Natur ist die größte Stärke des Odenwaldkreises

Mit Natur und Landschaft kann der Odenwaldkreis ohne Zweifel punkten. 1550 Bürger hatten an der durch die Firma Cima durchgeführten Befragung im Auftrag der Kreisverwaltung teilgenommen. Alle ohne Ausnahme nannten diesen Punkt als größte Stärke der Region, wie Dr. Stefan Leuninger vom Stuttgarter Beratungsbüro in der Alten Turnhalle Beerfelden erläuterte. Die Ergebnisse werden in die Fortschreibung des Kreisentwicklungskonzepts einfließen.

Der Odenwaldkreis wird insgesamt als attraktiver und lebenswerter Wohnstandort eingestuft, erläuterte Leuninger. Wesentliche Gründe dafür lägen in dem naturräumlichen und Landschaftspotenzial, dem sozialen Miteinander, den allgemein guten Bedingungen auf dem Wohnungsmarkt, dem gastronomischen und Sportangebot sowie im Bereich Bildung und Schule. Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt.

Als am häufigsten genannten Kritikpunkt wurde laut dem Referenten der Gesamtkomplex „Verkehr“ angegeben. Der ÖPNV wird als ausbaufähig eingestuft. Ferner wird grundsätzlich eine schlechte Verkehrsanbindung an die umliegenden Ballungsräume angeführt. Das ist für ihn ein „dickes Problem“. Denn drei Viertel aller Bewegungen geschehen mit dem eigenen Pkw.

Nur fünf Prozent der Odenwälder nutzen den ÖPNV in Form von Bus und Bahn. Da gehen sogar noch mehr zu Fuß: 14 Prozent. „Bei der Mobilität muss weitegemacht werden“, ist denn auch die dringende Empfehlung von Leuninger. Der Bereich Sicherheit und Lärmbelästigung betrifft insbesondere die Freizeit-Motorräder sowie die Lkw.

Auch wenn die Bürger grundsätzlich (sehr) gerne im Odenwaldkreis leben, werden von ihnen einige Handlungsfelder thematisiert. Aus Sicht der hier lebenden ist es wichtig, dass die ärztliche Versorgung gewährleistet und die Nahversorgung sichergestellt ist. Bei ersterem Thema sieht der Berater bei Bedarf auch die Kommunen in der Pflicht. Leuninger zufolge in der Umfrage wird außerdem darauf hingewiesen, „dass das Angebot an Arbeits- und Ausbildungsplätzen weiter zu entwickeln ist“. Gerade im industriell-gewerblichen Bereich gibt es Defizite.

Besonders negativ kommt der Kreis als attraktiver Unternehmensstandort weg. Nur 20 Prozent der Befragten stimmen hier voll oder überwiegend zu. Beim Thema Wohnstandort für junge Familien sind es zusammen immerhin 57 Prozent. Ganz klar an der Spitze: der Odenwaldkreis als attraktiver Naherholungsstandort. 66 Prozent der Rückmeldungen lauten „Ich stimme voll zu“, weitere 28 Prozent „überwiegend“.

„Lebenswert, attraktiv, gemütlich, sympathisch und ruhig“: So lauten die Stärken des Kreises. Gedanken machen sollte man sich, so der Berater, zu den Attributen innovativ und modern. Denn da kommt die Region nicht so gut weg. Gerade in punkto Außendarstellung wären hier Ansatzpunkte, meinte er.

Neben diesen allgemeinen Punkten kamen auf der Versammlung auch ein paar Oberzent-spezifische zur Sprache. Etwa der Wunsch eines Stundentakts der Odenwaldbahn zwischen Erbach und Eberbach, um dann per S-Bahn einen besseren Anschluss in die Metropolen Heidelberg und Mannheim zu haben. Oder die Belebung des Zentrums von Beerfelden mit Blick auf Handel und Versorgung. Die Entwicklung einer eigenen Oberzent-Identität war ein weiterer Punkt.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Christian Kehrer hatte Landrat Frank Matiaske zu Beginn die Entwicklung auf größerer Ebene skizziert. „Wir sind kein gallisches Dorf“, betonte er. Er richtete seinen Blick vor allem auf die Bevölkerungsentwicklung. Die ist nach Jahren des Abwärtstrends inzwischen wieder stabil. Was laut Matiaske vor allem auf den Zuzug aus dem EU-Ausland zurückzuführen ist.

