Schriftstellerin Lena Gorelik stellte den Neunt- und Zehntklässlern an der Oberzent-Schule ihr Buch „Mehr Schwarz als Lila“ vor

Den Oberzent-Schülern begegnete Schriftstellerin Lena Gorelik als „sehr authentische, sympathische und entspannte Persönlichkeit“, sagten sie nach der Lesung. Die 38-Jährige stellte der neunten und zehnten Klassenstufe ihr aktuelles Jugendbuch „Mehr Schwarz als Lila“ vor. Einige Schüler hatten bereits im Vorfeld einige weitere Bücher von ihr erstanden und freuten sich auf die Lesung. Die Jugendlichen bekamen einen „sehr interessanten Einblick in das Leben als Autorin“, lautete eine weitere Rückmeldung.

Lena Gorelik wiederum freute sich über die Begrüßung von einzelnen Schülern zu Beginn der Lesung. Sie war sehr angetan von deren Interesse an ihrer Arbeit fühlte sich an der Oberzent-Schule wohl. Den Austausch danach „empfand ich als sehr angenehm, offen und wertschätzend“, so die 1992 nach Deutschland gekommene Autorin.

Die 1981 in Leningrad/Russland geborene Gorelik erzählt in ihrem Roman von einer überforderten Siebzehnjährigen, die der Welt mit Witz und einer Spur notwendigem Stolz gegenübertritt. Wie nebenher wirft die Schriftstellerin Fragen auf – wie kann man Erinnerung vermitteln, wie frei kann man sein? Vor allem aber geht es ums Erwachsenwerden und um die Bilder, „die wir von uns selbst und anderen haben“.

Im Buch konnten sich viele Neunt- und Zehntklässler wiederfinden: Denn Alex trägt lieber Schwarz als Lila, wie schon der Buchtitel suggeriert. Zum Inhalt: Ihr Vater schweigt die meiste Zeit, und ein Papagei soll ihre Mutter ersetzen. Auf der Klassenfahrt nach Polen küsst die Jugendliche von lauter Gefühlen überrannt Paul – am unpassendsten Ort der Welt, in Auschwitz. Jemand fotografiert sie, das Bild geistert durchs Netz, und dann reden alle über Alex und die Jugend von heute, der Papagei entfliegt, und Alex erkennt: „Jetzt ist das Leben da, und zwar mit voller Wucht.“

Dramaturgisch äußerst geschickt werden erinnerungskulturelle Aspekte und moralisches (Fehl-)Verhalten sowie gängige Topoi wie Freundschaft, Liebe, Außenseitertum und Trauerbewältigung miteinander verknüpft, heißt es über das Buch in der Nominierung für den deutschen Jugendliteraturpreis 2018. Gorelik wird „eine an Metaphern reiche Sprache, das virtuose Ausprobieren und Durchbrechen von Sprachkonventionen sowie die intertextuelle Dimension“ attestiert.

Die Lesung wird zum Großteil vom „Leseland Hessen“ finanziert und mit Gabriele Setzer von der Bücherstube in Beerfelden ein Jahr im Voraus geplant. In Absprache mit den anderen Deutschkollegen „haben wir uns für Frau Gorelik entschieden“, berichtete Lehrerin Derya Özdemir. Sie organisierte dann in Zusammenarbeit mit der Bücherstube die Lesung. Gefördert wird das „Leseland“ durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Lena Gorelik las jeweils eine Stunde aus „Mehr Schwarz als Lila“. In den anderen 30 Minuten entstand nach Eindruck von Özdemir „ein sehr angenehmer Austausch“, bei dem die Schüler sehr viele Fragen zum Autorenleben stellten. Am Bücherstand von Gabriele Setzer gab es die Möglichkeit, einige Werke der Schriftstellerin zu erstehen, um sie dann signieren zu lassen. Die Original-Unterschrift war stark nachgefragt.

Lena Gorelik emigrierte 1992 mit ihrer russisch-jüdischen Familie nach Deutschland. Sie erhielt ihre Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München. Die Autorin veröffentlicht sowohl belletristische als auch wissenschaftliche Texte und Reiseliteratur. Sie ist Mitglied der Autorenedition Sarabande. In unregelmäßigen Abständen verfasst sie Beiträge für Deutschlandradio Kultur und schreibt über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen.

„Leseland Hessen“ ist das größte Literaturfestival des Landes. In über 40 Städten finden jedes Jahr zwischen Ende September und Mitte November etwa 150 Lesungen statt. Zusätzlich zu den öffentlichen Lesungen gibt es nicht-öffentliche Schullesungen. Leseland Hessen fand erstmals 2003 statt und wird seit 2013 vom Hessischen Literaturforum im Mousonturm in Frankfurt durchgeführt, organisiert und koordiniert.

