Am Eutersee wird bald gebaggert

Am Eutersee bei Schöllenbach soll noch in diesem Monat die Ausbaggerung beginnen. Bei einem Vor-Ort-Termin gab es durch Stadtbaumeister Peter Bauer jetzt Erläuterungen zu der schon länger geplanten Maßnahme. Bauer informierte darüber auch die IKEK-Gruppe um Anneli Hieronymus und Torsten Laqua, die sich seit Beginn des vergangenen Jahres um eine Auffrischung des Geländes kümmert. Im Frühsommer hatte das Regierungspräsidium sein Einverständnis gegeben, seitdem liefen die Vorarbeiten.

Der Eutersee verlandet am nördlichen Einlauf immer mehr. Es wäre jedoch viel zu teuer, die dort entstandene Insel abzutragen. Stattdessen soll lieber im Umfeld abgelagerter Sand ausgebaggert und aufgeschüttet werden. Damit könnte eine begehbare Sandspielinsel für Kinder entstehen. Die Vorarbeiten leisteten die Helfer bereits im vergangenen Jahr, als sie dort die wild gewucherten Sträucher entfernten.

Hessenecks Ortsvorsteher Martin Pollak erläuterte dem Gremium auf dessen Sitzung nun den aktuellen Stand. Dass es so lange dauerte, bis begonnen werden kann, hatte auch mit der Abstimmung der Behörden untereinander zu tun. Die entsprechenden Vorgaben von Unterer Naturschutz- und Wasserbehörde hatte Peter Bauer ebenfalls im Gepäck, als er an den See kam. Die Maßnahme soll in der letzten September-Woche starten. Bis dahin will man das Wasser um 1,60 Meter ablassen.

Weiteres Thema der Sitzung war die alte, der Gemeinde gehörende Schulhaus-Glocke in Kailbach. Die ist zwischenzeitlich, nachdem erst die Kirche, dann ein Privatmann das (inzwischen abgerissene) Turmgebäude kaufte, in der Friedhofshalle gelagert. Auf dem Friedhof soll sie in Zukunft wieder erklingen. Einen Vorentwurfsplan gibt es schon, sagte Pollak. In Abstimmung ist noch, ob die Glocke vom Bauhof oder mit Eigenleistung aus der Bürgerschaft angebracht werden soll. „Die Leute wollen sie auf dem Friedhof haben“, weiß Pollak. Geläutet wird dann per Hand.

Neue Stadt, neue Sitten: Es darf nicht mehr nach Ortsrecht geparkt werden, sondern es gelten jetzt die offiziellen städtischen Vorschriften. Das mussten einige Autofahrer bereits geldbeutelwirksam spüren, weil sie ihr Gefährt zum Teil innerorts auf dem Bürgersteig abstellten. Das vorschriftsmäßige Parken auf der Straße führt aber, weiß der Ortsvorsteher, teilweise zu Engpässen, wenn sich Schulbus und Lkw begegnen. Deshalb will man mit dem Stadtpolizisten im Rahmen einer Begehung eine für alle passende Lösung suchen.

Am Kailbacher Bahndamm gibt es 150 Jahre alte Linden, trug Pollak dem Gremium vor. Die lassen bei Stürmen oder Starkregen öfters einmal Äste, was die Anwohner und Parkenden nicht erfreut. Deshalb sollen die Bäume nun auf ihre Gesundheit untersucht werden, kündigte er an. Eine Bekanntgabe hatte er ebenfalls: Manuel Scheuermann rückte für Torsten Laqua als Ortsbeirat nach.

Mit ihrem Budget haben die Mandatsträger einiges vor. Rudolf Brandel plant in Schöllenbach, einige Ortsbäume ersetzen und sucht dafür Paten. Am Festplatz geht es darum, den durch das letztjährige Unwetter in Mitleidenschaft gezogenen Bachlauf und Weg wieder herzurichten. Auf dem Hesselbacher Spielplatz soll ein Federtier aufgestellt werden. Und an Wanderwegen will man zusätzliche Hinweisschilder anbringen, damit es etwa vom Krähberg abwärts nach Schöllenbach unterwegs auch Kilometerangaben gibt.

