Projektierer machen in Oberzent viel Wind

Oberzent ist ein begehrtes Fleckchen für Windkraft-Projektierer. Die lassen sich auch nicht davon abschrecken, dass die Stadtverordneten-Versammlung dieses Jahr bereits klipp und klar deutlich machte, dass man keine riesigen Rotoren auf der Gemarkung haben möchte. Bürgermeister Christian Kehrer informierte auf der jüngsten Sitzung, dass derzeit vier Flächen im Fokus der Firmen sind: Katzenwinkel, oberhalb von Leonardshof, Hirschhorner Höhe und Finkenberg.

Seit März ist der Regionalplan Erneuerbare Energien Südhessen in Kraft, der die Windkraft-Ausschlussflächen definiert, erläuterte Kehrer. Der brachte dann auch Bewegung ins Gebiet Katzenwinkel, wo sich bisher die Stadt und der Projektierer Juwi beharkt hatten. Denn zwei der geplanten fünf Windräder liegen außerhalb des Plans.

Mit Juwi hatte es bereits einen Rechtsstreit über die Erschließung für deren bisheriges Vorhaben gegeben. Denn die Firma hatte der Stadt die Erschließungsanträge zur Unterzeichnung zugeschickt. Gegen eine solche wandten sich aber die Mandatsträger. Sie wollten die benötigten Flüchen nicht zur Verfügung stellen. Daraufhin folgte die Klage.

Da nun die beiden vorderen Windräder Richtung Etzean qua Regionalplan rausgeflogen sind, ist Oberzent-Gebiet in Gestalt von Grundstücken nicht mehr betroffen, so Kehrer. Die Folge: Der Projektierer zog seine Klage zurück, will aber, dass die Stadt die Verfahrenskosten trägt. Nicht mit uns, entgegnete diese, und beauftragte über ihr Anwaltsbüro, dass Juwi die Kosten tragen soll.

Die Erschließung wird jetzt wohl über Mossautal laufen, mutmaßte Kehrer, der damit rechnet, dass die Windräder weiter nach hinten Richtung dessen Gemarkung verlegt werden. Oberzent habe wenig Einfluss auf das weitere Geschehen. Man werde sich mit der Nachbargemeinde abstimmen, erläuterte er. Im vergangenen Jahr liefen 6000 Euro an Anwaltskosten auf, sagte er auf Nachfrage. Die Stadt will nun analog einer Anregung aus dem Gremium prüfen, ob diese Summe bei Juwi eingefordert werden kann.

Am Finkenberg tut sich ebenfalls etwas. Hier sind die Firmen Enercon und NWind an der Planung dran. Aktuell sind sieben Anlagen vorgesehen, frühere Planungen wurden zurückgenommen. Für den Wege- und Leitungsbau sollen 22 Flurstücke der Stadt in Anspruch genommen werden, teilte Kehrer mit. Da Oberzent hier – im Vergleich zum Katzenwinkel – nicht im Besitz der neben dem Weg liegenden Flächen ist, sieht der Bürgermeister Verhinderungschancen als gering an.

Die Erschließung soll seinen Worten zufolge von Airlenbach auf der Höhe Richtung Olfen laufen. Die Stadt bekäme für die Verlegung der Kabeltrasse einmalig 10.500 Euro, für die Zuwegung jährlich 10.200 Euro. Wie Kehrer mitteilte, sind Enercon und NWind sehr daran interessiert, das Projekt einvernehmlich mit Stadt und Bürgern zu realisieren. Deshalb gibt es auch das Angebot einer Vorstellung für die Öffentlichkeit. Der Magistrat beschloss, die Unterlagen der Stadtverordneten-Versammlung für eine kommende Sitzung zur Entscheidung vorzulegen.

Es dürfte sich um die gleiche Fläche wie die im (durchs Regierungspräsidium abgelehnten) Odenwald-Windkraftflächennutzungsplan handeln, antwortete der Bürgermeister auf eine Frage von Chris Poffo (ÜWO). Die Anzahl von möglichen Windrädern ist darin kein Thema, es wird nur das Gebiet ausgewiesen, erklärte er. Rüdiger Holschuh (SPD) befürchtete, dass bei dieser Dimensionierung außerhalb der Ortsbebauung die Windräder näher als einen Kilometer an manche Häuser heranrücken werden.

Beim Leonardshof ist die Stadt Grundstücksbesitzer. „Da haben wir das Heft in der Hand“, betonte Kehrer. Zum Vorhaben oberhalb von Rothenberg liegen der Stadt offiziell noch keine Infos vor. Allerdings weiß man, dass bereits Anwohner zwecks Grundstückverpachtung durch die Firma PNE angesprochen wurden.  Hier hat die Stadt keinen eigenen Besitz, um Windkraftanlagen zu verhindern, bedauerte das Stadtoberhaupt außer der moralischen Kompetente fehlende handfeste Einflussmöglichkeiten.

Trockenschwimmen ist angesagt

Die Oberzent-Freibäder bleiben in diesem Jahr zu: Die drei ehrenamtlichen Schwimmbad-Initiativen auf städtischer Gemarkung (Beerfelden, Finkenbach und Hetzbach) sehen sich personell nicht in der Lage, die Corona-Auflagen zu erfüllen. Von allen wird sehr bedauert, nicht öffnen zu dürfen. Eberbach, Erbach und Michelstadt lauten die Alternativen für Badefans.

Vor kurzem fand eine Sitzung mit Vertretern der Stadt statt. Darin wurde die in Hessen ab Monatsmitte mögliche Öffnung diskutiert. Allerdings unter großen, bis 16. August geltenden Auflagen, die den Knackpunkt bilden. Zum einen geht es natürlich um die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern. Zum anderen dürfen Sammelumkleiden von höchstens einer Person je angefangenen fünf Quadratmetern Grundfläche genutzt werden, soweit keine festen Trennvorrichtungen angebracht sind.

Außerdem muss der Zutritt ins Bad ohne Warteschlangen erfolgen. Die Betreiber müssen dazu ein Hygiene- und Zugangskonzept vorlegen und überwachen, das auch eine Reinigung der sanitären Anlagen und Umkleideräumlichkeiten in kurzen Intervallen vorsieht. Im Becken darf sich maximal eine Person je angefangener Wasserfläche von fünf Quadratmetern aufhalten.

Zum einen können die Ehrenamtlichen die Auflagen mit dem vorhandenen Personal nicht umzusetzen. Zum anderen signalisieren sie auch, dass sich „niemand die Konfrontationen bei der Umsetzung zumuten will“, wie es der Hetzbacher Walter Gerbig formuliert. Gekaufte (Jahres-)Karten für 2020 sollen nun ihre Gültigkeit für 2021 behalten. Wie es mit der Öffnung des Marbachstausees aussieht, klärt nach Auskunft von Bürgermeister Christian Kehrer derzeit der Wasserverband Mittlere Mümling.

„Wir bitten die Bürger um Verständnis“, sagt Ina Bottelberger vom Arbeitskreis Waldseebad, dass eine Öffnung der Bäder in den angrenzenden Städten leichter zu handhaben ist, weil Hauptamtliche dahinter stehen. „Wir haben uns gemeinschaftlich geeinigt, dass alle drei Bäder geschlossen bleiben“, erläutert sie. In Beerfelden wollen die Helfer nun Unkraut jäten, Büsche, Dornenhecken und Bäume zurückschneiden, „damit wir im kommenden Frühjahr keinen Urwald haben“.

