Sängerkreis geht kurz vor dem 100. die Puste aus

Das 100. Jubiläum hat der Sängerkreis hessisches Neckartal „leider nicht mehr zu erreicht“, bedauert der zweite Vorsitzende Gert Menges vom Gemischten Chor Finkenbach. Zum Jahresende 2020 löste sich der Vereinszusammenschluss im 95. Jahr seines Bestehens auf. Hintergrund: Es wurden immer weniger Sänger und Vereine. Die anstehenden Aufgaben konnten somit auf immer weniger Köpfe verteilt werden.

Die sangesfreudigen Gründer hatten 1925 die Vereine in den Ortschaften im Blick, die am Neckar und an seinen Zuflüssen in Südhessen beheimatet waren. Die holten sie ins sprichwörtliche Boot. Am 8. November fand in Neckarsteinach die offizielle Gründung des kreis- und länderübergreifenden „Hessischen Neckartal-Sängergaues“ statt.

Es schlossen sich damals zwölf Vereine mit insgesamt 420 Sängern an: Frohsinn Brombach, Heimatland Darsberg, MGV Ober-Finkenbach, Liederkranz Gammelsbach, Liederkranz Ober-Hainbrunn, Eintracht Hirschhorn, Sängerbund Hirschhorn, MGV Kortelshütte, Frohsinn Langenthal, Sängerbund Neckarsteinach, Eintracht Rothenberg und Frohsinn Rothenberg.

Der Sitz der neu gegründeten Vereinigung war Neckarsteinach. Dort wurde auch am 29./30. Juni 1929 das Gaubanner eingeweiht, das bis zur Auflösung bei allen offiziellen Anlässen mitgeführt wurde. Die jährliche Abhaltung von Wertungssingen, die Teilnahme an Bundeschorfesten und die gegenseitige Unterstützung durch Besuche bei Nachbarvereinen waren die wesentlichen Aktivitäten der Sängervereinigung.

In Folge des Zweiten Weltkrieges kam die Arbeit des Sängerkreises 1945 zum Erliegen, wurde aber 1948 wieder aufgenommen. Im 50. Jubiläumsjahr 1975 gehörten ihm stolze 17 Vereine an mit 17 Männer- und zwei gemischten Chören, einem Jugendchor und drei Kinderchören an: insgesamt 740 Sängerinnen und Sängern. Eine solche wurde nie wieder erreicht. Geographisch erstreckte sich das Gebiet von Darsberg über Hirschhorn und Unter-Schönmattenwag bis nach Gammelsbach, Sensbachtal und an die bayrische Grenze mit Hesselbach.

Wesentlich geprägt wurde der Sängerkreis Neckartal auch immer von seinen Vorsitzenden. Ganz besonders hervorzuheben ist die Zeit ab 1979, als Friedel Sepp aus Schöllenbach mit seiner gewinnenden Art für großen Zusammenhalt im Inneren und auch für eine starke Präsenz des Chorgesangs nach außen sorgte, erläutert Gert Menges.

Das 75. Jubiläum wurde im Jahr 2000 mit noch 15 Kreisvereinen begangen. Hier zeichnete sich bereits eine Trendwende ab: Mangels männlichem Nachwuchs hatten sich mittlerweile einige Männerchöre für Frauen geöffnet und so zu gemischten Chören gewandelt. So hatte der Sängerkreis nun insgesamt 660 Stimmen. Die Ära Friedel Sepp endete 2001 nach 22 Jahren. Danach konnte man den jungen Udo Mayer aus Unter-Schönmattenwag für den Vorsitz gewinnen, der bis 2007 amtierte.

Um den Vorsitzenden zu entlasten, entschloss man sich damals zu einer Doppelspitze, die mit Jutta Ihrig (Schöllenbach) und Ingrid Reinschild (Gammelsbach) eine gute Besetzung fand. Seit Herbst 2012 wurde der Vorsitz bis zuletzt im jährlichen Turnus reihum von den jeweiligen Vorsitzenden der Mitgliedsvereine wahrgenommen, „was auch erstaunlich gut funktionierte“, erinnert sich Menges schmunzelnd.

Mitte 2019 verließ der größte bis dato im Sängerkreis beheimatete Verein, der Sängerbund Unter-Schönmattenwag, die Vereinigung und schloss sich dem Sängerkreis Weschnitztal-Überwald an. Als kurze Zeit darauf noch die Nachricht eintraf, der MGV Liederkranz 1898 Kortelshütte befände sich in Auflösung, sah man im Vorstand die Notwendigkeit gegeben, den Fortbestand des Sängerkreises Neckartal insgesamt zu hinterfragen.

Denn es gab dann nur noch neun angeschlossene Vereine: Eintracht 1912 Falken-Gesäß, Gemischter Chor Finkenbach, Liederkranz 1912 Gammelsbach, Eintracht/Sängerbund Hirschhorn (derzeit nicht aktiv), Sängerbund 1860 Neckarsteinach, MGV Liederkranz 1898 Ober-Hainbrunn, MGV 1911 Rothenberg, Sängerkranz Schöllenbach und MGV Eintracht-Liederkranz 1882 Sensbachtal.

Nach dieser Bestandsaufnahme wurde ab Herbst 2019 im Vorstand diskutiert, ob angesichts des Wegfalls dieser beiden Mitgliedsvereine und einer damit einhergehenden drastischen Reduzierung des belastbaren Personals (nicht zuletzt auch wegen der immer ungünstiger werdenden Altersstruktur) eine Wahrnehmung der Aufgaben im Sängerkreis überhaupt noch gewährleistet werden kann.

Angesichts der geringen Anzahl der verbliebenen Vereine und der Diversität ihrer Chorarbeit konnte zukünftig keine vereinsgerechte Förderung mehr angeboten werden, bedauert Menges. Auch die Ausrichtung von Veranstaltungen erwies sich als fast nicht mehr lösbare Aufgabe. So wurde die Auflösung zum 31. Dezember 2020 beschlossen.

Zum 1. Januar 2021 fanden vier Vereine im Sängerbund Odenwaldkreis (Falken-Gesäß, Finkenbach, Gammelsbach, Schöllenbach), drei im Sängerkreis Weschnitztal-Überwald (Sensbachtal, Rothenberg, Ober-Hainbrunn) und einer im Badischen Sängerbund (Neckarsteinach) eine neue Heimat. In Hirschhorn ruht derzeit der Betrieb.

Am 25. April vergangenen Jahres hätte es eine durch den MGV Sensbachtal organisierte Abschluss-Veranstaltung mit allen Vereinen geben sollen. Dabei wollte man auch zahlreiche Jubilare ehren. Pandemiebedingt wurden jedoch alle Planungen zunichte gemacht. So bleibt den Vereinen nun die Hoffnung, nach der Zeit der Gesangsabstinenz ein verspätetes Abschlussfest feiern zu können.

Oberzent führt Zweitwohnungssteuer ein

80.000 bis 100.000 Euro: Diese jährlichen Mehreinnahmen erhofft sich Oberzent von der Einführung einer Zweitwohnungssteuer. Zwar ist der einmalige Verwaltungsaufwand zu Beginn hoch, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer der in der Sporthalle tagenden Stadtverordneten-Versammlung. „Aber es lohnt sich“, fügte er hinzu.

Bereits vor der Fusion 2018 hatte es in Rothenberg eine solche Steuer gegeben. Sie war danach erst einmal ausgesetzt worden, da sie in den anderen drei Gemeinden nicht existierte. Die Zweitwohnungssteuer bildet eine Möglichkeit, weitere willkommene Steuereinnahmen zu generieren, so Kehrer. Sie ist „für den Haushalt der Stadt notwendig“, sagte er.

Das Stadtoberhaupt betrachtete diese Steuerart „auch als regulierenden Faktor“. Denn oft würden dann Erst- und Zweitwohnsitze angepasst. Wird der Erstwohnsitz in Oberzent angemeldet, hat es den positiven Effekt, dass die Stadt von den höheren Einkommensteueranteilen profitiert. Kehrer nannte um die 800 Personen, die derzeit nicht ihren Hauptwohnsitz in der Stadt haben.

Eine Regulierung über die Grundsteuer funktioniert nicht, entgegnete er auf eine Nachfrage von Thomas Väth (Grüne). Brigitte Heckmann (SPD) bekannte, erst einmal „Bauchweh“ wegen des Verwaltungsaufwands gehabt zu haben. Unterm Strich sah sie aber die Vorteile.

Sie berichtete aus den Erfahrungen in Kortelshütte: Viele hätten nach Einführung der Steuer ihren Erstwohnsitz in der Altgemeinde Rothenberg angemeldet, wusste sie. Das wiederum, ergänzte Wilfried Friedrich (ÜWO), bedeutete dann finanzielle Vorteile, da es durch mehr Einwohner höhere Schlüsselzuweisungen gab.

