Neues Team für den Kindergottesdienst

Ein Ende ist gleichzeitig auch ein Neuanfang. Nach mehr als 20 Jahren im Sensbachtaler Kindergottesdienstteam hört Helga Breidinger mit ihren 70 Jahren auf. Claudia Röger, die in den vergangenen zwei Jahren viel frischen Wind mit in die Truppe brachte, zieht berufsbedingt weg. Für die beiden stehen aber die jungen Nachfolgerinnen in den Startlöchern: Es geht mit Anja Höhner und Rebekka Michel weiter, versichert der evangelische Pfarrer Roland Bahre.

Als Helga Breidinger vor über zwei Jahrzehnten startete, „waren es am Anfang 20 Kinder“, erinnert sie sich. Mit Unterstützung von Christina Braner gab es Bastelangebote, wurden Psalme gesungen, Gebete gesprochen. Sensbacher Kinder von sechs bis 13 Jahren nahmen teil. War ein Geschwisterkind etwas jünger, durfte es ebenfalls dabei sein. Spiele, Weihnachtsmarkt-Singen, Mitgestaltung des Landfrauen-Gottesdienstes: Es war immer etwas geboten.

Als Highlight kennzeichnet sie das Krippenspiel. „Es war nicht immer einfach, alle unter einen Hut zu bringen“, weiß sie um das bunte Gewusel. Die jungen Teilnehmer wurden zwischenzeitlich durch den Geburtenrückgang weniger – jetzt geht es aber wieder aufwärts. Breidinger orientierte sich früher an der Kinderbibel, bestellte Bücher und suchte sich passende Stellen heraus.

Dass heutzutage eine Vielzahl von Angeboten nebst dem Internet auf die Kinder einprasselt, hat auch Helga Breidinger gemerkt. „Sie veränderten sich“, sagt sie. Die Ablenkungen neben der Vermittlung des christlichen Gedankens und der Vorbereitung auf die Konfirmation werden größer. Durch ihr Alter, schmunzelt Breidinger, „war ich auch nicht mehr so an der Basis wie junge Mütter.“

Für sie war es in all den Jahren eine „Herzensangelegenheit, meinen Glauben weiterzugeben“. Den bekam sie von ihrer Großmutter mit, die ihr immer aus der Bibel vorlas und sie prägte. Auch wenn die Sensbachtalerin nicht mehr im Kindergottesdienstteam mitwirkt, so bleibt sie dem Kirchenvorstand erst einmal erhalten. Dort ist sie bereits seit 24 Jahren aktiv.

Der gelernte Erzieherin Röger stieg vor zwei Jahren ein. „Es fällt mir leicht und macht Spaß“, sagt die 40-jährige Mutter von drei Kindern. Ihr „Erfolgsrezept“? Man muss es locker, fröhlich gestalten und die Kinder dort abholen, wo sie sind. „Ich habe immer eine Idee“ erzählt sie. Die wird dann unter Zuhilfenahme des Internets ausgearbeitet.

Wichtig ist die Einbeziehung der Sechs- bis 13-Jährigen. Vor allem darf es nicht zu ernst zugehen, betont Röger. „Die Kinder lieben es, hinterher zu basteln, Musik zu hören und was zu knabbern“, gehört auch ein Angebot nach der „offiziellen“ Zeit dazu.

Freundschaft, Zusammengehörigkeit, den Kleinen vermitteln, dass jeder einmalig ist: „Die Kinder sind heute anders, sie teilen sich mit“, meint Helga Breidinger. Weshalb es für Claudia Röger auch wesentlich ist zuzuhören und Vertrauen zu schaffen. Die Resonanz bei den Eltern ist sehr positiv: „Die Kids nehmen was mit“, bekommt sie als Rückmeldung. Sie erzählen zuhause vom Gelernten und Erlebten.

