Sensbachtaler Ortsbeirat ist sauer über die Straßensperrung zwischen Reußenkreuz und Bullau

Die Sperrung der Verbindungsstraße zwischen Reußenkreuz und Gebhardshütte, die in ihrem weiteren Verlauf nach Bullau führt, sorgt für gehörige Verstimmung zwischen dem Ortsbeirat und der Stadtspitze. Auf der Ortsbeiratssitzung wurde die Frustration darüber deutlich, nicht in die entsprechende Entscheidung miteingebunden worden zu sein. Gleichzeitig machten die Mandatsträger deutlich, dass sie die Schließung der Straße für den allgemeinen Verkehr nicht hinnehmen wollen.

„Wir hatten das Thema der Ortsverbindungsstraße bereits Ende Oktober zum Thema“, betonte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. „Der Ortsbeirat legt Wert darauf, dass die Sperrung umgehend rückgängig gemacht wird und der Weg wieder öffentlich befahrbar ist“, heißt es im damaligen Protokoll, das auch an die Stadt ging. Außerdem bittet das Gremium dringendst darum, „über solche Dinge künftig im Voraus informiert zu werden“.

Erst nach mehrmaligen Nachfragen, so Kuhlmann, gab es am 11. Januar von der Stadt eine Stellungnahme. Darin ist zu lesen, dass es sich „bei der Straßensperrung um eine Maßnahme der Verwaltung und der Straßenverkehrsbehörde handelt“. Eine Beteiligung des Ortsbeirates sei hierfür nicht erforderlich und die Information darüber wünschenswert, „übersteigt aber unsere personellen Möglichkeiten“.

„Wir sind natürlich ganz anderer Meinung“, unterstreicht Kuhlmann etwas sarkastisch. „Der Schriftverkehr mit der Stadtverwaltung strotzt nicht gerade vor Bürgernähe.“ Im Vorfeld der Fusion sei aber gerade diese propagiert worden. Gerade bei einer Neugründung wie Oberzent „können Mandatsträger oder Verwaltungsmitarbeiter nicht über historisch begründete Dinge informiert sein“, zeigt er Verständnis. Aber die Widmung, Entwidmung oder Sperrung „einer seit Menschengedenken frei befahrbaren Ortsverbindungsstraße“ sei eine wichtige Angelegenheit, so dass seines Erachtens „der Ortsbeirat unbedingt hätte gehört werden müssen“.

Als „kontraproduktiv“ mit Blick auf den Tourismus wertet der Ortsvorsteher die Schließung. Gerade am Reußenkreuz sei man auf Auswärtige angewiesen. Dazu kämen noch die vielfältigen Verbindungen aus Schöllenbach und Ober-Sensbach nach Bullau. Nicht zuletzt empfindet er es seltsam, dass der Weiler Gebhardshütte nicht über eine öffentliche Straße von Oberzent aus zu erreichen sei. Statt fünf Minuten vom Reußenkreuz nach Bullau gilt es nun 22 Kilometer über Erbach zu fahren.

Bürgermeister Christian Kehrer wies eingangs der umfangreichen Redebeiträge darauf hin, dass es sich hier seiner Meinung nach gerade nicht um eine Ortsverbindungsstraße, sondern lediglich um einen Waldweg handle. Ein Jagdpächter habe sich bei ihm über ständig zunehmenden Kraftfahrzeugverkehr beschwert. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes habe die Angaben vor Ort überprüft. Einspurig, nicht geteert, gefährlich: Die Stadt wolle nicht die Verkehrssicherungspflicht dafür übernehmen.

Daraufhin habe der Bürgermeister in seiner Eigenschaft als Straßenverkehrsbehörde die Sperrung angeordnet. Bei berechtigtem Interesse werde die Stadt jederzeit kostenlose Ausnahmegenehmigungen für Oberzent-Bürger ausstellen, sagte Kehrer. Kuhlmann hielt ihm entgegen, dass der Weg zwischen Finkenbach und Rothenberg ebenfalls nur einspurig und kurvig sei. Aber geteert, so Kehrers Replik.

An der sehr emotionalen Diskussion beteiligten sich neben den Mitgliedern des Ortsbeirates auch Besucher. Die Redebeiträge zeigten, dass man mit dieser Entscheidung keinesfalls einverstanden ist. Kehrer seinerseits, so der Eindruck der Mandatsträger, will daran nicht rütteln. Wolle man im ehemaligen Hesseneck und Sensbachtal eine andere Lösung, so sollten die dortigen Ortsbeiräte eine Initiative über die Stadtverordneten-Versammlung starten. „Es will ja keiner eine Autobahn“, betont Kuhlmann. Aber: „Wir wollen eine öffentliche Straße.“ Vielleicht lasse sich diese auch mit dem Hinweis „Befahren auf eigene Gefahr“ erreichen. In den Orten überlegt man sich weitere Schritte, um eine Wiederöffnung zu erreichen.

