Grillfest des Gemischten Chors in Finkenbach war ein super Erfolg

Die Freude stand Rainer Maurer förmlich ins Gesicht geschrieben. „Das Grillfest ist ein super Erfolg“, strahlte der Vorsitzende des Gemischten Chors. Auch wenn der Blick ab und zu mal sorgenvoll nach oben ging: Das Wetter hielt einigermaßen, zwischendurch ließ sich sogar mal die Sonne blicken und der Chor war mit der Resonanz mehr als zufrieden. Zu den Stammgästen, die sich jedes Jahr am Feuerwehrhaus einfinden, kamen noch etliche Mitglieder befreundeter Ensembles und Gäste von außerhalb hinzu.

„Wir haben die Chöre eingeladen, bei denen wir auch zu Gast sind“, sagte Maurer. Nicht nur zum Besuch, sondern auch zum Singen. So ließen die Mitglieder des MGV Ober-Hainbrunn und die des Singkreises Odenwald aus Hetzbach ihre Stimmen unter viel Beifall erklingen. Natürlich durften auch die Gastgeber unter Leitung von Uschi Egler mit dem „Lion King“ und „A wonderful day“ nicht fehlen. Weitere Gäste aus Falken-Gesäß und Olfen oder aus den Chören des Sängerkreises Neckartal schauten ebenfalls gerne dabei.

Das Fest hat eine jahrzehntelange Tradition, fand unter MGV-Regie erst am Sportplatz statt, später dann am Saubuche-Parkplatz Richtung Raubach. Seit einiger Zeit genießt der Chor nun die Gastfreundschaft der Brandschützer. Hier können sich die hungrigen Mäuler im Grünen niederlassen oder, falls es am Himmel zu dunkel wurde, unters Zeltdach oder ins Innere der Fahrzeughalle „flüchten“, die für diesen Zweck leergeräumt wurde.

Knapp 30 Aktive des Vereins, aber auch Helfer aus der Nachbarschaft, waren den Tag über für das Wohl der Gäste im Einsatz. Wildbratwurst, Steaks und Fleischspieße hielten die Sänger an diesem Tag für die Besucher parat. Und nicht zu vergessen das mehr als reichhaltige Kuchen- und Salatbüffet, dank vieler Spenden von Vereinsmitgliedern und -freunden in diesem Umfang möglich. „Alles wurde sehr gut angenommen“, so Maurer. Für Unterhaltung sorgten zwischendurch immer wieder Dirigent Karlfried Schicht und Dirk Bondes.

Das Grillfest nutzte der Verein auch gleich, um Mitgliederwerbung zu betreiben. Auf die donnerstägliche Singstunde wurde hingewiesen. Denn Nachwuchs – der gerne auch älter sein darf – ist im Gemischten Chor mit seinem eher gehobenen Altersdurchschnitt gerne gesehen. Ein Erfolgserlebnis in Gestalt einer neuen aktiven Sängerin gab es vor kurzem bereits, was den Vorsitzenden sehr freute.

Der schöne Erfolg des Grillfests hatte aber auch einen Wermutstropfen. Denn die Bockskerwe Ende August, bisher das dritte Standbein neben dem Weihnachtskonzert, fällt wohl definitiv flach. „Auf den Aufruf zur Unterstützung bei der Ausrichtung gab es keine Rückmeldungen“, bedauerte Maurer. Wenn nicht noch ein Wunder geschehe, dann werde die Traditionsveranstaltung nicht mehr stattfinden.

Die dort geplant Tombola wurde deshalb aufs Grillfest vorgezogen. Dessen Zulieferer sowie Gewerbetreibende aus der Region, die von Maurer alljährlich abgeklappert werden, sorgten für schöne Preise und entsprechend gute Resonanz darauf. Der Erlös fließt ebenso wie die Einnahmen der Veranstaltung in die Vereinskasse, die nun nur noch zweimal im Jahr durch diese Events gefüllt werden kann.

Die „Episode 2017“ der Oberzent-Schüler ist passé: Verabschiedung der Entlassschüler in der Alten Turnhalle

„Das wars – Episode 2017“, hatten die Abschlussschüler der Oberzent-Schule ihren Jahrgang selbst betitelt. Zusammen mit dem Slogan „Das Erwachen der 10“ in Anlehnung an die Star-Wars-Saga. Und wie eine Reise mit dem Raumschiff oder dem Flugzeug war auch die Verabschiedung in der Alten Turnhalle gehalten. Im Stil von Stewardessen moderierten Annika Leidermann, Ida Birkenstock und Isabell Pantel die Veranstaltung, die vom „Final Countdown“ beschlossen wurde. Von den 72 Abgängern der zehnten Klassen haben 26 einen Notendurchschnitt von 2,0 und besser.

