Modeln in Zeiten der Pandemie

Auch während der Corona-Pandemie geht das Modeln weiter. Den Start in ihre Selbständigkeit hätte sich die aus dem kleinen Oberzent-Stadtteil Olfen stammende Wahl-Münchnerin Stella Stegmann aber anders vorgestellt. Aber mit viel Einfallsreichtum und kreativen Ideen arbeitet die 23-Jährige weiter hart an ihrer Karriere. „Ich bereue nichts“, lächelt sie.

Nach dem dualen Studium bei Siemens wollte sich Stella eigentlich hauptberuflich dem Modeln widmen. Doch während des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr praktisch nichts, erzählt sie. Den Sommer über herrschte dann quasi Normalbetrieb, ehe wieder die Schotten runtergingen.

Immerhin, berichtet die Olfenerin, gibt es immer mal wieder Aufträge wie etwa Fotoshootings. Bei denen sind in der Regel Corona-Tests vorgeschaltet, geht alles streng nach Hygienevorschriften. „Ich komme über die Runden“, sagt sie – auch wenn nicht wie im vergangenen Jahr die tollen Shootings wie etwa fürs Playboy-Cover reinflattern.

Nach der deutschen Ausgabe war Stella Stegmann jetzt auch auf dem Titel der niederländischen Publikation vertreten. Dazu kam es eher per Zufall über einen Instagram-Chat, sagt sie. Dabei tauchte die Frage auf, ob ihre Bilder denn auch in anderen Playboys außerhalb Deutschlands erscheinen würden. Das wäre möglich, wenn die komplette Fotostrecke aus Mexiko übernommen wird, schildert es die 23-Jährige.

Die Niederländer schlugen zu, sodass Stegmann das Februar-Cover ziehrt. „Ein total schöner Erfolg“, freut sie sich – sogar mit einem anderen Titelbild als dem in Deutschland. Auf Instagram gab es viel Resonanz, hat sie festgestellt. Zum einen in Form von Komplimenten aus dem Nachbarland, zum anderen durch mehr Follower. 31.000 davon zählt die Exil-Odenwälderin inzwischen. „Das sind gute Zahlen im Model-Bereich“, weiß sie. Solche, „bei denen die Leute zuhören und man eine Community hat“.

Je mehr Follower, desto mehr Aufmerksamkeit. Langsam kommen Unternehmen auf sie zu und fragen nach einer Kooperation, erzählt die Olfenerin. Es geht um das Testen von Produkten oder um deren gemeinsame Entwicklung. Stella ist daneben auch Zumba-Trainerin, sportbegeistert, designt und näht gern. Folgerichtig klopfte auch schon ein Sportartikelhersteller an.

Trotz des Lockdowns „ist mir nicht langweilig“, erklärt sie. Vor kurzen fand ein Fotoshooting in Tirol statt – das erste seit langer Zeit außerhalb Deutschlands. In den vergangenen zwei Monaten arbeitete Stella mit einigen Deutschrappern bei deren Musikvideoproduktion zusammen. Unter anderem ist sie im aktuellen Clip „Brachland“ von Cool Savas zu sehen.

Das Modeln ist für die 23-Jährige aber nicht alles. Vergangenen Herbst begann sie in einem Café zu arbeitet und schätzt dort sehr die Gespräche mit den Kunden. Nicht nur dort ist aktuell Pause. „Ich hoffe, dass die Fitnessstudios bald wieder öffnen“, sagt Stella. Denn sie gibt auch einschlägigen Unterricht. Die Online-Kurse sind das Eine, „aber es ist was anderes, wenn man mit den Leuten trainiert, schwitzt und Spaß hat“.

Ihr Kalender-Projekt für 2021 lief sehr gut, freut sie sich. Das Thema lautete „Powerfrau“. Ein Teil der Einnahmen ging in das Waisenhaus nach Tansania, in dem sie 2014 ein Praktikum machte. In die alte Heimat zieht es auch ab und zu, wenn sie mit ihrem Bruder gemeinsam das elterliche Haus saniert.

Was sie als Erstes gerne wieder machen würde, wenn die Beschränkungen fallen? „Reisen“, sagt Stella sofort. Irgendwo im Süden Europas am Strand liegen. Mit etwas Glück könnte es ein Fotoshooting für ein Bademodenunternehmen in Griechenland geben, erzählt sie. Damit hat die Olfenerin Erfahrung, nahm sie doch bereits vor einiger Zeit am „Miss Mermaid“-Wettbewerb teil.

„Ich freue mich über das, was kommt“, nimmt die 23-Jährige die Entwicklung gelassen. Sie möchte gerne im Sportbereich für eine bekannte Marke arbeiten, hat aber keine speziellen Vorlieben. Durch das Onlinecasting öffnen sich derzeit neue Türen, sagt sie, für die sie nun mehr Zeit hat.

Parallel ist die Wahl-Münchnerin bei der YouTube-Show „Stellas Shooting Shuttle“ mit dabei. Sie moderiert die humorvollen Casting-Clips auf http://www.youtube.com/watch?v=XyYAki3HwNg. Im April ist sie als Model für einen Unterwasserworkshop eines Fotografen gebucht. Wenn im kommenden Semester Zeit bleibt, möchte Stella gern Finno-Ugristik studieren. Denn ihr Freund kommt aus Finnland und sie will die Sprache besser verstehen. Im Raum steht auch noch ein Masterstudiengang im Kommunikationsbereich.

Gastronomie wünscht endlich grünes Licht

„Wir brauchen unbedingt Perspektiven“, betont Angelika Beisel vom „Hirsch“ in Rothenbergs Ortsmitte. Um zu zeigen, dass die Gastronomen in den Startlöchern für eine Wiederöffnung stehen, beteiligte sich das Traditionsgasthaus an der Aktion „Grünes Licht“. Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hessen, Initiative Gastronomie Frankfurt und der Leaders Club Deutschland hatten dazu aufgerufen, um vor dem heutigen politischen Spitzentreffen ein sichtbares Zeichen zu setzen.

Beisel macht klar, „dass wir nicht auf Biegen und Brechen aufmachen wollen“. Aber der Dauer-Lockdown ist nicht mehr durchzuhalten. Denn selbst wenn die Gastronomen wieder ihre Türen öffnen dürfen, „ist nicht gleich die Bude voll“. Es dauert, bis alles wieder angelaufen ist. Nicht nur die Betreiber, auch die Mitarbeiter brauchen Sicherheit. „Wir verlernen bald unserem Job“, meint die Wirtin mit etwas Galgenhumor.

Inzwischen gibt man sich ja in der Branche notgedrungen schon mit wenig zufrieden. Die November-Hilfen sind immerhin schon eingetroffen, die vom Dezember teilweise. Ein ganz andere Hausnummer und „das nächste Problem“ stellen die Überbrückungshilfen III dar. Durch den Riesenwust von Unterlagen „muss man sich durchwurschteln“, verdeutlicht sie die schwierige Beantragung. So ist unter anderem nicht klar, welche Kriterien wie auf den Hirsch zutreffen könnten.

Nach wie vor ist der Zuspruch fürs Take-Away-Speisenangebot groß, freut sich Beisel. „Wir lassen uns auch immer etwas Neues einfallen.“ Die Leute kommen längst nicht mehr nur aus Rothenberg, sondern aus vielen umliegenden Orten. Im Laufe der Zeit wurde einiges perfektioniert. Ein Online-Bestellsystem sorgt etwa dafür, dass alles vom Handy oder Computer aus geordert und gleich bezahlt werden kann.

Das Verpackungssystem beruht auf Bagasse, einem Überrest der Zuckerproduktion, und ist ökologisch abbaubar, erklärt Lukas Beisel. Da die Sets versiegelt werden, halten sie außerdem länger warm und sind auch problemlos später in der Mikrowelle wieder aufwärmbar, sagt er.  

Die Krise schweißt zusammen, fügt er hinzu. Wo früher Konkurrenzdenken herrschte, zählt heute das Miteinander. Man organisiert sich innerhalb der großen Gastronomen-Familie in einer WhatsApp-Gruppe, um die Neuigkeiten auszutauschen. Wer Hilfe bracht, dem wird geholfen. Auch über die Dehoga kommen viele Infos rein, lobt seine Mutter.

Beim Hygienekonzept ist der „Hirsch“ auf dem neuesten Stand, sagt Angelika Beisel. Derzeit werden sogar einige Optimierungen, wie Luftfilter, Digitalisierung oder Verlegung des Geschäftsbetriebs in den Außenbereich, vom Staat gefördert. Mit ein paar Tagen Vorlaufzeit könnte man wieder loslegen, erklärt sie. Ihre Hoffnung geht Richtung Ostern.

Die Gastronomie, hebt die Wirtin hervor, sieht sich aufgrund ihrer durchdachten Konzepte nicht als Coronatreiber. Schnelltests könnten zusätzlich helfen, damit die Öffnung in greifbare Nähe rückt. Beisel geht es auch um Fairness: Aktuell laufen die Öffnungsdiskussionen, Friseure und Gartenmärkte durften schon loslegen, aber von den Gaststätten redet keiner. „Man kann nicht alles aufmachen und uns zulassen.“

Aufgabe der Politik ist es jetzt, jetzt alles dafür zu tun, dass die Betriebe keinen Tag länger als gesundheitspolitisch geboten geschlossen bleiben müssen, fordert der hessische Dehoga-Präsident Gerald Kink in einer Pressemitteilung. „Wir erwarten deutlich mehr Tempo und Professionalität bei den Impfungen.“ Auch bei Schnellteststrategie und Digitalisierung der Gesundheitsämter gibt es seiner Meinung nach Luft nach oben.

Restaurants und Hotels hätten während der Öffnungen von Frühjahr bis Herbst bewiesen, dass sie strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen entwickeln und erfolgreich umsetzen können, hob Kink hervor. Das Gastgewerbe weist Untersuchungen zufolge kein relevantes Infektionsgeschehen auf, ergänzte er. Das Ansteckungsrisiko gerade bei Zusammenkünften im Freien und in Hotels sei niedrig. „Restaurants und Hotels sind keine Pandemietreiber, sondern sichere Orte“, so Kink weiter.