Aktuell werden im Sensbachtal 13 Heranwachsende betreut. Eine „enorme Zahl“, freut sich Pfarrer Bahre, wenn man bedenkt, dass es nur 17 Grundschüler gibt. Er hebt hervor, dass sich das Angebot an evangelische und katholische sowie nichtkonfessionelle Kinder richtet. Die 14-jährige Konfirmandin Rebekka Michel „ist quasi reingewachsen“, sagt Helga Breidinger. Sie ist von Anfang an dabei. Die 19-jährige Anja Höhner wurde von Claudia Röger angesprochen.

Pfarrer Bahre rechnet damit, dass die Kirchengemeinde noch in diesem Jahr auf die Unterstützung eines neuen Gemeindepädagogen bauen kann, der das Team dann fachlich begleitet. Zur Hälfte ist der Posten als städtische Jugendpflegerstelle vorgesehen.

Der Verabschiedungsgottesdienst für die beiden scheidenden Betreuerinnen war sehr stimmungsvoll. „Wir sind froh, dass zwei Nachfolgerinnen gefunden wurden und es keinen Stillstand gibt“, sagt der Geistliche. So findet die neue Power aus den vergangenen Jahren ihre Fortsetzung.

Evangelische Kirchengemeinde Beerfelden: Keine Sonntagsgottesdienste bis Pfingsten

„Im Bewusstsein unserer Verantwortung für die Menschen vor Gott und im Bekenntnis zu unserem Herrn Jesus Christus“, wie es Pfarrer Roland Bahre formuliert, hat der Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden angesichts des Coronavirus‘ einige weitreichende Regelungen beschlossen. Die wichtigste: In der gesamten Kirchengemeinde finden voraussichtlich bis Ende Mai, also kurz vor Pfingsten, keine öffentlichen Sonntagsgottesdienste statt.

„Wir haben uns dazu entschlossen, den Zeitraum bis Pfingsten zu wählen, weil wir finden, dass wir es als Kirche den Menschen schuldig sind, einigermaßen Planungssicherheit in dieser chaotischen Zeit zu bieten“, hebt der Pfarrer hervor. Besonderes Augenmerk in dieser Zeit wird auf die Seelsorge gelegt.

Der Geistliche weist darauf hin, dass es im Gegenzug besondere Angebote geben wird. Dazu zählt das „stellvertretende Gebet“ der Pfarrer sonntags in den Kirchen mit der Möglichkeit, das Vaterunser beim Ertönen der Vaterunser-Glocke von zu Hause mitzubeten. Weiterhin können per E-Mail an gebetsanliegen-beerfelden@web.de Gebetsanliegen vorgebracht werden. Im Angebot des „Offenen Ohres“ geht es um die Einzelseelsorge.

Dass die Frohe Botschaft, das Oster-Evangelium, verkündet werden muss, ist unbestritten, betont er. „Dass wir uns nicht zum Gottesdienst feiern treffen können, trifft uns als Kirchengemeinde ins Mark. Für mich als Christen ist das so, als würde man mir die Nahrung entziehen. Deshalb werden wir darüber nachdenken, wie wir Ostern feiern können, auch wenn wir uns nichtöffentlich versammeln.“

Der Konfirmationsgottesdienst am 17. Mai und alle damit verbundenen Gottesdienste finden ebenfalls nicht statt. Neue Termine sind Mitte September. Voraussichtlich wird auch kein Gottesdienst an Christi Himmelfahrt stattfinden.

Für Trauungen werden individuelle Lösungen gefunden, sagt er. Bestattungen finden nur im engsten Familienkreis und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das diesjährige Chorprojekt, das in Konzerten Ende September aufgeführt werden sollte, entfällt. Der Konfirmandenunterricht ist vorerst bis nach den Osterferien abgesagt. Alle weiteren Veranstaltungen sind bis Pfingsten ebenfalls gecancelt.

In den nächsten Wochen sollen die evangelischen Christen über den Gemeindebrief weitere Informationen erhalten. Wenn auch nicht öffentlich, „tritt die Kirche jeden Sonntag vor Gottes Angesicht“, so Bahre. Er und Pfarrer Roger Frohmuth werden in den Kirchen Beerfelden, Sensbachtal und Gammelsbach stellvertretend für die gesamte Gemeinde alleine Fürbitte halten „und vor dem Kreuz zu unserem Gott beten“.

