Hoffnung auf einen ganz neuen Kindergarten in Rothenberg

Der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt sein können. Gerade war die Kindertagesstätte „Himmelsauge“ von ihrem Ausweichquartier nach dem Verteilerkasten-Schmorbrand wieder in die regulären Räume gezogen, standen die Fastnachter der Narrhalla Hainbrunn mit einem Scheck vor der Tür. 900 Euro sollen bei der Bewältigung der Brandfolgen helfen, wegen denen die Kita viereinhalb Monate lang ihre Notunterkunft in der Rothenberger Sporthalle aufschlagen musste.

Alle Wände wurden neu gestrichen, schildert Leiterin Andrea Koch die Maßnahmen in dieser Zeit. Daneben wurden die Deckenplatten ausgetauscht und der brandauslösende Sicherungskasten ins Verwaltungsgebäude versetzt. Über die Brandschäden hinaus gab es noch keine weitergehende Sanierung, erläutert Koch. Die ist über kurz oder lang in dem älteren Gebäude aber notwendig, weiß sie aus eigener Anschauung.

Der Bedarf wird auch bei der Stadt gesehen, so Koch. Die Planungen sind am Laufen, bestätigt Bürgermeister Christian Kehrer. Im Doppelhaushalt 2019/2020 sind Mittel für Sanierung oder Neubau eingestellt, allerdings vom Parlament mit einem Sperrvermerk versehen. Der Brandschaden beläuft sich auf etwa 100.000 Euro, erfuhr sie.

Die Hilfsbereitschaft während der Interimszeit war groß, freut sich die Leiterin. Die Elternschaft organisierte alles, erstellte eine Liste mit dem Benötigten und arbeitete sie ab. Somit wurde auch nur das gespendet, was notwendig war: Bilderbücher, Puzzles, Schere, Malstifte. Dazu gab es noch von den anderen Oberzent-Kindergärten Materialspenden. „Innerhalb kürzester Zeit hatten wir eine Grundausstattung“, zeigt sich Koch dankbar.

Hinzu kamen noch viele Geldspenden, die zweckgebunden für die Kita Himmelsauge erst einmal geparkt werden. „Wir wollen sie noch nicht verwenden“, erläutert die Leiterin, sondern abwarten, wie die räumliche Entwicklung weiter geht. Dann alles, was weggeworfen werden musste, werde von der Versicherung ersetzt.

Neuanschaffungen werden ihren Worten zufolge erst einmal aufgeschoben, in der Hoffnung, dass es vielleicht eine komplett neue Kita gibt. Ein Gelände dafür stünde unterhalb der Sporthalle zur Verfügung. Koch weiß natürlich auch um die angespannte Finanzsituation der Stadt. Neben dem Sanierungsbedarf erwähnt sie das alltägliche Park-Chaos rund um die Kita in der Hauptstraße. Elf Erzieherinnen „wissen nicht, wo sie parken sollen“. Wenn die Eltern ihre Kinder vorbeibringen, ist zwei Mal am Tag Rush-Hour im beschaulichen Rothenberg.

Ein Ingenieur schaue sich die Kitas in Beerfelden „in alle Richtungen an“, so Bürgermeister Kehrer. Während es in Beerfelden nur um Erweiterungsmöglichkeiten geht, so wird in Rothenberg zusätzlich die Möglichkeit eines Neubaus abgeklopft. Denn die einzige Erweiterung könnte nur nach oben hin erfolgen, wo derzeit die Oberzent-Bauverwaltung untergebracht ist. Dann müssten für diese wieder andere Räume gefunden werden.

Narrhalla-Präsident Frank Flachs hatte sich für die Scheckübergabe dreifache Verstärkung mitgebracht: Funkenmariechen Paula Manschitz und die beiden Clowns Diana Kasper und Marleen Friedrich. Running Gag war die Verwechslung – wohl wegen des Dreispitzes – des Funkenmariechens mit einem Pirat, was aber flugs von Flachs in die richtige Richtung gelenkt wurde: „Der Pirat hat einen großen Schatz dabei.“

Da die Fastnacht in Ober-Hainbrunn allseits bekannt ist, „wollten wir das nutzen, um was Gutes zu machen“, sagte er. Fleißige Gardemädels waren während der drei ausverkauften Sitzungen unterwegs und sammelten Spenden. Die so zusammengekommenen 818 Euro stockte der Verein auf 900 auf. Mit einem Dankeslied revanchierten sich die Kinder dafür und waren fast noch mehr von den Süßigkeiten begeistert, die die vier im Gepäck hatten.

