Seit über 90 Jahren geht’s um Holz

Qualität zahlt sich eben aus. Seit 1928 gibt es die Zimmerei Sillak und Geier im Odenwald. „Wir führen mit viel Leidenschaft Holzbauarbeiten in unserer Heimat aus“, erzählt Benjamin Geier, der den Betrieb zu Jahresbeginn von seinem Schwiegervater Harald Sillak übernahm und ihn nun mit seiner Frau Manuela führt. Auch unter ihm erhielt die Firma wieder vier Sterne des Qualitätsprädikats „Meisterhaft“, dem Siegel der Deutschen Bauwirtschaft.

Seit 2009 kann sich der Rothenberger Betrieb damit fortlaufend schmücken, erläutert Geier. Die Kriterien werden alle zwei Jahre aufs Neue abgeprüft. Die Vergabe geschieht nach einem Punktesystem, weiß er. Die Verpflichtung zur stetigen Weiterbildung steht im Fokus, sagt der Chef. „Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, legen wir sehr viel Wert darauf“, bekräftigt der Rothenberger.

Der Urgroßvater von Manuela Geier, der Zimmermeister Wilhelm Rebscher, gründete im Jahr 1928 das kleine, aber feine Unternehmen. Damals war auch noch ein Sägewerk angeschlossen. Sein Schwiegersohn Viktor Sillak, ebenfalls Zimmermeister, übernahm es in zweiter Generation und ließ 1958 die Eintragung in die Handwerksrolle vornehmen. In dieser Zeit wurde auch der Treppenbau in das Arbeitsprogramm mit aufgenommen.

Dipl.-Ing. (FH) Harald Sillak folgte 1979 in der dritten Generation. Unter ihm wuchs die Zimmerei weiter. Es wurde in Rothenberg am Ende der Hauptstraße, dem Firmensitz seit Beginn an, eine neue Werkhalle errichtet. 1992 erweiterte Sillak das Fertigungsgebiet um den Holzrahmenbau. „Inzwischen sind eine Vielzahl von Holzrahmenhäusern zu besichtigen, die von uns gefertigt wurden“, ist Geier stolz auf die Weiterentwicklung.

Der 34-Jährige kommt eigentlich aus einem ganz anderen Berufsfeld, das ihm aber nicht mehr so richtig Spaß machte. Über seine Frau schnupperte er in den Betrieb rein, half später aus. „Das machte so richtig Spaß, dass ich einen komplett neuen Weg einschlug“, erinnert sich Geier. Er begann seine Ausbildung zum Zimmerer Anfang 2012 und legte die Gesellenprüfung Mitte 2013 vorzeitig ab. Direkt im Anschluss begann er mit der Meisterschule und beendete diese mit Erfolg im März 2015.

Benjamin Geier ist nun der zweite Schwiegersohn, der den Betrieb übernahm. Seit Jahresanfang führen ihn die Eheleute in vierter Generation weiter. „Wir freuen uns über diese neue Herausforderung und es erfüllt uns mit Stolz, das Traditionsunternehmen weiter zu gestalten“, betont er.

Dachsanierungen und Wärmedämmungen stehen ebenso im Fokus wie Fassadenarbeiten, Carportbau oder Terrassengestaltung. „Wir wollen dem Werkstoff Holz treu bleiben“, nennt Geier als Philosophie. Und zwar nur dem. Nachhaltigkeit wird ganz groß geschrieben. „Was wir verarbeiten, soll auch zurückgebaut werden können“, hebt der Firmeninhaber hervor.

„Die Auftragslage ist gut“, bekräftigt der Zimmermeister. Deshalb kann er gerne noch Verstärkung für sein Team gebrauchen. Das besteht aktuell aus neun Personen, einem weiteren Meister, einem Azubi und Zimmerergesellen. Zimmerer, Dachdecker, Schreiner sowie Azubiinteressenten (nur Zimmerer) sind willkommen. Holzrahmenbau, Aufstockungen und Anbauten führt die Zimmerei Sillak und Geier nicht nur in Oberzent, sondern auch im angrenzenden Rhein-Neckar-Kreis aus, vor kurzem sogar im nördlich gelegeneren Seligenstadt.

Benjamin Geier sieht die Siegel-Verleihung als „Bestätigung unseres eingeschlagenen Wegs“. Kompetente Beratung, verbunden mit einer hohen Qualität in der Ausführung, soll die Kunden überzeugen. Das beste Beispiel, dass dies funktioniert, gibt es aus Mannheim zu berichten. Was der Betrieb in vierter Generation bietet, weiß dort ein langjährig zufriedener Kunde zu schätzen. Den ersten Auftrag führte dort schon Viktor Sillak bei der Familie aus.

