Der Trend geht zur Urne

Das Urnengrabfeld auf dem Sensbacher Friedhof wurde endlich angelegt, freut sich Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann über den Baufortschritt in Corona-Zeiten. In den drei Orten des früheren Sensbachtals muss jetzt die Möglichkeit einer Urnenbestattung besser bekannt macht werden, schätzt Kuhlmann. Denn bisher wurde diese Bestattungsform seiner Kenntnis nach noch nicht so stark nachgefragt, wie es anderswo der Fall ist. Des Öfteren wird inzwischen keine Erdbestattung mit Sarg mehr gewünscht. Auch ist ein Urnengrab viel günstiger als die „Standard-Variante“.

Auf dem bestehenden Urnengrabfeld (Urnengräber mit Grabeinfassungen und Grabsteinen) des Sensbacher Friedhofs auf der Höhe stehen aktuell noch etwa 20 Grabstellen zur Verfügung, weiß der frühere Bürgermeister Egon Scheuermann. „Es bietet sich aber an, auf der nördlichen Seite des neuen Urnenfeldes ein weiteres anzulegen“, erklärt er. Damit könnte die Wiesenfläche mit den Urnengrabstellen integriert und eingerahmt werden.

Das neue Urnenfeld (Urnen in Wiese eingelassen) hat 120 Grabstellen, erläutert er. Hinter jeder Steinanordnung sind 30 Urnengrabstellen vorgesehen. Die Namensschilder werden an der großen Säule angebracht (in jeweiliger Ausrichtung auf die beigesetzte Urne). An den Steinanordnungen können auch Blumen und Gestecke abgestellt werden, ebenso in Ausrichtung auf die beigesetzte Urne. Um die hohe Säule wird noch eine Bank angeordnet.

Die Steinanordnungen auf dem Sensbacher Friedhof wurden von der Firma Tobias Kabel aufgestellt, weiß Scheuermann. Die Sandsteinsäule, die Zuwege und die Wiesenflächen wurden durch den städtischen Bauhof sehr schön und sinnvoll angelegt, beobachtete er. Die äußeren Steinsäulen wurden bereits zu Zeiten der Gemeinde Sensbachtal fertiggestellt.

Auf dem Hebstahler Friedhof ist das neue Urnenfeld unterhalb des Weges ist für etwa 22 Urnengrabstellen (bis zu zwei Urnen je Grabstelle) vorgesehen, tat sich hier bereits im vergangenen Jahr etwas. Auch hier ging der Oberzent-Bauhof zu Werke. „Das wurde sehr schön angelegt“, ist die einhellige Meinung von Kuhlmann und Scheuermann

Aktuell wird auf den vielen verschiedenen Friedhöfen der Oberzent-Stadtteile ausgelotet, welche Möglichkeiten es für alternative Bestattungsformen gibt, weil die Nachfrage danach immer mehr wächst. So wurde etwa auch in Finkenbach ein Bereich für eine pflegefreie Erdbestattung ausgedeutet. Am Gammelsbacher Friedhof wurde vom Bauhof der alte Kompostplatz abgerissen und dadurch das Urnenfeld erweitert. Der Abfall wird jetzt über zwei Container, die an der alten Einsegnungshalle stehen, vom Bauhof entsorgt, informiert Ortsvorsteher Konrad Helm.

Autarkie-Rechnung ohne die Behörden

Eigentlich war es als Autark-Projekt im Unter-Sensbacher Alten Weg gedacht. Doch dann machten die Initiatoren Bekanntschaft mit der restlichen Welt, die nicht einfach draußen bleiben wollte. Den Eigentümern rückten die versammelten Behörden auf die Pelle, da es verschiedene, nicht genehmigte Veränderungen auf dem Gelände gab. „Projekt Sensbachtal“ nennt sich das Vorhaben unter dem Dach des Vereins „Neuland-Siedler“.