84 Prozent der Betriebe drängen laut der jüngsten Verbandsumfrage auf eine Öffnung vor Ostern. Das Gastgewerbe befindet sich seit Beginn der Pandemie insgesamt sechs Monate im Lockdown, erläutert er. „Verzweiflung und Existenzängste nehmen in der Branche dramatisch zu.“ Hotels und Restaurants brauchen dringend Perspektiven, ist der Dehoga-Präsident auf einer Linie mit den Gastronomen vor Ort.

Bürgerbus fährt zum Impfen nach Erbach

„Durch Verwaltungshandeln erledigt“: Das hört jeder städtischer Mitarbeiter gern anstatt die Klage von Stadtverordneten, dass irgendetwas nicht voran geht. Im konkreten Fall war es auf der vergangenen Oberzent-Sitzung ein CDU-Antrag zur Einrichtung eines Impftaxis nach Erbach, der sich durch einen Beschluss des Magistrats erledigte. Demnach sollen zweckgebundene taxOMobil-Fahrten zum Impfzentrum nach Erbach subventioniert werden.

Wie Bürgermeister Christian Kehrer erläuterte, hat die OREG bereits Vorkehrungen und Maßnahmen getroffen, damit über das Informations- und Buchungssystem von „Garantiert mobil“ das Impfzentrum erreicht werden kann. Dieses nahm am 9. Februar seinen Betrieb auf. Das Angebot wird über eine taxOMobil-Fahrt abgewickelt.

Jeder, der einen Impftermin im Impfzentrum in Erbach hat, soll „zu seiner persönlichen Wunschzeit“ eine solche Fahrt buchen und sich nach Zuteilung des Impftermins telefonisch mit der Mobilitätszentrale in Verbindung setzen können, informierte das Stadtoberhaupt. Die Servicemitarbeiter wickeln seinen Worten zufolge dann die gesamte Registrierung und Buchung ab, so dass sich die Person „nicht mit dem Registrierungsprozess, der Kontoaufladung oder mit dem Herunterladen der App auseinandersetzen muss“.

Diese Möglichkeit existiert jedoch nur für einen Termin in Erbach, so Kehrer. Denn die OREG wies darauf hin, dass es keine rechtlichen Möglichkeiten gibt, derartige Fahrten nach Darmstadt anzubieten. Denn der Odenwaldkreis darf in Sachen ÖPNV nur innerhalb seines räumlichen Zuständigkeitsbereichs tätig werden.

Seitens der CDU wurde die Einrichtung des „Impf-Taxis“ als Unterstützung für die betroffenen, älteren und nicht mobilen Personengruppen angesehen. Außerdem „möchten wir eine möglichst breite Akzeptanz bezüglich der Impfung gegen COVID-19 erreichen“, betonte Oliver von Falkenburg. Dabei darf insbesondere die fehlende Möglichkeit und damit Mobilität, um zu den Zentren zu gelangen, keine Rolle spielen, hob er hervor.

Für die Fahrt wird lediglich der RMV-Tarif fällig, ergänzte Kehrer. Der Zuschlagspreis, der je nach Entfernung zwischen drei und 27 Euro betragen kann, wird jeweils hälftig vom Odenwaldkreis sowie den Städten und Gemeinden getragen. Die Anteile der Kommunen werden dabei nach dem Belegungsprinzip exakt abgerechnet. Auch eine Abrechnung mit externen Kostenträgern, wie den Krankenkassen oder dem Land, wäre möglich.

Angesichts des aktuell scharfen Lockdown ruht derzeit der reguläre Bürgerbus-Betrieb, teilte Achim Schäffler seitens der Generationenhilfe mit. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich nur noch zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten treffen dürfen. Individuelle Fahrten werden nach Anmeldung aber weiterhin angeboten. Sollte Bedarf bestehen, kann man telefonisch Margot Lenz, Telefon 06068/478946, mit einem Tag Vorlaufzeit kontaktieren, sagte er.

Schäffler machte auf ein weiteres Angebot aufmerksam: Seit dem 9. Februar werden Bürgerbus-Fahrten ins Impfzentrum nach Erbach angeboten. Eine Anmeldung hierfür ist über die Corona-Hotline der Stadt, Telefon 06068/7590-999, oder E-Mail corona@stadt-oberzent.de möglich. Dies soll Schäffler zufolge das bestehende Angebot von lokalen Taxi-Unternehmen, ÖPNV und „Garantiert mobil“ ergänzen, „sodass allen Interessierten das Impfen ermöglicht wird“.

Oberzent schießt 90 Prozent bei taxOMobil-Fahrten zu

TaxOMobil-Fahrten im Rahmen des Angebots „Garantiert mobil“ werden in der südlichen Kreisstadt noch attraktiver. Auf Antrag von FDP, CDU und SPD beschloss die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich den „Oberzent-Discount 2.0“ – mit einer Erhöhung des städtischen Zuschusses auf jetzt 90 Prozent. Es geht darum, „ein Zeichen für die Flächenstadt zu setzen“, sagte Oliver von Falkenburg (CDU).

Damit wird, erläuterte er, die bereits eingeführte Sofortmaßnahme zur Steigerung der Attraktivität von „Garantiert mobil“ in Höhe von 75 Prozent verlängert und noch einmal aufgestockt. Die drei Fraktionen erhoffen sich dadurch einen zusätzlichen Mobilitätsschub. Als integrierter Bestandteil des ÖPNV im Odenwaldkreis sichern taxOMobil-Fahrten die Mobilität der Bürger von der Ortschaft zum jeweiligen Zentrum, ging von Falkenburg auf den Hintergrund ein.

Diese Mobilitätsgarantie besteht seinen Worten zufolge an allen Tagen in der Woche und unabhängig von Schul- und Ferienzeiten Montag bis Freitag von 5 bis 22 Uhr, an Samstagen von 6 bis 22 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 22 Uhr. Für eine taxOMobil-Fahrt zahlt der Kunde den RMV-Tarif und einen entfernungsabhängigen Zuschlagspreis.

Dieser Zuschlagspreis kann in vielfältiger Weise und Höhe rabattiert oder auch subventioniert sein, wie es jetzt Oberzent tut, informierte er. Um das Projekt anzuschieben, wurde bereits von allen Städten und Gemeinden 2018 und 2019 der Zuschlagspreis zu 50 Prozent übernommen – in Oberzent 2020 sogar zu 75 Prozent.

Im Zuge der Verlängerung und Intensivierung der Subventionierung legen die Antragsteller besonderen Wert auf eine regelmäßige und umfassende Werbung, betonte der CDU-Fraktionsvorsitzende. Er stellte sich diese – auch mit Berechnungsbeispielen – in den verschiedenen lokalen und regionalen Medien vor. „Damit soll der mangelnden Bekanntheit in der Einwohnerschaft weiter entgegengewirkt werden“, hob er hervor.

Nach Ende des einjährigen Testzeitraums, wünschte sich von Falkenburg, soll eine erneute Kosten- und Erfolgsevaluation erfolgen und über die Fortsetzung der Maßnahme entschieden werden. Die Mobilität im ländlichen Raum – insbesondere in einer Flächenstadt wie Oberzent – „ist eine Herausforderung“, betonte er.

In Anerkennung der topographischen Verhältnisse und der Bedürfnisse der Bevölkerung soll der höhere Oberzent-Discount als Sofortmaßnahme die zuschlagspflichtigen taxOMobil-Fahrten noch stärker fördern, so die Intention hinter dem Antrag der drei Fraktionen. Denn der Aufpreis kann sonst ganz schön ins Geld gehen. In Zeiten einer weltweiten pandemischen Lage „trägt das individuelle Mobilitätsangebot außerdem zu einer Minimierung der sozialen Kontakte im ÖPNV bei“, sagte er.

Die große Mehrheit im Rund stand hinter dem CDU-, SPD- und FDP-Ansinnen. Chris Poffo und andere Kollegen der ÜWO plädierten allerdings dafür, es erst einmal beim Anfang 2020 eingeführten Rabatt von 75 Prozent zu belassen und diesen unter „normalen“ Bedingungen zu testen. Worauf von Falkenburg entgegnete, dass eine Rücknahme des 90-Prozent-Zuschusses jederzeit wieder möglich ist.

Thomas Ihrig (SPD) wollte die Erhöhung mit einer besseren Werbung verbunden wissen. Bürgermeister Christian Kehrer ergänzte, dass Oberzent beim Zuschuss Spitzenreiter ist. Jedoch musste die Stadt im vergangenen Jahr nur 1300 Euro drauflegen, was deutlich macht, wie wenig das Angebot genutzt wurde.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) regte einen zusätzlichen Punkt an: nämlich, dass auch Fahrten nach Erbach mit dem Oberzent-Discount gefördert werden. Sie hatte dabei vor allem Zeiten im Auge, „wenn sonst nichts fährt“ – etwa abends oder am Wochenende. Das sei wichtig für die Mobilität in den sonst ÖPNV-schwachen Zeiten.

Über Sinn oder Unsinn des Antrags wurden im Anschluss viele Worte gewechselt. Hinterfragt wurde unter anderem, warum es nur das eine Zentrum Erbach und nicht auch Hirschhorn oder Eberbach sein sollen. Auch gab es den Hinweis, dass Beerfelden mit der Linie 50 gut mit Erbach vernetzt ist. Den gordischen Knoten zerschlug Walter Gerbig (CDU) mit seiner Anregung, das Thema doch im kommenden Ausschuss abzuklären. Dem folgten die Mandatsträger.

Info: Buchbar sind taxOMobil-Fahrten über das Informations- und Buchungssystem http://www.odenwaldmobil.de via Internet oder App. Es geht auch telefonisch über die Mobilitätszentrale der OREG.

Gemeinsam für „Selinas Traum“

Selinas Traum soll wahr werden. Die blinde Zwölfjährige aus Kailbach möchte gerne Fahrrad fahren. Dafür wird ein spezielles Tandem benötigt. Für die Realisierung ihres Herzenswunsches setzt sich zusammen mit Familie Burth und dem Behindertenclub Odenwald (BCO) der Rotary-Club Erbach-Michelstadt ein. Eigentlich wollte Präsident Roger Frohmuth einen Scheck über 1000 Euro im Rahmen der 45-Jahr-Feier des BCO übereichen. Doch diese, geplant in der Adventszeit, musste wegen der Pandemie ausfallen.

