Ab Pfingsten wieder Präsenzgottesdienste

Ab Pfingstsonntag werden sonntags wieder öffentliche Gottesdienste in der Martinskirche Beerfelden gefeiert. Dies beschloss der Kirchenvorstand hat in seiner kürzlichen Sondersitzung, teilt Pfarrer Roland Bahre mit. „Für mich ist das eine tolle Entscheidung“, zeigt sich der Geistliche dankbar, dass sie auf der Grundlage fallender Inzidenzzahlen möglich war.

Zwar nahm die evangelische Kirchengemeinde in den vergangenen Wochen und Monaten mit einem umfangreichen Online-Programm ihren Verkündigungsauftrag wahr, sagt er. „Dennoch wird es Zeit, dass wir uns als Christen wieder versammeln“, betont der geschäftsführende Pfarrer. „Mit einer Vielzahl von videobasierten Verkündigungsangeboten sind wir einigermaßen gut durch die Durststrecke gekommen“, erzählt er.

Insbesondere die Kirchenmusik ist seinen Worten zufolge „über sich hinaus gewachsen“. So hat Iris Thierolf jeden Monat ein musikalisches Online-Konzert ermöglicht und nach den jeweils gültigen Corona-Regeln sogar Chöre auftreten lassen, erläutert Bahre. Zuletzt begeisterte der Posaunenchor unter der kommissarischen Leitung von Arne Müller „mit einem grandiosen und atemberaubenden Online-Konzert“. Anfang Juni ist nun der erste Live-Konzertgottesdienst in der Kirche geplant, auch mit Iris Thierolf, Arne Müller und David Krahl (Bariton).

Wenn mancherorts über die Kirche und ihre Pfarrer gespottet wird, dass sie in Pandemie-Zeiten nicht viel zu tun hätten, meint Bahre, „ging bei uns eigentlich erst die Arbeit so richtig los“, erinnert er sich. Nicht nur die zahlreichen Videobotschaften („KreuzWorte“) mussten produziert werden, sondern auch der Konfirmandenunterricht findet momentan als Videokonferenz online statt. „Das habe ich so in meiner religionspädagogischen Ausbildung nicht gelernt“, lächelt er, aber: Not macht erfinderisch.

Die Kirchengemeinde nutzte die Pandemiezeit, um sich weiterzuentwickeln und auch neue Menschen mit ihren Fähigkeiten und Kompetenzen mit einzubinden. So wurde mit Sara Keller eine verlässliche Ehrenamtliche im Bereich der Konfirmandenarbeit gefunden, die als junge Studentin einen ganz natürlichen Zugang zu neuen Medien hat und auf die Konfirmanden nochmal ganz anders zugehen kann als die Pfarrer, schmunzelt der Geistliche.

Als junge Masterstudentin der „Gesundheitspsychologie“, in Beerfelden aufgewachsen, ist sie seiner Beobachtung nach den Konfis einfach „manchmal viel näher als wir Pfarrer“. Die Zusammenarbeit mit ihr beschränkt sich somit nicht nur auf die Vorbereitung und gemeinsame Durchführung der Konfirmandenstunden als Videokonferenz, sondern umfasst auch seelsorgerlichen Kontakt zu den Konfis, erklärt er.

Der Pfingstgottesdienst soll als Fest des Heiligen Geistes neu gefeiert werden, „der uns neuen Lebensatem geben kann“, so Bahre. Deshalb sind auch die Konfis in besonderer Weise aufgerufen, ihren Laptop oder das Smartphone auszuschalten, und der Kirche ganz real, ganz präsent, ganz „offline“ zu begegnen, wünscht er sich.

Manche Konfirmanden kennt der Pfarrer nur über den Bildschirm. Er freut sich darauf, sie endlich mal „live“ sehen zu können. Auch Sara Keller wird sich an dem Pfingstgottesdienst beteiligen. Wer sich noch nicht in die Kirche wagt, kann aber weiterhin das digitales Verkündigungsangebot nutzen: „Gerade an Pfingsten haben wir ein besonderes Video aufgenommen“, erklärt der Geistliche. In ihm werden alle Kandidaten für die anstehende Kirchenvorstandswahl im Juni vorgestellt.

Gottesdienste finden jeweils sonntags um 10 Uhr in der Beerfeldener Martinskirche statt. Eine Anmeldung ist dringend erforderlich: per E-Mail unter ev_gemeindebuero_beerfelden@gmx.de oder telefonisch unter 06068/1330 im Gemeindebüro. Außerhalb der Bürozeiten sollte unbedingt der Anrufbeantworter genutzt werden. Angegeben werden müssen neben dem Namen aller Teilnehmer auch die Meldeadresse und Telefonnummer. Anmeldeschluss ist immer freitags um 10 Uhr vor dem entsprechenden Sonntag. Eine Ausnahme bildet der Pfingstsonntag: Hier können sich Interessierte noch bis Samstag um 18 Uhr anmelden.

Info: Auf YouTube sind unter „Kanal Kirche Beerfelden“ die vergangenen Konzerte und KreuzWorte zu finden, unter anderem auch die zu den Hochfesten Weihnachten und Ostern:  www.youtube.com/channel/UC8FHZsWGZCM8WwcU0EaVBLA. Besonders stark mit über 1200 Aufrufen wurde bisher das Posaunenchorkonzert 2021 nachgefragt. Unter Arne Müller wurde ein Set eingespielt, das vom Barock bis zum Spiritual die Vielseitigkeit und Schönheit der Posaunenchorliteratur aufzeigt.

Endlich mal wieder im Lokal essen statt mitnehmen

Ganz langsam stellt sich eine gewisse Ermüdungserscheinung bei den abholbereiten Gästen ein, stellen die Oberzent-Gastronomen fest. Nach einem halben Jahr Schließung und Take-Away-Angeboten hoffen sie inständig darauf, dass Richtung Sommer Öffnungen möglich sein werden – wie diese gerade in verschiedenen anderen europäischen Ländern anlaufen. Die Solidarität in den jeweiligen Orten ist nach wie vor ein großes Plus, mit dem sich wuchern lässt.

„Es ist weniger geworden“, stellt Karin Fink-Henke beim Rothenberger Rosenwirt fest. Trotzdem zeigt sie sich mit der Resonanz auf das Angebot des Traditionslokals in der Hauptstraße zufrieden. Die Abholer kommen neben dem eigenen Ort vor allem aus dem Finkenbachtal bin hinunter nach Hirschhorn und hinauf nach Beerfelden. 

„Die Unterhaltungen mit den Gästen fehlen“, bekennt sie. Andererseits ist für die Wirtin auch wichtig: „Wir sind alle gesund“, was zufrieden macht. Da die staatlichen Hilfen flossen, blicken die Gastleute einigermaßen gelassen nach vorn. Eines ist natürlich klar: „Wenn es wieder losgeht, stehen wir in den Startlöchern.“

„Es wird weniger, das stimmt“, hat auch Angelika Beisel vom „Hirsch“ ein paar Meter die Straße runter festgestellt. „Trotz allem ist die Solidarität deutlich spürbar“, freut sie sich. Mit zahlreichen Aktionen versucht man hier der Speisekarten-Monotonie entgegenzuwirken. Was aber nichts an der verfahrenen Situation ändert:  „Alle warten darauf, dass Normalität wieder Einzug hält“, betont Beisel.

Absagen von Reisegruppen reichen inzwischen bis in den Juli hinein, schildert sie. Aber selbst wenn wieder alles offen sein sollte, „geht das nicht von null auf 100“, verdeutlicht Beisel. Denn die Leute brauchen fünf bis sechs Wochen, um alles zu organisieren. Je nachdem, wie lang der Lockdown dauert, „sind wir dann bald wieder am Saisonende“. Die Wirtin nennt es sehr ärgerlich, dass Auslandsreisen möglich sind, aber man im eigenen Land nicht auswärts übernachten darf.

In der Gammelsbacher „Krone“ freut man sich über das ungebrochene Interesse der Abholer. „Besonders an den Wochenenden haben wir eine gute Nachfrage“, sagt Wolfgang Gerbig. Er versucht, sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Aktuell gibt es ein paar Spargelgerichte auf der Karte. Die Gäste wissen um die gute Küche im Tal und kommen nicht nur aus Gammelsbach.

Im „Grünen Baum“ ein paar Meter talabwärts können die Dennigers auf ihre Stammgäste bauen. „So langsam merkt man schon eine gewisse Essens-Abhol-Müdigkeit“, erzählt Sascha Denninger. Nach einem halben Jahr geschlossenen Restaurants „möchten wir alle mal wieder einen entspannten Abend mit dem dazugehörigen Service genießen“, weiß er. Essen aus einer Plastikbox ist seinen Worten zufolge „damit nicht zu vergleichen“.

Deshalb kann er die Menschen ein Stück weit verstehen. „Bei gutem Wetter wird dann eben der Grill angemacht. Essen abgeholt hat man über den Winter genug.“ Die Öffnung der Außengastronomie würde schon sehr viel helfen, betont Denniger. Zudem es ja für ihn keinen Unterschied macht, ob die Menschen daheim „zu viert grillen oder auf einer Terrasse mit Abstand zu anderen Gästen sitzen“. Er weist auf den großen Widerspruch hin, wenn die benachbarten Länder langsam öffnen. „Viele werden in nächster Zeit Urlaub im Ausland machen, weil die Hotels in Deutschland noch geschlossen sind“, ärgert er sich.

„Es ist enttäuschend, dass nach einem halben Jahr Schließung noch immer keine kreativen Ideen, Konzepte mit Perspektive oder Ähnliches für den Kultur- und Freizeitbereich vorhanden sind“, bedauert Roland Grünvogel vom Landgasthof Grüner Baum in Hesselbach. „Aber wir sind im Großen und Ganzen zufrieden“, sagt er. Nach einem halben Jahr reinem Take-Away stellt er eine gewisse Müdigkeit fest.

Da aber das Wetter im Vergleich zum vergangenen Jahr wesentlich schlechter war, machte es bei Kälte, Schneefall und Regen bisher unter der Woche keinen großen Sinn, überhaupt etwas anzubieten. Sobald es konstanter wird, rechnet er mit Besserung. „Wir hoffen, dass das große Opfer, welches die geschlossenen Bereiche bringen, von der Gesellschaft nicht vergessen wird“, betont der Gastronom. Vom sicheren Konzept der Außengastronomie zeigt er sich überzeugt. Er rechnet damit, dass genug zu tun sein wird, wenn draußen wieder geöffnet werden darf.