Das Gebiet zwischen Schöllenbach und Bullau einschließlich Reußenkreuz und Krähberg war früher gemeindefreies Gebiet „Forst Bullau“. Eigentümer war das Grafenhaus Erbach-Fürstenau. Bei Auflösung der gemeindefreien Gebiete in Hessen ab 1967 war die Gemeinde Ober-Sensbach sehr daran interessiert, dass die beiden Weiler zu Ober-Sensbach kommen. Voraussetzung war allerdings, dass die im Besitz des Grafenhauses befindlichen Wege in Gemeindeeigentum überführt werden. Ober-Sensbach und später Sensbachtal als Rechtsnachfolger kaufte die Wegeflächen vom Reußenkreuz bis zur Landwehr und zur Gemarkungsgrenze Richtung Hohberg in einer Breite von sieben Metern und übernahm damit die Unterhaltung und die Verkehrssicherungspflicht. Im Gegenzug musste das Grafenhaus rückwirkend ab 1967 Grundsteuer bezahlen.

Die verschiedenen Forderungen wurden gegeneinander aufgerechnet und ein Zahlungsplan erstellt. Die letzten Raten wurden nach Erinnerung des ehemaligen Bürgermeisters Manfred Heiss 1990 gezahlt. Genaueres sei aus der Akte 020-0501 der ehemaligen Gemeinde Sensbachtal zu entnehmen, die aber vermutlich bei der Verwaltung im Umlauf ist, mutmaßt er. Die Gemeinde Ober-Sensbach hat „damals nicht viele tausend Mark ausgegeben“, um damit eine nicht öffentlich nutzbare Straße zu kaufen, diese auch noch zu unterhalten „und sie jetzt von Oberzent schließen zu lassen“. Den Kauf müsse man auch im Kontext zur Verkehrssituation zwischen Bullau und der heutigen Stadt Oberzent sehen, so Heiss.

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Vor 400 Jahren entstand der Friedhof auf der Sensbacher Höhe

1619 war ein Schicksalsjahr für die europäische Geschichte. Die Wahl des Pfälzer Kurfürsten Friedrichs V. zum böhmischen Winterkönig sollte die durch den Prager Fenstersturz entstandene regionale Auseinandersetzung erst so richtig befeuern, religiös aufladen und schließlich zum 30-jährigen Krieg werden zu lassen, der halb Europa verwüstete. Im Sensbachtal wusste man aber von diesen Entwicklungen nicht viel. Es wurde gelebt und gestorben wie in all den Jahrhunderten zuvor. Vor genau 400 Jahren wurde der heute noch bestehende Friedhof auf der Sensbacher Höhe angelegt.

Er soll als Pestfriedhof der drei Gemeinden Ober-Sensbach, Unter-Sensbach und Hebstahl entstanden sein. Das ist auf der Tafel neben dem Eingang zu lesen, die Sensbachtals Altbürgermeister Manfred Heiss dort aufstellen ließ. Allerdings erschließt es sich ihm trotzdem nicht, warum die Grabstätten so weit außerhalb entstanden. Heiss beschäftigte sich auch mit der Geschichte und fasste diese zusammen. Ursprünglich wurden die Toten des Sensbachtals nach Beerfelden gebracht und dort auf dem bei der Kirche gelegenen alten Friedhof zur letzten Ruhe gebettet, weiß Heiss.

Die Jahreszahl 1619 ist im runden Eingangsbogen der Einfriedungsmauer eingelassen. Vermutlich zur gleichen Zeit wurde auch die aus Bruchstein-Mauerwerk bestehende Kapelle errichtet. Die heutige Gestalt erhielt sie laut Heiss wohl 1744. Dies geschah unter der Leitung der Schultheißen der drei Dörfer, die alle aus der Familie Menges stammten, und dem Kirchensenior Conrat Sauer aus Hebstahl.