„Die Grünanlage wäre gepflegt und betriebsbereit“, bedauert auch Christian Niesen vom Heimat- und Verschönerungsverein Finkenbach die fortwährende Schließung. Aber leider ist nur mit ehrenamtlichem Personal nichts zu machen. Die Helfer gehen nun daran, die Mängelliste zu aktualisieren und dann an die Stadt weiterzugeben. Dach abdichten, Wand verputzen oder Folie erneuern sind einige der Punkte, die vom Bauhof erledigt werden müssten.

Ähnlich in Hetzbach. Die Schwimmbad-Initiative will nun übers Jahr den Grünschnitt organisieren und die Wartungsarbeit für 2021 vorbereiten. Da ein Kiosk-Betreiber nach wie vor fehlte, hätte unter der Woche eine Person die Badeaufsicht übernehmen, die Eintrittskarten abreißen und die Hygienevorschriften überwachen müssen. Unmöglich, schildert Gerbig die Voraussetzungen

Mit leuchtendem Beispiel vorangehen

Zehn kleine Helfer haben sich jetzt in Finken-, Hinter- und Raubach auf den Weg gemacht, „gefahren“ von Ortsvorsteher Christian Niesen. Sie sollen dabei helfen, dass an neuralgischen Stellen langsamer gefahren wird. Hintergrund: Der Ortsbeirat schaffte vor kurzem aus deinem Budget zehn Streetbuddys an. Das Komplettpaket mit Schloss und Kette belief sich auf 450 Euro. Aufstellorte sind vor allem Buswartehäuschen, wo Kinder ein- und aussteigen, sowie Häuser, wo kinderreiche Familien wohnen.

Niesen informiert, dass die reflektierenden Figuren nicht stationär dort bleiben, sondern alle zwei Monate an andere Stellen kommen sollen. Damit will man einen Gewöhnungseffekt vermeiden. „Wir sind hinterher, dass sie immer woanders aufgestellt werden“, betont er. Die leuchtenden Freunde wurden von ihm festgekettet und angeschlossen, damit sie „uns nicht weglaufen“, meint er schmunzelnd.

Bei seiner Aktion erhielt Niesen viel positive Resonanz von den Bürgern. „Super“, war der Tenor. „Jetzt muss ich das Kettcar nicht mehr rausstellen“, sagte ein anderer. In Finkenbach stellte der Ortsvorsteher zwei Buddys etwa bei der Spedition Hotz oder Firma Baum auf. Richtung Hinterbach finden sich zwei Figuren an Häusern, wo viele Kinder wohnen, daneben weiter hinten am Bushäuschen und in Raubach am Ortseingang.

 

Finkenbach-Festival ist auf 2021 verschoben

Lange, ganz lange warteten die Macher des Finkenbach-Festivals, ob sich die wegen der Corona-Pandemie verhängten Auflagen noch lockern würden. Doch zwei Monate vor Veranstaltungstermin musste der ausrichtende FCF jetzt die Reißleine ziehen und das Traditionsevent am zweiten August-Wochenende absagen. Ein Trost für alle Fans: Es wird exakt mit der gleichen musikalischen Besetzung um ein Jahr auf 2021 verschoben. Die Karten behalten ihre Gültigkeit.

„Wir bedauern das sehr“, teilt der zweite Vorsitzende Armin Löffler mit. „Aber uns blieb keine andere Wahl.“ Man habe außerdem Gästen und Helfen Planungssicherheit geben wollen. Die Hoffnung auf weitere Lockerungen erfüllte sich letztendlich nicht so schnell wie es nötig gewesen wäre. Abstands- und Hygieneregeln, wie sie aktuell für Veranstaltungen in Hessen gelten, „können wir nicht erfüllen“, bedauert Löffler.

Im Jahr 1 nach dem Neustart unter Regie des Fußballclubs hatten die Macher ein besonders attraktives und umfangreiches Programm zusammengestellt. Zwölf Bands statt bisher zehn in den Vorjahren sollten an zwei Tagen den Fans im idyllischen Tal beim „Woodstock des Odenwalds“ einheizen. Gebucht wurden sie von Bernd Magin.

Ein Name steht dabei für Krautrock pur: „Kraan“. Die alten Recken, schon mehrfach aufgetreten, hätten auch wieder ihre Instrumente erklingen lassen. „Arthur Kay & The Clerks“ oder „Thorbjørn Risager & The Black Tornado“ sind ähnliche klangvolle Namen, auf deren Auftritt die Festival-Besucher nun ein Jahr länger warten müssen. „Riddim Posse“ und der letztjährige Kracher „Alex Auer & The Detroit Blackbirds“ halten die lokale Fahne hoch.

Neu dabei (wären gewesen und jetzt in 2021): „Leadbelly Calls“, die Band von Timo Gross und Adax Dörsam (der greift auch bei Alex Auer als Gast in die Saiten). Die beiden veröffentlichen dieses Jahr ihr Album in Reminiszenz an den legendären Bluesmann Huddie Ledbetter aus Louisiana, besser bekannt als „Leadbelly“.

Sechs weitere Bands trommelte Magin für das Wochenende zusammen, die 2021 im 450-Seelen-Dorf zwei Tage lang für ausgelassene Stimmung und einen Hauch von Odenwald-Woodstock sorgen werden. Darunter auch die „Grandsheiks“ mit ihren Frank-Zappa-Covers. Sie werden seit vielen Jahren für ihre Virtuosität und musikalische Vielseitigkeit gelobt.

Im Vorfeld der Absage liefen bereits Gespräche mit den teilnehmen Gruppen. Die Bands „kennen das leider schon“, weist Löffler auf die vielen Stornierungen von Musikveranstaltungen hin. Sie sagten durch die Bank weg fürs kommende Jahr zu, wenn dann ebenfalls am zweiten August-Wochenende das Finkenbach-Festival 2.0 stattfindet. 1977 ins Leben gerufen, gab es in den bisherigen 43 Jahren bereits zwei Mal Unterbrechungen, sodass die jetzige Veranstaltung erst die 38. gewesen wäre.

„Die Entscheidung fiel uns im Vorstand nicht leicht“, erläutert Löffler. Doch sie musste diese Woche getroffen werden. „Wir konnten leider nicht anders.“ Für den Verein bedeutet die Absage einen herben wirtschaftlichen Verlust, denn das Festival war die Haupteinnahmequelle übers Jahr hinweg. „Wir müssen jetzt sehen, wie wir über die Runden kommen“, erklärt der zweite Vorsitzende. Sollten ab September Lockerungen kommen, kann es sich der FC gut vorstellen, „spontan was Kleines zu veranstalten“. Auch mit Musik, aber eben nicht in diesen Dimensionen wie das Festival.

Gerade als der FC im März so richtig in die Bewerbung gehen wollte, schlug Corona zu. Danach lag erst einmal alles auf Eis. Orga-Pläne, wer was macht, lagen schon in der Schublade – und müssen dort nun ein Jahr bleiben. Da der Verein aufgrund der vielen Veranstaltungsjahre sehr routiniert in der Ausrichtung ist, hätte man auch noch zwei Monate vorher in die Vollen gehen können. Aber es sollte nicht sein.

