Von idyllischen Wiesen hinauf auf einsame Hügelkuppen

Am Anfang steht eine schwierige Entscheidung: Wollen wir einen Vesperrucksack mit auf die Wanderung nehmen und unterwegs eine kräftigende Odenwälder Rast einlegen? Oder ist auf der knapp 13 Kilometer langen Tour Schmalhans Küchenmeister, damit später das schmackhafte „To-go-Angebot“ des Landgasthofs „Raubacher“ Höhe umso besser mundet? So oder so: Auf dem „Ra 3“, dem herrlichen Raubacher-Jockel-Rundwanderweg, braucht’s auf jeden Fall eine Stärkung.

Der Parkplatz in der Raubach ist ein guter Ausgangspunkt für die angenehme Halbtageswanderung. Einige unebene Waldwegstücke machen es sinnvoll, feste Wanderschuhe einzuplanen. Die Strecke führt durch stille Täler, entlang von idyllischen Wiesen und hinauf auf einsame Hügelkuppen. Auf dem letzten Stück vermitteln Schilder mit Anekdoten einen Eindruck von der Schlitzohrigkeit des 1941 verstorbenen Odenwälder Originals. Dessen Grab findet sich auf dem Raubacher Friedhof.

Wir folgen dem Ra-3-Schild erst einmal bergab. Nach ein paar Metern auf der Kreisstraße geht’s gleich links ab in den – klar – Jockelweg. Der verengt sich immer mehr und führt langsam weiter abwärts Richtung Tal. Ein paar Schottersteine verbergen sich unter der Laub- und Nadeldecke: deshalb vorsichtig auftreten! Nicht mehr lange, dann ist das Rauschen der unterhalb liegenden Straße endgültig passé.

Langsam öffnet sich der Blick auf den Finkenbach und die schmale Wiese im Tal. Am späten Vormittag bekommen wir bei lichtem Laubkleid der Bäume noch genug Sonne ab. Deshalb empfiehlt es sich, die Runde in dieser Richtung zu laufen. Nachmittags versteckt sich nämlich der wärmende Planet hinter Taubenberg und Menschenkopf. Beide sind übrigens sehr ergiebig. Überall plätschert und gluckert es, bahnt sich das Wasser seinen Weg aus dem Hang Richtung Wiese.

Einmal die Talsohle erreicht, geht’s dann ein paar Kilometer lang kaum merklich, aber ständig bergauf. Wenn die Sitzbänke am Teich auf der Hälfte der Strecke nach Olfen nicht im Schatten liegen würden, wären sie optimal für die Mittagsrast gewesen. So aber halten wir uns mit ein paar Schuss desselben über Wasser, genießen den Blick übers Grün und warten auf die nächste Sitzgelegenheit, um ein wenig Frühjahrwärme zu genießen.

Die kommt gleich am Ortsanfang von Olfen. Wer noch ein paar Meter länger durchhält, der bekommt an der Kreuzung gegenüber vom Gasthaus Spälterwald sogar die VIP-Variante: Sitzbank mit Tisch und herrlichem Blick über den Ort. Mahlzeit! Wir hatten uns zum Glück für die Vespervariante entschieden. Denn der folgende Aufstieg hat es in sich.

Auf Zuruf stellt das Team der Raubacher Höhe vor Abmarsch das nötige Care-Paket für ausgelaugte Wanderer zusammen. Das kann ein Pausenbrot mit pfannenfrischem Schnitzel oder Hacksteak sein, wahrweise auch Bauernschinken oder Käse. Auf jeden Fall so reichhaltig, dass keine Wünsche übrig bleiben. Wer mehr braucht: Beim Jockel-Vesper-Rucksäckchen gibt’s noch ein Getränk nach Wahl, einen Apfel und ein Hanuta oberdrauf.

Jetzt müssen wir die Wanderschuhe fester schnüren: Es geht kräftig bergauf, erst durch den Wald, dann idyllisch an einer Schafweide vorbei. Der Weg macht ein paar Kurven, bis wir auf über 500 Höhenmeter angekommen sind. Der einsame schmale Waldweg lässt dabei Raum und Zeit vergessen. Da ist der folgende Hauptwanderweg „Franken-Hessen-Kurpfalz“ mit seinem roten Kreuz auf weißem Grund schon fast eine Hauptverkehrsstraße.

Einige hundert Meter marschieren wir diese entlang, bis dann unser Ra-3-Weg in Sichtweise des kleinen Meisenbergs scharf nach links abzweigt. Wer nicht ohne Smartphone auskommt: An dieser Stelle lässt sich wieder ein Balken erahnen. Der Ausblick auf die sich öffnenden Dürr-Ellenbacher Wiesen lässt aber schnell den aufs Handy vergessen. Die Bäume weichen immer mehr zur Seite, das Tal weitet sich.

Schnell zweigen wir wieder von der dortigen „Hauptstraße“ auf den Grasweg ab. Der führt an einer Scheune entlang oberhalb des Tals mit schönem Blick darauf peu à peu zurück. Nach einer Kurve ist unterhalb das Forsthaus zu erkennen, letztes Zeugnis der früheren Siedlung. Ein Abstecher lohnt sich, um ein wenig Geschichte zu schnuppern und zu erfahren, was die Menschen früher aus ihrer Heimat in die neue Welt trieb.

Wenn der Ra-3-Weg vom Tal aus nach links zur Höhe abbiegt, wird’s bis zum Parkplatz Faltersruh ein wenig monoton. Sturen Schrittes müssen wir auf zwei Kilometern noch einmal knapp 100 Höhenmeter inmitten hoch gewachsener Nadelbäume abreißen, bis wir wiederum auf dem Rote-Kreuz-Weg landen, der uns zur Kreuzung mit der Kreisstraße führt. Direkt danach geht’s fast schon steil abwärts, am Kohlenmeilerplatz entlang bis kurz vor die ersten Häuser der Raubach.

Jetzt gilt’s den inneren Schweinehund zu überwinden. Denn es winkt die Abkürzung zurück zum Gasthof – oder aber der aussichtsreiche Jockel-Weg mit ein paar Zitaten des Jakob Ihrig. Wir geben natürlich alles und biegen oberhalb des Ortes nach rechts ab. Es entschädigen uns herrliche Blicke auf Finken- und Hinterbachtal.

Noch ein kurzer Abstieg und wir erreichen den Raubacher Friedhof mit dem Jockel-Grab direkt vor der Trauerhalle. Hier wird dem berühmtesten Sohn der Raubach ein Denkmal gesetzt. Der Rest ist quasi ein „Auslaufen“. Auf einer asphaltieren Strecke geht’s zurück zum Gasthaus. Wir sind vom zwischenzeitlichen, sehr reichhaltigen und leckeren Vesper noch babbsatt. Wer aber wieder ein kleines oder großes Hüngerchen verspürt, auf den wartet eine reichhaltige Speisekarte mit vielen Dingen zum Mitnehmen.

Name: Raubacher-Jockel-Rundwanderweg

Länge: 12,7 Km

Dauer ohne Pausen: ca. 3,5 Stunden

Höchster Punkt: 500 m

Niedrigster Punkt: 320 m

Kategorie: mittelschwer

Wanderzeichen: Ra mit einer darunter liegenden 3 im Hufeisen

Ausschilderung: sehr gut

Verpflegung: www.raubacher-hoehe.de, Telefon 06068-2183

Sehenswürdigkeiten: Dürr-Ellenbacher Tal mit Forsthaus, Olfener Teich, Jockel-Grab auf dem Raubacher Friedhof

Vollzeitstellen für die Schwimmbäder?

Rein ehrenamtlich lassen sich die drei Freibäder in Oberzent nicht mehr stemmen. Um den Betrieb zu gewährleisten, hat der Magistrat nun im Haushaltsplanentwurf jeweils eine Stelle für Finken- und Hetzbach sowie Beerfelden ausgeschrieben, erzählte Bürgermeister Christian Kehrer. Im Vergleich zu anderen Kommunen hat die Stadt für ihre Bäder mit 20.000 Euro bisher relativ wenig Geld im Haushalt stehen, sagte er.

In Hetzbach, erläuterte Kehrer dem Bau- und Infrastrukturausschuss, wurde bereits mehrfach die Kioskverpachtung vergeblich ausgeschrieben. In Finkenbach ist im Sommer der parallele Betrieb von Bäckerei und Schwimmbad sehr zeitintensiv, weiß er. Und am Waldschwimmbad Beerfelden ist allein durch die schiere Größe schon einiges zu tun. Der Rathauschef betonte jedoch: „Ohne das Ehrenamt geht es nicht.“

Deshalb will man für jedes Bad eine Vollzeitstelle vorsehen. Die kümmert sich dann um Kiosk, Reinigung, Technik oder Eingangskontrolle. Außerhalb der Saison werden dem Bürgermeister zufolge erst einmal die aufgelaufenen Überstunden abgefeiert, ehe dann die Mitarbeiter in der restlichen Zeit im Bauhof zum Einsatz kommen. Wie es mit der Öffnung in diesem Sommer aussieht, kann Kehrer zu seinem Bedauern noch nicht sagen. Hier ist Abwarten angesagt, wie es mit der Corona-Pandemie weitergeht.

