Gewaltiger Nachholbedarf bei der Instandhaltung

Nach der Fusion „schwimmen wir nicht in Geld“, macht Bürgermeister Christian Kehrer deutlich. Denn in den vergangenen Jahren blieb in den vier vorherigen Kommunen eben wegen Geldmangel so viel liegen, dass jetzt gewaltiger Nachholbedarf besteht. Der Erhalt und die Ertüchtigung der Infrastruktur stehen dabei im Fokus. In Beerfelden muss etwa das Bürgerhaus saniert worden, in Falken-Gesäß wird das „Käffchen“ im Dorfgemeinschaftshaus über IKEK-Mittel angegangen.

Kehrers Ziel ist es, für jedes städtische Gebäude eine Bewertung zu erstellen, in welchem Zustand es ist, ob es und wenn ja wann (energetisch) saniert werden muss. Denn im Jahr gibt die Stadt allein 420.000 Euro für Strom aus, für Gas und Heizöl noch einmal 100.000 Euro. Ganz zu schweigen von den Instandhaltungskosten in Höhe von 600.000 Euro. Allerdings müsse auch geschaut werden, was „realistisch machbar ist“. Eine dringende Baustelle ist unter anderem die Hetzbacher Sporthalle. „Da muss unbedingt die alte Heizung ausgetauscht werden.“

Auch auf den vielen Friedhöfe in den einzelnen Stadtteilen stehen Umbaumaßnahmen an. Hier geht unter anderem um Urnengrabfelder. In den drei Schwimmbädern läuft derzeit eine Analyse, um an Mittel aus dem Landesprogramm „Swim“ ranzukommen, sagte Kehrer. Pumpen, Filteranlagen und Becken sind meist in die Jahre gekommen. „Wir wollen die Bäder zukunftsfähig machen“, betonte der Bürgermeister.

Ein großer Brocken sind ebenfalls Gemeindezentrum und Sporthalle in Unter-Sensbach. Letztere ist noch auf dem Stand des Baus vor 50 Jahren. Elektrik, Sanitär und Dämmung müssen angegangen werden. Etwa ein Drittel der Gesamtsumme von 450.000 Euro kommt über KIP-Mittel rein, der Rest bleibt an der Stadt hängen.

Dafür und für andere anstehende Dinge will mit die knapp drei Millionen Euro aus der Hessenkasse verwenden. Zehn Prozent davon muss die Stadt aus eigener Tasche dazulegen. Dazu kommt noch „viel Kleinkram“, wie der Rathauschef verdeutlicht. So fehlt dem Bauhof ein Pkw, weshalb die Mitarbeiter „mit dem Unimog auf einen Termin fahren müssen“, weil das andere Fahrzeug gerade belegt ist.

Ein anderes Thema ist eine zentrale Schließanlage für alle städtischen Gebäude. „Die Putzfrau hat einen monströsen Schlüsselbund dabei“, breitet Kehrer die Arme weit aus. Im Schlüsselschrank seines Büros hängen über 50 Haken voll mit jeweils mehreren Schlüsseln. „Da blickt keiner mehr durch“, betont er. Für ihn gilt dabei aber: „Erst einmal die kleinen notwendigen Dinge erledigen, bevor man an Großes denkt.“

Eine Erfolgsgeschichte ist die Stadtbücherei, für die man nun größere Räume sucht. „Die platzt aus allen Nähten“, so Kehrer. Einmal in der Woche von Ehrenamtlichen betreut, stoßen die 4000 Medien aus allen möglichen Sparten auf viel Nachfrage. Jedes Jahr kommen ein paar neue Bücher dazu. Gesucht wird ein Platz in der Innenstadt. Dafür steht die Stadt mit der Oreg in Kontakt, um freie Räume aufzutun.

Oberzent will sich daneben besser nach außen präsentieren, erläutert der Bürgermeister. Da geht es um neue Broschüren über die Sehenswürdigkeiten, die Fertigstellung der Homepage, neue Stadtpläne oder Neubürgerbroschüren. Außerdem soll für jeden Stadtteil eine einheitliche Beschilderung her. Friedhöfe, öffentliche Gebäude, touristische Punkte, Gaststätten, Pensionen stellt sich Kehrer darauf vor.

Info: Die Stadtbücherei Oberzent im Erdgeschoss des Bürgerhauses Beerfelden ist immer donnerstags von 16 bis 17.30 Uhr geöffnet.