In der Rothenberger Kita Himmelsauge werden derzeit 62 Kinder betreut. In zwei Krippengruppen sind es zwölf und fünf Unter-Dreijährige, in zwei altersgemischten Gruppen 45 Ü3-Kinder.

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Stadt Oberzent liegt wegen früheren Haus-Cordula-Zuschüssen im Clinch mit dem Land

Frühere Darlehen und Zuschüsse für das evangelisch-lutherische Haus Cordula in Kortelshütte, nach dessen Insolvenz inzwischen Teil der Azurit-Gruppe, hängen der neuen Stadt nach wie vor wie ein Klotz am Bein. Wegen einer speziellen Förder-Konstruktion war das ehemalige Rothenberg Empfänger der Gelder vom Land und nicht das Seniorenheim selbst. Aufgrund der zwischenzeitlichen Pleite 2014 will das hessische Sozialministerium die Gelder zurück. „Nicht mit uns“, sagte die Verwaltung vor mehr als zwei Jahren und reichte Klage ein. Oberzent ist nun Rechtsnachfolger.

Vor kurzem gab es einen Anhörungstermin vor dem Darmstädter Verwaltungsgericht, der aber keine Einigung brachte. Das Land wollte dort auf einen Großteil der Forderungen nicht verzichten, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. „Das war keine Basis für eine gütliche Einigung“, sagte er, „dann lassen wir verhandeln“.

Vom Richter sei die Förderpraxis hinterfragt worden, berichtete der Rathauschef. Auch der hessische Städte- und Gemeindebund überprüft diese. Denn je nach Ausgang würde keine Gemeinde mehr diese Art der Förderung praktizieren, „wenn die in Haftung genommen wird“. Kehrer weiß etwa von einem Fall in Brensbach, wo die Gemeindevertretung das Prozedere ablehnte. Denn diese Zuschusspraxis gibt es nach wie vor.

Kehrer zufolge gab es einen Grundbucheintrag zugunsten des hessischen Sozialministeriums über 2,4 Millionen Mark. Im Rahmen der Insolvenz und des Verkaufs „hat das Ministerium diese Grundschuld stornieren lassen“, betonte er. Da das Land diese Sicherheit „sausen ließ“, sei die Stadt nicht bereit einzuspringen, hob der Bürgermeister hervor.

Er rechnet damit, dass es – nach einer zwischenzeitlichen Beratung beider Parteien – eine zweite Anhörung geben wird. Die Entscheidung wird auf jeden Fall noch dauern. Es dreht sich um einen Streitwert von etwa 925.000 Euro, für die Oberzent gerade stehen soll, davon etwa 725.000 Euro Zuschüsse, der Rest Darlehen. Im aktuellen Haushalt 2019/2020 stehen 350.000 Euro als Puffer drin.

Die Zuschüsse und das Darlehen wurden dem Haus Cordula in den Jahren 1995 und 2004 in einer Gesamthöhe von etwa zwei Millionen Euro gewährt. Hintergrund waren Erweiterungs- und Modernisierungswünsche des Alten- und Pflegeheims. Aber, und das ist das Spezielle dabei, die Gelder wurden im Auftrag des Landes von der Kommune an den damaligen Betreiber ausgezahlt.

Die Rückforderung ergibt sich aus dem Betreiberwechsel vor mehr als vier Jahren nach der Insolvenz. Damit fiel der Zweck der damaligen Darlehen und Zuschüsse weg, unter dem diese dem früheren, dann insolventen Trägerverein evangelisch-lutherisches Haus Cordula gewährt wurden. Für den Umbau des Gebäudes, Modernisierung und Aufstockung, aber nicht für zusätzliche Pflegeplätze flossen damals die Gelder.

Bei den früheren Entscheidungen ging es darum, den größten Arbeitgeber im Ort zu unterstützen und den Fortbestand des Hauses zu sichern – im Nachhinein vergebens. In Abwägung des Für und Wider stimmte die Gemeinde damals dieser eigentlich paradoxen Zuschussgewährung von Landesmitteln über die Kommune zu, hatte schon der frühere Rothenberger Bürgermeister Hans Heinz Keursten Ende 2016 erläutert.

Denn „das Haus Cordula und das Ministerium verhandelten, aber die Kommune bekam den Bescheid und haftete“, so der heutige Finkenbacher Ortsvorsteher. Natürlich, meinte er auf einer damaligen Gemeindevertretersitzung, „hätten wir den Bescheid nicht annehmen müssen“. Aber dann wäre auch der Fortbestand der Einrichtung auf dem Spiel gestanden.