Eine betrübliche Mitteilung hatte der Bürgermeister für die „Garantiert mobil“-Nutzer. Eigentlich wollte Oberzent die Taxomobil-Fahrten zu 90 (statt bisher 75) Prozent subventionieren. Dagegen legte die OREG aber ihr Veto ein. Begründung: Damit wäre eine Taxi-Fahrt so günstig, dass die Leute nicht mehr den Linienbus nutzen. Denn das Taxomobil hätte den Vorteil eines Haus-zu-Haus-Services.

Die Befürchtung: Der ÖPNV würde damit noch mehr Defizite produzieren. Die angestrebten 90 Prozent wurden bisher noch nicht umgesetzt, informierte Kehrer. Die Stadtverordneten müssen nun in der kommenden Sitzung ihren Beschluss rückgängig machen. Langsam, aber sicher, gehen die Nutzerzahlen des Taxomobils nach oben, beobachtet er. 

Sehr gut angenommen werden dem Stadtoberhaupt zufolge die Impffahrten nach Erbach mit dem Taxomobil. Für die müssen die Bürger nur den regulären RMV-Tarif bezahlen. Die restlichen Kosten teilen sich Odenwaldkreis und Stadt.

Gastronomie wünscht endlich grünes Licht

„Wir brauchen unbedingt Perspektiven“, betont Angelika Beisel vom „Hirsch“ in Rothenbergs Ortsmitte. Um zu zeigen, dass die Gastronomen in den Startlöchern für eine Wiederöffnung stehen, beteiligte sich das Traditionsgasthaus an der Aktion „Grünes Licht“. Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hessen, Initiative Gastronomie Frankfurt und der Leaders Club Deutschland hatten dazu aufgerufen, um vor dem heutigen politischen Spitzentreffen ein sichtbares Zeichen zu setzen.

Beisel macht klar, „dass wir nicht auf Biegen und Brechen aufmachen wollen“. Aber der Dauer-Lockdown ist nicht mehr durchzuhalten. Denn selbst wenn die Gastronomen wieder ihre Türen öffnen dürfen, „ist nicht gleich die Bude voll“. Es dauert, bis alles wieder angelaufen ist. Nicht nur die Betreiber, auch die Mitarbeiter brauchen Sicherheit. „Wir verlernen bald unserem Job“, meint die Wirtin mit etwas Galgenhumor.

Inzwischen gibt man sich ja in der Branche notgedrungen schon mit wenig zufrieden. Die November-Hilfen sind immerhin schon eingetroffen, die vom Dezember teilweise. Ein ganz andere Hausnummer und „das nächste Problem“ stellen die Überbrückungshilfen III dar. Durch den Riesenwust von Unterlagen „muss man sich durchwurschteln“, verdeutlicht sie die schwierige Beantragung. So ist unter anderem nicht klar, welche Kriterien wie auf den Hirsch zutreffen könnten.

Nach wie vor ist der Zuspruch fürs Take-Away-Speisenangebot groß, freut sich Beisel. „Wir lassen uns auch immer etwas Neues einfallen.“ Die Leute kommen längst nicht mehr nur aus Rothenberg, sondern aus vielen umliegenden Orten. Im Laufe der Zeit wurde einiges perfektioniert. Ein Online-Bestellsystem sorgt etwa dafür, dass alles vom Handy oder Computer aus geordert und gleich bezahlt werden kann.

Das Verpackungssystem beruht auf Bagasse, einem Überrest der Zuckerproduktion, und ist ökologisch abbaubar, erklärt Lukas Beisel. Da die Sets versiegelt werden, halten sie außerdem länger warm und sind auch problemlos später in der Mikrowelle wieder aufwärmbar, sagt er.  

Die Krise schweißt zusammen, fügt er hinzu. Wo früher Konkurrenzdenken herrschte, zählt heute das Miteinander. Man organisiert sich innerhalb der großen Gastronomen-Familie in einer WhatsApp-Gruppe, um die Neuigkeiten auszutauschen. Wer Hilfe bracht, dem wird geholfen. Auch über die Dehoga kommen viele Infos rein, lobt seine Mutter.

Beim Hygienekonzept ist der „Hirsch“ auf dem neuesten Stand, sagt Angelika Beisel. Derzeit werden sogar einige Optimierungen, wie Luftfilter, Digitalisierung oder Verlegung des Geschäftsbetriebs in den Außenbereich, vom Staat gefördert. Mit ein paar Tagen Vorlaufzeit könnte man wieder loslegen, erklärt sie. Ihre Hoffnung geht Richtung Ostern.

Die Gastronomie, hebt die Wirtin hervor, sieht sich aufgrund ihrer durchdachten Konzepte nicht als Coronatreiber. Schnelltests könnten zusätzlich helfen, damit die Öffnung in greifbare Nähe rückt. Beisel geht es auch um Fairness: Aktuell laufen die Öffnungsdiskussionen, Friseure und Gartenmärkte durften schon loslegen, aber von den Gaststätten redet keiner. „Man kann nicht alles aufmachen und uns zulassen.“

Aufgabe der Politik ist es jetzt, jetzt alles dafür zu tun, dass die Betriebe keinen Tag länger als gesundheitspolitisch geboten geschlossen bleiben müssen, fordert der hessische Dehoga-Präsident Gerald Kink in einer Pressemitteilung. „Wir erwarten deutlich mehr Tempo und Professionalität bei den Impfungen.“ Auch bei Schnellteststrategie und Digitalisierung der Gesundheitsämter gibt es seiner Meinung nach Luft nach oben.

Restaurants und Hotels hätten während der Öffnungen von Frühjahr bis Herbst bewiesen, dass sie strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen entwickeln und erfolgreich umsetzen können, hob Kink hervor. Das Gastgewerbe weist Untersuchungen zufolge kein relevantes Infektionsgeschehen auf, ergänzte er. Das Ansteckungsrisiko gerade bei Zusammenkünften im Freien und in Hotels sei niedrig. „Restaurants und Hotels sind keine Pandemietreiber, sondern sichere Orte“, so Kink weiter.

84 Prozent der Betriebe drängen laut der jüngsten Verbandsumfrage auf eine Öffnung vor Ostern. Das Gastgewerbe befindet sich seit Beginn der Pandemie insgesamt sechs Monate im Lockdown, erläutert er. „Verzweiflung und Existenzängste nehmen in der Branche dramatisch zu.“ Hotels und Restaurants brauchen dringend Perspektiven, ist der Dehoga-Präsident auf einer Linie mit den Gastronomen vor Ort.

Verbindungsstraße: Nach fünf Jahren herrscht immer noch Stillstand

Die Bürgerinitiative (BI) „Pro Erhalt Verbindungsstraße“ ist sauer. Es tut sich einfach nichts bei der Sanierung des kleinen Sträßleins zwischen den badischen Randgebieten Brombach und Heddesbach. Seit über fünf Jahren ist die Strecke bereits gesperrt. Lange dauerte es, Gelder und Genehmigungen für die Erneuerung zusammenzukratzen – und jetzt stehen sowohl Baubeginn als auch Erneuerung überhaupt in den Sternen.

Die Straße ist nicht nur für die Brombacher wichtig, da es sonst außer der maroden Kreisstraße über hessisches Gebiet keine andere Zufahrt des zu Eberbach gehörenden 360-Seelen-Dorfs gibt. Der Weg wurde vor der Sperrung auch gern als Ausweichstrecke von Rothenberg oder Kortelshütte Richtung Bergstraße genutzt, wenn im Neckartal auf der B 37 der Verkehr stockte.

Der im August 2020 angekündigte Baubeginn Anfang 2021 „wird nicht mehr bestätigt“, kritisiert Raphael Seib seitens der BI. Damit wird das Risiko des Verfalls genehmigter Fördermittel, gebunden an einen spätesten Baubeginn bis zum 14. November, immer größer, befürchtet er. Seitens des Flurneuordnungsamts fließen trotz Nachfrage keine Informationen, Grundstücksangelegenheiten sind nach wie vor ungeklärt und dazu gab es wohl behördliche Abspracheungenauigkeiten, bemängeln die BI-Vertreter.

Knappe zehn Minuten dürfte die Ersparnis in früheren Zeiten gewesen, wenn entweder die Brombacher nach Heddesbach gelangen wollten oder Pendler wahlweise vom Finken- oder Ulfenbachtal ins jeweils andere. Was damals nicht einmal fünf Kilometer mit dem Auto waren, sind jetzt 14.

