Sensbachtaler Ortsbeirat ist sauer über die Straßensperrung zwischen Reußenkreuz und Bullau

Die Sperrung der Verbindungsstraße zwischen Reußenkreuz und Gebhardshütte, die in ihrem weiteren Verlauf nach Bullau führt, sorgt für gehörige Verstimmung zwischen dem Ortsbeirat und der Stadtspitze. Auf der Ortsbeiratssitzung wurde die Frustration darüber deutlich, nicht in die entsprechende Entscheidung miteingebunden worden zu sein. Gleichzeitig machten die Mandatsträger deutlich, dass sie die Schließung der Straße für den allgemeinen Verkehr nicht hinnehmen wollen.

„Wir hatten das Thema der Ortsverbindungsstraße bereits Ende Oktober zum Thema“, betonte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. „Der Ortsbeirat legt Wert darauf, dass die Sperrung umgehend rückgängig gemacht wird und der Weg wieder öffentlich befahrbar ist“, heißt es im damaligen Protokoll, das auch an die Stadt ging. Außerdem bittet das Gremium dringendst darum, „über solche Dinge künftig im Voraus informiert zu werden“.

Erst nach mehrmaligen Nachfragen, so Kuhlmann, gab es am 11. Januar von der Stadt eine Stellungnahme. Darin ist zu lesen, dass es sich „bei der Straßensperrung um eine Maßnahme der Verwaltung und der Straßenverkehrsbehörde handelt“. Eine Beteiligung des Ortsbeirates sei hierfür nicht erforderlich und die Information darüber wünschenswert, „übersteigt aber unsere personellen Möglichkeiten“.

„Wir sind natürlich ganz anderer Meinung“, unterstreicht Kuhlmann etwas sarkastisch. „Der Schriftverkehr mit der Stadtverwaltung strotzt nicht gerade vor Bürgernähe.“ Im Vorfeld der Fusion sei aber gerade diese propagiert worden. Gerade bei einer Neugründung wie Oberzent „können Mandatsträger oder Verwaltungsmitarbeiter nicht über historisch begründete Dinge informiert sein“, zeigt er Verständnis. Aber die Widmung, Entwidmung oder Sperrung „einer seit Menschengedenken frei befahrbaren Ortsverbindungsstraße“ sei eine wichtige Angelegenheit, so dass seines Erachtens „der Ortsbeirat unbedingt hätte gehört werden müssen“.

Als „kontraproduktiv“ mit Blick auf den Tourismus wertet der Ortsvorsteher die Schließung. Gerade am Reußenkreuz sei man auf Auswärtige angewiesen. Dazu kämen noch die vielfältigen Verbindungen aus Schöllenbach und Ober-Sensbach nach Bullau. Nicht zuletzt empfindet er es seltsam, dass der Weiler Gebhardshütte nicht über eine öffentliche Straße von Oberzent aus zu erreichen sei. Statt fünf Minuten vom Reußenkreuz nach Bullau gilt es nun 22 Kilometer über Erbach zu fahren.

Bürgermeister Christian Kehrer wies eingangs der umfangreichen Redebeiträge darauf hin, dass es sich hier seiner Meinung nach gerade nicht um eine Ortsverbindungsstraße, sondern lediglich um einen Waldweg handle. Ein Jagdpächter habe sich bei ihm über ständig zunehmenden Kraftfahrzeugverkehr beschwert. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes habe die Angaben vor Ort überprüft. Einspurig, nicht geteert, gefährlich: Die Stadt wolle nicht die Verkehrssicherungspflicht dafür übernehmen.

Daraufhin habe der Bürgermeister in seiner Eigenschaft als Straßenverkehrsbehörde die Sperrung angeordnet. Bei berechtigtem Interesse werde die Stadt jederzeit kostenlose Ausnahmegenehmigungen für Oberzent-Bürger ausstellen, sagte Kehrer. Kuhlmann hielt ihm entgegen, dass der Weg zwischen Finkenbach und Rothenberg ebenfalls nur einspurig und kurvig sei. Aber geteert, so Kehrers Replik.

An der sehr emotionalen Diskussion beteiligten sich neben den Mitgliedern des Ortsbeirates auch Besucher. Die Redebeiträge zeigten, dass man mit dieser Entscheidung keinesfalls einverstanden ist. Kehrer seinerseits, so der Eindruck der Mandatsträger, will daran nicht rütteln. Wolle man im ehemaligen Hesseneck und Sensbachtal eine andere Lösung, so sollten die dortigen Ortsbeiräte eine Initiative über die Stadtverordneten-Versammlung starten. „Es will ja keiner eine Autobahn“, betont Kuhlmann. Aber: „Wir wollen eine öffentliche Straße.“ Vielleicht lasse sich diese auch mit dem Hinweis „Befahren auf eigene Gefahr“ erreichen. In den Orten überlegt man sich weitere Schritte, um eine Wiederöffnung zu erreichen.