Foot: privat

„Noch halb im Schlaf sprudeln die Ideen“: Lisann Fuchs gestaltet mit ihren Kurzgeschichten die Lesung des Vereins Generation Oberzent

Thriller, Mystery und Romantik: Das ist die Welt von Lisann Fuchs, in die sie in ihren Kurzgeschichten eintaucht. Am Samstag, 13. April, liest sie mit anderen auf Einladung des Vereins Generation Oberzent (GO!) aus „Die bessere der Welten“ im „Le Local d’Arthur“ Beerfelden. Die Autoren machen sich in ihren Geschichten Gedanken über die Zukunft der Gesellschaft: „abenteuerlich, fantastisch und bisweilen romantisch, doch immer mit erschreckendem Ausgang“, beschreibt die Wahl-Rothenbergerin den Inhalt der Short-Storys.

Die Liebe zur Natur und zu (einem) Menschen führte die aus dem Bergischen Land stammende nach Oberzent. Hier fühlt sie sich pudelwohl: „Für mich gibt es keinen schöneren Ort“, sagt sie über das Dorf am Berg. Selbst dörflich aufgewachsen, hat sie ein Faible fürs Land. Beim Inlinertag im vergangenen Jahr kam die promovierte Naturwissenschaftlerin gleich in Kontakt mit ein paar Einheimischen. „Das war ein riesiges Glück“, freut sich Fuchs. Ergebnis: Sie singt im Kirchenchor mit und ist Mitglied bei GO!.

Lesungen sind für Lisann Fuchs ein bekanntes Metier, seit sie sich ab 2016 dem Schreiben als Hobby zuwandte. „Ich habe selbst schon an einigen teilgenommen und auch welche veranstaltet“, erzählt sie. Zupass kam ihr dabei die Bühnenerfahrung als Sängerin in verschiedenen Bands, damals noch an anderen Wohnorten. Beim Verfassen von Songtexten „konnte ich vieles aus meinem Leben verarbeiten“, erläutert die Autorin. „Ich habe mir etliches von der Seele geschrieben.“

Um kreatives Scheiben ging es auch beim VHS-Kurs, der quasi den Startschuss für ihre schriftstellerische Tätigkeit bildete, die bisher ihren Niederschlag in 15 Kurzgeschichten fand. Die darauf folgende Lesung „war ein tolles Erlebnis“. Fuchs merkte, wie die Zuschauer ruhig und konzentriert lauschten. „Ich hatte Gänsehaut“, gesteht sie. Die Hobby-Autorin war so im Geschehen drin, „dass es sich fast schöner anfühlte als zu singen“.

Klar, dass sie weitermachte. Fuchs knöpfte sich danach Ausschreibungen für Anthologien vor, die sich meist um Thriller, Mystik und Romantik drehten. „Ich habe ein großes Faible dafür.“ Zehn Shortstorys hat sie auf diese Weise bereits veröffentlicht, noch mehr geschrieben. Denn manche Werke entstehen nur für Lesungen – wie auch die für Beerfelden.

Die Entstehung der Geschichten ist „ein ganz spannender Prozess“, schildert die Autorin. Denn sie fängt an zu schreiben, ohne dass sie bereits ein fertiges Konzept hat. Rund um einen Protagonisten entwickelt sich alles. „Ich schlafe abends ein, weiß nicht, wo es hingeht, wache morgens auf und weiß, wie es weitergeht“, beschreibt Fuchs den Fortgang. „Es ist wirklich ein Geschenk zu sehen, wie eigenständig sich die Figuren entwickeln.“

Der tägliche Arbeitsweg ist mit ihre kreativste Zeit. Morgens geht’s mit dem Auto nach Hirschhorn, von dort mit der S-Bahn weiter. „Noch halb im Schlaf sprudeln die Ideen.“ Nachmittags, auf dem Heimweg, geht es genauso flüssig weiter, als hätte es keine Pause durch den „normalen“ Beruf gegeben. „Da sind zwei gleichwertige Welten in mir“, lächelt Lisann Fuchs.

Geschichten, die ihr am Herzen liegen, bei denen „ein Hauch von Persönlichem mit drin ist“, gehen ihr dabei deutlich besser von der Hand als rein fiktive, stellte die Schriftstellerin bereits fest. Es geht zwar mystisch zu, „aber trotzdem könnte sich etwas so zutragen“, meint Fuchs. „Ich will die Menschen am Geschehen teilhaben lassen“, nennt sie ihre Intention. Gleichzeitig will die Autorin aufzeigen, „dass es noch mehr gibt als Arbeit, Fernsehen und Essen“, wie sie schmunzelnd anmerkt.