Die BI gründete sich im Februar 2016 mit dem Ziel, die „verwaltungsrechtlich fragwürdige“ Entwidmung und Sperrung des Gemeindeverbindungswegs Brombach-Heddesbach Ende 2015 rückgängig zu machen, erklärt Seib. „Der Weg wurde und wird zwingend gebraucht“, betont er. Die Aktionen führten bis zum Petitionsausschuss des baden-württembergischen Landtages, begleitet von diversen Gesprächsrunden mit Vertretern von Ämtern, Bürgermeistern, Behörden und politischen Parteien.

Es wurde damals erreicht, dass sowohl Amtsträger als auch Parteien klar und deutlich zusagten, „den Bürgerwillen umzusetzen“ und den Gemeindeverbindungsweg zu reaktivieren. Der Petitionsausschuss empfahl, der Forderung der Bürgerinitiative zu folgen und die Straße zu sanieren, erinnert sich der Aktivist.

Seitdem wurden Haushaltsgelder geplant, Fördermittel beantragt und genehmigt, Vermessungs- und Rodungsarbeiten durchgeführt, Grundstücksfragen größtenteils geklärt und die Ausführungsplanung erstellt. Den Brombacher Bürgern wurde im August 2020 der Stand der Dinge erläutert und der Projekterfolg – mit verspätetem Baubeginn – bestätigt, schildert Seib.

Außerdem gab es bereits Absprachen und Vereinbarungen zur Sanierung der Brombacher Hauptzufahrt K 35. Da diese teilweise auf hessischem Gebiet liegt, ist hier auch die Heppenheimer Straßenbaubehörde Hessen Mobil mit im Boot. Diese Sanierung soll im Anschluss an den Neubau des Gemeindeverbindungswegs erfolgen. Letzterer ist als Umleitung/Ausweichstrecke zwingende Voraussetzung, da die Arbeiten auf der K 35 unter Vollsperrung erfolgen sollen.

Über Kommunal-, Kreis- und Landespolitiker wurden von der BI in den vergangenen Jahren immer wieder Anfragen zum aktuellen Stand der Dinge gestartet, da aus den Behörden selbst nur wenige Infos flossen. Nach der Planvorstellung wurde ein Informationsschreiben an die Brombacher Bürger verteilt. „Weitere freiwillige Statusmeldungen über den aktuellen Stand der Baumaßnahmen erfolgten trotz Zusage des Amtes und wiederholter Aufforderung des Ortschaftsrats bis heute nicht“, ärgert sich die BI.

Die Hinhaltetaktik der Behörden dauerte an: „Immer wieder wurden grundstücks- und naturschutzrechtliche Belange als noch nicht endgültig geklärt hingestellt“, berichtet Seib. Jedoch wurde der Projekterfolg trotz entstandener Verzögerungen zu keiner Zeit in Frage gestellt, erläutert er.

Die BI hat die Hängepartie nun satt. Sie fordert, dass die planerischen Probleme und Unstimmigkeiten endlich beseitigt werden sowie der Baubeginn vor dem Verfall der bereitgestellten Gelder forciert und vorangetrieben wird. Weiterhin soll eine „verbindliche, freiwillige, rechtzeitige und transparente Informationen an die Bürger“ erfolgen. Außerdem wünscht man sich „professionelles Arbeiten in den Behörden und die unverzügliche Umsetzung der Beschlüsse zum Neubau des Gemeindeverbindungsweges“.

Rund ums Schwimmbad spielt sich das Dorfleben ab

„Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen“, bringt Finkenbachs Ortsvorsteher Christian Niesen die Attraktivität seines Dorfs zusammen mit Hinter- und Raubach auf den Punkt. Lage und Aussichten ziehen die Touristen an, machen die drei Orte mit ihrer ruhigen Odenwald-Lage liebens- und lebenswert. Das zeigt sich auch an den ziemlich stabilen Bevölkerungszahlen. Schwimmbad mit Spielplatz ist der zentrale Punkt.

„Was zu verkaufen war, ist weg“, beschreibt Niesen die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Es gibt höchstens noch ein paar Baulücken. Sollte etwas zu annehmbaren Preisen angeboten werden, „ist es schnell verkauft“. Der „Goldene Löwe“ ist seinen Worten nach veräußert. Er soll wieder gastronomisch genutzt werden, berichtet der Ortsvorsteher.

Das wäre ein Gewinn, denn Gaststätten gibt es nicht mehr viele. Die „Traube“ in Finkenbach und die „Raubacher Höhe“ halten noch die kulinarischen Fahnen hoch, wenn sie wieder öffnen dürfen. Die „Edelquelle“ in Hinterbach ist nur noch sporadisch offen.

Mit der Firma Baum und der Odenwaldquelle existieren zwei größere Arbeitgeber. Früher sorgte unter anderem die Bürstenfabrik Edelmann für Jobs. Dazu kommen kleinere Handwerksbetriebe, wie Elektriker oder Zimmermann. Die meisten Berufstätigen pendeln aber entweder nach Hirschhorn ins Neckartal oder Richtung Beerfelden und weiter ins Mümlingtal.

Die Landwirtschaft lohnte sich aufgrund der steilen Hänge und des eher kargen Bodens nicht wirklich. Deshalb wurde sie meistens im Nebenerwerb oder als Hobby betrieben. Niesen berichtet von durchziehenden Schafherden, deren Halter dafür sorgen, dass das Tal offen bleibt.

Traditionell sind die Finkenbacher Kinder nach Rothenberg orientiert. Das ist auch nach der Fusion so geblieben. Kindergarten und Grundschule befinden sich dort. Ab der fünften Klasse geht es dann zur Oberzent-Schule nach Beerfelden oder Richtung Michelstadt zu Gymnasium oder Berufsschule.  

„Mareikes Backshop“ ist für die Nahversorgung in Finkenbach zuständig. Werktags von 5.30 bis 10 Uhr bekommen die Talbewohner hier nicht nur Gebackenes, sondern auch alles rund um den Haushalt, wie Wurst, Getränke, Klopapier, Seife, Waschmittel oder Getränke. Das abgelaufene Jahr, berichtet Niesen, „war etwas härter als sonst“. Denn es fehlten meistens die Übernachtungsgäste im Ort, die Pendler fielen aus, die Feste fanden nicht statt. Aber auf die Ortsbürger war aber immer Verlass.

Mit dem ÖPNV ist im Finkenbachtal kein Staat zu machen. Die Linie 54 zwischen Hirschhorn und Beerfelden verkehrt montags bis freitags außerhalb der Schulzeiten nur sporadisch und dann meist als Rufbus, bedauert der Ortsvorsteher. Am Wochenende muss grundsätzlich vorher angeklingelt werden. Dazu gibt es den Bürgerbus der Generationenhilfe, der an zwei Tagen in der Woche die Orte mit der Kernstadt verbindet. Ohne Auto geht somit praktisch nichts.

Auch sonst hält sich die Infrastruktur in Grenzen. Die Volksbank hat ihren fahrenden Schalter bereits eingestellt, so Niesen. Die Sparkasse spielt seinen Informationen nach mit dem Gedanken. Somit ist die nächste Möglichkeit, sich mit Barem einzudecken, der Automat am Rothenberger Rathaus. Immerhin ist der LTE-Ausbau am Laufen. Denn gerade Hinter- und Raubach sind Täler der Ahnungslosen. Würde der Umsetzer oberhalb des ehemaligen Landschulheims genutzt, ließen sie sich besser versorgen, erklärt Niesen.

Das Vereinsleben pulsiert, wenn nicht gerade Pandemie-Zeiten sind. Der FCF als größter Verein richtet unter anderem das Oktoberfest und das Finkenbach-Festival aus. Die Feuerwehr veranstaltet Grillnacht und Weinfest, der Heimat- und Verschönerungsverein bringt sich am Freibad mit ein. Die Sänger mussten in 2020 leider meistens stumm sein. In Hinterbach stemmen die Aktiven alle zwei Jahre den immer sehr gut frequentierten Kohlenmeiler.

„Der örtliche Zusammenhalt ist da“, freut sich Niesen. Spricht man die Bürger auf ihre Hilfe an, „dann kommen sie auch“. Das lässt sich jedes Jahr am Freiwilligentag feststellen. Bocciabahn und Schachbrett am Schwimmbad sind die neuesten sichtbaren Ergebnisse des Engagements. Sowieso ist das Becken mit dem vorgelagerten Spielplatz und den dortigen Freizeitmöglichkeiten, beispielweise dem Multifunktionsfeld, der „Hotspot“ im Dorf. Die guten Parkplatzmöglichkeiten tragen ihren Teil dazu bei.

Der Kiosk am Schwimmbad war im vergangenen Sommer geöffnet, auch wenn nicht geschwommen werden durfte. Eine richtige Entscheidung. „Er war immer gut besucht“, erläutert der Ortsvorsteher. Die Älteren kamen dort für ein Schwätzchen zusammen. Andere fürs Spätjahr geplante Aktionen wie ein Erste-Hilfe-Kurs oder ein Dia-Abend übers historische Finkenbach mussten jedoch ausfallen.

