Finkenbacher Ortsbeirat will die schwarzen Mobilfunk-Löcher schließen

Die Sanierung der Brücke über den und in Finkenbach soll nach aktuellem Stand im Frühjahr angegangen werden, teilte Ortsvorsteher Hans Heinz Keursten auf der Sitzung des Ortsbeirats im alten Schulhaus mit. Weil die Maßnahme nun mit einer knappen Million fast doppelt so viel kostet wie ursprünglich angenommen, musste sie – da es sich um eine Kreisstraße handelt – noch einmal in den Kreistag. Bei diesem Bauwerk schlägt die aktuelle Vollauslastung des Handwerks gnadenlos zu. „Die können derzeit jeden Preis verlangen“, so Keursten.

Die Brücke über den Finkenbach ist auch anderweitig von Bedeutung. Denn hinter ihr beginnt in Richtung Hinter- und Raubach die mobilfunkfreie Zone, sozusagen das Odenwälder Tal der Ahnungslosen. Dabei wäre es so einfach, auch dort einen Empfang herzustellen: Die Konzerne müssten nur wollen. Oberhalb des Feuerwehrhauses gibt es einen früheren Mast des hessischen Rundfunks, über den derzeit auch der Digitalfunk der Brandschützer läuft. „Da müssten nur Sender und Empfänger drauf“, sagte der Ortsvorsteher.

Der Ortsbeirat gab deshalb an den Magistrat den Wunsch weiter, dass sich dieser an die Landesregierung mit der Bitte um Abhilfe wenden soll, damit das Funkloch endlich verschwindet. „Am Kohlenmeiler in Hinterbach ist überhaupt kein Empfang“, sagte Keursten. Hintergrund der Bitte ist das Landesprogramm, ausgestattet mit 50 Millionen Euro, um solche schwarzen Löcher in der Mobilfunkversorgung zu schließen.

Zu Beginn der gut besuchten Sitzung informierte der Ortsvorsteher kurz über den Haushaltsplan 2018 und die Planungen für kommendes Jahr. Für 2019 wünscht man sich die Fortsetzung der Straßenunterhaltungsmaßnahmen, wie sie in diesem Jahr schon praktiziert wurden. Am Südhang oder in der Wetterbergstraße (mit der dortigen Finkenbach-Brücke bei Fenster Baum) muss saniert werden.

In Bezug auf die Hinweisschilder im Ort will man sich am gemeinsamen Konzept der Stadt beteiligen. Odenwaldquelle, Widder, Tretbecken in Hinterbach, Schwimmbad oder Sportplatz sind Punkte, die darauf auftauchen sollen. Eine entsprechende Liste geht an den Magistrat. Thematisiert wurden auch mögliche Wohnmobil-Stellplätze beim Schwimmbad während der Badesaison. „Das wollen wir uns vor Ort ansehen“, sagte Keursten. Auch will der Ortsbeirat für weitere Überlegungen den FCF ins Boot holen.

Vor Ort soll es weiterhin darum gehen, in die Parkanlage am Feuerwehrhaus Ordnung reinzubringen. Kleider- und Glascontainer stehen an der Seite des Gebäudes und bieten vom Grün aus keinen besonders schönen Anblick. „Vielleicht lässt sich dafür ein anderer Standort finden“, meinte Keursten. Die Details will man klären, wenn das Gelände in Augenschein genommen wird. Der Ortsvorsteher freute sich über eine wieder von den Bürgern gut besuchte Sitzung von Finken-, Hinter- und Raubach, in die sich die Einwohner mit ihren Anliegen einbringen konnten.

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Lauter Narren auf der Welt: Narrhalla Ober-Hainbrunn startet in neue Kampagne

Paula Manschitz ist das Gesicht der neuen Narrhalla-Kampagne. Die 19-Jährige wird in der kommenden Saison auf den eigenen Sitzungen über die Bühne wirbeln und bei Repräsentationsterminen Präsident Frank Flachs zur Seite stehen. Bei der Kampagneneröffnung wurde sie wie das Tanzpaar Lara Köhler und Amelie Ihrig vorgestellt. Auch der aktuelle Orden fand erstmals seinen Weg ins Licht der Öffentlichkeit. Der bisherige Elferrat Markus Michel, seit Juni zweiter Vorsitzender, durfte sich über einen besonderen Präsidenten-Orden freuen.