Das Gebiet zwischen Schöllenbach und Bullau einschließlich Reußenkreuz und Krähberg war früher gemeindefreies Gebiet „Forst Bullau“. Eigentümer war das Grafenhaus Erbach-Fürstenau. Bei Auflösung der gemeindefreien Gebiete in Hessen ab 1967 war die Gemeinde Ober-Sensbach sehr daran interessiert, dass die beiden Weiler zu Ober-Sensbach kommen. Voraussetzung war allerdings, dass die im Besitz des Grafenhauses befindlichen Wege in Gemeindeeigentum überführt werden. Ober-Sensbach und später Sensbachtal als Rechtsnachfolger kaufte die Wegeflächen vom Reußenkreuz bis zur Landwehr und zur Gemarkungsgrenze Richtung Hohberg in einer Breite von sieben Metern und übernahm damit die Unterhaltung und die Verkehrssicherungspflicht. Im Gegenzug musste das Grafenhaus rückwirkend ab 1967 Grundsteuer bezahlen.

Die verschiedenen Forderungen wurden gegeneinander aufgerechnet und ein Zahlungsplan erstellt. Die letzten Raten wurden nach Erinnerung des ehemaligen Bürgermeisters Manfred Heiss 1990 gezahlt. Genaueres sei aus der Akte 020-0501 der ehemaligen Gemeinde Sensbachtal zu entnehmen, die aber vermutlich bei der Verwaltung im Umlauf ist, mutmaßt er. Die Gemeinde Ober-Sensbach hat „damals nicht viele tausend Mark ausgegeben“, um damit eine nicht öffentlich nutzbare Straße zu kaufen, diese auch noch zu unterhalten „und sie jetzt von Oberzent schließen zu lassen“. Den Kauf müsse man auch im Kontext zur Verkehrssituation zwischen Bullau und der heutigen Stadt Oberzent sehen, so Heiss.

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Ex-Hesseneck: Oberzent-Fusion wird positiv gesehen

„Wir können uns nicht beschweren“, meinte Ortsvorsteher Martin Pollak schmunzelnd. Er sieht fürs ehemalige Hesseneck die Oberzent-Fusion positiv. Das hat seinen Worten zufolge auch damit zu tun, „dass die Straßensanierung bei uns nicht das beherrschende Thema ist“. Durch die Kanalsanierung vor einigen Jahren „ist die Infrastruktur in einem guten Zustand“, sagte er. Gab es mal Reparaturen zu erledigen, war der Bauhof schnell zur Stelle. Das kam bei den Bürgern gut an, wurde auf der Sitzung des Ortsbeirats deutlich.

Nach dem Hochwasser Ende April 2018, das im Ort größere Schäden verursachte, „reagierte das Bauamt postwendend“, lobte er. Innerhalb von zwei Wochen seien „schnell und unbürokratisch“ die nötigsten Reparaturen vorgenommen worden, wo es mit eigenen Kräften möglich war. Was aktuell an Straßen noch sanierungsbedürftig ist, wurde auf Anforderung an die Verwaltung gemeldet.

Pollak nennt hier den Kailbacher Bahndamm. Die 300 Meter von der Durchfahrtsstraße hoch zum Haltepunkt waren schon in der Flurbereinigung für 2016 als Maßnahme drin und sollen nun im kommenden Jahr angegangenen werden. Denn erst wurde auf der Landesstraße die Stützmauer (mit Verzögerung) saniert, danach musste dringend die Euterbachbrücke angegangen werden.

Die To-do-Liste aus dem vergangenen Jahr ist laut Pollak größtenteils abgearbeitet. In ihr ging es unter anderem um die Partnerschaft mit Weißenborn, die nun der Ortsbeirat im Sinne der früheren Gemeinde Hesseneck aufrechterhält. Im Oktober 2018 gab es den Besuch einer Delegation aus der kleinsten Gemeinde des Werra-Meißner-Kreises, mit der der Odenwald-Ort seit 35 Jahren gute Beziehungen unterhält. Zu diesem Anlass wurde offiziell ein neues Straßenschild enthüllt, denn im Zuge der Oberzent-Fusion erhielt die „Kirchbrunnenstraße“ den Namen „Weißenbörner Weg“.

