Ansturm auf die Kortelshütter Wildsau

Max Fink, Sven Völker, Felix Götz und Florian Fink sind die Meister des Apfelmosts. Sie keltern wie die Weltmeister. In schöner Regelmäßigkeit werden erst die Äpfel zerstampft, ehe sie dann in die Presse kommen, die wiederum den leckeren Süßmost ausspuckt, der reißenden Absatz bei den Besuchern des Kelterfestes findet. Das Getränk war jedoch nur eine Spezialität von vielen, die die Brandschützer am Dorfgemeinschaftshaus auftischten.

Der Besuch bei der 28. Auflage der Traditionsveranstaltung war bei herrlichem Wetter mal wieder sehr gut. Die Bembelparty am Abend zog ebenfalls viele Gäste an, darunter zahlreiche Wehren aus der Umgebung angesagt. Das passende Ausflugswetter lockte die Ausflügler in Scharen auf die Höhe. Die kamen nicht nur aus Oberzent, sondern auch aus dem Neckartal und sogar der Unterzent.

Über die Mittagszeit waren die Plätze an den 20 aufgestellten Bierbankgarnituren sehr gut belegt, es kamen bestimmt über 200 Besucher zu den Spitzenzeiten auf den Berg. Neben den Kameraden der befreundeten Wehren beobachteten die Wehrleute viele Auswärtige, die ihre Gastfreundschaft sowie das ausgefallene Speisen- und Getränkeangebot zu schätzen wussten.

Ein Schwarzkittel schmorte auf dem Grill vor sich hin. Statt Gulasch kam unter anderem Gyros auf den Tisch, dazu auch ein Odenwälder Käseteller mit ein paar Spezialitäten. Äpfel gab es dieses Jahr leider nicht so viele wie 2018. Man kam „nur“ auf 400 Kilo, die den Weg in die Presse fanden. Was vom Süßmost übrig bleibt, wird für Apfelwein angesetzt. Über den Winter werden die Behälter im Sandsteingewölbekeller von Sven Völker gelagert, der dafür beste Bedingungen bietet.

Insgesamt waren rund um die Veranstaltung 20 Helfer aus der gesamten Feuerwehr aktiv. „Es werden leider immer weniger“, bedauert Völker. Viele Speisen wurden vor Ort selbst zubereitet, so das frisch gekochte Sauerkraut, die Semmelknödel, der Kartoffelsalat oder der Zwiebelkuchen. „Wir wollen die Traditionen bewahren“, betont Götz. Gerade weil in Kortelshütte eben nicht nach Schema F abläuft, sondern alle viel Herzblut investieren. Der Andrang ist dann auch eine schöne Bestätigung. Die Gäste wissen zu schätzen, dass beim Kelterfest viel selbst Hergestelltes auf den Teller und ins Glas kommt.

 

Werbeanzeigen

Neues Leben auf alten Rothenberger Pfaden

Ein herrliches Fleckchen Erde haben sich die Ehrenamtlichen für ihren Arbeitseinsatz herausgesucht. Mitten im Wald Richtung Gammelsbach, um die 200 Höhenmeter unterhalb der Sporthalle, verhelfen sie dem Klemertsbrunnen zu neuem Glanz. Die Aktion ist eine von 16 auf Gemarkung Oberzent und macht deutlich, welchen Stellenwert der Einsatz für die Gemeinschaft im Südkreis genießt. Der Rothenberger Wasserspeicher hat historisch eine besondere, sogar lebenswichtige Bedeutung fürs Dorf.

Männergesangverein, Ortsbeirat, Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVR) sowie Freiwillige Feuerwehr haben sich für diesen Einsatz zusammengetan. Planung und Organisation lagen bei Jens Beisel, Lars Gittek, Jan Johe und Thomas Wilcke. Der Klemertsbrunnen etwa wurde vor exakt 42 Jahren das letzte Mal instand gesetzt. Davon zeugt noch das eingeritzte Datum 7.7.77 auf dem Sandstein. „Damals gab es ein großes Fest“, erinnert sich Werner Beisel.

„Es war alles verschlammt und zugewachsen“, erläutert Lars Gittek die Ausgangslage. Deshalb wurde der Schotter erst einmal abgetragen, alles gesäubert und er dann wieder eingebaut. Damit das Gelände rund um den Brunnen dauerhaft befestigt ist, legen die Helfer Sandstein-Pflastersteine in Speiß. Diese Kawenzmänner hatte Gittek vom familieneigenen Ferienhof mitgebracht, wo sie früher im Hof lagen. Schön nach Größe sortiert, legte er sie dann in Reihe.

