Schönes Erholungsgebiet direkt am Haus

Die Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl Beerfelden bekommt einen Park für Bewohner und Besucher. Er wird gerade auf der Ostseite auf einer Fläche von etwa 16.000 Quadratmetern angelegt. Die Maßnahme wird durch das Büro für Landschaftsökologie Heuer & Döring begleitet und im Vorfeld mit der Unteren Naturschutzbehörde des Odenwaldkreises abgestimmt. Das Projekt dient auch als Ausgleich für bereits erfolgte und zukünftige Baumaßnahmen.

Der Residenzpark wird jetzt angelegt, da der bereits bestehende Garten bei einer möglichen Erweiterung der stationären Pflegeeinrichtung weichen müsste. Für diese Flächen wird zurzeit ein Bebauungsplan in Zusammenarbeit mit der Stadt Oberzent erarbeitet, so Geschäftsführer Michel Vetter. Der zukünftige Park wird von einheimischen Bäumen, Sträuchern und Hecken eingerahmt.

So wurden bereits über 90 Bäume, davon 40 Streuobst-, und knapp 1000 Heckengewächse gepflanzt. Außerdem wurden zwei großzügige Obstbaumplantagen im inneren des Parks angelegt, die aus heimischen hochstämmigen Apfelbaumsorten sowie aus Birn-, Kirsch- und Zwetschgenbäumen bestehen. Bei der Auswahl der Apfelbäume wurde der Schwerpunkt auf zum Keltern geeignete gelegt, um die geernteten Äpfel beim jährlichen Kelterfest verarbeiten zu können.

Die Bepflanzung der Parkanlage trägt maßgebend dazu bei, für viele Arten, wie beispielsweise für Vögel, einen neuen Lebensraum zu schaffen. Im Residenzpark wird es darüber hinaus eine Lindenallee geben, durch die Bewohner und Besucher an heißen Sommertagen beschattet spazieren gehen oder auf Bänken verweilen können, teilt Vetter mit. Auf dem Parkgelände soll später noch für Bewohner und Besucher ein kleines gastronomisches Angebot entstehen, wo auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden können.

Außerdem sind ein Streichelzoo und ein Teich geplant. Für die jüngsten Besucher ist ein Spielplatz vorgesehen. Der Geschäftsführer freut sich, dass es mehrere Aussichtspunkte mit Blick in das schöne Mümlingtal geben wird. Mit einem Rundweg und Verbindungswegen soll somit ein schönes Erholungsgebiet direkt am Haus entstehen.

Umgesetzt wird dieses landschaftsgärtnerische Projekt wieder in Eigenleistung durch die Pflegestiftung Odenwald, die dabei in einem engen Austausch mit der beauftragten Baumschule steht. Öffentliche Zuschüsse gibt es nicht, betont Vetter – wie das bereits in der Vergangenheit bei eigenen Projekten der Fall war.

1000 Sterne für die Pflegebedürftigen

Große Freude für die Senioren im Haus Henneböhl Beerfelden: Sie wurden im Rahmen der rotarischen Weihnachtsaktion „1000 Sterne“ von lokalen Mitgliedern des Rotary-Clubs Erbach-Michelstadt besucht. „Advent im Odenwald – einmal ganz anders“ hieß die Devise. Lieb gewonnene Gewohnheiten und Traditionen können derzeit in vielen Bereichen nicht mehr durchgeführt werden, so etwa das traditionelle Benefizkonzert „Advent im Odenwald“ in der evangelischen Stadtkirche in Erbach.

„Durch den Erlös konnten wir 30 Jahre lang viele gute Zwecke unterstützen und fördern“, erläutert der amtierende Präsident, Beerfeldens Pfarrer Roger Frohmuth. Er bedauert es sehr, „dass diese schöne Veranstaltung leider nicht stattfinden kann“. Kurzerhand wurde stattdessen die „Aktion der 1000 Sterne“ ins Leben gerufen.

Alle Clubfreunde schwirrten aus und besuchten die 29 Pflegeeinrichtungen im Odenwaldkreis. Im Gepäck hatten die Rotarier für die jeweiligen Bewohner einen Weihnachtsstern und -gruß. Clubmitglied Prof. Peter Beckenhaub gestaltete die Grußbotschaft. „Wir sind trotz aller Kontaktbeschränkungen in dieser besonders schwierigen Zeit in Gedanken bei den Heimbewohnern“, betonte Frohmuth.

Umrahmt wurde die Übergabe mit Gesang und Musik. Anthony Rosin (Schlagzeug), Nils Haushammer (Gitarre) und Silas Daum (Trompete) aus der fünften Klasse der Oberzent-Schule sorgten mit Musiklehrer Andreas Weinmann sowie Deutsch- und Ethiklehrer Erdogan Suna dafür. Anthony Rosin überbrachte die Grüße der Schule und trug ein Gedicht passend zur Weihnachtszeit vor.

Die Ehrenamtlichen dachten aber auch an all diejenigen, die in den Einrichtungen eine unverzichtbarere Arbeit leisten. Für die 1500 Pflege-Beschäftigten im Odenwaldkreis hatten die Rotarier einen Präsentkorb als Anerkennung im Gepäck. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass niemand vergessen wird. Die Geschenk-Taschen wurden gespendet von der Firma Bernhard Koziol.

Solidarität und Respekt gebühren den Beschäftigten, hob der Pfarrer hervor. „Was sie über die letzten Monate hinweg geleistet haben und weiterhin leisten werden, verdient unsere allergrößte Hochachtung und Wertschätzung.“ Enthalten ist im Präsentkorb eine Packung eines speziellen Kaffees, dessen Kauf das rotarische Projekt „End Polio now“ zur Ausrottung der Kinderlähmung unterstützt.

Von Erbach schwärmten die knapp 30 Rotarier in einer Sternfahrt in alle Himmelsrichtungen aus. Oberzent, Erbach-Michelstadt, Gersprenztal sowie Höchst und Bad König hießen die angesteuerten Regionen. „Viele Gaben – ein Geist“ lautet das Motto, unter das der Präsident das neue rotarische Jahr gestellt hat. Das passt zum evangelischen Pfarrer, denn es ist ein biblisches. Der Apostel Paulus bezieht das auf seine Gemeinde in Korinth – Roger Frohmuth bezieht es auf den Rotarischen Club.

Weiter besonderer Schwerpunkt der Wohltätigkeitsarbeit des Rotary-Clubs ist die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen. Ebenso wird in der Vorweihnachtszeit in Zusammenarbeit der Sparkasse Odenwaldkreis die Aktion Wunschbaum durchgeführt. Die Geschenke gehen an Kinder des Frauenhauses in Erbach, an besondere Schüler der Oberzentschule und die Pflegekinder des Odenwaldkreises. Im Sommer 2022 wird der Rotary-Club seinen schon 50 Jahre währenden Dienst zum Wohle am Nächsten feierlich begehen.

Oberzent führt Zweitwohnungssteuer ein

80.000 bis 100.000 Euro: Diese jährlichen Mehreinnahmen erhofft sich Oberzent von der Einführung einer Zweitwohnungssteuer. Zwar ist der einmalige Verwaltungsaufwand zu Beginn hoch, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer der in der Sporthalle tagenden Stadtverordneten-Versammlung. „Aber es lohnt sich“, fügte er hinzu.

Bereits vor der Fusion 2018 hatte es in Rothenberg eine solche Steuer gegeben. Sie war danach erst einmal ausgesetzt worden, da sie in den anderen drei Gemeinden nicht existierte. Die Zweitwohnungssteuer bildet eine Möglichkeit, weitere willkommene Steuereinnahmen zu generieren, so Kehrer. Sie ist „für den Haushalt der Stadt notwendig“, sagte er.

Das Stadtoberhaupt betrachtete diese Steuerart „auch als regulierenden Faktor“. Denn oft würden dann Erst- und Zweitwohnsitze angepasst. Wird der Erstwohnsitz in Oberzent angemeldet, hat es den positiven Effekt, dass die Stadt von den höheren Einkommensteueranteilen profitiert. Kehrer nannte um die 800 Personen, die derzeit nicht ihren Hauptwohnsitz in der Stadt haben.