 

 

Damit ein Betrieb ein Meisterhaft-Siegel führen darf, muss er in Planung und Ausführung seiner Bauleistungen stets Meisterqualität abliefern, die höchsten Ansprüchen gerecht wird. Mit diesem Siegel wird ein Vertrauensanspruch ausgedrückt: Kompetenz und Sicherheit bei jedem Arbeitsschritt. Die Meisterhaft-Auszeichnung mit 4 Sternen führen Innungs-Fachbetriebe, die in besonderer Weise Leistungs- und Weiterbildungs-Standards bieten.

Freibadsaison in Oberzent könnte ins Wasser fallen

Die Freibadsaison droht coronabedingt ins Wasser zu fallen. Denn normalerweise starten in diesen Tagen die Vorbereitungen, damit die drei Bäder Mitte bis Ende Mai öffnen können. Doch das öffentliche Leben ist lahmgelegt – keiner weiß wie lange. Durch die Begrenzung von Menschenansammlungen auf zwei Personen ist es unmöglich, gemeinsame Arbeitseinsätze zu koordinieren. Somit stockt alles.

Genau das ist aktuell das Problem des Vereins Waldseebadbad Beerfelden, der in den Vorjahren meistens rund um Ostern mit etlichen Helfern begann, das über 80 Jahre alte Freibad wieder herzurichten. „Arbeitseinsätze dürfen nicht stattfinden“, bedauert die Vorsitzende Ina Bottelberger. „Uns bleibt also nichts anderes übrig als abzuwarten“, meint sie fatalistisch.

Plan B der Ehrenamtlichen, wenn die Beschränkungen noch länger dauern sollten, aber noch vor Beginn der Saison enden: „Dann spritzen wir eben nur das Becken aus.“ Das würde als Notmaßnahme reichen, um zumindest öffnen zu können. Jedoch steht alles in den Sternen. Es weiß derzeit niemand, ob in Beerfelden im Sommer draußen gebadet werden kann.

Das 50 Meter lange Becken hat einen Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich sowie ein Ein-Meter-Sprungbrett und einen Drei-Meter-Sprungturm. Es gibt eine große Liegewiese mit drei Holz-Sonnendecks, Babybecken, Schaukel und Rutsche, Sandkasten, Beach-Volleyballfeld, schattige Ruhebänke im Wald sowie einen Kiosk mit gemütlicher Sonnenterasse.

Am Finkenbacher Freibad setzen die Aktiven des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV) derzeit auf Einzeleinsätze. „Der Rasen wird gemäht, die Maulwurfhügel werden plattgemacht, der Kiosk geputzt“, berichtet Vorsitzender Christian Niesen. Man will keine Zeit verlieren. Ihm ist aber klar, „dass wir abwarten müssen“. Er rechnet nicht damit, „dass wir Anfang Mai aufmachen“.

Im 1933 gebauten Freibad gibt es ein Schwimmerbecken mit 25 auf 12,5 Meter und einer maximalen Tiefe von 1,90 Metern. Das Kinderbecken hat einen Durchmesser von etwa sechs Metern. In den vergangenen Jahren wurde viel saniert. Gleich neben dem Eingang erhielt die Sitzecke für Stammgäste einen festen Untergrund. Die vier Metallpfosten des Sonnensegels bekamen ein gemauertes Fundament. Neben der Fliesenumrandung des Kinderbeckens wurde auch die Randfolie erneuert. Vom HVV wurden sämtliche Bänke und Tische frisch gestrichen und marode Holzlatten ersetzt.

Ähnliche Unsicherheiten gibt es ebenfalls bei Schwimmbad-Initiative Hetzbach. „Pflegemaßnahmen von Bäumen und Rasen  finden statt“, berichtet Walter Gerbig. „Natürlich einzeln oder zu zweit mit  den erforderlichen Abständen“, betont er. Um hinzuzufügen: „Im Bad ist ja genug  Platz.“ Die Aktiven wollen die Entscheidung der Verantwortlichen im Bund am 20. April abwarten, ob die derzeitigen Beschränkungen gelockert werden.