Der Ortsbeirat beschäftigte sich auch mit teilanonymen Grabfeldern auf den Friedhöfen. Da dies in allen Stadtteilen Thema ist, wird derzeit für ganz Oberzent eine Planung erstellt, erläuterte Pollak. Er informierte weiter über einen TÜV-Besuch auf dem Spielplatz und den Hesselbacher Jugendraum, der als Schulungsraum an die Feuerwehr gehen soll. Die Übungsstunden des Gesangvereins laufen wieder regelmäßig, weil die defekte Heizung im betreffenden Raum nach dem Jahreswechsel schnell ausgetauscht wurde, freute er sich.

Wenn’s nach dem Ortsbeirat geht, soll die frühere Kailbacher Schulglocke bald auf dem Friedhof erklingen. Pollak sagte, dass das ehemalige Schulgebäude zuerst an die Kirche und von der dann an einen Privatmann verkauft worden sei. Bis vor 15 Jahren sei das Geläut noch als Totenglocke in Betrieb gewesen. Der jetzige Eigentümer ließ sie dann abbauen, das Gremium regte nun den Bau eines Glockenturms auf dem Friedhofsgebäude an. An den Magistrat richtete sich der Wunsch, wegen einer dementsprechenden Planung an den Bauhof zu gehen.

Seit Beginn des vergangenen Jahres kümmert sich eine ehrenamtliche IKEK-Gruppe um die Reaktivierung des Eutersees. Es liefen bereits verschiedene Arbeitseinsätze. Wie der Ortsvorsteher erläuterte, gab es von der Stadt inzwischen die Zusage, im nördlichen Bereich den Grund auszubaggern, damit mit den dortigen Sandablagerungen eine Liegefläche in der Nähe der Hütte entstehen kann.

Am Eutersee: Warten auf die Genehmigung zum Ausbaggern

In dem einen Jahr seit dem Start der Arbeiten am Eutersee hat sich schon einiges getan, freut sich Projektlotsin Anneli Hieronymus. Im Rahmen der IKEK-Förderung wurde für das Projekt „Entwicklung der Anlage am Eutersee“ eine Zusage erteilt, was Anfang 2018 zum Start der ehrenamtlichen Tätigkeiten an diesem Naherholungsziel führte. Im Moment sind sie aber etwas ins Stocken geraten, weil eine Genehmigung des Regierungspräsidiums (RP) zur Ausbaggerung am Zulauf fehlt.

Vergangenen Februar liefen in Absprache mit der Naturschutzbehörde die Gehölzschnitte, erläutert Hieronymus. Im Juni gab es eine Mähaktion. Höhepunkt war der Freiwilligentag Mitte September. Es wurde gemäht und zurückgeschnitten, was das Zeug hielt. Mit 20 Freiwilligen „ein voller Erfolg“, betont sie. Im Schnitt kommen zwischen zehn und zwölf Helfer zu den Aktionen, erläutert die Schöllenbacherin. Meistens sind diese im Alter von 60 aufwärts, weswegen sie sich mehr Engagement von Jüngeren wünscht. „Die nutzen den See doch auch als Ausflugsziel“, meint sie schmunzelnd – und könnten deshalb mal mit anpacken.

Für die Ausbaggerung gibt es bereits die Zusage auf Kostenübernahme durch die Stadt, sagt die Projektlotsin. Man warte nun aber auf die Freigabe durch das RP, weswegen derzeit „alles auf Eis liegt“. Dabei wäre der Zeitpunkt optimal. Nach dem Schaden an der Fischtreppe durch das Hochwasser im vergangenen April wurden ein bis zwei Meter Wasser abgelassen, um diese reparieren zu können. Somit beste Bedingungen zum Baggern.

Denn der Eutersee verlandet am nördlichen Einlauf immer mehr. Es wäre jedoch viel zu teuer, die dort entstandene Insel abzutragen. Stattdessen soll lieber im Umfeld abgelagerter Sand ausgebaggert und aufgeschüttet werden. Damit könnte eine begehbare Sandspielinsel für Kinder entstehen. Die Vorarbeiten leisteten die Helfer bereits im vergangenen Jahr, als sie dort die wild gewucherten Sträucher entfernten.

