Überparteiliche werden bei der Stadtverordnetenwahl in Oberzent stärkste Fraktion vor der SPD

Die Stadtverordnetenwahl ist ausgezählt und hat zu interessanten Ergebnissen geführt. Die Überparteilichen stellen mit 35 Prozent und 13 Sitzen die mit Abstand stärkste Fraktion. Die SPD, bisher im früheren Beerfelden stark, muss sich mit Platz 2 begnügen. Die FDP kann sich in der neuen Stadt Oberzent wie schon in Beerfelden wieder gut positionieren. Die CDU ist mit neuen Köpfen und frischem Wind im kräftigen Aufwärtstrend. Die Grünen behaupten sich auf der kompletten Gemarkung.

„Hellauf begeistert“ zeigte sich der Spitzenkandidat der Überparteilichen Wählervereinigung Oberzent (ÜWO), Claus Weyrauch, von den 35 Prozent bei der Wahl. „Mit Abstand“ habe man das Ziel erreicht, stärkste Fraktion im neuen Parlament werden zu wollen. Wenn er auch als Bürgermeister-Kandidat mit seinem Ergebnis „frustriert“ war, weil politische Inhalte scheinbar nicht zählten, so sah sich nun bestätigt, „dass die Wähler dies doch für die Gremien durchaus zu schätzen wissen“.

In den kommenden Gesprächen wird die Fraktion „die generelle politische Richtung definieren“, sagte Weyrauch. Dazu zählte er unter anderem die Themen Ortsbeiratsbudget und Präambel der Geschäftsordnung. Ganz wichtig ist es ihm, dass die großen Probleme, „die lange vor sich her geschoben wurden“, angegangen werden. Als wichtigen Meilenstein nannte Weyrauch den Tourismuskonzept-Beschluss in der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung, der nun umgesetzt werden soll.

Ein bis zwei Sitze mehr in der neuen Stadtverordneten-Versammlung hätte sich SPD-Spitzenkandidat Thomas Ihrig gewünscht. „30 Prozent der Stimmen wären schön gewesen“, meinte er mit Blick auf das Wahlergebnis von knapp 28. Aber: „Es ist so, wie es ist.“ Die SPD-Themen aus dem Wahlkampf will die neue Fraktion im Parlament mit Nachdruck angehen.

Dazu zählt er Stadtentwicklung und Gesundheitsversorgung („das Thema muss in zwei bis drei Jahren umgesetzt sein“), Vereinsförderrichtlinien und auch die Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten. Definition der Aufgaben und Budget stehen hier für Ihrig an allererster Stelle. Die Ortsbeiräte kommen auch ins Spiel, wenn es um die Repräsentation mancher Dörfer in der neuen Stadt geht, die nicht über die Stadtverordneten-Versammlung vertreten sind. „Die dürfen sich nicht abgehängt fühlen.“

Der Neuauftritt der CDU Oberzent „ist absolut gelungen“, äußerte Spitzenkandidat Oliver von Falkenburg seine Freude über das Ergebnis. Wenn man die Stärke der Partei mit dem Ergebnis fürs frühere Stadtparlament Beerfelden vergleiche, sei es ein enormer Aufwärtstrend. „Wir wollen für die neue Stadt Verantwortung übernehmen“, kündigte er an.

Die Zusammensetzung der künftigen Stadtverordneten-Versammlung bezeichnete er als „erheblichen Kurswechsel“. Die Bürger wollen, dass neue Leute ans Ruder kommen. Die CDU will sich nun für eine bürgerliche Mehrheit zusammen mit ÜWO und FDP einsetzen. „Wir haben durch den aktiven Wahlkampf ein Stück weit CDU-Identität bei der Wählerschaft zurückgewonnen“, betonte er.

Die Grünen sind mit ihrem Ergebnis zufrieden, sagte Spitzenkandidatin Elisabeth Bühler-Kowarsch. Dies vor dem Hintergrund, „dass wir bisher hauptsächlich in der Kernstadt Beerfelden vertreten waren“. Es handle sich um ein Ergebnis, auf dem man aufbauen und die Aktivitäten in den anderen Stadtteilen ausbauen könne. „Die neue Fraktion wird kritisch und konstruktiv im Parlament arbeiten und eigene Akzente setzen“, kündigte sie an.

