Oberzent führt Zweitwohnungssteuer ein

80.000 bis 100.000 Euro: Diese jährlichen Mehreinnahmen erhofft sich Oberzent von der Einführung einer Zweitwohnungssteuer. Zwar ist der einmalige Verwaltungsaufwand zu Beginn hoch, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer der in der Sporthalle tagenden Stadtverordneten-Versammlung. „Aber es lohnt sich“, fügte er hinzu.

Bereits vor der Fusion 2018 hatte es in Rothenberg eine solche Steuer gegeben. Sie war danach erst einmal ausgesetzt worden, da sie in den anderen drei Gemeinden nicht existierte. Die Zweitwohnungssteuer bildet eine Möglichkeit, weitere willkommene Steuereinnahmen zu generieren, so Kehrer. Sie ist „für den Haushalt der Stadt notwendig“, sagte er.

Das Stadtoberhaupt betrachtete diese Steuerart „auch als regulierenden Faktor“. Denn oft würden dann Erst- und Zweitwohnsitze angepasst. Wird der Erstwohnsitz in Oberzent angemeldet, hat es den positiven Effekt, dass die Stadt von den höheren Einkommensteueranteilen profitiert. Kehrer nannte um die 800 Personen, die derzeit nicht ihren Hauptwohnsitz in der Stadt haben.

Eine Regulierung über die Grundsteuer funktioniert nicht, entgegnete er auf eine Nachfrage von Thomas Väth (Grüne). Brigitte Heckmann (SPD) bekannte, erst einmal „Bauchweh“ wegen des Verwaltungsaufwands gehabt zu haben. Unterm Strich sah sie aber die Vorteile.

Sie berichtete aus den Erfahrungen in Kortelshütte: Viele hätten nach Einführung der Steuer ihren Erstwohnsitz in der Altgemeinde Rothenberg angemeldet, wusste sie. Das wiederum, ergänzte Wilfried Friedrich (ÜWO), bedeutete dann finanzielle Vorteile, da es durch mehr Einwohner höhere Schlüsselzuweisungen gab.

„Wer hier wohnt, soll auch seinen Beitrag für die Kommune leisten“, sprach sich Horst Kowarsch (Grüne) ebenfalls dafür aus. Denn Personen, die nur ihren Zweitwohnsitz in Oberzent gemeldet haben, nutzen ebenfalls die komplette Infrastruktur. Positive Signale sendete ebenfalls Oliver von Falkenburg (CDU) aus, womit der einstimmigen Verabschiedung nichts im Weg stand.

Im Ausschuss war im Zuge der Diskussion daneben angesprochen worden, dass mit der Erhebung einer Zweitwohnungssteuer große Gebäude, „die wenig oder gar nicht genutzt werden, vielleicht an den Markt gebracht werden“. Als weiterer Vorteil wurde genannt, dass damit auch das Einwohnermeldewesen bereinigt wird.

Oberzent: Keine Steuer für Jagdhunde

Jagdhunde und Nachsuchengespanne sollen ebenfalls von der Hundesteuer ausgenommen werden. Diese Ergänzung der Satzung beschloss die Stadtverordneten-Versammlung Oberzent bei ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr auf Antrag von Oliver von Falkenburg (CDU). Die Grünen hätten sich Ausnahmen nur auf Antrag und nicht gleich schriftlich festgezurrt gewünscht, scheiterten aber mit diesem Ansinnen. Die eigentliche Satzung wurde dann einstimmig verabschiedet.

Der CDU-Sprecher wollte im ländlichen Raum Jagdhunde mit entsprechender Qualifikation als Teil der wertvollen Arbeit der Oberzent-Jäger wahrnehmen. Das sei zweckmäßig, so von Falkenburg. Die Jäger verrichten seiner Meinung nach „mit ihren treuen und qualifizierten Begleitern“ freiwillige Aufgaben zum Wohl der Allgemeinheit. Sie leisten weiterhin einen Beitrag zur öffentlichen Daseinsvorsorge.  

Der CDU-Sprecher wies darauf hin, dass die Jagd und die damit einhergehenden Aufgaben im Odenwald „gelebter Naturschutz“ sind. Sie tragen zum Erhalt der Lebensgrundlagen bei. Das Zusammenspiel von Mensch und Tier sollte deshalb auf diesem Weg mit einer Steuerbefreiung honoriert werden, wenn das von den Hundehaltern so beantragt wird.

Der Hessische Städte- und Gemeindebund empfiehlt in seiner Mustersatzung keine Befreiung, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Allerdings wird auch nicht explizit davon abgeraten, ergänzte er. Das Stadtoberhaupt machte aber die Einschränkung: Wenn Jagdhunde mit aufgenommen werden, sollte das unter anderem auch mit Rettungshunden geschehen. Er wünschte sich deshalb, eine Einzelfallentscheidung dem Magistrat zu überlassen. Sonst mache man ein Fass auf.

Das befürchtete auch Thomas Väth (Grüne). Sein Gedanke, dass aus dem Tierheim stammende Kampfhunde dadurch befreit sein könnten, weil normalerweise auf Tierheim-Hunde keine Steuer erhoben wird, trifft nicht zu, entgegnete der Bürgermeister. Das ist in der Satzung entsprechend explizit geregelt.

Positiv äußerte sich Thomas Ihrig (SPD) zum CDU-Ansinnen. Auf dem Land „leisten die Förster viel fürs Allgemeinwohl“, betonte er. Deshalb macht eine Befreiung Sinn. Sollten wirklich mehr „weitere zehn Befreiungswünsche kommen“, könne man sich neu damit befassen.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) wollte – wie auch der Rest ihrer Fraktion – gern die neue Satzung unverändert lassen. Für sie ist es sinnvoller, nur auf direkten Antrag zu reagieren. Deshalb plädierte die Fraktionssprecherin lediglich für enge Ausnahmen. Bei drei Gegenstimmen der Grünen ging der CDU-Antrag jedoch durch.

Die Stadt verspricht sich durch die Hundesteuer-Anhebung etwa 22.460 Euro zusätzliche Einnahmen zu den bisherigen 53.500 Euro. Bisher kostete der erste Hund 48, der zweite 72 und der dritte 96 Euro. Kampfhunde wurden pro Tier jeweils mit 600 Euro besteuert. Oberzent lag damit unter dem Schnitt benachbarter Kommunen. Lediglich bei den Kampfhunden war man um etwa 150 Euro drüber.

Hintergrund der Anhebung: Mit der Neufassung der Hundesteuer-Satzung soll das Oberzent-Modell an das Muster des Hessischen Städte- und Gemeindebundes angepasst werden. Außerdem werden Hundesteuermarken, Steuerbefreiungen und Meldepflichten geregelt. Aktuell sind in Oberzent etwa fast 1100 Hunde gemeldet. Der Verwaltungschef erläuterte, dass durch die Bestandsaufnahme im Frühjahr 40 nichtregistrierte Hunde festgestellt wurden.

Mit Blick auf die höheren Steuerbeträge bestand bei den Mandatsträgern Einigkeit, dass diese vertretbar sind. Künftig kostet der erste Hund ab Januar kommenden Jahres 66 Euro, der zweite 108 und der dritte 150 Euro. Dabei nimmt man die hessischen Durchschnittswerte als Orientierungswert. Kampfhunde werden pro Jahr mit 684 Euro besteuert.

Steigen soll auch die Spielapparatesteuer. Außerdem soll die Satzung ans Muster des Städte- und Gemeindebundes angepasst werden. Insgesamt verspricht man sich bei der Verwaltung durch die diversen Erhöhungen in den verschiedenen Kategorien Mehreinnahmen von knapp 34.000 Euro. Das entspricht bei insgesamt 76.000 Euro Erlös somit einer Fast-Verdoppelung.