Damit die ländliche Region nicht ausblutet, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Sonst kommt keiner (zurück) oder bleibt da. Arbeitsplätze, Vernetzung, digitale Infrastruktur, Mobilität, gute Bildungsangebote und medizinische Versorgung nannte der Landrat als Kriterien – wie auch Kultur im ländlichen Raum und eine weltoffene Region Odenwald.

 

 

Info: Der nächste Workshop zur Entwicklung des Landkreises findet am Donnerstag, 14. November, um 19 Uhr, für das Gersprenztal in der Reichenberghalle Reichelsheim statt. Zunächst werden die Ergebnisse der Bürgerumfrage vorgestellt, die im September stattfand. Danach können sich die Teilnehmer einzelnen Themen widmen und ihre Gedanken einbringen.

Zucht will Ordnung die Debattenkultur bringen

„Klartext“ stand drauf und „Klartext“ war drin. Dirk Daniel Zucht war mit dem Auftakt der von ihm konzipierten Veranstaltungsreihe mehr als zufrieden. „Reden wir über Politik“, lautete die Marschrichtung des Oberzenter SPD-Vorsitzenden bei der Veranstaltung in Erbach. „Mein Ziel war es, gemeinsam den sozialdemokratischen Kompass auszurichten“, erläutert er. Das geschah, ist er begeistert, in einer Form, „wie ich es in der SPD bis dato noch nicht erlebt habe“.

Das gelungene Format soll – möglichst getragen durch die Ortsvereine – ab nächsten Jahr auf Tour durch den Odenwaldkreis gehen. Das nächste Thema hat er bereits: „Moral in der Politik“. Zucht will durch die dezentrale Ausrichtung möglichst viele SPD-Mitglieder, aber auch parteilose Gäste erreichen, denen der Weg in die „Kreis-Hauptstadt“ oder einen anderen Ort vielleicht zu weit ist.

„Jeder kann seine Gedanken, Ideen und Meinungen ohne Tabu und ohne ‚politisch korrekt‘ sein zu müssen, äußern“, nennt das SPD-Kreisvorstandsmitglied die „Spielregeln“. Auch soll es während der Beiträge keine Unterbrechungen durch die anderen Diskussionsteilnehmer geben. Er stellt sich vor, drei oder vier Mal im Jahr zu diesen Treffen mit vorhergehendem Impuls-Referat einzuladen.

„Inhaltlich lege ich großen Wert auf das gesprochene Wort“, betont der SPD-Mann. In einer schnelllebigen Zeit des Informationsüberflusses und der daraus resultierenden Rationalisierung der Aussagen durch Abkürzungen, Bilder, begleitende Power-Point-Präsentationen und Verkürzungen durch Emojis ist es für ihn doch die deutsche Sprache, „die in ihrer Komplexität sehr tief und sehr konkret wird“.

„Die deutsche Diskussionskultur ist in der Krise.“ Sie wird immer mehr von Redeweisen bestimmt, die jede vernünftige Zurückhaltung vermissen lassen, bedauert Zucht. Jeden Tag versammelten sich in sozialen Netzwerken, Blogs und Kommentarspalten von Onlinemedien Hunderte von Menschen (und auch BOTS), die bestimmte Diskussionen mit Hass, Hetze und Häme vergiften, legt er den Finger in die Wunde.

Als Ehrenamtlicher, so seine Erfahrung in Oberzent, „wird man zugeballert mit Terminen und Sitzungen“. Deshalb empfindet er es als „schön, mal wieder inhaltlich zu reden“. Seiner Ansicht kommt die Unterhaltung übers Grundsätzliche, was die SPD ausmacht und für was sie steht, zu kurz. Zucht fehlte auf Kreisebene ein Forum, in dem neben den Funktions- und Mandatsträgern auch andere politisch Interessierte dabei sein können.

„Zwar waren wir ‚nur‘ 11 Sozis“, hätten es beim Auftakt ein paar mehr Besucher sein dürfen. Dafür boten, freute er sich, die Anwesenden eine breite Spanne von Jung bis Alt, von Oberzent bis Breuberg. Nach seinem Impulsreferat zum Thema „Polemik“ folgten fast zwei Stunden spannende Diskussionen und Analysen, weshalb für ihn die Veranstaltung „inhaltlich ein voller Erfolg war“.

