Alle wollen die Fusions-Tipps aus der Oberzent

Das Beispiel aus dem südlichen Odenwaldkreis macht in ganz Hessen Schule. Seitdem sich Beerfelden, Rothenberg, Hesseneck und Sensbachtal auf den Weg machten, einen freiwilligen Zusammenschluss auf die Beine zu stellen und dies auch erfolgreich durchzogen, finden sich immer mehr Nachahmer ein. Die greifen natürlich gerne auf das in der Oberzent gesammelte Wissen zurück. Denn die vier Kommunen müssen ja ziemlich viel richtig gemacht haben, wenn es erstmals seit der Gebietsreform wieder mit einer Fusion klappte. Im Leitfaden gibt’s Tipps fürs richtige und reibungslose Fusionieren.

„Aktuell haben wir gerade eine Anfrage aus Nordhessen“, berichtet Christian Kehrer, der als Fusionsprojektleiter des Kommunalservices Oberzent die Fäden mit in der Hand hielt. Wahlsburg und Oberweser ließen bereits eine Machbarkeitsstudie erstellen. Dritter im Boot ist der Flecken Bodenfelde, allerdings schon in Niedersachsen liegend. Länderübergreifend wird das schwierig, weiß Kehrer, weshalb erstmal die Hessen dran sind.

„Im März sind wir zu zwei Bürgerversammlungen eingeladen“, erläutert er. „Wir“, das sind Kehrer und Kommunalberater Thomas Fiedler von der hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung, die auch in der Oberzent federführend waren. Fiedler war daneben bereits im Bereich Ulstertal/Rhön unterwegs. Mit Ehrenberg, Hilders und Tann könnte dort eine neue Gemeinde entstehen, die flächenmäßig größer als Oberzent ist. Und die ist ja schon in dieser Hinsicht die drittgrößte Stadt Hessens.

„Es braucht immer einen günstigen Zeitpunkt für eine Fusion“, ist laut Kehrer das richtige Timing mit entscheidend. „Wir konnten nicht bis ins Jahr 2019 oder 2020 warten“, weist er bei Oberzent auf das Auslaufen von zwei Bürgermeister-Amtszeiten Endes vergangenen Jahres hin. Die Neuwahl hätte man nur ein Jahr aussetzen dürfen. Ganz wichtig ist es auch, „dass die Bürgermeister untereinander können“. Ein paar Jahre Vorlaufzeit hält er deshalb für dringend nötig zum gegenseitigen Beschnuppern.

Elementar ist seinen Worten zufolge eine Fusion „auf Augenhöhe“ mit gegenseitigem Vertrauensverhältnis. „Es darf nicht so sein, dass einer den anderen auffrisst.“ Die Rothenberger hätten nie mitgemacht, wenn sie nach Beerfelden eingemeindet worden wären, weiß er. Diese Gleichbehandlung war laut Kehrer durch den gemeinsamen Zweckverband KSO ab 2008 gegeben. Es ging Verwaltungspersonal in allen vier Orten mit neutralem Blick an die Sache heran.

Es gibt andere Fallstricke: „Vor allem die Kommunalpolitik muss wollen“, so der Fusionsleiter. „Sonst wird es sehr schwer, die Bürger zu überzeugen.“ Die technische Seite muss ebenfalls stimmen. Ein einheitliches Finanzprogramm mit der gleichen Software ist nötig, „damit der Ersthund überall die gleiche Nummer hat“. Vor allem muss er auch überall das Gleiche kosten. „Es wäre ein Unding, wenn es in den verschiedenen Teilorten unterschiedliche Gebühren oder Steuern gibt“, betont Kehrer. Angelburg und Steffenberg im Landkreis Marburg-Biedenkopf sind ein solches Negativbeispiel, wo die Fusion scheiterte.

Der Blick auf die Kleinigkeiten zählt. Das fängt bei den Notizen über die Stromzähler an. Die sind im einen Ort in Word gehalten, die andere Verwaltung pflegt sie in Excel, der dritte schreibt die Zahlen „auf einen Schmierzettel“. Ein großer Brocken ist die Datenzusammenführung. „Es gibt in den einzelnen Orten unterschiedliche Aktenpläne, wonach abgelegt wird“, sagt Kehrer. Ab April soll es in Oberzent ein neues Dokumentenmanagementsystem geben. Je früher fusionswillige Kommunen hier vorarbeiten, „desto einfacher wird es später“.

