Oberzent-Feuerwehrleuten wird’s in manchen Gerätehäusern nicht warm

Im Feuerwehrbereich brennt es zwar noch nicht, aber es glimmt zumindest kräftig vor sich hin. Oberzent muss sich nicht nur um die Ersatzbeschaffung der in die Jahre gekommenen Fahrzeuge kümmern, sondern auch etliche Altlasten aufarbeiten. Dabei geht es vor allem um die bauliche Substanz der diversen Feuerwehrhäuser, verdeutlichten Bürgermeister Christian Kehrer und Stadtbrandinspektor Marco Johe auf der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Unter-Sensbacher Gemeindezentrum.

Kehrer ging zuerst auf die Situation vor Ort ein. Ober- sei quasi mit Unter-Sensbach „fusioniert“. Ein Fahrzeug steht noch im oberen Gerätehaus, dessen Zustand aber die Prüfer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließ, erläuterte er. Der Bürgermeister erklärte auch die in Hessen geltende zehnminütige Hilfsfrist. Auf der Karte betrachtet, lägen die einzelnen Gerätehäuser zwar dicht beieinander, aber die Hügellandschaft, verbunden mit vielen Kurven, macht die Anfahrt länger.

Es existieren Ausnahmegebiete wie Gebhardshütte oder Raubach, wo die Oberzent-Brandschützer mit den angrenzenden Einsatzabteilungen von Bullau und Schönmattenwag zusammenarbeiten. Anhand einer genauen Aufgliederung wird bestimmt, welche Fahrzeuge in welchem Ort bereitgehalten werden sollen und wer anhand des Alarmierungscodes ausrückt. Bewährt hat sich die Ausstattung der Stadtteilwehren mit Tanklöschfahrzeugen und Wassertank.

Marco Johe erläuterte die Ergebnisse der Begehung vom vergangenen September, an dem neben dem technischen Prüfdienst auch ein Mitarbeiter der Unfallkasse teilnahm. „Es ergab sich ein gewisser Bedarf“, übte er sich in Understatement. Den will der Stadtbrandinspektor jetzt mit den möglichen Zuschüssen abgleichen. Natürlich – und das sei auch den Prüfern bewusst – „kann nicht alles von heute auf morgen erledigt werden“.

Am Beispiel Airlenbach machte er deutlich, dass zuerst eine Vergrößerung des Stellplatzes geschehen muss, ehe dann der Ersatz für das 29 Jahre alte Fahrzeug kommt. Denn der 6,5-Tonner ist nicht nur drei Tonnen schwerer als das bisherige Geschoss, sondern auch höher und passt damit nicht mehr in die bisherige Garage.

In der Regel gibt es laut Johe einen Zuschuss von 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Nur: „Das reicht heute bei weitem nicht mehr aus.“ Er machte das an einem Beispiel aus Beerfelden fest: Wenn 250.000 Euro förderfähig sind, aber das Fahrzeug insgesamt 350.000 Euro kostet, bleibt eine große Summe zusätzlich an der Stadt hängen. 560 Euro kostet die Ausstattung eines Brandschützers, ergänzte Johe. Ist er Atemschutzgeräteträger, kommen noch einmal 660 Euro hinzu.

Der Feuerwehrchef machte sich in seinem Alarmplan auch Gedanken über die Ausrückstärke. Während die in Beerfelden und Rothenberg auch tagsüber noch ziemlich gut ist, sieht es in den kleinen Orten ganz anders aus. Etwa in Hesselbach, wo niemand zur Verfügung steht. Zwischen 6 und 18 Uhr „rückt in der Regel deshalb die nächstgrößere Abteilung mit aus“, erläuterte er. Man müsse gegensteuern, „wo es nur geht“, damit weiterhin genügend Feuerwehrleute tagsüber verfügbar sind.

Im 170-Seiten-Prüfbericht geht es auch um fehlende E-Checks (die müssen alle vier Jahre gemacht werden) und teilweise unbeheizte Feuerwehrgerätehäuser wie in Kailbach. „Die stehen ganz oben auf der To-do-Liste“, so Johe. Außerdem ist die Umkleide manchmal noch im selben Raum wie das Fahrzeug untergebracht (auch Kailbach). In Hesselbach ist der Stellplatz zu klein, in Falken-Gesäß das Dach sanierungsbedürftig und, und, und…

Handlungsbedarf gibt es ebenfalls bei den Atemschutzwerkstätten und Beerfelden und Rothenberg. Dieses Thema will der Stadtbrandinspektor umfassen angehen und klären, inwieweit es Sinn macht, eine in eigener Regie weiter zu betreiben, eventuell dann als Dienstleister für andere Kommunen aufzutreten oder – wie dies bereits im ehemaligen Hesseneck und Sensbachtal geschieht – diese Arbeiten nach außen zu vergeben. Das würde, berechnete er, etwa 55.000 Euro im Jahr für ganz Oberzent kosten.