Der Oberzent-Sozialdemokrat will „alte Zöpfe in Frage stellen“, formulierte er, aber nicht unbedingt abschneiden. Denn es gibt für Zucht gewisse alte Tugenden, die er heute vermisst. So konnte man sich früher in inhaltlichen Auseinandersetzungen „den Marsch blasen“, Klartext reden, diskutieren bis die Hütte qualmte. Aber das immer bei einer klaren Grundausrichtung, deren Weg nicht vorgegeben ist, sondern erst im Miteinander gefunden werden soll.

Es entstand bei der Premiere, so schildert es der Oberzent-SPD-Mann, eine „respektvolle, kontroverse und inhaltlich tiefe Diskussion“, die sich nicht nur ums Thema Polemik drehte. Bald wurde es grundsätzlich. Etwa mit der Frage: Sollte die SPD selbst polemischer auftreten? Ist eine Zuspitzung notwendig, um in der auf Info-Häppchen ausgerichteten Medienlandschaft bestehen zu können? Oder sollte man in der Sozialdemokratie doch weiter auf – auch kompliziertere – Sachlichkeit setzen? Denn die Verkürzung auf nur ein Schlagwort könnte ja genau auf diese ungewünschte Zuspitzung hinauslaufen, die Zucht in seinem Impuls angesprochen hatte: „Populismus“. Dadurch werde man jedoch wiederum angreifbar, postulierte er.

Im Rothenberger Wald, da sind die Räuber

Im (Oden-)Wald geht’s wieder rund. Wenn die Rothenberger Theatergruppe alljährlich zu ihren drei Aufführungen ruft, dann steht die Sporthalle Kopf. Comedy und Klamauk geben sich jedes Mal die Klinke in die Hand. Wie auch dieses Mal, als es „Natur pur“ heißt und die Zuschauer bei der Premiere aus dem Lachen kaum noch rauskommen. Das Ganze vor einem aufwändigen Bühnenbild.

Unter der Regie von Marina Weinthäter können sich die Schauspieler in ihren Rollen so richtig ausleben, sodass sich geneigte Besucher manchmal fragen dürften, welches nun die wirkliche Persönlichkeit ist. Zwölf verschiedene Charaktere gibt es auf der Bühne zu sehen, einer exzentrischer als der andere. Wie es das Stück so will, bahnt sich die Handlung der Komödie langsam ihren Weg, um dann über einen turbulenten zweiten Akt ins Schlussfinale einzubiegen, in dem es drunter und drüber geht.

Vor den 250 Zuschauern entsteht eine Szene, die nur ein paar hundert Meter weiter oben im Wald spielen könnte. Der Blick öffnet sich auf eine Lichtung mit rustikaler Holzhütte, Zwitscherkasten, Geweihen, Tannenensemble, Holzstapeln und Hochsitz. Mittendrin: die Familie von Oma Maria, die so gar keine Lust auf die Geburtstagsfeier „mitten in der Walachei“ hat.

Gabi Braner ist in ihrem Element als zickige, rechthaberische Etepetete-Schwiegertochter Lydia, deren armer Erich sowieso nichts richtig machen kann. Herrlich ereifert sie sich in vielen Worten über die abgelegene Lage, die Tierwelt, die Unvollkommenheit an sich, kommandiert ihren Mann herum, der alles fatalistisch erträgt und sich an den kleinen Freuden des Lebens ergötzt. Wort- und detailreich lästert Lydia über ihre Mitmenschen.

Von Erichs Geschwistern hält Lydia schon mal gar nichts. Seine Schwester „mit dem Charme einer Stachelbeere“ und der Bruder „mit der Intelligenz einer Waldameise“ bekommen ihr Fett weg. Das macht gespannt auf den Auftritt der beiden. Und die Besucher werden nicht enttäuscht. Dominik Seips Rudi ist ein vermeintlich einfältiger Tropf, der aber die besten Sprüche auf Lager hat und damit ein ums andere Mal für laute Lachter sorgt.