Die Rotarier begleiten seit Jahrzehnten die Arbeit des Behindertenclubs mit seiner Vorsitzenden Elfi Kissinger, erläutert Frohmuth. In Würdigung der wertvollen, ehrenamtlichen Arbeit gab’s jetzt eine Spende über 500 Euro. Zustande kam die Zusammenarbeit über die frühere Vorsitzende Barbara König, deren Mann Rotarier war. Es wurde gemeinsame Ausflüge und Touren durchgeführt.

Pfarrer Frohmuth ließ diese Aktivitäten ein Stück weit wieder aufleben, etwa durch die Mitverantwortung bei der Ausrichtung der Weihnachtsfeier. Er bedauert, dass diese im vergangenen Jahr dann nicht möglich war. Die Rotarier nutzen diese Gelegenheit gerne für eine Schecküberreichung, mit der Dinge ermöglicht werden, die sonst nicht möglich sind. Und dieses Mal sollte eben der Scheck für die Aktion „Selinas Traum“ den Eigentümer wechseln. Das will der Club nachholen, sobald es wieder möglich ist.

„Selina wünscht sich von Herzen ein Tandem für Ausflüge mit der Familie“, weiß der Präsident. Bei der Erfüllung dieses Traums „will unser Club behilflich sein“, ergänzt er. Ein solches Tandem „gibt es nicht von der Stange“, erklärt Frohmuth. Es muss speziell angepasst werden und ist deshalb teurer als ein normales Fahrrad. Er hofft, dass sich bis zum Frühjahr der Traum von Selina verwirklichen lässt. Dann könnte sie bei besserem Wetter losradeln. Probefahren durfte sie schon einmal mit ihrem Vater Matthias.

Eine weitere große Leidenschaft der Zwölfjährigen ist die Musik. Sie spielt bei der Weihnachtsfeier des BCO immer Lieder auf dem Keyboard vor. Das Klavier spielen hat sie sich vor vier Jahren selbst beigebracht, erzählt ihre Mutter Michaela Burth.

Selina leidet unter dem seltenen MLS-Syndrom, schildert ihre Mutter. Deshalb dauerte es auch über ein Jahr, bis die Labore es herausfanden. Die Zwölfjährige geht in Elsenfeld (Main) in die Blindenschule. „Leider gibt es nur diese eine“, bedauert sie. Das Mädchen fährt am Tag fast drei Stunden mit dem Bus, da auch andere Kinder abgeholt und auch wieder nach Hause gebracht werden. Selina steigt in Kailbach als erste ein und als letzte wieder aus, sagt sie.

Die Schule baut gerade in Aschaffenburg neu, erzählt sie. Dann ist ihre Tochter noch länger unterwegs. Aber: „Die Schule ist sehr gut und bietet auch Klavierunterricht.“ Denn Selina spielt so gerne das Instrument. Sie ist sehr musikalisch und singt natürlich auch gerne. Die junge Kailbacherin hat noch eine ältere Schwester, Anastasia. Die 13-Jährige besucht derzeit den Konfirmandenunterricht bei Pfarrer Frohmuth.

Ein Highlight war für das Mädchen der Besuch eines Konzerts des Starpianisten Lang Lang Ende Dezember 2018 in München. „Damit ist ein großer Traum für sie wahr geworden“, freut sich ihre Mutter. Selina durfte sogar mit ihm spielen. Die Zwölfjährige „hört eine Melodie und kann sie sofort nachspielen“, ist Michaela Burth stolz auf diese Fertigkeit. Das Video mit Lang Lang ist auch unter https://youtu.be/en8bKRlansI zu finden.

Das Fahrradfahren lernte Selina in der Schule, da es dort ein Spezialrad gibt. Die Familie wünscht sich, erläutert ihre Mutter, zusammen mit ihr Ausflüge zu machen. Sonst ist das nur getrennt möglich. „Mein Mann und Anastasia fahren und Selina und ich bleiben zu Hause.“ Michaela Burth stellte schon oft einen Antrag bei der Krankenkasse, der jedes Mal wegen Selinas Blindheit abgelehnt wurde. „Das Tandem wurde auch immer abgelehnt“, ärgert sie sich. Ein erneuter Versuch vor kurzem wurde ebenfalls abschlägig beschieden.

Die aktuelle Spendenaktion wurde von einer Freundin der Familie, Natascha Gippert, ins Leben gerufen. „Sie hat Selina lieb und möchte, dass es ihr gut geht“, ist die Mutter dankbar. Denn das ist derzeit nicht der Fall, da das Mädchen wegen ihrer Blindheit Adipositas hat. „Das weiß auch die Krankenkasse“, ärgert sich Burth – aber ändert nicht ihre Entscheidung.

Im Sommer kann Selina wenigstens draußen Trampolin springen, was sie auch sehr gut macht. „Wir haben auch ein kleines für drinnen“, erzählt ihre Mutter. Aber davon alleine verbrennt der Körper ja nicht genügend Fett. „Wir sind sehr in Sorge“, schildert sie die Situation. Im Moment ist die Zwölfjährige zuhause. „Darüber bin ich auch froh“, betont Michaela Burth. Denn das Mädchen hat kein gutes Immunsystem – und bei einem Schulbesuch „hätte ich noch mehr Angst“.

Wie Rotary-Präsident Frohmuth zusätzlich ausführt, läuft die Arbeit des Clubs auch während der Pandemie weiter. Es gibt regelmäßige Treffen per Videokonferenz. Aktuell wird die Vergabe des Förderpreis-Stipendiums geplant, erzählt er. Damit wird im Juni, zum Ende des rotarischen Jahres, der beste Abiturient des Odenwaldkreises ausgezeichnet.

Dotiert ist der Preis mit 10.000 Euro. Diese Summe wird von einer Stiftung zur Verfügung gestellt, so Frohmuth. Es geht beim Gewinn nicht nur um die Note, sondern auch um das gesellschaftliche Engagement und die Sozialkompetenz, erklärt.

Der Behindertenclub Odenwald freut sich über weitere Unterstützer von „Selinas Traum“. Kontakt über die Vorsitzende Elfi Kissinger, Telefon 06061-96500, E-Mail elfi.kissinger@web.de

Die Hilfsbereitschaft ist stark ausgeprägt

Das Dorfleben, sagt Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann, ist im Sensbachtal geprägt vom Zusammenhalt in einer ländlichen Region. „Wir sind ein Tal“, meint er, eine große Gemeinschaft. Von außen, sagt er realistisch, „haben wir vielleicht nicht so viel zu bieten“: Aber wer hier verwurzelt ist oder sich einlebt, lernt den liebens- und lebenswerten Charakter kennen.

Kuhlmann macht diesen unter anderem an der stark ausgeprägten Hilfsbereitschaft fest. Diese äußert sich nicht nur im privaten Bereich. Auch wenn es darum geht, für die Allgemeinheit anzupacken, Wanderwege zu verschönern, Ruhebänke auszubessern oder Schilder zu streichen, sind Ehrenamtliche schnell gefunden. „Jeder hilft, so gut er kann“, freut er sich.

Im abgelaufenen Jahr fiel ihm auf, dass dieser Gemeinschaftssinn sogar noch stärker gelebt wurde als zuvor. „Auch ohne Aufforderung“ werkelten die Bürger im Stillen vor sich hin. Scheinbar wurde die viele freie Zeit dazu genutzt, sich kräftig ins Dorfleben einzubringen. „Das ist typisch Sensbach“, ist der Ortsvorsteher stolz. Es wird vieles geleistet „und die Leute wollen gar nicht im Mittelpunkt stehen“.

Kuhlmann spricht schmunzelnd von den „Sensbachtaler Heinzelmännchen“, wenn er wieder rund um den Ort unterwegs war und feststellte, dass an der einen oder anderen Ecke still und leise gearbeitet wurde. „Wenn jeder ein bisschen macht, dann ist am Ende des Jahres vieles erledigt“, bringt er es auf den Punkt. Auch beim Sporthallen-Umbau wird gerne mit angepackt. Der Startschuss an diesem Ortsmittelpunkt fiel bereits, jetzt hofft man auf baldigen Baufortschritt.

Tendenziell, bedauert der Ortsvorsteher, werden die Talbewohner weniger. Die Zuzügler sind oftmals welche mit „Stallgeruch“, die es für Studium oder Beruf in die Metropolen zog, die jetzt aber zurückkehren, „weil sie das Leben auf dem Land zu schätzen wissen“. Leider, vermutet Kuhlmann, sind die drei Orte für Stadtflüchtlinge nicht so attraktiv wie andere Gemeinden. Möglicherweise gibt es „Angst vor der verschworenen Dorfgemeinschaft“. Die ist aber „absolut unbegründet“.

Sägewerk mit Zimmerei sowie der überregional tätige Steinmetzbetrieb Walz „sind wertvoll fürs Tal“, hebt Kuhlmann deren Bedeutung hervor. Ansonsten sind die Jobs „eher ländlich geprägt“. So gibt es ein Motorsägengeschäft von Ralf Beisel, das inzwischen sein Sortiment fast schon „Richtung kleiner Baumarkt für den ländlichen Bedarf“ ausgeweitet hat. Dazu kommt die Metzgerei mit Hofladen in Ober-Sensbach. Es hat sich sogar ein Tierarzt angesiedelt.

Der Großteil der Sensbachtaler arbeitet jedoch auswärts. Während die Hebstahler auch talabwärts Richtung Eberbach orientiert sind, geht die Tendenz in Ober- und Unter-Sensbach eindeutig Richtung Beerfelden. Wie auch bei den weiterführenden Schulen, wo der „klassische Werdegang“ Oberzent-Schule lautet.

Landwirtschaft wird nur im Nebenerwerb betrieben. Die ist aber „kein Zuckerschlecken“ aufgrund der starken Hanglage und des engen Tals mit viel Waldanteil. Wenn Landwirtschaft im Vollerwerb betrieben wird, dann haben die Bauern meist noch ein zweites Standbein.

Kindergarten und Grundschule in Unter-Sensbach sind für den Ortsvorsteher ein gewichtiger Standortfaktor, damit junge Familien im Ort wohnen bleiben. Die Grundschule Sensbachtal hat aufgrund der kleinen Kinderzahl einen familiären Charme „und gehört zum Dorfleben dazu“. Die Kita sieht Kuhlmann „gut aufgestellt“. Mit der zweiten Gruppe werden auch immer mehr Kinder unter drei Jahren betreut.

„Das Angebot wird nachgefragt“, sieht der Ortsvorsteher diesen Mentalitätswandel in der Betreuung auch auf dem Land angekommen. Denn auch hier arbeiten immer häufiger beide Elternteile und die Großeltern sind nicht mehr so greifbar wie früher.

