Überparteiliche werden bei der Stadtverordnetenwahl in Oberzent stärkste Fraktion vor der SPD

Die Stadtverordnetenwahl ist ausgezählt und hat zu interessanten Ergebnissen geführt. Die Überparteilichen stellen mit 35 Prozent und 13 Sitzen die mit Abstand stärkste Fraktion. Die SPD, bisher im früheren Beerfelden stark, muss sich mit Platz 2 begnügen. Die FDP kann sich in der neuen Stadt Oberzent wie schon in Beerfelden wieder gut positionieren. Die CDU ist mit neuen Köpfen und frischem Wind im kräftigen Aufwärtstrend. Die Grünen behaupten sich auf der kompletten Gemarkung.

„Hellauf begeistert“ zeigte sich der Spitzenkandidat der Überparteilichen Wählervereinigung Oberzent (ÜWO), Claus Weyrauch, von den 35 Prozent bei der Wahl. „Mit Abstand“ habe man das Ziel erreicht, stärkste Fraktion im neuen Parlament werden zu wollen. Wenn er auch als Bürgermeister-Kandidat mit seinem Ergebnis „frustriert“ war, weil politische Inhalte scheinbar nicht zählten, so sah sich nun bestätigt, „dass die Wähler dies doch für die Gremien durchaus zu schätzen wissen“.

In den kommenden Gesprächen wird die Fraktion „die generelle politische Richtung definieren“, sagte Weyrauch. Dazu zählte er unter anderem die Themen Ortsbeiratsbudget und Präambel der Geschäftsordnung. Ganz wichtig ist es ihm, dass die großen Probleme, „die lange vor sich her geschoben wurden“, angegangen werden. Als wichtigen Meilenstein nannte Weyrauch den Tourismuskonzept-Beschluss in der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung, der nun umgesetzt werden soll.

Ein bis zwei Sitze mehr in der neuen Stadtverordneten-Versammlung hätte sich SPD-Spitzenkandidat Thomas Ihrig gewünscht. „30 Prozent der Stimmen wären schön gewesen“, meinte er mit Blick auf das Wahlergebnis von knapp 28. Aber: „Es ist so, wie es ist.“ Die SPD-Themen aus dem Wahlkampf will die neue Fraktion im Parlament mit Nachdruck angehen.

Dazu zählt er Stadtentwicklung und Gesundheitsversorgung („das Thema muss in zwei bis drei Jahren umgesetzt sein“), Vereinsförderrichtlinien und auch die Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten. Definition der Aufgaben und Budget stehen hier für Ihrig an allererster Stelle. Die Ortsbeiräte kommen auch ins Spiel, wenn es um die Repräsentation mancher Dörfer in der neuen Stadt geht, die nicht über die Stadtverordneten-Versammlung vertreten sind. „Die dürfen sich nicht abgehängt fühlen.“

Der Neuauftritt der CDU Oberzent „ist absolut gelungen“, äußerte Spitzenkandidat Oliver von Falkenburg seine Freude über das Ergebnis. Wenn man die Stärke der Partei mit dem Ergebnis fürs frühere Stadtparlament Beerfelden vergleiche, sei es ein enormer Aufwärtstrend. „Wir wollen für die neue Stadt Verantwortung übernehmen“, kündigte er an.

Die Zusammensetzung der künftigen Stadtverordneten-Versammlung bezeichnete er als „erheblichen Kurswechsel“. Die Bürger wollen, dass neue Leute ans Ruder kommen. Die CDU will sich nun für eine bürgerliche Mehrheit zusammen mit ÜWO und FDP einsetzen. „Wir haben durch den aktiven Wahlkampf ein Stück weit CDU-Identität bei der Wählerschaft zurückgewonnen“, betonte er.

Die Grünen sind mit ihrem Ergebnis zufrieden, sagte Spitzenkandidatin Elisabeth Bühler-Kowarsch. Dies vor dem Hintergrund, „dass wir bisher hauptsächlich in der Kernstadt Beerfelden vertreten waren“. Es handle sich um ein Ergebnis, auf dem man aufbauen und die Aktivitäten in den anderen Stadtteilen ausbauen könne. „Die neue Fraktion wird kritisch und konstruktiv im Parlament arbeiten und eigene Akzente setzen“, kündigte sie an.