Die Verbindungsstraße Reußenkreuz-Bullau durfte natürlich nicht fehlen:  Nachdem nun die Stellungnahme des Grafenhauses in der Oberzent-Verwaltung vorliegt, hofft das ehemalige Hesseneck laut Pollak, dass sie wieder ohne Einschränkungen befahrbar sein wird – wie es in der Vergangenheit war. Denn von Schöllenbach gibt es starke kirchliche und kulturelle Bindungen nach Bullau.

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Großes Interesse an der Stadtgeschichte trotz schlechtem Wetter

Zum „offiziellen“ Start der Stadtführungen hätte das Wetter ein wenig besser sein dürfen. Aber die Bindfäden von oben taten dem Interesse an Beerfeldens Geschichte keinen Abbruch. Zum ersten Rundgang am Tag des offenen Denkmals kamen 25 Interessierte, mit Regenschirmen bewaffnet, vor dem Oberzent-Museum zusammen, wo zuvor bereits der Tag eröffnet worden war. Die Generationenhilfe Oberzent kümmerte sich hier im trockenen Zelt um die Stärkung.

Die Stadtführungen „waren schon jahrelang ein Thema“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Mehrfach wurde in der vergangenen Zeit gefordert, sie auch für die breite Öffentlichkeit anzubieten. „Wir haben uns deshalb gesagt, jetzt müssen wir mal ran“, so der Verwaltungschef. Der Denkmal-Tag bot sich für den Start an. Vor zwei Monaten gab es dann eine interne Abklärung.

Stefanie Ampferl wirkte dabei federführend mit und nahm Kontakt mit allen Beteiligten auf. Später klinkten sich auch die Kirchen mit ein. Sie zog gestern ein positives Fazit der Veranstaltung, wenn diese natürlich durch die ungastliche Witterung beeinträchtigt war. Auch wenn nachmittags der Andrang bei der dritten Stadtführung übersichtlich war, so erfreute sich dann das Apothekenmuseums eines schönen Zuspruchs.

Die Stadtführungen, durchgeführt von Flora Berger und Brigitte Sauer, sollen im kommenden Jahr kontinuierlich angeboten werden, erläuterte Kehrer. Zum einen mit festen Terminen im Jahresplan, zum anderen aber auch auf Nachfrage durch Gruppen buchbar. „Wir überlegen uns dazu was Thematisches“, sagte er. Und was bietet sich im Odenwald da besser an als etwas Kulinarisches mit regionalen Spezialitäten. Das Gesamtziel: Oberzent touristisch voranbringen und besser vermarkten.

Am Eröffnungstag führte Flora Berger in typischer Odenwälder Tracht gleich drei Mal die Wissbegierigen durch die Stadt. Obwohl erst 19 Jahre alt, verfügt sie doch über jahrelange Erfahrung dabei. Als 15-Jährige war sie bereits die jüngste Stadtführerin des Odenwaldkreises. Wetterbedingt ging’s etwas zügiger als sonst im Galopp an den markanten Punkten vorbei.

Auf halber Höhe der Rollgasse bleibt Flora Berger stehen und deutet auf ein altes, schon in die Jahre gekommenes Haus auf der rechten Straßenseite. „Das ist das älteste Gebäude in Beerfelden“, erläutert sie. Das Haus mit den weißen Holzschindeln wurde im Jahr der französischen Revolution, 1789, erbaut. Seine Besonderheit liegt darin, dass es als einziges den großen Brand von 1810 überstand, der ansonsten die komplette Altstadt vernichtete.

Im Oberzent-Museum sind geschichtliche Zeugnisse der Region und ihrer Bürger zu sehen, erklärt die Jugendliche. Die Bedeutung des unterhalb gelegenen heutigen Zwölf-, früheren Acht-Röhren-Brunnens für die städtische Wasserversorgung war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts existenziell, so Flora Berger. Weiter geht’s danach die Rollgasse hinauf bis zum Bürgerhaus. Das „war früher das Rathaus und noch früher die Volksschule“. 1886 wurde es umgebaut und erhielt damals ein weiteres Stockwerk. Vor kurzem wurde es gerade wieder saniert.

