte ihr Ansinnen aber im Laufe der längeren Diskussion hin zu einer allgemeinen Informationssammlung unter Einbeziehung des hessischen Städte- und Gemeindebunds (HSGB).

Das ist nicht neu. Seit zwei Jahren beschäftigen sich die Gremien mit dem Thema. Es gab nach einem erstmaligen SPD-Antrag bereits Präsentationen des Büros Eckermann & Krauß sowie Becker – eine Entscheidung wollte bisher noch niemand treffen. Auch in der aktuellen Sitzung herrschte der Tenor vor, dass noch die entsprechenden belastbaren Grundlagen fehlen, um hopp oder top zu sagen. Allerdings wurde ebenso darauf abgehoben, „dass Druck auf die Pipeline kommen soll“ (Thomas Väth, Grüne).

Seit der einschlägigen Gesetzesänderung vor sieben Jahren gibt es nicht mehr nur die einmaligen Straßenbeiträge, erläuterte er. Bei denen wurden angrenzende Grundstückseigentümer an den Kosten einer Straßensanierung beteiligt, wenn diese „grundhaft“ ausgeführt wurde. Sprich: Wenn nicht nur ein paar Schlaglöcher gestopft werden, sondern Kanal und Wasser zu einer komplett neuen Asphaltschicht hinzukommen. Das brachte oft hohe vierstellige Beträge mit sich, die nur schwer auf einen Rutsch zu tragen waren.

Seit ein paar Jahren gibt es nun die wiederkehrenden Beiträge. Aufgrund deren Planbarkeit und vermuteten höheren Gerechtigkeit plädieren die Grünen für diese Variante. Hier werden bestimmte Abrechnungsgebiete gebildet, in denen dann alle Grundstücksbesitzer jährlich eine festgelegte Summe beisteuern. Die ist zwar auf den ersten Blick niedriger, aber am Ende, sprich nach ein paar Jahrzehnten, steht unterm Strich mehr oder weniger das Gleiche, als wenn alles auf einmal gezahlt würde. Aber das ist genau der Punkt: Es fällt nicht mehr alles auf einmal an.

Allerdings gibt es durch die Möglichkeit der Stundung auf 20 Jahre inzwischen eine ähnliche „finanzielle Streckung“ bei den einmaligen Beiträgen. Die dritte Möglichkeit kommt in Oberzent nicht in Frage: eine Refinanzierung über die Grundsteuer. Diese Mittel will und muss man sich für andere Vorhaben aufheben und „nicht unser Pulver verschießen“ (Ausschuss-Vorsitzende Katharina Riesinger, ÜWO).

Es gäbe noch die ganz elegante Lösung: Das Land Hessen zahlt die Straßensanierung. Aber das ist zu knausrig und überlässt den klammen Kommunen die Suche nach einer Lösung. Die wiederum geben die Geldforderungen nach unten weiter – beziehungsweise müssen sie weitergeben, weil sie selbst nichts in der Kasse haben.

Die Schaffung von Abrechnungsgebieten bei der Einführung von wiederkehrenden Beiträgen wird pro Einheit mit 20.000 Euro vom Land bezuschusst, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Würde man die 19 Stadtteile somit in zehn Gebiete aufteilen, bekäme man 200.000 Euro. Allerdings nur einmal, wies er auf den Haken an der Sache hin. Denn nach fünf Jahren ist eine Neukalkulation vorgeschrieben, die dann die Stadt aus eigenen Mitteln bezahlen muss.

Wiederkehrende Beiträge wecken seiner Meinung nach außerdem eine Erwartungshaltung. Denn wer in den Pott einzahlt, will, dass die Holperstrecke vor seiner Tür irgendwann auch mal saniert wird. Das sieht anders aus, wenn man den großen Batzen einmalig zu zahlen hat. Dann bessert sich der Zustand einer Straße schlagartig, wenn die Sanierungskosten bekannt werden, meinte Stadtbaumeister Peter Bauer trocken.

Aus den Wortäußerungen der Ausschussmitglieder schälten sich zwei Konsensstränge heraus: Jede Variante hat ihre Ungerechtigkeiten (Andrea Heß-Kraus, SPD). Und: Eine Entscheidung sollte zwar bald fallen, aber gut fundiert sein, weshalb sie zum jetzigen Zeitpunkt zu früh wäre (Thomas Mergenthaler, ÜWO). Bauer bot an, eine Modellrechnung für zwei unterschiedliche Gebiete wie Beerfelden und Raubach zu erstellen. Marcel Gerling (SPD) mahnte einen Überblick an, „wo die Hütte am meisten brennt“, sprich Straßen am dringendsten saniert werden müssen.

Walter Gerbig (CDU) hatte ein paar Argumente gegen wiederkehrende Beiträge zusammengetragen. Aus den Beiträgen kristallisierte sich heraus, dass er damit nicht allein stand und es einige Sympathien für die Beibehaltung der bisherigen Lösung gibt. Sein Vorschlag, die aktuelle Satzung zu modifizieren und eventuell eine prozentuale Deckelung der umgelegten Kosten festzuschreiben, fand auch bei Wilfried Friedrich (ÜWO) Widerhall.

Friedrich und Gerbig waren mit ihrem Wunsch nach einer Überarbeitung der derzeit geltenden Satzung nicht allein. Mergenthaler äußerte sich ähnlich. Trotz aller Ungerechtigkeiten sehen sie mit einer Maßnahmen bezogenen Abrechnungsart die besten Chancen, allen gerecht zu werden. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die damit verbundenen Kosten auf zwei Jahrzehnte gestreckt werden können.