„It’s my life“ von Bon Jovi hieß passenderweise der Eingangssong von Jule Pförsich, Annalea Kumpf und Andreas Weinmann, ehe Schulleiter Bernd Siefert mit dem „Eimer voller Selbstvertrauen“ von Christian Bischoff seine Begrüßung eröffnete. Neben vielen Ehrengästen hieß er besonders diejenigen willkommen, „die euch gestärkt, unterstützt, gefahren, getröstet, Mut gemacht haben“: die Eltern.

Er wünsche den Abgängern, so Siefert mit Bezug auf sein Eingangszitat, „dass ihr immer wieder Menschen begegnet, die eure Eimer füllen“. Aber auch, die Eimer anderer und „dass ihr es schafft, eure eigenen Eimer zu füllen“. Weitere musikalische Umrahmung kam vom Oberzent-Chor, bestehend aus Emely Walz, Jasmin Rhein, Julia Pilger, Jule Pförsich, Annalea Kumpf und Andreas Weinmann, mit „Blank Space“ von Taylor Swift. Frenetischer Jubel wie auch bei der ersten Darbietung war der Lohn dafür.

Erster Stadtrat Horst Kowarsch lobte die Teilnahme der Oberzent-Schule am europäischen Erasmus-Programm. Gerade in der heutigen Zeit, in der Nationalisten Rückenwind hätten, sei es wichtig, ein Zeichen für ein friedfertiges Europa zu setzen. Die Schüler vermittelten im Ausland ein authentisches Deutschland-Bild abseits der Vorurteile, freute er sich. „Erasmus ist ein Gewinn für uns alle“, so Kowarsch, ehe er alles Gute auf dem weiteren Lebensweg wünschte.

Elternvertreterin Michaela Wimmer wies auf ein politisch spannendes Jahr mit drei Wahlen hin. Aber auch die Entlassschüler stünden vor der Wahl: weiter die Schule zu besuchen oder eine berufliche Zukunft einzuschlagen. Die Lehrer hätten mit Engagement Sorge getragen, „dass die Jugendlichen die richtige Wahl treffen können“, sagte sie. Die Eltern wünschten sich nun „Weisheit und Geduld“ bei dieser Wahl.

Viel Wiedererkennungswert hatte das „Abschlussgespräch“ von Lehrerin Heidi Domack und Schülerin Ida Birkenstock stellvertretend für den Jahrgang. Zu diversen Ereignissen, den Schülern noch bestens im Gedächtnis, gab es immer wieder Gelächter. Das Verhältnis zu den Lehrern, Ausflüge, Abschlussfahrten oder Wanderwoche waren einige der angeschnittenen Themen.

Aber auch Arbeiten an der Schule: „Während eurer sechs Jahre an der Oberzent-Schule habt ihr einiges miterlebt“, so Domack. Das Hallenbad wurde erneuert. „Zu eurer Freude durftet ihr zwei Schuljahre im Sportunterricht nicht schwimmen.“ Außerdem gab es im WP II-Angebot kein Kochen, da die Schulküche endlich modernisiert wurde. „Nicht zuletzt seid ihr MINT-Pioniere gewesen.“

Die praktische Anwendung von Politik stand laut Heidi Domack stets im Mittelpunkt. Viele Dinge wurden in der Klasse demokratisch und freudig diskutiert. „Bei ausbleibendem Ergebnis kam es dann zur Diktatur durch eure Klassenlehrerin“, lachte sie. „Wir waren nicht immer mit euch einer Meinung“ – das bringe schon die Tatsache Lehrer auf der einen und Schüler auf der anderen Seite mit sich. „Trotzdem oder gerade deswegen fand ich die letzten drei Jahre spannend und interessant“, so Domack.

„Wir hatten während unserer Zeit an der Oberzent-Schule wirklich gute und schlechte Tage“, meinte Ida Birkenstock. Die eine oder andere schlechte Note wurde nach Hause getragen und irgendwie schaute die Angst, den gewünschten Schulabschluss nicht zu erreichen, gelegentlich vorbei. Dank der Klassenlehrer wüssten alle, „was wir nach den Sommerferien, nach der Schule machen werden“. Die Zeugnisübergabe schloss sich an.

