Beim nächsten Spiel werden die Karten wieder neu gemischt

„Die Quacksalber von Quedlinburg“ heißt das im vergangenen Jahr ausgezeichnete Strategiespiel, das die grauen Zellen am einen Tisch glühen lässt. Nebenan wird ganz konzentriert gewürfelt, damit bei „Mensch ärgere dich nicht“ die richtige Zahl herausspringt. Am dritten Tisch wiederum liegt die Präferenz auf den Kartenspielen. Erst ist es das gute alte Rommé, dann folgt mit „Just One“ eine modernere, diffizilere Ausgabe. Dazu ist der Schrank ist Kellerraum des evangelischen Gemeindehauses prall gefüllt mit einer Vielzahl von Spiel-Varianten, die keine Wünsche offen lassen.

Ob‘s die Karten-Klassiker sind, die bereits von den Großeltern „gekloppt“ wurden, oder die aktuellen Gesellschaftsspiele, bei denen viel Gehirnschmalz eingesetzt werden muss: Auch im Smartphone-Zeitalter hat diese Form der Freizeitbeschäftigung zusammen mit Gleichgesinnten nichts von ihrer Faszination verloren. Das zeigt jeden ersten Freitag im Monat der Spieleabend im evangelischen Gemeindehaus.

Die Idee dazu hatte Stadtjugendpfleger René Tunn, der seit jeher an Gesellschaftsspielen interessiert war. Gesagt, getan: „Zu Beginn testeten wir verschiedene Spiele während des offenen Donnerstags-Treffs“, erinnert sich Tunn. Die Jugendlichen waren von diesen so begeistert, „dass wir uns dazu entschieden, einen monatlich stattfindenden Spieltreff für Jung und Alt in den Wintermonaten zu initiieren“.

„Mindestens zehn Spielinteressierte zwischen elf und 76 Jahren sind pro Veranstaltung da“, freut sich Tunn über die große Resonanz. Außerdem sind noch vier Spieleerklärer dabei, die den Teilnehmern zum einen bei den Grundzügen helfen, zum anderen auch bei Fragen zwischendurch als Ansprechpartner fungieren. Die Veranstaltung bis dato an die 80 Besucher. „Manche kommen einmal pro Spielesaison und andere sind regelmäßig dabei“, hat er festgestellt.

Warum Spielen? „Das eröffnet Lernfelder“, weiß Tunn. Man lernt mit Niederlagen umzugehen und mit anderen Menschen zu kooperieren. „Das Gewinnen sorgt für schöne Erlebnisse“, hat er festgestellt. Eine wichtige Erfahrung ist laut Tunn aber auch, „dass das Verlieren zum Leben dazugehört und schon im nächsten Spiel die Karten neu gemischt werden“. Werte wie Fairness, Respekt, Toleranz und Gleichheit sind genauso wichtig wie Offenheit und der gemeinsame Dialog – egal ob es sich um kooperative Spiele handelt oder man im Wettstreit gegeneinander antritt.

Gesellschaftliche Ereignisse führten Ende 2018 dazu, dass sich eine Gruppe von Spielebloggern zusammentat, um die Wichtigkeit dieser Werte hervorzuheben, erläutert der Stadtjugendpfleger. Innerhalb kürzester Zeit schlossen sich hunderte Spielblogger der Aktion „Spielend für Toleranz“ an. Die Jury des „Spiels des Jahres“ unterstützte sie ebenfalls. „Aktuell steht unser Spieltreff genau unter diesem Motto“, so Tunn. Die Spiel-des-Jahres-Jury sponserte im Dezember den Treff mit einem großzügigen Spielpaket, erzählt er.

Gespielt werden an den Freitagen aktuelle Karten-, Würfel- und Brettspiele wie etwa Looping Louie, Geistesblitz, Klask oder Speed Cups sowie Klassiker wie Dame, Mensch ärgere dich nicht und Rommé. Ob ein kurzes Würfel- oder ein Legespiel oder verschiedene Fungames: „Für jeden ist etwas dabei“, versichert Tunn. Der Einzelne kann aus sich rausgehen, aber auch das Erlebnis in der Gruppe genießen.