Die Ehrenamtlichen hatten ihr Projekt unter den Titel „Alte Pfade neu getreten“ gestellt. Das Motto wurde unter anderem beim Pfad von Rothenberg hinunter ins Gammelsbachtal umgesetzt, der völlig zugewuchert und teilweise sogar komplett unpassierbar war. Er diente früher, weiß Ralf Braner, den Rothenbergern als Weg zur Arbeit, wenn sie bei Scherer oder Stoeß bei Eberbach arbeiteten. „Das dauerte nur 45 Minuten“, ist zumindest bergab der Weg kurz.

Obwohl es im Sommer wieder sehr trocken war, tröpfelt das kühle Nass immer noch überall aus dem Hang hervor, staunt Ralf Beisel. Schön schattig, Richtung Osten gelegen, war diese Talseite schon jeher die Rothenberger Lebensader. Deshalb wurde hier auch Anfang des 20. Jahrhunderts auf einer Tonschicht ein paar Meter unterhalb eine Quelle als „großer Brunnen“ gefasst, dessen Wasser dann fast 300 Meter in die Höhe pumpte, um das Dorf mit dem benötigten Frischwasser zu versorgen.

Früher geschah das über den Schmid’schen Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe, der jetzt als Alte Pumpe an der Straße Richtung Kortelshütte bewundert werden kann. Heutzutage bezieht Rothenberg immer noch sein Frischwasser von dort, allerdings geschieht das Pumpen nun über Stromaggregate. „Einiges läuft trotzdem noch unbenutzt weg“, weist Braner auf die große Ergiebigkeit hin.

In Angriff genommen wurde von den Machern auch der alte Kirchenweg nach Finkenbach. Der führt vom Sportplatz aus am Armbruststein vorbei und kommt dann im Tal am Ortsanfang bei der Firma Fenster Baum raus. Hier, erzählt Braner aus eigener Erfahrung, „läuft man nur 30 Minuten“. Ähnlich ebenso Richtung Hainbrunn.

VVR-Vorsitzender Wilcke widmet sich an diesem Tag dem Geopark-Pfad „Wasserarmut in einem regenreichen Gebiet“. Die Rothenberg-Runde beläuft sich auf etwa zehn Kilometer. Erklärt wird dort mit Start am Homerichsbrunnen, wo sich heute die Alte Pumpe befindet, wie Schichtquellen funktionieren und Sandstein den Wasser speichert – oder eben nicht. Am tiefsten Punkt der Tour erreicht man Richtung Hainbrunn die bemooste Sandsteinanlage Matzenbrunnen. Die sicherte im 19. Jahrhundert, als die oberhalb gelegenen Brunnen mehrfach leerliefen, den Rothenbergern das Überleben.

Für die Beteiligten ist es eine Selbstverständlich, sich für den Ort zu engagieren. „Wir sind sowieso alle schon anderweitig im Dorf aktiv“, betont Johe. Da opfern sie auch gerne einen weiteren Samstag im Dienste der Allgemeinheit. „Wir wollen erhalten, was frühere Generationen angelegt haben“, ergänzt Braner. Beisel meint: „Unsere Vorfahren liefen auf diesen Weg noch zur Arbeit.“

 

Ralf Braner: „Wir wollen erhalten, was frühere Generationen angelegt haben.“

750 ehrenamtliche Stunden fürs alte Schulhaus

Stolze 750 ehrenamtliche Einsatzstunden für die Sanierung des alten Schulhauses: Das soll den Hainbrunnern erst einmal jemand nachmachen. 35 Helfer waren insgesamt ein Jahr lang aktiv. Ein harter Kern von zehn Leuten sorgte dafür, dass die Arbeiten zügig voranschritten und genau zwölf Monate nach Beginn die neu gestalteten Räumlichkeiten eingeweiht werden konnten. Dafür kam die Dorfgemeinschaft in gemütlichem Rahmen zusammen.

„Vor 365 Tagen haben wir mit einer großen Auftakt-Aktion am Freiwilligentag mit der Entkernung des Erdgeschosses angefangen“, blickte Ortsvorsteher Stefan Hofmann zurück. Dabei wurden Türen, Decken, Wände und Heizkörper entfernt, der Wandputz bis auf die Grundmauern abgeklopft. „Da war alles verschimmelt“, erinnerte er sich.