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Sturm und Käfer lassen Nadelholz-Preise purzeln

Wohl dem Waldbesitzer, der viel Laubholz in seinen Beständen hat. Dafür sind derzeit noch gute Preise zu erzielen. Beim Nadelholz sieht es eher duster aus. Sturmtief „Friederike“ und der Borkenkäfer setzten vor allem der Fichte stark zu und ließen die Preise purzeln. Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, und sein Stellvertreter Sebastian Vocilka skizzierten die aktuelle Marktlage auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG). Diese umfasst die angegliederten Gemeinden des Forstamts Beerfelden, also auch Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach.

Der südliche Odenwald wurde im Januar von Friederike einigermaßen verschont, erläuterte Forstamtsdirektor Sasse. Im Bereich des Forstamts Beerfelden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen. Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern.

Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Allein in Hessen seien eine Million Festmeter betroffen. Bisher wurden im Forstamtsbereich Beerfelden bereits 40.000 fm weggeschafft, wobei er fürs komplette Jahr mit 60.000 rechnet. Betroffen ist vor allem die Fichte – die im Odenwald vorherrschende Baumart, mit der das meiste Geld verdient wird.

Das Problem beim Borkenkäfer: Er ist kein einjähriges Phänomen. „Das dauert mehrere Jahre, bis er wieder verschwunden ist“, so der Forstamtschef. Nach dem Jahrhundertsommer 2003 plagte der Buchdrucker den heimischen Wald bis 2007. Sasse geht davon aus, dass somit in den kommenden Jahren immer um die 60.000 fm Schadholz anfallen, das auf dem Markt den Preis drückt.

Wie stark, machte Sebastian Vocilka deutlich. Vor einem Jahr erzielt das Forstamt noch 92/93 Euro für den Festmeter Fichte. Aber: „Ab dem 18. Januar ging es abwärts.“ An diesem Tag zog Friederike über Deutschland. Käferholz lässt sich derzeit für 45 bis 50 Euro verkaufen, „Tendenz fallend“. Beim Nadel-Frischholz, das allerdings wenig nachgefragt wird „sind wir von den früheren Preisen weit entfernt“, sagte er.

Er empfahl deshalb den Waldbesitzern, erst einmal das Schadholz aufzuarbeiten und den Rest stehen zu lassen. „Es kommen wieder bessere Zeiten“, so der Forstamts-Mitarbeiter. Zwar betreffen die Schäden vor allem die Fichte, „aber der Kieferpreis wurde mit runtergezogen“, bedauerte Vocilka. Lediglich die Douglasie „bringt ordentlich Geld“. Hier sind die Preise mit 100 Euro/fm stabil.

Mit Laubholz wie Buche, sonst oft das Stiefkind, „kann man derzeit viel Geld verdienen“, erläuterte er. Preise für Eichenholz „schießen durch die Decke“. Vocilka empfahl deshalb, wenn möglich diese Baumarten einzuschlagen, frisches Nadelholz stehen zu lassen und erst einmal das vom Borkenkäfer befallene zu verwenden. Kollegin Gudrun Kranhold ergänzte, dass im vergangenen Jahr im Privatwald sowieso weniger als zuvor eingeschlagen worden sei.

In ihrem Geschäftsbericht für 2017 sprach sie von einem Mitglieder- und Flächenzuwachs bei der FBG. Im vergangenen Jahr wurde auf knapp 900 Hektar gekalkt. Der Kassenstand ist laut Kranhold weiterhin ansehnlich im Plus. Sie betonte, dass die Kassengeschäfte wie bisher weitergeführt werden können, da die fusionierte Stadt Oberzent in den Vertrag von Beerfelden eintrat, wo dies zuvor Hans Mader erledigte. Der übernimmt auch weiterhin die Kasse. Die Geschäftsführung der FBG bleibt in den Händen des Forstamts Beerfelden.

Da der bisherige Vorsitzende Gottfried Görig, vormals Bürgermeister in Beerfelden, nicht mehr kandidierte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ralf Kredel (Etzean), bisher Stellvertreter, übernimmt den Posten. Ihm zur Seite steht nun Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer als neuer Stellvertreter.

Ehrung für die „vier Weisen aus Oberzent“

Er ist der einzige, der bereits vor der aktuellen Fusion einen Grenzänderungsvertrag vor sich hatte: Jürgen Thanel aus Kailbach wurde auf der Stadtverordnetenversammlung in der Alten Turnhalle für 50 Jahre kommunalpolitische Tätigkeit geehrt. Als Beigeordneter seines Heimatortes war er ab 1968 in die Fusionsverhandlungen mit Hesselbach und Schöllenbach involviert. Zusammen mit Thanel wurden viele weitere Ehrenamtliche für ihr langjähriges Wirken (teilweise mit Ehrenbezeichnungen) gewürdigt. Daneben erhielten die vier ehemaligen Bürgermeister der fusionierten Gemeinden Auszeichnungen.