Erfreulich sei, dass die Wähler die hervorragende Präsentation von Bürgermeisterkandidat Thomas Väth bei der Stadtverordnetenwahl honoriert hätten und er mit Abstand die meisten Grünen-Stimmen auf der Liste erhielt. Man werde noch diskutieren, ob es eine Empfehlung für die Bürgermeister-Stichwahl gebe.

Das Wahlergebnis zur Stadtverordnetenversammlung freut die FDP Fraktion sehr. „Wir schauen positiv auf die uns erwartenden Aufgaben“, so Spitzenkandidat Frank Leutz. Breiter aufgestellt habe man verstanden, „dass es nicht nur um das Thema Windkraft gehen darf“, sondern die Themen Gesundheit und Wirtschaft von der Bevölkerung gewünscht auch zu den Schwerpunkten zählen müssen. Dieser Wunsch der Bürger ist durch das Wahlergebnis deutlich geworden und „dieser Herausforderung wollen wir uns auch gerne und mit voller Motivation stellen“. Sein persönliches Ergebnis „übertrifft alle Erwartungen“, wofür er sehr dankbar sei, sagte Leutz. (Foto: bei der Auszählung)

Advertisements

Der Eutersee bei Schöllenbach soll wieder in altem Glanz erstrahlen

Der Aufruf zeigte Wirkung: 15 Freiwillige kamen trotz Schneeniesel, matschigem Boden und Temperaturen um den Gefrierpunkt am Eutersee zusammen, um dort in einem ersten Arbeitseinsatz das idyllische Kleinod von zu viel Ästen, Sträuchern, Bäumen und Gebüsch zu befreien. Projektlotsin Anneli Hieronymus zeigte sich sehr zufrieden mit der Resonanz auf das Vortreffen Ende Januar. Die Helfergruppe will nach und nach das Naherholungsziel nördlich des Eberbacher/Oberzenter Stadtteils wieder aufhübschen.

Die ehrenamtlich Engagierten brachten nicht nur Muskelschmalz mit, sondern teilweise auch ihre eigenen Gerätschaften inklusive des Traktors, um Schwereres zu transportieren. Von der Stadt war ein Bauhof-Mitarbeiter samt seinem Equipment dabei, um mit dem professionellen Material zu unterstützen. Der Gehölzschnitt wurde vor allem an Ein- und Auslauf vorgenommen. Entlang des Wegs am westlichen Ufer gingen die Helfer ebenfalls kräftig zu Werke. Der war in der Vergangenheit heftig zugewuchert und ist jetzt wieder frei begehbar.

Alles geschah natürlich im Einklang mit den Vorgaben der Naturschutzbehörde. Deshalb werden Hecken, Sträucher und Bäume auch nicht in einem Rutsch zurückgeschnitten, sondern nach und nach. Ein zweiter Teil soll nach der Vegetationsperiode im Oktober erfolgen. Hieronymus freute sich sehr über die positiven Rückmeldungen in der Bevölkerung. „Ich wurde mehrfach angesprochen“, sagte sie. Die Bürger fänden es sehr gut, „dass wieder etwas passiert“.

Bevor es dann rund um den und im See weitergeht, müssen erst einmal Fördergelder her. Darum will sich die Helfergruppe zusammen mit den Verantwortlichen der neuen Stadt Oberzent kümmern. So geht es unter anderem darum, einen Teil des angeschwemmten Sandes auf die Insel zu verbringen. Was einen positiven Effekt hätte: Im See wäre er raus, auf der Insel macht er das Liegen angenehmer. „Sponsoren sind jederzeit willkommen“, meint die Projektlotsin deshalb augenzwinkernd.

Auch ohne Fremdmittel gehen die Ehrenamtlichen im Sommer aufs Neue zu Werke. Dann nehmen sie sich die Hütte zur Brust. Diese soll gereinigt und gestrichen werden. Denn die letzte Aktion dieser Art ist schon einige Zeit her. Dementsprechend sieht es auch aus. Im Sommer soll es dann rund um den Aufenthaltsbereich mit Grillstelle und Bänken eine Mähaktion geben. Daneben kam der Wunsch auf, die frühere Liegewiese wieder herzurichten. An die erinnern sich nur noch die Älteren, schmunzelte Hieronymus.

Früher war von der „Adria des Odenwalds“ die Rede, wenn die Sprache auf den Eutersee kam. Da zählten die Schöllenbacher an einem Tag schon mal 3000 Besucher. Das war aber in den 70er Jahren, der Marbachstausee damals noch nicht gebaut. Auch in späteren Zeiten war das Gewässer, wildromantisch im Tal von Schöllenbach Richtung Bullau gelegen, Ziel vieler Ausflügler aus der gesamten Region.