Eine Regulierung über die Grundsteuer funktioniert nicht, entgegnete er auf eine Nachfrage von Thomas Väth (Grüne). Brigitte Heckmann (SPD) bekannte, erst einmal „Bauchweh“ wegen des Verwaltungsaufwands gehabt zu haben. Unterm Strich sah sie aber die Vorteile.

Sie berichtete aus den Erfahrungen in Kortelshütte: Viele hätten nach Einführung der Steuer ihren Erstwohnsitz in der Altgemeinde Rothenberg angemeldet, wusste sie. Das wiederum, ergänzte Wilfried Friedrich (ÜWO), bedeutete dann finanzielle Vorteile, da es durch mehr Einwohner höhere Schlüsselzuweisungen gab.

„Wer hier wohnt, soll auch seinen Beitrag für die Kommune leisten“, sprach sich Horst Kowarsch (Grüne) ebenfalls dafür aus. Denn Personen, die nur ihren Zweitwohnsitz in Oberzent gemeldet haben, nutzen ebenfalls die komplette Infrastruktur. Positive Signale sendete ebenfalls Oliver von Falkenburg (CDU) aus, womit der einstimmigen Verabschiedung nichts im Weg stand.

Im Ausschuss war im Zuge der Diskussion daneben angesprochen worden, dass mit der Erhebung einer Zweitwohnungssteuer große Gebäude, „die wenig oder gar nicht genutzt werden, vielleicht an den Markt gebracht werden“. Als weiterer Vorteil wurde genannt, dass damit auch das Einwohnermeldewesen bereinigt wird.

Oberzent: Keine Steuer für Jagdhunde

Jagdhunde und Nachsuchengespanne sollen ebenfalls von der Hundesteuer ausgenommen werden. Diese Ergänzung der Satzung beschloss die Stadtverordneten-Versammlung Oberzent bei ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr auf Antrag von Oliver von Falkenburg (CDU). Die Grünen hätten sich Ausnahmen nur auf Antrag und nicht gleich schriftlich festgezurrt gewünscht, scheiterten aber mit diesem Ansinnen. Die eigentliche Satzung wurde dann einstimmig verabschiedet.

Der CDU-Sprecher wollte im ländlichen Raum Jagdhunde mit entsprechender Qualifikation als Teil der wertvollen Arbeit der Oberzent-Jäger wahrnehmen. Das sei zweckmäßig, so von Falkenburg. Die Jäger verrichten seiner Meinung nach „mit ihren treuen und qualifizierten Begleitern“ freiwillige Aufgaben zum Wohl der Allgemeinheit. Sie leisten weiterhin einen Beitrag zur öffentlichen Daseinsvorsorge.  

Der CDU-Sprecher wies darauf hin, dass die Jagd und die damit einhergehenden Aufgaben im Odenwald „gelebter Naturschutz“ sind. Sie tragen zum Erhalt der Lebensgrundlagen bei. Das Zusammenspiel von Mensch und Tier sollte deshalb auf diesem Weg mit einer Steuerbefreiung honoriert werden, wenn das von den Hundehaltern so beantragt wird.

Der Hessische Städte- und Gemeindebund empfiehlt in seiner Mustersatzung keine Befreiung, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Allerdings wird auch nicht explizit davon abgeraten, ergänzte er. Das Stadtoberhaupt machte aber die Einschränkung: Wenn Jagdhunde mit aufgenommen werden, sollte das unter anderem auch mit Rettungshunden geschehen. Er wünschte sich deshalb, eine Einzelfallentscheidung dem Magistrat zu überlassen. Sonst mache man ein Fass auf.

Das befürchtete auch Thomas Väth (Grüne). Sein Gedanke, dass aus dem Tierheim stammende Kampfhunde dadurch befreit sein könnten, weil normalerweise auf Tierheim-Hunde keine Steuer erhoben wird, trifft nicht zu, entgegnete der Bürgermeister. Das ist in der Satzung entsprechend explizit geregelt.

Positiv äußerte sich Thomas Ihrig (SPD) zum CDU-Ansinnen. Auf dem Land „leisten die Förster viel fürs Allgemeinwohl“, betonte er. Deshalb macht eine Befreiung Sinn. Sollten wirklich mehr „weitere zehn Befreiungswünsche kommen“, könne man sich neu damit befassen.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) wollte – wie auch der Rest ihrer Fraktion – gern die neue Satzung unverändert lassen. Für sie ist es sinnvoller, nur auf direkten Antrag zu reagieren. Deshalb plädierte die Fraktionssprecherin lediglich für enge Ausnahmen. Bei drei Gegenstimmen der Grünen ging der CDU-Antrag jedoch durch.

Die Stadt verspricht sich durch die Hundesteuer-Anhebung etwa 22.460 Euro zusätzliche Einnahmen zu den bisherigen 53.500 Euro. Bisher kostete der erste Hund 48, der zweite 72 und der dritte 96 Euro. Kampfhunde wurden pro Tier jeweils mit 600 Euro besteuert. Oberzent lag damit unter dem Schnitt benachbarter Kommunen. Lediglich bei den Kampfhunden war man um etwa 150 Euro drüber.

Hintergrund der Anhebung: Mit der Neufassung der Hundesteuer-Satzung soll das Oberzent-Modell an das Muster des Hessischen Städte- und Gemeindebundes angepasst werden. Außerdem werden Hundesteuermarken, Steuerbefreiungen und Meldepflichten geregelt. Aktuell sind in Oberzent etwa fast 1100 Hunde gemeldet. Der Verwaltungschef erläuterte, dass durch die Bestandsaufnahme im Frühjahr 40 nichtregistrierte Hunde festgestellt wurden.

Mit Blick auf die höheren Steuerbeträge bestand bei den Mandatsträgern Einigkeit, dass diese vertretbar sind. Künftig kostet der erste Hund ab Januar kommenden Jahres 66 Euro, der zweite 108 und der dritte 150 Euro. Dabei nimmt man die hessischen Durchschnittswerte als Orientierungswert. Kampfhunde werden pro Jahr mit 684 Euro besteuert.

Steigen soll auch die Spielapparatesteuer. Außerdem soll die Satzung ans Muster des Städte- und Gemeindebundes angepasst werden. Insgesamt verspricht man sich bei der Verwaltung durch die diversen Erhöhungen in den verschiedenen Kategorien Mehreinnahmen von knapp 34.000 Euro. Das entspricht bei insgesamt 76.000 Euro Erlös somit einer Fast-Verdoppelung.

Die als Corona-Hilfe gedachte Umsatzsteuersenkung des Bundes für zweite Halbjahr 2020 macht es darüber hinaus nötig, die Wasserversorgungssatzung für den entsprechenden Zeitraum zu ändern. Statt sieben werden jetzt bis Ende des Jahres fünf Prozent Mehrwertsteuer auf den Wasserpreis fällig. Beide Punkte gingen einstimmig durch.

5G auf den Punkt gebracht

Der neue Mobilfunkstandard 5G bewegt schon die Gemüter, bevor überhaupt die ersten Anlagen in Betrieb gehen. Verschwörungstheorien über alle möglichen Gefahren machen in diesem frühen Stadium die Runde, war in der Stadtverordneten-Versammlung Oberzent zu erfahren. Nicht nur deshalb wünschten sich die Grünen per Antrag einen Bürgerdialog zum Ausbau des 5G-Mobilfunks in Oberzent. Die Mandatsträger einigten sich darauf, einer öffentlichen Diskussion die Beratung im Ausschuss vorzuschalten.

Fraktionssprecherin Elisabeth Bühler-Kowarsch ging es darum, „eine ausgewogene Information zu organisieren“. Damit könne man die Vor- und Nachteile des Netzausbaus kennenlernen und in einen Dialog mit Entscheidern, Gestaltern und Kritikern treten. „Die Chance zur Meinungsbildung sollten wir unseren Bürgern anbieten“, forderte sie. Denn die Digitalisierung nehme rasant an Geschwindigkeit auf.