Spieleerklärer Tim Koch, ein Mitinitiator des Spieltreffs, ist Jurymitglied beim „Spiel des Jahres“. Durch ihn kommen die Teilnehmer – neben seinem unschätzbaren Wissen auf dem Spielebereich – in den Genuss, jedes Mal Neues ausprobieren zu können, ohne diese Spiele gleich kaufen zu müssen. Er hat beobachtet, dass sich die Spiewle immer weiterentwickeln. „Die sind heute Lichtjahre vom früheren Mensch ärgere dich nicht entfernt.“  Das bei dem Treff am meisten gehörte Geräusch „ist übrigens das Lachen der verschiedenen Teilnehmer“, hat René Tunn beobachtet.

Info: Der nächste Spieleabend findet am Freitag, 5. April, von 18 bis 22 Uhr im Keller des evangelischen Gemeindehauses statt. Mehr Infos bei Stadtjugendpfleger René Tunn unter 06068/7590985.

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Vom Roten Moor in Olfen als Meerjungfrau ans Rote Meer in Ägypten: Stella Stegmann nimmt am Miss Mermaid-Wettbewerb teil

Als Meerjungfrau in den warmen Gewässern des Roten Meeres herumplantschen? Für Stella Stegmann aus dem kleinen Oberzent-Stadtteil wird dieser Mädchen-Traum bald wahr. Die 21-Jährige hat sich für den „Miss-Mermaid-Germany“-Wettbewerb qualifiziert, der ab 31. März im ägyptischen Hurghada stattfindet. Nur gut aussehen reicht aber nicht, betont die Odenwälderin: Sie muss auch schwimmerisch fit sein und sich daneben im Interview beweisen. Für die Einser-Abiturientin des Michelstädter Gymnasiums kein Problem, lächelt sie selbstbewusst.

Geboren in Frankfurt, kam sie mit sechs Monaten in den tiefen Odenwald. Ihre Eltern hatten auch noch den zweieinhalb Jahre älteren Bruder Jannis mit im Gepäck. „Sie dachten sich, es ist schöner, auf dem Land als in der Großstadt aufzuwachsen“, schmunzelt Stella. Es folgte der „klassische Schulweg“, wenn jemand in Oberzent wohnt: Grundschule in der Stried Beerfelden, Oberzent-Schule, Gymnasium Michelstadt.

Schon mit 13 Jahren fing Stella an zu modeln. Seit sie nach dem Abi fürs Duale Studium bei Siemens nach München gezogen ist, „gehe ich das etwas professioneller an“, erzählt die Olfenerin. Sie bereitet sich in der bayrischen Landeshauptstadt auf den Bachelor in Business Administration vor, eine Art international ausgelegtes BWL-Studium.

Da die Teilnehmerinnen des Miss Mermaid-Wettbewerbs sportlich fit sein sollen, kommen der 21-Jährigen ihre bisherigen, vielfältigen Aktivitäten sehr entgegen. „Tanzen ist meine große Leidenschaft“, schildert sie. Ihre ersten Schritte machte sie bei der Tanzschule Hinkelbein in Michelstadt. Stella engagierte sie bereits bei Tanzmodenschauen mit den Schwerpunkt Choreographie. In Olfen unterrichtete sie lange Zumba, in Airlenbach spielte sie Tischtennis.

Der Kontakt zu William Balser, dem Organisator des Meerjungfrauen-Contest, kam im vergangenen Jahr durch ihre Teilnahme an einer Miss Hessen-Wahl zustande. Im Dezember bewarb sie sich und bekam bald darauf die Zusage. „Ich habe vorher vom Meerjungfrauen-Schwimmen noch nie was gehört“, gesteht die Olfenerin. „Das ist eine sehr faszinierende Idee“, sagt sie. Die junge Frau fühlt sich „geehrt“, unter den zwölf Teilnehmerinnen zu sein.

Mit einer von der Firma Magictail zur Verfügung gestellten Flosse durfte sie ausprobieren, wie sich das Schwimmen damit anfühlt. „Ich bin beeindruckt, wie schnell man damit vorankommt und wie ergonomisch es ist“, sagt Stella. Nicht der Fantasy-Effekt, sondern der Sport, den man dabei betreibt, steht für sie im Vordergrund. „Ich bin schon immer gerne geschwommen“, erzählt die 21-Jährige. Jetzt ist es eben noch ein bisschen mehr, um demnächst topfit zu sein.