Susanne Weyrauch als resolute Martha sorgt dafür, dass sich manche vielleicht Sorgen um den armen Claus zuhause machen. Wie mag es dem so ergehen? In Janker, Cordhose, Wanderschuhen und mit Prinzessin-Leia-Friseur hat sie das Heft in der Hand und lässt das alle anderen auch spüren. Bei ihrem Kommandoton spurt jede und jeder. Geht nicht gibt’s nicht.

Wenn die Meute aus der Großstadt versucht, ein Zelt aufzubauen, während der eine zwei linke Hände hat und sich die andere vor allem ekelt, was auf dem Boden kriecht, kommt man sich vor wie bei den „Grisworlds“, wo Chevy Chase der Master of Desaster war. Die ständigen Kabbeleien inklusive diverser Unzulänglichkeiten sind das eine, das entstehende Chaos durch Oma Marias Geldfund das andere.

Denn eigentlich will die, gütig und latent hinterfotzig von Ulrike Beisel verkörpert, wie früher nur ihren 75. Geburtstag abseits der Zivilisation feiern. Ein Beutel mit 50.000 Euro ändert alles. Die zänkische Sippe ist plötzlich in der Anstrengung vereint, lieb Kind zu spielen. Da wird die Oma zur heimlichen Hexe und kommt endlich mal auf ihre Kosten, nach Gutdünken schalten und walten zu können.

Beisel macht sich einen Spaß daraus, mit einem Lächeln auf den Lippen immer neue Aufgaben für die bucklige Verwandtschaft zu erfinden. Die einzige, die es dabei ehrlich meint, ist Enkelin Christine. Elisa Köhler, erst im dritten Jahr bei der Theatergruppe dabei, gibt ihrer tragenden Rolle eine schöne Präsenz.

Wie der erste Akt endet, geht der zweite weiter: Es herrscht allgemeine Verwirrung, die zu den absurdesten Szenen und folgerichtig größten Lachern führt. Nach und nach schauen mit Janis Heckmann, Achim Bartmann, Tanja Schmidt, Janik Uhrig, Matthias Hering und Jochen Blutbacher auch die anderen Akteure vorbei.

Info: „Natur pur“ der Rothenberger Theatergruppe wird noch zweimal am Freitag, 15., und Samstag, 16. November, in der Sporthalle aufgeführt. Beginn ist jeweils 20 Uhr, Einlass bei freier Platzwahl 18.30 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Metzgerei Beisel & Jehle in Rothenberg oder an der Abendkasse.

Volker Reibold liegt in der ersten Runde der Heddesbacher Bürgermeisterwahl vorn

Genau zehn Stimmen fehlten Volker Reibold (56), um den ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit für sich zu entscheiden. 45 Prozent holte der langjährige Gemeinderat bei der Heddesbacher Bürgermeisterwahl, in Zahlen 131 von 291 abgegebenen Stimmen. Damit lag die Wahlbeteiligung bei sehr guten 74,3 Prozent. Die Neuwahl für den Nachfolger von Amtsinhaber Hermann Roth findet am Sonntag, 8. Dezember, statt.

Der Ratsschreiber des Gemeindeverwaltungsverbands Schönau, Karl Lösch aus Altneudorf, erhielt als Zweitplatzierter 78 Stimmen, in Prozenten knapp 27. Der 62-Jährige hat sich auf Nachfrage bis dato noch nicht geäußert, ob er wieder antreten will. Acht Stimmen dahinter lag Martina Tavaglione aus Flockenbusch. 70 Bürger, die bei ihr das Kreuz machten, bedeuteten 24 Prozent. Auch die 42-Jährige wollte noch keine Aussage zu einer erneuten Kandidatur treffen.

Abgeschlagen unter den vier Bewerbern: Ur-Heddesbacher Heinz Beisel (63) mit elf Stimmen. In der 450-Seelen-Gemeinde waren knapp 400 Bürger wahlberechtigt. Die Ertüchtigung der Kläranlage, ein möglicher Kindergartenneubau und die Attraktivierung des Orts für junge Familien standen im Fokus des Wahlkampfs. 2012 war Hermann Roth einziger Kandidat und wurde mit über 99 Prozent gewählt. Allerdings war die Wahlbeteiligung mit 62,4 Prozent geringer.