Die angedachte und angegangene Umsetzung der Autarkie im Odenwald rief vor einiger Zeit den Sensbachtaler Ortsbeirat auf den Plan. „Wir haben dort die illegalen Erdbewegungen und Bauten bemängelt“, erläutert Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. Hessen-Forst, Stadt Oberzent und Landratsamt kamen so ebenfalls mit ins Boot.

Es ging in erster Linie um Geländeveränderungen im Außenbereich wie die Herstellung der Grundstückszufahrt, den Bau von Stellplatzflächen oder zwei abgestellte Wohnwagen auf der Fläche, schildert er die Situation. Die Bewohner bekamen nach Prüfung der Situation vor Ort durch die zuständigen Ämter seiner Kenntnis zufolge „drastische Auflagen“. Ein Rückbau wurde angeordnet und inzwischen durchgeführt.

Auf der Vereinswebseite ist über das Projekt im früheren Sensbachtal zu erfahren, dass der jetzige Eigentümer das Grundstück vor einigen Jahren kaufte. 4000 Quadratmeter, teilweise bewaldet, sowie mehrere Nebengebäude stehen neben dem Haupthaus zur Verfügung. „Das Grundstück verfügt über eine starke Hanglage, welche aber nach und nach mit Terrassen versehen werden soll“, heißt es weiter.

Außerdem soll der Beschreibung nach das gesamte Grundstück mithilfe von permakulturellen Prinzipien/Methoden beackert werden, wodurch man die vergleichsweise wenigen, durch die Tallage bedingten Sonnenstunden möglichst gut ausgleichen will. Denn im Winter verschwindet die Sonne zwischen 15 und 16 Uhr hinter den Bäumen, lässt sich der Beschreibung auf der Webseite entnehmen. Es besteht der Erläuterung zufolge zudem die Möglichkeit, in der direkten Umgebung viel landwirtschaftlich nutzbare Fläche dazu zu pachten.

Gegenüber des Grundstücks verläuft der Sensbach, direkt angrenzend gibt es große Wälder, heißt es weiter. Das Gelände befindet sich an einer Anliegerstraße mit nur sehr wenig Durchgangsverkehr „und mit nur einem Nachbarn im Abstand von 100 Metern“. Es ist sehr ruhig gelegen. Wichtig für die Initiatoren: „Durch die Tallage ist der Mobilfunk stark eingeschränkt/nicht vorhanden“. Es gibt kein mobiles Internet wie UMTS (3G) oder das geplante 5G, womit das Sensbachtal „eine der wenigen komplett strahlungsfreien Zonen in Deutschland“ ist, freuen sich die Projektierer.

 

Badefreunde müssen noch warten

Während sich anderswo in Deutschland die Freibäder bereits auf die Wiedereröffnung vorbereiten, teilweise wie in Nordrhein-Westfalen bereits offen haben, ist die Entscheidung am Beerfeldener Waldseebad erst einmal vertragt. Badefreunde müssen sich noch etwas gedulden, bis sie wieder ins kühlende Nass dürfen – wenn das überhaupt in diesem Jahr noch klappt.

Ina Bottelberger und Marc Gärtner vom betreuenden Arbeitskreis schauten sich jetzt zusammen mit Oberzent-Bauhofleiter Gerd Köppel und Bürgermeister Christian Kehrer die Lage vor Ort an. „Es sieht wüst aus“, berichtet die Vereinsvorsitzende Bottelberger. Normalerweise starten die Aufräum- und Instandhaltungsarbeiten spätestens Mitte April. Dass die Natur über einen Monat mehr Zeit hatte sich auszubreiten, ist deutlich feststellbar. „Es sprießt an allen Ecken und Enden“, beobachtet das Quartett – schlimmer als sonst im Frühjahr gewohnt.

Eigentlich für den vergangenen Montag geplant, soll nun diese Woche eine Videoschalte der Odenwaldkreis-Bürgermeister mit dem Landrat stattfinden, in der es unter anderem um die Wiederöffnung der Bäder geht. Was diese beschließen, wandert nach Bottelbergers Kenntnis hoch zum Regierungspräsidium zur Genehmigung. Von dort trudeln dann die zu erfüllenden Auflagen ein, unter denen wieder geplantscht werden darf.

