Oberzent-Vereinsförderung soll bis Ende des Jahres stehen

Mit der Vereinsförderung in der neuen Stadt verhält es sich wie mit einer Babuschka-Puppe. Es tauchen beim Entblättern bzw. genauerer Betrachtung immer wieder neue Aspekte auf, die berücksichtigt werden müssen. Die Details werden immer mehr, die Schwierigkeiten, alles zusammenzufügen, größer. Die Stadtverwaltung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, zusammen mit Parlamentariern und Vereinsvertretern bis zum Jahres eine verabschiedungsreife Vorlage auf den Tisch zu bekommen. Schließlich war es ein Kommunalwahlthema praktisch jeder Gruppierung, das Ehrenamt zu stärken.

In den bisherigen vier Gemeinden Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck gab es sehr unterschiedliche Herangehensweisen, erläutert Bürgermeister Christian Kehrer die Schwierigkeiten. Etwa bei den Sportplätzen: „Manche Vereine bekamen nichts, andere alle zwei Jahre den Platz erneuert“, verdeutlicht er. Instandhaltungen mit Summen von 1400 bis 3300 Euro/Platz nannte er ebenso wie die Zurverfügungstellung von Düngemitteln. Häufigkeit der Nutzung und Belastung seien ebenfalls Kriterien.

Bei der Hallennutzung ist es ähnlich. In Beerfelden wurde die Stadt bei Vereinsveranstaltungen am Umsatz beteiligt. Die Rothenberger Sporthalle wiederum war kostenfrei nutzbar, weil sie unter großem ehrenamtlichem Einsatz saniert wurde. Jugendförderung gab es mit 7260 Euro bisher in Rothenberg und Beerfelden, so der Bürgermeister. Außerdem teilweise die Kostenübernahme von Grundbesitzabgaben mit 26.000 Euro, Investitionszuschüsse auf Antrag, Erlass der Gewerbesteuer und Verwaltungskosten oder Unterstützung durch den Bauhof.

So gerne er es auch wollte, „ist es unrealistisch, alles kostenlos zu stellen“, bedauert der Rathauschef. Denn durch eine verschlechterte Einnahmesituation – unter anderem weil 250.000 Euro Erlöse aus dem Holzverkauf fehlen – gibt der Haushalt dafür nicht genug Mittel her. Kehrer machte er aber klar: „Wir wollen die Vereine auf jeden Fall unterstützen.“ Bei der Summe könne man jonglieren, da im aktuellen Doppelhaushalt noch Verfügungsmasse bei der Instandhaltung von städtischen Einrichtungen drin sei. Eventuell lasse sich eine höhere Summe „auch über Mehrausgaben beschließen“.

Derzeit wartet man in der Verwaltung auf einen Rücklauf aus den Vereinen. Die wurden nämlich als Entscheidungsgrundlage zu Mitgliederstand, Anzahl der Jugendlichen, eigenem Vermögen und vorhandener Bausubstanz abgefragt. Laut Kehrer gibt ungefähr 125 von ihnen in der Stadt, dazu noch einige weitere Organisationen. Wenn die Ergebnisse vorliegen, sollen die Mandatsträger einen Katalog erhalten, in dem die bisherige Förderung, Vergleichszahlen aus anderen Gemeinden und die Rückmeldung enthalten sind.

„Danach wird intern in den Fraktionen diskutiert“, schildert der Bürgermeister den weiteren Fortgang vor der Entscheidung, ob eine Arbeitsgruppe gebildet wird. Hierzu gab es bereits die Anregung, Vereinsvertreter mit einzubinden. Wenn in diesem Jahr nicht allzu spät eine Entscheidung fallen sollte, kann sich das Stadtoberhaupt vorstellen, die Vereinsförderung noch rückwirkend zum Januar greifen zu lassen.

