Oberzent-Ausschüsse beschäftigen sich eingehend mit den Kindergarten-Satzungen

Die Kindertagesstätten in der der neuen Stadt sind ein weites Feld. Es gilt fünf Einrichtungen, vier städtische und eine der evangelischen Kirche, nach der Fusion zu vereinheitlichen. In einem ersten Schritt befasste sich die Stadtverordneten-Versammlung nun mit den Satzungen für Betreuung, Kosten sowie Bildung und Aufgaben von Elternversammlung und –beirat. Alle wurden einstimmig bei wenigen Enthaltungen verabschiedet.

Jedoch sind die Schriftstücke noch nicht der Weisheit letzter Schluss, wie Bürgermeister Christian Kehrer verdeutliche. Es ging jedoch darum, die Verwaltung handlungsfähig zu machen. Ergebnisse aus den kommenden Ausschussberatungen sollen noch mit eingearbeitet werden. Dass es noch Fragen offen sind, zeigte sich auch an den Wortmeldungen im Gremium. Änderungen sollen dann rückwirkend zum 1. August gelten.

Der Rathauschef freute sich, dass zehn Bewerbungen für Stellen in den Kindertagesstätten eingingen. Daran merke man, „dass die Stadt als Arbeitgeber attraktiv ist“, weil die Positionen unbefristet ausgeschrieben wurden. „Wir sind immer noch in der Findungsphase“, verdeutlichte der Bürgermeister die Herkulesaufgabe. Es gebe noch einigen Klärungsbedarf. An der einen oder anderen Stelle der jeweiligen Satzung müsse noch nachgebessert werden.

Es fehlt daneben noch an einem gemeinsamen Konzept, da auch die Leiterinnen nur ein begrenztes Zeitkontingent hätten. Außerdem „bekommen wir ein Gesamtkonzept nicht zum Nulltarif“, sagte er. Der Bürgermeister verdeutlichte den Handlungsbedarf bei den Platzkapazitäten. Außer in Unter-Sensbach, wo gerade eine zweite Gruppe eingerichtet wird, gibt es – in Rothenberg, Beerfelden und Kailbach – rechnerisch zu wenige Plätze. Für Rothenberg nannte der Rathauschef auch Sanierungsbedarf bei den Räumlichkeiten.

Kehrer wies gleichzeitig auf das enorme Haushaltsdefizit durch die Kindergärten hin. 1,1 Millionen Euro lässt sich die neue Stadt jedes Jahr die Betreuung der Kleinen kosten. Bei 209 Kindern müssten theoretisch zur Kostendeckung 440 Euro pro Monat und Kind verlangt werden. Ein utopischer Betrag, den man natürlich nicht ansetzen kann und will. Denn schließlich wird die Kinderbetreuung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen.

Für über Dreijährige wurde ein Stundensatz von 22,60 Euro beschlossen. Damit kommt man bei sechs Stunden genau auf 135,60 Euro, die vom Land Hessen ab dem dritten Lebensjahr den Eltern erstattet werden, womit der Kindergartenbesuch in dieser Zeit kostenfrei ist. Anders sieht es bei den unter Dreijährigen aus. Hier kostet die Stunde in Zukunft 30 Euro. Eine Erstattung durch das Land gibt es nicht.

Der Bürgermeister bat darum, die vorliegenden Satzungen zu verabschieden, auch wenn sie noch nachgebessert werden müssen. Es gehe darum, für die kommende Zeit handlungsfähig zu bleiben. „Wir wollen das Thema ernsthaft aufnehmen und in den Ausschüssen ausführlich diskutieren“, sagte er. Oliver von Falkenburg (CDU) hatte angeregt, alle drei Gremien einzubeziehen. Die Mandatsträger beschlossen letztendlich, dass unter Federführung des Haupt- und Finanz- auch der Sozialausschuss mitwirken soll.

Als Zeitrahmen wurde Ende September genannt. Eine solche Frist hatte sich Thomas Mergenthaler (ÜWO) gewünscht, „damit das Thema nicht ins Hintertreffen gerät“. Horst Kowarsch (Grüne) wünschte sich einen Rechtsanspruch auch über sechs Stunden hinaus. Das fließt in die Beratungen ein, kündigte Kehrer an. Auch wenn noch Etliches zu klären ist, „muss die Thematik ins Laufen kommen“, sagte Thomas Ihrig (SPD). Neben den städtischen Gremien sollten auch die Elternbeiräte mit in die Beratungen einbezogen werden.

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Claus Weyrauch führt die Stadtverordneten-Versammlung von Oberzent

Claus Weyrauch ist neuer Stadtverordnetenvorsitzender von Oberzent. In ihrer konstituierenden Sitzung wählten die Mandatsträger den ÜWO-Mann aus Rothenberg mit 24 Ja- bei vier Nein- und neun ungültigen Stimmen zu ihrem „Chef“. Der 50-jährige Mittelstandsberater hatte es als Bürgermeisterkandidat der Überparteilichen Wählervereinigung Oberzent zwar nicht in die Stichwahl geschafft. Bei der gleichzeitigen Stadtverordnetenwahl erhielt er aber mit 4181 die höchste Stimmenanzahl aller Bewerber.

Interims-Bürgermeister Egon Scheuermann eröffnete die Sitzung in der Alten Turnhalle. Er wies darauf hin, dass die vorläufige Stavo seit Jahresbeginn 57 Mitglieder hatte (alle Parlamentarier der bisherigen vier Gemeinden). Gleiches galt für den Magistrat mit 20 Stadträten. Jetzt hat sich diese Zahl durch die Wahlen vom 29. April auf 37 und neun verringert. Die verschiedenen Ortsbeiräte konstituieren sich am 20. Juni, sagte er.

Sein Dank galt neben den bisherigen, jetzt ausgeschiedenen, auch den gewählten Mandatsträgern. „Interessante und anspruchsvolle Aufgaben liegen vor Ihnen“, so Scheuermann. Also Beispiel nannte er das Tourismus-Konzept und die ärztliche Versorgung. Die Würdigung für das bisherige ehrenamtliche Engagement in den Gremien von Beerfelden, Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck soll im Spätjahr erfolgen. Dann ist auch die Verabschiedung der früheren Bürgermeister dieser Orte neben Verleihung von Auszeichnungen und Ehrenbezeichnungen geplant.

Zuvor steht am Freitag, 29. Juni, um 19.30 Uhr die Einführung des neuen Bürgermeisters Christian Kehrer in der Alten Turnhalle an, teilte Scheuermann mit. Dieses soll im Rahmen einer öffentlichen Stadtverordneten-Versammlung erfolgen. Er dankte den Fraktionen für die „konstruktive Zusammenarbeit“ in zwei vorbereitenden Gesprächen am 15. Mai und 5. Juni. Gleichzeitig wies der Interims-Rathauschef auf die „umfangreichen Vorarbeiten“ für die Wahlen und die konstituierende Sitzung hin, die vom Verwaltungsteam geleistet wurde.

Claus Weyrauch zeichnete in seinen einleitenden Worten das Bild vom Schiffsbau bis zur „MS Oberzent“ auf großer Fahrt. Es waren einmal vier Kapitäne, die mit ihren kleinen, tüchtigen Barkassen durch die Gewässer der Oberzent und des Odenwaldes schipperten“, begann er seine Rede. Die trauten es sich aufgrund des Alters und der mangelnden Größe ihrer Barkassen nicht recht zu, weiter hinaus in hessische oder gar bundesdeutsche Gewässer zu fahren, schmunzelte der Rothenberger.

Außerdem stellten sie vermehrt fest, dass auch die Gewässer in der Oberzent immer unruhiger wurden. „Was lag da näher, als sich zusammenzutun und miteinander ein großes, gemeinsames Schiff zu bauen.“ Als kluge Männer erkannten sie sofort, dass sie nur mit Hilfe von Mannschaften und Passagieren in der Lage waren, ein so großes Projekt zu realisieren.

Nach mehreren Jahren intensiver Bautätigkeit lief am 1. Januar das von der Fläche her drittgrößte Schiff Hessens und „das weltweit jüngste und somit modernste“, die MS Oberzent, vom Stapel. „Ein schönes, ein prachtvolles Schiff, das viele andere Barkassenkapitäne neidisch machen soll und wird“, spann Weyrauch seine Geschichte weiter.

Die ersten Aufgaben der neuen Crew sieht er darin, das Feintuning der Instrumente und die Motorenschmierung zu überprüfen. Dazu zählt er die Anpassung von Gebührensatzungen oder die Angleichung der Vereinsförderung. Als nächstes müsse der einzuschlagende Kurs bestimmt werden: „Wo wollen wir hin? Wie gehen wir Gesundheitsversorgung an? Wie betreiben wir positive Stadt- und Dorfentwicklung? Wie fördern wir Wirtschaft und Tourismus?“

Die Kursbestimmung „können wir nur selbst verantworten“, betonte er. Entscheidungen seien nicht delegierbar. Informationen von Spezialisten und Beratern könnten nur unterstützen. Mit verbindlichem Arbeiten, dass von einem fairen, sachlichen Miteinander geprägt sein müsse und das frei von parteipolitischer Polemik bleibe, „werden wir Kurs halten und unsere Ziele erreichen“, so Weyrauch.

Weitere Wahlen

Stellvertreter des Stadtverordneten-Vorstehers: Thomas Ihrig (SPD), Oliver von Falkenburg (CDU), Frank Leutz (FDP), Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne)

Schriftführerin: Sonja Eckert zur Schriftführerin, Stellvertreterinnen:  Heike Petersik, Karina Roßnagel, Ilona Bachert

Stadträte: Gerhard Rebscher (1. Stadtrat), Rainer Flick, Meinolf Heptner (ÜWO), Erik Sauer, Ellen Koch (SPD), Bernd Bergmann (CDU), Gerald Schwinn (FDP),  Walter Braner (Grüne)

Haupt- und Finanzausschuss: Chris Poffo, Achim Schäffler, Claus Weyrauch (ÜWO), Marcel Gerling, Dr. Michael Reuter (SPD), Oliver von Falkenburg (CDU), André Bechtold (FDP), Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne)

Bau-, Umwelt- und Infrastrukturausschuss: Wilfried Friedrich, Katharina Riesinger, Thomas Mergenthaler (ÜWO), Brigitte Heckmann, Andrea Heß-Kraus (SPD), Walter Gerbig (CDU), Alexander Beck (FDP), Thomas Väth (Grüne)

Sozial-, Kultur- und Gesundheitsausschuss: Klaus Bulling, Bettina Schwöbel, Alexander Ihrig (ÜWO),  Pia Mester, Dirk Daniel Zucht (SPD), Johannes Barth (CDU), Frank Leutz (FDP), Horst Kowarsch (Grüne)

Viele Umarmungen von den Kindern für Ellen Koch, die an der Grundschule Unter-Sensbach in den Ruhestand geht

Es war ein emotionaler Abschied, bei dem die scheidende Schulleiterin Ellen Koch verstohlen ein paar Tränchen vergoss. Eltern, Kollegen, Schulamtsmitarbeiter, Familienangehörige und Weggefährten hatte sie dort zur „offiziellen“ Verabschiedung eingeladen. Aus dem Obergeschoss wurde sie ins untere Klassenzimmer „zitiert“, wo schon alle Kinder der Grundschule Unter-Sensbach gespannt auf sie warteten. Sie bleibt der kleinen Grundschule aber noch bis zu den Sommerferien erhalten.

„Du hast mit uns gesungen, gespielt und Quatsch gemacht“, sagt Henry. Dass sie auch einmal schimpfte, „verzeihen wir dir heute“, meint er unter dem Schmunzeln der Gäste. Die Schüler machten sich Gedanken, „was du in der Rente so brauchst“, so Abby. Einen neuen Schlafanzug, „weil sie jetzt mehr schlafen kann“, schlägt Elias vor. Da sie sich aber ausruhen soll, wünschen die Kinder ihr „viele schöne Stunden auf der Rentnerbank“ und geben Blick auf diese, bereits ausgestattet mit einem guten Tropfen und etwas Essbarem, frei.

„Einfach überwältigend“ empfindet Ellen Koch das Abschiedsgeschenk und die Feier, organisiert von den Eltern. Sie hatte ab 8 Uhr morgens eingeladen und gar nicht damit gerechnet, dass sofort der „Run“ einsetzen würde. Aber wer 14 Jahre an vorderster Front einer Grundschule steht, hat eben seine Spuren hinterlassen und eine Generation geprägt. Vor allem die aktuelle Schülergeneration will ihre Ellen gar nicht loslassen, so herzlich fallen die Umarmungen aus. Den sich anschließenden Gottesdienst, gehalten von Pfarrer Roland Bahre, nutzen noch einmal viele Gäste zur Verabschiedung.

Die „Schulkarriere“ von Ellen Koch startete vor 18 Jahren in Beerfelden. Vorher beim Diakonischen Werk in Bad König-Zell tätig, bekam die „Ur-Beerfellmerin“ einen Anruf der damaligen Konrektorin, dass sie dringend eine Lehrerin für eine erste Klasse suchte. Es war für sie ein Sprung ins kalte Wasser, der mir „einige schlaflose Nächte bescherte“, lacht sie im Rückblick. Aber andererseits ist Koch jemand, der offen für Neues ist. Gerade wenn man aus einem anderen Beruf kommt, „ist es eine tolle Erfahrung“.

Das fehlende zweite Staatsexamen machte sie in dieser Zeit nach, als schon die nächste Herausforderung wartete: Die Schulleiter-Stelle in Unter-Sensbach wurde ausgeschrieben. Obwohl sie erst wenige Berufsjahre hatte, hieß es von ihrem Chef: „Bewirb dich einfach.“ Gesagt, getan. Und sie bekam den Posten. Damals, meint Koch heute, gab es noch nicht das heutige Aufgabenspektrum. Vieles konnte man sich nach dem Motto „Learning by doing“ erarbeiten.

„In einem kleinen System ist es eine ganz andere Arbeit“, sagt die 65-Jährige. Alles ist viel enger, familiärer, herzlicher, geborgener. „Die Türen sind immer offen.“ Am Herzen lagen ihr immer die Inklusionskinder. „In einer kleinen Schule blühen die richtig auf“, betont sie. Sie sind keine Außenseiter, werden von den anderen Schülern ohne Vorbehalte an- und aufgenommen. Da ist „viel Herz dabei“. Es gibt eine „wunderbare Zusammenarbeit mit der gesamten Schulgemeinde“ wie auch mit der Stadt und der evangelischen Kirchengemeinde.

Aktuell hat die Schule zwar nur noch 17 Kinder, aber die große Nachfrage nach Kindergartenplätzen macht der scheidenden Schulleiterin Hoffnung, dass ihr Nachfolger wieder mehr Schüler begrüßten darf. Apropos Nachfolger: Der wird immer noch gesucht. Trotz Ausschreibung meldete sich bisher noch niemand.

Ellen Koch blickt dem Ruhestand mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Sie wird zwar die Schule vermissen, will andererseits aber auch „immer weiter lernen“. Unter anderem verwirklicht sie einen Kindheitstraum: „Ich wollte schon immer Klavier lernen.“ Das tut sie jetzt bei Iris Thierolf. Außerdem warten zwei Enkel darauf, dass die Oma mehr Zeit mit ihnen verbringt.

Daneben ruft die Kommunalpolitik: Ellen Koch wurde auf der SPD-Liste von Platz 30 auf Platz 5 nach vorn gewählt und ist im neuen Oberzent-Parlament vertreten. Dort will sie sich gern im Magistrat einbringen. „Das passt zeitlich ganz wunderbar“, lächelt sie. Um dann wieder zu ihren Gästen zu gehen, zu denen unter anderem Sensbachtals Ehrenbürgermeister Manfred Heiß, Oberzent-Rathauschef Egon Scheuermann sowie Ingo Stechmann und Stefanie Werle-Wittmann vom Staatlichen Schulamt zählten.

Ellen Koch war schon immer jemand, der ungewöhnliche Wege einschlug. Sie arbeitete in der Lohnbuchhaltung, beschäftigte sich mit Lithografie, studierte Sozialpädagogik und Innenarchitektur. Sie kutschierte zeitweise einen 7,5-Tonner durch die Gegend oder arbeitete im Bunten Lädchen von Beerfelden mit. Als ihre Kinder etwas größer waren, brachte sie ein evangelischer Kindergottesdienst in Beerfelden dazu, noch einmal ein Studium zu beginnen. Denn sie stellte fest „Ich kann mit Kindern.“ Logische Folge: „Ich habe mich an der PH Heidelberg beworben.“ Das Studium machte unheimlich viel Spaß. Die 65-Jährige packte immer alles an, was sie wollte – und es funktionierte. Sonst wäre sie nicht an der Grundschule Unter-Sensbach gelandet.

Überparteiliche werden bei der Stadtverordnetenwahl in Oberzent stärkste Fraktion vor der SPD

Die Stadtverordnetenwahl ist ausgezählt und hat zu interessanten Ergebnissen geführt. Die Überparteilichen stellen mit 35 Prozent und 13 Sitzen die mit Abstand stärkste Fraktion. Die SPD, bisher im früheren Beerfelden stark, muss sich mit Platz 2 begnügen. Die FDP kann sich in der neuen Stadt Oberzent wie schon in Beerfelden wieder gut positionieren. Die CDU ist mit neuen Köpfen und frischem Wind im kräftigen Aufwärtstrend. Die Grünen behaupten sich auf der kompletten Gemarkung.

„Hellauf begeistert“ zeigte sich der Spitzenkandidat der Überparteilichen Wählervereinigung Oberzent (ÜWO), Claus Weyrauch, von den 35 Prozent bei der Wahl. „Mit Abstand“ habe man das Ziel erreicht, stärkste Fraktion im neuen Parlament werden zu wollen. Wenn er auch als Bürgermeister-Kandidat mit seinem Ergebnis „frustriert“ war, weil politische Inhalte scheinbar nicht zählten, so sah sich nun bestätigt, „dass die Wähler dies doch für die Gremien durchaus zu schätzen wissen“.

In den kommenden Gesprächen wird die Fraktion „die generelle politische Richtung definieren“, sagte Weyrauch. Dazu zählte er unter anderem die Themen Ortsbeiratsbudget und Präambel der Geschäftsordnung. Ganz wichtig ist es ihm, dass die großen Probleme, „die lange vor sich her geschoben wurden“, angegangen werden. Als wichtigen Meilenstein nannte Weyrauch den Tourismuskonzept-Beschluss in der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung, der nun umgesetzt werden soll.

Ein bis zwei Sitze mehr in der neuen Stadtverordneten-Versammlung hätte sich SPD-Spitzenkandidat Thomas Ihrig gewünscht. „30 Prozent der Stimmen wären schön gewesen“, meinte er mit Blick auf das Wahlergebnis von knapp 28. Aber: „Es ist so, wie es ist.“ Die SPD-Themen aus dem Wahlkampf will die neue Fraktion im Parlament mit Nachdruck angehen.

Dazu zählt er Stadtentwicklung und Gesundheitsversorgung („das Thema muss in zwei bis drei Jahren umgesetzt sein“), Vereinsförderrichtlinien und auch die Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten. Definition der Aufgaben und Budget stehen hier für Ihrig an allererster Stelle. Die Ortsbeiräte kommen auch ins Spiel, wenn es um die Repräsentation mancher Dörfer in der neuen Stadt geht, die nicht über die Stadtverordneten-Versammlung vertreten sind. „Die dürfen sich nicht abgehängt fühlen.“

Der Neuauftritt der CDU Oberzent „ist absolut gelungen“, äußerte Spitzenkandidat Oliver von Falkenburg seine Freude über das Ergebnis. Wenn man die Stärke der Partei mit dem Ergebnis fürs frühere Stadtparlament Beerfelden vergleiche, sei es ein enormer Aufwärtstrend. „Wir wollen für die neue Stadt Verantwortung übernehmen“, kündigte er an.

Die Zusammensetzung der künftigen Stadtverordneten-Versammlung bezeichnete er als „erheblichen Kurswechsel“. Die Bürger wollen, dass neue Leute ans Ruder kommen. Die CDU will sich nun für eine bürgerliche Mehrheit zusammen mit ÜWO und FDP einsetzen. „Wir haben durch den aktiven Wahlkampf ein Stück weit CDU-Identität bei der Wählerschaft zurückgewonnen“, betonte er.

Die Grünen sind mit ihrem Ergebnis zufrieden, sagte Spitzenkandidatin Elisabeth Bühler-Kowarsch. Dies vor dem Hintergrund, „dass wir bisher hauptsächlich in der Kernstadt Beerfelden vertreten waren“. Es handle sich um ein Ergebnis, auf dem man aufbauen und die Aktivitäten in den anderen Stadtteilen ausbauen könne. „Die neue Fraktion wird kritisch und konstruktiv im Parlament arbeiten und eigene Akzente setzen“, kündigte sie an.

Erfreulich sei, dass die Wähler die hervorragende Präsentation von Bürgermeisterkandidat Thomas Väth bei der Stadtverordnetenwahl honoriert hätten und er mit Abstand die meisten Grünen-Stimmen auf der Liste erhielt. Man werde noch diskutieren, ob es eine Empfehlung für die Bürgermeister-Stichwahl gebe.

Das Wahlergebnis zur Stadtverordnetenversammlung freut die FDP Fraktion sehr. „Wir schauen positiv auf die uns erwartenden Aufgaben“, so Spitzenkandidat Frank Leutz. Breiter aufgestellt habe man verstanden, „dass es nicht nur um das Thema Windkraft gehen darf“, sondern die Themen Gesundheit und Wirtschaft von der Bevölkerung gewünscht auch zu den Schwerpunkten zählen müssen. Dieser Wunsch der Bürger ist durch das Wahlergebnis deutlich geworden und „dieser Herausforderung wollen wir uns auch gerne und mit voller Motivation stellen“. Sein persönliches Ergebnis „übertrifft alle Erwartungen“, wofür er sehr dankbar sei, sagte Leutz. (Foto: bei der Auszählung)

Oberzent-Ausschuss: Gelände am Marbach-Stausee soll Facelifting bekommen

Marcel Gerling ist der neue Vorsitzende des vorläufigen Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Oberzent. Auf der konstituierenden Sitzung im Gemeindezentrum wurde der 39-jährige SPD-Mann aus Schöllenbach einstimmig gewählt. Ebenso ohne Gegenstimme wurde Chris Poffo (ÜWO, Beerfelden) zum Stellvertreter bestimmt. Der Gewählte plädierte für einen „fairen, offenen und respektvollen Umgang“ miteinander. Eröffnet wurde die Sitzung von Stadtverordneten-Vorsteherin Katharina Riesinger.

Das Gremium hatte sich gleich mit zwei Bebauungsplänen und einer Abrundungssatzung zu befassen. Bei letzterer handelt es sich um die „Friedhofstraße“ im Stadtteil Finkenbach. Diese war schnell und einstimmig abgehandelt, da es hier wenig Info- bzw. Erklärungsbedarf gab. Mit dem Bebauungsplan „Marbach-Stausee“ will der Odenwaldkreis das Gelände touristisch aufwerten, sagte Stadtbaumeister Peter Bauer zum nächsten Punkt.

Aktuell ging es um die Beratung und Beschlussfassung über die eingegangenen Stellungnahmen und die Ergebnisse aus der Beteiligung der Öffentlichkeit. Wie Bauer erläuterte, will die Naturschutzbehörde eine Einbindung des Zeltplatzes in den Plan. Es gehe im Wesentlichen um die Bestandssicherung des Geländes und eine marginale Erweiterung. Von allen Fachbehörden sei die Erweiterung des Parkplatzes am DLRG-Gebäude abgelehnt worden. Stattdessen soll laut Bauer die Parkfläche an der B460 ertüchtigt und etwas erweitert werden.

Landschaftsarchitektin Anke Heuer erläuterte ein paar Details. Demnach soll ein Kiosk mit einer Toilettenanlage entstehen. Der in Teilen bereits vorhandene Weg am Ufer wird weitergeführt. Vorhandenes Nadelholz soll als Ausgleichsmaßnahme in einen Laubholz dominierten Bereich umgebaut werden, sagte sie. Außerdem erhält der naturnahe Quellsumpf etwas oberhalb eine Umzäunung. Im Uferbereich entstehen Umkleiden-Paravents und Spielgeräte.

Wie Bauer ergänzte, ist ein Steg in den See vorgesehen, damit man nicht durch den Schlamm waten muss. Der Kiosk soll ganzjährig betrieben werden, um so auch einen Anziehungspunkt für Wanderer und Radfahrer zu schaffen. Im Rund gab es eine kleine Diskussion, ob das Thema aufgrund der dicken Vorlage schon entscheidungsreif sei. Ja, meinten die Mandatsträger bei einer Enthaltung von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) und empfahlen den Punkt der Stadtverordnetenversammlung zur Verabschiedung.

Ebenso einhellig ging auch der Bebauungsplan „Hinter den Eichen“ in Rothenberg über die Bühne. Für die Aufstellung hatte noch die dortigen Gemeindevertretung gesorgt. Hier ist die Materie allerdings etwas komplexer, sagte Bauer. Die Behörden-Reaktionen waren so wie befürchtet, meinte er. Beim Plan geht es darum, den dortigen, in ein paar Jahrzehnten gewachsenen Bestand in einen gesetzeskonformen Zustand zu bringen.

Von der Naturschutzbehörde wurde laut Bauer ein „Königsweg“ aufgezeigt, wie man die Kuh vom Eis bekommt. „Wir müssen deutlich aufzeigen, dass die bestehende Situation verbessert wird“, so der Stadtbaumeister. Dies soll durch die Schaffung von Biotopen und Pflanzmaßnahmen geschehen. Die vorhandene Nutzung soll unter anderen Voraussetzungen fortgeführt werden können.

Entschädigungs-, Hebesatz-, Wasserversorgungs-, Entwässerungs-, Hundesteuer-, Spielautomaten- und Wappensatzung waren eigentlich von der Stadtverordneten-Versammlung (trotz bereits erfolgtem Beschluss) noch einmal in den Ausschuss verwiesen worden, um offene Fragen zur klären. Es gab aber keine mehr, weswegen der Punkt nur zur Kenntnis genommen wurde.

Der Kubikmeter Wasser kostet in der neuen Stadt künftig 1,90 Euro, das Abwasser pro Kubikmeter 3,20 Euro. Niederschlagswasser wird mit 55 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche kalkuliert. Die Hundesteuer beträgt 48 Euro für den ersten und 72 Euro für den zweiten Hund. Die verschiedenen Steuersätze lauten wie in der Machbarkeitsstudie angesetzt: Grundsteuer A 350 v.H., die für Wohnbebauung maßgebliche Grundsteuer B 365 Prozentpunkte.

Ins Beerfeldener Ärztehaus kommt endlich Bewegung

Oft schon war es angekündigt, jetzt ist es wirklich soweit: Ins Breimer-Gebäude am Beerfeldener Ortsausgang Richtung Hetzbach, das als Interims-Ärztehaus dient, kommt jetzt Leben. Staatsbeauftragter Egon Scheuermann berichtete in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss im Senbacher Gemeindezentrum über den aktuellen Stand der Dinge. Am kommenden Montag kommt der hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner zur offiziellen Einweihung vorbei.

Für das neue Gesundheitsversorgungszentrum laufen die Planungen aber ebenfalls auf Hochtouren, sagte Scheuermann. Es gab bereits Workshops mit den Parlamentariern und interessierten Leistungsträgern. Aktuell nehme die Firma ASD die Auswertung aller Vorschläge, Daten und Anregungen vor. Daraus soll dann laut Scheuermann eine Checkliste erarbeitet werden, um die verschiedenen Standorte gegeneinander abwägen zu können.

Daneben geht es auch darum, welche Anfangsgröße für das Gebäude nötig ist. Das Thema ist aber zu komplex, um es in wenigen Wochen durchzuhecheln. Deshalb wird sich erst die Ende April neu gewählte Stadtverordneten-Versammlung mit der Beratung befassen und dann die entsprechenden Entscheidungen treffen.

Im Breimer-Gebäude ist bereits Chirurg Dr. Hartmann ansässig, sagte der Interims-Bürgermeister. Für Mitte des Jahres wird die Ansiedlung eines Hausarzts erwartet. Auf der Wunschliste steht ebenfalls ein Augenarzt. Allerdings gibt es hierzu laut Scheuermann „noch nichts Konkretes“. Sprechstunden von sozialen Dienstleistern und Psychotherapeuten finden ebenfalls am Ende der Mümlingtalstraße statt.

Scheuermann ging auch auf den Stand der Verwaltungsreform im Zuge der Oberzent-Fusion ein. Im Großen und Ganzen läuft alles wie erhofft und geplant, sagte er. In einzelnen Bereichen sind seinen Worten zufolge noch „Nachbesserungen und Aufarbeitungen“ notwendig. Die Mitarbeiter widmeten sich den Tätigkeiten „äußerst bestrebt und motiviert“, lobte der Bürgermeister. Sollte mal etwas nicht gleich so rund laufen, „sind wir dankbar für jeden Hinweis“, sagte er.

Aktuell läuft laut Scheuermann in den verschiedenen Standorten die Umschreibung der persönlichen Papiere. Er bezeichnete es als wichtig, dass in jedem ehemaligen Verwaltungsort der Bürgerservice erhalten blieb. Im Rahmen des Umzugs von verschiedenen Mitarbeitern in neue Büros und/oder andere Orte „werden die freiwerdenden Räume saniert und auf Vordermann gebracht“.

Im zweiten Halbjahr soll die Umgestaltung des unteren Bereichs im Rathaus Beerfelden anlaufen. Die dortigen Räume sollen als Bürgerservice-Büro hergestellt werden. Die Maßnahme wird Scheuermann zufolge in zwei Abschnitten vor sich gehen, damit im jeweils anderen weitergearbeitet werden kann. Erste Planungen hierfür gibt es jetzt vom Architekturbüro-Büro Holschuh.

Auf eine Frage aus dem Gremium sagte Scheuermann, dass derzeit sieben Kinder auf der Warteliste für den Besuch eines Kindergartens in Oberzent stehen. In der Kita „Abenteuerland“ Beerfelden könne man kurzfristig einen Raum für eine weitere Gruppe herrichten, erläuterte er. Allerdings ist der Arbeitsmarkt derzeit leergefegt, so dass als erste Maßnahme eine Vertragsverlängerung und eine Stundenaufstockung umgesetzt werden. Zur Jahresmitte hin sollen dann zwei Anerkennungspraktikantinnen mitarbeiten.

„Wir stehen beim Kiga-Personal mit dem Rücken an der Wand“, sagte der Bürgermeister. Aktuell ist die Situation durch die Krankheitswelle noch prekärer als sowieso. Brigitte Heckmann berichtete, dass der Kindergarten in Rothenberg „kurz vor der Schließung steht“. Dort seien gerade noch zwei von sieben Erzieherinnen gesund und könnten arbeiten.