„Wenn die Auflagen wieder erfüllbar sind, machen wir auf“, verdeutlicht das Duo vom Waldseebad, dass für den Verein nicht alles leistbar ist. Denn städtische Freibäder in Erbach, Michelstadt und Eberbach haben einen ganz anderen personellen Background, um die entsprechenden Anordnungen umzusetzen, als es für Ehrenamtliche der Fall ist.

Die Bäder dürfen voraussichtlich nur eine begrenzte Zahl an Besuchern hereinlassen, spekuliert Bottelberger. Badegäste müssen sicher wie überall sonst auch den Mindestabstand einhalten. In Nordrhein-Westfalen, wo seit Mittwoch gebadet werden darf, gilt das in den Umkleiden ebenso wie im Schwimmbecken – außer es handelt sich um Mitglieder eines Haushalts oder die Mitglieder einer befreundeten Familie.

Bei Betreten des Bades müssen dort Hände gewaschen und desinfiziert werden. Besucher müssen sich registrieren, damit Infektionsketten nachverfolgt werden können. Kioske dürfen öffnen, Selbstbedienung ist aber verboten. „Als Verein ist das alles für uns schlecht leistbar“, denkt Bottelberger. Denn es würde einen erhöhten Personalaufwand bedeuten, alles zu kontrollieren. Also entweder mehr Ehrenamtliche oder mehr bezahlte Kräfte – beides schwierig.

Kommt vom RP das Okay zur Wiederöffnung und sieht der Verein gute Chancen, die geforderten Auflagen erfüllen zu können, sollen ab dem 6. Juni die Arbeitseinsätze starten, informiert die Vorsitzende. Die Priorität liegt dann auf dem Ausspritzen des Beckens und der Ausbesserung. „Wir schauen, wie viel Zeit uns für die Saison noch bleibt“, wägt der Arbeitskreis außerdem ab, ob die verbleibenden Wochen bis zum Sommerende die kurzfristigen Aktivitäten sinnvoll erscheinen lassen.

Neue Brücke soll bald fertig sein

Die Zeit der Brückenbaustelle geht in Finkenbach langsam, aber sicher zu Ende. Ortsvorsteher Christian Niesen rechnet damit, dass noch im Juni die Fertigstellung erfolgt. Das wäre nur knapp einen Monat hinter dem im vergangenen Jahr avisierten Zeitplan. Die parallel verlaufende Behelfsbrücke an der Strecke Richtung Hinterbach wurde zwischenzeitlich schon abgebaut. Der Verkehr läuft derzeit einspurig mit Ampelregelung über das neue Bauwerk.

Eine Seite ist bereits frisch geteert, die andere wird gerade gepflastert, damit danach die Asphaltschicht draufkommt. Die Kreisstraßen-Brücke bedeutet neben den Anwohnern auch für den Schwerlastverkehr eine wichtige Ost-West-Verbindung ins Hinterbachtal. Laster, die die Odenwaldquelle ansteuern, haben keine Alternative, denn die Strecke von Ober-Schönmattenwag über die Raubach ist für Lkw gesperrt. Deshalb auch die Ersatzbrücke. Die neue Brücke entstand in der gleichen Größe wie die bisherige.

Auf der K 37 erfolgte ein Neubau anstelle der stark geschädigten Bachbrücke. Hierfür wurde für die Zeit der Bauarbeiten zunächst eine rund 100 Meter lange, einspurige Umfahrung mit Behelfsbrücke hergestellt. Der unter dem Bauwerk fließende Falkengesäßer Bach wurde mittels Verdolung umgeleitet. Zum Schutz der Fische erfolgte zudem eine Elektrobefischung sowie der Einbau eines ökologischen Schutzzaunes. Anschließend wurde die 1960 erbaute Stahlbetonbrücke vollständig abgebrochen.

