Feuerwehrhäuser sind teilweise „Ruinen“

Es ist ein wenig, wie wenn Sisyphos und Herkules aufeinandertreffen: Der Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Freiwillige Feuerwehr Oberzent enthält zahlreiche Details, ist aber in seiner Abarbeitung einer Mammutaufgabe, für die die Stadt eine große Summe Geld in die Hand nehmen muss. Der kombinierte Bau- und Finanzausschuss befasste sich nun mit dem Thema, weil der Sperrvermerk für die Anschaffung von verschiedenen Feuerwehr-Fahrzeugen aufgehoben werden sollte.

Stadtbrandinspektor (StBI) Marco Johe stellte dem Gremium in einer sehr detailreichen, zeitintensiven Präsentation die wichtigsten Details des umfangreichen und von ihm weiter ausgearbeiteten Werks vor, wie er es bereits ähnlich im März dargelegt hatte. 117 Quadratkilometer Waldgebiet, fünf Kindergärten, fünf Schulen und drei Altersheime, dazu noch Bundesstraße und Bahnstrecke, bilden die wichtigsten Rahmendaten.

Immer noch, erläuterte er, „ist die Löschwasserversorgung in manchen Straßen und Stadtteilen kritisch“. Die Tageseinsatzstärke in den einzelnen Stadtteilen ist laut Johe „sehr gering“. Deshalb wird grundsätzlich auch immer die Beerfeldener Wehr mit alarmiert, weil dort der Personalbestand unter Tag weiterhin gut ist.

Die verschiedenen Wehren nennen noch eine Vielzahl von älteren bis alten Fahrzeugen ihr Eigen. Konkret ging es jetzt um Tanklöschfahrzeuge (TSF) aus Airlenbach, Gammelsbach und Falken-Gesäß, alle über 25 Jahre alt. Sie sollen neuen TSF mit dem Zusatz Wasser weichen. Diese haben jeweils einen 1000-Liter-Tank an Bord.

„Das kompensiert dann auch die geringe Tageseinsatzstärkte“, erläuterte Johe. Denn wenn das Wasser schon an Bord ist, braucht man weniger Leute, um es an den Einsatzort zu bringen. Für jedes Fahrzeug stehen 70.000 Euro im Haushalt, die von den Mandatsträgern als Empfehlung für die am 28. August tagende Stadtverordnetenversammlung freigegeben wurden.

Ungleich teurer wird der Ersatz fürs Löschfahrzeug 8/6, der kommendes Jahr ansteht. Im Hinblick auf den großen Waldbestand schwebt Johe hierfür ein sogenanntes TLF 4000 vor, also eines mit 4000-Liter-Tank. Im Odenwaldkreis werden drei Geschosse dieser Art gefördert, Oberzent soll eines davon bekommen. Gefördert ist aber relativ: Die Stadt bekäme 40 Prozent von 250.000 Euro wieder, aber die eigentlichen Kosten belaufen sich auf 350.000 Euro.

In vielen Feuerwehrhäusern gibt es Handlungsbedarf. Denn die Umkleide ist oft noch in der Fahrzeughalle angesiedelt und nicht nach Männlein und Weiblein getrennt. Es fehlt die Heizung, es zieht wie Hechtsuppe oder es ist feucht. Der technische Prüfdienst macht jetzt Druck, so Johe. Nachdem es jahrelang Versäumnisse bei der Aufarbeitung gab, ist seitens der Prüfer Schluss mit lustig. Vieles davon, ergänzte Bürgermeister Christian Kehrer, „ist nicht neu, wurde aber früher nicht umgesetzt“. Ein „Weiter so“ werde von der Unfallkasse nicht mehr toleriert.

Mit als Erstes ist das Gebäude in Airlenbach an der Reihe. Das hat auch mit dem neuen Fahrzeug zu tun, das nicht mehr ins bisherige Haus passt. Hier will man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: einen Anbau fürs TLF-W schaffen und gleichzeitig die aktuelle Garage zur Umkleide umfunktionieren. Kosten: etwa 175.000 Euro.