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Verbindungsstraße nach Bullau: Ortsbeirat wünscht den alten Vertrag einzusehen

Der Sensbachtaler Ortsbeirat ist mit der Sperrung der Ortsverbindungsstraße zwischen Reußenkreuz und Bullau nach wie vor nicht einverstanden, machte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann auf der vergangenen Sitzung des Gremiums deutlich. Da die von der Verwaltung avisierte Stellungnahme des Hessischen Städte- und Gemeindebundes dazu noch nicht eingegangen ist, wurde das Thema aber nur kurz angesprochen.

Bei dem Weg handelt es sich laut Kuhlmann um eine historische Verbindung. Die Strecke sei außerdem ein Teilstück des ausgewiesenen und beschilderten Höhenradwanderweges Würzberg-Gaimühle, für dessen Verkehrssicherung die Stadt Oberzent zuständig sei. Eine erhöhte Verkehrssicherungspflicht wäre demnach auch bei Freigabe des Weges für Pkw-Verkehr nicht gegeben, betonte Schriftführer Manfred Heiss.

Kuhlmanns Worten zufolge liegen unbestätigte Informationen vor, dass die Strecke laut dem zwischen der Gemeinde Ober-Sensbach und dem Grafenhaus Erbach-Fürstenau in früheren Jahren abgeschlossenen Vertrag als öffentlicher Weg unterhalten werden muss und bei Wegfall dieser Eigenschaft an den Alteigentümer zurückfällt. Um diese und weitere Punkte zu überprüfen, wünscht sich der Ortsbeirat eine Vorlage des Schriftstücks, entweder als Kopie der Aufsichtsbehörde oder der Gräflich Erbach-Fürstenauischen Verwaltung.

Stefanie Ampferl informierte seitens der Stadtverwaltung über die in der To-Do-Liste aufgeführten Maßnahmen, soweit diese Sensbachtal betreffen. Diese decken sich mit den Aufzeichnungen des Ortsbeirates. Überfällig ist unter anderem die Instandsetzung der Läuteanlage auf dem Sensbacher Friedhof. Trotz einer bereits erfolgten Überprüfung sei diese nach wie vor nur bedingt einsatzfähig. Angesprochen wurden daneben die vorgesehenen Standorte für die acht vom Geo-Naturpark gelieferten Bänke. Der Bauhof soll diese in Zusammenarbeit mit Verein Sensbachtal aktiv aufstellen.

Das Budget der Ortsbeiräte ist ebenso wie der Doppelhaushalt 2019/2020 unter Dach und Dach. Für Sensbachtal ist eine Summe von 1968 Euro vorgesehen. Vom Budget soll unter anderem der Blumenschmuck an den Ortseingangsschildern sowie ein Gemarkungsrundgang im Herbst finanziert werden, informierte Kuhlmann.

Dazu gab es weitere Vorschläge des Ortsbeirats für die Verwendung wie Errichtung des Glockenturms am Hebstahler Friedhof, Verschönerung des Häuselsbrunnens, zusätzliche Anschaffung von Ruhebänken sowie Naturschutzmaßnahmen wie Pflanzung von Obstbäumen oder Anlage von Blühwiesen zum Insektenschutz. Für den Gemarkungsrundgang gab es die Anregung, diesen jährlich im Wechsel in den verschiedenen Stadtteilen abzuhalten, was für den Zusammenhalt und das Kennenlernen der Bürger sicherlich förderlich wäre.

Für die Sanierung der Sporthalle in Unter-Sensbach, schon lange auf der Agenda ganz oben, sind im Haushaltsjahr 2020 knapp 250.000 Euro angesetzt. Das Vorhaben wird teilweise mit Mitteln aus dem kommunalen Investitionsprogramm finanziert. Zur Besprechung der vorgesehenen Maßnahmen soll ein Termin mit Stadtverwaltung, Ortsbeirat, den die Sporthalle nutzenden Vereinen und der Grundschule angesetzt werden, so die Information.