Ein Fusionsprozess „muss von unten erarbeitet werden“, hebt Kehrer hervor. Bürgerversammlungen, Workshops, feste Ansprechpartner sind wichtig. Er sieht mehr Vorteile, wenn dies vor allem verwaltungsintern geschieht und nur für bestimmte Module externe Fachleute herangezogen werden. Das fördere die Identifikation. Außerdem kosten externe Berater viel „und binden ebenso stark Verwaltungsressourcen“.

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Thomas Väth kandidiert für die Grünen als neuer Oberzent-Bürgermeister

Wie die Vorstandsmitglieder der Grünen Oberzent, Elisabeth Bühler-Kowarsch (Beerfelden) und Walter Braner (Finkenbach) mitteilen, schlagen diese nach Gesprächen mit möglichen Kandidaten dem Stadtverband vor, den Sprecher der Grünen in der Stadt Oberzent, Thomas Väth (Gebhardshütte), als Bürgermeisterkandidat zu nominieren. Am 29. April werden in der neuen Stadt Oberzent, die am 1. Januar aus den früheren Gemeinden Beerfelden, Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck hervorgegangen ist, Stadtverordnetenversammlung, Ortsbeiräte und Bürgermeister gewählt.

Väth ist verheiratet, Geschäftsführer der Schaaf & Väth OHG und lebt seit einigen Jahren in der Stadt. Das schnelle Internet im Odenwaldkreis machte es ihm möglich, von Groß-Zimmern hierher zu ziehen und in der Region zu leben und zu arbeiten. Die Grünen erhoffen sich mit einer neuen Person in der neuen Stadt frische Impulse in der Kommunalpolitik. Thomas Väth ist selbstständig und seit der Gründung im Juli 2017 Sprecher des Stadtverbandes. Außerdem leitet er den Arbeitskreis Naturschutz der Grünen Odenwald.

Der künftige Bürgermeister darf weder Sachbearbeiter noch Verwalter des Status quo sein, sondern muss die Stadt aktiv gestalten, die verschiedenen Stadtteile und die Bürger zu einem starken Wir-Gefühl führen, so die Grünen. Die Themen Stadterneuerung auch unter Berücksichtigung von Fragen und Fördermöglichkeiten des Denkmalschutzes statt Zerfallsduldung, Förderung des Tourismus, Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, verbesserter Internet Auftritt der Stadt, Bewerbung der Gewerbegebiete und die weitere Verbesserung des Angebots in den Kindertagesstätten sind laut den Grünen Schwerpunkte, die der neue Bürgermeister angehen muss.

Ansonsten erwartet die Öko-Partei, dass im ersten Quartal endlich „Nägel mit Köpfen“ in der unendlichen Debatte „Ärztehaus“ gemacht werden. Was dringend fehlt, sind nach wie vor Hausarztpraxen. Die Fördergelder des Landes für eine zukunftweisende Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sind der Mitteilung zufolge bald verbraucht, aber am grundsätzlichen Problem des Ärztemangels habe sich für die Bürger nichts geändert. „Nach den vielen Konzepten müssen jetzt konkrete Entscheidungen folgen“, fordern sie.

Trotz jahrelanger intensiver Diskussion und unzähligen Veranstaltungen um das geplante Ärztehaus sind laut Braner kaum Fortschritte zu erkennen. Seit vielen Jahren versuchten die Oberzent-Kommunen vergeblich neue Hausärzte für die Region zu gewinnen. Bisher ohne vorzeigbares Ergebnis. Sehr positiv zu bewerten sei, so Horst Kowarsch, dass das Modellprojekt „Garantiert mobil“ angelaufen ist und die Bahnverbindungen sich zum Fahrplanwechsel 2017/2018 in den Abend- und Nachtstunden wesentlich verbesserten.

