Den Bürgern etwas zurückgeben

Wer kann von sich schon behaupten, von einem früheren Bürgermeister durch die Gegend kutschiert zu werden? Ab kommendem Frühjahr kommen die Sensbachtaler in diesen Genuss. Denn das ehemalige Gemeindeoberhaupt Egon Scheuermann sitzt dann – abwechselnd mit anderen Ehrenamtlichen – am Steuer des Vereinsbusses der Generationenhilfe Oberzent. Der verbindet an einem Tag in der Woche Ober- und Unter-Sensbach sowie Hebstahl mit der Kernstadt Beerfelden.

Aus seiner beruflichen Erfahrung weiß Scheuermann, lange Jahre Erster Beigeordneter, dann zehn Jahre Bürgermeister, dass die Mobilität im ländlichen Raum ein schwieriges Thema ist. Die Grundversorgung mit Schul- und Rufbus ist das höchste der Gefühle, schätzt er. Viel mehr kommt nicht dazu, denkt Scheuermann – mal „Garantiert mobil“ außen vor gelassen. Hier vermisst er aber die persönliche Komponente.

Der Sensbacher findet es gut, dass nicht gewartet wird, bis andere etwas tun, sondern in diesem Fall die Generationenhilfe selbst die Initiative ergreift. Mit Unterstützung von „Echo hilft“ kann der Vereinsbus im kommenden Frühjahr auf den Weg gebracht werden. An zwei weiteren Tagen in der Woche werden außerdem das Finkenbachtal sowie Falken-Gesäß, Airlenbach und Olfen angedient.

Scheuermann verspricht sich neben einer besseren Anbindung ans Zentrum auch eine Stärkung der Kernstadt. Er hofft auf ein erfolgreiches Zusammenwachsen und größeres Zusammengehörigkeitsgefühl von Oberzent, wenn die Satelliten in den anderen Tälern einen stärkeren Bezug zu Beerfelden entwickeln.

„Die Bürger werden von Leuten gefahren, die sie meist persönlich kennen dürften“, nennt er einen Pluspunkt. Der ehemalige Bürgermeister kann sich vorstellen, dass dies die Hemmschwelle für eine Nutzung senkt. „Man kann sich austauschen und unterhalten über die Dinge, die im Ort passieren“, schildert er die Vorzüge. Mit seinem Bekanntheitsgrad will er das Vertrauen gerade der älteren Mitbürger gewinnen, das Angebot zu nutzen.

Für Scheuermann ist seine Tätigkeit daneben auch ein gewisses Geben und Nehmen. Als Beigeordneter und Bürgermeister „habe ich vom Ehrenamt profitiert“, erklärt er. Jetzt möchte er als Fahrer „auch etwas davon an die Bürger zurückgeben, solange es mir möglich ist“, kokettiert der 59-Jährige mit seinem Alter.

Die Mobilität ist ein ganz zentrales Thema in den kleinen Dörfern, betont der Präses des evangelischen Dekanats Odenwald. Deshalb macht es für ihn Sinn, dass die Haltepunkte nicht auf die öffentlichen Haltestellen beschränkt werden, sondern der Bürgerbus auch entlegenere Orte wie etwa Salmshütte bedienen kann. „Damit wir sind wir näher an den Bürgern“, hebt der Alt-Bürgermeister hervor.

Gerade Ältere tun sich leichter mit einem festen Fahrplan, denkt er. Das erleichtert die Planbarkeit, wenn es dann etwa um Arzttermine geht. Den Bedarf sieht er daneben auch bei Fahrten zu den Einkaufsmärkten. Scheuermann hofft, damit der allgemeinen Abwärtsspirale auf dem Land etwas entgegenwirken zu können. Ihm geht es darum, als gutes Beispiel voranzugehen oder in diesem Fall voranzufahren, damit andere auf den Zug aufspringen.