Nach einer halben Stunde wird dem Pfarrer zufolge die Vaterunser-Glocke läuten, die die gesamte Bevölkerung einlädt, miteinander über die Grenzen der Wohnräume hinweg das das Vaterunser zu sprechen. Mindestens die großen Gottesdienste (Karfreitag und Ostersonntag) werden in der Martinskirche in Beerfelden aufgezeichnet und stehen dann auf der Homepage zur Verfügung.

Besondere Gebetsanliegen können Gläubige telefonisch den Pfarrern mitteilen oder ihnen ein Anliegen auf den Anrufbeantworter sprechen. Die sind Tag und Nacht eingeschaltet, um sie spätestens am darauffolgenden Sonntag vor Gott zu bringen. Zusätzlich wird es öffentliche Gebetszeiten in der Martinskirche Beerfelden geben, wenn zum stillen Gebet vor dem Kreuz eingeladen wird. Es besteht hier auch die Möglichkeit, eine Kerze zu entzünden und in einem Gebetsbuch ganz persönliche Gebetsanliegen vorzubringen.

„In dieser Zeit ist in besonderer Weise die Seelsorge gefordert“, hebt der Geistliche hervor. Wer ein persönliches Gespräch wünscht, kann sich telefonisch bei den Pfarrern melden. Das könnte im günstigsten Fall telefonisch stattfinden, um den direkten Kontakt weitgehend zu vermeiden. „Es ist unsere Berufung und unsere heilige Pflicht, für Sie da zu sein und Sie telefonisch oder in Ausnahmefällen auch persönlich zu Hause oder im Krankenhaus aufzusuchen und Sie so zu begleiten“, formuliert es Pfarrer Bahre.

 

 

Info: Notfallseelsorge und Krisenintervention (PSNV) finden in der Kirchengemeinde wie auch im Odenwaldkreis weiterhin statt. Einmal wöchentlich wird zudem die Möglichkeit bestehen, im Betsaal der Martinskirche Beerfelden Pfarrer Roland Bahre auf einen Kaffee zu treffen („Offenes Ohr“). Dieses Vier-Augen-Gespräch ist vertraulich und findet in geeignetem Abstand statt.

Stellvertretendes Gebet: Martinskirche in Beerfelden sonntags von 10 bis 10:30 Uhr mit abschließendem Vaterunser und Segen um 10.30 Uhr. Kirche Sensbachtal sonntags von 11 bis 11.30 Uhr mit Vaterunser und Segen um 11.30 Uhr. Kirche Gammelsbach sonntags von 12 bis 12.30 Uhr mit Vaterunser und Segen um 12.30 Uhr.

Bei Fragen und Unsicherheiten können sich die Gläubigen telefonisch an folgende Personen wenden: Gemeindebüro 06068/1330 (montags bis donnerstags jeweils vormittags), Pfarrer Bahre 06068/478125, Pfarrer Frohmuth 06068/2243, Pfarrerin Borck 06276/912084, E-Mail gebetsanliegen-beerfelden@web.de

Sensbachtal macht weiter gemeinsame Sache

Die drei Gemeinden des Sensbachtals wollen kommunalpolitisch keine getrennten Wege gehen. Der Ortsbeirat beschloss bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, der Stadtverordnetenversammlung zu empfehlen, für die Wahlperiode ab 2021 keine Änderung an der Zusammensetzung vorzunehmen. Somit wird es nach dem kommenden Jahr weiterhin einen gemeinsamen Ortsbeirat für die Stadtteile Ober-Sensbach, Unter-Sensbach und Hebstahl mit sieben Mitgliedern geben.