Der Ortsbeirat hätte gerne noch Hecken und Bäume auf dem Friedhof geschnitten, was aber ebenfalls ausfiel, schildert Niesen den starken Einschnitt ins öffentliche Leben. In diesem Jahr sollen Bäume am Spielpatz gepflanzt werden, damit die Kinder in spe mehr im Schatten spielen können. „Wir hoffen darauf, dass die kommende Schwimmbad-Saison wieder wie geplant stattfinden kann“, betont er. Wobei der Ortsvorsteher auch anmerkt: „Uns auf dem Land geht es noch relativ gut.“

Die Voraushelfer dürfen seit der ersten Coronawelle nicht mehr ausrücken, moniert Niesen. Das hat sich nicht geändert. Dabei wäre die schnelle Hilfe in Notfällen durchaus sinnvoll, weiß der DRK-Mann. „Manpower und Ausbildung sind da, dürfen aber nicht genutzt werden“, bedauert er. Denn es gab schon Situationen, „in denen eine frühere Hilfe besser gewesen wäre“.

Die Dorfgemeinschaft bewältigt alle Krisen

„Jeder kennt jeden“: Im kleinen Oberzent-Stadtteil Ober-Hainbrunn ist die Welt noch in Ordnung. Wenn ein Mitbürger Hilfe braucht, kann er auf die anderen zählen. Damit lässt sich auch leichter durch eine Pandemie kommen, weiß Ortsvorsteher Stefan Hofmann. „Auf dem Land ist Corona zum Glück weit weg“, sagt er. Ist etwas im Dorf zu tun, kann der Ortsvorsteher deshalb schnell auf eine große Zahl von Helfern zählen, weiß er. Die wollen zwar gefragt werden, sagen dann aber rasch zu.

Wie etwa im Sommer und im Herbst. Am Freiwilligentag wurden viele Aktionen durchgeführt. Hofmann freut sich, dass dazu sogar „fast noch mehr Leute als vergangenes Jahr zusammenkamen“. Er schätzt, dass die Ortsbürger nach dem Lockdown die Gesellschaft und das Zusammensein suchten. Für ihn ist es deshalb klar: „Die dörfliche Gemeinschaft ist intakt.“ Er hofft, dass sie bei andauernder Pandemie keinen Schaden nimmt.

Auch wenn Ober-Hainbrunn ein „Wohndorf“ mit wenig Infrastruktur ist, bleibt die Bevölkerungszahl stabil. Junge Leute ziehen zwar für Beruf oder Studium weg, aber andererseits kommen auch wieder einige andere nach. „Wenn Häuser angeboten werden, gehen die schnell weg“, hat Hofmann beobachtet. Deshalb gibt es auch wenig Leerstände.

Der Ortsvorsteher führt die Attraktivität des Wohnungsmarkts unter anderem auf die Nähe zum Neckartal und zum Hirschhorner S-Bahnhof zurück. Denn von dort ist man in knapp 20 Minuten in Heidelberg. Er schätzt, dass dies 80 Prozent der Berufstätigen so handhaben. Denn Arbeitsplätze gibt es nicht viele im Odenwald-Dorf. Da ist zum einen das Sägewerk Richtung Finkenbach, zum anderen ein paar kleine Handwerksbetriebe.

Die früheren bäuerlichen Strukturen gibt es schon lange nicht mehr. Sowieso gab der karge, arme Sandsteinboden des Odenwalds nicht viel her, sodass es auf eine Nebenerwerbslandwirtschaft hinaus lief. Der letzte Landwirt hörte im Januar auf, weiß Hofmann. Die Wiesenflächen im Tal werden jetzt zum Glück komplett von einer Schäferei betreut. Früher, erinnert sich der Ortsvorsteher, wurden sie jahrelang nicht mehr gemäht und verbuschten.

Trotz der Nähe zum Neckartal ist Ober-Hainbrunn in Sachen Kindergarten und Grundschule nach Rothenberg und bei den weiterführenden Lernanstalten großteils nach Beerfelden orientiert. Allerdings gibt es das Problem der Verkehrsanbindung – ein Thema, das Hofmann schon seit Langem umtreibt. Das fängt beim Schulbus nach Rothenberg an.

Der wurde erst in den Ferien abgeschafft, sodass Kindergartenkinder von den Eltern gefahren werden mussten. Und jetzt kam seiner Info nach die Problematik dazu, dass sie mittags nicht mehr zurückfahren können, weil sie von den Erzieherinnen aufgrund rechtlicher Bedenken nicht in den Bus gebracht werden dürfen. Gekippt wurde auch die Verbindung für die Gymnasialkinder ins badische Eberbach. Die müssen jetzt den Umweg über Beerfelden nehmen.

Eine andere Thematik ist der 54er-Bus von Beerfelden durchs Finkenbachtal nach Hirschhorn. Der fuhr schon früher nicht oft, wurde aber laut Hofmann noch mehr eingedampft. Am Wochenende ist er nur noch als Rufbus unterwegs, kritisiert er. „Der ÖPNV ist bei uns kaum noch präsent“, legt der Ortsvorsteher den Finger in die Wunde.

„Theoretisch könnten wir auch aus der OREG austreten“, meint er provokant. Verbesserungen gab es seiner Beobachtung nach nur auf der Zentralachse, der B 45. Durch die Lage im Grenzgebiet zwischen den zwei Verkehrsverbünden RMV und RNV fällt Ober-Hainbrunn anscheinend durchs Raster, bedauert er. „Die Anbindung an die S-Bahn passt auch nicht“, meint Hofmann – kein Wunder, dass die Bürger mit ihrem Auto an den Bahnhof fahren. Fazit: „Wir fühlen ein bisschen verlassen.“

Dass es besser geht, hat er an verschiedenen Stellen beobachtet. Der Ortsvorsteher nennt etwa den Bereich Lützelbach (ins Bayrische) oder Mossautal (Richtung Kreis Bergstraße). Überhaupt der Nachbarkreis: Hier gibt es von Hirschhorn über Schönmattenwag nach Wald-Michelbach eine stündliche Verbindung, erläutert er neidisch. „Da geht es – und bei uns nicht.“ Hofmann sieht es fatalistisch: „Die meisten haben sich schon daran gewöhnt.“ 

Obwohl das Dorf so klein ist, wird vieles geboten – wenn gerade keine Pandemie herrscht. Sport- und Gesangverein sowie Feuerwehr halten das gesellschaftliche Leben hoch. Fasching, Maifest, Oldtimertreffen, Handkäsfest – übers Jahr ist einiges los. Der Ortsvorsteher hofft, dass sich 2021 alles wieder normalisiert.

Oberzent führt Zweitwohnungssteuer ein

80.000 bis 100.000 Euro: Diese jährlichen Mehreinnahmen erhofft sich Oberzent von der Einführung einer Zweitwohnungssteuer. Zwar ist der einmalige Verwaltungsaufwand zu Beginn hoch, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer der in der Sporthalle tagenden Stadtverordneten-Versammlung. „Aber es lohnt sich“, fügte er hinzu.

Bereits vor der Fusion 2018 hatte es in Rothenberg eine solche Steuer gegeben. Sie war danach erst einmal ausgesetzt worden, da sie in den anderen drei Gemeinden nicht existierte. Die Zweitwohnungssteuer bildet eine Möglichkeit, weitere willkommene Steuereinnahmen zu generieren, so Kehrer. Sie ist „für den Haushalt der Stadt notwendig“, sagte er.

Das Stadtoberhaupt betrachtete diese Steuerart „auch als regulierenden Faktor“. Denn oft würden dann Erst- und Zweitwohnsitze angepasst. Wird der Erstwohnsitz in Oberzent angemeldet, hat es den positiven Effekt, dass die Stadt von den höheren Einkommensteueranteilen profitiert. Kehrer nannte um die 800 Personen, die derzeit nicht ihren Hauptwohnsitz in der Stadt haben.

Eine Regulierung über die Grundsteuer funktioniert nicht, entgegnete er auf eine Nachfrage von Thomas Väth (Grüne). Brigitte Heckmann (SPD) bekannte, erst einmal „Bauchweh“ wegen des Verwaltungsaufwands gehabt zu haben. Unterm Strich sah sie aber die Vorteile.

Sie berichtete aus den Erfahrungen in Kortelshütte: Viele hätten nach Einführung der Steuer ihren Erstwohnsitz in der Altgemeinde Rothenberg angemeldet, wusste sie. Das wiederum, ergänzte Wilfried Friedrich (ÜWO), bedeutete dann finanzielle Vorteile, da es durch mehr Einwohner höhere Schlüsselzuweisungen gab.

„Wer hier wohnt, soll auch seinen Beitrag für die Kommune leisten“, sprach sich Horst Kowarsch (Grüne) ebenfalls dafür aus. Denn Personen, die nur ihren Zweitwohnsitz in Oberzent gemeldet haben, nutzen ebenfalls die komplette Infrastruktur. Positive Signale sendete ebenfalls Oliver von Falkenburg (CDU) aus, womit der einstimmigen Verabschiedung nichts im Weg stand.