„Wir haben nur aus Zwang gehandelt“, macht Löffler klar, dass eigentlich keiner darauf verzichten wollte. Denn nun ist das August-Wochenende leer. Was er dann macht? „Ich werde auf dem Balkon sitzen, runterschauen und bedauern, dass nichts stattfindet“, meint der Mit-Organisator.

Info: Die für dieses Jahr gekauften Tickets sind auch in 2021 gültig. Der FC bittet Besucher, sie zu behalten und kommendes Jahr wiederzukommen. Ist das nicht möglich, kann eine Rückgabe an der jeweiligen Vorverkaufsstelle erfolgen. Mehr unter http://www.finkenbach24.de

Der Trend geht zur Urne

Das Urnengrabfeld auf dem Sensbacher Friedhof wurde endlich angelegt, freut sich Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann über den Baufortschritt in Corona-Zeiten. In den drei Orten des früheren Sensbachtals muss jetzt die Möglichkeit einer Urnenbestattung besser bekannt macht werden, schätzt Kuhlmann. Denn bisher wurde diese Bestattungsform seiner Kenntnis nach noch nicht so stark nachgefragt, wie es anderswo der Fall ist. Des Öfteren wird inzwischen keine Erdbestattung mit Sarg mehr gewünscht. Auch ist ein Urnengrab viel günstiger als die „Standard-Variante“.

Auf dem bestehenden Urnengrabfeld (Urnengräber mit Grabeinfassungen und Grabsteinen) des Sensbacher Friedhofs auf der Höhe stehen aktuell noch etwa 20 Grabstellen zur Verfügung, weiß der frühere Bürgermeister Egon Scheuermann. „Es bietet sich aber an, auf der nördlichen Seite des neuen Urnenfeldes ein weiteres anzulegen“, erklärt er. Damit könnte die Wiesenfläche mit den Urnengrabstellen integriert und eingerahmt werden.

Das neue Urnenfeld (Urnen in Wiese eingelassen) hat 120 Grabstellen, erläutert er. Hinter jeder Steinanordnung sind 30 Urnengrabstellen vorgesehen. Die Namensschilder werden an der großen Säule angebracht (in jeweiliger Ausrichtung auf die beigesetzte Urne). An den Steinanordnungen können auch Blumen und Gestecke abgestellt werden, ebenso in Ausrichtung auf die beigesetzte Urne. Um die hohe Säule wird noch eine Bank angeordnet.

Die Steinanordnungen auf dem Sensbacher Friedhof wurden von der Firma Tobias Kabel aufgestellt, weiß Scheuermann. Die Sandsteinsäule, die Zuwege und die Wiesenflächen wurden durch den städtischen Bauhof sehr schön und sinnvoll angelegt, beobachtete er. Die äußeren Steinsäulen wurden bereits zu Zeiten der Gemeinde Sensbachtal fertiggestellt.

Auf dem Hebstahler Friedhof ist das neue Urnenfeld unterhalb des Weges ist für etwa 22 Urnengrabstellen (bis zu zwei Urnen je Grabstelle) vorgesehen, tat sich hier bereits im vergangenen Jahr etwas. Auch hier ging der Oberzent-Bauhof zu Werke. „Das wurde sehr schön angelegt“, ist die einhellige Meinung von Kuhlmann und Scheuermann

Aktuell wird auf den vielen verschiedenen Friedhöfen der Oberzent-Stadtteile ausgelotet, welche Möglichkeiten es für alternative Bestattungsformen gibt, weil die Nachfrage danach immer mehr wächst. So wurde etwa auch in Finkenbach ein Bereich für eine pflegefreie Erdbestattung ausgedeutet. Am Gammelsbacher Friedhof wurde vom Bauhof der alte Kompostplatz abgerissen und dadurch das Urnenfeld erweitert. Der Abfall wird jetzt über zwei Container, die an der alten Einsegnungshalle stehen, vom Bauhof entsorgt, informiert Ortsvorsteher Konrad Helm.

Neue Brücke soll bald fertig sein

Die Zeit der Brückenbaustelle geht in Finkenbach langsam, aber sicher zu Ende. Ortsvorsteher Christian Niesen rechnet damit, dass noch im Juni die Fertigstellung erfolgt. Das wäre nur knapp einen Monat hinter dem im vergangenen Jahr avisierten Zeitplan. Die parallel verlaufende Behelfsbrücke an der Strecke Richtung Hinterbach wurde zwischenzeitlich schon abgebaut. Der Verkehr läuft derzeit einspurig mit Ampelregelung über das neue Bauwerk.

Eine Seite ist bereits frisch geteert, die andere wird gerade gepflastert, damit danach die Asphaltschicht draufkommt. Die Kreisstraßen-Brücke bedeutet neben den Anwohnern auch für den Schwerlastverkehr eine wichtige Ost-West-Verbindung ins Hinterbachtal. Laster, die die Odenwaldquelle ansteuern, haben keine Alternative, denn die Strecke von Ober-Schönmattenwag über die Raubach ist für Lkw gesperrt. Deshalb auch die Ersatzbrücke. Die neue Brücke entstand in der gleichen Größe wie die bisherige.

Auf der K 37 erfolgte ein Neubau anstelle der stark geschädigten Bachbrücke. Hierfür wurde für die Zeit der Bauarbeiten zunächst eine rund 100 Meter lange, einspurige Umfahrung mit Behelfsbrücke hergestellt. Der unter dem Bauwerk fließende Falkengesäßer Bach wurde mittels Verdolung umgeleitet. Zum Schutz der Fische erfolgte zudem eine Elektrobefischung sowie der Einbau eines ökologischen Schutzzaunes. Anschließend wurde die 1960 erbaute Stahlbetonbrücke vollständig abgebrochen.

Die neue Brücke wird als Stahlbetonbrücke in Ortbetonbauweise hergestellt. Die Gründung erfolgte auf Bohrpfählen. Die Kosten der Maßnahme belaufen sich – Stand Baubeginn – auf rund 781.000 Euro und werden vom Odenwaldkreis getragen. Das Land Hessen unterstützt ihn im Rahmen der Verkehrsinfrastrukturförderung mit einer Zuwendung von rund 80 Prozent der Gesamtkosten.

Wenn die Brücke fertig ist, will sich der Ortsbeirat darum kümmern, dass dort auch wieder Blumenkästen hängen. Neue Halterungen wurden bereits in Auftrag gegeben. Vor den Bauarbeiten musste im Herbst das Schachfeld auf der anderen Bachseite Richtung Feuerwehrhaus abgebaut werden. Es soll seinen neuen Platz am Schwimmbad finden, wo bereits Spielplatz und Tischtennisplatte sind. „Der Bauhof muss noch baggern“, werden die Arbeiten laut Niesen bald angegangen.

Der Ortsbeirat schaffte vor kurzem zehn Streetbuddys an, informiert Niesen über die Tätigkeit des Gremiums in der sitzungslosen Zeit. Acht davon sollen in Finken-, Hinter- und Raubach aufgestellt werden, zwei behält man auf Lager. Aufstellorte sind vor allem Buswartehäuschen, wo Kinder ein- und aussteigen, sowie Häuser, wo kinderreiche Familien wohnen.