Der ÖPNV ist im Tal eher rudimentär ausgeprägt, erläutert Kuhlmann. Schulbusse sind Richtung Beerfelden ausgerichtet. „Man spürt die Landesgrenze hinter Hebstahl“, sagt er. Die persönlichen Beziehungen gehen ins Hessische, obwohl das badische Gaimühle nicht weit entfernt ist. Will man jedoch weiter nach Michelstadt, wird’s durch das Umsteigen komplizierter. Der Weg läuft dann eher über Mitfahrgelegenheiten, weiß er.

Die Vereine sind stark präsent im Dorfleben. TSV, MGV, NABU, Landfrauen und Feuerwehr bringen sind. Sensbachtal Aktiv als Klammer zwischen allen richtet den Weihnachtsmarkt aus, die Theater-AG entführt jedes Jahr in andere (Bühnen-)Welten. Dazu kommen noch die drei Kerwen in jedem Ort. „Es finden sich immer Bürger, die etwas gemeinsam machen wollen“, ist Kuhlmann stolz.

„Wer in Sensbachtal wohnt, muss wissen, auf was er sich einlässt“, lächelt der Ortsvorsteher. Fünf bis zehn oder mehr Kilometer sind bis zum nächsten Supermarkt oder Facharzt. „Eben typisches Landleben“, erklärt Kuhlmann. Ein Auto ist unverzichtbar. Dafür aber bietet das Sensbachtal Natur pur. Etwa in Form des „Premium-Wanderwegs“. Für dessen Attraktivität stiftete Sensbachtal Aktiv viele Ruhebänke. Der Ortsbeirat steuerte Waldsofas bei, die von freiwilligen Helfern gepflegt werden.

An den Winterwochenenden bezeugten die überfüllten Parkplätze am Krähberg und auf der Sensbacher Höhe die Anziehungskraft des Odenwalds. Ober-Sensbach konnte sogar noch mit Schnee locken. Mit drei Gasthäusern in Ober-Sensbach (Maiers Bauernstube, Holzerstube und Gasthof Reußenkreuz) sowie der „Krone“ in Unter-Sensbach „sind wir gastronomisch ganz gut ausgestattet“, freut sich Kuhlmann. Ohne Corona hätten diese kräftig von den Ausflüglern profitieren können.

Rund ums Schwimmbad spielt sich das Dorfleben ab

„Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen“, bringt Finkenbachs Ortsvorsteher Christian Niesen die Attraktivität seines Dorfs zusammen mit Hinter- und Raubach auf den Punkt. Lage und Aussichten ziehen die Touristen an, machen die drei Orte mit ihrer ruhigen Odenwald-Lage liebens- und lebenswert. Das zeigt sich auch an den ziemlich stabilen Bevölkerungszahlen. Schwimmbad mit Spielplatz ist der zentrale Punkt.

„Was zu verkaufen war, ist weg“, beschreibt Niesen die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Es gibt höchstens noch ein paar Baulücken. Sollte etwas zu annehmbaren Preisen angeboten werden, „ist es schnell verkauft“. Der „Goldene Löwe“ ist seinen Worten nach veräußert. Er soll wieder gastronomisch genutzt werden, berichtet der Ortsvorsteher.

Das wäre ein Gewinn, denn Gaststätten gibt es nicht mehr viele. Die „Traube“ in Finkenbach und die „Raubacher Höhe“ halten noch die kulinarischen Fahnen hoch, wenn sie wieder öffnen dürfen. Die „Edelquelle“ in Hinterbach ist nur noch sporadisch offen.

Mit der Firma Baum und der Odenwaldquelle existieren zwei größere Arbeitgeber. Früher sorgte unter anderem die Bürstenfabrik Edelmann für Jobs. Dazu kommen kleinere Handwerksbetriebe, wie Elektriker oder Zimmermann. Die meisten Berufstätigen pendeln aber entweder nach Hirschhorn ins Neckartal oder Richtung Beerfelden und weiter ins Mümlingtal.

Die Landwirtschaft lohnte sich aufgrund der steilen Hänge und des eher kargen Bodens nicht wirklich. Deshalb wurde sie meistens im Nebenerwerb oder als Hobby betrieben. Niesen berichtet von durchziehenden Schafherden, deren Halter dafür sorgen, dass das Tal offen bleibt.

Traditionell sind die Finkenbacher Kinder nach Rothenberg orientiert. Das ist auch nach der Fusion so geblieben. Kindergarten und Grundschule befinden sich dort. Ab der fünften Klasse geht es dann zur Oberzent-Schule nach Beerfelden oder Richtung Michelstadt zu Gymnasium oder Berufsschule.  

„Mareikes Backshop“ ist für die Nahversorgung in Finkenbach zuständig. Werktags von 5.30 bis 10 Uhr bekommen die Talbewohner hier nicht nur Gebackenes, sondern auch alles rund um den Haushalt, wie Wurst, Getränke, Klopapier, Seife, Waschmittel oder Getränke. Das abgelaufene Jahr, berichtet Niesen, „war etwas härter als sonst“. Denn es fehlten meistens die Übernachtungsgäste im Ort, die Pendler fielen aus, die Feste fanden nicht statt. Aber auf die Ortsbürger war aber immer Verlass.

Mit dem ÖPNV ist im Finkenbachtal kein Staat zu machen. Die Linie 54 zwischen Hirschhorn und Beerfelden verkehrt montags bis freitags außerhalb der Schulzeiten nur sporadisch und dann meist als Rufbus, bedauert der Ortsvorsteher. Am Wochenende muss grundsätzlich vorher angeklingelt werden. Dazu gibt es den Bürgerbus der Generationenhilfe, der an zwei Tagen in der Woche die Orte mit der Kernstadt verbindet. Ohne Auto geht somit praktisch nichts.

Auch sonst hält sich die Infrastruktur in Grenzen. Die Volksbank hat ihren fahrenden Schalter bereits eingestellt, so Niesen. Die Sparkasse spielt seinen Informationen nach mit dem Gedanken. Somit ist die nächste Möglichkeit, sich mit Barem einzudecken, der Automat am Rothenberger Rathaus. Immerhin ist der LTE-Ausbau am Laufen. Denn gerade Hinter- und Raubach sind Täler der Ahnungslosen. Würde der Umsetzer oberhalb des ehemaligen Landschulheims genutzt, ließen sie sich besser versorgen, erklärt Niesen.

Das Vereinsleben pulsiert, wenn nicht gerade Pandemie-Zeiten sind. Der FCF als größter Verein richtet unter anderem das Oktoberfest und das Finkenbach-Festival aus. Die Feuerwehr veranstaltet Grillnacht und Weinfest, der Heimat- und Verschönerungsverein bringt sich am Freibad mit ein. Die Sänger mussten in 2020 leider meistens stumm sein. In Hinterbach stemmen die Aktiven alle zwei Jahre den immer sehr gut frequentierten Kohlenmeiler.

„Der örtliche Zusammenhalt ist da“, freut sich Niesen. Spricht man die Bürger auf ihre Hilfe an, „dann kommen sie auch“. Das lässt sich jedes Jahr am Freiwilligentag feststellen. Bocciabahn und Schachbrett am Schwimmbad sind die neuesten sichtbaren Ergebnisse des Engagements. Sowieso ist das Becken mit dem vorgelagerten Spielplatz und den dortigen Freizeitmöglichkeiten, beispielweise dem Multifunktionsfeld, der „Hotspot“ im Dorf. Die guten Parkplatzmöglichkeiten tragen ihren Teil dazu bei.

Der Kiosk am Schwimmbad war im vergangenen Sommer geöffnet, auch wenn nicht geschwommen werden durfte. Eine richtige Entscheidung. „Er war immer gut besucht“, erläutert der Ortsvorsteher. Die Älteren kamen dort für ein Schwätzchen zusammen. Andere fürs Spätjahr geplante Aktionen wie ein Erste-Hilfe-Kurs oder ein Dia-Abend übers historische Finkenbach mussten jedoch ausfallen.

Der Ortsbeirat hätte gerne noch Hecken und Bäume auf dem Friedhof geschnitten, was aber ebenfalls ausfiel, schildert Niesen den starken Einschnitt ins öffentliche Leben. In diesem Jahr sollen Bäume am Spielpatz gepflanzt werden, damit die Kinder in spe mehr im Schatten spielen können. „Wir hoffen darauf, dass die kommende Schwimmbad-Saison wieder wie geplant stattfinden kann“, betont er. Wobei der Ortsvorsteher auch anmerkt: „Uns auf dem Land geht es noch relativ gut.“

Die Voraushelfer dürfen seit der ersten Coronawelle nicht mehr ausrücken, moniert Niesen. Das hat sich nicht geändert. Dabei wäre die schnelle Hilfe in Notfällen durchaus sinnvoll, weiß der DRK-Mann. „Manpower und Ausbildung sind da, dürfen aber nicht genutzt werden“, bedauert er. Denn es gab schon Situationen, „in denen eine frühere Hilfe besser gewesen wäre“.

Still ruht die Ruine Freienstein

Das Vereinsnetzwerk funktioniert nach wie vor, freut sich Gammelsbachs Ortsvorsteher Konrad Helm. „Die Möglichkeit, auf Leute zuzugreifen, ist nach wie vor vorhanden“, betont er. Zwar steht das Vereinsleben bei Feuerwehr, Turnverein, Sängern und Sportvereins aktuell quasi still. Ist aber im Dorf Not am Mann, lassen sich schnell Helfer organisieren. Denn: „Die Aktiven sind gut vernetzt und wissen, was zu tun ist.“

Helm bedauert, dass die Feste und Veranstaltungen im Jahreslauf ausfielen – und damit auch die damit verbundenen Einnahmen für die Vereine. „Langfristig wird das noch ein Thema.“ Denn Feuerwehr und TV unterhalten eigene Gebäude und brauchen Mittel. Es könnte sinnvoll sein, die Förderung der Stadt für solche Zwecke auszubauen, meint er.

Der Ortsvorsteher zeigt sich aber überzeugt: „Wir werden hinterher das Ding wieder zum Laufen bringen.“ Denn die Vereine sind unterm Jahr die Motoren des kulturellen Lebens. Spätestens 2022, so Helm, soll sich doch bitte alles wieder in normalen Rahmen bewegen. Denn dann steht das 1250. Jubiläum von Gammelsbach an – und das will gebührend gefeiert werden.