Werbeanzeigen

Narrhallas Narren lassen es krachen

Von dem bisschen Wind lassen sich Narrhallas Narren nicht die Feierstimmung wegblasen. Sturmtief „Bennet“ wurde am Rosenmontag einfach ausgesessen. Am Nachmittag waren Orkan und Regen durchgezogen, sodass dem Faschingsumzug durch die Narrenhochburg des Finkenbachtals nichts mehr im Wege stand. Trockenes Wetter, noch erträgliche Temperaturen und 31 ideenreiche Zugnummern bescherten dem Verein wieder einen großen Ansturm zum Nachtumzug.

Besonders am Moderationsstopp kurz vor der Abzweigung zur Sporthalle herrschte großer Betrieb, da die Narren dort auch eine Verpflegungsstation aufgebaut hatten. Dort schwenkte die vorausgehende Guggemusik des Fanfarenzugs Wiesenbach ein und beschallte anschließend die Gäste. Der 15. Rosenmontagsabendumzug im 36. Jahr der Narrhalla wurde an allen Ecken und Enden mit einem lautstarken Helau begrüßt.

31 Fußgruppen, Garden und Motivwagen zogen vom Alten Schulhaus aus über die gesperrte Landesstraße durch den Ort. Danach stieg in der Sporthalle die große Hawaii-Party im Trockenen und Warmen. Die meisten Zuschauer versammelten sich rund um den Dorfbrunnen an der Abzweigung zum Himmelreichweg, wo sie mit Speisen und wärmenden Getränken versorgt wurden. Zugmoderator Carsten Werner kündigte dort die jeweiligen Gruppen und Zugnummern an. Feuerwehr und DRK umrahmten den Narrenwurm.

Die Gäste sparten nicht mit aufmunternden Fastnachts-Rufen für die weit über 200 Aktiven, ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. Erste Auflage des Umzugs war bereits im Jahr 2005 anlässlich des 22. Die Veranstalter vom SV stellten mehr als die Hälfte der Gruppen, darunter – neben anderen – Dancing Starlets, Minischautanzgruppe, Next Generation, Happy Feet, SV-Funken, Männerballett Biergorgler oder die Showtanzgruppe Crazy Girls.

Das Oberzent-Prinzenpaar Trudi und Jupp aus Rothenberg sowie Funkenmariechen Paula Manschitz beschlossen die große Demonstration fastnachtlicher Macht aus dem Oberzent-Stadtteil. Aus Hirschhorn war das Lachsbachperlen-Kinderprinzenpaar Aliyah I. und Elias I. mit Funkenmariechen Josephine dabei.

Auf der Suche nach Dagobert Ducks Tresor machten die Panzerknacker des badischen Äppelwoiteams Heddesbach eine Tour nach Hessen und brachten mit heißer Musik und tanzwütigen Insassen Hainbrunn zum Beben. Die „Wilde 13“ aus Brombach ließ allerlei Clowns aufmarschieren. Auch die Sensbachtaler Fastnachtsfreunde waren mit Elferrat und Garden auf Tour. Der „Wohnwagen Rothenberg“ hatte mal sich der Klempnerkrise angenommen und wieder einen Hingucker gebaut. „Super Mario“ richtet’s, hieß es bei ihnen.

Die Hirschhorner Ritter waren mit Prinzengarde und dem aktuellen Prinzenpaar Ulli I. und Mathias II. vertreten. Alle zusammen liefen sie dann in die Sporthalle ein, um dort schwupps auf Hawaii  anzukommen. Das Aufbauteam des SV Narrhalla hatte ganze Arbeit geleistet. An der Tiki-Bar blieben keine Wünsche offen. Mit lautem „Aloha“ wurden die Gäste begrüßt. Verführerische Südseeschönheiten stillten mit leckeren Cocktails, aber auch fastnachtlichen Standardgetränken den Durst der Narren.

Die Spenderniere schenkte Klaus Schäfer ein zweites Leben

Es war ein ganz besonderes Jubiläum, das Klaus Schäfer jetzt feierte. Keines, das Arbeit oder Vereinsmitgliedschaft betraf, sondern ein seltenes: Der 62-Jährige hat seit inzwischen 30 Jahren eine Spenderniere. „Nur wenige Menschen leben so lange mit einem ‚Ersatzteil‘ im Körper“, freut sich sein Sohn Mirko. Sein Vater klopft auf Holz: „Ich hatte in der ganzen Zeit nie wirklich Probleme.“ Durch die Transplantation „wurde mir ein zweites Leben geschenkt“. Er blickt optimistisch nach vorn: „Toi, toi, toi“, grinst Schäfer.