Auch wenn sich die Grünen in ihrem Antrag für wiederkehrende Beiträge aussprachen, konnte sich Elisabeth Bühler-Kowarsch mit einer ergebnisoffenen Herangehensweise anfreunden. Ihr war es wichtig, aktuelle Ergebnisberichte abzufragen. Hier kommt unter anderem der HSGB ins Spiel. Der Ausschuss empfahl einstimmig, dass die Stadtverordneten dem Magistrat den Auftrag erteilen sollen, Informationen zu verdichten. Die Stavo soll dann entscheiden, wie mit den Zwischenständen umgegangen wird: ob der Bauausschuss bei weiteren Beratungen federführend bleibt oder das Thema weiter in der Stavo diskutiert wird.

Vereinsförderung soll schneller kommen

Die Neuordnung der Vereinsförderrichtlinien ist ein heißes Eisen. Sie stand auf der Agenda quasi aller Oberzent-Fraktionen im Vorfeld der Kommunalwahlen 2018. Getan hat sich bisher: nichts. Was Frank Leutz (FDP) auf der vergangenen Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses dazu bewegte, mit der Verwaltung hart ins Gericht zu gehen. Allerdings hängt es auch an zwei Dritteln der Oberzent-Vereine, dass es nicht wirklich vorangeht, machte er deutlich.

SPD, CDU und FDP taten sich vor längerer Zeit zusammen und erarbeiteten einen Vorschlag, wie die Vereinsförderung geregelt werden könnte, erläuterte Leutz. Die Verwaltung wollte per Fragebogen Details erfahren: etwa wie viele Mitglieder hat ein Verein, wie viele Jugendliche sind aktiv, gibt es eigene Liegenschaften und Ähnliches. Denn es soll möglichst gerecht zugehen.

Das Problem: Nur 42 der 138 angeschriebenen schickten die Unterlagen zurück. Für Leutz ist die Sache deshalb klar. „Bei Nichtausfüllen entfällt der Anspruch“, so sein Vorschlag fürs aktuelle Jahr. Denn eine Neuregelung muss unbedingt her, betonte er. Gab es in einer der vier bisherigen Kommunen eine Vereinsförderung, dann besteht die erst einmal fort.

Was dazu führt, dass manche noch was bekommen, andere aber leer ausgehen. „Dieser Zustand ist nicht haltbar“, kritisierte Leutz. Seit zwei Jahren könnte man schon so weit sein, eine neue Vereinsförderrichtlinie zu haben, führte er aus. Seine Meinung: Wer in diesem Jahr leer ausgeht, macht sich vielleicht in 2021 die Arbeit, den Fragebogen auszufüllen.

Horst Kowarsch (Grüne) hieb in dieselbe Kerbe. Schon vor der Fusion „haben die ehemaligen Bürgermeister nichts gemacht, obwohl es den Auftrag gab“, lautete sein Vorwurf. Der Grünen-Mandatsträger schlug vor, der Verwaltung ein Datum vorzugeben, bis zu dem die Vereinsförderrichtlinien verabschiedet sein müssen. Die Förderung von Kinder und Jugendlichen sah er unter dem Aspekt der Daseinsvorsorge.

Deshalb ließ Kowarsch wie Leutz auch das Argument der Aufsichtsbehörde nicht gelten, dass die Jugendförderung als freiwillige Ausgabe zu betrachten ist, die man bei knappen Haushaltsmitteln nicht auszahlen sollte. „Wir müssen zu Potte kommen“, so der Tenor aus der Runde. Lösung könnte analog des Ortsbeiratsbudgets ein Sockelbetrag pro Verein plus eine bestimmte Summe pro Jugendlichem sein.

Dominik Foshag (ÜWO) äußerte den Wunsch, dass die Verwaltung zu dem SPD/CDU/FDP-Vorschlag Stellung nehmen soll. Von Fraktionskollege Claus Weyrauch kam die Anregung eines „Neustarts“, anstatt aufwändig eine Aufstellung des Bestehenden zu machen. Nach einem Jahr könne man nachjustieren, wenn es zu Verzerrungen kommen sollte.

Dem Vorschlag von Frank Leutz konnte der Ausschuss folgen: Die Oberzent-Vereine sollen noch einmal und zum letzten Mal angeschrieben werden. Rückmeldefrist ist der 30. September. Von wem dann wieder nichts kommt, der ist in diesem Jahr außen vor. Das Gremium will auf dieser Basis in der kommenden Sitzung wieder beraten.

Sebastian Siefert stellte im Anschluss einen Vorzeigeverein in Oberzent vor: den ersten Jugendförderverein im Odenwaldkreis. In ihm bündeln sieben, bald acht Fußballvereine ihre Arbeit im Jugendbereich. Der JFV hat sich zum Ziel gesetzt, den Kindern und Jugendlichen langfristig eine Perspektive für den Fußballsport zu bieten. Alle Altersklassen sollen mit Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Derzeit eifern etwa 130 Kinder und Jugendliche in Oberzent dem runden Leder nach, angeleitet von 20 Trainern und Betreuern. Ein Schnuppertag war vor kurzem mit 30 jungen Teilnehmern ein großer Erfolg, freute er sich.

in den vergangenen Jahrzehnten wurde es für die Vereine immer schwieriger, eigene Jugendmannschaften zu stellen. Die Folge war die Gründung von immer mehr Spielgemeinschaften, so vor zehn Jahren auch die JSG Oberzent, „um den Jugendfußball zu stabilisieren“. Aber auch dieses Modell erwies sich über die Jahre hinweg als problemanfällig.