Verbindungsstraße nach Bullau: Ortsbeirat wünscht den alten Vertrag einzusehen

Der Sensbachtaler Ortsbeirat ist mit der Sperrung der Ortsverbindungsstraße zwischen Reußenkreuz und Bullau nach wie vor nicht einverstanden, machte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann auf der vergangenen Sitzung des Gremiums deutlich. Da die von der Verwaltung avisierte Stellungnahme des Hessischen Städte- und Gemeindebundes dazu noch nicht eingegangen ist, wurde das Thema aber nur kurz angesprochen.

Bei dem Weg handelt es sich laut Kuhlmann um eine historische Verbindung. Die Strecke sei außerdem ein Teilstück des ausgewiesenen und beschilderten Höhenradwanderweges Würzberg-Gaimühle, für dessen Verkehrssicherung die Stadt Oberzent zuständig sei. Eine erhöhte Verkehrssicherungspflicht wäre demnach auch bei Freigabe des Weges für Pkw-Verkehr nicht gegeben, betonte Schriftführer Manfred Heiss.

Kuhlmanns Worten zufolge liegen unbestätigte Informationen vor, dass die Strecke laut dem zwischen der Gemeinde Ober-Sensbach und dem Grafenhaus Erbach-Fürstenau in früheren Jahren abgeschlossenen Vertrag als öffentlicher Weg unterhalten werden muss und bei Wegfall dieser Eigenschaft an den Alteigentümer zurückfällt. Um diese und weitere Punkte zu überprüfen, wünscht sich der Ortsbeirat eine Vorlage des Schriftstücks, entweder als Kopie der Aufsichtsbehörde oder der Gräflich Erbach-Fürstenauischen Verwaltung.

Stefanie Ampferl informierte seitens der Stadtverwaltung über die in der To-Do-Liste aufgeführten Maßnahmen, soweit diese Sensbachtal betreffen. Diese decken sich mit den Aufzeichnungen des Ortsbeirates. Überfällig ist unter anderem die Instandsetzung der Läuteanlage auf dem Sensbacher Friedhof. Trotz einer bereits erfolgten Überprüfung sei diese nach wie vor nur bedingt einsatzfähig. Angesprochen wurden daneben die vorgesehenen Standorte für die acht vom Geo-Naturpark gelieferten Bänke. Der Bauhof soll diese in Zusammenarbeit mit Verein Sensbachtal aktiv aufstellen.

Das Budget der Ortsbeiräte ist ebenso wie der Doppelhaushalt 2019/2020 unter Dach und Dach. Für Sensbachtal ist eine Summe von 1968 Euro vorgesehen. Vom Budget soll unter anderem der Blumenschmuck an den Ortseingangsschildern sowie ein Gemarkungsrundgang im Herbst finanziert werden, informierte Kuhlmann.

Dazu gab es weitere Vorschläge des Ortsbeirats für die Verwendung wie Errichtung des Glockenturms am Hebstahler Friedhof, Verschönerung des Häuselsbrunnens, zusätzliche Anschaffung von Ruhebänken sowie Naturschutzmaßnahmen wie Pflanzung von Obstbäumen oder Anlage von Blühwiesen zum Insektenschutz. Für den Gemarkungsrundgang gab es die Anregung, diesen jährlich im Wechsel in den verschiedenen Stadtteilen abzuhalten, was für den Zusammenhalt und das Kennenlernen der Bürger sicherlich förderlich wäre.

Für die Sanierung der Sporthalle in Unter-Sensbach, schon lange auf der Agenda ganz oben, sind im Haushaltsjahr 2020 knapp 250.000 Euro angesetzt. Das Vorhaben wird teilweise mit Mitteln aus dem kommunalen Investitionsprogramm finanziert. Zur Besprechung der vorgesehenen Maßnahmen soll ein Termin mit Stadtverwaltung, Ortsbeirat, den die Sporthalle nutzenden Vereinen und der Grundschule angesetzt werden, so die Information.

Angesprochen wurden außerdem noch verschiedene Dinge in Hebstahl: die Reaktivierung des Telefonanschlusses im Dorfgemeinschaftshaus, die Instandsetzung der Außenanlage und die Errichtung eines Glockenturms an der Friedhofshalle. Die Kosten für die Glocke sollen, so der Plan, durch die Kirchengemeinde und Spenden aufgebracht werden.