„Es kracht und brummt in aller Welt, die Narrhalla stets zusammenhält“, ist auf dem neuen Kampagne-Orden zu lesen, der in einer 300er-Auflage an die Narren verteilt wird. Symbolisiert wird die Anspielung auf unruhige Zeiten auf dem Globus durch einen Narren, der über der Weltkugel mit den Flaggen von verschiedenen Ländern steht. Quasi „Narrhalla for Weltfrieden“.

Gleichzeitig stellte Flachs auch den neuen Herrensitzungs-Orden vor. Der ist deutlich seltener: Nur 40 Stück wurden von ihm hergestellt. Er wird an Aktive und Helfer verliehen sowie an Besucher vergeben, „die schon zum x-ten Mal mit dabei sind“, sagte er. Die Herrensitzung unter dem Motto „Shoot-out in Haibrunn City“ findet nach einer mehrjährigen Pause erstmals wieder statt. Es gibt noch einige weniger Restkarten für den Freitag, 16. November, unter E-Mail shootout@ober-hainbrunn.de oder WhatsApp 0163/1616134.

Paula Manschitz liegt das Tanzen im Blut. Schon mit zwei Jahren, kaum konnte sie laufen, fing sie damit an. Vor acht Jahren stieß sie zur Narrhalla, war dort bei den No Limits und Funken aktiv. Voraussetzung für den „Job“ als Funkenmariechen ist die Mitwirkung in einer aktiven Garde und ein Mindestalter von 18. Bewerben sich mehrere Mädels, bekommt die Älteste den Zuschlag. „Das wird eine schöne Kampagne“, sagte Paula. So viele Veränderungen gegenüber bisher erwartet sie nicht: „Das Kostüm ist der Unterschied“, lächelte sie.

Lara Köhler (14) und Amelie Ihrig (15), die in diesem Jahr das Tanzpaar bilden, stammen aus der Happy-Feet-Garde. Zwischen 13 und 16 Jahren sollen die Mädels sein, die in dieser Form auftreten, so Flachs. Im vergangenen Jahr gab es noch ein Tanzquartett, aber für die neue Kampagne rückten zu wenige jüngere nach.

„Von null auf 100“ ging es für den neuen Vize Markus Michel. Den besonderen Orden, den er jetzt erhielt, „haben aktuell nur vier Aktive“, erläuterte der Narrhalla-Chef. Alle, bei denen irgendwo ein „Präsident“ im Namen ist, flachste er. Das Unikat hat nicht nur fünf blaue Steine, sondern dazu noch fünf weiße in den Ecken.

Zum dritten Mal hatte die Narrhalla zur Eröffnung der dieses Mal besonders langen Kampagne eingeladen. „Drei Wochen mehr als vergangenes Jahr“, meinte Flachs. Als Besonderheit hatte die Bar den „Flamingo Klopfer“ mit dem Namen Pink Juan im Angebot. „Den musste ich direkt bei der Firma bestellen“ – so schwer ist das Getränk zu bekommen.

Der Narrhalla-Präsident dankte beim Rückblick dem scheidenden Funkenmariechen Kim Weyrauch. „Sie hat mich wenn möglich auf wirklich jede Sitzung begleitet“, sagte er. Er hoffe, witzelte Flachs, „dass Paula mich bei der langen Kampagne nicht so schnell über hat“. Der Narrenchef wünschte sich Hilfe, wenn immer es geht. Denn in Hainbrunn „stellen wir ordentlich was auf die Beine“. Und der Erfolg gibt den Narren Recht, meinte er selbstbewusst.

Info: Für die drei Prunksitzungen am 2., 8. und 9. Februar in der Sporthalle Ober-Hainbrunn gibt es ab sofort Karten bei Hildegard Werner, Telefon 06275/586.