„Wir sind auf Akzeptanz angewiesen“, betonte Bühler-Kowarsch. Deshalb wolle man ein breites Spektrum an Meinungen ermöglichen. Die Bedenken und Ängste „müssen wir ernst nehmen und mit Argumenten entkräften“, ist ihre Zielrichtung. Denn: „Die Menschen sollen mitgehen können.“

Von Walter Gerbig (CDU) kam die Anregung, eine fundierte Beratung im Bauausschuss vorzuschalten und dann in die Bürgerbeteiligung zu gehen. Frank Leutz (FDP) wünschte sich eine Prüfung, ob in Oberzent 5G derzeit überhaupt aktuell ist. Er betonte aber unabhängig davon die Notwendigkeit, „die Bürger mitzunehmen“.

Das hob auch Thomas Ihrig (SPD) hervor. Er wollte im Vorfeld „die Interessen abklopfen“. Chris Poffo (ÜWO) möchte ebenfalls erst nach einer Ausschuss-Beratung weitere Infos fließen lassen, um dann der Schwarzmalerei von 5G-Gegnern fundiert entgegentreten zu können.

Thomas Väth (Grüne) wies auf den dringenden sachlichen Info-Bedarf hin. Er war auf einer Veranstaltung von 5G-Gegner, ergänzte er, und „erschrocken über die hanebüchenen Vorstellungen“.  Die dort vorgebrachten Argumente der Bürgerinitiative müssten entkräftet werden, forderte er. Denn sie tragen zur Verunsicherung der Bürgerschaft bei.

In die Reihe der Ausschussberatungs-Befürworter reihte sich auch Bürgermeister Christian Kehrer ein. Kommt es dann zu einer Bürgerinfo-Veranstaltung, will er diese extern begleiten lassen. „Von uns stellt sich keiner da oben hin“, meinte er. Wie das Stadtoberhaupt weiter erläuterte, wurde Oberzent seitens des Landes angesprochen, ob man Testkommune für den 5G-Ausbau sein wolle. Dafür gibt‘s eine 90-prozentige Förderung.

Die Stadt sagte aber erst einmal „Nein“, erläuterte der Rathauschef. Denn die drei großen Mobilfunk-Anbieter sind auf der Gemarkung bereits tätig – beispielsweise im Bereich Olfen oder Schöllenbach, allerdings nur im 4G-Bereich.Wenn es keine städtischen Standorte sind, „werden die Kommunen gar nicht gefragt“, machte der Bürgermeister deutlich, dass manche Nachricht nur per Zufall den Weg ins Rathaus findet. So weiß er unter anderem durch den Buschfunk, dass in Beerfelden zwei Standorte im Gespräch sind.

In der Vergangenheit war die Versorgung mit mobilem Internet vor allem in den Oberzent-Tälern mangelhaft bis nicht vorhanden. Doch so langsam tut sich etwas. Zuletzt wurde im Gammelsbachtal ein 4G-Mast von Telefonica in Betrieb genommen, der nun hier für besseren Zugang ins weltweite Netz sorgt. Sensbachtal und Hesseneck darben jedoch noch.

„Aufeinander zugehen“ in Corona-Zeiten

Wenn jetzt, in der Weihnachtszeit, wegen der Corona-Pandemie erneut ein Lockdown kommt, setzt die Oberzent-Schule Beerfelden ein Zeichen und sendet mit ihrem Gruß ein Licht in die vier Alten- und Pflegeheime der Stadt Oberzent. Die Idee, unter anderem den Bewohnern des Hauses Henneböhl einen Brief zu schreiben, wurde im Rahmen der „Aktion der 1000 Sterne“ des Rotary-Clubs Erbach-Michelstadt geboren. Bei der sorgten die Oberzent-Schüler Anthony Rosin (Schlagzeug), Nils Haushammer (Gitarre) und Silas Daum (Trompete) für den musikalischen Rahmen.

Das Projekt „Aufeinander zugehen“ von Oberzent-Schule und Haus Henneböhl gibt es bereits seit acht Jahren. Schüler besuchen sonst in regelmäßigen Abständen die älteren, pflegebedürftigen Menschen in der Seniorenresidenz, sprechen mit ihnen, hören zu, spielen, arbeiten, lachen und singen. Die Resonanz ist jedes Mal riesig, alle Teilnehmenden sind begeistert. Das alles muss in diesem Schuljahr ausfallen. Das Bedauern darüber ist groß. Doch „schnell geschlagen geben“ wollten sich die Jugendlichen nicht so einfach.

Denn „Geht nicht, gibt’s nicht“, sagten sich die Schüler. In diesem besonderen Schuljahr sind nicht nur die neunten Klassen in das Projekt einbezogen, sondern alle Lernenden der Oberzent-Schule. Die ganze Schülerschaft macht mit. Alle schreiben im Ethik- und Religionsunterricht einen Brief an die Bewohner der vier Einrichtungen (Cordula I und Cordula II Rothenberg, Hedwig Henneböhl und Bergfrieden Etzean) und setzen damit ein Zeichen des aufeinander Zugehens.

Wenn es gelingt, in der Schule alle zu Beteiligten zu machen, dann fühlt sich das sehr gut an, sagt Schulleiter Bernd Siefert. „Darauf bin ich stolz.“ Deutsch- und Ethiklehrer Erdogan Suna war sofort begeistert, als er ihm von dieser Möglichkeit berichtete, anderen Menschen eine Freude zu bereiten, erzählt er. Noch am gleichen Abend holte der alle Ethik- und Religionslehrer der Lernanstalt ins Boot.

Die Schülerverwaltung „zeigt nicht nur bei diesem Projekt soziales Engagement“, betont Siefert. So werden beispielsweise seit Jahren von diversen Klassen Waisenkinder in Afrika finanziell unterstützt. Schulsprecherin Marlene und ihre Stellvertreterin Alicia waren sofort Feuer und Flamme für das Projekt. Es war schnell klar, dass alle vier Senioren- und Pflege-Einrichtungen in den Oberzent-Stadtteilen einbezogen werden.

Wenn alle anpacken und füreinander einstehen, dann gelingt nicht nur das Zusammenleben in der Schule, dann geht es darüber hinaus – bis in die Altenpflege, erläutert Siefert. Nicole Kelbert-Gerbig von der Sparkasse Odenwald sorgte dafür, dass über 300 Karten für das Projekt gedruckt wurden. Als Zeichen für Hoffnung und Leichtigkeit in herausfordernden Zeiten wurde ein Bild mit Luftballons vom 50. Jubiläum der Oberzent-Schule ausgewählt. Der Tannenbaum als Weihnachtssymbol ist ja schon im Logo integriert, das auf der Rückseite angebracht ist.

Die Übergabe der gesammelten Werke ist für Montag, 21.Dezember, geplant. Schulleiter Bernd Siefert wird die Karten übergeben und Fünftklässler Silas Daum wird noch einmal – unterstützt durch Musiklehrer Andreas Weinmann – die Trompete erschallen lassen, sodass man es in allen Zimmern des fast neben der Schule liegenden Haus Henneböhl hört.

Gottes Wort, verstärkt durch Pauken und Trompeten

In der evangelischen Martinskirche Beerfelden wird es keine Weihnachtsgottesdienste geben. Der Kirchenvorstand entschloss sich schweren Herzens für die Absage. Aber angesichts der hohen Inzidenzzahlen von über 300 „ist es natürlich vernünftig“, erklärt Pfarrer Roland Bahre. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und haben, glaube ich, eine vernünftige Entscheidung getroffen“, betont der Geistliche. „Mir persönlich setzt diese Entscheidung jedoch sehr zu“, fügt er hinzu.

An jede Kirchengemeinde erging vergangene Woche die Empfehlung, jedes Angebot von Präsenzgottesdiensten genauestens zu prüfen. Der Kirchenvorstand rang in seiner Video-Konferenz mit einer Entscheidung, erläutert Bahre. Es war nicht leicht, diese Absage-Entscheidung zu fällen, erinnert er sich.

Denn: „Ich bin Pfarrer geworden, um von Gott zu erzählen und seine Gegenwart in Gottesdiensten zu feiern“, erklärt. Dass schon alle Ostergottesdienste abgesagt werden mussten, „ging mir an die Substanz“, erzählt er. Und nun auch noch Weihnachten: „Das ist kaum erträglich.“ Aber notwendig, vernünftig und sinnvoll.

Innerhalb weniger Tagen war der Kirchenvorstand herausgefordert, ein „Alternativprogramm zum Alternativprogramm“ zu entwickeln, schildert er. Für ihn bedeutete das „ein paar durchgemachte Nächte“. Aber es wurde ein Ergebnis auf die Beine gestellt, das unter den gebotenen Bedingungen „das Maximum herausholt“, freut sich der Geistliche.

