Vor der Sommerpause soll eine Entscheidung her

Die Kinderbetreuung steht in Oberzent ganz oben auf der Agenda. Erst befasste sich der Sozialausschuss mit dem Thema, jetzt auf SPD-Antrag auch die Stadtverordneten-Versammlung bei ihrer Sitzung in Rothenberg. Und demnächst wird es noch einmal der Ausschuss sein, bevor dann final die Stavo noch im Juli entscheidet. Denn die Zeit brennt allen auf den Nägeln. Nachdem lange (umsonst) auf Fördermittel gewartet worden war, muss die Stadt nun selbst agieren, denn sonst stehen zu viele Kinder „auf der Straße“ und nicht im Garten.

SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Ihrig referierte den „Vor-Corona-Antrag“. Dessen sechs Punkte wurden zwischenzeitlich durch die Verwaltung bereits angegangen. Von anderen Fraktionen kamen zustimmende Signale zu dieser Positionierung. Der Bedarf an Kindergartenplätzen wird konstant sein, sagte Ihrig. Es handelt sich nicht um eine Eintagsfliege.

„Wir dürfen den Zug nicht verpassen“, betonte er. Sonst fehlen demnächst so viele Plätze, dass die Stadt nicht mehr zeitnah reagieren kann. Deshalb ist seinen Worten zufolge die Frage nach Zwischenlösungen wichtig. „Es hilft den Eltern nicht“, hob er hervor, auf die Fördermittel bei großen Vorhaben wie dem Neubau in Rothenberg oder der Erweiterung in Beerfelden zu warten. Bei letzterem Punkt hatte sich der Sozialausschuss bereits für Containerlösungen ausgesprochen.

Ihrig sprach ebenfalls die sehr unterschiedlichen Schließtage der einzelnen Einrichtungen an. Zu Jahresbeginn waren es zwölf Tage, inzwischen sind immer noch acht. Er wünschte sich mehr Einheitlichkeit in Oberzent. Denn letztendlich könnten diese unterschiedlichen Leistungen für Eltern auch ein Grund sein, verschiedene Gebühren zahlen zu wollen. Der SPD-Mann freute sich, „dass der Ausschuss bereits vorgearbeitet hat“.

45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – und es werden nicht weniger. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterungsbau aufgenommen werden müssten.

Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kitas in den Stadtteilen, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen. Auch in Kailbach gibt es zu wenige Plätze, Unter-Sensbach ist durch die zweite Gruppe gut beieinander, in Rothenberg ist vor allem der bauliche Zustand ein Thema.

Von der SPD wurde angeregt, die Einrichtung von Kindergärten in Gammelsbach und Hetzbach zu prüfen, um kürzere Wege zu schaffen. Laut Verwaltung macht dies aber keinen Sinn, da in kleinen Einrichtungen der Personalbedarf höher ist als in größeren. Deshalb sollte so schnell wie möglich eine Erweiterung in Beerfelden her. Über einen Waldkindergarten soll nach dem Wunsch des Sozialausschusses ebenfalls im Juli noch einmal final beraten werden.

Bürgermeister Christian Kehrer verdeutlichte, dass kleinere Kommunen bei der Fördermittelvergabe oftmals ganz hinten stehen. Denn während größere Gemeinden fertige Um- oder Neubaupläne in der Schublade haben oder sie zeitnah erstellen können, hat Oberzent diese Möglichkeiten nicht. Die Folge: Wird eine Förderung nach Windhundprinzip vergeben, geht man leer aus.

Als der Bund vergangenes Jahr 86 Millionen Euro für Kindergartenzwecke bereitstellte, „waren wir noch nicht so weit“, erläuterte er. Die Planungen dauerten noch. Auch von der Aufstockung des Landes profitierte man nicht. Denn: Der wirkliche Bedarf lag bei einer Milliarde Euro. Der Odenwaldkreis, erläuterte Kehrer, habe lediglich die Zusage für eine Million Euro. Die aufgeteilt werden muss.

Hors Kowarsch (Grüne) signalisierte wie seine Kollegen auch seine Unterstützung. Er betonte die Dringlichkeit und wünschte sich einen Beschluss – ob Container oder Neubau –  vor der Sommerpause. Ebenfalls sprach er sich für einen Waldkindergarten aus. Nun ist der Sozialausschuss am Zug.

 

Den Förder-Überblick behalten

Kommunales Investitionsprogramm KIP, Hessenkasse und integriertes kommunales Entwicklungskonzeptes (IKEK): Überall gibt’s Fördergelder für die Kommunen, die aber oftmals an eine Eigenbeteiligung geknüpft sind. Dazu noch andere Zuschusstöpfe, die oftmals nach Windhundprinzip vergeben werden: Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer präsentierte dem Haupt- und Finanzausschuss einen aktuellen Stand. Daneben ging es auch um die geplante Fördermittelstelle beim Landratsamt.

Am weitesten abgearbeitet ist das kommunale Investitionsprogramm. Hiervon steht eigentlich nur noch die Sporthalle in Unter-Sensbach aus, ein Projekt, das von der Bevölkerung sehnlichst erwartet wird. 145.000 Euro weist dieser Posten in zwei Chargen aus. Das „Problem“: Die Stadt muss sich mit über 50.000 Euro auch beteiligen. Geld, das derzeit angesichts der schlechten Haushaltszahlen schwer aufzutreiben ist. Aber die Beratungen über eine mögliche Realisierung laufen.

Die energetische Sanierung der Rothenberger Sporthalle oder des Rathauses Beerfelden, der Austausch der Ölheizungen im Dorfgemeinschaftshaus Olfen oder im Kailbacher Sporthaus sind bereits verwirklichte Projekte. Mittelüberschreitungen bei der einen oder anderen Maßnahme ließen sich durch Einsparungen bei anderen kompensieren. Die Sanierung des Friedhofsweg 19 in Beerfelden wurde erst einmal zurückgestellt.

Die Hessenkasse-Maßnahmen sind erst zu etwa einem Drittel durch. Zwar muss die Stadt immer nur zehn Prozent der Kosten selbst tragen, aber die schiere Masse des Investitionsvolumens von 2,6 Millionen Euro macht daraus doch einen großen Batzen. Die Sanierung der Straße und des Parkplatzes am Sportplatz Airlenbach waren ein größerer Posten. Oder aber das Sporthaus in Hetzbach.

Auf der To-do-Liste steht eine weitere, größere Summe bei der Sanierung der Sensbacher Sporthalle, die über die KIP-Mittel hinausgeht. Der Anbau der Fahrzeughalle am Feuerwehrhaus Airlenbach ist mit 175.000 Euro ebenfalls ein großer Brocken. Und die Erneuerung der Asphaltdecke in der Waldstraße Kortelshütte mit 143.000 Euro ist weiterhin nicht zu verachten.

Beim Thema IKEK gab es unterschiedliche Wahrnehmungen zwischen Bürgermeister und Mandatsträgern. Wie Kehrer erläuterte, wurden nach der Fusion die beiden Gruppen aus Beerfelden und Sensbachtal/Hesseneck zusammengeführt. Diese hätten sich aber bisher nicht auf eine Priorisierung von Maßnahmen einigen können. Diese ist seinen Worten zufolge aber wichtig, „weil die WI-Bank sonst keine Fördermittel ausschüttet“. Er wies darauf, dass die Förderung nur noch bis 2024 läuft. „Es wäre fatal, wenn wir keine kriegen“, so das Stadtoberhaupt.

Ausschussvorsitzender Marcel Gerling (SPD) brach eine Lanze für die Ehrenamtlichen. Die Frustration durch die stetige Änderung der Förderkriterien „ist ziemlich hoch“, sagte er. Er wie auch Achim Schäffler (ÜWO) und Thomas Ihrig (SPD) wiesen darauf hin, dass noch Entscheidungskriterien fehlen. „Es gibt gute Ideen“, die aber noch nicht präzisiert wurden, „weil wir noch Details wissen wollen“, gab Ihrig den Ball zurück. Der Magistrat will sich auch selbst Gedanken machen, welches Projekt an erster Stelle stehen könnte, und der Steuerungsgruppe Vorschläge unterbreiten, so Kehrer.