Daneben übt sie auch das Tauchen, weil es neben dem Fotoshooting auch ein Unterwasserposing geben soll. Das Kostüm gestaltet Stella selbst. Zupass kommt ihr dabei, dass sie schon früher Kleidung selbst genäht und designt hat. Perlen und Muscheln kommen logischerweise zum Einsatz, damit es nach Meer aussieht. Hinzu kommt eine Show, die jede Teilnehmerin selbst einstudieren soll und so ihrer Kreativität freien Lauf lassen kann. „Ich finde es schade, dass Models oft aufs Äußere reduziert werden“, sagt sie. „Dabei ist es doch intelligent, die eigene Schönheit zu nutzen“, meint die Einser-Abiturienten.

Die Wahl-Münchnerin aus Olfen „liebt es, zu den Eltern in den Odenwald zurückzukommen“, fühlt sich aber auch in Bayern sehr wohl. Stella freut sich über die bevorstehenden „zwei Wochen Wärme mit den anderen Mädels“. Untergebracht sind die im Sechs-Sterne-Hotel „Baron Palace“ in der Bucht Sahl Hasheesh bei Hurghada, einem opulenten Strandresort. „Ich liebe es zu reisen“, erzählt sie. Nach der Schule legte sie deshalb ein sechsmonatiges Auslandssemester in Südafrika ein.

„Ich habe sicher keine schlechten Karten“, übt sich Stella in Understatement. Sie möchte natürlich beim ersten Wettbewerb dieser Art, an dem sie teilnimmt, auf jeden Fall aufs Treppchen. Im Verwandten- und Freundeskreis sorgte ihre Teilnahme erst einmal für Schmunzeln, erinnert sie sich. Als Stella dann den Hintergrund erklärte, „sahen die es unter einem anderen Blickwinkel“. Ihre Eltern werden das Abschneiden der Tochter zuhause über die sozialen Medien verfolgen. „Sie sind sehr stolz auf mich“, weiß die 21-Jährige.

Info: www.missmermaid.de oder www.facebook.com/events/331345910853125/

 

Narren setzen in Beerfelden dem Regen ein Helau ohne Ende entgegen

Wohl dem Narr, der sein Regencape mit im Gepäck hatte. Ganze 20 Minuten hörte der Regen beim Umzug in Beerfelden auf, um dann aber in Form von Graupel wieder umso stärker einzusetzen. Der guten Laune der Mitwirkenden tat dies keinen Abbruch. Lautstarkes Helau erschütterte ein ums andere Mal die Innenstadt, wo sich am Metzkeil die meisten Schaulustigen versammelt hatten. Insgesamt waren es weniger Besucher als sonst, die sich auf die Straße getraut hatten, um den nassen Narrenwurm in Augenschein zu nehmen.

Ein kleines Tränchen gab’s bei „Margrets Gymnastikfrauen“ vom TVB zu verdrücken. Die sind schon ein Vierteljahrhundert beim Umzug dabei „und heute sagen wir Goodbye“. Die Fußgruppe nahm das letzte Mal teil. Aber natürlich entsprechend lautstark und farbenfroh in allen Bonbonpapier-Schattierungen. Der TV Hetzbach nutzte die Gelegenheit, auf die Feierlichkeiten zu seinem 100. Jubiläum hinzuweisen. Höhepunkt ist am letzten Juni-Wochenende.

Die Carnevalsgesellschaft CGB fuhr ganz groß auf: Großer Elferrat, Große Garde, Kleine Strolche, Kleiner Elferrat, Minimäuse, Tanzmäuse, kleines Prinzenpaar, Kleine Garde und Funkenmariechen waren neben den Dream Girls und den Wild Angels am Start, um die Zuschauer von der unschönen Witterung abzulenken. Regenponchos gab’s in allen durchsichtigen Farben.

Der Elferrat in seinem großen Narrenschiff hatte alles richtig gemacht und das Sonnensegel gesetzt. Dummerweise folgte danach der Brexit-Wagen der Jungen Union, der typisch englisches Mistwetter mitgebracht hatte. „England verschwindet, Oberzent verbindet“, setzten die JU-Leute auf Harmonie. Partymucke bei den „Freestylers“: Das Männerballett aus Sensbachtal brachte heiße Klänge aus dem Tal der Liebe mit.