In den drei Orten des früheren Sensbachtals gibt es seiner Beobachtung nach derzeit noch viele Mehrgenerationenhäuser, in denen weiterhin jemand Jüngeres aus der Familie wohnt und damit die Senioren unterstützt. Man hilft sich. Verwandt- und Nachbarschaft sprechen sich ab, wenn es Erledigungen gibt: „Ich fahre dahin, soll ich was mitbringen?“ Denn im Tal gibt es weder Ärzte noch einen Nahversorger. Nur zwei Bäcker halten mit ihren Verkaufswagen. Für mehr bleibt nur der Weg nach Eberbach oder Beerfelden.

Forstamt greift Waldbesitzern unter die Arme

Es waren keine freudigen Nachrichten, die die Mitarbeiter des Forstamts Beerfelden für die Privatwaldbesitzer im Sensbachtal mitgebracht hatten. Sebastian Vocilka und Gudrun Kranhold informierten in der „Krone“ über den aktuellen Stand in Sachen Käferholz-Problematik. „Wir empfehlen, derzeit kein Holz zu machen“, so Vocilka. Denn der Preis ist bereits im Keller – mit sinkender Tendenz. Waren vor zwei Jahren noch 70 bis 80 Euro pro Festmeter Fichte zu erreichen, sind es derzeit nur um die 30.

Es sind nicht nur die vom Buchdrucker befallenen Fichten vom Preisrutsch betroffen. Aber allein von diesen gibt es 60.000 Festmeter im Bereich des Forstamts Beerfelden, zum dem neben Oberzent auch das Neckartal und der Überwald gehören – normalerweise ein kompletter Jahreseinschlag. Da bei einem Sommersturm in der Dieburger Gegend etliche Eichen umfielen, sind auch mit diesen die Sägewerke voll, erläuterte der Forstmann. Daneben hat die Buche „vielfältige Schäden“.

Allenfalls die Douglasie kommt seinen Worten nach für eine Verwertung in Frage. Aber selbst das „sollte ein bis zwei Monate im Vorfeld mit dem zuständigen Förster besprochen worden“, riet Vocilka. Wo besonders dichter Fichtenbewuchs ist, sind die Schäden besonders hoch, erläuterte er. Etwa im Sensbachtal, aber auch bei Langenthal oder Schönbrunn bei Unter-Schönmattenwag.

„Die Waldbesitzer sollen aufmerksam die Lage beobachten und früh handeln“, raten die Forstleute. Braunes Bohrmehl und ein grüner Nadelteppich auf dem Boden oder eine lichte Krone können Anzeichen für befallene Bäume sein. „Wenn der Specht verstärkt drangeht, ist der Befall schon fortgeschritten“, weiß Vocilka. Das Forstamt nutzt für eine effektive, rechtzeitige Käferholz-Beseitigung auch moderne Hilfsmittel wie die geographische Erfassung vor Ort mit der Borkenkäfer-App auf dem Smartphone, erzählte er.

Um den gebeutelten Waldbesitzern etwas unter die Arme zu greifen, wurde zusammen mit dem Forstamt Michelstadt eine Fördermöglichkeit erarbeitet, um eine gemeinsame Richtlinie für den kompletten Odenwaldkreis parat zu haben. Die gilt sowohl für Privat- als auch Kommunalwald-Eigentümer. „Wir wollen Unterstützung bei der Holz-Aufarbeitung bieten“, sagte Kranhold.

Die Soforthilfe aus dem Landesprogramm fließt rückwirkend bei Maßnahmen, mit denen Holz nach dem 1. Januar 2019 aus dem Wald geschafft wurde. „Nachweise und Belege müssen vorhanden sein, wann es ins Sägewerk kam“, nennt Kranhold als Voraussetzung. Den einfachen Satz von 4,80 Euro pro Festmeter Schadholz gibt’s bei Laub- und Nadelholz-Entnahmen aus der Fläche und der Lagerung am Wegesrand.