„Wer hier wohnt, soll auch seinen Beitrag für die Kommune leisten“, sprach sich Horst Kowarsch (Grüne) ebenfalls dafür aus. Denn Personen, die nur ihren Zweitwohnsitz in Oberzent gemeldet haben, nutzen ebenfalls die komplette Infrastruktur. Positive Signale sendete ebenfalls Oliver von Falkenburg (CDU) aus, womit der einstimmigen Verabschiedung nichts im Weg stand.

Im Ausschuss war im Zuge der Diskussion daneben angesprochen worden, dass mit der Erhebung einer Zweitwohnungssteuer große Gebäude, „die wenig oder gar nicht genutzt werden, vielleicht an den Markt gebracht werden“. Als weiterer Vorteil wurde genannt, dass damit auch das Einwohnermeldewesen bereinigt wird.

Oberzent: Keine Steuer für Jagdhunde

Jagdhunde und Nachsuchengespanne sollen ebenfalls von der Hundesteuer ausgenommen werden. Diese Ergänzung der Satzung beschloss die Stadtverordneten-Versammlung Oberzent bei ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr auf Antrag von Oliver von Falkenburg (CDU). Die Grünen hätten sich Ausnahmen nur auf Antrag und nicht gleich schriftlich festgezurrt gewünscht, scheiterten aber mit diesem Ansinnen. Die eigentliche Satzung wurde dann einstimmig verabschiedet.

Der CDU-Sprecher wollte im ländlichen Raum Jagdhunde mit entsprechender Qualifikation als Teil der wertvollen Arbeit der Oberzent-Jäger wahrnehmen. Das sei zweckmäßig, so von Falkenburg. Die Jäger verrichten seiner Meinung nach „mit ihren treuen und qualifizierten Begleitern“ freiwillige Aufgaben zum Wohl der Allgemeinheit. Sie leisten weiterhin einen Beitrag zur öffentlichen Daseinsvorsorge.  

Der CDU-Sprecher wies darauf hin, dass die Jagd und die damit einhergehenden Aufgaben im Odenwald „gelebter Naturschutz“ sind. Sie tragen zum Erhalt der Lebensgrundlagen bei. Das Zusammenspiel von Mensch und Tier sollte deshalb auf diesem Weg mit einer Steuerbefreiung honoriert werden, wenn das von den Hundehaltern so beantragt wird.

Der Hessische Städte- und Gemeindebund empfiehlt in seiner Mustersatzung keine Befreiung, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Allerdings wird auch nicht explizit davon abgeraten, ergänzte er. Das Stadtoberhaupt machte aber die Einschränkung: Wenn Jagdhunde mit aufgenommen werden, sollte das unter anderem auch mit Rettungshunden geschehen. Er wünschte sich deshalb, eine Einzelfallentscheidung dem Magistrat zu überlassen. Sonst mache man ein Fass auf.

Das befürchtete auch Thomas Väth (Grüne). Sein Gedanke, dass aus dem Tierheim stammende Kampfhunde dadurch befreit sein könnten, weil normalerweise auf Tierheim-Hunde keine Steuer erhoben wird, trifft nicht zu, entgegnete der Bürgermeister. Das ist in der Satzung entsprechend explizit geregelt.

Positiv äußerte sich Thomas Ihrig (SPD) zum CDU-Ansinnen. Auf dem Land „leisten die Förster viel fürs Allgemeinwohl“, betonte er. Deshalb macht eine Befreiung Sinn. Sollten wirklich mehr „weitere zehn Befreiungswünsche kommen“, könne man sich neu damit befassen.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) wollte – wie auch der Rest ihrer Fraktion – gern die neue Satzung unverändert lassen. Für sie ist es sinnvoller, nur auf direkten Antrag zu reagieren. Deshalb plädierte die Fraktionssprecherin lediglich für enge Ausnahmen. Bei drei Gegenstimmen der Grünen ging der CDU-Antrag jedoch durch.

Die Stadt verspricht sich durch die Hundesteuer-Anhebung etwa 22.460 Euro zusätzliche Einnahmen zu den bisherigen 53.500 Euro. Bisher kostete der erste Hund 48, der zweite 72 und der dritte 96 Euro. Kampfhunde wurden pro Tier jeweils mit 600 Euro besteuert. Oberzent lag damit unter dem Schnitt benachbarter Kommunen. Lediglich bei den Kampfhunden war man um etwa 150 Euro drüber.

Hintergrund der Anhebung: Mit der Neufassung der Hundesteuer-Satzung soll das Oberzent-Modell an das Muster des Hessischen Städte- und Gemeindebundes angepasst werden. Außerdem werden Hundesteuermarken, Steuerbefreiungen und Meldepflichten geregelt. Aktuell sind in Oberzent etwa fast 1100 Hunde gemeldet. Der Verwaltungschef erläuterte, dass durch die Bestandsaufnahme im Frühjahr 40 nichtregistrierte Hunde festgestellt wurden.

Mit Blick auf die höheren Steuerbeträge bestand bei den Mandatsträgern Einigkeit, dass diese vertretbar sind. Künftig kostet der erste Hund ab Januar kommenden Jahres 66 Euro, der zweite 108 und der dritte 150 Euro. Dabei nimmt man die hessischen Durchschnittswerte als Orientierungswert. Kampfhunde werden pro Jahr mit 684 Euro besteuert.

Steigen soll auch die Spielapparatesteuer. Außerdem soll die Satzung ans Muster des Städte- und Gemeindebundes angepasst werden. Insgesamt verspricht man sich bei der Verwaltung durch die diversen Erhöhungen in den verschiedenen Kategorien Mehreinnahmen von knapp 34.000 Euro. Das entspricht bei insgesamt 76.000 Euro Erlös somit einer Fast-Verdoppelung.

Die als Corona-Hilfe gedachte Umsatzsteuersenkung des Bundes für zweite Halbjahr 2020 macht es darüber hinaus nötig, die Wasserversorgungssatzung für den entsprechenden Zeitraum zu ändern. Statt sieben werden jetzt bis Ende des Jahres fünf Prozent Mehrwertsteuer auf den Wasserpreis fällig. Beide Punkte gingen einstimmig durch.

5G auf den Punkt gebracht

Der neue Mobilfunkstandard 5G bewegt schon die Gemüter, bevor überhaupt die ersten Anlagen in Betrieb gehen. Verschwörungstheorien über alle möglichen Gefahren machen in diesem frühen Stadium die Runde, war in der Stadtverordneten-Versammlung Oberzent zu erfahren. Nicht nur deshalb wünschten sich die Grünen per Antrag einen Bürgerdialog zum Ausbau des 5G-Mobilfunks in Oberzent. Die Mandatsträger einigten sich darauf, einer öffentlichen Diskussion die Beratung im Ausschuss vorzuschalten.

Fraktionssprecherin Elisabeth Bühler-Kowarsch ging es darum, „eine ausgewogene Information zu organisieren“. Damit könne man die Vor- und Nachteile des Netzausbaus kennenlernen und in einen Dialog mit Entscheidern, Gestaltern und Kritikern treten. „Die Chance zur Meinungsbildung sollten wir unseren Bürgern anbieten“, forderte sie. Denn die Digitalisierung nehme rasant an Geschwindigkeit auf.

„Wir sind auf Akzeptanz angewiesen“, betonte Bühler-Kowarsch. Deshalb wolle man ein breites Spektrum an Meinungen ermöglichen. Die Bedenken und Ängste „müssen wir ernst nehmen und mit Argumenten entkräften“, ist ihre Zielrichtung. Denn: „Die Menschen sollen mitgehen können.“

Von Walter Gerbig (CDU) kam die Anregung, eine fundierte Beratung im Bauausschuss vorzuschalten und dann in die Bürgerbeteiligung zu gehen. Frank Leutz (FDP) wünschte sich eine Prüfung, ob in Oberzent 5G derzeit überhaupt aktuell ist. Er betonte aber unabhängig davon die Notwendigkeit, „die Bürger mitzunehmen“.

Das hob auch Thomas Ihrig (SPD) hervor. Er wollte im Vorfeld „die Interessen abklopfen“. Chris Poffo (ÜWO) möchte ebenfalls erst nach einer Ausschuss-Beratung weitere Infos fließen lassen, um dann der Schwarzmalerei von 5G-Gegnern fundiert entgegentreten zu können.

Thomas Väth (Grüne) wies auf den dringenden sachlichen Info-Bedarf hin. Er war auf einer Veranstaltung von 5G-Gegner, ergänzte er, und „erschrocken über die hanebüchenen Vorstellungen“.  Die dort vorgebrachten Argumente der Bürgerinitiative müssten entkräftet werden, forderte er. Denn sie tragen zur Verunsicherung der Bürgerschaft bei.

In die Reihe der Ausschussberatungs-Befürworter reihte sich auch Bürgermeister Christian Kehrer ein. Kommt es dann zu einer Bürgerinfo-Veranstaltung, will er diese extern begleiten lassen. „Von uns stellt sich keiner da oben hin“, meinte er. Wie das Stadtoberhaupt weiter erläuterte, wurde Oberzent seitens des Landes angesprochen, ob man Testkommune für den 5G-Ausbau sein wolle. Dafür gibt‘s eine 90-prozentige Förderung.