„Sollten wir grünes Lich  bekommen und soziale Kontakte wieder möglich  sein“, sieht der Ablauf laut Gerbig wie folgt aus: Reinigung des Bads an einem Wochenende und Einlassen des Frischwassers. Nach fünf Tagen ist das Becken voll und der Badebetrieb könnte starten. „Wir sind aufgrund der jahrelang geübten Tätigkeiten besonders flexibel“, hebt er hervor. Der Dienstplan der Badeaufsichten wird dann ab dem geplanten Öffnungstag bis Saisonende  erstellt. Es könnte aber in Zeiten von Corona auch die Entscheidung fallen, dass die öffentlichen Bäder neben weiteren öffentlichen Einrichtungen geschlossen bleiben, befürchtet der Hetzbacher.

Im Stadtteil gibt es ein solarbeheiztes 25-Meter-Becken mit Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich, außerdem noch ein Babybecken. Sonnenliegen direkt am Schwimmbecken, eine Liegewiese mit Sonnensegel, ein Liegehügel, Sitzmöglichkeiten auf der gesamten Rasenfläche und ein Kiosk mit Terrasse runden das Angebot ab.

 

Info: Einen Überblick mit Verlinkungen zu den jeweiligen Bädern bietet die Webseite der Stadt Oberzent: http://www.stadt-oberzent.de/stadtleben/kommunale-einrichtungen/schwimmbaeder/

Im Rothenberger Hirsch: Außer-Haus-Verkauf gegen die Krise

Im Höhendorf wird die Solidarität hochgehalten. Seit die Restaurants coronabedingt schließen mussten, versuchen sie sich mit Liefer- und Abholangeboten über Wasser zu halten. Das kann natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, weil viel mehr dahinter steht als „nur“ ein paar verkaufte Essen. Beim Hotel-Restaurant „Hirsch“ in Rothenberg freut man sich, dass das Angebot nicht nur von Rothenbergern gut genutzt. Aber die die Familie Beisel plagen – wie viele anderen Kollegen auch – große Existenzsorgen.

„Der Außer-Haus-Verkauf unter der Woche steigt“, hat Angelika Beisel beobachtet. Da kommen vor allem die Rothenberger. Am vergangenen Wochenende, wenn dann noch die Hungrigen aus Hirschhorn, Beerfelden oder Finkenbach ihr Essen ordern, lief es sehr gut, schildert sie. Da war die Nachfrage sogar größer als die knusprigen Gockel. Die Leute halten auf dem Land zusammen. „Es kommen viele, um die Gastro vor Ort in schweren Zeiten zu unterstützen“, meint sie. „Das macht es persönlich und berührt mich sehr.“ Die Gastronomin beschreibt sich selbst als „noch in Schockstarre“ über das Geschehene.

Die Beisels rechneten schon vor zwei Wochen mit einer Verschärfung der Regelungen. Nicht nur die Gaststätte ist davon betroffen, sondern auch das Hotel, schildert die Chefin die Situation. Ein 50. Geburtstag war geplant, eine große Chorfreizeit hatte sich angekündigt. Und jetzt: nichts. Die Summe, die an Umsätzen fehlt, „ist schon heftig“, nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Und das vor dem Hintergrund einer ausgefallenen Skisaison, wodurch Januar und Februar „sowieso schon schlechte Monate waren“.

Die Rothenberger Gastronomen-Familie weiß, dass sie mit dieser Erfahrung im Odenwald nicht allein dasteht. Vielen Kollegen geht es ähnlich. Denen bricht nicht nur das aktuelle, sondern auch das Ostergeschäft bis weit in den Mai hinein weg. „Konfirmationen, Cateringaufträge, Reisegesellschaften – alles futsch“, erzählt Angelika Beisel. Die Stornierungen reichen inzwischen bereits bis Pfingsten.

„Das ist ein Fass ohne Boden“, befürchtet sie das Schlimmste. Und mit nichts zu kompensieren. Darlehen, die zur Unterstützung im Gespräch sind, „müssen ja auch irgendwann zurückgezahlt werden“, ist das für die Gastronomin nicht der Weisheit letzter Schluss. Ebenso verhält es sich mit der Stundung von Steuerzahlungen. Die werden ebenfalls ja nicht erlassen.

„Wo soll ich es hernehmen“, klingt Angelika Beisel verzweifelt. „Sparen, sparen, sparen“, im Sommer kein zusätzliches Personal einstellen, ist ein Teil des Ganzen. Entlassungen wären kontraproduktiv. Nicht nur, weil dann ihre Beschäftigten ohne Job dastehen, sondern „wir würden wertvolle Leute für die Zukunft verlieren“.