Im Ausschuss war im Zuge der Diskussion daneben angesprochen worden, dass mit der Erhebung einer Zweitwohnungssteuer große Gebäude, „die wenig oder gar nicht genutzt werden, vielleicht an den Markt gebracht werden“. Als weiterer Vorteil wurde genannt, dass damit auch das Einwohnermeldewesen bereinigt wird.

Oberzent: Keine Steuer für Jagdhunde

Jagdhunde und Nachsuchengespanne sollen ebenfalls von der Hundesteuer ausgenommen werden. Diese Ergänzung der Satzung beschloss die Stadtverordneten-Versammlung Oberzent bei ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr auf Antrag von Oliver von Falkenburg (CDU). Die Grünen hätten sich Ausnahmen nur auf Antrag und nicht gleich schriftlich festgezurrt gewünscht, scheiterten aber mit diesem Ansinnen. Die eigentliche Satzung wurde dann einstimmig verabschiedet.

Der CDU-Sprecher wollte im ländlichen Raum Jagdhunde mit entsprechender Qualifikation als Teil der wertvollen Arbeit der Oberzent-Jäger wahrnehmen. Das sei zweckmäßig, so von Falkenburg. Die Jäger verrichten seiner Meinung nach „mit ihren treuen und qualifizierten Begleitern“ freiwillige Aufgaben zum Wohl der Allgemeinheit. Sie leisten weiterhin einen Beitrag zur öffentlichen Daseinsvorsorge.  

Der CDU-Sprecher wies darauf hin, dass die Jagd und die damit einhergehenden Aufgaben im Odenwald „gelebter Naturschutz“ sind. Sie tragen zum Erhalt der Lebensgrundlagen bei. Das Zusammenspiel von Mensch und Tier sollte deshalb auf diesem Weg mit einer Steuerbefreiung honoriert werden, wenn das von den Hundehaltern so beantragt wird.

Der Hessische Städte- und Gemeindebund empfiehlt in seiner Mustersatzung keine Befreiung, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Allerdings wird auch nicht explizit davon abgeraten, ergänzte er. Das Stadtoberhaupt machte aber die Einschränkung: Wenn Jagdhunde mit aufgenommen werden, sollte das unter anderem auch mit Rettungshunden geschehen. Er wünschte sich deshalb, eine Einzelfallentscheidung dem Magistrat zu überlassen. Sonst mache man ein Fass auf.

Das befürchtete auch Thomas Väth (Grüne). Sein Gedanke, dass aus dem Tierheim stammende Kampfhunde dadurch befreit sein könnten, weil normalerweise auf Tierheim-Hunde keine Steuer erhoben wird, trifft nicht zu, entgegnete der Bürgermeister. Das ist in der Satzung entsprechend explizit geregelt.

Positiv äußerte sich Thomas Ihrig (SPD) zum CDU-Ansinnen. Auf dem Land „leisten die Förster viel fürs Allgemeinwohl“, betonte er. Deshalb macht eine Befreiung Sinn. Sollten wirklich mehr „weitere zehn Befreiungswünsche kommen“, könne man sich neu damit befassen.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) wollte – wie auch der Rest ihrer Fraktion – gern die neue Satzung unverändert lassen. Für sie ist es sinnvoller, nur auf direkten Antrag zu reagieren. Deshalb plädierte die Fraktionssprecherin lediglich für enge Ausnahmen. Bei drei Gegenstimmen der Grünen ging der CDU-Antrag jedoch durch.

Die Stadt verspricht sich durch die Hundesteuer-Anhebung etwa 22.460 Euro zusätzliche Einnahmen zu den bisherigen 53.500 Euro. Bisher kostete der erste Hund 48, der zweite 72 und der dritte 96 Euro. Kampfhunde wurden pro Tier jeweils mit 600 Euro besteuert. Oberzent lag damit unter dem Schnitt benachbarter Kommunen. Lediglich bei den Kampfhunden war man um etwa 150 Euro drüber.

Hintergrund der Anhebung: Mit der Neufassung der Hundesteuer-Satzung soll das Oberzent-Modell an das Muster des Hessischen Städte- und Gemeindebundes angepasst werden. Außerdem werden Hundesteuermarken, Steuerbefreiungen und Meldepflichten geregelt. Aktuell sind in Oberzent etwa fast 1100 Hunde gemeldet. Der Verwaltungschef erläuterte, dass durch die Bestandsaufnahme im Frühjahr 40 nichtregistrierte Hunde festgestellt wurden.

Mit Blick auf die höheren Steuerbeträge bestand bei den Mandatsträgern Einigkeit, dass diese vertretbar sind. Künftig kostet der erste Hund ab Januar kommenden Jahres 66 Euro, der zweite 108 und der dritte 150 Euro. Dabei nimmt man die hessischen Durchschnittswerte als Orientierungswert. Kampfhunde werden pro Jahr mit 684 Euro besteuert.

Steigen soll auch die Spielapparatesteuer. Außerdem soll die Satzung ans Muster des Städte- und Gemeindebundes angepasst werden. Insgesamt verspricht man sich bei der Verwaltung durch die diversen Erhöhungen in den verschiedenen Kategorien Mehreinnahmen von knapp 34.000 Euro. Das entspricht bei insgesamt 76.000 Euro Erlös somit einer Fast-Verdoppelung.

Die als Corona-Hilfe gedachte Umsatzsteuersenkung des Bundes für zweite Halbjahr 2020 macht es darüber hinaus nötig, die Wasserversorgungssatzung für den entsprechenden Zeitraum zu ändern. Statt sieben werden jetzt bis Ende des Jahres fünf Prozent Mehrwertsteuer auf den Wasserpreis fällig. Beide Punkte gingen einstimmig durch.

5G auf den Punkt gebracht

Der neue Mobilfunkstandard 5G bewegt schon die Gemüter, bevor überhaupt die ersten Anlagen in Betrieb gehen. Verschwörungstheorien über alle möglichen Gefahren machen in diesem frühen Stadium die Runde, war in der Stadtverordneten-Versammlung Oberzent zu erfahren. Nicht nur deshalb wünschten sich die Grünen per Antrag einen Bürgerdialog zum Ausbau des 5G-Mobilfunks in Oberzent. Die Mandatsträger einigten sich darauf, einer öffentlichen Diskussion die Beratung im Ausschuss vorzuschalten.

Fraktionssprecherin Elisabeth Bühler-Kowarsch ging es darum, „eine ausgewogene Information zu organisieren“. Damit könne man die Vor- und Nachteile des Netzausbaus kennenlernen und in einen Dialog mit Entscheidern, Gestaltern und Kritikern treten. „Die Chance zur Meinungsbildung sollten wir unseren Bürgern anbieten“, forderte sie. Denn die Digitalisierung nehme rasant an Geschwindigkeit auf.

„Wir sind auf Akzeptanz angewiesen“, betonte Bühler-Kowarsch. Deshalb wolle man ein breites Spektrum an Meinungen ermöglichen. Die Bedenken und Ängste „müssen wir ernst nehmen und mit Argumenten entkräften“, ist ihre Zielrichtung. Denn: „Die Menschen sollen mitgehen können.“

Von Walter Gerbig (CDU) kam die Anregung, eine fundierte Beratung im Bauausschuss vorzuschalten und dann in die Bürgerbeteiligung zu gehen. Frank Leutz (FDP) wünschte sich eine Prüfung, ob in Oberzent 5G derzeit überhaupt aktuell ist. Er betonte aber unabhängig davon die Notwendigkeit, „die Bürger mitzunehmen“.

Das hob auch Thomas Ihrig (SPD) hervor. Er wollte im Vorfeld „die Interessen abklopfen“. Chris Poffo (ÜWO) möchte ebenfalls erst nach einer Ausschuss-Beratung weitere Infos fließen lassen, um dann der Schwarzmalerei von 5G-Gegnern fundiert entgegentreten zu können.

Thomas Väth (Grüne) wies auf den dringenden sachlichen Info-Bedarf hin. Er war auf einer Veranstaltung von 5G-Gegner, ergänzte er, und „erschrocken über die hanebüchenen Vorstellungen“.  Die dort vorgebrachten Argumente der Bürgerinitiative müssten entkräftet werden, forderte er. Denn sie tragen zur Verunsicherung der Bürgerschaft bei.

In die Reihe der Ausschussberatungs-Befürworter reihte sich auch Bürgermeister Christian Kehrer ein. Kommt es dann zu einer Bürgerinfo-Veranstaltung, will er diese extern begleiten lassen. „Von uns stellt sich keiner da oben hin“, meinte er. Wie das Stadtoberhaupt weiter erläuterte, wurde Oberzent seitens des Landes angesprochen, ob man Testkommune für den 5G-Ausbau sein wolle. Dafür gibt‘s eine 90-prozentige Förderung.