Hinterbacher feuern am 28. Juli wieder den Kohlenmeiler an

Zehn Tage lang kokelt und schwelt es wieder in der Hinterbach an der Kreisstraße vom Rothenberger Ortsteil Richtung Raubach. Immer im Zwei-Jahres-Rhythmus erinnert das Kohlenmeiler-Team an das alte Handwerk aus früheren Jahrhunderten und pflegt im Wechsel mit dem Schimmeldewäer Kohlenmeiler im Finkenbachtal die alte Tradition. Die „Hinterbacher Köhlertage“ finden von Freitag, 28. Juli, bis Sonntag, 6. August, an der Olfener Straße statt. Das alte Handwerk wird vom Köhlerteam aus dem Ort schon seit über 30 Jahren hochgehalten.

Beginn ist am 28. Juli um 18 Uhr mit dem Anzünden des bereits in wochenlanger Vorarbeit aufgebauten Meilers durch Bürgermeister Hans-Heinz Keursten. Mit etwa 20 Ster Buchen- und Eichenholz rund um den so genannten Quandelschacht wurde er errichtet. Dazu wird glühende Holzkohle in den Quandelschacht gefüllt. Dadurch wird der Verkohlungsprozess eingeleitet.

Ab diesem Zeitpunkt muss der Meiler dann Tag und Nacht bewacht werden, um zu gewährleisten, dass das Holz ordnungsgemäß verkohlt. Es darf keinesfalls brennen. Die Verkohlung wird etwa eine Woche dauern. „Wer einmal mit Meilerkohle gegrillt hat, wird keine andere mehr haben wollen“, wissen die Fachleute. Deshalb ist sie auch am Abschlusstag heiß begehrt.

Die hochwertige Holzkohle wurde früher für Hufschmiede und Erzverhüttungsbetriebe gebraucht. Sogar die Bügeleisen im Haushalt wurden mit ihr gefüllt. Sie zeichnet sich durch einen hohen Brennwert und Langlebigkeit aus. Ihre gute Qualität kann man daran erkennen, dass sie leicht bricht, bläulich glänzt und kaum abfärbt. Um dies zu erreichen, ist ein hoher Arbeitseinsatz erforderlich, damit am Ende nicht nur ein Häufchen Asche übrig bleibt. Denn das um den Quandel aufgeschichtete und mit Gras und Erde luftdicht abgedeckte Holz darf nur langsam von innen nach außen verkohlen und nicht brennen.

Auf dem idyllisch am Waldrand gelegenen Meilerplatz ist die traditionelle Schlafstätte der Köhler aufgebaut. Neben fachkundigen Erläuterungen durch die Köhler sorgen Schautafeln, alte Werkzeuge und Geräte für einen authentischen Einblick in das heute kaum mehr praktizierte Köhlerhandwerk. Im Nachbarort Schönmattenwag gab es noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts einen aktiven Köhler, ehe auch dort das alte Handwerk erlosch. Und natürlich besucht man sich gegenseitig, wenn immer im Jahreswechsel die Köhlertage hüben wie drüben der Raubacher Höhe stattfinden.

Am Sonntag, 30. Juli, findet um 9.30 Uhr am Meilerplatz ein Gottesdienst statt. Nach dem Mittagessen folgt ein bunter Nachmittag mit Vorführungen alten Handwerks. Die Gäste können die einzigartige Stimmung und Gastfreundschaft, wie sie unter Köhlern Brauch ist, genießen. Natürlich ist auch für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt, wobei das Köhlerteam unter anderem althergebrachte Odenwälder Spezialitäten bereithält. Ab dem 31. Juli werden täglich wechselnde Speisen wie zu Urgroßmutters Zeiten serviert, etwa Erdriewe mit Salzfleisch, Kadoffelgemies oder saure Bohnen aus dem Stänner.

Mittels Kohlenmeilern wird seit dem Altertum Holzkohle hergestellt. Holzkohle ist wesentlich leichter als Fällholz und somit einfacher zu transportieren. Die Köhlerei war in der frühen Neuzeit ein bedeutender Wirtschaftszweig. Damals war Holzkohle der einzige Brennstoff, mit dem man die nötige Hitze für die Eisenverhüttung erzeugen konnte. 1713 wurde ein Verfahren erfunden, um aus Steinkohle hochofentauglichen Koks herzustellen. Danach ging der Verbrauch der teuren Holzkohle trotz steigender Eisenproduktion immer mehr zurück.