In diesem Zusammenhang wurde die Einrichtung einer Fördermittelberatungsstelle im Odenwaldkreis positiv aufgenommen und der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung empfohlen. Für ihre Einrichtung als Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit gibt es einen einmaligen Zuschuss über 100.000 Euro vom Land Hessen.

Hintergrund: Aufgrund der hohen Anzahl und Komplexität von immer neuen Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Landesebene haben Verwaltungen zunehmend Probleme, einen Überblick zu behalten, geschweige denn, Förderanträge inklusive Berichtspflichten und weiterer anhängender Aufgaben personell zu stemmen. Das soll nun zentral erfolgen.

Dringender Handlungsbedarf bei Kita-Plätzen

Oberzent braucht dringend neue Kindergartenplätze. In Beerfelden ist die Not am größten, aber auch Kailbach klagt über Platzmangel. Unter-Sensbach steht durch die Eröffnung einer zweiten Gruppe ganz gut da. In Rothenberg geht es vor um die räumliche Situation. Stoff genug also für den Sozial-, Kultur- und Gesundheitsausschuss, der erstmals in eigener Verantwortung tagte. „Wir nehmen als Mandatsträger das Heft in die Hand, damit Bewegung in die Sache kommt“, kündigte der stellvertretende Vorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) an.

Das ewige Warten auf Fördermittel, nur um zu erfahren, „dass sie vergeben oder gestrichen sind“, ist seiner Ansicht nach nicht zielführend, betonte er. Denn wenn danach die Planungen für einen Um- oder Neubau erst einmal wieder ad acta gelegt werden, bleibt das Problem der fehlenden Plätze bestehen oder wird sogar noch größer.

„Es ist ein schweres Dilemma“, formulierte Zucht, dass Fördermittel des Landes anscheinend – wie beim Beispiel Kindergartenneubau Rothenberg – im „Windhundprinzip“ vergeben werden. Er sah dies als eine gravierende Benachteiligung des ländlichen Raumes.

„Um zu Potte zu kommen“, ist ein Agieren unabhängig von Fördermittel notwendig, wusste sich Zucht mit seinen Kollegen der verschiedenen Fraktionen einig. „Wir sind in der Pflicht“, wies er auf den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hin. 45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – „und es werden nicht weniger“.

Bis zur kommenden Sitzung des Ausschusses am 13. Juli soll das Bauamt nach dem Wunsch des Ausschusses nun unter zeitlichen und finanziellen Kriterien prüfen, wie eine Containerlösung für die Standorte Beerfelden und Kailbach aussehen könnte. Auch für einen möglichen Waldkindergarten soll bis dahin eine Expertise eingeholt werden. Varianten davon gibt es bereits in umliegenden Orten wie Eberbach und Erbach. „Jedes Format ist ein Plus“, so der Ausschuss-Vorsitzende.

Dann könnte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Nägel mit Köpfen machen. Natürlich würden es die Ausschussmitglieder gerne sehen, wenn es bereits zum nächsten Kindergartenjahr eine Lösung gäbe, aber so schnell wird es wohl nicht gehen. Zucht hob hervor, dass ein Anbau in Beerfelden und ein Neubau in Rothenberg „noch nicht vom Tisch sind“. Sollte es neue Fördermittel geben, „stehen wir Gewehr bei Fuß“.

Diese Projekte laufen seinen Angaben nach aber mehrere Jahre. „Wir brauchen jedoch jetzt etwas kurzfristig Umsetzbares“, betonte er. Bei den Containern denkt man an einen Kauf. Denn sie ließen sich, sollten sie für den Kindergarten einmal nicht mehr gebraucht werden, anderweitig umwidmen. Andererseits werden sie jedoch für diesen Zweck einige Zeit im Einsatz sein, sodass eine Anmietung nicht so sinnvoll erscheint.

Dem Ausschuss geht es mit seinen Vorschlägen und Ideen auch um die Außenwirkung: „Wir müssen ein Signal setzen, dass etwas passiert“, ist Zucht wichtig. Denn das Thema schleppt sich schon lange dahin, ohne dass Fortschritte zu erkennen sind. „Es muss Priorität haben“, postulierte er. Die Mandatsträger wollen nicht länger zuwarten. So schnell wie es organisatorisch und finanziell machbar ist, sollen die Container sehen. „Wir haben ein Ziel formuliert und werden es mit Nachdruck weiter verfolgen“, war fraktionsübergreifend der Tenor im Gremium.

Im Vorfeld hatte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich die Zahlen erläutert. In Beerfelden ist die Kita derzeit voll belegt. Es gibt hier eine lange Warteliste. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterweiterungsbau aufgenommen werden müssten. Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kita, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen.

 

Haushalt wird kräftig durcheinander gewirbelt

Die Corona-Pandemie sorgt für kräftige Turbulenzen im Oberzent-Haushalt. Bürgermeister Christian Kehrer und Finanzchefin Franziska Michel stellten die aktuellen Zahlen dem Haupt- und Finanzausschuss auf dessen Sitzung im Bürgerhaus vor. Es ist überwiegend die Gewerbesteuer, die für kräftige rote Zahlen sorgt. Die Parlamentarier wussten sich mit der Verwaltung in der Hoffnung vereint, dass ein staatlicher Schutzschirm bis Jahresende für Besserung sorgen möge.

Kehrer wies zu Beginn darauf hin, dass es sich hauptsächlich um Schätzzahlen handelt. Die Gewerbesteuer liegt seinen Worten nach derzeit um 455.000 Euro niedriger als im Ergebnis 2019. Damals landete man bei 1,863 Millionen. Das war bereits niedriger als der Ansatz, was aber an sich ändernden Zahlen aus dem kommunalen Finanzausgleich lag.

Gerechnet hatte man fürs Jahr 2020 in der Planung ursprünglich mit 1,629 Millionen Euro Einnahmen, was nun obsolet ist. Auch Einkommen- und Umsatzsteuerumlage werden nach unten gehen, prognostizierte der Bürgermeister. Allerdings ist die Höhe noch unklar. Weniger Gewerbesteuereinnahmen bedeuten auch eine geringere Umlage, die noch nicht genau bezifferbar ist. Also ein Fahren auf Sicht.

„Wir fahren im Odenwaldkreis eine einheitliche Linie“, meinte Kehrer zum geplanten Erlass der Kindergartengebühren in den Monaten April bis Juli. Dieser muss jedoch noch final von der Stadtverordneten-Versammlung beschlossen werden. Derzeit, erläuterte er, läuft in den Einrichtungen ein erweiterter Notbetrieb. Der Magistrat beschloss bereits eine Stundung, die von den Gremien in ihrer Juli-Sitzung noch in einen Gebührenerlass umgewandelt werden müsste. Es geht hier um 76.000 Euro.

Bei der Spielapparatesteuer rechnet die Stadt mit Ausfällen von 6000 Euro. 9000 Euro zusätzlich fielen durch die Beschaffung von Masken und Desinfektionsmitteln sowie durch Schutzmaßnahmen an. Auf der anderen Seite gab unfreiwillige Einsparungen durch die Absage von Veranstaltungen wie Pferdemarkt und Seniorennachmittag in Höhe von 56.500 Euro.

Der Wald bleibt weiter das Oberzent-Sorgenkind. Der Borkenkäfer treibt weiter sein Unwesen und sorgt dafür, dass die Holzpreise im Keller sind. „Da wird sich nicht viel tun“, blickte der Bürgermeister sorgenvoll auf die einstige Schatzkammer von Oberzent. Bis 2017 lieferte der Wald im Schnitt zusammen 700.000 Euro Einnahmen an die vier früheren Kommunen Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck ab.