 

Oberzent-Feuerwehr in Zahlen

  • 15 Stadtteilwehren, 16 Standorte (Unter- und Ober-Sensbach bilden eine gemeinsame Einsatzabteilung, haben aber jeweils noch ein Feuerwehrhaus) bei 19 Statteilen und 165 Quadratkilometer Fläche
  • 204 Einsätze im Jahr 2018, davon Beerfelden 107 (weil die dortige Wehr wegen ihrer Tageseinsatzstärke in der Regel immer mitalarmiert wird)
  • 450 Mitglieder in der Einsatzabteilung, davon Beerfelden 68, Rothenberg 53
  • Drei Kindergruppen mit 36 Unter-Zehnjährigen
  • 15 Jugendfeuerwehren mit 145 Angehören
  • 169 Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung
  • 54 Mitglieder in zwei Musikzügen (Schöllenbach und Beerfelden)
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Narrhallas Narren lassen es krachen

Von dem bisschen Wind lassen sich Narrhallas Narren nicht die Feierstimmung wegblasen. Sturmtief „Bennet“ wurde am Rosenmontag einfach ausgesessen. Am Nachmittag waren Orkan und Regen durchgezogen, sodass dem Faschingsumzug durch die Narrenhochburg des Finkenbachtals nichts mehr im Wege stand. Trockenes Wetter, noch erträgliche Temperaturen und 31 ideenreiche Zugnummern bescherten dem Verein wieder einen großen Ansturm zum Nachtumzug.

Besonders am Moderationsstopp kurz vor der Abzweigung zur Sporthalle herrschte großer Betrieb, da die Narren dort auch eine Verpflegungsstation aufgebaut hatten. Dort schwenkte die vorausgehende Guggemusik des Fanfarenzugs Wiesenbach ein und beschallte anschließend die Gäste. Der 15. Rosenmontagsabendumzug im 36. Jahr der Narrhalla wurde an allen Ecken und Enden mit einem lautstarken Helau begrüßt.

31 Fußgruppen, Garden und Motivwagen zogen vom Alten Schulhaus aus über die gesperrte Landesstraße durch den Ort. Danach stieg in der Sporthalle die große Hawaii-Party im Trockenen und Warmen. Die meisten Zuschauer versammelten sich rund um den Dorfbrunnen an der Abzweigung zum Himmelreichweg, wo sie mit Speisen und wärmenden Getränken versorgt wurden. Zugmoderator Carsten Werner kündigte dort die jeweiligen Gruppen und Zugnummern an. Feuerwehr und DRK umrahmten den Narrenwurm.

Die Gäste sparten nicht mit aufmunternden Fastnachts-Rufen für die weit über 200 Aktiven, ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. Erste Auflage des Umzugs war bereits im Jahr 2005 anlässlich des 22. Die Veranstalter vom SV stellten mehr als die Hälfte der Gruppen, darunter – neben anderen – Dancing Starlets, Minischautanzgruppe, Next Generation, Happy Feet, SV-Funken, Männerballett Biergorgler oder die Showtanzgruppe Crazy Girls.

Das Oberzent-Prinzenpaar Trudi und Jupp aus Rothenberg sowie Funkenmariechen Paula Manschitz beschlossen die große Demonstration fastnachtlicher Macht aus dem Oberzent-Stadtteil. Aus Hirschhorn war das Lachsbachperlen-Kinderprinzenpaar Aliyah I. und Elias I. mit Funkenmariechen Josephine dabei.

Auf der Suche nach Dagobert Ducks Tresor machten die Panzerknacker des badischen Äppelwoiteams Heddesbach eine Tour nach Hessen und brachten mit heißer Musik und tanzwütigen Insassen Hainbrunn zum Beben. Die „Wilde 13“ aus Brombach ließ allerlei Clowns aufmarschieren. Auch die Sensbachtaler Fastnachtsfreunde waren mit Elferrat und Garden auf Tour. Der „Wohnwagen Rothenberg“ hatte mal sich der Klempnerkrise angenommen und wieder einen Hingucker gebaut. „Super Mario“ richtet’s, hieß es bei ihnen.