Die Lage an der Nord-Süd-Achse mit guten Verkehrsverbindungen macht das Dorf interessant für Zuzügler. Beerfelden und Erbach sind auf der B 45 schnell zu erreichen – ebenso wie Eberbach mit dem S-Bahn-Haltepunkt auf der Neckartalstrecke. Dort gibt es neben der Oberzent-Schule auf dem Berg auch die nächstgelegenen Berufs- und weiterbildenden Schulen.

„Leerstände sind ruckzuck wieder besetzt“, erläutert Helm. Häuser werden gekauft und übernommen. Somit bleibt die Bevölkerungszahl ziemlich konstant. Junge Leute ziehen zwar für Beruf oder Studium erst einmal weg, kehren aber teilweise zurück. Familien aus Frankfurt oder Heidelberg wissen das günstigere Landleben zu schätzen. Auch die funktionierende Dorfgemeinschaft ist ein wichtiger Punkt. Um noch attraktiver zu werden, sollte das Glasfasernetz ausgebaut werden, betont er. Dazu kommt die notwenige flächendeckende Versorgung mit einem funktionierenden Handynetz.

Es gibt noch ein paar andere Standortfaktoren, mit denen der Ort wuchern kann. Da ist zum einen die Grundschule – klein, aber oho. Zum anderen die Bäckerei im Unterdorf, die Käserei und die drei Wirtschaften. „Sie machen Gammelsbach lebenswert“, betont er. Fürs Frühstück und zum Kuchen backen ist alles zu bekommen. Teilweise ist der Nachwuchs auch schon mit eingestiegen und sichert damit das Fortbestehen. Helm bedauert, dass es die Tankstelle nicht mehr gibt.

Ein Kindergarten wäre zwar das Nonplusultra, aber er weiß auch, dass dafür gewisse Anforderungen notwendig wären. Gerade für die U3-Betreuung müssen bestimmte, auch räumliche Voraussetzungen gegeben sein. Außerdem ist eine gewisse Kinderzahl im Ort notwendig. Die Familien „sind es gewöhnt, dass die Kinder nach Beerfelden gehen“, sagt er, und sprechen sich bei den Fahrten ab. Durch die dörfliche Struktur funktioniert das. 

„Gammelsbach ist ein Pendlerdorf“, erklärt der Ortsvorsteher. Es gibt ein paar kleine Handwerksbetriebe, wie Maler, Etikettendruckerei, Auto- oder Spritzgusswerkstatt – wobei es seinen Worten zufolge durchaus überlegenswert ist, sich das Auto und die Fahrzeit zu sparen und dafür einen geringeren Lohn für den Job im Ort in Kauf zu nehmen.

Dazu kommt ein andere, gerade während der Pandemie wichtiger Punkt: „Wir können in die Fläche oder in den Wald gehen“, nennt er als Vorteil. Auf dem Land ist man nicht so eingeschränkt wie in der Stadt, was das Leben im Odenwald attraktiv macht. Dazu noch Bauplatzpreise von 50 oder 60 Euro, wovon man an der Bergstraße nur träumen kann.

Landwirtschaftsbetriebe im Haupterwerb sind selten geworden. Die Steillagen und der eher karge Boden taugen vor allem als Weideflächen. Der Strukturwandel sorgte mit dafür, dass es immer weniger Bauern gibt. „Die Fläche bleibt, aber der Verwaltungsaufwand verdreifachte sich“, weiß Helm aus eigener Erfahrung. Solange der Trend zum günstigen Essen geht, werden diese strukturellen Probleme weiter bestehen, vermutet er. Auch mit der Waldwirtschaft lässt sich derzeit – Klimawandel, Sturmschäden und Borkenkäfer grüßen – nichts mehr verdienen.

Gammelsbach lebt von und durch seine Vereine. Mai-Fest als Jahresauftakt oder die von allen gestemmte Kerwe: Die Bevölkerung nimmt teil und hilft mit. „Viele sind in zwei oder drei Vereinen aktiv“, schmunzelt der Ortsvorsteher. Auf die Ehrenamtlichen ist Verlass.

Der Tourismus steht im Fokus der anstehenden Vorhaben. Helm nennt den Lückenschluss des Fahrrad- und Wanderwegs zwischen Beerfelden und Eberbach als dringenden Wunsch. Denn dann, so seine Hoffnung, gibt es eine Verbindung zum Neckarsteig und es wird attraktiver, einen Abstecher in den Odenwald mit seinen Gaststätten zu machen. Außerdem sorgen E-Bikes dafür, dass so manche Steigung ihren Schrecken verliert. Aktuell fehlen um die 150 bis 200 Meter, um die vorhandenen Wege zu vernetzen. „Es geht ja nicht um eine Fahrrad-Autobahn“, gibt es eher bescheidene Vorstellungen.

Ein zweites Projekt ist eigentlich kein neues, sondern köchelt schon lange vor sich hin. „Es wäre schön, wenn bei der Burg Freienstein etwas passieren könnte“, hofft Helm. Denn aktuell ruht die Ruine. Er wünscht sich, dass dieses Wahrzeichen Gammelsbachs wieder öffentlich zugänglich gemacht und eventuell für eine kulturelle Nutzung zur Verfügung gestellt wird. „Die Burg ist ein Aushängeschild für ganz Oberzent“, hebt Helm hervor. Es kommen immer wieder Anfragen, ob sich was tut. Der Ortsvorsteher muss jedes Mal antworten: „nichts“.

Schönes Erholungsgebiet direkt am Haus

Die Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl in Beerfelden bekommt einen Park für Bewohner und Besucher. Er wird gerade auf der Ostseite auf einer Fläche von etwa 16.000 Quadratmetern angelegt. Die Maßnahme wird durch das Büro für Landschaftsökologie Heuer & Döring begleitet und im Vorfeld mit der Unteren Naturschutzbehörde des Odenwaldkreises abgestimmt. Das Projekt dient auch als Ausgleich für bereits erfolgte und zukünftige Baumaßnahmen.

Der Residenzpark wird jetzt angelegt, da der bereits bestehende Garten bei einer möglichen Erweiterung der stationären Pflegeeinrichtung weichen müsste. Für diese Flächen wird zurzeit ein Bebauungsplan in Zusammenarbeit mit der Stadt Oberzent erarbeitet, so Geschäftsführer Michel Vetter. Der zukünftige Park wird von einheimischen Bäumen, Sträuchern und Hecken eingerahmt.

So wurden bereits über 90 Bäume, davon 40 Streuobst-, und knapp 1000 Heckengewächse gepflanzt. Außerdem wurden zwei großzügige Obstbaumplantagen im inneren des Parks angelegt, die aus heimischen hochstämmigen Apfelbaumsorten sowie aus Birn-, Kirsch- und Zwetschgenbäumen bestehen. Bei der Auswahl der Apfelbäume wurde der Schwerpunkt auf zum Keltern geeignete gelegt, um die geernteten Äpfel beim jährlichen Kelterfest verarbeiten zu können.

Die Bepflanzung der Parkanlage trägt maßgebend dazu bei, für viele Arten, wie beispielsweise für Vögel, einen neuen Lebensraum zu schaffen. Im Residenzpark wird es darüber hinaus eine Lindenallee geben, durch die Bewohner und Besucher an heißen Sommertagen beschattet spazieren gehen oder auf Bänken verweilen können, teilt Vetter mit. Auf dem Parkgelände soll später noch für Bewohner und Besucher ein kleines gastronomisches Angebot entstehen, wo auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden können.

Außerdem sind ein Streichelzoo und ein Teich geplant. Für die jüngsten Besucher ist ein Spielplatz vorgesehen. Der Geschäftsführer freut sich, dass es mehrere Aussichtspunkte mit Blick in das schöne Mümlingtal geben wird. Mit einem Rundweg und Verbindungswegen soll somit ein schönes Erholungsgebiet direkt am Haus entstehen.

Umgesetzt wird dieses landschaftsgärtnerische Projekt wieder in Eigenleistung durch die Pflegestiftung Odenwald, die dabei in einem engen Austausch mit der beauftragten Baumschule steht. Öffentliche Zuschüsse gibt es nicht, betont Vetter – wie das bereits in der Vergangenheit bei eigenen Projekten der Fall war.

Die Dorfgemeinschaft bewältigt alle Krisen

„Jeder kennt jeden“: Im kleinen Oberzent-Stadtteil Ober-Hainbrunn ist die Welt noch in Ordnung. Wenn ein Mitbürger Hilfe braucht, kann er auf die anderen zählen. Damit lässt sich auch leichter durch eine Pandemie kommen, weiß Ortsvorsteher Stefan Hofmann. „Auf dem Land ist Corona zum Glück weit weg“, sagt er. Ist etwas im Dorf zu tun, kann der Ortsvorsteher deshalb schnell auf eine große Zahl von Helfern zählen, weiß er. Die wollen zwar gefragt werden, sagen dann aber rasch zu.

Wie etwa im Sommer und im Herbst. Am Freiwilligentag wurden viele Aktionen durchgeführt. Hofmann freut sich, dass dazu sogar „fast noch mehr Leute als vergangenes Jahr zusammenkamen“. Er schätzt, dass die Ortsbürger nach dem Lockdown die Gesellschaft und das Zusammensein suchten. Für ihn ist es deshalb klar: „Die dörfliche Gemeinschaft ist intakt.“ Er hofft, dass sie bei andauernder Pandemie keinen Schaden nimmt.

Auch wenn Ober-Hainbrunn ein „Wohndorf“ mit wenig Infrastruktur ist, bleibt die Bevölkerungszahl stabil. Junge Leute ziehen zwar für Beruf oder Studium weg, aber andererseits kommen auch wieder einige andere nach. „Wenn Häuser angeboten werden, gehen die schnell weg“, hat Hofmann beobachtet. Deshalb gibt es auch wenig Leerstände.

Der Ortsvorsteher führt die Attraktivität des Wohnungsmarkts unter anderem auf die Nähe zum Neckartal und zum Hirschhorner S-Bahnhof zurück. Denn von dort ist man in knapp 20 Minuten in Heidelberg. Er schätzt, dass dies 80 Prozent der Berufstätigen so handhaben. Denn Arbeitsplätze gibt es nicht viele im Odenwald-Dorf. Da ist zum einen das Sägewerk Richtung Finkenbach, zum anderen ein paar kleine Handwerksbetriebe.