Zuschüsse sind ein weiterer Baustein, aber zur Verwirklichung braucht es wiederum – nicht vorhandenes – Eigenkapital. Für die Hirsch-Chefin die beste Lösung: Es müsste Geld ohne Rückzahlungspflicht zur Verfügung gestellt werden – wie es für bestimmte Berufsgruppen aktuell in der Beratung ist. „Wir brauchen eine Liquiditätshilfe, die sofort kommt und nicht in Darlehensform“, bringt sie es auf den Punkt.

Die Herabsetzung des Umsatzsteuersatzes für Speisenverkauf auf durchgehend sieben Prozent, wie es der Verband schon länger fordert, wäre für sie eine andere sinnvolle Maßnahme. Bisher gilt das nur für Außer-Haus-Verkauf. Denn ob ab Juni wieder alles in geregelten Bahnen verläuft, ist noch lange nicht klar. Das hängt an vielen Faktoren. Einer davon: Gibt es die Busunternehmen noch, die früher die Reisegruppen in den Odenwald kutschierten, oder haben manche pleite gemacht? Denn dann „kommen keine Leute mehr“.

Der „Hirsch“ war in diesem Jahr gut aufgestellt, erläutert Beisel. Es ging langsam, aber stetig aufwärts, „wir waren auf einem guten Weg“. Der ist jetzt zu Ende, alle Planungen sind dahin. „Wir müssen um unser Überleben kämpfen.“ Inzwischen freut sie sich schon darüber, „wenn ein Anruf kommt und für Dezember reserviert wird.“

Zum Bild: Holt sein Mittagessen beim Hotel „Hirsch“. Edgar Ludebühl aus Rothenberg, hier mit Angelika Beisel.

Info: Mehr zum Außer-Haus-Angebot beim „Hirsch“ unter www.hirschwirts.de/Aktuelles/ und www.facebook.com/Hirschwirts/

Einkaufsservice für die Bürger im Finkenbachtal

Wenn das Leben nicht seinen geregelten Gang geht, Corona-Chaos herrscht und manche Menschen in Not geraten, dann steht die Dorfgemeinschaft ihren Mann. Auf dem Land ist man eben füreinander da. Die Ortsbeiräte aus Ober-Hainbrunn, Falken-Gesäß, Finkenbach, Hinterbach und Raubach haben sich in diesem Sinne zusammengetan und einen Einkaufsservice für die Bürger auf die Beine gestellt.

„In der aktuellen Situation sind Mitmenschen auf unsere Hilfe angewiesen“, betont der Finkenbacher Ortsvorsteher Christian Niesen. Denn die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Leute ein. Es gibt seines Wissens zahlreiche Personen, die kein Auto besitzen. Dazu kommen auch Ältere und Personen mit Vorerkrankungen, die es aktuell meiden sollten, in die Öffentlichkeit zu gehen. „Mit unserem Einkaufservice wollen wir aus Solidarität in Zeiten der Corona-Pandemie genau diese gefährdeten Gruppen unterstützen“, erläutert Niesen.

Die Idee zur Hilfsaktion hatte der Finkenbacher Ortsbeirat Patrick Löffler. „Wir sollten das nicht allein machen, sondern das gesamte Tal mitnehmen“, war der Tenor im Oberzent-Stadtteil. Deshalb wurden kurzfristig die Ortsbeiräte in Falken-Gesäß und Ober-Hainbrunn abgefragt, ob sie dabei sind. Das Ja, mitgeteilt über die Ortsvorsteher Stefan Hofmann (Ober-Hainbrunn) und Manuel Schwinn (Falken-Gesäß), war nur Formsache.

„Wer Hilfe beim Einkaufen benötigt, wendet sich bitte an unsere Koordination“, schildert Niesen das Vorgehen. Er besprach übers Wochenende einen Anrufbeantworter, der ab sofort unter Telefon 06068/478016 erreichbar ist. Dort können die Bürger ihren Namen und ihre Nummer hinterlassen. „Sie werden dann zurückgerufen und die Bestellung wird aufgenommen“, sagt Niesen.

Die eingegangenen Einkaufswünsche werden danach an die zuständigen Ortsvorsteher weitergeleitet, die regional ihren Einkaufsservice koordinieren, erklärt der Finkenbacher. „So besteht für jeden die Möglichkeit, sich mit neuen Lebensmitteln einzudecken.“ Doch nur mit dem Einkaufen ist es nicht getan. „Wir wollen auch abfragen, ob die Leute einsam sind und vielleicht ein erhöhter Kommunikationsbedarf besteht“, erläutert er die Beweggründe.