Die Hirschhorner Ritter waren mit Prinzengarde und dem aktuellen Prinzenpaar Ulli I. und Mathias II. vertreten. Alle zusammen liefen sie dann in die Sporthalle ein, um dort schwupps auf Hawaii  anzukommen. Das Aufbauteam des SV Narrhalla hatte ganze Arbeit geleistet. An der Tiki-Bar blieben keine Wünsche offen. Mit lautem „Aloha“ wurden die Gäste begrüßt. Verführerische Südseeschönheiten stillten mit leckeren Cocktails, aber auch fastnachtlichen Standardgetränken den Durst der Narren.

Auf Ober-Hainbrunns Straßen: Eine Ansammlung von Abplatzungen, Absenkungen und Rissen

Im kleinen Stadtteil stehen größere Straßensanierungen an. Der Ortsbeirat beschäftigte sich auf seiner vergangenen Sitzung mit der entsprechenden Prioritätenliste. Thema war daneben die Möglichkeit der Finanzierung von Straßensanierungen, wie sie bereits einmal in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt worden war. Es gibt einmalige oder wiederkehrende Beiträge ebenso wie gar keine oder eine Umlegung auf alle kommunale Steuerzahler.

Alle Ortsstraßen waren im Vorfeld der Sitzung durch den Ortsbeirat in Augenschein genommen worden. In der oberen Talstraße gibt es den vorrangigsten Bedarf, erläuterte Ortsvorsteher Stefan Hofmann. Es folgen: Im Himmelreich, Mühl- und Poststraße sowie der Vorplatz der Sporthalle. Im Zusammenhang mit dem Flurbereinigungsverfahren gab es den Wunsch um genauere Klärung an die Stadtverwaltung, welche Abschnitte der Poststraße und des Panoramawegs dort enthalten sind. Daneben möchte man wissen, ob im Doppelhaushalt 2019 und 2020 Gelder für das Flurbereinigungsverfahren „Straßen und Wege Ober-Hainbrunn“ eingeplant sind.

Wie Hofmann erläuterte, ist die Obere Talstraße im mittleren Bereich zwischen den Hausnummern 6 und 8 auf etwa 50 Meter Länge stark beschädigt. Im Himmelreich gibt es punktuell starke Absenkungen. Der Seitenabzweig bei Nummer 9 und 9a ist in sehr schlechten Zustand. In der Mühlstraße stellte der Ortsbeirat Rissbildungen und Senkungen auf der kompletten Länge mitsamt einem schlechten Allgemeinzustand fest.

Die Poststraße ist nach Beobachtung beim Ortstermin in einem mittleren Zustand. Kanalhaltungen, Schieber und Hydranten sind oft abgesenkt. In einigen Bereichen gibt es Risse und Absenkungen. Im oberen Bereich ist die Regenwasserführung ungenügend. An zwei Stellen gibt es bei Frost regelmäßig dicke Glatteisplatten. Der obere Teil ab Kreuzung Obere Talstraße ist laut Hofmann in der Flurbereinigung. Er befindet sich in sehr schlechtem Zustand. „Wasserführung ungenügend, Wasser dringt durch Asphaltdecke, Schlaglöcher“, stellte Hofmann hier fest.

En Sorgenkind ist ebenso der Parkplatz an der Sporthalle. Der Vorplatz ist uneben, daneben stellte man Risse im gesamten Bereich fest. Eine Vergrößerung der Flächen etwa mit Rasengittern wäre wünschenswert, so der Vorschlag. Die Schotterflächen weisen darüber hinaus viele Schlaglöcher auf. Der Verbindungsweg vom Sägewerk an der Heckenmühle nach Rothenberg wurde zur Hälfte bereits saniert. Der untere Teil ist allerdings in sehr schlechtem Zustand, so Hofmann: Abplatzungen, Absenkungen, Risse.

Der Panoramaweg ist eigentlich nur noch eine Buckelpiste und „auf seiner kompletten Länge in sehr schlechtem Zustand“. Unzählige Schlaglöcher, Wurzelanhebungen der Asphaltdecke, Absenkungen und Risse sahen die Mitglieder des Ortsbeirats bei ihrer Inaugenscheinnahme. Durch Befahren des „grünen Planwegs“, eines in den 60/70er Jahren geteerten Feldwegs, mit 25-Tonnern der Müllabfuhr werde dieser überlastet, denn das zulässige Gesamtgewicht beträgt zwei Tonnen, weil er keinen guten Unterbau hat. Er ist im Flurbereinigungsverfahren.

Der Verbesserungsvorschlag aus dem Ortsbeirat sieht wie folgt aus, dass eine Wendemöglichkeit bei den Hausnummern 6 und 8 auf dem städtischen Grundstück geschaffen werden soll, sodass die Müllabfuhr den asphaltierten Feldweg nicht mehr befahren muss. Eine weitere Wendemöglichkeit an der Kreuzung zur Poststraße wäre ebenfalls sinnvoll. Dies könnte laut Hofmann im Zuge der Flurbereinigung erfolgen, da dann sowieso Ausweichen eingeplant sind.