Ab dem 17. Jahrhundert wurden zunehmend Pechöfen verwendet, im 19. Jahrhundert dann auch Retorten. Dies hatte zur Folge, dass immer weniger Kohlenmeiler gebraucht wurden. Das allmähliche Aus für die Holzköhlerei begann im 19. Jahrhundert, als die Steinkohle dann die Holzkohle praktisch ersetzte und später auch Gas und Elektrizität an Bedeutung gewannen. Die Köhlerei wird nur noch aus Traditionsgründen und für einige Spezialanwendungen von Holzkohle betrieben.

Info: Der Meilerplatz befindet sich in Hinterbach an der Kreisstraße 37 Richtung Raubach. Die Besichtigung des Kohlenmeilers ist an allen Tagen möglich. Am Ende der Köhlertage findet ein Holzkohleverkauf statt. Mehr Infos unter http://www.hinterbach-kohlenmeiler.de.

Oberzent will die badischen Windräder auf Abstand halten

Das Windkraft-Thema beherrscht derzeit die Diskussionen landauf, landab. Vor allem durch die geforderte Stellungnahme zum hessischen Regionalplan-Entwurf Erneuerbare Energien. Die vier Oberzent-Kommunen sind aber auch in südlicher Richtung gefragt. Denn direkt jenseits der Landesgrenze im Badischen plant die Stadt Eberbach die Aufstellung eines Teilflächennutzungsplans (TFNP), der vier Vorranggebiete für Windräder vorsieht. Damit hatte sich die Stadtverordnetenversammlung Beerfelden im Zuge der Beteiligung der Nachbargemeinden zu befassen. Zusammen mit den anderen drei Oberzent-Kommunen will man eine gemeinsame Stellungnahme verfassen.

Drei von vier geplanten Standorten befinden sich in unmittelbarer Nähe zu den Gemarkungen „und berühren damit unsere Belange“, hieß es. Ins Gewicht fallen dabei die unterschiedlichen Kriterien, inwieweit ein Windpark an Siedlungen und Wohnbebauung heranrücken darf. Im Badischen sind 700 und 450 Meter erlaubt, laut dem noch in der Schwebe befindlichen Odenwaldkreis-FNP 1000 und 600 Meter.

Nimmt man dieses Planwerk zur Grundlage, dann ist die unterschiedliche Abstandsregelung ohne Belang. Anders sieht es mit den Abständen zwischen den einzelnen Windparks aus. Hier hatte man im Kreis 3000 bis 5000 Meter gewählt, um eine Überkonzentration zu verhindern. Die Standorte Augstel und Brombach-Nord wären unproblematisch, allerdings nicht die Hohe Warte. Die läge nämlich nur 1400 Meter von der Sensbacher Höhe entfernt, die sich im FNP wiederfindet – allerdings nicht im Regionalplan.

Da man sich bei der Stellungnahme auf den eigenen FNP referiert, wird darin gefordert, dass zwischen der Eberbacher Hohen Warte und der Sensbacher Höhe ein Mindestabstand von 3000 Meter gegeben sein sollte. Damit will man „einer Überbelastung des Landschafts- und Kulturraums“ vorbeugen. Gleichzeitig soll von der Burg Freienstein aus der südöstliche Blick in einem Teil ohne die Kulisse von Windrädern möglich sein.

Ganz anders sieht es aus, wenn der hessische Regionalplanentwurf zugrunde gelegt wird. Dann ergäbe sich „eine deutliche Überkonzentration und Umzingelung“ für Rothenberg. Neben dem Gebiet Flockenbusch auf Wald-Michelbacher Gemarkung sind dort zwei weitere Flächen in Rothenberger Richtung Beerfelden ausgewiesen. Plus eben Brombach- Nord und Hohe Warte im Badischen. Somit eine „massive Konzentration“ im Abstand zwischen einem und vier Kilometer. Weshalb man auf hessischer Seite die drei dortigen Gebiete vermeiden will.

Die „deutliche Überfrachtung“ des Landschaftsbildes hätte nach Meinung der Stadtverordneten „eine deutliche Umzingelungswirkung“ zur Folge. Mit 15 Ja- bei zwei Nein-Stimmen und vier Enthaltungen wurde von den Mandatsträgern die Stellungnahme Richtung Verwaltungsgemeinschaft Eberbach-Schönbrunn beschlossen.

Die Stadt am Berge bekommt zwei Ladesäulen für Elektrofahrzeuge, teilte Bürgermeister Gottfried Görig mit. Diese sollen auf dem Parkplatz gegenüber der Alten Turnhalle voraussichtlich im Juli installiert werden. Die E-Steckdosen mit einer Leistung von 2 x 22 kW werden durch die Entega vorerst für fünf Jahre betrieben. Dafür zahlt die Stadt 2500 Euro netto. Sie können neben der Entega- auch mit vielen anderen Ladekarten und auch Paypal angezapft werden.