Nunmehr bietet der RMV zum Fahrplanwechsel freitags, samstags und an Werktagen vor Feiertagen zusätzliche Verbindungen an. Mittelfristiges Ziel der Grünen ist, dass an allen Tagen diese Abend- und Nachtverbindungen angeboten werden, so Kowarsch. Nach den Worten von Elisabeth Bühler-Kowarsch geht man davon aus, dass die neue Stelle bei der OREG für die Wirtschaftsförderung in der Oberzent dazu beitragen wird, positive Impulse für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Region zu setzen. Wie bekannt, erhält die neue Stadt einen höheren Anteil am kommunalen Finanzausgleich des Landes Hessen und davon profitiert auch der Odenwaldkreis.

Von der Oberzent lernen heißt fusionieren lernen: Leitfaden für künftige Zusammenschlüsse

. Die Oberzent-Fusion als Blaupause für weitere freiwillige Zusammenschlüsse von hessischen Kommunen: Was im Vorfeld immer wieder wohlmeinend zur Sprache kam, wird nun auch in Dokument gegossen. Der bisherige Fusions-Projektleiter Christian Kehrer erstellt aus den Erfahrungen von Beerfelden, Rothenberg, Hesseneck und Sensbachtal bis zur Jahresmitte einen Leitfaden, der anderen Gemeinden an die Hand gegeben wird. Das erfolgreiche Prozedere im südlichen Odenwaldkreis soll so landesweit Nachahmer finden.

Das vielseitige Werk entspringt dem im Vorfeld aufgestellten Projektplan, was im Zuge der Fusions-Vorbereitungen alles zu erledigen ist. Dabei ging es auch darum, welche Fördermöglichkeiten die vier Gemeinden beim Land akquirieren können. Dass sich nun Kehrer und Kommunalberater Thomas Fiedler an die Zusammenstellung machen, bedeutet für die neue Stadt einen geldwerten Vorteil: Denn die Landesregierung kam Oberzent dadurch bei der Entschuldungshilfe entgegen.

Fiedler von der hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung kümmert sich um den geschichtlichen Teil und die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Kehrer steuert den praktischen Teil bei, in dem es um die Umsetzung und die dabei möglicherweise auftretenden Fallstricke geht. Inhaltsverzeichnis, diverse Informationen und Checklisten stehen schon. „Inzwischen haben wir bereits 60 Seiten“, sagt Kehrer.

Zu den Checklisten gehört unter anderem die, was die neue Stadt als Arbeitgeber beachten muss. (Umsatz-)Steuer-, Zusatzversorgungskassen- oder Arbeitgeberbetriebsnummer, neue Bankverbindung sowie Regionalschlüssel lauten die Schlagworte, die bei Erledigung abgehakt werden können. Es geht aber auch um die neuen Anschriften für Feuerwehren oder Bauhöfe sowie die Klärung mit der Post, wenn sich Postleitzahl und/oder Straßennamen ändern.

„Wir empfehlen, ganz früh mit allem anzufangen“, berichtet Kehrer aus der eigenen Erfahrung. Sofort wenn der Bürger zugestimmt habe, sollte man loslegen. Denn erfahrungsgemäß wird es zum Ende hin sehr eng, weil immer wieder ein paar Punkte auftauchen könnten, die man im Vorfeld gar nicht auf der Rechnung hatte. „Zum Schluss war es bei uns sehr sportlich“, schmunzelt er im Nachhinein über die Hektik zum Jahresende. Die neuen Verwaltungsstrukturen und –aufgaben sollten ebenfalls sehr frühzeitig definiert werden.

Vor allem anderen muss seinen Erfahrungen nach sowieso das gemeinsame Beschnuppern stehen. „Bürgermeister und Parlamentarier müssen zusammen können“, sagt er. Schert einer der Beteiligten aus, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt. Sollte es bisher noch keine interkommunale Zusammenarbeit geben, empfiehlt Kehrer als erste Maßnahme einen Gemeindeverwaltungsverband. „Der ist zwar bürokratischer, aber man lernt sich kennen und weiß, wie der anderen tickt.“ Im Oberzent-Fall war es der zehn Jahre bestehende Kommunalservice KSO, der der jüngsten Stadt Hessens auf die Beine half.