Die freiwilligen Helfer spuckten immer wieder samstags in die Hände: „Bis Weihnachten haben wir die Wasserleitungen ab dem Hausanschluss komplett in Edelstahl erneuert“, erläuterte Hofmann. Denn die alten waren so dicht, „dass kaum noch ein Finger reinpasste“. Im Erdgeschoss hieß die Devise: aus zwei mach eins. Die Helfer brachen eine Zwischenwand heraus und schufen einen großen Raum, der Platz für alle Bedürfnisse bietet. „Wir haben viel Holz an die Decke machen müssen, damit es passte“, schilderte Hofmann die Höhenunterschiede.

Dann wurden die WC-Elemente gesetzt, die neuen Zwischenwände in Holzständertechnik eingebaut und verkleidet sowie die Deckenkonstruktionen erneuert und verstärkt. Im Anschluss ging es an die Fenster. Die alten klopfte man raus und ersetzte man durch neue, wärmegedämmte. Die Außenwand erhielt eine fünf Zentimeter dicke Wärmedämmung. Weiterhin wurde eine neue Elektroverteilung eingebaut und alle Elektrokabel neu verlegt. Wie auch die Abwasserrohre.

Weiter ging es dann im Frühjahr, erzählte der Ortsvorsteher: mit dem Setzen der Wasseranschlüsse und dem Verlegen der Wasserleitungen sowie den Schaltern und Steckdosen. Die sind so einfach konzipiert, „dass man nichts falsch machen kann“, meinte Hofmann. Die Fliesenleger bauten den Estrich im Bad und Flur ein, dämmten und fliesten Bad und Nebenräume. Entkernen des Eingangs, Montage der Holzdecken in Bad und Eingang, Deckenbeleuchtung sowie Schleifen und Streichen der Fenster waren weitere Arbeitsschritte.

„Der Abriss war die dreckigste Arbeit“, ging der Ortsvorsteher auf Details ein. Da gab es einige Tage, „an denen wir viel Staub geschluckt haben“. Zeitaufwändig waren daneben die Sanitär- und Elektroarbeiten. Die Ehrenamtlichen arbeiteten so effizient, „dass wir deutlich unter den prognostizierten Kosten sind“.  Für den Überschuss, hoffte er, „können wir vielleicht noch die Heizung im Obergeschoss erneuern“. Denn die ist ebenfalls noch auf einem Stand aus früheren Jahrzehnten.

Bereits vor Umbaubeginn wurde ein Raumkonzept erstellt, sagte Hofmann. Das beinhaltet folgende Nutzungsmöglichkeiten: Wahllokal, Sitzungszimmer Ortsbeirat, Frauenkreis Kirche und Ausweich-Trainingsraum Tanzgruppen. Die Toilette ist behindertengerecht gebaut und wird auch vom MGV mitgenutzt, der im Schulsaal probt. Hierzu gibt es eine Rampe für die Treppe am Eingang.

Der Nebenraum wird zum Lagern der Tische und Stühle genutzt. „Weitere Ideen der Nutzung werden gerne gesehen“, betonte er. So kam von Sabine Koch bereits die Anregung, über Winter einen Strickabend zu veranstalten. Damit es den Helfern nicht langweilig wird, packten sie am Tag der Einweihung vormittags gleich noch einmal an.

Stühle auspacken, säubern und aufstellen hieß es dann. Sonnenschutz-Plissees wurden montiert, der Löwenzahn im Hof entfernt, Kellerräume und Speicher ausgeräumt und gekehrt. Da gleichzeitig der Freiwilligentag des Odenwaldkreises anstand, kümmerten sich weitere Ehrenamtliche um den Hain-Brunnen, die Brücke, die Hütte an der Himmelreichquelle, die Saugstelle Mühlstraße, das Gefriertruhenhaus oder den Stellsteinweg.

Ehrenamtliche spenden für Ehrenamtliche

Herrliches Wetter, Gute-Laune-Musik, viele Bekannte und ein schönes Ambiente: Beim Saisonende wurde im Finkenbacher Freibad groß gefeiert, aber gleichzeitig auch dem guten Zweck gehuldigt. Denn das Hinterbacher Köhlerteam, das im Sommer wieder an zehn Tagen den Kohlenmeiler rauchen ließ, hatte gleich drei Schecks für die Dorfgemeinschaft im Gepäck. Ehrenamtliche spenden für Ehrenamtliche: Im Ort eine schöne Tradition.