Angesprochen wurden außerdem noch verschiedene Dinge in Hebstahl: die Reaktivierung des Telefonanschlusses im Dorfgemeinschaftshaus, die Instandsetzung der Außenanlage und die Errichtung eines Glockenturms an der Friedhofshalle. Die Kosten für die Glocke sollen, so der Plan, durch die Kirchengemeinde und Spenden aufgebracht werden.

Vorschläge für den Einsatz des mobilen Blitzers können von den Ortsbeiräten eingereicht werden. Spontan wurden vom Ortsbeirat der Ortseingang in Hebstahl (von Gaimühle kommend) und der in Ober-Sensbach (vom Krähberg kommend) genannt, weiterhin die Grundschule in Unter-Sensbach.

Handlungsbedarf bei den Oberzent-Bauhöfen

Vier Bauhof-Standorte gibt es auf Gemarkung der neuen Stadt. Beerfelden, Rothenberg, Schöllenbach und Unter-Sensbach gilt es nach der Fusion unter einen Hut zu bringen. Nicht alle sind baulich in einem guten Zustand, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Unter-Sensbach, wo sowieso nur zwei Mitarbeiter tätig sind, wird wohl in spe nicht aufrechterhalten. In Beerfelden ist das von der Stadt in früheren Zeit angekaufte Bechtold-Gebäude marode. Der alte Bauhof wird derzeit als Lager genutzt. „Eventuell müssen wir auch einmal ein Gebäude niederlegen“, so der Rathauschef.

In Schöllenbach gibt es seinen Worten zufolge „ein sehr gutes und zweckmäßiges Gebäude“. Rothenberg beherbergt Lager, Elektroschrottsammelstelle, Salz-Silo und Sozialräume. Die fehlen in Unter-Sensbach völlig, ebenso wie Toiletten und Waschmöglichkeiten. Das Salz wird dort in Säcken gelagert, die per Hand aufgeschnitten und in den Behälter geworfen werden müssen. „Es ist nicht zweckmäßig, das Gebäude für so wenig Personal zu ertüchtigen“, betonte er.

„Alle vier Bauhöfe haben unterschiedliche Strukturen“, sagte der Bürgermeister. Deshalb erarbeitet die Verwaltung derzeit ein Konzept zur Zusammenführung. Thema ist auch eine Bauhof-Erweiterung in Beerfelden, um die derzeit noch im Breimer-Gebäude beheimatete Wasserversorgung mit reinzunehmen. Im vergangenen Winter musste man in Ober-Sensbach kurzfristig reagieren, weil hier ein mit dem Winterdienst betrauter Landwirt ausfiel. Im Vorgriff auf die nächste kalte Jahreszeit signalisierte er, dass auch zukünftig mit den örtlichen Landwirten zusammengearbeitet werden soll, damit nicht von Beerfelden aus improvisiert werden muss.

22 Mitarbeiter sind im Bauhofbereich für die Stadt tätig, dazu kommen zwei Forstwirte und vier Personen in der Wasserversorgung. Vor dem Hintergrund die vielen aufgelaufenen Überstunden in nur einem Jahr, verbunden mit Resturlaub, „müssen wir überlegen, wie wir uns effizienter aufstellen können“, hob der Bürgermeister hervor. Kehrer wies daneben auf die 33 Fahrzeuge im Fuhrpark hin, die größtenteils abgeschrieben sind und ein gewisses Alter haben. Sollten sich die Reparaturen häufen, „müssen wir uns auch hier Gedanken machen“. Was für die Stadt letztendlich heißt, dass Investitionen anstehen werden.

MGV-Männer singen von der Leinwand herab

Demnächst sehen die Sänger des MGV Eintracht-Liederkranz Sensbachtal das Ergebnis ihres Zähneklapperns auf der Leinwand: Mitte Dezember schmetterte der Chor in dünner Sängerkleidung das Lied „Heimat“ auf dem Hügel nahe des Sportplatzes mit schönem Blick über das winterliche Ober-Sensbach. Es ist eine Szene des Films „Versus“ von Regisseur Sebastian Weinmann. Der Wahl-Berliner mit Wurzeln in Hetzbach kommt nun mit dem fertigen Streifen ins Erbacher Kino, wo er am Dienstag, 2. April, um 20 Uhr für die Öffentlichkeit gezeigt wird.