Was sie angehenden Hobby-Autoren mit auf den Weg gibt? Einfach losschreiben, empfiehlt Lisann Fuchs. Keine Gedanken machen, keine Zweifel hegen. Und: Kopf ausschalten, nicht lesen, was schon geschrieben wurde, sondern weiter machen und die Figuren sich selbständig entwickeln lassen. Natürlich gehört auch ein wenig Handwerkszeug dazu. Etwa ein VHS-Kurs wie der, den sie besuchte. „Da merkt man, ob es einem liegt oder nicht.“

Info: Die zweite Autorenlesung des Vereins GO! findet am Samstag, 13. April, um 19.30 Uhr im „Le Local d’Arthur“, Marktstraße 1, Beerfelden, statt. Interessierte werden gebeten, sich bis etwa 19.15 Uhr einzufinden. Die Kurzgeschichte „Die bessere der Welten“ von Lisann Fuchs handelt davon, dass nach der Katastrophe, verursacht durch Klimawandel, Artensterben, Raubbau an der Natur und Respektlosigkeit gegenüber anderen Lebewesen nur vereinzelt Menschen am Leben bleiben. Zwei Gruppen mit verschiedenen Lebenskonzepten bilden sich. Die einen huldigen alten Göttern und möchten, dass alles so wird, wie es einmal war. Die anderen besinnen sich auf ein Miteinander von Natur, Tieren und Menschen. In dieser konfliktreichen Umgebung erzählt Lisann Fuchs das Schicksal von 147389, die in ihrem Blutjahr wählen muss, zu welcher der beiden Gruppen sie gehören will. „Liebe in Rot“ heißt daneben die neueste erschienene Kurzgeschichte von Lisann Fuchs in der Geisterspiegel-Anthologie „Dark Islands“ (Romantruhe, 2019, ISBN 978-3-86473-499-1). Mehr unter www.lisann-fuchs.de

Mit viel Lärm wurde bei der Rothenberger Feuerwehr es auf der Höhe feurig

„Es gab einen Riesenandrang, den wir mit Mann und Maus bewältigt haben“, ist Jan Johe von der Rothenberger Feuerwehr auch am Tag darauf noch baff über die tolle Resonanz auf die Lärmfeuer-Beteiligung der Brandschützer. Schon am frühen Abend saß die Fahrzeughalle voll, später gesellten sich noch mehr Gäste auf der Hirschhorner Höhe zu den Schaulustigen, die diese historische Form der Kommunikation von der Bergstraße bin in den tiefen Odenwald miterleben wollten.

Die Entzündung klappte bestens. Bogenschütze Michael Dorsch aus Großheubach ließ mit Feuerpfeilen das Lärmfeuer auflodern. Der 55-Jährige brachte vor einer großen Menschenmenge auf der Wiese gegenüber des Feuerwehrhauses den großen Haufen aus aufgeschichteten, dürren Weihnachtsbäumen gleich mit dem ersten Pfeil in Brand. Um die 150 von ihnen wurden von der Jugendfeuerwehr Anfang Januar eingesammelt. Viele Ahs und Ohs begleiteten das Spektakel.

Der Begriff „Lärmfeuer“ war durchaus wörtlich zu nehmen: Laut prasselnd, Funken sprühend und mit dichtem Qualm verkündeten die Bäume von der Rothenberger Höhe aus den Beginn des feurigen Spektakels. Die Feuerwehr beteiligte sich zum neunten Mal an der Odenwald weiten Aktion, deren Ursprungsgedanke bei den Römern zu finden sein könnte.

Zu der Großveranstaltung ist so gut wie die gesamte Rothenberger Ortsteil-Feuerwehr auf den Beinen. Schon Ende des vergangenen Jahres gingen die Vorbereitungen los, nach Fastnacht folgten die Detailplanungen. Beim Aufbau am Morgen und während der Veranstaltung am Abend halfen etwa 20 Kinder und Jugendliche der Jugendwehr. Hierbei unterstützte die Einsatzabteilung mit etwa 25 Frauen und Männern. Die rücken bereits morgens an und erledigen den Aufbau. Geplant wird alles vom Jugendausschuss.

„Uns ist es wichtig, dass es kein normales Grillfest ist“, betonte Johe. Sondern dem Event soll ein besonderer Charakter zukommen. Deshalb gibt es auch „zünftige Speisen“ wie Salzfleisch mit Erdrüben, Kartoffeln aus dem holzbefeuerten Kessel mit Quark, Steak oder Bratwurst vom Schwenkgrill.

Bei herrlichen Wetter wurden die Floriansjünger von den Besuchern förmlich überrannt. Mehrere hundert Gäste waren es am Abend, die sich das Schauspiel auf dem 470 Meter hohen Hügelrücken zwischen Beerfelden und Hirschhorn nicht entgehen lassen und gleichzeitig die Gastfreundschaft genießen wollten. „Zum Glück war es recht mild, deshalb saßen viele auch vor der Fahrzeughalle“, freute sich Johe. Denn die Massen hätte man drinnen nicht alle untergebracht.