Idyllisch murmelt der Euterbach ins Tal hinunter, eine Holzbrücke führt übers gurgelnde Gewässer, der See gewinnt nur langsam an Tiefe, auf einem unbefestigten Weg lässt er sich gemütlich umrunden: beste Bedingungen, um hier ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen. Das genossen schon vor 30 oder 40 Jahren Ausflügler aus dem hohen (badischen) Odenwald mitsamt den Hessen. Doch die Natur hat sich in der Zwischenzeit das Gelände wieder zurückgeholt.

Damit es wieder hoch hergehen kann, muss erst das Umfeld stimmen. Eine feste Zuwegung, die nötige Infrastruktur und einen Shuttleservice aufgrund begrenzter Parkplatzzahl nennt Hieronymus als Grundvoraussetzungen. Auf einer Wunschliste wurde beim ersten Treffen das zusammengetragen, was spontan in den Sinn kam. Dazu zählen ein Steg im See, Befestigung der Wege, eine Spielinsel für Kinder, Erhalt der Schutzhütte und Sitzgelegenheiten rund um den See. Eine Toilettenanlage und die Erweiterung des Pflasters rund um die Hütte sind ebenfalls angedacht.

Info: Interessierte und Förderer können sich bei Anneli Hieronymus unter Telefon 06276/554 oder E-Mail anneli.hieronymus@web.de melden.

Großer Andrang aufs Bürgermeister-Amt: Schon sechs Kandidaten für den Oberzent-Chefsessel

Der Job in der neuen Stadt muss sehr attraktiv sein. Denn wie sonst lässt es sich erklären, dass (mindestens) sechs Bewerber am 29. April Bürgermeister von Oberzent werden wollen. Am kommenden Montag läuft um 18 Uhr die Bewerbungsfrist ab. Im Gespräch ist derzeit noch ein siebter Kandidat von auswärts, der aber erst jetzt die entsprechenden Formulare abgeholt hat. Somit könnte es knapp werden, die 74 Unterstützer-Unterschriften zusammenzubekommen.

Die jüngste Stadt Deutschlands, flächenmäßig die drittgrößte Hessen, aber nur mit 10.200 Einwohnern, kann mit einigen Pfunden wuchern. Geht es um die Natur, ist es der enorme Waldreichtum im Süden des Odenwaldkreises. Geht es um die Finanzen, steht das Fusionsergebnis aus Rothenberg, Hesseneck, Sensbachtal und Beerfelden glänzend da.

Durch die zusätzlichen Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich, die Teilschulden-Übernahme durchs Land und drei eingesparte Bürgermeister-Gehälter eröffnen sich kommunalpolitische Spielräume, die in den vergangenen Jahren schmerzlich vermisst wurden. Es besteht jedoch auch dringender Handlungsbedarf, damit die ländliche Region im Dreieck zwischen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern mit den Städten mithalten kann.

Kein Wunder, dass sich alle Bewerber mehr oder weniger auf die gleichen Themen fixieren. Ganz vorn steht das Gesundheitszentrum, um die ärztliche Haus- und Facharztversorgung in der Stadt sicherzustellen. Genauso geht es aber auch um den Erhalt der Infrastruktur, die Belebung der Tourismus, den ÖPNV und die Förderung der Wirtschaftskraft. Die Windkraftnutzung sehen praktisch alle sehr kritisch oder lehnen sie gleich in Bausch und Bogen ab.

Von Finkenbach bis zur Gebhardshütte, von Falken-Gesäß bis nach Schöllenbach, von Rothenberg bis nach Unter-Sensbach: Die sechs Kandidaten bilden die gesamte Breite und Länge der neuen Stadt mit ihren 19 Ortsteilen und 165 Quadratkilometern Fläche ab. Sie alle kommen damit aus der Gemarkung von Oberzent. Ein Auswärtiger wagte sich (bisher) nicht in den Kreis der Einheimischen. Das könnte sich kurzfristig jetzt noch ändern.

Unterschiedlich gesät ist die bisherige Verwaltungs- und kommunalpolitische Erfahrung der Kandidaten. Mit dem vorherigen Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig hob die SPD einen sehr erfahrenen Verwaltungsmann auf den Schild, der zuvor 24 Jahre lang die Geschicke in der damals kleinsten selbständigen Gemeinde Hessens lenkte. Der 52-jährige Ihrig ist mit Sicherheit ein politisches Schwergewicht auf der Bewerber-Bühne.