Die Ehrenamtlichen wollen aktuell abwarten, bis die RP-Genehmigung vorliegt. Sollte dies zeitnah erfolgen, „können wir bis Ende Februar noch einmal die Gehölze zurückschneiden“, erläutert Hieronymus. Im Sommer wäre dann eine erneute Mähaktion drin. Sie wünscht sich, dass das freiwillige Engagement auch von Behördenseite dadurch honoriert wird, dass diese für einen zeitigen Fortgang durch entsprechende Genehmigungen sorgt.

Weiterhin gibt es die Überlegung, ob sich auf dem Gelände zusätzliche Ruhebänke aufstellen lassen. Mit dem Naturpark ist man wegen der Erneuerung des Grillplatzes an der Schutzhütte in Kontakt. Ein Mitarbeiter war im Herbst vor Ort. „Leider haben wir seitdem nichts mehr gehört“, bedauert sie. Sollte sich nichts tun, „müssen wir eben im Februar oder März den Leuten nochmal auf die Füße treten“, kündigt die Projektlotsin an.

Früher war von der „Adria des Odenwalds“ die Rede, wenn die Sprache auf den Eutersee kam. Da zählten die Schöllenbacher an einem Tag schon mal 3000 Besucher. Das war aber in den 70er Jahren, der Marbachstausee damals noch nicht gebaut. Auch in späteren Zeiten war das Gewässer, wildromantisch im Tal von Schöllenbach aufwärts Richtung Bullau gelegen, Ziel vieler Ausflügler aus der gesamten Region.

Idyllisch murmelt der Euterbach ins Tal hinunter, eine Holzbrücke führt übers gurgelnde Gewässer, der See gewinnt nur langsam an Tiefe, auf einem unbefestigten Weg lässt er sich gemütlich umrunden: beste Bedingungen, um hier ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen. Das genossen schon vor 30 oder 40 Jahren Ausflügler aus dem hohen (badischen) Odenwald mitsamt den Hessen. Doch die Natur hat sich in der Zwischenzeit das Gelände wieder zurückgeholt.

Der Eutersee, 1971 als Hochwasserrückhaltebecken gebaut, liegt nordöstlich von Badisch- und Hessisch-Schöllenbach. Mit seinem Ostteil gehört er zu Baden-Württemberg. Nur ein paar Meter weiter nördlich ist die bayrische Grenze. Der Stausee hat knapp einen Hektar Fläche. Er wird in Nord-Süd-Richtung vom namengebenden Euterbach durchflossen, der sich im Dorf mit dem Schöllenbach zum Itterbach vereint. Der wird talwärts Itter genannt und mündet bei Eberbach in den Neckar.

Info: Interessierte und Förderer können sich bei Anneli Hieronymus unter Telefon 06276/554 oder E-Mail anneli.hieronymus@web.de melden.

Widerstand gegen Sperrung der Straße vom Reußenkreuz nach Bullau

Dem Ortsbeirat im ehemaligen Hesseneck brennt eine Sache besonders auf den Nägeln: die Sperrung der Verbindungsstraße zwischen dem Reußenkreuz über Gebhardshütte nach Bullau. Man weiß sich in dieser Sache mit Sensbachtal in einem Boot, wo dies ebenfalls schon angesprochen wurde, so Ortsvorsteher Martin Pollak. Die SPD-Fraktion in der Stadtverordneten-Versammlung thematisierte die Schließung in Form einer Anfrage an den Magistrat der Stadt Oberzent.

Auf der vergangenen Sitzung des Ortsbeirats brachten die Mandatsträger ihren Unmut zum Ausdruck. Pollak steht mit Bullaus Ortsvorsteherin Inge Maleikat-Kredel in Kontakt, von der weiß, dass man im Erbacher Stadtteil ebenfalls nicht glücklich mit dieser Maßnahme ist. Die Ursachenforschung über das Wieso und Warum der Sperrung ist derzeit noch nicht abgeschlossen.

„Die Straße hat für uns eine große Bedeutung“, wies Pollak auf die historische Verbindung von Schöllenbach und Bullau durch die gemeinsame Kirchengemeinde hin. Darüber hinaus gibt es familiäre Bande und einen regen kulturellen Austausch. „Wir nehmen das nicht hin, dass die bisher öffentliche Strecke geschlossen bleiben soll“, betonte er. Der Umweg über Erbach ist fast vier Mal soweit – 22 statt sechs Kilometer.

Pollak äußerte sein Unverständnis darüber, dass der Verbindungsweg nur noch für den land- und forstwirtschaftlichen Verkehr offen sein soll. Auch aus touristischen Gründen sollte die Strecke befahrbar bleiben, forderte er. „Wir wollen uns doch vermarkten“, hob der Ortsvorsteher hervor. Deshalb sei es ungünstig, eine solch wichtige Straße zu schließen. Auch aus dem Sensbachtal, zu dem Reußenkreuz gehört, gibt es Widerstand.