Der Ortsvorsteher kündigt an, dass die reflektierenden Figuren nicht stationär dort bleiben sollen, sondern alle zwei Monate an andere Stellen kommen. „Wir sind hinterher, dass sie immer aufgestellt werden“, erläutert er. Außerdem werden die leuchtenden Freunde festgekettet und angeschlossen, damit sie „keine Beine bekommen“.

 

 

Weckruf für den Gartenschläfer

Hessen sucht den Gartenschläfer. Dahinter verbirgt sich nicht der schnarchende Nachbar in seiner Liege, sondern ein kleiner, mausähnlicher Nager. Auch im Finkenbachtal will man nach diesem scheuen Bilch (eine Familie aus der Ordnung der Nagetiere) fahnden, der nachgewiesenermaßen bei Wiesbaden stark verbreitet ist. Die gerade ausgezeichnete „Spurensuche Gartenschläfer“ fand bei Ortsvorsteher Christian Niesen Widerhall, der mit ein paar Freiwilligen Spurentunnel ausbrachte.

Zeitgleich mit der Auszeichnung startet in Finkenbach ein neuer Versuch, dem Gartenschläfer auf die Spur zu kommen. Von den Projektexperten, zu denen neben den Aktiven des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auch die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung zählen, wurde ein Abschnitt des Finkenbachtals als „verdächtig“ ausgedeutet, in dem nun eine neue Suchaktion beginnt. Mit Zustimmung der Forstverwaltung wurde eine standardisierte Untersuchungsstrecke installiert. Diese wird von freiwilligen Helfern in den kommenden Monaten betreut.

Die wohl einfachste Methode, um den Gartenschläfer nachzuweisen, ist der sogenannte „Spurtunnel“. Dabei handelt es sich um ein Plastikrohr, das neben einem weißen Papier auch „Tinte“ (bestehend aus Aktivkohle und Olivenöl) enthält und an Ästen befestigt wird. Geht der Nager durch den Tunnel, hinterlässt er Spuren, die gut von denen anderer Kleinsäuger unterschieden werden können. Einen Köder braucht es nicht, da der Gartenschläfer sehr neugierig ist.

25 Spurtunnel wurden von den vier Ehrenamtlichen im Finkenbachtal unterhalb der Ortsmitte Richtung Ober-Hainbrunn ausgebracht – auf einer Strecke von 500 Metern alle 25 Meter einer. Sie werden alle zehn Tage kontrolliert, erläutert Niesen. Sollte man verdächtige Spuren finden, „dann installieren wir dort Wildkameras“, erklärt er. Damit die Helfer wissen, wer wer ist, bekamen sie Schaublätter, um die Spuren zuordnen zu können.

Niesen wertet das Projekt als „sehr interessant in Bezug auf den Naturschutz vor Ort“. Denn im Finkenbachtal ist so einiges zu Hause, was anderswo selten ist. Ein Biber hat sich oberhalb der Fischteiche angesiedelt. „Solange das Schwimmbad zu ist, habe ich Zeit“, schmunzelt der Ortsvorsteher. Die Suche nach dem kleinen Nager in Oberzent ist allerdings „ein Versuch ins Blaue“, weiß er. Einen konkreten Verdacht auf ein Vorkommen gibt es nicht.

Im Odenwaldkreis wurde im vergangenen Sommer in der Güntersfürst drei Monate nach dem kleinen Bilch gefahndet. Hier ist letztmalig im Kreis vor Jahren ein Nachweis der Art bekannt. Der Gartenschläfer ist ein kleiner Verwandter des Siebenschläfers, dessen Bestände in kurzer Zeit vielerorts dramatisch zurückgegangen sind. Warum, ist bislang noch unklar.

Deshalb haben sich Naturschutz und Forschung auf Spurensuche begeben. Ihr Ziel: Es soll nicht noch ein Teil unserer biologischen Vielfalt verloren gehen. Gefördert wird das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.

Der Gartenschläfer soll als Tierart vor unserer Haustür – für deren Schutz jede und jeder etwas tun kann – bekannter werden. „Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für den Gartenschläfer, da ein Großteil seines Verbreitungsgebiets bei uns liegt“, erklärt Susanne Schneider, Projektkoordinatorin für die Spurensuche Gartenschläfer in Hessen. In der „Meldestelle Gartenschläfer“ unter www.gartenschlaefer.de sind bereits mehr als 1500 Hinweise zusammengekommen, davon fast 500 in Hessen.

Info: Die „Spurensuche Gartenschläfer“ des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wurde als „Projekt der UN-Dekade für Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Die Jury lobt besonders, wie die Öffentlichkeit für diese kleine Tierart mitgenommen wurde – durch Medienarbeit sowie durch zahlreiche Mitmachangebote. Wiesbaden ist die „Gartenschläfer-Hauptstadt“ – hier hat der kleine Nager sogar den Hauptbahnhof bezogen. Südlich des Mains kommt der Gartenschläfer im Landkreis Groß-Gerau vor, aus dem Odenwald gibt es einzelne Nachweise. Auch aus den Randgebieten Frankfurts und dem Maintal gibt es Meldungen. Aus dem restlichen Hessen sind Nachweise spärlich und veraltet. Mehr unter www.gartenschlaefer.de

 

Gartenschläfer-Bild: Jiří Bohdal/BUND

Freibadsaison in Oberzent könnte ins Wasser fallen

Die Freibadsaison droht coronabedingt ins Wasser zu fallen. Denn normalerweise starten in diesen Tagen die Vorbereitungen, damit die drei Bäder Mitte bis Ende Mai öffnen können. Doch das öffentliche Leben ist lahmgelegt – keiner weiß wie lange. Durch die Begrenzung von Menschenansammlungen auf zwei Personen ist es unmöglich, gemeinsame Arbeitseinsätze zu koordinieren. Somit stockt alles.

Genau das ist aktuell das Problem des Vereins Waldseebadbad Beerfelden, der in den Vorjahren meistens rund um Ostern mit etlichen Helfern begann, das über 80 Jahre alte Freibad wieder herzurichten. „Arbeitseinsätze dürfen nicht stattfinden“, bedauert die Vorsitzende Ina Bottelberger. „Uns bleibt also nichts anderes übrig als abzuwarten“, meint sie fatalistisch.

Plan B der Ehrenamtlichen, wenn die Beschränkungen noch länger dauern sollten, aber noch vor Beginn der Saison enden: „Dann spritzen wir eben nur das Becken aus.“ Das würde als Notmaßnahme reichen, um zumindest öffnen zu können. Jedoch steht alles in den Sternen. Es weiß derzeit niemand, ob in Beerfelden im Sommer draußen gebadet werden kann.

Das 50 Meter lange Becken hat einen Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich sowie ein Ein-Meter-Sprungbrett und einen Drei-Meter-Sprungturm. Es gibt eine große Liegewiese mit drei Holz-Sonnendecks, Babybecken, Schaukel und Rutsche, Sandkasten, Beach-Volleyballfeld, schattige Ruhebänke im Wald sowie einen Kiosk mit gemütlicher Sonnenterasse.