Die Nachfrage beim Bauhof hat ergeben, dass die Hundetoiletten nach dem Heckenschnitt voraussichtlich im März oder April aufgestellt werden, informierte der Ortsvorsteher. Bis auf den Flur ist der Untergrund Wänden, Decken und Böden im alten Schulhaus fertig, so Hofmann weiter. Dies gilt ebenso für den Raumgrundputz, die Isolierung bis auf den Flur, Wasser, Estrich und zu 90 Prozent Elektro.

Der Vorverkauf fürs diesjährige Finki-Festival läuft

„Toppen wollen wir das (ausverkaufte) Finki 2018 nicht“, schmunzelt Mani Neumeier. „Aber gut werden soll es“, fügt er lächelnd hinzu. Der Kopf von Guru Guru und musikalische Leiter des Finki-Festivals tourte gerade mit seiner Band durch Japan. Auch im Land der aufgehenden Sonne hat das Krautrock-Urgestein seine Fans. Zwischenzeitlich „muss“ er aber auch an die Heimat denken, denn die Vorbereitungen fürs 37. „Guru-Feschd“ in 43 Jahren sind bald abgeschlossen. Zwei Drittel der Bands für den 9. und 10. August sind bereits verpflichtet.

Neumeier ist im Jahr nach dem 50. Bandjubiläum einfach nur glücklich darüber, dass „seine“ Musik immer noch so viele Anhänger hat. Dass die Band ein halbes Jahrhundert bestehen würde und das Guru-Feschd die Zuschauer massenhaft ins Finkenbachtal zieht, „hätte ich damals nie gedacht“, meint er. „Es ist ein Wunder, dass so etwas passieren kann“, sagt der 78-Jährige angesichts der heutigen Gesellschaft, in der nur das „Schneller, Höher, Weiter“ zählt.

Wenn der Ober-Guru Neumeier auf mehr als 50 Jahre zurückblickt, wird er etwas wehmütig. „Viele Kollegen von damals sind schon gestorben.“ Einen der alten Garde hat er aber für das diesjährige Festival verpflichten können: Leo Lyons, der 1969 mit „Ten Years After“ Woodstock aufmischte, ist 50 Jahre später mit seiner heutigen Formation „Hundred Seventy Split“ am Start.

Für den Musiker ist es faszinierend, „so lange diese Kultur machen zu können, die man sonst auf dem Land nicht findet“. Denn „wir haben einen hohen Qualitätsanspruch“. Die Besucher kommen von weit her, um auf dem Finki Bands geballt live zu sehen, die anderswo kaum noch zu erleben sind. Diese Sicht deckt sich mit der Manis, wie ihn alle nennen. „Warum er diese Bands?“, wird er gefragt. „Weil sie authentisch und gut sind“, sagt er. „Und erschwinglich“, fügt er grinsend an.

Selbst wenn es wie 2018 beim ausverkauften Guru-Feschd besonders voll ist, „bleibt es immer noch gemütlich“, weiß er. „Kein Tohuwabohu wie Wacken.“ Jeder kennt jeden. Der 78-Jährige ist ein Musiker zum Anfassen. Laufend muss er eine Hand schütteln, wird umarmt, signiert Plakate. Geduldig macht Neumeier alles mit. Für ihn ist die Durchführung des Finki immer wieder „eine große Ehre“.

Als erstes Musikfestival im Odenwald vor 43 Jahren ins Leben gerufen, wird es jedes Jahr aufs Neue durchgeführt. Der Musiker merkt immer, „dass das Feeling stimmt“. Neumeier spielt viele Konzerte auswärts, aber das Heimspiel ist für ihn etwas Besonderes. „Den Platz, die Musik, die Schwingungen“ empfindet er im Finkenbachtal anders. „Das ist echte und unverfälschte Kultur“, schwärmt er über die auftretenden Bands.

Ohne viel „Hitparaden-Brimborium“ spielen auf „seinem“ Finki Gruppen außerhalb des Üblichen. „Das wird von den Leuten geschätzt“, weiß er. Wie der tasmanische Gitarrenteufel Rob Tognoni, der nach 2015 in diesem Jahr wieder die Bühne entern wird. Oder Legende Arthur Brown, der „God of Hellfire“, ebenfalls ein Dinosaurier der Rockszene. Der 76-Jährige ist längst Stammgast.