Johe prognostizierte generell einen hohen Investitionsbedarf: „Das sind teilweise Ruinen“, zeichnete er ein drastisches Bild. Etwa die drei Gebäude des ehemaligen Hessenecks: Hessel-, Schöllen- und Kalibachs Feuerwehrgerätehäuser „sind allesamt renovierungsbedürftig“. Sie sollen 2021 drankommen. Ganz besonders schlimm ist die Situation in Schöllenbaqch: „Dunkel wie im Keller, ohne Heizung, Dach undicht, Tore defekt“, beschrieb der StBi die unhaltbare Situation.

Ebenfalls nicht mehr halten lassen sich die beiden Atemschutzwerkstätten und Berfelden und Rothenberg. Sie sollen einer neuen in Beerfelden weichen, die dann zentral für Oberzent tätig sein wird. „Wir wollen mit den Geräten ausrücken, die wir selbst geprüft haben“, hob Johe hervor. Kosten hier: mindestens 170.000 bis 180.000 Euro.

 

Oberzent-Feuerwehr in Zahlen

–              15 Stadtteilwehren, 16 Standorte (Unter- und Ober-Sensbach bilden eine gemeinsame Einsatzabteilung, haben aber jeweils noch ein Feuerwehrhaus) bei 19 Statteilen und 165 Quadratkilometer Fläche

–              204 Einsätze im Jahr 2018, davon Beerfelden 107 (weil die dortige Wehr wegen ihrer Tageseinsatzstärke in der Regel immer mitalarmiert wird)

–              450 Mitglieder in der Einsatzabteilung, davon Beerfelden 68, Rothenberg 53

–              Drei Kindergruppen mit 36 Unter-Zehnjährigen

–              15 Jugendfeuerwehren mit 145 Angehören

–              169 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung

–              54 Mitglieder in zwei Musikzügen (Schöllenbach und Beerfelden)

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„Ortsverbindungsstraße“ ist immer für einen Aufreger gut

. „Ortsverbindungsstraße“ Reußenkreuz-Bullau hieß der Tagesordnungspunkt auf der vergangenen Sitzung des Ortsbeirats Sensbachtal. „Für uns ist das eine“, betonte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. Deshalb wählte man den Begriff bewusst. Im Gegensatz zur Meinung der Stadtverwaltung, die in dieser Strecke „nur“ einen Waldweg sieht, beharren die Sensbachtaler auf ihrer verbindenden Funktion Richtung Gebhardshütte und Bullau.

Die Straße war im vergangenen Jahr für den allgemeinen Verkehr gesperrt worden, der Ortsbeirat will sich damit aber nicht abfinden. Deshalb fand sie auch wieder den Weg auf die Tagesordnung. Zurecht, wie sich herausstellte. Denn das Gutachten des hessischen Städte- und Gemeindebundes, vor längerer Zeit von der Verwaltung angefordert, liegt dort inzwischen vor, erfuhren die Mandatsträger.

Was gleich nochmal zu Unzufriedenheit führte, dass man darüber nicht schon vorher informiert worden war. Das hatte damit zu tun, so die Auskunft, dass noch eine Stellungnahme des Grafenhauses fehlt, in dessen Besitz die Straße war, bevor sie die frühere Gemeinde Sensbachtal übernahm. Die alten Akten, so Kuhlmann, sind nicht eindeutig. Ein Status in früheren Zeiten lässt sich daraus nicht zweifelsfrei herauslesen.

Ähnlich langwierig gestaltet sich auch die geplante Sanierung der Sporthalle in Unter-Sensbach. Die war schon in der ehemals selbständigen Gemeinde angedacht und quasi in trockenen Tüchern. Doch wollte man damals der Fusion nicht vorgreifen. Hätte man nur: Denn die Kosten sind in den vergangenen beiden Jahren steil nach oben gegangen. 450.000 Euro waren veranschlagt. Inzwischen rechnet man mit einer Steigerung um 20 Prozent, erfuhr der Ortsbeirat, plus noch bestimmte Posten, die zuerst nicht auf der Rechnung waren.