In dieser Hinsicht dürfte ihm am ehesten Christian Kehrer Paroli bieten können. Der Finkenbacher tritt als unabhängiger und parteiloser Kandidat an. Seine späte Kandidatur, die er erst vor wenigen Tagen bekannt gab, wirbelte das bisherige Fünfer-Feld kräftig auf. Denn der 42-jährige Kehrer ist als vorheriger Leiter des Kommunalservice Oberzent und des Fusionsprojekts sowie jetziger Chef der Stabsstelle im Rathaus bestens mit der Materie in allen vier ehemaligen Orten vertraut.

Für die Grünen tritt Thomas Väth aus dem Weiler Gebhardshütte an. Der 52-jährige Sprecher des Stadtverbands Oberzent kommt aus der freien Wirtschaft und betreibt gemeinsam mit seiner Frau die Schaaf & Väth OHG, die sich mit der Herstellung von „Flowerpads“ beschäftigt. FDP-Kandidat Andreas Krauch leitet den Falkenhof in Falken-Gesäß. Der jetzige FDP-Stadtverordnete hat bereits Wahlkampf-Erfahrung: Der 59-jährige kandidierte vor einigen Jahren schon einmal in Beerfelden, damals gegen Gottfried Görig.

Ebenfalls im städtischen Übergangsparlament sitzt Claus Weyrauch. Der Rothenberger geht für die ÜWO ins Rennen und war zuvor als Mitglied der WGR seit 2016 im Parlament des Höhendorfs. Als Mittelstandsberater hat der 50-Jährige unter anderem einen genauen fachmännischen Blick auf Tourismus und Wirtschaft. Oliver von Falkenburg arbeitet bei der Unteren Naturschutzbehörde im Kreis Bergstraße. Der 32-jährige gebürtige Niederbayer, wohnhaft in Unter-Sensbach, geht für die CDU ins Rennen.

Die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl in Oberzent endet am Montag, 19. Februar, 18 Uhr. Bis dahin müssen die Unterlagen im Rathaus bei Wahlleiter Helmut Ulrich abgegeben sein. Der Urnengang findet am Sonntag, 29. April, parallel mit der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung und zu den Ortsbeiräten statt.

Der Finkenbacher Christian Kehrer will am 29. April Bürgermeister in Oberzent werden

Kurz vor knapp wirft noch ein aussichtsreicher Kandidat seinen Hut in den Ring des Bürgermeister-Wahlkampfs. Christian Kehrer will Rathaus-Chef in Oberzent werden. Der 42-Jährige tritt als unabhängiger Kandidat an. Die notwendigen 74 Unterstützer-Unterschriften bekam er rasend schnell zusammen. „Inzwischen sind es weit über 100“, freut sich der Finkenbacher. Seit 2008 Leiter des Kommunalservice Oberzent (KSO) und seit 2016 Projektleiter für die Fusion im südlichen Odenwaldkreis, kennt Kehrer, quasi „Geburtshelfer“ für die neue Stadt, diese und ihre Strukturen aus dem Effeff.

Die Resonanz auf seine Kandidatur hat den Finkenbacher schwer beeindruckt. Seitdem er seine Entscheidung öffentlich machte, gab es Zuspruch von vielen Seiten und aus den verschiedenen Stadtteilen. „Ich bin im Beerfelden vor dem Rewe angesprochen worden“, freut sich Kehrer. Als er bei der Sensbacher Feuerwehr im Bürgerhaus zu Gast war, kamen aus dem anderen Raum ein paar Mitglieder des Schützenvereins vorbei und fragten, ob er noch Unterschriften brauche. Dazu gab es viele Zuschriften auf Facebook oder WhatsApp.

„Das zeigt mir, dass meine Entscheidung richtig war“, sagt der 42-Jährige. Denn leicht tat er sich damit nicht. Bereits im Oktober, als sich das Kandidaten-Karussell zu drehen begann, machte er sich die ersten Gedanken. „Ich habe lange hin und her überlegt, wie ich der Stadt am sinnvollsten helfen kann“, erläutert Kehrer. Denn die neue, fusionierte Stadt nach vorn zu bringen, ist kein Zuckerschlecken. Viele Ansätze sind da, vieles in die Wege geleitet, jetzt geht es in den kommenden Jahren um die Ausgestaltung.