Für die Kinder war es ein großes, beeindruckendes Spektakel. Das archaische Element Feuer hat seine ganz eigene Magie. Die Kleinen schauten nicht nur fasziniert zu, wie sich die warmen, hellen, prasselnden Flammen immer weiter in die Christbäume hineinfraßen. Für sie gab es daneben auch mit einbrechender Dunkelheit eine Fackelwanderung über die Felder und Wälder auf der Höhe. Dutzende Kinder waren mit ihren Eltern dieses Mal unterwegs.

Michael Dorsch ist seit 2010 beim KKSV Trennfurt aktiv. Er schoss mit einem selbst gebauten Esche-Flachbogen, den er in einem Bogenbaukurs herstellte. „Das ist hier etwas Besonderes“, meinte der 55-Jährige mit Blick auf das herrliche Ambiente mit den vom Sonnenuntergang noch zart beleuchteten Odenwald-Hügeln. Die hell lodernden Bäume schufen ein fast schon magisches Bild an diesem Flecken, wo es außer wenigen Gebäuden nichts gibt, nur freie Natur. „Die Pfeile müsse in punkto Zugkraft immer zum Bogen passen“, erläuterte Dorsch. Seine jetzigen waren für einen 50- bis 55-Pfund-Bogen ausgelegt.

Als das Feuer langsam am Niederbrennen war, schlug die große Stunde des Feuerkünstlers Jeremy. Der Gammelsbacher Ralf Breitinger ist mit seiner Show bereits regelmäßiger Gast beim Lärmfeuer. Ein großer Kreis bildete sich schnell um seine Darbietung, wenn er mit brennenden Reifen, Stühlen, Fackeln oder Diabolos jonglierte. Krönender Abschluss dabei natürlich die meterhohe gespuckte Flamme.

Das Lärmfeuer hat ein lange Tradition: In früheren Zeiten war es ein nützliches Instrument, um schnell über große Entfernungen vor Gefahr etwa im Falle eines Angriffs warnen zu können. Die deutschen Wörter Lärm und Alarm kommen vom französischen „all‘armes“, was „zu den Waffen“ bedeutet.

Im Odenwald könnten Lärmfeuer schon von den Römern gezündet worden sein: Zur Warnung vor dem Feind, der aus dem Westen drohte, haben sie während der Zeit der germanischen Provinz (1.-4. Jahrhundert n. Chr.) aller Wahrscheinlichkeit nach eine bemannte Signalkette vom Rhein bis zum Limes unterhalten. Friedrich Höreth, einer der bekanntesten Odenwälder Heimatforscher und sozusagen „Altvater“ der Lärmfeuer, hat viel unersetzliches Wissen über deren Einsatz erhalten.

Der Limes verläuft im östlichen Odenwald, er zieht sich von der Wetterau über den Main bei Obernburg und über den Höhenzug von Lützelbach im Norden bis Schloßau im Süden und weiter Richtung Bad Wimpfen. Er war jedoch nur von ca. 110 bis 160 n.Chr. besetzt und wurde dann weiter nach Osten verlegt.

Die einzelnen Veranstaltungsorte der Lärmfeuers, dieses Jahr 27 an der Zahl, erstrecken sich über ein Gebiet von etwa 8000 Quadratkilometern vom Rhein bis ins Herz des Odenwaldes und bilden dadurch die „weltgrößte Open-Air-Veranstaltung“. Von Schloss Auerbach bei Bensheim im Westen bis Bad König, vom Greiner Ecke im Süden bis Hippelsbach ziehen sich die Feuer.

Mit dem Lärmfeuer-Projekt wird der Versuch unternommen, eine historische Kommunikationsmethode vor dem Vergessen zu bewahren. Mehr Infos unter http://www.felsenmeerdrachen.de/odenwaldweite-laermfeuer/

Frauenpower im Vorstand des DRK-Ortsvereins

Hildegard Krauhs ist die neue Vorsitzende des DRK-Ortsvereins und folgt damit ihrem vor drei Jahren viel zu früh verstorbenen Mann Roland auf diesem Posten nach. Die Rothenberger Gruppierung hatte Ende des vergangenen Jahres 514 Mitglieder, berichtete die stellvertretende Vorsitzende Claudia Naas auf der Jahreshauptversammlung. Sie blickte in ihrem Bericht auf viele Aktivitäten zurück, unter denen die Umbenennung des DRK-Hauses in Dr.-Roland-Krauhs-Heim hervorstach.