Erfreulich sei, dass die Wähler die hervorragende Präsentation von Bürgermeisterkandidat Thomas Väth bei der Stadtverordnetenwahl honoriert hätten und er mit Abstand die meisten Grünen-Stimmen auf der Liste erhielt. Man werde noch diskutieren, ob es eine Empfehlung für die Bürgermeister-Stichwahl gebe.

Das Wahlergebnis zur Stadtverordnetenversammlung freut die FDP Fraktion sehr. „Wir schauen positiv auf die uns erwartenden Aufgaben“, so Spitzenkandidat Frank Leutz. Breiter aufgestellt habe man verstanden, „dass es nicht nur um das Thema Windkraft gehen darf“, sondern die Themen Gesundheit und Wirtschaft von der Bevölkerung gewünscht auch zu den Schwerpunkten zählen müssen. Dieser Wunsch der Bürger ist durch das Wahlergebnis deutlich geworden und „dieser Herausforderung wollen wir uns auch gerne und mit voller Motivation stellen“. Sein persönliches Ergebnis „übertrifft alle Erwartungen“, wofür er sehr dankbar sei, sagte Leutz. (Foto: bei der Auszählung)

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Oberzent-Ausschuss: Gelände am Marbach-Stausee soll Facelifting bekommen

Marcel Gerling ist der neue Vorsitzende des vorläufigen Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Oberzent. Auf der konstituierenden Sitzung im Gemeindezentrum wurde der 39-jährige SPD-Mann aus Schöllenbach einstimmig gewählt. Ebenso ohne Gegenstimme wurde Chris Poffo (ÜWO, Beerfelden) zum Stellvertreter bestimmt. Der Gewählte plädierte für einen „fairen, offenen und respektvollen Umgang“ miteinander. Eröffnet wurde die Sitzung von Stadtverordneten-Vorsteherin Katharina Riesinger.

Das Gremium hatte sich gleich mit zwei Bebauungsplänen und einer Abrundungssatzung zu befassen. Bei letzterer handelt es sich um die „Friedhofstraße“ im Stadtteil Finkenbach. Diese war schnell und einstimmig abgehandelt, da es hier wenig Info- bzw. Erklärungsbedarf gab. Mit dem Bebauungsplan „Marbach-Stausee“ will der Odenwaldkreis das Gelände touristisch aufwerten, sagte Stadtbaumeister Peter Bauer zum nächsten Punkt.

Aktuell ging es um die Beratung und Beschlussfassung über die eingegangenen Stellungnahmen und die Ergebnisse aus der Beteiligung der Öffentlichkeit. Wie Bauer erläuterte, will die Naturschutzbehörde eine Einbindung des Zeltplatzes in den Plan. Es gehe im Wesentlichen um die Bestandssicherung des Geländes und eine marginale Erweiterung. Von allen Fachbehörden sei die Erweiterung des Parkplatzes am DLRG-Gebäude abgelehnt worden. Stattdessen soll laut Bauer die Parkfläche an der B460 ertüchtigt und etwas erweitert werden.

Landschaftsarchitektin Anke Heuer erläuterte ein paar Details. Demnach soll ein Kiosk mit einer Toilettenanlage entstehen. Der in Teilen bereits vorhandene Weg am Ufer wird weitergeführt. Vorhandenes Nadelholz soll als Ausgleichsmaßnahme in einen Laubholz dominierten Bereich umgebaut werden, sagte sie. Außerdem erhält der naturnahe Quellsumpf etwas oberhalb eine Umzäunung. Im Uferbereich entstehen Umkleiden-Paravents und Spielgeräte.

Wie Bauer ergänzte, ist ein Steg in den See vorgesehen, damit man nicht durch den Schlamm waten muss. Der Kiosk soll ganzjährig betrieben werden, um so auch einen Anziehungspunkt für Wanderer und Radfahrer zu schaffen. Im Rund gab es eine kleine Diskussion, ob das Thema aufgrund der dicken Vorlage schon entscheidungsreif sei. Ja, meinten die Mandatsträger bei einer Enthaltung von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) und empfahlen den Punkt der Stadtverordnetenversammlung zur Verabschiedung.