Kamele sind derzeit des Öfteren in natura auf Deutschlands Straßen unterwegs. Die CGB-Männer der „Blutdruckmesser“ importierten ihr vermenschlichtes Höckertier allerdings direkt aus Ägypten, wohin sie auch als Mumien bei „Walk like an Egyptian“ lautstark entführten und mordsmäßig Radau machten. Getreu dem diesjährigen Motto: „Die Mumie singt, das Kamel lacht – Beerfelden feiert Fassenacht.“ Überhaupt, die Tiere: Der kleine Elferrat war mit einem kompletten Zoo unterwegs wie auch verschiedene Fußgruppen der Fantasie freien Lauf ließen. Derzeit immer angesagt: Einhörner.

Ob’s wohl Absicht war? Den „Chaostrupp“ hatten die Zugmarschalls Volker Grohmann und Jürgen Rüting ganz nach hinten platziert (damit er keinen Unfug macht?), während vorn die anderen Gruppen tapfer den Metzkeil erklammen, wo die größte Faschingsmeute auf sie wartete. Über Marktstraße, Geißgasse, Kirch-, Jahn- und Odenwaldstraße ging’s wieder am Metzkeil vorbei, um dann über Gammelsbacher, Neue und Hirschhorner Straße zur Alten Turnhalle einzubiegen, wo es endlich trocken wurde. Denn während der zweiten Hälfte des Umzugs schüttete es so kräftig, dass es alle erwischte.

Der TV Gammelsbach nahm sich die fehlenden Ehrenamtlichen zur Brust und sah das Schiff schon am Untergehen. Mit Schlachtboot und Rettungsringen hatten sich die Mitglieder dafür gerüstet. Passte auch zum Wetter. „Wenn keener mei im Veroin was macht, is irgendwann Schicht im Schacht“, hieß es. Der „Wohnwagen Rothenberg“ musste aufgrund der Witterung kurzfristig absagen, da er mitsamt der Musikanlage nicht für das regnerische Wetter ausgelegt war.

Bei knapp 30 Zugnummern schätzte Sitzungspräsident Robin Hemberger die Teilnehmerzahl auf 300. Vom CGB waren alle Gruppen dabei. „Ich denke mal exakt 111 Leute“, grinste er. Den Umzug durch die Stadt am Berge gibt es seit den 50er Jahren. Die Zuschauerzahlen „waren schon immer locker vierstellig“, freute er sich.

Schriftstellerin Lena Gorelik stellte den Neunt- und Zehntklässlern an der Oberzent-Schule ihr Buch „Mehr Schwarz als Lila“ vor

Den Oberzent-Schülern begegnete Schriftstellerin Lena Gorelik als „sehr authentische, sympathische und entspannte Persönlichkeit“, sagten sie nach der Lesung. Die 38-Jährige stellte der neunten und zehnten Klassenstufe ihr aktuelles Jugendbuch „Mehr Schwarz als Lila“ vor. Einige Schüler hatten bereits im Vorfeld einige weitere Bücher von ihr erstanden und freuten sich auf die Lesung. Die Jugendlichen bekamen einen „sehr interessanten Einblick in das Leben als Autorin“, lautete eine weitere Rückmeldung.

Lena Gorelik wiederum freute sich über die Begrüßung von einzelnen Schülern zu Beginn der Lesung. Sie war sehr angetan von deren Interesse an ihrer Arbeit fühlte sich an der Oberzent-Schule wohl. Den Austausch danach „empfand ich als sehr angenehm, offen und wertschätzend“, so die 1992 nach Deutschland gekommene Autorin.

Die 1981 in Leningrad/Russland geborene Gorelik erzählt in ihrem Roman von einer überforderten Siebzehnjährigen, die der Welt mit Witz und einer Spur notwendigem Stolz gegenübertritt. Wie nebenher wirft die Schriftstellerin Fragen auf – wie kann man Erinnerung vermitteln, wie frei kann man sein? Vor allem aber geht es ums Erwachsenwerden und um die Bilder, „die wir von uns selbst und anderen haben“.