Im Odenwald sind die Wege kurz, stellte der Regisseur bei seinem Dreh fest: Weinmann war Anfang November bei Martin Maier in dessen Bauernstube in Ober-Sensbach zu Gast, wo er in seiner Odenwald-Zeit drei Jahre im dortigen Anbau lebte. Und fragte, wer ihm vielleicht bei dem Projekt helfen könnte. Schon klingelte beim MGV-Vorsitzenden Thomas Johe das Telefon. Den kannte Weinmann noch von einer früheren Jugendsingfreizeit.

Ausgebildet als Kaufmann im Groß- und Außenhandel, studierte der 33-Jährige in Berlin Regie für Film und Fernsehen und ist jetzt als Filmemacher tätig. Die Ausbildung ist für Weinmann das Eine. Das Andere ist die praktische Arbeit. Deshalb finanzierte er seinen Film auch selbst, schrieb das Drehbuch, führte Regie, produzierte und schnitt ihn, wählte die Schauspieler aus. „Arbeit, Geld, Kultur“ sind für das Multitalent die tragenden Elemente, aus denen er sich in der Handlung bedient.

„Filme machen ist was Physisches“, sagt Weinmann. Die Kälte „kann man nur oben auf dem Berg spüren“. Alle sollen sich auf diese Weise vorstellen können, wie die realen Bedingungen sind. In Berlin wäre es seiner Meinung nach nicht möglich, so zu drehen. Die Gegensätze, die sich auch im Filmtitel „Versus“, auf Deutsch „Dagegen“, spiegeln, kommen am besten in der Konfrontation von Land und Stadt, von Ruhe und Trubel zum Ausdruck. Wobei die Odenwald-Szene nur ein Teil des Ganzen ist.

„Ich kam zum Film, um dort meine Wahrheit zu zeigen, so wie ich die Welt erlebe und empfinde“, erläutert er. Wie sie ihn drängt und herausfordert, aber auch ihre Schönheit und Einzigartigkeit. Dabei sind für den Odenwälder in Berlin verschiedene Themen essenziell, womit etwas gewonnen sein kann: „eine Weitsicht oder einen tieferen Einblick in die Welt.“ Eine individuelle Wahrheit für jeden.

„Versus“ erzählt vom Drang und dem Aufbruch in die eigene Welt. Dohensa (Dennis Habermehl) versucht seinen Weg zu finden und wird dabei mit Fragen konfrontiert, die nicht nur sein, sondern unser aller Leben betrifft. Unterstützt von Rica (Kristin Becker) erlebt das Publikum, wie er in der Lage ist, aus alten und neuen Kulturen herauszukommen und sich all dem zu stellen. Der Film arbeitet mit besonderer Sprache und geht tief an die Wurzeln des Alltags und der Umgebung, die uns beeinflusst. „Wir werden mit unserem Inneren konfrontiert“, so der Regisseur.

Info: „Versus“ von Sebastian Weinmann ist am Dienstag, 2. April, um 20 Uhr in den Erbacher Lichtspielen zu sehen. Filmdauer etwa 60 Minuten. Der Eintritt kostet fünf Euro. Der Regisseur ist anwesend und stellt sich im Anschluss den Fragen des Publikums.

Grundsteuer soll 2020 steigen: Einbrechende Holzpreise ziehen den Oberzent-Doppelhaushalt 2019/20 in die Tiefe

Tina Bartmann als Chefin der Oberzent-Kämmerei hätte sich bestimmt bessere Zahlen zu ihrem Abschied gewünscht. Sie stellte den Stadtverordneten an ihrem letzten Arbeitstag zusammen mit Bürgermeister Christian Kehrer den Doppelhaushaltsplan 2019/20 vor, der mit Müh und Not ein Plus im ordentliches Ergebnis schafft – und das 2020 nur um den Preis einer Grundsteuer-Erhöhung.