Die als Corona-Hilfe gedachte Umsatzsteuersenkung des Bundes für zweite Halbjahr 2020 macht es darüber hinaus nötig, die Wasserversorgungssatzung für den entsprechenden Zeitraum zu ändern. Statt sieben werden jetzt bis Ende des Jahres fünf Prozent Mehrwertsteuer auf den Wasserpreis fällig. Beide Punkte gingen einstimmig durch.

5G auf den Punkt gebracht

Der neue Mobilfunkstandard 5G bewegt schon die Gemüter, bevor überhaupt die ersten Anlagen in Betrieb gehen. Verschwörungstheorien über alle möglichen Gefahren machen in diesem frühen Stadium die Runde, war in der Stadtverordneten-Versammlung Oberzent zu erfahren. Nicht nur deshalb wünschten sich die Grünen per Antrag einen Bürgerdialog zum Ausbau des 5G-Mobilfunks in Oberzent. Die Mandatsträger einigten sich darauf, einer öffentlichen Diskussion die Beratung im Ausschuss vorzuschalten.

Fraktionssprecherin Elisabeth Bühler-Kowarsch ging es darum, „eine ausgewogene Information zu organisieren“. Damit könne man die Vor- und Nachteile des Netzausbaus kennenlernen und in einen Dialog mit Entscheidern, Gestaltern und Kritikern treten. „Die Chance zur Meinungsbildung sollten wir unseren Bürgern anbieten“, forderte sie. Denn die Digitalisierung nehme rasant an Geschwindigkeit auf.

„Wir sind auf Akzeptanz angewiesen“, betonte Bühler-Kowarsch. Deshalb wolle man ein breites Spektrum an Meinungen ermöglichen. Die Bedenken und Ängste „müssen wir ernst nehmen und mit Argumenten entkräften“, ist ihre Zielrichtung. Denn: „Die Menschen sollen mitgehen können.“

Von Walter Gerbig (CDU) kam die Anregung, eine fundierte Beratung im Bauausschuss vorzuschalten und dann in die Bürgerbeteiligung zu gehen. Frank Leutz (FDP) wünschte sich eine Prüfung, ob in Oberzent 5G derzeit überhaupt aktuell ist. Er betonte aber unabhängig davon die Notwendigkeit, „die Bürger mitzunehmen“.

Das hob auch Thomas Ihrig (SPD) hervor. Er wollte im Vorfeld „die Interessen abklopfen“. Chris Poffo (ÜWO) möchte ebenfalls erst nach einer Ausschuss-Beratung weitere Infos fließen lassen, um dann der Schwarzmalerei von 5G-Gegnern fundiert entgegentreten zu können.

Thomas Väth (Grüne) wies auf den dringenden sachlichen Info-Bedarf hin. Er war auf einer Veranstaltung von 5G-Gegner, ergänzte er, und „erschrocken über die hanebüchenen Vorstellungen“.  Die dort vorgebrachten Argumente der Bürgerinitiative müssten entkräftet werden, forderte er. Denn sie tragen zur Verunsicherung der Bürgerschaft bei.

In die Reihe der Ausschussberatungs-Befürworter reihte sich auch Bürgermeister Christian Kehrer ein. Kommt es dann zu einer Bürgerinfo-Veranstaltung, will er diese extern begleiten lassen. „Von uns stellt sich keiner da oben hin“, meinte er. Wie das Stadtoberhaupt weiter erläuterte, wurde Oberzent seitens des Landes angesprochen, ob man Testkommune für den 5G-Ausbau sein wolle. Dafür gibt‘s eine 90-prozentige Förderung.

Die Stadt sagte aber erst einmal „Nein“, erläuterte der Rathauschef. Denn die drei großen Mobilfunk-Anbieter sind auf der Gemarkung bereits tätig – beispielsweise im Bereich Olfen oder Schöllenbach, allerdings nur im 4G-Bereich.Wenn es keine städtischen Standorte sind, „werden die Kommunen gar nicht gefragt“, machte der Bürgermeister deutlich, dass manche Nachricht nur per Zufall den Weg ins Rathaus findet. So weiß er unter anderem durch den Buschfunk, dass in Beerfelden zwei Standorte im Gespräch sind.

In der Vergangenheit war die Versorgung mit mobilem Internet vor allem in den Oberzent-Tälern mangelhaft bis nicht vorhanden. Doch so langsam tut sich etwas. Zuletzt wurde im Gammelsbachtal ein 4G-Mast von Telefonica in Betrieb genommen, der nun hier für besseren Zugang ins weltweite Netz sorgt. Sensbachtal und Hesseneck darben jedoch noch.

Alter Schulgarten ist wieder begehbar

Sänger und Verkehrsverein-Mitglieder (VVR) fühlten sich wie im Urwald. Dazu mussten sie gar nicht weit reisen: Denn der alte Schulgarten Rothenberg war völlig zugewuchert und bedurfte dringend eines intensiven Rückschnitts. Zwölf Mann hoch gingen die Aktiven sieben Stunden lang an die Arbeit. Die konnte sich sehen lassen. „Die Aktion war ein absoluter Erfolg“, freute sich VVR-Vorsitzender Thomas Wilcke.

Es liegt schon einige Zeit zurück, dass sich eine örtliche Initiative um das große Grundstück kümmerte. Sogar Obstbäume wurden in dieser Zeit angepflanzt. Die allerdings waren inzwischen hinter den Brombeeren fast verschwunden. In all dem Grün tauchte bei der Freischnittgeschichte auch eine alte Badewanne auf.

„Wir haben unser Vorhaben mit der unteren Naturschutzbehörde besprochen“, betonte Wilcke. Von dort gab’s ein Plazet. Die Ehrenamtlichen gingen verantwortungsbewusst ans Schneid-Werk, mit Blick auf eventuell vielleicht noch dort lebende Tiere, versicherte er. Um aber die Möglichkeit so gering wie möglich zu halten, doch auf welche zu treffen. hatte man extra das Ende der Brut- und Setzzeit abgewartet. „Wir haben einen guten Kompromiss zwischen Natur- und Kulturlandschaft gefunden“, meinte er.

Durch die Unterstützung der Ehrenamtsagentur waren die Schaffer bei ihrem Tun zusätzlich versichert. Wenn in Rothenberg angepackt wird, dann können die Aktiven auf die Unterstützung der Geschäftsleute zählen. Wie so oft kümmerte sich die Metzgerei Postawa wieder ums Frühstück, Getränkehändler Gerd Koch stellte einiges gegen den Flüssigkeitsverlust zur Verfügung.

Die Ehrenamtlichen zwischen zwölf und 70 Jahren „haben das Pensum sogar übererfüllt“, so Wilcke. Damit kein Grünschnitt in der Landschaft herumliegt, hatte man einen Häcksler organisiert. Seitens der evangelischen Kirchengemeinde begrüßte Pfarrer Reinhold Hoffmann die Arbeiten. Dann hier denkt man darüber nach, eine Begegnungs- und Ruhefläche in diesem Bereich zu schaffen. Auch die Grundschule könnte eine Art „Klassenzimmer im Freien“ entstehen lassen.

„Ich habe das Grundstück nicht mehr so groß in Erinnerung“, meinte der VVR-Vorsitzende rückblickend schmunzelnd. Zum Glück fanden die Aktiven auf dem Gelände hinter dem Friedhof  keine große Vermüllung vor. Vor allem Pflanzabfälle hatten den Weg dorthin gefunden.