Ein gemeinsames Mitteilungsblatt als andere Konstante ist für Kehrer unverzichtbar. „Wer das nicht hat, braucht gar nicht erst anzufangen.“ Darüber lasse sich einheitlich berichten und gebe es die Möglichkeit, den Fusionsprozess für alle Bürger gleich transparent darzustellen. „Ohne ‚Oberzent aktuell‘ hätte die Fusion nicht geklappt“, misst der Projektleiter dem seit 1995 existierenden Blättchen eine zentrale Bedeutung zu.

Vom Grenzänderungsvertrag werden seinen Worten zufolge viele weitere hessische Gemeinden profitieren. „Der geht schon stark in die Tiefe“, betont Kehrer. „Andere müssen nichts mehr neu erfinden.“ Daneben geht es aber auch darum den Bürgern zu verdeutlichen, „dass etwas effektiver bearbeitet werden kann“. Kehrer macht das etwa an der Wasserablesung fest. Die dauerte vorher in alter Form eine Woche, der KSO schaffte es, bis heute auf einen Tag runterzukommen. „Das funktioniert aber auch nur bei einer größeren Einheit.“ Die Bürgerbeteiligung, wie sie in der Oberzent mustergültig vorgelebt wurde, ist für ihn „das A und O“.

Christian Kehrer beziffert sich Oberzent-Fusionskosten auf etwa eine halbe Million Euro. Allerdings verbirgt sich hinter dieser Summe auch eine Vielzahl von Maßnahmen, die in den kommenden Jahren sowieso hätte angegangen werden müssen. Ein Stichwort ist zum Beispiel das „E-government“. Auch ein neues Datenmanagementsystem mit Stichwortsuche für die bisherigen Aktenpläne ist nötig. 20.000 Euro kostet eine Software, die der Hersteller extra fürs neue Einwohnermeldeamt schreibt, um die bisherigen Daten zusammenzuführen. Davon profitieren die nächsten fusionswilligen Gemeinden. Das neue Wappen kommt auf 7000 Euro, Ärmelabzeichen für die Feuerwehr auf 2200 Euro, die neuen Beschriftungen für 46 Feuerwehr- und sechs Bauhoffahrzeuge kosten 4000 Euro – um nur einige kleine Summen zu nennen. Der Fusionsprojektleiter weist im gleichen Atemzug aber auch darauf hin, dass das Land der neuen Stadt 4,5 Millionen Euro an Altschulden abnimmt – ursprünglich waren 3,8 Millionen angedacht.

Im Ortsbeirat „kann man sich einmischen“: Manuel Schwinn aus Falken-Gesäß über die Möglichkeit, sich fürs eigene Dorf zu engagieren

„Wer etwas bewegen will, muss sich einbringen“. Für Manuel Schwinn ist die Sache klar: Nur drüber reden gilt nicht, sondern Engagement für den Ort ist gefragt. Der 28-Jährige war seit der vergangenen Kommunalwahl bis zur Fusion Ortsvorsteher im Stadtteil Falken-Gesäß. Das Gremium ist für ihn unverzichtbar, um im kleinen Dorf etwas bewegen zu können und in der großen Stadt auf dessen Belange aufmerksam zu machen. Am 29. April werden zusammen mit der Stadtverordneten-Versammlung und dem neuen Bürgermeister für Oberzent auch die Ortsbeiräte gewählt.

Schwinn, der sowieso auf der SPD-Liste für die Stadtverordneten-Wahl 2016 stand, wurde von Willi Maurer gefragt, ob er nicht auch für den Ortsbeirat Falken-Gesäß kandidieren würde. Denn sein Vorgänger hörte auf und suchte Nachfolger. Gesagt, getan. „Ich bin sowieso im Vorstand von Feuerwehr und Sportverein aktiv“, sagte er sich. „Das passt zusammen“, so Schwinn. Es war für ihn naheliegend sich einzusetzen. „Ich habe gesehen, dass die vier Vereine gut zusammenarbeiten“, hebt er hevor, und wollte seinen Teil dazu beitragen, dass es auch weiterhin in dieser Weise funktioniert.

Diese Fokussierung auf den Ortsteil bewog ihn unter anderem dazu, sein Mandat in der Stadtverordneten-Versammlung nach kurzer Zeit wieder abzugeben. Denn in Falken-Gesäß geht es seinen Worten nach „direkt um die Themen, die den Bürger unmittelbar betreffen“. Auch sei es zeitlich doch eine Herausforderung, allem gerecht zu werden.