Seit der Fusion ist es damit vorbei. Erst kaum der Sturm, dann die Hitze, dann der Käfer – oder alles zusammen. Die Einnahmen bewegten sich über 130.000 (2018) und 33.000 Euro (2019) Richtung rote Null in diesem Jahr. Auf dem Papier sind im Waldwirtschaftsplan 2020 noch 117 Euro Plus vermerkt, aber aktuell steht man bei 100.000 Euro Miesen, verdeutlichte der Bürgermeister. „Wir hoffen noch auf null zu kommen“, sagte er.

Die Aufarbeitung des Käferholzes kostet seinen Worten nach so viel, „dass die Einnahmen nicht gedeckt sind“. Die fehlenden 700.000 Euro aus der Holzvermarktung zehren quasi komplett den „Fusionsbonus“ auf, erklärte das Stadtoberhaupt. Also die Summe, die die neue Stadt eigentlich zusätzlich im Haushalt haben wollte, eben weil sich die vier Gemeinden zusammengeschlossen hatten. Nun ist also wie bereits früher Sparen angesagt, bis es knirscht.

Kehrer hatte wenig Hoffnung auf schnellere Finanz-Besserung. Er rechnet damit, dass mindestens fünf bis sechs Jahre lang, wahrscheinlich länger, der Wald als Geldgeber ausfällt. Michel kündigte noch an, dass in der nächsten Zeit ein Darlehen aufgenommen werden muss, um die anfallenden Ausgaben zu bestreiten. Es dürfte zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro werden, sagte sie. Für diese Höhe liegt noch eine Ermächtigung aus dem Haushaltsjahr 2019 vor.

 

Dringender Handlungsbedarf bei Kita-Plätzen

Oberzent braucht dringend neue Kindergartenplätze. In Beerfelden ist die Not am größten, aber auch Kailbach klagt über Platzmangel. Unter-Sensbach steht durch die Eröffnung einer zweiten Gruppe ganz gut da. In Rothenberg geht es vor um die räumliche Situation. Stoff genug also für den Sozial-, Kultur- und Gesundheitsausschuss, der erstmals in eigener Verantwortung tagte. „Wir nehmen als Mandatsträger das Heft in die Hand, damit Bewegung in die Sache kommt“, kündigte der stellvertretende Vorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) an.

Das ewige Warten auf Fördermittel, nur um zu erfahren, „dass sie vergeben oder gestrichen sind“, ist seiner Ansicht nach nicht zielführend, betonte er. Denn wenn danach die Planungen für einen Um- oder Neubau erst einmal wieder ad acta gelegt werden, bleibt das Problem der fehlenden Plätze bestehen oder wird sogar noch größer.

„Es ist ein schweres Dilemma“, formulierte Zucht, dass Fördermittel des Landes anscheinend – wie beim Beispiel Kindergartenneubau Rothenberg – im „Windhundprinzip“ vergeben werden. Er sah dies als eine gravierende Benachteiligung des ländlichen Raumes.

„Um zu Potte zu kommen“, ist ein Agieren unabhängig von Fördermittel notwendig, wusste sich Zucht mit seinen Kollegen der verschiedenen Fraktionen einig. „Wir sind in der Pflicht“, wies er auf den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hin. 45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – „und es werden nicht weniger“.

Bis zur kommenden Sitzung des Ausschusses am 13. Juli soll das Bauamt nach dem Wunsch des Ausschusses nun unter zeitlichen und finanziellen Kriterien prüfen, wie eine Containerlösung für die Standorte Beerfelden und Kailbach aussehen könnte. Auch für einen möglichen Waldkindergarten soll bis dahin eine Expertise eingeholt werden. Varianten davon gibt es bereits in umliegenden Orten wie Eberbach und Erbach. „Jedes Format ist ein Plus“, so der Ausschuss-Vorsitzende.

Dann könnte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Nägel mit Köpfen machen. Natürlich würden es die Ausschussmitglieder gerne sehen, wenn es bereits zum nächsten Kindergartenjahr eine Lösung gäbe, aber so schnell wird es wohl nicht gehen. Zucht hob hervor, dass ein Anbau in Beerfelden und ein Neubau in Rothenberg „noch nicht vom Tisch sind“. Sollte es neue Fördermittel geben, „stehen wir Gewehr bei Fuß“.

Diese Projekte laufen seinen Angaben nach aber mehrere Jahre. „Wir brauchen jedoch jetzt etwas kurzfristig Umsetzbares“, betonte er. Bei den Containern denkt man an einen Kauf. Denn sie ließen sich, sollten sie für den Kindergarten einmal nicht mehr gebraucht werden, anderweitig umwidmen. Andererseits werden sie jedoch für diesen Zweck einige Zeit im Einsatz sein, sodass eine Anmietung nicht so sinnvoll erscheint.

Dem Ausschuss geht es mit seinen Vorschlägen und Ideen auch um die Außenwirkung: „Wir müssen ein Signal setzen, dass etwas passiert“, ist Zucht wichtig. Denn das Thema schleppt sich schon lange dahin, ohne dass Fortschritte zu erkennen sind. „Es muss Priorität haben“, postulierte er. Die Mandatsträger wollen nicht länger zuwarten. So schnell wie es organisatorisch und finanziell machbar ist, sollen die Container sehen. „Wir haben ein Ziel formuliert und werden es mit Nachdruck weiter verfolgen“, war fraktionsübergreifend der Tenor im Gremium.

Im Vorfeld hatte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich die Zahlen erläutert. In Beerfelden ist die Kita derzeit voll belegt. Es gibt hier eine lange Warteliste. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterweiterungsbau aufgenommen werden müssten. Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kita, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen.

Feuerwehren legen langsam wieder los

Seit Anfang des Monats gibt’s nach der Corona-Auszeit bei den Feuerwehren in Oberzent wieder einen sogenannten „eingeschränkten Regelbetrieb“. Langsam werden die Übungen wieder hochgefahren, aber Ausbildungen und Lehrgänge finden weiter nicht statt. Bei den alten Hasen sitzen die Handgriffe, aber gerade die Neulinge müssen darben, sagt der Ober-Hainbrunner Feuerwehr-Vereinsvorsitzende Stefan Hofmann. Und der eingeschränkte Regelbetrieb ist mit einigen Auflagen verbunden, erklärt Björn Jöst von der Kailbacher Feuerwehr.

Das fängt beim Betreten des Feuerwehrhauses an: Hände waschen, lautet die Devise. Bei theoretischen Ausbildungen in geschlossenen Räumen ist je Teilnehmer ein Mindestabstand von 1,5 Meter vorzusehen, schildert er weiter die Corona-Vorkehrungen. „Da die Größe unseres Schulungsraums sehr gering ist, dürfen maximal fünf Personen an der Theorie teilnehmen“, heißt dies.

Die praktische Ausbildung erfolgt bei der Oberzent-Stadtteilwehr im ehemaligen Hesseneck wie bei anderen auch in Kleingruppen mit maximal sechs Personen inklusive Mund-Nasenschutz. Auf Gruppen- und Zugübungen oder solche größerer Einheiten wird bis auf weiteres verzichtet. Die Kleingruppen sind laut Jöst immer mit dem gleichen Personal zu besetzen. Außerdem sollen die Übungen nach Möglichkeit am eigenen Standort vornehmlich im Freien durchgeführt werden.

Als erste Unterrichtseinheit begann man in Kailbach mit einer umfassenden Schulung zu den derzeitig gültigen Standardeinsatzregeln sowie den Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, so Jöst. Weder auf Kreis- noch auf Landesebene wurden in den vergangenen drei Monaten Lehrgänge durchgeführt. „Besonders schmerzlich für uns war“, bedauert er, dass ein geplanter Lehrgang Technische Hilfeleistung Verkehrsunfall speziell für die Oberzentwehren abgesagt werden musste. Denn daran wollten vier Kailbacher teilnehmen.

Björn Jöst hofft, dass die Ortsteilwehr ihre traditionelle gemeinsame Länderübergreifende Übung mit Eberbach-Friedrichsdorf am 26. September ganz normal durchführen kann. Eine Katastrophenschutzübung mit der Wehr aus Hiltersklingen „mussten wir Corona-bedingt Anfang Mai leider absagen“, erzählt er. Er wäre außerdem froh darüber, wenn Übungen an verschiedenen Objekten und nicht nur am Feuerwehrgerätehaus, solche mit allen Einsatzkräften und gemeinsame der Wehren Kailbach, Hesselbach und Schöllenbach durchführen zu können.