Lachen und Saunieren mit der Rothenberger Theatergruppe

Es ist fast wie im richtigen Leben, lacht Susanne Weyrauch. Die Personen aus dem lustigen Dreiakter „Der Sauna-Gigolo“ hatte jeder schon einmal vor der Nase: biestige Frauen, die sich nichts gönnen, dumm-dreiste, begriffsstutzige und dazu noch eifersüchtige Männer. Beste Voraussetzungen für viele Lacher in den drei Vorstellungen der Theatergruppe (RTG) am 10.,16. und 17. November in der Rothenberger Sporthalle.

Für viel Situationskomik, bei der die Laienschauspieler ihr komödiantisches Talent voll ausleben können, ist gesorgt. Drei Freundinnen in der Damen-Sauna himmeln den Masseur an, jede will ihn für sich, ihren Männern wiederum passt das gar nicht. Das führt zu Eifersüchteleien. Verwechslungen, Verwicklungen, Verwandlungen bestimmen die Aufführung. Schon bei den Proben hatten die Akteure sichtlich Spaß.

„Wenn wir wissen, wie viele mitmachen, bestellen wir uns mehrere Stücke zur Auswahl“, erläutert die RTG-Vorsitzende. Was allen am besten gefällt, kommt dann in die Endauswahl. „Dieses Stück war am lustigsten, deshalb haben wir es genommen.“ Jeder Schauspieler darf sich seine Rolle wünschen. In der Regel bekommt er sie. „Es gab bisher nie Streit darüber“, lächelt sie.

Die Fronten sind eh klar: Auf der einen Seite die streitlustigen Frauen, auf der anderen die etwas naiven, einfach strukturierten Männer, witzelt Weyrauch. Ein Grummeln in tiefer Stimmlage auf der anderen Seite des Tisches zeugt als Reaktion von einer gewissen Resignation. Bei der RTG ist klar: Wer nicht über sich selbst lachen kann, ist fehl am Platz.

Ende August begannen die Proben. Jetzt geht’s in die Vollen. Der Bühnenbau startet am 2. November. Entstehen wird ein Wellnesstempel: „Die Männer bauen, die Frauen schmücken aus“, heißt die Arbeitsteilung. „Zum Glück haben wir viele talentierte Handwerker“, sagt Weyrauch. Dann können die Aktiven eine Woche lang jeden Tag auf 14 Meter Aktionsfläche proben, wo bisher im Feuerwehrraum nur fünf Meter zur Verfügung stehen.

Die RTG-Aktiven freuen sich dieses Mal, mit Harry Foshag, Ulrike Beisel und Achim Bartmann ein paar Rückkehrer begrüßen zu können. „So viele waren noch nie auf der Bühne“, rechnet die Vorsitzende nach. In der diesjährigen Produktion wirken elf Akteure mit, drei mehr als 2017. „Die Zuschauer dürfen nach den drei Akten gerne sitzen bleiben“, betont Weyrauch. Denn die eingeschworene Theatertruppe freut sich auf viele Gäste, die nach dem offiziellen Ende „im vierten Akt mitfeiern“.

Wenn Ulrike Beisel sieht, wie sich die Zuschauer jedes Jahr aufs neue Stück freuen, „gibt das Auftrieb“, sagt sie. Schon bei den Proben „ist es total lustig“, hat sie festgestellt. Für Susanne Weyrauch sind die Lacher und der Applaus des Publikums der schönste Lohn für die stressigen Proben, die in der Woche vor der Premiere täglich stattfinden. Und danach „ist leider alles ganz schnell wieder vorbei“. Harry Foshag findet es „deutlich schöner“, auf der Bühne zu stehen als im Zuschauerraum zu sitzen.

„Obwohl anstrengend und aufregend“, macht die Regiearbeit seit 26 Jahren Marina Weinthäter jedes Mal aufs Neue Spaß. „Ich mache mich inzwischen nicht mehr verrückt“, betont sie. Kurz vor knapp wird es dann meistens doch bisschen hektischer, „weil der Text sitzen muss“, schaut sie ihre Pappenheimer zwinkernd an. Was diese gleich zum Anlass nehmen, über die mangelnde Textkenntnis des einen oder anderen herzuziehen.