Die früheren bäuerlichen Strukturen gibt es schon lange nicht mehr. Sowieso gab der karge, arme Sandsteinboden des Odenwalds nicht viel her, sodass es auf eine Nebenerwerbslandwirtschaft hinaus lief. Der letzte Landwirt hörte im Januar auf, weiß Hofmann. Die Wiesenflächen im Tal werden jetzt zum Glück komplett von einer Schäferei betreut. Früher, erinnert sich der Ortsvorsteher, wurden sie jahrelang nicht mehr gemäht und verbuschten.

Trotz der Nähe zum Neckartal ist Ober-Hainbrunn in Sachen Kindergarten und Grundschule nach Rothenberg und bei den weiterführenden Lernanstalten großteils nach Beerfelden orientiert. Allerdings gibt es das Problem der Verkehrsanbindung – ein Thema, das Hofmann schon seit Langem umtreibt. Das fängt beim Schulbus nach Rothenberg an.

Der wurde erst in den Ferien abgeschafft, sodass Kindergartenkinder von den Eltern gefahren werden mussten. Und jetzt kam seiner Info nach die Problematik dazu, dass sie mittags nicht mehr zurückfahren können, weil sie von den Erzieherinnen aufgrund rechtlicher Bedenken nicht in den Bus gebracht werden dürfen. Gekippt wurde auch die Verbindung für die Gymnasialkinder ins badische Eberbach. Die müssen jetzt den Umweg über Beerfelden nehmen.

Eine andere Thematik ist der 54er-Bus von Beerfelden durchs Finkenbachtal nach Hirschhorn. Der fuhr schon früher nicht oft, wurde aber laut Hofmann noch mehr eingedampft. Am Wochenende ist er nur noch als Rufbus unterwegs, kritisiert er. „Der ÖPNV ist bei uns kaum noch präsent“, legt der Ortsvorsteher den Finger in die Wunde.

„Theoretisch könnten wir auch aus der OREG austreten“, meint er provokant. Verbesserungen gab es seiner Beobachtung nach nur auf der Zentralachse, der B 45. Durch die Lage im Grenzgebiet zwischen den zwei Verkehrsverbünden RMV und RNV fällt Ober-Hainbrunn anscheinend durchs Raster, bedauert er. „Die Anbindung an die S-Bahn passt auch nicht“, meint Hofmann – kein Wunder, dass die Bürger mit ihrem Auto an den Bahnhof fahren. Fazit: „Wir fühlen ein bisschen verlassen.“

Dass es besser geht, hat er an verschiedenen Stellen beobachtet. Der Ortsvorsteher nennt etwa den Bereich Lützelbach (ins Bayrische) oder Mossautal (Richtung Kreis Bergstraße). Überhaupt der Nachbarkreis: Hier gibt es von Hirschhorn über Schönmattenwag nach Wald-Michelbach eine stündliche Verbindung, erläutert er neidisch. „Da geht es – und bei uns nicht.“ Hofmann sieht es fatalistisch: „Die meisten haben sich schon daran gewöhnt.“ 

Obwohl das Dorf so klein ist, wird vieles geboten – wenn gerade keine Pandemie herrscht. Sport- und Gesangverein sowie Feuerwehr halten das gesellschaftliche Leben hoch. Fasching, Maifest, Oldtimertreffen, Handkäsfest – übers Jahr ist einiges los. Der Ortsvorsteher hofft, dass sich 2021 alles wieder normalisiert.

Musikalisch den Kopf nicht in den Sand stecken

Das Jahr hat begonnen „und, wie wir alle wissen, ist nichts ist normal“, sagt Iris Thierolf. Die Kantorin an der evangelischen Martinskirche Beerfelden hat aber für diesen Fall „vorgesorgt“. Denn sie ging bereits im vergangenen Oktober davon aus, dass 2021 kein Jahr wie immer mit einem Konzert-Großprojekt (Chor, Orchester, Solisten) werden kann. Deshalb machte sich die in Etzean wohnende Musikerin Gedanken, wie man es in Corona-Zeiten musikalisch in der Beerfeldener Kirchengemeinde gestalten könnte.

Thierolf hatte die Idee, monatlich kleine Konzerte anzubieten, „die überschaubar im Rahmen sind“. Damit wäre der Verlust nicht zu groß, wenn sie ausfallen würden. „Die Kirchengemeinde hat es gut geheißen“, freut sie sich. Somit gibt es immer am letzten Sonntag im Monat um 18 Uhr (aber keine Regel ohne Ausnahme) ein Konzertangebot in der Martinskirche. Alle Veranstaltungen dauern bei freiem Eintritt – sofern sie öffentlich stattfinden – etwa 60 Minuten.

Start ist bereits am 31. Januar, 18 Uhr, mit einem Klavierkonzert der Kantorin. Das wird ab der Konzertzeit auf ev-kirchengemeinde-beerfelden.ekhn.de/startseite/unsere-gemeinde/videobotschaften.html online gestellt. Auch im Februar kann sie sich noch kein öffentliches Konzert vorstellen. Jedes zukünftige, das ohne Zuschauer stattfinden muss, wird unter dem Link zu finden sein, erläutert sie. Die Videoseite wurde inzwischen zu einer großen Fundgrube. „Unendlich viele Videobotschaften kann man mittlerweile dort ansehen.“

Thierolf will die ausfallenden Konzerte ungern komplett absagen. Da das Online-Neujahrskonzert, das sie mit Arne Müller einspielte und von Roland Bahre aufgenommen wurde, in der Kirchengemeinde sehr großen Erfolg hatte, „hat mich das inspiriert, folgende Termine, die wir nicht mit Publikum machen können, auch online zur Verfügung zu stellen“. Dann war die ganze Vorbereitung nicht umsonst und „außerdem bleibt man an den Menschen dran“.

„Ein großes Highlight wollten wir in diesem Jahr doch bieten“, sagt die Musikerin: die „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin für Klavier und Orchester. Dabei handelt es sich um ein sehr bekanntes und beliebtes Werk, weil es durch seine Rhythmik, Harmonik und Popularität die Menschen anspricht. „Es war extra kein Riesen-Chorprojekt geplant, weil das zu viele Menschen vereint hätte“, erklärt Thierolf.

Für die „Rhapsody in Blue“ braucht man aber dennoch ein 44-köpfiges Orchester. „Leider haben wir schweren Herzens dieser Tage dieses Projekt aufgegeben, weil es mit dem heutigen Wissen einfach zu unsicher ist, ob es stattfinden kann“, bedauert sie. Da es eine sehr kostspielige Angelegenheit geworden wäre, ist es aus ihrer Sicht unverantwortlich, es weiter aufrecht zu erhalten. „Das ist sehr schade“, blutet ihr das Herz. Als Ersatz soll es ein kleines, aber feines Orchesterkonzert geben – mit einer überschaubaren Zahl an Mitwirkenden.

Nach der Gesangsklasse im Februar ist am letzten Sonntag im März unter dem Titel „Swinging Ladies“ der Frauenchor aus Oberzent dran. Der Posaunenchor im April leitet über zum Mai-Frühlingskonzert des evangelischen Kinder- und Jugendchors. Nach dem Kirchenchor im Juli ist Ende August ein Mitsingkonzert vorgesehen.

Ein Gospelkonzert des gleichnamigen Projekts folgt im September, ehe Iris Thierolf Ende Oktober auf der Dreymann-Orgel spielt. Ab jetzt ändern sich die Aufführungstage: Musik zum Totensonntag erklingt am 21. November, das Adventskonzert findet am 12. Dezember statt und Musik zum Jahreswechsel gibt es am 30. Dezember.

Iris Thierolf ist keine, die sich von der gegenwärtigen Situation entmutigen lässt. „Ich stelle mich darauf ein und sofort kommen Ideen, die man angehen könnte“, verdeutlicht sie. Das war bereits im ersten Lockdown so, als sie ihren Chören viel Material zukommen ließ. Jede Stimme wird von ihr einzeln eingesungen, damit es viel Probenstoff gibt.

Dass die Kantorin „nicht lange in Resignation hängen bleibt“, hat auch mit der sehr positiven Resonanz auf die Alternativangebote zu tun. Etwa auf den Weihnachtsgottesdienst, der nur im Netz stattfinden konnte. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand, wenn mal was nicht geht“, erzählt sie. Ruckzuck werden neue Ideen entwickelt.

Die Musikerin kann sich nur an einen Durchhänger im Dezember erinnern. „Och ne“, lautete da ihre Reaktion, als alles wieder umgeworfen werden musste. Das dauerte aber nur einen Tag an und dann „ratterte es wieder“, meint sie schmunzelnd. Die Zeit ist derzeit anders verteilt als früher, sagt sie. Aber langweilig wird es nie. So spielt Thierolf etwa für jeden Sonntagsgottesdienst die Musik ein.

Der private Einzelunterricht für ihre Schüler läuft online weiter. Den Chören „fehlt es sehr, dass nicht gesungen werden kann“, weiß sie. Deshalb nutzt die Kantorin auch „jede Möglichkeit, um an den Leuten dranzubleiben“ und stieß unter anderem mit dem Kirchenchor ein Online-Projekt an.

Außerhalb der Musik geht man in der Kirchengemeinde neue, corona-gezeichnete Wege. Am Sonntag, 7. Februar, steht ein „Kanzeltausch“ an, schildert Pfarrer Roland Bahre: Das Beerfeldener „MusikKreuzWort“ wird in der Kirchengemeinde Reichelsheim gesendet, dafür gibt es in Beerfelden den Reichelsheimer „SonntagsImpuls“ als Videobotschaft zu sehen.

Am 14. Februar heißt es „MusikKreuzWort trifft SonntagsImpuls“ aus den Kirchen in Beerfelden und Reichelsheim mit Pfarrerin Erika Bahre und Pfarrer Roland Bahre, Iris Thierolf und Matthias Ernst. Dahinter verbirgt sich eine Verknüpfung der Videobotschaften beider Gemeinden zu einer gemeinsamen.

Sängerkreis geht kurz vor dem 100. die Puste aus

Das 100. Jubiläum hat der Sängerkreis hessisches Neckartal „leider nicht mehr zu erreicht“, bedauert der zweite Vorsitzende Gert Menges vom Gemischten Chor Finkenbach. Zum Jahresende 2020 löste sich der Vereinszusammenschluss im 95. Jahr seines Bestehens auf. Hintergrund: Es wurden immer weniger Sänger und Vereine. Die anstehenden Aufgaben konnten somit auf immer weniger Köpfe verteilt werden.