Von Schöllenbach gibt es Pollak zufolge zwar einen öffentlichen Weg durch den Eutergrund nach Bullau. Auf hessischer Seite wurde er im Rahmen der Flurbereinigung saniert, aber jenseits der bayrischen Grenze ist er auf einem Kilometer in so schlechtem Zustand, dass er kaum befahrbar ist. „Da haben wir leider keinen Zugriff“, bedauerte er. Auf jeden Fall will der Ortsbeirat hinterher sein „und Druck machen“, damit die Direktverbindung aus den beiden Tälern wieder geöffnet wird.

„Auch älteren Mitbürgern ist es nicht bekannt, dass der Weg so eingeschränkt genutzt werden durfte“, schreibt die SPD-Fraktion in ihrer Anfrage. Zumal die frühere Gemeinde Sensbachtal den Straßenabschnitt auch unterhalten habe. Fraktionsvorsitzender Thomas Ihrig weist daneben auf die dort befindlichen Schilder zwecks saisonaler Sperrung der Krähbergstrecke für Motorradfahrer hin, die auf anderen land- und fortwirtschaftlichen Strecken fehlt.

Die Sozialdemokraten wollen deshalb wissen, auf wessen Veranlassung hin die neue Beschilderung angebracht wurde. Auch soll eruiert werden, in welchem Umfang der Weg bisher für die Öffentlichkeit nutzbar war. Ebenfalls möchte man erfahren, ob es bereits Kontrollen gab und was eine Ausnahmegenehmigung kostet.

Die Frage wird weiter von der SPD aufgeworfen, ob eine Beschränkung des Verbindungswegs auf Anliegerverkehr nicht sinnvoller sei als eine Komplettsperrung – gerade mit Blick auf die Erreichbarkeit von Gebhardshütte aus dem restlichen Stadtgebiet. Dagegen wendet sich wiederum Ortsvorsteher Pollak, der auf die teilweise innerörtliche, teilweise auch touristische Bedeutung der Strecke hinweist und sich deshalb für eine generelle Öffnung ausspricht.

Die Einwohner von Bullau und auch die Gebhardshüttler brauchen für die Nutzung der Verbindung eine Sondergenehmigung vom Landratsamt, weiß der im Weiler ansässige Oberzent-Stadtverordnete Thomas Väth. „Ich habe sie kostenpflichtig erworben, früher gab‘s die umsonst“, sagt er. Sie bezieht sich seines Wissens auf den asphaltierten Weg. Das nicht asphaltierte Teilstück vom Krähberg zum Reußenkreuz wird vorwiegend von Holzlastern benutzt. „Dessen Status kenne ich nicht“, erläutert er.

Einige Bullauer argumentierten, dass es eine normale, öffentliche Straße sei, hat Väth erfahren. Die neue, seit einiger Zeit geltende Beschilderung (nur Forst und Landwirtschaft) sei somit nach deren Ansicht nicht rechtens. Beide Wege werden laut Väth vom Winterdienst geräumt. Teilweise von Erbacher, teilweise von Oberzenter Seite her. Die Grenze der öffentlichen, für alle befahrbaren Straße ende bei der Auffahrt zur Pension Baus in Gebhardshütte.

Gewaltiger Nachholbedarf bei der Instandhaltung

Nach der Fusion „schwimmen wir nicht in Geld“, macht Bürgermeister Christian Kehrer deutlich. Denn in den vergangenen Jahren blieb in den vier vorherigen Kommunen eben wegen Geldmangel so viel liegen, dass jetzt gewaltiger Nachholbedarf besteht. Der Erhalt und die Ertüchtigung der Infrastruktur stehen dabei im Fokus. In Beerfelden muss etwa das Bürgerhaus saniert worden, in Falken-Gesäß wird das „Käffchen“ im Dorfgemeinschaftshaus über IKEK-Mittel angegangen.