Entscheidend ist für die Wirtsleute aber, „dass wir im Herbst und Winter wieder so normal wie möglich öffnen und arbeiten dürfen“. Grünvogel zeigt sich erfreut über das Voranschreiten der Impfkampagne. „Auch hier üben wir uns in Geduld und stellen uns hinten an, bis wir dran sind“, erläutert er. Es wäre schön, bekräftigt er, wenn jetzt alle mal richtig mitmachen würden – auch die, die Zweifel an Corona haben. „Wir bleiben zuversichtlich“, lautet sein Fazit.

Brigitte Rüting vom Waldgasthof Reußenkreuz auf dem Krähberg ist zufrieden mit der Resonanz auf die Außer-Haus-Angebote am Wochenende – gerade aufgrund des begrenzten Einzugsgebiets. An den Feiertagen herrschte eine gute Nachfrage, stellt sie fest. Die staatlichen Hilfen flossen zwar, „aber man kann keine Rücklagen bilden“, erläutert sie. „Das ist nicht so prickelnd.“

Da der Hotel-Gasthof im Eigentum bewirtschaftet wird, sind die Ausgaben überschaubarer, als wenn Kollegen in Miete wirtschaften, sagt Rüting. Mehr Sorgen macht ihr die Personalsituation. Wenn es wieder losgeht, müssen erst einmal wieder Aushilfskräfte gefunden werden. Die bisherigen orientierten sich im vergangenen Jahr anderweitig.

Alles ist bereit für den Neustart

Die Ausflügler können kommen. Heinrich Wenz und David Shubart, die Betreiber des „Oberzent Hostelstyles“ in Beerfelden, warten nur auf die Möglichkeit der Wiedereröffnung durch eine entsprechende Verordnung des Gesetzgebers. Über den Winter, in Zeiten der erzwungenen Unterkunfts-Schließung, wurden einige Erneuerungsarbeiten durchgeführt. Das Hostel in der Häfengasse oberhalb des Rewe-Marktes bietet drei Zimmer für je vier Personen.

Damit die Gäste auch eine Zeltmöglichkeit vorfinden, richtete Wenz aktuell den Platz neben der Garage her. Er legte Strom und installierte Steckdosen. Auch der Freisitz wurde damit ausgestattet. Im Gebäude gab es ein paar Verschönerungsarbeiten, etwa durch neue Möbel oder Bilder. Jetzt können die Übernachtungsgäste in genauso großer Zahl kommen, wie dies vor der Schließung Anfang November der Fall war.

„Unsere Zimmer wurden gut nachgefragt“, freut sich Wenz im Rückblick. Jede Woche konnte man neue Besucher begrüßen. Viele davon waren Tourenradler, aber gerade zum Schluss hin schauten auch einige Downhill-Biker vorbei, die im Bikepark ihrem Sport auf zwei Rädern frönten. Dazu kamen Wanderer – und sogar eine Mofagruppe, die sich in Anlehnung an dem Film „25 km/h“ mit diesen Vehikeln auf den Weg an die Ostsee gemacht hatte.

Die beiden Betreiber haben eine Marktlücke gefunden, die von einem bunt gemischten, internationalen Publikum, frequentiert wird. Dänen, Kroaten, Russen hat Wenz schon begrüßt. Einige „Wiederholungstäter“ waren bereits unter den Übernachtungsgästen. „Einfache Übernachtungen für wenig Geld sind gefragt“, hat der Beerfeldener beobachtet. Er kann sich deshalb vorstellen, dass es in den umliegenden Ortschaften demnächst einige Nachahmer geben wird.

Seine Gäste kommen etwa zu zwei Dritteln über Buchungsseiten wie booking.com, der Rest über das eigene Angebot, etwa auf Facebook. Dort hat Wenz das Hostel bereits auf speziellen Wanderer- und Radler-Seiten geteilt. Demnächst will er auch auf Instagram werben. Ihn freut es, dass jetzt der Nibelungensteig-Zubringerweg in Beerfelden ausgeschildert ist – so können Gäste vom Marbach-Stausee oder Himbächel-Viadukt den Weg in die Stadt finden.

Heinrich Wenz hofft, „dass es spätestens im Sommer wieder losgehen kann“. Er hat sogar schon Anfragen für diesen Monat, „aber ich darf noch nicht“, bedauert er. Über den Winter haben die beiden keine staatlichen Zuschüsse fürs Hostel beantragt, denn die Gästevermittlung läuft auf privater Basis. „Zum Glück“, sagt er, ist das Duo nicht auf die Einkünfte angewiesen. „Sonst wären wir untergegangen.“

„Wir können es kaum erwarten, dass es wieder losgeht“, sagt der Beerfeldener. Die entsprechenden Hygienemaßnahmen werden natürlich umgesetzt. Dazu zählen unter anderem Handdesinfektionsspender. Auch darf ein Gemeinschaftsbad nur von den Gästen aus einem Zimmer genutzt werden. Ebenso sind die Toiletten einem Raum zugeordnet. Im Gemeinschaftsraum muss Abstand gehalten werden. „Das lässt sich alles realisieren“, betont er.

Da für das Hostel die gleichen Bestimmungen wie für Hotels gelten, „müssen wir die Regelungen abwarten“, erläutert Wenz. Reservierungen nimmt er auf jeden Fall schon entgegen. Natürlich können die Interessenten kostenlos stornieren, sollte die Unterkunft bis dahin doch nicht öffnen dürfen.

Ein Besuch im Bikepark vor drei Jahren gab den Ausschlag: Heinrich Wenz sah dort viele Mountainbiker, die im Auto übernachteten. Auf den Campingplatz oder in eine teure Pension wollten sie nicht. Warum denen nicht ein günstiges Dach über dem Kopf bieten, dachte er. Da der Beerfeldener mit seinem Partner David Shubart schon viel auf der Welt herumgekommen ist und dabei oft in Hostels übernachtete, war der Gedanke naheliegend, ein solches auch in Oberzent auf die Beine zu stellen.

Zwei Jahre dauerte es bis zur Verwirklichung: Jetzt gibt es in der alten Bing- und späteren Meißner-Fabrik Zimmer zu unschlagbar günstigen Preisen. Bei 8,75 Euro startet die Übernachtung. „Das Preissegment ist sehr attraktiv“, weiß Wenz. Er hat die Hostel-Erfahrungen in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten in guter Erinnerung.

Beide wollen der „nicht gerade boomenden Tourismus-Region“ Oberzent etwas auf die Beine helfen und Aktivurlauber anlocken, erklärt Shubart. Deshalb stellen sie auch Ausflugstipps und Sehenswürdigkeiten als Kurzvideo auf Facebook ein. „Wir wollen den Leuten den Odenwald schmackhaft machen“, betont Wenz.

Info: http://www.oberzent-hostelstyle.com

Dicke-Eiche-Tour gegen den Winterspeck

„Eine Tour für Wanderer, die Stille und schöne Landschaft lieben“: So beschreibt die Odenwald-Tourismus die über elf Kilometer lange Wanderung komplett um Airlenbach. Das trifft es genau. Als wir an diesem späten Vormittag die Wanderschuhe schnüren, rechnen wir schon mit weniger Andrang als rund um Schloss Waldleiningen bei der Drei-Länder-Tour. Aber genau vier Personen an der Panorama-Liege oberhalb des Ortes übertrifft alles. Stopp: Fast hätten wir die Reiterin mitsamt Pferd im Nirgendwo-Wald bei Olfen vergessen.

Das Highlight gibt’s bereits beim Aussteigen: die Reste der Dicken, auch Siegfriedeiche genannt, die dem Wanderweg ihren Namen gibt. Der imposante, noch etwa fünf Meter hohe Stumpf zeugt von einer jahrhundertelangen Geschichte, die 2012 mangels Standsicherheit ihr Säge-Ende fand. Das Naturdenkmal steht direkt neben dem Parkplatz an der L 3120, unserem Ausgangs- und Endpunkt.

Noch ein anderer Punkt fällt uns bei dieser Wanderung positiv auf: Fast auf jeder Teilstrecke finden sich Sitzbänke, teilweise sogar -garnituren, dazu noch Schutzhütten. Wir müssen aufpassen, den schönen Tag nicht mit zu viel Pausen an aussichtsreichen Plätzen zu verbringen. Auch wenn kein Gasthaus an der Strecke liegt, in dem wir uns verpflegen können, gibt es somit genug Möglichkeiten, auf eigene Faust eine bequeme Rast einzulegen.

Entgegen dem Uhrzeigersinn geht’s ein paar hundert Meter Richtung Norden stetig aufwärts, bis unser Weg einen scharfen Knick wieder hin zum Ort macht. Entlang der Forsthäuser kommen wir am Sandsteinblock, gewidmet der Heiligen Hedwig, vorbei, und erreichen den lichten Nadelwald. Mit kaum merklicher Steigung voranschreitend, blitzen links immer wieder ein paar Häuser durchs Gehölz.

An zwei oder drei Bäumen hätten wir uns eine eindeutigere Markierung gewünscht. Der Pfeil zeigt geradeaus, wo von links ein Weg hochkommt, wir aber eigentlich zumindest halbrechts laufen müssen. Egal. Selbst die Sonne lässt sich in der Ruhe genießen, in die höchstens ab und zu mal ein Motorrad von der Landesstraße hochschallt.

Der Waldrand ist schon in Sichtweite, als uns dann doch noch ein heftiger Anstieg entlang der Baumgrenze bevorsteht. Aber der Blick aufs freie Feld lässt schon erahnen, dass der sich mehr als lohnen wird. Eine von vielen Bänken wartet an der Ecke, als sich plötzlich die Szenerie weitet. Je weiter wir am Waldrand entlanglaufen, desto mehr kommt links von Airlenbach zum Vorschein. Wir sind auf dem höchsten Punkt angekommen.