Warum engagiert man sich als 25-Jähriger Ende der 60er Jahre für seine Kommune? „Ich wollte zum Wohl der Gemeinschaft mitgestalten“, sagt Jürgen Thanel. Auch wenn das im Lauf der Zeit nicht immer leicht war, blieb er am Ball. Da er auch von Berufs wegen Verantwortung trug, fiel es ihm leichter, mit Anfeindungen umzugehen. „Ich habe das ganz gut weggesteckt und verarbeitet.“ Es gab immer mal Momente, in denen er zweifelte, „aber bei der nächsten Wahl habe ich mich doch wieder aufstellen lassen“, lächelt er.

Ab 1972 war Thanel bis 2018 mit zwei Unterbrechungen Gemeindevertreter, ab 1983 auch Mitglied im Ortsbeirat. Schon 2016 wurde er zum Ehrengemeindevertreter ernannt. Für den Kailbacher war es ein besonderes Ereignis, als Hessenecker Mandatsträger noch einmal an einem Grenzänderungsvertrag mitwirken zu dürfen. Mit der Wahl der neuen Stadtverordneten-Versammlung ging er nun in den „Ruhestand“.

Rothenbergs ehemaligem Bürgermeister Hans Heinz Keursten wird es garantiert nicht langweilig als Polit-Rentner. „Viel Gartenarbeit“ lacht er auf die Frage, wie er jetzt seine Zeit verbringt. Das 3400 qm große Grundstück will gepflegt werden. Außerdem war er im Sommer als Badeaufsicht im Schwimmbad aktiv und ist Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins.

Keursten rechnet damit, in der kalten Jahreszeit außerdem in den heimischen Haushalt eingeführt zu werden, schmunzelt er. Außerdem ist er ja noch als Finkenbacher Ortsvorsteher aktiv. Ganz in der Nähe seines ehemaligen Arbeitsplatzes im Dachgeschoss des Rothenberger Rathauses wird Keursten im Winter weiter werkeln: „Ich baue das Archiv der Gemeinde auf“, erläutert der 66-Jährige. Da wurde in den vergangenen 25 oder 30 Jahren nichts gemacht.

In der von Vorsteher Claus Weyrauch geleiteten Stadtverordneten-Sitzung wurden die Mandatsträger geehrt, die mit den Wahlen Ende April aus ihrem Ehrenamt ausschieden. 41 davon waren 20 Jahre oder weniger in den Gremien aktiv. Wer mindestens zwei Jahrzehnte tätig war, dem wurde eine Ehrenbezeichnung verliehen. Weyrauch zollte den Lebensleistungen aller Gewürdigten Anerkennung und Respekt. „Eine Ehrung für 50 Jahre sieht die Satzung gar nicht mehr vor“, meinte er an Thanel gewandt. Dessen Wirken wurde mit langanhaltendem Applaus gewürdigt.

Claus Weyrauch ging kurz auf die von den vier vorherigen Bürgermeistern vorangetriebene Fusion ein. Deren Früchte ließen sich auch aus dem aktuellen Haushaltsplan herauslesen. Auch wenn der nur einen Überschuss von 120.000 Euro aufweise, „ist die Million geflossen“, meinte er mit Blick auf die finanziellen Vorteile durch den Zusammenschluss. So gebe die neue Stadt mit 1,7 Millionen in diesem Jahr 800.000 Euro mehr für Instandhaltung aus als zuvor die vier eigenständigen Orte. Auch die Investitionen seien stark auf 4,5 Millionen Euro angestiegen.

Der Stadtverordnetenvorsteher bezeichnete die vier ehemaligen Rathauschefs als „schlaue Männer“, die wussten, dass sie die anstehenden Aufgaben einzeln nicht stemmen können. Das vorausschauende Handeln der „vier Weisen aus Oberzent“ gelte es deshalb zu ehren. Bei Gottfried Görig reichte die Dienstzeit zwar nicht für eine Ehrenbezeichnung aus, da er viele Jahre als Beamter in Diensten Beerfeldens stand. Weyrauch hatte aber eine besondere Ernennungsurkunde als „Altbürgermeister der Herzen“. Grußworte sprachen Landrat Frank Matiaske und der Vorsitzende der Bürgermeister-Kreisversammlung, der Lützelbacher Uwe Olt.