Die Stadt sagte aber erst einmal „Nein“, erläuterte der Rathauschef. Denn die drei großen Mobilfunk-Anbieter sind auf der Gemarkung bereits tätig – beispielsweise im Bereich Olfen oder Schöllenbach, allerdings nur im 4G-Bereich.Wenn es keine städtischen Standorte sind, „werden die Kommunen gar nicht gefragt“, machte der Bürgermeister deutlich, dass manche Nachricht nur per Zufall den Weg ins Rathaus findet. So weiß er unter anderem durch den Buschfunk, dass in Beerfelden zwei Standorte im Gespräch sind.

In der Vergangenheit war die Versorgung mit mobilem Internet vor allem in den Oberzent-Tälern mangelhaft bis nicht vorhanden. Doch so langsam tut sich etwas. Zuletzt wurde im Gammelsbachtal ein 4G-Mast von Telefonica in Betrieb genommen, der nun hier für besseren Zugang ins weltweite Netz sorgt. Sensbachtal und Hesseneck darben jedoch noch.

Auf breiter Linie gegen Lärm vorgehen

Der Motorradlärm auf der B 45 ist dem Ortsbeirat Hetzbach ein Dorn im Auge. Auf seiner vergangenen Sitzung beschäftigte er sich deshalb auch mit möglichen Maßnahmen dagegen. Nur: Die Stadt hat selbst wenig Einflussmöglichkeiten. Aufgrund der Gesetzeslage ist es schwierig, auf Gemeindeebene eine Lösung zu finden, sagte Ortsvorsteher Ludwig Kredel. Denn eine Überwachung und Kontrolle des Motorradverkehrs ist nur zusammen mit der Polizei möglich.

Die Stadt Oberzent hat rund 700 Kilometer Ortsstraßen zu überwachen, erläuterte er. Es ist der Eindruck entstanden, schilderte er auf der Sitzung, dass der Einsatz des städtischen Blitzgeräts zu wenig variiert, „also immer an den gleichen Stellen geblitzt wird“. Kredel forderte deshalb, zumindest im Bereich der Ortsdurchfahrt verstärkt zu kontrollieren, „da die Blitzersäulen seit nunmehr zweieinhalb Jahren außer Betrieb sind“.

Stark belastete Anlieger wurden bereits selbst aktiv. Sie führten Gespräche mit der Immissionsschutz- und Straßenverkehrsbehörde des Landratsamts, sagte er. „Diese sollen jedoch unbefriedigend verlaufen sein und werden deshalb nicht weiter als zielführend angesehen“, so die Äußerung des Ortsvorstehers. Er betonte die Notwendigkeit von Maßnahmen, „da wir die Wichtigkeit sehen, dass gegen diese Art von Lärmbelästigung auf breiter Linie vorgegangen werden muss“.

Die Neuanlage des Treffpunkts „Dammruhe“ an der Abzweigung zum Bahnhof wurde allgemein positiv aufgenommen, war den Äußerungen im Ortsbeirat zu entnehmen. Lediglich die Farbgebung der den Eingang flankierenden Pfosten war Gegenstand einer Diskussion. Gegebenenfalls kann bei zukünftigen Renovierungsarbeiten ein Anstrich in anderer Farbe erfolgen, war der Tenor. Das optisch störende grüne Rohrstück der Regenwasserableitung soll noch ersetzt werden.

Die weitere Grüngestaltung in Gestalt von Baumpflanzungen soll im Herbst erfolgen. Die beiden zu dicht am Gebäude stehenden Bäume müssen entfernt werden, hieß es. Die geplante „Dorflinde“ soll Richtung Buswartehäuschen ihren Platz finden. Weiterhin sollen in der Böschung am Buswartehäuschen, rechts neben der Dammruhe, im Bereich der Haltestelle Krähberg und auf der Grünfläche vor der Krähberghalle Rosskastanien angepflanzt werden.

Die Informationstafel ist allein für die Ortsveranstaltungen zu groß, war der Eindruck des Gremiums. Es sollte deshalb eine Wanderkarte aufgehängt werden. Eine solche ist bereits bei der Krähberghalle geplant, kam die Information aus dem Zuschauerkreis. Der Grund: Die örtlichen (Rund-)Wanderwege nehmen auf diese als Start- und Zielpunkt Bezug. Allerdings hielt man es für sinnvoll, Im Zuge der Um- und Neugestaltung des Bahnhofsumfelds auch dort eine Tafel mit Wanderkarte einzuplanen. „Ankommende sollen nicht lange nach Informationen suchen müssen“, lautete der Tenor.

Der Ortsbeirat spricht sich außerdem für eine Gestaltung des Wegs am Urnenfeld aus. Denn der ist unansehnlich und teilweise schlecht zu begehen. Das Urnenfeld wird „als Abkürzung“ ständig überlaufen, wurde kritisiert. Die Anlage hat eine teilweise Instandsetzung und Neugestaltung nötig. Das Gremium äußerte seine Bereitschaft, zur Entlastung des Bauhofs Maßnahmen in Eigenleistung durchzuführen.

Um eine Verpachtung des Kiosks im Schwimmbad Hetzbach zu gewährleisten, sprachen sich die Ortsbeirats-Mitglieder für eine frühzeitige und konsequente Werbung aus. „Ansonsten ist zu befürchten, dass auch in der nächsten Saison kein Kioskbetrieb besteht“, äußerte Kredel. Auf der städtischen Homepage, in den Schwimmbädern oder unter den Stellenangeboten sollte mit „Pächter gesucht“ geworben werden. Daneben gab es den Wunsch, mehr auf die Einhaltung der Campingplatz-Ordnung zu achten.

Der Zeltplatz am Marbach-Stausee war zwar während der Corona-Pandemie geschlossen. Aber dadurch entwickelte sich die Problematik, dass wildes Campen deutlich zunahm. Denn der Zeltplatz wird nicht überwacht, so die Kritik. Die Beobachtung: „Auf den Wegen rund um den See herrscht teilweise Verkehrschaos.“

Der Wald hängt am Fördertropf

Borkenkäferbefall, Sturmtiefs, sich ändernde klimatische Bedingungen: Der Wald ist das Sorgenkind in Oberzent. Um besser auf die Situation reagieren zu können, brachte die CDU den Antrag in den Haupt- und Finanzausschuss ein, dass – eventuell in Kooperation mit dem Forstzweckverband Hessischer Odenwald – geprüft werden soll, ob die Stadt am Förderprogramm „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) teilnehmen kann. Durch die Vorarbeit der Verwaltung wurde er später wieder zurückgezogen, da schon am Laufen.

Innerhalb Deutschlands fördern der Bund und die Länder mit der GAK-Gemeinschaftsaufgabe gemeinsam die ländlichen Räume, die Landwirtschaft und den Schutz der Küsten, erläuterte Fraktionssprecher Oliver von Falkenburg. Der Bund trägt dabei mindestens die Hälfte der Ausgaben.

Seinen Worten zufolge soll damit sichergestellt werden, dass die Land- und Forstwirtschaft leistungsfähig und auf künftige Anforderungen ausgerichtet sowie in der Europäischen Gemeinschaft wettbewerbsfähig ist. Auch sollen die ländlichen Gebiete nachhaltig leistungsfähig bleiben, wobei eine umwelt- und ressourcenschonende Land- und Forstwirtschaft integraler Bestandteil ist.

Mit der Förderung soll laut von Falkenburg dazu beigetragen werden, die Nutz-, Schutz-, Klimaschutz- und Erholungsfunktion der Wälder zu sichern sowie die Produktions-, Arbeits- und Absatzbedingungen in der Forstwirtschaft zu verbessern. Mit den Bundesmitteln können verschiedene Maßnahmen im und um den Wald gefördert werden.

Dazu zählen: naturnahe Waldbewirtschaftung, forstwirtschaftliche Infrastruktur und Zusammenschlüsse, Erstaufforstung, Vertragsnaturschutz sowie Förderung von Maßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald. Diese Fördermaßnahmen könnten „zur Entschärfung der aktuellen Situation im Oberzent-Wald beitragen“, betonte der CDU-Sprecher.

Bis 2017 erbrachte der Wald im Schnitt zusammen 700.000 Euro Einnahmen für die vier ehemaligen Kommunen Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck. Das Geld war eine sichere Bank in den Haushaltsplänen. Die Einnahmen gingen in den vergangenen Jahren mit Beginn der Oberzent-Fusion allerdings drastisch zurück. Für 2020 war ursprünglich im Waldwirtschaftsplan noch ein Plus von 117 Euro angesetzt. Jedoch wird es am Ende des Jahres voraussichtlich ein (größeres) Defizit geben. Denn aktuell kostet die Verarbeitung mehr als der zu erwartende Erlös.