Stark gefallene Holzpreise, geringere Schlüsselzuweisungen, ein Weniger beim Einkommensteueranteil, über eine Million Euro Rückstellungen, dazu noch hohe Kreditaufnahmen: In diesem Jahr kommt das ordentliche Ergebnis auf gerade mal 33.000 Euro, im kommenden soll es auf etwas über 100.000 Euro wachsen.

Der Klimawandel schlägt direkt auf den Doppelhaushalt durch: Denn erst knickte vor einem Jahr Sturmtief Friederike die Bäume in Nordhessen reihenweise um, dann ließ der heiße Sommer den Borkenkäfer vor Freude zahlenmäßig explodieren. Die Folge: Die Holzpreise sind im freien Fall. 2017 hatten die vier damals noch selbständigen Gemeinden zusammen über 840.000 Euro Gewinn aus der Waldwirtschaft gezogen. In diesem Jahr ist die Summe auf gerade noch 83.000 Euro zusammengeschrumpft. „Mit 760.000 Euro mehr würde der Haushalt super dastehen“, meinte Bartmann deshalb.

Die Hessenkasse, die der Stadt auf der einen Seite 2,5 Millionen Euro für Investitionen bringt, zieht ihr auf der anderen aber das Geld wieder aus der Tasche, erläuterte die kommende Kassenverwalterin des Odenwaldkreises. Denn die Prognosen kündigten 2018 noch eine Steigerung der Schlüsselzuweisungen um 160.000 Euro an, stattdessen gingen sie um 120.000 Euro zurück. Ein Minus von 280.000 Euro, „weil dem Topf Mittel für die Hessenkasse entnommen wurden“.

Diese fehlenden Mittel, zusammen mit einem riesigen Investitionsbedarf, lassen den Haushalt schwächeln. Während er – optimistisch geplant, wie Bartmann „warnte“ – in diesem Jahr gerade noch die Kurve kriegt, sind in 2020 etwa 200.000 Euro aus der Grundsteuer-Erhöhung um 65 Prozentpunkte (A: 415, B: 430 v.H.) mit eingeplant, um ihn ins Plus zu hieven. Wobei Bürgermeister Kehrer nicht müde wurde zu betonen, dass die Kassenlage nichts mit der Fusion zu tun habe. Im Gegenteil: Ohne die sähe es noch viel düsterer aus, weil dann zusätzliche Mittel fehlten.

Einen Doppelhaushalt bezeichnete der Rathauschef als „nicht zufriedenstellend“. Er sei jedoch den rechtlichen Vorgaben geschuldet, denn nur auf diese Weise bleibe man handlungsfähig. Kehrer wies darauf hin, dass die Fusion „der Not geschuldet war“. Die vier früheren Kommunen „waren nur noch bedingt in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen“. Viele Projekte befanden sich in der Warteschleife.

„Wir haben schon vieles erreicht“, betonte der Bürgermeister, was aber auf den ersten Blick nicht sichtbar sei. „Andere beneiden uns darum“, wies er auf die allgemein schlechte Situation der hessischen Kommunen hin. Er wandte sich gegen die Kritiker, „die über das nicht Erreichte klagen, jedoch das schon Geschaffene nicht sehen“. Kehrer warb darum, sich der Zukunft von Oberzent zuzuwenden. „Wir arbeiten täglich daran, die Stadt stabil aufzustellen, um Zuzug zu generieren.“

„Um das zu schultern, was in der Warteschleife ist“, muss die Stadt Kredite aufnehmen. Wohl ist Kehrer dabei nicht, „denn irgendwann endet die Niedrigzinsphase“. Mit Blick auf die geplante Grundsteuererhöhung legte der Bürgermeister dar, dass 96 Prozent der Oberzent-Haushalt maximal 100 Euro im Jahr mehr zahlen werden. „Wir haben in der Verwaltung viel gerechnet“, betonte er, aber man komme nicht um die Anhebung herum. „Das Totsparen muss ein Ende haben“, sagte er. „Wir müssen in die Stadt investieren.“ Kehrer machte deutlich, dass sich die Stadt mit dem neuen Wert ziemlich im hessischen Mittel befindet.