Je 500 Euro gingen an die Voraushelfer von DRK und Feuerwehr, an die Jugendfeierwehr und an den Heimat- und Verschönerungsverein (HVV), der sich auch ums Schwimmbad-Outfit kümmert. Der Kohlenmeiler war in diesem Jahr ein absoluter Erfolg. Die Aktiven wurden förmlich überrannt und hatten alle Hände voll zu tun, so groß war das Interesse am alten Brauchtum. Aus dem Erlös zwackten die Helfer jetzt diese Spenden ab.

Eigentlich wäre ja nochmal optimales Badewetter gewesen, aber das Freibad hatte leider schon zu. Vielen nutzten aber trotzdem die Möglichkeit zu einem Sonnenbad. Dieser Sommer war vom Besuch her eher durchschnittlich, bilanzierte Christian Niesen von HVV. Was auch mit dem zwischenzeitlichen schlechten Wetter zu tun hatte. Gegen das Highlight 2018 kamen die Besucherzahlen nicht ran, aber sie waren zumindest besser als 2017.

Während so langsam die Sonne hinterm Hügel verschwand, packte Stefan Zirkel mit seiner Band „So!“ die Instrumente aus. Country, Pop, Rock, Deutsches: Es gibt nichts, was der Wieslocher nicht im Programm hat. Mit längst verschollen geglaubten Songs aus den letzten fünf Jahrzehnten fühlt man sich in Zeiten zurückversetzt, als man vor dem Radio saß und diesen Liedern lauschte. Mit Charme verpackt in einer Art, wie man sie nirgends sonst zu hören bekommt.

Ganz nach dem Motto „Kennt jeder, spielt keiner!“ zählt Stefan Zirkel Hits (zweiter Reihe) von Coldplay, Snow Patrol, Michael Jackson, Genesis, Reamon, Robbie Williams, Take That oder Mr. Mister zu seinem Repertoire und kombiniert gekonnt das Programm zusätzlich mit deutschsprachigen Eigenkompositionen aus seinem Debütalbum „Geh‘ deinen Weg“.

Finkenbach-Festival geht auch ohne Guru Guru weiter

Die Enttäuschung ist riesengroß. Nicht nur darüber, dass „Guru Guru“ und Mani Neumeier beim Finki-Festival aussteigen, sondern vor allem auch über die Form, wie dies von ihm den Verantwortlichen mitgeteilt wurde: über Facebook, ohne ein persönliches Wort nach 43 Jahren der Zusammenarbeit. „Wir sind wie vor den Kopf gestoßen“ bringt es Armin Löffler, der zweite Vorsitzende des FC Finkenbachtal, auf den Punkt. Um gleich hinzuzufügen: „Das Finkenbach-Festival geht weiter.“ Die Planungen für 2020 laufen bereits auf Hochtouren.

Löffler, auf FCF-Seite einer der maßgeblichen Köpgfe, kann nur mutmaßen, was Neumeier zu einem Rückzug über die sozialen Medien bewogen hat. Der schrieb auf seinem Account: „Ich habe mich als Festivalmacher nach dem diesjährigen Festival dazu entschieden, die Ära ‚Finki-Festival‘ auf seinem Höhepunkt zu beenden. Guru Guru und ich werden kein weiteres Finki-Festival veranstalten.“ Die Kommentare auf Facebook zeugen vom großen Bedauern, dass Guru Guru nicht mehr dabei sein werden.

Das „Woodstock im Odenwald“, wie gern genannt wurde, war jedes Jahr aufs Neue ein großes Projekt, „das uns allen immer sehr viel Freude bereitet hat“, so Neumeier weiter. „Wir sind überwältigt von eurer Begeisterung, die ihr seit 1976 mitgebracht habt.“ Die Veranstaltung wurde von Jahr zu Jahr populärer geworden und hatte trotzdem für ihn immer „einen ganz besonderen, familiären Charakter“. Den will er für immer in Erinnerung behalten.

„Guru Guru und ich danken euch für die großartige Zeit“, schreibt der Band-Chef: die Freude, das Tanzen, die Begegnungen und Momente, „die wir in unseren Herzen weitertragen werden“. Er fügt hinzu: „Natürlich bleiben Guru Guru und ich musikalisch aktiv und sind immer für euch on tour.“ Und stellt gleichzeitig mit seinen 78 Jahren ein „Open-Air-Juwel“ an anderer Stelle in den Raum.