In der ehemaligen Gemeinde Hesseneck geht es augenscheinlich in die andere Richtung. Grund ist hier dem Vernehmen nach vor allem die finanzielle Benachteiligung der für mehrere Stadtteile zuständigen Ortsbeiräte bei der Verteilung des Budgets. Denn das wird nicht pro Ort, sondern pro Ortsbeirat ausgezahlt, sodass eigentlich größere Ortschaften anteilig um einiges weniger bekommen, als wenn sie pro Dorf abgerechnet würden.

Im Sensbacher Ortsbeirat wurden Bedenken laut, ob man mindestens fünf Kandidaten in jedem Stadtteil finden wird. Dann sonst könnte kein Gremium gebildet werden. Bei einer Änderung müsste die Hauptsatzung spätestens ein Jahr vor Ablauf der Wahlperiode durch die Stadtverordnetenversammlung – mit Zustimmung des Ortsbeirats – geändert werden.

Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann informierte, dass dringende Landschaftspflegemaßnahmen durchzuführen sein. Das betrifft Freizeit- und Feuerlöschteich Ober-Sensbach, Pilz am Hannmichelsbuckel und Panoramaweg im Bereich Scholze Heide/Hermetze. Ortsbeiratsmitglied Herbert Obenauer, gleichzeitig Vorsitzender der NABU-Gruppe, teilte mit, dass seine Gruppe gerne wieder bereit ist, dies zu übernehmen. Dankbar wäre er für weitere freiwillige Helfer. Im Bereich Sitzbänke auf der

Auch an anderer Stelle ging es um die Natur. Dem Ortsbeirat wurden von verschiedener Seite defekte Ruhebänke auf der Gemarkung gemeldet. Der Vorschlag lautete, dass das Gremium über den Geo-Naturpark zehn neue Ruhebänke bestellt. Der auf die Stadt entfallende Eigenanteil soll wieder wie bereits 2019 vom Verein Sensbachtal aktiv übernommen werden, so dass die Kommune lediglich die Arbeiten für das Aufstellen der Bänke übernehmen muss. Verschiedene Wandertafeln des Geoparks sind nicht mehr aktuell und sollen geprüft werden.

Verschiedene Schutzhütten müssen überarbeitet werden (Streichen, Dachinstandsetzung). Herbert Wagner aus Hebstahl brachte sich hier vorbildlich ein, sagte Kuhlmann. Er erklärte auch seine Bereitschaft, weitere Arbeiten mit dem Ortsbeirat zu koordinieren und durchzuführen. Vordringlich sind die Talblickhütte in Ober-Sensbach und die Adam-Schwinn-Hütte in Hebstahl. Die Instandsetzung der Steinhäusel-Hütte sollte für später vorgesehen werden.

Die Sanierung der Sporthalle in Unter-Sensbach brennt den Bürgern auf den Nägeln. Kuhlmann erläuterte, dass am 27. Februar eine öffentliche Sitzung des Bauausschusses stattfinden soll, auf der außerdem Bikepark, GesundheitsVersorgungsZentrum, Bahnhof Hetzbach und die Kindertagesstätten Thema sind. Die Planung der Ausschreibung für die Sporthallensanierung läuft. Die Finanzierung und der zeitliche Ablauf müssten geklärt werden. Sobald Ergebnisse vorliegen, werden der Ortsbeirat und alle weiteren Beteiligten informiert und in das weitere Verfahren mit einbezogen, so seine Aussage.

 

Info: Gemeinsame Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses mit dem Bau-, Umwelt- und Infrastrukturausschuss Donnerstag, 27. Februar, 19.30 Uhr, Bürgerhaus Beerfelden, Bühnensaal

 

Ein eigenes Etikett für jede Kirche

Dieser Wein wird in den jeweiligen Orten besonders gut munden. Seit einem Dreivierteljahr bezieht die evangelische Kirchengemeinde Beerfelden ihre süffigen Tropfen von einem neuen Weinhändler: dem Weingut Beyer-Bähr aus Rheinhessen, das auch alle vier Wochen auf dem Beerfelder Wochenmarkt anzutreffen ist. Spätburgunder und Riesling bekommen nun je nach Ausschankort ein eigenes Etikett mit der jeweiligen Kirche aus Gammelsbach, Unter-Sensbach und Beerfelden.