Als Kandidat „dachte ich, dass es schnell Ergebnisse gibt“, schmunzelt Schwinn. Einmal gewählt und dann zum Vorsitzenden des fünfköpfigen Gremiums bestimmt, bewahrheitete sich das, was ihm sein Vorgänger Maurer mit auf den Weg gegeben hatte: Es braucht Geduld für alles. „Das wurde mir gleich gesagt“, lacht er. Die Mühlen mahlen langsam. Im Ortsbeirat gibt es viele Ideen, „aber es darf nichts kosten“. Denn dem Gremium fehlen die eigenen finanziellen Mittel.

Manuel Schwinn wünscht sich deshalb, dass die Ortsbeiräte der neuen Stadt Oberzent ein eigenes Budget erhalten. „Das ist sinnvoll, weil wir genau wissen, was die Bevölkerung vor Ort möchte“, betont er. Die Gelder fließen direkt in die entsprechenden Maßnahmen. Um abzufragen, wo Bedarf ist und was den Leuten am Herzen liegt, stellt er sich eine direkte Beteiligung per Fragebogen vor. „Damit bekommen wir einen Gesamteindruck, was wo benötigt wird.“

Die angedachten Dinge sind in der Regel zwar nur Kleinigkeiten, „die aber helfen, eine dörfliche Identität zu schaffen“. Auch könne man mit eigenen Mitteln Vereine unterstützen, die sich für die Belange des Dorfs einsetzen. Der Ortsvorsteher nennt in diesem Zusammenhang etwa die Gruppierung „Mach Mit“, die einen Bauwagen herrichtete.

Manuel Schwinn verspricht sich vom neuen Gremium der Ortsvorsteher, das direkt dem Bürgermeister zugeordnet sein wird, einen direkten Kanal „nach oben“. Denn die Vorschläge, Themen und Anregungen, die an die Verwaltung weitergegeben werden, sollten ernst genommen werden, erhofft er sich. In der Regel bestehe Handlungsbedarf, wenn Bürger vorstellig werden. Man dürfe sich nicht davon täuschen lassen, dass manches etwas abgemildert weitergereicht werde.

Während Ortsbeiräte in den früheren Stadtteilen von Beerfelden schon Usus waren, muss sich Rothenberg erst (wieder) daran gewöhnen. Schwinn kann nur jedem empfehlen sich einzubringen. „Der Ortsbeirat ist die beste Möglichkeit, etwas zu verändern, wenn man mit bestimmten Dingen im Dorf nicht zufrieden ist. Man kann sich einmischen.“ Außerdem lohnt es sich, diese Zeit für seine Heimat aufzubringen.

Der 28-Jährige will für den kommenden Urnengang noch ein paar junge Leute ansprechen, damit die Bürger am 29. April eine Wahl haben. „Fünf Kandidaten haben wir auch auf jeden Fall“, sagt er. „Zehn wären optimal.“ Frische Ideen sind im Gremium immer willkommen. „Neue Mitglieder brauchen keine Anlaufzeit“, betont er. Die können sofort voll einsteigen. Nur bis Ergebnisse zu sehen sind, könnte es – wie beschrieben – etwas dauern.

Anstehende Vorhaben in Falken-Gesäß

  • Im Rahmen des IKEK-Programms soll der ehemalige Vorstandsraum im Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden. Nach Schließung der „Traube“ vor knapp zwei Jahren gibt es keine Gastwirtschaft im Ort mehr. Ein Manko, weil nun ein Raum für Vereinsversammlungen fehlt und es keinen Treffpunkt für die Ortsbevölkerung mehr gibt. Das sogenannte „Käffchen“ im DGH soll in die Bresche springen und auch gastronomisch nutzbar sein.
  • Im Rahmen der Flurbereinigung soll möglichst schnell die „total verschlammte“ Aufwegung zum Friedhof saniert werden
  • Hoffentlich schon im Frühjahr (Schwinn) soll die Parkfläche beim Sportplatz neu angelegt werden.