Ebenso einhellig ging auch der Bebauungsplan „Hinter den Eichen“ in Rothenberg über die Bühne. Für die Aufstellung hatte noch die dortigen Gemeindevertretung gesorgt. Hier ist die Materie allerdings etwas komplexer, sagte Bauer. Die Behörden-Reaktionen waren so wie befürchtet, meinte er. Beim Plan geht es darum, den dortigen, in ein paar Jahrzehnten gewachsenen Bestand in einen gesetzeskonformen Zustand zu bringen.

Von der Naturschutzbehörde wurde laut Bauer ein „Königsweg“ aufgezeigt, wie man die Kuh vom Eis bekommt. „Wir müssen deutlich aufzeigen, dass die bestehende Situation verbessert wird“, so der Stadtbaumeister. Dies soll durch die Schaffung von Biotopen und Pflanzmaßnahmen geschehen. Die vorhandene Nutzung soll unter anderen Voraussetzungen fortgeführt werden können.

Entschädigungs-, Hebesatz-, Wasserversorgungs-, Entwässerungs-, Hundesteuer-, Spielautomaten- und Wappensatzung waren eigentlich von der Stadtverordneten-Versammlung (trotz bereits erfolgtem Beschluss) noch einmal in den Ausschuss verwiesen worden, um offene Fragen zur klären. Es gab aber keine mehr, weswegen der Punkt nur zur Kenntnis genommen wurde.

Der Kubikmeter Wasser kostet in der neuen Stadt künftig 1,90 Euro, das Abwasser pro Kubikmeter 3,20 Euro. Niederschlagswasser wird mit 55 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche kalkuliert. Die Hundesteuer beträgt 48 Euro für den ersten und 72 Euro für den zweiten Hund. Die verschiedenen Steuersätze lauten wie in der Machbarkeitsstudie angesetzt: Grundsteuer A 350 v.H., die für Wohnbebauung maßgebliche Grundsteuer B 365 Prozentpunkte.

Ins Beerfeldener Ärztehaus kommt endlich Bewegung

Oft schon war es angekündigt, jetzt ist es wirklich soweit: Ins Breimer-Gebäude am Beerfeldener Ortsausgang Richtung Hetzbach, das als Interims-Ärztehaus dient, kommt jetzt Leben. Staatsbeauftragter Egon Scheuermann berichtete in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss im Senbacher Gemeindezentrum über den aktuellen Stand der Dinge. Am kommenden Montag kommt der hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner zur offiziellen Einweihung vorbei.

Für das neue Gesundheitsversorgungszentrum laufen die Planungen aber ebenfalls auf Hochtouren, sagte Scheuermann. Es gab bereits Workshops mit den Parlamentariern und interessierten Leistungsträgern. Aktuell nehme die Firma ASD die Auswertung aller Vorschläge, Daten und Anregungen vor. Daraus soll dann laut Scheuermann eine Checkliste erarbeitet werden, um die verschiedenen Standorte gegeneinander abwägen zu können.

Daneben geht es auch darum, welche Anfangsgröße für das Gebäude nötig ist. Das Thema ist aber zu komplex, um es in wenigen Wochen durchzuhecheln. Deshalb wird sich erst die Ende April neu gewählte Stadtverordneten-Versammlung mit der Beratung befassen und dann die entsprechenden Entscheidungen treffen.

Im Breimer-Gebäude ist bereits Chirurg Dr. Hartmann ansässig, sagte der Interims-Bürgermeister. Für Mitte des Jahres wird die Ansiedlung eines Hausarzts erwartet. Auf der Wunschliste steht ebenfalls ein Augenarzt. Allerdings gibt es hierzu laut Scheuermann „noch nichts Konkretes“. Sprechstunden von sozialen Dienstleistern und Psychotherapeuten finden ebenfalls am Ende der Mümlingtalstraße statt.

Scheuermann ging auch auf den Stand der Verwaltungsreform im Zuge der Oberzent-Fusion ein. Im Großen und Ganzen läuft alles wie erhofft und geplant, sagte er. In einzelnen Bereichen sind seinen Worten zufolge noch „Nachbesserungen und Aufarbeitungen“ notwendig. Die Mitarbeiter widmeten sich den Tätigkeiten „äußerst bestrebt und motiviert“, lobte der Bürgermeister. Sollte mal etwas nicht gleich so rund laufen, „sind wir dankbar für jeden Hinweis“, sagte er.