Das in Finkenbach wird es auf jeden Fall zum 38. Mal wieder geben, betont Löffler: am 7. und 8. August 2020. „Alex Auer and the Detroit Blackbirds“ sind als Schlussact bereits gesetzt. Und auch das restliche Programm ist am Werden. Dafür sorgt der Konzert-Profi Bernd Magin, ebenfalls Finkenbacher. Er ist in der Region bereits durch seine Veranstaltungen bestens bekannt, holte die 12 Tenöre nach Eberbach oder Hubert von Goisern nach Hirschhorn. Er kündigt bereits „Thorbjørn Risager & The Black Tornado“ sowie mit Arthur Kay mit den „Clerks“ an. Alte Krautrock-Haudegen sind natürlich auch wieder dabei.

Magin „ist für uns ein alter Bekannter“, weiß Löffler, was er an dem erfahrenen Veranstalter hat. Denn er war bereits vor etlichen Jahren mit im Boot, als es ein „kleines Finki“ gab. Zwischenzeitlich hatte dann Karl-Heinz Osche den Booker-Part inne. Da dieser Jahr altersbedingt mit seinen 66 Jahren bereits kürzer trat, vermutet der FCF-Mann, dass dies für Neumeier mit ein Grund gewesen sein könnte, sich zurückzuziehen.

Die für kommendes Jahr ins Auge gefassten Acts „passen gut zum Finki“, betont Löffler. Eine kleine Stiländerung soll es geben, ohne aber die jahrzehntelangen Fans außen vor zu lassen. Die Öffnung hin zu ein paar modernen Sounds „wurde auch von en Leuten gewünscht“, weiß er. Bestes Beispiel ist Alex Auers erster Auftritt in diesem Jahr, bei dem es mitten in der Nacht zum Sonntag noch ungewöhnlich voll war. „Da bewährte Konzept wird weitergefahren“, versichert er. Denn das kommt super an. „Wir haben nur gute Rückmeldungen“, betont er.

„Der Verein ist enttäuscht über die Form der Kommunikation“, macht Löffler aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Ich kenne den Mani bereits seit 1976“, erzählt er. „Das hätte ich von ihm nicht erwartet.“ Bei den vielen Helfern und Ehrenamtlichen „sitzt der Schock tief“.

Noch vor ein paar Wochen unterhielten sich die beiden, zusammen bis zum 40. Finki 2022 gemeinsam weiterzumachen. Und jetzt diese Nachricht. Für den Verein ist ganz klar: Es geht weiter. „Wir hätten das Finki gern mit Mani weitergeführt, aber wenn er nicht will, ist nichts zu machen“, bedauert der Vereinsmann.

 

Info: Der Vorverkauf fürs Finkenbach-Festival 2020 startet in Kürze.

 

 

Armin Löffler: „Das hätte ich vom Mani nicht erwartet.“

Großes Interesse an der Stadtgeschichte trotz schlechtem Wetter

Zum „offiziellen“ Start der Stadtführungen hätte das Wetter ein wenig besser sein dürfen. Aber die Bindfäden von oben taten dem Interesse an Beerfeldens Geschichte keinen Abbruch. Zum ersten Rundgang am Tag des offenen Denkmals kamen 25 Interessierte, mit Regenschirmen bewaffnet, vor dem Oberzent-Museum zusammen, wo zuvor bereits der Tag eröffnet worden war. Die Generationenhilfe Oberzent kümmerte sich hier im trockenen Zelt um die Stärkung.

Die Stadtführungen „waren schon jahrelang ein Thema“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Mehrfach wurde in der vergangenen Zeit gefordert, sie auch für die breite Öffentlichkeit anzubieten. „Wir haben uns deshalb gesagt, jetzt müssen wir mal ran“, so der Verwaltungschef. Der Denkmal-Tag bot sich für den Start an. Vor zwei Monaten gab es dann eine interne Abklärung.

Stefanie Ampferl wirkte dabei federführend mit und nahm Kontakt mit allen Beteiligten auf. Später klinkten sich auch die Kirchen mit ein. Sie zog gestern ein positives Fazit der Veranstaltung, wenn diese natürlich durch die ungastliche Witterung beeinträchtigt war. Auch wenn nachmittags der Andrang bei der dritten Stadtführung übersichtlich war, so erfreute sich dann das Apothekenmuseums eines schönen Zuspruchs.