„Wir wollen Nachhaltigkeit herstellen“, sagte Wilcke. Deshalb soll das Grundstück in spe dezent möbliert werden. Hintergrund: Auf dem nebenan gelegenen Friedhof gibt es so gut wie keine Schattenplätze. Die könnten aber hier in natürlichem Schatten durch das umliegende Grün in unmittelbarer Nähe entstehen. Seitens der Kirche könnte man sich sogar kleine Veranstaltungen auf dieser Fläche vorstellen. 

Schon beim Ehrenamtstag Mitte September hatten die Vereinsmitglieder unter Federführung des MGV und Mitwirkung des VVR kräftig angepackt und sich der vielen Brunnen auf der Gemarkung angenommen. Die gewissenhafte Säuberung von Klemerts-, Krämers-, Homerichs- und Matzenbrunnen standen damals im Fokus. Auch sie waren das Ziel von wucherndem Gestrüpp geworden. Dieses Mal war der VVR federführend und die Sänger stimmten freudig mit ein.

Narren im Corona-Gefängnis

Jetzt wäre der Kampagnenstart gewesen. Wenn nicht das nervige Corona-Virus zugeschlagen hätte. So aber sitzen die Narrhalla-Fastnachter in Ober-Hainbrunn auf dem Trockenen, können sich höchstens im Fernseher virtuelle Kampagnen anschauen. Präsident Frank Flachs sorgt aber mit einem unterhaltsamen Blick in die Geschichte dafür, dass die Narren in der Finkenbachtal-Faschingshochburg in seligen Erinnerungen schwelgen können: Er hat einen „Kunterbunten Streifzug durch die Geschichte“ des SVH zusammengestellt, in dem die närrische Zeit natürlich prominent vertreten ist.

686 Seiten, über 1800 Bilder, eine 150-minütige Bonus-DVD mit alten Filmen aus den Jahren 1991 bis 1994: Beim Betrachten des Wälzers und der DVD wird es im ganzen Dorf ein großes Hallo geben. Flachs nimmt noch Bestellungen entgegen, bevor sein Werk in den Druck geht und dann pünktlich zu Weihnachten unterm ansonsten so tristen Baum liegen soll.

Schon das Deckblatt macht die Zeitläufte deutlich: Es zeigt Ober-Hainbrunn zum Beginn der Flachs’schen Erzählungen, Anfang der 1970er Jahre, als Luftaufnahme noch ohne Sporthalle. Vor ziemlich genau drei Jahren kamen der SVH-Vorsitzende und Heike Arnold auf die Idee, die Vereinsereignisse aus den vergangenen knapp 50 Jahren zusammenzutragen. Die Vorstellung, dass dies in einem Jahr über die Bühne gehen könnte, löste sich bald in Luft auf. „Auf einmal verflogen die Monate nur so“, schmunzelt Flachs.

Eine Chronik erwies sich als nicht machbar, da vor allem aus den 70er Jahren das Material fehlte. Der Präsident nahm das Vorhaben schließlich in die Hand und beschäftigte sich zwei Jahre lang konsequent damit. Dass es jetzt fertig wurde, verdankt die Schrift auch ein wenig den Corona-Beschränkungen. Da wenige Veranstaltungen stattfanden, hatte Flachs umso mehr zu Zeit, sich durch die ganzen Unterlagen zu wühlen.

Eigentlich stand 2022 als Erscheinungsjahr im Raum, weil sich dann die Vereinsgründung zum 50. Mal jährt. Dagegen sprachen aber die Druckerei-Vorgaben, erzählt Flachs. Denn das Werk durfte maximal 700 Seiten haben – und zusätzliche 24 Monate hätten diesen Rahmen gesprengt, da er jetzt schon bei 686 war. Seit kurzem steht nun die PDF-Datei, aus der dann das Buch entsteht.

Neben den eigenen Recherchen sprach der 53-Jährige viele Menschen aus dem Dorf an, ob sie noch alte Dokumente gebunkert haben. Das so Zusammengetragene unterteilte er in verschiedene, reich bebilderte Rubriken. Natürlich findet der Sporthallenbau Erwähnung. Diverse Feste wie das am 1. Mai oder Spiel ohne Grenzen tauchen auf. Den eigenen „Tischtennis-Legenden“ wird Tribut gezollt, dazu kommen deren Ergebnisse seit 2004. „Ich habe verwurschtelt, was mir die Leute gegeben haben“, lacht er.

Statistik muss auch sein: Alle Vorstände seit 1972 listet der Vorsitzende in seinem Werk auf. Die junge Darts-Abteilung bekam ebenfalls ein Kapitel. Und natürlich Fastnacht. Viel Fastnacht. Alle Programme mit allen Mitwirkenden seit 2004 sind in Bildern festgehalten. Alle Orden seit Bestehen der Narrhalla sind mit verschiedenen Sonderausgaben vermerkt. „Der Präsi und seine Schmuckstücke“ heißt die Rubrik über Funkenmariechen und Tanzpaare.

20 Jahre Vereinsflüge von Mittenwald 1992 bis Dresden 2012 hat Flachs ebenfalls im gedruckten Werk festgehalten. Auf der Bonus-DVD finden sich dazu auch diverse Filmchen, die die Fahrten in Erinnerung rufen. Außerdem sind manche Feste in bewegten Bildern festgehalten.

Die Sichtung des Materials sorgte für großes Hallo. Ralph Volk etwa, die Narrhalla-Kultfigur „Schakeline“, gibt’s noch mit Haaren und Schnurrbart zu sehen. „Ich habe zurückgespult, um mich zu vergewissern, dass ich mich nicht getäuscht habe“, grinst der Präsident. Er selbst findet sich auch, meint jedoch lachend mit Blick auf seine Figur: „Heute sieht man mich besser.“

Die Zusammenstellung des Materials macht deutlich, „wie die Zeit rennt“, erzählt Flachs nachdenklich. Eigentlich wollte er 2005 nur ein Jahr beim Männerballett aushelfen, blieb aber dann bis heute hängen. Und im Vorstand ist er nun auch schon ewig aktiv, rechnet der Vorsitzende nach. „Das ist schönes Zeitdokument“, ist er auf sein Werk stolz, für das er auch die erklärenden Texte schrieb.

„Die Arbeit hat Spaß gemacht“, sagt Flachs. Der Erlös nach Abzug der Druckkosten soll als „Corona-Hilfe“ an den Sportverein gehen. Je höher die Auflage, desto mehr bleibt übrig, erläutert er. Im Ort gab es bereits viele Rückmeldungen und Betellungen.

Der Präsident bedauert sehr, dass aktuell alles stillsteht. Die Sporthalle ist bis Ende November erst einmal gesperrt. Wie es danach weitergeht, richtet sich nach den dann geltenden Bestimmungen. Er  kann sich vielleicht eine interne Brauchtumsveranstaltung in kleinem Rahmen vorstellen, sollte das erlaubt sein. Auf jeden Fall aber „gibt es einen Kampagnenorden und ein Motto“, bekräftigt er. Den Orden bekommt jeder Aktive.

„Es fehlt uns, dass wir nicht loslegen dürfen“, meint er betrübt. So richtig dürfte das erst ankommen, wenn im Januar die ersten Sitzungen anstehen. Dann wären die Fastnachter auf der Bühne und unterwegs bei anderen Vereinen. „So aber sitzen wir zuhause und schauen die Wand an“, sagt Flachs sarkastisch. Ihm fehlt klar die Perspektive von oben. „Uns muss endlich mal jemand sagen, was wann Sache ist“, fordert er.

Info: Den „Kunterbunten Streifzug durch die Jahre 1972–2020“ des SV Ober-Hainbrunn kann man bei Frank Flachs unter E-Mail frankflachs@web.de oder Telefon 0163-1616134 für 44,99 Euro bestellen.