Ehrenbezeichnungen

Ehren-Stadtbrandinspektor Bernd Ihrig (Beerfelden), Ehren-Gemeindebrandinspektor Uwe Volk (Sensbachtal) und Torsten Laqua (Hesseneck), Ehrenwehrführer Stefan Emmerich (Schöllenbach)

Ehrenvorsitzender der Stadtverordneten-Versammlung Hans-Jürgen Löw, Ehrenstadtverordnete Erwin Körber, Volker Daum, Andreas Krauch, Ehrenortsvorsteher Gerd Schäfer, Ehrenmitglied des Ortsbeirats Werner Riesinger (alle Beerfelden), Ehrenbeigeordnete Marianne Haas, Manfred Siefert (beide Hesseneck), Helmut Sturm (Rothenberg), Ehrenvorsitzender der Gemeindevertretung Rudolf Brandel (Hesseneck), Ehrengemeindevertreter Thomas Wilcke (Rothenberg)

Ehrenbürgermeister Thomas Ihrig (Hesseneck), Hans Heinz Keursten (Rothenberg), Egon Scheuermann (Sensbachtal)

Nach der Wanderung zum Eutersee ein Liedchen auf den Lippen

Durch die herrliche Odenwald-Landschaft wandern und dabei ein fröhliches Liedchen auf den Lippen: Das ist schon fast ein Klischee. Aber für die Einheimischen genauso erstrebenswert wie für die Auswärtige. Als erste Aktion seit Gründung hatte jetzt der Oberzent-Verein „GO!“ zu einer solchen Veranstaltung eingeladen. Start der Tour war am Reußenkreuz, Endpunkt der Jugendzeltplatz am Eutersee. Über 20 Teilnehmer bedeuteten eine schöne Resonanz für diesen Auftakt.

„Wir wollen die Anregungen aus der Bevölkerung umsetzen“, betonte der zweite Vorsitzende Michael Hofmann. Nachdem bei der Gründungsversammlung Ideen gesammelt wurden, geht es jetzt darum, „den Worten Taten folgen zu lassen“. Der Verein „möchte Präsenz im öffentlichen Leben zeigen“, sagte er. Für den musikalischen Part hatte man sich Andreas Weinmann von der Musikschule Berg und Justin Ruf ins Boot geholt. Als Vorbereitung auf die spätere Gesangsstunde war unterwegs bereits bei einer kurzen Rast „California Dreaming“ von den Mamas und Papas angestimmt worden.

Am Jugendzeltplatz angekommen, stand nach der zweistündigen Tour zuerst die Stärkung im Vordergrund. Mit zuvor im Euterbach kaltgestellten Getränken sowie Stockwurst und Marshmellows für die Kinder waren schnell wieder die verwanderten Kalorien ersetzt. Am Feuer konnte daneben die eine oder andere neue Bekanntschaft geknüpft werden, denn die Wanderer kamen aus ganz Ober- und sogar Unterzent. Beerfelden, Airlenbach, Hetzbach, Schöllenbach oder Salmshütte lauteten die Herkunftsorte.

„Was liegt im Odenwald näher als rauszugehen“, verdeutlichte Hofmann die Motivation. Mit Andreas Weinmann war er sich schnell über die Unterstützung des Projekts einig. „Einfach die Ruhe in der Natur genießen“, empfand dieser als herrliche Abwechslung zum Alltagstrott. Zwischenzeitlich querten sogar ein paar Rehe den Weg der Wanderer. „Niemand muss musikalisch sein um mitzumachen“, beruhigte Weinmann die Teilnehmer. „Wer nicht singen kann, isst und hört einfach zu“, lachte er.

Damit es noch einfacher wurde, wurden die Texte des Songs ausgeteilt. Weinmann und Ruf übernahmen die erste Stimme, der Rest der Truppe die zweite. Als einfachere Aufgabe durfte, wer wollte, mit dem Refrain starten und sich dann auch an die Strophe wagen. Zur Auflockerung stimmten die beiden Musiker ein paar bekannte Songs an, etwa „Country Roads“, „Lady in Black“ oder „Sweet Child o’mine“. Damit sank die Mitsing-emmschwelle etwas.

Als nächste Aktion plant der Verein – in Absprache mit den Verantwortlichen – einen Besuch des Seniorenwohnheims Cordula I in Kortelshütte. In spe will man alle Häuser in Oberzent abklappern, die sich der Betreuung von älteren Mitmenschen widmen, und dabei mit Heimleitung, Bewohnern und Angehörigen ins Gespräch kommen. „Wir wollen zuhören und schauen, wo wir eventuell unterstützen können“, verdeutlichte Hofmann.

„Schön, dass es euch gibt ihr euch engagiert“: Diese Rückmeldung bekommen die GO!-Verantwortlichen seit Gründung immer wieder. Seit der Gründungsfeier vor einem Monat „zählen wir bereits 40 Mitglieder“, freute sich Hofmann. Damals wurden Arbeitsweise und Projekte vorgestellt. Auf einer Pinnwand wurden Ideen gesammelt. Die etwa 40 zusammengetragenen Anregungen werden nun nach und nach abgearbeitet.