Bürgermeister Christian Kehrer erläuterte, dass im Rahmen des Beförsterungsvertrags das Forstamt Beerfelden die Organisation und Antragsstellung für alle forstrelevanten Förderungen übernimmt. Der Großteil der Anträge beschäftigt sich mit der Aufarbeitung von Schadholz und Flächenräumung, ergänzte er. Hier sind bereits auch schon Gelder in ansehnlicher Höhe geflossen. Gefördert werden außerdem die Erstaufforstung und eine naturnahe Waldbewirtschaftung.

Vereinsförderung soll schneller kommen

Die Neuordnung der Vereinsförderrichtlinien ist ein heißes Eisen. Sie stand auf der Agenda quasi aller Oberzent-Fraktionen im Vorfeld der Kommunalwahlen 2018. Getan hat sich bisher: nichts. Was Frank Leutz (FDP) auf der vergangenen Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses dazu bewegte, mit der Verwaltung hart ins Gericht zu gehen. Allerdings hängt es auch an zwei Dritteln der Oberzent-Vereine, dass es nicht wirklich vorangeht, machte er deutlich.

SPD, CDU und FDP taten sich vor längerer Zeit zusammen und erarbeiteten einen Vorschlag, wie die Vereinsförderung geregelt werden könnte, erläuterte Leutz. Die Verwaltung wollte per Fragebogen Details erfahren: etwa wie viele Mitglieder hat ein Verein, wie viele Jugendliche sind aktiv, gibt es eigene Liegenschaften und Ähnliches. Denn es soll möglichst gerecht zugehen.

Das Problem: Nur 42 der 138 angeschriebenen schickten die Unterlagen zurück. Für Leutz ist die Sache deshalb klar. „Bei Nichtausfüllen entfällt der Anspruch“, so sein Vorschlag fürs aktuelle Jahr. Denn eine Neuregelung muss unbedingt her, betonte er. Gab es in einer der vier bisherigen Kommunen eine Vereinsförderung, dann besteht die erst einmal fort.

Was dazu führt, dass manche noch was bekommen, andere aber leer ausgehen. „Dieser Zustand ist nicht haltbar“, kritisierte Leutz. Seit zwei Jahren könnte man schon so weit sein, eine neue Vereinsförderrichtlinie zu haben, führte er aus. Seine Meinung: Wer in diesem Jahr leer ausgeht, macht sich vielleicht in 2021 die Arbeit, den Fragebogen auszufüllen.

Horst Kowarsch (Grüne) hieb in dieselbe Kerbe. Schon vor der Fusion „haben die ehemaligen Bürgermeister nichts gemacht, obwohl es den Auftrag gab“, lautete sein Vorwurf. Der Grünen-Mandatsträger schlug vor, der Verwaltung ein Datum vorzugeben, bis zu dem die Vereinsförderrichtlinien verabschiedet sein müssen. Die Förderung von Kinder und Jugendlichen sah er unter dem Aspekt der Daseinsvorsorge.

Deshalb ließ Kowarsch wie Leutz auch das Argument der Aufsichtsbehörde nicht gelten, dass die Jugendförderung als freiwillige Ausgabe zu betrachten ist, die man bei knappen Haushaltsmitteln nicht auszahlen sollte. „Wir müssen zu Potte kommen“, so der Tenor aus der Runde. Lösung könnte analog des Ortsbeiratsbudgets ein Sockelbetrag pro Verein plus eine bestimmte Summe pro Jugendlichem sein.

Dominik Foshag (ÜWO) äußerte den Wunsch, dass die Verwaltung zu dem SPD/CDU/FDP-Vorschlag Stellung nehmen soll. Von Fraktionskollege Claus Weyrauch kam die Anregung eines „Neustarts“, anstatt aufwändig eine Aufstellung des Bestehenden zu machen. Nach einem Jahr könne man nachjustieren, wenn es zu Verzerrungen kommen sollte.

Dem Vorschlag von Frank Leutz konnte der Ausschuss folgen: Die Oberzent-Vereine sollen noch einmal und zum letzten Mal angeschrieben werden. Rückmeldefrist ist der 30. September. Von wem dann wieder nichts kommt, der ist in diesem Jahr außen vor. Das Gremium will auf dieser Basis in der kommenden Sitzung wieder beraten.

Sebastian Siefert stellte im Anschluss einen Vorzeigeverein in Oberzent vor: den ersten Jugendförderverein im Odenwaldkreis. In ihm bündeln sieben, bald acht Fußballvereine ihre Arbeit im Jugendbereich. Der JFV hat sich zum Ziel gesetzt, den Kindern und Jugendlichen langfristig eine Perspektive für den Fußballsport zu bieten. Alle Altersklassen sollen mit Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Derzeit eifern etwa 130 Kinder und Jugendliche in Oberzent dem runden Leder nach, angeleitet von 20 Trainern und Betreuern. Ein Schnuppertag war vor kurzem mit 30 jungen Teilnehmern ein großer Erfolg, freute er sich.

in den vergangenen Jahrzehnten wurde es für die Vereine immer schwieriger, eigene Jugendmannschaften zu stellen. Die Folge war die Gründung von immer mehr Spielgemeinschaften, so vor zehn Jahren auch die JSG Oberzent, „um den Jugendfußball zu stabilisieren“. Aber auch dieses Modell erwies sich über die Jahre hinweg als problemanfällig.

 

„Kein Netz“ gehört zum täglichen Brot

Leidgeprüfte Odenwälder wissen genau, wo in welchem Tal plötzlich das Handy-Gespräch abbricht oder wo es auf Teufel kommt raus kein mobiles Internet gibt. Nach wie vor hat die Telekom auf dem Land das beste Netz. Vodafone und o2-Telefonica folgen auf schlechten zweiten Plätzen. Da die Stadt auf den Netzausbau nicht einwirken kann, nutzt sie ihre eigenen Möglichkeiten und installiert derzeit an neuralgisch unterversorgten Punkten Wifi-Hotspots.

Henning Gajek aus Rothenberg kennt die Internet-Löcher auf Oberzent-Gemarkung punktgenau. Er schreibt für das Internet-Fachmagazin teltarif.de. Die Telekom versorgt seinen Worten zufolge Rothenberg, Kortelshütte und Hainbrunn mit LTE. 3G, also UMTS, wird bald durch 5G auf 2100 MHz ersetzt, teilt er mit. In Beerfelden sollte das schon der Fall sein. Das Problem: Es gibt für 5G bisher kaum passende Endgeräte zu kaufen. Die dürften erst Richtung Weihnachten auf den Markt kommen.

Vodafone plant, (irgendwann) Rothenberg und Kortelshütte mit LTE zu versorgen, weiß Gajek. „Aber in den nächsten drei Monaten nicht“, so sein Kenntnisstand. Auch o2 will in diesem Gebiet LTE einführen. Dazu muss aber der Sender in Brombach umgebaut werden – und das ist etwas kompliziert. In Gammelsbach gibt es seit kurzem o2-LTE, wo vorher mit Edge das mobile Internet nur ganz rudimentär vertreten war.

In Finkenbach „ist die Versorgung des Schwimmbad-Geländes kritisch“, erläutert Gajek. Die Telekom schlägt sich hier am besten, Vodafone kommt auf dem letzten Platz – aber o2 „ist auch nicht gut“. Zum Glück gibt es in diesem Bereich einen Wifi-Hotspot. Falken-Gesäß und Airlenbach sieht nur den magentafarbenen Riesen am Start. Als „nicht begeisternd“ bezeichnet der Fachmann die Lage im Sensbachtal. „Unter-Sensbach und Hebstahl teilweise weiter nix“, lautet sein Fazit.

Für die Rothenberger hat er eine gute Nachricht. Die betrifft allerdings „nur“ das Festnetz-Internet der Telekom. Interessierte können inzwischen zu Magenta-Regio wechseln, wobei Download-Geschwindigkeiten ab 50 Mbit aufwärts (vorher 16) buchbar sind. Weitere Infos unter www.telekom.de/zuhause/tarife-und-optionen/internet/magenta-zuhause-regio. Die Kunden werden Gajek zufolge von der Telekom an das Versorgungsnetz der Entega angeschlossen, bleiben aber deren Kunden.

Der Vorteil laut dem Experten: Der Telekom Magenta Eins-Rabatt (Flatrate vom Heim-Anschluss zu allen Handynetzen) bleibt nutzbar. Es muss kein Anschluss gekündigt und zu Entega „portiert“ werden. „Das regelt die Telekom alles hinter den Kulissen.“ Nachteil: Es gibt keinen Strom-/Telefon-Kombi-Tarif wie bei de Entega.

Selbst mit dem reinen Mobilfunkempfang hapert es an etlichen Stellen des Stadtgebiets. „Im Finkenbachtal gehen alle drei Netze hoch bis Finkenbach“, erklärt Gajek. Dahinter wird’s aber duster. Sowohl weiter nach Falken-Gesäß und Airlenbach als auch den Berg hoch nach Beerfelden regiert allein die Telekom.