Aktuell läuft laut Scheuermann in den verschiedenen Standorten die Umschreibung der persönlichen Papiere. Er bezeichnete es als wichtig, dass in jedem ehemaligen Verwaltungsort der Bürgerservice erhalten blieb. Im Rahmen des Umzugs von verschiedenen Mitarbeitern in neue Büros und/oder andere Orte „werden die freiwerdenden Räume saniert und auf Vordermann gebracht“.

Im zweiten Halbjahr soll die Umgestaltung des unteren Bereichs im Rathaus Beerfelden anlaufen. Die dortigen Räume sollen als Bürgerservice-Büro hergestellt werden. Die Maßnahme wird Scheuermann zufolge in zwei Abschnitten vor sich gehen, damit im jeweils anderen weitergearbeitet werden kann. Erste Planungen hierfür gibt es jetzt vom Architekturbüro-Büro Holschuh.

Auf eine Frage aus dem Gremium sagte Scheuermann, dass derzeit sieben Kinder auf der Warteliste für den Besuch eines Kindergartens in Oberzent stehen. In der Kita „Abenteuerland“ Beerfelden könne man kurzfristig einen Raum für eine weitere Gruppe herrichten, erläuterte er. Allerdings ist der Arbeitsmarkt derzeit leergefegt, so dass als erste Maßnahme eine Vertragsverlängerung und eine Stundenaufstockung umgesetzt werden. Zur Jahresmitte hin sollen dann zwei Anerkennungspraktikantinnen mitarbeiten.

„Wir stehen beim Kiga-Personal mit dem Rücken an der Wand“, sagte der Bürgermeister. Aktuell ist die Situation durch die Krankheitswelle noch prekärer als sowieso. Brigitte Heckmann berichtete, dass der Kindergarten in Rothenberg „kurz vor der Schließung steht“. Dort seien gerade noch zwei von sieben Erzieherinnen gesund und könnten arbeiten.

Die Zeit drängt fürs Tourismusprojekt Sensbacher Höhe

Wenn die neue Stadt Oberzent fürs Tourismuskonzept Sensbacher Höhe noch Fördermittel aus dem europäischen Regionalfonds abgreifen will, muss sie so langsam in die Pötte kommen. Darauf hatte der Landtagsabgeordnete Rüdiger Holschuh hingewiesen. Denn ein solches Projekt müsse bis Ende 2020 abgeschlossen, die Abrechnung sogar schon bis Ende des dritten Quartals erfolgt sein. Die Zeit drängt also bei einem solchen Großprojekt, weshalb sich der Haupt- und Finanzausschuss nun damit beschäftigte.

„Wir brauchen einen Beschluss“, sagte Bürgermeister Egon Scheuermann mit Blick auf die Efre-Mittel. Eine entsprechende Arbeitsgruppe traf sich Ende des vergangenen Jahres. Inzwischen wurde das Konzept allen Parlamentariern zur Verfügung gestellt. Sein Vorschlag war, es in der kommenden Stadtverordneten-Sitzung detailliert zu erläutern. Bei einer Gesamtsumme von 3,7 Millionen Euro und einer maximalen Förderung von 1,3 Millionen müsse man sich über eine Priorisierung von Maßnahmen unterhalten. „Der Bikepark ist ein wesentlicher Tourismus-Faktor“, betonte Scheuermann.

Claus Weyrauch, der zusammen mit Werner Manschitz das Konzept erstellt hatte, wies darauf hin, dass der bisherige Lift nicht nur ersetzt, sondern optimiert werden müsse. Zum einen wegen der möglichen Förderung, zum anderen auch um die Kapazität und den Mehrwert zu steigern. Wenn man die Fördermittel erhalten wolle, sei die Maßnahme „nur mit einem gewissen Zeitdruck“ umsetzbar.

Das Gremium war sich einig, die Zeitschiene und die Fördermöglichkeit über die Wirtschaftsförderung der OREG abklären zu wollen. Man will einen Vertreter in die kommende Stadtverordneten-Versammlung am 14. März einladen. Zuvor hatte es noch Überlegungen etwa von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) und Chris Poffo (ÜWO) gegeben, ob es Sinn macht, noch mit der vorläufigen Versammlung tätig zu werden oder stattdessen gleich ins neue, am 29. April zu wählende Gremium zu gehen.