Als er im Februar 1989 das Spenderorgan transplantiert bekam, waren solche Eingriffe auf dem Land noch ziemlich selten. Deshalb musste er dafür nach Heidelberg in die Chirurgie, erinnert sich der Beerfeldener. Er litt unter einer chronischen Nierenentzündung, weswegen die Filter nicht richtig arbeiteten. Hoher Blutdruck und fortwährende Müdigkeit waren die Folge. Da der 62-Jährige in Darmstadt arbeitete, hatte er die Möglichkeit, dort zu einem Facharzt zu gehen. Denn im Odenwald waren diese Spezialisten und auch die Dialyse noch nicht weit verbreitet. Heute ist es anders, da sind Erbach oder Bad König nähere Möglichkeiten

Ein halbes Jahr lang war Schäfer Stammgast für die Dialyse. In dieser Zeit „fuhr meine Frau immer mit und lernte das Punktieren“. Denn die stationären Plätze waren Mangelware, es gab noch die nicht die Dialysezentren wie heute. Die Folge: Heimdialyse. Immer fünf Stunden. Dazu kam die Arbeit. Zum Glück war sein Arbeitgeber kulant, sodass Schäfer in dieser Zeit nur noch halbtags ran musste. Ein knappes Jahr später, Ende 1988, kam der vermeintlich erlösende Anruf, dass ein Spenderorgan gefunden sei. „Aber leider war die Niere nicht kompatibel.“

Im Februar 1989 klappte dann alles. Drei Stunden dauerte die OP und zeitigte schnellen Erfolg. Der wichtige „Kreatinin-Wert“, ein Stoffwechselprodukt, sank von 13 vor der Operation innerhalb von zwei Wochen auf 2,5. Normal ist unter 1. „Der Wert sank dann immer weiter“, erinnert sich Klaus Schäfer. Heute, 30 Jahre später, steigt er wieder an, weil die Spenderniere langsam, aber sicher schlapp macht. Was für den gebürtigen Beerfeldener aufs Neue eine Dialyse nötig machen könnte. So weit will er aber noch nicht denken. „Sie hat nicht mehr die Leistung wie zu Beginn, aber ich kann damit gut leben“, sagt er.

Das Spenderorgan hat sich schon mehr als wacker geschlagen. „Damals sagte man mir, die Niere würde fünf bis sieben Jahre halten“, erinnert er sich. Durch Internet-Recherche kam er dann auf eine mögliche Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren. Heute sind es schon 30. Womit bereits alle Statistiken wiederlegt wären. Die Wasserflasche ist heute ein ständiger Begleiter von Klaus Schäfer. Bis zu sieben Liter musste er nach der OP trinken, „damit die Niere anspringt“. Auch heute noch sollten es mehrere sein. Dem Alkohol und Rauchen hat er vor einiger Zeit abgeschworen.

Über die Transplantation machte sich der 62-Jährige nie viele Gedanken. „Ich habe es so hingenommen“, sagt er. „Ich sehe die Niere nicht als fremdes Organ an“, betont Schäfer. „Ich habe sie sofort als mein Körperteil akzeptiert“. Er hinterfragte auch nie die Identität des Spenders, sondern ist diesem einfach nur dankbar.

Im Alltag „wird es mir überhaupt nicht mehr bewusst, dass ich eine Spenderniere habe“, so der Beerfeldener. Wie das Wasser sind aber auch Tabletten sein ständiger Begleiter. „In 30 Jahren dürfte ich inzwischen 165.000 genommen haben“, schmunzelt er. Zur Herabsetzung des Immunsystems, gegen die Abstoßung, zur Blutdruck- oder Blutfettregulierung. Alle vier Wochen steht die Kontrolle beim Arzt an. „Manchmal stimmen dann die Werte nicht und die Medikamente müssen umgestellt werden“, weiß er.

Schäfer ist allen dankbar, die sich zu einer Organspende bereiterklären „und anderen damit womöglich das Leben retten“. Sein Beispiel animierte einige Bekannte, sich einen Organspenderausweis zuzulegen. „Ich würde mit Sicherheit auch Organspender sein, wenn es möglich wäre“, betont er.

Info: Mehr zum Thema Organspende und entsprechendem Ausweis unter http://www.organspende-info.de/organspendeausweis

Auf Ober-Hainbrunns Straßen: Eine Ansammlung von Abplatzungen, Absenkungen und Rissen

Im kleinen Stadtteil stehen größere Straßensanierungen an. Der Ortsbeirat beschäftigte sich auf seiner vergangenen Sitzung mit der entsprechenden Prioritätenliste. Thema war daneben die Möglichkeit der Finanzierung von Straßensanierungen, wie sie bereits einmal in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt worden war. Es gibt einmalige oder wiederkehrende Beiträge ebenso wie gar keine oder eine Umlegung auf alle kommunale Steuerzahler.