Der erhöhte Satz von zehn Euro wird gezahlt, wenn es sich um Maßnahmen „zur Bekämpfung von Schadorganismen durch Auffinden und Aufarbeitung von befallenem Holz handelt“. Zusätzlich förderfähig ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zur Käferbekämpfung, aber nur zwischen Januar und Ende September 2019. „Normalerweise soll der Gifteinsatz im Wald unterbleiben“, ergänzte Vocilka.

Bei den anderen Fördergeldern müssen die Waldbesitzer der Forstfrau zufolge keine Angst haben, dass sie ausgehen. Denn das Programm läuft bis 2024. Wer es in diesem Jahr nicht mehr schafft, alles beim zuständigen Forstamt zu melden, kommt in die nächste Förderrunde 2020. Grundsätzlich will Kranhold aber versuchen, bis Mitte Januar die Sammelanträge ans Regierungspräsidium weiterzuleiten. Da Einzelanträge im Privatwaldbereich die Mindestsumme von 1000 Euro erreichen müssen, werden sie über die Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald zusammengefasst.

Der heiße Sommer 2018, verbunden mit ein paar Stürmen im vergangenen Jahr, bildete so etwas wie die Initialzündung für die jetzige Misere. Der folgende Winter war mild und trocken, das Frühjahr 2019 brachte ebenfalls wieder zu wenig Wasser. Was dann im Sommer und vor allem im Herbst an Feuchtigkeit vom Himmel kam, war zu spät dran und in unzureichender Menge, so die Forstleute. Denn die Bäume „gingen ohne Wasserreserven in dem Sommer“.

 

Info: Waldbesitzer sollen sich für die Förderanträge beim zuständigen Revierförster melden.

Gespräch mit dem Fürsten wegen der Straße

Gibt es bei der festgefahrenen, gesperrten Strecke zwischen Reußenkreuz und Bullau jetzt langsam Bewegung? Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann teilte auf der vergangenen Ortsbeiratssitzung im Gemeindezentrum mit, dass er zusammen mit dem CDU-Stadtverordneten Oliver von Falkenburg wegen der Ortsverbindungsstraße ein Gespräch mit Graf Louis zu Erbach-Fürstenau führte. Eine Stellungnahme der Erbach-Fürstenauischen Verwaltung mit dem damaligen Auseinandersetzungsvertrag liege inzwischen der Stadtverwaltung vor, so die Auskunft.

Thema der Zusammenkunft war auch der Hebstahler Friedhof. Dort sind die Plätze für Urnengräber inzwischen weitgehend belegt, informierte Kuhlmann. Daher soll in Richtung Tal ein weiteres Urnenfeld mit etwa 24 Grabstellen für jeweils zwei Urnen angelegt werden. Die Planung dafür machte schon vor einigen Jahren das Büro Bretschneider aus Wald-Michelbach. Bauamtschef Gerd Köppel und Bestatter Erik Sauer sahen sich die Örtlichkeiten an, lautete seine Mitteilung.

Zunächst müssen etwa zwei Lkw-Ladungen Erde angefahren werden. Es sei davon auszugehen, dass dadurch der bereits jetzt schadhafte Plattenbelag um die Friedhofshalle weiter in Mitleidenschaft gezogen wird, berichtete Kuhlmann. Der Ortsbeirat drängt daher darauf, dass die Erneuerung des Umfelds zeitig im kommenden Frühjahr erfolgt. Als Belag ist laut Stadtbauamt graues Rechteckpflaster vorgesehen. An Kosten wurden ungefähr 20.000 Euro ermittelt.

Der Ortsbeirat ging bislang mit seinen Budgetmitteln sehr sparsam um. Diese stehen in diesem Jahr noch in voller Höhe von 1968 Euro zur Verfügung. Tobias Leiß schlug vor, zwei sogenannte Waldsofas anzuschaffen, wie sie auch in Ober-Hainbrunn geplant sind. Als Standorte wurden die Talblickhütte in Ober-Sensbach sowie der Platz vor dem Hochbehälter Unter-Sensbach oder am Pilz am Krappenbüschel festgelegt.