Im Buch konnten sich viele Neunt- und Zehntklässler wiederfinden: Denn Alex trägt lieber Schwarz als Lila, wie schon der Buchtitel suggeriert. Zum Inhalt: Ihr Vater schweigt die meiste Zeit, und ein Papagei soll ihre Mutter ersetzen. Auf der Klassenfahrt nach Polen küsst die Jugendliche von lauter Gefühlen überrannt Paul – am unpassendsten Ort der Welt, in Auschwitz. Jemand fotografiert sie, das Bild geistert durchs Netz, und dann reden alle über Alex und die Jugend von heute, der Papagei entfliegt, und Alex erkennt: „Jetzt ist das Leben da, und zwar mit voller Wucht.“

Dramaturgisch äußerst geschickt werden erinnerungskulturelle Aspekte und moralisches (Fehl-)Verhalten sowie gängige Topoi wie Freundschaft, Liebe, Außenseitertum und Trauerbewältigung miteinander verknüpft, heißt es über das Buch in der Nominierung für den deutschen Jugendliteraturpreis 2018. Gorelik wird „eine an Metaphern reiche Sprache, das virtuose Ausprobieren und Durchbrechen von Sprachkonventionen sowie die intertextuelle Dimension“ attestiert.

Die Lesung wird zum Großteil vom „Leseland Hessen“ finanziert und mit Gabriele Setzer von der Bücherstube in Beerfelden ein Jahr im Voraus geplant. In Absprache mit den anderen Deutschkollegen „haben wir uns für Frau Gorelik entschieden“, berichtete Lehrerin Derya Özdemir. Sie organisierte dann in Zusammenarbeit mit der Bücherstube die Lesung. Gefördert wird das „Leseland“ durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Lena Gorelik las jeweils eine Stunde aus „Mehr Schwarz als Lila“. In den anderen 30 Minuten entstand nach Eindruck von Özdemir „ein sehr angenehmer Austausch“, bei dem die Schüler sehr viele Fragen zum Autorenleben stellten. Am Bücherstand von Gabriele Setzer gab es die Möglichkeit, einige Werke der Schriftstellerin zu erstehen, um sie dann signieren zu lassen. Die Original-Unterschrift war stark nachgefragt.

Lena Gorelik emigrierte 1992 mit ihrer russisch-jüdischen Familie nach Deutschland. Sie erhielt ihre Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München. Die Autorin veröffentlicht sowohl belletristische als auch wissenschaftliche Texte und Reiseliteratur. Sie ist Mitglied der Autorenedition Sarabande. In unregelmäßigen Abständen verfasst sie Beiträge für Deutschlandradio Kultur und schreibt über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen.

„Leseland Hessen“ ist das größte Literaturfestival des Landes. In über 40 Städten finden jedes Jahr zwischen Ende September und Mitte November etwa 150 Lesungen statt. Zusätzlich zu den öffentlichen Lesungen gibt es nicht-öffentliche Schullesungen. Leseland Hessen fand erstmals 2003 statt und wird seit 2013 vom Hessischen Literaturforum im Mousonturm in Frankfurt durchgeführt, organisiert und koordiniert.

Narrhallas Narren lassen es krachen

Von dem bisschen Wind lassen sich Narrhallas Narren nicht die Feierstimmung wegblasen. Sturmtief „Bennet“ wurde am Rosenmontag einfach ausgesessen. Am Nachmittag waren Orkan und Regen durchgezogen, sodass dem Faschingsumzug durch die Narrenhochburg des Finkenbachtals nichts mehr im Wege stand. Trockenes Wetter, noch erträgliche Temperaturen und 31 ideenreiche Zugnummern bescherten dem Verein wieder einen großen Ansturm zum Nachtumzug.

Besonders am Moderationsstopp kurz vor der Abzweigung zur Sporthalle herrschte großer Betrieb, da die Narren dort auch eine Verpflegungsstation aufgebaut hatten. Dort schwenkte die vorausgehende Guggemusik des Fanfarenzugs Wiesenbach ein und beschallte anschließend die Gäste. Der 15. Rosenmontagsabendumzug im 36. Jahr der Narrhalla wurde an allen Ecken und Enden mit einem lautstarken Helau begrüßt.