Die Franzosen von „Lazuli“ sind eher „Jungspunde“ gegen diese Ur(groß)väter des Rock und Blues, auch wenn die Band schon 20 Jahre auf dem Buckel hat. Sie steht für den progressiven Part des Festivals, gepaart mit Folk-Einflüssen aus ihrer südfranzösischen Heimat. „Adesa“ wiederum sorgt für Weltmusik und Afrika im Odenwald. Bei allem nicht zu vergessen: Das traditionelle Konzert von Guru Guru, immer samstags um 21 Uhr.

„Wir wollen mit dem Programm ein schönes und gemütliches Festival haben“, betont auch Booker Karlheinz Osche. „Die Bands müssen einfach nur zum Finki passen“, sagt er. Beste Voraussetzung für ein gelungenes Event war die Tour zum 50-jährigen Bestehen von Guru Guru. „Die lief super gut und wir waren sehr zufrieden“, freut sich Osche. In diesem Jahr wird es weniger Konzerte geben, „denn wir spielen nicht jedes Jahr im selben Club“, erläutert er. Es läuft aber schon die Tour-Planung für 2020 an, die den „Elektrolurch“ im Titel trägt, verrät er.

Info: Der Vorverkauf fürs „Guru-Feschd“ am Freitag, 9. (ab 19 Uhr), und Samstag, 10. August (ab 15 Uhr), in Finkenbach hat begonnen. Alles weitere unter www.finki-festival.de. Schon vorher spielt Guru Guru am Samstag, 15. Juni, um 20 Uhr Open-Air im Mannheimer 7er Club.

Heile Welt bei Narrhallas Narren in Ober-Hainbrunn

Im Odenwald ist die Welt halt noch in Ordnung. „Es kracht und brummt in aller Welt, die Narrhalla stets zusammen hält“, lautet das Motto der diesjährigen Kampagne, zu der die Fastnachter aus dem Finkenbachtal einluden. Unter der Regie der beiden Sitzungspräsidenten Jochen Sauter und Alexander Friedrich sowie den närrischen Augen des Elferrats ging es in der SV-Sporthalle heiß her, auch wenn es einem draußen nahe am Gefrierpunkt fröstelte.

Die Narrhalla bewies wieder einmal, mit welchem Potenzial das kleine Odenwalddorf gesegnet ist. Die Jüngste bei der Minischautanzgruppe war gerade einmal zweieinhalb Jahre alt, die Ältesten standen schon vor 35 Jahren in der Bütt und haben die 70 bereits überschritten. Wie Seppel Denner sind sie sich aber immer noch für nichts zu schade. Nur mit einer Pumphose bekleidet, blendete dieser bei seiner Eunuchen-Bütt mit freiem Oberkörper das schöne Geschlecht.

Ein Selbstläufer ist bei jeder Prunksitzung Ralph Volk als „Schakeline“. Die ersten Lacher gibt es schon, wenn er in hautengem roten Kleid mit hohen Stöckelschuhen über die Bühne stakst, dazu voll geschminkt die eigene geschwundene Haarpracht mit wallender Perücke kaschiert, die Achseln vielleicht mal wieder heißwachsen sollte. Dabei teilt er/sie kräftig nach allen Seiten aus und erzeugt immer wieder begeisterten Applaus bei den Gästen.

Fünf Stunden lang prunkte sich die Narrhalla durch den Abend. Als dann nach Mitternacht das schweißtreibende Programm schloss, bedeutete das noch lange nicht das Ende. Bis in den frühen Morgen feierten die Narren unermüdlich weiter, immer die eigene Hymne auf Hainbrunn auf den Lippen. Das komplette Programm wurde mit einheimischen Kräften gestemmt, die dann oftmals in drei oder vier Rollen glänzten oder die Tanzbeine schwangen. 150 Aktive stehen bei den drei Prunksitzungen auf der Bühne. Zusammen mit den 40 Helfern kommt so schon fast halb Hainbrunn zusammen.

Mehr als 250 Zuschauer zählen die Fastnachter pro ausverkaufter Prunksitzung – an den drei Terminen plus Generalprobe sind so an die 1000 Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung zu Besuch. Auf sie wartet ein buntes Programm mit Garden, Tänzen, Sketchen und Büttenreden. Dieses Mal waren alle drei Termine innerhalb von vier Worten ausverkauft – ein Novum in der 35-jährigen Sitzungsgeschichte.

Nach dem Einzug von Elferrat und Garden ergriff Narrhalla-Präsident Frank Flachs das Wort und begrüßte die Gäste. Alexander Friedrich und Jochen Sauter als Sitzungspräsidenten führen ironisch, scharfzüngig und aufschlussreich durch die Sitzung mit ihren 23 Programmpunkten. Einen „Hardrock-Karneval“ vom Himmelreich bis ins Wiesental feierten die Bembelsänger, natürlich mit Langhaarperücken, ausschweifend tätowiert, spannenden weißen T-Shirts über dem Waschbärbauch und stilecht in Lederjacken.