Beachvolleyballfeld soll zum Spielplatz

Das Spielfeld für Jung und Alt entlang des Freibads Finkenbach soll nach dem Willen des Ortsbeirats eine weitere Bereicherung erfahren. Auf seine Anregung hin soll das Beachvolleyballfeld auf die andere Bachseite verlagert werden. Denn am jetzigen Platz wird es aufgrund seiner abgelegenen Lage nur sehr wenig genutzt. Die dann freiwerdende Fläche soll zur Erweiterung der Schwimmbad-Liegefläche verwendet werden. Damit würde außerdem das Finkenbacher Freizeitangebot auf einem übersichtlichen Platz zusammengeführt.

Für die Spielgeräte der Kleinkinder gibt es zu wenig Schatten, hatte der Ortsbeirat festgestellt. Deshalb kam von ihm auch der Vorschlag, zwei neue Bäume zu pflanzen. Die Stadt Oberzent wird dies übernehmen, so Ortsvorsteher Christian Niesen. Das Gremium wird sich mit seinem Budget an den Kosten beteiligen.

Erweiterung und Umgestaltung des Spielplatzes war eines der letzten Projekte, die der frühere Rothenberger Bürgermeister Hans Heinz Keursten vor seinem überraschenden Tod geplant hatte. Um ihn zu ehren, soll nun ein Gedenkstein errichtet werden. Der Ortsbeirat will hierfür Gestaltungsvorschläge machen und sich auch an den Kosten beteiligen.

 Die Hecken am Finkenbacher Friedhof haben einen kräftigen Wuchs. Der umgefallene Zaun im oberen Teil des Geländers, provisorisch in die Hecken gehängt, wächst ein, stellte Niesen fest. Auch an der Seite sprießte es in den vergangenen Jahren kräftig. Deshalb gab es den Vorschlag, dass der Bauhof zeitnah ober- und unterhalb zu Werke geht und die Begrenzungszäune repariert. Die Ortsgemeinschaft will sich um den seitlichen Hecken-Rest kümmern.

Hinterbach scheint ein beliebter Ort zu sein, um die Vierbeiner springen zu lassen. Auf jeden Fall kommen immer wieder Beschwerden von dort, dass es Verunreinigungen durch Hundekot gibt. Deshalb schlägt der Ortsbeirat vor, einen Hundekoteimer an die Brunnenstraße/Abzweig Brückenstein aufzustellen.

An der erneuerten Brücke in der Ortsmitte wächst das Falsche. Wie Niesen erläuterte, gedeihen auf dem dort von Hessen Mobil ausgebrachten Boden keine einheimischen Pflanzen. Das ist aber ein Problem, denn artfremde Flora verträgt sich nicht mit dem angrenzenden FFH-Gebiet. Der richtige Mutterboden wiederum wurde an Tretbecken und Kohlenmeilerplatz durch den Bauhof angeliefert – nachdem bei letzterem die wilden Schuttablagerungen entsorgt wurden.

Produktionsschmiede für alles Akustische

In schweren Zeiten muss man sich gegenseitig unterstützen. Martin „Mike“ Müller ist selbst Musiker bei der Odenwälder Irish-Folk-Band „Heebie Jeebies“, betreibt aber im Nebenjob auch sein eigenes Tonstudio in Kortelshütte. Damit die Kollegen weiterhin Aufnahmen machen können, kommt er ihnen finanziell sehr weit entgegen. Er sieht sein „ceol.studio“ als Produktionsschmiede und realisiert  unter anderem gerade ein Folk-Projekt mit Musikern aus dem Odenwald.

Das Wort „ceol“ stammt aus dem Irisch-Gälischen, erläutert Müller. Es bedeutet „die künstlerische Anordnung von Klängen und Tönen, die Ideen und Emotionen durch die Elemente Rhythmus, Melodie, Harmonie und Klangfarbe ausdrückt“. Als er auf der Suche nach einem Namen für sein Tonstudio auf diese Definition stieß, war ihm klar: „Das ist es.“ Denn diese vier Buchstaben beschreiben treffend, „was für mich Musik bedeutet, als Musiker, als Tontechniker oder einfach nur als Zuhörer“. 

Mit der Musik ist der Kortelshütter schon seit früh auf verbunden. „Als Jugendlicher sagte ich, wenn ich mal Rentner bin, dann habe ich ein eigenes Tonstudio“, lacht Müller. Damals nahm er Songs mit einem Vierspurrekorder auf Musikkassetten auf. „Das sind die Dinger, die ein Magnetband haben und von Zeit zu Zeit mit einem Bleistift aufgewickelt werden müssen“, erläutert er augenzwinkernd für die jüngere Generation.

2016 beschloss Mike Müller, sich vom „gefährlichen Halbwissen aus dem Internet“ zu verabschieden und Tontechnik „richtig zu lernen“. Er startete sein Fernstudium. Erfolgreicher Abschluss war ein Jahr später mit der Auszeichnung des staatlich zertifizierten Fernkurses zum Audio-Engineer (HOFA Pro). Danach folgte die Gründung seines Tonstudios in Kortelshütte. „Musik habe ich schon immer gemacht“, erzählt er – in verschiedenen Bands und natürlich auch in Form von Aufnahmen für Demos.

Im Wohnhaus des Oberzent-Stadtteils stehen nun mehrere Räume für Aufnahmen von Bands, Gesang und Sprache zur Verfügung. „Alle akustisch optimiert“, verspricht Müller. Fünf Kilometer Kabel hat er dafür verlegt. Sein besonderer Stolz ist die Regie – der Raum mit hochwertigster Ausstattung für Musikproduktionen.

Der Audio-Ingenieur nennt diverse High-End-Lautsprecher und Verstärker zum exakten Hören der Sound-Mixe sein Eigen. Dazu optimierte er die Akustik im Raum aufwändig. 30 Mikrofone, 28 Vorverstärker sowie Geräte zur Bearbeitung des Klangs, alles von höchster Qualität und zum Teil ausgewählte Einzelanfertigungen, wurden verbaut.

Die Philosophie seines ceol.studios erklärt Müller wie folgt: Er sieht sich als Spezialisten für „akustische Musik“ – alles, was man mit einem Mikrofon aufnehmen kann. Das fängt bei Instrumentals an und geht über Chöre, Klassik, Folk, Rock und Pop bis hin zur härteren rockigen Gangart. „Ein E-Gitarren Marshall-Turm ist ja auch nur ein (akustisches) Instrument, das ein Mikrofon zur Aufnahme braucht“, schmunzelt er.

Das ceol.studio ist auch mobil und hat Musikproduktionen vor Ort produziert, schildert der Kortelshütter seine Vorgehensweise. Davon profitierte unter anderen die Wiesenbacher Big Band mit ihren 40 Musikern. Auch Konzerte in Kirchen oder Band-Demoaufnahmen in deren Proberaum begleitete er. Im „Corona-Jahr“ unterstützte Müller die Hirschhorner Veranstalter der „AusKlang“-Reihe im Kloster beim Streaming von 13 Konzerten per Live-Übertragung ins Internet. Weitere Online-Konzerte folgen nach aktuellem Stand ab November, informiert er.

Mike Müller sieht das ceol.studio als „Produktionsschmiede“. Zwei Projekte hat er aktuell in der Mache: Beim einen handelt es sich um ein Irish-Folk-Projekt mit verschiedenen professionellen Musikern aus dem Odenwald. „Eine Art Best-of mit Fokus auf besonders ausgewogenen Klang und musikalisch-gesanglichem Können“, erläutert er. Außerdem begleitet er den deutschen Sänger und Songwriter Lu Franz bei dessen Aktivitäten. Der Kortelshütter plant außerdem, Ende des Monats bei einem Band-Workshop in Siegen (Sauerland) Tontechnik zu unterrichten.