Am Finkenbacher Freibad setzen die Aktiven des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV) derzeit auf Einzeleinsätze. „Der Rasen wird gemäht, die Maulwurfhügel werden plattgemacht, der Kiosk geputzt“, berichtet Vorsitzender Christian Niesen. Man will keine Zeit verlieren. Ihm ist aber klar, „dass wir abwarten müssen“. Er rechnet nicht damit, „dass wir Anfang Mai aufmachen“.

Im 1933 gebauten Freibad gibt es ein Schwimmerbecken mit 25 auf 12,5 Meter und einer maximalen Tiefe von 1,90 Metern. Das Kinderbecken hat einen Durchmesser von etwa sechs Metern. In den vergangenen Jahren wurde viel saniert. Gleich neben dem Eingang erhielt die Sitzecke für Stammgäste einen festen Untergrund. Die vier Metallpfosten des Sonnensegels bekamen ein gemauertes Fundament. Neben der Fliesenumrandung des Kinderbeckens wurde auch die Randfolie erneuert. Vom HVV wurden sämtliche Bänke und Tische frisch gestrichen und marode Holzlatten ersetzt.

Ähnliche Unsicherheiten gibt es ebenfalls bei Schwimmbad-Initiative Hetzbach. „Pflegemaßnahmen von Bäumen und Rasen  finden statt“, berichtet Walter Gerbig. „Natürlich einzeln oder zu zweit mit  den erforderlichen Abständen“, betont er. Um hinzuzufügen: „Im Bad ist ja genug  Platz.“ Die Aktiven wollen die Entscheidung der Verantwortlichen im Bund am 20. April abwarten, ob die derzeitigen Beschränkungen gelockert werden.

„Sollten wir grünes Lich  bekommen und soziale Kontakte wieder möglich  sein“, sieht der Ablauf laut Gerbig wie folgt aus: Reinigung des Bads an einem Wochenende und Einlassen des Frischwassers. Nach fünf Tagen ist das Becken voll und der Badebetrieb könnte starten. „Wir sind aufgrund der jahrelang geübten Tätigkeiten besonders flexibel“, hebt er hervor. Der Dienstplan der Badeaufsichten wird dann ab dem geplanten Öffnungstag bis Saisonende  erstellt. Es könnte aber in Zeiten von Corona auch die Entscheidung fallen, dass die öffentlichen Bäder neben weiteren öffentlichen Einrichtungen geschlossen bleiben, befürchtet der Hetzbacher.

Im Stadtteil gibt es ein solarbeheiztes 25-Meter-Becken mit Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich, außerdem noch ein Babybecken. Sonnenliegen direkt am Schwimmbecken, eine Liegewiese mit Sonnensegel, ein Liegehügel, Sitzmöglichkeiten auf der gesamten Rasenfläche und ein Kiosk mit Terrasse runden das Angebot ab.

 

Info: Einen Überblick mit Verlinkungen zu den jeweiligen Bädern bietet die Webseite der Stadt Oberzent: http://www.stadt-oberzent.de/stadtleben/kommunale-einrichtungen/schwimmbaeder/

Einkaufsservice für die Bürger im Finkenbachtal

Wenn das Leben nicht seinen geregelten Gang geht, Corona-Chaos herrscht und manche Menschen in Not geraten, dann steht die Dorfgemeinschaft ihren Mann. Auf dem Land ist man eben füreinander da. Die Ortsbeiräte aus Ober-Hainbrunn, Falken-Gesäß, Finkenbach, Hinterbach und Raubach haben sich in diesem Sinne zusammengetan und einen Einkaufsservice für die Bürger auf die Beine gestellt.

„In der aktuellen Situation sind Mitmenschen auf unsere Hilfe angewiesen“, betont der Finkenbacher Ortsvorsteher Christian Niesen. Denn die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Leute ein. Es gibt seines Wissens zahlreiche Personen, die kein Auto besitzen. Dazu kommen auch Ältere und Personen mit Vorerkrankungen, die es aktuell meiden sollten, in die Öffentlichkeit zu gehen. „Mit unserem Einkaufservice wollen wir aus Solidarität in Zeiten der Corona-Pandemie genau diese gefährdeten Gruppen unterstützen“, erläutert Niesen.

Die Idee zur Hilfsaktion hatte der Finkenbacher Ortsbeirat Patrick Löffler. „Wir sollten das nicht allein machen, sondern das gesamte Tal mitnehmen“, war der Tenor im Oberzent-Stadtteil. Deshalb wurden kurzfristig die Ortsbeiräte in Falken-Gesäß und Ober-Hainbrunn abgefragt, ob sie dabei sind. Das Ja, mitgeteilt über die Ortsvorsteher Stefan Hofmann (Ober-Hainbrunn) und Manuel Schwinn (Falken-Gesäß), war nur Formsache.

„Wer Hilfe beim Einkaufen benötigt, wendet sich bitte an unsere Koordination“, schildert Niesen das Vorgehen. Er besprach übers Wochenende einen Anrufbeantworter, der ab sofort unter Telefon 06068/478016 erreichbar ist. Dort können die Bürger ihren Namen und ihre Nummer hinterlassen. „Sie werden dann zurückgerufen und die Bestellung wird aufgenommen“, sagt Niesen.

Die eingegangenen Einkaufswünsche werden danach an die zuständigen Ortsvorsteher weitergeleitet, die regional ihren Einkaufsservice koordinieren, erklärt der Finkenbacher. „So besteht für jeden die Möglichkeit, sich mit neuen Lebensmitteln einzudecken.“ Doch nur mit dem Einkaufen ist es nicht getan. „Wir wollen auch abfragen, ob die Leute einsam sind und vielleicht ein erhöhter Kommunikationsbedarf besteht“, erläutert er die Beweggründe.

Sollte sich das herausstellen oder sich ein Gespräch Richtung Seelsorge entwickeln, dann wird mit Einverständnis der Anrufer ihr Kontakt an die Stadt Oberzent weitergegeben. Dort ist ebenfalls eine Hotline unter 06068/7590-999 geschaltet. Diese ist montags bis freitags von 8 Uhr bis 18 Uhr besetzt. In Absprache mit der Generationenhilfe „werden wir in unserer Stadt niemanden alleine lassen“, verspricht Bürgermeister Christian Kehrer.

Die drei Ortsbeiräte „wollen die Bürger im Tal absichern“, so Niesen. Senioren, die in Zeiten der Krise von zuhause nicht wegkommen, sollen versorgt werden. In einem ersten Schritt will man den Bedarf ermitteln, so der Ortvorsteher. Je nach Resonanz werden die Einkäufe erledigt. Sollte viel reinkommen, dann wird es extra Touren geben, wenn es nur vereinzelte Anrufe gibt, dann laufen diese Einkäufe bei den etatmäßigen Besorgungen mit, die sowieso immer mal anstehen.

 

Einkaufs-Hotline der Orte Ober-Hainbrunn, Falken-Gesäß, Finkenbach, Hinterbach und Raubach mit Anrufbeantworter: 06068/478016

Getränkebestellungen ab einer Kiste übernimmt der Heimlieferdienst der Firma Gerd Koch in Ober-Hainbrunn, Telefon 06275/619. Liefertermin immer mittwochs.