Der Stabsstellen-Leiter geht als parteiloser und unabhängiger Kandidat ins Rennen, um Neutralität an der Stadtspitze zu gewährleisten, betont er. „Ich komme mit jeder Partei oder Wählervereinigung in Oberzent gut aus“, hebt Kehrer hervor. „Mir geht es um die Sache und nicht um die Parteipolitik.“ Nicht nur aus der ehemaligen Gemeinde Rothenberg, sondern auch aus dem ehemaligen Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck habe ihn die Rückmeldung erreicht: „Jetzt wissen wir, wen wir wählen können“, schmunzelt er.

Die neue Stadt hat seinen Worten zufolge neben ein paar Schwächen aber „jede Menge Stärken“. Diese müsse man allerdings transparenter machen und besser herausstellen. Allein die 125 Vereine und renommierte Firmen sind laut Kehrer eine feste Bank. Dem ehrenamtlichen Engagement will er große Aufmerksamkeit schenken. „Durch die Vereine pulsiert das Leben in den einzelnen Orten“, weiß er aus eigener Erfahrung.

Den mit der Fusion eingeschlagenen Weg erfolgreich weiter zu beschreiten, „wird nach wie vor ein großer Kraftakt sein“, sagt Kehrer. Er will ihn kontinuierlich weitergehen, macht aber auch klar, „dass man nicht von jetzt auf nachher den Schalter umlegen kann und alles ist super“. Was in den vergangenen Jahren liegengeblieben sei, „kann man nicht innerhalb eines Monats aufarbeiten“. Ihm geht es darum, die Fusions-Euphorie mitzunehmen und zu kanalisieren, andererseits aber auch „realistisch zu bleiben“.

Die wirtschaftliche Weiterentwicklung („nur mit Attraktivitätssteigerung kommt Zuzug“), Tourismus, ÖPNV, Verwaltungsmodernisierung, Erhalt der Infrastruktur („die Kernstadt Beerfelden braucht eine Revitalisierung“), Kindertagesstätten und Ärztehaus („zwingend notwendig, da Marktversagen“) nennt Kehrer als Schlagworte für die kommende Zeit. „Wir sind auf einem guten Weg und müssen weiter dran bleiben“, fordert der Stabsstellen-Mitarbeiter. Die Kinderzahlen in Oberzent gehen seinen Worten zufolge nach oben, was er positives Signal wertet.

Zur Windkraft sagt Kehrer lapidar: „Jetzt ist auch mal gut.“ Die Bürger zahlten die Zeche für ein nicht ausgegorenes Konzept. Der Bürgermeister-Kandidat beschreibt seine Stärken in der beruflichen Erfahrung sowohl in der freien Wirtschaft als auch in der Kommunalverwaltung. Durch die Mitarbeit in den Fusionsvorbereitungen „kenne ich die vier Gemeinden durch und durch“.

Der 42-jährige Christian Kehrer ist ein waschechter Finkenbacher. Nach einem kurzen Fußball-C-Jugend-Abstecher hielt er fast 30 Jahre der Feuerwehr die Treue, bis er wegen des Arbeitsaufwands rund um die Oberzent-Fusion seine ehrenamtliche Betätigung zurückfahren musste. 1999 bis 2005 war Kehrer Kreisjugendfeuerwehrwart, 2005 bis 2015 Rothenberger Gemeindebrandinspektor. Von 2000 bis 2004 saß er als Parteiloser auf dem SPD-Ticket im Kreistag, leitete zwei Jahre den Kreisjugendring. Nach seinem Realschulabschluss an der Oberzent-Schule war Christian Kehrer von 1992 bis 2001 als Steuerfachangestellter in der freien Wirtschaft tätig. 2001 wechselte er als Kassenverwalter nach Rothenberg, 2008 als Verwaltungsleiter zum KSO, den er in den Folgejahren mit aufbaute. 2016 wurde der 42-Jährige Projektleiter für die Fusion, seit Januar leitet er die beim Bürgermeister angesiedelte Stabsstelle der Stadt.

Die Kinderkrankheiten bei der Adress-Umstellung auf Oberzent werden weniger

Es knirscht noch etwas an verschiedenen Stellen. Doch Fusions-Projektleiter Christian Kehrer ist optimistisch, dass sich im März die letzten Baustellen langsam erledigt haben. Für die Bürger sind die Probleme bei der Paketzustellung in Oberzent am ehesten spürbar. Sie wurden auch schon mehrfach öffentlich thematisiert. Allerdings sind anderswo ebenfalls die neuen Adressen oder Postleitzahlen oder beides noch nicht eingepflegt.