Software-Aktualisierungen in der Verwaltungen, ein alter Fuhrpark beim Bauhof, anstehende Kanalsanierungen, Investitionen in die Freibäder, Erweiterungen im Kindergartenbereich, marode Feuerwehrhäuser, dazu ständig steigende gesetzliche Anforderungen: Der Rathauschef machte deutlich, dass die Liste an Notwendigkeiten, die einen Haufen Geld kosten, sehr lang ist.

Doppelhaushaltsplan 2019/2020

Ordentliches Ergebnis 32.869 Euro/101.479 (2019/2020)

Gesamtbetrag der Erträge 23,5 Millionen/24,2 Millionen Euro

Kredite 3,3 Millionen/2,5 Millionen Euro

Zahlungsmittelüberschuss 69.549/-249.079 Euro

Liquiditäts- (früher Kassen-)Kredite: jeweils 500.000 Euro.

Strohballenbrand bleibt der Sensbacher Wehr im Gedächtnis

Am meisten in Erinnerung bleiben den Brandschützern sicherlich die Unwetter-Einsätze am 23. April und der Strohballenbrand in Ober-Sensbach am 7. August, blickte Wehrführer Marcel Schäfer auf das vergangene Jahr zurück. 20 Ballen hatten bereits Feuer gefangen, 150 weitere gab es in unmittelbarer Nähe. „Durch die extreme Trockenheit im letzten Jahr drohte eine erhöhte Ausbreitungsgefahr auf das gesamte Waldgebiet“, berichtete er auf der Jahreshauptversammlung.

Mit dem Stichwort „F-Wald 2“ wurden sämtliche Feuerwehren aus dem Kreisgebiet alarmiert, informierte Schäfer. Durch diese hohe Alarmstufe und das schnelle Eingreifen der Feuerwehr, die das Wasser über eine lange Wegstrecke vom Löschteich in Ortskern Ober-Sensbach und über Pendelverkehr vom Hydranten zur Einsatzstelle im Wald brachte, „konnte das Übergreifen auf den Wald und die restlichen Strohballen verhindert werden“, freute er sich. „Nur durch eine gute überörtliche Zusammenarbeit wurde Schlimmeres verhindert“, sagte der Wehrführer.

Die Einsatzabteilung der Feuwerhr Unter-Sensbach besteht derzeit aus 18 Mitgliedern. Dazu kommen sieben Aktive aus Ober-Sensbach, die den Unter-Sensbachern als Löschgruppe unterstellt sind, erläuterte er. Gemeinsam wurden 2018 zahlreiche Übungen, Lehrgänge und Einsätze absolviert, bei denen die Brandschützer 940 ehrenamtliche Stunden leisteten. Schäfer wünschte sich für dieses Jahr eine höhere Übungsbeteiligung. Jeder habe übers Jahr hinweg 40 Stunden Ausbildung zu absolvieren. „Einige erreichten nicht einmal die Hälfte“, kritisierte er.

Von 201 Fortbildungsstunden entfielen fast 90 Prozent, nämlich 174, auf zwei Feuerwehrleute. Deshalb bat Schäfer dringend darum, an Fortbildungen und Seminaren teilzunehmen, um auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben. „Stillstand bedeutet Rückschritt.“ Er dankte den Mitgliedern der Einsatzabteilung, die sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit für ihre Mitbürger einsetzen, und deren Familien, „die sie immer wieder gehen lassen, wenn der Pager klingelt“.