Hotline der Stadt Oberzent: 06068/7590-999

 

Oberzent-Farbenzwerge sind in Deutschland spitze

Die Kleintierzucht liegt Walter Braner in den Genen. Sein Opa war 1916 Mitbegründer des später unter den Nazis aufgelösten Kaninchenzuchtvereins Hirschhorn. Den damaligen, 94 Jahre alten Wimpel, hält der Enkel in Ehren. Der Vater züchtete Kaninchen und Geflügel beim Kleintierzuchtverein Eberbach und war 1966 Gründungsvorsitzender in Hirschhorn. Walter Braner schließlich blickt bereits auf eine 61-jährige Züchterkarriere zurück, die er gerade vor kurzem wieder mit einem deutschen Meistertitel krönte.

Farbenzwerge thüringerfarbig nennen sich die possierlichen Kaninchen, denen sich der gebürtige Hirschhorner und heutige Finkenbacher seit 2005 widmet. Thüringer und Weißgrannen waren es zuvor, nachdem Braner, beeinflusst durch den Vater, 1959 Mitglied im Kleintierzuchtverein C 248 Eberbach wurde. 1966 war er mit Gerhard Ahlers Gründungsmitglied beim Kleintierzuchtverein C 227 Hirschhorn, der wie die anderen Vereine in der eigentlich hessischen Stadt im Badischen organisiert ist.

Der von 1975 bis 1998 andauernden Züchterpause aus beruflichen und familiären Gründen schloss sich 1999 der Wiedereinstieg in Hirschhorn an. Seitdem ist er Züchter und Kassierer. Der Oberzent-Stadtrat ist als Aussteller auf örtlichen Jungtier- und Lokalschauen, auf allen Landesschauen in Baden und den meisten Bundesschauen aktiv.

Seine Tiere sind oberhalb des Hauses untergebracht. „Die mögen alles außer Zucchini und Gurken“, weiß der Züchter aus Erfahrung. Vor die Gitter der Ställe hat er auf einer Seite Sperrholzbretter dagegen genagelt, damit die Tiere einen Schutz haben, wenn der Marder vorbeischauen sollte. „Sonst werden die absolut panisch und verletzen sich“, erzählt er.

Kleintierzüchter sind heutzutage eine aussterbende Spezies. In früheren (Hoch-)Zeiten waren es in Hirschhorn um die 20 Aktive, heute gerade noch drei oder vier. Die Lokalschau ist deshalb nicht mehr durchführbar, das Vereinsheim soll demnächst an die HCV-Fastnachter verkauft werden. Braner bedauert das alles sehr.

Seine Farbenzwerge werden erst seit den 1960er Jahren gezüchtet, erläutert er. Denn vorher widmete man sich den Tieren, „um was für die Pfanne zu haben“. Dieser Aspekt ging jedoch in den vergangenen Jahren stark zurück. So entstand quasi von allen Kaninchenrassen im Laufe der Zeit eine Zwergvariante. Deren Anteil auf den Ausstellungen wird immer größer.

Nicht nur väterlicherseits ist ihm die Beschäftigung mit den Tieren in die Wiege gelegt. Braners Mutter stammt von einem Bauernhof in Kocherbach, wo es natürlich auch an allen Ecken wuselte. „Die Bienentradition hat ein Cousin in Heiligkreuzsteinach übernommen“, schmunzelt er. Für den begeisterten Züchter war es selbstverständlich, nach der Pause wieder einzusteigen. „Der Reiz war immer groß“, sagt er. Züchterisch zu experimentieren und auf Ausstellungen zu gehen macht ihm Spaß.

Es gibt 64 verschiedene Kaninchen-Grundrassen mit vielen Farbausprägungen, weiß der Fachmann. Allein von den Farbenzwergen existieren 54 Farbschattierungen. Seit Braner 2011 von der allgemeinen In die Herdbuch-Abteilung wechselte, ist er damit fast ein Exot. 28.000 Tiere wurden auf der 34. Bundeskaninchenschau in Karlsruhe ausgestellt, gerade mal 60 in seiner Klasse. Die Schau-Vorbereitung nimmt einige Zeit in Anspruch, denn die Kaninchen gilt es ganz genau anzuschauen. Dienstag werden die Tiere hingebracht, Mittwoch und Donnerstag begutachtet, ehe dann die Käufer aus vielen europäischen Ländern kommen.

Aktuell hat der Finkenbacher 14 junge und 14 ältere Tiere hinterm Haus. Es können dann je nach Nachwuchs bis zu 40 werden. Herdbuch bedeutet dann, dass es zwar weniger „Mitbewerber“, aber strengere Vorschriften gibt, was die Sammlung angeht. Braner muss acht statt vier Tiere melden, die alle vom gleichen Vater abstammen. Sein alter Stammrammler „deckt neun verschiedene Häsinnen“, erläutert er. Der ist bestimmt Vater von 20 Würfen, schätzt der Züchter.

 

 

Werden die Kaninchen nicht bei der Ausstellung gekauft, dann können sich die Käufer die Tiere auch per Spedition schicken lassen. Bis Anfang der 1970er Jahre, erinnert sich Walter Braner, gab es für die Versendung noch eine andere Methode: Da ging der Züchter mit einer Apfelsinenkiste und dem tierischen Inhalt an den Hirschhorner Bahnhof, von wo aus sich der Vierbeiner dann als Expressgut auf den Weg zum neuen Besitzer machte. Das Ganze per Nachnahme, was für den Verschicker eine große Sicherheit bedeutete.

Finkenbach-Festival kommt in die PinVisit-App

Der Ortsbeirat will mit seinem Budget zehn sogenannte „Streetbuddys“ anschaffen, reflektierende Kinderfiguren, die Autofahrer zum Abbremsen an den Ortseingängen bringen sollen. Zusammen mit Schlössern und Ketten beläuft sich die Ausgabe auf 500 Euro, lautete die Mitteilung auf der vergangenen Sitzung des Gremiums für die drei Orte mit dem „Bach“ im Namen, Finken-, Rau- und Hinterbach. Zum Einsatz kommen sollen die Aufsteller abwechselnd an den Ortseingängen und Bushaltestellen der Dörfer.

In die lokale Veranstaltungs-App „PinVisit“ eines Eberbacher Startups sollen verschiedene Veranstaltungen eingepflegt werden, teilte Ortsvorsteher Christian Niesen mit. Schwimmbad-Eröffnungs- und Abschlussfest übernimmt die Stadt. Feuerwehr-Grillnacht und -Weinfest, Finkenbach-Festival, FC-Oktoberfest und der Winterzauber der Dorfgemeinschaft werden über den Ortsvorsteher erledigt, der dafür die Daten von den Vereinen benötigt.

Niesen berichtete über die Vortragsreihe im Winter. Es gab verschiedene Aktivitäten, so etwa einen Dia-Abend in der Sporthalle mit 70 Teilnehmern. Auch die Hygieneschulung im Feuerwehrhaus war mit 30 Gästen gut besetzt. Der Erste-Hilfe-Kurs zog 14 Interessierte an. Aufgrund des großen Interesses soll der Dia-Abend wiederholt werden. Weitere Termine mit verschiedenen Themen sind in Planung, informierte der Ortsvorsteher.