Die an der Talblickhütte wegfallende Ruhebank soll am Weg in der Nähe des Ehrenmals Hebstahl aufgestellt werden, so der Vorschlag. Bereits 2019 wurden vom Verein Sensbachtal aktiv über den Geo-Naturpark zwölf Ruhebänke und zwei Tische angeschafft. Diese haben zwischenzeitlich ihren Platz gefunden. Bis zum Frühjahr 2020 soll über die Stadtverwaltung der Wunsch an den Geo-Naturpark nach weiteren Bänken abgegeben werden, hieß es.

Weitere Verschönerungsmaßnahmen auf der Gemarkung sin ebenfalls im Gespräch, so Kuhlmann. Hierzu zählt unter anderem das Blühwiesenprojekt, das man in Rücksprache mit dem Straßenbauamt entlang der L 3120 am „Wäldchen“, der „Holzplatzkurve“ im Leonhardsgrund und/oder am Häuselsbrunnen umsetzen könnte. Die eigenen Budgetmittel sollen nicht zur Finanzierung des geplanten Geländers am Dorfgemeinschaftshaus (DGH) Hebstahl verwendet werden, beschloss der Ortsbeirat. Denn inzwischen hat der Oberzent-Magistrat das Angebot einer Fachfirma angefordert.

Der Gemarkungsrundgang soll am Sonntag, 13. Oktober, in Hebstahl stattfinden, berichtete der Ortsvorsteher. Er wird durch Thomas Henrich und Herbert Obenauer organisiert. Start ist um 9 Uhr am DGH, wo auch der Abschluss stattfindet. Der Ortsbeirat will sich Bürgern gegenüber, die mit Blumenschmuck für die Ortsverschönerung sorgen, erkenntlich zeigen und diesen Einkaufsgutscheine zukommen lassen, erläuterte er außerdem.

Oberzent macht (Hessen-)Kasse

Einen fetten Scheck hatte jetzt Staatssekretär Thomas Metz im Gepäck, als er in die Alte Turnhalle kam. Nämlich sechs Zuwendungsbescheide mit Geldern aus der Hessenkasse, wovon insgesamt 2,6 Millionen auf die Stadt Oberzent entfallen. Geld aber, das ihr laut dem entsprechenden Gesetz sowieso zusteht, ohne dass es eigentlich einer besonderen Übergabe bedarf. Papier für Maßnahmen von knapp 300.000 Euro durfte Bürgermeister Christian Kehrer nun symbolisch entgegennehmen. Zehn Prozent davon muss die Stadt allein stemmen, kann dafür aber auf günstige Finanzierung zurückgreifen.

Für den Austausch der Toranlage am Feuerwehrhaus Beerfelden sind 80.000 Euro vorgesehen. Die ist inzwischen in die Jahre gekommen und versieht ihren Dienst nicht mehr so wie nötig. Die Neuausstattung der Sporthalle Rothenberg mit Mobiliar ist ein weiterer Posten. Hier stehen 48.000 Euro auf der Liste für Stühle, Tische und Sitzbänke mit Garderobenleiste, wie üblich mit zehn Prozent Eigenbeteiligung. Laut Stadtbaumeister Peter Bauer ist die beschränkte Ausschreibung hierfür in Vorbereitung.

Die Erneuerung der Elektroinstallation am Campingplatzes Hetzbach schlägt mit 50.000 Euro zu Buche. Hier wird die Verkabelung zu den einzelnen Verteilerkästen erneuert. Der bisherige Stand „entspricht nicht mehr den aktuellen VDE-Vorschriften“, so Bauer. Der Tennenplatz in der Stried wird immer stark beansprucht, wenn dort der Pferdemarkt stattfindet. Die Aussteller nutzen ihn als Parkfläche für ihre Fahrzeuge. „Auf Dauer verträgt der die Belastung nicht“, erläuterte Bauer. Deshalb wird jetzt die Deckschicht für 35.000 Euro erneuert.