Kehrers Ziel ist es, für jedes städtische Gebäude eine Bewertung zu erstellen, in welchem Zustand es ist, ob es und wenn ja wann (energetisch) saniert werden muss. Denn im Jahr gibt die Stadt allein 420.000 Euro für Strom aus, für Gas und Heizöl noch einmal 100.000 Euro. Ganz zu schweigen von den Instandhaltungskosten in Höhe von 600.000 Euro. Allerdings müsse auch geschaut werden, was „realistisch machbar ist“. Eine dringende Baustelle ist unter anderem die Hetzbacher Sporthalle. „Da muss unbedingt die alte Heizung ausgetauscht werden.“

Auch auf den vielen Friedhöfe in den einzelnen Stadtteilen stehen Umbaumaßnahmen an. Hier geht unter anderem um Urnengrabfelder. In den drei Schwimmbädern läuft derzeit eine Analyse, um an Mittel aus dem Landesprogramm „Swim“ ranzukommen, sagte Kehrer. Pumpen, Filteranlagen und Becken sind meist in die Jahre gekommen. „Wir wollen die Bäder zukunftsfähig machen“, betonte der Bürgermeister.

Ein großer Brocken sind ebenfalls Gemeindezentrum und Sporthalle in Unter-Sensbach. Letztere ist noch auf dem Stand des Baus vor 50 Jahren. Elektrik, Sanitär und Dämmung müssen angegangen werden. Etwa ein Drittel der Gesamtsumme von 450.000 Euro kommt über KIP-Mittel rein, der Rest bleibt an der Stadt hängen.

Dafür und für andere anstehende Dinge will mit die knapp drei Millionen Euro aus der Hessenkasse verwenden. Zehn Prozent davon muss die Stadt aus eigener Tasche dazulegen. Dazu kommt noch „viel Kleinkram“, wie der Rathauschef verdeutlicht. So fehlt dem Bauhof ein Pkw, weshalb die Mitarbeiter „mit dem Unimog auf einen Termin fahren müssen“, weil das andere Fahrzeug gerade belegt ist.

Ein anderes Thema ist eine zentrale Schließanlage für alle städtischen Gebäude. „Die Putzfrau hat einen monströsen Schlüsselbund dabei“, breitet Kehrer die Arme weit aus. Im Schlüsselschrank seines Büros hängen über 50 Haken voll mit jeweils mehreren Schlüsseln. „Da blickt keiner mehr durch“, betont er. Für ihn gilt dabei aber: „Erst einmal die kleinen notwendigen Dinge erledigen, bevor man an Großes denkt.“

Eine Erfolgsgeschichte ist die Stadtbücherei, für die man nun größere Räume sucht. „Die platzt aus allen Nähten“, so Kehrer. Einmal in der Woche von Ehrenamtlichen betreut, stoßen die 4000 Medien aus allen möglichen Sparten auf viel Nachfrage. Jedes Jahr kommen ein paar neue Bücher dazu. Gesucht wird ein Platz in der Innenstadt. Dafür steht die Stadt mit der Oreg in Kontakt, um freie Räume aufzutun.

Oberzent will sich daneben besser nach außen präsentieren, erläutert der Bürgermeister. Da geht es um neue Broschüren über die Sehenswürdigkeiten, die Fertigstellung der Homepage, neue Stadtpläne oder Neubürgerbroschüren. Außerdem soll für jeden Stadtteil eine einheitliche Beschilderung her. Friedhöfe, öffentliche Gebäude, touristische Punkte, Gaststätten, Pensionen stellt sich Kehrer darauf vor.

Info: Die Stadtbücherei Oberzent im Erdgeschoss des Bürgerhauses Beerfelden ist immer donnerstags von 16 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Sturm und Käfer lassen Nadelholz-Preise purzeln

Wohl dem Waldbesitzer, der viel Laubholz in seinen Beständen hat. Dafür sind derzeit noch gute Preise zu erzielen. Beim Nadelholz sieht es eher duster aus. Sturmtief „Friederike“ und der Borkenkäfer setzten vor allem der Fichte stark zu und ließen die Preise purzeln. Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, und sein Stellvertreter Sebastian Vocilka skizzierten die aktuelle Marktlage auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG). Diese umfasst die angegliederten Gemeinden des Forstamts Beerfelden, also auch Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach.

Der südliche Odenwald wurde im Januar von Friederike einigermaßen verschont, erläuterte Forstamtsdirektor Sasse. Im Bereich des Forstamts Beerfelden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen. Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern.

Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Allein in Hessen seien eine Million Festmeter betroffen. Bisher wurden im Forstamtsbereich Beerfelden bereits 40.000 fm weggeschafft, wobei er fürs komplette Jahr mit 60.000 rechnet. Betroffen ist vor allem die Fichte – die im Odenwald vorherrschende Baumart, mit der das meiste Geld verdient wird.