Vorschläge für den Einsatz des mobilen Blitzers können von den Ortsbeiräten eingereicht werden. Spontan wurden vom Ortsbeirat der Ortseingang in Hebstahl (von Gaimühle kommend) und der in Ober-Sensbach (vom Krähberg kommend) genannt, weiterhin die Grundschule in Unter-Sensbach.

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Handlungsbedarf bei den Oberzent-Bauhöfen

Vier Bauhof-Standorte gibt es auf Gemarkung der neuen Stadt. Beerfelden, Rothenberg, Schöllenbach und Unter-Sensbach gilt es nach der Fusion unter einen Hut zu bringen. Nicht alle sind baulich in einem guten Zustand, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Unter-Sensbach, wo sowieso nur zwei Mitarbeiter tätig sind, wird wohl in spe nicht aufrechterhalten. In Beerfelden ist das von der Stadt in früheren Zeit angekaufte Bechtold-Gebäude marode. Der alte Bauhof wird derzeit als Lager genutzt. „Eventuell müssen wir auch einmal ein Gebäude niederlegen“, so der Rathauschef.

In Schöllenbach gibt es seinen Worten zufolge „ein sehr gutes und zweckmäßiges Gebäude“. Rothenberg beherbergt Lager, Elektroschrottsammelstelle, Salz-Silo und Sozialräume. Die fehlen in Unter-Sensbach völlig, ebenso wie Toiletten und Waschmöglichkeiten. Das Salz wird dort in Säcken gelagert, die per Hand aufgeschnitten und in den Behälter geworfen werden müssen. „Es ist nicht zweckmäßig, das Gebäude für so wenig Personal zu ertüchtigen“, betonte er.

„Alle vier Bauhöfe haben unterschiedliche Strukturen“, sagte der Bürgermeister. Deshalb erarbeitet die Verwaltung derzeit ein Konzept zur Zusammenführung. Thema ist auch eine Bauhof-Erweiterung in Beerfelden, um die derzeit noch im Breimer-Gebäude beheimatete Wasserversorgung mit reinzunehmen. Im vergangenen Winter musste man in Ober-Sensbach kurzfristig reagieren, weil hier ein mit dem Winterdienst betrauter Landwirt ausfiel. Im Vorgriff auf die nächste kalte Jahreszeit signalisierte er, dass auch zukünftig mit den örtlichen Landwirten zusammengearbeitet werden soll, damit nicht von Beerfelden aus improvisiert werden muss.

22 Mitarbeiter sind im Bauhofbereich für die Stadt tätig, dazu kommen zwei Forstwirte und vier Personen in der Wasserversorgung. Vor dem Hintergrund die vielen aufgelaufenen Überstunden in nur einem Jahr, verbunden mit Resturlaub, „müssen wir überlegen, wie wir uns effizienter aufstellen können“, hob der Bürgermeister hervor. Kehrer wies daneben auf die 33 Fahrzeuge im Fuhrpark hin, die größtenteils abgeschrieben sind und ein gewisses Alter haben. Sollten sich die Reparaturen häufen, „müssen wir uns auch hier Gedanken machen“. Was für die Stadt letztendlich heißt, dass Investitionen anstehen werden.

Grundsteuer soll 2020 steigen: Einbrechende Holzpreise ziehen den Oberzent-Doppelhaushalt 2019/20 in die Tiefe

Tina Bartmann als Chefin der Oberzent-Kämmerei hätte sich bestimmt bessere Zahlen zu ihrem Abschied gewünscht. Sie stellte den Stadtverordneten an ihrem letzten Arbeitstag zusammen mit Bürgermeister Christian Kehrer den Doppelhaushaltsplan 2019/20 vor, der mit Müh und Not ein Plus im ordentliches Ergebnis schafft – und das 2020 nur um den Preis einer Grundsteuer-Erhöhung.

Stark gefallene Holzpreise, geringere Schlüsselzuweisungen, ein Weniger beim Einkommensteueranteil, über eine Million Euro Rückstellungen, dazu noch hohe Kreditaufnahmen: In diesem Jahr kommt das ordentliche Ergebnis auf gerade mal 33.000 Euro, im kommenden soll es auf etwas über 100.000 Euro wachsen.