Bereitschaftsleiterin Anja Braner freute sich, dass inzwischen 23 Mitglieder, zwei mehr als zuvor, tätig sind. Weitere sind jedoch gern gesehen, betonte sie. Als aufwändigste Veranstaltung nannte sie das Finki-Festival. Trotzdem ein „sehr positives und erfahrungsreiches Event“ mit vielen Erfahrungen. Von der Bereitschaft wurden 1460 ehrenamtliche Stunden geleistet, informierte sie. Im November nahm die Gruppe den nagelneuen Betreuungskombi entgegen, der das zehn Jahre alte Fahrzeug ersetzte.

Sehr gut angenommen wird der monatliche Seniorentreff, erzählte Leiterin Hildegard Krauhs. Die Besucherzahlen lagen im vergangenen Jahr jeweils zwischen 50 und 70 Personen. Das 22-köpfige Team leistete 2018 stolze 710 ehrenamtliche Arbeitsstunden. Die Besucher kommen aus den Teilgemeinden des ehemaligen Rothenbergs, aber per Busshuttle auch aus Beerfelden. Vielfältige Aktivitäten unterhalten die älteren Mitbürger, darunter Infos zur Notfallseelsorge, zum Biobauernhof Zimmermann, ein Vortrag zum Thema „Pferdemarkt früher“, Fastnachts- und Weihnachtsfeier.

Christian Niesen berichtete von den Voraushelferalarmierungen. Es gab im abgelaufenen Jahr davon neun in Rothenberg und sieben in Finkenbach. Damit wurde die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrückt. Die Jugendrotkreuzgruppe besteht derzeit aus sieben Jugendlichen, die von Leiterin Hannah Schneider an die Erste Hilfe herangeführt werden.

Rechnerin Birgit Kirchner blickte auf einen positiven Kassenstand zurück, der vor allem durch großzügige Spenden erwirtschaftet wurde. Durch den DRK-Kreisverband erfolgte die Prüfung der Zahlen. Da Kirchner eine einwandfreie Kassenführung attestiert wurde, war die einstimmige Entlastung des Vorstands Formsache. Für dieses Jahr listet der Finanzplan einige Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten auf.

Unter Leitung von Kreisgeschäftsführer Holger Wießmann wurde Hildegard Krauhs einstimmig in das seit 2016 vakante Vorsitzenden-Amt gewählt. Die stellvertretende Vorsitzende Claudia Naas und Rechnerin Birgit Kirchner wurden bestätigt. Neue Schriftführerin ist Stefanie Ludebühl. Sie folgt auf Florian Braner nach.

Die Bereitschaftsleitung um Anja Braner und Roland Heckmann wurde ebenso wie auch Hanna Schneider in ihren Ämtern bestätigt. Grußworte von Feuerwehr, anderen DRK-Ortsvereinen, dem Kreisverband und Bürgermeister Christian Kehrer machten die hohe Wertschätzung für die Arbeit in Rothenberg deutlich.

Hildegard Krauhs bedankte sich für das entgegengebrachte Vertrauen. Es ist für sie „eine sehr große Ehre, die Nachfolge meines verstorbenen Mannes antreten zu können“, sagte sie. Aber auch eine Herausforderung, „der ich mich gerne stellen werde“. Die bisherige „sehr gute und sehr konstruktive Zusammenarbeit“ in der Vakanzzeit zwischen ihr, Claudia Naas und Birgit Kirchner soll weiter fortgesetzt werden, kündigte sie an.

Info: Die nächste Blutspende in Rothenberg findet am Dienstag, 30. April, von 15.45 bis 19.45 Uhr, im Roland-Krauhs-Heim an der Sporthalle statt.

Ehrungen

Blanca Blahe (5 Jahre), Luise und Paula Reiche (10 Jahre, jeweils Jugendrotkreuz); 20 Jahre: Kevin Beisel und Stefanie Ludebühl. Nach über 30 Jahren als aktiver Mitarbeiter beendete Peter Weiß aus gesundheitlichen Gründen seine Tätigkeit. Rainer Breitschädel arbeitete fünf Jahre im Seniorentreff-Team mit und wurde verabschiedet.

Einige Straßen in Rothenberg müssen dringend saniert werden

Wo holpert es auf den Straßen des Stadtteils am meisten? Der Ortsbeirat befasste sich auf seiner vergangenen Sitzung mit einer Priorisierung von notwendigen Sanierungsmaßnahmen, wie sie seitens der Stadtverwaltung an ihn herangetragen worden war. Der Bereich Brunnenwiese landete ganz oben auf der Liste. Außerdem wurden einige Sofortmaßnahmen beantragt. Weiterhin gab es auf der Zusammenkunft Anregungen von Bürgerseite, die nun geprüft und geklärt werden sollen.