Der Ortsbeirat verabschiedete darüber hinaus verschiedene Vorschläge einstimmig. Zwei Mal drehte es sich um die Auffüllung von Mutterboden, einmal beim Tretbecken Richtung Bach und einmal beim Kohlenmeiler-Gelände. Es handelt sich jeweils um zwei bis drei Tonnen. Da der Trend zu immer mehr anonymen und pflegefreien Bestattungen geht, regte das Gremium an, in Raubach und Finkenbach auf den Friedhöfen solche Möglichkeiten vorzusehen. Für Raubach soll außerdem geklärt werden, ob ein Friedwald möglich ist.

Weiter soll überlegt werden, hieß es aus der Runde, ob bei der Verlegung des Volleyballfeldes ein Ballfangnetz Richtung Schwimmbad errichtet wird. Das Feld befindet sich derzeit etwas versteckt auf der anderen Bachseite und ist pflegeintensiv. Vom neuen Platz erhofft man sich mehr Attraktivität. Daneben wurde bekannt, dass der Brunnen in der Hinterbacher Brunnengasse nicht mehr läuft. Bei einem Vor-Ort-Termin soll über seine Zukunft beraten werden.

Jugendfeuerwehr erstmals beim Landesentscheid

Das gab’s noch nie in 40 Jahren Jugendfeuerwehr Finkenbach: Die Staffel schaffte es zum Landesentscheid in Hünfeld und wurde dort Elfter. Neben dem Jubiläum an sich war dies dem Feuerwehr-Vereinsvorsitzenden Jens Schindler eine besondere Erwähnung wert. „In 40 Jahren wart ihr die ersten, die es soweit geschafft haben. Ich bin mächtig stolz auf euch“, so Schindler. Qualifiziert hatten sich die Finkenbacher Jugendlichen dafür durch den ersten Platz im Kreisentscheid im Hainstadt am Kreisjugendfeuerwehrtag.

Schindler erwähnte darüber hinaus die weiteren Aktivitäten im sehr erfolgreichen abgelaufenen Jahr. Besonders hervorzuheben waren das Theaterstück „Hannes und der Ourewäller Landrat“. Dieses Mal gab es die Stücke „Sellemols“ und „OZ“ zu sehen. Viele Interessierte Gäste kamen und es wurde ein schöner, lustiger Abend, freute sich Schindler. Er erwähnte außerdem das wiederkehrende Weinfest, die Teilnahme am Freiwilligentag des Odenwaldkreises sowie diverse Festbesuche befreundeter Wehren.

Wehrführer Fabian Sauter ging auf die Aktivitäten der Einsatzabteilung ein: Neun Mal mussten die Brandschützer ausrücken, davon unter anderem drei Mal zu einem Brand und zu vier technischen Hilfeleistungen. Er hob die Einsatzstärke tagsüber zur Arbeitszeit mit durchschnittlich zwölf Personen hervor. 44 Prozent der Einsatzabteilung sind Atemschutzgeräteträger, sagte er.

In 24 Übungen bereiteten sich die Kameraden auf den Ernstfall vor, davon 17 für die gesamte      Wehr und sieben weiteren etwa für Gruppenführer, Maschinisten und Atemschutzgeräteträger. Die durchschnittliche Beteiligung lag bei guten 16 Personen. Die Einsatzabteilung besteht derzeit aus 34 Personen (zwei mehr als 2018), die Jugendfeuerwehr aus sieben und die Alters- und Ehrenabteilung aus drei, erläuterte Sauter. 67 Prozent der Einsatzabteilung sind unter 35 Jahre alt, hob er hervor.

Für die Jugendfeuerwehr berichtete Fabienne Buchert von den vielfältigen Aktivitäten. Die Wintermonate dienten der theoretischen Ausbildung. Gerätekunde, Knoten und Stiche sowie Wettkampftheorie wurden behandelt. Sechs Jugendliche erhielten die Leistungsspange. Bucherts Nachfolger Adrian Kruppa bedankte sich beim Betreuerteam für die Unterstützung und für das Vertrauen in seinem ersten Jahr als Jugendfeuerwehrwart.

In Vertretung von Uwe Katzer verlies Alexander Volk den zusammengefassten Bericht über die Einnahmen und Ausgaben des abgelaufenen Jahres. Seitens der Kassenprüfer bescheinigte Rüdiger Seip dem Rechner die einwandfreie Kassenführung. Auf Antrag wurde dem Kassier und dem gesamten Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Gleiches geschah für die Jugendwehr. Petra Lilienkamp wurde einstimmig zur neuen Kassenwartin gewählt.

Bürgermeister Christian Kehrer würdigte die Erfolge der Jugendfeuerwehr. Er dankte für die Unterstützung der Finkenbacher Brandschützer bei der Feuerbekämpfung in der Kita Rothenberg vor einem Jahr. Stadtbrandinspektor Marco Johe würdigte die Arbeit aller Gruppen der Feuerwehr Finkenbach und der Voraushelfer. Grußworte sprach auch der stellvertretende Stadtjugendfeuerwehrwart Florian Füllöp.

 

Beförderungen: Gina Lilienkamp (Feuerwehrfrau), Robert Falk (Feuerwehrmann), Marcel Jung (Oberfeuerwehrmann), Christian Heckmann (Löschmeister), Angelo Helm (Oberlöschmeister), Fabian Sauter (Brandmeister)

Häufigste Übungsteilnahme: Paul Schmidt (15), Alexander Volk und Rüdiger Seip (je 16)

 

Kindergartenbus gehört der Vergangenheit an

Den bisherigen Rothenberger „Kindergartenbus“ gibt es ab Ende des Jahres nicht mehr. Die Stadtverordneten entschieden sich auf der vergangenen Sitzung mehrheitlich, das Angebot nicht mehr fortzusetzen. Als Gründe wurden finanzielle und haftungsrechtliche Aspekte genannt. Mit dem Bus wurden die Kids aus Ober-Hainbrunn, Finkenbach und Kortelshütte zur Rothenberger Kita „Himmelsauge“ gebracht, wenn während der Schulferien die etatmäßigen Busse nicht verkehrten.

Schon einmal hatte sich die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr mit diesem Thema befasst, als es um die Einstellung in der Ferienzeit ging. Die wurde damals im Vorgriff vom Magistrat abgesegnet, aber von den Mandatsträgern bis zur Prüfung durch die Verwaltung aufgeschoben, wie eine künftige Regelung aussehen und ob der Bus weiterhin fahren könnte.

Bisher gab es in den anderen drei Gemeinden Hesseneck, Sensbachtal und Beerfelden keinen Ferienbusdienst. Aus Gleichbehandlungs- und Kostengründen hatte der Magistrat deshalb entschlossen, das Angebot in der Ferienzeit auch für Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Kortelshütte einzustellen. Das löste bei den betroffenen Eltern einen Proteststurm aus.

Die Verwaltung hatte über den Sommer eruiert, was eine Ausweitung dieses Angebots auf alle Stadtteile bedeuten würde. „Das wären Kosten von 22.100 Euro“, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Zum Vergleich: Die bisherige Rothenberger Variante kam auf 4100 Euro. Neben dem Geld gibt es aber einen anderen gewichtigen Hinderungsgrund. „Die Stadt wäre als Träger in der Haftung“, betonte er.