Die neue Brücke wird als Stahlbetonbrücke in Ortbetonbauweise hergestellt. Die Gründung erfolgte auf Bohrpfählen. Die Kosten der Maßnahme belaufen sich – Stand Baubeginn – auf rund 781.000 Euro und werden vom Odenwaldkreis getragen. Das Land Hessen unterstützt ihn im Rahmen der Verkehrsinfrastrukturförderung mit einer Zuwendung von rund 80 Prozent der Gesamtkosten.

Wenn die Brücke fertig ist, will sich der Ortsbeirat darum kümmern, dass dort auch wieder Blumenkästen hängen. Neue Halterungen wurden bereits in Auftrag gegeben. Vor den Bauarbeiten musste im Herbst das Schachfeld auf der anderen Bachseite Richtung Feuerwehrhaus abgebaut werden. Es soll seinen neuen Platz am Schwimmbad finden, wo bereits Spielplatz und Tischtennisplatte sind. „Der Bauhof muss noch baggern“, werden die Arbeiten laut Niesen bald angegangen.

Der Ortsbeirat schaffte vor kurzem zehn Streetbuddys an, informiert Niesen über die Tätigkeit des Gremiums in der sitzungslosen Zeit. Acht davon sollen in Finken-, Hinter- und Raubach aufgestellt werden, zwei behält man auf Lager. Aufstellorte sind vor allem Buswartehäuschen, wo Kinder ein- und aussteigen, sowie Häuser, wo kinderreiche Familien wohnen.

Der Ortsvorsteher kündigt an, dass die reflektierenden Figuren nicht stationär dort bleiben sollen, sondern alle zwei Monate an andere Stellen kommen. „Wir sind hinterher, dass sie immer aufgestellt werden“, erläutert er. Außerdem werden die leuchtenden Freunde festgekettet und angeschlossen, damit sie „keine Beine bekommen“.

 

 

Weckruf für den Gartenschläfer

Hessen sucht den Gartenschläfer. Dahinter verbirgt sich nicht der schnarchende Nachbar in seiner Liege, sondern ein kleiner, mausähnlicher Nager. Auch im Finkenbachtal will man nach diesem scheuen Bilch (eine Familie aus der Ordnung der Nagetiere) fahnden, der nachgewiesenermaßen bei Wiesbaden stark verbreitet ist. Die gerade ausgezeichnete „Spurensuche Gartenschläfer“ fand bei Ortsvorsteher Christian Niesen Widerhall, der mit ein paar Freiwilligen Spurentunnel ausbrachte.

Zeitgleich mit der Auszeichnung startet in Finkenbach ein neuer Versuch, dem Gartenschläfer auf die Spur zu kommen. Von den Projektexperten, zu denen neben den Aktiven des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auch die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung zählen, wurde ein Abschnitt des Finkenbachtals als „verdächtig“ ausgedeutet, in dem nun eine neue Suchaktion beginnt. Mit Zustimmung der Forstverwaltung wurde eine standardisierte Untersuchungsstrecke installiert. Diese wird von freiwilligen Helfern in den kommenden Monaten betreut.

Die wohl einfachste Methode, um den Gartenschläfer nachzuweisen, ist der sogenannte „Spurtunnel“. Dabei handelt es sich um ein Plastikrohr, das neben einem weißen Papier auch „Tinte“ (bestehend aus Aktivkohle und Olivenöl) enthält und an Ästen befestigt wird. Geht der Nager durch den Tunnel, hinterlässt er Spuren, die gut von denen anderer Kleinsäuger unterschieden werden können. Einen Köder braucht es nicht, da der Gartenschläfer sehr neugierig ist.

25 Spurtunnel wurden von den vier Ehrenamtlichen im Finkenbachtal unterhalb der Ortsmitte Richtung Ober-Hainbrunn ausgebracht – auf einer Strecke von 500 Metern alle 25 Meter einer. Sie werden alle zehn Tage kontrolliert, erläutert Niesen. Sollte man verdächtige Spuren finden, „dann installieren wir dort Wildkameras“, erklärt er. Damit die Helfer wissen, wer wer ist, bekamen sie Schaublätter, um die Spuren zuordnen zu können.