Die diesjährige Verkündigung an der Martinskirche ist auf drei Säulen aufgebaut, erläutert er. So soll das reichhaltige Online-Angebot Gläubigen digital die Möglichkeit geben, mit der Kirche in Kontakt zu kommen: Bahre erstellt gerade ein umfangreiches, festliches „Weihnachts-Kreuzwort“, an dem sich wieder eine Vielzahl von Menschen vorab beteiligt haben.

Bereits in der Adventszeit wurden fünf kleinere Videobotschaften zur Verfügung gestellt. Es sollen bis zum Ende der Weihnachtszeit mindestens fünf weitere dazukommen. So ist für jeden etwas dabei – „die digitale Wende ist in der Kirchengemeinde Beerfelden definitiv vollzogen“, hebt Bahre hervor.

Besonders hervorzuheben ist seinen Worten auch die von Iris Thierolf und Arne Müller eingespielte „Musik zur Heiligen Nacht“, die um 22 Uhr online zur Verfügung steht. Dazu gibt es ein „Neujahrskonzert“, das am Silvesterabend den Jahreswechsel musikalisch begleiten kann (zu erreichen über den YouTube-Kanal „Kirche Beerfelden“, die Homepage ev-kirchengemeinde-beerfelden.ekhn.de und Facebook).

Bis zum 24. Dezember soll darüber hinaus in möglichst viele Haushalte eine Broschüre zur persönlichen Andacht zu Hause ausgetragen werden. Bahre zeigt sich guter Dinge, dass dies in der kurzen Zeit hinhaut – vor allem, weil sich so viele bereit erklären, das Weihnachtsfest zu retten. „Ich bin begeistert, wie so viele Menschen dazu beitragen möchten, die Geburt des Retters zu retten“, schmunzelt der Geistliche.

Außerdem plant die evangelische Kirchengemeinde kontaktlose Möglichkeiten der Andacht und der Gemeinschaft. So wird es etwa eine „Turmandacht“ geben: Mit Hochleistungs-Boxen, die das Bestattungshaus Ihrig zur Verfügung stellt, werden die drei Pfarrer vom Beerfelder Glockenturm herab die Weihnachtsbotschaft verkündigen.

Mit Gebeten, der Weihnachtsgeschichte aus der Bibel und Musik, die Iris Thierolf und Arne Müller beisteuern, klopft die Weihnachtsbotschaft wie Maria und Josef buchstäblich „von außen akustisch an unsere Fenster“, so der Pfarrer. Es wurde ein Stationengottesdienst für Familien erstellt sowie ein Krippenspiel, das in der Kirche abgeholt und zu Hause nachgespielt werden kann.

Auch in Unter-Sensbach und Gammelsbach gibt es mit Weihnachtstrompeten eine musikalische Weihnachtsverkündigung, die Maria Heiderich und Dr. Kathrin Rödiger beisteuern. Außerdem erwartet Menschen, die vor der Ausgangssperre einen Spaziergang zu einer der Filialkirchen unternehmen, ein Lichtermeer von Weihnachtskerzen, kündigt der Geistliche an.

Die Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl wurde besonders bedacht: So war Bahre seit Anfang Dezember jede Woche dort, um nach Stationen getrennt mit den Menschen Weihnachtsandachten zu halten. Leider ist das jetzt nicht mehr möglich, bedauert er. Außerdem hatten Kinder der Grundschule Sensbachtal für alle Bewohner Bilder gemalt, die er überreichen wird. „Gerade in den Altenheimen braucht man uns in besonderer Weise“, weiß er. Diesem Ruf kam der Pfarrer auch in Pandemiezeiten nach, solange es möglich war.

Straßensanierung zum Schloss verläuft wie geplant

Die Bauarbeiten zur Fahrbahnerneuerung auf der Straße zum Schloss Hirschhorn verlaufen laut Mittelung von Hessen Mobil weiter wie geplant. Die Asphaltschicht ab der Landesstraße L 3119 bis zum Besucherparkplatz wurde bereits fertiggestellt. Derzeit werden noch Arbeiten zum Einbau der Löschwasserzisterne im Bereich des Parkplatzes durchgeführt. In der letzten Woche war die Zisterne mit Wasser befüllt und der Untergrund verfestigt worden. In den kommenden Tagen wird nun die Baugrube aufgefüllt.

Die Löschwasserzisterne verfügt über ein Volumen von 100 m³ und kann damit ab sofort im Brandfall für Löscharbeiten zur Verfügung stehen. Voraussichtlich vom 9. bis 11. Dezember erfolgen dann die Asphaltarbeiten im Bereich des Parkplatzes. Bis etwa 18. Dezember schließen sich Bankett- und Restarbeiten an der Gesamtstrecke an.

Im Rahmen der Bauarbeiten erfolgt auf der Strecke eine Erneuerung und Verstärkung der Asphaltfahrbahn auf einer Gesamtlänge von rund 1,36 Kilometern sowie der Einbau einer Löschwasserzisterne über ein Volumen von 100 m³ im Bereich des Besucherparkplatzes. Der Einbau der Löschwasserzisterne erfolgte zeitweise parallel zur Fahrbahnsanierung.

Zur Sanierung der Fahrbahn wurde zunächst die Fahrbahndecke rund vier Zentimeter tief abgefräst, wurden tiefergehende Schadstellen instandgesetzt sowie Bordanlagen, Bankett und Entwässerung an die künftige Höhe angepasst. Anschließend erfolgt die Verstärkung der Straße durch den Einbau einer 14 Zentimeter starken Asphalttrag- und einer vier Zentimeter starken Asphaltdeckschicht.

Der instandgesetzte Streckenabschnitt beginnt an der Einmündung in die L 3119 (Hainbrunner Straße), verläuft von dort nach Norden, nach einer Kehre weiter nach Süden und endet am Schloss Hirschhorn. Auch die Einmündungen des die Strecke querenden Radweges muss im Zuge der Maßnahme vollgesperrt werden.

Besucher des Schlosses Hirschhorn haben während der Baumaßnahme die Möglichkeit, das Schloss über die Schlossstraße zu Fuß vom Marktplatz (Hauptstraße) aus zu erreichen. Die Wanderwege über den Schlossparkplatz zum Schloss sind weiterhin passierbar. Die Baukosten der gesamten Maßnahme belaufen sich auf rund 592.000 Euro und vom werden Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) getragen.

Foto: Michael Gärtner GmbH/Amiblu Holding GmbH

Nonstop Gottesdienste an Heiligabend

Ab dem frühen Nachmittag werden an Heiligabend quasi durchgehend Gottesdienste in der Martinskirche Beerfelden gefeiert. So will die evangelische Kirchengemeinde den Gläubigen die Möglichkeit geben, auch in der Corona-Pandemie Christ Geburt mit einem Besuch in der Martinskirche zu begehen. Das Ganze bedeutet einen enormen logistischen und personellen Aufwand, erzählt Pfarrer Roland Bahre. Das gesamte Team ist glücklich darüber, dass mit dieser Gemeinschaftsaktion von allen Weihnachten für alle möglich ist.

Schon seit August macht man sich in der evangelischen Kirchengemeinde Gedanken über „Weihnachten unter Corona-Bedingungen“. Vor kurzem dann gab es eine öffentliche Sitzung des Liturgieausschusses, in der erste Ideen für ein Konzept entworfen wurden. Auch im Gemeindebrief wurde dazu aufgerufen, Gedanken einzureichen – was umfangreich genutzt wurde. „Das Interesse an der Frage, wie Weihnachten bei uns gefeiert wird, ist durchaus hoch“, freut sich Bahre.

Eine erste Idee gab es bereits im Sommer: ein „XXL-Weihnachts-Gottesdienst“ in der Beerfelder Reithalle. Der sollte auf der Bühne stattfinden. Mit guten Hygiene- und Abstandsregeln wäre es möglich gewesen, viele Menschen unterzubringen, erläutert Bahre. Ein Livestream hätte ihn auf eine Leinwand auf dem Stried-Gelände übertragen. Mit der Stadt war man schon in Klärung.  