Finkenbach und Teile von Hinterbach könnten jedoch Gajek zufolge „recht einfach versorgt werden“. Nämlich dann, wenn der Sender für den Digital-Funk der Hilfsorganisationen am Taleingang Hinterbach mit Handy-Mobilfunk ausgerüstet würde. Im Sensbachtal ist die Situation „ziemlich mau“. Der Telekom-Empfang geht einigermaßen, aber mit o2 kommt man gerade im unteren Bereich nicht weit. Ein oder zwei eigene Sendemasten fürs Tal wären eine gute Lösung, schlägt er vor.

Noch weiter talwärts am Ortsausgang Hebstahl und im badischen Gaimühle „sind alle Netze tot“. Auf der anderen Seite in Olfen ergibt sich ein ähnliches Bild. Kein Netz und manchmal sogar kein Notruf zeigt das Handy je nach Anbieter an. Nach dem Motto: „Schlimmer geht immer“.

Das dortige Dorfgemeinschaftshaus war deshalb auch das erste mit einem frei zugänglichen WLan-Hotspot. Sechs dieser geförderten Projekte sind bereits fertig, so etwa auch in Falken-Gesäß und Hebstahl. Andere wie bei den Feuerwehren Hetzbach und Gammelsbach sind in Umsetzung. Bikepark und Bahnhof Hetzbach lauten die Anregungen für weitere Punkte.

 

Baden darf man in Baden und Hessen nicht

Der Eutersee ist der typische Geheimtipp, der eigentlich keiner mehr ist. Hierher, in die Pampa des Odenwalds im idyllischen Eutergrund, kommen die Ausflügler, wenn sie Ruhe und Idylle suchen. Nur eine schmale Straße führt von Schöllenbach am See entlang Richtung Hesselbach hinauf. Im Tal gelegen, lässt es sich am oft schattigen Ufer auch bei großer Hitze gut aushalten. Und das Quellwasser ist kalt – sehr kalt.

Woher der See seinen Namen hat?  Am ehesten wohl vom gleichnamigen Grund, der sich bis nach Bullau zieht. Aber es gibt auch die Theorie, schmunzelt Ortsvorsteher Martin Pollak, dass im starken Quellgebiet das Wasser aus der Erde heraussprudelt wie Milch aus einem Euter. So oder so: Von der Ergiebigkeit profitieren nicht nur die Schöllenbacher und Kailbacher, sondern auch das weiter südlichere Eberbach mit seinen an der Itter gelegenen Stadtteilen.

1970 als Hochwasserrückhaltebecken gebaut, rückte schon schnell der touristische Aspekt in den Vordergrund. Das Gewässer wurde als Bade- und Freizeitsee genutzt. Der Wasserstand kann nur manuell abgesenkt werden, weiß Pollak. Aber da wird praktisch nie was gemacht – außer es stehen Arbeiten an. Der Eutersee hat keinen Überlauf, sondern einen unterirdischen Abfluss.

Gebaut wurde der See, direkt auf der hessisch-badischen Grenze gelegen, in Absprache mit Eberbach. Mündlich überliefert ist seinen Worten nach, dass sich die Hessen um alles zu kümmern haben. Was früher Hesseneck erledigte, ist nun auf Oberzent übergegangen. Die Hütte am Nordufer steht Pollak zufolge auf badischer Gemarkung, das Grundstück gehört aber Oberzent – die Verzahnungen sind groß.

Früher, erinnert sich der Ortsvorsteher, „war Baden noch auf eigene Gefahr erlaubt“ – in Baden wie in Hessen. Heutzutage ist es allerdings verboten. Meistens wird diese Vorgabe „relativ gut befolgt“, hat er beobachtet. Die dazu auffordernden Schilder bedürften allerdings einer kräftigen Ertüchtigung. Das ist wiederum – auch für die auf der anderen Seite der Landesgrenze – Sache der Hessen.

Der Kailbacher erlebt die Ausflügler als sehr diszipliniert. Viele Camper, aber auch Familien mit Kindern, machen Station in der ländlichen Idylle. Der Zeltplatz ist an den Wochenenden ausgebucht. Sind es sonst oft Jugendgruppen, so beobachtet er in diesem Jahr mehr Familien. Drei Mal in der Woche wird der Müll abgeräumt.

Weil der Marbachstausee nicht genutzt werden darf, kommen mehr Besucher in den Eutergrund – viele auch von weiter her, aus Mosbach oder Miltenberg. Um den Menschen wenigstens noch ein bisschen Ausflugsmöglichkeit zu geben, setzte sich der Ortsvorsteher dafür ein, den Eutersee nicht auch noch zu sperren.

„Die Leute können auch nur die Füße ins Wasser strecken ohne zu baden“, meint Pollak. Denn neben der schriftlichen Aufforderung, es nicht zu tun, gibt es noch eine ganz natürliche. Stellenweise kommt der See auf 20 Grad – aber als Höchsttemperatur. „Mehr wird es selten“, weiß er. Und in der Nähe des Durchflusses  sind es eher bibbernde 16. An der tiefsten Stelle misst der 9000 Quadratmeter große See fünf Meter. Ein Steg wurde nie angelegt, um die Leute nicht zum Baden zu animieren.

Der Eutersee ist laut dem Ortsvorsteher „eines der reinsten Gewässer überhaupt“ und so gut wie nicht belastet. Denn im weiter nördlich liegenden Einzugsgebiet gibt es keine Landwirtschaft und so gut wie nur Wald. Damit hat das Wasser extrem niedrige Nitratwerte und sogar Babynahrungsqualität.

„Tiere und Menschen stören sich nicht“, ist sein Fazit, wenn am Wochenende mal 200 Erholungssuchen an einem Tag vorbeikommen. Es gibt keine Auswirkungen durch den Tourismus. Ökologisch ist alles im grünen Bereich. Teichhühner, Enten, Biber Eisvogel, Fischreiher und Kormorane sind hier heimisch. Zwar wurden schon lange keine Fische mehr eingesetzt, aber die Fischtreppe wird immer eifrig genutzt. Deshalb wird sie von den Ehrenamtlichen regelmäßig gepflegt.

Langfristig eine Perspektive für Fußball bieten

„Wir wollen den Kindern und Jugendlichen langfristig eine Perspektive für den Fußball bieten“, hat sich der Jugendförderverein (JFV) Oberzent auf die Fahnen geschrieben. Aus der Taufe gehoben wurde er bereits während des letztjährigen Pferdemarkts, die Vereinsgründung erfolgte erst 2020 – wie es auch im Namen zum Ausdruck kommt. Ab der neuen Saison wird der JFV erstmals am Spielbetrieb teilnehmen.

Die erfolgreiche Kooperation der Oberzent-Vereine in den vergangenen Jahren durch Jugendspielgemeinschaften oder Erteilung von Zweitspielrechten wird mit dem neuen Verein bestätigt und gefestigt, betont der Vorsitzende Sebastian Siefert. Schwerpunkt des JFV ist der Jugendfußball. „Damit die Jugendarbeit im Spannungsfeld zwischen sportlichem Anspruchsdenken und sozialer Integrationsaufgabe fortgeführt werden kann, haben wir ein Jugendfußballkonzept erarbeitet“, erläutert Siefert.

Dieses hat Richtlinienkompetenz und stellt den roten Faden für die Akteure im Bereich des Jugendfußballs von den G-Junioren bis A-Junioren dar. Gleichzeitig bildet es den organisatorischen und sportlichen Rahmen für die Vereinsarbeit, ergänzt der Vorsitzende. „Sport ist ein wesentlicher Teil der Kultur.“ Er trägt für Siefert zur Lebensqualität und Lebensfreude bei. Das Konzept „stellt den Konsens zwischen Anspruch und Realität dar“, betont er.

Die Verantwortlichen verstehen es als den ersten Schritt einer Jugendarbeit, die sowohl dem Leistungs- als auch dem Breitensport gerecht wird. Es gilt als oberstes Ziel, die Kinder – auf ihre Altersklassen abgestimmt – gleichermaßen zu fördern und eine Gemeinschaft auf dem Fußballplatz zu schaffen. Das Konzept wird seinen Worten zufolge einer fortwährenden Überprüfung und Weiterentwicklung unterworfen. Berücksichtigt werden gesellschaftliche und vereinsinterne Entwicklungen, die zu Anpassungen führen können.

„Wir wollen dem Anspruch im Kinderfußball gerecht werden“, hebt er hervor. Kinder wollen spielen, Freude haben und sich wohlfühlen, weiß Siefert. Sie wollen auch trainieren, Leistung bringen und Erfolge feiern – „trotzdem muss Ergebnisorientierung hintenanstehen“, betont er. Leistung ist wichtig, seinen Worten nach aber nicht mit Erfolg gleichzusetzen und muss definiert werden. Es wird in Kleingruppen mit entsprechenden Schwerpunkten und Reizen trainiert, kündigt Siefert an.

Der JFV hat sich zum Ziel gesetzt, den Kindern und Jugendlichen langfristig eine Perspektive für den Fußballsport zu bieten. Alle Altersklassen sollen mit Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Daneben will man auch die individuelle Ausbildung forcieren. Die Trainer sollen altersgerechte Trainingsziele verfolgen und -methoden anwenden. Ziel ist es, so Siefert, „eine konzeptionell ausgerichtete sportliche Leistungsentwicklung im Juniorenbereich zu erreichen“.