Allerdings sahen es die Mandatsträger dann auch wie Walter Gerbig (CDU). Der meinte: „Es wird knapp.“ Bühler-Kowarsch wollte Klarheit haben: „Es schwirren so viele verschiedene Dinge durch den Raum.“ Deshalb solle in der nächsten Stavo über alles informiert. Gerbig wünschte sich, zumindest einmal abzuklären, „was wir bekommen können“ und wie der Ablauf ist.

Damit im Sommer der bald 50 Jahre alte Schlepplift für den Bikepark und im Winter fürs Skifahren genutzt werden kann, muss er dringend erneuert werden. Der TÜV hob bereits mehrfach den Zeigefinger. Von einem zuvor ins Auge gefassten Sessellift „sind wir wegen der zu hohen Kosten wieder abgekommen“, sagte der Mittelstandsberater Weyrauch. Ein Zweier-Sessellift hätte nicht die benötigte Kapazität und ein Vierer „mit 3,5 Millionen Euro utopische Kosten“.

Deshalb soll es nun eine Erneuerung des bisherigen Lifts tun. Die kostet immer noch 800.000 Euro, würde aber durch schnellere Geschwindigkeit und kürzere Abstände die Kapazität von bisher 250 Bikern in der Stunde verdoppeln. Als Attraktion auf der Sensbacher Höhe sieht das Konzept eine sogenannte „Fly-Line“ vor. Dahinter verbirgt sich ein Rohrsystem, mit dem die Wagemutigen in den Baumwipfeln zu Tal schweben.

In der Theorie wäre eine Finanzierung der nicht geförderten Summe über die Pacht möglich, betonte Weyrauch. Dies aber nur mit einer sehr langen Laufzeit. Bei einer Verringerung käme die Stadt ins Boot. Der Bikepark habe derzeit 15.000 Besucher im Jahr. Für die Fly-Line kalkuliert man im Schnitt mit 100 Besuchern an 125 Öffnungstagen.

„Die Touristen sollen ihr Geld in der Oberzent ausgeben“, wünschen sich Manschitz und Weyrauch. Über die attraktiven Freizeitangebote soll ein Multiplikator-Effekt entstehen, der in Gastronomie und Pensionen mehr Frequenz schafft und ihren Betrieb wieder attraktiver macht. Im Konzept enthalten ist auch ein Radwegenetz, das in Zusammenarbeit mit dem Geo-Naturpark entstehen könnte. Denn der E-Bike-Trend „wird immer stärker, aber läuft derzeit an uns vorbei“.

Foto: Manschitz

Windkraft-Planungen auf zwei Gebieten der neuen Stadt Oberzent

Nach wie vor schwebt das von vielen so empfundene Damoklesschwert Windkraft über einigen Stellen der neuen Stadt Oberzent. Interims-Bürgermeister Egon Scheuermann gab auf der Sitzung des vorläufigen Haupt- und Finanzausschusses im Gemeindezentrum Unter-Sensbach einen Sachstandsbericht zum Thema. Es sind aktuell zwei Gebiete, auf denen Bestrebungen von Firmen laufen, dort Windenergieanlagen zu errichten: Finkenberg und Katzenwinkel.

Beim Finkenberg-Gebiet, das sich von Finkenbach auf der Hügelkuppe oberhalb von Falken-Gesäß hinüber Richtung Olfen zieht, gab es laut Scheuermann vor einigen Jahren einen Vertrag mit der Energiegenossenschaft Odenwald zur Windkraftnutzung. Dieser sei von der Enercon übernommen worden und noch gültig. Bei genauerem Hinsehen habe man den Passus entdeckt, dass der Vertrag gekündigt werden kann. Und zwar dann, wenn drei Jahre nach Abschluss keine Genehmigung für die Windräder vorliegt.