Niesen wertet das Projekt als „sehr interessant in Bezug auf den Naturschutz vor Ort“. Denn im Finkenbachtal ist so einiges zu Hause, was anderswo selten ist. Ein Biber hat sich oberhalb der Fischteiche angesiedelt. „Solange das Schwimmbad zu ist, habe ich Zeit“, schmunzelt der Ortsvorsteher. Die Suche nach dem kleinen Nager in Oberzent ist allerdings „ein Versuch ins Blaue“, weiß er. Einen konkreten Verdacht auf ein Vorkommen gibt es nicht.

Im Odenwaldkreis wurde im vergangenen Sommer in der Güntersfürst drei Monate nach dem kleinen Bilch gefahndet. Hier ist letztmalig im Kreis vor Jahren ein Nachweis der Art bekannt. Der Gartenschläfer ist ein kleiner Verwandter des Siebenschläfers, dessen Bestände in kurzer Zeit vielerorts dramatisch zurückgegangen sind. Warum, ist bislang noch unklar.

Deshalb haben sich Naturschutz und Forschung auf Spurensuche begeben. Ihr Ziel: Es soll nicht noch ein Teil unserer biologischen Vielfalt verloren gehen. Gefördert wird das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.

Der Gartenschläfer soll als Tierart vor unserer Haustür – für deren Schutz jede und jeder etwas tun kann – bekannter werden. „Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für den Gartenschläfer, da ein Großteil seines Verbreitungsgebiets bei uns liegt“, erklärt Susanne Schneider, Projektkoordinatorin für die Spurensuche Gartenschläfer in Hessen. In der „Meldestelle Gartenschläfer“ unter www.gartenschlaefer.de sind bereits mehr als 1500 Hinweise zusammengekommen, davon fast 500 in Hessen.

Info: Die „Spurensuche Gartenschläfer“ des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wurde als „Projekt der UN-Dekade für Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Die Jury lobt besonders, wie die Öffentlichkeit für diese kleine Tierart mitgenommen wurde – durch Medienarbeit sowie durch zahlreiche Mitmachangebote. Wiesbaden ist die „Gartenschläfer-Hauptstadt“ – hier hat der kleine Nager sogar den Hauptbahnhof bezogen. Südlich des Mains kommt der Gartenschläfer im Landkreis Groß-Gerau vor, aus dem Odenwald gibt es einzelne Nachweise. Auch aus den Randgebieten Frankfurts und dem Maintal gibt es Meldungen. Aus dem restlichen Hessen sind Nachweise spärlich und veraltet. Mehr unter www.gartenschlaefer.de

 

Gartenschläfer-Bild: Jiří Bohdal/BUND

Liegend die schöne Oberzent genießen

Eigentlich sollten die aus dem Budget von verschiedenen Ortsbeiräten angeschafften Waldsofas bereits früher im Jahr mit ehrenamtlichen Kräften an besonders schönen Plätzen aufgestellt werden. Doch Corona machte diesem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung. Seitdem die Auflagen gelockert wurden, können die Ortsbeiräte nun zu Werke gehen. Das Ergebnis wird bereits gerne liegend genutzt.

„Wir haben unsere beiden Waldsofas endlich aufgestellt“, freut sich Sensbachtals Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. „Unglaublich, wie viele Leute sie  am Wochenende schon genutzt haben“, beobachtete er. Der Ortsbeirat baute die Ruheliegen an zwei Stellen entlang des Panoramawegs auf: an der Talblickhütte in Ober-Sensbach und an der „Hermetze“ in Unter-Sensbach.

„Beide Plätze haben eine wunderschöne Aussicht und liegen direkt am zertifizierten Premium-Wanderweg“, weiß Kuhlmann aus eigener Anschauung. Der Ortsbeirat von Sensbachtal finanzierte – wie auch die Gremien in den anderen Oberzent-Stadtteilen – die Waldsofas aus seinem Budget.

Bänke entlang des Panoramawegs wurden nochmals vom früheren Bürgermeister Manfred Heiss freigemäht. Der Ortsbeirat hat auch fürs kommende Jahr nochmals zehn Sitzbänke über den Geo-Naturpark bestellt. Der Verein „Sensbachtal Aktiv“ übernimmt dafür die Kosten.