Zusammengeschlossen haben sich im JFV die Fußballvereine TV Hetzbach, SV Beerfelden, TSV Sensbachtal, SV Gammelsbach, FC Finkenbach, Türkspor Beerfelden und SG Rothenberg. Die „Grundsteinlegung“ erfolgte bereits vor zwei Jahren, als Steffen Ulrich, Marcel Daub, Hartmut Beisel und Sebastian Siefert das Projekt für einen Jugendförderverein in der Oberzent zu realisieren begannen. „Das ist bis heute im Odenwaldkreis einmalig“, hebt der Vorsitzende hervor.

Vorstand JFV Oberzent: Vorsitzender Sebastian Siefert, zweiter Vorsitzender Helmut Beisel, Kassenwartin Dominique Deutsch, Jugendkoordinatoren Marcel Daub, Yannik Hartmann (G/F/E), Kerstin Schwinn (D/C/B/A), Presse/Homepage Patrick Grohmann, Passwesen/Vereinswechsel Birgit Johe, Organisation/Veranstaltungen Myriam Siefert, Heike Gebhardt.

Weitere Infos unter E-Mail jfv-oberzent@gmx.de oder beim Vorsitzenden Sebastian Siefert, Telefon 0151/16586204. Ab August steht die Homepage www.jfv-oberzent.de. Am 15. August findet in Beerfelden (Sportplatz Stried) ein Schnuppertag für alle Nachwuchskicker des Jahrgangs 2013, 2014 und 2015 statt.

 

 

 

80-faches Glück im Odenwald

Dass ein Besuch im Odenwald per se glücklich macht, dürfte allgemein bekannt sein. Sigrid Stöckel hat nun 80 Orte zusammengestellt, die die Glückshormone besonders anregen werden. „Glücksorte im Odenwald“ nennt sich ihr 168 Seiten starkes Büchlein, das jetzt gerade im Droste-Verlag entschieden ist und liebevoll zusammengestellt ihren ganz persönlichen Favoriten vom Main bis zum Neckar, von der Bergstraße bis nach Bayern huldigt.

Die 51-jährige Autorin aus Darmstadt weiß, wovon sich schreibt. „Ich habe alle Orte persönlich besucht“, erzählt sie. Stöckel ist quasi jedes Wochenende in der Mittelgebirgsregion unterwegs. Oft verbindet sie damit auch einen Besuch bei ihren Eltern, die seit 30 Jahren in Michelstadt leben. Zu Fuß oder mit dem Rad erkundet sie seit vier Jahren den Odenwald. Dann damals startete ihr Blog odenwaldlust.de als Hobbyprojekt.

Beruflich konnte sie, auch wenn es sie jetzt ganz woanders hin verschlagen hat, aus dem Vollen schöpfen. Denn Sigrid Stöckel war lange Jahre in der Reiseredaktion von t-online tätig, hatte viel mit auch mit der Vermarktung der einzelnen Regionen zu tun. Dabei fiel ihr auf, was sicher jeder Kommunalpolitiker unterschreiben würde: „Der Odenwald bleibt bei der Vermarktung hinter seinen Möglichkeiten zurück.“

Um die von ihr gelebte Gegend zu pushen und sie aus dem Dornröschenschlaf wachzuküssen, „begann ich zuerst aus Spaß, meinen Blog zu gestalten“, erläutert sie. Der füllte sich nach und nach immer mehr, bis irgendwann der Verlag vor der Tür stand und ihr den Vorschlag machte, die einzelnen Stationen ihrer Odenwald-Touren auf Papier zu verewigen. Die Autorin schaute sich das Format an „und es sprach mich an“. Zum einen die bunte Mischung, zum anderen die Emotionalität der einzelnen Berichte sagten ihr zu.

„Mit viel Herzblut habe ich meine Glücksorte im hessischen, bayerischen und badischen Odenwald zusammengetragen, mal kulturell, mal kreativ oder auch kulinarisch, mal aktiv oder abenteuerlich“, hebt Stöckel hervor. Es geht in Museen und Cafés, in kleine Geschäfte und herrschaftliche Parks, zum Kochkurs, zum Wandern und zum Rodeln und sogar in eine Glücksfabrik.

Wie schafft man es, den Odenwald auf „nur“ 80 Glücksorte zu reduzieren? Zuerst einmal „habe ich versucht, regional zu denken“, erläutert Stöckel. Süden, Norden, Osten, Westen: Alles sollte vertreten sein. Und dazu nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern auch Kunst, Kultur, Radfahren, Wandern und Shopping – nicht zu vergessen die kulinarischen Erfahrungen, an denen die Region so reich ist: Eis auf dem Keilvelter-Hof, Lebkuchen in Beerfurth oder frische Milch und Käse in Hüttenthal. „Für jeden soll etwas dabei sein“, lautete ihr Ziel.

Da die 51-Jährige ein offener Mensch ist, kommt sie schnell mit den Leuten in Kontakt. „Ich habe vor Ort nach den Besonderheiten gefragt“, sagt sie. Und so kamen viele kleine Schätze hinzu, die ihr selbst noch gar nicht bekannt waren. Etwa das Museum für kleine Läden in Hammelbach, ein Kleinod für Liebhaber der früheren Tante-Emma-Läden: Verschiedene Einrichtungen ehemaliger Geschäfte gibt’s hier zu bewundern.

Was sie dann endgültig ins Buch mit aufnahm, entschied Stöckel direkt vor Ort. Getreu dem Motto: „Hier bin ich glücklich.“ Ihr ist klar, dass ihre Tipps natürlich immer auf persönlichen Vorlieben beruhen. Es fällt der Autorin schwer, einen Spitzenreiter unter den 80 zu küren oder sogar eine Top-Five-Liste zu erstellen. Aber es gibt eine Sache, von der Stöckel sehr beeindruckt war: den Lamas in Reichelsheim. Aber auch zu allen anderen 79 Glücksorten „werde ich wieder hinfahren“.

Oder sie hat es bereits getan: Wie vor kurzem zum „Roten Wasser“ in Olfen. Die dortige Wanderung wiederholte die Autorin, weil sie landschaftlich so herrlich ist. Ebenso ist der unweit gelegene Marbachstausee für sie immer eine Reise Wert – auch wenn man derzeit wegen Corona-Auflagen dort nicht baden darf. Zum Glück, sagt sie, ist der allergrößte Teil ihre Glücksorte derzeit problemlos erreichbar. Nur das Theater in Miltenberg gibt’s derzeit lediglich in abgespeckter Form.

An mitreisenden Odenwald-Fans gibt es keinen Mangel, freut sich die Autorin. Entweder Tochter und/oder Mann, daneben die Freundinnen: Für Begleitung in der schönsten der Regionen ist immer gesorgt. Dass sie mit ihrer Einschätzung in Bezug auf Glücksorte richtig lag, kam schon öfters vor: Leser ihres Blogs besuchten ihn und gaben eine positive Rückmeldung. Jeder Glücksort wird mit Foto auf einer Doppelseite vorgestellt. Mit Hilfe einer Übersichtskarte und der ÖPNV-Hinweise lassen sich die Ausflüge gut planen.

Info: Sigrid Stöckel, Glücksorte im Odenwald, Fahr hin und wird‘ glücklich, 168 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-7700-2184-0, Droste-Verlag

Glücksorte-Auszug:

Molkerei Hüttenthal: „Hier herrscht eine Idylle, wie man sie sich für die Herstellung von landwirtschaftlichen Produkten wünscht“, findet Sigrid Stöckel. Die Kombination zwischen Verkauf und Erklärung, „wie Milch und Käse gemacht wird“, wurde sehr gut geschafft, findet sie. Und dazu noch die Landschaft – ein Gedicht.

Museum für kleine Läden Hammelbach: „Man taucht in die verschiedenen Epochen des Einkaufens ein“, bewundert die Autorin die Akribie der Sammler. Alles ist originalgetreu nostalgisch aufgebaut.

Sommerrodelbahn Wald-Michelbach: Damit die Zielgruppe passt, „habe ich unser Patenkind mitgenommen“. Aber natürlich setzte sich die 51-Jährige auch selbst in den Wagen und schoss ins Tal. „Das macht einfach Spaß.“

Draisinenbahn Wald-Michelbach – Mörlenbach: „Landschaftlich unheimlich schön“ und dazu noch ein Stück Eisenbahngeschichte. Für Stöckel immer eine Reise wert, die sie schon zweimal – mit Freundinnen und mit ihrem Mann – unternahm.

Himbächel-Viadukt Hetzbach: „Man kommt ins Staunen, wenn man darunter steht und dieses imposante Bauwerk der Ingenieurskunst bewundert“, beschreibt Stöckel die Faszination. Dazu hat die Eisenbahnbrücke eine besondere Bedeutung für die Erschließung des Tals zwischen Erbach und Eberbach.