Wie Görig auf eine Frage von Walter Gerbig (CDU) sagte, werden die Züchter und Aussteller am Pferdemarkt-Montag um 9 Uhr begrüßt. Ein Rundgang mit den Ehrengästen schließt sich an. In den Vorjahren geschah der offizielle Teil erst nach deren Eintreffen, während somit die Tierschau schon in vollem Gange war. Aber den Züchtern sei das persönliche Gespräch wichtig, so Görig.

Das Programm am Eröffnungsabend des Volksfestes am 7. Juli steht nun auch fest: Um 20 Uhr gibt es den Fassbieranstich mit Grußworten, umrahmt von der Feuerwehrkapelle. Das nachfolgende Programm ab 22 Uhr, durch den Hallenwirt organisiert, spricht dann eher ein junges Publikum an. Ab 23 Uhr treten Stefan Stürmer, Ina Colada und „Die Autohändler“ auf.

Beerfeldener Mandatsträger wollen den eigenen Windkraft-Flächennutzungsplan statt Regionalplan

Das Meinungsbild war eindeutig: Mit großer Mehrheit verabschiedete die Stadtverordneten-Versammlung die gemeinsame Stellungnahme aller Odenwaldkreis-Kommunen zum Windkraft-Regionalplanentwurf. Sie forderte klipp und klar die Rückkehr zum zusammen erarbeiteten Flächennutzungsplan (FNP), der aber vom Regierungspräsidium abgelehnt worden war. Manche Mandatsträger gingen noch weiter und lehnten wortreich Windkraft im Odenwald in Bausch und Bogen ab.

Der Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses, Erwin Körber (SPD), skizzierte die dortigen Beratungen. Im Regionalplan seien 21 Flächen für Windkraft ausgewiesen, was 3,9 Prozent der Kreisfläche bedeute. Im eigenen FNP waren es aber nur acht und 1,61 Prozent. Er kritisierte dessen Ablehnung durch das RP, obwohl es zuvor eine einvernehmliche Zusammenarbeit gegeben habe.

Wie Körber erläuterte, wolle man eine Konzentration der Windräder auf möglichst zusammenhängende Flächen erreichen. Er wies darauf hin, dass ohne den Regionalplan – und den Einspruch dagegen – das weitergehende Baugesetzbuch greife, was ein „Riesenproblem“ bedeute. „Dann sind wir die Dummen.“

In seiner Eigenschaft als SPD-Fraktionsvorsitzender sagte Kröber, dass es um rechtssichere Vorgaben gehe. Nicht um die Sinnhaftigkeit der Windenergie, „da hat jeder eigene Vorstellungen“. Dem Regionalplanentwurf „können wir überhaupt nicht zustimmen“, betonte er. Allerdings ist ihm bewusst, „dass es ganz ohne Windkraft nicht geht“.

So ganz glücklich war Körber nicht, dass mit dem Verweis auf den FNP auch die Sensbacher Höhe wieder mit Plan ist. „Aber der Regionalplan sieht vier zusätzliche Gebiete in der Oberzent vor“, sagte er. Wenn man sich 2015 dafür entschieden habe, „dann sollten wir uns auch dran halten“. Das Gebiet „Meisenberg“ auf Wald-Michelbacher Gemarkung lehne man ab, weil es zu nah an der projektierten Vorrangfläche bei Olfen sei.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) wies darauf hin, „dass der Bau von Windrädern kein Selbstzweck ist“. Es gehe nach wie vor darum, den Ausstieg aus der Atomenergie zu gestalten. Man habe den FNP immer als Kompromiss angesehen und halte daran fest. „Wir sind dafür, bestimmte Vorranggebiete auszuweisen und dort die Windkraftnutzung zu konzentrieren“, hob sie hervor.

Für die ÜWG betonte Klaus Seeh in einer Stellungnahme, dass „eine Überfrachtung mit Windrädern im Süden des Odenwaldkreises“ unbedingt verhindert werden müsse. „Die Höhenzüge sollen in ihrer Kulisse frei bleiben, ebenso die Umgebung von Denkmälern“. Insgesamt, sagte er, „halten wir die Windkraft im Odenwald für absolut überflüssig.“ Die Energiewende müsse im Gegenteil wesentlich innovativer und bürgerverträglicher gestaltet werden.