Den Jahresbericht verlas Schriftführerin Silvia Kreutner anhand einer Bilderdiashow. Der Vereinsvorsitzende Markus Schwinn gab bekannt, dass der Verein neben der Einsatzabteilung zurzeit aus 126 passiven und 19 Mitgliedern der Alters- und Ehrenabteilung besteht. Rechner Rolf Grüner berichtete von einem positiven Kassenbestand. Die Revisoren Wolfgang Schäfer und Volker Becker bestätigten ihm eine einwandfreie Kassenführung. Dem Antrag auf Entlastung des Gesamtvorstandes wurde einstimmig stattgegeben. Neben Becker prüft Thomas Menges im nächsten Jahr die Kasse. Als stellvertretender Kassenwart wurde Uwe Volk gewählt.

Jugendfeuerwehrwart Marcel Schäfer erläuterte, dass momentan sechs Jugendliche, vier Mädchen und zwei Jungen, aktiv sind. Zahlreiche Übungsstunden wurden absolviert. Diese und alle anderen Aktivitäten wurden gemeinsam mit der Jugendwehr aus Hebstahl durchgeführt, so Spielnachmittage, Kreisjugendfeuerwehrzeltlager in Beerfelden, Osterschießen und –feuer sowie Einsammeln der Weihnachtsbäume. Die Jugendlichen treffen sich jeden Freitag von 18 bis 19.30 Uhr.

Die Feuerwehrsatzung wurde überarbeitet, so Schwinn. Demnach lautet der neue Name: Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Unter-Sensbach. Der erste Stadtrat Gerhard Rebscher richtete im Anschluss einige Grußworte an die Versammlung. Ewald Johe wurde in die Alters- und Ehrenabteilung übernommen. Marcel Schäfer wurde zum Brandmeister befördert. Vorsitzender Schwinn nannte noch einige Termine für 2019: unter anderem, dass es einen Eintagesausflug nach Heilbronn geben soll.

Bild v.l. Vorsitzender Markus Schwinn, Wehrführer Marcel Schäfer mit Beförderung zum Brandmeister, Ewald Johe (Übernahme Alters- und Ehrenabteilung) und Stadtrat Gerhard Rebscher

Oberzent-Feuerwehrleuten wird’s in manchen Gerätehäusern nicht warm

Im Feuerwehrbereich brennt es zwar noch nicht, aber es glimmt zumindest kräftig vor sich hin. Oberzent muss sich nicht nur um die Ersatzbeschaffung der in die Jahre gekommenen Fahrzeuge kümmern, sondern auch etliche Altlasten aufarbeiten. Dabei geht es vor allem um die bauliche Substanz der diversen Feuerwehrhäuser, verdeutlichten Bürgermeister Christian Kehrer und Stadtbrandinspektor Marco Johe auf der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Unter-Sensbacher Gemeindezentrum.

Kehrer ging zuerst auf die Situation vor Ort ein. Ober- sei quasi mit Unter-Sensbach „fusioniert“. Ein Fahrzeug steht noch im oberen Gerätehaus, dessen Zustand aber die Prüfer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließ, erläuterte er. Der Bürgermeister erklärte auch die in Hessen geltende zehnminütige Hilfsfrist. Auf der Karte betrachtet, lägen die einzelnen Gerätehäuser zwar dicht beieinander, aber die Hügellandschaft, verbunden mit vielen Kurven, macht die Anfahrt länger.

Es existieren Ausnahmegebiete wie Gebhardshütte oder Raubach, wo die Oberzent-Brandschützer mit den angrenzenden Einsatzabteilungen von Bullau und Schönmattenwag zusammenarbeiten. Anhand einer genauen Aufgliederung wird bestimmt, welche Fahrzeuge in welchem Ort bereitgehalten werden sollen und wer anhand des Alarmierungscodes ausrückt. Bewährt hat sich die Ausstattung der Stadtteilwehren mit Tanklöschfahrzeugen und Wassertank.