„Leider haben sich die Infektionszahlen dann so entwickelt, dass wir eine solche Massenveranstaltung an Heiligabend nicht anbieten können“, meint der Pfarrer bedauernd. Denn man hätte die Kontaktdaten aller Teilnehmer notieren müssen und wäre dafür verantwortlich gewesen, dass nicht nur während des Gottesdienstes, sondern auch beim Ankommen und beim Verlassen die Abstandsregeln eingehalten werden. Damit wäre ein reibungsloser Ablauf nicht zu garantieren gewesen.

Freiluftgottesdienste haben sich angesichts der aktuellen Vorgaben als unpraktikabel herausgestellt, erklärt Bahre. „Das ist einfach ein zu großes Risiko“, fürchtet er. Auch in der evangelischen Kirche gilt: „Safety first“, betont der Geistliche. Umso dankbarer zeigt er sich, dass nun ein Konzept gefunden wurde, „von dem wir sagen können, dass es nach Hygieneverordnungen vergleichsweise ‚sicher‘ ist“. Außerdem sieht es vor, dass wirklich jedem ein Platz in einem Weihnachtsgottesdienst angeboten werden kann.

Ab dem frühen Nachmittag werden an Heiligabend quasi durchgehend Gottesdienste in der Martinskirche gefeiert, erläutert Bahre. Dort gibt es bereits monatelange Erfahrungen mit Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen. Insgesamt sind an den Weihnachtstagen sechs Termine geplant, darunter Familien- und Festgottesdienste, eine ökumenische Christmette zusammen mit der katholischen Kirchengemeinde, ein Singegottesdienst auf dem Marktplatz am Zweiten Weihnachtsfeiertag – und zwei Konzertgottesdienste zwischen den Jahren. An jedem können bis zu 200 Personen teilnehmen. Allerdings ausschließlich mit Voranmeldung über das Gemeindebüro, hebt der Geistliche hervor.

Sollte das Angebot an Heiligabend-Gottesdiensten nicht ausreichen, „bieten wir zusätzlich noch weitere an“, ergänzt der Pfarrer. Die werden dann zwischen den ursprünglich geplanten zwischengeschaltet. Anhand der Anmeldezahlen kann die Kirchengemeinde die Nachfrage abschätzen und allen, die sich anmelden, somit einen Gottesdienst anbieten. Der letzte, der bei besonders hoher Anmeldezahl gefeiert werden könnte, wäre um 23.30 Uhr.

„Natürlich können wir nicht, wie sonst an Heiligabend, zum Hauptgottesdienst über 1000 Menschen in unsere Kirche lassen“, macht Bahre klar. Deshalb kann es passieren, dass Menschen, die sich später anmelden, in der „Prime time“ keinen Platz mehr bekommen und zu einer anderen Zeit kommen müssten. „Wir bitten die Bevölkerung um Verständnis, dass dies in Corona-Zeiten leider nicht anders machbar ist“, sagt der Pfarrer.

Dieses umfangreiche Gottesdienstangebot „fordert einen unfassbar logistischen Aufwand“, ergänzt er. Dies betrifft nicht nur die Pfarrer, die im Grunde den gesamten Heiligabend in der Kirche verbringen. „Meine Frau wird mit unserer Familie dieses Jahr wohl alleine feiern müssen“, meint er traurig.

Auch Kirchenmusikerin Iris Thierolf, die bereits ein umfangreiches kirchenmusikalisches Konzept erstellt hat, gibt an diesen Tagen alles. Die Gemeindesekretärinnen werden vor allem in der Vorbereitung alle Hände voll zu tun haben. Die Küsterin wird „wohl gleich in der Kirche übernachten können“, schmunzelt der Geistliche. Dabei sind auch der Posaunenchor unter der Leitung von Arne Müller sowie Solosänger, unter anderem David Krahl, Annika Hofmann und Katja Bundschuh.

An diesem hohen Einsatz von so vielen kann man sehen, „wie wichtig den Menschen Heiligabend ist und dass wir das nur gemeinsam stemmen können“, freut sich Roland Bahre. So helfen außer den Hauptamtlichen rund 20 Ehrenamtliche mit, die als Tür- und Raumdienst die Gottesdienstteilnehmer auf ihre Plätze geleiten und auf die Hygieneregeln achten. „Weihnachten ist in diesem Jahr wirklich ein Hochfest von allen für alle“, zieht der Pfarrer den Hut vor diesem Gesamtwerk.

Vor den Kirchen im Sensbachtal und Gammelsbach werden an Heiligabend und Silvester Kerzen stehen, sodass all diejenigen, die den Weg nicht in die Kirche nach Beerfelden auf sich nehmen möchten, einen Spaziergang zu ihrer Ortskirche machen können. Dort finden sie eine Broschüre der Kirchengemeinde zur persönlichen Andacht vor.

Info: Das Gottesdienstangebot findet sich auf der Homepage der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden unter https://ev-kirchengemeinde-beerfelden.ekhn.de. Gottesdienstteilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung über das Gemeindebüro möglich, Telefon 06068/1330. Anmeldeschluss ist 23. Dezember um 12 Uhr.

Sonnenenergie unterhalb des Zieglersfelds

Photovoltaik ja, aber dosiert. So lässt sich die Beratung im Oberzent-Bau- und Umweltausschuss zusammenfassen, als es um die geplante Anlage unterhalb des Gewerbegebiets Zieglersfeld ging. Hierzu hatte es nach einer ersten Beratung Ende August im September einen Vor-Ort-Termin gegeben. Jetzt empfahlen die Mandatsträger der Stadtverordneten-Versammlung einstimmig die Aufstellung des entsprechenden Bebauungsplans.

Ausschuss-Vorsitzende Katharina Riesinger (ÜWO) sprach sich für eine Einzelfall-Entscheidung aus. Sie nicht pauschal für oder gegen Photovoltaik-Anlagen auf Stadtgebiet abstimmen. Das komme immer auf die jeweilige Lage an. Sie sei kein Freund davon, „alles mit Photovoltaik zuzupflastern“. Das gehe auch zu Lasten der landwirtschaftlichen Flächen.

Stadtbaumeister Peter Bauer hakte dahingehend ein, dass man die jetzt angefragten Kollektoren auf dem großen Grundstück genehmigen kann. Von oben her ist das Gelände bereits erschlossen, erläuterte er. Die weitere gewerbliche Nutzung des Zieglersfelds wird dadurch nicht beeinträchtigt, entgegnete Bauer auf Frage von Walter Gerbig (CDU). Denn die ist nur links und rechts der jetzigen Fläche geplant. Unterhalb wird es mit der Entwässerung ganz schwierig. Er  fügte noch an, dass die Stadtverordneten in die Pläne ganz genaue Anforderungen an die Anlage reinschreiben können.

Laut Thomas Mergenthaler (ÜWO) ist es unwahrscheinlich, dass das angefragte Gebiet für eine Erweiterung der Gewerbeflächen in Frage kommt. Deshalb konnte er sich mit dem Antrag anfreunden. Auch von Thomas Väth (Grüne) kamen positive Signale zur Umwandlung des Maisackers. Die Förderung erneuerbaren Energie sei immer positiv zu sehen. Er sprach die Möglichkeit der Beweidung durch Schafe an.

Brigitte Heckmann (SPD) reihte sich in den Kreis der Befürworter ein. Sie machte die Zustimmung ebenfalls an der Lage fest. Woanders „müssen wir vorsichtig sein“. Denn eine „Umzingelung“ mit Photovoltaikanlagen wünschte sie genauso wenig wie eine mit Windrädern. Bürgermeister Christian Kehrer ergänzte, dass sich derzeit Anfragen nach Flächen für die Nutzung der Sonnenenergie häufen. Es seien schon verschiedene Firmen auf die Stadt deswegen zugekommen, aber konkrete Planungen gibt es nicht. Ihm ist bekannt, dass die EGO die Anlage am Eisenweg erweitern möchte, berichtete er.

Neue Aufgabe mit Motivation und Zuversicht

„Ich freue mich, hier zu sein“, sagt Marcel Fischer. Er ist seit kurzem neuer stellvertretender Schulleiter an der Oberzent-Schule und nimmt für seine Tätigkeit gerne einen längeren Anfahrtsweg auf sich. „Das ist es wert“, betont der Lorscher. Das erste Vorstellungsgespräch mit der erweiterten Schulleitung war für ihn „der Entscheidungsmoment für meine Bewerbung“.