Der zweite Vorsitzende machte deutlich, „dass wir das Rad nicht neu erfinden wollen“. Deshalb wird mit der Stadt und den anderen Vereinen eine gute Zusammenarbeit abgestrebt. „Wir schließen uns kurz und sehen, wo wir vielleicht unterstützen können“, sagte er. GO! betrachte sich als neue Gruppierung, „die man ansprechen kann, wenn Hilfe gebraucht wird“.

Info: Am Samstag, 10. November, liest um 18 Uhr auf Einladung des Vereins Generation Oberzent Prof. Alex Assmann im Rothenberger „Hirsch“ aus seiner Biografie über Gudrun Ensslin.

Oberzent-Schule mit Modellcharakter in Hessen

„Die Gesamtschule hat Modellcharakter für ganz Hessen“, hieß es Anfang 1977 in einer örtlichen Tageszeitung. Da gab es die Oberzent-Schule auf der „Heumatte“ bereits seit fast zehn Jahren, als integrierte Gesamtschule (IGS) existierte sie seit 1970. 924 Schüler aus der gesamten Oberzent besuchten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in 32 Klassen die Lernanstalt. Eine Delegation von Schulamt und Regierungspräsidium besuchte damals die Schule und ließ sich über das Erreichte informieren, denn in der Oberzent entstand 1970 eine der ersten Schulen dieser Art in Hessen.

In Beerfelden waren die Verantwortlichen stolz über ihr Wirken. Ende der 60er Jahre erreichten nur 20 Prozent der Schüler einen mittleren Bildungsabschluss. Mitte der 70er Jahre waren es bereits 56 Prozent. „Der planmäßige Unterricht an der Gesamtschule wird fast zu 100 Prozent erfüllt“, erläuterte der damalige Direktor Karl Lebert. Dazu waren auch alle Stellen besetzt.

Die Idee eines horizontalen Schulsystems, in dem Haupt- und Realschule nebst Gymnasium nebeneinander existieren, hat seine Anfänge Ende der 60er Jahre. Mit ihm wollten die Initiatoren „vom Schulkindergarten bis zum Abitur die Ausbildung systematisch fördern“. Bildung könne nicht allein „auf die Heranzüchtung von Arbeitskräften“ beschränkt bleiben, sondern sollte die Menschen in die Lage versetzen, „ihr eigenes Leben selbstbewusst zu führen“. Deshalb wollte man im Zuge des Aufbruchs durch die 68er-Bewegung weg vom „starren und auf Auslese ausgelegten Prinzip der vertikalen Schularten“.

Der „Antrag auf Zulassung eines Schulversuchs mit integrierter Sekundarstufe ab dem siebten Schuljahr“, erstellt im Juni 1970 und bewilligt im Spätjahr, geht detailliert auf die soziostrukturellen Begebenheiten in der Oberzent ein. Er liefert den argumentativen Hintergrund für die Errichtung der integrierten Gesamtschule ab dem 1. August 1970.

Bezug genommen wird auf die schulische Situation Anfang der 1960er Jahre, als nur 18 Prozent der Grundschul-Kinder auf weiterführende Schulen wechselten, obwohl nach Ansicht der Lehrer 42 Prozent des Jahrgangs geeignet gewesen wären. Diesem Aspekt wurde 1968 durch die Gründung der Mittelpunktschule Rechnung getragen, die eine Hauptschule mit Förderstufe, ein Gymnasium für die Klassen 7 bis 10 und eine Sonderschule umfasste.

Der Beginn des Schuljahrs 1970/71 wurde als beste Gelegenheit gesehen, „die Schulverhältnisse in diesem Raum (Oberzent) so zu verbessern, dass allen Kindern optimale Bildungsverhältnisse angeboten werden können“. Denn im ländlichen Gebiet war für die Initiatoren des Projekts der gesellschaftspolitischen Forderung nach Durchsetzung einer echten Chancengleichheit „in besonders ausgeprägtem Maß“ dringend nachzukommen.

Bezug genommen wird auf die sozioökonomischen und -kulturellen Bedingungen: „Das Gebiet der Oberzent ist wirtschaftlich überwiegend agrarisch geprägt“, heißt es. Kleine und mittlere Industriebetriebe sind nur in Beerfelden vorhanden. Die Anstrengungen zur Verbesserung der Infrastruktur liefen, aber wegen der ungünstigen Verkehrslage und der relativ dünnen Besiedlung „kann für die nächste Zeit nur mit kleinen Fortschritten gerechnet werden“.