Die Stadt sagte aber erst einmal „Nein“, erläuterte der Rathauschef. Denn die drei großen Mobilfunk-Anbieter sind auf der Gemarkung bereits tätig – beispielsweise im Bereich Olfen oder Schöllenbach, allerdings nur im 4G-Bereich.Wenn es keine städtischen Standorte sind, „werden die Kommunen gar nicht gefragt“, machte der Bürgermeister deutlich, dass manche Nachricht nur per Zufall den Weg ins Rathaus findet. So weiß er unter anderem durch den Buschfunk, dass in Beerfelden zwei Standorte im Gespräch sind.

In der Vergangenheit war die Versorgung mit mobilem Internet vor allem in den Oberzent-Tälern mangelhaft bis nicht vorhanden. Doch so langsam tut sich etwas. Zuletzt wurde im Gammelsbachtal ein 4G-Mast von Telefonica in Betrieb genommen, der nun hier für besseren Zugang ins weltweite Netz sorgt. Sensbachtal und Hesseneck darben jedoch noch.

Alter Schulgarten ist wieder begehbar

Sänger und Verkehrsverein-Mitglieder (VVR) fühlten sich wie im Urwald. Dazu mussten sie gar nicht weit reisen: Denn der alte Schulgarten Rothenberg war völlig zugewuchert und bedurfte dringend eines intensiven Rückschnitts. Zwölf Mann hoch gingen die Aktiven sieben Stunden lang an die Arbeit. Die konnte sich sehen lassen. „Die Aktion war ein absoluter Erfolg“, freute sich VVR-Vorsitzender Thomas Wilcke.

Es liegt schon einige Zeit zurück, dass sich eine örtliche Initiative um das große Grundstück kümmerte. Sogar Obstbäume wurden in dieser Zeit angepflanzt. Die allerdings waren inzwischen hinter den Brombeeren fast verschwunden. In all dem Grün tauchte bei der Freischnittgeschichte auch eine alte Badewanne auf.

„Wir haben unser Vorhaben mit der unteren Naturschutzbehörde besprochen“, betonte Wilcke. Von dort gab’s ein Plazet. Die Ehrenamtlichen gingen verantwortungsbewusst ans Schneid-Werk, mit Blick auf eventuell vielleicht noch dort lebende Tiere, versicherte er. Um aber die Möglichkeit so gering wie möglich zu halten, doch auf welche zu treffen. hatte man extra das Ende der Brut- und Setzzeit abgewartet. „Wir haben einen guten Kompromiss zwischen Natur- und Kulturlandschaft gefunden“, meinte er.

Durch die Unterstützung der Ehrenamtsagentur waren die Schaffer bei ihrem Tun zusätzlich versichert. Wenn in Rothenberg angepackt wird, dann können die Aktiven auf die Unterstützung der Geschäftsleute zählen. Wie so oft kümmerte sich die Metzgerei Postawa wieder ums Frühstück, Getränkehändler Gerd Koch stellte einiges gegen den Flüssigkeitsverlust zur Verfügung.

Die Ehrenamtlichen zwischen zwölf und 70 Jahren „haben das Pensum sogar übererfüllt“, so Wilcke. Damit kein Grünschnitt in der Landschaft herumliegt, hatte man einen Häcksler organisiert. Seitens der evangelischen Kirchengemeinde begrüßte Pfarrer Reinhold Hoffmann die Arbeiten. Dann hier denkt man darüber nach, eine Begegnungs- und Ruhefläche in diesem Bereich zu schaffen. Auch die Grundschule könnte eine Art „Klassenzimmer im Freien“ entstehen lassen.

„Ich habe das Grundstück nicht mehr so groß in Erinnerung“, meinte der VVR-Vorsitzende rückblickend schmunzelnd. Zum Glück fanden die Aktiven auf dem Gelände hinter dem Friedhof  keine große Vermüllung vor. Vor allem Pflanzabfälle hatten den Weg dorthin gefunden.

„Wir wollen Nachhaltigkeit herstellen“, sagte Wilcke. Deshalb soll das Grundstück in spe dezent möbliert werden. Hintergrund: Auf dem nebenan gelegenen Friedhof gibt es so gut wie keine Schattenplätze. Die könnten aber hier in natürlichem Schatten durch das umliegende Grün in unmittelbarer Nähe entstehen. Seitens der Kirche könnte man sich sogar kleine Veranstaltungen auf dieser Fläche vorstellen. 

Schon beim Ehrenamtstag Mitte September hatten die Vereinsmitglieder unter Federführung des MGV und Mitwirkung des VVR kräftig angepackt und sich der vielen Brunnen auf der Gemarkung angenommen. Die gewissenhafte Säuberung von Klemerts-, Krämers-, Homerichs- und Matzenbrunnen standen damals im Fokus. Auch sie waren das Ziel von wucherndem Gestrüpp geworden. Dieses Mal war der VVR federführend und die Sänger stimmten freudig mit ein.

Narren im Corona-Gefängnis

Jetzt wäre der Kampagnenstart gewesen. Wenn nicht das nervige Corona-Virus zugeschlagen hätte. So aber sitzen die Narrhalla-Fastnachter in Ober-Hainbrunn auf dem Trockenen, können sich höchstens im Fernseher virtuelle Kampagnen anschauen. Präsident Frank Flachs sorgt aber mit einem unterhaltsamen Blick in die Geschichte dafür, dass die Narren in der Finkenbachtal-Faschingshochburg in seligen Erinnerungen schwelgen können: Er hat einen „Kunterbunten Streifzug durch die Geschichte“ des SVH zusammengestellt, in dem die närrische Zeit natürlich prominent vertreten ist.

686 Seiten, über 1800 Bilder, eine 150-minütige Bonus-DVD mit alten Filmen aus den Jahren 1991 bis 1994: Beim Betrachten des Wälzers und der DVD wird es im ganzen Dorf ein großes Hallo geben. Flachs nimmt noch Bestellungen entgegen, bevor sein Werk in den Druck geht und dann pünktlich zu Weihnachten unterm ansonsten so tristen Baum liegen soll.

Schon das Deckblatt macht die Zeitläufte deutlich: Es zeigt Ober-Hainbrunn zum Beginn der Flachs’schen Erzählungen, Anfang der 1970er Jahre, als Luftaufnahme noch ohne Sporthalle. Vor ziemlich genau drei Jahren kamen der SVH-Vorsitzende und Heike Arnold auf die Idee, die Vereinsereignisse aus den vergangenen knapp 50 Jahren zusammenzutragen. Die Vorstellung, dass dies in einem Jahr über die Bühne gehen könnte, löste sich bald in Luft auf. „Auf einmal verflogen die Monate nur so“, schmunzelt Flachs.

Eine Chronik erwies sich als nicht machbar, da vor allem aus den 70er Jahren das Material fehlte. Der Präsident nahm das Vorhaben schließlich in die Hand und beschäftigte sich zwei Jahre lang konsequent damit. Dass es jetzt fertig wurde, verdankt die Schrift auch ein wenig den Corona-Beschränkungen. Da wenige Veranstaltungen stattfanden, hatte Flachs umso mehr zu Zeit, sich durch die ganzen Unterlagen zu wühlen.

Eigentlich stand 2022 als Erscheinungsjahr im Raum, weil sich dann die Vereinsgründung zum 50. Mal jährt. Dagegen sprachen aber die Druckerei-Vorgaben, erzählt Flachs. Denn das Werk durfte maximal 700 Seiten haben – und zusätzliche 24 Monate hätten diesen Rahmen gesprengt, da er jetzt schon bei 686 war. Seit kurzem steht nun die PDF-Datei, aus der dann das Buch entsteht.

Neben den eigenen Recherchen sprach der 53-Jährige viele Menschen aus dem Dorf an, ob sie noch alte Dokumente gebunkert haben. Das so Zusammengetragene unterteilte er in verschiedene, reich bebilderte Rubriken. Natürlich findet der Sporthallenbau Erwähnung. Diverse Feste wie das am 1. Mai oder Spiel ohne Grenzen tauchen auf. Den eigenen „Tischtennis-Legenden“ wird Tribut gezollt, dazu kommen deren Ergebnisse seit 2004. „Ich habe verwurschtelt, was mir die Leute gegeben haben“, lacht er.

Statistik muss auch sein: Alle Vorstände seit 1972 listet der Vorsitzende in seinem Werk auf. Die junge Darts-Abteilung bekam ebenfalls ein Kapitel. Und natürlich Fastnacht. Viel Fastnacht. Alle Programme mit allen Mitwirkenden seit 2004 sind in Bildern festgehalten. Alle Orden seit Bestehen der Narrhalla sind mit verschiedenen Sonderausgaben vermerkt. „Der Präsi und seine Schmuckstücke“ heißt die Rubrik über Funkenmariechen und Tanzpaare.