Den Entwurf dafür gestaltete Uwe Breidinger, das Etikett stellt die Firma Schwinn in Gammelsbach kostenfrei her. Dort fand auch die offizielle Vorstellung des neuen „Outfits“ der 0,75-Liter-Flaschen mit Pfarrer Roger Frohmuth, Kirchenvorstand Raimund Keysser sowie Geschäftsführer Stefan Frey und Seniorenchef Ernst-Ludwig Schwinn statt.

Als Abendsmahlswein sowie als Präsent für Geburtstage, Goldene Hochzeiten und Jubiläen wird das Produkt des Betriebs aus Flörsheim-Dalsheim verwendet, erläuterte Frohmuth. Der Vorteil: Die Kirchengemeinde muss keine großen Mengen horten, sondern kann jeden Monat ihren Bestand wieder auffüllen, wenn das Weingut sowieso in Beerfelden präsent ist.

Seit 2013 gibt es den Kirchenwein, erinnert sich Raimund Keysser. Ein paar Flaschen der früheren Bestände existieren noch, aber es musste Nachschub her. „Wir dachten, das wäre ein schönes Symbol, damit die Kirche repräsentiert wird“, ergänzt er. Außerdem haben die Beschenkten etwas Besonderes mit lokalem Charakter in den Händen. Nach Breidingers Vorlage wird das Etikett in seinen drei Ausfertigungen mit den verschiedenen Gotteshäusern bei Schwinn gefertigt. Die Flaschen lassen sich dann je nach „Einsatz“ bekleben.

Etiketten werden in der alteingesessenen Firma seit 1995 hergestellt, eine Haarzurichterei gibt es bereits seit 1948. Inzwischen ist die dritte Generation im Familienbetrieb mit 15 Beschäftigten am Ruder. „Heutzutage wird sehr viel etikettiert“, freut sich Stefan Frey. Die Gammelsbacher Produkte gehen nach ganz Europa – und jetzt eben auch an die heimische Kirchengemeinde.

Oberzent-Neujahrsempfang: Jugendförderpreis für Singkreis Odenwald

Er sei froh, Bürgermeister in einer Stadt zu sein, „in der so viel geleistet wird“, bekannte Bürgermeister Christian Kehrer beim Neujahrsempfang der Stadt Oberzent in der Alten Turnhalle Beerfelden. Bis die Gäste im gestopft vollen Saal mit einem Glas Sekt aufs neue Jahr anstoßen durften, sollte allerdings einige Zeit vergehen. Denn das umfangreiche, aber auch kurzweilige Programm erforderte Sitzfleisch.

Die neu formierte „Big Band Oberzent“ sorgte für die musikalische Auflockerung zwischen einzelnen Punkten. In ihr haben sich etliche gestandene Männer plus ein Jungspund zusammengefunden, die der Spaß am Musizieren eint. Rauschender Beifall belohnte den Auftritt, der unter anderem ein Glenn-Miller-Medley und ein paar Rockstücke umfasste. Bei diesem Repertoire und den gezeigten musikalischen Fähigkeiten wäre ein eigenes Konzert der nächste logische Schritt.

Von den älteren Semestern zu den Jüngsten: Der Kinderchor des Singkreises Odenwald erhielt aus den Händen von Kehrer und Landrat Frank Matiaske nicht nur den mit 1000 Euro dotierten Jugendförderpreis, sondern eroberte mit zwei Stücken auch die Herzen der Zuhörer. Unter der Leitung von Melanie De Meo wurden bei „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ Schneebälle übers Publikum ausgeschüttet.