Alle Ortsstraßen waren im Vorfeld der Sitzung durch den Ortsbeirat in Augenschein genommen worden. In der oberen Talstraße gibt es den vorrangigsten Bedarf, erläuterte Ortsvorsteher Stefan Hofmann. Es folgen: Im Himmelreich, Mühl- und Poststraße sowie der Vorplatz der Sporthalle. Im Zusammenhang mit dem Flurbereinigungsverfahren gab es den Wunsch um genauere Klärung an die Stadtverwaltung, welche Abschnitte der Poststraße und des Panoramawegs dort enthalten sind. Daneben möchte man wissen, ob im Doppelhaushalt 2019 und 2020 Gelder für das Flurbereinigungsverfahren „Straßen und Wege Ober-Hainbrunn“ eingeplant sind.

Wie Hofmann erläuterte, ist die Obere Talstraße im mittleren Bereich zwischen den Hausnummern 6 und 8 auf etwa 50 Meter Länge stark beschädigt. Im Himmelreich gibt es punktuell starke Absenkungen. Der Seitenabzweig bei Nummer 9 und 9a ist in sehr schlechten Zustand. In der Mühlstraße stellte der Ortsbeirat Rissbildungen und Senkungen auf der kompletten Länge mitsamt einem schlechten Allgemeinzustand fest.

Die Poststraße ist nach Beobachtung beim Ortstermin in einem mittleren Zustand. Kanalhaltungen, Schieber und Hydranten sind oft abgesenkt. In einigen Bereichen gibt es Risse und Absenkungen. Im oberen Bereich ist die Regenwasserführung ungenügend. An zwei Stellen gibt es bei Frost regelmäßig dicke Glatteisplatten. Der obere Teil ab Kreuzung Obere Talstraße ist laut Hofmann in der Flurbereinigung. Er befindet sich in sehr schlechtem Zustand. „Wasserführung ungenügend, Wasser dringt durch Asphaltdecke, Schlaglöcher“, stellte Hofmann hier fest.

En Sorgenkind ist ebenso der Parkplatz an der Sporthalle. Der Vorplatz ist uneben, daneben stellte man Risse im gesamten Bereich fest. Eine Vergrößerung der Flächen etwa mit Rasengittern wäre wünschenswert, so der Vorschlag. Die Schotterflächen weisen darüber hinaus viele Schlaglöcher auf. Der Verbindungsweg vom Sägewerk an der Heckenmühle nach Rothenberg wurde zur Hälfte bereits saniert. Der untere Teil ist allerdings in sehr schlechtem Zustand, so Hofmann: Abplatzungen, Absenkungen, Risse.

Der Panoramaweg ist eigentlich nur noch eine Buckelpiste und „auf seiner kompletten Länge in sehr schlechtem Zustand“. Unzählige Schlaglöcher, Wurzelanhebungen der Asphaltdecke, Absenkungen und Risse sahen die Mitglieder des Ortsbeirats bei ihrer Inaugenscheinnahme. Durch Befahren des „grünen Planwegs“, eines in den 60/70er Jahren geteerten Feldwegs, mit 25-Tonnern der Müllabfuhr werde dieser überlastet, denn das zulässige Gesamtgewicht beträgt zwei Tonnen, weil er keinen guten Unterbau hat. Er ist im Flurbereinigungsverfahren.

Der Verbesserungsvorschlag aus dem Ortsbeirat sieht wie folgt aus, dass eine Wendemöglichkeit bei den Hausnummern 6 und 8 auf dem städtischen Grundstück geschaffen werden soll, sodass die Müllabfuhr den asphaltierten Feldweg nicht mehr befahren muss. Eine weitere Wendemöglichkeit an der Kreuzung zur Poststraße wäre ebenfalls sinnvoll. Dies könnte laut Hofmann im Zuge der Flurbereinigung erfolgen, da dann sowieso Ausweichen eingeplant sind.

Die Nachfrage beim Bauhof hat ergeben, dass die Hundetoiletten nach dem Heckenschnitt voraussichtlich im März oder April aufgestellt werden, informierte der Ortsvorsteher. Bis auf den Flur ist der Untergrund Wänden, Decken und Böden im alten Schulhaus fertig, so Hofmann weiter. Dies gilt ebenso für den Raumgrundputz, die Isolierung bis auf den Flur, Wasser, Estrich und zu 90 Prozent Elektro.