Dem Ortsbeirat ist trotzdem daran gelegen, endlich in die Gänge zu kommen. Denn ein Drittel der Maßnahme wird über Fördermittel finanziert, die laut Kuhlmanns Kenntnisstand bis Ende 2020 abgerufen werden müssen. Daneben ist die 50 Jahre alte Halle quasi noch im Originalzustand. Energetisch muss dringend nachgebessert werden, auch die Sanitäranlagen bedürfen einer Auffrischung.

Auf knapp 2000 Euro beläuft sich das Budget des Ortsbeirats. Gäbe es nicht nur eines für alle drei Gemeinden des Sensbachtals zusammen, sondern drei Budgets für jede, „dann hätten wir die doppelten Mittel“, bedauert der Ortsvorsteher nach wie vor die Entscheidung, eine Pauschale pro Gremium und nicht pro Stadtteil festzusetzen. Umso mehr ist dem Ortsbeirat daran gelegen, die Gelder sinnvoll einzusetzen und auszuschöpfen.

Angedacht ist die Mitfinanzierung eines Glockenturms auf dem Hebstahler Friedhof. Man will sich dazu in Gammelsbach informieren, wo die Maßnahme mit viel Eigenleistung auf die Beine gestellt wurde. Denn ein erster Kostenvoranschlag war jenseits von Gut und Böse. Im Fokus ist auch die Erneuerung des Treppengeländers am Dorfgemeinschaftshaus Hebstahl im Rahmen des Budgets, da die Stadt sie dieses Jahr noch nicht auf dem Plan hat. Mit einer Beteiligung an Projekten des Geo-Naturpark muss man noch bis 2021 warten, kristallisierte sich auf der Sitzung heraus.

Ein Projekt für den Freiwilligentag am 14. September gibt es schon: Die Freiwillige Feuerwehr will wieder am Panoramaweg zu Werke gehen, die Aussicht freischneiden und Bänke reparieren. Seitens des Ortsbeirats hat man auch noch Projekte im Hinterkopf. Ein Gemarkungsrundgang, der im vergangenen Jahr ausfiel, ist für den Herbst in der Planung. „Wir suchen noch einen Termin“, sagte der Ortvorsteher.

Odenwald gegen Motorradlärm

Seit einigen Wochen fallen gelb-schwarze Schilder im Straßenraum ins Auge: „Rücksicht nehmen!“ fordert ein deutlich missgelauntes Kind, während das auf der oberen Plakathälfte abgebildete Motorrad den Adressaten verdeutlicht. Dahinter verbirgt sich eine Aktion der Odenwälder Kommunen gegen Motorradlärm. Denn im vergangenen Jahr war zum einen die Zahl der Unfälle besonders hoch, zum anderen gingen die Beschwerden über Lärmbelästigung durch die Decke.

In diesem Frühjahr und –sommer tagten mehrmals auf Odenwaldkreisebene Bürgermeister, Mitarbeiter der Kommunen, der Polizei und des Landratsamtes. Ziel war es, Maßnahmen gegen den in den Sommermonaten gefühlt immer mehr werdenden Lärm, hervorgerufen durch manche Motorradfahrer, zu finden.

Denn wenig befahrene Straßen und tolle Kurven ziehen jeden Sommer Biker aus nah und fern an, weiß Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer aus eigener Erfahrung. In der Südkreis-Stadt sind besonders die Hangstadtteile wie Rothenberg und Kortelshütte besonders betroffen, wo an einem Tag mehrere hunderte Biker vorbeibrausen. Dazu kommt noch die schöne Aussicht auf die Odenwälder Natur, die für „Andrang“ sorgt. Das Ergebnis sind aber auch immer wieder schwere Unfälle, zeigen die Polizeistatistiken.