Bis 1831 wurden die Verstorbenen aus Ober- und Unter-Sensbach sowie aus Ober-Hebstahl dort beerdigt. Die von Unter-Hebstahl wurden in Eberbach beigesetzt. 1821 war die Kirchenunion in Baden, 1831 kam Unter-Hebstahl zum Kirchspiel Beerfelden und in der Folge mussten die Verstorbenen ebenfalls auf den Sensbacher Friedhof gebracht werden, was den Angehörigen schließlich zu viel Mühe wurde. So reiften in Hebstahl Pläne, einen eigenen Friedhof anzulegen, erläutert der ehemalige Bürgermeister. Das geschah dann auch 1904. 1911 überließ Hebstahl seine Anteile am Sensbacher Friedhof „schenkweise“ den beiden anderen Gemeinden.

Die Erbauung der Gruft des Grafenhauses Erbach-Fürstenau muss man Heiss zufolge im Zusammenhang mit der deutschen Revolution 1848/1849 sehen. Der regierende A(da)lbert wollte wegen der damaligen revolutionären Umtriebe nicht in Michelstadt begraben sein und schickte seinen aus Unter-Sensbach stammenden Oberjäger Jacob Schmidt, nach dem übrigens die „Schmid(t)sruhe“ beim Reußenkreuz benannt ist, zu den drei Friedhofsgemeinden.

Dieser rannte bei Bürgermeistern und Gemeinderäten offene Türen ein. Innerhalb von drei Tagen lagen die Genehmigungen und auch das Baurecht für die Gruft vor. „Wenn man bedenkt, wie lange man heute für ein derartiges Verfahren brauchen würde“, lächelt Heiss. Der für Unter-Sensbach und Hebstahl zuständige Bürgermeister Johann Adam Uhrig freute sich, dass „eine so hochgeehrte Familie ihre Ruhestätte in unserer Mitte nehmen will“.

Die in großen Metallbuchstaben ausgelegten Vornamen „Albert“ und „Emilie“ erinnern an die  Erbauer der Gruft, Graf Albert August Ludwig (1787 – 1851) und an seine Gemahlin Emilie, Prinzessin zu Hohenlohe-Neuenstein-Ingelfingen (1788 -1859). Auf einem Stich aus dem Jahr 1851 ist die Kapelle mit der davor gelegenen Ansicht des Sensbacher Friedhofs von Westen zu sehen.

Die 1879 in Frankenthal gegossene Friedhofsglocke wurde 1942 abgenommen und sollte zu Rüstungszwecken eingeschmolzen werden. Durch eine glückliche Fügung wurde sie von Pfarrer May aus Beerfelden nach Kriegsende auf einem „Glockenfriedhof“ in Hamburg-Altona entdeckt und zusammen mit der großen Glocke der Beerfelder Martinskirche vom Hanauer Hafen aus am 1. August 1947 wieder in den Odenwald geholt. Die Friedhofsgesamtanlage steht heute unter Denkmalschutz und wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends aufwändig restauriert.

Neben den Angehörigen des Grafenhauses haben weitere bekannte Persönlichkeiten auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang vor allem Jürgen Ponto. Der 1977 von der RAF ermordete Vorstandssprecher der Dresdner Bank war Jagdpächter in Unter-Sensbach und erwarb wenige Wochen vor seinem Tod den Grabplatz. Auch der Maler und Musiker Joe Hackbarth ist hier begraben.

Widerstand gegen Sperrung der Straße vom Reußenkreuz nach Bullau

Dem Ortsbeirat im ehemaligen Hesseneck brennt eine Sache besonders auf den Nägeln: die Sperrung der Verbindungsstraße zwischen dem Reußenkreuz über Gebhardshütte nach Bullau. Man weiß sich in dieser Sache mit Sensbachtal in einem Boot, wo dies ebenfalls schon angesprochen wurde, so Ortsvorsteher Martin Pollak. Die SPD-Fraktion in der Stadtverordneten-Versammlung thematisierte die Schließung in Form einer Anfrage an den Magistrat der Stadt Oberzent.

Auf der vergangenen Sitzung des Ortsbeirats brachten die Mandatsträger ihren Unmut zum Ausdruck. Pollak steht mit Bullaus Ortsvorsteherin Inge Maleikat-Kredel in Kontakt, von der weiß, dass man im Erbacher Stadtteil ebenfalls nicht glücklich mit dieser Maßnahme ist. Die Ursachenforschung über das Wieso und Warum der Sperrung ist derzeit noch nicht abgeschlossen.