Die Bestrebungen laufen seitens der Firma weiter, erläuterte Scheuermann. Demnächst stehe ein Gesprächstermin von Verwaltung und Magistrat mit Enercon an. „Es gibt noch keine konkrete Planung“, betonte er. Das Unternehmen strebe ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz in 2019 vor. Beim Finkenberg handelt es sich um ein um ein 189 Hektar großes Vorranggebiet für Windkraft, das sowohl Teil des entsprechenden Odenwaldkreis-Teilflächennutzungsplans (der aber vom Regierungspräsidium abgelehnt wurde) als auch des in Aufstellung befindlichen Regionalplans ist.

Für den „Katzenwinkel“ bei Etzean liegt Scheuermann zufolge ein Gestattungsantrag der Firma Juwi vor, die dort bereits Windmessungen vornahm und sich auch vom Willen der damaligen Stadt Beerfelden, an dieser Stelle keine Windenergie haben zu wollen, nicht beirren ließ. Unter anderem wurde bei den Bedenken darauf verwiesen, dass die Rotoren direkt in Sichtlinie des berühmten Galgens seien. Juwi klagte erfolgreich gegen den Beerfeldener Versuch, dort weitere Untersuchungen abzuwehren.

Der Gestattungsantrag „wird in der kommenden Magistratssitzung behandelt“, so der Staatsbeauftragte. Scheuermann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Stadtverordnetenversammlung diesem Projekt bereits ihre Zustimmung verweigert habe. In der vergangenen Sitzung hatte die FDP das Thema aufgebracht und in zwei Anträgen moniert, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Großer Andrang aufs Bürgermeister-Amt: Schon sechs Kandidaten für den Oberzent-Chefsessel

Der Job in der neuen Stadt muss sehr attraktiv sein. Denn wie sonst lässt es sich erklären, dass (mindestens) sechs Bewerber am 29. April Bürgermeister von Oberzent werden wollen. Am kommenden Montag läuft um 18 Uhr die Bewerbungsfrist ab. Im Gespräch ist derzeit noch ein siebter Kandidat von auswärts, der aber erst jetzt die entsprechenden Formulare abgeholt hat. Somit könnte es knapp werden, die 74 Unterstützer-Unterschriften zusammenzubekommen.

Die jüngste Stadt Deutschlands, flächenmäßig die drittgrößte Hessen, aber nur mit 10.200 Einwohnern, kann mit einigen Pfunden wuchern. Geht es um die Natur, ist es der enorme Waldreichtum im Süden des Odenwaldkreises. Geht es um die Finanzen, steht das Fusionsergebnis aus Rothenberg, Hesseneck, Sensbachtal und Beerfelden glänzend da.

Durch die zusätzlichen Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich, die Teilschulden-Übernahme durchs Land und drei eingesparte Bürgermeister-Gehälter eröffnen sich kommunalpolitische Spielräume, die in den vergangenen Jahren schmerzlich vermisst wurden. Es besteht jedoch auch dringender Handlungsbedarf, damit die ländliche Region im Dreieck zwischen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern mit den Städten mithalten kann.

Kein Wunder, dass sich alle Bewerber mehr oder weniger auf die gleichen Themen fixieren. Ganz vorn steht das Gesundheitszentrum, um die ärztliche Haus- und Facharztversorgung in der Stadt sicherzustellen. Genauso geht es aber auch um den Erhalt der Infrastruktur, die Belebung der Tourismus, den ÖPNV und die Förderung der Wirtschaftskraft. Die Windkraftnutzung sehen praktisch alle sehr kritisch oder lehnen sie gleich in Bausch und Bogen ab.

Von Finkenbach bis zur Gebhardshütte, von Falken-Gesäß bis nach Schöllenbach, von Rothenberg bis nach Unter-Sensbach: Die sechs Kandidaten bilden die gesamte Breite und Länge der neuen Stadt mit ihren 19 Ortsteilen und 165 Quadratkilometern Fläche ab. Sie alle kommen damit aus der Gemarkung von Oberzent. Ein Auswärtiger wagte sich (bisher) nicht in den Kreis der Einheimischen. Das könnte sich kurzfristig jetzt noch ändern.

Unterschiedlich gesät ist die bisherige Verwaltungs- und kommunalpolitische Erfahrung der Kandidaten. Mit dem vorherigen Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig hob die SPD einen sehr erfahrenen Verwaltungsmann auf den Schild, der zuvor 24 Jahre lang die Geschicke in der damals kleinsten selbständigen Gemeinde Hessens lenkte. Der 52-jährige Ihrig ist mit Sicherheit ein politisches Schwergewicht auf der Bewerber-Bühne.