Ein Durchschnitt von 1,6 Prozent der Kreisfläche sei zu hoch, „wenn diese überwiegend der Südkreis bereitstellen soll“. Noch höhere Flächenanteile, wie vom Gesetzgeber gefordert, „halten wir für völlig überzogen“. Für die CDU betonte Walter Gerbig, „der Flächennutzungsplan der Kreiskommunen hat für uns weiterhin Priorität“. Es behebe nicht das Problem, „den Kopf in den Sand zu stecken“ und keine Stellungnahme abzugeben.

Schwere Geschütze fuhr für die FDP Frank Leutz auf. Seine Fraktion gehörte zusammen mit je einem Vertreter und SPD und Grünen zu den sechs Ablehnenden der gemeinsamen Stellungnahme. Leutz sah jedes Windrad im Odenwald als „ein Verbrechen an Mensch und Natur“. Es zerstöre ohne Nutzen funktionierende, schützenswerte, ökologische Systeme. Er kritisierte, dass mit dem Verweis auf den FNP nun auch wieder die Sensbacher Höhe in den Fokus rücke.

Wie der Fraktionssprecher sagte, könne „eine ernstzunehmende Gesundheitsgefährdung“ durch Windräder „nicht mehr mit altbewährter Arroganz negiert werden“. Er erwähnte in diesem Zusammenhang Luft-, Infra- und Körperschall. Der Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten ist seiner Meinung nach viel effektiver, um den Ausstoß des klimaschädlichen Gases zu verhindern. Leutz kündigte an, in Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen eine eigene Stellungnahme beim RP abzugeben.

 

Gemeinsame Stellungnahme

Die Kreiskommunen profitieren von der regionalen Wertschöpfung ihres Tourismus mit kulturlandgebundener Erholung. Sie lehnen daher den TPEE in der vorliegenden Gesamtflächenbilanz wegen überproportionaler Raumbelastung mit 3,9 Prozent der Odenwaldkreisfläche ab und fordern im Sinne des Gegenstromprinzips die Zurücknahme der Ausweisungsflächen für Windenergieanlagen im Odenwaldkreis auf die abgewogenen acht Flächen des gemeinsamen Flächennutzungsplan für den sachlichen Teilbereich Windenergie mit 1,61 Prozent der Kreisfläche.

 

Kochen ist auf seiner Insel einfach eine Pracht: Mit seiner Meister-Kochinsel gewann Daniel Pracht aus Falken-Gesäß den Bad Wildunger Designpreis

Mit seiner Kochinsel hat er in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt. Dabei ging es Daniel Pracht von der gleichnamigen Schreinerei im kleinen Beerfelder Ortsteil eigentlich erst einmal darum, im Rahmen seines Meisterkurses eine Idee fürs eigene Zuhause praktisch in die Tat umzusetzen. Der 31-Jährige hatte nicht damit gerechnet, dass er damit gleich den renommierten Bad Wildunger Designpreis gewinnen und extrem positives Feedback bekommen würde. Jetzt sammelt er Anregungen, damit das gute Stück in Serie gehen kann.

Eine Kochinsel wollte der Schreinermeister schon länger für seine Wohnung bauen. Als es im vergangenen Jahr darum ging, die 2011 begonnene Ausbildung zum Schreiner mit dem Meistertitel abzuschließen, kam der Gedanke als Meisterarbeit wieder ins Spiel. „So konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, lacht er. Dabei hat Pracht durchaus den Anspruch an sich selbst: „Wenn ich was baue, dann soll es auch etwas Gescheites sein.“

In dem halben Jahr an der Meisterschule entwickelte der Schreiner seine Idee weiter und verfeinerte sie. Dass sie so einschlagen würde, vermutete er selbst nicht. „Bis vor sechs Wochen dachte ich nicht im Traum daran, die Kochinsel zu verkaufen“, gesteht Pracht. Die Schablonen hatte er sogar schon entsorgt. Aber die „super Rückmeldungen“ nach der Ausstellung sorgten für ein Umdenken.

Den letzten Anstoß gab der Maimarkt, wo die Kochinsel ebenfalls aufgebaut war. Als die Besucher stehen blieben und staunten, „war klar, dass ich mir die Chance nicht entgehen lasse“. Design und technische Lösung wurden urheberrechtlich geschützt. Eigentlich, sagt Pracht, ist seine Kochinsel „eine vollwertige Küche“. Denn sie fungiert neben der Möglichkeit zur Essenszubereitung auch als Ess- oder Stehtisch. Der Komplex ist stufenlos höhenverstellbar. Ein Induktionskochfeld ist ebenso ausziehbar wie fünf Massivholzschubkästen für iPad, Messer, Gewürze oder Schneidbrett.