„Die Straße hat für uns eine große Bedeutung“, wies Pollak auf die historische Verbindung von Schöllenbach und Bullau durch die gemeinsame Kirchengemeinde hin. Darüber hinaus gibt es familiäre Bande und einen regen kulturellen Austausch. „Wir nehmen das nicht hin, dass die bisher öffentliche Strecke geschlossen bleiben soll“, betonte er. Der Umweg über Erbach ist fast vier Mal soweit – 22 statt sechs Kilometer.

Pollak äußerte sein Unverständnis darüber, dass der Verbindungsweg nur noch für den land- und forstwirtschaftlichen Verkehr offen sein soll. Auch aus touristischen Gründen sollte die Strecke befahrbar bleiben, forderte er. „Wir wollen uns doch vermarkten“, hob der Ortsvorsteher hervor. Deshalb sei es ungünstig, eine solch wichtige Straße zu schließen. Auch aus dem Sensbachtal, zu dem Reußenkreuz gehört, gibt es Widerstand.

Von Schöllenbach gibt es Pollak zufolge zwar einen öffentlichen Weg durch den Eutergrund nach Bullau. Auf hessischer Seite wurde er im Rahmen der Flurbereinigung saniert, aber jenseits der bayrischen Grenze ist er auf einem Kilometer in so schlechtem Zustand, dass er kaum befahrbar ist. „Da haben wir leider keinen Zugriff“, bedauerte er. Auf jeden Fall will der Ortsbeirat hinterher sein „und Druck machen“, damit die Direktverbindung aus den beiden Tälern wieder geöffnet wird.

„Auch älteren Mitbürgern ist es nicht bekannt, dass der Weg so eingeschränkt genutzt werden durfte“, schreibt die SPD-Fraktion in ihrer Anfrage. Zumal die frühere Gemeinde Sensbachtal den Straßenabschnitt auch unterhalten habe. Fraktionsvorsitzender Thomas Ihrig weist daneben auf die dort befindlichen Schilder zwecks saisonaler Sperrung der Krähbergstrecke für Motorradfahrer hin, die auf anderen land- und fortwirtschaftlichen Strecken fehlt.

Die Sozialdemokraten wollen deshalb wissen, auf wessen Veranlassung hin die neue Beschilderung angebracht wurde. Auch soll eruiert werden, in welchem Umfang der Weg bisher für die Öffentlichkeit nutzbar war. Ebenfalls möchte man erfahren, ob es bereits Kontrollen gab und was eine Ausnahmegenehmigung kostet.

Die Frage wird weiter von der SPD aufgeworfen, ob eine Beschränkung des Verbindungswegs auf Anliegerverkehr nicht sinnvoller sei als eine Komplettsperrung – gerade mit Blick auf die Erreichbarkeit von Gebhardshütte aus dem restlichen Stadtgebiet. Dagegen wendet sich wiederum Ortsvorsteher Pollak, der auf die teilweise innerörtliche, teilweise auch touristische Bedeutung der Strecke hinweist und sich deshalb für eine generelle Öffnung ausspricht.

Die Einwohner von Bullau und auch die Gebhardshüttler brauchen für die Nutzung der Verbindung eine Sondergenehmigung vom Landratsamt, weiß der im Weiler ansässige Oberzent-Stadtverordnete Thomas Väth. „Ich habe sie kostenpflichtig erworben, früher gab‘s die umsonst“, sagt er. Sie bezieht sich seines Wissens auf den asphaltierten Weg. Das nicht asphaltierte Teilstück vom Krähberg zum Reußenkreuz wird vorwiegend von Holzlastern benutzt. „Dessen Status kenne ich nicht“, erläutert er.

Einige Bullauer argumentierten, dass es eine normale, öffentliche Straße sei, hat Väth erfahren. Die neue, seit einiger Zeit geltende Beschilderung (nur Forst und Landwirtschaft) sei somit nach deren Ansicht nicht rechtens. Beide Wege werden laut Väth vom Winterdienst geräumt. Teilweise von Erbacher, teilweise von Oberzenter Seite her. Die Grenze der öffentlichen, für alle befahrbaren Straße ende bei der Auffahrt zur Pension Baus in Gebhardshütte.

Sensbachtaler MGV-Sänger wirken im Film des Hetzbachers Sebastian Weinmann mit

Es ist diese „bedingungslose Hilfsbereitschaft“, die Sebastian Weinmann am Odenwald besonders schätzt und weswegen er in die alte Heimat kam, um hier Szenen für seinen Film zu drehen. „Jeder packt mit an“, freut er sich. „Versus“ heißt der selbstfinanzierte Streifen des Wahl-Berliners aus Hetzbach, für den er nun eine Szene mit gesanglicher Unterstützung des MGV Eintracht-Liederkranz Sensbachtal drehte. Auf dem Hügel nahe des Sportplatzes mit schönem Blick über das winterliche Ober-Sensbach klappte der Dreh gleich im ersten Durchgang.