Marco Johe erläuterte die Ergebnisse der Begehung vom vergangenen September, an dem neben dem technischen Prüfdienst auch ein Mitarbeiter der Unfallkasse teilnahm. „Es ergab sich ein gewisser Bedarf“, übte er sich in Understatement. Den will der Stadtbrandinspektor jetzt mit den möglichen Zuschüssen abgleichen. Natürlich – und das sei auch den Prüfern bewusst – „kann nicht alles von heute auf morgen erledigt werden“.

Am Beispiel Airlenbach machte er deutlich, dass zuerst eine Vergrößerung des Stellplatzes geschehen muss, ehe dann der Ersatz für das 29 Jahre alte Fahrzeug kommt. Denn der 6,5-Tonner ist nicht nur drei Tonnen schwerer als das bisherige Geschoss, sondern auch höher und passt damit nicht mehr in die bisherige Garage.

In der Regel gibt es laut Johe einen Zuschuss von 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Nur: „Das reicht heute bei weitem nicht mehr aus.“ Er machte das an einem Beispiel aus Beerfelden fest: Wenn 250.000 Euro förderfähig sind, aber das Fahrzeug insgesamt 350.000 Euro kostet, bleibt eine große Summe zusätzlich an der Stadt hängen. 560 Euro kostet die Ausstattung eines Brandschützers, ergänzte Johe. Ist er Atemschutzgeräteträger, kommen noch einmal 660 Euro hinzu.

Der Feuerwehrchef machte sich in seinem Alarmplan auch Gedanken über die Ausrückstärke. Während die in Beerfelden und Rothenberg auch tagsüber noch ziemlich gut ist, sieht es in den kleinen Orten ganz anders aus. Etwa in Hesselbach, wo niemand zur Verfügung steht. Zwischen 6 und 18 Uhr „rückt in der Regel deshalb die nächstgrößere Abteilung mit aus“, erläuterte er. Man müsse gegensteuern, „wo es nur geht“, damit weiterhin genügend Feuerwehrleute tagsüber verfügbar sind.

Im 170-Seiten-Prüfbericht geht es auch um fehlende E-Checks (die müssen alle vier Jahre gemacht werden) und teilweise unbeheizte Feuerwehrgerätehäuser wie in Kailbach. „Die stehen ganz oben auf der To-do-Liste“, so Johe. Außerdem ist die Umkleide manchmal noch im selben Raum wie das Fahrzeug untergebracht (auch Kailbach). In Hesselbach ist der Stellplatz zu klein, in Falken-Gesäß das Dach sanierungsbedürftig und, und, und…

Handlungsbedarf gibt es ebenfalls bei den Atemschutzwerkstätten und Beerfelden und Rothenberg. Dieses Thema will der Stadtbrandinspektor umfassen angehen und klären, inwieweit es Sinn macht, eine in eigener Regie weiter zu betreiben, eventuell dann als Dienstleister für andere Kommunen aufzutreten oder – wie dies bereits im ehemaligen Hesseneck und Sensbachtal geschieht – diese Arbeiten nach außen zu vergeben. Das würde, berechnete er, etwa 55.000 Euro im Jahr für ganz Oberzent kosten.

 

Oberzent-Feuerwehr in Zahlen

  • 15 Stadtteilwehren, 16 Standorte (Unter- und Ober-Sensbach bilden eine gemeinsame Einsatzabteilung, haben aber jeweils noch ein Feuerwehrhaus) bei 19 Statteilen und 165 Quadratkilometer Fläche
  • 204 Einsätze im Jahr 2018, davon Beerfelden 107 (weil die dortige Wehr wegen ihrer Tageseinsatzstärke in der Regel immer mitalarmiert wird)
  • 450 Mitglieder in der Einsatzabteilung, davon Beerfelden 68, Rothenberg 53
  • Drei Kindergruppen mit 36 Unter-Zehnjährigen
  • 15 Jugendfeuerwehren mit 145 Angehören
  • 169 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung
  • 54 Mitglieder in zwei Musikzügen (Schöllenbach und Beerfelden)