Müller weiß, wie schwer es die Kollegen derzeit gerade haben, da ihnen alle Auftritte weggebrochen sind. Deshalb bietet den Profi-Musikern einen „          Corona-Rabatt“. Er betreibt sein Studio professionell, hat aber noch einen „richtigen“ Job. Weswegen er daher nicht (ausschließlich) auf die Einnahmen des Studios angewiesen ist. Das macht es ihm möglich, den Kollegen entgegenzukommen. Sie bekommen für Aufnahmen Rabatte zwischen 50 und 90 Prozent.

Info: http://www.ceol.studio

Attraktionen für ältere Semester

Schon lange gab es den Wunsch, den Spielplatz am Schwimmbad Finkenbach auch mit Attraktionen für ältere Semester zu bereichern, um hier einen Treffpunkt für alle Generationen zu schaffen. Das Schachbrett, früher auf der Grünfläche neben dem Feuerwehrhaus beheimatet und im Zuge des Brückenneubaus abmontiert, fand nun dort seinen Platz. Außerdem entstand eine Bocciabahn. Für beide wurden bereits im Vorfeld Vorbereitungen getroffen.

Wenn es in Finkenbach etwas zu tun gibt, dann kommen immer etliche freiwillige Helfer zusammen, freut sich OIrtsvorsteher Christian Niesen. 21 waren es dieses Mal. Schon rechtzeitig vor der Aktion baggerte der städtische Oberzent-Bauhof die Fläche für die beiden Felder aus. Daneben wurden auch Schotter und Felsenkies angeliefert, um alle passgenau zu machen. Die Materialkosten dafür plus Kunststoff-Bordsteine werden aus dem Budget des Ortsbeirats beglichen, erläuterte Niesen.

Die Helfer brachten gleich selbst die erforderlichen Werkzeuge mit. Eine Rüttelplatte wurde von der Stadt gestellt. Eine Gruppe nahm sich des Schachbretts, die andere nahm die Bocciabahn in Angriff. Weitere Ehrenamtliche reinigten auf dem Spielplatz den Fallschutz unter den Spielgeräten gereinigt und befreiten die Hecken von Brombeeren und Brennnesseln. Ein gemeinsames Mittagessen im Schwimmbadkiosk war der Lohn für die harte Arbeit.

Lenn ist krebsfrei

Es gibt sie noch, die guten, Hoffnung machenden Nachrichten in der heutigen Zeit. Ende März war die Sorge bei der Familie Morr um den vierjährigen Lenn groß. Der litt unter einer seltenen Form der Akutleukämie. Im Frühjahr stand eine ganz harte Chemo an. Jetzt kam die positive Nachricht: Die Behandlung scheint angeschlagen zu haben. „Es sind keine Krebszellen mehr im Körper“, freut sich Jana Morr.

Die Rothenberger Familie ist deshalb relativ positiv gestimmt und hofft, dass ihr Sohn krebsfrei bleibt. Vor ein paar Wochen noch war die Unsicherheit groß, ob die Chemotherapie wirklich angeschlagen hatte, da die Ergebnisse einer Knochenmarkpunktion nicht zweifelsfrei waren. „Wir waren am Boden zerstört. Das machte uns große Angst“, gesteht die 30-Jährige. Die Ungewissheit hat sich nun gelegt. Die Chemo bekommt er allerdings weiterhin bis Jahresende. „Das ist das Standardprotokoll bei Leukämie“, erläutert seine Mutter.

Danach erwartet den Vierjährigen eine einjährige Erhaltungstherapie, in der er jeden Tag eine Chemotablette schlucken muss. Die Familie, zu der auch der 36-jährige Vater Alexander und Lenns kleiner Bruder Milo mit 16 Monaten zählen, „lebt immer noch sehr isoliert“, berichtet Jana Morr. Denn das Immunsystem des kleinen Patienten ist durch die Therapie sehr in Mitleidenschaft gezogen. Jeder Infekt wäre lebensgefährlich. Seinen 4. Geburtstag musste er wegen Fieber im Krankenhaus feiern. „Das war sehr schlimm für ihn.“

In den Pausen zwischen den Chemoblöcken war es immerhin möglich, dass Lenn im Garten spielte und dort auch Verwandte auf Abstand mit Mundschutz zu Besuch kamen, berichtet seine Mutter. Am Anfang fand sich der Vierjährige mit seinem Schicksal noch ganz gut ab, aber über die Monate hinweg wuchs die Ungeduld. „Mittlerweile fehlen ihm die Kinder sehr“, erzählt Jana Morr. Er fragt immer wieder, wenn er wieder in den Kindergarten darf. Denn die Eltern, das weiß sie, „können keine anderen Kinder ersetzen“.

Solange aber das Immunsystem angreifbar ist, gilt es, jeder Infektionsgefahr aus dem Weg zu gehen. Auch wenn ihr Sohn die Behandlung bislang ganz gut wegsteckte, merkt sie, „dass seine Kraft nach neun Monaten langsam erschöpft ist“. Er ist dann schlecht gelaunt und genervt, wenn es wieder mal nach Heidelberg ins Krankenhaus geht. „Man merkt, dass es ihm langsam reicht“, erzählt Jana Morr.

Die Eltern versuchen ihm dann zu erklären, dass er bald wieder gesund und sein Leben wieder normal wird. Manchmal versteht er das auch. „Er ist sehr vernünftig“, ist seine Mutter stolz. Aber es nervt halt – das würde es Erwachsene auch. Umso mehr freut sich Lenn, wenn er endlich wieder Kinder zu sich nach Hause einladen darf.

Als vor über einem halben Jahr die Generationenhilfe Oberzent einen Spendenaufruf für die Familie gestartet hatte, war der Zuspruch sehr groß. Über den ganzen Sommer hinweg hielt die Anteilnahme an – und tut es jetzt noch, freut sich die 30-Jährige. „Viele denken an uns und fühlen mit.“ Jana Morr ist sehr dankbar für die große Unterstützung. Viele sind für die Familie da, die sich immer über das Interesse aus dem Ort freut. Selbst aus Mannheim kamen ein paar Briefe, die Mut machten.

Alexander Morr kann derzeit durch die Kulanz seines Arbeitsgebers weiterhin zuhause bleiben und sich um die Familie kümmern. Im Spätjahr „schauen wir dann, wie es weitergeht“, erzählt seine Frau. Die Angst vor einem Rückfall ist nach wie vor präsent, auch wenn sich Lenns Zustand wesentlich verbessert hat. Deshalb agieren die vier auch sehr vorsichtig. Das Jahr 2021 lassen die Morrs einfach auf sich zukommen. Viel planen können sie nicht.

Jana und Alexander, 30 und 36 Jahre jung, fühlen sich „manchmal doppelt so alt“, hat das vergangene halbe Jahr beide kräftig mitgenommen. Des Öfteren rutschten sie in Tiefs hinein, als der Behandlungsfortschritt unklar war. „Wir haben dann immer versucht, uns gegenseitig rauszuholen“, betont die 30-Jährige. Aber „die psychische Belastung ist enorm“. Es fehlt jedes Gefühl von Normalität. Von Monat zu Monat werden Geduld und Nerven weniger.

Flutung des Hainbrunner Tals sorgt für viel Hallo

Am deutschlandweiten Warntag war’s zwar ruhiger als gedacht. Aber jetzt wurde es umso lauter. Wenn die Rothenberger Theatergruppe mit ihrem „Polizeidiener“ durch den Ort zieht, dann bekommt das schnell jeder mit. Denn die Schelle von Benni Götz ist laut genug, dass sich entlang der Hauptstraße schnell kleine Grüppchen bilden, die das Neueste aus dem Ortsgeschehen wissen wollen. Fünf Stationen gab es den Berg hinauf, an denen die Laientheaterspieler lustige Begebenheiten zum Besten gaben.