Der Kontakt mit den Sängern geschah, wie es eben auf den Dorf läuft: Jeder kennt jeden. Weinmann war Anfang November bei Martin Maier in dessen Bauernstube zu Gast, wo er in seiner Odenwald-Zeit drei Jahre im dortigen Anbau lebte. Und fragte, wer ihm vielleicht bei dem Projekt helfen könnte. Schon klingelte beim MGV-Vorsitzendem Thomas Johe das Telefon. Den kannte Weinmann von der Jugendsingfreizeit Alexander Links vor 20 Jahren, stellte sich heraus.

Der gesamte Chor war ohne Ausnahme mitsamt dem Dirigenten Mario Freidel an Bord, freute sich Johe. Ein traditionelles Volkslied sollte es passend zur Szene sein, erinnert sich der Vorsitzende. Es gab drei Stücke zur Auswahl, aus denen sich Weinmann das Lied „Heimat“ von Max Steege aussuchte. „Das passt mit einem herbstlich-winterlichen Vers auch gut zur Witterung“, sagt Johe. Für den MGV war es die erste Mitwirkung dieser Art an einem Film. Die Umrahmung von dörflichen Festen und offiziellen Anlässen ist für die Eintracht-Liederkranz aber quasi tägliches Brot.

Dass die Aufnahme sehr zur Freude der frierenden Männer in ihrer Sängerkleidung sofort klappte, führt Johe auch auf das sehr professionelle und strukturierte Arbeiten des Regisseurs zurück. Bei den ersten zwei Versen des Drehs auf der Höhe war es noch relativ windstill. Beim dritten sorgte die Natur für eine prompte Umsetzung von „Es wehen die Winde aus Nord so kalt“ und ließ eine frische Brise über den Hügel streichen, schmunzelt der Vorsitzende. „Zum Glück hatten wir uns vorher mit viel Tee aufgewärmt.“ Danach gab‘s auch nochmal einmal wohlige Wärme, denn Weinmann hatte die Truppe in Maiers Bauernstube zum Schnitzelessen eingeladen.

Der Dank geht aber nicht nur durch den Magen, sondern für den MGV springt im kommenden Spätsommer auch ein Videodreh heraus. Sebastian Weinmann wird dann mit den Sängern ein paar Lieder als Eintracht-Liederkranz-Werbefilm produzieren. Die darauf dargebotenen Stücke „mit viel Landschaft im Hintergrund“ sind nach eigenem Gusto des Gesangvereins.

Für seinen Streifen hat der Regisseur einen gesellschaftskritischen Ansatz gewählt. Dennis Habermehl spielt einen Mann, „der mit dem Hier und Jetzt nicht mehr klarkommt“. Er will seine eigene Welt schaffen und flüchtet in eine zwar echte, aber von ihm kreierte Traumvorstellung. Seine Selbstfindungsphase führt ihn in den Wald.

Axel Perenz in einer Nebenrolle, der gleichzeitig Weinmann assistiert, Kameramann Oliver Moron und Ton-Chef Nils Weber halten vor Ort das Ganze filmisch fest. Die MGV-Sänger sind für den Regisseur so wichtig, weil sie die kulturelle Heimat, die örtliche Kultur und die Kontakte in einer Zeit repräsentieren, „in der alle mit dem Handy beschäftigt sind“.

Die Ausbildung ist für Weinmann das Eine. Das Andere ist die praktische Arbeit. Deshalb finanziert er seinen Film auch selbst, schrieb das Drehbuch, führt Regie und wählte die Schauspieler aus. „Arbeit, Geld, Kultur“ sind für ihn die tragenden Elemente, aus denen er sich in der Handlung bedient. Die Fertigstellung ist für den kommenden Februar geplant. Danach will der Ex-Hetzbacher versuchen, ihn zu vermarkten.

„Filme machen ist was Physisches“, sagt Weinmann. Die Kälte „kann man nur oben auf dem Berg spüren“. Alle sollen sich auf diese Weise vorstellen können, wie die realen Bedingungen sind. In Berlin wäre es seiner Meinung nach nicht möglich, so zu drehen. Die Gegensätze, die sich auch im Filmtitel „Versus“, Dagegen, widerspiegeln, kommen am besten in der Konfrontation von Land und Stadt, von Ruhe und Trubel zum Ausdruck.