Oberzent-Grundschulen arbeiten schon immer eng zusammen

In den drei kleinen Grundschulen der neuen Stadt Oberzent blickt man gespannt auf die weitere Entwicklung. Die Lernanstalten in Rothenberg, Unter-Sensbach und als kleine Grundschule Hessens die in Gammelsbach gehen jedoch nicht von besonderen Änderungen durch die Fusion aus, da sie Schulen im Eigentum des Odenwaldkreises sind. „Ich erwarte keine größeren Auswirkungen für unsere schulische Arbeit“, sagt deshalb Rothenbergs Leiterin Angela Assmann. „Es wäre prima, wenn die Gründung der neuen Stadt einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung für unsere Region bringen würde“, meint sie.

Als kleine Dorfschule geht es in Rothenberg sehr familiär bei zu. „Wir kennen alle Kinder genau, können individuell auf Stärken und Schwächen eingehen, haben intensiven Elternkontakt“, betont die Rektorin. Daneben sind natürlich die Wege kurz. „Ich bin sehr froh, ein kompetentes, engagiertes Kollegium und eine engagierte Elternschaft zu haben.“ Das mache die Arbeit sehr angenehm. Es gibt zwar aktuell laut Statistik mit 48 Kindern ein historisches Tief bei den Schülerzahlen. Jedoch werden es laut Prognose in den nächsten Jahren nach und nach wieder mehr, so Assmann.

In der „musikalischen Grundschule“ als Landes-Programm wirken die entsprechenden Elemente in alle anderen Fächer und auch in das Schulleben hinein. Es gibt laut Assmann in ganz Hessen etwa 90 Schulen dieses Typs, die miteinander vernetzt sind. Motto sind die „vier M“: „Mehr Musik in mehr Fächern von mehr Lehrkräften zu mehr Gelegenheiten.“ Gleichzeitig finden Kooperationen mit kulturellen Einrichtungen und Musikschulen, aber auch Konzerte und ähnliche Veranstaltungen statt.

„Wir haben natürlich durch den demografischen Wandel weniger Schüler“, sagt ebenso die Leiterin der Sensbachtaler Grundschule, Ellen Koch. Etwa drei Jahre bewegten sich die Zahlen nach unten. „Nun geht es aber wieder nach oben“, freut sie sich. Der örtliche Kindergarten hat derzeit mehr Anmeldungen als Plätze. „Wir haben in jedem Jahr Schüler durch Gestattungsanträge und Zuzug bekommen.“ Denn viele Eltern „schicken bewusst ihre Kinder hierher“, so Koch. Die kleinen Systeme sind für sie im Bildungswesen wahre Schätze und „die gilt es zu bewahren“.

Das Ganztagsangebot ist für die Eltern schon immer kostenlos, nur das Essen muss bezahlt werden, erläutert Ellen Koch. Die Rhythmisierung des Unterrichts sei weiter fortgeschritten. „Jedes Kind ist uns wichtig“, hebt sie hervor. Es werden ihren Worten nach individuelle Förderkonzepte erarbeitet, um den Kindern in ihrem Lernprozess gerecht zu werden und sie zu unterstützen.

Kontinuierlich wird an den Stärken der Schüler gearbeitet – nicht an den Defiziten. „Wir bauen vom ersten Tag an Beziehungen zu den Kindern auf, um ihnen ein verlässlicher Partner in ihrer persönlichen Entwicklung zu sein.“ Seitens der Schulgemeinde gebe es sehr gute Beziehungen zur Verwaltung, zu den Vereinen, zur Kirchengemeinde und natürlich zu den Eltern, „die wir als Bildungspartner verstehen“.

Rückmeldungen von den Eltern, deren Kinder auf weiterführende Schulen (Gymnasium Michelstadt, Gymnasium Eberbach, Oberzent-Schule Beerfelden) gehen, bestätigten, dass sie dort gut ankommen. Die neue große Stadt Oberzent „kann stolz darauf sein, vier gut aufgestellte Schulen zu haben“, so Koch. „Kurze Beine, kurze Wege“ heiße es für die Kleinen – und in jeder Schule gebe es ein tolles konzeptionelles Angebot.