Sollte sich das herausstellen oder sich ein Gespräch Richtung Seelsorge entwickeln, dann wird mit Einverständnis der Anrufer ihr Kontakt an die Stadt Oberzent weitergegeben. Dort ist ebenfalls eine Hotline unter 06068/7590-999 geschaltet. Diese ist montags bis freitags von 8 Uhr bis 18 Uhr besetzt. In Absprache mit der Generationenhilfe „werden wir in unserer Stadt niemanden alleine lassen“, verspricht Bürgermeister Christian Kehrer.

Die drei Ortsbeiräte „wollen die Bürger im Tal absichern“, so Niesen. Senioren, die in Zeiten der Krise von zuhause nicht wegkommen, sollen versorgt werden. In einem ersten Schritt will man den Bedarf ermitteln, so der Ortvorsteher. Je nach Resonanz werden die Einkäufe erledigt. Sollte viel reinkommen, dann wird es extra Touren geben, wenn es nur vereinzelte Anrufe gibt, dann laufen diese Einkäufe bei den etatmäßigen Besorgungen mit, die sowieso immer mal anstehen.

 

Einkaufs-Hotline der Orte Ober-Hainbrunn, Falken-Gesäß, Finkenbach, Hinterbach und Raubach mit Anrufbeantworter: 06068/478016

Getränkebestellungen ab einer Kiste übernimmt der Heimlieferdienst der Firma Gerd Koch in Ober-Hainbrunn, Telefon 06275/619. Liefertermin immer mittwochs.

Hotline der Stadt Oberzent: 06068/7590-999

 

Bürgerinitiative will den windigen Wahnsinn stoppen

„Lasst uns gemeinsam diesen Wahnsinn stoppen“, macht die Bürgerinitiative (BI) „Pro Natur“ in Rothenberg deutlich. Sie richtet sich damit gegen Planungen eines Windkraft-Projektierers, der auf der Hirschhorner Höhe 13 Rotoren errichten möchte. Eigentlich war für dieses Wochenende eine Info-Veranstaltung geplant, die aber coronabedingt ausfallen musste. „In diesem Schwachwindgebiet bringen Windenenergieanlagen (WEA) keinen Ertrag“, machen die Gegner klar.

Schon Ende Januar hatten die Rothenberger mit Unterstützung weiterer BI verdeutlicht, wie wenig sie von Windrädern auf dem Höhenzug halten. „Wir nehmen Klimaschutz sehr ernst. Und wir sind für die Nutzung der regenerativen Energien“, sagen die Aktiven. Um hinzuzufügen: „Aber nur dort, wo es wirklich Sinn macht.“ Wie 13 Rotoren aussehen, können die Rothenberger schon jetzt „bewundern“: auf den gegenüber liegenden Hängen von Greiner Eck, Stillfüssel und Kahlberg.

Die Versuche von Windkraftprojektierern Anfang des Jahres, benötigte Flächen für ihr Vorhaben zu pachten, schreckte die Bürger des Höhendorfs auf. Im „Hirsch“ fand Mitte Januar eine Art „Kick-off-Veranstaltung“ statt, aus der sich die BI entwickelte. Die führte dann Anfang März einen Filmabend mit dem Streifen „End of Landschaft“ durch, „wobei wir bis zu 30 weitere Mitstreiter gewonnen haben“, freut sich Claus Weyrauch. „Weitere Aktive sind natürlich gern willkommen“, betont er.

„Uns geht es zuallererst darum, zur Aufklärung der Bevölkerung beizutragen“, erläutert Susanne Weyrauch. In diesem Sinne war auch der jetzige Infonachmittag in der Sporthalle geplant, zu dem sich Prof. Christian-Friedrich Vahl von der Uni Mainz und Geograph Richard Leiner aus Heidelberg angesagt hatten.

Der Herzspezialist Vahl, gleichzeitig Besitzer eines Ferienhauses im Höhenort, wollte zum Thema „Infraschall – Störsender fürs Herz“ referieren. Er ist Leiter der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Seit drei Jahren forscht Vahl mit seiner Arbeitsgruppe „Infraschall“ zu dessen Auswirkungen auf menschliche Organe.