2015 jährte sich die Wiedereinweihung der Martinskirche nach dem großen Brand zum 200. Mal – auch die Kirche war 1810 Opfer des Feuers. Früher war der Eingang ein Stockwerk höher, denn eine große Treppe führte direkt ins erste Obergeschoss, von wo aus es geradeaus ins Kirchenschiff weitergeht. Als der Marktplatz umgestaltet wurde, fiel ihm die Treppe zum Opfer. Ab 1876 war vor dem Gotteshaus ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 zu finden, das jetzt auf der Sensbacher Höhe steht.

Neben dem Pfarrhaus zeigt Berger den Interessierten auch andere Stadtbild prägende Gebäude, „die in ihrer Art typisch für die Bauweise nach dem Brand waren“. Die ehemalige Jugendherberge im blauen Haus (von 1941 bis 1971) liegt ebenso auf dem Weg wie der „Beerfelder Knast“. Den gab es dort zwischen 1859 und 1923.

 

Tag des Denkmals in Oberzent

Das Heimatmuseum öffnete seine Pforten ebenso wie das Apothekenmuseum von Jürgen Frank, beide in Beerfelden. Die evangelische Martinskirche Beerfelden mit ihrem Turm war zu besichtigen wie auch die ehemalige Wallfahrtskirche St. Marien in Schöllenbach. Bereits oft dabei: die „Alte Pumpe“, der Schmid‘sche Wassermotor zwischen Rothenberg und Kortelshütte. Hier wirkte der Verkehrs- und Verschönerungsverein Rothenberg.

Gespräch mit dem Fürsten wegen der Straße

Gibt es bei der festgefahrenen, gesperrten Strecke zwischen Reußenkreuz und Bullau jetzt langsam Bewegung? Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann teilte auf der vergangenen Ortsbeiratssitzung im Gemeindezentrum mit, dass er zusammen mit dem CDU-Stadtverordneten Oliver von Falkenburg wegen der Ortsverbindungsstraße ein Gespräch mit Graf Louis zu Erbach-Fürstenau führte. Eine Stellungnahme der Erbach-Fürstenauischen Verwaltung mit dem damaligen Auseinandersetzungsvertrag liege inzwischen der Stadtverwaltung vor, so die Auskunft.

Thema der Zusammenkunft war auch der Hebstahler Friedhof. Dort sind die Plätze für Urnengräber inzwischen weitgehend belegt, informierte Kuhlmann. Daher soll in Richtung Tal ein weiteres Urnenfeld mit etwa 24 Grabstellen für jeweils zwei Urnen angelegt werden. Die Planung dafür machte schon vor einigen Jahren das Büro Bretschneider aus Wald-Michelbach. Bauamtschef Gerd Köppel und Bestatter Erik Sauer sahen sich die Örtlichkeiten an, lautete seine Mitteilung.

Zunächst müssen etwa zwei Lkw-Ladungen Erde angefahren werden. Es sei davon auszugehen, dass dadurch der bereits jetzt schadhafte Plattenbelag um die Friedhofshalle weiter in Mitleidenschaft gezogen wird, berichtete Kuhlmann. Der Ortsbeirat drängt daher darauf, dass die Erneuerung des Umfelds zeitig im kommenden Frühjahr erfolgt. Als Belag ist laut Stadtbauamt graues Rechteckpflaster vorgesehen. An Kosten wurden ungefähr 20.000 Euro ermittelt.

Der Ortsbeirat ging bislang mit seinen Budgetmitteln sehr sparsam um. Diese stehen in diesem Jahr noch in voller Höhe von 1968 Euro zur Verfügung. Tobias Leiß schlug vor, zwei sogenannte Waldsofas anzuschaffen, wie sie auch in Ober-Hainbrunn geplant sind. Als Standorte wurden die Talblickhütte in Ober-Sensbach sowie der Platz vor dem Hochbehälter Unter-Sensbach oder am Pilz am Krappenbüschel festgelegt.