Jetzt wird’s tierisch: Erst laufen wir am Damwildgehege vorbei, dann folgen ein paar fest installierte Bienenbeuten, ehe lautes Grunzen darauf hinweist, dass es hinter dem folgenden Zaun schweinisch zugeht. Nicht zu vergessen der Rotmilan, der unterhalb Richtung Güttersbach seine Bahnen am Himmel zieht. Mit Rückwärts-Blick auf den Katzenwinkel, der zum Glück von Windrädern verschont bleibt, verabschieden wir uns von der Hochfläche und tauchen neben der L 3120 in einen kleinen Waldweg ein, der uns bis zum Wanderparkplatz auf der Airlenbacher Höhe führt.

Was sich hier schon andeutet, setzt sich nach Straßenüberquerung auf der anderen Seite fort. Romantische Waldwege vermitteln uns das Gefühl, allein mit uns und der Welt zu sein. Zwar blitzt zwischendurch mal kurz ein Maisfeld auf, doch schnell macht die Strecke bergab einen Schwenk nach links. Mit dem Feld verschwindet auch die Straße von der Bildfläche.

Erst zaghaft, dann ein wenig deutlicher schält sich Unter-Olfen ab und zu aus der Waldfläche. Wenn das Gasthaus „Spälterwald‘“ mal wieder aufmachen darf, rechtfertigt die dortige eigene Schlachtung den Abstieg ins Tal. Denn die Höhenmeter muss man später auch wieder in andere Richtung zurücklegen. So aber werden die Waldwege langsam schmaler, verwachsener, bis an einem Punkt nur noch ein kleiner Trampelpfad übrig bleibt.

Das hat schon Anklänge an Harry Potters verwunschenen verbotenen Wald. Bevor aber Einhörner, Zentauren oder Voldemort um die Ecke kommen könnten, tut sich eine unerwartete Lichtung auf – mitten im Nirgendwo. Wir sind wieder ganz obenauf. Hinter der nächsten Ecke stoßen wir auf die Reste der vom Ortsbeirat markierten Oster-Wanderung – wenn man sonst schon nichts in Airlenbach machen darf, dann wenigstens raus an die frische Luft, denken sich die Aktiven.

Dieser folgend kommt weiter abwärts das große Aha-Erlebnis. Plötzlich ist der Wald weg und der Talblick da. Erst nur Richtung Unter-Airlenbach, dann sukzessive immer mehr vom Ort freigebend, erleuchtet die Nachmittagssonne jeden Zipfel. Der Blick hat’s in sich – wie auch die plötzliche, letzte Steigung, als wir schon in Gedanken wieder am Parkplatz sind. Die Beine sind nach zehn Kilometer merklich schwer, als noch einmal die letzten Höhenmeter hoch zum Waldrand bezwungen werden müssen.

Aber dann: Auf der Höhe sonnen wir uns noch einmal in unserer Weitsicht, ehe erst zaghaft, dann immer steiler, die Meter nur so purzeln, je dichter das Gehölz wird. Zum Glück sind wir die Runde in dieser Richtung gelaufen. Als Anstieg wäre das heftig. Als rechts der Falken-Gesäßer Bach auftaucht, ist das Ende nah. Die Dicke Eiche winkt.  

Name: Dicke-Eiche-Weg

Länge: 11,6 Km

Dauer ohne Pausen: ca. 3 Stunden

Höchster Punkt: 473 m

Niedrigster Punkt: 326 m

Kategorie: leicht

Wanderzeichen: grünes B mit einer darunter liegenden 3 im Hufeisen

Ausschilderung: gut, zu Beginn ein paar interpretationsfähige Pfeile

Verpflegung: Rucksackproviant

Sehenswürdigkeiten: Dicke Eiche, Ausblicke auf Airlenbach und Olfen, Sandsteinblock, gewidmet der Heiligen Hedwig

Mehr Infos: http://www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f1540c20e3c1c0fedd15809

Selina kann nun endlich Fahrrad fahren

Selinas Traum ist in Erfüllung gegangen. Die blinde Zwölfjährige aus Kailbach bekam ein Spezialtandem, mit dem sie nun endlich Fahrrad fahren kann. Denn das war seit Langem ihr größter Wunsch. Sehr dankbar ist die Familie Burth für die vielen Spenden, die zu diesem Zweck aus der gesamten Umgebung zusammenkamen. Auch der Echo-Artikel im Januar trug seinen Teil dazu bei, dass das Tandem nun ausgeliefert werden konnte.

5000 Euro kamen bei der Aktion zusammen, darunter auch etliche Spenden aus Selinas Heimatort, dem Oberzent-Stadtteil Kailbach. Weitere 4000 Euro steuert eine Familie aus Michelstadt bei. „Selina liebt es“, sagt ihre Mutter Michaela über das Tandem. Natürlich wurde es gleich ausgiebig genutzt. Für die Realisierung von Selinas Herzenswunsch setzte sich zusammen mit der Familie und dem Behindertenclub Odenwald (BCO) auch der Rotary-Club Erbach-Michelstadt ein.

Eigentlich wollte Präsident Roger Frohmuth den Scheck über 1000 Euro bereits im vergangenen Jahr im Rahmen der 45-Jahr-Feier des BCO übereichen. Doch diese, geplant in der Adventszeit, musste wegen der Pandemie ausfallen. Sie soll aber, möglichst in diesem Spätjahr, nachgeholt werden, dann zum 46-jährigen Bestehen, wie der Geistliche schmunzelt.

Die Rotarier begleiten seit Jahrzehnten die Arbeit des Behindertenclubs mit seiner Vorsitzenden Elfi Kissinger, Selinas Oma, erläutert Frohmuth. Ein solches Tandem „gibt es nicht von der Stange“, erklärt er. Deshalb war eine größere Summe als für eine „normale“ Ausführung nötig. Jetzt wurde die Spenden-Übergabe an die Familie nachgeholt.

Eine weitere große Leidenschaft der Zwölfjährigen ist die Musik. Sie spielt bei der Weihnachtsfeier des BCO immer Lieder auf dem Keyboard vor. Das Klavier spielen hat sie sich vor vier Jahren selbst beigebracht, erzählt ihre Mutter. Selina leidet unter dem seltenen MLS-Syndrom, so Michaela Burth. Deshalb dauerte es auch über ein Jahr, bis die Labore es herausfanden.

Die Zwölfjährige geht in Elsenfeld (Main) auf die Blindenschule. „Leider gibt es nur diese eine“, bedauert sie. Das Mädchen fährt am Tag fast drei Stunden mit dem Bus, da auch andere Kinder abgeholt und auch wieder nach Hause gebracht werden. Selina steigt in Kailbach als erste ein und als letzte wieder aus, sagt sie. Im Moment ist die Zwölfjährige zuhause. „Darüber bin ich auch froh“, betont Michaela Burth. Denn das Mädchen hat kein gutes Immunsystem – und bei einem Schulbesuch „hätte ich noch mehr Angst“.

Die Schule baut gerade in Aschaffenburg neu, erzählt Burth. Dann ist ihre Tochter noch länger unterwegs. Aber: „Die Schule ist sehr gut und bietet auch Klavierunterricht.“ Denn Selina spielt sehr gerne das Instrument. Sie ist sehr musikalisch und singt natürlich auch gerne. Die junge Kailbacherin hat noch eine ältere Schwester, Anastasia. Die 14-Jährige besucht derzeit den Konfirmandenunterricht bei Pfarrer Frohmuth.

Das Fahrradfahren lernte Selina in der Schule, da es dort ein Spezialrad gibt. Die Familie wünschte sich schon lange, erläutert ihre Mutter, zusammen mit ihr Rad-Ausflüge zu machen. Sonst ist das nur getrennt möglich. Michaela Burth stellte bereits oft einen Antrag bei der Krankenkasse, der jedes Mal wegen Selinas Blindheit abgelehnt wurde. Die aktuelle Spendenaktion wurde von einer Freundin der Familie, Natascha Gippert, ins Leben gerufen.

Die Zwölfjährige „hat sich riesig gefreut“, zeigte sich Pfarrer Frohmuth bei der Spendenübergabe bewegt. Daran merkte er, „wie schön es ist, wenn Träume in Erfüllung gehen“. Überall stellte er ein Strahlen auf den Gesichtern fest. Mit dem Schenken „beschenkt man sich auch selbst“, so der Geistliche. Er bezeichnete es als „schöne Sache für die Rotarier, dass wir helfen konnten“.

Natürlich wurde das Tandem gleich in Betrieb genommen. Zuvor hatte es Wolfgang Dittrich, Außendienstmitarbeiter der Firma Draisin, entsprechend eingestellt. Denn die Spezialanfertigung hat eine Rückenlehne, einen Anschnallgurt und spezielle Pedale, damit die Füße drin bleiben. Das vordere Lenkrad bewegt sich analog zum hinteren, das vom Mitfahrer bedient wird. Damit die Odenwald-Hügel bewältigt werden können, gibt es einen E-Antrieb. „Wir fahren jeden Tag damit“, erzählt Michaela Burth. Zuerst ging es Richtung Mudau, dann nach Schöllenbach. Die erste Probefahrt unternahm Selinas Schwester Anastasia mit ihr, während die glückliche Zwölfjährige ihre Freude durch lautes Singen zum Ausdruck brachte.

Nur Musik auflegen macht den DJ glücklich

„DJ Lucky“ aus Ober-Hainbrunn ist derzeit gar nicht glücklich. Denn ihm geht es wie den anderen Kollegen aus der Kulturbranche: Er hat mehr oder weniger Berufsverbot, weil keine Veranstaltungen mehr stattfinden dürfen. Patrik Lukaschek kritisiert denn auch die mangelnde Planbarkeit während der Corona-Pandemie. „Es gibt keinen Informationsfluss seitens der Regierung“, so seine Klage. Planung ist das Eine, der Kontakt zu den Menschen das Andere: „Mir fehlt es sehr, die Leute zu unterhalten“, sagt er.

38 Termine, davon 26 Hochzeiten, begleitete Lukaschek noch 2019 auf seiner Anlage. Dazu kamen Firmen- und Vereinsfeiern sowie Fastnachtsveranstaltungen. Darauf hat sich der 47-Jährige inzwischen spezialisiert, nachdem er sich vor über 20 Jahren im Enzkreis ganz klassisch seine ersten Sporen in den dortigen Dorfdiscos verdiente.