Im Gebiet „In den Brunnenwiesen“ sollte laut Ortsbeirat vorrangig etwas geschehen. Man wünscht sich eine Prüfung durch die Stadt, wie der Status des Flurbereinigungsverfahrens beim Verbindungsweg Richtung Ober-Hainbrunn ist, so die Mandatsträger. So könnten eventuell Kosteneinsparungen für An- und Abfahrt sowie Baustelleneinrichtung erreicht werden. Es gilt darüber hinaus eine talseitige Oberflächenwasserführung vorzusehen, erläuterte Ortsvorsteher Jürgen Sauer.

Die Höhenstraße ist ein zusätzliches großes Sorgenkind. Sie ist im kompletten Bereich, auch in Richtung Naturparkplatz, von Schlaglöchern, Rissen und Abplatzungen übersät und muss dringend saniert werden. Im Bereich „Homerich“ sollte bei Baumaßnahmen über einen Wendehammer am Ende der Straße nachgedacht werden, forderte der Ortsbeirat.

Der Gammelsbacher Weg braucht von der Hauptstraße hoch bis zum Neubaugebiet Alt-Schulzenfeld ebenfalls eine Auffrischung. Hierzu gab es die Anfrage eines Bürgers, wann die Erneuerung der Straße Richtung Sporthalle geplant ist. Auch auf der Prioritätenliste: der Eichenwaldparkplatz neben dem Gebäude. Der Ortsbeirat wünschte sich hier eine Prüfung, ob bei den sowieso vorgesehenen Baumaßnahmen für das Neubaugebiet bis hoch zur Sporthalle ein Kosteneinsparpotenzial besteht.

Dazu wurden verschiedene Sofortmaßnahmen beantragt: Der Kirchenweg, die Verbindungsstraße zwischen Rothenberg und Kortelshütte, weist Löcher in der Fahrbahn auf. Diese sollen beseitigt werden. Einzelne Pflastersteine vor der evangelischen Kirche wurden nach Bauarbeiten nicht korrekt eingesetzt, stellte man fest. Diese sollen wieder ans umliegende Sandsteinpflaster angepasst werden. Für die in der Feldstraße festgestellten Fahrbahnrisse wünscht man sich eine Versiegelung durch Flüssigasphalt oder Bitumenmasse.

Die Friedhofshallenerweiterung wird durch den Ortsbeirat nicht weiterverfolgt, sagte Jürgen Sauer. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis lasse sich nicht erkennen, so der Tenor. Es sollen nach mehrfachen Bürgeranfragen Bedachungs- und Beschattungsmöglichkeiten für den Vorplatz geprüft werden, informierte er. Ortsbeirat sowie Verkehrs- und Verschönerungsverein beantragten über das Förderprogramm „Starkes Dorf“ eine Beschattung durch mehrere große Sonnenschirme.

Ein weiteres Bürgeranliegen war der freie Eintritt in die Oberzent-Schwimmbäder für Jugendliche bis 15 Jahre. Der Ortsbeirat will eine solche Preisgestaltung prüfen. Überlegt wird eine Bodenmarkierung vor dem Eingang zum Bankautomaten am Verwaltungsgebäude in Rothenberg. Denn die Parkplatzsituation ist ungeklärt, wodurch sich der Eingang etwa für Rollstuhlfahrer wegen ungünstig geparkter Fahrzeuge manchmal nicht nutzen lässt.

Grundsteuer soll 2020 steigen: Einbrechende Holzpreise ziehen den Oberzent-Doppelhaushalt 2019/20 in die Tiefe

Tina Bartmann als Chefin der Oberzent-Kämmerei hätte sich bestimmt bessere Zahlen zu ihrem Abschied gewünscht. Sie stellte den Stadtverordneten an ihrem letzten Arbeitstag zusammen mit Bürgermeister Christian Kehrer den Doppelhaushaltsplan 2019/20 vor, der mit Müh und Not ein Plus im ordentliches Ergebnis schafft – und das 2020 nur um den Preis einer Grundsteuer-Erhöhung.

Stark gefallene Holzpreise, geringere Schlüsselzuweisungen, ein Weniger beim Einkommensteueranteil, über eine Million Euro Rückstellungen, dazu noch hohe Kreditaufnahmen: In diesem Jahr kommt das ordentliche Ergebnis auf gerade mal 33.000 Euro, im kommenden soll es auf etwas über 100.000 Euro wachsen.