Die an der Talblickhütte wegfallende Ruhebank soll am Weg in der Nähe des Ehrenmals Hebstahl aufgestellt werden, so der Vorschlag. Bereits 2019 wurden vom Verein Sensbachtal aktiv über den Geo-Naturpark zwölf Ruhebänke und zwei Tische angeschafft. Diese haben zwischenzeitlich ihren Platz gefunden. Bis zum Frühjahr 2020 soll über die Stadtverwaltung der Wunsch an den Geo-Naturpark nach weiteren Bänken abgegeben werden, hieß es.

Weitere Verschönerungsmaßnahmen auf der Gemarkung sin ebenfalls im Gespräch, so Kuhlmann. Hierzu zählt unter anderem das Blühwiesenprojekt, das man in Rücksprache mit dem Straßenbauamt entlang der L 3120 am „Wäldchen“, der „Holzplatzkurve“ im Leonhardsgrund und/oder am Häuselsbrunnen umsetzen könnte. Die eigenen Budgetmittel sollen nicht zur Finanzierung des geplanten Geländers am Dorfgemeinschaftshaus (DGH) Hebstahl verwendet werden, beschloss der Ortsbeirat. Denn inzwischen hat der Oberzent-Magistrat das Angebot einer Fachfirma angefordert.

Der Gemarkungsrundgang soll am Sonntag, 13. Oktober, in Hebstahl stattfinden, berichtete der Ortsvorsteher. Er wird durch Thomas Henrich und Herbert Obenauer organisiert. Start ist um 9 Uhr am DGH, wo auch der Abschluss stattfindet. Der Ortsbeirat will sich Bürgern gegenüber, die mit Blumenschmuck für die Ortsverschönerung sorgen, erkenntlich zeigen und diesen Einkaufsgutscheine zukommen lassen, erläuterte er außerdem.

Schöllenbach soll einen neuen Treff bekommen

Der „Alleskönner-Dorftreff“ ist im Werden. So nennt sich ein Projekt, das Dorfgemeinschaft und Feuerwehr in neuen, sanierten Räumen unter ein gemeinsames Dach bringen soll. Nachdem sich bereits die Ortsvereine einhellig dafür ausgesprochen hatten und der Ortsbeirat sein Plazet gab, machte jetzt die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung den Weg frei, indem sie den Sperrvermerk für den Ankauf des Grundstücks in der Hessenecker Straße 3 aufhob.

Früher gab es im 240-Seelen-Dorf noch drei Gaststätten. Da war es für die Vereine kein Problem, einen Versammlungs- oder Veranstaltungsraum zu finden. Ein Dorfgemeinschaftshaus war noch nicht notwendig und von den Wirten natürlich auch nicht wirklich gewollt, weil sie um ihren Umsatz fürchteten. Aber nach und nach machte alles zu und die Schöllenbacher standen mit ihren Festivitäten auf der Straße. Man wich etwa für Singstunden ins Rathaus aus.

Ein weiterer, dringender Handlungsgrund ist der Zustand des Feuerwehrhauses. Das ist in einem desolaten Zustand und müsste, um die Anforderungen des technischen Prüfdienstes zu erfüllen, aufwändig saniert werden. Was im Bestand ziemlich unmöglich ist, da auch eine bauliche Erweiterung nötig wäre, um die Umkleiden von der Fahrzeughalle zu trennen.

„Dunkel wie im Keller, ohne Heizung, Dach undicht, Tore defekt“, beschrieb Stadtbrandinspektor Marco Johe vor kurzem den Zustand. Noch dazu bekäme die Stadt für die Renovierung im Bestand keine Zuschüsse, während es für einen Neubau immerhin 30 Prozent gibt. Aus zwei mach eines, lautet deshalb der Befreiungsschlag: Jetziges, dann ehemaliges Feuerwehrhaus und früheres Schöllenbacher Rathaus sollen verkauft werden, um daraus den Erwerb des neuen Objekts zum Großteil zu finanzieren.