In dieser Hinsicht dürfte ihm am ehesten Christian Kehrer Paroli bieten können. Der Finkenbacher tritt als unabhängiger und parteiloser Kandidat an. Seine späte Kandidatur, die er erst vor wenigen Tagen bekannt gab, wirbelte das bisherige Fünfer-Feld kräftig auf. Denn der 42-jährige Kehrer ist als vorheriger Leiter des Kommunalservice Oberzent und des Fusionsprojekts sowie jetziger Chef der Stabsstelle im Rathaus bestens mit der Materie in allen vier ehemaligen Orten vertraut.

Für die Grünen tritt Thomas Väth aus dem Weiler Gebhardshütte an. Der 52-jährige Sprecher des Stadtverbands Oberzent kommt aus der freien Wirtschaft und betreibt gemeinsam mit seiner Frau die Schaaf & Väth OHG, die sich mit der Herstellung von „Flowerpads“ beschäftigt. FDP-Kandidat Andreas Krauch leitet den Falkenhof in Falken-Gesäß. Der jetzige FDP-Stadtverordnete hat bereits Wahlkampf-Erfahrung: Der 59-jährige kandidierte vor einigen Jahren schon einmal in Beerfelden, damals gegen Gottfried Görig.

Ebenfalls im städtischen Übergangsparlament sitzt Claus Weyrauch. Der Rothenberger geht für die ÜWO ins Rennen und war zuvor als Mitglied der WGR seit 2016 im Parlament des Höhendorfs. Als Mittelstandsberater hat der 50-Jährige unter anderem einen genauen fachmännischen Blick auf Tourismus und Wirtschaft. Oliver von Falkenburg arbeitet bei der Unteren Naturschutzbehörde im Kreis Bergstraße. Der 32-jährige gebürtige Niederbayer, wohnhaft in Unter-Sensbach, geht für die CDU ins Rennen.

Die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl in Oberzent endet am Montag, 19. Februar, 18 Uhr. Bis dahin müssen die Unterlagen im Rathaus bei Wahlleiter Helmut Ulrich abgegeben sein. Der Urnengang findet am Sonntag, 29. April, parallel mit der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung und zu den Ortsbeiräten statt.

Der Finkenbacher Christian Kehrer will am 29. April Bürgermeister in Oberzent werden

Kurz vor knapp wirft noch ein aussichtsreicher Kandidat seinen Hut in den Ring des Bürgermeister-Wahlkampfs. Christian Kehrer will Rathaus-Chef in Oberzent werden. Der 42-Jährige tritt als unabhängiger Kandidat an. Die notwendigen 74 Unterstützer-Unterschriften bekam er rasend schnell zusammen. „Inzwischen sind es weit über 100“, freut sich der Finkenbacher. Seit 2008 Leiter des Kommunalservice Oberzent (KSO) und seit 2016 Projektleiter für die Fusion im südlichen Odenwaldkreis, kennt Kehrer, quasi „Geburtshelfer“ für die neue Stadt, diese und ihre Strukturen aus dem Effeff.

Die Resonanz auf seine Kandidatur hat den Finkenbacher schwer beeindruckt. Seitdem er seine Entscheidung öffentlich machte, gab es Zuspruch von vielen Seiten und aus den verschiedenen Stadtteilen. „Ich bin im Beerfelden vor dem Rewe angesprochen worden“, freut sich Kehrer. Als er bei der Sensbacher Feuerwehr im Bürgerhaus zu Gast war, kamen aus dem anderen Raum ein paar Mitglieder des Schützenvereins vorbei und fragten, ob er noch Unterschriften brauche. Dazu gab es viele Zuschriften auf Facebook oder WhatsApp.

„Das zeigt mir, dass meine Entscheidung richtig war“, sagt der 42-Jährige. Denn leicht tat er sich damit nicht. Bereits im Oktober, als sich das Kandidaten-Karussell zu drehen begann, machte er sich die ersten Gedanken. „Ich habe lange hin und her überlegt, wie ich der Stadt am sinnvollsten helfen kann“, erläutert Kehrer. Denn die neue, fusionierte Stadt nach vorn zu bringen, ist kein Zuckerschlecken. Viele Ansätze sind da, vieles in die Wege geleitet, jetzt geht es in den kommenden Jahren um die Ausgestaltung.