Beim Sportplatz Airlenbach ging die Stadt in Vorleistung. Denn die Sanierung der Zufahrt und der Neubau von Parkflächen sollte fertig sein, bevor dort der SVA sein 50-jähriges Bestehen feiert – was auch funktionierte. 62.000 Euro kostet die Maßnahme, die im Vorfeld mit dem Ortsbeirat abgestimmt wurde. „Die sagten, was benötigt wird“, schmunzelte der Stadtbaumeister.

An der Alten Turnhalle in Beerfelden von 1908 nagt der Zahn der Zeit. Im Fachwerk wurde marodes Holz und Fäulnis festgestellt, was durch eine Fachfirma ausgebessert werden soll. Bauer kann sich nicht erinnern, dass überhaupt schon einmal eine Sanierung des Holzfachwerks erfolgte. „Früher gab’s mal ein neues Dach und einen neuen Verputz“, meinte er. Deshalb ist es an der Zeit, „dass was gemacht wird“.

Die Denkmalschutzbehörde ist bei der Maßnahme ebenfalls mit im Boot. Dazu wird es einen Vor-Ort-Termin geben. Von den eingeplanten 22.500 Euro sind 7500 Euro für den Austausch der Saalbeleuchtung in LED vorgesehen. Die bisherigen Lampen von 2001 sind zum einen Stromfresser, zum anderen nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik. Laut Bauer kümmert sich die Entega um die Überprüfung und macht einen Vorschlag zur Ausführung.

Feuerwehrhäuser sind teilweise „Ruinen“

Es ist ein wenig, wie wenn Sisyphos und Herkules aufeinandertreffen: Der Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Freiwillige Feuerwehr Oberzent enthält zahlreiche Details, ist aber in seiner Abarbeitung einer Mammutaufgabe, für die die Stadt eine große Summe Geld in die Hand nehmen muss. Der kombinierte Bau- und Finanzausschuss befasste sich nun mit dem Thema, weil der Sperrvermerk für die Anschaffung von verschiedenen Feuerwehr-Fahrzeugen aufgehoben werden sollte.

Stadtbrandinspektor (StBI) Marco Johe stellte dem Gremium in einer sehr detailreichen, zeitintensiven Präsentation die wichtigsten Details des umfangreichen und von ihm weiter ausgearbeiteten Werks vor, wie er es bereits ähnlich im März dargelegt hatte. 117 Quadratkilometer Waldgebiet, fünf Kindergärten, fünf Schulen und drei Altersheime, dazu noch Bundesstraße und Bahnstrecke, bilden die wichtigsten Rahmendaten.

Immer noch, erläuterte er, „ist die Löschwasserversorgung in manchen Straßen und Stadtteilen kritisch“. Die Tageseinsatzstärke in den einzelnen Stadtteilen ist laut Johe „sehr gering“. Deshalb wird grundsätzlich auch immer die Beerfeldener Wehr mit alarmiert, weil dort der Personalbestand unter Tag weiterhin gut ist.

Die verschiedenen Wehren nennen noch eine Vielzahl von älteren bis alten Fahrzeugen ihr Eigen. Konkret ging es jetzt um Tanklöschfahrzeuge (TSF) aus Airlenbach, Gammelsbach und Falken-Gesäß, alle über 25 Jahre alt. Sie sollen neuen TSF mit dem Zusatz Wasser weichen. Diese haben jeweils einen 1000-Liter-Tank an Bord.

„Das kompensiert dann auch die geringe Tageseinsatzstärkte“, erläuterte Johe. Denn wenn das Wasser schon an Bord ist, braucht man weniger Leute, um es an den Einsatzort zu bringen. Für jedes Fahrzeug stehen 70.000 Euro im Haushalt, die von den Mandatsträgern als Empfehlung für die am 28. August tagende Stadtverordnetenversammlung freigegeben wurden.