Acht Theaterbegeisterte gründeten vor 34 Jahren die Theatergruppe. Drei davon sind heute noch dabei, weiß Weyrauch. Aktuell besteht die Truppe aus 22 Mitgliedern im Alter zwischen 24 und 61 Jahren. 22 Mal fanden RTG-Aufführungen im Gasthaus Adler statt, ehe man dann 2009 in die Sporthalle zog. 2013 hieß es dort letztmals „Allein unter Kühen“, ehe die Truppe wegen des Umbaus drei Jahre pausieren musste. „Rabatz auf dem Campingplatz“ bildete im vergangenen Jahr den mehr als erfolgreichen Neustart in der renovierten Halle.

Info: „Der Sauna-Gigolo“, eine Komödie in drei Akten von Andreas Wening, wird von der Rothenberger Theatergruppe am Samstag, 10., Freitag, 16., und Samstag, 17. November, in der Sporthalle aufgeführt. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass um 18.30 Uhr.

Gewaltiger Nachholbedarf bei der Instandhaltung

Nach der Fusion „schwimmen wir nicht in Geld“, macht Bürgermeister Christian Kehrer deutlich. Denn in den vergangenen Jahren blieb in den vier vorherigen Kommunen eben wegen Geldmangel so viel liegen, dass jetzt gewaltiger Nachholbedarf besteht. Der Erhalt und die Ertüchtigung der Infrastruktur stehen dabei im Fokus. In Beerfelden muss etwa das Bürgerhaus saniert worden, in Falken-Gesäß wird das „Käffchen“ im Dorfgemeinschaftshaus über IKEK-Mittel angegangen.

Kehrers Ziel ist es, für jedes städtische Gebäude eine Bewertung zu erstellen, in welchem Zustand es ist, ob es und wenn ja wann (energetisch) saniert werden muss. Denn im Jahr gibt die Stadt allein 420.000 Euro für Strom aus, für Gas und Heizöl noch einmal 100.000 Euro. Ganz zu schweigen von den Instandhaltungskosten in Höhe von 600.000 Euro. Allerdings müsse auch geschaut werden, was „realistisch machbar ist“. Eine dringende Baustelle ist unter anderem die Hetzbacher Sporthalle. „Da muss unbedingt die alte Heizung ausgetauscht werden.“

Auch auf den vielen Friedhöfe in den einzelnen Stadtteilen stehen Umbaumaßnahmen an. Hier geht unter anderem um Urnengrabfelder. In den drei Schwimmbädern läuft derzeit eine Analyse, um an Mittel aus dem Landesprogramm „Swim“ ranzukommen, sagte Kehrer. Pumpen, Filteranlagen und Becken sind meist in die Jahre gekommen. „Wir wollen die Bäder zukunftsfähig machen“, betonte der Bürgermeister.

Ein großer Brocken sind ebenfalls Gemeindezentrum und Sporthalle in Unter-Sensbach. Letztere ist noch auf dem Stand des Baus vor 50 Jahren. Elektrik, Sanitär und Dämmung müssen angegangen werden. Etwa ein Drittel der Gesamtsumme von 450.000 Euro kommt über KIP-Mittel rein, der Rest bleibt an der Stadt hängen.

Dafür und für andere anstehende Dinge will mit die knapp drei Millionen Euro aus der Hessenkasse verwenden. Zehn Prozent davon muss die Stadt aus eigener Tasche dazulegen. Dazu kommt noch „viel Kleinkram“, wie der Rathauschef verdeutlicht. So fehlt dem Bauhof ein Pkw, weshalb die Mitarbeiter „mit dem Unimog auf einen Termin fahren müssen“, weil das andere Fahrzeug gerade belegt ist.