Die sangesfreudigen Gründer hatten 1925 die Vereine in den Ortschaften im Blick, die am Neckar und an seinen Zuflüssen in Südhessen beheimatet waren. Die holten sie ins sprichwörtliche Boot. Am 8. November fand in Neckarsteinach die offizielle Gründung des kreis- und länderübergreifenden „Hessischen Neckartal-Sängergaues“ statt.

Es schlossen sich damals zwölf Vereine mit insgesamt 420 Sängern an: Frohsinn Brombach, Heimatland Darsberg, MGV Ober-Finkenbach, Liederkranz Gammelsbach, Liederkranz Ober-Hainbrunn, Eintracht Hirschhorn, Sängerbund Hirschhorn, MGV Kortelshütte, Frohsinn Langenthal, Sängerbund Neckarsteinach, Eintracht Rothenberg und Frohsinn Rothenberg.

Der Sitz der neu gegründeten Vereinigung war Neckarsteinach. Dort wurde auch am 29./30. Juni 1929 das Gaubanner eingeweiht, das bis zur Auflösung bei allen offiziellen Anlässen mitgeführt wurde. Die jährliche Abhaltung von Wertungssingen, die Teilnahme an Bundeschorfesten und die gegenseitige Unterstützung durch Besuche bei Nachbarvereinen waren die wesentlichen Aktivitäten der Sängervereinigung.

In Folge des Zweiten Weltkrieges kam die Arbeit des Sängerkreises 1945 zum Erliegen, wurde aber 1948 wieder aufgenommen. Im 50. Jubiläumsjahr 1975 gehörten ihm stolze 17 Vereine an mit 17 Männer- und zwei gemischten Chören, einem Jugendchor und drei Kinderchören an: insgesamt 740 Sängerinnen und Sängern. Eine solche wurde nie wieder erreicht. Geographisch erstreckte sich das Gebiet von Darsberg über Hirschhorn und Unter-Schönmattenwag bis nach Gammelsbach, Sensbachtal und an die bayrische Grenze mit Hesselbach.

Wesentlich geprägt wurde der Sängerkreis Neckartal auch immer von seinen Vorsitzenden. Ganz besonders hervorzuheben ist die Zeit ab 1979, als Friedel Sepp aus Schöllenbach mit seiner gewinnenden Art für großen Zusammenhalt im Inneren und auch für eine starke Präsenz des Chorgesangs nach außen sorgte, erläutert Gert Menges.

Das 75. Jubiläum wurde im Jahr 2000 mit noch 15 Kreisvereinen begangen. Hier zeichnete sich bereits eine Trendwende ab: Mangels männlichem Nachwuchs hatten sich mittlerweile einige Männerchöre für Frauen geöffnet und so zu gemischten Chören gewandelt. So hatte der Sängerkreis nun insgesamt 660 Stimmen. Die Ära Friedel Sepp endete 2001 nach 22 Jahren. Danach konnte man den jungen Udo Mayer aus Unter-Schönmattenwag für den Vorsitz gewinnen, der bis 2007 amtierte.

Um den Vorsitzenden zu entlasten, entschloss man sich damals zu einer Doppelspitze, die mit Jutta Ihrig (Schöllenbach) und Ingrid Reinschild (Gammelsbach) eine gute Besetzung fand. Seit Herbst 2012 wurde der Vorsitz bis zuletzt im jährlichen Turnus reihum von den jeweiligen Vorsitzenden der Mitgliedsvereine wahrgenommen, „was auch erstaunlich gut funktionierte“, erinnert sich Menges schmunzelnd.

Mitte 2019 verließ der größte bis dato im Sängerkreis beheimatete Verein, der Sängerbund Unter-Schönmattenwag, die Vereinigung und schloss sich dem Sängerkreis Weschnitztal-Überwald an. Als kurze Zeit darauf noch die Nachricht eintraf, der MGV Liederkranz 1898 Kortelshütte befände sich in Auflösung, sah man im Vorstand die Notwendigkeit gegeben, den Fortbestand des Sängerkreises Neckartal insgesamt zu hinterfragen.

Denn es gab dann nur noch neun angeschlossene Vereine: Eintracht 1912 Falken-Gesäß, Gemischter Chor Finkenbach, Liederkranz 1912 Gammelsbach, Eintracht/Sängerbund Hirschhorn (derzeit nicht aktiv), Sängerbund 1860 Neckarsteinach, MGV Liederkranz 1898 Ober-Hainbrunn, MGV 1911 Rothenberg, Sängerkranz Schöllenbach und MGV Eintracht-Liederkranz 1882 Sensbachtal.

Nach dieser Bestandsaufnahme wurde ab Herbst 2019 im Vorstand diskutiert, ob angesichts des Wegfalls dieser beiden Mitgliedsvereine und einer damit einhergehenden drastischen Reduzierung des belastbaren Personals (nicht zuletzt auch wegen der immer ungünstiger werdenden Altersstruktur) eine Wahrnehmung der Aufgaben im Sängerkreis überhaupt noch gewährleistet werden kann.

Angesichts der geringen Anzahl der verbliebenen Vereine und der Diversität ihrer Chorarbeit konnte zukünftig keine vereinsgerechte Förderung mehr angeboten werden, bedauert Menges. Auch die Ausrichtung von Veranstaltungen erwies sich als fast nicht mehr lösbare Aufgabe. So wurde die Auflösung zum 31. Dezember 2020 beschlossen.

Zum 1. Januar 2021 fanden vier Vereine im Sängerbund Odenwaldkreis (Falken-Gesäß, Finkenbach, Gammelsbach, Schöllenbach), drei im Sängerkreis Weschnitztal-Überwald (Sensbachtal, Rothenberg, Ober-Hainbrunn) und einer im Badischen Sängerbund (Neckarsteinach) eine neue Heimat. In Hirschhorn ruht derzeit der Betrieb.

Am 25. April vergangenen Jahres hätte es eine durch den MGV Sensbachtal organisierte Abschluss-Veranstaltung mit allen Vereinen geben sollen. Dabei wollte man auch zahlreiche Jubilare ehren. Pandemiebedingt wurden jedoch alle Planungen zunichte gemacht. So bleibt den Vereinen nun die Hoffnung, nach der Zeit der Gesangsabstinenz ein verspätetes Abschlussfest feiern zu können.

Gleich 20 Erstspender lassen Blut

„Ausgebucht“ vermeldete Elke Wilhelm freudestrahlend. Die aktuelle Blutspende in Corona-Zeiten hatte wieder einen so großen Andrang, dass die verfügbaren Zeitfenster schon vor dem Termin aufs Neue komplett belegt waren. 110 Mehrfach- und stolze 20 Erstspender fanden dieses Mal den Weg in die Alte Turnhalle Beerfelden, vermeldete die zweite Vorsitzende des DRK Beerfelden. Damit bleibt der bisherige 130er-Schnitt über die Jahre erhalten.

Die dritte Aktion unter Corona-Bedingungen lief wieder wie am Schnürchen ab. Inzwischen hat sich ja schon eine gewisse Routine eingestellt, da das DRK wieder in der Alten Turnhalle mit ihren großzügigen Räumlichkeiten zu Gast war. Das Bürgerhaus als bisherige „Location“ wäre zu eng gewesen. Neben den sieben DRK-Aktiven (bei anderen Terminen sind es bis zu zehn) waren vom Blutspendedienst Baden-Württemberg/Hessen zwei Teams mit Ärzten und Punktierern vor Ort.

Die Abstands- und Hygieneregeln wurden in Zeiten von wieder stark steigenden Infiziertenzahlen „peinlich genau beachtet“, versicherte die Blutspende-Verantwortliche. Am Eingang gab’s eine ganz frisch desinfizierte Mund-Nasen-Bedeckung. Bei allen Eintretenden wurde Fieber gemessen. Bei einer Temperatur unter 37,5 Grad durfte man rein – die hielten alle ein.

Die verschiedenen Stationen waren weitläufig angeordnet: Formulare ausfüllen, Labor und Arztbesprechung galt es zu absolvieren. Es gab feste Laufwege, informierte Diana Zimmermann und „keinen Begegnungsverkehr“, weil die Turnhalle einen Hinterausgang hat. Zwischendurch wurde in regelmäßigen Abständen gelüftet.

Die DRK-Mitwirkende freute sich, dass die Spenderzahlen nach wie vor auf einem hohen Niveau sind. Die Terminvereinbarung im Vorfeld hat sich ihren Worten zufolge sehr gut bewährt. Die festgelegten Zeitfenster bringen es mit sich, dass die Spendenwilligen weniger Wartezeit haben, als wenn sich bei einem normalen Blutspendetermin zu bestimmten Zeiten ein Rückstau bildet.

Für die Ehrenamtlichen und das Blutspendeteam sind die Abende darüber hinaus besser planbar – der Feierabend ist absehbar, weil die Timeslots am Ende nur von einer vorher abgezählten Zahl an Spendenwilligen gebucht werden können. Einziger Nachteil: Mehr geht von der Bettenzahl her nicht, was sich beim jetzigen Termin zeigte.

 „Bisher habe ich nur Positives über das Terminsystem gehört“, erläuterte die zweite Vorsitzende. Deshalb gibt es Überlegungen, es auch in Zeiten nach Corona beizubehalten. Wenn die Blutspende in Beerfelden stattfindet, dann ist natürlich Oberzent mit seinen Stadtteilen ganz stark vertreten. Aus der Ecke Erbach/Michelstadt sowie Hüttenthal und Güttersbach kamen aber auch einige vorbei, beobachtete Wilhelm.

Coronabedingt darf es ja keinen Imbiss mehr nach der Spende von 500 Milliliter Blut geben. Deshalb hatte sich das Orga-Team zusammen mit dem Gewerbeverein Beerfelden eine besondere Aktion überlegt: Jeder Spender erhielt einen Fünf-Euro-Einkaufsgutschein, einzulösen in den angeschlossenen Geschäften des örtlichen Handels. Als man das ausmachte, war allerdings noch nicht die Rede davon, dass ab heute wieder Lockdown sein und die Einzelhandelsbetriebe großteils geschlossen sein würden.