20 Jahre Vereinsflüge von Mittenwald 1992 bis Dresden 2012 hat Flachs ebenfalls im gedruckten Werk festgehalten. Auf der Bonus-DVD finden sich dazu auch diverse Filmchen, die die Fahrten in Erinnerung rufen. Außerdem sind manche Feste in bewegten Bildern festgehalten.

Die Sichtung des Materials sorgte für großes Hallo. Ralph Volk etwa, die Narrhalla-Kultfigur „Schakeline“, gibt’s noch mit Haaren und Schnurrbart zu sehen. „Ich habe zurückgespult, um mich zu vergewissern, dass ich mich nicht getäuscht habe“, grinst der Präsident. Er selbst findet sich auch, meint jedoch lachend mit Blick auf seine Figur: „Heute sieht man mich besser.“

Die Zusammenstellung des Materials macht deutlich, „wie die Zeit rennt“, erzählt Flachs nachdenklich. Eigentlich wollte er 2005 nur ein Jahr beim Männerballett aushelfen, blieb aber dann bis heute hängen. Und im Vorstand ist er nun auch schon ewig aktiv, rechnet der Vorsitzende nach. „Das ist schönes Zeitdokument“, ist er auf sein Werk stolz, für das er auch die erklärenden Texte schrieb.

„Die Arbeit hat Spaß gemacht“, sagt Flachs. Der Erlös nach Abzug der Druckkosten soll als „Corona-Hilfe“ an den Sportverein gehen. Je höher die Auflage, desto mehr bleibt übrig, erläutert er. Im Ort gab es bereits viele Rückmeldungen und Betellungen.

Der Präsident bedauert sehr, dass aktuell alles stillsteht. Die Sporthalle ist bis Ende November erst einmal gesperrt. Wie es danach weitergeht, richtet sich nach den dann geltenden Bestimmungen. Er  kann sich vielleicht eine interne Brauchtumsveranstaltung in kleinem Rahmen vorstellen, sollte das erlaubt sein. Auf jeden Fall aber „gibt es einen Kampagnenorden und ein Motto“, bekräftigt er. Den Orden bekommt jeder Aktive.

„Es fehlt uns, dass wir nicht loslegen dürfen“, meint er betrübt. So richtig dürfte das erst ankommen, wenn im Januar die ersten Sitzungen anstehen. Dann wären die Fastnachter auf der Bühne und unterwegs bei anderen Vereinen. „So aber sitzen wir zuhause und schauen die Wand an“, sagt Flachs sarkastisch. Ihm fehlt klar die Perspektive von oben. „Uns muss endlich mal jemand sagen, was wann Sache ist“, fordert er.

Info: Den „Kunterbunten Streifzug durch die Jahre 1972–2020“ des SV Ober-Hainbrunn kann man bei Frank Flachs unter E-Mail frankflachs@web.de oder Telefon 0163-1616134 für 44,99 Euro bestellen.

Beachvolleyballfeld soll zum Spielplatz

Das Spielfeld für Jung und Alt entlang des Freibads Finkenbach soll nach dem Willen des Ortsbeirats eine weitere Bereicherung erfahren. Auf seine Anregung hin soll das Beachvolleyballfeld auf die andere Bachseite verlagert werden. Denn am jetzigen Platz wird es aufgrund seiner abgelegenen Lage nur sehr wenig genutzt. Die dann freiwerdende Fläche soll zur Erweiterung der Schwimmbad-Liegefläche verwendet werden. Damit würde außerdem das Finkenbacher Freizeitangebot auf einem übersichtlichen Platz zusammengeführt.

Für die Spielgeräte der Kleinkinder gibt es zu wenig Schatten, hatte der Ortsbeirat festgestellt. Deshalb kam von ihm auch der Vorschlag, zwei neue Bäume zu pflanzen. Die Stadt Oberzent wird dies übernehmen, so Ortsvorsteher Christian Niesen. Das Gremium wird sich mit seinem Budget an den Kosten beteiligen.

Erweiterung und Umgestaltung des Spielplatzes war eines der letzten Projekte, die der frühere Rothenberger Bürgermeister Hans Heinz Keursten vor seinem überraschenden Tod geplant hatte. Um ihn zu ehren, soll nun ein Gedenkstein errichtet werden. Der Ortsbeirat will hierfür Gestaltungsvorschläge machen und sich auch an den Kosten beteiligen.

 Die Hecken am Finkenbacher Friedhof haben einen kräftigen Wuchs. Der umgefallene Zaun im oberen Teil des Geländers, provisorisch in die Hecken gehängt, wächst ein, stellte Niesen fest. Auch an der Seite sprießte es in den vergangenen Jahren kräftig. Deshalb gab es den Vorschlag, dass der Bauhof zeitnah ober- und unterhalb zu Werke geht und die Begrenzungszäune repariert. Die Ortsgemeinschaft will sich um den seitlichen Hecken-Rest kümmern.

Hinterbach scheint ein beliebter Ort zu sein, um die Vierbeiner springen zu lassen. Auf jeden Fall kommen immer wieder Beschwerden von dort, dass es Verunreinigungen durch Hundekot gibt. Deshalb schlägt der Ortsbeirat vor, einen Hundekoteimer an die Brunnenstraße/Abzweig Brückenstein aufzustellen.

An der erneuerten Brücke in der Ortsmitte wächst das Falsche. Wie Niesen erläuterte, gedeihen auf dem dort von Hessen Mobil ausgebrachten Boden keine einheimischen Pflanzen. Das ist aber ein Problem, denn artfremde Flora verträgt sich nicht mit dem angrenzenden FFH-Gebiet. Der richtige Mutterboden wiederum wurde an Tretbecken und Kohlenmeilerplatz durch den Bauhof angeliefert – nachdem bei letzterem die wilden Schuttablagerungen entsorgt wurden.

Produktionsschmiede für alles Akustische

In schweren Zeiten muss man sich gegenseitig unterstützen. Martin „Mike“ Müller ist selbst Musiker bei der Odenwälder Irish-Folk-Band „Heebie Jeebies“, betreibt aber im Nebenjob auch sein eigenes Tonstudio in Kortelshütte. Damit die Kollegen weiterhin Aufnahmen machen können, kommt er ihnen finanziell sehr weit entgegen. Er sieht sein „ceol.studio“ als Produktionsschmiede und realisiert  unter anderem gerade ein Folk-Projekt mit Musikern aus dem Odenwald.

Das Wort „ceol“ stammt aus dem Irisch-Gälischen, erläutert Müller. Es bedeutet „die künstlerische Anordnung von Klängen und Tönen, die Ideen und Emotionen durch die Elemente Rhythmus, Melodie, Harmonie und Klangfarbe ausdrückt“. Als er auf der Suche nach einem Namen für sein Tonstudio auf diese Definition stieß, war ihm klar: „Das ist es.“ Denn diese vier Buchstaben beschreiben treffend, „was für mich Musik bedeutet, als Musiker, als Tontechniker oder einfach nur als Zuhörer“. 

Mit der Musik ist der Kortelshütter schon seit früh auf verbunden. „Als Jugendlicher sagte ich, wenn ich mal Rentner bin, dann habe ich ein eigenes Tonstudio“, lacht Müller. Damals nahm er Songs mit einem Vierspurrekorder auf Musikkassetten auf. „Das sind die Dinger, die ein Magnetband haben und von Zeit zu Zeit mit einem Bleistift aufgewickelt werden müssen“, erläutert er augenzwinkernd für die jüngere Generation.

2016 beschloss Mike Müller, sich vom „gefährlichen Halbwissen aus dem Internet“ zu verabschieden und Tontechnik „richtig zu lernen“. Er startete sein Fernstudium. Erfolgreicher Abschluss war ein Jahr später mit der Auszeichnung des staatlich zertifizierten Fernkurses zum Audio-Engineer (HOFA Pro). Danach folgte die Gründung seines Tonstudios in Kortelshütte. „Musik habe ich schon immer gemacht“, erzählt er – in verschiedenen Bands und natürlich auch in Form von Aufnahmen für Demos.

Im Wohnhaus des Oberzent-Stadtteils stehen nun mehrere Räume für Aufnahmen von Bands, Gesang und Sprache zur Verfügung. „Alle akustisch optimiert“, verspricht Müller. Fünf Kilometer Kabel hat er dafür verlegt. Sein besonderer Stolz ist die Regie – der Raum mit hochwertigster Ausstattung für Musikproduktionen.

Der Audio-Ingenieur nennt diverse High-End-Lautsprecher und Verstärker zum exakten Hören der Sound-Mixe sein Eigen. Dazu optimierte er die Akustik im Raum aufwändig. 30 Mikrofone, 28 Vorverstärker sowie Geräte zur Bearbeitung des Klangs, alles von höchster Qualität und zum Teil ausgewählte Einzelanfertigungen, wurden verbaut.