Zum Glück wirkte sich die fehlende Übungspraxis in letzter Zeit nicht negativ aus, macht Jöst drei Kreuze. Da die Kailbacher als eine der wenigen Wehren im Kreisgebiet auf einem Fahrzeug eine komplett bestückte Dekontaminationsbox vorrätig haben, „hatten wir auch sofort genügend Schutzmasken, Händedesinfektionsmittel und Flächendesinfektionsmittel an Bord“. Denn durch die Lieferengpässe dauerte es bei den Kollegen in Oberzent etwas.

Wenn ein großer Raum zur Verfügung steht, darf man mit bis zu 15 Kameraden Unterrichte machen, weiß Marc Gärtner von der Beerfeldener Wehr. Bis Anfang Juni gab es nur die Möglichkeit des Online-Unterrichts und der Einzel-Ausbildung, schildert er die Situation. Der Betrieb in den Werkstätten zur Prüfung von Geräten lief immer unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Der Beerfeldener üben immer mit einer Gruppe an einem anderen Wochentag. Zum Glück gab es in der vergangenen Zeit auch wenige Einsätze. Ähnliches berichtet Jochen Weinthäter aus Rothenberg.

Marcel Schäfer aus Unter-Sensbach weist darauf hin, dass Personen der Risikogruppen Ü60, die ihren Dienst verlängerten, und solche mit Vorerkrankung noch vom Übungsbetrieb ausgenommen sind. Durchgeführt werden Präsentationen vom Kreis und Land über Unterrichtsthemen. Lehrgänge sind bis auf die beruflichen noch abgesagt, erläutert er. Vor kurzem gab es die erste praktische Ausbildung in Kleingruppen.

In Finkenbach wurden während des komplett eingestellten Übungsbetriebs wichtige Infos per E-Mail oder WhatsApp geschickt, sagt der stellvertretende Wehrführer Wolfgang Buchert. Auch die Voraushelfer dürfen seit April auf Anordnung des Kreises nicht ausrücken. Von der Stadt bekam man Desinfektionsmittel, Einweganzügen, Masken und Brillen für besondere Einsätze mit Verdacht auf Corona.

„Bei Einsätzen wird darauf geachtet, dass nicht zu viel Personal an die Einsatzstelle fährt“, schildert Buchert das Vorgehen. Führungskräfte fahren in getrennten Fahrzeugen. Es wurden mehrere Gruppen gebildet, um etwas Ausbildung durchzuführen. „Ich denke, dass wir durch den Übungsausfall keine negativen Folgen hatten, da wir doch einen guten Ausbildungsstand haben“, blickt er zufrieden auf die Leistungsfähigkeit der Finkenbacher.

Vereinsvorsitzender Jens Schindler bedauert, dass die Grillnacht im Mai ausfiel. Beim Weinfest im September wartet man noch ab, wie sich die Lage bis dorthin entwickelt. „Für uns sind diese Feste wichtige Einnahmequellen“, so Schindler, um etwa Geräte für den Brand- und Katastrophenschutz der Bevölkerung finanzieren zu können. „Glücklicherweise haben wir monatlich keine großen Fixkosten“, erzählt er. Jedoch fallen dieses Jahr die Investitionen kleiner aus.

In Ober-Hainbrunn ist der Raum groß genug, „damit wir weit genug auseinander sitzen“, berichtet Stefan Hofmann. Seit sie wieder darf, führte die Stadtteilwehr zwei kleiner Übungen durch. Es gab in der vergangenen Zeiten einen kritischen Verkehrsunfall mit Kontaktsperre, weiß er. Hofmann tut es vor allem für den Nachwuchs leid. „Wir haben zwei Jungs dabei, die noch keine Praxiserfahrung sammeln konnten“, sagt er. Außerdem gibt es drei Neulinge, die auf ihren Lehrgang warten.

Die Glocke soll endlich läuten

„Die Glocke von Kailbach“ ist kein Odenwald-Stück von Schiller, sondern ein anderer, bereits 20 Jahre währender Klassiker im früheren Hessenecker Ortsteil. Dessen Ortsbeirat kam jetzt im Hesselbacher Dorfgemeinschaftshaus zusammen, weil dieses den meisten Platz zur Abstandswahrung in Corona-Zeiten bietet. Ortsvorsteher Martin Pollak freute sich über die doch ansehnliche Zuschauerzahl.

Es geht um die alte, der Gemeinde gehörende Schulhaus-Glocke in Kailbach. Die ist zwischenzeitlich, nachdem erst die Kirche, dann ein Privatmann das (inzwischen abgerissene) Turmgebäude kaufte, in der Friedhofshalle zwischengelagert. Auf dem Friedhof soll sie in Zukunft wieder erklingen. Bei der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) hatte man einen Antrag auf Förderung für diese Maßnahme aus dem Regionalbudget gestellt, aber der wurde leider abgelehnt.

Davon will man sich aber nicht entmutigen lassen. „Wir wollen das 2021 noch einmal beantragen“, kündigt der Ortsvorsteher an. Parallel läuft demnächst eine Sammlung im Ort an, um alles in Eigenleistung in Zusammenarbeit mit einem Zimmereibetrieb zu stemmen. Denn so langsam will man zu Potte genommen, nachdem die Glocke schon viele Jahre nicht mehr klingt. Mit der Glocke hat es zwar noch nicht hingehauen, aber dafür gibt’s nun eine neue Brücke über den Schöllenbach. Die machte der Oberzent-Bauhof flott, nachdem die bisherige an Altersschwäche litt.

Ist Hesseneck in Sachen Mobilfunk bald kein Tal der Ahnungslosen mehr? Pollak informierte Gremium und Besucher darüber, dass der Mobilfunkanbieter O2-Telefonica in Schöllenbach einen Sendemast aufstellen möchte und eine entsprechende Anfrage bei der Stadt Oberzent startete Hintergrund ist die Förderung der 5G-Technologie.

Der Ortsbeirat sprach sich für die Umsetzung aus. Die Stadt hätte ein Grundstück, alternativ könnte die Errichtung auch auf einem privaten Gelände erfolgen. Laut Pollak kam der Mobilfunkriese „übers badische Schöllenbach bzw. Eberbach auf uns zu“. Dort werde von den Bürgern der Bedarf gesehen.

Seit in der Schöllenbacher Siegfriedstraße nach den Regeln der Straßenverkehrsordnung geparkt wird – also nicht mehr auf dem Gehweg – gibt’s öfter einmal beengte Begegnungen und einige Hupkonzerte, schilderte der Ortsvorsteher die Lage. Sein Wunsch: Das Oberzent-Ordnungsamt sollte die Parksituation vor Ort überprüfen. Möglicherweise macht es an der einen oder anderen Stelle – gerade in Kurven – Sinn, das Parken einzuschränken.

 

 

Kindergartenplätze sind knapp

Dem ehemaligen Hesseneck geht’s in Sachen Kindergartenplätze ähnlich wie dem Rest von Oberzent: Sie sind knapp. Der Platzmangel ist auch in der Kita Wirbelwind in Kailbach spürbar. Eltern fragten bereits an, ob ein Anbau oder ein Container möglich sei, um die Kapazität zu erhöhen, berichtete Ortsvorsteher Martin Pollak dem Ortsbeirat auf dessen Sitzung in Hesselbach.

Fünf Kinder stehen aktuell auf der Warteliste fürs Kindergartenjahr 2020/21. Die Stadt versucht, eine Lösung zu finden, weiß Pollak. Schon aktuell gibt es aber Knirpse, die in Kailbach keinen Platz bekommen haben und deshalb bei den „Kleinen Strolchen“ in Unter-Sensbach untergebracht sind. Dem Ortsvorsteher ist klar, dass es sich nicht nur um ein Hesseneck-Problem handelt. Auch die Einrichtungen in Beerfelden und Rothenberg platzen aus allen Nähten.