Der Klimawandel schlägt direkt auf den Doppelhaushalt durch: Denn erst knickte vor einem Jahr Sturmtief Friederike die Bäume in Nordhessen reihenweise um, dann ließ der heiße Sommer den Borkenkäfer vor Freude zahlenmäßig explodieren. Die Folge: Die Holzpreise sind im freien Fall. 2017 hatten die vier damals noch selbständigen Gemeinden zusammen über 840.000 Euro Gewinn aus der Waldwirtschaft gezogen. In diesem Jahr ist die Summe auf gerade noch 83.000 Euro zusammengeschrumpft. „Mit 760.000 Euro mehr würde der Haushalt super dastehen“, meinte Bartmann deshalb.

Die Hessenkasse, die der Stadt auf der einen Seite 2,5 Millionen Euro für Investitionen bringt, zieht ihr auf der anderen aber das Geld wieder aus der Tasche, erläuterte die kommende Kassenverwalterin des Odenwaldkreises. Denn die Prognosen kündigten 2018 noch eine Steigerung der Schlüsselzuweisungen um 160.000 Euro an, stattdessen gingen sie um 120.000 Euro zurück. Ein Minus von 280.000 Euro, „weil dem Topf Mittel für die Hessenkasse entnommen wurden“.

Diese fehlenden Mittel, zusammen mit einem riesigen Investitionsbedarf, lassen den Haushalt schwächeln. Während er – optimistisch geplant, wie Bartmann „warnte“ – in diesem Jahr gerade noch die Kurve kriegt, sind in 2020 etwa 200.000 Euro aus der Grundsteuer-Erhöhung um 65 Prozentpunkte (A: 415, B: 430 v.H.) mit eingeplant, um ihn ins Plus zu hieven. Wobei Bürgermeister Kehrer nicht müde wurde zu betonen, dass die Kassenlage nichts mit der Fusion zu tun habe. Im Gegenteil: Ohne die sähe es noch viel düsterer aus, weil dann zusätzliche Mittel fehlten.

Einen Doppelhaushalt bezeichnete der Rathauschef als „nicht zufriedenstellend“. Er sei jedoch den rechtlichen Vorgaben geschuldet, denn nur auf diese Weise bleibe man handlungsfähig. Kehrer wies darauf hin, dass die Fusion „der Not geschuldet war“. Die vier früheren Kommunen „waren nur noch bedingt in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen“. Viele Projekte befanden sich in der Warteschleife.

„Wir haben schon vieles erreicht“, betonte der Bürgermeister, was aber auf den ersten Blick nicht sichtbar sei. „Andere beneiden uns darum“, wies er auf die allgemein schlechte Situation der hessischen Kommunen hin. Er wandte sich gegen die Kritiker, „die über das nicht Erreichte klagen, jedoch das schon Geschaffene nicht sehen“. Kehrer warb darum, sich der Zukunft von Oberzent zuzuwenden. „Wir arbeiten täglich daran, die Stadt stabil aufzustellen, um Zuzug zu generieren.“

„Um das zu schultern, was in der Warteschleife ist“, muss die Stadt Kredite aufnehmen. Wohl ist Kehrer dabei nicht, „denn irgendwann endet die Niedrigzinsphase“. Mit Blick auf die geplante Grundsteuererhöhung legte der Bürgermeister dar, dass 96 Prozent der Oberzent-Haushalt maximal 100 Euro im Jahr mehr zahlen werden. „Wir haben in der Verwaltung viel gerechnet“, betonte er, aber man komme nicht um die Anhebung herum. „Das Totsparen muss ein Ende haben“, sagte er. „Wir müssen in die Stadt investieren.“ Kehrer machte deutlich, dass sich die Stadt mit dem neuen Wert ziemlich im hessischen Mittel befindet.

Software-Aktualisierungen in der Verwaltungen, ein alter Fuhrpark beim Bauhof, anstehende Kanalsanierungen, Investitionen in die Freibäder, Erweiterungen im Kindergartenbereich, marode Feuerwehrhäuser, dazu ständig steigende gesetzliche Anforderungen: Der Rathauschef machte deutlich, dass die Liste an Notwendigkeiten, die einen Haufen Geld kosten, sehr lang ist.

Doppelhaushaltsplan 2019/2020

Ordentliches Ergebnis 32.869 Euro/101.479 (2019/2020)

Gesamtbetrag der Erträge 23,5 Millionen/24,2 Millionen Euro

Kredite 3,3 Millionen/2,5 Millionen Euro

Zahlungsmittelüberschuss 69.549/-249.079 Euro

Liquiditäts- (früher Kassen-)Kredite: jeweils 500.000 Euro.