 

„Es ist schlimm, was heutzutage wieder passiert“

Der 9. November ist seit jeher ein deutsches Schicksalsdatum. Wird er im geschichtlichen Kurzzeitgedächtnis eher mit der friedlichen DDR-Revolution vor 30 Jahre in Verbindung gebracht, so ist er mit dem 9. November 1938 als Reichspogromnacht eine mahnende Erinnerung, zu welchem schrecklichen Taten die Nazi-Herrschaft fähig war. Die neunten und zehnten Klassen der Oberzent-Schule Beerfelden gedachten den Übergriffen auf jüdische Mitbürger, der Ermordung von Menschen anderen Glaubens und der Zerstörung von jüdischem Eigentum.

Der Rundgang führte von der Schule aus über evangelische Kirche und ehemalige Synagoge zum katholischen Gotteshaus. Auf einem Teil waren auch Vertreter der muslimischen Ditib-Gemeinde dabei. Schulleiter Bernd Siefert nahm zu Beginn Bezug auf den Vorfall in Halle an Jom Kippur. Er verwies auf die Wichtigkeit der Veranstaltung. Die Erziehung zum mündigen Bürger wird in der Schule groß geschrieben, betonte er.

Die Ethik-Klasse 10 von Karin Walther sprach den Impuls. Dann ging es vorbei am Versammlungshaus der muslimischen Gemeinde in der Marktstraße in die gegenüber liegende Martinskirche. Dort freute sich Pfarrer Roger Frohmuth, dass weit über 100 Schüler den mittleren Teil des Kirchenschiffs füllten. „Es ist schlimm, was heutzutage wieder passiert“, dass Leid Vorurteile schürt, nahm der Geistliche Bezug auf aktuelle Entwicklung.

Konflikte würden zunehmend mit Fäusten ausgetragen, warnte der Pfarrer vor einer Verrohung der Gesellschaft. „Das ist keine Art, miteinander umzugehen.“ Für ihn ist es wichtig, die Faust des anderen wieder zu öffnen, „denn Gewalt erzeugt Gegengewalt“. Wie es funktionieren kann, machte Frohmuth anschaulich deutlich.

Zwei Schüler schafften es mit aller Kraft nicht, seine Faust zu öffnen. Das schaffte erst Siefert, indem er mit ausgestreckter, offener Hand auf ihn zuging. „Nicht drauf, sondern einschlagen“, ist deshalb für Frohmuth das adäquate Mittel. Auch wenn es nicht immer leicht sein sollte. Aber: „auf der anderen Seite steht auch ein Mensch.“

Mevlüt Erdogan, Vorstandsmitglied der islamischen Ditib-Gemeinde, ging in seinen in seinen mahnenden Worten auf die mehr als 1400 zerstören Synagogen am 9. November 1938 ein. In ganz Deutschland gab es über 400 Tote. Die jüdische Gemeinde in Beerfelden blicke auf eine 300-jährige Geschichte in Oberzent zurück, sagte er. Bis zu 200 Mitbürger waren es 1861.

„Durch Hetze und Propaganda wurde eine ganze Gemeinde vertrieben und ermordet“, so Erdogan. Auch heute gebe es wieder Probleme: politische Parteien, die Hetze gegen Muslime oder Ausländer betrieben. „Wir sind auch hier, wir sind auch Beerfellmer“, betonte der zweite Vorsitzende. „Lasst nicht zu, dass sich die Geschichte wiederholt“, fordert er die Schüler auf.

An der ehemaligen Synagoge, wo sich heute das „S‘Lagger“ befindet, machte die Gruppen nach einem Schweigemarsch als nächster Station Halt. Das jüdische Gotteshaus war in der betreffenden Nacht vor 81 Jahren abgerissen worden. Im Gegensatz zu anderen in Deutschland zerstörten Synaogen wurde sie nicht gesprengt oder angezündet, da man in der Oberzent-Stadt noch das Trauma des großen Stadtbrandes von 1810 vor Augen hatte.