In der Sitzung des Gremiums ging es auch um die Verwendung des eigenen Budgets. Rudolf Brandel will Baumpaten suchen, damit Bäume entlang der Straßen in Schöllenbach und Kailbach gepflanzt werden können, die wiederum aus dem Etat des Ortsbeirats finanziert werden. Die Feuerwehr möchte an der ehemaligen Trafostation neben dem Feuerwehrhaus ein Uhrwerk mit Uhr anbringen, informierte Pollak. Auch dieses Ansinnen wurde positiv aufgenommen. Angefragt wurden daneben Transportwagen für die Friedhöfe.

Der Ortsvorsteher freute sich über zwei Dorfverschönerungen in Kailbach, die er dem Gremium und den Gästen bekannt gab. Zum einen erstrahlen die Aushang-Tafeln am Weißenbörner Platz in der Bahnhofstraße in neuem Glanz. Zum anderen ziert ein schmucker Pavillon den Ort an der Kreuzung der beiden Landesstraßen. Er wurde von der Firma von Energie-Holz Wagner gestiftet.

Eutersee wird rege frequentiert

In ganz Hessen sind Freibäder und Badeseen noch geschlossen. In ganz Hessen? Nein, in einem kleinen Odenwald-Dorf gehen die Uhren etwas anders. Der Eutersee bei Schöllenbach ist frei zugänglich „und wird auch gut frequentiert“, hat Hessenecks Ortsvorsteher Martin Pollak festgestellt. Der ist allerdings offiziell auch kein Badesee. Damit einher geht ein höheres Müllaufkommen, was in der Ortsbeiratssitzung angesprochen wurde.

Die Besucher aus dem Mosbacher, Miltenberger und sogar Heidelberger Raum sorgen jedoch auch dafür, dass man sich im Dorf eine häufigere Kontrolle durchs städtische Ordnungsamt wünscht, ob die coronabedingten Abstandsregeln eingehalten werden. Dazu kommt: „Eigentlich darf man nicht baden“, schildert Pollak, dass dies manchmal ein frommer Wunsch bleibt.

Um es den Gästen aber nicht immer wieder mündlich einbläuen zu müssen, wünscht sich der Ortsbeirat, die einschlägigen Hinweisschilder auf den neusten Stand zu bringen. Außerdem sollten sie, so Pollak, auf Oberzent umgewidmet zu werden, wo jetzt noch die frühere Gemeinde Hesseneck darauf zu lesen ist.

Vor ein paar Monaten wurde der Eutersee am nördlichen Zufluss im Auftrag der Stadt ausgebaggert. Die Genehmigung hierfür hatte im vergangenen Jahr längere Zeit auf sich warten lassen, weil mehrere Behörden beteiligt waren. Mit den Arbeiten wollte man eine zunehmende Verlandung verhindern. Das Material soll an anderer Stelle verwendet werden, um dort eine Art Badeinsel entstehen zu lassen.

Das Hochwasser vor über zwei Jahren hatte einige Zerstörung hinterlassen, die wieder in Ordnung gebracht werden musste. Denn sonst wäre der See an bestimmten Stellen „zugespült worden“. In diesem Zuge wurde jetzt auch die Fischtreppe repariert. Die Vorarbeiten leisteten die Helfer der IKEK-Gruppe bereits im vorvergangenen Jahr, als sie dort die wild gewucherten Sträucher entfernten.

Liegend die schöne Oberzent genießen

Eigentlich sollten die aus dem Budget von verschiedenen Ortsbeiräten angeschafften Waldsofas bereits früher im Jahr mit ehrenamtlichen Kräften an besonders schönen Plätzen aufgestellt werden. Doch Corona machte diesem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung. Seitdem die Auflagen gelockert wurden, können die Ortsbeiräte nun zu Werke gehen. Das Ergebnis wird bereits gerne liegend genutzt.

„Wir haben unsere beiden Waldsofas endlich aufgestellt“, freut sich Sensbachtals Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. „Unglaublich, wie viele Leute sie  am Wochenende schon genutzt haben“, beobachtete er. Der Ortsbeirat baute die Ruheliegen an zwei Stellen entlang des Panoramawegs auf: an der Talblickhütte in Ober-Sensbach und an der „Hermetze“ in Unter-Sensbach.

„Beide Plätze haben eine wunderschöne Aussicht und liegen direkt am zertifizierten Premium-Wanderweg“, weiß Kuhlmann aus eigener Anschauung. Der Ortsbeirat von Sensbachtal finanzierte – wie auch die Gremien in den anderen Oberzent-Stadtteilen – die Waldsofas aus seinem Budget.

Bänke entlang des Panoramawegs wurden nochmals vom früheren Bürgermeister Manfred Heiss freigemäht. Der Ortsbeirat hat auch fürs kommende Jahr nochmals zehn Sitzbänke über den Geo-Naturpark bestellt. Der Verein „Sensbachtal Aktiv“ übernimmt dafür die Kosten.

Es wurden aber auch schon einige Bänke von Privatpersonen bezahlt, freut sich Kuhlmann über die Verbundenheit der Bürger mit ihrem Dorf. Die Feuerwehr Unter-Sensbach kümmert sich regelmäßig um das Streichen und gegebenenfalls Reparaturen. Die Revierförsterei Unter-Sensbach unterstützt bei Planung und Umsetzung.

In Sensbachtal packen immer alle mit an. Ralf Beisel war bei Lagerung und Logistik der Waldsofas sehr hilfreich, hebt der Ortsvorsteher hervor. Der NABU Sensbachtal kümmert sich daneben um diverse Aussichtspunkte und „Rastplätze“ entlang des Panoramawegs. Die Talblickhütte wurde kürzlich von Herbert Wagner komplett neu gestrichen. Er führte auch Dachreparaturen an der Adam-Schwinn-Hütte durch. Der Ortsbeirat plant, die anderen Schutzhütten ebenso zu renovieren.

Aus Ober-Hainbrunn stammt die Idee der Waldsofas, die dann die Oberzent-Runde machte. Auch dort nutzten die Mitglieder des Ortsbeirats das schöne Wetter, um die beiden Bänke aufzustellen. Wegen Corona geschah dies zu zweit mit einem kleinen Kran. „Sie werden sehr gut angekommen“, hat Ortsvorsteher Stefan Hofmann erfahren. „Es gab auch schon mehrere Anfragen, woher die sind.“ Beide Ruheliegen sind komplett aus Holz gefertigt: Füße und Liegefläche aus Akazie, der Unterbau aus Douglasie.

In Olfen lässt sich ebenfalls die Aussicht genießen. Eine Bank steht an der Bergwiesenhütte und eine unterhalb am Waldrand, teilt Horst Schnur mit. Die Hütte erreicht man entweder von der ersten großen Kurve von Airlenbach kommend links ab und 300 Meter über einen asphaltierten Weg. Oder vom Dorf aus mit Navi Bergwiesenweg, erläutert er. Von der Hütte am Waldrand abwärts kommt man zur zweiten Bank.

„Aufgrund von Corona steht die Bank noch nicht, da wir das zusammen erledigen wollen“, bedauert Ortsvorsteher Jürgen Sauer. Angepeilt ist für die Aktion derzeit Anfang Juni. Beerfelden war da schneller. Ortsvorsteher Christian Zimmermann beobachtet jeden Tag Leute darauf. „Eine Beschwerde gab es: Die Bank hätte am Galgen nix zu suchen“, schmunzelt er. Eine weitere steht im Güttersbacher Weg, am Abzweig nach Etzean.

Zwei Waldsofas gibt es auch in Gammelsbach. Eines befindet sich auf der Straße an der Burg vorbei Richtung Wald. Dann geht’s den ersten Weg links und 300 Meter Richtung Eberbach. Der Blick auf die Sensbacher Höhe und das Gammelsbacher Mitteldorf ist ein besonderer. „Die Resonanz ist wegen der Aussicht durchweg positiv“, hat Ortsvorsteher Konrad Helm deshalb viel positives Feedback erreicht. Die zweite Liege wird noch bei der Schmidtshütte mit Blick auf die Burg installiert.