Wie geht es nun weiter mit dem 21.000 Euro teuren Meisterwerk unter dem Arbeitstitel „Square“? „Ich habe die Kochinsel zu verschiedenen Designpreisen angemeldet“, erläutert Daniel Pracht. Außerdem baut er sie als Demonstrationsobjekt in einer zum Verkauf stehenden, exklusiven Frankfurter Penthouse-Wohnung am Messeturm auf. Parallel dazu wird eine Marketingstrategie erarbeitet. Ihm ist wichtig, dass die Produktion im Odenwald stattfindet und „wir hier gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen“.

Der Preis kommt nicht von ungefähr zustande, betont der 31-Jährige. „Alles daran ist quasi Handarbeit.“ Bis auf die Aussparung für die Herdplatte, die auf der Maschine gefertigt wird. Drei Wochen lang wird an einem Exemplar gefeilt. Sein Ausstellungsstück hat die Maße 1,32 auf 1,32 Meter, „aber man kann die Kochinsel in allen Größen bauen“. Auch sind zahlreiche Materialformen und -farben sowie Holztypen möglich. Mit diesen Dimensionen ist das besondere Stück laut Pracht vor allem für beengte Bereiche wie kleinere Stadtwohnungen oder Yachten passend.

Obwohl Daniel Pracht den Geruch von Holz und Sägespänen quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen hatte, war überhaupt nicht absehbar, dass er einmal in den elterlichen Betrieb einsteigen würde. Im Gegenteil. „Nach der Schule wollte ich Pilot werden“, schmunzelt er. Denn schon in den Jugendjahren war er bei den Vielbrunner Segelfliegern aktiv. Doch schon während der Bewerbung merkte er: „Das ist nichts für mich.“ Wie auch das anschließende Physikstudium ihm viel zu theoretisch war.

„Ich wollte was Handfestes machen“, besann sich Pracht dann doch auf seine Wurzeln. Und klopfte sozusagen auf Holz. Er wollte eine Arbeit, bei der man „etwas bewegen und umsetzen kann“. Dafür war natürlich der elterliche Betrieb wie geschaffen. Und so überzeugt, wie der heute 31-Jährige seine Motivation schildert, kann man kaum glauben, dass er jemals mit einem anderen Berufswunsch liebäugelte. Pracht ist voll in dem Thema drin, wenn er von seiner Auffassung von Mitarbeiterführung und -motivation spricht, wie sich ein Handwerksbetrieb in der heutigen Zeit für die Zukunft aufstellen soll.

 

 

Schreinerei Pracht

Derr 31-jährige Daniel Pracht ist mit dem Schreinerberuf des elterlichen Betriebs seit Kindesbeinen an vertraut. Schon seit 60 Jahren gibt es die Firma, inzwischen in dritter Generation. Im Wohnhaus am Postweg in Falken-Gesäß ist gleichzeitig auch das Büro untergebracht, es geht beengt heimelig familiär zu.

Gleich neben dem Eingang hat Seniorchef Helmut Pracht seinen Schreibtisch stehen, der Blick nach vorn geht auf zwei Computer mit dem gesammelten Firmenwissen. 16 Mitarbeiter zählt die Schreinerei heute, davon allein vier aus der Familie. Sein Bruder hat gerade im ersten Lehrjahr die Ausbildung zum Schreiner begonnen.

„Die Arbeit soll erfüllen: Das geht nur zusammen“, betont Daniel Pracht. Ihm schweben für die Zukunft Komplettlösungen für Innenausbauten vor, bei denen die Schreinerei als eine Art Kompetenzzentrum mit vielen Spezialisten unter einem Dach fungiert. Dies immer mit dem Anspruch, dass Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen zufrieden sind.

Hessenecker Haushalts-Defizit ist konform mit dem Schutzschirmvertrag

Das Defizit im ordentlichen Ergebnis des Hessenecker Haushalts geht kontinuierlich nach unten. Waren es 2015 im Plan noch 120.000 Euro Miese (und im Ergebnis minus 96.000 Euro), so dank diese Zahl 2016 schon auf 85.000 Euro. Der Haushaltsplan für 2017 sieht noch eine Unterdeckung von knapp 58.000 Euro vor. Diese Zahlen legte Bürgermeister Thomas Ihrig zusammen mit Tina Bartmann vom Kommunalservice Oberzent der Gemeindevertretung vor.