Anna Lähn als 90er-Kind las den „Nullern“ die Leviten. „Die räumen nur noch auf, wenn kein WLAN mehr durchkommt“, meinte sie. Und wehe, wenn sie Auto fahren. Früher, sagte sie wehmütig, „war Oma das Wikipedia und die großen Geschwister die Firewall“. Karl-Heinz Werner als „Herr Kall“ ist ein Urgestein. Aber ohne seine Frau wäre er nichts – und seine Bütt unvollständig. „Der hab ich zu Weihnachten einen Hula-Hoop-Reifen geschenkt“, erzählte er. „Passt“, kommt es trocken hinterher.

Mit der Rothenberger Theatergruppe feierten sie im Spätjahr schon einen Riesen-Erfolg mit der neuen Aufführung: Dominik Seip und Tanja Schmidt als Jupp und Trudi. Ein prächtiges Proll-Pärchen, das die Bude aufmischte. Immer auf der Suche nach den schlechtesten Seiten beim Partner. Mit Erfolg.

„Another one bites the dust“, „We will rock you“, „Bohemian Rhapsody“ oder „Don’t stop me now”: Die Crazy Girls sind ein königlicher Augenschmaus. Jochen Roland gibt den Freddie Mercury, während die Gruppe zu den schönsten Queen-Songs über die Bühne wirbelt. Dann en Schlager-Medley als krönender Abschluss: Die „Söhne Hainbrunns“ läuten das große Finale ein.

Mitwirkende: Mini-Schautanzgruppe, Dancing Starlets, Seppel Denner, Next Generation, Jörg Heckmann, Happy Feet, Ralph Volk, Paula Manschitz, Jungspatzen, Rhythm Attack/Biergorgler, Bembelsänger, No Limits, Anna Lähn, Tanzpaar Amelie und Lara, Karl-Heinz Werner, Tanzfieber, Dominik Seip und Tanja Schmidt, SV-Funken, Crazy Girls, Söhne Hainbrunns

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2019/02/05/heile-welt-bei-narrhallas-narren-in-ober-hainbrunn/

Posted by Neckartal-Nachrichten on Tuesday, February 5, 2019

Rothenberger Kirche soll wieder wie früher aussehen

Langmut ist Reinhold Hoffmann als evangelischem Pfarrer nicht unbekannt. Die braucht er derzeit auch bei der Renovierung der Kirche in der Ortsmitte. Start der Arbeiten war Mitte 2017. Damals ging man optimistisch von einem Jahr aus. Aktuell ist die Fertigstellung für diesen Sommer geplant. Doch die Verzögerung hat triftige Gründe: Bei der Sanierung wurden viele weitere Elemente der ursprünglichen Kirche entdeckt, die man natürlich erhalten möchte.

Im Juni vor zwei Jahren packten die Gemeindeglieder kräftig an. Als ersten Schritt galt es, die Inneneinrichtung auszuräumen und den Boden rauszuschlagen. An diesen musste man laut Hoffmann sowieso dran, weil Leitungen, eine Schleife für Audiogeräte und Bodentanks für Steckdosen verlegt werden mussten. Es soll später ein Sandstein-Boden wie zur Erbauung reinkommen.

Beim Ortstermin mit Harald Sillak von der gleichnamigen Holzbau-Firma, auch Mitglied im Kirchen-Bauausschuss, seinem Schwiegersohn Benjamin Geier und Architektin Steffi Holschuh ging es daneben um solche Kleinigkeiten wie die Form der Lichtschalter oder das Aussehen der Brüstung. Über allem stand die Frage „Wie rekonstruieren wir die Kirche im damaligen Zustand“, erläutert der Pfarrer.

Die 1962 erfolgte Erweiterung des Chorraums wird zum Teil wieder rückgängig gemacht. Die Sitzbänke werden an den Seiten um jeweils 60 Zentimeter gekürzt, damit man auch von dort reinrutschen kann. „Dann verliert es sich nicht so“, stellt Hoffmann den positiven Aspekt heraus. Es fallen dadurch 32 Plätze weg, womit noch 190 verbleiben.

Die Decken-Holzbalken wurde von zwei Restauratorinnen mit Bierlasur versehen, erklärt er. Dabei handelt es sich eine altertümliche Technik, „die heute kaum noch jemand beherrscht“. Den Klarlack brachte dann einer der örtlichen Weißbinder auf. Im Zuge der Arbeiten wurden über den Wandfenstern Risse entdeckt. „Die sollen gesichert werden“, so der Geistliche. Es handelt es sich aber nicht um einen Schaden, der die Substanz beeinträchtigt, beruhigt er. Vielmehr werde das durchs rechtzeitige Eingreifen verhindert.