2020 ließ sich eigentlich auch ganz gut an, schildert der DJ. Fastnacht ging regulär über die Bühne, auch zwei Hochzeiten begleitete er. Dann kam der Bruch. Nachdem Lukaschek im Spätsommer noch einmal hochzeitsmäßig kurz aktiv war, „ist seit November tote Hose“. Inzwischen sieht der Wahl-Odenwälder „die Saison 2021 schon dahinschwinden wie 2020“, merkt er niedergeschlagen an.

Das trifft nicht nur ihn hart, sondern auch die Brautpaare. Die haben ihren Termin von Mai des vergangenen Jahres auf diesen Wonnemonat verschoben und können sich jetzt wieder nicht das Ja-Wort geben. „Drei Termine wurden schon wieder gecancelt“, bedauert er. Er bekommt zwar Anfragen rein, aber die werden gleich mit der Option versehen, ob sie geändert oder storniert werden können. „Planbar ist diesen Sommer gar nichts“, erklärt Lukaschek.

Das heißt für ihn aber nicht, dass er die Anlage komplett in den Keller räumt und sich nicht mit Musik beschäftigt. „Ich muss als DJ auf dem aktuellen Musik-Stand bleiben“, erklärt der 47-Jährige. Das bedeutet, dass er sich die neuesten Chart-Songs organisiert und auf ihre Verwendbarkeit hin testet. „Abends sitze ich manchmal am Mischpult und übe den Übergang“, erzählt er. Sein Equipment hat er allerdings ziemlich einmottet.

 „Man muss dranbleiben, um immer up-to-date zu sein“, erläutert er. Von den Kunden wird verlangt, dass der DJ immer weiß, was gerade angesagt ist und aktuell in den Charts läuft. Andererseits können die Vorlieben der Gäste auch bei der Musik der 50er oder 60er Jahre liegen. Um in kein Fettnäpfchen zu treten, gibt es jedes Mal ein Vorgespräch mit Fragen, „in welche Richtung es gehen soll“, schmunzelt er. Bei Vereinsfeiern „habe ich mehr freie Hand“.

Die 90er Jahre sind stark angesagt, weiß Lukaschek. Gute deutsche Schlager zum Tanzen werden auch gerne nachgefragt. Last but noch least „darf’s ebenfalls in die rockige Schiene gehen“. Als DJ hat er natürlich seine Favoriten: In den 90ern aufgewachsen, „sind Dancefloor und Rockmusik mein Ding“. Der Ober-Hainbrunner macht jedoch klar: „Der Kunde ist König.“

Er erinnert sich an ausgefallene Wünsche: etwa an eine Hochzeit im Country-Style, bei der zu Beginn Wert auf die entsprechende Musik gelegt wurde. Zu späterer Stunde kamen dann die Malle-Schlager dran. Hier ist Lukaschek dann gefordert, die passenden Klänge für dich doch unterschiedlichen Ansprüche zu organisieren.

Im ersten Lockdown vor einem Jahr stand bei ihm ein anderes Projekt an: die Haus-Renovierung. Neuanschaffungen für seinen DJ-Job müssen derzeit warten: Fürs Nebengewerbe ist seinen Worten zufolge „praktisch keine staatliche Förderung möglich“. Ihm tut es schon weh, das Engagement für eine Hochzeitsbegleitung bereits zum zweiten Mal zu verschieben. Lukaschek möchte sich gar nicht vorstellen, was das für ein Brautpaar bedeutet.

Bald wieder etwas planen können: Das ist nicht nur sein größter Wunsch. Das künstlerische Leben steht still, kritisiert er – ohne dass es irgendeine Perspektive gibt. Nicht nur DJs, auch Bands, Theaterleute und sonstige kulturell Aktiven wünschen sich Infos, „ob etwas draußen stattfinden darf“. Da sich nichts tut, befürchtet der Ober-Hainbrunner, dass bis Spätjahr die Schotten dicht sein werden und erst gegen Jahresende „in kleinem Kreis“ wieder etwas gehen könnte.

Patrik Lukaschek (47) alias „DJ Lucky“ stammt aus dem Enzkreis. Er wohnt seit zehn Jahren in Ober-Hainbrunn. Seit über 20 Jahren arbeitet er nebenberuflich als DJ, erst ganz klassisch in der Dorfdisco, mittlerweile auf Hochzeiten oder Firmenfeiern. Im Hauptberuf ist Lukaschek in einem pharmazeutischen Unternehmen bei Eberbach tätig.

Die Veröffentlichung ist ihr eine Herzensangelegenheit

„Krankheit heilt! Heilt Krankheit?“ So betitelte die Lehrerin an der Oberzent-Schule Beerfelden, Anna-Katharina Sauermilch, ein Buch, das sie für ihre an Krebs verstorbene Mutter veröffentlichte. Im Februar 2001 erhielt Renate Bihn die Diagnose Brustkrebs. Auf die erhoffte Heilung im Sommer folgte die Wiedererkrankung im Oktober. Die geliebte Mutter starb Anfang 2003. In der Zwischenzeit schrieb sie ihre ganz persönlichen Antworten auf drängende Fragen auf.

„Was bedeutet es krank zu sein? Wie sieht ein Leben mit der Krankheit aus? Ist es das Ende, ein Anfang eine Qual oder sogar eine neue Chance?“: Diese Dinge beschäftigten Renate Bihn an ihren letzten Tagen. Sie fand ihre ganz persönlichen Antworten. „Diese wollte sie nie mehr verlieren und schrieb sie auf“, erinnert sich die Tochter. Sie gab nun den schriftlichen Ausführungen und zur Verarbeitung der Lebenssituation gemalten Bildern einen Rahmen und veröffentlichte das Buch.

Bereits seit vielen Jahren verfolgte Anna-Katharina Sauermilch den Plan, die Werke ihrer Mutter auszustellen oder sie zu publizieren. Aber wie das Leben so spielt: „Es kam immer etwas anderes dazwischen“, erzählt sie. Mit dem „Anderen“ sollte im Corona-Jahr 2020 endlich Schluss sein. „Ich nutzte die Zeit der Ruhe, Distanz und des Abstandes sowie unsere kleine Tochter Helena als Quelle der Motivation und Liebe für mich“, erläutert die Wahl-Odenwälderin. Das Ergebnis liegt nun vor.

Die Werke ihrer Mutter „bedeuten mir schon immer unglaublich viel“, erklärt ihre Tochter. „Durch die Texte kann sie zu mir/uns sprechen“. In der schlimmen Zeit der Krankheit begann Renate Bihn, sich künstlerisch auszudrücken. Schon damals haben ihre Werke (in Ausstellungen und Vorträgen) viele Menschen, vor allem andere Krebspatienten, tief bewegt, weiß die Tochter. Sie konnten hieraus neue Kraft schöpfen. Viele ihrer Bilder hängen im Haus in Lautertal.

„Meine Mama war für mich die tollste Mama, die ich mir nur hätte wünschen können“, erzählt die Autorin. Daher ist die Veröffentlichung für sie einerseits ein Andenken und eine Danksagung an den einzigartigen Menschen Renate Bihn, „durch den ich der Mensch wurde, der ich heute bin“. Auf der anderen Seite ist das Buch für sie aber auch ein Aufruf, ein Hoffnungsschimmer, „ein Mutmacher für all jene, die ihn hören und sehen wollen“.

Anna-Katharina Sauermilch musste selbst schon den einen oder anderen Schicksalsschlag wegstecken – vor allem den Tod der Mutter und den ihres Bruders 2010. „Dadurch weiß ich auch, wie es ist zu glauben, alles mache keinen Sinn mehr“, verdeutlicht sie. Doch gerade diese schweren Zeiten sind es, „die uns zu Mut, Freude, Liebe, Mitmenschlichkeit und Hoffnung aufrufen“, betont die Lehrerin. Dann „können wir persönlich wachsen und entscheiden, wer wir sind und sein wollen“, hebt sie hervor.

Die Veröffentlichung ist ihr eine Herzensangelegenheit. Sauermilch hofft, dass die Bilder und Texte ihrer Mutter auf diesem Wege noch viele weitere Menschen erreichen und ihnen – vielleicht gerade in einer schwierigen oder hoffnungslosen Zeit – ein Lichtblick sein können. „Braucht es immer einen Unfall, eine schlimme Krankheit oder eine Corona-Pandemie, um sich auf das wirklich wichtige im Leben zu besinnen?“, meint Sauermilch.

„Wieso entscheiden wir nicht jetzt gleich, was uns persönlich wirklich wichtig ist und was uns glücklich macht?“, ist ihre Lebenseinstellung. Schon ihre Mutter riet: „Mache jeden Tag zu deinem Tag, hinterlasse Spuren, forme eine Erinnerung an einen Menschen, der du sein möchtest. Es liegt einzig und allein in deinen Händen.“

Info: Das Buch ist per E-Mail unter anna-katharina.bihn@web.de erhältlich.

Anna-Katharina Sauermilch, geb. Bihn (30), wurde in Hanau geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Rödermark/Ober-Roden. Schon früh spielte der Sport eine große Rolle in ihrem Leben. Sie war 2010 bis 2018 Kinder- und Jugend-Leichtathletiktrainerin bei der Darmstädter TSG. 2019 gründete sie die Kinder-Leichtathletikabteilung der SG Lautern und ist seitdem dort Trainerin.

Mit dem zweiten Staatsexamen in Darmstadt 2017 war sie an der Melibokusschule Alsbach-Hähnlein und im Schuldorf Bergstraße Seeheim-Jugenheim tätig, 2017/2018 Lehrerin am Schuldorf Marienhöhe in Darmstadt, 2018 bis 2020 in Elternzeit und ist seit 2020 Lehrerin an der Oberzent-Schule Beerfelden.

Nach der Heirat mit Eugen Sauermilch zieht das Paar Ende 2017 nach Lautertal/Kreis Bergstraße. 2018 kommt Tochter Helena auf die Welt.

Schon seit ihrer Kindheit schreibt die Lehrerin „unglaublich gerne Geschichten“ und verfasst Gedichte.