Sebastian Weinmann, 1985 geboren, ist in Hetzbach aufgewachsen und lebte drei Jahre in Ober-Sensbach. Ausgebildet als Kaufmann im Groß- und Außenhandel, studierte er dann in Berlin Regie für Film und Fernsehen und ist jetzt als Filmemacher tätig.

Beim Martinsumzug in Unter-Sensbach hilft das ganze Dorf mit

Draußen kroch so langsam die Kälte in die Glieder, drinnen war es mollig warm: In der Unter-Sensbacher Kirche fand unter der Leitung von Pfarrer Roland Bahre der Auftakt zum Martinsumzug statt. Der wurde vom Grundschulteam mit seiner neuen Leiterin Heike Hesse organisiert. Für die war es die erste größere Veranstaltung seit dem Amtsantritt zum neuen Schuljahr. Umso mehr freute sie sich über die große Resonanz. Obwohl die Schule nur 19 Kinder zählt, war gefühlt das halbe Dorf auf den Beinen.

Der Martinszug durchs Dorf selbst ist eine „Routineveranstaltung“, sagte Hesse. Er findet schon seit vielen Jahren regelmäßig statt. Ausgerichtet wird er immer abwechselnd vom Team des Kindergartens und der Schule. In diesem Jahr ist war die Grundschule wieder dran. Da die Tradition groß geschrieben wird, „habe ich versucht, möglichst wenig zu ändern“, betonte sie. Eine kleine Neuerung war aber der Start in der Kirche.

Die Schüler begrüßten dort die Gäste und stimmten auf den Umzug ein. Das geschah durch die Erzählung der Geschichte von Sankt Martin, zu der jedes Kind seinen Teil beisteuerte. Weil der Heilige am 11.11. beerdigt wurde, laufen rund um diesen Tag die Kinder durch die Straßen und singen Martinslieder, erläuterten sie. Das erste gab‘s dann gleich in der Kirche. Damit alle mitsingen konnten, ließ Pfarrer Bahre den Text über den Beamer laufen.

Beim Verlassen der Kirche versammelten sich die Zugteilnehmer um den dort aufgebauten Tisch und sangen gemeinsam „Ich geh mit meiner Laterne“. Eltern, Großeltern, Verwandte und Geschwisterkinder hatten sich in großer Zahl zusammengefunden, um die Grundschüler zu begleiten. Der Geistliche zeigte sich sehr freut über die Kooperation von Schule und Kirche.

Auf dem Grundstück der Familie Foshag wurde das zweite Mal gesungen, bevor dann der letzte Halt auf dem Schulhof war. Hier gab’s etwas Wärmendes in Form von Glühwein für die Erwachsenen und Kinderpunsch für die Kleineren sowie Würstchen und belegten Broten für beide Altersgruppen. Ehrenbürgermeister Egon Scheuermann übernahm wieder wie in den Jahren die Kosten für die Martinsbrezeln, die während des Umzugs an die mitlaufenden Kinder verteilt wurden. Die Feuerwehr sicherte den Zug und das kleine Feuer auf dem Schulhof ab.

An der Organisation waren viele helfende Hände beteiligt. Angela Seip und Heike Hesse sind die beiden Lehrerinnen an der Grundschule. Für ein paar Stunden in der Woche werden sie von Heike Kiefer (Beratungs- und Förderzentrum) unterstützt. Die Ganztagsschule hat noch weitere unverzichtbare „gute Geister“. Etwa Karin Ihrig und Angelika Lehr, die die Kinder am Nachmittag betreuen und mit ihnen Hausaufgaben machen. Angelika Lehrs Enkelin Alicia ist Schulbegleiterin eines kranken Kindes.

Christin Menges wohnt direkt gegenüber und gibt an den Betreuungstagen das Mittagessen aus. Hausmeister Andreas Obenauer hält alles rund um die Schule herum in Ordnung und hat auch bei der Planung des Festes tatkräftig mitgeholfen. Angelika Krieger ist für die Sauberkeit zuständig und „unterstützt uns, wo immer es möglich ist“. Rund um den Martinsumzug waren daneben Florian Fülöp von der Feuerwehr sowie stellvertretend für den Elternbeirat Sandra Borowka und Alexandra Kaus mit eingebunden.