Ein anderes Thema ist eine zentrale Schließanlage für alle städtischen Gebäude. „Die Putzfrau hat einen monströsen Schlüsselbund dabei“, breitet Kehrer die Arme weit aus. Im Schlüsselschrank seines Büros hängen über 50 Haken voll mit jeweils mehreren Schlüsseln. „Da blickt keiner mehr durch“, betont er. Für ihn gilt dabei aber: „Erst einmal die kleinen notwendigen Dinge erledigen, bevor man an Großes denkt.“

Eine Erfolgsgeschichte ist die Stadtbücherei, für die man nun größere Räume sucht. „Die platzt aus allen Nähten“, so Kehrer. Einmal in der Woche von Ehrenamtlichen betreut, stoßen die 4000 Medien aus allen möglichen Sparten auf viel Nachfrage. Jedes Jahr kommen ein paar neue Bücher dazu. Gesucht wird ein Platz in der Innenstadt. Dafür steht die Stadt mit der Oreg in Kontakt, um freie Räume aufzutun.

Oberzent will sich daneben besser nach außen präsentieren, erläutert der Bürgermeister. Da geht es um neue Broschüren über die Sehenswürdigkeiten, die Fertigstellung der Homepage, neue Stadtpläne oder Neubürgerbroschüren. Außerdem soll für jeden Stadtteil eine einheitliche Beschilderung her. Friedhöfe, öffentliche Gebäude, touristische Punkte, Gaststätten, Pensionen stellt sich Kehrer darauf vor.

Info: Die Stadtbücherei Oberzent im Erdgeschoss des Bürgerhauses Beerfelden ist immer donnerstags von 16 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Wie man auch in Oberzent Straßen kostengünstig sanieren könnte

Wer kennt das nicht? Die Straße vor dem eigenen Haus ist mit Schlaglöchern gepflastert, hat Unebenheiten, fällt zur einen Seite hin ab. Geld für die Wiederherstellung hat die Gemeinde in der Regel keines. Wenn doch etwas geschieht, dann kostet eine grundhafte Komplettsanierung den Bürger aufgrund der Straßenbeitragssatzung eine Unmenge Geld. Ein Teufelskreis. Jürgen Spahl, Bürgermeister der Gemeinde Rednitzhembach im mittelfränkischen Landkreis Roth, entwickelte in den vergangenen 20 Jahren unkonventionelle Ansätze. Diese stellte er jetzt auf Einladung der FDP in der „Quelle“ vor.

Der Zustand der Oberzenter Anliegerstraßen war in den zurückliegenden Ortsbeiratssitzungen eines der zentralen und meist diskutierten Themen, so die Veranstalter. Ihre Erneuerung wird einer der größten Posten in den Haushalten der nächsten Jahre sein. Diesen Hintergrund nahm der FDP-Ortsverband zum Anlass, nach alternativen Lösungen zu suchen. Denn bisher gibt es lediglich zwei Modelle, die in der breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen werden: einmalige und wiederkehrende Straßenbeiträge.

Der Unterschied: Beim einen Modell werden die Bürger einmal sehr heftig zur Kasse gebeten, beim anderen wird die Zahlung über etliche Jahre gestreckt. Unterm Strich holt sich die Gemeinde aber so oder so ihr Geld. Im Landtagswahlkampf war die Abschaffung dieser Beiträge ein Thema. Allerdings wäre das für die Gemeinden nur bei Gegenfinanzierung durchs Land machbar, da sie in der Regel nicht genug eigene Mittel haben. Genau da setzt Spahl an: Er will die Sanierung so günstig gestalten, dass sie die Kommune ohne Geld vom Land allein stemmen kann, ohne die Bürger zu belasten.

FDP-Fraktionsvorsitzender Frank Leutz freute sich in seiner Eröffnung, dass Stadtverordnetenvorsteher Claus Weyrauch und Bürgermeister Christian Kehrer unter den Gästen waren. Jürgen Spahl, 2014 mit 85 Prozent der Stimmen wiedergewählt und seit inzwischen 22 Jahren Bürgermeister, stand bei Amtsbeginn vor auch im Odenwald bekannten Problemen: Die Gemeinde (hoch) verschuldet, die Straßen marode, die Anwohner über die zu zahlenden Sanierungsbeiträge aufgebracht.