Oberzent-Neujahrsempfang: Jugendförderpreis für Singkreis Odenwald

Er sei froh, Bürgermeister in einer Stadt zu sein, „in der so viel geleistet wird“, bekannte Bürgermeister Christian Kehrer beim Neujahrsempfang der Stadt Oberzent in der Alten Turnhalle Beerfelden. Bis die Gäste im gestopft vollen Saal mit einem Glas Sekt aufs neue Jahr anstoßen durften, sollte allerdings einige Zeit vergehen. Denn das umfangreiche, aber auch kurzweilige Programm erforderte Sitzfleisch.

Die neu formierte „Big Band Oberzent“ sorgte für die musikalische Auflockerung zwischen einzelnen Punkten. In ihr haben sich etliche gestandene Männer plus ein Jungspund zusammengefunden, die der Spaß am Musizieren eint. Rauschender Beifall belohnte den Auftritt, der unter anderem ein Glenn-Miller-Medley und ein paar Rockstücke umfasste. Bei diesem Repertoire und den gezeigten musikalischen Fähigkeiten wäre ein eigenes Konzert der nächste logische Schritt.

Von den älteren Semestern zu den Jüngsten: Der Kinderchor des Singkreises Odenwald erhielt aus den Händen von Kehrer und Landrat Frank Matiaske nicht nur den mit 1000 Euro dotierten Jugendförderpreis, sondern eroberte mit zwei Stücken auch die Herzen der Zuhörer. Unter der Leitung von Melanie De Meo wurden bei „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ Schneebälle übers Publikum ausgeschüttet.

Matiaske nahm es mit Humor, dass er direkt nach dem schwungvollen Auftritt der Big Band ans Mikro trat. „Viele hätten gerne eine heiße Sohle auf Parkett legen wollen und jetzt kommt das Grußwort des Landrats“, schmunzelte er. „Von deinen Kindern lernst du mehr als sie von dir. Sie lernen eine Welt von dir, die nicht mehr ist, du lernst von ihnen eine, die nun wird und gilt“, stellte er ein Bonmot von Friedrich Rückert in den Mittelpunkt.

„Die Jugend ist unsere Zukunft“, führte Matiaske in sein Lieblingsthema ein, den demographischen Wandel. Angesichts von schrumpfenden Dörfern auf dem Land sah er eine Beschäftigung damit als brennender denn je an. Der Landrat zeigte sich den vielen Vereinen gegenüber dankbar, die Kindern im Odenwald eine gute Jugend bieten. Damit wird seinen Worten zufolge eine wichtige Basis geschaffen, damit diese nach Ausbildung und Studium in der Ferne wieder in die Heimat zurückkehren.

Bisher auf Beerfelden beschränkt, kann der Jugendförderpreis seit der Fusion an Vereine in ganz Oberzent ausgeschüttet werden, informierte Kehrer. Ohne die Vereine ist für ihn die gemeinsame Stadt nicht vorstellbar. „Es ist einiges geboten in 19 Stadtteilen“, sagte der Bürgermeister. Er rief die Bürger auf, den gemeinsam begonnenen Weg weiter zu beschreiten. Beifall bekam Kehrer für seinen Appell, „nicht zu meckern, sondern rauszugehen“, den er im Zusammenhang mit den weniger werdenden Gaststätten an die Zuschauer richtete.

In seinem Jahresrückblick griff das Stadtoberhaupt einige prägnante Ereignisse von 2019 heraus. Natürlich dabei: die Musiknacht, bei der der Rathaus-Innenhof mangels der Masse an Kneipen „zur Partyzone wurde“. Oder Sportlerehrung, Zirkuswochen und Pferdemarkt, um nur einige zur nennen. Als Highlight nannte Kehrer den Seniorennachmittag, der hunderte von älteren Mitbürgern in die Walter-Heckmann-Halle führte, wo sie Tommy Steiner und Bata Illic lauschten.

Nicht nur in diesem Zusammenhang stellte er sein Rathausteam heraus, „das nicht auf die Uhr schaut“ und viele Veranstaltungen wie auch den Neujahrsempfang ehrenamtlich begleitet. OREG, Wirtschaftsförderung, Gewerbegebiet Zieglersfeld, Oberzent-Schule oder Revive Oberzent waren weitere erwähnte Punkte.

Grußworte richtete neben der Verleihung von Dankpräsenten Stadtverordnetenvorsteher Claus Weyrauch an die Gäste. Vor der Preisverleihung des Taschen-Gewinnspiels gab es einen eindrucksvollen Vortrag von Silke Naun-Bates. Sie sieht sich nach ihren schweren Unfall im Kindesalter, nach dem ihr beide Beine amputiert werden mussten, als „Botschafterin“ des Glücks, der Freiheit und des Friedens. Die in Bad Rappenau wohnende will Menschen Mut und Hoffnung schenken.

Am Eutersee wird bald gebaggert

Am Eutersee bei Schöllenbach soll noch in diesem Monat die Ausbaggerung beginnen. Bei einem Vor-Ort-Termin gab es durch Stadtbaumeister Peter Bauer jetzt Erläuterungen zu der schon länger geplanten Maßnahme. Bauer informierte darüber auch die IKEK-Gruppe um Anneli Hieronymus und Torsten Laqua, die sich seit Beginn des vergangenen Jahres um eine Auffrischung des Geländes kümmert. Im Frühsommer hatte das Regierungspräsidium sein Einverständnis gegeben, seitdem liefen die Vorarbeiten.

Der Eutersee verlandet am nördlichen Einlauf immer mehr. Es wäre jedoch viel zu teuer, die dort entstandene Insel abzutragen. Stattdessen soll lieber im Umfeld abgelagerter Sand ausgebaggert und aufgeschüttet werden. Damit könnte eine begehbare Sandspielinsel für Kinder entstehen. Die Vorarbeiten leisteten die Helfer bereits im vergangenen Jahr, als sie dort die wild gewucherten Sträucher entfernten.

Hessenecks Ortsvorsteher Martin Pollak erläuterte dem Gremium auf dessen Sitzung nun den aktuellen Stand. Dass es so lange dauerte, bis begonnen werden kann, hatte auch mit der Abstimmung der Behörden untereinander zu tun. Die entsprechenden Vorgaben von Unterer Naturschutz- und Wasserbehörde hatte Peter Bauer ebenfalls im Gepäck, als er an den See kam. Die Maßnahme soll in der letzten September-Woche starten. Bis dahin will man das Wasser um 1,60 Meter ablassen.

Weiteres Thema der Sitzung war die alte, der Gemeinde gehörende Schulhaus-Glocke in Kailbach. Die ist zwischenzeitlich, nachdem erst die Kirche, dann ein Privatmann das (inzwischen abgerissene) Turmgebäude kaufte, in der Friedhofshalle gelagert. Auf dem Friedhof soll sie in Zukunft wieder erklingen. Einen Vorentwurfsplan gibt es schon, sagte Pollak. In Abstimmung ist noch, ob die Glocke vom Bauhof oder mit Eigenleistung aus der Bürgerschaft angebracht werden soll. „Die Leute wollen sie auf dem Friedhof haben“, weiß Pollak. Geläutet wird dann per Hand.

Neue Stadt, neue Sitten: Es darf nicht mehr nach Ortsrecht geparkt werden, sondern es gelten jetzt die offiziellen städtischen Vorschriften. Das mussten einige Autofahrer bereits geldbeutelwirksam spüren, weil sie ihr Gefährt zum Teil innerorts auf dem Bürgersteig abstellten. Das vorschriftsmäßige Parken auf der Straße führt aber, weiß der Ortsvorsteher, teilweise zu Engpässen, wenn sich Schulbus und Lkw begegnen. Deshalb will man mit dem Stadtpolizisten im Rahmen einer Begehung eine für alle passende Lösung suchen.