Oberzent-Feuerwehrleuten wird’s in manchen Gerätehäusern nicht warm

Im Feuerwehrbereich brennt es zwar noch nicht, aber es glimmt zumindest kräftig vor sich hin. Oberzent muss sich nicht nur um die Ersatzbeschaffung der in die Jahre gekommenen Fahrzeuge kümmern, sondern auch etliche Altlasten aufarbeiten. Dabei geht es vor allem um die bauliche Substanz der diversen Feuerwehrhäuser, verdeutlichten Bürgermeister Christian Kehrer und Stadtbrandinspektor Marco Johe auf der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Unter-Sensbacher Gemeindezentrum.

Kehrer ging zuerst auf die Situation vor Ort ein. Ober- sei quasi mit Unter-Sensbach „fusioniert“. Ein Fahrzeug steht noch im oberen Gerätehaus, dessen Zustand aber die Prüfer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließ, erläuterte er. Der Bürgermeister erklärte auch die in Hessen geltende zehnminütige Hilfsfrist. Auf der Karte betrachtet, lägen die einzelnen Gerätehäuser zwar dicht beieinander, aber die Hügellandschaft, verbunden mit vielen Kurven, macht die Anfahrt länger.

Es existieren Ausnahmegebiete wie Gebhardshütte oder Raubach, wo die Oberzent-Brandschützer mit den angrenzenden Einsatzabteilungen von Bullau und Schönmattenwag zusammenarbeiten. Anhand einer genauen Aufgliederung wird bestimmt, welche Fahrzeuge in welchem Ort bereitgehalten werden sollen und wer anhand des Alarmierungscodes ausrückt. Bewährt hat sich die Ausstattung der Stadtteilwehren mit Tanklöschfahrzeugen und Wassertank.

Marco Johe erläuterte die Ergebnisse der Begehung vom vergangenen September, an dem neben dem technischen Prüfdienst auch ein Mitarbeiter der Unfallkasse teilnahm. „Es ergab sich ein gewisser Bedarf“, übte er sich in Understatement. Den will der Stadtbrandinspektor jetzt mit den möglichen Zuschüssen abgleichen. Natürlich – und das sei auch den Prüfern bewusst – „kann nicht alles von heute auf morgen erledigt werden“.

Am Beispiel Airlenbach machte er deutlich, dass zuerst eine Vergrößerung des Stellplatzes geschehen muss, ehe dann der Ersatz für das 29 Jahre alte Fahrzeug kommt. Denn der 6,5-Tonner ist nicht nur drei Tonnen schwerer als das bisherige Geschoss, sondern auch höher und passt damit nicht mehr in die bisherige Garage.

In der Regel gibt es laut Johe einen Zuschuss von 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Nur: „Das reicht heute bei weitem nicht mehr aus.“ Er machte das an einem Beispiel aus Beerfelden fest: Wenn 250.000 Euro förderfähig sind, aber das Fahrzeug insgesamt 350.000 Euro kostet, bleibt eine große Summe zusätzlich an der Stadt hängen. 560 Euro kostet die Ausstattung eines Brandschützers, ergänzte Johe. Ist er Atemschutzgeräteträger, kommen noch einmal 660 Euro hinzu.

Der Feuerwehrchef machte sich in seinem Alarmplan auch Gedanken über die Ausrückstärke. Während die in Beerfelden und Rothenberg auch tagsüber noch ziemlich gut ist, sieht es in den kleinen Orten ganz anders aus. Etwa in Hesselbach, wo niemand zur Verfügung steht. Zwischen 6 und 18 Uhr „rückt in der Regel deshalb die nächstgrößere Abteilung mit aus“, erläuterte er. Man müsse gegensteuern, „wo es nur geht“, damit weiterhin genügend Feuerwehrleute tagsüber verfügbar sind.

Im 170-Seiten-Prüfbericht geht es auch um fehlende E-Checks (die müssen alle vier Jahre gemacht werden) und teilweise unbeheizte Feuerwehrgerätehäuser wie in Kailbach. „Die stehen ganz oben auf der To-do-Liste“, so Johe. Außerdem ist die Umkleide manchmal noch im selben Raum wie das Fahrzeug untergebracht (auch Kailbach). In Hesselbach ist der Stellplatz zu klein, in Falken-Gesäß das Dach sanierungsbedürftig und, und, und…

Handlungsbedarf gibt es ebenfalls bei den Atemschutzwerkstätten und Beerfelden und Rothenberg. Dieses Thema will der Stadtbrandinspektor umfassen angehen und klären, inwieweit es Sinn macht, eine in eigener Regie weiter zu betreiben, eventuell dann als Dienstleister für andere Kommunen aufzutreten oder – wie dies bereits im ehemaligen Hesseneck und Sensbachtal geschieht – diese Arbeiten nach außen zu vergeben. Das würde, berechnete er, etwa 55.000 Euro im Jahr für ganz Oberzent kosten.