Zum Schuljahresbeginn 1968/69 war für die fünften Klassen die Förderstufe eingeführt worden, von 240 Schülern besucht. Im folgenden Schuljahr kamen noch einmal 180 Kinder dazu. „Die Gesichtspunkte der Koedukation, des Zusammenlebens konfessionell verschiedener Gruppen, der sozialen Streuung, der unterschiedlichen Begabung und Leistung „wurden weitgehend beachtet“, so der Antrag. Deshalb hätten die elf Klassen „annähernd gleiche Ausgangschancen“. Das Ziel, alle Kinder zu fördern, „kann als erreicht angesehen werden“, so das positive Fazit.

Der Erfolg des Kernunterrichts in der IGS wird herausgestellt, weil er dabei hilft, die soziale Integration zu verwirklichen. Damit wird die Fähigkeit der Schüler gefördert, in einer Gruppe zu arbeiten, die Kommunikation vorangetrieben und die Akzeptanz der Unterrichtsbeiträge aller gefördert. „Der Kernunterricht wirkt sich positiv auf die soziale Interaktion von Schülern verschiedener sozialer Schichten aus“, so die Erkenntnis. Lediglich zu große Klassen behinderten dieses Ziel (5. Schuljahr 36, 6. Schuljahr 39 Kinder).

Meilensteine in der Entwicklung der Oberzent-Schule

1968 Bau der Schulgebäude und Turnhalle „Auf der Heumatte“

1969 „Schulzentrum Oberzent – Volks- und Realschule Beerfelden“, 5. Klassen kommen aus den umliegenden Volksschulen in die Förderstufe

1970 Integrierte Gesamtschule (IGS)

1971 „Gesamtschule des Landkreises Erbach“, Neubau des Hallenbads

1974 Neubau des C-Baus

1982 Neubau der Pausenhalle, Musikräume, Schülerarbeitsräume (SAR), Lehrerzimmer

1983 Neuer Name „Oberzent-Schule“

2006 Sanierung und Erweiterung alter Gebäude zur Mensa

2009 Bushaltestellen werden neu angelegt, Erweiterung des Lehrerzimmers

2014 Neubau des Hallenbads

Gelungener Brückenschlag in Schöllenbach

Der Brückenschlag von Hessen nach Baden ist mit Hilfe der Flurbereinigung gelungen. Knappe drei Monate war die Euterbachbrücke zwischen Hessisch- und Badisch-Schöllenbach gesperrt, jetzt ist die wieder offiziell für den Verkehr freigegeben. Ihre wichtige Funktion als West-Ost-Verbindung wurde schon bei der Einweihung deutlich, als sie der Pkw-Verkehr eifrig nutzte. Zwei Drittel der notwendigen Mittel wurden im Rahmen der Flurbereinigung durch das Amt für Bodenmanagement (AfB) Heppenheim zur Verfügung gestellt.

Ob badische oder hessische Beteiligte: Alle waren früh darüber, dass die seit 2014 provisorisch gestützte und zwischenzeitlich für den Schwerlastverkehr gesperrte Verbindung jetzt wieder frei befahrbar ist. Ohne die Flurbereinigung wäre es für die beiden beteiligten Städte schwierig geworden, die Gesamtkosten von 260.000 Euro zu stemmen.

Verfahrensleiter Thomas Fabian vom AfB erläuterte, dass die Brückensanierung im 2011 genehmigten Wege- und Gewässerplan zurückgestellt wurde, weil die Erneuerung der benachbarten Friedhofsmauer Priorität hatte. „Die war in einem katastrophalen Zustand“, sagte er. Jedoch „zickte“ 2014 auch die Brücke. Mit Stahlspriesen wurde sie provisorisch befestigt, jedoch bestand Handlungsbedarf. „In Einzelgenehmigungen haben wir das Projekt noch durchgebracht“, beschrieb er den kleinteiligen Weg.

Eigentlich sollte der Beginn der Maßnahme bereits 2017 sein, doch durch die verzögerte Hangsanierung der Verbindungsstraße zwischen Kailbach und Schöllenbach verschob sich der Termin. Somit wurde die Brücke erst Anfang April voll gesperrt, um sie dann in knapp drei Monaten zu erneuern. Das ging so schnell, erläuterte Heiko Stumpf vom Eberbacher Planungsbüro Moray, weil drei Stahlbeton-Fertigbausteile verwendet wurden.

„Die Finanzierung lief für beide Städte recht günstig“, betonte Fabian. In den sechs Vorbesprechungen „haben wir uns locker auf die jeweiligen Sätze geeinigt“. Angesichts der Gesamtkosten nur jeweils mit 40.000 Euro beteiligt zu sein, nannte er „eine schöne Sache für die Kommunen“. Die Planungskosten werden vom AfB getragen.