Nach seinem Studium an der Kölner Universität zu Köln auf Lehramt arbeitete Fischer in Mönchengladbach und später im erweiterten Schulleitungsteam der Wilhelm-Leuschner-Schule Darmstadt. „Die Zusammenarbeit war sehr wertschätzend und konstruktiv“, erinnert er sich. Es folgte eine zweijährige Abordnung ans hessische Kultusministerium (2018 bis 2020).

Die neue verantwortungsvolle Aufgabe von seinem Vorgänger Dirk Konrad zu übernehmen und nun weiterzuführen, „ist mir eine Ehre“, sagt Fischer. „Ich gehe sie mit viel Motivation und Zuversicht an.“ Aus seiner alten Schule nimmt er mit, dass eine offene Tür für die Belange der Kollegen sehr wichtig ist. Damit sein Beitrag für eine gelingende Schule erfolgreich ist, „ist eine Basis von Verlässlichkeit und Vertrauen selbstverständlich“, hebt der stellvertretende Schulleiter hervor. Respekt, Wertschätzung und Empathie sind für ihn die Grundlagen einer gelungenen Kommunikation.

Seine Aufgabe sieht er darin, gemeinsam mit der Schulleitung, den Kollegen und den Schülern eine Wirkung zu erzielen sowie diese dann zu kommunizieren. „Es ist essenziell, ihnen zuzuhören, zu vertrauen, aber auch Vertrauen zu erlangen und insbesondere dem Wohle aller zu dienen“, betont Fischer.

Als stellvertretender Schulleiter zu arbeiten, heißt auch Beziehung – und Beziehung basiert auf Vertrauen (eine Mischung von Integrität, Offenheit und Kompetenz) und auf dem Glauben an eine gemeinsame Sache, erläutert er. Hierdurch entsteht eine starke Bindung innerhalb der Schulleitung und mit dem Kollegium. „Diese aufzubauen ist wichtig.“

Fischer möchte deshalb Kontinuität soweit wie möglich zu sichern. Dennoch, so sein Denken, gilt es weiter zu blicken und sich den heutigen Herausforderungen wie Digitalisierung oder pandemische Lage gemeinsam zu stellen und einen Weg zu finden, diese zu meistern. In jedem Augenblick „haben wir die Wahl, worauf wir uns konzentrieren oder unsere Aufmerksamkeit richten wollen“, meint der neue Kollege: auf Erfolg und Wachstum oder auf Mangel, Misserfolg, Schwächen und Krisen.

Diese Einstellungen, diese Gedanken sind für ihn „diejenigen, mit denen wir – erfolgreich – führen“. Da Menschen andere Menschen dauernd beobachten und diese sich mindestens genauso oft in ihrer Haltung ändern können, „wie wir Augenblicke haben, eine Wahl zu treffen“, heißt führen auch „vorleben“, ist Fischer überzeugt.

Schulleiter Bernd Siefert freut sich, jetzt endlich nicht mehr das „Küken“ im Schulleitungsteam zu sein, wie er schmunzelnd unter Bezug auf sein Alter meinte. „Loyal, lösungsorientiert, offen“, ist sein Eindruck des neuen Kollegen, mit dem er gut zusammenarbeitet. In seinem Bewerbungsgespräch berichtete Fischer davon, dass er auf seinem landwirtschaftlichen Hof in Lorsch Esel hält. „Da dachte ich, wenn er mit denen umgehen kann, wird er auch mit mir gut zusammenarbeiten können“, lacht Siefert.

Alter Schulgarten ist wieder begehbar

Sänger und Verkehrsverein-Mitglieder (VVR) fühlten sich wie im Urwald. Dazu mussten sie gar nicht weit reisen: Denn der alte Schulgarten Rothenberg war völlig zugewuchert und bedurfte dringend eines intensiven Rückschnitts. Zwölf Mann hoch gingen die Aktiven sieben Stunden lang an die Arbeit. Die konnte sich sehen lassen. „Die Aktion war ein absoluter Erfolg“, freute sich VVR-Vorsitzender Thomas Wilcke.

Es liegt schon einige Zeit zurück, dass sich eine örtliche Initiative um das große Grundstück kümmerte. Sogar Obstbäume wurden in dieser Zeit angepflanzt. Die allerdings waren inzwischen hinter den Brombeeren fast verschwunden. In all dem Grün tauchte bei der Freischnittgeschichte auch eine alte Badewanne auf.

„Wir haben unser Vorhaben mit der unteren Naturschutzbehörde besprochen“, betonte Wilcke. Von dort gab’s ein Plazet. Die Ehrenamtlichen gingen verantwortungsbewusst ans Schneid-Werk, mit Blick auf eventuell vielleicht noch dort lebende Tiere, versicherte er. Um aber die Möglichkeit so gering wie möglich zu halten, doch auf welche zu treffen. hatte man extra das Ende der Brut- und Setzzeit abgewartet. „Wir haben einen guten Kompromiss zwischen Natur- und Kulturlandschaft gefunden“, meinte er.

Durch die Unterstützung der Ehrenamtsagentur waren die Schaffer bei ihrem Tun zusätzlich versichert. Wenn in Rothenberg angepackt wird, dann können die Aktiven auf die Unterstützung der Geschäftsleute zählen. Wie so oft kümmerte sich die Metzgerei Postawa wieder ums Frühstück, Getränkehändler Gerd Koch stellte einiges gegen den Flüssigkeitsverlust zur Verfügung.

Die Ehrenamtlichen zwischen zwölf und 70 Jahren „haben das Pensum sogar übererfüllt“, so Wilcke. Damit kein Grünschnitt in der Landschaft herumliegt, hatte man einen Häcksler organisiert. Seitens der evangelischen Kirchengemeinde begrüßte Pfarrer Reinhold Hoffmann die Arbeiten. Dann hier denkt man darüber nach, eine Begegnungs- und Ruhefläche in diesem Bereich zu schaffen. Auch die Grundschule könnte eine Art „Klassenzimmer im Freien“ entstehen lassen.

„Ich habe das Grundstück nicht mehr so groß in Erinnerung“, meinte der VVR-Vorsitzende rückblickend schmunzelnd. Zum Glück fanden die Aktiven auf dem Gelände hinter dem Friedhof  keine große Vermüllung vor. Vor allem Pflanzabfälle hatten den Weg dorthin gefunden.

„Wir wollen Nachhaltigkeit herstellen“, sagte Wilcke. Deshalb soll das Grundstück in spe dezent möbliert werden. Hintergrund: Auf dem nebenan gelegenen Friedhof gibt es so gut wie keine Schattenplätze. Die könnten aber hier in natürlichem Schatten durch das umliegende Grün in unmittelbarer Nähe entstehen. Seitens der Kirche könnte man sich sogar kleine Veranstaltungen auf dieser Fläche vorstellen. 

Schon beim Ehrenamtstag Mitte September hatten die Vereinsmitglieder unter Federführung des MGV und Mitwirkung des VVR kräftig angepackt und sich der vielen Brunnen auf der Gemarkung angenommen. Die gewissenhafte Säuberung von Klemerts-, Krämers-, Homerichs- und Matzenbrunnen standen damals im Fokus. Auch sie waren das Ziel von wucherndem Gestrüpp geworden. Dieses Mal war der VVR federführend und die Sänger stimmten freudig mit ein.

Die Holzpreise werden sich erholen

Beerfelden. „Mein Freund, der Baum, ist tot“, hieß es vor Jahrzehnten im Schlager, damals noch auf den sauren Regen gemünzt. Heutzutage gibt’s eine unerwünschte Neuauflage des Klassikers. Der Baum, meistens die Fichte, starb zwar nicht im ersten Morgenrot. Sondern es ist „keine ganz neue Problematik“, erläutert Beerfeldens neuer Forstamtsleiter Ronny Kolb. Der 44-Jährige ist in Oberzent kein Unbekannter, denn er war hier schon lange Jahre bis 2017 tätig.