 

Oberzent-Feuerwehr in Zahlen

  • 15 Stadtteilwehren, 16 Standorte (Unter- und Ober-Sensbach bilden eine gemeinsame Einsatzabteilung, haben aber jeweils noch ein Feuerwehrhaus) bei 19 Statteilen und 165 Quadratkilometer Fläche
  • 204 Einsätze im Jahr 2018, davon Beerfelden 107 (weil die dortige Wehr wegen ihrer Tageseinsatzstärke in der Regel immer mitalarmiert wird)
  • 450 Mitglieder in der Einsatzabteilung, davon Beerfelden 68, Rothenberg 53
  • Drei Kindergruppen mit 36 Unter-Zehnjährigen
  • 15 Jugendfeuerwehren mit 145 Angehören
  • 169 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung
  • 54 Mitglieder in zwei Musikzügen (Schöllenbach und Beerfelden)

Sensbachtaler Ortsbeirat ist sauer über die Straßensperrung zwischen Reußenkreuz und Bullau

Die Sperrung der Verbindungsstraße zwischen Reußenkreuz und Gebhardshütte, die in ihrem weiteren Verlauf nach Bullau führt, sorgt für gehörige Verstimmung zwischen dem Ortsbeirat und der Stadtspitze. Auf der Ortsbeiratssitzung wurde die Frustration darüber deutlich, nicht in die entsprechende Entscheidung miteingebunden worden zu sein. Gleichzeitig machten die Mandatsträger deutlich, dass sie die Schließung der Straße für den allgemeinen Verkehr nicht hinnehmen wollen.

„Wir hatten das Thema der Ortsverbindungsstraße bereits Ende Oktober zum Thema“, betonte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. „Der Ortsbeirat legt Wert darauf, dass die Sperrung umgehend rückgängig gemacht wird und der Weg wieder öffentlich befahrbar ist“, heißt es im damaligen Protokoll, das auch an die Stadt ging. Außerdem bittet das Gremium dringendst darum, „über solche Dinge künftig im Voraus informiert zu werden“.

Erst nach mehrmaligen Nachfragen, so Kuhlmann, gab es am 11. Januar von der Stadt eine Stellungnahme. Darin ist zu lesen, dass es sich „bei der Straßensperrung um eine Maßnahme der Verwaltung und der Straßenverkehrsbehörde handelt“. Eine Beteiligung des Ortsbeirates sei hierfür nicht erforderlich und die Information darüber wünschenswert, „übersteigt aber unsere personellen Möglichkeiten“.

„Wir sind natürlich ganz anderer Meinung“, unterstreicht Kuhlmann etwas sarkastisch. „Der Schriftverkehr mit der Stadtverwaltung strotzt nicht gerade vor Bürgernähe.“ Im Vorfeld der Fusion sei aber gerade diese propagiert worden. Gerade bei einer Neugründung wie Oberzent „können Mandatsträger oder Verwaltungsmitarbeiter nicht über historisch begründete Dinge informiert sein“, zeigt er Verständnis. Aber die Widmung, Entwidmung oder Sperrung „einer seit Menschengedenken frei befahrbaren Ortsverbindungsstraße“ sei eine wichtige Angelegenheit, so dass seines Erachtens „der Ortsbeirat unbedingt hätte gehört werden müssen“.

Als „kontraproduktiv“ mit Blick auf den Tourismus wertet der Ortsvorsteher die Schließung. Gerade am Reußenkreuz sei man auf Auswärtige angewiesen. Dazu kämen noch die vielfältigen Verbindungen aus Schöllenbach und Ober-Sensbach nach Bullau. Nicht zuletzt empfindet er es seltsam, dass der Weiler Gebhardshütte nicht über eine öffentliche Straße von Oberzent aus zu erreichen sei. Statt fünf Minuten vom Reußenkreuz nach Bullau gilt es nun 22 Kilometer über Erbach zu fahren.