18 Schüler besuchen aktuell die Reinhart-van-Gülpen-Schule in Gammelsbach. Drei Lehrer sind in der kleinsten Grundschule Hessens tätig: Nina Allmann als Leiterin und Lehrerin in Vollzeit sowie zwei Kollegen mit sieben und fünf Stunden. Der Standort Gammelsbach ist laut Allmann nicht in Gefahr, solange die Schülerzahlen stabil sind. Nach aktuellem Kenntnisstand ändert sich an den Schulbezirken nichts und bleiben auch die Schülerprognosen unverändert, sagt sie. „Die Zusammenarbeit zwischen allen Schulen der Oberzent ist unabhängig von der Fusion schon immer sehr eng und intensiv“, hebt die Rektorin hervor.

Zum Grundschul-Quartett in der Oberzent gehört auch die in der Stried Beerfelden als größte der vier Bildungsstätten in der neuen Stadt Oberzent. Um die 200 Schüler aus Beerfelden und Ortsteilen sowie aus Hesseneck, Falken-Gesäß und Etzean werden in zehn Klassen unterrichtet (Stand 2014). Täglich nutzen bis zu 60 Kinder das für die Eltern kostenlose Ganztagesangebot.

 

Eine Kastanie erinnert nun an die frühere Rothenberger Selbstständigkeit

Eine Kastanie wird vor der evangelischen Kirche künftig an das Ende der 668 Jahre währenden Rothenberger Selbständigkeit erinnern. Von den Frauen der Weiberfastnacht stammte die Idee, bei der Realisierung wurden sie vom Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVR) unterstützt. Das notwendige Fleckchen Erde steuerte Ingrid Braun bei. Die Schaufel durfte der scheidende Bürgermeister Hans Heinz Keursten schwingen und damit dem Baum einen nährstoffreichen Untergrund geben.

„Meer bleiwe Rourebäjer Meed“ hieß es auf der Vorderseite der Schärpe, mit der die Fastnachtsfrauen zum festlichen Lied antraten. Dass sich hinten der Name Oberzent den verlängerten Rücken hinab zog, sei natürlich völlig ohne Hintergedanken, versicherten sie schmunzelnd. Und nein, es handelte sich auch nicht um eine Trauerweide. Nach ein paar einleitenden Liedern des VVR-Vorsitzenden Thomas Wilcke ging dieser auf den Anlass der Zusammenkunft ein.

Nachdem Rothenberg 1999 seine 650-Jahr-Feier beging, aber sicherlich noch um einiges älter ist, geht 668 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung die Zeit der Selbständigkeit zu Ende. Die Gemeinde wird Teil der Stadt Oberzent. Diese sei demokratisch legitimiert, betonte Wilcke. „Demokratie lebt von der Mitgestaltung.“ Deshalb appellierte er an die Bürger, wählen zu gehen und selbst aktiv zu werden. Man solle in der künftigen Stadtverordnetenversammlung und in den Ortsbeiräten mitwirken.

Die reichsunmittelbare Herrschaft Rothenberg gehörte nur wenige Jahre zur Grafschaft Erbach und damit zum Amt Freienstein, auch die „Oberzent“ genannt, führte er aus. Fast 300 Jahre Hirschhorner Herrschaft, die Herren von Cornberg, Degenfeld, Erbach und die Darmstädter Großherzöge hätten Spuren feudaler Macht hinterlassen, so Wilcke. Dies politisch und religiös, was sich noch heute durch die beiden evangelischen Kirchen zeige. Abgelegen und doch politisch interessant, sei die Bevölkerung immer in das konfessionelle Hin und Her einbezogen gewesen.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Rothenberg mit Hainbrunn, Unter-Finkenbach und Kortelshütte zur Gemeinde. Die gleichnamige Herrschaft gab es nicht mehr. Die Gemeindeakten drücken laut Wilcke das Selbstbewusstsein der Bürger sowohl gegenüber der Obrigkeit in Kreis und Land als auch die Renitenz der Ortsbürger gegenüber dem Bürgermeister aus, erläuterte er: „Man wollte bei wichtigen Entscheidungen gefragt werden.“ Nach der Gemeindereform in den 1970er Jahren kamen noch Finkenbach, Hinterbach und Raubach dazu.