Zwischen 140.000 und 169.000 Euro könnte der Erlös für beide Objekte liegen, prognostizierte die Sparkasse. Das passt fast zum Kaufpreis für die ehemalige Pension mit Café „Hesseneck“ am Ortsrand Richtung Krähberg mit netto 170.000 Euro, woraus durch Nebenkosten dann 183.000 Euro werden. Hier gibt es eine große Parkfläche, dazu Raum für Open-Air-Veranstaltungen und auf dem Grundstück noch genügend Luft, um ein Gebäude für die Feuerwehr zu erstellen. Das Gebäude bietet etwa 550 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche.

Die nötigen Feuerwehr-Räumlichkeiten Marke Systemleichtbauhalle inklusive Fundament und Parkplätze sollen in etwa 130.000 Euro koste, errechnete Johe. 100.000 Euro davon sind förderfähig, was der Stadt eine Ersparnis von 30.000 Euro bringt. Gesangverein Sängerkranz und die Wehrleute hatten bereits im Vorfeld gegenüber der Stadt in Briefen die Vorzüge einer solchen Lösung in den höchsten Tönen gepriesen.

Bei den Stadtverordneten stießen sie damit auf offene Ohren. Oliver von Falkenburg (CDU) warf – neben der Zustimmung – die grundsätzliche Thematik auf, ältere Gebäude abzustoßen und sicdh anbietende Synergieeffekte zu nutzen. Chris Poffo (ÜWO) wollte die beiden Bestandsgebäude möglichst zeitnah ausschreiben, um mit dem Verkauf keine Zeit zu verlieren.

Thomas Ihrig (SPD) wies darauf hin, „dass wir auch Mittel für den Umbau des neuen Gebäudes brauchen“. Deshalb ist es ihm ein Anliegen, das weitere Vorgehen voranzutreiben und etwa ein Nutzungskonzept zu erarbeiten. Denn die Wiederherstellung des ehemaligen Anwesens Sawitzki kann mit Mitteln aus dem Dorferneuerungsprogramm IKEK gefördert werden, so der frühere Hessenecker Bürgermeister.

Thomas Väth (Grüne) begrüßte den schonenden Umgang mit der Ressource Boden, indem man vorhandene Gebäude nutzt und keinen Neubau erstellt. Er wünschte sich angesichts der vielen Großprojekte in Oberzent dazu auch den schonen Umgang mit der Ressource Finanzen. Wie Bürgermeister Christian Kehrer verdeutlichte, ist die Sicherung des benötigten Gebäudes der erste Schritt. Der zweite wird dann die Beplanung des Alleskönner-Dorftreffs sein, in dessen Zuge auch die mögliche Förderung mit dem Ministerium abgeklopft wird.

 

 

Zitat Technischer Prüfdient Hessen zum Feuerwehrhaus Schöllenbach: „Das Feuerwehrhaus bzw. die Fahrzeughalle ist unbeheizt. Folgeschäden … sowie Schimmelbildung können nicht ausgeschlossen werden…. Die Unterbringung der Einsatzkleidung/Spinde in der Fahrzeughalle entspricht nicht den Anforderungen. Eine Gefährdung durch Dieselemission ist nicht auszuschließen. Handlungsbedarf: unverzüglich.“

 

 

Oberzent macht (Hessen-)Kasse

Einen fetten Scheck hatte jetzt Staatssekretär Thomas Metz im Gepäck, als er in die Alte Turnhalle kam. Nämlich sechs Zuwendungsbescheide mit Geldern aus der Hessenkasse, wovon insgesamt 2,6 Millionen auf die Stadt Oberzent entfallen. Geld aber, das ihr laut dem entsprechenden Gesetz sowieso zusteht, ohne dass es eigentlich einer besonderen Übergabe bedarf. Papier für Maßnahmen von knapp 300.000 Euro durfte Bürgermeister Christian Kehrer nun symbolisch entgegennehmen. Zehn Prozent davon muss die Stadt allein stemmen, kann dafür aber auf günstige Finanzierung zurückgreifen.