Keilvelter-Hof Reichelsheim: „Letzte Woche war ich gerade wieder da“, schwört die Autorin auf das dortige Bauernhof-Eis. Kaum jemand vermutet, hier eine solche Besonderheit für den süßen Zahn zu finden. Leider, bedauert sie, ist derzeit der Innenhof wegen der Corona-Beschränkungen nicht zugänglich.

Kneipp-Becken Gras-Ellenbach: Mit zwei Freundinnen testete Sigrid Stöckel die verschiedenen Becken. Die drei verbanden die erfrischende Tour mit einer Wanderung. „Das hat viel Potenzial“, wünscht sie sich einen Themenrundweg.

 

 

Wirbeln für die Kindergarten-Vergrößerung

Die Verwaltung muss wirbeln und kräftig Wind machen, damit der Kailbacher Kindergarten bald vergrößert werden kann: Diesen Wunsch äußerte der Sozial- und Gesundheitsausschuss unter seinem neuen Vorsitzenden Dirk Daniel Zucht (SPD) bei seiner Sitzung in Beerfelden als Empfehlung an die Stadtverordneten-Versammlung. Bis spätestens Ende kommenden Jahres soll nach dem Wunsch der Mandatsträger ein modularer Anbau mit Kosten von 650.000 Euro realisiert sein.

Vor fünf Jahren, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer, stellte sich die Situation noch so sehr entspannt dar, dass die Einrichtung kurz vor der Schließung stand. Es wurden sogar Kinder aus dem badischen Friedrichsdorf „angeworben“. Doch dann kam der bisher anhaltende Babyboom. Zusammen mit der Tendenz, dass immer mehr unter Dreijährige aufgenommen werden, herrscht nun Platzmangel.

Mehrere Kinder aus den Hesseneck-Gemeinden sind bereits in Unter-Sensbach und Beerfelden untergebracht. Positiver Nebeneffekt einer Vergrößerung: Mehr Platz im Kailbacher „Wirbelwind“ würde bedeuten, dass dann auch im Beerfelder „Abenteuerland“ wieder mehr Kapazitäten zur Verfügung stünden, wo sie ebenfalls händeringend gebraucht werden.

Kehrer führte aus, dass es bisher nur Platz für eine Gruppe gibt. Auch fehlt ein geeigneter Schlafraum für die Kleinsten. Das komplette ISV-Heim lässt sich seinen Worten zufolge nicht für den Kindergarten umwidmen, da es auch als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft dient. Daneben hält der Bürgermeister einen Umbau im Bestand bei älteren Gebäuden für problematisch, da sich dies – aufgrund der hohen Auflagen für einen Kindergartenbetrieb – als Kostenfalle herausstellen könnte.

Container bezeichnete Kehrer nur als Zwischenlösung, denn diese Variante ist seinen Worten zufolge mit ein paar Handicaps behaftet. Ganz davon abgesehen, dass eine Miete auf zwei Jahre bereits 300.000 Euro kostet – die modulare, aber dafür beständige Variante etwas mehr als das Doppelte, 655.000 Euro. Dieser Vergleich, zusammen mit dem Zeitaspekt, ließ die Ausschussmitglieder dann klar Richtung Modularbau tendieren. Der könnte laut Kehrer mit einem geeigneten Generalunternehmer innerhalb eines Jahres verwirklicht werden.

„Es geht um Schnelligkeit“, betonte Horst Kowarsch (Grüne). Die Eltern wollten nicht noch zwei oder drei Jahre warten, bis ihre Kinder in Kailbach untergebracht werden können. „Wo geht die Zukunft hin“, warf Kehrer als Überlegung in den Raum. Bei konstant hohen Kinderzahlen sollte man die konventionelle Bau-Lösung anstreben, sagte er. Denn auch für Container müsste man erst einen geeigneten Platz finden – und diesen mit den nötigen Versorgungsleitungen ausstatten. Daneben gibt es eine Nutzungsbefristung auf fünf Jahre.

Mit dem Wunsch, endlich zu Potte zu kommen, brachte Tobias Stadler die Meinung seiner Kollegen auf den Punkt. Am Beispiel Neckarsteinach erläuterte der Bürgermeister auf Frage von Dominik Foshag (beide ÜWO), dass eine Containerlösung als Vorlaufzeit bis zum Einsatz ein halbes Jahr braucht.

Wenn es eine Finanzierung ohne Fördermittel geben sollte, dann kann die nur über Kredite geschehen, machte das Stadtoberhaupt deutlich. Die Verwaltung ist aber derzeit in Klärung, inwieweit möglicherweise schon ein Baubeginn erfolgen kann und erst danach Fördergelder beantragt werden. Bis funktionierte eine Bewilligung nur vor Baubeginn.

Für Frank Leutz (FDP) war klar: „Wenn wir uns auf Fördermittel verlassen, sind wir verlassen“, spielte er darauf an, dass die Stadt bisher beim Windhundrennen um Bundes- und Landesgelder für Kindergartenbauten leer ausging. Seine Forderung: „Wenn wir uns entscheiden, Schulden zu machen, sollten wir das sofort machen.“ Denn die Diskussion dreht sich längerer Zeit im Kreis „und die Situation spitzt sich immer mehr zu“. Die Formulierung der Beschlussempfehlung erwies sich als nicht einfach, bis allen Punkten Rechnung getragen war. Aber der Tenor war eindeutig: Es muss jetzt ganz schnell gehen.

 

Vor der Sommerpause soll eine Entscheidung her

Die Kinderbetreuung steht in Oberzent ganz oben auf der Agenda. Erst befasste sich der Sozialausschuss mit dem Thema, jetzt auf SPD-Antrag auch die Stadtverordneten-Versammlung bei ihrer Sitzung in Rothenberg. Und demnächst wird es noch einmal der Ausschuss sein, bevor dann final die Stavo noch im Juli entscheidet. Denn die Zeit brennt allen auf den Nägeln. Nachdem lange (umsonst) auf Fördermittel gewartet worden war, muss die Stadt nun selbst agieren, denn sonst stehen zu viele Kinder „auf der Straße“ und nicht im Garten.

SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Ihrig referierte den „Vor-Corona-Antrag“. Dessen sechs Punkte wurden zwischenzeitlich durch die Verwaltung bereits angegangen. Von anderen Fraktionen kamen zustimmende Signale zu dieser Positionierung. Der Bedarf an Kindergartenplätzen wird konstant sein, sagte Ihrig. Es handelt sich nicht um eine Eintagsfliege.

„Wir dürfen den Zug nicht verpassen“, betonte er. Sonst fehlen demnächst so viele Plätze, dass die Stadt nicht mehr zeitnah reagieren kann. Deshalb ist seinen Worten zufolge die Frage nach Zwischenlösungen wichtig. „Es hilft den Eltern nicht“, hob er hervor, auf die Fördermittel bei großen Vorhaben wie dem Neubau in Rothenberg oder der Erweiterung in Beerfelden zu warten. Bei letzterem Punkt hatte sich der Sozialausschuss bereits für Containerlösungen ausgesprochen.

Ihrig sprach ebenfalls die sehr unterschiedlichen Schließtage der einzelnen Einrichtungen an. Zu Jahresbeginn waren es zwölf Tage, inzwischen sind immer noch acht. Er wünschte sich mehr Einheitlichkeit in Oberzent. Denn letztendlich könnten diese unterschiedlichen Leistungen für Eltern auch ein Grund sein, verschiedene Gebühren zahlen zu wollen. Der SPD-Mann freute sich, „dass der Ausschuss bereits vorgearbeitet hat“.

45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – und es werden nicht weniger. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterungsbau aufgenommen werden müssten.

Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kitas in den Stadtteilen, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen. Auch in Kailbach gibt es zu wenige Plätze, Unter-Sensbach ist durch die zweite Gruppe gut beieinander, in Rothenberg ist vor allem der bauliche Zustand ein Thema.

Von der SPD wurde angeregt, die Einrichtung von Kindergärten in Gammelsbach und Hetzbach zu prüfen, um kürzere Wege zu schaffen. Laut Verwaltung macht dies aber keinen Sinn, da in kleinen Einrichtungen der Personalbedarf höher ist als in größeren. Deshalb sollte so schnell wie möglich eine Erweiterung in Beerfelden her. Über einen Waldkindergarten soll nach dem Wunsch des Sozialausschusses ebenfalls im Juli noch einmal final beraten werden.

Bürgermeister Christian Kehrer verdeutlichte, dass kleinere Kommunen bei der Fördermittelvergabe oftmals ganz hinten stehen. Denn während größere Gemeinden fertige Um- oder Neubaupläne in der Schublade haben oder sie zeitnah erstellen können, hat Oberzent diese Möglichkeiten nicht. Die Folge: Wird eine Förderung nach Windhundprinzip vergeben, geht man leer aus.

Als der Bund vergangenes Jahr 86 Millionen Euro für Kindergartenzwecke bereitstellte, „waren wir noch nicht so weit“, erläuterte er. Die Planungen dauerten noch. Auch von der Aufstockung des Landes profitierte man nicht. Denn: Der wirkliche Bedarf lag bei einer Milliarde Euro. Der Odenwaldkreis, erläuterte Kehrer, habe lediglich die Zusage für eine Million Euro. Die aufgeteilt werden muss.