Heike Hesse ist „eigentlich“ seit 24 Jahren Konrektorin an der Grundschule in der Stried Beerfelden. Da sich auf die Rektorenstelle in Unter-Sensbach niemand bewarb, „habe ich mich dazu bereit erklärt, zunächst einmal für ein Schuljahr abgeordnet zu werden“ erzählt sie. „Mir gefällt das Arbeiten an dieser Schule außerordentlich gut“, so Hesse. „Ich habe mich nach meinem Empfinden inzwischen richtig gut hier eingelebt.“ Die Umstellung von so einer großen Schule mit mehr als zehn Mal so vielen Schülern war allerdings schwerer als gedacht. In Unter-Sensbach gibt es ein völlig anderes Schulleben.

Gewaltiger Nachholbedarf bei der Instandhaltung

Nach der Fusion „schwimmen wir nicht in Geld“, macht Bürgermeister Christian Kehrer deutlich. Denn in den vergangenen Jahren blieb in den vier vorherigen Kommunen eben wegen Geldmangel so viel liegen, dass jetzt gewaltiger Nachholbedarf besteht. Der Erhalt und die Ertüchtigung der Infrastruktur stehen dabei im Fokus. In Beerfelden muss etwa das Bürgerhaus saniert worden, in Falken-Gesäß wird das „Käffchen“ im Dorfgemeinschaftshaus über IKEK-Mittel angegangen.

Kehrers Ziel ist es, für jedes städtische Gebäude eine Bewertung zu erstellen, in welchem Zustand es ist, ob es und wenn ja wann (energetisch) saniert werden muss. Denn im Jahr gibt die Stadt allein 420.000 Euro für Strom aus, für Gas und Heizöl noch einmal 100.000 Euro. Ganz zu schweigen von den Instandhaltungskosten in Höhe von 600.000 Euro. Allerdings müsse auch geschaut werden, was „realistisch machbar ist“. Eine dringende Baustelle ist unter anderem die Hetzbacher Sporthalle. „Da muss unbedingt die alte Heizung ausgetauscht werden.“

Auch auf den vielen Friedhöfe in den einzelnen Stadtteilen stehen Umbaumaßnahmen an. Hier geht unter anderem um Urnengrabfelder. In den drei Schwimmbädern läuft derzeit eine Analyse, um an Mittel aus dem Landesprogramm „Swim“ ranzukommen, sagte Kehrer. Pumpen, Filteranlagen und Becken sind meist in die Jahre gekommen. „Wir wollen die Bäder zukunftsfähig machen“, betonte der Bürgermeister.

Ein großer Brocken sind ebenfalls Gemeindezentrum und Sporthalle in Unter-Sensbach. Letztere ist noch auf dem Stand des Baus vor 50 Jahren. Elektrik, Sanitär und Dämmung müssen angegangen werden. Etwa ein Drittel der Gesamtsumme von 450.000 Euro kommt über KIP-Mittel rein, der Rest bleibt an der Stadt hängen.

Dafür und für andere anstehende Dinge will mit die knapp drei Millionen Euro aus der Hessenkasse verwenden. Zehn Prozent davon muss die Stadt aus eigener Tasche dazulegen. Dazu kommt noch „viel Kleinkram“, wie der Rathauschef verdeutlicht. So fehlt dem Bauhof ein Pkw, weshalb die Mitarbeiter „mit dem Unimog auf einen Termin fahren müssen“, weil das andere Fahrzeug gerade belegt ist.

Ein anderes Thema ist eine zentrale Schließanlage für alle städtischen Gebäude. „Die Putzfrau hat einen monströsen Schlüsselbund dabei“, breitet Kehrer die Arme weit aus. Im Schlüsselschrank seines Büros hängen über 50 Haken voll mit jeweils mehreren Schlüsseln. „Da blickt keiner mehr durch“, betont er. Für ihn gilt dabei aber: „Erst einmal die kleinen notwendigen Dinge erledigen, bevor man an Großes denkt.“

Eine Erfolgsgeschichte ist die Stadtbücherei, für die man nun größere Räume sucht. „Die platzt aus allen Nähten“, so Kehrer. Einmal in der Woche von Ehrenamtlichen betreut, stoßen die 4000 Medien aus allen möglichen Sparten auf viel Nachfrage. Jedes Jahr kommen ein paar neue Bücher dazu. Gesucht wird ein Platz in der Innenstadt. Dafür steht die Stadt mit der Oreg in Kontakt, um freie Räume aufzutun.

Oberzent will sich daneben besser nach außen präsentieren, erläutert der Bürgermeister. Da geht es um neue Broschüren über die Sehenswürdigkeiten, die Fertigstellung der Homepage, neue Stadtpläne oder Neubürgerbroschüren. Außerdem soll für jeden Stadtteil eine einheitliche Beschilderung her. Friedhöfe, öffentliche Gebäude, touristische Punkte, Gaststätten, Pensionen stellt sich Kehrer darauf vor.