Für den Austausch der Toranlage am Feuerwehrhaus Beerfelden sind 80.000 Euro vorgesehen. Die ist inzwischen in die Jahre gekommen und versieht ihren Dienst nicht mehr so wie nötig. Die Neuausstattung der Sporthalle Rothenberg mit Mobiliar ist ein weiterer Posten. Hier stehen 48.000 Euro auf der Liste für Stühle, Tische und Sitzbänke mit Garderobenleiste, wie üblich mit zehn Prozent Eigenbeteiligung. Laut Stadtbaumeister Peter Bauer ist die beschränkte Ausschreibung hierfür in Vorbereitung.

Die Erneuerung der Elektroinstallation am Campingplatzes Hetzbach schlägt mit 50.000 Euro zu Buche. Hier wird die Verkabelung zu den einzelnen Verteilerkästen erneuert. Der bisherige Stand „entspricht nicht mehr den aktuellen VDE-Vorschriften“, so Bauer. Der Tennenplatz in der Stried wird immer stark beansprucht, wenn dort der Pferdemarkt stattfindet. Die Aussteller nutzen ihn als Parkfläche für ihre Fahrzeuge. „Auf Dauer verträgt der die Belastung nicht“, erläuterte Bauer. Deshalb wird jetzt die Deckschicht für 35.000 Euro erneuert.

Beim Sportplatz Airlenbach ging die Stadt in Vorleistung. Denn die Sanierung der Zufahrt und der Neubau von Parkflächen sollte fertig sein, bevor dort der SVA sein 50-jähriges Bestehen feiert – was auch funktionierte. 62.000 Euro kostet die Maßnahme, die im Vorfeld mit dem Ortsbeirat abgestimmt wurde. „Die sagten, was benötigt wird“, schmunzelte der Stadtbaumeister.

An der Alten Turnhalle in Beerfelden von 1908 nagt der Zahn der Zeit. Im Fachwerk wurde marodes Holz und Fäulnis festgestellt, was durch eine Fachfirma ausgebessert werden soll. Bauer kann sich nicht erinnern, dass überhaupt schon einmal eine Sanierung des Holzfachwerks erfolgte. „Früher gab’s mal ein neues Dach und einen neuen Verputz“, meinte er. Deshalb ist es an der Zeit, „dass was gemacht wird“.

Die Denkmalschutzbehörde ist bei der Maßnahme ebenfalls mit im Boot. Dazu wird es einen Vor-Ort-Termin geben. Von den eingeplanten 22.500 Euro sind 7500 Euro für den Austausch der Saalbeleuchtung in LED vorgesehen. Die bisherigen Lampen von 2001 sind zum einen Stromfresser, zum anderen nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik. Laut Bauer kümmert sich die Entega um die Überprüfung und macht einen Vorschlag zur Ausführung.

Feuerwehrhäuser sind teilweise „Ruinen“

Es ist ein wenig, wie wenn Sisyphos und Herkules aufeinandertreffen: Der Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Freiwillige Feuerwehr Oberzent enthält zahlreiche Details, ist aber in seiner Abarbeitung einer Mammutaufgabe, für die die Stadt eine große Summe Geld in die Hand nehmen muss. Der kombinierte Bau- und Finanzausschuss befasste sich nun mit dem Thema, weil der Sperrvermerk für die Anschaffung von verschiedenen Feuerwehr-Fahrzeugen aufgehoben werden sollte.

Stadtbrandinspektor (StBI) Marco Johe stellte dem Gremium in einer sehr detailreichen, zeitintensiven Präsentation die wichtigsten Details des umfangreichen und von ihm weiter ausgearbeiteten Werks vor, wie er es bereits ähnlich im März dargelegt hatte. 117 Quadratkilometer Waldgebiet, fünf Kindergärten, fünf Schulen und drei Altersheime, dazu noch Bundesstraße und Bahnstrecke, bilden die wichtigsten Rahmendaten.

Immer noch, erläuterte er, „ist die Löschwasserversorgung in manchen Straßen und Stadtteilen kritisch“. Die Tageseinsatzstärke in den einzelnen Stadtteilen ist laut Johe „sehr gering“. Deshalb wird grundsätzlich auch immer die Beerfeldener Wehr mit alarmiert, weil dort der Personalbestand unter Tag weiterhin gut ist.