Ungleich teurer wird der Ersatz fürs Löschfahrzeug 8/6, der kommendes Jahr ansteht. Im Hinblick auf den großen Waldbestand schwebt Johe hierfür ein sogenanntes TLF 4000 vor, also eines mit 4000-Liter-Tank. Im Odenwaldkreis werden drei Geschosse dieser Art gefördert, Oberzent soll eines davon bekommen. Gefördert ist aber relativ: Die Stadt bekäme 40 Prozent von 250.000 Euro wieder, aber die eigentlichen Kosten belaufen sich auf 350.000 Euro.

In vielen Feuerwehrhäusern gibt es Handlungsbedarf. Denn die Umkleide ist oft noch in der Fahrzeughalle angesiedelt und nicht nach Männlein und Weiblein getrennt. Es fehlt die Heizung, es zieht wie Hechtsuppe oder es ist feucht. Der technische Prüfdienst macht jetzt Druck, so Johe. Nachdem es jahrelang Versäumnisse bei der Aufarbeitung gab, ist seitens der Prüfer Schluss mit lustig. Vieles davon, ergänzte Bürgermeister Christian Kehrer, „ist nicht neu, wurde aber früher nicht umgesetzt“. Ein „Weiter so“ werde von der Unfallkasse nicht mehr toleriert.

Mit als Erstes ist das Gebäude in Airlenbach an der Reihe. Das hat auch mit dem neuen Fahrzeug zu tun, das nicht mehr ins bisherige Haus passt. Hier will man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: einen Anbau fürs TLF-W schaffen und gleichzeitig die aktuelle Garage zur Umkleide umfunktionieren. Kosten: etwa 175.000 Euro.

Johe prognostizierte generell einen hohen Investitionsbedarf: „Das sind teilweise Ruinen“, zeichnete er ein drastisches Bild. Etwa die drei Gebäude des ehemaligen Hessenecks: Hessel-, Schöllen- und Kalibachs Feuerwehrgerätehäuser „sind allesamt renovierungsbedürftig“. Sie sollen 2021 drankommen. Ganz besonders schlimm ist die Situation in Schöllenbaqch: „Dunkel wie im Keller, ohne Heizung, Dach undicht, Tore defekt“, beschrieb der StBi die unhaltbare Situation.

Ebenfalls nicht mehr halten lassen sich die beiden Atemschutzwerkstätten und Berfelden und Rothenberg. Sie sollen einer neuen in Beerfelden weichen, die dann zentral für Oberzent tätig sein wird. „Wir wollen mit den Geräten ausrücken, die wir selbst geprüft haben“, hob Johe hervor. Kosten hier: mindestens 170.000 bis 180.000 Euro.

 

Oberzent-Feuerwehr in Zahlen

–              15 Stadtteilwehren, 16 Standorte (Unter- und Ober-Sensbach bilden eine gemeinsame Einsatzabteilung, haben aber jeweils noch ein Feuerwehrhaus) bei 19 Statteilen und 165 Quadratkilometer Fläche

–              204 Einsätze im Jahr 2018, davon Beerfelden 107 (weil die dortige Wehr wegen ihrer Tageseinsatzstärke in der Regel immer mitalarmiert wird)

–              450 Mitglieder in der Einsatzabteilung, davon Beerfelden 68, Rothenberg 53

–              Drei Kindergruppen mit 36 Unter-Zehnjährigen

–              15 Jugendfeuerwehren mit 145 Angehören

–              169 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung

–              54 Mitglieder in zwei Musikzügen (Schöllenbach und Beerfelden)

„Ortsverbindungsstraße“ ist immer für einen Aufreger gut

. „Ortsverbindungsstraße“ Reußenkreuz-Bullau hieß der Tagesordnungspunkt auf der vergangenen Sitzung des Ortsbeirats Sensbachtal. „Für uns ist das eine“, betonte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. Deshalb wählte man den Begriff bewusst. Im Gegensatz zur Meinung der Stadtverwaltung, die in dieser Strecke „nur“ einen Waldweg sieht, beharren die Sensbachtaler auf ihrer verbindenden Funktion Richtung Gebhardshütte und Bullau.