31 Fußgruppen, Garden und Motivwagen zogen vom Alten Schulhaus aus über die gesperrte Landesstraße durch den Ort. Danach stieg in der Sporthalle die große Hawaii-Party im Trockenen und Warmen. Die meisten Zuschauer versammelten sich rund um den Dorfbrunnen an der Abzweigung zum Himmelreichweg, wo sie mit Speisen und wärmenden Getränken versorgt wurden. Zugmoderator Carsten Werner kündigte dort die jeweiligen Gruppen und Zugnummern an. Feuerwehr und DRK umrahmten den Narrenwurm.

Die Gäste sparten nicht mit aufmunternden Fastnachts-Rufen für die weit über 200 Aktiven, ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. Erste Auflage des Umzugs war bereits im Jahr 2005 anlässlich des 22. Die Veranstalter vom SV stellten mehr als die Hälfte der Gruppen, darunter – neben anderen – Dancing Starlets, Minischautanzgruppe, Next Generation, Happy Feet, SV-Funken, Männerballett Biergorgler oder die Showtanzgruppe Crazy Girls.

Das Oberzent-Prinzenpaar Trudi und Jupp aus Rothenberg sowie Funkenmariechen Paula Manschitz beschlossen die große Demonstration fastnachtlicher Macht aus dem Oberzent-Stadtteil. Aus Hirschhorn war das Lachsbachperlen-Kinderprinzenpaar Aliyah I. und Elias I. mit Funkenmariechen Josephine dabei.

Auf der Suche nach Dagobert Ducks Tresor machten die Panzerknacker des badischen Äppelwoiteams Heddesbach eine Tour nach Hessen und brachten mit heißer Musik und tanzwütigen Insassen Hainbrunn zum Beben. Die „Wilde 13“ aus Brombach ließ allerlei Clowns aufmarschieren. Auch die Sensbachtaler Fastnachtsfreunde waren mit Elferrat und Garden auf Tour. Der „Wohnwagen Rothenberg“ hatte mal sich der Klempnerkrise angenommen und wieder einen Hingucker gebaut. „Super Mario“ richtet’s, hieß es bei ihnen.

Die Hirschhorner Ritter waren mit Prinzengarde und dem aktuellen Prinzenpaar Ulli I. und Mathias II. vertreten. Alle zusammen liefen sie dann in die Sporthalle ein, um dort schwupps auf Hawaii  anzukommen. Das Aufbauteam des SV Narrhalla hatte ganze Arbeit geleistet. An der Tiki-Bar blieben keine Wünsche offen. Mit lautem „Aloha“ wurden die Gäste begrüßt. Verführerische Südseeschönheiten stillten mit leckeren Cocktails, aber auch fastnachtlichen Standardgetränken den Durst der Narren.

Die Spenderniere schenkte Klaus Schäfer ein zweites Leben

Es war ein ganz besonderes Jubiläum, das Klaus Schäfer jetzt feierte. Keines, das Arbeit oder Vereinsmitgliedschaft betraf, sondern ein seltenes: Der 62-Jährige hat seit inzwischen 30 Jahren eine Spenderniere. „Nur wenige Menschen leben so lange mit einem ‚Ersatzteil‘ im Körper“, freut sich sein Sohn Mirko. Sein Vater klopft auf Holz: „Ich hatte in der ganzen Zeit nie wirklich Probleme.“ Durch die Transplantation „wurde mir ein zweites Leben geschenkt“. Er blickt optimistisch nach vorn: „Toi, toi, toi“, grinst Schäfer.

Als er im Februar 1989 das Spenderorgan transplantiert bekam, waren solche Eingriffe auf dem Land noch ziemlich selten. Deshalb musste er dafür nach Heidelberg in die Chirurgie, erinnert sich der Beerfeldener. Er litt unter einer chronischen Nierenentzündung, weswegen die Filter nicht richtig arbeiteten. Hoher Blutdruck und fortwährende Müdigkeit waren die Folge. Da der 62-Jährige in Darmstadt arbeitete, hatte er die Möglichkeit, dort zu einem Facharzt zu gehen. Denn im Odenwald waren diese Spezialisten und auch die Dialyse noch nicht weit verbreitet. Heute ist es anders, da sind Erbach oder Bad König nähere Möglichkeiten