Die Theatergruppe muss in diesem Jahr während der Corona-Pandemie mit ihren etatmäßigen Aufführungen in der Sporthalle pausieren. Um der Bevölkerung aber trotzdem in der ereignislosen Zeit etwas zu bieten, wurde der frühere Zug durch den Ort reaktiviert. Der fand letztmals zum 650-jährigen Bestehen des Höhendorfs 1999 statt. Unterstützt wurde das Spektakel durch Musik aus dem Leierkasten, bedient durch Thomas Wilcke. Bekanntmachungen, neueste Nachrichten und die regionale Wetterkarte wurden dem geneigten Publikum präsentiert.

„Wenn wegen Corona fällt das Theater aus, dann schelle mir ganz einfach aus“, gab Polizeidiener Benni Götz bekannt. Damit es zu keinen verbotenen Ansammlungen kam und die Besucher den gebotenen Abstand einhielten, war Hygienebeauftragter Matthias Hering stets wachsam – auch in den eigenen Reihen.

Denn die Bauersleute mit Handwerker Stephan Kloß, Claus Weyrauch, Tanja Schmidt, Marina Weinthäter, Elisa Köhler, Ulrike Beisel und Susanne Weyrauch hatten stets was zu bequatschen. Sie sorgten für das ordentliche Geschwätz in Klamotten aus Uromas Kleiderschrank. Die Zeit um 1900 wurde dabei lebendig, ohne Radio, Fernseher und Internet. Historische Gerätschaften wie Musrührer, Dreschflegel oder Rechen wurden von den Aktiven ebenfalls mitgeführt.

Das Wetter darf natürlich am Ende nie fehlen. Wettermann Jochen Blutbacher wusste mit überdimensionaler Karte, wie‘s wird oder auch nicht, Harry Foshag hatte dazu die eine oder andere Bauernregel parat. Jannik Uhrig war derweil mit dem Klingelbeutel bei den Zaungästen unterwegs. Den Erlös spendet die RTG an die Familie von Lenn Morr. Der Rothenberger Junge ist an Leukämie erkrankt und braucht viel Unterstützung.

Parken gegen die Fahrtrichtung ist nun verboten, mahnte der Polizeidiener. Allerdings muss keiner vor den Kadi, „denn der Kadi kommt zu uns“, sagte er in Anspielung auf den Nachnamen des Stadtpolizisten. Der Corona-Test funktioniert in Rothenberg mit Ebbelwoi. „Solange der noch schmeckt, hab‘ ich mich nicht angesteckt“, schüttelte Götz den nächsten Reim aus dem Ärmel.

Auch Vereinsneuigkeiten gab’s zu hören, wenn die Vereine schon nicht im Ortsleben aktiv sein können. Die SG sucht einen Vorstand, war zu erfahren, die Sänger haben einen neuen – Dirigenten: den Mario Freidel. Despektierlich dann des Polizeidieners Einschätzung der MGV-Sangeskünste: „Sobald Corona ist vorbei, geht sie los, die Plärrerei.“

Großes Hallo gab’s auf der Höhe, als es um den Start der Bauarbeiten zur Flutung des Hainbrunner Tals ging. „Gewerbeanmeldungen für Bootsverleih sind jetzt bei der Stadt Oberzent möglich“, erläuterte Götz. Bei 226,6 Metern über Meereshöhe ist die dicke Eiche bei Airlenbach erreicht. Der Erneuerungsfortschritt der Ortsstraßen war dem Polizeidiener ein Dorn im Auge. Aber: „Wer im Gammelsbacher Weg auf die Gosch fällt, ist selber schuld“, tat er kund. Die Anwohner müssen dann die Erstversorgung übernehmen.

„Wir hatten viel Spaß und unsere Gäste auch“, blickte Susanne Weyrauch von der RTG zufrieden zurück. Die Wiederholung hatten die Aktiven schon frühzeitig angedacht, um Lenns Familie damit zu unterstützen. Dann kam noch Corona dazu und die Aufführungen in der Halle mussten sowieso ausfallen. Der Erfolg macht Lust auf mehr: „Wann wir nochmal dieses Event wiederholen, ist noch unklar“, erzählte sie. „Aber auf jeden Fall wird‘s wiederholt.“ Weyrauch schätzt gegen Jahresende.

Durchs Finkenbachtal auf eigenem Weg radeln

Wenn nächstes oder spätestens übernächstes Jahr die Landesstraße im Finkenbachtal erneuert wird, dann könnte man im Zuge dieser Arbeiten auch die Herstellung eines Fahrradwegs zwischen Falken-Gesäß und Ober-Hainbrunn ins Auge fassen, war der Gedanke der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO). Sprecher Chris Poffo trug deren Ansinnen auf der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung vor – mit dem Ziel, eine Kostenschätzung dafür erstellen zu lassen.

Für Poffo sollte es „ein elementarer Bestandteil des Fahrradwegenetzes sein“, die südlichen S-Bahn-Anbindungen durch solche zu erschließen. Gerade der erheblichen Einschränkung des ÖPNV in Richtung Metropolregion könnte hier entgegengewirkt werden, meinte er mit Blick auf weniger Busverbindungen über Rothenberg nach Hirschhorn. Damit ließe sich autofreies Pendeln zum Arbeitsplatz ohne erhöhte Unfallgefahr ermöglichen.

Sein Gedanke war weiterhin, die angespannte Parksituation an den Bahnhöfen Eberbach und Hirschhorn zu verbessern. Daneben denkt Poffo an eine Kooperation mit der Stadt Hirschhorn, um eine Weiterführung des Radwegs an den Neckar zu erreichen. Der Fraktionssprecher wünschte sich einen Synergieeffekt mit der Straßensanierung und wollte entsprechende Fördermöglichkeiten kurzfristig geprüft wissen. In der Vorlage rechnete Poffo mit einem städtischen Eigenanteil von 30 Prozent der Baukosten.

Bei der Verwaltung stieß er mit seinen Gedanken auf offene Ohren. Mitte Oktober gibt es in dieser Angelegenheit bereits einen Termin mit der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Die Stadt will einen Bautermin erst in 2022 erreichen, um selbst noch genug Vorbereitungszeit zu haben. Denn erst jetzt ist die Kanalbefahrung fertig, die Auswertung läuft noch. Danach können die Überlegungen anlaufen, was wo erneuert werden muss. Dieses Mal, so Kehrer, soll alles gut vorgeplant sein.

Er wies darauf hin, dass bei der Sanierung von Bundesstraßen bereits ein Radwegekonzept erstellt werden muss. Das Land ist seines Wissens ebenfalls an einer solchen Vorgabe dran. Ein Radweg auf Landeskosten wäre auch dringend nötig, erläuterte er. Denn die Herstellung von einem Kilometer Radweg in qualifiziertem Ausbau kostet seinen Worten zufolge 500.000 Euro. „Ich bin froh, dass wir kein Straßenlastträger sind“, meinte Kehrer. Seinen Informationen zufolge ist die Maßnahme sogar schon ab dem Brombacher Wasser (der Abzweigung nach Kortelshütte) durch ganz Hainbrunn und Finkenbach geplant.

Dem Vorschlag von Frank Leutz (FDP), das Thema zur Klärung in den Bau- und Infrastrukturausschuss zu verweisen, kamen die Stadtverordneten einstimmig nach. Denn der wollte „wissen, was Sache ist“: Ob das Land die Kosten übernimmt oder die Stadt etwas zu zahlen hat. Denn dann würde sich Leutz eine günstigere Lösung etwa unter Einbeziehung von Waldwegen wünschen.