Stumpf widmete sich der Historie: Demnach gründete die Grenzbrücke auf alten Sandsteinklötzen, die auf Fels errichtet wurden. Die Ertüchtigung 1966 geschah nur bis für eine Last bis zu 18 Tonnen, allerdings seien heutige Lkw viel schwerer. Mit der jetzigen Ausführung „ist die Achslast von 30-Tonnern berücksichtigt“, sagte er.

AfB-Leiter Thomas Knöll wies darauf hin, „dass ohne die Kommunen die Finanzierung nicht möglich wäre“. Die Hälfte der ausgeschütteten Fördermittel komme von der EU, erläuterte er. Landrat-Stellvertreter Franz Löchner freute sich als alter Hesselbacher, dass nun die Verbindungsstraße wieder offen ist. „Früher bin ich hier zum Einkaufen oder zur Bahn oft drübergelaufen“, sagte er. Er wies auf die große Bedeutung des Bauwerks zwischen Hessen und Baden-Württemberg, Oberzent und Eberbach hin.

„Was gibt es Schöneres als Brücken zu schlagen“, meinte Eberbachs Bürgermeister Peter Reichert, der seine Freude über die Erneuerung äußerte. Die Flurbereinigung bietet seinen Worten zufolge gerade „im ländlichen Raum zahlreiche Möglichkeiten“. Er dankte den Anwohnern, „dass sie so lange mit der Baustelle lebten“. Oberzent-Kollege Christian Kehrer sagte trocken, „der Verkehr ist schon da“, als nacheinander ein Schweizer und ein Frankfurter Auto die Brücke querten. „Für uns als Kommune ist es sehr wichtig“, dass die Flurbereinigung „jede Menge Geld in die Hand nimmt“, betonte er.

Hessenecks Ortsvorsteher Martin Pollack, der ebenso wie sein badischer Kollege aus Friedrichsdorf, Harald Friedrich, dabei war, dankte dem früheren Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig für die ständige Baubegleitung auch über das Ende seiner Amtszeit hinaus. Pfarrerin Claudia Borck segnete danach das Bauwerk, ehe es für die Gäste einen Kuchen mit den Wappen beider Städte gab.

 

  • Die Euterbachbrücke verbindet das hessische Oberzent-Schöllenbach mit dem badischen Eberbach-Schöllenbach. Sie liegt zu 90 Prozent auf Oberzent-Gemarkung.
  • Ursprünglich für Pferdefuhrwerke errichtet, erfolgte in den 1960er Jahren eine Ertüchtigung für Autos und Holztransporter.
  • 2014 wurde die marode Brücke mit Stahlpriesen unterstützt und für die Holzabfuhr gesperrt
  • Beginn der Baumaßnahme im Zuge des Flurbereinigungsverfahren Kailbach-Schöllenbach Ende März 2018
  • Fertigstellung der Euterbachbrücke Ende Juni, Bauabnahme 20. August, offizielle Einweihung 21. August
  • Gesamtkosten 260.000 Euro, Bezuschussung durch das Amt für Bodenmanagement in Höhe von 65 Prozent
  • Eigenanteil für die Städte Oberzent und Eberbach 35 Prozent, jeweils etwa 40.000 Euro
  • Für die Erneuerung der Brücke wurde zunächst der alte Überbau komplett abgerissen. Im Anschluss wurden die vorhandenen Widerlager verstärkt, danach der neue Überbau hergestellt. Dieser besteht aus drei Fertigteilen aus Stahlbeton. Mit dem neuen Überbau erfolgte gleichzeitig eine Fahrbahnaufweitung entlang des Euterbaches.

Die Planungen für eine „Bezirksschule Oberzent“ begannen bereits vor 65 Jahren

Viele ehemalige Pennäler werden erstaunt schauen: Seit 50 Jahren gibt es schon ihre ehemalige Schule. „Bin ich wirklich so alt?“, mögen sich viele fragen. Sie sind es. Die Oberzent-Schule auf der „Heumatte“ prägte schon Generationen von Kindern aus der neuen Stadt Oberzent, die früher aus den selbständigen Beerfelden, Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck kamen – und vor der Gebietsreform aus noch mehr Kommunen im südlichen Odenwaldkreis. Fünf Jahrzehnte: Das will gefeiert werden. Am 14. September darf, wer will, den ganzen Tag dafür einplanen.