Hors Kowarsch (Grüne) signalisierte wie seine Kollegen auch seine Unterstützung. Er betonte die Dringlichkeit und wünschte sich einen Beschluss – ob Container oder Neubau –  vor der Sommerpause. Ebenfalls sprach er sich für einen Waldkindergarten aus. Nun ist der Sozialausschuss am Zug.

 

Den Förder-Überblick behalten

Kommunales Investitionsprogramm KIP, Hessenkasse und integriertes kommunales Entwicklungskonzeptes (IKEK): Überall gibt’s Fördergelder für die Kommunen, die aber oftmals an eine Eigenbeteiligung geknüpft sind. Dazu noch andere Zuschusstöpfe, die oftmals nach Windhundprinzip vergeben werden: Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer präsentierte dem Haupt- und Finanzausschuss einen aktuellen Stand. Daneben ging es auch um die geplante Fördermittelstelle beim Landratsamt.

Am weitesten abgearbeitet ist das kommunale Investitionsprogramm. Hiervon steht eigentlich nur noch die Sporthalle in Unter-Sensbach aus, ein Projekt, das von der Bevölkerung sehnlichst erwartet wird. 145.000 Euro weist dieser Posten in zwei Chargen aus. Das „Problem“: Die Stadt muss sich mit über 50.000 Euro auch beteiligen. Geld, das derzeit angesichts der schlechten Haushaltszahlen schwer aufzutreiben ist. Aber die Beratungen über eine mögliche Realisierung laufen.

Die energetische Sanierung der Rothenberger Sporthalle oder des Rathauses Beerfelden, der Austausch der Ölheizungen im Dorfgemeinschaftshaus Olfen oder im Kailbacher Sporthaus sind bereits verwirklichte Projekte. Mittelüberschreitungen bei der einen oder anderen Maßnahme ließen sich durch Einsparungen bei anderen kompensieren. Die Sanierung des Friedhofsweg 19 in Beerfelden wurde erst einmal zurückgestellt.

Die Hessenkasse-Maßnahmen sind erst zu etwa einem Drittel durch. Zwar muss die Stadt immer nur zehn Prozent der Kosten selbst tragen, aber die schiere Masse des Investitionsvolumens von 2,6 Millionen Euro macht daraus doch einen großen Batzen. Die Sanierung der Straße und des Parkplatzes am Sportplatz Airlenbach waren ein größerer Posten. Oder aber das Sporthaus in Hetzbach.

Auf der To-do-Liste steht eine weitere, größere Summe bei der Sanierung der Sensbacher Sporthalle, die über die KIP-Mittel hinausgeht. Der Anbau der Fahrzeughalle am Feuerwehrhaus Airlenbach ist mit 175.000 Euro ebenfalls ein großer Brocken. Und die Erneuerung der Asphaltdecke in der Waldstraße Kortelshütte mit 143.000 Euro ist weiterhin nicht zu verachten.

Beim Thema IKEK gab es unterschiedliche Wahrnehmungen zwischen Bürgermeister und Mandatsträgern. Wie Kehrer erläuterte, wurden nach der Fusion die beiden Gruppen aus Beerfelden und Sensbachtal/Hesseneck zusammengeführt. Diese hätten sich aber bisher nicht auf eine Priorisierung von Maßnahmen einigen können. Diese ist seinen Worten zufolge aber wichtig, „weil die WI-Bank sonst keine Fördermittel ausschüttet“. Er wies darauf, dass die Förderung nur noch bis 2024 läuft. „Es wäre fatal, wenn wir keine kriegen“, so das Stadtoberhaupt.

Ausschussvorsitzender Marcel Gerling (SPD) brach eine Lanze für die Ehrenamtlichen. Die Frustration durch die stetige Änderung der Förderkriterien „ist ziemlich hoch“, sagte er. Er wie auch Achim Schäffler (ÜWO) und Thomas Ihrig (SPD) wiesen darauf hin, dass noch Entscheidungskriterien fehlen. „Es gibt gute Ideen“, die aber noch nicht präzisiert wurden, „weil wir noch Details wissen wollen“, gab Ihrig den Ball zurück. Der Magistrat will sich auch selbst Gedanken machen, welches Projekt an erster Stelle stehen könnte, und der Steuerungsgruppe Vorschläge unterbreiten, so Kehrer.

In diesem Zusammenhang wurde die Einrichtung einer Fördermittelberatungsstelle im Odenwaldkreis positiv aufgenommen und der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung empfohlen. Für ihre Einrichtung als Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit gibt es einen einmaligen Zuschuss über 100.000 Euro vom Land Hessen.

Hintergrund: Aufgrund der hohen Anzahl und Komplexität von immer neuen Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Landesebene haben Verwaltungen zunehmend Probleme, einen Überblick zu behalten, geschweige denn, Förderanträge inklusive Berichtspflichten und weiterer anhängender Aufgaben personell zu stemmen. Das soll nun zentral erfolgen.

Dringender Handlungsbedarf bei Kita-Plätzen

Oberzent braucht dringend neue Kindergartenplätze. In Beerfelden ist die Not am größten, aber auch Kailbach klagt über Platzmangel. Unter-Sensbach steht durch die Eröffnung einer zweiten Gruppe ganz gut da. In Rothenberg geht es vor um die räumliche Situation. Stoff genug also für den Sozial-, Kultur- und Gesundheitsausschuss, der erstmals in eigener Verantwortung tagte. „Wir nehmen als Mandatsträger das Heft in die Hand, damit Bewegung in die Sache kommt“, kündigte der stellvertretende Vorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) an.

Das ewige Warten auf Fördermittel, nur um zu erfahren, „dass sie vergeben oder gestrichen sind“, ist seiner Ansicht nach nicht zielführend, betonte er. Denn wenn danach die Planungen für einen Um- oder Neubau erst einmal wieder ad acta gelegt werden, bleibt das Problem der fehlenden Plätze bestehen oder wird sogar noch größer.

„Es ist ein schweres Dilemma“, formulierte Zucht, dass Fördermittel des Landes anscheinend – wie beim Beispiel Kindergartenneubau Rothenberg – im „Windhundprinzip“ vergeben werden. Er sah dies als eine gravierende Benachteiligung des ländlichen Raumes.

„Um zu Potte zu kommen“, ist ein Agieren unabhängig von Fördermittel notwendig, wusste sich Zucht mit seinen Kollegen der verschiedenen Fraktionen einig. „Wir sind in der Pflicht“, wies er auf den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hin. 45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – „und es werden nicht weniger“.

Bis zur kommenden Sitzung des Ausschusses am 13. Juli soll das Bauamt nach dem Wunsch des Ausschusses nun unter zeitlichen und finanziellen Kriterien prüfen, wie eine Containerlösung für die Standorte Beerfelden und Kailbach aussehen könnte. Auch für einen möglichen Waldkindergarten soll bis dahin eine Expertise eingeholt werden. Varianten davon gibt es bereits in umliegenden Orten wie Eberbach und Erbach. „Jedes Format ist ein Plus“, so der Ausschuss-Vorsitzende.

Dann könnte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Nägel mit Köpfen machen. Natürlich würden es die Ausschussmitglieder gerne sehen, wenn es bereits zum nächsten Kindergartenjahr eine Lösung gäbe, aber so schnell wird es wohl nicht gehen. Zucht hob hervor, dass ein Anbau in Beerfelden und ein Neubau in Rothenberg „noch nicht vom Tisch sind“. Sollte es neue Fördermittel geben, „stehen wir Gewehr bei Fuß“.

Diese Projekte laufen seinen Angaben nach aber mehrere Jahre. „Wir brauchen jedoch jetzt etwas kurzfristig Umsetzbares“, betonte er. Bei den Containern denkt man an einen Kauf. Denn sie ließen sich, sollten sie für den Kindergarten einmal nicht mehr gebraucht werden, anderweitig umwidmen. Andererseits werden sie jedoch für diesen Zweck einige Zeit im Einsatz sein, sodass eine Anmietung nicht so sinnvoll erscheint.

Dem Ausschuss geht es mit seinen Vorschlägen und Ideen auch um die Außenwirkung: „Wir müssen ein Signal setzen, dass etwas passiert“, ist Zucht wichtig. Denn das Thema schleppt sich schon lange dahin, ohne dass Fortschritte zu erkennen sind. „Es muss Priorität haben“, postulierte er. Die Mandatsträger wollen nicht länger zuwarten. So schnell wie es organisatorisch und finanziell machbar ist, sollen die Container sehen. „Wir haben ein Ziel formuliert und werden es mit Nachdruck weiter verfolgen“, war fraktionsübergreifend der Tenor im Gremium.

Im Vorfeld hatte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich die Zahlen erläutert. In Beerfelden ist die Kita derzeit voll belegt. Es gibt hier eine lange Warteliste. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterweiterungsbau aufgenommen werden müssten. Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kita, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen.