Vor der Sommerpause soll eine Entscheidung her

Die Kinderbetreuung steht in Oberzent ganz oben auf der Agenda. Erst befasste sich der Sozialausschuss mit dem Thema, jetzt auf SPD-Antrag auch die Stadtverordneten-Versammlung bei ihrer Sitzung in Rothenberg. Und demnächst wird es noch einmal der Ausschuss sein, bevor dann final die Stavo noch im Juli entscheidet. Denn die Zeit brennt allen auf den Nägeln. Nachdem lange (umsonst) auf Fördermittel gewartet worden war, muss die Stadt nun selbst agieren, denn sonst stehen zu viele Kinder „auf der Straße“ und nicht im Garten.

SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Ihrig referierte den „Vor-Corona-Antrag“. Dessen sechs Punkte wurden zwischenzeitlich durch die Verwaltung bereits angegangen. Von anderen Fraktionen kamen zustimmende Signale zu dieser Positionierung. Der Bedarf an Kindergartenplätzen wird konstant sein, sagte Ihrig. Es handelt sich nicht um eine Eintagsfliege.

„Wir dürfen den Zug nicht verpassen“, betonte er. Sonst fehlen demnächst so viele Plätze, dass die Stadt nicht mehr zeitnah reagieren kann. Deshalb ist seinen Worten zufolge die Frage nach Zwischenlösungen wichtig. „Es hilft den Eltern nicht“, hob er hervor, auf die Fördermittel bei großen Vorhaben wie dem Neubau in Rothenberg oder der Erweiterung in Beerfelden zu warten. Bei letzterem Punkt hatte sich der Sozialausschuss bereits für Containerlösungen ausgesprochen.

Ihrig sprach ebenfalls die sehr unterschiedlichen Schließtage der einzelnen Einrichtungen an. Zu Jahresbeginn waren es zwölf Tage, inzwischen sind immer noch acht. Er wünschte sich mehr Einheitlichkeit in Oberzent. Denn letztendlich könnten diese unterschiedlichen Leistungen für Eltern auch ein Grund sein, verschiedene Gebühren zahlen zu wollen. Der SPD-Mann freute sich, „dass der Ausschuss bereits vorgearbeitet hat“.

45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – und es werden nicht weniger. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterungsbau aufgenommen werden müssten.

Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kitas in den Stadtteilen, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen. Auch in Kailbach gibt es zu wenige Plätze, Unter-Sensbach ist durch die zweite Gruppe gut beieinander, in Rothenberg ist vor allem der bauliche Zustand ein Thema.

Von der SPD wurde angeregt, die Einrichtung von Kindergärten in Gammelsbach und Hetzbach zu prüfen, um kürzere Wege zu schaffen. Laut Verwaltung macht dies aber keinen Sinn, da in kleinen Einrichtungen der Personalbedarf höher ist als in größeren. Deshalb sollte so schnell wie möglich eine Erweiterung in Beerfelden her. Über einen Waldkindergarten soll nach dem Wunsch des Sozialausschusses ebenfalls im Juli noch einmal final beraten werden.

Bürgermeister Christian Kehrer verdeutlichte, dass kleinere Kommunen bei der Fördermittelvergabe oftmals ganz hinten stehen. Denn während größere Gemeinden fertige Um- oder Neubaupläne in der Schublade haben oder sie zeitnah erstellen können, hat Oberzent diese Möglichkeiten nicht. Die Folge: Wird eine Förderung nach Windhundprinzip vergeben, geht man leer aus.

Als der Bund vergangenes Jahr 86 Millionen Euro für Kindergartenzwecke bereitstellte, „waren wir noch nicht so weit“, erläuterte er. Die Planungen dauerten noch. Auch von der Aufstockung des Landes profitierte man nicht. Denn: Der wirkliche Bedarf lag bei einer Milliarde Euro. Der Odenwaldkreis, erläuterte Kehrer, habe lediglich die Zusage für eine Million Euro. Die aufgeteilt werden muss.

Hors Kowarsch (Grüne) signalisierte wie seine Kollegen auch seine Unterstützung. Er betonte die Dringlichkeit und wünschte sich einen Beschluss – ob Container oder Neubau –  vor der Sommerpause. Ebenfalls sprach er sich für einen Waldkindergarten aus. Nun ist der Sozialausschuss am Zug.

 

Den Förder-Überblick behalten

Kommunales Investitionsprogramm KIP, Hessenkasse und integriertes kommunales Entwicklungskonzeptes (IKEK): Überall gibt’s Fördergelder für die Kommunen, die aber oftmals an eine Eigenbeteiligung geknüpft sind. Dazu noch andere Zuschusstöpfe, die oftmals nach Windhundprinzip vergeben werden: Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer präsentierte dem Haupt- und Finanzausschuss einen aktuellen Stand. Daneben ging es auch um die geplante Fördermittelstelle beim Landratsamt.

Am weitesten abgearbeitet ist das kommunale Investitionsprogramm. Hiervon steht eigentlich nur noch die Sporthalle in Unter-Sensbach aus, ein Projekt, das von der Bevölkerung sehnlichst erwartet wird. 145.000 Euro weist dieser Posten in zwei Chargen aus. Das „Problem“: Die Stadt muss sich mit über 50.000 Euro auch beteiligen. Geld, das derzeit angesichts der schlechten Haushaltszahlen schwer aufzutreiben ist. Aber die Beratungen über eine mögliche Realisierung laufen.

Die energetische Sanierung der Rothenberger Sporthalle oder des Rathauses Beerfelden, der Austausch der Ölheizungen im Dorfgemeinschaftshaus Olfen oder im Kailbacher Sporthaus sind bereits verwirklichte Projekte. Mittelüberschreitungen bei der einen oder anderen Maßnahme ließen sich durch Einsparungen bei anderen kompensieren. Die Sanierung des Friedhofsweg 19 in Beerfelden wurde erst einmal zurückgestellt.

Die Hessenkasse-Maßnahmen sind erst zu etwa einem Drittel durch. Zwar muss die Stadt immer nur zehn Prozent der Kosten selbst tragen, aber die schiere Masse des Investitionsvolumens von 2,6 Millionen Euro macht daraus doch einen großen Batzen. Die Sanierung der Straße und des Parkplatzes am Sportplatz Airlenbach waren ein größerer Posten. Oder aber das Sporthaus in Hetzbach.

Auf der To-do-Liste steht eine weitere, größere Summe bei der Sanierung der Sensbacher Sporthalle, die über die KIP-Mittel hinausgeht. Der Anbau der Fahrzeughalle am Feuerwehrhaus Airlenbach ist mit 175.000 Euro ebenfalls ein großer Brocken. Und die Erneuerung der Asphaltdecke in der Waldstraße Kortelshütte mit 143.000 Euro ist weiterhin nicht zu verachten.

Beim Thema IKEK gab es unterschiedliche Wahrnehmungen zwischen Bürgermeister und Mandatsträgern. Wie Kehrer erläuterte, wurden nach der Fusion die beiden Gruppen aus Beerfelden und Sensbachtal/Hesseneck zusammengeführt. Diese hätten sich aber bisher nicht auf eine Priorisierung von Maßnahmen einigen können. Diese ist seinen Worten zufolge aber wichtig, „weil die WI-Bank sonst keine Fördermittel ausschüttet“. Er wies darauf, dass die Förderung nur noch bis 2024 läuft. „Es wäre fatal, wenn wir keine kriegen“, so das Stadtoberhaupt.

Ausschussvorsitzender Marcel Gerling (SPD) brach eine Lanze für die Ehrenamtlichen. Die Frustration durch die stetige Änderung der Förderkriterien „ist ziemlich hoch“, sagte er. Er wie auch Achim Schäffler (ÜWO) und Thomas Ihrig (SPD) wiesen darauf hin, dass noch Entscheidungskriterien fehlen. „Es gibt gute Ideen“, die aber noch nicht präzisiert wurden, „weil wir noch Details wissen wollen“, gab Ihrig den Ball zurück. Der Magistrat will sich auch selbst Gedanken machen, welches Projekt an erster Stelle stehen könnte, und der Steuerungsgruppe Vorschläge unterbreiten, so Kehrer.

In diesem Zusammenhang wurde die Einrichtung einer Fördermittelberatungsstelle im Odenwaldkreis positiv aufgenommen und der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung empfohlen. Für ihre Einrichtung als Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit gibt es einen einmaligen Zuschuss über 100.000 Euro vom Land Hessen.

Hintergrund: Aufgrund der hohen Anzahl und Komplexität von immer neuen Förderprogrammen auf EU-, Bundes- und Landesebene haben Verwaltungen zunehmend Probleme, einen Überblick zu behalten, geschweige denn, Förderanträge inklusive Berichtspflichten und weiterer anhängender Aufgaben personell zu stemmen. Das soll nun zentral erfolgen.

Dringender Handlungsbedarf bei Kita-Plätzen

Oberzent braucht dringend neue Kindergartenplätze. In Beerfelden ist die Not am größten, aber auch Kailbach klagt über Platzmangel. Unter-Sensbach steht durch die Eröffnung einer zweiten Gruppe ganz gut da. In Rothenberg geht es vor um die räumliche Situation. Stoff genug also für den Sozial-, Kultur- und Gesundheitsausschuss, der erstmals in eigener Verantwortung tagte. „Wir nehmen als Mandatsträger das Heft in die Hand, damit Bewegung in die Sache kommt“, kündigte der stellvertretende Vorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) an.

Das ewige Warten auf Fördermittel, nur um zu erfahren, „dass sie vergeben oder gestrichen sind“, ist seiner Ansicht nach nicht zielführend, betonte er. Denn wenn danach die Planungen für einen Um- oder Neubau erst einmal wieder ad acta gelegt werden, bleibt das Problem der fehlenden Plätze bestehen oder wird sogar noch größer.

„Es ist ein schweres Dilemma“, formulierte Zucht, dass Fördermittel des Landes anscheinend – wie beim Beispiel Kindergartenneubau Rothenberg – im „Windhundprinzip“ vergeben werden. Er sah dies als eine gravierende Benachteiligung des ländlichen Raumes.

„Um zu Potte zu kommen“, ist ein Agieren unabhängig von Fördermittel notwendig, wusste sich Zucht mit seinen Kollegen der verschiedenen Fraktionen einig. „Wir sind in der Pflicht“, wies er auf den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hin. 45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – „und es werden nicht weniger“.

Bis zur kommenden Sitzung des Ausschusses am 13. Juli soll das Bauamt nach dem Wunsch des Ausschusses nun unter zeitlichen und finanziellen Kriterien prüfen, wie eine Containerlösung für die Standorte Beerfelden und Kailbach aussehen könnte. Auch für einen möglichen Waldkindergarten soll bis dahin eine Expertise eingeholt werden. Varianten davon gibt es bereits in umliegenden Orten wie Eberbach und Erbach. „Jedes Format ist ein Plus“, so der Ausschuss-Vorsitzende.

Dann könnte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Nägel mit Köpfen machen. Natürlich würden es die Ausschussmitglieder gerne sehen, wenn es bereits zum nächsten Kindergartenjahr eine Lösung gäbe, aber so schnell wird es wohl nicht gehen. Zucht hob hervor, dass ein Anbau in Beerfelden und ein Neubau in Rothenberg „noch nicht vom Tisch sind“. Sollte es neue Fördermittel geben, „stehen wir Gewehr bei Fuß“.

Diese Projekte laufen seinen Angaben nach aber mehrere Jahre. „Wir brauchen jedoch jetzt etwas kurzfristig Umsetzbares“, betonte er. Bei den Containern denkt man an einen Kauf. Denn sie ließen sich, sollten sie für den Kindergarten einmal nicht mehr gebraucht werden, anderweitig umwidmen. Andererseits werden sie jedoch für diesen Zweck einige Zeit im Einsatz sein, sodass eine Anmietung nicht so sinnvoll erscheint.

Dem Ausschuss geht es mit seinen Vorschlägen und Ideen auch um die Außenwirkung: „Wir müssen ein Signal setzen, dass etwas passiert“, ist Zucht wichtig. Denn das Thema schleppt sich schon lange dahin, ohne dass Fortschritte zu erkennen sind. „Es muss Priorität haben“, postulierte er. Die Mandatsträger wollen nicht länger zuwarten. So schnell wie es organisatorisch und finanziell machbar ist, sollen die Container sehen. „Wir haben ein Ziel formuliert und werden es mit Nachdruck weiter verfolgen“, war fraktionsübergreifend der Tenor im Gremium.

Im Vorfeld hatte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich die Zahlen erläutert. In Beerfelden ist die Kita derzeit voll belegt. Es gibt hier eine lange Warteliste. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterweiterungsbau aufgenommen werden müssten. Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kita, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen.

 

Haushalt wird kräftig durcheinander gewirbelt

Die Corona-Pandemie sorgt für kräftige Turbulenzen im Oberzent-Haushalt. Bürgermeister Christian Kehrer und Finanzchefin Franziska Michel stellten die aktuellen Zahlen dem Haupt- und Finanzausschuss auf dessen Sitzung im Bürgerhaus vor. Es ist überwiegend die Gewerbesteuer, die für kräftige rote Zahlen sorgt. Die Parlamentarier wussten sich mit der Verwaltung in der Hoffnung vereint, dass ein staatlicher Schutzschirm bis Jahresende für Besserung sorgen möge.

Kehrer wies zu Beginn darauf hin, dass es sich hauptsächlich um Schätzzahlen handelt. Die Gewerbesteuer liegt seinen Worten nach derzeit um 455.000 Euro niedriger als im Ergebnis 2019. Damals landete man bei 1,863 Millionen. Das war bereits niedriger als der Ansatz, was aber an sich ändernden Zahlen aus dem kommunalen Finanzausgleich lag.

Gerechnet hatte man fürs Jahr 2020 in der Planung ursprünglich mit 1,629 Millionen Euro Einnahmen, was nun obsolet ist. Auch Einkommen- und Umsatzsteuerumlage werden nach unten gehen, prognostizierte der Bürgermeister. Allerdings ist die Höhe noch unklar. Weniger Gewerbesteuereinnahmen bedeuten auch eine geringere Umlage, die noch nicht genau bezifferbar ist. Also ein Fahren auf Sicht.

„Wir fahren im Odenwaldkreis eine einheitliche Linie“, meinte Kehrer zum geplanten Erlass der Kindergartengebühren in den Monaten April bis Juli. Dieser muss jedoch noch final von der Stadtverordneten-Versammlung beschlossen werden. Derzeit, erläuterte er, läuft in den Einrichtungen ein erweiterter Notbetrieb. Der Magistrat beschloss bereits eine Stundung, die von den Gremien in ihrer Juli-Sitzung noch in einen Gebührenerlass umgewandelt werden müsste. Es geht hier um 76.000 Euro.

Bei der Spielapparatesteuer rechnet die Stadt mit Ausfällen von 6000 Euro. 9000 Euro zusätzlich fielen durch die Beschaffung von Masken und Desinfektionsmitteln sowie durch Schutzmaßnahmen an. Auf der anderen Seite gab unfreiwillige Einsparungen durch die Absage von Veranstaltungen wie Pferdemarkt und Seniorennachmittag in Höhe von 56.500 Euro.

Der Wald bleibt weiter das Oberzent-Sorgenkind. Der Borkenkäfer treibt weiter sein Unwesen und sorgt dafür, dass die Holzpreise im Keller sind. „Da wird sich nicht viel tun“, blickte der Bürgermeister sorgenvoll auf die einstige Schatzkammer von Oberzent. Bis 2017 lieferte der Wald im Schnitt zusammen 700.000 Euro Einnahmen an die vier früheren Kommunen Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck ab.

Seit der Fusion ist es damit vorbei. Erst kaum der Sturm, dann die Hitze, dann der Käfer – oder alles zusammen. Die Einnahmen bewegten sich über 130.000 (2018) und 33.000 Euro (2019) Richtung rote Null in diesem Jahr. Auf dem Papier sind im Waldwirtschaftsplan 2020 noch 117 Euro Plus vermerkt, aber aktuell steht man bei 100.000 Euro Miesen, verdeutlichte der Bürgermeister. „Wir hoffen noch auf null zu kommen“, sagte er.

Die Aufarbeitung des Käferholzes kostet seinen Worten nach so viel, „dass die Einnahmen nicht gedeckt sind“. Die fehlenden 700.000 Euro aus der Holzvermarktung zehren quasi komplett den „Fusionsbonus“ auf, erklärte das Stadtoberhaupt. Also die Summe, die die neue Stadt eigentlich zusätzlich im Haushalt haben wollte, eben weil sich die vier Gemeinden zusammengeschlossen hatten. Nun ist also wie bereits früher Sparen angesagt, bis es knirscht.

Kehrer hatte wenig Hoffnung auf schnellere Finanz-Besserung. Er rechnet damit, dass mindestens fünf bis sechs Jahre lang, wahrscheinlich länger, der Wald als Geldgeber ausfällt. Michel kündigte noch an, dass in der nächsten Zeit ein Darlehen aufgenommen werden muss, um die anfallenden Ausgaben zu bestreiten. Es dürfte zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro werden, sagte sie. Für diese Höhe liegt noch eine Ermächtigung aus dem Haushaltsjahr 2019 vor.

 

Dringender Handlungsbedarf bei Kita-Plätzen

Oberzent braucht dringend neue Kindergartenplätze. In Beerfelden ist die Not am größten, aber auch Kailbach klagt über Platzmangel. Unter-Sensbach steht durch die Eröffnung einer zweiten Gruppe ganz gut da. In Rothenberg geht es vor um die räumliche Situation. Stoff genug also für den Sozial-, Kultur- und Gesundheitsausschuss, der erstmals in eigener Verantwortung tagte. „Wir nehmen als Mandatsträger das Heft in die Hand, damit Bewegung in die Sache kommt“, kündigte der stellvertretende Vorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) an.

Das ewige Warten auf Fördermittel, nur um zu erfahren, „dass sie vergeben oder gestrichen sind“, ist seiner Ansicht nach nicht zielführend, betonte er. Denn wenn danach die Planungen für einen Um- oder Neubau erst einmal wieder ad acta gelegt werden, bleibt das Problem der fehlenden Plätze bestehen oder wird sogar noch größer.

„Es ist ein schweres Dilemma“, formulierte Zucht, dass Fördermittel des Landes anscheinend – wie beim Beispiel Kindergartenneubau Rothenberg – im „Windhundprinzip“ vergeben werden. Er sah dies als eine gravierende Benachteiligung des ländlichen Raumes.

„Um zu Potte zu kommen“, ist ein Agieren unabhängig von Fördermittel notwendig, wusste sich Zucht mit seinen Kollegen der verschiedenen Fraktionen einig. „Wir sind in der Pflicht“, wies er auf den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hin. 45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – „und es werden nicht weniger“.

Bis zur kommenden Sitzung des Ausschusses am 13. Juli soll das Bauamt nach dem Wunsch des Ausschusses nun unter zeitlichen und finanziellen Kriterien prüfen, wie eine Containerlösung für die Standorte Beerfelden und Kailbach aussehen könnte. Auch für einen möglichen Waldkindergarten soll bis dahin eine Expertise eingeholt werden. Varianten davon gibt es bereits in umliegenden Orten wie Eberbach und Erbach. „Jedes Format ist ein Plus“, so der Ausschuss-Vorsitzende.

Dann könnte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Nägel mit Köpfen machen. Natürlich würden es die Ausschussmitglieder gerne sehen, wenn es bereits zum nächsten Kindergartenjahr eine Lösung gäbe, aber so schnell wird es wohl nicht gehen. Zucht hob hervor, dass ein Anbau in Beerfelden und ein Neubau in Rothenberg „noch nicht vom Tisch sind“. Sollte es neue Fördermittel geben, „stehen wir Gewehr bei Fuß“.

Diese Projekte laufen seinen Angaben nach aber mehrere Jahre. „Wir brauchen jedoch jetzt etwas kurzfristig Umsetzbares“, betonte er. Bei den Containern denkt man an einen Kauf. Denn sie ließen sich, sollten sie für den Kindergarten einmal nicht mehr gebraucht werden, anderweitig umwidmen. Andererseits werden sie jedoch für diesen Zweck einige Zeit im Einsatz sein, sodass eine Anmietung nicht so sinnvoll erscheint.

Dem Ausschuss geht es mit seinen Vorschlägen und Ideen auch um die Außenwirkung: „Wir müssen ein Signal setzen, dass etwas passiert“, ist Zucht wichtig. Denn das Thema schleppt sich schon lange dahin, ohne dass Fortschritte zu erkennen sind. „Es muss Priorität haben“, postulierte er. Die Mandatsträger wollen nicht länger zuwarten. So schnell wie es organisatorisch und finanziell machbar ist, sollen die Container sehen. „Wir haben ein Ziel formuliert und werden es mit Nachdruck weiter verfolgen“, war fraktionsübergreifend der Tenor im Gremium.

Im Vorfeld hatte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich die Zahlen erläutert. In Beerfelden ist die Kita derzeit voll belegt. Es gibt hier eine lange Warteliste. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterweiterungsbau aufgenommen werden müssten. Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kita, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen.

Feuerwehren legen langsam wieder los

Seit Anfang des Monats gibt’s nach der Corona-Auszeit bei den Feuerwehren in Oberzent wieder einen sogenannten „eingeschränkten Regelbetrieb“. Langsam werden die Übungen wieder hochgefahren, aber Ausbildungen und Lehrgänge finden weiter nicht statt. Bei den alten Hasen sitzen die Handgriffe, aber gerade die Neulinge müssen darben, sagt der Ober-Hainbrunner Feuerwehr-Vereinsvorsitzende Stefan Hofmann. Und der eingeschränkte Regelbetrieb ist mit einigen Auflagen verbunden, erklärt Björn Jöst von der Kailbacher Feuerwehr.

Das fängt beim Betreten des Feuerwehrhauses an: Hände waschen, lautet die Devise. Bei theoretischen Ausbildungen in geschlossenen Räumen ist je Teilnehmer ein Mindestabstand von 1,5 Meter vorzusehen, schildert er weiter die Corona-Vorkehrungen. „Da die Größe unseres Schulungsraums sehr gering ist, dürfen maximal fünf Personen an der Theorie teilnehmen“, heißt dies.

Die praktische Ausbildung erfolgt bei der Oberzent-Stadtteilwehr im ehemaligen Hesseneck wie bei anderen auch in Kleingruppen mit maximal sechs Personen inklusive Mund-Nasenschutz. Auf Gruppen- und Zugübungen oder solche größerer Einheiten wird bis auf weiteres verzichtet. Die Kleingruppen sind laut Jöst immer mit dem gleichen Personal zu besetzen. Außerdem sollen die Übungen nach Möglichkeit am eigenen Standort vornehmlich im Freien durchgeführt werden.

Als erste Unterrichtseinheit begann man in Kailbach mit einer umfassenden Schulung zu den derzeitig gültigen Standardeinsatzregeln sowie den Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, so Jöst. Weder auf Kreis- noch auf Landesebene wurden in den vergangenen drei Monaten Lehrgänge durchgeführt. „Besonders schmerzlich für uns war“, bedauert er, dass ein geplanter Lehrgang Technische Hilfeleistung Verkehrsunfall speziell für die Oberzentwehren abgesagt werden musste. Denn daran wollten vier Kailbacher teilnehmen.

Björn Jöst hofft, dass die Ortsteilwehr ihre traditionelle gemeinsame Länderübergreifende Übung mit Eberbach-Friedrichsdorf am 26. September ganz normal durchführen kann. Eine Katastrophenschutzübung mit der Wehr aus Hiltersklingen „mussten wir Corona-bedingt Anfang Mai leider absagen“, erzählt er. Er wäre außerdem froh darüber, wenn Übungen an verschiedenen Objekten und nicht nur am Feuerwehrgerätehaus, solche mit allen Einsatzkräften und gemeinsame der Wehren Kailbach, Hesselbach und Schöllenbach durchführen zu können.

Zum Glück wirkte sich die fehlende Übungspraxis in letzter Zeit nicht negativ aus, macht Jöst drei Kreuze. Da die Kailbacher als eine der wenigen Wehren im Kreisgebiet auf einem Fahrzeug eine komplett bestückte Dekontaminationsbox vorrätig haben, „hatten wir auch sofort genügend Schutzmasken, Händedesinfektionsmittel und Flächendesinfektionsmittel an Bord“. Denn durch die Lieferengpässe dauerte es bei den Kollegen in Oberzent etwas.

Wenn ein großer Raum zur Verfügung steht, darf man mit bis zu 15 Kameraden Unterrichte machen, weiß Marc Gärtner von der Beerfeldener Wehr. Bis Anfang Juni gab es nur die Möglichkeit des Online-Unterrichts und der Einzel-Ausbildung, schildert er die Situation. Der Betrieb in den Werkstätten zur Prüfung von Geräten lief immer unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Der Beerfeldener üben immer mit einer Gruppe an einem anderen Wochentag. Zum Glück gab es in der vergangenen Zeit auch wenige Einsätze. Ähnliches berichtet Jochen Weinthäter aus Rothenberg.

Marcel Schäfer aus Unter-Sensbach weist darauf hin, dass Personen der Risikogruppen Ü60, die ihren Dienst verlängerten, und solche mit Vorerkrankung noch vom Übungsbetrieb ausgenommen sind. Durchgeführt werden Präsentationen vom Kreis und Land über Unterrichtsthemen. Lehrgänge sind bis auf die beruflichen noch abgesagt, erläutert er. Vor kurzem gab es die erste praktische Ausbildung in Kleingruppen.

In Finkenbach wurden während des komplett eingestellten Übungsbetriebs wichtige Infos per E-Mail oder WhatsApp geschickt, sagt der stellvertretende Wehrführer Wolfgang Buchert. Auch die Voraushelfer dürfen seit April auf Anordnung des Kreises nicht ausrücken. Von der Stadt bekam man Desinfektionsmittel, Einweganzügen, Masken und Brillen für besondere Einsätze mit Verdacht auf Corona.

„Bei Einsätzen wird darauf geachtet, dass nicht zu viel Personal an die Einsatzstelle fährt“, schildert Buchert das Vorgehen. Führungskräfte fahren in getrennten Fahrzeugen. Es wurden mehrere Gruppen gebildet, um etwas Ausbildung durchzuführen. „Ich denke, dass wir durch den Übungsausfall keine negativen Folgen hatten, da wir doch einen guten Ausbildungsstand haben“, blickt er zufrieden auf die Leistungsfähigkeit der Finkenbacher.

Vereinsvorsitzender Jens Schindler bedauert, dass die Grillnacht im Mai ausfiel. Beim Weinfest im September wartet man noch ab, wie sich die Lage bis dorthin entwickelt. „Für uns sind diese Feste wichtige Einnahmequellen“, so Schindler, um etwa Geräte für den Brand- und Katastrophenschutz der Bevölkerung finanzieren zu können. „Glücklicherweise haben wir monatlich keine großen Fixkosten“, erzählt er. Jedoch fallen dieses Jahr die Investitionen kleiner aus.

In Ober-Hainbrunn ist der Raum groß genug, „damit wir weit genug auseinander sitzen“, berichtet Stefan Hofmann. Seit sie wieder darf, führte die Stadtteilwehr zwei kleiner Übungen durch. Es gab in der vergangenen Zeiten einen kritischen Verkehrsunfall mit Kontaktsperre, weiß er. Hofmann tut es vor allem für den Nachwuchs leid. „Wir haben zwei Jungs dabei, die noch keine Praxiserfahrung sammeln konnten“, sagt er. Außerdem gibt es drei Neulinge, die auf ihren Lehrgang warten.

Fastnachter sind noch gelassen: Erstmal „laafe losse“

Noch blicken die Fastnachter in den verschiedenen Oberzent-Hochburgen relativ gelassen Richtung Kampagneneröffnung. Sie verfolgen aber aufmerksam die bundesweite Diskussion, ob es wegen Corona ab dem 11.11. wieder viel Narretei geben kann, ob diese abgesagt oder eingedampft werden muss. Zumindest der Übungsbetrieb der diversen Tanzgruppen ist bereits wieder angelaufen oder steht kurz davor.

Dass in den ländlichen Gemeinden Fastnacht nach wie vor eine bodenständige Veranstaltung ist, zahlt sich für den Präsidenten der Narrhalla Hainbrunn, Frank Flachs, jetzt aus. Die Oberzent-Vereine können viel flexibler auf die sich stetig ändernde Situation reagieren. Die Großen in Köln oder Düsseldorf „gehen jetzt schon in die Planung und haben wahnsinnige Auslagen im Vorfeld“, weiß er.  Es rächt sich nun laut Flachs, „dass dort alles immer größer, toller, besser werden musste“.

Anders bei der Narrhalla: „Bis Ende Oktober haben wir keine Auslagen“, weiß der Präsident. Entsprechend werden die Narren im Finkenbachtal so lange abwarten und schauen, wie sich die Lage entwickelt. Er kann es nicht nachvollziehen, dass der Bund deutscher Karneval (BdK) schon jetzt in die Öffentlichkeit geht und Absagen in den Raum stellt. Für den Hainbrunner müssen die Faschingsgiganten nun den Preis für ihr bisheriges Wetteifern um die beste schönste und tollste Kampagne bezahlen.

Von Kaffeesatz lesen und Glaskugel schauen hält Flachs nichts. „Weiß ich denn, was in einem halben Jahr ist“, wird er aktuell noch keine Entscheidung pro oder contra Kampagne treffen. Vielleicht könnte es Fastnacht mit Eingangskontrolle geben – rein kommen alle mit Corona Test, sieht er einige Möglichkeit der Durchführung. „Wir lassen alles auf uns zukommen“, blickt er gelassen nach vorn. Der Präsident sieht die Narren im kleinen Stadtteil gut aufgestellt. Die Gruppen trainieren bereits im Rahmen des Hygienekonzepts.

Ähnlich gehen die Fastnachter auf dem Berg an das Thema ran: „Aktuell betrachten wir die Diskussionen noch aus der Distanz“, erläutert Robin Hemberger von der Carneval Gesellschaft Beerfelden (CGB). Zwar treffen sich natürlich schon wieder die Gruppen unter Einhaltung aller Regeln, „aber wirklich intensiv ins Planen von Szenarien gehen wir wohl erst im August oder September“.

Das hat auch einen praktischen Grund: „Man weiß jetzt noch nicht, wie die behördlichen Regelungen bis dahin aussehen.“ Abgespeckte Versionen sind für die Beerfeldener Narren dann sicher auch Denkmodelle. „Im Moment gilt noch unser altes Motto: Laafe losse…“, nimmt Hemberger die derzeitige Hängepartie mit dem gebotenen närrischen Humor.

Im Sensbachtal verfolgt man ebenfalls aufmerksam, wie sich die närrische Großwetterlage entwickelt. „Wir bekommen auch über Verbände und befreundeten Vereine mit, dass diese Diskussion läuft und wir haben uns auch schon selbst darüber verständigt“, teilt Thomas Johe vom MGV Sensbachtal mit. Der Vorsitzende des TSV, Gerd Scheuermann, und Johe sind so verblieben, „dass wir spätestens Ende September oder Anfang Oktober entscheiden werden, ob die Sensbacher Fastnacht stattfinden kann oder nicht“.

Sollte den närrischen Sensbachtalern zwischenzeitlich die Entscheidung vom Staat abgenommen werden, „dann müssen wir uns natürlich beugen“, so Johe. In der Zwischenzeit werden, erklärt er, die TSV-Tanzgruppen nach Abwägung und Einhaltung der Hygienevorschriften nach und nach wieder ins Training gehen. Anders die MGV-Sänger: „Wir sind momentan total lahm gelegt und können nur grobe Pläne machen, was wir singen könnten.“

Deshalb bleibt es für den Vorsitzenden Johe „spannend, wie es weiter geht“. Denn im Tal der Liebe steht dieses Jahr ein besonderes närrisches Jubiläum an: Die kommende  Kampagne wäre die 44. Die würde man logischerweise sehr gerne feiern.

 

Der Trend geht zur Urne

Das Urnengrabfeld auf dem Sensbacher Friedhof wurde endlich angelegt, freut sich Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann über den Baufortschritt in Corona-Zeiten. In den drei Orten des früheren Sensbachtals muss jetzt die Möglichkeit einer Urnenbestattung besser bekannt macht werden, schätzt Kuhlmann. Denn bisher wurde diese Bestattungsform seiner Kenntnis nach noch nicht so stark nachgefragt, wie es anderswo der Fall ist. Des Öfteren wird inzwischen keine Erdbestattung mit Sarg mehr gewünscht. Auch ist ein Urnengrab viel günstiger als die „Standard-Variante“.

Auf dem bestehenden Urnengrabfeld (Urnengräber mit Grabeinfassungen und Grabsteinen) des Sensbacher Friedhofs auf der Höhe stehen aktuell noch etwa 20 Grabstellen zur Verfügung, weiß der frühere Bürgermeister Egon Scheuermann. „Es bietet sich aber an, auf der nördlichen Seite des neuen Urnenfeldes ein weiteres anzulegen“, erklärt er. Damit könnte die Wiesenfläche mit den Urnengrabstellen integriert und eingerahmt werden.

Das neue Urnenfeld (Urnen in Wiese eingelassen) hat 120 Grabstellen, erläutert er. Hinter jeder Steinanordnung sind 30 Urnengrabstellen vorgesehen. Die Namensschilder werden an der großen Säule angebracht (in jeweiliger Ausrichtung auf die beigesetzte Urne). An den Steinanordnungen können auch Blumen und Gestecke abgestellt werden, ebenso in Ausrichtung auf die beigesetzte Urne. Um die hohe Säule wird noch eine Bank angeordnet.

Die Steinanordnungen auf dem Sensbacher Friedhof wurden von der Firma Tobias Kabel aufgestellt, weiß Scheuermann. Die Sandsteinsäule, die Zuwege und die Wiesenflächen wurden durch den städtischen Bauhof sehr schön und sinnvoll angelegt, beobachtete er. Die äußeren Steinsäulen wurden bereits zu Zeiten der Gemeinde Sensbachtal fertiggestellt.

Auf dem Hebstahler Friedhof ist das neue Urnenfeld unterhalb des Weges ist für etwa 22 Urnengrabstellen (bis zu zwei Urnen je Grabstelle) vorgesehen, tat sich hier bereits im vergangenen Jahr etwas. Auch hier ging der Oberzent-Bauhof zu Werke. „Das wurde sehr schön angelegt“, ist die einhellige Meinung von Kuhlmann und Scheuermann

Aktuell wird auf den vielen verschiedenen Friedhöfen der Oberzent-Stadtteile ausgelotet, welche Möglichkeiten es für alternative Bestattungsformen gibt, weil die Nachfrage danach immer mehr wächst. So wurde etwa auch in Finkenbach ein Bereich für eine pflegefreie Erdbestattung ausgedeutet. Am Gammelsbacher Friedhof wurde vom Bauhof der alte Kompostplatz abgerissen und dadurch das Urnenfeld erweitert. Der Abfall wird jetzt über zwei Container, die an der alten Einsegnungshalle stehen, vom Bauhof entsorgt, informiert Ortsvorsteher Konrad Helm.

Autarkie-Rechnung ohne die Behörden

Eigentlich war es als Autark-Projekt im Unter-Sensbacher Alten Weg gedacht. Doch dann machten die Initiatoren Bekanntschaft mit der restlichen Welt, die nicht einfach draußen bleiben wollte. Den Eigentümern rückten die versammelten Behörden auf die Pelle, da es verschiedene, nicht genehmigte Veränderungen auf dem Gelände gab. „Projekt Sensbachtal“ nennt sich das Vorhaben unter dem Dach des Vereins „Neuland-Siedler“.

Die angedachte und angegangene Umsetzung der Autarkie im Odenwald rief vor einiger Zeit den Sensbachtaler Ortsbeirat auf den Plan. „Wir haben dort die illegalen Erdbewegungen und Bauten bemängelt“, erläutert Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. Hessen-Forst, Stadt Oberzent und Landratsamt kamen so ebenfalls mit ins Boot.

Es ging in erster Linie um Geländeveränderungen im Außenbereich wie die Herstellung der Grundstückszufahrt, den Bau von Stellplatzflächen oder zwei abgestellte Wohnwagen auf der Fläche, schildert er die Situation. Die Bewohner bekamen nach Prüfung der Situation vor Ort durch die zuständigen Ämter seiner Kenntnis zufolge „drastische Auflagen“. Ein Rückbau wurde angeordnet und inzwischen durchgeführt.

Auf der Vereinswebseite ist über das Projekt im früheren Sensbachtal zu erfahren, dass der jetzige Eigentümer das Grundstück vor einigen Jahren kaufte. 4000 Quadratmeter, teilweise bewaldet, sowie mehrere Nebengebäude stehen neben dem Haupthaus zur Verfügung. „Das Grundstück verfügt über eine starke Hanglage, welche aber nach und nach mit Terrassen versehen werden soll“, heißt es weiter.

Außerdem soll der Beschreibung nach das gesamte Grundstück mithilfe von permakulturellen Prinzipien/Methoden beackert werden, wodurch man die vergleichsweise wenigen, durch die Tallage bedingten Sonnenstunden möglichst gut ausgleichen will. Denn im Winter verschwindet die Sonne zwischen 15 und 16 Uhr hinter den Bäumen, lässt sich der Beschreibung auf der Webseite entnehmen. Es besteht der Erläuterung zufolge zudem die Möglichkeit, in der direkten Umgebung viel landwirtschaftlich nutzbare Fläche dazu zu pachten.

Gegenüber des Grundstücks verläuft der Sensbach, direkt angrenzend gibt es große Wälder, heißt es weiter. Das Gelände befindet sich an einer Anliegerstraße mit nur sehr wenig Durchgangsverkehr „und mit nur einem Nachbarn im Abstand von 100 Metern“. Es ist sehr ruhig gelegen. Wichtig für die Initiatoren: „Durch die Tallage ist der Mobilfunk stark eingeschränkt/nicht vorhanden“. Es gibt kein mobiles Internet wie UMTS (3G) oder das geplante 5G, womit das Sensbachtal „eine der wenigen komplett strahlungsfreien Zonen in Deutschland“ ist, freuen sich die Projektierer.

 

Liegend die schöne Oberzent genießen

Eigentlich sollten die aus dem Budget von verschiedenen Ortsbeiräten angeschafften Waldsofas bereits früher im Jahr mit ehrenamtlichen Kräften an besonders schönen Plätzen aufgestellt werden. Doch Corona machte diesem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung. Seitdem die Auflagen gelockert wurden, können die Ortsbeiräte nun zu Werke gehen. Das Ergebnis wird bereits gerne liegend genutzt.

„Wir haben unsere beiden Waldsofas endlich aufgestellt“, freut sich Sensbachtals Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. „Unglaublich, wie viele Leute sie  am Wochenende schon genutzt haben“, beobachtete er. Der Ortsbeirat baute die Ruheliegen an zwei Stellen entlang des Panoramawegs auf: an der Talblickhütte in Ober-Sensbach und an der „Hermetze“ in Unter-Sensbach.

„Beide Plätze haben eine wunderschöne Aussicht und liegen direkt am zertifizierten Premium-Wanderweg“, weiß Kuhlmann aus eigener Anschauung. Der Ortsbeirat von Sensbachtal finanzierte – wie auch die Gremien in den anderen Oberzent-Stadtteilen – die Waldsofas aus seinem Budget.

Bänke entlang des Panoramawegs wurden nochmals vom früheren Bürgermeister Manfred Heiss freigemäht. Der Ortsbeirat hat auch fürs kommende Jahr nochmals zehn Sitzbänke über den Geo-Naturpark bestellt. Der Verein „Sensbachtal Aktiv“ übernimmt dafür die Kosten.

Es wurden aber auch schon einige Bänke von Privatpersonen bezahlt, freut sich Kuhlmann über die Verbundenheit der Bürger mit ihrem Dorf. Die Feuerwehr Unter-Sensbach kümmert sich regelmäßig um das Streichen und gegebenenfalls Reparaturen. Die Revierförsterei Unter-Sensbach unterstützt bei Planung und Umsetzung.

In Sensbachtal packen immer alle mit an. Ralf Beisel war bei Lagerung und Logistik der Waldsofas sehr hilfreich, hebt der Ortsvorsteher hervor. Der NABU Sensbachtal kümmert sich daneben um diverse Aussichtspunkte und „Rastplätze“ entlang des Panoramawegs. Die Talblickhütte wurde kürzlich von Herbert Wagner komplett neu gestrichen. Er führte auch Dachreparaturen an der Adam-Schwinn-Hütte durch. Der Ortsbeirat plant, die anderen Schutzhütten ebenso zu renovieren.

Aus Ober-Hainbrunn stammt die Idee der Waldsofas, die dann die Oberzent-Runde machte. Auch dort nutzten die Mitglieder des Ortsbeirats das schöne Wetter, um die beiden Bänke aufzustellen. Wegen Corona geschah dies zu zweit mit einem kleinen Kran. „Sie werden sehr gut angekommen“, hat Ortsvorsteher Stefan Hofmann erfahren. „Es gab auch schon mehrere Anfragen, woher die sind.“ Beide Ruheliegen sind komplett aus Holz gefertigt: Füße und Liegefläche aus Akazie, der Unterbau aus Douglasie.

In Olfen lässt sich ebenfalls die Aussicht genießen. Eine Bank steht an der Bergwiesenhütte und eine unterhalb am Waldrand, teilt Horst Schnur mit. Die Hütte erreicht man entweder von der ersten großen Kurve von Airlenbach kommend links ab und 300 Meter über einen asphaltierten Weg. Oder vom Dorf aus mit Navi Bergwiesenweg, erläutert er. Von der Hütte am Waldrand abwärts kommt man zur zweiten Bank.

„Aufgrund von Corona steht die Bank noch nicht, da wir das zusammen erledigen wollen“, bedauert Ortsvorsteher Jürgen Sauer. Angepeilt ist für die Aktion derzeit Anfang Juni. Beerfelden war da schneller. Ortsvorsteher Christian Zimmermann beobachtet jeden Tag Leute darauf. „Eine Beschwerde gab es: Die Bank hätte am Galgen nix zu suchen“, schmunzelt er. Eine weitere steht im Güttersbacher Weg, am Abzweig nach Etzean.

Zwei Waldsofas gibt es auch in Gammelsbach. Eines befindet sich auf der Straße an der Burg vorbei Richtung Wald. Dann geht’s den ersten Weg links und 300 Meter Richtung Eberbach. Der Blick auf die Sensbacher Höhe und das Gammelsbacher Mitteldorf ist ein besonderer. „Die Resonanz ist wegen der Aussicht durchweg positiv“, hat Ortsvorsteher Konrad Helm deshalb viel positives Feedback erreicht. Die zweite Liege wird noch bei der Schmidtshütte mit Blick auf die Burg installiert.

Neues Team für den Kindergottesdienst

Ein Ende ist gleichzeitig auch ein Neuanfang. Nach mehr als 20 Jahren im Sensbachtaler Kindergottesdienstteam hört Helga Breidinger mit ihren 70 Jahren auf. Claudia Röger, die in den vergangenen zwei Jahren viel frischen Wind mit in die Truppe brachte, zieht berufsbedingt weg. Für die beiden stehen aber die jungen Nachfolgerinnen in den Startlöchern: Es geht mit Anja Höhner und Rebekka Michel weiter, versichert der evangelische Pfarrer Roland Bahre.

Als Helga Breidinger vor über zwei Jahrzehnten startete, „waren es am Anfang 20 Kinder“, erinnert sie sich. Mit Unterstützung von Christina Braner gab es Bastelangebote, wurden Psalme gesungen, Gebete gesprochen. Sensbacher Kinder von sechs bis 13 Jahren nahmen teil. War ein Geschwisterkind etwas jünger, durfte es ebenfalls dabei sein. Spiele, Weihnachtsmarkt-Singen, Mitgestaltung des Landfrauen-Gottesdienstes: Es war immer etwas geboten.

Als Highlight kennzeichnet sie das Krippenspiel. „Es war nicht immer einfach, alle unter einen Hut zu bringen“, weiß sie um das bunte Gewusel. Die jungen Teilnehmer wurden zwischenzeitlich durch den Geburtenrückgang weniger – jetzt geht es aber wieder aufwärts. Breidinger orientierte sich früher an der Kinderbibel, bestellte Bücher und suchte sich passende Stellen heraus.

Dass heutzutage eine Vielzahl von Angeboten nebst dem Internet auf die Kinder einprasselt, hat auch Helga Breidinger gemerkt. „Sie veränderten sich“, sagt sie. Die Ablenkungen neben der Vermittlung des christlichen Gedankens und der Vorbereitung auf die Konfirmation werden größer. Durch ihr Alter, schmunzelt Breidinger, „war ich auch nicht mehr so an der Basis wie junge Mütter.“

Für sie war es in all den Jahren eine „Herzensangelegenheit, meinen Glauben weiterzugeben“. Den bekam sie von ihrer Großmutter mit, die ihr immer aus der Bibel vorlas und sie prägte. Auch wenn die Sensbachtalerin nicht mehr im Kindergottesdienstteam mitwirkt, so bleibt sie dem Kirchenvorstand erst einmal erhalten. Dort ist sie bereits seit 24 Jahren aktiv.

Der gelernte Erzieherin Röger stieg vor zwei Jahren ein. „Es fällt mir leicht und macht Spaß“, sagt die 40-jährige Mutter von drei Kindern. Ihr „Erfolgsrezept“? Man muss es locker, fröhlich gestalten und die Kinder dort abholen, wo sie sind. „Ich habe immer eine Idee“ erzählt sie. Die wird dann unter Zuhilfenahme des Internets ausgearbeitet.

Wichtig ist die Einbeziehung der Sechs- bis 13-Jährigen. Vor allem darf es nicht zu ernst zugehen, betont Röger. „Die Kinder lieben es, hinterher zu basteln, Musik zu hören und was zu knabbern“, gehört auch ein Angebot nach der „offiziellen“ Zeit dazu.

Freundschaft, Zusammengehörigkeit, den Kleinen vermitteln, dass jeder einmalig ist: „Die Kinder sind heute anders, sie teilen sich mit“, meint Helga Breidinger. Weshalb es für Claudia Röger auch wesentlich ist zuzuhören und Vertrauen zu schaffen. Die Resonanz bei den Eltern ist sehr positiv: „Die Kids nehmen was mit“, bekommt sie als Rückmeldung. Sie erzählen zuhause vom Gelernten und Erlebten.

Aktuell werden im Sensbachtal 13 Heranwachsende betreut. Eine „enorme Zahl“, freut sich Pfarrer Bahre, wenn man bedenkt, dass es nur 17 Grundschüler gibt. Er hebt hervor, dass sich das Angebot an evangelische und katholische sowie nichtkonfessionelle Kinder richtet. Die 14-jährige Konfirmandin Rebekka Michel „ist quasi reingewachsen“, sagt Helga Breidinger. Sie ist von Anfang an dabei. Die 19-jährige Anja Höhner wurde von Claudia Röger angesprochen.

Pfarrer Bahre rechnet damit, dass die Kirchengemeinde noch in diesem Jahr auf die Unterstützung eines neuen Gemeindepädagogen bauen kann, der das Team dann fachlich begleitet. Zur Hälfte ist der Posten als städtische Jugendpflegerstelle vorgesehen.

Der Verabschiedungsgottesdienst für die beiden scheidenden Betreuerinnen war sehr stimmungsvoll. „Wir sind froh, dass zwei Nachfolgerinnen gefunden wurden und es keinen Stillstand gibt“, sagt der Geistliche. So findet die neue Power aus den vergangenen Jahren ihre Fortsetzung.

Evangelische Kirchengemeinde Beerfelden: Keine Sonntagsgottesdienste bis Pfingsten

„Im Bewusstsein unserer Verantwortung für die Menschen vor Gott und im Bekenntnis zu unserem Herrn Jesus Christus“, wie es Pfarrer Roland Bahre formuliert, hat der Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden angesichts des Coronavirus‘ einige weitreichende Regelungen beschlossen. Die wichtigste: In der gesamten Kirchengemeinde finden voraussichtlich bis Ende Mai, also kurz vor Pfingsten, keine öffentlichen Sonntagsgottesdienste statt.

„Wir haben uns dazu entschlossen, den Zeitraum bis Pfingsten zu wählen, weil wir finden, dass wir es als Kirche den Menschen schuldig sind, einigermaßen Planungssicherheit in dieser chaotischen Zeit zu bieten“, hebt der Pfarrer hervor. Besonderes Augenmerk in dieser Zeit wird auf die Seelsorge gelegt.

Der Geistliche weist darauf hin, dass es im Gegenzug besondere Angebote geben wird. Dazu zählt das „stellvertretende Gebet“ der Pfarrer sonntags in den Kirchen mit der Möglichkeit, das Vaterunser beim Ertönen der Vaterunser-Glocke von zu Hause mitzubeten. Weiterhin können per E-Mail an gebetsanliegen-beerfelden@web.de Gebetsanliegen vorgebracht werden. Im Angebot des „Offenen Ohres“ geht es um die Einzelseelsorge.

Dass die Frohe Botschaft, das Oster-Evangelium, verkündet werden muss, ist unbestritten, betont er. „Dass wir uns nicht zum Gottesdienst feiern treffen können, trifft uns als Kirchengemeinde ins Mark. Für mich als Christen ist das so, als würde man mir die Nahrung entziehen. Deshalb werden wir darüber nachdenken, wie wir Ostern feiern können, auch wenn wir uns nichtöffentlich versammeln.“

Der Konfirmationsgottesdienst am 17. Mai und alle damit verbundenen Gottesdienste finden ebenfalls nicht statt. Neue Termine sind Mitte September. Voraussichtlich wird auch kein Gottesdienst an Christi Himmelfahrt stattfinden.

Für Trauungen werden individuelle Lösungen gefunden, sagt er. Bestattungen finden nur im engsten Familienkreis und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das diesjährige Chorprojekt, das in Konzerten Ende September aufgeführt werden sollte, entfällt. Der Konfirmandenunterricht ist vorerst bis nach den Osterferien abgesagt. Alle weiteren Veranstaltungen sind bis Pfingsten ebenfalls gecancelt.

In den nächsten Wochen sollen die evangelischen Christen über den Gemeindebrief weitere Informationen erhalten. Wenn auch nicht öffentlich, „tritt die Kirche jeden Sonntag vor Gottes Angesicht“, so Bahre. Er und Pfarrer Roger Frohmuth werden in den Kirchen Beerfelden, Sensbachtal und Gammelsbach stellvertretend für die gesamte Gemeinde alleine Fürbitte halten „und vor dem Kreuz zu unserem Gott beten“.

Nach einer halben Stunde wird dem Pfarrer zufolge die Vaterunser-Glocke läuten, die die gesamte Bevölkerung einlädt, miteinander über die Grenzen der Wohnräume hinweg das das Vaterunser zu sprechen. Mindestens die großen Gottesdienste (Karfreitag und Ostersonntag) werden in der Martinskirche in Beerfelden aufgezeichnet und stehen dann auf der Homepage zur Verfügung.

Besondere Gebetsanliegen können Gläubige telefonisch den Pfarrern mitteilen oder ihnen ein Anliegen auf den Anrufbeantworter sprechen. Die sind Tag und Nacht eingeschaltet, um sie spätestens am darauffolgenden Sonntag vor Gott zu bringen. Zusätzlich wird es öffentliche Gebetszeiten in der Martinskirche Beerfelden geben, wenn zum stillen Gebet vor dem Kreuz eingeladen wird. Es besteht hier auch die Möglichkeit, eine Kerze zu entzünden und in einem Gebetsbuch ganz persönliche Gebetsanliegen vorzubringen.

„In dieser Zeit ist in besonderer Weise die Seelsorge gefordert“, hebt der Geistliche hervor. Wer ein persönliches Gespräch wünscht, kann sich telefonisch bei den Pfarrern melden. Das könnte im günstigsten Fall telefonisch stattfinden, um den direkten Kontakt weitgehend zu vermeiden. „Es ist unsere Berufung und unsere heilige Pflicht, für Sie da zu sein und Sie telefonisch oder in Ausnahmefällen auch persönlich zu Hause oder im Krankenhaus aufzusuchen und Sie so zu begleiten“, formuliert es Pfarrer Bahre.

 

 

Info: Notfallseelsorge und Krisenintervention (PSNV) finden in der Kirchengemeinde wie auch im Odenwaldkreis weiterhin statt. Einmal wöchentlich wird zudem die Möglichkeit bestehen, im Betsaal der Martinskirche Beerfelden Pfarrer Roland Bahre auf einen Kaffee zu treffen („Offenes Ohr“). Dieses Vier-Augen-Gespräch ist vertraulich und findet in geeignetem Abstand statt.

Stellvertretendes Gebet: Martinskirche in Beerfelden sonntags von 10 bis 10:30 Uhr mit abschließendem Vaterunser und Segen um 10.30 Uhr. Kirche Sensbachtal sonntags von 11 bis 11.30 Uhr mit Vaterunser und Segen um 11.30 Uhr. Kirche Gammelsbach sonntags von 12 bis 12.30 Uhr mit Vaterunser und Segen um 12.30 Uhr.

Bei Fragen und Unsicherheiten können sich die Gläubigen telefonisch an folgende Personen wenden: Gemeindebüro 06068/1330 (montags bis donnerstags jeweils vormittags), Pfarrer Bahre 06068/478125, Pfarrer Frohmuth 06068/2243, Pfarrerin Borck 06276/912084, E-Mail gebetsanliegen-beerfelden@web.de

Sensbachtal macht weiter gemeinsame Sache

Die drei Gemeinden des Sensbachtals wollen kommunalpolitisch keine getrennten Wege gehen. Der Ortsbeirat beschloss bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, der Stadtverordnetenversammlung zu empfehlen, für die Wahlperiode ab 2021 keine Änderung an der Zusammensetzung vorzunehmen. Somit wird es nach dem kommenden Jahr weiterhin einen gemeinsamen Ortsbeirat für die Stadtteile Ober-Sensbach, Unter-Sensbach und Hebstahl mit sieben Mitgliedern geben.

In der ehemaligen Gemeinde Hesseneck geht es augenscheinlich in die andere Richtung. Grund ist hier dem Vernehmen nach vor allem die finanzielle Benachteiligung der für mehrere Stadtteile zuständigen Ortsbeiräte bei der Verteilung des Budgets. Denn das wird nicht pro Ort, sondern pro Ortsbeirat ausgezahlt, sodass eigentlich größere Ortschaften anteilig um einiges weniger bekommen, als wenn sie pro Dorf abgerechnet würden.

Im Sensbacher Ortsbeirat wurden Bedenken laut, ob man mindestens fünf Kandidaten in jedem Stadtteil finden wird. Dann sonst könnte kein Gremium gebildet werden. Bei einer Änderung müsste die Hauptsatzung spätestens ein Jahr vor Ablauf der Wahlperiode durch die Stadtverordnetenversammlung – mit Zustimmung des Ortsbeirats – geändert werden.

Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann informierte, dass dringende Landschaftspflegemaßnahmen durchzuführen sein. Das betrifft Freizeit- und Feuerlöschteich Ober-Sensbach, Pilz am Hannmichelsbuckel und Panoramaweg im Bereich Scholze Heide/Hermetze. Ortsbeiratsmitglied Herbert Obenauer, gleichzeitig Vorsitzender der NABU-Gruppe, teilte mit, dass seine Gruppe gerne wieder bereit ist, dies zu übernehmen. Dankbar wäre er für weitere freiwillige Helfer. Im Bereich Sitzbänke auf der

Auch an anderer Stelle ging es um die Natur. Dem Ortsbeirat wurden von verschiedener Seite defekte Ruhebänke auf der Gemarkung gemeldet. Der Vorschlag lautete, dass das Gremium über den Geo-Naturpark zehn neue Ruhebänke bestellt. Der auf die Stadt entfallende Eigenanteil soll wieder wie bereits 2019 vom Verein Sensbachtal aktiv übernommen werden, so dass die Kommune lediglich die Arbeiten für das Aufstellen der Bänke übernehmen muss. Verschiedene Wandertafeln des Geoparks sind nicht mehr aktuell und sollen geprüft werden.

Verschiedene Schutzhütten müssen überarbeitet werden (Streichen, Dachinstandsetzung). Herbert Wagner aus Hebstahl brachte sich hier vorbildlich ein, sagte Kuhlmann. Er erklärte auch seine Bereitschaft, weitere Arbeiten mit dem Ortsbeirat zu koordinieren und durchzuführen. Vordringlich sind die Talblickhütte in Ober-Sensbach und die Adam-Schwinn-Hütte in Hebstahl. Die Instandsetzung der Steinhäusel-Hütte sollte für später vorgesehen werden.

Die Sanierung der Sporthalle in Unter-Sensbach brennt den Bürgern auf den Nägeln. Kuhlmann erläuterte, dass am 27. Februar eine öffentliche Sitzung des Bauausschusses stattfinden soll, auf der außerdem Bikepark, GesundheitsVersorgungsZentrum, Bahnhof Hetzbach und die Kindertagesstätten Thema sind. Die Planung der Ausschreibung für die Sporthallensanierung läuft. Die Finanzierung und der zeitliche Ablauf müssten geklärt werden. Sobald Ergebnisse vorliegen, werden der Ortsbeirat und alle weiteren Beteiligten informiert und in das weitere Verfahren mit einbezogen, so seine Aussage.

 

Info: Gemeinsame Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses mit dem Bau-, Umwelt- und Infrastrukturausschuss Donnerstag, 27. Februar, 19.30 Uhr, Bürgerhaus Beerfelden, Bühnensaal

 

Ein eigenes Etikett für jede Kirche

Dieser Wein wird in den jeweiligen Orten besonders gut munden. Seit einem Dreivierteljahr bezieht die evangelische Kirchengemeinde Beerfelden ihre süffigen Tropfen von einem neuen Weinhändler: dem Weingut Beyer-Bähr aus Rheinhessen, das auch alle vier Wochen auf dem Beerfelder Wochenmarkt anzutreffen ist. Spätburgunder und Riesling bekommen nun je nach Ausschankort ein eigenes Etikett mit der jeweiligen Kirche aus Gammelsbach, Unter-Sensbach und Beerfelden.

Den Entwurf dafür gestaltete Uwe Breidinger, das Etikett stellt die Firma Schwinn in Gammelsbach kostenfrei her. Dort fand auch die offizielle Vorstellung des neuen „Outfits“ der 0,75-Liter-Flaschen mit Pfarrer Roger Frohmuth, Kirchenvorstand Raimund Keysser sowie Geschäftsführer Stefan Frey und Seniorenchef Ernst-Ludwig Schwinn statt.

Als Abendsmahlswein sowie als Präsent für Geburtstage, Goldene Hochzeiten und Jubiläen wird das Produkt des Betriebs aus Flörsheim-Dalsheim verwendet, erläuterte Frohmuth. Der Vorteil: Die Kirchengemeinde muss keine großen Mengen horten, sondern kann jeden Monat ihren Bestand wieder auffüllen, wenn das Weingut sowieso in Beerfelden präsent ist.

Seit 2013 gibt es den Kirchenwein, erinnert sich Raimund Keysser. Ein paar Flaschen der früheren Bestände existieren noch, aber es musste Nachschub her. „Wir dachten, das wäre ein schönes Symbol, damit die Kirche repräsentiert wird“, ergänzt er. Außerdem haben die Beschenkten etwas Besonderes mit lokalem Charakter in den Händen. Nach Breidingers Vorlage wird das Etikett in seinen drei Ausfertigungen mit den verschiedenen Gotteshäusern bei Schwinn gefertigt. Die Flaschen lassen sich dann je nach „Einsatz“ bekleben.

Etiketten werden in der alteingesessenen Firma seit 1995 hergestellt, eine Haarzurichterei gibt es bereits seit 1948. Inzwischen ist die dritte Generation im Familienbetrieb mit 15 Beschäftigten am Ruder. „Heutzutage wird sehr viel etikettiert“, freut sich Stefan Frey. Die Gammelsbacher Produkte gehen nach ganz Europa – und jetzt eben auch an die heimische Kirchengemeinde.

Oberzent-Neujahrsempfang: Jugendförderpreis für Singkreis Odenwald

Er sei froh, Bürgermeister in einer Stadt zu sein, „in der so viel geleistet wird“, bekannte Bürgermeister Christian Kehrer beim Neujahrsempfang der Stadt Oberzent in der Alten Turnhalle Beerfelden. Bis die Gäste im gestopft vollen Saal mit einem Glas Sekt aufs neue Jahr anstoßen durften, sollte allerdings einige Zeit vergehen. Denn das umfangreiche, aber auch kurzweilige Programm erforderte Sitzfleisch.

Die neu formierte „Big Band Oberzent“ sorgte für die musikalische Auflockerung zwischen einzelnen Punkten. In ihr haben sich etliche gestandene Männer plus ein Jungspund zusammengefunden, die der Spaß am Musizieren eint. Rauschender Beifall belohnte den Auftritt, der unter anderem ein Glenn-Miller-Medley und ein paar Rockstücke umfasste. Bei diesem Repertoire und den gezeigten musikalischen Fähigkeiten wäre ein eigenes Konzert der nächste logische Schritt.

Von den älteren Semestern zu den Jüngsten: Der Kinderchor des Singkreises Odenwald erhielt aus den Händen von Kehrer und Landrat Frank Matiaske nicht nur den mit 1000 Euro dotierten Jugendförderpreis, sondern eroberte mit zwei Stücken auch die Herzen der Zuhörer. Unter der Leitung von Melanie De Meo wurden bei „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ Schneebälle übers Publikum ausgeschüttet.

Matiaske nahm es mit Humor, dass er direkt nach dem schwungvollen Auftritt der Big Band ans Mikro trat. „Viele hätten gerne eine heiße Sohle auf Parkett legen wollen und jetzt kommt das Grußwort des Landrats“, schmunzelte er. „Von deinen Kindern lernst du mehr als sie von dir. Sie lernen eine Welt von dir, die nicht mehr ist, du lernst von ihnen eine, die nun wird und gilt“, stellte er ein Bonmot von Friedrich Rückert in den Mittelpunkt.

„Die Jugend ist unsere Zukunft“, führte Matiaske in sein Lieblingsthema ein, den demographischen Wandel. Angesichts von schrumpfenden Dörfern auf dem Land sah er eine Beschäftigung damit als brennender denn je an. Der Landrat zeigte sich den vielen Vereinen gegenüber dankbar, die Kindern im Odenwald eine gute Jugend bieten. Damit wird seinen Worten zufolge eine wichtige Basis geschaffen, damit diese nach Ausbildung und Studium in der Ferne wieder in die Heimat zurückkehren.

Bisher auf Beerfelden beschränkt, kann der Jugendförderpreis seit der Fusion an Vereine in ganz Oberzent ausgeschüttet werden, informierte Kehrer. Ohne die Vereine ist für ihn die gemeinsame Stadt nicht vorstellbar. „Es ist einiges geboten in 19 Stadtteilen“, sagte der Bürgermeister. Er rief die Bürger auf, den gemeinsam begonnenen Weg weiter zu beschreiten. Beifall bekam Kehrer für seinen Appell, „nicht zu meckern, sondern rauszugehen“, den er im Zusammenhang mit den weniger werdenden Gaststätten an die Zuschauer richtete.

In seinem Jahresrückblick griff das Stadtoberhaupt einige prägnante Ereignisse von 2019 heraus. Natürlich dabei: die Musiknacht, bei der der Rathaus-Innenhof mangels der Masse an Kneipen „zur Partyzone wurde“. Oder Sportlerehrung, Zirkuswochen und Pferdemarkt, um nur einige zur nennen. Als Highlight nannte Kehrer den Seniorennachmittag, der hunderte von älteren Mitbürgern in die Walter-Heckmann-Halle führte, wo sie Tommy Steiner und Bata Illic lauschten.

Nicht nur in diesem Zusammenhang stellte er sein Rathausteam heraus, „das nicht auf die Uhr schaut“ und viele Veranstaltungen wie auch den Neujahrsempfang ehrenamtlich begleitet. OREG, Wirtschaftsförderung, Gewerbegebiet Zieglersfeld, Oberzent-Schule oder Revive Oberzent waren weitere erwähnte Punkte.

Grußworte richtete neben der Verleihung von Dankpräsenten Stadtverordnetenvorsteher Claus Weyrauch an die Gäste. Vor der Preisverleihung des Taschen-Gewinnspiels gab es einen eindrucksvollen Vortrag von Silke Naun-Bates. Sie sieht sich nach ihren schweren Unfall im Kindesalter, nach dem ihr beide Beine amputiert werden mussten, als „Botschafterin“ des Glücks, der Freiheit und des Friedens. Die in Bad Rappenau wohnende will Menschen Mut und Hoffnung schenken.