Am Kailbacher Bahndamm gibt es 150 Jahre alte Linden, trug Pollak dem Gremium vor. Die lassen bei Stürmen oder Starkregen öfters einmal Äste, was die Anwohner und Parkenden nicht erfreut. Deshalb sollen die Bäume nun auf ihre Gesundheit untersucht werden, kündigte er an. Eine Bekanntgabe hatte er ebenfalls: Manuel Scheuermann rückte für Torsten Laqua als Ortsbeirat nach.

Mit ihrem Budget haben die Mandatsträger einiges vor. Rudolf Brandel plant in Schöllenbach, einige Ortsbäume ersetzen und sucht dafür Paten. Am Festplatz geht es darum, den durch das letztjährige Unwetter in Mitleidenschaft gezogenen Bachlauf und Weg wieder herzurichten. Auf dem Hesselbacher Spielplatz soll ein Federtier aufgestellt werden. Und an Wanderwegen will man zusätzliche Hinweisschilder anbringen, damit es etwa vom Krähberg abwärts nach Schöllenbach unterwegs auch Kilometerangaben gibt.

Die Verbindungsstraße Reußenkreuz-Bullau durfte natürlich nicht fehlen:  Nachdem nun die Stellungnahme des Grafenhauses in der Oberzent-Verwaltung vorliegt, hofft das ehemalige Hesseneck laut Pollak, dass sie wieder ohne Einschränkungen befahrbar sein wird – wie es in der Vergangenheit war. Denn von Schöllenbach gibt es starke kirchliche und kulturelle Bindungen nach Bullau.

Großes Interesse an der Stadtgeschichte trotz schlechtem Wetter

Zum „offiziellen“ Start der Stadtführungen hätte das Wetter ein wenig besser sein dürfen. Aber die Bindfäden von oben taten dem Interesse an Beerfeldens Geschichte keinen Abbruch. Zum ersten Rundgang am Tag des offenen Denkmals kamen 25 Interessierte, mit Regenschirmen bewaffnet, vor dem Oberzent-Museum zusammen, wo zuvor bereits der Tag eröffnet worden war. Die Generationenhilfe Oberzent kümmerte sich hier im trockenen Zelt um die Stärkung.

Die Stadtführungen „waren schon jahrelang ein Thema“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Mehrfach wurde in der vergangenen Zeit gefordert, sie auch für die breite Öffentlichkeit anzubieten. „Wir haben uns deshalb gesagt, jetzt müssen wir mal ran“, so der Verwaltungschef. Der Denkmal-Tag bot sich für den Start an. Vor zwei Monaten gab es dann eine interne Abklärung.

Stefanie Ampferl wirkte dabei federführend mit und nahm Kontakt mit allen Beteiligten auf. Später klinkten sich auch die Kirchen mit ein. Sie zog gestern ein positives Fazit der Veranstaltung, wenn diese natürlich durch die ungastliche Witterung beeinträchtigt war. Auch wenn nachmittags der Andrang bei der dritten Stadtführung übersichtlich war, so erfreute sich dann das Apothekenmuseums eines schönen Zuspruchs.

Die Stadtführungen, durchgeführt von Flora Berger und Brigitte Sauer, sollen im kommenden Jahr kontinuierlich angeboten werden, erläuterte Kehrer. Zum einen mit festen Terminen im Jahresplan, zum anderen aber auch auf Nachfrage durch Gruppen buchbar. „Wir überlegen uns dazu was Thematisches“, sagte er. Und was bietet sich im Odenwald da besser an als etwas Kulinarisches mit regionalen Spezialitäten. Das Gesamtziel: Oberzent touristisch voranbringen und besser vermarkten.

Am Eröffnungstag führte Flora Berger in typischer Odenwälder Tracht gleich drei Mal die Wissbegierigen durch die Stadt. Obwohl erst 19 Jahre alt, verfügt sie doch über jahrelange Erfahrung dabei. Als 15-Jährige war sie bereits die jüngste Stadtführerin des Odenwaldkreises. Wetterbedingt ging’s etwas zügiger als sonst im Galopp an den markanten Punkten vorbei.

Auf halber Höhe der Rollgasse bleibt Flora Berger stehen und deutet auf ein altes, schon in die Jahre gekommenes Haus auf der rechten Straßenseite. „Das ist das älteste Gebäude in Beerfelden“, erläutert sie. Das Haus mit den weißen Holzschindeln wurde im Jahr der französischen Revolution, 1789, erbaut. Seine Besonderheit liegt darin, dass es als einziges den großen Brand von 1810 überstand, der ansonsten die komplette Altstadt vernichtete.

Im Oberzent-Museum sind geschichtliche Zeugnisse der Region und ihrer Bürger zu sehen, erklärt die Jugendliche. Die Bedeutung des unterhalb gelegenen heutigen Zwölf-, früheren Acht-Röhren-Brunnens für die städtische Wasserversorgung war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts existenziell, so Flora Berger. Weiter geht’s danach die Rollgasse hinauf bis zum Bürgerhaus. Das „war früher das Rathaus und noch früher die Volksschule“. 1886 wurde es umgebaut und erhielt damals ein weiteres Stockwerk. Vor kurzem wurde es gerade wieder saniert.

2015 jährte sich die Wiedereinweihung der Martinskirche nach dem großen Brand zum 200. Mal – auch die Kirche war 1810 Opfer des Feuers. Früher war der Eingang ein Stockwerk höher, denn eine große Treppe führte direkt ins erste Obergeschoss, von wo aus es geradeaus ins Kirchenschiff weitergeht. Als der Marktplatz umgestaltet wurde, fiel ihm die Treppe zum Opfer. Ab 1876 war vor dem Gotteshaus ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 zu finden, das jetzt auf der Sensbacher Höhe steht.

Neben dem Pfarrhaus zeigt Berger den Interessierten auch andere Stadtbild prägende Gebäude, „die in ihrer Art typisch für die Bauweise nach dem Brand waren“. Die ehemalige Jugendherberge im blauen Haus (von 1941 bis 1971) liegt ebenso auf dem Weg wie der „Beerfelder Knast“. Den gab es dort zwischen 1859 und 1923.

 

Tag des Denkmals in Oberzent

Das Heimatmuseum öffnete seine Pforten ebenso wie das Apothekenmuseum von Jürgen Frank, beide in Beerfelden. Die evangelische Martinskirche Beerfelden mit ihrem Turm war zu besichtigen wie auch die ehemalige Wallfahrtskirche St. Marien in Schöllenbach. Bereits oft dabei: die „Alte Pumpe“, der Schmid‘sche Wassermotor zwischen Rothenberg und Kortelshütte. Hier wirkte der Verkehrs- und Verschönerungsverein Rothenberg.

Gespräch mit dem Fürsten wegen der Straße

Gibt es bei der festgefahrenen, gesperrten Strecke zwischen Reußenkreuz und Bullau jetzt langsam Bewegung? Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann teilte auf der vergangenen Ortsbeiratssitzung im Gemeindezentrum mit, dass er zusammen mit dem CDU-Stadtverordneten Oliver von Falkenburg wegen der Ortsverbindungsstraße ein Gespräch mit Graf Louis zu Erbach-Fürstenau führte. Eine Stellungnahme der Erbach-Fürstenauischen Verwaltung mit dem damaligen Auseinandersetzungsvertrag liege inzwischen der Stadtverwaltung vor, so die Auskunft.

Thema der Zusammenkunft war auch der Hebstahler Friedhof. Dort sind die Plätze für Urnengräber inzwischen weitgehend belegt, informierte Kuhlmann. Daher soll in Richtung Tal ein weiteres Urnenfeld mit etwa 24 Grabstellen für jeweils zwei Urnen angelegt werden. Die Planung dafür machte schon vor einigen Jahren das Büro Bretschneider aus Wald-Michelbach. Bauamtschef Gerd Köppel und Bestatter Erik Sauer sahen sich die Örtlichkeiten an, lautete seine Mitteilung.