Das geschnürte Maßnahmenpaket ist umfangreich. Die Landespolizei führt regelmäßig Kontrollen durch. Das Landratsamt informiert bei der Zulassung von Zweirädern. Viele Odenwaldkommunen beteiligen sich zudem an der Plakataktion. Die gelb-schwarzen Plakate hängen an vielen Stellen im Kreisgebiet und auch im benachbarten Kreis Bergstraße.

Sie sind überall dort zu finden, wo den Erfahrungen nach eine unangepasste Fahrweise – etwa starkes Beschleunigen – die Bewohner aus der Ruhe bringt. Mal niedertourig fahren und nicht gleich am Ortsausgang die Maschine hochziehen, würde schon viel helfen, so die Anregung. Unterstützt wurde die Aktion durch ein Sponsoring der Odenwälder Verkehrswacht.

Zielgruppe sind laut den Beteiligten nicht die 95 Prozent der anständig Fahrenden, sondern die schwarzen, Gas gebenden Schafe, die teilweise auch ihre Maschinen manipulieren. Aber man will daneben alle Biker auf Stellen aufmerksam machen, wo nicht gleich auf den ersten Blick klar wird, dass man andere stört. Die Initiatoren betonen: „Wir freuen uns über jeden Gast, auch auf zwei Rädern, der seine Freizeit im Odenwald verbringt.“

Allerdings wollen die Kommunen die Beschwerden ihrer Bürger sehr ernst nehmen. Denn die können teilweise kein entspanntes Wochenende mehr auf der Terrasse genießen, was Lebens- und Wohnqualität mindert. Einige Bewohner sprechen hierbei schon von ,,Terror auf zwei Rädern“ und wünschen sich noch mehr Streckensperrungen. „Allerdings führt dies nur zu Verlagerungen“, betonen die Verantwortlichen. Ein gemeinsames Miteinander ist deshalb für sie das Ziel – und nicht der Ausschluss einer ganzen Gruppe, die sich überwiegend an die Regeln hält.

 

 

Musik mit „Schlagsaite“, die gefällt

 

Rockige Songs, bekannte Klassiker und moderne Hits. Dafür steht die Band „Schlagsaite“ aus allen Ecken und Enden von Oberzent. In diesem Jahr war die Gruppe schon oft zu hören, sei es beim Brunnenfest, auf der Oldie-Night von Beerfelden Classics, dem Terrassenfestival oder beim Pferdemarkt. „Ein Haufen, wie er unterschiedlicher nicht sein könnte, trotzdem harmonisch, musikalisch anspruchsvoll und qualitativ gut“, schildert Schlagzeuger Valentin Witzgall augenzwinkernd die Truppe.

Gründer sind der Gammelsbacher Frank Leutz (Gitarre) und Andreas Röger (Gesang) aus Sensbachtal. Die trafen sich als Ausgleich zum Alltag in der einer Gartenhütte, um Klassiker von Bob Dylan, Bruce Springsteen und Guns’n‘Roses zu covern. Daraus entstand der Wunsch nach einer größeren Band. Der Beerfeldener Markus Krämer (Bass) und Marie Schäfer (Gesang) aus Airlenbach stießen dazu. Mit der Gammelsbacherin Anna Preissendörfer (Gesang, Saxofon, Keyboard), auch bei der dortigen Blaskapelle aktiv, war man dann zu fünft.

Beim Musikerstammtisch im früheren „Sackbendel“ von Gerald Schwinn (heute „Tapas y Copas“) wurde Valentin Witzgall auf die Band aufmerksam. Der neue Besitzer hat zwischenzeitlich den Musikerstammtisch übernommen. Der Darmstädter Drummer, schon seit zehn Jahren in Falken-Gesäß heimisch, spielte früher bei den „Cranestoners“. Als weitere Unterstützung folgten Max Schulz (Lead-Gitarre) und Andreas Weinmann (Gesang, Rhythmus-Gitarre, Keyboard), beide von der Musikschule Berg sowie Annika Schmitt (Gesang, Keyboard). Die brachten nochmal „richtigen Push in die Band“, beobachtete Witzgall.