Breitband-Ausbau wird richtig teuer

Dass es in Oberzent vor allen in den Seitentälern mit dem mobilen Internet hapert, ist nichts Neues. Genervte Handynutzer wissen ein ungehörtes und unerreichtes Lied davon zu singen. Aber auch Breitband ist nicht flächendeckend zu akzeptablen Geschwindigkeiten verfügbar. In der Bürgermeister-Runde des Odenwaldkreises fanden zum Thema Ausbau schon mehrere Gespräche mit dem Landrat statt, berichtete Bürgermeister Christian Kehrer der Stadtverordneten-Versammlung.

Etliche unterversorgte Bereiche, in den die Übertragungsgeschwindigkeit weniger als 30 Mbit/s beträgt, wurden ermittelt. Und davon gibt es viele im Odenwaldkreis. Geht man von etwa einem Internet-Anschluss pro Haushalt aus, so bedeutet die Zahl 4614 über zehn Prozent der Kreis-Haushalte. Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl sind damit wohl über 10.000 Odenwälder ohne schnelles Breitband.

Wie auch beim Mobilfunk sind davon hauptsächlich die Täler betroffen. Ausnahmen bestätigen aber die Regel. Auch die südlichen Außenbezirke von Beerfelden sind nicht optimal versorgt. Vor allem an Anfang und Ende des Sensbachtals gibt es einige rote Flecken. Weiter Richtung Westen überwiegt dann ganz klar die Farbe Rot gegenüber dem Grün. Hauptsächlich Falken-Gesäß, der westliche Teil von Airlenbach, Raubach und teilweise Olfen surfen mit Kriechgeschwindigkeit.

Dieses Schicksal teilen die ländlichen Gebiete von Oberzent allerdings mit vielen anderen Gemeinden. Ein schwacher Trost. In Mossautal verschwindet das Grün eines schnellen Anschlusses immer mehr, je weiter man nach Nordwesten vorstößt. Reichelsheim, Fränkisch-Crumbach, Brombachtal und Brensbach ergeht es in den Außenbezirken ähnlich. Gut sieht es entlang der B 45 aus.

Laut Kehrer liegt eine Kostenermittlung für den Breitband-Ausbau im Odenwaldkreis vor. Allerdings hat ein Markterkundungsverfahren ergeben, „dass kein Netzbetreiber ausbauen wird“. Aufgrund dieses „Marktversagens“ müssen ihn die Kreis-Kommunen selbst umsetzen. Es ist ein flächendeckender Breitbandausbau (FTTB/H) und Gigabitversorgung geplant, informierte der Bürgermeister. Die Beantragung von Fördermitteln läuft.

Trotz Zuschüssen von 90 Prozent „wird die Finanzierung ein spannendes Thema darstellen“, erläutert er. Denn es verbirgt sich dahinter ein „erhebliches Investitionspotenzial“ mit erklecklichen kommunalen Eigenmitteln. Die Brenergo bietet seinen Worten zufolge den Städten und Gemeinden kostenlos an, einen gemeinsamen Antrag auf Förderung von Beratungsleistungen zu stellen, teilte das Stadtoberhaupt mit. Eigenmittel sind nicht dafür notwendig – erst später.

Der Magistrat nahm zwischenzeitlich das Brenergo-Angebot an. Die Verwaltung soll zur Umsetzung entsprechende Schritte in die Wege leiten. Wenn’s dann in die Umsetzung geht, wird das Thema schnell wieder auf der Tagesordnung landen, denn dann geht es um die Bereitstellung von Haushaltsmitteln.

Polizeidiener hat viel zu berichten

Dem Polizeidiener entgeht nichts. Das letzte Mal war er 1999 zum 650-jährigen Bestehen von Rothenberg unterwegs. Jetzt zieht es ihn wieder auf die Rothenberger Straßen. Wegen Corona. Die Theatergruppe muss in diesem Jahr während der Pandemie mit ihren etatmäßigen Aufführungen in der Sporthalle pausieren. Um der Bevölkerung aber trotzdem in der ereignislosen Zeit etwas zu bieten, wird der frühere Zug durch den Ort am 12. September reaktiviert.

Anlässlich der Feiern zum 650. Jubiläum der Ersterwähnung Rothenbergs zogen damals Mitglieder der Rothenberger Theatergruppe (RTG) durch das Dorf. Vorneweg der Polizeidiener mit der Schelle. Unterstützt wurde das Spektakel durch Musik aus dem Leierkasten. Bekanntmachungen, neueste Nachrichten und die regionale Wetterkarte wurden dem geneigten Publikum präsentiert.

Für das ordentliche Geschwätz sorgten Mitmarschierende in Klamotten aus Uromas Kleiderschrank. Die Zeit um 1900 wird dabei lebendig, ohne Radio, Fernseher und Internet. „Es wird ausgeschellt.“ Historische Gerätschaften wie Musrührer, Dreschflegel oder Rechen werden ebenfalls mitgeführt. Außerdem sorgte der Leierkastenmann in Frack und Zylinder für Stimmungsmusik. Unterwegs gab es auch ein paar Getränkestationen, damit die Aktiven nicht Durst leiden mussten.

„Bekanntmachungen“ rief der Dorfbüttel in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten mit lauter Stimme und betätigte dazu kräftig seine Schelle. Von allen Seiten strömten daraufhin die Dorfbewohner zusammen, um das Neueste aus dem Ortsgeschehen zu erfahren. Auf diese Weise wurden die Rothenberger noch bis zum Beginn der 1960er Jahre übers aktuelle Geschehen unterrichtet.

Einmal im Monat samstags zogen die Theaterleute 1999 durch die Straßen und verkündeten ihre Neuigkeiten, erinnert sich Susanne Weyrauch. „Das kam richtig gut an“, weiß sie. Die Aktiven wurden in der Folge immer wieder auf eine Wiederholung angesprochen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. „Es ist schön, wieder was machen zu können.“ Um allen Erfordernissen Genüge zu tun, wurde sogar ein Hygienekonzept erstellt, informiert sie.

Die Theaterleute sind alle mit an Bord, erzählt Weyrauch. Die heiße Phase kommt erst noch, denn es gab keine Vereinstreffen. „Wir haben noch nichts rausgesucht und nichts geprobt“, lacht sie. Jeder macht sich seine Gedanken, was zur Sprache kommen könnte. „Wir sind noch in der Themenfindung.“ Gesetzt sein dürfte eine Bauernregel zum Schluss, denn die war früher sehr beliebt.

Info: Die Ausschellerei beginnt am Samstag, 12. September, um 17 Uhr am Metzkeil. Weitere Stationen sind: vor dem Gasthaus „Zur frischen Quelle“, etwa 17.45 Uhr, Hauptstraße an der Einmündung Bergweg, etwa 18.30 Uhr, und vor dem Gasthaus „Zur Rose“, etwa 19.15 Uhr. Geltende Hygienevorschriften sind einzuhalten. Wer „ebbs auszuschelle hot“ (etwa Vereinstermine, neueste Gerüchte, Ehekrach), meldet das bei Susanne Weyrauch, Telefon 06275/1012, oder unter E-Mail polizeidiener@vvrothenberg.de.

Der Wald hängt am Fördertropf

Borkenkäferbefall, Sturmtiefs, sich ändernde klimatische Bedingungen: Der Wald ist das Sorgenkind in Oberzent. Um besser auf die Situation reagieren zu können, brachte die CDU den Antrag in den Haupt- und Finanzausschuss ein, dass – eventuell in Kooperation mit dem Forstzweckverband Hessischer Odenwald – geprüft werden soll, ob die Stadt am Förderprogramm „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) teilnehmen kann. Durch die Vorarbeit der Verwaltung wurde er später wieder zurückgezogen, da schon am Laufen.