Hoffnung auf bald steigende Holzpreise

Beerfeldens Forstamtschef Ronny Kolb macht gebeutelten Waldbesitzern Hoffnung. Er rechnet damit, dass die Preise für frisch eingeschlagenes Kiefern- und Fichtenholz in der zweiten Jahreshälfte nach oben schnellen werden. Denn der Markt ist ausgetrocknet. Das merken derzeit Endverbraucher, die im Baumarkt um einiges mehr bezahlen müssen, aber auch Baufirmen, denen die Einkaufspreise für Holz davonlaufen. Kolbs Aber für die Besserung: keine Sturmschäden, keine Trockenheit, keine Käfer.

Die Preise für Schnitt- und Bauholz „sind in den vergangenen Wochen explodiert“, sagt der Leiter des Forstamts Beerfelden, zu dem neben Oberzent auch der Überwald und das hessische Neckartal gehören. Teilweise stellt er Steigerungen bis 300 Prozent fest. Auf der anderen Seite, weist Kolb auf den Widerspruch hin, „liegt so viel Holz im Wald wie noch nie“.

War der Käfer am Werk, zahlen derzeit die Sägewerke gerade einmal 25 bis 30 Euro pro Festmeter, erzählt der Forstmann. In etwa so viel, wie die Aufarbeitung kostet. „Deshalb steht noch viel trockenes Holz in den Wäldern“, erklärt er. Allerdings nicht in ganz Deutschland, sondern vor allem in der Mitte. Südbayern ist davon kaum betroffen. „Die kennen kaum Kalamitäten“, sagt der Experte.

Die Globalisierung macht auch vor dem Holzmarkt nicht halt, verdeutlicht Kolb die weltweite Dimension der aktuell steigenden Preise. Für die Sägeindustrie hat sich mit China und den USA ein Riesenmarkt mit großen Gewinnmargen aufgetan, schildert er. Da es US-Zölle auf kanadisches Schnittholz gab, wird das Material aus Europa eingeführt. Somit ein „extremer Absatzmarkt“.

Parallel dazu zog dem Forstamtsleiter zufolge die Inlandsnutzung im vergangenen Jahr ebenfalls an. Hintergrund: Wegen der Corona-Pandemie fuhren viele Menschen nicht in Urlaub und widmeten sich stattdessen den eigenen vier Wänden. Die Nachfrage zu teuren Preisen ist derzeit fast nicht zu befriedigen, beobachtet Kolb.

„Wir können frisches Holz wieder anbieten, wenn vernünftige Verkaufspreise erzielt werden“, freut er sich. Denn zeitverzögert ziehen die auch gerade kräftig an. Kolb rechnet damit, dass gegen Jahresende wieder ähnliche Summen wie vor 2018 erreicht werden können, als damals zu Jahresbeginn Sturm Friederike den Abwärtstrend auslöste. Seine Einschränkung: Es dürfen keine Kalamitäten mehr kommen.

Zwar ist im Odenwald auch noch Käferholz verfügbar. Das ist qualitativ genauso gut wie frisch eingeschlagenes und kann gut für Häuser in Holzständerbauweise verwendet werden. Derzeit wird es den Verkäufern „aus den Händen gerissen“, weil die Nachfrage aus den USA und China so hoch ist. Laut dem Forstmann braucht die Sägeindustrie allerdings das optisch hochwertigere Material, „weil im Bausektor viel mit Sichtfaktor gearbeitet wird“. Etwa die Deckenbalken im Wohnzimmer.

Vor allem bei Fichte und Kiefer, den in der Region vorherrschenden Baumarten, waren die Preise in den Keller gerauscht. Neben den Privatwaldbesitzern, für die sich eine Aufarbeitung oft nicht mehr lohnte, litten darunter auch die Kommunen, für die ihr Waldwirtschaftsplan in früheren Jahren ein Goldesel war – den man aber jetzt zufüttern musste. Für andere Laub- und Nadelbäume, wie Buche, Lärche oder Douglasie, werden weiterhin Spitzenpreise erzielt.

Kolb versichert: „Die Renaissance wird kommen.“ Denn das Käferholz ist so gut wie überall weg. „Im Odenwald stehen nur noch Kleinstmengen“, erläutert der Förster. Das hat auch mit dem konsequenten und zielgerichteten Vorgehen aller Beteiligten zu tun. Mehr Sorgen macht ihm der Schneebruch des vergangenen Winters. Hier müssen die Fachleute eingreifen, „damit wir uns keine Käfer züchten“. 

Wo es große zusammenhänge Flächen gab, ging die Aufarbeitung schneller vonstatten, erklärt der Forstamtschef. Bei Streuwaldbesitz, etwa in Langenthal oder auf der Tromm, „gab es signifikant höheren Befall“. Kolb lobt aber die sehr gute Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern. Der Dreiklang aus diesen, der Erfahrung und den fitten Unternehmern „wirkt positiv“, sagt er. Denn die Käferbekämpfung „ist ein mordsmäßiger Aufwand“, bei man nicht nachlassen darf.

Kolb sieht vor dem Hintergrund des Klimawandels mit immer häufigeren Extremwetterereignissen den Waldumbau als „aktueller denn je“ an. Das Forstamt setzt dabei auf Diversität. Fichte und Kiefer bleiben erhalten, werden aber bereichert durch andere, junge Bäume, die resistenter gegen solche heftigen Schwankungen inklusive Trockenheit sind.

Jugendliche Power für Stavo und Kreistag

Der Jugend eine Stimme geben, die Vereine stärker fördern, das Ehrenamt unterstützen sowie die Stadt kulturell und touristisch voranbringen: Dafür stehen in der neu gewählten Oberzent-Stadtverordnetenversammlung die jüngsten Mitglieder: Dominique Deutsch (SPD) und Yannick Ullmann (CDU), beide 22 Jahre alt. Deutsch wurde zusätzlich sogar direkt in den Odenwald-Kreistag gewählt, Ullmann kam als erster Nachrücker nachträglich zum Zug.

Beide standen für ihre jeweilige Fraktion bereits nach der Fusion 2018 auf der Oberzent-Kandidatenliste. Ullmann, gleichzeitig Vorsitzender der Jungen Union, war schon in der bisherigen Stavo vertreten. Deutsch schaffte vor drei Jahren noch nicht den Sprung. „Da war ich noch zu unbekannt“, lacht sie.

Auch dieses Mal, erklärt sie, „war ich skeptisch, weil ich dachte, es kennen mich zu wenige“. Was sich aber als Trugschluss erwies, denn es reichte für die direkte Wahl in beide Parlamente. Die 22-Jährige hatte sich vor ihrem Eintritt in die Kommunalpolitik die Wahlprogramme aller Parteien gründlich angeschaut und die meisten Übereinstimmungen in dem der SPD gefunden.

Dominique Deutsch sieht die Altlasten der vier ehemaligen Gemeinden „noch nicht ausgeräumt“ und will mit ihrer Arbeit in der Fraktion dazu beitragen, dass die nicht mehr ganz so neue Stadt noch etwas mehr zusammenwächst. Denn ihrer Meinung nach ist das Potenzial der Fusion „noch nicht ausgeschöpft“. Mit ihrem beruflichen Background will sich die Airlenbacherin neben dem sozialen auch in den wirtschaftlichen Bereich einbringen.

Wichtig ist für die SPD-Kommunalpolitikerin „ein gutes Bildungsangebot vor Ort“. Das fängt für Deutsch schon bei Kindergartenplätzen an. Hier geht es darum, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Flexible Angebote in den Kitas, wie etwa Nachmittagsbetreuung, betrachtet sie als notwendig, damit die Mütter einem Beruf nachgehen können. Zum Komplettpaket zählt für sie der Waldkindergarten.

Neben Grund- und Gesamtschule sollte für sie auch eine Berufsschule im Odenwaldkreis ansässig sein, „damit die jungen Menschen nicht nach Darmstadt müssen“. Daneben steht auf ihrer Agenda der Ausbau des „Odenwald-Studiums“ – um die Leute vor Ort zu halten. Das ist, hebt die 22-Jährige hervor, auch im Sinne der Unternehmen, die damit auf qualifizierte Arbeitskräfte vor Ort zurückgreifen zu können.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund ihrer eigenen Aktivitäten im JFO ist für Deutsch die Vereinsförderung „ein ganz großes Thema“. Viele junge Leute sind in den verschiedenen Oberzent-Organisationen aktiv, weiß sie. Leider gibt es „noch keine richtige Satzung“, wie die städtischen Zuwendungen geregelt werden, bedauert sie. Damit wird die eine oder andere Vereinsarbeit erschwert.

In Sachen Kultur spricht sich die frisch gebackene Stadtverordnete für attraktive Angebote aus, die junge Leute ansprechen. Die Nutzung des Geländes am Marbachstausee und das dortige Festival „Sound of the Forest“ bezeichnet sie in diesem Zusammenhang als ganz wichtig. Natürlich gilt es, betont Deutsch, mit Rücksicht auf die Anwohner einen Kompromiss zu finden. „Ich will mit einer jüngeren Sichtweise draufschauen“, sagt sie.

Allerdings muss dann, hebt die 22-Jährige hervor, auch das Mobilitätsangebot stimmen. „Man sollte noch nach Hause kommen“ – gerade nach dem Besuch eines solchen Festivals. Aus eigener Anschauung weiß sie, wie eingeschränkt der ÖPNV in Airlenbach ist. Deutsch wünscht sich im Parlament eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen. Denn letztlich, betont sie, geht es darum, die Stadt gemeinsam voranzubringen.

Ihr Kollege Yannick Ullmann (CDU) wurde bereits mit 19 Jahren in der ersten Kommunalwahl nach der Oberzent-Fusion 2018 in die neue Stadtverordneten-Versammlung gewählt. Der heute ebenfalls 22-Jährige war schon während der Schulzeit politisch interessiert, berichtet er. Was nicht zuletzt in seiner Fächer-Auswahl zum Ausdruck kam: Er belegte den Politik-Leistungskurs.

Vor der Kandidatur beschäftigte er sich wie auch Deutsch mit den Programmen der verschiedenen Fraktionen. Bei der CDU „fühle ich programmatisch und von den Werten her aufgehoben“, erklärt Ullmann. Die bisherige Arbeit mit einer guten Truppe von jungen und erfahrenen Leuten „hat mir viel Spaß gemacht“, sagt er.