Männer-Mumien mögen’s musikalisch: Bunter Abend bei der CGB Beerfelden

Was für eine Sause: An die fünf Stunden lang nahm die Carnevalsgesellschaft (CGB) Beerfelden ihre Zuschauer mit auf eine vergnügliche närrische Reise. „Die Mumie singt, das Kamel lacht, Beerfelden feiert Fassenacht“ hieß es auf der ausverkauften Sitzung in der Alten Turnhalle, wo die Eigengewächse der CGB zusammen mit den Gästen ein ums andere Mal begeisterten Applaus einheimsten. Farbenprächtige Kostüme, witzige Darbietungen, fetzige Musik: Es war einfach alles geboten, was Fasching ausmacht.

Ganz besonders stolz war Sitzungspräsident Robin Hemberger über seine achtjährige Nichte Marlene als jüngste Aktive, die den Bunten Abend eröffnete. „Jugendarbeit wird groß geschrieben bei der CGB“, betont er – was sich auch auf der Bühne zeigt. Der Nachwuchs unter den 120 Aktiven ist gesichert. Mit den Kindern aus den drei kleinen Tanzgruppen sind es 150 bis 160 Mitwirkende in der närrischen Zeit. Die Kleinsten, in denen sogar schon Mädels ab drei Jahren mitwirbeln, treten allerdings nicht samstagabends, sondern sonntags beim Tanzalarm und beim Kinderfest auf.

Klaus „Gaggo“ Skarsig besetzt bei der CGB die andere Seite der Alterspyramide. Der 75-Jährige – er ist damit vier Jahre älter als die Carnevalsgesellschaft – singt seit deren Bestehen bei den „Galgenvögeln“ mit. Die schönste Belohnung für die ganze Arbeit sind für die Fastnachter die beiden ausverkauften Sitzungen – jeweils 330 Personen drängen sich in die Alte Turnhalle. „Dazu braucht es natürlich jede Menge helfende Hände hinter der Theke und den Kulissen“, dankt Hemberger auch diesen – in der Summe dürften es so um die 200 Beteiligte an jedem Termin sein.

Der Beffelemer Bär Gianluca Eifert nahm sich aufs Neue das lokale und Weltgeschehen vor. Mit spitzer Zunge prangerte er so manches an. Ein fester Bestandteil des Faschings in der Stadt am Berge sind die „Dauwegribbel“ Stefan Münkel und Dirk Bondes. Ihre Spezialität ist die Interpretation großer Hits mit eigenen Texten. Maite Kelly fand sich mit „Warum hast Du nicht Nein gesagt?“ wieder, die Proclaimers mit „500 Miles“. Ein Medley der Neuen Deutschen Welle mit Texten über den „Gailsmarkt“ war natürlich der Kracher.

Frauenquote auch für den Elferrat. Fabienne Hemberger, Vanessa Hemberger und Michèle Johe setzten sich vehement dafür ein. Denn: Frauen können viel rhythmischer klatschen und tanzen. Aber warum soll’s bei den Fastnachtern anders laufen als im richtigen Leben: Die „Revolution“ wurde von der versammelten Männlichkeit doch noch einmal abgeschmettert. Dann was für die Augen: die Kleine Garde mit Piratenmärschen, die Große Garde mit einem sehr anspruchsvollen Tanz auf Kölsche Lieder.

Die Galgenvögel gab’s gleich zwei Mal. Die Gesangsgruppe, die seit über 33 Jahren jedes Mal aufs Neue umgetextete Lieder zum Besten gibt, wurde am Flügel von Yun Won-Lee begleitet. Dennis Hemberger und Felix Sasse hatten’s in der Büttenrednerschule drauf. Merke: Der beste Witz ist der, über den man selbst am lautesten lacht. Am besten ohne Punkt und Komma reden, da merkt keiner, welcher Unsinn gerade gebabbelt wird.

Wenn Heike Johe in den Saal rauscht, dann geht’s ab. Letztes Jahr mischte sie schon die Bürgermeister-Kandidatenrunde auf, jetzt hatte sie sich auf dem Weg zum Seniorennachmittag verlaufen. Nach allerlei Ausführungen übers Alter mitsamt Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen wurde sie auf der Bühne von den „Blutdruckmessern“ in den Kostümen abgelöst, die ihrem gefühlten Zustand entsprachen: Mumien – übrigens auch das Motiv für den diesjährigen Orden.