Als besonders resistent gegenüber Veränderungen zeigt sich Google Maps. „Die haben wir bestimmt schon zehn Mal angeschrieben“, klingt Kehrer einigermaßen resigniert. Doch nach wie vor findet sich der Verwaltungssitz der neuen Stadt Oberzent beim Internetriesen in Unter-Sensbach neben dem Rathaus jenseits des Baches auf der Wiese. Und nicht in Beerfelden am Metzkeil.

Da lobt sich der Fusionsleiter die OpenStreetMap. „Die haben sogar von sich aus mit uns Kontakt aufgenommen“, sagt er. Und waren in der Umstellung ziemlich schnell. „Das zeigt bereits 64760 Oberzent an“, macht Kehrer kurz den realitätsnahen Test. Zu schnell waren sogar Amazon und Tchibo, die bei der Online-Adresseingabe schon im Dezember die neue Adresse einforderten.

Ein paar Krankenkassen hinken seiner Beobachtung nach noch hinterher. „Die Barmer hat noch Karten mit Altdaten verschickt“, wurde ihm mitgeteilt. Bei der AOK stimmt zwar die neue PLZ, aber die neuen Straßennamen sind noch nicht eingepflegt. Hier wie dort bittet Kehrer die Bürger um Geduld für die Übergangszeit. „Das wird sich noch ein paar Wochen hinziehen.“ Wie auch bei den Internet-Vergleichsportalen Verivox und Check 24, bei denen teilweise nicht alle Anbieter angezeigt werden, weil es noch Probleme mit der PLZ-Übertragung gibt. „Wir sind da dran“, betont er.

Die Briefpost kommt an, die Leute sind versichert, hebt Christian Kehrer hervor. Damit es auch mit den Paketen funktioniert, steht die Verwaltung in Kontakt mit Pressestellen und Geschäftsleitungen von DHL, UPS, GLS oder Hermes. Nicht nur das. Teilweise „haben wir sogar die Auslieferer abgefangen, um denen neue Listen in die Hand zu drücken“, schmunzelt er über die Eigeninitiative.

Die Umstellung von Personalausweis, Reisepass und Kfz-Schein soll ab dem 19. Februar starten. Die Zusammenführung aller Daten beim neuen Einwohnermeldeamt stellte sich seinen Worten zufolge etwas schwieriger heraus als gedacht. In den jeweiligen Stadtteilen werden die Bürger dann gestaffelt nach Alphabet aufgerufen, in den darauf folgenden drei Wochen ihre Dokumente ändern zu lassen.

Bis dahin bleibt aber genug andere Arbeit. An diesem 19. Februar endet nämlich auch die Bewerbungsfrist für Stadtverordneten-, Bürgermeister- und Ortsbeiratswahl. In punkto letzterer freut sich Kehrer über die „sehr gute Resonanz“ bei der Aufstellung von Bewerberlisten. War man in manchen Stadtteilen skeptisch, ob genug Kandidaten zusammenkommen, sind die Listen überall voll. Gammelsbach, Sensbachtal oder Beerfelden verzeichnen sogar viel mehr Bewerber als Sitze in den jeweiligen Ortsbeiräten.

Die reine Verwaltungsarbeit normalisiert sich langsam, berichtet der Fusionsleiter. „Es wird allerdings noch ein paar Tage dauern, bis die Bauverwaltung komplett in Rothenberg eingezogen ist.“ In der Übergangsphase bis zur Wahl eines neuen Parlaments sind die ehemaligen Bürgermeister und jetzigen Stadträte noch in „ihren“ ehemaligen Rathäusern anzutreffen.

Beerfeldens Gottfried Görig hat ein Büro im Dachboden des Rathauses bezogen, wie auch Hans Heinz Keursten in Rothenberg. Thomas Ihrig sitzt weiter in seinem Raum in Schöllenbach. Egon Scheuermann pendelt zwischen seinem ehemaligen Arbeitsplatz in Unter-Sensbach und Beerfelden, wo er jetzt als Staatsbeauftragter und Interims-Bürgermeister die Geschicke der Stadt bis Mitte des Jahres lenkt.