„Die Bestandsuntersuchungen warfen jedes Mal neue Fragen auf“, ergaben sich daraus die Zeitverzögerungen. Es biete sich derzeit an diesem denkmalgeschützten Gebäude mit seiner langen Geschichte „die einmalige Gelegenheit“, möglichst viele Elemente aus der Vergangenheit wieder zum Vorschein zu bringen. Leider, bedauert Hoffmann, ist das nicht nur durch Restauration möglich, weil die Renovierung Anfang der 1960 Jahre den Untergrund zerstörte.

Sukzessive kamen unter dem Verputz alte Elemente zum Vorschein. Zuerst an einem Absatz im Schiffbereich sichtbar, entdeckte man dann eine Vorhangmalerei im Chorraum. „Danach haben wir geschaut, ob es Ornamente gibt“, schildert der Pfarrer die Suche. Tatsächlich wurde eine Ranke, ein florales Muster, gefunden. „Wir wollen die Kirche so wieder herstellen, wie sie damals gemeint war“, macht der Geistliche deutlich.

Je mehr vom Ursprünglichen zum Vorschein kommt, desto besser wird die Erinnerung der älteren Ortsbevölkerung aufgefrischt. „Als ich erzählte, die Kirchendecke wird wieder blau, meinten einige: Stimmt, das war sie ja mal“, schmunzelt er. Leider gaben die alten Schwarz-Weiß-Bilder diese Nuancen nicht her. Die Blautöne finden sich auch in den Fensterfarben wieder.

Die aufwändige Arbeit kostet (mehr) Geld. Ursprünglich auf 300.000 Euro veranschlagt, rechnet Hoffmann derzeit mit einem Drittel mehr. Zum Glück zahlt die evangelische Landeskirche von den 400.000 Euro zwei Drittel, weshalb sie auch in die Beschlüsse eingebunden ist. Der Rest sind Eigenmittel und Spenden. „Wir sparen seit zehn Jahren dafür“, macht der Pfarrer deutlich.

Deckenornamentik, Wände, Brüstung, Elektrik, Sandsteinboden und Bänke heißen die weiteren Schritte vor der geplanten Fertigstellung im Juni. Während der Bauzeit finden die Gottesdienste im evangelischen Gemeindehaus statt. Bei Bestattungen kann man in die benachbarte evangelisch-lutherische Kirche ausweichen.

Die evangelische Pfarrkirche wurde Anfang der 1880er Jahre anstelle eines älteren Vorgängerbaus aus lokalem Sandstein erbaut. Vorher stand an dieser Stelle etwa 500 Jahre lang eine Wehrkirche, die aufgrund Baufälligkeit aber abgerissen wurde. Es handelt sich um ein schmuckes neogotisches Bauwerk mit Querhaus und Polygonalchor, dessen spitzer Turmhelm aufgrund der Lage der Kirche im höchsten Teil des Unterdorfs weithin sichtbar ist, heißt es im Denkmalbuch. Im Bericht der Befunduntersuchung sind folgende zeitliche Einordnungen und Renovierungen aufgeführt: Juni 1882 bis September 1883 Bauzeit und Einweihung, ca. 1940 Renovierungsarbeiten während des 2. Weltkrieges, ca. 1960 oder 1963 Renovierung, danach Ausbesserungsarbeiten.

 

„Herr Kall“ hat noch lange nicht genug von der Hainbrunner Narretei

Rote Jacke, schwarze Hose, graubraunes Hemd, überdimensionale, farbig-karierte Fliege und schwarze Melone mit Band: So kennt man Karl-Heinz Werner seit Jahrzehnten. Gemächlich schlurft der Ober-Hainbrunner immer in die Bütt, um dann als „Herr Kall“ Geschichten, die das Leben schrieb, zum Besten zu geben. An diesem Wochenende beginnt im Odenwaldkreis wieder die heiße Sitzungszeit – nicht nur bei der Narrhalla, auch die anderen Faschingsvereine rüsten sich.

„Ich will den Leuten Freude bereiten“, erzählt Werner über seine Motivation, Jahr für Jahr in die Bütt zu steigen und auch nach 35 Jahren noch nicht „amtsmüde“ zu sein. „Die sollen Spaß haben“, betont er, ein wenig aus dem Alltag rauskommen. Zu diesem Zweck sammelt er das ganze Jahr über Ideen. „Wenn irgendwo ein Witz erzählt wird, schreibe ich den auf“, schmunzelt er. Immer nach dem Motto: „Worüber ich lachen kann, finden auch andere witzig.“ Dazu kommen Begebenheiten aus dem Ort.