Matiaske nahm es mit Humor, dass er direkt nach dem schwungvollen Auftritt der Big Band ans Mikro trat. „Viele hätten gerne eine heiße Sohle auf Parkett legen wollen und jetzt kommt das Grußwort des Landrats“, schmunzelte er. „Von deinen Kindern lernst du mehr als sie von dir. Sie lernen eine Welt von dir, die nicht mehr ist, du lernst von ihnen eine, die nun wird und gilt“, stellte er ein Bonmot von Friedrich Rückert in den Mittelpunkt.

„Die Jugend ist unsere Zukunft“, führte Matiaske in sein Lieblingsthema ein, den demographischen Wandel. Angesichts von schrumpfenden Dörfern auf dem Land sah er eine Beschäftigung damit als brennender denn je an. Der Landrat zeigte sich den vielen Vereinen gegenüber dankbar, die Kindern im Odenwald eine gute Jugend bieten. Damit wird seinen Worten zufolge eine wichtige Basis geschaffen, damit diese nach Ausbildung und Studium in der Ferne wieder in die Heimat zurückkehren.

Bisher auf Beerfelden beschränkt, kann der Jugendförderpreis seit der Fusion an Vereine in ganz Oberzent ausgeschüttet werden, informierte Kehrer. Ohne die Vereine ist für ihn die gemeinsame Stadt nicht vorstellbar. „Es ist einiges geboten in 19 Stadtteilen“, sagte der Bürgermeister. Er rief die Bürger auf, den gemeinsam begonnenen Weg weiter zu beschreiten. Beifall bekam Kehrer für seinen Appell, „nicht zu meckern, sondern rauszugehen“, den er im Zusammenhang mit den weniger werdenden Gaststätten an die Zuschauer richtete.

In seinem Jahresrückblick griff das Stadtoberhaupt einige prägnante Ereignisse von 2019 heraus. Natürlich dabei: die Musiknacht, bei der der Rathaus-Innenhof mangels der Masse an Kneipen „zur Partyzone wurde“. Oder Sportlerehrung, Zirkuswochen und Pferdemarkt, um nur einige zur nennen. Als Highlight nannte Kehrer den Seniorennachmittag, der hunderte von älteren Mitbürgern in die Walter-Heckmann-Halle führte, wo sie Tommy Steiner und Bata Illic lauschten.

Nicht nur in diesem Zusammenhang stellte er sein Rathausteam heraus, „das nicht auf die Uhr schaut“ und viele Veranstaltungen wie auch den Neujahrsempfang ehrenamtlich begleitet. OREG, Wirtschaftsförderung, Gewerbegebiet Zieglersfeld, Oberzent-Schule oder Revive Oberzent waren weitere erwähnte Punkte.

Grußworte richtete neben der Verleihung von Dankpräsenten Stadtverordnetenvorsteher Claus Weyrauch an die Gäste. Vor der Preisverleihung des Taschen-Gewinnspiels gab es einen eindrucksvollen Vortrag von Silke Naun-Bates. Sie sieht sich nach ihren schweren Unfall im Kindesalter, nach dem ihr beide Beine amputiert werden mussten, als „Botschafterin“ des Glücks, der Freiheit und des Friedens. Die in Bad Rappenau wohnende will Menschen Mut und Hoffnung schenken.

Verzögert sich die Sporthallen-Sanierung?

Im früheren Sensbachtal gibt es die Befürchtung, dass sich die Sanierung der Sporthalle in Unter-Sensbach noch länger auf sich warten lässt. Bereits vor der Fusion hatte es entsprechende Planungen gegeben, die von der Stadt Oberzent übernommen wurden. Allerdings hat diese derzeit kein Geld. Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann nannte nun Irritationen darüber, ob die Arbeiten wie zugesagt im Anschluss an die Fastnachtskampagne 2020 durchgeführt werden.

Die bisherige Behandlung dieses Themas durch die Stadt Oberzent lässt laut Kuhlmann befürchten, „dass die gemachten Zusagen nicht eingehalten werden“. Er zitierte einen Aktenvermerk der im Mai in der Sporthalle stattgefundenen Besprechung. Dem Vorstand des TSV Sensbachtal wurde demnach von Bürgermeister Christian Kehrer zugesichert, dass mit den Arbeiten im kommenden Jahr direkt nach der Fastnacht begonnen werden soll. Denn die Maßnahme muss 2020 abgeschlossen werden, damit die bewilligten Zuschüsse nicht verfallen.