Jahrelang beim TV Beerfelden aktiv, kennt der Kommunalpolitiker die Bedarfe der Vereine. Deshalb ist es ihm wie auch seiner gleichalterigen Kollegin wichtig, endlich eine Fördersatzung auf den Weg zu bringen. Die vor der Wahl verabschiedete Vereins-Coronahilfe sieht er als Zwischenlösung für das nach wie vor auf diesem Feld bestehende Defizit.

Ullmann spricht sich weiterhin für eine „Ermöglichungskultur“ aus. Es soll nicht immer nur darüber geredet werden, „was nicht geht“, fordert er. Er wünscht sich eine positive Herangehensweise. „Was ist wie machbar“, lautet für ihn der Ansatz. Unter diese Prämisse fällt für den 22-Jährigen auch die bessere Vermarktung von touristischen und kulturellen Highlights der Stadt.

Seine Aktivitäten auf Kreisebene sieht der CDU-Politiker durch seine Berufsausbildung und die Tätigkeit als Jungunternehmer geprägt. Es geht ihm darum, „den Wirtschaftsstandort Odenwald voranzubringen“. Die Region bietet mehr, als nach außen dringt, betont er: „Wir reden uns zu klein“. Wichtig ist in einer ländlichen Gegend „eine gut ausgebaute Infrastruktur für Firmen“, hebt er hervor. Dazu zählt er die Digitalisierung, deren Perfektionierung Ullmann als unabdingbar bezeichnet.

Das frischgebackene Kreistagsmitglied will eine „Wertschätzung für Existenzgründer“. Denn die, betont er, „sind die Steuerzahler und Arbeitgeber von morgen“. Ullmann möchte die bei der OREG angesiedelte Wirtschaftsförderung intensivieren, bekräftigt er. Auf Oberzent bezogen wünscht er sich deshalb eine zusätzliche Ausweisung von Gewerbeflächen, nicht nur in der Kernstadt Beerfelden selbst, und deren zielführende Vermarktung. Das kommt seiner Beobachtung nach „bis zu kurz“.

Dass Ullmann auf der Kreistagsliste von Platz 31 auf 13 vorgewählt wurde, „war für mich eine große Überraschung und ehrt mich“- Generell, stellt er erfreut fest, sind Mitglieder der Jungen Union gut in den aktuellen Kommunalparlamenten des Odenwaldkreises vertreten. Das fängt beim Kreistag an und setzt sich in Oberzent fort, wo fünf der acht Mitglieder der JU angehören. „Das entspricht überhaupt nicht dem Klischee über die CDU“, lacht er.

Dominique Deutsch (22) wohnt in Airlenbach. Sie ist nach ihrem BWL-Bachelor-Studium der Fachrichtung Banken/Finanzen Projektmanagerin bei einem Kreditinstitut im Digitalbereich. Nach der Grundschule in Beerfelden wechselte sie aufs Gymnasium Michelstadt und machte dort ihr Abitur. Die SPD-Stadtverordnete stammt aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie. In Airlenbach war sie „ganz klassisch“ im Turnverein aktiv. Aktuell engagiert sie sich außerdem als Rechnerin im Jugendförderverein Oberzent (JFO).

Yannick Ullmann (22) lebt in Beerfelden. Nach dem Abi am Gymnasium Michelstadt schloss er an der Uni Mannheim ein Bachelor-BWL-Studium ab. Er arbeitet jetzt am dortigen Institut für Mittelstandsforschung und hat nebenher seine eigene Firma gegründet, die über einen Online-Shop Modeaccessoires aus Kork vertreibt. „Familienbedingt“ ist der CDU-Parlamentarier mit Kommunalpolitik aufgewachsen. Sein Vater Volker Daum war bis 2018 25 Jahre für die ÜWG Beerfelden kommunalpolitisch tätig. Ullmann ist Vorsitzender der Jungen Union in Oberzent (seit der Neugründung 2018) und im Odenwaldkreis (seit Anfang 2020).

Die Ortsdurchfahrt entschleunigen

In der Finkenbacher Ortsdurchfahrt soll es langsamer zugehen. Dafür macht sich der Ortsbeirat stark und sammelte in den vergangenen Wochen bei den Anwohnern 116 Unterschriften „für die Einhaltung der Geschwindigkeiten in Finkenbach“. Diese wurden jetzt dem Oberzent-Magistrat übergeben. Der wiederum soll sich bei den entsprechenden Behörden dafür stark machen, dass die lange Gerade entschärft wird.

„Wir wollen keine Tempo-Begrenzung auf 30 Stundenkilometer“, macht Ortsvorsteher Christian Niesen deutlich. Es geht um optische und bauliche Hindernisse, wie Blumenkübel oder eingezeichnete Parkbuchten, die dafür sorgen, dass innerhalb des Ortes ordnungsgemäß gefahren wird. „Das, was von der Gesetzeslage her machbar ist“, weiß Niesen um die Schwierigkeit der Zuständigkeit bei einer Landesstraße. Deshalb wünscht sich der Ortsbeirat auch die Abklärung seitens der Stadt mit den entsprechenden Behörden, wie Polizei, Hessen Mobil und Landratsamt.

„Wir Bürger von Finkenbach sehen die aktuelle Verkehrssituation in der Durchgangsstraße kritisch“, heißt es in der Unterschriftenaktion. Denn durch die örtlichen Gegebenheiten ist zu hohes Tempo möglich. Die einfahrenden Autos „halten oft überhöhte Geschwindigkeiten bis in den Ortskern hinein“. Gerade in den Nachtstunden „rasen Lieferwagen und Lkw durch“, sagt Niesen. Messungen laufen bereits, erläutert der Ortsvorsteher.

Da die L 3119 in den vergangenen Wochen, während der Sperrung der B 37 von Eberbach nach Hirschhorn, als Umleitung fungierte, verschärfte sich das Problem zusätzlich. Viel mehr Autos als sonst waren unterwegs. Eine Geschwindigkeitsübertretung ist seinen Worten zufolge besonders in den Bereichen der Bushaltestellen gefährlich, wo auch in der Dämmerung bereits (Grundschul-)Kinder unterwegs sind.

Auf der langen Gerade fährt man manchmal unbewusst schneller, erklärt er. Das ging ihm auch schon so. „Wenn ich den Tempomat auf 50 oder 55 stelle, habe ich plötzlich eine Schlange hinter mir“, sagt Niesen. Da im kommenden Jahr die L 3119 innerhalb Finkenbachs saniert werden soll, „bitten wir zeitnah zu prüfen, inwiefern geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen zur Einhaltung der 50 km/h getroffen werden können, um diese rechtzeitig in die Planung einfließen zu lassen“, so der Wunsch von Ortsbeirat und -bürgern.

Freibad-Saison soll nicht ins Wasser fallen

Die Stadt will alles dafür tun, dass die diesjährige Freibad-Saison nicht ins Wasser fällt, versichert Obezrent-Bürgermeister Christian Kehrer. Wenn die Corona-Verordnungen es zulassen, sollen alle drei Freibäder zeitgleich am 29. Mai öffnen, erklärte er auf Anfrage. Um darauf hinzuarbeiten, gab es jetzt ein vorbereitendes Treffen der drei Schwimmbad-Initiativen aus Beerfelden, Finkenbach und Hetzbach mit dem Rathauschef.

Kehrer will aber gleichzeitig den Erwartungs-Ball flachhalten, weil noch nicht klar ist, wie sich die Corona-Situation entwickelt. Aktuell ist der Schwimmbad-Betrieb auf jeden Fall bis zum 18. April verboten. So lange läuft die entsprechende Verordnung. Bis man dann Genaueres weiß, wird schon einmal das Hygienekonzept aus dem vergangenen Jahr für aktuelle Zwecke überarbeitet.

Zielrichtung ist laut Bürgermeister, immer eine bestimmte Anzahl von Badefreunden gleichzeitig aufs Gelände zu lassen. Eventuell wäre ein Internet-gestützter Online-Vorverkauf denkbar. Vielleicht könnte man auch mit Armbändern arbeiten, um die Gästezahl zu bestimmen. Die Stadt will sich noch bei anderen Kommunen informieren, wie die es handhaben oder im vergangenen Jahr bereits getan haben.

Auf jeden Fall soll ein „Stau“ vor der Kasse vermieden werden, betonte er. „Mit Testungen zu arbeiten wäre sehr schwierig“, sagt er. Mit den Initiativen und dem Bauhof soll ein nochmaliges Treffen vor Ort stattfinden, um zu schauen, wo die Stadt bei der Vorbereitung unterstützen kann. Unter freiem Himmel wären aber auch weitere Vorarbeiten der Ehrenamtlichen möglich, erläutert Kehrer.

Eine gute Nachricht gibt es in punkto Kioskpächter-Suche am Hetzbacher Freibad. Hier haben sich inzwischen drei Interessenten gemeldet. Mit der Schwimmbad-Initiative will die Stadt nun klären, wer in Frage kommt. Denn, so der Bürgermeister, „der langfristige Betrieb soll gesichert werden“. Ein potentieller Pächter würde nicht nur dem Kiosk betrieben, sondern auch den Kartenverkauf übernehmen.

Allerdings, hebt das Stadtoberhaupt hervor, ist alles davon abhängig, wie sich die Corona-Lage und die Vorgaben bis Mitte Mai entwickeln. Wenn die Vorarbeiten durch sind, „brauchen wir eine Vorlaufzeit von zwei Wochen“, erklärt Kehrer – in Beerfelden vielleicht ein bisschen mehr. Mit dieser im Gepäck lassen sich die drei Freibäder aufmachen, denn die Aktiven haben bereits vorgearbeitet. Der Bauhof packt bei Gebäudeertüchtigung oder Erneuerung der Liegebänke mit an.

Im Haushalt wurden drei Personalstellen zu schaffen, um die Arbeit der Ehrenamtlichen mit jeweils einem Hauptamtlichen unterstützen zu können. Alle drei müssen erst einmal sowieso nicht besetzt werden, weil es die Kiosk-Interessenten in Hetzbach gibt. Sukzessive, so der Bürgermeister, will man die Leute nach Bedarf im Laufe des Jahres einstellen.