Der Stabsstellen-Leiter geht als parteiloser und unabhängiger Kandidat ins Rennen, um Neutralität an der Stadtspitze zu gewährleisten, betont er. „Ich komme mit jeder Partei oder Wählervereinigung in Oberzent gut aus“, hebt Kehrer hervor. „Mir geht es um die Sache und nicht um die Parteipolitik.“ Nicht nur aus der ehemaligen Gemeinde Rothenberg, sondern auch aus dem ehemaligen Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck habe ihn die Rückmeldung erreicht: „Jetzt wissen wir, wen wir wählen können“, schmunzelt er.

Die neue Stadt hat seinen Worten zufolge neben ein paar Schwächen aber „jede Menge Stärken“. Diese müsse man allerdings transparenter machen und besser herausstellen. Allein die 125 Vereine und renommierte Firmen sind laut Kehrer eine feste Bank. Dem ehrenamtlichen Engagement will er große Aufmerksamkeit schenken. „Durch die Vereine pulsiert das Leben in den einzelnen Orten“, weiß er aus eigener Erfahrung.

Den mit der Fusion eingeschlagenen Weg erfolgreich weiter zu beschreiten, „wird nach wie vor ein großer Kraftakt sein“, sagt Kehrer. Er will ihn kontinuierlich weitergehen, macht aber auch klar, „dass man nicht von jetzt auf nachher den Schalter umlegen kann und alles ist super“. Was in den vergangenen Jahren liegengeblieben sei, „kann man nicht innerhalb eines Monats aufarbeiten“. Ihm geht es darum, die Fusions-Euphorie mitzunehmen und zu kanalisieren, andererseits aber auch „realistisch zu bleiben“.

Die wirtschaftliche Weiterentwicklung („nur mit Attraktivitätssteigerung kommt Zuzug“), Tourismus, ÖPNV, Verwaltungsmodernisierung, Erhalt der Infrastruktur („die Kernstadt Beerfelden braucht eine Revitalisierung“), Kindertagesstätten und Ärztehaus („zwingend notwendig, da Marktversagen“) nennt Kehrer als Schlagworte für die kommende Zeit. „Wir sind auf einem guten Weg und müssen weiter dran bleiben“, fordert der Stabsstellen-Mitarbeiter. Die Kinderzahlen in Oberzent gehen seinen Worten zufolge nach oben, was er positives Signal wertet.

Zur Windkraft sagt Kehrer lapidar: „Jetzt ist auch mal gut.“ Die Bürger zahlten die Zeche für ein nicht ausgegorenes Konzept. Der Bürgermeister-Kandidat beschreibt seine Stärken in der beruflichen Erfahrung sowohl in der freien Wirtschaft als auch in der Kommunalverwaltung. Durch die Mitarbeit in den Fusionsvorbereitungen „kenne ich die vier Gemeinden durch und durch“.

Der 42-jährige Christian Kehrer ist ein waschechter Finkenbacher. Nach einem kurzen Fußball-C-Jugend-Abstecher hielt er fast 30 Jahre der Feuerwehr die Treue, bis er wegen des Arbeitsaufwands rund um die Oberzent-Fusion seine ehrenamtliche Betätigung zurückfahren musste. 1999 bis 2005 war Kehrer Kreisjugendfeuerwehrwart, 2005 bis 2015 Rothenberger Gemeindebrandinspektor. Von 2000 bis 2004 saß er als Parteiloser auf dem SPD-Ticket im Kreistag, leitete zwei Jahre den Kreisjugendring. Nach seinem Realschulabschluss an der Oberzent-Schule war Christian Kehrer von 1992 bis 2001 als Steuerfachangestellter in der freien Wirtschaft tätig. 2001 wechselte er als Kassenverwalter nach Rothenberg, 2008 als Verwaltungsleiter zum KSO, den er in den Folgejahren mit aufbaute. 2016 wurde der 42-Jährige Projektleiter für die Fusion, seit Januar leitet er die beim Bürgermeister angesiedelte Stabsstelle der Stadt.