Die verschiedenen Wehren nennen noch eine Vielzahl von älteren bis alten Fahrzeugen ihr Eigen. Konkret ging es jetzt um Tanklöschfahrzeuge (TSF) aus Airlenbach, Gammelsbach und Falken-Gesäß, alle über 25 Jahre alt. Sie sollen neuen TSF mit dem Zusatz Wasser weichen. Diese haben jeweils einen 1000-Liter-Tank an Bord.

„Das kompensiert dann auch die geringe Tageseinsatzstärkte“, erläuterte Johe. Denn wenn das Wasser schon an Bord ist, braucht man weniger Leute, um es an den Einsatzort zu bringen. Für jedes Fahrzeug stehen 70.000 Euro im Haushalt, die von den Mandatsträgern als Empfehlung für die am 28. August tagende Stadtverordnetenversammlung freigegeben wurden.

Ungleich teurer wird der Ersatz fürs Löschfahrzeug 8/6, der kommendes Jahr ansteht. Im Hinblick auf den großen Waldbestand schwebt Johe hierfür ein sogenanntes TLF 4000 vor, also eines mit 4000-Liter-Tank. Im Odenwaldkreis werden drei Geschosse dieser Art gefördert, Oberzent soll eines davon bekommen. Gefördert ist aber relativ: Die Stadt bekäme 40 Prozent von 250.000 Euro wieder, aber die eigentlichen Kosten belaufen sich auf 350.000 Euro.

In vielen Feuerwehrhäusern gibt es Handlungsbedarf. Denn die Umkleide ist oft noch in der Fahrzeughalle angesiedelt und nicht nach Männlein und Weiblein getrennt. Es fehlt die Heizung, es zieht wie Hechtsuppe oder es ist feucht. Der technische Prüfdienst macht jetzt Druck, so Johe. Nachdem es jahrelang Versäumnisse bei der Aufarbeitung gab, ist seitens der Prüfer Schluss mit lustig. Vieles davon, ergänzte Bürgermeister Christian Kehrer, „ist nicht neu, wurde aber früher nicht umgesetzt“. Ein „Weiter so“ werde von der Unfallkasse nicht mehr toleriert.

Mit als Erstes ist das Gebäude in Airlenbach an der Reihe. Das hat auch mit dem neuen Fahrzeug zu tun, das nicht mehr ins bisherige Haus passt. Hier will man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: einen Anbau fürs TLF-W schaffen und gleichzeitig die aktuelle Garage zur Umkleide umfunktionieren. Kosten: etwa 175.000 Euro.

Johe prognostizierte generell einen hohen Investitionsbedarf: „Das sind teilweise Ruinen“, zeichnete er ein drastisches Bild. Etwa die drei Gebäude des ehemaligen Hessenecks: Hessel-, Schöllen- und Kalibachs Feuerwehrgerätehäuser „sind allesamt renovierungsbedürftig“. Sie sollen 2021 drankommen. Ganz besonders schlimm ist die Situation in Schöllenbaqch: „Dunkel wie im Keller, ohne Heizung, Dach undicht, Tore defekt“, beschrieb der StBi die unhaltbare Situation.

Ebenfalls nicht mehr halten lassen sich die beiden Atemschutzwerkstätten und Berfelden und Rothenberg. Sie sollen einer neuen in Beerfelden weichen, die dann zentral für Oberzent tätig sein wird. „Wir wollen mit den Geräten ausrücken, die wir selbst geprüft haben“, hob Johe hervor. Kosten hier: mindestens 170.000 bis 180.000 Euro.