Die Philosophie seines ceol.studios erklärt Müller wie folgt: Er sieht sich als Spezialisten für „akustische Musik“ – alles, was man mit einem Mikrofon aufnehmen kann. Das fängt bei Instrumentals an und geht über Chöre, Klassik, Folk, Rock und Pop bis hin zur härteren rockigen Gangart. „Ein E-Gitarren Marshall-Turm ist ja auch nur ein (akustisches) Instrument, das ein Mikrofon zur Aufnahme braucht“, schmunzelt er.

Das ceol.studio ist auch mobil und hat Musikproduktionen vor Ort produziert, schildert der Kortelshütter seine Vorgehensweise. Davon profitierte unter anderen die Wiesenbacher Big Band mit ihren 40 Musikern. Auch Konzerte in Kirchen oder Band-Demoaufnahmen in deren Proberaum begleitete er. Im „Corona-Jahr“ unterstützte Müller die Hirschhorner Veranstalter der „AusKlang“-Reihe im Kloster beim Streaming von 13 Konzerten per Live-Übertragung ins Internet. Weitere Online-Konzerte folgen nach aktuellem Stand ab November, informiert er.

Mike Müller sieht das ceol.studio als „Produktionsschmiede“. Zwei Projekte hat er aktuell in der Mache: Beim einen handelt es sich um ein Irish-Folk-Projekt mit verschiedenen professionellen Musikern aus dem Odenwald. „Eine Art Best-of mit Fokus auf besonders ausgewogenen Klang und musikalisch-gesanglichem Können“, erläutert er. Außerdem begleitet er den deutschen Sänger und Songwriter Lu Franz bei dessen Aktivitäten. Der Kortelshütter plant außerdem, Ende des Monats bei einem Band-Workshop in Siegen (Sauerland) Tontechnik zu unterrichten.

Müller weiß, wie schwer es die Kollegen derzeit gerade haben, da ihnen alle Auftritte weggebrochen sind. Deshalb bietet den Profi-Musikern einen „          Corona-Rabatt“. Er betreibt sein Studio professionell, hat aber noch einen „richtigen“ Job. Weswegen er daher nicht (ausschließlich) auf die Einnahmen des Studios angewiesen ist. Das macht es ihm möglich, den Kollegen entgegenzukommen. Sie bekommen für Aufnahmen Rabatte zwischen 50 und 90 Prozent.

Info: http://www.ceol.studio

Attraktionen für ältere Semester

Schon lange gab es den Wunsch, den Spielplatz am Schwimmbad Finkenbach auch mit Attraktionen für ältere Semester zu bereichern, um hier einen Treffpunkt für alle Generationen zu schaffen. Das Schachbrett, früher auf der Grünfläche neben dem Feuerwehrhaus beheimatet und im Zuge des Brückenneubaus abmontiert, fand nun dort seinen Platz. Außerdem entstand eine Bocciabahn. Für beide wurden bereits im Vorfeld Vorbereitungen getroffen.

Wenn es in Finkenbach etwas zu tun gibt, dann kommen immer etliche freiwillige Helfer zusammen, freut sich OIrtsvorsteher Christian Niesen. 21 waren es dieses Mal. Schon rechtzeitig vor der Aktion baggerte der städtische Oberzent-Bauhof die Fläche für die beiden Felder aus. Daneben wurden auch Schotter und Felsenkies angeliefert, um alle passgenau zu machen. Die Materialkosten dafür plus Kunststoff-Bordsteine werden aus dem Budget des Ortsbeirats beglichen, erläuterte Niesen.

Die Helfer brachten gleich selbst die erforderlichen Werkzeuge mit. Eine Rüttelplatte wurde von der Stadt gestellt. Eine Gruppe nahm sich des Schachbretts, die andere nahm die Bocciabahn in Angriff. Weitere Ehrenamtliche reinigten auf dem Spielplatz den Fallschutz unter den Spielgeräten gereinigt und befreiten die Hecken von Brombeeren und Brennnesseln. Ein gemeinsames Mittagessen im Schwimmbadkiosk war der Lohn für die harte Arbeit.

Lenn ist krebsfrei

Es gibt sie noch, die guten, Hoffnung machenden Nachrichten in der heutigen Zeit. Ende März war die Sorge bei der Familie Morr um den vierjährigen Lenn groß. Der litt unter einer seltenen Form der Akutleukämie. Im Frühjahr stand eine ganz harte Chemo an. Jetzt kam die positive Nachricht: Die Behandlung scheint angeschlagen zu haben. „Es sind keine Krebszellen mehr im Körper“, freut sich Jana Morr.

Die Rothenberger Familie ist deshalb relativ positiv gestimmt und hofft, dass ihr Sohn krebsfrei bleibt. Vor ein paar Wochen noch war die Unsicherheit groß, ob die Chemotherapie wirklich angeschlagen hatte, da die Ergebnisse einer Knochenmarkpunktion nicht zweifelsfrei waren. „Wir waren am Boden zerstört. Das machte uns große Angst“, gesteht die 30-Jährige. Die Ungewissheit hat sich nun gelegt. Die Chemo bekommt er allerdings weiterhin bis Jahresende. „Das ist das Standardprotokoll bei Leukämie“, erläutert seine Mutter.

Danach erwartet den Vierjährigen eine einjährige Erhaltungstherapie, in der er jeden Tag eine Chemotablette schlucken muss. Die Familie, zu der auch der 36-jährige Vater Alexander und Lenns kleiner Bruder Milo mit 16 Monaten zählen, „lebt immer noch sehr isoliert“, berichtet Jana Morr. Denn das Immunsystem des kleinen Patienten ist durch die Therapie sehr in Mitleidenschaft gezogen. Jeder Infekt wäre lebensgefährlich. Seinen 4. Geburtstag musste er wegen Fieber im Krankenhaus feiern. „Das war sehr schlimm für ihn.“

In den Pausen zwischen den Chemoblöcken war es immerhin möglich, dass Lenn im Garten spielte und dort auch Verwandte auf Abstand mit Mundschutz zu Besuch kamen, berichtet seine Mutter. Am Anfang fand sich der Vierjährige mit seinem Schicksal noch ganz gut ab, aber über die Monate hinweg wuchs die Ungeduld. „Mittlerweile fehlen ihm die Kinder sehr“, erzählt Jana Morr. Er fragt immer wieder, wenn er wieder in den Kindergarten darf. Denn die Eltern, das weiß sie, „können keine anderen Kinder ersetzen“.

Solange aber das Immunsystem angreifbar ist, gilt es, jeder Infektionsgefahr aus dem Weg zu gehen. Auch wenn ihr Sohn die Behandlung bislang ganz gut wegsteckte, merkt sie, „dass seine Kraft nach neun Monaten langsam erschöpft ist“. Er ist dann schlecht gelaunt und genervt, wenn es wieder mal nach Heidelberg ins Krankenhaus geht. „Man merkt, dass es ihm langsam reicht“, erzählt Jana Morr.

Die Eltern versuchen ihm dann zu erklären, dass er bald wieder gesund und sein Leben wieder normal wird. Manchmal versteht er das auch. „Er ist sehr vernünftig“, ist seine Mutter stolz. Aber es nervt halt – das würde es Erwachsene auch. Umso mehr freut sich Lenn, wenn er endlich wieder Kinder zu sich nach Hause einladen darf.

Als vor über einem halben Jahr die Generationenhilfe Oberzent einen Spendenaufruf für die Familie gestartet hatte, war der Zuspruch sehr groß. Über den ganzen Sommer hinweg hielt die Anteilnahme an – und tut es jetzt noch, freut sich die 30-Jährige. „Viele denken an uns und fühlen mit.“ Jana Morr ist sehr dankbar für die große Unterstützung. Viele sind für die Familie da, die sich immer über das Interesse aus dem Ort freut. Selbst aus Mannheim kamen ein paar Briefe, die Mut machten.

Alexander Morr kann derzeit durch die Kulanz seines Arbeitsgebers weiterhin zuhause bleiben und sich um die Familie kümmern. Im Spätjahr „schauen wir dann, wie es weitergeht“, erzählt seine Frau. Die Angst vor einem Rückfall ist nach wie vor präsent, auch wenn sich Lenns Zustand wesentlich verbessert hat. Deshalb agieren die vier auch sehr vorsichtig. Das Jahr 2021 lassen die Morrs einfach auf sich zukommen. Viel planen können sie nicht.

Jana und Alexander, 30 und 36 Jahre jung, fühlen sich „manchmal doppelt so alt“, hat das vergangene halbe Jahr beide kräftig mitgenommen. Des Öfteren rutschten sie in Tiefs hinein, als der Behandlungsfortschritt unklar war. „Wir haben dann immer versucht, uns gegenseitig rauszuholen“, betont die 30-Jährige. Aber „die psychische Belastung ist enorm“. Es fehlt jedes Gefühl von Normalität. Von Monat zu Monat werden Geduld und Nerven weniger.