Eine Anliegerstraße stand damals in Rednitzhembach zur Sanierung an. Das mit der Planung und Kostenschätzung beauftragte Ingenieurbüro nannte einen Betrag jenseits der 500.000 Euro für die Komplettsanierung. Neben den umlagefähigen Kosten hätte die Gemeinde selbst 140.000 Euro aufbringen müssen. Dieses Geld hatte man nicht. Auch die Anwohner waren wenig begeistert, die restliche Summe schultern zu sollen.

Kurzum entschied sich Spahl, vorher Bauamtsleiter, für eine Vorgehensweise, wie sie Land und Bund überwiegend anwenden: Man legte die Annahme zu Grunde, dass eine Straße, die über Jahrzehnte stark befahren wurde, im Untergrund stark verdichtet sein müsste. Deshalb wurde lediglich die Deckschicht abgefräst, die darunterliegende Tragschicht überprüft, dort erneuert, wo sie schadhaft war, und eine neue Deckschicht aufgebracht.

Die Kosten beliefen sich auf nur 80.000 Euro. Die durften, da es sich formell um eine Reparatur handelt, nicht auf die Anwohner umgelegt werden. Die Bauarbeiten dauern pro Straße in der Regel 14 Tage und nicht ein paar Monate wie bei einer grundhaften Sanierung. Den Bürgern wurden auf diese Weise „in 20 Jahren 15 Millionen Euro Beiträge erspart“, sagte der Referent. Und: Keine einzige Straße „musste danach nochmal ausgebessert werden.“

Spahl erläuterte darüber hinaus die Systematik. Die Ausschreibungen werden alle vom eigenen Bauamt durchgeführt, was aufgrund der geringeren Auftragssumme in der Regel regional möglich ist. Ingenieurbüros werden nicht mehr beauftragt, „da diese honorarabhängig arbeiten und im Zweifel der höhere Auftragswert auch mehr einbringt“. Bei den Veranstaltern war man von den Ausführungen sehr beeindruckt. „Wir können uns diese Vorgehensweise gut in Oberzent vorstellen“, sagte Gerald Schwinn. Die anschließende über einstündige Diskussionsrunde zeigte bewies das große Interesse.

 

Sturm und Käfer lassen Nadelholz-Preise purzeln

Wohl dem Waldbesitzer, der viel Laubholz in seinen Beständen hat. Dafür sind derzeit noch gute Preise zu erzielen. Beim Nadelholz sieht es eher duster aus. Sturmtief „Friederike“ und der Borkenkäfer setzten vor allem der Fichte stark zu und ließen die Preise purzeln. Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, und sein Stellvertreter Sebastian Vocilka skizzierten die aktuelle Marktlage auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG). Diese umfasst die angegliederten Gemeinden des Forstamts Beerfelden, also auch Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach.

Der südliche Odenwald wurde im Januar von Friederike einigermaßen verschont, erläuterte Forstamtsdirektor Sasse. Im Bereich des Forstamts Beerfelden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen. Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern.

Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Allein in Hessen seien eine Million Festmeter betroffen. Bisher wurden im Forstamtsbereich Beerfelden bereits 40.000 fm weggeschafft, wobei er fürs komplette Jahr mit 60.000 rechnet. Betroffen ist vor allem die Fichte – die im Odenwald vorherrschende Baumart, mit der das meiste Geld verdient wird.

Das Problem beim Borkenkäfer: Er ist kein einjähriges Phänomen. „Das dauert mehrere Jahre, bis er wieder verschwunden ist“, so der Forstamtschef. Nach dem Jahrhundertsommer 2003 plagte der Buchdrucker den heimischen Wald bis 2007. Sasse geht davon aus, dass somit in den kommenden Jahren immer um die 60.000 fm Schadholz anfallen, das auf dem Markt den Preis drückt.