Was die Mumien-Männer zu „Walk like an Egyptian“ mitsamt Kamelen, Pharao, „Tänzerinnen“ und Schlangenbeschwörer boten, war erste Sahne. Sitzungspräsi Hemberger wusste um die Herausforderung für die Trainerin: „Die Kathi (Hofmann) weiß, einen Sack voll Flöhe zu hüten ist einfacher.“ Ganz großer Zirkus anschließend mit den „Dream Girls“. Ohne Pause fegen die Mädels zu Zirkusmusik über die Bühne, zeigen akrobatische Einlagen und haben extrem viel Spaß bei der Sache.

Was die „Gammelsbacher Philharmoniker“ musikalisch bieten, ist grandios. Michael Gruber, Ralf „Johnny“ Johann, Justin Ruf, Max Schulz und Andi Weinmann haben sich in die Klischee-Heavy-Metal-Kluft mit Langhaarperücken und Ganzkörpertattoos geworfen und rocken los, was das Zeug hält. Erst „Sweet Child O‘ Mine“ von Guns’n Roses, dann „Thunderstruck“ von AC/DC unter Mitwirkung des ganzen Saals und schließlich Helene Fischers „Atemlos“ auf Hardrock gemacht: Das war einfach klasse.

 

Mitwirkende: Marlene Hemberger, Funkenmariechen Lena Kraus, Beffelemer Bär Gianluca Eifert, Dauwegribbel Stefan Münkel, Dirk Bondes, Ralf „Johnny“ Johann, Frauen in den Elferrat Fabienne und Vanessa Hemberger, Michèle Johe, Kleine Garde, Smart Narrhalla Robin Hemberger, Markus Müller-Jost, Große Garde, Galgenvögel, Büttenrednerschule Dennis Hemberger, Felix Sasse, Wild Angels, Heike Johe, Blutdruckmesser, Udo Reubold, Dream Girls

Der Leerstand ist in Oberzent ein großes Thema

In der guten alten Zeit brummte noch der Einzelhandel in den Dörfern. Früher, weiß Bürgermeister Christian Kehrer aus eigener Anschauung, gab’s in Finkenbach Spar- und Edeka-Markt, Metzger, Bäcker und eine Postfiliale. Heute ist davon ein Tante-Emma-Laden übrig geblieben. In den anderen Oberzent-Stadtteilen sieht’s ähnlich aus. Einkaufswüste und Leerstand allenthalben.

Seitens der Verwaltung stemmt man sich mit Kräften gegen ein weiteres Ausbluten, doch die Einfluss-Möglichkeiten sind begrenzt. Welche Strategien es zur Oberzent-Renaissance gibt, erläuterten jetzt zusammen mit Kehrer Oreg-Geschäftsführer Marius Schwabe und Wirtschaftsförderer Amadeus van Lier.

Das Einkaufsverhalten änderte sich in den vergangenen 20 oder 30 Jahren, die Arbeitsplätze auf dem Land wanderten ab, der Online-Handel wird fleißig genutzt: „In den Straßenzügen spiegelt sich das wieder“, bilanziert Kehrer. Allein in der Durchgangsstraße von Beerfelden gibt es aktuell 22 Geschäfts-Leerstände. Und die geschlossenen Gaststätten. Mitte 2018 machte der „Schwanen“ dicht, ebenso der ehemalige Schützenhof. In Finkenbach brüllt seit Ende des Jahres der „Löwe“ nicht mehr.

„Die Lokale in der Kernstadt kann man inzwischen an einer Hand abzählen“, bedauert der Rathauschef. Ausnahme: „Le Local d’Arthúr“ im ehemaligen Lido. Die Bar am Metzkeil stemmt sich dem Trend entgegen und „wird angenommen“, freut sich Kehrer. Doch das Problemfeld ist größer: „Die Unternehmensnachfolge wird immer zum Thema“, beobachtet er. Metzger und Bäcker finden kaum noch Azubis. Dazu passt, dass die Bäckereifiliale in Rothenberg zum Jahresende ihre Pforten schloss.

Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele. Das Gasthaus „Spälterwald“ in Olfen ist so eines. Hier brummt‘s. Oder aber die Gammelsbacher Gastronomie, die sehr gut angenommen wird. Grundsätzlich gilt: „Wo Innovation ist, etwas geboten wird, läuft es“, fasst Schwabe zusammen. Der Kunde sucht das Erlebnis, egal ob beim Essen oder beim Einkaufen. „Die Leute gehen nicht nur zum Shoppen weg“, betont er. Ein plätschernder Bach, Außenbestuhlung, Kinderbelustigung oder Musik im Freien heißen die Zauberworte.