Bürgermeister Christian Kehrer wies eingangs der umfangreichen Redebeiträge darauf hin, dass es sich hier seiner Meinung nach gerade nicht um eine Ortsverbindungsstraße, sondern lediglich um einen Waldweg handle. Ein Jagdpächter habe sich bei ihm über ständig zunehmenden Kraftfahrzeugverkehr beschwert. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes habe die Angaben vor Ort überprüft. Einspurig, nicht geteert, gefährlich: Die Stadt wolle nicht die Verkehrssicherungspflicht dafür übernehmen.

Daraufhin habe der Bürgermeister in seiner Eigenschaft als Straßenverkehrsbehörde die Sperrung angeordnet. Bei berechtigtem Interesse werde die Stadt jederzeit kostenlose Ausnahmegenehmigungen für Oberzent-Bürger ausstellen, sagte Kehrer. Kuhlmann hielt ihm entgegen, dass der Weg zwischen Finkenbach und Rothenberg ebenfalls nur einspurig und kurvig sei. Aber geteert, so Kehrers Replik.

An der sehr emotionalen Diskussion beteiligten sich neben den Mitgliedern des Ortsbeirates auch Besucher. Die Redebeiträge zeigten, dass man mit dieser Entscheidung keinesfalls einverstanden ist. Kehrer seinerseits, so der Eindruck der Mandatsträger, will daran nicht rütteln. Wolle man im ehemaligen Hesseneck und Sensbachtal eine andere Lösung, so sollten die dortigen Ortsbeiräte eine Initiative über die Stadtverordneten-Versammlung starten. „Es will ja keiner eine Autobahn“, betont Kuhlmann. Aber: „Wir wollen eine öffentliche Straße.“ Vielleicht lasse sich diese auch mit dem Hinweis „Befahren auf eigene Gefahr“ erreichen. In den Orten überlegt man sich weitere Schritte, um eine Wiederöffnung zu erreichen.

Das Gebiet zwischen Schöllenbach und Bullau einschließlich Reußenkreuz und Krähberg war früher gemeindefreies Gebiet „Forst Bullau“. Eigentümer war das Grafenhaus Erbach-Fürstenau. Bei Auflösung der gemeindefreien Gebiete in Hessen ab 1967 war die Gemeinde Ober-Sensbach sehr daran interessiert, dass die beiden Weiler zu Ober-Sensbach kommen. Voraussetzung war allerdings, dass die im Besitz des Grafenhauses befindlichen Wege in Gemeindeeigentum überführt werden. Ober-Sensbach und später Sensbachtal als Rechtsnachfolger kaufte die Wegeflächen vom Reußenkreuz bis zur Landwehr und zur Gemarkungsgrenze Richtung Hohberg in einer Breite von sieben Metern und übernahm damit die Unterhaltung und die Verkehrssicherungspflicht. Im Gegenzug musste das Grafenhaus rückwirkend ab 1967 Grundsteuer bezahlen.

Die verschiedenen Forderungen wurden gegeneinander aufgerechnet und ein Zahlungsplan erstellt. Die letzten Raten wurden nach Erinnerung des ehemaligen Bürgermeisters Manfred Heiss 1990 gezahlt. Genaueres sei aus der Akte 020-0501 der ehemaligen Gemeinde Sensbachtal zu entnehmen, die aber vermutlich bei der Verwaltung im Umlauf ist, mutmaßt er. Die Gemeinde Ober-Sensbach hat „damals nicht viele tausend Mark ausgegeben“, um damit eine nicht öffentlich nutzbare Straße zu kaufen, diese auch noch zu unterhalten „und sie jetzt von Oberzent schließen zu lassen“. Den Kauf müsse man auch im Kontext zur Verkehrssituation zwischen Bullau und der heutigen Stadt Oberzent sehen, so Heiss.

Ex-Hesseneck: Oberzent-Fusion wird positiv gesehen

„Wir können uns nicht beschweren“, meinte Ortsvorsteher Martin Pollak schmunzelnd. Er sieht fürs ehemalige Hesseneck die Oberzent-Fusion positiv. Das hat seinen Worten zufolge auch damit zu tun, „dass die Straßensanierung bei uns nicht das beherrschende Thema ist“. Durch die Kanalsanierung vor einigen Jahren „ist die Infrastruktur in einem guten Zustand“, sagte er. Gab es mal Reparaturen zu erledigen, war der Bauhof schnell zur Stelle. Das kam bei den Bürgern gut an, wurde auf der Sitzung des Ortsbeirats deutlich.