Die letzten zwölf jüdischen Bewohner wurden im Herbst 1942 – über die Sammelstelle in Darmstadt – „in den Osten umgesiedelt“, wie die Nazi-Propaganda den Weg in die Vernichtungslager euphemistisch beschrieb. Ab Oktober 1942 gab es in Beerfelden keine Juden mehr. „Für diese Menschen haben wir 2012 die Stolpersteine verlegen lassen“, so Siefert.

Jetzt gibt es wieder jüdische Mitbürger in Oberzent, betonte der Schulleiter. Einer war der Einladung gefolgt: Sarig Nachum. Der ging „für die deportierten jüdischen Mitbürger mit“ und lobte am Ende das Engagement von Eltern und Schülern: „Sie machen tolle Aktionen an der Oberzent-Schule.“ In der katholischen Kirche als letzter Station hielt der Erbacher Pfarrer Martin Eltermann ein Plädoyer für den Frieden.

 

Info: Öffentlich ist der Vortrag von Dr. Dirk Strohmenger zur „NS-Zeit im Erbacher Landkreis am Beispiel von Beerfelden“, den er am Donnerstag, 14. November, um 19.30 Uhr in der Aula der Oberzent-Schule hält.

Melodiöse, mystisch-mittelalterliche Klänge von Minotaurus

Mächtige metallische, aber gleichzeitig melodiöse Klänge, etwas mystisch mittelalterlich angehaucht: Was die Band „Minotaurus“ auf die Bühne des Hüttenwerks Michelstadt bringt, ist abwechslungsreich, verspielt, gut gemacht, professionell. Die sechsköpfige Truppe aus dem Odenwaldkreis und dem Aschaffenburger Raum hat an diesem Abend zur großen Feier eingeladen: Die Band gibt es seit 25 Jahren, gleichzeitig ist die neue CD „Victims oft he Underworld“ erschienen.

Minotaurus-Frontmann und Sänger Oliver Klump wird nicht müde, die Fans vor der Bühne zum Mitklatschen und Mitsingen zu animieren. Die Songs haben das Potenzial dazu, denn sie sind – auch wenn die Band ihren Stil als (Folk-)Metal beschreibt – sehr melodisch angehaucht. Reiner Zumkeller aus Hainstadt (Lead-Gitarre und Background-Vocals) hat daran einen großen Anteil. Seine Soli – und die seines Kollegen Jürgen Hermann – kommen warm und voll rüber.

Heavy Metal oder Hardrock mit mittelalterlichen oder Folk-Anklängen ist derzeit sowieso stark angesagt. Saltatio Mortis aus dem Karlsruher Raum sind ein treffendes Beispiel für Gruppen, die den Schritt vom historischen Markt an die Spitze der deutschen Charts längst geschafft haben. Auch „In Extremo“ spielte schon in Wacken. „Leaves Eyes“ mit Mitgliedern aus Ludwigsburg bedienen sich erfolgreich der nordischen Mythologie.

Damit auch die Fans aus der Main-Gegend dabei sein konnten, hatte die Gruppe kurzerhand einen Bus-Shuttle organisiert. Der wurde auch gern von 50 Besuchern angekommen und karrte sie quer durch den Odenwald ins Hüttenwerk. An den vielen Band-T-Shirts ließ sich erkennen, dass sich sowohl die Hörer der ersten Stunde als auch neuere Fans zum Konzert eingefunden hatten.

„25 Jahre Minotaurus, das sind Höhen und Tiefen, wie sie wohl jeder kennt“, erzählt Klump. Angefangen hat das Ganze in einem alten Keller im Hard Rock-Café Aschaffenburg. Schnell wurde aus der Idee, „irgendwie Musik zu machen“, ein Konzept geformt: Es sollte Richtung Fantasy und Mittelalter oder Celtic Folk gehen. Schon entstanden die ersten eigenen Songs. Kleinere und größere Auftritte sowie Achtungserfolge „haben uns weiter angetrieben“, so Klump.

Auch wenn es mal schlechter besuchte Konzerte gab, „konnte uns das nicht aufhalten“. Denn die Mitglieder hatten eine Vision und „verdammt viel Spaß“. Dann kamen der erste kleine Plattendeal und sogar ein erstes Musikvideo. Auch viele Besetzungswechsel bedeuteten keinen Rückschritt. Die Weiterentwicklung war von Album zu Album erkennbar, betont der Sänger.