Die Stadtführungen, durchgeführt von Flora Berger und Brigitte Sauer, sollen im kommenden Jahr kontinuierlich angeboten werden, erläuterte Kehrer. Zum einen mit festen Terminen im Jahresplan, zum anderen aber auch auf Nachfrage durch Gruppen buchbar. „Wir überlegen uns dazu was Thematisches“, sagte er. Und was bietet sich im Odenwald da besser an als etwas Kulinarisches mit regionalen Spezialitäten. Das Gesamtziel: Oberzent touristisch voranbringen und besser vermarkten.

Am Eröffnungstag führte Flora Berger in typischer Odenwälder Tracht gleich drei Mal die Wissbegierigen durch die Stadt. Obwohl erst 19 Jahre alt, verfügt sie doch über jahrelange Erfahrung dabei. Als 15-Jährige war sie bereits die jüngste Stadtführerin des Odenwaldkreises. Wetterbedingt ging’s etwas zügiger als sonst im Galopp an den markanten Punkten vorbei.

Auf halber Höhe der Rollgasse bleibt Flora Berger stehen und deutet auf ein altes, schon in die Jahre gekommenes Haus auf der rechten Straßenseite. „Das ist das älteste Gebäude in Beerfelden“, erläutert sie. Das Haus mit den weißen Holzschindeln wurde im Jahr der französischen Revolution, 1789, erbaut. Seine Besonderheit liegt darin, dass es als einziges den großen Brand von 1810 überstand, der ansonsten die komplette Altstadt vernichtete.

Im Oberzent-Museum sind geschichtliche Zeugnisse der Region und ihrer Bürger zu sehen, erklärt die Jugendliche. Die Bedeutung des unterhalb gelegenen heutigen Zwölf-, früheren Acht-Röhren-Brunnens für die städtische Wasserversorgung war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts existenziell, so Flora Berger. Weiter geht’s danach die Rollgasse hinauf bis zum Bürgerhaus. Das „war früher das Rathaus und noch früher die Volksschule“. 1886 wurde es umgebaut und erhielt damals ein weiteres Stockwerk. Vor kurzem wurde es gerade wieder saniert.

2015 jährte sich die Wiedereinweihung der Martinskirche nach dem großen Brand zum 200. Mal – auch die Kirche war 1810 Opfer des Feuers. Früher war der Eingang ein Stockwerk höher, denn eine große Treppe führte direkt ins erste Obergeschoss, von wo aus es geradeaus ins Kirchenschiff weitergeht. Als der Marktplatz umgestaltet wurde, fiel ihm die Treppe zum Opfer. Ab 1876 war vor dem Gotteshaus ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 zu finden, das jetzt auf der Sensbacher Höhe steht.

Neben dem Pfarrhaus zeigt Berger den Interessierten auch andere Stadtbild prägende Gebäude, „die in ihrer Art typisch für die Bauweise nach dem Brand waren“. Die ehemalige Jugendherberge im blauen Haus (von 1941 bis 1971) liegt ebenso auf dem Weg wie der „Beerfelder Knast“. Den gab es dort zwischen 1859 und 1923.

 

Tag des Denkmals in Oberzent

Das Heimatmuseum öffnete seine Pforten ebenso wie das Apothekenmuseum von Jürgen Frank, beide in Beerfelden. Die evangelische Martinskirche Beerfelden mit ihrem Turm war zu besichtigen wie auch die ehemalige Wallfahrtskirche St. Marien in Schöllenbach. Bereits oft dabei: die „Alte Pumpe“, der Schmid‘sche Wassermotor zwischen Rothenberg und Kortelshütte. Hier wirkte der Verkehrs- und Verschönerungsverein Rothenberg.