Es wurden aber auch schon einige Bänke von Privatpersonen bezahlt, freut sich Kuhlmann über die Verbundenheit der Bürger mit ihrem Dorf. Die Feuerwehr Unter-Sensbach kümmert sich regelmäßig um das Streichen und gegebenenfalls Reparaturen. Die Revierförsterei Unter-Sensbach unterstützt bei Planung und Umsetzung.

In Sensbachtal packen immer alle mit an. Ralf Beisel war bei Lagerung und Logistik der Waldsofas sehr hilfreich, hebt der Ortsvorsteher hervor. Der NABU Sensbachtal kümmert sich daneben um diverse Aussichtspunkte und „Rastplätze“ entlang des Panoramawegs. Die Talblickhütte wurde kürzlich von Herbert Wagner komplett neu gestrichen. Er führte auch Dachreparaturen an der Adam-Schwinn-Hütte durch. Der Ortsbeirat plant, die anderen Schutzhütten ebenso zu renovieren.

Aus Ober-Hainbrunn stammt die Idee der Waldsofas, die dann die Oberzent-Runde machte. Auch dort nutzten die Mitglieder des Ortsbeirats das schöne Wetter, um die beiden Bänke aufzustellen. Wegen Corona geschah dies zu zweit mit einem kleinen Kran. „Sie werden sehr gut angekommen“, hat Ortsvorsteher Stefan Hofmann erfahren. „Es gab auch schon mehrere Anfragen, woher die sind.“ Beide Ruheliegen sind komplett aus Holz gefertigt: Füße und Liegefläche aus Akazie, der Unterbau aus Douglasie.

In Olfen lässt sich ebenfalls die Aussicht genießen. Eine Bank steht an der Bergwiesenhütte und eine unterhalb am Waldrand, teilt Horst Schnur mit. Die Hütte erreicht man entweder von der ersten großen Kurve von Airlenbach kommend links ab und 300 Meter über einen asphaltierten Weg. Oder vom Dorf aus mit Navi Bergwiesenweg, erläutert er. Von der Hütte am Waldrand abwärts kommt man zur zweiten Bank.

„Aufgrund von Corona steht die Bank noch nicht, da wir das zusammen erledigen wollen“, bedauert Ortsvorsteher Jürgen Sauer. Angepeilt ist für die Aktion derzeit Anfang Juni. Beerfelden war da schneller. Ortsvorsteher Christian Zimmermann beobachtet jeden Tag Leute darauf. „Eine Beschwerde gab es: Die Bank hätte am Galgen nix zu suchen“, schmunzelt er. Eine weitere steht im Güttersbacher Weg, am Abzweig nach Etzean.

Zwei Waldsofas gibt es auch in Gammelsbach. Eines befindet sich auf der Straße an der Burg vorbei Richtung Wald. Dann geht’s den ersten Weg links und 300 Meter Richtung Eberbach. Der Blick auf die Sensbacher Höhe und das Gammelsbacher Mitteldorf ist ein besonderer. „Die Resonanz ist wegen der Aussicht durchweg positiv“, hat Ortsvorsteher Konrad Helm deshalb viel positives Feedback erreicht. Die zweite Liege wird noch bei der Schmidtshütte mit Blick auf die Burg installiert.

„Mit gesundem Menschenverstand passt es doch“

Abstand halten – klar. Maskenpflicht – Blödsinn. Auf diesen Nenner lassen sich die Wortmeldungen bei der zweiten Versammlung zum Thema „Grundrechte, Freiheit, Demokratie“ auf dem Brunnenparkplatz Beerfelden bringen. Dort hatten sich wie beim ersten Mal wieder um die 30 Personen versammelt, die den aktuellen Anti-Corona-Maßnahmen (in Teilen) kritisch gegenüberstehen. Einige Plakate verdeutlichten, dass sich die Bürger gegängelt und in ihren Grundrechten beschnitten fühlen.