Die Musikrichtung war ziemlich klar: „Cover-Rock, aber auch anspruchsvollere Stücke, die man nicht überall hört, die jedoch trotzdem jeder kennt“. Und ein paar neuere Rock-Melodien aus den Charts. „Unsere Motivation ist, Musik zu machen, die gefällt“, beschreibt der Schlagzeuger das Herangehen. „Einen Tag in der Woche Ausgleich vom Alltag zu finden“, ist ein weiterer Beweggrund. Außerdem: „Freunde treffen und ein Pläuschen halten.“

Der Name „Schlagsaite“ kam zustande, „weil wir das Zusammenspiel der Wörter in der Verbindung ganz gut fanden“, schildert Witzgall. Natürlich zielte man auch auf die Doppeldeutigkeit mit der Verbindung zum „Schlagseite haben“ ab, wenn man was getrunken hat. Kein Musiker fing dabei bei null an: Alle Bandmitglieder können schon auf Erfahrung in anderen Ensembles zurückblicken.

Annika Schmitt war früher vorher bei „Rolling‘ Passion“ aktiv, Max Schulz ist es noch bei „D and the Bang Bunnys“. Frank Leutz spielte die Gitarre vorher bei „Overload“ und „Wanted“, wo auch Marie Schäfer sang. Andreas Röger stand bei „Pharmacy“ und „Shot a Duck“ am Mikro. Ein bis zwei Mal in der Woche kommen die neun zum Proben zusammen, um sich so weitere Klassiker der Rock- und Pop-Geschichte draufzuschaffen.

„Under pressure“ von Queen ist so einer, den Freddie Mercury zusammen mit David Bowie sang. In der Schlagsaite-Version teilen sich Andreas Röger und Andreas Weinmann die Mikros und machen dabei die Sache bei einem schwer zu covernden Songs sehr gut. Oder der „Jailhouse Rock“, bei dem Elvis auf der Bühne zu stehen scheint. „Knockin‘ on heavens door“ ist aus dem Repertoire nicht mehr wegzudenken. Natürlich dürfen AC/DC-Klassiker im Set ebenso wenig fehlen, wie die Scorpions mit „Rock you like a hurricane“ oder Lynyrd Skynyrds „Sweet home Alabama“.

 

Info: Die Band „Schlagsaite“ ist bei der Rocknacht des SV Airlenbach anlässlich des 50. Vereinsjubiläums am Freitag, 9. August, 20 Uhr, auf dem Sportplatz zu erleben. Mehr zur Band: https://www.facebook.com/Schlagsaite-293979071142410/

 

Jugendförderverein bündelt Fußball-Aktivitäten

Oberzent als Vorreiter: In der neuen Stadt wurde jetzt der erste Jugendförderverein des Odenwaldkreises gegründet. In ihm bündeln sieben Fußballvereine ihre Arbeit im Jugendbereich. Ziel ist es, ab der Saison 2020/21 Mannschaften von den A- bis G-Junioren in die Wettbewerbe zu schicken. Derzeit eifern etwa 130 Kinder und Jugendliche in Oberzent dem runden Leder nach, angeleitet von 20 Trainern und Betreuern.

Das Orga-Team mit Sebastian Siefert, Hartmut Beisel, Marcel Daub und Steffen Ulrich ging vor etwa einem Jahr an die Vorbereitung. Denn in den vergangenen Jahrzehnten wurde es für die Vereine immer schwieriger, eigene Jugendmannschaften zu stellen, schilderte Beisel vom SV Beerfelden. Der ist neben FC Finkenbachtal, SV Gammelsbach, TV Hetzbach, SG Rothenberg, TSV Sensbachtal und Türkspor Beerfelden einer der Partner.