Auf Anfrage des Ortsvorstehers teilte der Bürgermeister mit, dass die Verwaltung derzeit prüft, inwieweit (lediglich) Teile der Baumaßnahme vor dem 31. Dezember 2020 abgeschlossen und abgerechnet werden können, berichtete Kuhlmann nun dem Gremium. Allerdings hätten weder Architektur- noch Ingenieurbüro bisher einen Auftrag von der Stadt erhalten.

In Anbetracht der langen Vorlaufzeit, „in der offenbar nichts passiert ist“, stößt diese Aussage auf Unverständnis, sagte Kuhlmann. Die Sporthalle in Unter-Sensbach ist der Ortsmittelpunkt schlechthin für alle Bürger und insbesondere für die Vereine, betonte er. Eine abschnittsweise Sanierung ist wegen der längeren Bauzeit und den mehrfach notwendigen Schließungen der Halle „nicht hinnehmbar“, hob er hervor. Sie stoße auf den entschiedenen Widerspruch des Ortsbeirates und der Ortsvereine.

Zu klären ist dem Ortsvorsteher zufolge weiterhin durch die Stadt, inwieweit sich der Odenwaldkreis als Schulträger an der Finanzierung der nur für den Schulsport erforderlichen Prallwand (geschätzte Kosten etwa 40.000 Euro) beteiligt. Mit einer weiteren Aussage war der Ortsbeirat ebenfalls nicht einverstanden: Der Verbindungsweg Reußenkreuz-Bullau bleibt gesperrt. Auf Antrag wurden bisher 25 gebührenfreie Genehmigungen erteilt, lautete die Auskunft der Stadtverwaltung.

Kuhlmann informierte, dass die Deutsche Telekom die Verbesserung des Mobilfunks im Ittertal plant und um Vorschläge für einen Standort zur Errichtung einer Mobilfunkanlage bittet. Vom Ortsbeirat Sensbachtal wurde bereits an die Stadtverwaltung weitergegeben, dass sich Standorte auf badischer Seite besser anbieten, da es dort größere Staatswaldflächen gibt.

Schon seit mehreren Monaten wird die Brücke über die B 45 am ehemaligen Gasthaus „Spitzenwirt“ von Hessen Mobil saniert, kam zur Sprache. Die Straße bildet die direkte Verbindung zur Kernstadt Beerfelden. „Die ursprünglich genannte Bauzeit ist weit überschritten“, ärgerte man sich auf der Sitzung. Eine definitive Aussage zur Fertigstellung wurde auf Anfrage nicht erteilt, so Kuhlmann. Die Homepage von Hessen Mobil nenne ein Ende der Baumaßnahme bis zum 31. Dezember.

Der Ortsvorsteher gab bekannt, dass der Winterdienst künftig komplett vom Bauhof der Stadt durchgeführt wird. Ein örtlicher Landwirt sei mit seinem Angebot nicht zum Zug gekommen. Es tauchte die Frage auf, ob der Bauhof auch den etwa 1,6 Kilometer langen Fußweg entlang der L 3120 ab der Grenze von Unter-Sensbach in nördlicher Richtung bis zur Einmündung der K 39 räumt oder ob hierfür der Landwirt zuständig bleibt.

Den Bürgern etwas zurückgeben

Wer kann von sich schon behaupten, von einem früheren Bürgermeister durch die Gegend kutschiert zu werden? Ab kommendem Frühjahr kommen die Sensbachtaler in diesen Genuss. Denn das ehemalige Gemeindeoberhaupt Egon Scheuermann sitzt dann – abwechselnd mit anderen Ehrenamtlichen – am Steuer des Vereinsbusses der Generationenhilfe Oberzent. Der verbindet an einem Tag in der Woche Ober- und Unter-Sensbach sowie Hebstahl mit der Kernstadt Beerfelden.