FDP schickt Andreas Krauch ins Rennen um den Oberzent-Bürgermeisterposten

Damit dürfte die Kandidatenrunde komplett sein: Der FDP-Stadtverordnete Andreas Krauch wurde von den Freien Demokraten auf ihrem Listenparteitag in Gammelsbach als Bürgermeister-Kandidat seiner Partei nominiert. Er tritt am 29. April bei der Wahl für den Posten des Rathauschefs in Oberzent an. „Ich stehe für einen Politikwechsel. Wir müssen die Chancen der neuen Stadt erkennen und für den Bürger klar benennen“, sagte Krauch bei seiner Vorstellungsrede.

Ein Leitbild und ein Zukunftskonzept für die Oberzent nennt der FDP-Mann als Schwerpunkte seiner Tätigkeit. Der 59-Jährige ist Vater von vier Kindern und leistet seit Jahrzehnten Vereinsarbeit und ehrenamtliche Tätigkeiten auf vielfältigen Ebenen. In 2011 wurde er dafür bereits mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet.

Nach einer Landwirts-Lehre und dem Studium der Landwirtschaft mit Auslandsaufenthalten in der Schweiz und den USA übernahm Krauch den Falkenhof in Falken-Gesäß. „Als Selbständiger kennt unser Kandidat die Dynamik der Wirtschaft und weiß um die Standortvorteile der Oberzent“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende in Oberzent Frank Leutz, während der Veranstaltung. Die Mitglieder stimmten geschlossen für die Nominierung des Kandidaten zur Bürgermeisterwahl.

„Mit Andreas Krauch haben wir genau den richtigen Mann“, sind die Freien Demokraten fest überzeugt. „Er kennt unsere Region Oberzent sehr gut, kann quasi jeden Stein mit Vornamen ansprechen“, so Leutz schmunzelnd über die Vorzüge des Kandidaten. Andere Mitglieder unterstützten ihn in dieser Einschätzung: „Andreas ist ein Kandidat aus der Mitte unserer Region Oberzent. Er bringt durch seinen Werdegang enorm viele Kompetenzen für die Leitung einer Verwaltung mit“, hieß es. Weiterhin wurde auf Krauchs Erfahrungen und Kontakte zu Politik und Wirtschaft abhoben. Diese könne er zum Wohl der Bürger einsetzen.

Der Gewählte freute sich über die große Unterstützung: „Das tolle Ergebnis motiviert mich enorm für den Wahlkampf“, sagte der Stadtverordnete. „Ich liebe die Oberzent und werde mich daher mit allem, was ich habe, einbringen.“ Als Bürgermeister werde er nicht alles anders machen, „doch es gibt einiges, was wir besser machen können“, freut sich der 59-Jährige über die starke Nominierung.

Mit dem 59-jährigen FDP-Mann Andreas Krauch aus Falken-Gesäß ist der Kandidaten-Reigen der politischen Parteien und Gruppierungen für die Bürgermeisterwahl in Oberzent am 29. Aprilwohl komplett. Für die SPD tritt der Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig an. Die CDU Oberzent schickt Oliver von Falkenburg (Unter-Sensbach) ins Rennen. Für die Grünen geht Thomas Väth (Gebhardshütte) an den Start. Für die ÜWO kandidiert Claus Weyrauch (Rothenberg). Bemerkenswert: Es gibt (bisher) nur einheimische Kandidaten, keinen Auswärtigen. Die Bewerbungsfrist endet am 17. Februar.

Engagierte Ehrenamtliche wollen den Eutersee bei Schöllenbach als Naherholungsgebiet wieder attraktiver machen

Früher war von der „Adria des Odenwalds“ die Rede, wenn die Sprache auf den Eutersee kam. „Da haben wir an einem Tag schon mal 3000 Besucher gezählt“, erinnert sich Rudolf Brandel. Das war in den 70er Jahren, der Marbachstausee damals noch nicht gebaut. Auch in späteren Zeiten war das Gewässer, wildromantisch im Tal von Schöllenbach Richtung Bullau gelegen, Ziel vieler Ausflügler aus der gesamten Region. Jetzt ist es in die Jahre gekommen. Engagierte Bürger wollen dem Gelände zu früherem Glanz verhelfen.