Nach den einleitenden Worten des Bürgermeisters erläuterte Bartmann, dass der ausgewiesene Fehlbetrag noch im Rahmen des im Schutzschirmvertrag vereinbarten Abbaupfades liege. Dieser lasse für 2017 ein Defizit von knapp 60.000 Euro zu. Der Gesamtbetrag der Kredite für Investitionen werde auf etwa 138.000 Euro festgesetzt, sagte sie. Davon sind 63.660 Euro für Darlehen im Rahmen des kommunalen Investitionsprogrammes (KIP) gedacht.

Diese Gelder werden für verschiedene Maßnahmen verwendet: etwa den Austausch der Ölheizung mit Baujahr 1986 im Sporthaus Kailbach durch eine Öl-Brennwertheizung sowie der vorhandenen Öltanks aus 1972. Gleiches geschieht mit der Ölheizung im Dorfgemeinschaftshaus Hesselbach. Die Pflasterung der bisher asphaltierten brüchigen Hoffläche vor dem Feuerwehrgerätehaus Kailbach und die Erweiterung zur Verbesserung der Standplatzsituation sind bereits erfolgt. Pauschalmittel werden verwendet für Unterhaltungs- und Instandhaltungsarbeiten auf den drei Spiel- und zwei Bolzplätzen sowie dem Sportplatz der Gemeinde.

Der Höchstbetrag der Kassenkredite wurde auf 850.000 Euro festgesetzt. Obwohl in letzter Zeit laut Bartmann maximal 750.000 Euro erforderlich waren, soll der Betrag zur Sicherung der Liquidität etwas erhöht werden. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Investitionsmaßnahmen eventuell für einen gewissen Zeitraum vorfinanziert werden müssen, bis die entsprechenden Einnahmen aus Zuschüssen und Darlehen eingebucht werden können.

Die größten Einnahme-Verbesserungen sind der KSO-Mitarbeiterin zufolge bei den Produkten Abwasserbeseitigung (17.600), Wasserversorgung (17.500) und kommunale Forstwirtschaft (7300 Euro) zu finden. Die größten Verschlechterungen ergeben sich ihren Worten nach bei den Produkten Finanzen/KSO und Zahlstelle (7000), Kindertagesstätte (13.000) sowie Dorferneuerung und Städtebauförderung (5700 Euro).

Ein Defizit von 72.000 Euro ergibt sich bei der Kindertagesstätte. Wie Bartmann erklärte, rechne man aufgrund der derzeitigen Anmeldungen mit einem Gebührenaufkommen von 6200 Euro. An Landeszuweisungen werden 19.500 Euro kalkuliert. „Die tatsächlichen Kosten waren bereits 2016 deutlich höher als der Ansatz“, sagte sie. In der Summe ergebe sich ein Anstieg des Defizits um 13.000 Euro.

Die Einnahme-Verschlechterung bei Steuern, allgemeinen Zuweisungen und Umlagen ergibt sich vor allem aus dem Wegfall der ursprünglich geplanten Zweitwohnungsteuer, erläuterte Bartmann den Gemeindevertretern. Dazu kommen die Verminderung der Gewerbesteuer sowie die niedrigere Auflösung der Sonderposten aufgrund der Verminderung der Investitionspauschale ab 2016.

Dagegen haben sich die Erträge und Aufwendungen im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs (KFA) positiv entwickelt, sagte sie. Hier ergebe sich gegenüber den Ansätzen des Vorjahres eine Verbesserung von etwa 40.000 Euro. Grund hierfür sei unter anderem eine erneute Steigerung bei der Schlüsselzuweisung um 15.000 Euro. Aber auch die anderen Steuer- und Umlageeinnahmen stiegen. Allerdings erhöhten sich auch die Umlagen um 28.000 Euro. Im Saldo verbleibe somit aus dem KFA ein Plus von rund 12.000 Euro.

Aufgrund der Fusion der Oberzent-Kommunen zum 1. Januar 2018 wurde bei der Finanzplanung ab 2018 in Bereich der Inneren Verwaltung eine pauschale Entlastung in Höhe von etwa 60.000 Euro eingestellt, sagte sie. Diese sei Bestandteil der Schutzschirmvereinbarung mit dem Land Hessen gewesen „und tritt durch die Umsetzung der Fusion nunmehr auch tatsächlich ein“.

Hessenecker Haushaltsplan 2017

Ergebnishaushalt: Gesamtbetrag der Erträge 1,4 Millionen, Aufwendungen 1,46 Millionen, Fehlbetrag ca. 58.000 Euro.

Finanzhaushalt: Saldo Einzahlungen und Auszahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit minus 15.700 Euro, Zahlungsmittelbedarf 88.700 Euro.

Grundsteuer A und B sowie Gewerbesteuer: 380 v. H.