Die Straße war im vergangenen Jahr für den allgemeinen Verkehr gesperrt worden, der Ortsbeirat will sich damit aber nicht abfinden. Deshalb fand sie auch wieder den Weg auf die Tagesordnung. Zurecht, wie sich herausstellte. Denn das Gutachten des hessischen Städte- und Gemeindebundes, vor längerer Zeit von der Verwaltung angefordert, liegt dort inzwischen vor, erfuhren die Mandatsträger.

Was gleich nochmal zu Unzufriedenheit führte, dass man darüber nicht schon vorher informiert worden war. Das hatte damit zu tun, so die Auskunft, dass noch eine Stellungnahme des Grafenhauses fehlt, in dessen Besitz die Straße war, bevor sie die frühere Gemeinde Sensbachtal übernahm. Die alten Akten, so Kuhlmann, sind nicht eindeutig. Ein Status in früheren Zeiten lässt sich daraus nicht zweifelsfrei herauslesen.

Ähnlich langwierig gestaltet sich auch die geplante Sanierung der Sporthalle in Unter-Sensbach. Die war schon in der ehemals selbständigen Gemeinde angedacht und quasi in trockenen Tüchern. Doch wollte man damals der Fusion nicht vorgreifen. Hätte man nur: Denn die Kosten sind in den vergangenen beiden Jahren steil nach oben gegangen. 450.000 Euro waren veranschlagt. Inzwischen rechnet man mit einer Steigerung um 20 Prozent, erfuhr der Ortsbeirat, plus noch bestimmte Posten, die zuerst nicht auf der Rechnung waren.

Dem Ortsbeirat ist trotzdem daran gelegen, endlich in die Gänge zu kommen. Denn ein Drittel der Maßnahme wird über Fördermittel finanziert, die laut Kuhlmanns Kenntnisstand bis Ende 2020 abgerufen werden müssen. Daneben ist die 50 Jahre alte Halle quasi noch im Originalzustand. Energetisch muss dringend nachgebessert werden, auch die Sanitäranlagen bedürfen einer Auffrischung.

Auf knapp 2000 Euro beläuft sich das Budget des Ortsbeirats. Gäbe es nicht nur eines für alle drei Gemeinden des Sensbachtals zusammen, sondern drei Budgets für jede, „dann hätten wir die doppelten Mittel“, bedauert der Ortsvorsteher nach wie vor die Entscheidung, eine Pauschale pro Gremium und nicht pro Stadtteil festzusetzen. Umso mehr ist dem Ortsbeirat daran gelegen, die Gelder sinnvoll einzusetzen und auszuschöpfen.

Angedacht ist die Mitfinanzierung eines Glockenturms auf dem Hebstahler Friedhof. Man will sich dazu in Gammelsbach informieren, wo die Maßnahme mit viel Eigenleistung auf die Beine gestellt wurde. Denn ein erster Kostenvoranschlag war jenseits von Gut und Böse. Im Fokus ist auch die Erneuerung des Treppengeländers am Dorfgemeinschaftshaus Hebstahl im Rahmen des Budgets, da die Stadt sie dieses Jahr noch nicht auf dem Plan hat. Mit einer Beteiligung an Projekten des Geo-Naturpark muss man noch bis 2021 warten, kristallisierte sich auf der Sitzung heraus.