Die Folge war die Gründung von immer mehr Spielgemeinschaften, so vor zehn Jahren auch die JSG Oberzent, „um den Jugendfußball zu stabilisieren“. Aber auch dieses Modell erwies sich über die Jahre hinweg als problemanfällig. Denn logischerweise, so Beisel, standen für die beteiligten Einzelvereine erst einmal die eigenen Interessen im Vordergrund. „Wir haben dann überlegt, wie sich das verbessern lässt“, schilderte er.

Heraus kam der Gedanke, einen eigenständigen Verein für Jugendfußball zu gründen. In den verschiedenen Vortreffen wurden die Vereinsvertreter mit ins Boot genommen. „Wir haben vieles schnell erreicht“, freute sich der SV-Mann. Über einen Kooperationsvertrag wird die jeweilige Mitwirkung im JFV Oberzent vertraglich geregelt. Der soll offiziell zu Beginn des neuen Jahres an den Start gehen, damit zur kommenden Runde alles steht.

Sebastian Siefert dankte den beteiligten Vereinen „für die schnelle und positive Einigung“. Es gab zehn Organisationstreffen im Vorfeld, dann „nur“ zwei mit den Vereinsvorständen und der neue Verein war im Sack. „Die sind uns sehr entgegengekommen“, war die Kooperationsbereitschaft groß. Er hätte, schmunzelte Siefert, „mehr Widerstand erwartet“.

Es gab noch ein zusätzliches Bonbon: Der neue Verein bekommt von seinen Gründervätern mehr Geld zur Verfügung gestellt, als die Organisatoren gedacht hatten. Der offizielle Startschuss war das eine, „die eigentliche Arbeit beginnt jetzt erst“, meinte Siefert. Ziel sei es, in allen Altersklassen eine Mannschaft zu melden und mit Großfeldteams auch höherklassig zu spielen.

Mittelfristig, sagte er, werde mit dem JFV die Qualität verbessert, da man als Verein andere Möglichkeiten habe, an qualifizierte Trainer zu kommen. Siefert zeigte sich optimistisch, in spe auf genügend Betreuer zurückgreifen zu können. Zwar ist die Vereinsbindung nicht mehr wie früher, aber wenn die eigenen Kinder kicken, „ist vielleicht einfacher, die Eltern zur Mitwirkung zu bewegen“. Robin Hemberger vom SVB bezeichnete die Entwicklung als „alternativlos“. Dem Orga-Team sprach er seinen großen Danke für die viele Arbeit aus.

Bürgermeister Christian Kehrer wertete die Zusammenarbeit im JFV als „Schritt in die richtige Richtung“. Die Stadt werde ihren Beitrag dazu in Form einer Anschubfinanzierung leisten. Eine freiwillige Fusion, so Kehrer mit Blick auf den Oberzent-Zusammenschluss, „ist immer zielführend“. Den ersten Jugendförderverein im Odenwaldkreis begrüßte ebenfalls Kreisjugendwartin Birgit Johe. „Das macht es organisatorisch um einiges einfacher“, erläuterte sie. Denn die Spielgemeinschaften müssten jedes Mal aufs Neue gemeldet werden.

 

Info: Der neue Jugendförderverein (JFV) 2020 Oberzent wird im Herbst bei einer Info-Veranstaltung allen Interessierten vorgestellt.