Aus seiner beruflichen Erfahrung weiß Scheuermann, lange Jahre Erster Beigeordneter, dann zehn Jahre Bürgermeister, dass die Mobilität im ländlichen Raum ein schwieriges Thema ist. Die Grundversorgung mit Schul- und Rufbus ist das höchste der Gefühle, schätzt er. Viel mehr kommt nicht dazu, denkt Scheuermann – mal „Garantiert mobil“ außen vor gelassen. Hier vermisst er aber die persönliche Komponente.

Der Sensbacher findet es gut, dass nicht gewartet wird, bis andere etwas tun, sondern in diesem Fall die Generationenhilfe selbst die Initiative ergreift. Mit Unterstützung von „Echo hilft“ kann der Vereinsbus im kommenden Frühjahr auf den Weg gebracht werden. An zwei weiteren Tagen in der Woche werden außerdem das Finkenbachtal sowie Falken-Gesäß, Airlenbach und Olfen angedient.

Scheuermann verspricht sich neben einer besseren Anbindung ans Zentrum auch eine Stärkung der Kernstadt. Er hofft auf ein erfolgreiches Zusammenwachsen und größeres Zusammengehörigkeitsgefühl von Oberzent, wenn die Satelliten in den anderen Tälern einen stärkeren Bezug zu Beerfelden entwickeln.

„Die Bürger werden von Leuten gefahren, die sie meist persönlich kennen dürften“, nennt er einen Pluspunkt. Der ehemalige Bürgermeister kann sich vorstellen, dass dies die Hemmschwelle für eine Nutzung senkt. „Man kann sich austauschen und unterhalten über die Dinge, die im Ort passieren“, schildert er die Vorzüge. Mit seinem Bekanntheitsgrad will er das Vertrauen gerade der älteren Mitbürger gewinnen, das Angebot zu nutzen.

Für Scheuermann ist seine Tätigkeit daneben auch ein gewisses Geben und Nehmen. Als Beigeordneter und Bürgermeister „habe ich vom Ehrenamt profitiert“, erklärt er. Jetzt möchte er als Fahrer „auch etwas davon an die Bürger zurückgeben, solange es mir möglich ist“, kokettiert der 59-Jährige mit seinem Alter.

Die Mobilität ist ein ganz zentrales Thema in den kleinen Dörfern, betont der Präses des evangelischen Dekanats Odenwald. Deshalb macht es für ihn Sinn, dass die Haltepunkte nicht auf die öffentlichen Haltestellen beschränkt werden, sondern der Bürgerbus auch entlegenere Orte wie etwa Salmshütte bedienen kann. „Damit wir sind wir näher an den Bürgern“, hebt der Alt-Bürgermeister hervor.

Gerade Ältere tun sich leichter mit einem festen Fahrplan, denkt er. Das erleichtert die Planbarkeit, wenn es dann etwa um Arzttermine geht. Den Bedarf sieht er daneben auch bei Fahrten zu den Einkaufsmärkten. Scheuermann hofft, damit der allgemeinen Abwärtsspirale auf dem Land etwas entgegenwirken zu können. Ihm geht es darum, als gutes Beispiel voranzugehen oder in diesem Fall voranzufahren, damit andere auf den Zug aufspringen.

In den drei Orten des früheren Sensbachtals gibt es seiner Beobachtung nach derzeit noch viele Mehrgenerationenhäuser, in denen weiterhin jemand Jüngeres aus der Familie wohnt und damit die Senioren unterstützt. Man hilft sich. Verwandt- und Nachbarschaft sprechen sich ab, wenn es Erledigungen gibt: „Ich fahre dahin, soll ich was mitbringen?“ Denn im Tal gibt es weder Ärzte noch einen Nahversorger. Nur zwei Bäcker halten mit ihren Verkaufswagen. Für mehr bleibt nur der Weg nach Eberbach oder Beerfelden.