„Über den Klimawandel und Wettextreme wird schon längere Zeit diskutiert“, sagt Kolb. Allerdings ist es für ihn „erschreckend“, mit welcher Wucht die Veränderung in den vergangenen drei Jahren zugeschlagen hat. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht: „Der Odenwald ist noch ganz gut davongekommen“, betont der Forstamtschef. Es gab keine größeren Stürme wie in Nordhessen. Dadurch stellt sich das Waldbild „noch ein bisschen besser dar“.

Durch die Trockenheit in den vergangenen drei Sommern gab es eine schnelle Vermehrung des Borkenkäfers, schildert er das Problem. Aufgrund der schnellen Reaktion im südlichen Odenwald „haben wir noch ziemlich gute Zahlen“, ist Kolb stolz auf das professionelle Handeln seiner Mitarbeiter in einem Gebiet, das von Neckarsteinach bis Wald-Michelbach, von Abtsteinach bis nach Hesselbach reicht.

Das Ergebnis: „2020 gab es deutlich weniger Käferholz als 2019.“ Das lag auch daran, dass es eine bisschen bessere Verteilung der Niederschläge in der Vegetationsperiode gab. Dazu eine „erfahrene Mannschaft, die weiß was sie tut“. Und eine schnelle Aufarbeitung des Käferholzes. Denn der Faktor Zeit war wichtig, um eine weitere Ausbreitung des Schädlings zu verhindern. „Wir haben auf der Fläche viel richtig gemacht“, hebt Kolb hervor.

Das alles gilt aber nur für die von Hessen Forst betreuten Flächen. Anderen Waldeigentümern ist es mitunter schwierig zu vermitteln, befallenes Holz schnell aufzuarbeiten. Der Forstmann kann es jedoch durchaus verstehen, dass manche nur zögerlich handeln. Denn aktuell „ist es im besten Fall ein Nullsummenspiel“. Sprich: Die Kosten sind mit Glück gerade mal gedeckt, aber Erlös lässt sich keiner erzielen. „Das ist das Dramatische an der Situation“, erklärt er.

Verkaufen lässt sich quasi alles, da Holz nachgefragt wird. „Das Problem ist der Preis.“ Bis Anfang 2017 bewegte sich Fichtenstammholz bei etwa 90 Euro für den Festmeter. Käferholz wird aktuell mit 30 Euro gehandelt, macht den Verfall klar. Bei Aufarbeitungskosten zwischen 25 und 30 Euro ist deutlich, wo das Problem liegt. Geplante Einschläge gibt es schon lange nicht mehr. „Bei Fichte haben wir einen Einschlagstopp.“

Auf Landesebene wird darüber hinaus diskutiert, wie es mit der Buche weitergehen soll. Denn die zeigt bereits auch Absterbe-Erscheinungen. Grund: die Trockenheit. Im Odenwald ist das laut Kolb zum Glück noch nicht so ausgeprägt wie in der Ebene. Probleme gibt es unter anderem dann, wenn kaputte Bäume an Straßen und Wegrändern stehen.

Die große Preisfrage für den Forst in den kommenden Jahren lautet: „Wie gestalten wir unseren Wald teilweise um, um ihn stabil zu machen für den Klimawandel?“ Eine Maßnahme: Auf der Fläche sollen deutlich mehr Baumarten existieren als bisher. Denn mit drei bis fünf Sorten gegenüber den aktuellen Monokulturen ergibt sich eine Risikoverteilung, erläutert Kolb. Er vergleicht das ein wenig mit einem Gemischtwarenladen: Ist eine Schublade leer, „gibt es noch 20 andere“.

90 bis 95 Prozent werden das aber heimische Arten sein, versichert er. Denn bei mediterranen Bäumen weiß man gar nicht, „wie die sich bei uns verhalten“. Buche, Eiche, Tanne, Douglasie: Die Bandbreite ist groß. Genau geachtet wird auch den richtigen Untergrund und Standort. Ein solcher Waldumbau braucht perspektivisch aber 30 bis 40 Jahre Zeit, weshalb aktuell die Planungen „mit Nachdruck“ vorangetrieben werden. Es sind Kolb zufolge vor allem die alten Bäume, die große Probleme haben.

Seine Hoffnung: Neu gepflanzte Bäume, „die nichts anderes kennen“, kommen in spe mit der Trockenheit besser zurecht und adaptieren ihre Standortbedingungen. Breitere und tiefere Wurzeln oder kleinerer Wuchs wären solche Anpassungen an die Gegebenheiten. Diese „Lernfähigkeit“ traut der Forstmann aus Erfahrungen den Gewächsen durchaus zu.

Die Forstleute „müssen sehr langfristige Entscheidungen treffen“, verdeutlicht er. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die letzten Fichten gepflanzt wurden, „dachte noch keiner an den Klimawandel“. Man versuche deshalb mit bestem Wissen und Gewissen zu handeln. Aber keiner weiß, „ob es in 50 oder 100 Jahren auch so funktioniert“.

Licht am Ende des Tunnels sieht er für die gebeutelten Waldbesitzer, die derzeit nichts mehr im Geldbeutel haben. Das kommende Jahr wird noch eine Durststrecke sein, 2022 vielleicht auch. Aber danach rechnet Kolb mit einer Erholung der Preise. Jedoch wird diese „nicht so rapide ausfallen wie der Verfall“, warnt er. Jedoch: „Gerade die Fichtenpreise dürften wieder deutlich anziehen.“

Denn Holz wird weiter stark nachgefragt und die aktuelle Schwemme ist dann weg. Vorausgesetzt, ein Sturm bläst nicht wieder Millionen von Festmetern um. Der Forstamtschef weiß um den „riesigen Holzdurst“ in Deutschland, der den Einschlag von 60 bis 80 Millionen Kubikmetern im Jahr weit übersteigt. Aktuell werden deshalb zusätzlich große Mengen importiert. Holz ist, betont er, „einer der wenigen Rohstoffe, die wie hierzulande produzieren“. Deshalb seine Prognose: „Die Nachfrage wird ungebrochen sein.“

Mittelalter trifft auf Quentin Tarantino

Wer vor kurzem am Beerfelder „Galgen“ vorbeikam, wird ziemlich gestutzt haben. Weiße Gestalten in Büßergewändern, dazu noch bei zehn Grad barfuß, außerdem ein paar historische Figuren wie Bischof, Kaufmann und Pestdoktor, dazu ein Mariachi aus dem Wilden Westen: Das gab Anlass zur Spekulation. Die Erklärung ist einfach: Die Szenerie war Teil des Filmprojekts „Dig that hole“, auf Deutsch „Grab dieses Loch“, des Mannheimers Andreas Eichenauer.

Der Song ist Teil des Konzeptalbums „Leche Negra“, das unter seinem Künstler-Ego „Mal Hombre“ im Sommer 2021 veröffentlicht werden soll. Dies Album verarbeitet den Holocaust anhand des Gedichts „Todesfuge“ und verwandter Texte von Paul Celan, erläutert Eichenauer. Beispielsweise beschreibt das einzige deutschsprachige Stück des Albums, „Buchenwald“, seinen Besuch des gleichnamigen Konzentrationslagers. Das Filmkonzept zu „Dig that hole“ ist eine Kombination aus Tarantino-Filmästhetiken wie im Streifen „12 Years a Slave“.

Daneben setzt der Regisseur kompromisslose Darstellung aktueller Themen: Rassismus (in einer besonderen Inszenierung des George-Floyd-Mords), Sexualisierung, Gewalt an Frauen sowie die Corona-Krise. Es entsteht ein Musikvideo „in Form eines Western-Kurzfilms in mittelalterlichen Kulissen mit gesellschaftlicher Sprengkraft und soziokultureller Wertigkeit“, erklärt Eichenauer. Er out sich schmunzelnd als jemanden mit „Mittelalterspleen“.

Dabei wird seinen Worten zufolge nicht einfach in Form eines epischen Historienfilms abermals die Geschichte der schwarzen Sklaven auf amerikanischen Baumwollfeldern nacherzählt, „sondern vielmehr dunkelste Kapitel deutscher und europäischer Geschichte direkt in Verbindung mit aktuellen globalen gesellschaftlichen Vorgängen gebracht“ – und schließlich in der Inszenierung der Szenen miteinander vermischt. Somit reiht sich das Stück in das Gesamtkonzept des Albums ein und stellt dem Regisseur zufolge eine besondere Form der Sozialkritik dar.