Der Klimawandel schlägt direkt auf den Doppelhaushalt durch: Denn erst knickte vor einem Jahr Sturmtief Friederike die Bäume in Nordhessen reihenweise um, dann ließ der heiße Sommer den Borkenkäfer vor Freude zahlenmäßig explodieren. Die Folge: Die Holzpreise sind im freien Fall. 2017 hatten die vier damals noch selbständigen Gemeinden zusammen über 840.000 Euro Gewinn aus der Waldwirtschaft gezogen. In diesem Jahr ist die Summe auf gerade noch 83.000 Euro zusammengeschrumpft. „Mit 760.000 Euro mehr würde der Haushalt super dastehen“, meinte Bartmann deshalb.

Die Hessenkasse, die der Stadt auf der einen Seite 2,5 Millionen Euro für Investitionen bringt, zieht ihr auf der anderen aber das Geld wieder aus der Tasche, erläuterte die kommende Kassenverwalterin des Odenwaldkreises. Denn die Prognosen kündigten 2018 noch eine Steigerung der Schlüsselzuweisungen um 160.000 Euro an, stattdessen gingen sie um 120.000 Euro zurück. Ein Minus von 280.000 Euro, „weil dem Topf Mittel für die Hessenkasse entnommen wurden“.

Diese fehlenden Mittel, zusammen mit einem riesigen Investitionsbedarf, lassen den Haushalt schwächeln. Während er – optimistisch geplant, wie Bartmann „warnte“ – in diesem Jahr gerade noch die Kurve kriegt, sind in 2020 etwa 200.000 Euro aus der Grundsteuer-Erhöhung um 65 Prozentpunkte (A: 415, B: 430 v.H.) mit eingeplant, um ihn ins Plus zu hieven. Wobei Bürgermeister Kehrer nicht müde wurde zu betonen, dass die Kassenlage nichts mit der Fusion zu tun habe. Im Gegenteil: Ohne die sähe es noch viel düsterer aus, weil dann zusätzliche Mittel fehlten.

Einen Doppelhaushalt bezeichnete der Rathauschef als „nicht zufriedenstellend“. Er sei jedoch den rechtlichen Vorgaben geschuldet, denn nur auf diese Weise bleibe man handlungsfähig. Kehrer wies darauf hin, dass die Fusion „der Not geschuldet war“. Die vier früheren Kommunen „waren nur noch bedingt in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen“. Viele Projekte befanden sich in der Warteschleife.

„Wir haben schon vieles erreicht“, betonte der Bürgermeister, was aber auf den ersten Blick nicht sichtbar sei. „Andere beneiden uns darum“, wies er auf die allgemein schlechte Situation der hessischen Kommunen hin. Er wandte sich gegen die Kritiker, „die über das nicht Erreichte klagen, jedoch das schon Geschaffene nicht sehen“. Kehrer warb darum, sich der Zukunft von Oberzent zuzuwenden. „Wir arbeiten täglich daran, die Stadt stabil aufzustellen, um Zuzug zu generieren.“

„Um das zu schultern, was in der Warteschleife ist“, muss die Stadt Kredite aufnehmen. Wohl ist Kehrer dabei nicht, „denn irgendwann endet die Niedrigzinsphase“. Mit Blick auf die geplante Grundsteuererhöhung legte der Bürgermeister dar, dass 96 Prozent der Oberzent-Haushalt maximal 100 Euro im Jahr mehr zahlen werden. „Wir haben in der Verwaltung viel gerechnet“, betonte er, aber man komme nicht um die Anhebung herum. „Das Totsparen muss ein Ende haben“, sagte er. „Wir müssen in die Stadt investieren.“ Kehrer machte deutlich, dass sich die Stadt mit dem neuen Wert ziemlich im hessischen Mittel befindet.

Software-Aktualisierungen in der Verwaltungen, ein alter Fuhrpark beim Bauhof, anstehende Kanalsanierungen, Investitionen in die Freibäder, Erweiterungen im Kindergartenbereich, marode Feuerwehrhäuser, dazu ständig steigende gesetzliche Anforderungen: Der Rathauschef machte deutlich, dass die Liste an Notwendigkeiten, die einen Haufen Geld kosten, sehr lang ist.

Doppelhaushaltsplan 2019/2020

Ordentliches Ergebnis 32.869 Euro/101.479 (2019/2020)

Gesamtbetrag der Erträge 23,5 Millionen/24,2 Millionen Euro

Kredite 3,3 Millionen/2,5 Millionen Euro

Zahlungsmittelüberschuss 69.549/-249.079 Euro

Liquiditäts- (früher Kassen-)Kredite: jeweils 500.000 Euro.