Diese Einschränkungen wurdeb von den Teilnehmern auf unterschiedliche Weise empfunden, schälte sich in den Wortmeldungen heraus: durch die „erzwungene Maskenpflicht“, durch Meinungsfilterung, durch Kinder, denen aufgrund des nur teilweise möglichen Unterrichts das Recht auf Bildung verwehrt wird und durch Kontaktsperren im öffentlichen Leben. Bei der „wunderbaren Diskussionsrunde“, wie es Mitorganisatorin Babett Böhm bezeichnet, wurde zu jeder Zeit sehr genau auf den Mindestabstand von 1,5 Metern geachtet.

Der beim Einkauf und im öffentlichen Nahverkehr vorgeschriebene Mund-Nasen-Schutz stand im Mittelpunkt vieler Äußerungen. Vor allem in den Supermärkten wird er rigoros durchgesetzt, berichtete ein Versammlungsteilnehmer. Und das ohne zu hinterfragen, ob der Betreffende ohne Maske vielleicht einen Grund hat – wie Asthma –, keine Maske zu tragen. „Wer sie nicht trägt, wird als Staatsfeind hingestellt“, so der Tenor.

Die kleineren Geschäfte, schälte sich heraus, sind in der Durchsetzung oft weitaus kulanter. Die Ladeninhaber empfinden als es komisch, diese Verordnung durchzusetzen. Was Gabi Riesinger bestätigte. „Morgens kommen viele ohne Maske oder haben sie in der Hand“, berichtete sie aus der Bäckerei. Sie geht damit entspannt um.

Babett Böhm meinte, „ich bekomme unter der Maske Panik“. Das Tragen ist für sie so, „als ob ich bei diesen Temperaturen einen Wintermantel anziehen würde“. Sie monierte, dass der gesundheitliche Aspekt nicht zu erkennen sei, da sie selbst durch einen Mund-Nasen-Schutz eben nicht vor dem Virus geschützt werden. „Ich fühle das als Unterdrückung“, sagte Böhm. Natürlich verurteilt sie niemanden, der eine Maske trägt, aber es sollte freiwillig sein.

„Die Ausübung der Informationsweitergabe durch die öffentlich-rechtlichen Medien“ hinterfragten die Erschienen kritisch. Denn ihrer Meinung nach tragen die Berichterstattungen „leider in keiner Weise zur Aufklärung der Bevölkerung über das Virus bei“. Vielmehr werden, kam des Öfteren zum Ausdruck, tiefgreifende Ängste geschürt.

Daran anlehnend wünschten sich alle Teilnehmer einen neutralen, groß angelegten wissenschaftlichen Diskurs. Dessen Ergebnisse sollten dann in Studien allgemeinverständlich verwertet und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dies war ein ganz wichtiger Punkt, denn man fühlte sich oft mit Fachwissen überfrachtet, das für die „normalen Bürger“ kaum mehr nachvollziehbar ist. Auch hier standen die Themen Maskenpflicht, Impfzwang und Aufklärung im Vordergrund.

In der Bevölkerung, monierten die Versammlungsteilnehmer, werde durch viele griffige Schlagzeilen „eine große Angst verbreitet“. Wer dann noch normal denkt, was die Gekommenen für sich reklamieren, „wird gleich in eine krude Verschwörungsecke gedrängt“. Das Gegenteil ist der Fall, meinte Achim Böhm. Mit gesundem Menschenverstand und 1,5 Meter Abstand „passt es doch“ – aber eben ohne Maske -, wollte er die ganze Diskussion erden.

Abschließend betonten alle Anwesenden, dass ihnen „die Wiedererlangung der kompletten Grundrechte eine Herzensangelegenheit ist“. Mit einem Dank der Organisatoren an die anwesenden beiden Polizeibeamten und den Oberzent-Stadtpolizisten schloss das Treffen.

 

Info: Die nächste Versammlung unter dem Motto „Grundrechte, Freiheit, Demokratie“ findet am Samstag, 23. Mai, um 11 Uhr auf dem Brunnenparkplatz in Oberzent-Beerfelden statt.