Der VVR-Vorsitzende wünschte sich, dass aus der Fusion keine Konfusion wird. „Bringt euch selbstbewusst in die Gremien der Stadt Oberzent ein“, forderte er. Jedes Ende ist ein neuer Anfang, hob Wilcke hervor. Der Baum sei noch jung und wurzle in der Vergangenheit, jedoch „mit viel Lust, in der Zukunft zu wachsen und zu gedeihen“.

Die Idee zur Aktion entstand aus der Weiberfastnacht heraus, erläuterte Ingrid Braun. Es kam der Gedanke auf, auch ein Lied zu diesem Anlass zu präsentieren. Da der „Baum im Odenwald“ etwas langweilig war, wurde der Text kurzerhand für Rothenberger Zwecke umgedichtet. „Was hier bald wird zur Oberzent, ist Rothenberg gewesst“, heißt es nun. „So manche Straße ändert sich und auch die Postleitzahlen“, sangen die Frauen.

Ist das Bäumchen jetzt noch so klein, „wird es doch in Zukunft ein echter Rothenberger sein“, texteten die Fastnachterinnen weiter. „Bald sind wir nun die Oberzent, selbst dann wird er erblühen“, ging die Strophe weiter. Trotz aller neuen Stadt: „Es ist uns allen klar, meer blewe Rourebäjer Meed, sou wie es immer war“, schlossen die Sängerinnen mit einer gehörigen Portion Wehmut. Zur Stimmungsaufhellung gab’s im Anschluss weißen und roten Glühwein sowie Kuchen und Gepäck, damit sich die vielen frierenden Zaungäste stärken und wärmen konnten.

Gelungene Premiere der „Wintergaudi“ von Freiwilliger Feuerwehr und FC Finkenbachtal

Fürs erste Mal waren die Veranstalter von Freiwilliger Feuerwehr und FC Finkenbachtal schon sehr zufrieden. Zur „Wintergaudi“ beim Tretbecken am Wanderer-Parkplatz Richtung Olfen/Raubach kam eine schöne Zahl von Gästen. „Wir sind mit dem Premieren-Fest zufrieden und hoffen, den Besuchern hat es auch gefallen“, meinte FFW-Vereinsvorsitzender Jens Schindler. Wenn sie es Freunden und Bekannten weiter erzählten, „dann sind es nächstes Jahr bestimmt noch mehr Gäste“, sagte er.

Die Idee zu dem Event hatte FCF-Vorsitzender Gerd Brechenser. „Es sollte mal was zwischen den Jahren stattfinden“, sagte er. Da der FC und die Finkenbacher Feuerwehr sowieso eng zusammenarbeiten und etliche gemeinsame Mitglieder haben, lag der Gedanke nahe, die Veranstaltung gemeinsam auf die Beine zu stellen, so Schindler. „Wir wollen der Bevölkerung im Ort etwas bieten und Auswärtige in die Gegend locken“, erläuterte Brechsenser.

Auch im Winter sind in der schönen Odenwald-Landschaft viele Wanderer unterwegs. Da der FC-Vorsitzende diese Art Wandertreff schon in einer anderen Region kennengelernt hatte, kam der Gedanke auf, die Idee in die Hinterbach zu übertragen. Am Parkplatz waren die Bedingungen optimal, da dort auch die Infrastruktur stimmt. Schon zwei Tage begannen die beiden Vereine, die Versorgungshütte aufzustellen. Ein beheiztes Zelt wurde am selben Morgen errichtet, damit die Gäste windgeschützt und warm Essen und Getränke genießen konnten.

Davon boten FCF und FFW reichlich. Renner war die Erbsensuppe mit Wurst, die kräftig dampfend die Kälte vertrieb. Wie auch Glüh- oder heißer Apfelwein, stilgereicht in FCF-Bechern serviert, während es für die Kinder Waffeln, Stockbrot und Fruchtpunsch gab. Waren die Vereinsmitglieder zu Beginn noch unter sich, kamen im Laufe des Tages immer wieder einige Besucher vorbei – kleine Grüppchen von vier oder fünf Personen. Sogar als es schon dunkel war, schauten noch welche, die noch etwas essen und trinken wollten, freute sich Schindler. Gegen 19 Uhr war dann die Gaudi vorbei und die bis dahin durchgefrorenen Helfer machten sich auf den Nachhauseweg.