Das Problem beim Borkenkäfer: Er ist kein einjähriges Phänomen. „Das dauert mehrere Jahre, bis er wieder verschwunden ist“, so der Forstamtschef. Nach dem Jahrhundertsommer 2003 plagte der Buchdrucker den heimischen Wald bis 2007. Sasse geht davon aus, dass somit in den kommenden Jahren immer um die 60.000 fm Schadholz anfallen, das auf dem Markt den Preis drückt.

Wie stark, machte Sebastian Vocilka deutlich. Vor einem Jahr erzielt das Forstamt noch 92/93 Euro für den Festmeter Fichte. Aber: „Ab dem 18. Januar ging es abwärts.“ An diesem Tag zog Friederike über Deutschland. Käferholz lässt sich derzeit für 45 bis 50 Euro verkaufen, „Tendenz fallend“. Beim Nadel-Frischholz, das allerdings wenig nachgefragt wird „sind wir von den früheren Preisen weit entfernt“, sagte er.

Er empfahl deshalb den Waldbesitzern, erst einmal das Schadholz aufzuarbeiten und den Rest stehen zu lassen. „Es kommen wieder bessere Zeiten“, so der Forstamts-Mitarbeiter. Zwar betreffen die Schäden vor allem die Fichte, „aber der Kieferpreis wurde mit runtergezogen“, bedauerte Vocilka. Lediglich die Douglasie „bringt ordentlich Geld“. Hier sind die Preise mit 100 Euro/fm stabil.

Mit Laubholz wie Buche, sonst oft das Stiefkind, „kann man derzeit viel Geld verdienen“, erläuterte er. Preise für Eichenholz „schießen durch die Decke“. Vocilka empfahl deshalb, wenn möglich diese Baumarten einzuschlagen, frisches Nadelholz stehen zu lassen und erst einmal das vom Borkenkäfer befallene zu verwenden. Kollegin Gudrun Kranhold ergänzte, dass im vergangenen Jahr im Privatwald sowieso weniger als zuvor eingeschlagen worden sei.

In ihrem Geschäftsbericht für 2017 sprach sie von einem Mitglieder- und Flächenzuwachs bei der FBG. Im vergangenen Jahr wurde auf knapp 900 Hektar gekalkt. Der Kassenstand ist laut Kranhold weiterhin ansehnlich im Plus. Sie betonte, dass die Kassengeschäfte wie bisher weitergeführt werden können, da die fusionierte Stadt Oberzent in den Vertrag von Beerfelden eintrat, wo dies zuvor Hans Mader erledigte. Der übernimmt auch weiterhin die Kasse. Die Geschäftsführung der FBG bleibt in den Händen des Forstamts Beerfelden.

Da der bisherige Vorsitzende Gottfried Görig, vormals Bürgermeister in Beerfelden, nicht mehr kandidierte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ralf Kredel (Etzean), bisher Stellvertreter, übernimmt den Posten. Ihm zur Seite steht nun Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer als neuer Stellvertreter.

Ehrung für die „vier Weisen aus Oberzent“

Er ist der einzige, der bereits vor der aktuellen Fusion einen Grenzänderungsvertrag vor sich hatte: Jürgen Thanel aus Kailbach wurde auf der Stadtverordnetenversammlung in der Alten Turnhalle für 50 Jahre kommunalpolitische Tätigkeit geehrt. Als Beigeordneter seines Heimatortes war er ab 1968 in die Fusionsverhandlungen mit Hesselbach und Schöllenbach involviert. Zusammen mit Thanel wurden viele weitere Ehrenamtliche für ihr langjähriges Wirken (teilweise mit Ehrenbezeichnungen) gewürdigt. Daneben erhielten die vier ehemaligen Bürgermeister der fusionierten Gemeinden Auszeichnungen.

Warum engagiert man sich als 25-Jähriger Ende der 60er Jahre für seine Kommune? „Ich wollte zum Wohl der Gemeinschaft mitgestalten“, sagt Jürgen Thanel. Auch wenn das im Lauf der Zeit nicht immer leicht war, blieb er am Ball. Da er auch von Berufs wegen Verantwortung trug, fiel es ihm leichter, mit Anfeindungen umzugehen. „Ich habe das ganz gut weggesteckt und verarbeitet.“ Es gab immer mal Momente, in denen er zweifelte, „aber bei der nächsten Wahl habe ich mich doch wieder aufstellen lassen“, lächelt er.