Bei den Ford-Fahrern geht’s familiär, nicht fanatisch zu

Die Ford-Fahrer waren sehr spendabel: 2000 Euro kamen für den Rothenberger Kindergarten zusammen, als das Ford-Team Odenwald anlässlich seines 30-jährigen Bestehens zum großen Treffen rund um die Sporthalle eingeladen hatte. Genau die Sporthalle, wohin die Kita „Himmelsauge“ nach dem Brand interimsweise ausweichen musste – wodurch sich dann der Bezug ergab. Vor allem am schönen Freitag pilgerten neben den Ford-Fans auch viele Rothenberger den Hügel hinauf. Am verregneten Samstag und Sonntag ging es dann ein wenig ruhiger zu.
Gründungsmitglied und Vorsitzender Jochen Münch zeigte sich angesichts des Wetters „vollauf zufrieden“ mit dem Besuch der Veranstaltung. Etwa 200 Fahrzeuge waren auf der Höhe zu bewundern, vom aktuellsten Modell bis hin zu den Raritäten wie einem alten Granada, einem Ford Capri oder einem Mustang, der dem „Bullitt“-Film entsprungen sein könnte.
Teilnehmer aus Belgien oder der Schweiz hatten den weitesten Anfahrtsweg, aber auch Reutlingen, Rüdesheim oder Nordhessen lauteten die Herkunftsorte. Das Gros der Fahrer kam aus der Ecke Mosbach, Heilbronn, Sinsheim und Mannheim. Man kennt sich und trifft sich: Die Odenwälder sind übers Jahr auf verschiedenen Terminen, auch wenn es berufsbedingt nicht mehr so viele sind wie früher. Manche fahren sogar nach Berlin, aber der 200-Kilometer-Radius ist eher die Regel. „Die bayrischen Treffen sind toll“, schwärmt der Ford-Fan.
Ein Escort XR3i brachte vor 30 Jahren Münch und Gleichgesinnte zusammen. Die jungen Leute vorwiegend aus dem badischen Odenwald beschlossen, sich zu Ausfahrten und Tanzabenden zu treffen. „Nach und nach kamen dann andere Ford-Fahrer mit Fiesta oder Mondeo dazu“, erzählt er. Heutzutage zählt der Verein 28 Mitglieder. Clublokal ist die höchste Gaststätte des Odenwalds, die Turmschänke in Waldkatzenbach unterhalb des Katzenbuckels. Inzwischen sind sie einer der ältesten Clubs in der Szene.
Neben der Vorliebe für den fahrbaren Untersatz ist es auch die Gemeinschaft, die zählt. Wenn ein früherer Ford-Fahrer in späteren Jahren „abtrünnig“ wird, dann ist er trotzdem immer bei den alten Kameraden willkommen. „Bei uns geht es familiär zu, nicht fanatisch“, erzählt der Vorsitzende. Die Begeisterung überträgt sich auf die kommende Generation. „Inzwischen sind auch schon die Kinder unserer Gründungsmitglieder dabei“, freut er sich.
Die Leidenschaft fürs Auto artet nicht aus, hebt Münch hervor. Hier fährt keiner mit quietschenden Reifen von der Sporthalle weg. Ihm ist es wichtig, mit Vorurteilen gegenüber Auto-Clubs aufzuräumen. In der Ford-Szene sind die Poster und Extrem-Tuner nicht vertreten, betont der 50-Jährige. Leider sei es wie so oft, dass einige Negativbeispiele die große Masse in Verruf bringen.
Überhaupt kommen im Club alle Altersschichten zusammen. „Man merkt nicht den Unterschied“, erzählt er. Da ist der 18-Jährige, der sich seinen ersten Ford mit harter Arbeit zusammenspart, aber auch der 50-Jährige, der immer noch den Capri aus Jugendtagen fährt und klamottenmäßig ebenfalls in dieser Zeit stehengeblieben ist. Und natürlich die Film-Fans, die Steve McQueen aus dem 68er-Streifen nacheifern.
Rocco Iannone aus Rüdesheim etwa ist eingefleischter Ford-Fan seit seiner Jugend. Sein Vater fuhr Ford und arbeitete auch beim Autohersteller. Der Mustang-Fahrer „würde nie eine andere Marke kaufen“, beteuert er. Er ist damit aufgewachsen und fährt Ford „mehr als das halbe Leben“. Wie auch Münch schätzt er das Preis-Leistungs-Verhältnis. Dazu kommt, dass der Autobauer bei solchen Events den Fans gegenüber „sehr aufgeschlossen ist“, freut er sich.
Die Aufnahme in Oberzent war laut Münch „überwältigend“. Das Ziel der Automobilisten, mit dem Erlös die örtliche Kita zu unterstützen, schlug sich in der großen Spendenbereitschaft für die Tombola nieder. „Wir wollen ein positives Zeichen setzen und die Kinder unterstützen“, betont der Vorsitzende. Nachmittags gab Kassenwart Thomas Link grünes Licht, dass die angestrebte Summe zusammengekommen ist.