Leiners Thema lautet „Windkraft im Naturpark: Was bedeutet der Regionalplan für den Odenwald?“ Er ist gleichzeitig Sprecher der Initiative „Rettet den Odenwald“. Die Veranstaltung soll zu gegebener Zeit nachgeholt werden, versichert Claus Weyrauch. Er rechnet damit, dass die Projektierer bald wieder ihre Arbeit aufnehmen werden, nachdem ein erster Termin zur Grundstücksakquise abgesagt worden war.

Vor kurzem gab es eine BI-Wanderung durch das betreffende Gebiet, um in Augenschein zu nehmen, welche Fauna und Flora dort vorhanden ist. Zum einen geht es um den Natur- und Baumbestand, zum anderen um das Vorkommen von geschützten Arten. „Für eine lebenswerte Umgebung, für unsere Gesundheit, für den Natur- und Artenschutz“, beschreibt die BI denn auch ihre Zielrichtung.

Am Demonstrationszug quer durch den Ort hatten sich Ende Januar etwa 300 Menschen beteiligt. „Wir erfahren sehr viel Zuspruch von anderen Bürgerinitiativen aus Breuberg, Siedelsbrunn und dem Ulfenbachtal“, berichtet Susanne Weyrauch. Das Anliegen der BI: „Wir wollen die Rothenberger gut informieren, damit sie sich ein eigenes Urteil bilden können.“

Nach Meinung der BI bringen Windräder im „Schwachwindgebiet Odenwald“ keinen Ertrag. Sie würden nur gebaut, um 20 Jahre lang die staatlichen Subventionen abzuschöpfen. „Diesen Subventionsmissbrauch einzelner Konzerne bezahlen wir mit unseren Steuern und einem der höchsten Strompreise in Europa“, mahnen die Aktivisten.

Sie lehnen ganz entschieden die Opferung eines der letzten Naturparadiese in Deutschland zugunsten dieser „für die Allgemeinheit sinnlosen Praxis ab“. Dazu kommt ihrer Meinung nach ein Verfall der Immobilienpreise in der Nähe von WEA. Und wenn die Betreiberfirma Pleite geht, bleiben die Verpächter auf den Rückbaukosten sitzen. „Wehret den Anfängen“, lautet deshalb die Botschaft.

 

Kontakt zur BI „Pro Natur“: Susanne Weyrauch, Telefon 01511-7379793, oder Andreas Ihrig, Telefon 01525-3862359.

 

 

Lenn bekommt jetzt eine ganz, ganz harte Chemo

„Es wird ein langer und steiniger Weg, aber wir haben die Hoffnung, dass Lenn wieder ganz gesund wird“, sagt Jana Morr optimistisch. Der Dreijährige ist an Leukämie erkrankt, was schon in „normalen Zeiten“ eine niederschmetternde Diagnose wäre. Während der Corona-Pandemie ist aber alles nochmal viel heftiger. Nicht nur die Gesundheit ihres Sohnes treibt die 29-jährige Odenwälderin aus dem Oberzent-Stadtteil Rothenberg um, sondern die Familie sieht auch ihre Existenz gefährdet. Lenn hat noch einen kleinen Bruder, Milo, gerade einmal zehn Monate alt.

Die niederschmetternde Diagnose kam Anfang Dezember. Eigentlich gab es nur ganz wenige Vorzeichen, erzählt Jana Morr. Lenn hatte ein paar blaue Flecken, die über Nacht mehr wurden. Ihr Mann Alexander fuhr vorsichthalber in die Kinderklinik, um alles abzuchecken. Dort wurde dem 35-Jährigen nach eingehender Untersuchung mitgeteilt, dass es sich höchstwahrscheinlich um Leukämie handelt. Der Verdacht bestätigte sich nach der Verlegung in die Onkologie leider schnell.

Nicht genug damit, erzählt die junge Frau: Der Dreijährige leidet unter einer sehr seltenen Form der Krankheit, bei der sich der richtige Behandlungsweg erst nach und nach zeigt. Lenn wurde stationär aufgenommen und bekam eine Chemotherapie. „Silvester durfte er das erste Mal wieder nach Hause“, erinnert sich seine Mutter. Doch ein paar Tage später bekam das Kind Fieber und musste wieder ins Krankenhaus.

An eine geregelte Arbeit war bei Alexander Morr nicht mehr zu denken. Wenn Lenn in der Klinik bleiben musste, übernachtete sein Vater bei ihm. Und wenn er zuhause war, gab es jeden zweiten Tag einen Krankenhaus-Termin. In den vergangenen Wochen durfte der Dreijährige viel Zeit in Rothenberg verbringen. „Er versteht nicht, warum er nicht mit anderen Kindern spielen durfte“, sagt seine Mutter. Denn vor dem Haus ist ein Spielplatz. Aber nach der Chemo „hat er so gut wie kein Immunsystem“, weiß sie. Inzwischen ist coronabedingt sowieso alles gesperrt.

Die Pandemie erschwert jetzt alles um ein Vielfaches. „Wir gehen nicht mehr raus, auch nicht zum Einkaufen“, sagt Jana Morr. Die Familie verlässt das Haus nur noch, um ins Krankenhaus zu fahren. Seitdem das aber seine Vorschriften verschärft hat, darf nur noch ein Elternteil mit zur Untersuchung und dort bleiben. „Der andere darf nicht einmal zu Besuch kommen“, bedauert Morr.

Das wird ab dieser Woche für Lenn und seine Eltern besonders hart. „Er bekommt dann eine ganz, ganz harte Chemo“, meint seine Mutter sorgenvoll. Der Dreijährige gilt als Hochrisikopatient. In sechs Tagen erwarten ihn 14 Behandlungen, dann sind zwei Wochen Pause. Das Ganze wiederholt sich noch zwei Mal.

Was ihr Hoffnung macht: Nach der ersten Therapie wurde eine Remission erreicht. Die Krebszellen breiteten sich nicht weiter aus. Jetzt geht es darum, sie nicht nur schlafen zu legen, sondern auch abzutöten. Erst am Ende dieser Behandlung, die mindestens noch das ganze Jahr dauert, wird klar sein, ob ihr Sohn eine Dauertherapie oder zusätzlich eine Stammzellenspende braucht.

„Lenn verpackt es recht gut“, beobachtet die 29-Jährige. Kinder haben eben die meiste Kraft, meint sie. Allerdings gibt es auch Phasen, „da liegt er nur lethargisch im Bett“. In den vergangenen Wochen, als sich die Familie viel zuhause aufhielt, „war er lebensfroh und ist viel draußen rumgerannt“, berichtet sie. „Die Chemo steckt er relativ gut weg“, weiß Morr.

Durch den Wegfall des Einkommens – da Alexander Morr bei seiner Firma freigestellt ist – und bald auch des Elterngeldes kommen auf die vierköpfige Familie existenzielle Sorgen zu. Der Arbeitgeber des 35-Jährigen meldet durch die Wirtschaftskrise außerdem Kurzarbeit an, was noch einmal das zur Verfügung stehende Geld vermindert.

„Wir sind sehr gerührt, dass so viele Leute Anteil nehmen und uns unterstützen wollen“, freut sich Jana Morr deshalb. Der Spendenaufruf der Generationshilfe ging innerhalb kürzester Zeit auf WhatsApp viral. „Damit hätten wir niemals gerechnet“, spricht sie allen ihren großen Dank aus. Ohne die Unterstützung von Familien und Freunden wäre das alles nicht zu schaffen.

Info: Es gibt einen Spendenaufruf der Generationenhilfe Oberzent für die Familie Morr. Zuwendungen können auf das Konto DE12 5085 1952 0030 0120 90 der Generationenhilfe überwiesen werden. In den Betreff bitte angeben: „Spende Lenn“ und die eigene Anschrift, damit eine Spendenbescheinigung zugestellt werden kann. Ohne Bescheinigung geht es formlos über PayPal mit der Adresse spende.lenn@web.de oder PayPal.Me/spendelenn.

Fußball-Geschichte im Odenwald wird lebendig

Der Fußball ist für Klaus Gackenheimer sein Ein und Alles. Akribisch hat der frühere Fußball-Schiedsrichter, Klassenleiter im Kreisjugend-Fußballausschuss und langjährige Aktive seines Heimatvereins SG Rothenberg Unterlagen aus 75 Jahren der Ball-Geschichte im Odenwaldkreis ausgewertet. Daraus sind inzwischen sieben Bücher entstanden, die Ergebnisse, Tabellen, Spielberichte, Fotos und Anekdoten zusammenfassen. Band 7 für die Jahre 2013 bis 2019 ist gerade erschienen.

Seit 2003 hat sich der 74-jährige Rothenberger diese Zusammenstellung zur Aufgabe gemacht. Damals hörte er als Klassenleiter auf. Während dieser Zeit notierte er immer die Ergebnisse der ersten Mannschaft. Damals fielen ihm viele Unterlagen aus den vorhergehenden Jahren in die Hände. „Ich dachte mir, das könnte ich zu Papier bringen“, erzählt der Rothenberger. Was fehlte, organisierte er sich.

„Ich war immer unterwegs“, erinnert er sich. Kaum mit seinem Job bei Scherer fertig, recherchierte er im Kreisarchiv und beim Odenwälder Echo in unzähligen Stunden und mühevoller Kleinarbeit die vergangenen Jahrzehnte. „Bei der Heimatzeitung bin ich tagelang im Keller gesessen“, berichtet er sich. Ins Höhendorf zurückgekehrt, übertrug Gackenheimer seine Erkenntnisse gleich in den Computer. „Das ist eine Sauarbeit“, nimmt er kein Blatt vor den Mund.

Aufzeichnungen der früheren Kreisfußballwarte Fritz Walter, Horst Neff und jetzt Wilhelm Paulus ging der Autor mit Paulus durch. Es entstanden Bücher von jeweils rund 500 Seiten, die in einer Steinbacher Druckerei mit einer Auflage von 150 bis 200 Stück hergestellt wurde. Im Vorwort dankt Kreisfußballwart Paulus dem Rothenberger Fußballfreund für die zeitaufwendige Arbeit, mit der sich Gackenheimer nicht nur ein Lebenswerk geschaffen, sondern auch allen interessierten das Fußballgeschehen für die Zukunft erhalten hat.

Wenn montags das Echo erscheint, setzt sich Gackenheimer nachmittags zwei Stunden hin und wertet von der obersten Liga bis ganz nach unten alles detailliert aus. Weil nicht immer alle Daten vorhanden sind, gehört die Internetrecherche für ihn zum täglichen Brot. Der erste Band, 2005 erschienen, beleuchtet die Zeit von 1945 bis 1975. Die Vereine stellten dem Autor Bilder aus früheren Jahren zur Verfügung. Band 2 reicht von 1975 bis 1985. Danach wurden die Abstände kürzer: erst acht, dann sechs Jahre. Natürlich ist Band 8 schon in Vorbereitung. Parallel erstellt der Fußball-Fan Jahresordner, die er jedes Jahr im Kreisarchiv Erbach abgibt.

„Wenn ich das heute nicht mehr mache, macht es keiner mehr“, betont Gackenheimer. Er kümmert sich aber nicht nur um die Kicker im Kreis. Denn nächstes Jahr feiert sein Heimatverein, die SG Rothenberg, ihr 75. Jubiläum. Der demnächst Gleichaltrige trägt ab dem Gründungsjahr 1946 die Geschichte zusammen. Im Gemeindearchiv und im SG-Sportheim sind seine Arbeiten für alle Interessierte zugänglich.

Aber nicht nur hier war Gackenheimer ehrenamtlich aktiv. „Ich habe in 45 Jahren 1250 Spiele gepfiffen“, notierte er akribisch. „Die Zeit möchte ich nicht missen.“ Ein Spiel in Beerfelden vor langer Zeit ist ihm noch im Gedächtnis. Das brach er in der Halbzeit beim Stand von 12:0 ab, weil die gegnerische Mannschaft einfach zu betrunken war. Dazu kommt noch sein Faible für die Kleintierzucht. Mit seinen Kaninchen war der dem Hirschhorner Züchterverein angeschlossene bereits drei Mal Deutscher Meister.

Dem Fußball gilt aber sein Hauptaugenmerk. „Dem widme ich jede freie Minute“, berichtet er. Nach dem Krieg waren alle Vereine verboten, weiß der Rothenberger. Bei der Militärregierung musste damals der Antrag auf Neugründung gestellt werden. Voraussetzung. Es durften keine propagandistischen Versammlungen abgehalten werden. Per Hand wurde damals das Gelände auf der Höhe eingeebnet, um einen Platz zu erstellen. Trikots gab es keine, die bekam man wie auch Bälle im Tausch gegen Holz. „Heute hat der Verein 50 Bälle“, weiß der Senior. Die geht er montags nach den Spielen immer im Wald suchen.

 

Info: Band 7 der Geschichte des Fußballs im Odenwaldkreis ist erhältlich beim Autor Klaus Gackenheimer in Rothenberg, Odenwälder Landstraße 26, Telefon 06275/474, E-Mail  kgackenheimer@aol.com und in der Gaststätte „Zur Gerste“ in Steinbach bei Wilhelm Paulus, Telefon 0160-91875510, http://www.zur-gerste.de, zum Preis von 25 Euro. Die bisherigen Bücher Band 1 bis Band 6 sind bei beiden noch in kleinen Stückzahlen erhältlich.