 

Oberzent-Legenden waren mit Leidenschaft am Ball

Legenden aus Oberzent mit Leidenschaft am Ball: Was beim Fußballfest des TV anlässlich des 100-jährigen Vereinsbestehens eine große Gaudi war, soll in Zukunft alle Ü40-Spieler der neuen Stadt am runden Leder vereinen, um auch sportlich die Fusion weiter voranzutreiben. Auftakt der Oberzent-Allstars war nun die Partie gegen den Hessen-Cup-Sieger 2018 und Teilnehmer an den Deutschen Meisterschaften, den SV Erzhausen. Da zählte vor allem das olympische Motto: „Dabei sein ist alles.“

2:7 musste sich die Oberzent-Auswahl den besser im Saft stehenden Erzhausenern geschlagen geben. Markus Ihrig und Torsten Setzer erzielten die Ehrentreffer. Konditionell präsentierten sich die Gäste bei schweißtreibenden Temperaturen deutlich im Vorteil und waren auch jederzeit torgefährlicher. Die 1950 gegründeten TV-Fußballer zeigten sich bei diesem Teil des dreitägigen Sportfestes sehr zufrieden mit den Besuch auf der Höhe.

Nachdem die Fußballer im vergangenen Jahr nur einen Tag gefeiert hatten, wollten sie den Event im Zeichen des 100. Jubiläums größer machen, erläutert Marcel Daub. In der Projektgruppe erarbeitete man die einzelnen Aktivitäten, so etwa den Besucher der 05er Fußballschule des Bundesligisten Mainz 05, das Mondscheinturnier oder den Blitzeiche-Cup.

Aus allen acht Vereinen der neuen Stadt liefen die alten Hasen in ihren gelben Trikots auf. „Die haben damals als Spieler ihre Teams geprägt“, meint Daub ehrfürchtig im Angesicht der früheren Leistungen. Roland Hartmann vom SV Beerfelden blickt auf Oberliga-Erfahrung zurück, Dieter Bundschuh vom TV Hetzbach ist ein ebensolcher erfahrener Mann. Er gehört wie auch Oliver „Fips“ Rexroth, der frühere Spielertrainer des FC Finkenbachtal, mit seinen 53 Jahren zu den ältesten im Bunde.

Teilweise hingen die Fußballschuhe schon zehn Jahre am Nagel, bevor sie fürs Auswahlspiel wieder geschnürt wurden. Marcel Gerling (ISV Kailbach) versucht sich zu erinnern: „Sechs Jahre sind es bestimmt schon“, meint er. Zumindest waren die Treter so alt, dass er sich jetzt neue kaufte. Fit hielt er sich in der Zwischenzeit immer, „aber Laufen ist halt was anderes“. Sein Fazit: „Das hat total Spaß gemacht“ – gegen einen ambitionierten Gegner.

„Die waren alle gleich dabei“, freut sich Mitorganisator Daub über die vielen positiven Rückmeldungen. Die Partie kam auch deshalb zustande, „weil es in Oberzent nirgends eine AH gibt“, erläutert er Genau das ist das Ziel von Trainer Horst Ihrig, der das jetzige Zusammentreffen verstetigen will. „Jeder Ü40-Crack aus Oberzent ist eingeladen mitzumachen“, bekräftigt Daub. Einmal im Monat soll das Training stattfinden.

Horst Ihrig versteht das Auftaktspiel, auch wenn davor kaum ein gemeinsames Training möglich war, als Grundstock für eine kommende Oberzent-Auswahl. „Wir wollen auch sportlich mehr zusammenwachsen“, betont er. Der Coach will die erfahrenen Jungs von März bis Oktober zusammentrommeln und in dieser Zeit auch drei oder vier Spiele absolvieren. „Es ist schön, die alten Gesichter wieder zu sehen“, sagt Ihrig. Denn ansonsten verliert man sich aus den Augen. Natürlich war der Gegner gleich eine hohe Messlatte, schmunzelt er.

Über 70 Ehemalige stehen auf der Liste. Elf können zwar nicht mehr kicken, weiß der Trainer, aber wollen trotzdem dabei sein. Wenn er für die Spiele zwischen 18 und 20 Leute aus allen früheren Vereinen aufbieten kann, dann passt das für Ihrig. Sebastian Schönig (FC Finkenbachtal), Cosimo Perrone (Türkspor Beerfelden), Marco Gerbig (TV Hetzbach), Steffen Ulrich (TSV Sensbachtal) oder Berkant Özdemir (Türkspor Beerfelden): Alles klangvolle Namen aus goldenen Oberzent-Fußballjahren, die jetzt aufliefen.