Nach dem Hochwasser Ende April 2018, das im Ort größere Schäden verursachte, „reagierte das Bauamt postwendend“, lobte er. Innerhalb von zwei Wochen seien „schnell und unbürokratisch“ die nötigsten Reparaturen vorgenommen worden, wo es mit eigenen Kräften möglich war. Was aktuell an Straßen noch sanierungsbedürftig ist, wurde auf Anforderung an die Verwaltung gemeldet.

Pollak nennt hier den Kailbacher Bahndamm. Die 300 Meter von der Durchfahrtsstraße hoch zum Haltepunkt waren schon in der Flurbereinigung für 2016 als Maßnahme drin und sollen nun im kommenden Jahr angegangenen werden. Denn erst wurde auf der Landesstraße die Stützmauer (mit Verzögerung) saniert, danach musste dringend die Euterbachbrücke angegangen werden.

Die To-do-Liste aus dem vergangenen Jahr ist laut Pollak größtenteils abgearbeitet. In ihr ging es unter anderem um die Partnerschaft mit Weißenborn, die nun der Ortsbeirat im Sinne der früheren Gemeinde Hesseneck aufrechterhält. Im Oktober 2018 gab es den Besuch einer Delegation aus der kleinsten Gemeinde des Werra-Meißner-Kreises, mit der der Odenwald-Ort seit 35 Jahren gute Beziehungen unterhält. Zu diesem Anlass wurde offiziell ein neues Straßenschild enthüllt, denn im Zuge der Oberzent-Fusion erhielt die „Kirchbrunnenstraße“ den Namen „Weißenbörner Weg“.

Der Ortsbeirat beschäftigte sich auch mit teilanonymen Grabfeldern auf den Friedhöfen. Da dies in allen Stadtteilen Thema ist, wird derzeit für ganz Oberzent eine Planung erstellt, erläuterte Pollak. Er informierte weiter über einen TÜV-Besuch auf dem Spielplatz und den Hesselbacher Jugendraum, der als Schulungsraum an die Feuerwehr gehen soll. Die Übungsstunden des Gesangvereins laufen wieder regelmäßig, weil die defekte Heizung im betreffenden Raum nach dem Jahreswechsel schnell ausgetauscht wurde, freute er sich.

Wenn’s nach dem Ortsbeirat geht, soll die frühere Kailbacher Schulglocke bald auf dem Friedhof erklingen. Pollak sagte, dass das ehemalige Schulgebäude zuerst an die Kirche und von der dann an einen Privatmann verkauft worden sei. Bis vor 15 Jahren sei das Geläut noch als Totenglocke in Betrieb gewesen. Der jetzige Eigentümer ließ sie dann abbauen, das Gremium regte nun den Bau eines Glockenturms auf dem Friedhofsgebäude an. An den Magistrat richtete sich der Wunsch, wegen einer dementsprechenden Planung an den Bauhof zu gehen.

Seit Beginn des vergangenen Jahres kümmert sich eine ehrenamtliche IKEK-Gruppe um die Reaktivierung des Eutersees. Es liefen bereits verschiedene Arbeitseinsätze. Wie der Ortsvorsteher erläuterte, gab es von der Stadt inzwischen die Zusage, im nördlichen Bereich den Grund auszubaggern, damit mit den dortigen Sandablagerungen eine Liegefläche in der Nähe der Hütte entstehen kann.

Am Eutersee: Warten auf die Genehmigung zum Ausbaggern

In dem einen Jahr seit dem Start der Arbeiten am Eutersee hat sich schon einiges getan, freut sich Projektlotsin Anneli Hieronymus. Im Rahmen der IKEK-Förderung wurde für das Projekt „Entwicklung der Anlage am Eutersee“ eine Zusage erteilt, was Anfang 2018 zum Start der ehrenamtlichen Tätigkeiten an diesem Naherholungsziel führte. Im Moment sind sie aber etwas ins Stocken geraten, weil eine Genehmigung des Regierungspräsidiums (RP) zur Ausbaggerung am Zulauf fehlt.