Parallel muss die Stadtverwaltung versuchen, die Sanierungsmaßnahmen im Rahmen des Swim-Förderprogramms einzutakten. Hier bekam man 2020 Gelder für die Bäder in Finkenbach und Hetzbach zur Verfügung gestellt. Eigentlich sollten die Arbeiten auch schon vergangenes Jahr laufen, „aber wir haben keine Baufirmen bekommen“, bedauert Kehrer. Für Beerfelden werden außerdem noch Badeaufsichten gesucht. Die werden vom Arbeitskreis eingewiesen, aber über die Stadt im Rahmen eines 450-Euro-Jobs beschäftigt.

(Badischer) Odenwald ist jetzt Wolfsfördergebiet

Der badische Wolf hat allem Anschein nach erstmals „offiziell“ die Grenze nach Hessen überquert. Auf Gemarkung des zu Oberzent gehörenden Schöllenbacher Teils wurden am Osterwochenende zwei Heidschnucken gerissen, ein Rotwild im badischen Teil. Zwar steht die genetische Untersuchung noch aus, aber die Fachleute mutmaßen, dass der als Odenwald-Wolf bekannte Rüde „GW1832m“ der „Täter“ ist.

Erst vor kurzem hatte das baden-württembergische Umweltministerium den Naturraum Odenwald als neues „Fördergebiet Wolfsprävention“ ausgewiesen, erläutert der Wolfsbeauftragte des badischen Neckar-Odenwald-Kreises, Tobias Kuhlmann. Dies geschah, nachdem es einen weiteren zweifelsfreien Nachweis des aus dem Alpenraum eingewanderten Tieres gegeben hatte. Nördlich reicht die Fläche an die hessische Landesgrenze, westlich bis zur B 3, östlich zur A 81 und südlich an die A 6. 

Auf einer Fläche von 2630 Quadratkilometern sind Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) im Westen, Boxberg im Osten und Wertheim (beide Main-Tauber-Kreis) im Norden sowie Neckarsulm (Landkreis Heilbronn) im Süden die Markierungen. Im Hessischen gibt es eine solche Fördergebiet-Kulisse noch nicht, sagt Kuhlmanns Kollege im Odenwaldkreis, Karlheinz Kinzer.

Mit der Ausweisung sind jetzt Kuhlmann zufolge die Nutztierhalter gefordert. Schafe, Ziegen und auch Gehegewild sollten möglichst bald einen wolfsabweisenden Grundschutz erhalten. „Dem Wolf soll es nicht so einfach gemacht werden“, ist der Grundgedanke. Er soll die Nutztiere in Ruhe lassen.

Es werden beispielsweise bis zu 100 Prozent der Kosten zur Anschaffung von entsprechendem Zaun-Material übernommen. Die mit der Nachrüstung bestehender Zäune und der Unterhaltung eines wolfsabweisenden Zauns verbundenen Arbeitskosten sowie der Unterhalt von Herdenschutzhunden werden laut Ministerium voll erstattet. Kuhlmann spricht in diesem Zusammenhang von einer „großzügigen Förderung“, die auch über den Grundschutz hinausgehende Maßnahmen umfasst.

Es gilt zunächst eine Übergangsfrist von einem Jahr. Die betroffenen Tierhalter haben bis Ende März 2022 Zeit, ihre Weiden ausreichend vor einem Wolfsübergriff zu sichern. Bis dahin werden, so Kuhlmann, im Präventionsgebiet von einem Wolf verursachte Schäden oder Risse an Schafen und Ziegen sowie landwirtschaftlich gehaltenem Gehegewild auch dann entschädigt, wenn ein wolfsabweisender Grundschutz nicht vorhanden war.

Wenn danach kein Grundschutz hergestellt ist, könnten die Nutztierhalter Probleme bei einer Erstattung bekommen, erläutert der Wildtierbeauftragte. Denn sie halten ihre Schäfchen „in einem Gebiet, wo man mit dem Wolf rechnen muss“. Und haben deshalb entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Mit diesem soll es dem Raubtier erschwert werden, an leichte Beute zu kommen, wie es jetzt bei Schöllenbach wohl der Fall war.

Da der Odenwald-Wolf auch schon in Bayern gesichtet wurde, ist er somit in drei Bundesländern aktiv. Bayern hat Kuhlmann zufolge eine ähnliche Förderkulisse wie das Nachbarland. Wobei hessische Schafhalter, die ihre Tiere jenseits der Landesgrenze halten, ebenfalls unter die badische Förderung fallen dürften. Eine Entschädigung für Nutztierhalter, wenn etwa ein Schaf gerissen wurde, gibt es laut Kinzer in Hessen auch. Das Thema ist Ländersache – und da macht jeder, wie auch auf anderen Feldern, sein eigenes Ding.

Länder- und kreisübergreifend agieren die jeweiligen Wolfsbeauftragten. „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe“, schildert Kuhlmann. In der tauscht er sich mit seinen Kollegen aus Bayern, dem badischen Rhein-Neckar-Kreis sowie von der Bergstraße und aus dem Odenwaldkreis aus. Dadurch lässt sich eventuell vorhersagen, wo sich der Wolf aufhalten könnte, um sich dann darauf einzustellen.

Der Fachmann macht klar, dass entgegen anderslautender Meldungen weiterhin nur ein Wolf im Odenwald unterwegs ist. „Mir ist definitiv nichts von einem zweiten bekannt“, betont er. Was natürlich nicht heißt, dass es auch in der Zukunft so bleiben wird. Das Odenwälder Tier „ist ganz weit weg vom Problemwolf“, erklärt Kuhlmann. „Es verhält sich absolut natürlich.“ Ihm ist im vergangenen Jahr die Meldung über drei gerissene Schafe bekannt, für die der Besitzer Erstattung bekam. Dazu kamen noch einige Wildtiere, „aber das ist die Natur eines Wolfs“.                    tom

Info: Wolfs-Beobachtungen im (badischen) Dreiländereck können an Tobias Kuhlmann, Telefon 06261/84-1735, oder E-Mail tobias.kuhlmann@neckar-odenwald-kreis.de, gemeldet werden. Für den hessischen Odenwaldkreis sind Raina Kessler, Telefon 0151/11804329, und Karlheinz Kinzer, 0170/9141354, zuständig, für den Kreis Bergstraße Gerd Reischert, 0172/6245014.

Wehret den Anfängen

Die derzeitige Zehner-Religionsklasse der Oberzent-Schule Beerfelden von Bernd Siefert begleitet das Projekt „Stolpersteine“ schon, „seit sie mich in der fünften Klasse als Relilehrer erhalten haben“. Es ist ihm eine „Herzensangelegenheit“, betont der Schulleiter. Vor fünf Jahren wurde vor der evangelischen Martinskirche der Stolperstein für Herbert Creutzburg verlegt.

Der Unteroffizier war genau an dieser Stelle am 25. März 1945 wegen angeblicher Fahnenflucht von Nazi-Schergen gehängt worden – vier Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner in Beerfelden. Jedes Jahr wird der Gedenkstein von den Oberzentschülern bei einem Gedenken gereinigt. Dieses Jahr waren coronabedingt nur die Relikurse von Siefert beteiligt.

Siefert wurde von Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich im Zuge der Vorarbeiten für die Stolpersteine vor den Häusern von jüdischen Einwohnern im Jahr 2012 erstmals auf die Creutzburg-Hinrichtung aufmerksam gemacht. Angestoßen wurde die Stolperstein-Verlegung für diesen 2016 von den Religionsklassen der Oberzent-Schule.

Der war Unteroffizier im Zweiten Weltkrieg und hatte sich kurz vor Kriegsende unerlaubt von seiner Truppe entfernt. Er hatte genug vom Krieg, wollte zu seiner Verlobten und sich Heiratspapiere beschaffen. An der Bahnüberführung zwischen Gammelsbach und Eberbach wurde er von Feldgendarmen festgenommen, nach Beerfelden ins Gefängnis gebracht, von einem Standgericht zum Tode verurteilt und vor der evangelischen Kirche hingerichtet.

Der Oberzent-Lehrer wies auf das „zynische Handeln“ der Verantwortlichen gegen einen jungen Mann hin, „der in den letzten Kriegstagen lediglich heim zur Freundin und diese heiraten wollte“. Genau am Tag der Hinrichtung habe sich der Befehlsgeber des Befehls von Mitte Februar 1945, dass Fahnenflüchtige hingerichtet werden sollten, Gauleiter und Verteidigungskommissar Jakob Sprenger, von Frankfurt aus nach Südbayern abgesetzt.

Dies ist im Buch „Nationalsozialismus im Erbacher Landkreis 1923-1945“ von Dirk Strohmenger nachzulesen, aus dem Zehntklässlerin Leonie Schröder vortrug. Laut Strohmenger blieb der Leichnam zur Abschreckung der Bevölkerung „noch einige Zeit am Baum zwischen dem Kriegerdenkmal und der Kirche hängen“. Wie der Autor weiter schreibt, wurden die verantwortlichen Offiziere trotz Ermittlungen deutscher Justiz- und Polizeibehörden nach 1945 nie verhaftet. Nach neuesten Erkenntnissen sind sie zumindest teilweise bekannt.

Der damalige Pfarrer May beobachtete die Ereignisse aus der evangelischen Kirche heraus und verurteilte sie aufs Schärfste. Auch diese Passagen brachte Leonie Schröder zu Gehör. Die Beschäftigung der Schüler mit diesem Thema ist laut dem Schulleiter wichtig bei der Erziehung zum mündigen Bürger. Nach Reinigung des Stolpersteines wurden Kerzen angezündet, Blumen auf den Stolperstein gelegt und das Vater Unser gebetet.

Damit es Kindern gelingt, sich im heutigen Wirrwarr von Anforderungen, Angeboten und Erwartungen zurechtzufinden, brauchen sie Orientierungshilfen, also äußere Vorbilder und innere Leitbilder, die ihnen Halt bieten und an denen sie ihre Entscheidungen ausrichten, ließ Siefert Gerald Hüther zu Wort kommen. „In meinem Herzen gibt es zwei Wölfe: einen Wolf der Liebe und einen Wolf des Hasses. Alles hängt davon ab, welchen ich an jedem einzelnen Tag füttere“, zitierte er außerdem Rick Hanson aus „Das Gehirn eines Buddhas“.