Ein halbes Jahr lang war Schäfer Stammgast für die Dialyse. In dieser Zeit „fuhr meine Frau immer mit und lernte das Punktieren“. Denn die stationären Plätze waren Mangelware, es gab noch die nicht die Dialysezentren wie heute. Die Folge: Heimdialyse. Immer fünf Stunden. Dazu kam die Arbeit. Zum Glück war sein Arbeitgeber kulant, sodass Schäfer in dieser Zeit nur noch halbtags ran musste. Ein knappes Jahr später, Ende 1988, kam der vermeintlich erlösende Anruf, dass ein Spenderorgan gefunden sei. „Aber leider war die Niere nicht kompatibel.“

Im Februar 1989 klappte dann alles. Drei Stunden dauerte die OP und zeitigte schnellen Erfolg. Der wichtige „Kreatinin-Wert“, ein Stoffwechselprodukt, sank von 13 vor der Operation innerhalb von zwei Wochen auf 2,5. Normal ist unter 1. „Der Wert sank dann immer weiter“, erinnert sich Klaus Schäfer. Heute, 30 Jahre später, steigt er wieder an, weil die Spenderniere langsam, aber sicher schlapp macht. Was für den gebürtigen Beerfeldener aufs Neue eine Dialyse nötig machen könnte. So weit will er aber noch nicht denken. „Sie hat nicht mehr die Leistung wie zu Beginn, aber ich kann damit gut leben“, sagt er.

Das Spenderorgan hat sich schon mehr als wacker geschlagen. „Damals sagte man mir, die Niere würde fünf bis sieben Jahre halten“, erinnert er sich. Durch Internet-Recherche kam er dann auf eine mögliche Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren. Heute sind es schon 30. Womit bereits alle Statistiken wiederlegt wären. Die Wasserflasche ist heute ein ständiger Begleiter von Klaus Schäfer. Bis zu sieben Liter musste er nach der OP trinken, „damit die Niere anspringt“. Auch heute noch sollten es mehrere sein. Dem Alkohol und Rauchen hat er vor einiger Zeit abgeschworen.

Über die Transplantation machte sich der 62-Jährige nie viele Gedanken. „Ich habe es so hingenommen“, sagt er. „Ich sehe die Niere nicht als fremdes Organ an“, betont Schäfer. „Ich habe sie sofort als mein Körperteil akzeptiert“. Er hinterfragte auch nie die Identität des Spenders, sondern ist diesem einfach nur dankbar.

Im Alltag „wird es mir überhaupt nicht mehr bewusst, dass ich eine Spenderniere habe“, so der Beerfeldener. Wie das Wasser sind aber auch Tabletten sein ständiger Begleiter. „In 30 Jahren dürfte ich inzwischen 165.000 genommen haben“, schmunzelt er. Zur Herabsetzung des Immunsystems, gegen die Abstoßung, zur Blutdruck- oder Blutfettregulierung. Alle vier Wochen steht die Kontrolle beim Arzt an. „Manchmal stimmen dann die Werte nicht und die Medikamente müssen umgestellt werden“, weiß er.

Schäfer ist allen dankbar, die sich zu einer Organspende bereiterklären „und anderen damit womöglich das Leben retten“. Sein Beispiel animierte einige Bekannte, sich einen Organspenderausweis zuzulegen. „Ich würde mit Sicherheit auch Organspender sein, wenn es möglich wäre“, betont er.

Info: Mehr zum Thema Organspende und entsprechendem Ausweis unter http://www.organspende-info.de/organspendeausweis

Auf Ober-Hainbrunns Straßen: Eine Ansammlung von Abplatzungen, Absenkungen und Rissen

Im kleinen Stadtteil stehen größere Straßensanierungen an. Der Ortsbeirat beschäftigte sich auf seiner vergangenen Sitzung mit der entsprechenden Prioritätenliste. Thema war daneben die Möglichkeit der Finanzierung von Straßensanierungen, wie sie bereits einmal in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt worden war. Es gibt einmalige oder wiederkehrende Beiträge ebenso wie gar keine oder eine Umlegung auf alle kommunale Steuerzahler.