Vergangenen Februar liefen in Absprache mit der Naturschutzbehörde die Gehölzschnitte, erläutert Hieronymus. Im Juni gab es eine Mähaktion. Höhepunkt war der Freiwilligentag Mitte September. Es wurde gemäht und zurückgeschnitten, was das Zeug hielt. Mit 20 Freiwilligen „ein voller Erfolg“, betont sie. Im Schnitt kommen zwischen zehn und zwölf Helfer zu den Aktionen, erläutert die Schöllenbacherin. Meistens sind diese im Alter von 60 aufwärts, weswegen sie sich mehr Engagement von Jüngeren wünscht. „Die nutzen den See doch auch als Ausflugsziel“, meint sie schmunzelnd – und könnten deshalb mal mit anpacken.

Für die Ausbaggerung gibt es bereits die Zusage auf Kostenübernahme durch die Stadt, sagt die Projektlotsin. Man warte nun aber auf die Freigabe durch das RP, weswegen derzeit „alles auf Eis liegt“. Dabei wäre der Zeitpunkt optimal. Nach dem Schaden an der Fischtreppe durch das Hochwasser im vergangenen April wurden ein bis zwei Meter Wasser abgelassen, um diese reparieren zu können. Somit beste Bedingungen zum Baggern.

Denn der Eutersee verlandet am nördlichen Einlauf immer mehr. Es wäre jedoch viel zu teuer, die dort entstandene Insel abzutragen. Stattdessen soll lieber im Umfeld abgelagerter Sand ausgebaggert und aufgeschüttet werden. Damit könnte eine begehbare Sandspielinsel für Kinder entstehen. Die Vorarbeiten leisteten die Helfer bereits im vergangenen Jahr, als sie dort die wild gewucherten Sträucher entfernten.

Die Ehrenamtlichen wollen aktuell abwarten, bis die RP-Genehmigung vorliegt. Sollte dies zeitnah erfolgen, „können wir bis Ende Februar noch einmal die Gehölze zurückschneiden“, erläutert Hieronymus. Im Sommer wäre dann eine erneute Mähaktion drin. Sie wünscht sich, dass das freiwillige Engagement auch von Behördenseite dadurch honoriert wird, dass diese für einen zeitigen Fortgang durch entsprechende Genehmigungen sorgt.

Weiterhin gibt es die Überlegung, ob sich auf dem Gelände zusätzliche Ruhebänke aufstellen lassen. Mit dem Naturpark ist man wegen der Erneuerung des Grillplatzes an der Schutzhütte in Kontakt. Ein Mitarbeiter war im Herbst vor Ort. „Leider haben wir seitdem nichts mehr gehört“, bedauert sie. Sollte sich nichts tun, „müssen wir eben im Februar oder März den Leuten nochmal auf die Füße treten“, kündigt die Projektlotsin an.

Früher war von der „Adria des Odenwalds“ die Rede, wenn die Sprache auf den Eutersee kam. Da zählten die Schöllenbacher an einem Tag schon mal 3000 Besucher. Das war aber in den 70er Jahren, der Marbachstausee damals noch nicht gebaut. Auch in späteren Zeiten war das Gewässer, wildromantisch im Tal von Schöllenbach aufwärts Richtung Bullau gelegen, Ziel vieler Ausflügler aus der gesamten Region.

Idyllisch murmelt der Euterbach ins Tal hinunter, eine Holzbrücke führt übers gurgelnde Gewässer, der See gewinnt nur langsam an Tiefe, auf einem unbefestigten Weg lässt er sich gemütlich umrunden: beste Bedingungen, um hier ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen. Das genossen schon vor 30 oder 40 Jahren Ausflügler aus dem hohen (badischen) Odenwald mitsamt den Hessen. Doch die Natur hat sich in der Zwischenzeit das Gelände wieder zurückgeholt.

Der Eutersee, 1971 als Hochwasserrückhaltebecken gebaut, liegt nordöstlich von Badisch- und Hessisch-Schöllenbach. Mit seinem Ostteil gehört er zu Baden-Württemberg. Nur ein paar Meter weiter nördlich ist die bayrische Grenze. Der Stausee hat knapp einen Hektar Fläche. Er wird in Nord-Süd-Richtung vom namengebenden Euterbach durchflossen, der sich im Dorf mit dem Schöllenbach zum Itterbach vereint. Der wird talwärts Itter genannt und mündet bei Eberbach in den Neckar.

Info: Interessierte und Förderer können sich bei Anneli Hieronymus unter Telefon 06276/554 oder E-Mail anneli.hieronymus@web.de melden.