Ab 1972 war Thanel bis 2018 mit zwei Unterbrechungen Gemeindevertreter, ab 1983 auch Mitglied im Ortsbeirat. Schon 2016 wurde er zum Ehrengemeindevertreter ernannt. Für den Kailbacher war es ein besonderes Ereignis, als Hessenecker Mandatsträger noch einmal an einem Grenzänderungsvertrag mitwirken zu dürfen. Mit der Wahl der neuen Stadtverordneten-Versammlung ging er nun in den „Ruhestand“.

Rothenbergs ehemaligem Bürgermeister Hans Heinz Keursten wird es garantiert nicht langweilig als Polit-Rentner. „Viel Gartenarbeit“ lacht er auf die Frage, wie er jetzt seine Zeit verbringt. Das 3400 qm große Grundstück will gepflegt werden. Außerdem war er im Sommer als Badeaufsicht im Schwimmbad aktiv und ist Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins.

Keursten rechnet damit, in der kalten Jahreszeit außerdem in den heimischen Haushalt eingeführt zu werden, schmunzelt er. Außerdem ist er ja noch als Finkenbacher Ortsvorsteher aktiv. Ganz in der Nähe seines ehemaligen Arbeitsplatzes im Dachgeschoss des Rothenberger Rathauses wird Keursten im Winter weiter werkeln: „Ich baue das Archiv der Gemeinde auf“, erläutert der 66-Jährige. Da wurde in den vergangenen 25 oder 30 Jahren nichts gemacht.

In der von Vorsteher Claus Weyrauch geleiteten Stadtverordneten-Sitzung wurden die Mandatsträger geehrt, die mit den Wahlen Ende April aus ihrem Ehrenamt ausschieden. 41 davon waren 20 Jahre oder weniger in den Gremien aktiv. Wer mindestens zwei Jahrzehnte tätig war, dem wurde eine Ehrenbezeichnung verliehen. Weyrauch zollte den Lebensleistungen aller Gewürdigten Anerkennung und Respekt. „Eine Ehrung für 50 Jahre sieht die Satzung gar nicht mehr vor“, meinte er an Thanel gewandt. Dessen Wirken wurde mit langanhaltendem Applaus gewürdigt.

Claus Weyrauch ging kurz auf die von den vier vorherigen Bürgermeistern vorangetriebene Fusion ein. Deren Früchte ließen sich auch aus dem aktuellen Haushaltsplan herauslesen. Auch wenn der nur einen Überschuss von 120.000 Euro aufweise, „ist die Million geflossen“, meinte er mit Blick auf die finanziellen Vorteile durch den Zusammenschluss. So gebe die neue Stadt mit 1,7 Millionen in diesem Jahr 800.000 Euro mehr für Instandhaltung aus als zuvor die vier eigenständigen Orte. Auch die Investitionen seien stark auf 4,5 Millionen Euro angestiegen.

Der Stadtverordnetenvorsteher bezeichnete die vier ehemaligen Rathauschefs als „schlaue Männer“, die wussten, dass sie die anstehenden Aufgaben einzeln nicht stemmen können. Das vorausschauende Handeln der „vier Weisen aus Oberzent“ gelte es deshalb zu ehren. Bei Gottfried Görig reichte die Dienstzeit zwar nicht für eine Ehrenbezeichnung aus, da er viele Jahre als Beamter in Diensten Beerfeldens stand. Weyrauch hatte aber eine besondere Ernennungsurkunde als „Altbürgermeister der Herzen“. Grußworte sprachen Landrat Frank Matiaske und der Vorsitzende der Bürgermeister-Kreisversammlung, der Lützelbacher Uwe Olt.

Ehrenbezeichnungen

Ehren-Stadtbrandinspektor Bernd Ihrig (Beerfelden), Ehren-Gemeindebrandinspektor Uwe Volk (Sensbachtal) und Torsten Laqua (Hesseneck), Ehrenwehrführer Stefan Emmerich (Schöllenbach)

Ehrenvorsitzender der Stadtverordneten-Versammlung Hans-Jürgen Löw, Ehrenstadtverordnete Erwin Körber, Volker Daum, Andreas Krauch, Ehrenortsvorsteher Gerd Schäfer, Ehrenmitglied des Ortsbeirats Werner Riesinger (alle Beerfelden), Ehrenbeigeordnete Marianne Haas, Manfred Siefert (beide Hesseneck), Helmut Sturm (Rothenberg), Ehrenvorsitzender der Gemeindevertretung Rudolf Brandel (Hesseneck), Ehrengemeindevertreter Thomas Wilcke (Rothenberg)

Ehrenbürgermeister Thomas Ihrig (Hesseneck), Hans Heinz Keursten (Rothenberg), Egon Scheuermann (Sensbachtal)