Das fängt schon im Kleinen an, sagt der Bürgermeister. Beim Dorffest sollten es nicht nur Bratwurst und Steak sein, sondern auch mal Trendiges. Beispiel Pulled Pork, das der Kerweverein im vergangenen Jahr auf den Teller brachte. Das setzt sich, ergänzt van Lier, in der Küche der Gasthäuser fort. Neben gut-bürgerlich darf etwas gezaubert werden. Spareribs aus dem Smoker etwa, wie es sie in regelmäßigen Abständen im Rothenberger „Hirsch“ gibt. Wichtig ist seinen Worten zufolge aber auch, dass die Betreiber ihre Betriebe in Schuss halten.

Die Kommune, erläutert das Stadtoberhaupt, „hat leider keinen großen Handlungsspielraum um einzugreifen“. Allerdings versucht die Verwaltung zu lenken. So sollen die Gaststätten in der neuen Homepage eingebunden und über eine Karte gefunden werden können. Die Oreg ist als Kooperationspartner mit verschiedenen Angeboten an Bord, so Schwabe.

Der Geschäftsführer hebt auf das große Mentorennetzwerk der Wirtschaftsförderer ab. Man betreibe eine erfolgreiche Gründungsberatung und biete – wie alles andere auch – kostenlos eine Fördermittelberatung an. „Wir haben einen ganzen Werkzeugkasten an Unterstützung parat“, betont Schwabe. Wichtig ist jedoch, dass sich die Unternehmer rechtzeitig melden, anstatt erst dann zu reagieren, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

„Einem guten Koch können wir bei den Finanzen helfen“, verdeutlicht es Schwabe. Selbstkritisch meint er auch, „wir müssen unser Angebot stärker in der Zielgruppe bekannt machen“. Die Oreg versucht es auf zahlreichen Wegen, aber es ist „ein mühseliges Geschäft“. Laut Schwab „ist ein großes Rad zu drehen, das braucht Beharrlichkeit“. Er äußerte sich jedoch voller Hoffnung. „Der Schwung des Neuen wird anhalten.“ Außerdem gibt es „engagierte Leute“, meinte er am Paradebeispiel Oberzent-Expo.

Wirtschaftsförderer Amadeus van Lier kümmert sich seit einem Jahr speziell um die Stadt Oberzent. Seine Bestandsaufnahme der Leerstände förderte bereits 35 Objekte zutage. Zehn davon wurden in die Angebotsliste aufgenommen, eines bereits vermittelt. „An manchen Leerstand kommen wir aber nicht ran“, erklärt er. Außerdem gibt es teilweise kein Interesse, für eine Wiederbelebung zu sorgen. Oder es fehlt die räumliche Trennung zu den Privaträumen. „Bei hartnäckiger Nachfrage zeigt sich, dass es doch nicht die vielen Gewerbeimmobilien sind wie gedacht“, meint Schwabe.

„Der Service für die Eigentümer ist kostenfrei“, hebt van Lier hervor. Der Wirtschaftsförderer nimmt die ganzen Daten auf, macht bei Bedarf auch die Fotos und stellt die Objekte unter www.kip.net/hessen/odenwaldkreis/gewerbe/gewerbeimmobilien ins Internet ein. Natürlich denkt man bei der Stadt auch darüber nach, Ortsbild prägende Gebäude möglicherweise aufzukaufen, so Kehrer. „Das ist aber eine Frage des Preises.“ Und aktuell werden die Oberzent-Gelder für andere Pflichtaufgaben wie Kanalsanierung dringender gebraucht.

„Wir müssen bei der Stadtentwicklung etwas tun“, hebt der Bürgermeister hervor. Allerdings sollten die Eigentümer auch realistische Preisvorstellungen mitbringen, damit man handeln könne. Ein erster Schritt ist die Optik. „Das geht ohne großen Aufwand.“ Zur Verschönerung des Stadtbilds sollen blinde Schaufenster wieder erstrahlen und zum Fenster der Oberzent werden. Dafür werden beim Drohnen-Überflug im vergangenen Jahr entstandene Landschaftsbilder großflächig darauf geklebt, so wie es Kehrer dann im Rathaus an einem Modell mit Marbachstausee verdeutlichte.

Oberzent-Wirtschaftsförderer Amadeus van Lier ist unter E-Mail a.vanlier@sv.oreg.de oder Telefon 06062/943363 zu erreichen.

Lernen in der „Wohlfühloase Oberzent-Schule“

Wenn die Oberzent-Schule zur Präsentation der Projektwochen-Ergebnisse und zum Schnuppertag einlädt, dann ist die „Bude“ immer voll. Aber dieses Mal war es „so gut besucht wie selten“, freute sich Schulleiter Bernd Siefert. „Ausverkauft“ vermeldete sogar die Mensa, vom Förderverein mit Unterstützung aus den zehnten Klassen gemanagt. Über 200 Besucher zählten die Lehrer bei den verschiedenen Führungen durch die Gebäude.