Ein Kompromiss mit begrenzter Halbwertszeit

Manchen ging’s nicht weit genug, anderen wiederum zum weit, die meisten waren aber mit dem Kompromiss zufrieden, der die Stadt in ihren Augen (vorerst) handlungsfähig erhält: Mit großer Mehrheit verabschiedete die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung den Haushaltsplan 2021. Der sieht eine Erhöhung von Grundsteuer A und B auf jeweils 495 Prozentpunkte vor. Die Verwaltung wollte 700, drang damit aber nicht durch. Die Gewerbesteuer steigt auf 400 Punkte.

Der Überschuss im Ergebnishaushalt ist mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen. 2299 Euro ist der Plan im Plus. Dazu kommt, dass der Überschuss eigentlich keiner ist: In ihm waren Kürzungen der Sitzungsgelder von etwa 5000 Euro eingepreist, die die Mandatsträger zu Beginn der Sitzung aber ablehnten.

Es wäre ein unverhältnismäßiger Aufwand gewesen, den darauf aufgebauten Haushalt noch einmal über den Haufen zu werfen und neu zu erstellen, meinte Bürgermeister Christian Kehrer. Er empfahl deshalb, die Zahlen stehen zu lassen. Es gilt jetzt Prinzip Hoffnung: dass weniger Sitzungen stattfinden und damit Gelder eingespart werden. Außerdem könnte sich in spe das neue Parlament Gedanken über die ehrenamtlichen Aufwandsentschädigungen machen.

Nach zwei „sehr intensiven Sitzungen“ des Haupt- und Finanzausschusses mit „Engagement auf allen Seiten“ wurde laut dem Vorsitzenden Marcel Gerling ein Kompromiss erarbeitet, „auf dem sich aufbauen lässt“. Feuerwehr, Kindertagesstätten und Infrastruktur wurden von allen Fraktionsrednern als Posten genannt, die viel Geld verschlingen. Dazu kommt noch, dass der Goldesel Wald durch Holzpreise im freien Fall keine Erträge mehr bringt.

Somit ergab sich eine Abwärtsspirale, die nach Ansicht der meisten Mandatsträger mit der Grundsteuererhöhung durchbrochen werden musste. Denn es ging darum, wie praktisch alle Redner betonten, dass die Stadt das Heft des Handelns in der Hand behält und versucht, trotz schmalem Geldbeutel weiterhin zu gestalten.

Unsichere Planungsgrundlagen, gepaart mit den Befürchtungen, die Bürger mitten in der Pandemie mit steigenden Steuern zu belasten: Dies trieb die Stadtverordneten um, auch wenn sie daraus mit Blick auf die Grundsteuererhöhung verschiedene Schlüsse zogen. Besonders deutlich wurde dies in der Äußerung von Chris Poffo (ÜWO). Zwei Grundsteuer-Seelen, wohnten, ach! in der Fraktionsbrust, erläuterte er: 495 oder die Beibehaltung der aktuellen 365.

Die meisten Ausgaben laufen unvermindert weiter, bedauerte er. Die Einnahmen halten – siehe Holzverkauf – allerdings nicht Schritt. „Gute Leistung erfordert gutes Personal“, verdeutlichte der ÜWO-Sprecher. Und das kostet Geld. Im ersten Entwurf wurde die Oberzent-Mannschaft von 108 auf 133 Stellen erweitert, sagte er. Davon allein elf im Kindergartenbereich. Es geht Poffo zufolge nicht darum, „nötige Stellen zu verhindern“, sondern um eine realistische Betrachtung im Jahr 2021.

Deshalb wurde das Budget gekürzt, weil die Umbauten in Kailbach und Beerfelden noch nicht fertig sind. Dazu kommen noch diverse andere Streichungen im Ergebnishaushalt, die Thomas Ihrig (SPD) beleuchtete. So waren die Ausgaben für Sachausgaben seinen Worten zufolge höher als Schnitt der vergangenen Jahre. Insgesamt wurden so über 600.000 Euro eingespart.

Ihrig sprach an, was auch später bei Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) anklang: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Im Herbst, meinte er, steht eine plausible Berechnung der städtischen Steuern an. Sprich: Für 2022 ist wohl mit einer weiteren Anhebung der Grundsteuer zu rechnen, auch wenn es keine Fraktion direkt aussprach.

Die Bürger sind derzeit schon genug belastet. Deshalb waren 495 Prozentpunkte genug der Erhöhung, so Jürgen Schmidt (CDU). Für ihn gilt es, „Prioritäten zu setzen“, damit die Stadt vorankommt und leistungsfähig bleibt. In eine ähnliche Richtung argumentierte Frank Leutz (FDP). Er sah wie Schmidt einen guten Kompromiss gefunden. Man sollte auch die Städte im Umkreis mit geringeren Grundsteuer-Sätzen im Blick haben, um konkurrenzfähig zu sein.

Gegen eine „Mangelverwaltung“ sprach sich Bühler-Kowarsch aus. Die Grünen hätten auch 655 Punkten zugestimmt, wie sie im Verlauf der Diskussion von der Verwaltung vorgeschlagen wurden. „Es gibt keinen Spielraum“, betonte sie. Die Fraktionsvorsitzende zeigte sich enttäuscht darüber, dass ohne Begründung der Grünen-Antrag eines Budgets von 15.000 Euro für den Kulturbeauftragten und für einen höheren Zuschuss des Frauenhauses gekippt wurde.

Sängern zittert vor Wut die Stimme

Thomas Johe ist stinksauer. Auf die Palme gebracht hat die MGV-Vorsitzenden in Sensbachtal die mangelnde Wertschätzung seiner Sängerzunft durch die hessische Landesregierung. Johe weiß sich mit den klingenden Kehlen aus dem ganzen Bundesland in seiner Wut vereint. Geschürt wird die durch einen Passus in den neuesten Corona-Bestimmungen des Landes: „Es wird davon ausgegangen, dass ein besonderes öffentliches Interesse für Chorproben nicht besteht.“

Es sind klangvolle Namen, die daraufhin einen Brandbrief an die Landesregierung mit Volker Bouffier und Sozialminister Kai Klose an der Spitze verfasst haben, sodass diesen die Ohren klingeln dürften. Claus-Peter Blaschke, der Präsident des Hessischen Sängerbundes, gehört dazu. Oder Christoph Degen, Präsident des Hessischen Musikverbands.

„Chor- und Orchesterproben, die nicht beruflich bedingt sind und für die deshalb kein öffentliches Interesse besteht, dürfen daher aktuell nicht stattfinden“, heißt es weiter in den Ausführungen der Regierung. Die Chor- und Orchester-Szene in Hessen „ist vielfältig und momentan nur aus Gründen des Infektionsschutzes nicht in Präsenz aktiv“, entgegnen dazu die Unterzeichner, zu denen auch Volker Bergmann, Präsident des Mitteldeutschen Sängerbunds, gehört.

Dass die Sänger lange nichts von sich hören ließen, hat laut dem Schreiben „mit unserer Vernunft und unserem gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein“ zu tun. Offensichtlich, so die Verfasser weiter, „waren unsere zahlreichen Mitglieder (bewusst) zu leise, weshalb ihre Bedeutung von Ihrer Seite auf fatale Weise falsch gedeutet wurde“.

Die Amateurmusik, argumentiert unter anderem Michael Gerheim, Vorsitzender der Hessischen Chorjugend, trägt seit Jahren zum Zusammenhalt in der Gesellschaft bei. Sie ist essentieller Bestandteil außerschulischer Bildung, Stätte des multikulturellen Austauschs und fördert (wissenschaftlich vielfach erwiesen) Gesundheit, ergänzt Kollegin Sabrina Berktold, Vorsitzende der Landesmusikjugend Hessen.

Weitere Vorteile: Musik erhöht die Lebensqualität, schafft Freundschaften und Zusammenhalt und ist Teil der Identität zahlreicher, insbesondere junger Menschen in Hessen. Ähnliche Begründungen wurden von der Regierung für die Erlaubnis zur Wiederaufnahme des Amateursportbetriebs herangezogen, argumentiert Fanni Mülot vom Landesverband Hessischer Liebhaberorchester.

Sie alle eint die Forderung nach einer Gleichbehandlung von Amateurmusik und Amateursport. „Musikproben und -konzerte können mit effektiven Hygienemaßnamen ebenso im Freien stattfinden wie sportliche Aktivitäten“, betont für den MGV Sensbachtal Thomas Johe. Er sieht in einer Vernachlässigung der Amateurmusik existentielle Probleme aufgrund der langen Ruhephase vorprogrammiert.

Mit Blick auf Oberzent spricht Johe von momentan zehn aktiven Gesangvereinen. Diese „bewegen und verbinden dadurch hunderte von Personen“. Die Altersstrukturen, so der Vorsitzende, reichen von Jugendlichen bis hin zu ganz alten, über 80-jährigen Kameraden. Johe wird von Sängern und Freunden des Vereines regelmäßig gefragt, „wann es wieder mit dem Singen weiter gehen kann“, erläutert er, und zeigt sich sehr froh, dass die Sangeskameraden ungebrochenes Interesse am Musizieren haben.

Dr MGV-Vorsitzende weist darauf hin, dass auf dem Land ein Gesangverein oftmals nicht nur seine Stimmen ertönen lässt. Sondern, und das ist im Sensbachtal nicht anders, vielfältig zum kulturellen Leben auf den Dörfern beitragt. Wenn ein Verein somit stirbt, dann betrifft dies im Tal der Liebe auch Fastnachtveranstaltungen und Laienspieltheater. „Möchten Sie und Ihre Kollegen dies zu verantworten haben?“, richtet Johe anklagend seine Worte gen Landesregierung.

Im vergangenen Jahr wurden über mehrere Wochen in einer sehr guten Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Odenwaldkreis mehrere Hygienekonzepte für Singstunden und gesangliche Veranstaltungen ausgearbeitet, erklärt Johe. „Dies nenne ich konstruktive Lösungen erarbeiten“, meint er süffisant. Denn genau solche vermisst der Vorsitzende „mit diesem Beschluss auf ganzer Linie“.

Anstatt alles zu regulieren und zu verbieten, fordert er vom Land, „könnten Sie und Ihre teuer bezahlten Berater sich darüber Gedanken machen, konstruktive Konzepte auszuarbeiten, wie die Menschen wieder ein Stück Normalität bekommen können“. Er hätte es nie für möglich gehalten, betont Johe, „dass es eine solche kulturelle Zensur in Deutschland nochmals geben würde“.