 

Oberzent-Feuerwehr in Zahlen

–              15 Stadtteilwehren, 16 Standorte (Unter- und Ober-Sensbach bilden eine gemeinsame Einsatzabteilung, haben aber jeweils noch ein Feuerwehrhaus) bei 19 Statteilen und 165 Quadratkilometer Fläche

–              204 Einsätze im Jahr 2018, davon Beerfelden 107 (weil die dortige Wehr wegen ihrer Tageseinsatzstärke in der Regel immer mitalarmiert wird)

–              450 Mitglieder in der Einsatzabteilung, davon Beerfelden 68, Rothenberg 53

–              Drei Kindergruppen mit 36 Unter-Zehnjährigen

–              15 Jugendfeuerwehren mit 145 Angehören

–              169 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung

–              54 Mitglieder in zwei Musikzügen (Schöllenbach und Beerfelden)

Odenwald gegen Motorradlärm

Seit einigen Wochen fallen gelb-schwarze Schilder im Straßenraum ins Auge: „Rücksicht nehmen!“ fordert ein deutlich missgelauntes Kind, während das auf der oberen Plakathälfte abgebildete Motorrad den Adressaten verdeutlicht. Dahinter verbirgt sich eine Aktion der Odenwälder Kommunen gegen Motorradlärm. Denn im vergangenen Jahr war zum einen die Zahl der Unfälle besonders hoch, zum anderen gingen die Beschwerden über Lärmbelästigung durch die Decke.

In diesem Frühjahr und –sommer tagten mehrmals auf Odenwaldkreisebene Bürgermeister, Mitarbeiter der Kommunen, der Polizei und des Landratsamtes. Ziel war es, Maßnahmen gegen den in den Sommermonaten gefühlt immer mehr werdenden Lärm, hervorgerufen durch manche Motorradfahrer, zu finden.

Denn wenig befahrene Straßen und tolle Kurven ziehen jeden Sommer Biker aus nah und fern an, weiß Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer aus eigener Erfahrung. In der Südkreis-Stadt sind besonders die Hangstadtteile wie Rothenberg und Kortelshütte besonders betroffen, wo an einem Tag mehrere hunderte Biker vorbeibrausen. Dazu kommt noch die schöne Aussicht auf die Odenwälder Natur, die für „Andrang“ sorgt. Das Ergebnis sind aber auch immer wieder schwere Unfälle, zeigen die Polizeistatistiken.

Das geschnürte Maßnahmenpaket ist umfangreich. Die Landespolizei führt regelmäßig Kontrollen durch. Das Landratsamt informiert bei der Zulassung von Zweirädern. Viele Odenwaldkommunen beteiligen sich zudem an der Plakataktion. Die gelb-schwarzen Plakate hängen an vielen Stellen im Kreisgebiet und auch im benachbarten Kreis Bergstraße.

Sie sind überall dort zu finden, wo den Erfahrungen nach eine unangepasste Fahrweise – etwa starkes Beschleunigen – die Bewohner aus der Ruhe bringt. Mal niedertourig fahren und nicht gleich am Ortsausgang die Maschine hochziehen, würde schon viel helfen, so die Anregung. Unterstützt wurde die Aktion durch ein Sponsoring der Odenwälder Verkehrswacht.

Zielgruppe sind laut den Beteiligten nicht die 95 Prozent der anständig Fahrenden, sondern die schwarzen, Gas gebenden Schafe, die teilweise auch ihre Maschinen manipulieren. Aber man will daneben alle Biker auf Stellen aufmerksam machen, wo nicht gleich auf den ersten Blick klar wird, dass man andere stört. Die Initiatoren betonen: „Wir freuen uns über jeden Gast, auch auf zwei Rädern, der seine Freizeit im Odenwald verbringt.“

Allerdings wollen die Kommunen die Beschwerden ihrer Bürger sehr ernst nehmen. Denn die können teilweise kein entspanntes Wochenende mehr auf der Terrasse genießen, was Lebens- und Wohnqualität mindert. Einige Bewohner sprechen hierbei schon von ,,Terror auf zwei Rädern“ und wünschen sich noch mehr Streckensperrungen. „Allerdings führt dies nur zu Verlagerungen“, betonen die Verantwortlichen. Ein gemeinsames Miteinander ist deshalb für sie das Ziel – und nicht der Ausschluss einer ganzen Gruppe, die sich überwiegend an die Regeln hält.