Zunächst müssen etwa zwei Lkw-Ladungen Erde angefahren werden. Es sei davon auszugehen, dass dadurch der bereits jetzt schadhafte Plattenbelag um die Friedhofshalle weiter in Mitleidenschaft gezogen wird, berichtete Kuhlmann. Der Ortsbeirat drängt daher darauf, dass die Erneuerung des Umfelds zeitig im kommenden Frühjahr erfolgt. Als Belag ist laut Stadtbauamt graues Rechteckpflaster vorgesehen. An Kosten wurden ungefähr 20.000 Euro ermittelt.

Der Ortsbeirat ging bislang mit seinen Budgetmitteln sehr sparsam um. Diese stehen in diesem Jahr noch in voller Höhe von 1968 Euro zur Verfügung. Tobias Leiß schlug vor, zwei sogenannte Waldsofas anzuschaffen, wie sie auch in Ober-Hainbrunn geplant sind. Als Standorte wurden die Talblickhütte in Ober-Sensbach sowie der Platz vor dem Hochbehälter Unter-Sensbach oder am Pilz am Krappenbüschel festgelegt.

Die an der Talblickhütte wegfallende Ruhebank soll am Weg in der Nähe des Ehrenmals Hebstahl aufgestellt werden, so der Vorschlag. Bereits 2019 wurden vom Verein Sensbachtal aktiv über den Geo-Naturpark zwölf Ruhebänke und zwei Tische angeschafft. Diese haben zwischenzeitlich ihren Platz gefunden. Bis zum Frühjahr 2020 soll über die Stadtverwaltung der Wunsch an den Geo-Naturpark nach weiteren Bänken abgegeben werden, hieß es.

Weitere Verschönerungsmaßnahmen auf der Gemarkung sin ebenfalls im Gespräch, so Kuhlmann. Hierzu zählt unter anderem das Blühwiesenprojekt, das man in Rücksprache mit dem Straßenbauamt entlang der L 3120 am „Wäldchen“, der „Holzplatzkurve“ im Leonhardsgrund und/oder am Häuselsbrunnen umsetzen könnte. Die eigenen Budgetmittel sollen nicht zur Finanzierung des geplanten Geländers am Dorfgemeinschaftshaus (DGH) Hebstahl verwendet werden, beschloss der Ortsbeirat. Denn inzwischen hat der Oberzent-Magistrat das Angebot einer Fachfirma angefordert.

Der Gemarkungsrundgang soll am Sonntag, 13. Oktober, in Hebstahl stattfinden, berichtete der Ortsvorsteher. Er wird durch Thomas Henrich und Herbert Obenauer organisiert. Start ist um 9 Uhr am DGH, wo auch der Abschluss stattfindet. Der Ortsbeirat will sich Bürgern gegenüber, die mit Blumenschmuck für die Ortsverschönerung sorgen, erkenntlich zeigen und diesen Einkaufsgutscheine zukommen lassen, erläuterte er außerdem.

Schöllenbach soll einen neuen Treff bekommen

Der „Alleskönner-Dorftreff“ ist im Werden. So nennt sich ein Projekt, das Dorfgemeinschaft und Feuerwehr in neuen, sanierten Räumen unter ein gemeinsames Dach bringen soll. Nachdem sich bereits die Ortsvereine einhellig dafür ausgesprochen hatten und der Ortsbeirat sein Plazet gab, machte jetzt die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung den Weg frei, indem sie den Sperrvermerk für den Ankauf des Grundstücks in der Hessenecker Straße 3 aufhob.

Früher gab es im 240-Seelen-Dorf noch drei Gaststätten. Da war es für die Vereine kein Problem, einen Versammlungs- oder Veranstaltungsraum zu finden. Ein Dorfgemeinschaftshaus war noch nicht notwendig und von den Wirten natürlich auch nicht wirklich gewollt, weil sie um ihren Umsatz fürchteten. Aber nach und nach machte alles zu und die Schöllenbacher standen mit ihren Festivitäten auf der Straße. Man wich etwa für Singstunden ins Rathaus aus.

Ein weiterer, dringender Handlungsgrund ist der Zustand des Feuerwehrhauses. Das ist in einem desolaten Zustand und müsste, um die Anforderungen des technischen Prüfdienstes zu erfüllen, aufwändig saniert werden. Was im Bestand ziemlich unmöglich ist, da auch eine bauliche Erweiterung nötig wäre, um die Umkleiden von der Fahrzeughalle zu trennen.

„Dunkel wie im Keller, ohne Heizung, Dach undicht, Tore defekt“, beschrieb Stadtbrandinspektor Marco Johe vor kurzem den Zustand. Noch dazu bekäme die Stadt für die Renovierung im Bestand keine Zuschüsse, während es für einen Neubau immerhin 30 Prozent gibt. Aus zwei mach eines, lautet deshalb der Befreiungsschlag: Jetziges, dann ehemaliges Feuerwehrhaus und früheres Schöllenbacher Rathaus sollen verkauft werden, um daraus den Erwerb des neuen Objekts zum Großteil zu finanzieren.

Zwischen 140.000 und 169.000 Euro könnte der Erlös für beide Objekte liegen, prognostizierte die Sparkasse. Das passt fast zum Kaufpreis für die ehemalige Pension mit Café „Hesseneck“ am Ortsrand Richtung Krähberg mit netto 170.000 Euro, woraus durch Nebenkosten dann 183.000 Euro werden. Hier gibt es eine große Parkfläche, dazu Raum für Open-Air-Veranstaltungen und auf dem Grundstück noch genügend Luft, um ein Gebäude für die Feuerwehr zu erstellen. Das Gebäude bietet etwa 550 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche.

Die nötigen Feuerwehr-Räumlichkeiten Marke Systemleichtbauhalle inklusive Fundament und Parkplätze sollen in etwa 130.000 Euro koste, errechnete Johe. 100.000 Euro davon sind förderfähig, was der Stadt eine Ersparnis von 30.000 Euro bringt. Gesangverein Sängerkranz und die Wehrleute hatten bereits im Vorfeld gegenüber der Stadt in Briefen die Vorzüge einer solchen Lösung in den höchsten Tönen gepriesen.

Bei den Stadtverordneten stießen sie damit auf offene Ohren. Oliver von Falkenburg (CDU) warf – neben der Zustimmung – die grundsätzliche Thematik auf, ältere Gebäude abzustoßen und sicdh anbietende Synergieeffekte zu nutzen. Chris Poffo (ÜWO) wollte die beiden Bestandsgebäude möglichst zeitnah ausschreiben, um mit dem Verkauf keine Zeit zu verlieren.

Thomas Ihrig (SPD) wies darauf hin, „dass wir auch Mittel für den Umbau des neuen Gebäudes brauchen“. Deshalb ist es ihm ein Anliegen, das weitere Vorgehen voranzutreiben und etwa ein Nutzungskonzept zu erarbeiten. Denn die Wiederherstellung des ehemaligen Anwesens Sawitzki kann mit Mitteln aus dem Dorferneuerungsprogramm IKEK gefördert werden, so der frühere Hessenecker Bürgermeister.

Thomas Väth (Grüne) begrüßte den schonenden Umgang mit der Ressource Boden, indem man vorhandene Gebäude nutzt und keinen Neubau erstellt. Er wünschte sich angesichts der vielen Großprojekte in Oberzent dazu auch den schonen Umgang mit der Ressource Finanzen. Wie Bürgermeister Christian Kehrer verdeutlichte, ist die Sicherung des benötigten Gebäudes der erste Schritt. Der zweite wird dann die Beplanung des Alleskönner-Dorftreffs sein, in dessen Zuge auch die mögliche Förderung mit dem Ministerium abgeklopft wird.

 

 

Zitat Technischer Prüfdient Hessen zum Feuerwehrhaus Schöllenbach: „Das Feuerwehrhaus bzw. die Fahrzeughalle ist unbeheizt. Folgeschäden … sowie Schimmelbildung können nicht ausgeschlossen werden…. Die Unterbringung der Einsatzkleidung/Spinde in der Fahrzeughalle entspricht nicht den Anforderungen. Eine Gefährdung durch Dieselemission ist nicht auszuschließen. Handlungsbedarf: unverzüglich.“