Wie stark, machte Sebastian Vocilka deutlich. Vor einem Jahr erzielt das Forstamt noch 92/93 Euro für den Festmeter Fichte. Aber: „Ab dem 18. Januar ging es abwärts.“ An diesem Tag zog Friederike über Deutschland. Käferholz lässt sich derzeit für 45 bis 50 Euro verkaufen, „Tendenz fallend“. Beim Nadel-Frischholz, das allerdings wenig nachgefragt wird „sind wir von den früheren Preisen weit entfernt“, sagte er.

Er empfahl deshalb den Waldbesitzern, erst einmal das Schadholz aufzuarbeiten und den Rest stehen zu lassen. „Es kommen wieder bessere Zeiten“, so der Forstamts-Mitarbeiter. Zwar betreffen die Schäden vor allem die Fichte, „aber der Kieferpreis wurde mit runtergezogen“, bedauerte Vocilka. Lediglich die Douglasie „bringt ordentlich Geld“. Hier sind die Preise mit 100 Euro/fm stabil.

Mit Laubholz wie Buche, sonst oft das Stiefkind, „kann man derzeit viel Geld verdienen“, erläuterte er. Preise für Eichenholz „schießen durch die Decke“. Vocilka empfahl deshalb, wenn möglich diese Baumarten einzuschlagen, frisches Nadelholz stehen zu lassen und erst einmal das vom Borkenkäfer befallene zu verwenden. Kollegin Gudrun Kranhold ergänzte, dass im vergangenen Jahr im Privatwald sowieso weniger als zuvor eingeschlagen worden sei.

In ihrem Geschäftsbericht für 2017 sprach sie von einem Mitglieder- und Flächenzuwachs bei der FBG. Im vergangenen Jahr wurde auf knapp 900 Hektar gekalkt. Der Kassenstand ist laut Kranhold weiterhin ansehnlich im Plus. Sie betonte, dass die Kassengeschäfte wie bisher weitergeführt werden können, da die fusionierte Stadt Oberzent in den Vertrag von Beerfelden eintrat, wo dies zuvor Hans Mader erledigte. Der übernimmt auch weiterhin die Kasse. Die Geschäftsführung der FBG bleibt in den Händen des Forstamts Beerfelden.

Da der bisherige Vorsitzende Gottfried Görig, vormals Bürgermeister in Beerfelden, nicht mehr kandidierte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ralf Kredel (Etzean), bisher Stellvertreter, übernimmt den Posten. Ihm zur Seite steht nun Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer als neuer Stellvertreter.

Herz und Seele muss zu spüren sein: Heiko Plank war bei der „Global Guitar Gita“ in Indien

Selbst für einen Globetrotter wie Heiko Plank war Indien eine neue Erfahrung. Der in Kortelshütte wohnende Musiker war erstmals zur „Global Guitar Gita“ (GGG) eingeladen, die im Goethe-Institut Bangalore stattfand. Neben Juroren und Dozenten aus Großbritannien, Ungarn und Tschechien sowie dem Gastgeberland war Plank als deutscher Vertreter dabei. Er zeigte sich sehr beindruckt von der dortigen Offenheit gegenüber allen Musikstilen. „Wichtig ist den Indern, Herz und Seele im Song zu spüren“, betonte er. „Das zählt.“

Neben der Musik ist dem 54-Jährigen allerdings etwas anderes mindestens ebenso präsent: der Verkehr. „Es gibt keine Regeln, keine Verkehrszeichen, keine Ampeln“, stellte er fest. Und trotzdem funktioniert alles. Das Geheimnis: Verständnis untereinander. Für einen deutschen Autofahrer aber trotzdem zu viel des Guten. „Ich habe extra vorher den internationalen Führerschein gemacht“, erzählte Plank. Nach zehn Sekunden in Indien wusste er: „Ne, da sterbe ich.“

Bei der GGG handelt es sich um einen weltweiten Gitarrenwettbewerb, erläuterte Plank. „Jeder kann sich bewerben.“ Veranstaltet wurde er zum sechsten Mal von der Organisation „Infinite Souls“ auf rein privater Basis. Es gibt keine Alters- oder Stileinschränkungen. Wichtig ist nur, dass eine Gitarre oder ein gitarrenähnliches Instrument gespielt wird. Wie es auch der Kortelshütter tut. Angeschlossen sind Konzerte und Workshops.