Insbesondere der Rolle der jungen schwarzen Frau, dargestellt von Michelle Buchholz, kommt eine besondere Bedeutung zu: Zunächst frei und glücklich, dann entführt, missbraucht und misshandelt von „alten weißen Männern“, bietet sie dem Niederträchtigen dennoch die Stirn und bleibt kämpferisch. Die Geschichte wird vor allem aus Sicht dieser Frauenfigur erzählt, „anstatt ein konturloses Opferbild aus der Perspektive männlicher Darsteller zu zeichnen“. Somit ist sie Teil der aktuellen Diskussion um moderne Frauenrollen, betont Eichenauer.

„Mal Hombre“ sind Rage Against The Machine, Queens Of The Stone Age und Jack White in einem Tarantino-Streifen, erzählt er: Kompromisslose Aggression und zerbrechliche Balladen zwischen Filmmusik, Classic Rock, Folklore und Synth-Pop definieren diesen Industrial Western. Ganz im Sinne der Ästhetik von Filmkünstlern wie Robert Rodriguez und Quentin Tarantino wird nach deren Stil El Mariachi, die zentrale Kunstfigur im Mal Hombre-Kosmos, inszeniert.

Der Act wagt sich dabei Eichenauer zufolge an einige der aktuell heikelsten politischen, sozialen und historischen Themen und sieht sich von daher in einer Linie mit Bands wie „RATM“ oder etwa „Irie Révoltés“. In Planung sind musikalische und künstlerische Aktionen nach der „Guerilla-Methode“ – Straßenmusik, eigene Events, unterschiedliche künstlerische Kooperationen. Zum einen in einer reduzierteren Besetzung, für gezielte Auftritte sogar solo als Sänger und Schlagzeuger, zum anderen als klassische Band, um viele der Stücke von „Leche“ Negra in Originalversionen zu präsentieren.

Eine düstere, gespenstische Grundstimmung wird durch analoge Farbgebung, Entsättigung sowie einen cinematischen Look im Breitbildformat (2,35:1) geschaffen, schildert der Konzeptkünstler seine Gedanken. Die Bilder wechseln zwischen Realtime und Zeitlupe. Zur authentischen Umsetzung der Bilder sind Filmkameras und -objektive mit Outdoor-Ausstattung sowie die entsprechende Lichttechnik vonnöten. Hinzu kommen Kameraleute und Regieassistenz, außerdem eine Special-Make-up-Artistin für die Darstellung von Verletzungen.

Eichenauer war mit seiner Band „Gitarrenhelden“ vor der Corona-Pandemie viel in der Region unterwegs. Die Vorbereitungen zu „Dig that Hole“ begannen bereits vor eineinhalb Jahren. Unfreiwillig hatte er seit März Zeit zur Projektentwicklung. Mit einer Förderung durchs Hilfsprogramm „Neustart Kultur“ kann er nun einen Teil der Kosten decken. 

Erste Auszubildende überhaupt holt gleich die Bestnote

Mit Nadja Jäger hat das Therapiezentrum Janowicz in Beerfelden einen Glücksgriff getan. Die 23-Jährige aus Wald-Michelbach holte bei der IHK Darmstadt die Azubi-Bestnote im Rahmen der Winterprüfung 2019. Jäger wurde als Kauffrau im Gesundheitswesen ausgebildet und inzwischen in den Betrieb übernommen. Für das Therapiezentrum bedeutete die Auszeichnung einen doppelten Gewinn: Nicht nur, dass man die Top-Azubi stellte, es war auch das erste Mal überhaupt, dass der Betrieb ausbildete.

„Auf dem Land ist es schwer, passende Fachkräfte zu finden“, erläutert Max Janowicz. Die Tagesklinik für ambulante Rehabilitation, deren Gründer und Geschäftsführer sein Vater Werner ist, suchte lange nach einer geeigneten Person. Die betreffende Stelle war immer mal wieder besetzt, „aber es gab eine hohe Fluktuation“. Dazu kommt, dass es besondere Anforderungen gibt: Es sind nicht nur kaufmännische, sondern auch medizinische Kenntnis von Vorteil.

Deshalb kam Janowicz der Gedanke, dass es Sinn machen könnte, die benötigte Fachkraft selbst auszubilden. Denn er erwarb im Zuge seines BWL-Studiums einen Ausbilderschein und darf deshalb selbst tätig werden. Es gab mehrere Bewerber, erzählt er. Mit Nadja Jäger stellte man genau die Richtige ein. Sie startete im August 2017 und schloss die Ausbildung in diesem August ab. Seitdem ist sie in Festanstellung an der Rezeption als Kauffrau im Gesundheitswesen tätig.

In der Berufsschule wurde neben dem Kaufmännischen das Fach Medizin zusätzlich unterrichtet. „Sie hat alles von der Pike auf gelernt“, freut sich Max Janowicz. Durch die Mitarbeit im Therapiezentrum „kennt sie unsere Abläufe“. Damit ist sie eine unverzichtbare Kraft für den 18 Mitarbeiter zählenden Betrieb: „Es passt perfekt“, stellt er der jungen Frau ein positives Zeugnis aus.

Der Betrieb baut auf seine Top-Azubi an der Rezeption und will sie auch beständig weiterbilden. Nach den guten Erfahrungen „wollen wir kommendes Jahr wieder einen Azubi einstellen“, sagt Janowicz. Ebenfalls wieder eine Kauffrau im Gesundheitswesen. Zum einen spricht die Auszeichnung natürlich für den Ausbilder, schmunzelt der 31-Jährige. Zum anderen „kann ich nur die Voraussetzungen schaffen“. Der Rest kommt vom Azubi selbst. „Sie ist sehr ehrgeizig und hat viel gelernt“, lobt Janowicz.

1982 gegründet, wuchs das Therapiezentrum seit dieser Zeit ständig. In diesem Jahr wurden die Stellplätze neu angelegt. Bis Jahresende soll noch ein weiteres, schon lange in der Pipeline befindliches Projekt angegangen werden. Nachdem nun endlich die Baugenehmigung für den Anbau eingetrudelt ist, will man mit dem Ausbau starten und den Rohbau erstellen. In diesen sollen dann die sanitären Anlagen aus dem bisherigen Gebäude ausgelagert werden.

In spe ist dann eine Kältekammer im bestehenden Haus geplant. Aber die wird laut Max Janowicz noch ein wenig auf sich warten lassen. Mindestens zwei Jahre könnte es dauern, schätzt er. Denn: „Corona ist nicht spurlos an uns vorüber gegangen.“ Sehr viele Patienten sagten im Frühjahr ihre Termine wegen Vorerkrankungen und Furcht vor Ansteckung ab. Kurzarbeit war aufgrund des Rehabetriebs nicht möglich, erläutert er. „Wir wollten unsere Öffnungszeiten halten.“ Im Sommer herrschte dann wieder Normalbetrieb, nachdem die zurückgestellten Operationen nachgeholt wurden.

Aktuell geht zwar durch den Lockdown light wieder alles von vorn los, aber die Situation stellt sich nicht so schlimm dar wie Ende März. Die Reha-Zahlen sind noch nicht rückläufig. „Wir schauen, wie es sich entwickelt“, sagt er. Janowicz macht gleichzeitig klar, dass das Therapiezentrum sehr penibel auf die Einhaltung der Hygienevorschriften achtet: „Bei uns tragen alle eine Maske, auch im medizinischen Trainingsbetrieb.“

Ein anderes Projekt hat die Familie Janowicz beerdigt: den Bau eines Ärztehauses zwischen Haus Henneböhl und Oberzent-Schule. „Wir sind da raus“, erklärt der 31-Jährige. Ein Quadratmeterpreis von acht bis zehn Euro, wie er von der Ärzteschaft gewünscht wurde, „ist total unrealistisch“, meint er. „Das können wir als Investor nicht stemmen.“

Jetzt ist ein anderer Interessent seit einem Jahr am Werkeln. Der plant gerade das Gebäude um und fragt bei potenziellen Mietern nach. Ein Treffen mit Interessierten gab es vor etwa zwei Monaten. Jetzt laufen die weiteren Abstimmungen. Sollte aus dem Projekt was werden, „dann würde er uns das Grundstück abkaufen“, erläutert Janowicz.