 

 

Oberzent-Vereinsförderung soll bis Ende des Jahres stehen

Mit der Vereinsförderung in der neuen Stadt verhält es sich wie mit einer Babuschka-Puppe. Es tauchen beim Entblättern bzw. genauerer Betrachtung immer wieder neue Aspekte auf, die berücksichtigt werden müssen. Die Details werden immer mehr, die Schwierigkeiten, alles zusammenzufügen, größer. Die Stadtverwaltung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, zusammen mit Parlamentariern und Vereinsvertretern bis zum Jahres eine verabschiedungsreife Vorlage auf den Tisch zu bekommen. Schließlich war es ein Kommunalwahlthema praktisch jeder Gruppierung, das Ehrenamt zu stärken.

In den bisherigen vier Gemeinden Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck gab es sehr unterschiedliche Herangehensweisen, erläutert Bürgermeister Christian Kehrer die Schwierigkeiten. Etwa bei den Sportplätzen: „Manche Vereine bekamen nichts, andere alle zwei Jahre den Platz erneuert“, verdeutlicht er. Instandhaltungen mit Summen von 1400 bis 3300 Euro/Platz nannte er ebenso wie die Zurverfügungstellung von Düngemitteln. Häufigkeit der Nutzung und Belastung seien ebenfalls Kriterien.

Bei der Hallennutzung ist es ähnlich. In Beerfelden wurde die Stadt bei Vereinsveranstaltungen am Umsatz beteiligt. Die Rothenberger Sporthalle wiederum war kostenfrei nutzbar, weil sie unter großem ehrenamtlichem Einsatz saniert wurde. Jugendförderung gab es mit 7260 Euro bisher in Rothenberg und Beerfelden, so der Bürgermeister. Außerdem teilweise die Kostenübernahme von Grundbesitzabgaben mit 26.000 Euro, Investitionszuschüsse auf Antrag, Erlass der Gewerbesteuer und Verwaltungskosten oder Unterstützung durch den Bauhof.

So gerne er es auch wollte, „ist es unrealistisch, alles kostenlos zu stellen“, bedauert der Rathauschef. Denn durch eine verschlechterte Einnahmesituation – unter anderem weil 250.000 Euro Erlöse aus dem Holzverkauf fehlen – gibt der Haushalt dafür nicht genug Mittel her. Kehrer machte er aber klar: „Wir wollen die Vereine auf jeden Fall unterstützen.“ Bei der Summe könne man jonglieren, da im aktuellen Doppelhaushalt noch Verfügungsmasse bei der Instandhaltung von städtischen Einrichtungen drin sei. Eventuell lasse sich eine höhere Summe „auch über Mehrausgaben beschließen“.

Derzeit wartet man in der Verwaltung auf einen Rücklauf aus den Vereinen. Die wurden nämlich als Entscheidungsgrundlage zu Mitgliederstand, Anzahl der Jugendlichen, eigenem Vermögen und vorhandener Bausubstanz abgefragt. Laut Kehrer gibt ungefähr 125 von ihnen in der Stadt, dazu noch einige weitere Organisationen. Wenn die Ergebnisse vorliegen, sollen die Mandatsträger einen Katalog erhalten, in dem die bisherige Förderung, Vergleichszahlen aus anderen Gemeinden und die Rückmeldung enthalten sind.

„Danach wird intern in den Fraktionen diskutiert“, schildert der Bürgermeister den weiteren Fortgang vor der Entscheidung, ob eine Arbeitsgruppe gebildet wird. Hierzu gab es bereits die Anregung, Vereinsvertreter mit einzubinden. Wenn in diesem Jahr nicht allzu spät eine Entscheidung fallen sollte, kann sich das Stadtoberhaupt vorstellen, die Vereinsförderung noch rückwirkend zum Januar greifen zu lassen.