Die Zeit drängt fürs Tourismusprojekt Sensbacher Höhe

Wenn die neue Stadt Oberzent fürs Tourismuskonzept Sensbacher Höhe noch Fördermittel aus dem europäischen Regionalfonds abgreifen will, muss sie so langsam in die Pötte kommen. Darauf hatte der Landtagsabgeordnete Rüdiger Holschuh hingewiesen. Denn ein solches Projekt müsse bis Ende 2020 abgeschlossen, die Abrechnung sogar schon bis Ende des dritten Quartals erfolgt sein. Die Zeit drängt also bei einem solchen Großprojekt, weshalb sich der Haupt- und Finanzausschuss nun damit beschäftigte.

„Wir brauchen einen Beschluss“, sagte Bürgermeister Egon Scheuermann mit Blick auf die Efre-Mittel. Eine entsprechende Arbeitsgruppe traf sich Ende des vergangenen Jahres. Inzwischen wurde das Konzept allen Parlamentariern zur Verfügung gestellt. Sein Vorschlag war, es in der kommenden Stadtverordneten-Sitzung detailliert zu erläutern. Bei einer Gesamtsumme von 3,7 Millionen Euro und einer maximalen Förderung von 1,3 Millionen müsse man sich über eine Priorisierung von Maßnahmen unterhalten. „Der Bikepark ist ein wesentlicher Tourismus-Faktor“, betonte Scheuermann.

Claus Weyrauch, der zusammen mit Werner Manschitz das Konzept erstellt hatte, wies darauf hin, dass der bisherige Lift nicht nur ersetzt, sondern optimiert werden müsse. Zum einen wegen der möglichen Förderung, zum anderen auch um die Kapazität und den Mehrwert zu steigern. Wenn man die Fördermittel erhalten wolle, sei die Maßnahme „nur mit einem gewissen Zeitdruck“ umsetzbar.

Das Gremium war sich einig, die Zeitschiene und die Fördermöglichkeit über die Wirtschaftsförderung der OREG abklären zu wollen. Man will einen Vertreter in die kommende Stadtverordneten-Versammlung am 14. März einladen. Zuvor hatte es noch Überlegungen etwa von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) und Chris Poffo (ÜWO) gegeben, ob es Sinn macht, noch mit der vorläufigen Versammlung tätig zu werden oder stattdessen gleich ins neue, am 29. April zu wählende Gremium zu gehen.

Allerdings sahen es die Mandatsträger dann auch wie Walter Gerbig (CDU). Der meinte: „Es wird knapp.“ Bühler-Kowarsch wollte Klarheit haben: „Es schwirren so viele verschiedene Dinge durch den Raum.“ Deshalb solle in der nächsten Stavo über alles informiert. Gerbig wünschte sich, zumindest einmal abzuklären, „was wir bekommen können“ und wie der Ablauf ist.

Damit im Sommer der bald 50 Jahre alte Schlepplift für den Bikepark und im Winter fürs Skifahren genutzt werden kann, muss er dringend erneuert werden. Der TÜV hob bereits mehrfach den Zeigefinger. Von einem zuvor ins Auge gefassten Sessellift „sind wir wegen der zu hohen Kosten wieder abgekommen“, sagte der Mittelstandsberater Weyrauch. Ein Zweier-Sessellift hätte nicht die benötigte Kapazität und ein Vierer „mit 3,5 Millionen Euro utopische Kosten“.

Deshalb soll es nun eine Erneuerung des bisherigen Lifts tun. Die kostet immer noch 800.000 Euro, würde aber durch schnellere Geschwindigkeit und kürzere Abstände die Kapazität von bisher 250 Bikern in der Stunde verdoppeln. Als Attraktion auf der Sensbacher Höhe sieht das Konzept eine sogenannte „Fly-Line“ vor. Dahinter verbirgt sich ein Rohrsystem, mit dem die Wagemutigen in den Baumwipfeln zu Tal schweben.

In der Theorie wäre eine Finanzierung der nicht geförderten Summe über die Pacht möglich, betonte Weyrauch. Dies aber nur mit einer sehr langen Laufzeit. Bei einer Verringerung käme die Stadt ins Boot. Der Bikepark habe derzeit 15.000 Besucher im Jahr. Für die Fly-Line kalkuliert man im Schnitt mit 100 Besuchern an 125 Öffnungstagen.

„Die Touristen sollen ihr Geld in der Oberzent ausgeben“, wünschen sich Manschitz und Weyrauch. Über die attraktiven Freizeitangebote soll ein Multiplikator-Effekt entstehen, der in Gastronomie und Pensionen mehr Frequenz schafft und ihren Betrieb wieder attraktiver macht. Im Konzept enthalten ist auch ein Radwegenetz, das in Zusammenarbeit mit dem Geo-Naturpark entstehen könnte. Denn der E-Bike-Trend „wird immer stärker, aber läuft derzeit an uns vorbei“.

Foto: Manschitz