Idyllisch murmelt der Euterbach ins Tal hinunter, eine Holzbrücke führt übers gurgelnde Gewässer, der See gewinnt nur langsam an Tiefe, auf einem unbefestigten Weg lässt er sich gemütlich umrunden: Beste Bedingungen, um hier ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen. Das genossen schon vor 30 oder 40 Jahren Ausflügler aus dem hohen badischen Odenwald mitsamt den Hessen. Doch die Natur hat sich in der Zwischenzeit das Gelände wieder zurückgeholt. An der Grillhütte wurde vor fünf Jahren das letzte Mal gewerkelt.

Jetzt gibt es neue Möglichkeiten: Denn im Rahmen der Beratungen über das IKEK-Programm kam der Gedanke auf, auch am See tätig zu werden, erläutert Anneli Hieronymus. Sie trommelte zehn Interessierte für ein erstes vorbereitendes Treffen zusammen, bei dem Ideen gesammelt wurden, was man wie angehen kann. Vier Arbeitseinsätze im Jahr will die Truppe anstreben. Der erste findet am 17. Februar zwischen 10 und 14 Uhr statt. Dann soll es dem Wildwuchs an die Büsche gehen. Weitere Interessierte sind gerne willkommen.

Renovierungsarbeiten an der in den 80er Jahren entstandenen Hütte will man für den Sommer ins Auge fassen. Es geht außerdem darum, das Brückengeländer instand zu setzen, die Bankanlage wieder auf Vordermann zu bringen und dem Grillplatz neuen Glanz zu verleihen. Im Gespräch ist auch eine Art Hausmeister, der ein Auge auf das Gelände hat. Denn Wildcamper und Feierwütige haben ihre Spuren hinterlassen. Die Hütte ist öffentlich nutzbar, für größere Feiern empfiehlt sich eine Anmeldung, damit dann der Strom freigeschaltet wird.

Anneli Hieronymus stellt sich vor, über das Leader-Programm und den GEO-Naturpark Fördertöpfe anzuzapfen. Darüber hinaus „sind Sponsoren gerne willkommen“, lacht sie. Auch die neue Stadt ist natürlich im Boot. Mit Interims-Bürgermeister Egon Scheuermann, Bauamt und Bauhof steht die Kontaktaufnahme an, um von dort Fachwissen und Manpower zu erhalten.

Rudolf Brandel erinnert sich noch wehmütig an all die vielen Grillfeste, die an dieser Stelle gefeiert wurden. Legendär ist die Beach-Party der Jugendfeuerwehr, die Gäste in großen Scharen anzog. Aber genau das war dann auch das Problem. „Wir konnten die Sicherheit nicht mehr gewährleisten“, bedauert er. „Das ist sehr schade, weil das Gelände ideal für Feiern ist.“ Jetzt dümpelt es seinen Worten nach nur noch vor sich hin, „keiner macht mehr Feste“.

Damit es am Eutersee aber mal wieder hoch hergehen kann, muss erst das Umfeld stimmen. Eine feste Zuwegung, die nötige Infrastruktur und einen Shuttleservice aufgrund begrenzter Parkplatzzahl nennt Hieronymus als Grundvoraussetzungen. Der Weg am anderen Seeufer sollte schon vor längerer Zeit saniert werden. „Wir wollen diese ganzen Maßnahmen jetzt wieder anstoßen“, sagen die Ehrenamtlichen.

Auf einer Wunschliste wurde darüber hinaus das zusammengetragen, was den Teilnehmern spontan in den Sinn kam. Dazu zählen eine Liegefläche, ein Steg im See, Befestigung der Wege, eine Spielinsel für Kinder, Erhalt der Schutzhütte und Sitzgelegenheiten rund um den See. Eine Toilettenanlage und die Erweiterung des Pflasters rund um die Hütte sind ebenfalls angedacht. Man würde auch gerne die direkt angrenzenden Bäume fällen, erläutert Brandner, aber die sind in Privatbesitz.

Der Eutersee, 1971 als Hochwasserrückhaltebecken gebaut, liegt nordöstlich von Badisch- und Hessisch-Schöllenbach. Mit seinem Ostteil gehört er zu Baden-Württemberg. Nur ein paar Meter weiter nördlich ist die bayrische Grenze. Der Stausee hat knapp einen Hektar Fläche. Er wird in Nord-Süd-Richtung vom namengebenden Euterbach durchflossen, der sich im Dorf mit dem Schöllenbach zum Itterbach vereint. Der wird talwärts Itter genannt und mündet bei Eberbach in den Neckar.

Info: Interessierte und Förderer können sich bei Anneli Hieronymus unter Telefon 06276/554 oder E-Mail anneli.hieronymus@web.de melden.