Ein Projekt für den Freiwilligentag am 14. September gibt es schon: Die Freiwillige Feuerwehr will wieder am Panoramaweg zu Werke gehen, die Aussicht freischneiden und Bänke reparieren. Seitens des Ortsbeirats hat man auch noch Projekte im Hinterkopf. Ein Gemarkungsrundgang, der im vergangenen Jahr ausfiel, ist für den Herbst in der Planung. „Wir suchen noch einen Termin“, sagte der Ortvorsteher.

Odenwald gegen Motorradlärm

Seit einigen Wochen fallen gelb-schwarze Schilder im Straßenraum ins Auge: „Rücksicht nehmen!“ fordert ein deutlich missgelauntes Kind, während das auf der oberen Plakathälfte abgebildete Motorrad den Adressaten verdeutlicht. Dahinter verbirgt sich eine Aktion der Odenwälder Kommunen gegen Motorradlärm. Denn im vergangenen Jahr war zum einen die Zahl der Unfälle besonders hoch, zum anderen gingen die Beschwerden über Lärmbelästigung durch die Decke.

In diesem Frühjahr und –sommer tagten mehrmals auf Odenwaldkreisebene Bürgermeister, Mitarbeiter der Kommunen, der Polizei und des Landratsamtes. Ziel war es, Maßnahmen gegen den in den Sommermonaten gefühlt immer mehr werdenden Lärm, hervorgerufen durch manche Motorradfahrer, zu finden.

Denn wenig befahrene Straßen und tolle Kurven ziehen jeden Sommer Biker aus nah und fern an, weiß Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer aus eigener Erfahrung. In der Südkreis-Stadt sind besonders die Hangstadtteile wie Rothenberg und Kortelshütte besonders betroffen, wo an einem Tag mehrere hunderte Biker vorbeibrausen. Dazu kommt noch die schöne Aussicht auf die Odenwälder Natur, die für „Andrang“ sorgt. Das Ergebnis sind aber auch immer wieder schwere Unfälle, zeigen die Polizeistatistiken.

Das geschnürte Maßnahmenpaket ist umfangreich. Die Landespolizei führt regelmäßig Kontrollen durch. Das Landratsamt informiert bei der Zulassung von Zweirädern. Viele Odenwaldkommunen beteiligen sich zudem an der Plakataktion. Die gelb-schwarzen Plakate hängen an vielen Stellen im Kreisgebiet und auch im benachbarten Kreis Bergstraße.

Sie sind überall dort zu finden, wo den Erfahrungen nach eine unangepasste Fahrweise – etwa starkes Beschleunigen – die Bewohner aus der Ruhe bringt. Mal niedertourig fahren und nicht gleich am Ortsausgang die Maschine hochziehen, würde schon viel helfen, so die Anregung. Unterstützt wurde die Aktion durch ein Sponsoring der Odenwälder Verkehrswacht.

Zielgruppe sind laut den Beteiligten nicht die 95 Prozent der anständig Fahrenden, sondern die schwarzen, Gas gebenden Schafe, die teilweise auch ihre Maschinen manipulieren. Aber man will daneben alle Biker auf Stellen aufmerksam machen, wo nicht gleich auf den ersten Blick klar wird, dass man andere stört. Die Initiatoren betonen: „Wir freuen uns über jeden Gast, auch auf zwei Rädern, der seine Freizeit im Odenwald verbringt.“

Allerdings wollen die Kommunen die Beschwerden ihrer Bürger sehr ernst nehmen. Denn die können teilweise kein entspanntes Wochenende mehr auf der Terrasse genießen, was Lebens- und Wohnqualität mindert. Einige Bewohner sprechen hierbei schon von ,,Terror auf zwei Rädern“ und wünschen sich noch mehr Streckensperrungen. „Allerdings führt dies nur zu Verlagerungen“, betonen die Verantwortlichen. Ein gemeinsames Miteinander ist deshalb für sie das Ziel – und nicht der Ausschluss einer ganzen Gruppe, die sich überwiegend an die Regeln hält.