Die neueste CD „Victims of the Underworld“ dürfte da wohl den Höhepunkt bilden, ist er vom Werk überzeugt. Aufwand, Song-Reife, Struktur und Endergebnis sind bemerkenswert. „Das soll aber nicht die Endstation sein“, hebt Klump hervor. Im Laufe des nächsten Jahres wird ein neuer Videoclip gedreht, kündigt er an.

Während der Minotaurus im Altertum als furchteinflößende Gestalt, halb Mensch, halb Stier, sein Unwesen trieb, hat er heute als Maskottchen der Band eine wesentlich angenehmere Beschäftigung. Mit insgesamt zehn Studioalben hat sich die sechsköpfige Truppe in den letzten 25 Jahren ein solides und abwechslungsreiches Repertoire aufgebaut, das auf der Bühne mit ungebrochenem Enthusiasmus in Rüstungen und Gewandungen dargeboten wird.

Das Gesangsduo an der Spitze, zu dem neben Klump auch Clarissa Hobeck zählt, wird flankiert von einem kraftvollen Instrumentalgespann mit Jürgen Hermann (Gitarre), dem Erbacher Marcus Finger (Bass) und Rouven Zumkeller (Drums) aus Hainstadt. Das Sextett entführt das Publikum in eine faszinierende Welt aus Mythen, Legenden und Heldengeschichten. 25 Jahre, 25 Songs: Die Nacht wurde lang im Hüttenwerk. Es ging zurück in die Anfangszeiten mit dem „Erlkönig“, aber natürlich kamen Stücke aus dem neuen Album wie „Witches Dancing“ ebenfalls zu Gehör. Eine Bereicherung: Regine Brandt auf der Bratsche, die dem Metal einen weichen, melodiösen Klang gibt.

 

Info: Mehr zur neuen CD unter http://www.minotaurus-metal.com

Schachbrett kommt ans Schwimmbad

„Im Hintergrund wird immer geschafft“, hebt Finkenbachs Ortsvorsteher Christian Niesen schmunzelnd hervor. Deshalb nahm er verschiedene Themen auf die Tagesordnung der vergangenen Ortsbeiratssitzung, um deren Fortgang zu dokumentieren. Etwa die Versetzung des Schachfelds. Das wurde von den Ehrenamtlichen am Feuerwehrhaus abgebaut, weil es für den Brückenersatzbau sowieso im Weg gewesen wäre, und beim Schwimmbad wieder errichtet.

Der städtische Bauhof wird dort laut Niesen witterungsabhängig die Vorarbeiten erledigen, damit es die freiwilligen Helfer wieder zeitnah errichten können. In der dortigen „Spielmeile“ für Jung und Alt soll hinter der Kinderschaukel und der Tischtennis-Platte auch noch eine Boccia-Bahn entstehen, informierte er.

Der Altglascontainer am Feuerwehrhaus sieht an dieser Stelle unschön aus. Schon länger versucht der Ortsbeirat deshalb, ihn auf die andere Straßenseite zu bekommen, wo bereits die Altkleidercontainer unterbracht sind. Allerdings steht noch die entsprechende Antwort des Grundstückseigentümers aus, berichtete der Ortsvorsteher.

Damit der Bestatter bei Dunkelheit nicht mit der Taschenlampe auf den Friedhof herumrennen muss, soll am Gebäude eine Außenlampe angebracht werden, lautet der Wunsch des Gremiums. Und das nicht erst seit diesem Jahr. „Darüber wird bestimmt seit 30 Jahren diskutiert“, wies Niesen auf die Dringlichkeit hin.

Übers Winterhalbjahr möchte der Ortvorsteher gerne eine Vortragsreihe im Ort anstoßen, „um die Leute hinter dem Ofen hervorzulocken und zusammenzubringen“. Niesen denkt hier unter anderem an eine Bilderschau mit alten Motiven aus Finkenbach, aber auch die Vorstellung von Rezepten aus Oberzent. Das Thema wurde auf der vergangenen Ortsbeirats-Sitzung schon einmal angesprochen, aber es fehlen noch die Ideen und Rückmeldungen.

Info: Wer Interesse an einer Teilnahme hat, kann sich an Christian Niesen wenden, Telefon 06068/4029, E-Mail chniesen@gmx.de