Info: Die Stadtbücherei Oberzent im Erdgeschoss des Bürgerhauses Beerfelden ist immer donnerstags von 16 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Sturm und Käfer lassen Nadelholz-Preise purzeln

Wohl dem Waldbesitzer, der viel Laubholz in seinen Beständen hat. Dafür sind derzeit noch gute Preise zu erzielen. Beim Nadelholz sieht es eher duster aus. Sturmtief „Friederike“ und der Borkenkäfer setzten vor allem der Fichte stark zu und ließen die Preise purzeln. Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, und sein Stellvertreter Sebastian Vocilka skizzierten die aktuelle Marktlage auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG). Diese umfasst die angegliederten Gemeinden des Forstamts Beerfelden, also auch Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach.

Der südliche Odenwald wurde im Januar von Friederike einigermaßen verschont, erläuterte Forstamtsdirektor Sasse. Im Bereich des Forstamts Beerfelden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen. Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern.

Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Allein in Hessen seien eine Million Festmeter betroffen. Bisher wurden im Forstamtsbereich Beerfelden bereits 40.000 fm weggeschafft, wobei er fürs komplette Jahr mit 60.000 rechnet. Betroffen ist vor allem die Fichte – die im Odenwald vorherrschende Baumart, mit der das meiste Geld verdient wird.

Das Problem beim Borkenkäfer: Er ist kein einjähriges Phänomen. „Das dauert mehrere Jahre, bis er wieder verschwunden ist“, so der Forstamtschef. Nach dem Jahrhundertsommer 2003 plagte der Buchdrucker den heimischen Wald bis 2007. Sasse geht davon aus, dass somit in den kommenden Jahren immer um die 60.000 fm Schadholz anfallen, das auf dem Markt den Preis drückt.

Wie stark, machte Sebastian Vocilka deutlich. Vor einem Jahr erzielt das Forstamt noch 92/93 Euro für den Festmeter Fichte. Aber: „Ab dem 18. Januar ging es abwärts.“ An diesem Tag zog Friederike über Deutschland. Käferholz lässt sich derzeit für 45 bis 50 Euro verkaufen, „Tendenz fallend“. Beim Nadel-Frischholz, das allerdings wenig nachgefragt wird „sind wir von den früheren Preisen weit entfernt“, sagte er.

Er empfahl deshalb den Waldbesitzern, erst einmal das Schadholz aufzuarbeiten und den Rest stehen zu lassen. „Es kommen wieder bessere Zeiten“, so der Forstamts-Mitarbeiter. Zwar betreffen die Schäden vor allem die Fichte, „aber der Kieferpreis wurde mit runtergezogen“, bedauerte Vocilka. Lediglich die Douglasie „bringt ordentlich Geld“. Hier sind die Preise mit 100 Euro/fm stabil.

Mit Laubholz wie Buche, sonst oft das Stiefkind, „kann man derzeit viel Geld verdienen“, erläuterte er. Preise für Eichenholz „schießen durch die Decke“. Vocilka empfahl deshalb, wenn möglich diese Baumarten einzuschlagen, frisches Nadelholz stehen zu lassen und erst einmal das vom Borkenkäfer befallene zu verwenden. Kollegin Gudrun Kranhold ergänzte, dass im vergangenen Jahr im Privatwald sowieso weniger als zuvor eingeschlagen worden sei.

In ihrem Geschäftsbericht für 2017 sprach sie von einem Mitglieder- und Flächenzuwachs bei der FBG. Im vergangenen Jahr wurde auf knapp 900 Hektar gekalkt. Der Kassenstand ist laut Kranhold weiterhin ansehnlich im Plus. Sie betonte, dass die Kassengeschäfte wie bisher weitergeführt werden können, da die fusionierte Stadt Oberzent in den Vertrag von Beerfelden eintrat, wo dies zuvor Hans Mader erledigte. Der übernimmt auch weiterhin die Kasse. Die Geschäftsführung der FBG bleibt in den Händen des Forstamts Beerfelden.

Da der bisherige Vorsitzende Gottfried Görig, vormals Bürgermeister in Beerfelden, nicht mehr kandidierte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ralf Kredel (Etzean), bisher Stellvertreter, übernimmt den Posten. Ihm zur Seite steht nun Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer als neuer Stellvertreter.