Innerhalb Deutschlands fördern der Bund und die Länder mit der GAK-Gemeinschaftsaufgabe gemeinsam die ländlichen Räume, die Landwirtschaft und den Schutz der Küsten, erläuterte Fraktionssprecher Oliver von Falkenburg. Der Bund trägt dabei mindestens die Hälfte der Ausgaben.

Seinen Worten zufolge soll damit sichergestellt werden, dass die Land- und Forstwirtschaft leistungsfähig und auf künftige Anforderungen ausgerichtet sowie in der Europäischen Gemeinschaft wettbewerbsfähig ist. Auch sollen die ländlichen Gebiete nachhaltig leistungsfähig bleiben, wobei eine umwelt- und ressourcenschonende Land- und Forstwirtschaft integraler Bestandteil ist.

Mit der Förderung soll laut von Falkenburg dazu beigetragen werden, die Nutz-, Schutz-, Klimaschutz- und Erholungsfunktion der Wälder zu sichern sowie die Produktions-, Arbeits- und Absatzbedingungen in der Forstwirtschaft zu verbessern. Mit den Bundesmitteln können verschiedene Maßnahmen im und um den Wald gefördert werden.

Dazu zählen: naturnahe Waldbewirtschaftung, forstwirtschaftliche Infrastruktur und Zusammenschlüsse, Erstaufforstung, Vertragsnaturschutz sowie Förderung von Maßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald. Diese Fördermaßnahmen könnten „zur Entschärfung der aktuellen Situation im Oberzent-Wald beitragen“, betonte der CDU-Sprecher.

Bis 2017 erbrachte der Wald im Schnitt zusammen 700.000 Euro Einnahmen für die vier ehemaligen Kommunen Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck. Das Geld war eine sichere Bank in den Haushaltsplänen. Die Einnahmen gingen in den vergangenen Jahren mit Beginn der Oberzent-Fusion allerdings drastisch zurück. Für 2020 war ursprünglich im Waldwirtschaftsplan noch ein Plus von 117 Euro angesetzt. Jedoch wird es am Ende des Jahres voraussichtlich ein (größeres) Defizit geben. Denn aktuell kostet die Verarbeitung mehr als der zu erwartende Erlös.

Bürgermeister Christian Kehrer erläuterte, dass im Rahmen des Beförsterungsvertrags das Forstamt Beerfelden die Organisation und Antragsstellung für alle forstrelevanten Förderungen übernimmt. Der Großteil der Anträge beschäftigt sich mit der Aufarbeitung von Schadholz und Flächenräumung, ergänzte er. Hier sind bereits auch schon Gelder in ansehnlicher Höhe geflossen. Gefördert werden außerdem die Erstaufforstung und eine naturnahe Waldbewirtschaftung.

Vereinsförderung soll schneller kommen

Die Neuordnung der Vereinsförderrichtlinien ist ein heißes Eisen. Sie stand auf der Agenda quasi aller Oberzent-Fraktionen im Vorfeld der Kommunalwahlen 2018. Getan hat sich bisher: nichts. Was Frank Leutz (FDP) auf der vergangenen Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses dazu bewegte, mit der Verwaltung hart ins Gericht zu gehen. Allerdings hängt es auch an zwei Dritteln der Oberzent-Vereine, dass es nicht wirklich vorangeht, machte er deutlich.

SPD, CDU und FDP taten sich vor längerer Zeit zusammen und erarbeiteten einen Vorschlag, wie die Vereinsförderung geregelt werden könnte, erläuterte Leutz. Die Verwaltung wollte per Fragebogen Details erfahren: etwa wie viele Mitglieder hat ein Verein, wie viele Jugendliche sind aktiv, gibt es eigene Liegenschaften und Ähnliches. Denn es soll möglichst gerecht zugehen.

Das Problem: Nur 42 der 138 angeschriebenen schickten die Unterlagen zurück. Für Leutz ist die Sache deshalb klar. „Bei Nichtausfüllen entfällt der Anspruch“, so sein Vorschlag fürs aktuelle Jahr. Denn eine Neuregelung muss unbedingt her, betonte er. Gab es in einer der vier bisherigen Kommunen eine Vereinsförderung, dann besteht die erst einmal fort.

Was dazu führt, dass manche noch was bekommen, andere aber leer ausgehen. „Dieser Zustand ist nicht haltbar“, kritisierte Leutz. Seit zwei Jahren könnte man schon so weit sein, eine neue Vereinsförderrichtlinie zu haben, führte er aus. Seine Meinung: Wer in diesem Jahr leer ausgeht, macht sich vielleicht in 2021 die Arbeit, den Fragebogen auszufüllen.

Horst Kowarsch (Grüne) hieb in dieselbe Kerbe. Schon vor der Fusion „haben die ehemaligen Bürgermeister nichts gemacht, obwohl es den Auftrag gab“, lautete sein Vorwurf. Der Grünen-Mandatsträger schlug vor, der Verwaltung ein Datum vorzugeben, bis zu dem die Vereinsförderrichtlinien verabschiedet sein müssen. Die Förderung von Kinder und Jugendlichen sah er unter dem Aspekt der Daseinsvorsorge.

Deshalb ließ Kowarsch wie Leutz auch das Argument der Aufsichtsbehörde nicht gelten, dass die Jugendförderung als freiwillige Ausgabe zu betrachten ist, die man bei knappen Haushaltsmitteln nicht auszahlen sollte. „Wir müssen zu Potte kommen“, so der Tenor aus der Runde. Lösung könnte analog des Ortsbeiratsbudgets ein Sockelbetrag pro Verein plus eine bestimmte Summe pro Jugendlichem sein.

Dominik Foshag (ÜWO) äußerte den Wunsch, dass die Verwaltung zu dem SPD/CDU/FDP-Vorschlag Stellung nehmen soll. Von Fraktionskollege Claus Weyrauch kam die Anregung eines „Neustarts“, anstatt aufwändig eine Aufstellung des Bestehenden zu machen. Nach einem Jahr könne man nachjustieren, wenn es zu Verzerrungen kommen sollte.

Dem Vorschlag von Frank Leutz konnte der Ausschuss folgen: Die Oberzent-Vereine sollen noch einmal und zum letzten Mal angeschrieben werden. Rückmeldefrist ist der 30. September. Von wem dann wieder nichts kommt, der ist in diesem Jahr außen vor. Das Gremium will auf dieser Basis in der kommenden Sitzung wieder beraten.

Sebastian Siefert stellte im Anschluss einen Vorzeigeverein in Oberzent vor: den ersten Jugendförderverein im Odenwaldkreis. In ihm bündeln sieben, bald acht Fußballvereine ihre Arbeit im Jugendbereich. Der JFV hat sich zum Ziel gesetzt, den Kindern und Jugendlichen langfristig eine Perspektive für den Fußballsport zu bieten. Alle Altersklassen sollen mit Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Derzeit eifern etwa 130 Kinder und Jugendliche in Oberzent dem runden Leder nach, angeleitet von 20 Trainern und Betreuern. Ein Schnuppertag war vor kurzem mit 30 jungen Teilnehmern ein großer Erfolg, freute er sich.

in den vergangenen Jahrzehnten wurde es für die Vereine immer schwieriger, eigene Jugendmannschaften zu stellen. Die Folge war die Gründung von immer mehr Spielgemeinschaften, so vor zehn Jahren auch die JSG Oberzent, „um den Jugendfußball zu stabilisieren“. Aber auch dieses Modell erwies sich über die Jahre hinweg als problemanfällig.