Alle Ortsstraßen waren im Vorfeld der Sitzung durch den Ortsbeirat in Augenschein genommen worden. In der oberen Talstraße gibt es den vorrangigsten Bedarf, erläuterte Ortsvorsteher Stefan Hofmann. Es folgen: Im Himmelreich, Mühl- und Poststraße sowie der Vorplatz der Sporthalle. Im Zusammenhang mit dem Flurbereinigungsverfahren gab es den Wunsch um genauere Klärung an die Stadtverwaltung, welche Abschnitte der Poststraße und des Panoramawegs dort enthalten sind. Daneben möchte man wissen, ob im Doppelhaushalt 2019 und 2020 Gelder für das Flurbereinigungsverfahren „Straßen und Wege Ober-Hainbrunn“ eingeplant sind.

Wie Hofmann erläuterte, ist die Obere Talstraße im mittleren Bereich zwischen den Hausnummern 6 und 8 auf etwa 50 Meter Länge stark beschädigt. Im Himmelreich gibt es punktuell starke Absenkungen. Der Seitenabzweig bei Nummer 9 und 9a ist in sehr schlechten Zustand. In der Mühlstraße stellte der Ortsbeirat Rissbildungen und Senkungen auf der kompletten Länge mitsamt einem schlechten Allgemeinzustand fest.

Die Poststraße ist nach Beobachtung beim Ortstermin in einem mittleren Zustand. Kanalhaltungen, Schieber und Hydranten sind oft abgesenkt. In einigen Bereichen gibt es Risse und Absenkungen. Im oberen Bereich ist die Regenwasserführung ungenügend. An zwei Stellen gibt es bei Frost regelmäßig dicke Glatteisplatten. Der obere Teil ab Kreuzung Obere Talstraße ist laut Hofmann in der Flurbereinigung. Er befindet sich in sehr schlechtem Zustand. „Wasserführung ungenügend, Wasser dringt durch Asphaltdecke, Schlaglöcher“, stellte Hofmann hier fest.

En Sorgenkind ist ebenso der Parkplatz an der Sporthalle. Der Vorplatz ist uneben, daneben stellte man Risse im gesamten Bereich fest. Eine Vergrößerung der Flächen etwa mit Rasengittern wäre wünschenswert, so der Vorschlag. Die Schotterflächen weisen darüber hinaus viele Schlaglöcher auf. Der Verbindungsweg vom Sägewerk an der Heckenmühle nach Rothenberg wurde zur Hälfte bereits saniert. Der untere Teil ist allerdings in sehr schlechtem Zustand, so Hofmann: Abplatzungen, Absenkungen, Risse.

Der Panoramaweg ist eigentlich nur noch eine Buckelpiste und „auf seiner kompletten Länge in sehr schlechtem Zustand“. Unzählige Schlaglöcher, Wurzelanhebungen der Asphaltdecke, Absenkungen und Risse sahen die Mitglieder des Ortsbeirats bei ihrer Inaugenscheinnahme. Durch Befahren des „grünen Planwegs“, eines in den 60/70er Jahren geteerten Feldwegs, mit 25-Tonnern der Müllabfuhr werde dieser überlastet, denn das zulässige Gesamtgewicht beträgt zwei Tonnen, weil er keinen guten Unterbau hat. Er ist im Flurbereinigungsverfahren.

Der Verbesserungsvorschlag aus dem Ortsbeirat sieht wie folgt aus, dass eine Wendemöglichkeit bei den Hausnummern 6 und 8 auf dem städtischen Grundstück geschaffen werden soll, sodass die Müllabfuhr den asphaltierten Feldweg nicht mehr befahren muss. Eine weitere Wendemöglichkeit an der Kreuzung zur Poststraße wäre ebenfalls sinnvoll. Dies könnte laut Hofmann im Zuge der Flurbereinigung erfolgen, da dann sowieso Ausweichen eingeplant sind.

Die Nachfrage beim Bauhof hat ergeben, dass die Hundetoiletten nach dem Heckenschnitt voraussichtlich im März oder April aufgestellt werden, informierte der Ortsvorsteher. Bis auf den Flur ist der Untergrund Wänden, Decken und Böden im alten Schulhaus fertig, so Hofmann weiter. Dies gilt ebenso für den Raumgrundputz, die Isolierung bis auf den Flur, Wasser, Estrich und zu 90 Prozent Elektro.