Die Kombination von Projektwochen-Abschluss plus Info für die kommenden Fünftklässler zieht: Nicht nur die Eltern der aktuellen Viertklässler kommen mit ihren Sprösslingen vorbei, sondern die Erwachsenen der älteren Schüler wollen auch wissen, was ihre Kinder in der einen Woche so alles gemacht haben. Die Palette der angebotenen Projekte ist nämlich sehr vielfältig: Ski fahren, Theater, Medienwelten, Schach, Brettspiele bauen, Chemie, Sport, Erasmus, Zeichnen, Filme oder Fotoromane sind unter anderem im Angebot.

„Origami“ hatte noch einen anderen Hintergrund als nur etwas zu falten. Die Schüler stellten nämlich den Innenhof der Schule mitsamt Bienenkörben nach. Zusammen mit René Tunn und Tanja Stolp soll einen Bienenprojekt gestartet werden. „Dafür gibt’s auch Zuschüsse“, schmunzelt Bernd Siefert. Als Ziel dahinter steht die Produktion des eigenen Honigs. Mit Pressluftflaschen ging‘s zum Tauchen ins Hallenbad. Das Equipment dafür hatte Konrektor Dirk Konrad mitgebracht, nebenbei Vorsitzender des Tauchsportclubs in Michelstadt.

„In der Projektwoche herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre und es sind tolle Produkte entstanden“, bilanziert der Schulleiter. Von den Besuchern gab es nur positive Rückmeldungen. Die „gute Stimmung“ und das ansprechende äußere Erscheinungsbild der Lernanstalt wurden gelobt. Auf die Eigenwerbung ist die Oberzent-Schule natürlich auch angewiesen. 60 angehende Fünftklässler gibt es dieses Jahr, die man (und ihre Eltern) logischerweise gerne von einem Besuch der OZS überzeugen möchte.

„Wir wollen zeigen, warum die Oberzent-Schule die beste weiterführende Schule ist“, nimmt Siefert in punkto Schulvermarktung gerne einen Superlativ in den Mund. Neben der familiären Atmosphäre gehört dazu seinen Worten nach sicherlich auch die gute Anschlussfähigkeit für weiterführende Schulen. „Bei uns sind die Kinder gut aufgehoben, werden fachlich-methodisch und sozial gut geschult“, hebt er hervor.

„Wir öffnen unsere Schule nach außen“, sagt der Pädagoge. Denn vor zehn Jahren waren es noch 110 Viertklässler, die die Grundschulen der Region abschlossen. Aber die kleinere Schülerzahl hat auch was Gutes. Es gibt quasi die „Wohlfühloase Oberzent“. Siefert macht das auch am geringen Krankenstand fest. „In der vergangenen Woche war kein Lehrer krank“, sagt er. Und das bei immerhin 30 Pädagogen.

Die sind immer voll dabei, wenn es um die die Erarbeitung der Themen für die Projektwoche geht. Die Schüler können aus dann aus dem Angebot je nach eigenem Geschmack auswählen. Das Schulleitungsteam leistet laut Siefert in dieser Richtung „herausragende Arbeit“: Dirk Konrad, Heidi Domack, die Stufenleiterin für die Klassen fünf bis zehn, und Klaus Seeh, der Koordinator für die Übergänge ans Gymnasium, hängen sich mit den Kollegen voll rein.

Der Schulleiter spricht mit Blick auf die vielen Aktivitäten von einem gewissen Alleinstellungsmerkmal der OZS. Das Angebot kommt auch bei den Schülern gut an, beobachtet Lehrerin Angela Jöst. Die waren mit einem solchen Feuereifer bei der Sache, dass im Chemieversuch sogar der Feueralarm losging. Den zweiten Test der Brandmeldeanlage während der Herstellung gebrannter Mandeln konnte man gerade noch vermeiden, schmunzelt sie.

Traditioneller Abschluss des Tags ist immer die Präsentation des Zirkusworkshops, bei dem Ralf „Jeremy“ Breitinger die Fünf- bis Zehntklässler anleitet. Die AG findet seit langer Zeit immer einmal wöchentlich statt. Dieses Mal wurde in der Sporthalle jongliert und balanciert, was das Zeug hielt. Kleine und etwas größere Artisten freuten sich über den Applaus des Publikums.

Info: Beim Frühlingskonzert der Oberzent-Schule besteht am Sonntag, 31. März, 11 Uhr, das nächste Mal Gelegenheit, die Lernanstalt in Augenschein zu nehmen. Es spielt die Fachschaft Musik von Volker Reichelt.