50 Jahre täuschen aber darüber hinweg, dass die ersten Planungen für eine „Bezirksschule Oberzent“, mit der der Name der fusionierten Stadt lange vor ihrer Gründung vorweggenommen wurde, bereits vor 65 Jahren starteten. Im Jahr 1953/54 werden in alten Zeitungsartikeln erstmals solche Überlegungen genannt. Damals hatte sich die hessische Landesregierung auf die Fahnen geschrieben, die schulischen Verhältnisse auf dem Land „wesentlich zu verbessern“.

1961 kam das Projekt durch das Bestreben des Odenwaldkreises wieder ins Rollen. Der hatte zwei Mittelpunktschulen in Höchst und Sandbach auf den Weg gebracht und wollte nun auch im Bereich Beerfelden eine Bezirksschule für die Oberzent errichten. Bis zum vierten Schuljahr sollten die Kinder möglichst am Wohnort die Grundschule besuchen und dann nach Beerfelden wechseln. Damit der Weg dorthin einfacher wurde, übernahm das Land die Transportkosten. Die Schüler wurden mit dem Omnibus abgeholt und wieder nach Hause gefahren.

Immer wieder ist die Rede davon, dass den Kindern „die Tore für eine bessere Zukunft“ offen stehen sollen, indem sie eine bessere Schulbildung erhalten. Volksschule, Mittelpunktzug und Höhere Schule waren im neuen Schulzentrum angedacht. Zwei Förderklassen ab dem fünften Schuljahr sollten sie in die verschiedenen Schultypen hineinwachsen lassen. „Eine Schule, in der alle Kinder die gleichen Startmöglichkeiten haben, eine Schule aber auch, in der jedes Talent zum Durchbruch kommen kann“, wollten die Gründungsväter, durchdrungen von hehren Idealen, schaffen. Träger sollte der Schulzweckverband „Oberzent“ sein.

Nachdem sich das Gremium mit 14 Gemeinden konstituiert hatte und die Grundstücke mit einer Fläche von 2,2 Hektar zur Verfügung standen, ging es Ende 1964 an den Architektenwettbewerb. Der erste Spatenstich ging dann ziemlich genau 53 Jahre vor dem heutigen Jubiläumsfest, am 16. September 1965, über die Bühne. Der damalige Beerfeldener Bürgermeister Hermann Ackermann nannte diesen „einen historischen Augenblick“.

Von den damaligen Schülerzahlen können heutige Schulleiter nur leise träumen. Rund 800 Kinder aus Beerfelden, Airlenbach, Falken-Gesäß, Gammelsbach, Finkenbach, Güttersbach, Hebstahl, Ober- und Unter-Sensbach, Olfen, Hetzbach, Raubach, Rothenberg und Etzean sollten die Schule besuchen, lautete die Prognose. Für den Realschulzug waren 140 Schüler vorgesehen. Auch beim Raumprogramm gab es andere Dimensionen: Von 17 Normal- und vier Großklassen war die Rede. Dazu kamen noch Räume für die selbstständige Sonderschule.

So viel Gebäude kostet Geld: Die Baukosten wurden auf 5,2 Millionen Mark beziffert, wozu unter anderem das Land 3,8 Millionen und der Kreis 150.000 Mark zusteuerten. 570.000 Mark kostete die Inneneinrichtung, die unter anderem mit einer Landesbeihilfe von 396.000 Mark und einem Kreiszuschuss von 25.000 Mark bestritten wurde.

Die Inbetriebnahme, zuerst für 1967, dann im Februar 1968 vorgesehen, erfolgte schließlich Anfang März 1968. „Aus den 18 Verbandsgemeinden der Oberzent besuchen zur Zeit 690 Schüler diese neue Schule“, hieß es. Erste Schulleiter waren Rektor Heinrich Berger und Studiendirektor Willi Allmann. Anfang Juni gab es eine große Feierstunde. Bei der Einweihung zeigten sich die Beteiligten froh über die „glückliche Lösung“, dass Haupt-, Real- und Sonderschule nebst Gymnasium unter einem Dach die Weiterentwicklung zur Gesamtschule ermöglichten – was dann 1970 erfolgen sollte.

Info: Das Jubiläum 50 Jahre Oberzehnt-Schule wird am Freitag, 14. September, groß gefeiert. Um 13.30 Uhr geht es mit dem Schulfest los. „Oberzent-Schule erleben, Vergangenes entdecken und Neues kennenlernen“, heißt es auf dem Schulgelände bis 15.30 Uhr. Eine akademische Feier schließt sich um 16 Uhr an. Ein Treffen und der Austausch mit alten Weggefährten stehen dann ab 18 Uhr in der Alten Turnhalle Beerfelden an, wenn als Umrahmung Musikalisches aus fünf Jahrzehnten Schule geboten wird.