Wilhelm hob die an diesem Abend besonders hohe Zahl an Erstspendern hervor. Normalerweise sind es immer um die zehn „Neulinge“, jetzt die doppelte Anzahl. Denn die jungen Leute bedeuten die Zukunft für den Blutspendedienst, weiß auch Vorsitzender Joachim Zimmermann. Er stellte fest, dass gerade in der Pandemie die Hilfsbereitschaft für die Mitmenschen bei der jüngeren Generation steigt und diese verstärkt Blut spendet. Denn es wird gebraucht, wissen alle. Ressourcen sind zu jeder Jahreszeit knapp.

Einen 130er-Schnitt hatte das örtliche DRK in den vergangenen Jahren die ganze Zeit – umso schöner, dass dieser jetzt, unter erschwerten Corona-Bedingungen, auch konstant erreicht wird. Die vielen treuen Spender, die oftmals zwischen 50 und 70 liegen, teilweise aber schon die 100er-Marke geknackt haben, sind nach wie vor eine Bank.

Diese „Wiederholungstäter“ müssen gar nicht groß benachrichtigt werden, sie haben sich die Termine sowieso vorgemerkt, weiß Wilhelm. Alle anderen spricht das DRK mit Plakaten und Facebook-Posts an, erläuterte sie. Gerade auf dem Land gibt es aber schon eine gewisse Tradition in der Familie: Die Eltern spendeten schon Blut, deshalb gehen die Kinder auch hin, sobald sie dürfen.

Nächstes Weihnachten soll heller werden

Es ist schwer, Kandidaten für die kommende Ortsbeiratswahl zu finden, wurde auf der vergangenen Versammlung in Beerfelden deutlich. Mit Elisabeth Bühler-Kowarsch, Horst Kowarsch und Rico Scheuermann wollen nur drei der bisherigen Mandatsträger wieder kandidieren. Allerdings sind fürs Gremium neun Personen erforderlich.

In seiner aktuellen Sitzung schlug der Ortsbeirat vor, für den Bus der Generationenhilfe Oberzent eine Unterstellmöglichkeit auf dem Gelände des städtischen Bauhofs zu schaffen. Hintergrund: Die Generationenhilfe arbeitet ehrenamtlich, die Fahrer engagieren sich in hohem Maße. Daher sieht man einen Carport gerade in den Wintermonaten als sinnvoll an. Der Ortsbeirat ist bereit, dafür Mittel aus seinem Budget zur Verfügung zu stellen, erläuterte Vorsitzender Christian Zimmermann.

Horst Kowarsch berichtete dem Gremium vom Einsatz beim Freiwilligentag am „Heldenhain“, der sehr gut aufgenommen wurde. Inzwischen wurde Kontakt mit der Oberzent-Schule aufgenommen, die das Projekt gerne unterstützen würde. Angedacht sind Informationstafeln zum Thema Gewalt, Krieg oder Fluchtursachen. Dazu könnten eventuell Lottomittel des Landes (500 Euro) beantragt werden, informierte Kowarsch. Aber auch der Ortsbeirat möchte diese Aktion aus seinem Budget unterstützen.

Die Mandatsträger schlugen außerdem vor, im kommenden Jahr eine Weihnachtsbeleuchtung für Beerfelden anzuschaffen. Man denkt hier unter anderem an den Bereich des Brunnens. Große Kugeln für den Weihnachtsbaum am Metzkeil würden ebenfalls eine schöne Atmosphäre schaffen. Da es für dieses Jahr kurzfristig keinen Sinn mehr machte, Material einzukaufen und aufzuhängen, sollen die Budget-Mittel auf 2021 übertragen werden.

Aktuell stehen aus dem Budget des Ortsbeirates noch etwa 6300 Euro zur Verfügung, informierte Zimmermann. Die Mandatsträger beantragten einstimmig, Mittel, die dieses Jahr nicht mehr ausgegeben werden können, auf das kommende zu übertragen. Es geht um 1000 Euro für den Friedenspark am Heldenhain, 2000 Euro für die Unterstellmöglichkeit Bus der Generationenhilfe, den Kauf von zwei weiteren Panoramabänken (1500 Euro) und die Anschaffung von Weihnachtsbeleuchtung (1500 Euro).

Darüber hinaus sollen zwei weitere Street-Buddys gekauft werden. Dabei handelt es sich um reflektierende Kinderfiguren, die an den Straßenrändern aufgestellt werden. Sie sollen Autofahrer zum Langsamfahren animieren.

Auf Vorschlag von Ralf Fiedler wird sich der Ortsbeirat bei zwei Mitbürgern, die regelmäßig ehrenamtlich an den Straßen- und Wegrändern Müll einsammeln und mit ihrem Fahrzeug samt Anhänger jede Woche unterwegs sind, als Beispiel für ehrenamtliches Engagement bedanken.

Rico Scheuermann sprach das Thema öffentliche Toilette am Brunnen an. Die ist aktuell geschlossen. Der Ortsbeirat sieht es nach wie vor als außerordentlich wichtige Investition an, im Zentrum eine öffentliche Toilettenanlage anbieten zu können, die man auch gerne benutzt, betonte Zimmermann. Der Magistrat wurde gebeten, einen Sachstandsbericht zu geben. Horst Kowarsch wies darauf hin, dass am 5. Januar die IKEK-Steuerungsgruppe tagt und dann das Thema dort auch erneut angesprochen wird.

Neue digitale Wege des Schüler-Austauschs

Erasmus-Programm einmal anders: „Make Your Day A Happy Day“ hieß der Auftakt in Corona-Zeiten, um virtuell Grußbotschaften an die europäischen Partner der Oberzent-Schule Beerfelden zu schicken. An jedem Adventssonntag kamen auf ganz individuelle Art und Weise gestaltete Grüße und Wünsche zu den anderen Beteiligten. Begleitet wird das Projekt von den Pädagogen Conny Frank, Derya Westbelt und Felix Sasse.

Um ein Gemeinschaftsgefühl zu bewahren und sich auf digitalem Wege zu treffen, sorgten die Videos nicht nur für eine originelle Kontaktaufnahme, sondern auch für viel Freude und lachende Gesichter. Im Rahmen des „Kiss The Cook“-Projekts an der Oberzent-Schule wurden dabei digital „Rezepte“ zum Thema „Soul Kitchen“ für den möglichen Ablauf eines erfüllten Tages auf unterhaltsame Weise kreiert.

Durch die „Rezepte“ wurden alle inspiriert, wie man mit verschiedenen Aktivitäten und trotz der aktuellen Situation das Beste aus einem Tag herausholen kann, um glücklich und zufrieden einen „Happy Day“ zu erleben. Durch die wöchentlichen Videos wurde allen Teilnehmern bewusst, „dass wir uns im europäischen Team alle in der gleichen Situation befinden“. Durch die gegenseitige Inspiration entstanden eine positive Stimmung und eine Vorfreude auf das, was noch kommt.

Es sind insgesamt fünf Schulen am laufenden Projekt beteiligt, erklärt Conny Frank, die auch nach ihrer Pensionierung weiterhin ihrem Lieblingskind Erasmus an der Oberzent-Schule treu bleibt. Sie betreute es viele Jahre lang. Neben der Lernanstalt im Odenwald sind die italienische Partnerschule aus Cremona, die irische aus Dublin, die polnische aus Elblāg und die portugiesische aus Alter do Chāo beteiligt.

Das von der EU geförderte Projekt läuft seit 2018 mit dem von Oberzent entwickelten Konzept „Kiss The Cook – European Open Table For Happy Meetings“. Es wurde coronabedingt um ein Jahr verlängert. So besteht noch die Hoffnung, nächsten Sommer nach Portugal zu reisen, um dort allen teilnehmenden Schülern und Lehrern beim fröhlichen Finale zu begegnen.

 „Wir freuen uns riesig über das Engagement der Schüler“, betont Frank. Die haben unter diesen besonderen Umständen hochmotiviert digitale, kreative und originelle Wege des digitalen Austauschs gefunden. Die Organisatoren sind glücklich darüber, dass es noch weiterläuft. „Weltweit und im Odenwald steht die Freundschaft über allem.“

Die Schüler und auch die betreuenden Lehrkräfte „haben es zunächst schon bedauert, dass gerade das Finale unseres Projekts nicht wie geplant in Portugal stattfinden konnte“, ergänzt Derya Westbelt. „Bis zuletzt haben wir gehofft, unsere reservierten Tickets abholen zu können.“ Geplant war die Fahrt für April. Sie können es aber aufgrund der aktuellen Lage nachvollziehen, fokussieren sich mit Freude auf alternative digitale Wege und hegen die Hoffnung auf eine echte Live-Begegnung.

Bevor es zum Lockdown in Deutschland kam, hatte man sich im internationalen Team schon geeinigt, die Fahrt zu verschieben, weil die italienische Partnerschule viel früher und drastischer betroffen war und somit nicht hätte teilnehmen können. „Dass es Wochen später uns alle in diesem Ausmaß treffen würde, haben wir zu diesem Zeitpunkt nicht erahnen können“, schildert die Lehrerin die Entwicklung. Schnell bemühte man sich um eine Verlängerung des Projekts, um doch noch die Chance zu haben, „Kiss The Cook“ finalisieren zu können.

Die Lehrer „waren positiv von den Reaktionen unserer Schüler überrascht“, sagt Westbelt. Bisher hatten im Rahmen von „Kiss the Cook“ etwa 20 Jugendliche aus der Oberzent-Schule die Chance, die beteiligten Partnerschüler in vier Ländern zu besuchen. Aktuell sind noch 15 aus den Jahrgängen acht bis zehn trotz coronabedingter Einschränkungen aktiv dabei, auch wenn aktuell keine Austauschfahrt möglich ist. Es sind sogar drei neue Schülerinnen beigetreten, die sich ihre Motivation nicht nehmen lassen.

Die Jugendlichen sind sehr kreativ und haben sich „tolle digitale Wege“ überlegt, um trotzdem in Kontakt zu bleiben. „Das macht uns sehr stolz“, spricht Westbelt ein großes Lob aus. Einige haben sogar privat Kontakt zu ihren Austauschschülern aufgenommen, um sich besser kennenzulernen. Mit den europäischen Partnern steht die Oberzent-Schule über eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe im Austausch.

Die Videogrüße können auf der Homepage der Oberzent-Schule angeschaut werden: http://www.oberzentschule.de