Gekoppelt daran ist die „World Guitar Night“, bei der die Juroren ihr eigenes Können zeigen. Konarak Reddy, Sándor Szabó (Ungarn), Adam Tvrdý, ein versierter Prager Jazz-Gitarrist und John Ainsworth aus Manchester mit Fingerstyle gaben je zwei Konzerte. Eben jenen Konarak Reddy lernte Heiko Plank auf einer Tour kennen, bei der beide auch in Hirschhorn und Hemsbach spielten. Der Inder wiederum empfahl den deutschen Ausnahme-Saitenkünstler.

Heiko Plank hatte ein Bach-Stück für sein Konzert mitgebracht. Er stellte es unter das Thema: „den Kontrapunkt zelebrieren“. Es geht um die Selbstständigkeit der Stimmen in der europäischen Musik, „die man im arabischen und indischen Raum so nicht kennt“. Diese Mehrstimmigkeit war für die Zuhörer komplett neu. Somit gab es „vier komplett verschiedene Stile zu hören“. Ein anderes Stück lehnte er an den indischen Verkehr an: „Improvisation without rules.“ Die Zuhörer reagierten sehr positiv auf seine ungewöhnliche, selbst gebaute „Plank“ mit ihren acht Saiten, stellte er fest. Der unbekannte Klang faszinierte. „Ich wurde nach dem Konzert mehrfach angesprochen.“

Plank schätzt Reddy als einen „Erneuerer indischer Gitarrenmusik“, der einen westlichen Stil mit seinen eigenen Wurzeln kombiniert. „Es gibt in der Welt nur wenige, die Experimente machen und sich was trauen“, meinte er. Von den beiden Preisträgern Divtej Singh (Chandigarh) und Vishnu R (Bangalore) war er sehr beeindruckt. Divtej, aus einer niederen Kaste stammend, „hätte sich die Gitarre im Wert von 5000 Dollar nie leisten können“, freute sich Plank. Vishnu wiederum kommt aus einer traditionellen Musiker-Familie und spielt „sehr progressive, neue indische Musik“.

Von der „Guitar Clinic“, quasi einem Musik-Workshop, zeigte sich der 54-Jährige mehr als angetan. „Da saßen 15 Teilnehmer zwischen zehn und 40 Jahren drin und jeder hat mich mit ‚Maestro‘ angesprochen“, war ihm die Verehrung fast ein bisschen peinlich. Die Interessierten waren „total versiert und super vorbereitet.“

Heiko Plank fand es am beeindruckendsten, dass musikalisch alles möglich ist. In Indien wird nicht ein bestimmtes Genre, etwa Klassik, Jazz oder Rock, favorisiert. Während sich in Europa die verschiedenen Stilrichtungen seiner Beobachtung nach miteinander schwertun, „hat dort alles den gleichen Wert“. Egal ob jetzt jemand Paganini oder Jimmy Page spielt. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Odenwald geht’s für Heiko Plank weiter nach Südspanien: Er spielt wie schon vergangenes Jahr wieder in Granada.

Heiko Plank, geboren 1964, aus Kaiserslautern, studierte Gitarre bei Wolfgang Lendle. Der bereits Verstorbene war „eine große Figur in meinem Leben“, so der Musiker. Von 1981 bis 1998 war Plank Dozent für Gitarre an der VHS Kaiserslautern, seit 1985 unterrichtet er Konzertgitarre an der dortigen Musikschule und Akademie. Studium und staatliche Anerkennung in Gitarre und Orchesterleitung an der Bundesakademie Trossingen schlossen sich an. 1994 brachte er seine erste CD auf den Markt: „Handgemacht“, mit spanischer, südamerikanischer und eigener Gitarrenmusik. Zahlreiche weitere Aufnahmen, Kompositionen und Produktionen folgten. Aktuell ist Heiko Plank regelmäßig auf Festivals im In- und Ausland unterwegs und dort mit seiner „Plank“ ein gefragter Gast.