Ganz von null startete man im kleinen Odenwald-Dorf vor dreieinhalb Jahrzehnten nicht ins närrische Abenteuer. „Wir waren früher immer mit der Clique auf Maskenbällen“, erinnert sich das Faschings-Urgestein. Dazu gab es Sketche beim Familienabend. Die entstanden nach dem Vorbild der SDR Radio-Sendung „Die Straßenkehrer“. Nach dem Besuch einer Sitzung der Hirschhorner Ritter sagten die Ober-Hainbrunner: „So etwas stellen wir auch auf die Beine.“

Gesagt, getan, doch aller Anfang war schwer: Vor allem in der damals noch viel kleineren Turnhalle. Die platzte aus allen Nähten, die Zuschauer drängten sich. Ausverkauft. Alle Karten gingen bereits im Vorverkauf weg, aber trotzdem standen noch Massen an Besuchern vor der Abendkasse, erinnert sich seine Frau Hildegard, die sich immer noch um den Kartenvorverkauf kümmert. Die heutige Bühne gab’s noch nicht. Wo heute Garderobe und Technik-Raum sind, zogen sich Männlein und Weiblein gemeinsam auf engstem Raum um.

In den folgenden Jahren wurden deshalb erst zwei, heute drei Termine daraus. Eines hat sich nicht geändert: Es heißt wieder ausverkauft. Dieses Mal „so schnell wie noch nie“. Was für Karl-Heinz Werner nahelegt, dass die Fastnacht im Finkenbachtal nach wie vor die Menschen anzieht. Wie damals, als alles begann.

Der Oberzent-Stadtteil entwickelte sich zur Hochburg der fastnachtlichen Umtriebe. 35 Aktive zählte die Narrhalla zu Beginn, heute sind es um die 120. Wenn Werner sieht, mit welchem Feuereifer die Kleinsten in der Minigarde dabei sind, weiß der närrische Rentner, dass sich die gelohnt hat. „Wir bieten der Jugend im Ort eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung“, freut er sich – wo sonst auf dem Land die Möglichkeiten eher begrenzt sind.

Die Bütt hatte es Karl-Heinz Werner gleich angetan. „Ich hatte nie Lampenfieber“, meint er. „Es hat mir schon immer sehr viel Spaß gemacht.“ Dabei ist er uneitel. „Wenn einer sagt, Karl, her uff“, dann würde er das auch tun. Doch bisher, lacht er, bekam der Büttenredner das noch nicht zu hören. Im Laufe der vielen Jahre verschlug es ihn auf viele befreundete Bühnen, so nach Erbach, Michelstadt oder Breitenbronn. In den vergangenen beiden Jahren tat der Faschingssenior bisschen langsamer. „Daheim ist es doch am schönsten“, lächelt er.

Was rät der Profi den Jungnarren, die den ersten Schritt in die Bütt wagen wollen? „Ruhe ist ganz wichtig“, sagt Werner. Außerdem sollte man sich nicht zwingen (lassen) und vom eigenen Vortrag überzeugt sein. Ein wenig Talent zur Selbstdarstellung ist auch nicht schlecht. „Man muss ein bisschen dazu geboren sein“, weiß er. Und natürlich Spaß an der Sache haben.

An die erste Narrhalla-Prunksitzung vor 35 Jahren erinnert sich „Herr Kall“ noch zurück, als wäre es gestern. „Der Elferrat bestand aus sieben Personen“, grinst er. Das Männerballett gab es schon, eine Garde, die Damengymnastik-Gruppe – und natürlich die Bütten. Seppl Denner trat gleich drei Mal auf, „Schakeline“ Ralph Volk war schon dabei, und er selbst führte auch durchs Programm.

Karl-Heinz Werner (71) hat es nicht weit zum Auftrittsort: Die Sporthalle Ober-Hainbrunn in der Neckarstraße liegt quasi schräg gegenüber von seinem Wohnhaus. Da geht er gerne mal zwischendurch nach Hause, wenn der eigene Auftritt noch bisschen auf sich warten lässt. Den 1972 gegründeten Sportverein (SV) leitete er ab 1976 36 Jahre als Vorsitzender. Nachdem 1984 dessen Narrhalla-Abteilung gegründet worden war, war er 29 Jahre lang deren Präsident, außerdem 23 Jahre Sitzungspräsident, bevor er dieses Amt an Sohn Andreas weitergab. Auch Sohn Carsten ist familiär närrisch vorbelastet. Er ist fester Bestandteil der Sitzungen und außerdem als Bauchredner unterwegs.