Zum einen bräuchten die Busse das nötige Equipment, um kleinere Kinder zu befördern, zum anderen wären Aufsichtspersonen notwendig. „Ohne ist ein Transport nicht möglich“, bekam die Stadt von der Unfallkasse signalisiert. Kinder bis zum zwölften Lebensjahr und kleiner als 1,50 Meter dürften nur befördert werden, wenn geeignete Rückhaltevorrichtungen und zusätzlich Kindersitze vorhanden sind.

Eine schriftliche Erklärung der Eltern, dass ihre Sprösslinge ohne Aufsicht mitfahren dürften, „befreit die Stadt nicht von ihrer Haftung“, bedauerte Kehrer. Der bisherige Betrieb, machte er deutlich, bewegte sich damit schon in einer Grauzone. Deshalb, so das Stadtoberhaupt, „ist es nicht möglich und nicht sinnvoll“, den Busdienst weiterzuführen. Derzeit nutzten fünf Kinder das Angebot.

Im Rahmen des Angebots „Garantiert mobil“ vom Odenwaldkreis entschied die Stadtverordneten-Versammlung bei 24- und drei Nein-Stimmen, den städtischen Zuschuss für die taxOMobil-Fahrten ab 1. Januar vorerst für ein Jahr auf 75 statt bisher 50 Prozent anzuheben. Die Summe ist relativ überschaubar. Bis Ende Oktober liefen bei der Stadt lediglich 128 Euro an Zuschüssen auf. Fürs Folgejahr sind 1000 Euro im Haushalt eingeplant.

TaxOMobil-Fahrten sind für die nächsten zehn Jahre zum ÖPNV-Bedienungsstandard geworden, informierte Kehrer. Mitte des Jahres waren kreisweit etwa 1500 Euro an Subventionsbeträgen aufgelaufen. Der relativ geringe Betrag ist dem Bürgermeister zufolge auf die Startphase und die anfänglichen technischen Probleme bei der Buchungs-App zurückzuführen.

Kehrer bedauerte, dass taxOMobil weiterhin ein Stiefkind-Dasein fristet. Es hängt seiner Ansicht nach nicht nur am Geld, sondern auch an der Akzeptanz, die scheinbar auf dem Land erst nach und nach kommt. Bisher gibt es 1500 Anmeldungen. „Andere ländliche Regionen wären froh über das Angebot“, brachte er die Besonderheit auf den Punkt. Im Gremium gab es eine engagierte Diskussion über das Für und Wider.

Eine Entscheidung über die Jugendförderrichtlinien verschoben die Mandatsträger auf Anfang kommenden Jahres. Man will die Haushaltszahlen dieses Jahres abwarten und dann rückwirkend die Gelder ausschütten, wenn es der Etat erlauben sollte. Es geht um 15.000 Euro, die pro Jugendlichem an die Vereine ausgezahlt werden.

 

Das Finkenbachtal bleibt abgehängt

Was sich im Ausschuss bereits abgezeichnet hatte, wurde in der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung Realität. Es wird keine Verbesserung auf der Buslinie 54 im Bereich der früheren Gemeinde Rothenberg mit den Finkenbachtal-Gemeinden geben. Denn die Mehrkosten dafür hatte die OREG auf 185.000 Euro beziffert. Sie wären von der Stadt zu tragen gewesen. Da diese aber kein Geld dafür hat, zog Horst Kowarsch von den initiierenden Grünen den Antrag zurück.

Kowarsch bezeichnete in seiner ursprünglichen Antragsbegründung die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen:  Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Laut OREG stellt der Nahverkehrsplan zunächst einmal nur die Grundversorgung sicher: nämlich den Schülerverkehr. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Das gibt es nach dem Fahrplanwechsel am Wochenende gar nicht mehr. Wenn es, wie im Antrag gewünscht, im werktags stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben sollte, müsste hier die Stadt einspringen.

Kowarsch regte an, dem ÖPNV-Ausbau im südlichen Odenwaldkreis ein besonderes Augenmerk zu schenken. „Wir müssen auch die Nebenstrecken fördern.“ Lediglich auf die Kosten zu verweisen, hielt er für ein „Totschlagargument“. Er hätte sich von der OREG Verbesserungsvorschläge und neue Ideen gewünscht. „Wenn wir unsere Region stärken wollen, brauchen wir die Verbindung zur S-Bahn im Neckartal“, betonte er.

„Wir fühlen uns da oben abgehängt“, brachte es Brigitte Heckmann (SPD) für die Höhenstadtteile Rothenberg und Kortelshütte auf den Punkt. Ihren Worten zufolge gibt es viele Verbindungen vom Nordkreis nach Bayern „und die bringen es nicht fertig, Busse nach Hirschhorn fahren zu lassen“, machte sie ihrem Unmut Luft.

Ihr Fraktionskollege, Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh, wies auf den Gleichbehandlungsgrundsatz hin. Oberzent müsse die Mittel dem Kreis zur Verfügung stellen, sonst entsteht ein Ungleichgewicht. In den vergangenen Jahren wurde im Kreis sehr viel in den ÖPNV investiert, meinte er. „Deshalb kann ich die Pauschalkritik nicht nachvollziehen“, so Holschuh.

Diskutiert wurden im Rund die Anbindungen an die Grenzregionen mit Eberbach und Hirschhorn, weil von dort die S-Bahn in die Metropolregion und nach Mosbach fährt. Der folgende Vorschlag von Bürgermeister Christian Kehrer fand bei allen Widerhall: „Warum formulieren wir nicht dem Kreistag das, was wir haben wollen“, meinte er. Landrat Frank Matiaske wird im Januar zur Vorstellung des Kreisentwicklungskonzepts in Oberzent sein. Dem könnte man Anregungen mitgeben.

Das Beratungs-Ergebnis sorgte vor allem bei den Mandatsträgern aus dem früheren Rothenberg für Frust, wie sich nach Ende der Sitzung beim gemütlichen Beisammensein zeigte. Linienverdichtungen im Nordkreis und eine neue Verbindung über Mossautal nach Grasellenbach wurden zum Anlass genommen, auf die Vernachlässigung des Finkenbachtals hinzuweisen. Dass im Kreis Bergstraße zwischen Wald-Michelbach und Hirschhorn als Grundversorgung unter der Woche ein stündlicher Takt eingerichtet wurde, war für viele ein positives Beispiel, wie es anders laufen könnte.

Stadt wäre beim Kindergartenbus in der Haftung

Der bisherige „Kindergartenbus“ in den Ferienzeiten steht auf der Kippe. Mit ihm wurden die Kids aus Ober-Hainbrunn, Finkenbach und Kortelshütte zum Rothenberger Kindergarten gebracht, wenn während der Schulferien die etatmäßigen Busse nicht verkehrten. Das Thema fand nun wieder Eingang in die Sitzung des gemeinsam tagenden Sozial- und Kultur- sowie Bau- und Umweltausschusses von Oberzent.

Schon einmal hatte sich die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr mit diesem Thema befasst, als es um die Einstellung in der Ferienzeit ging. Die wurde damals beschlossen, aber noch keine Entscheidung getroffen, wie es danach weitergehen sollte. Auf Antrag der SPD hin sollte der Magistrat nun überprüfen, wie eine künftige Regelung aussehen und ob der Bus weiterhin fahren könnte.

Bisher gibt es weder in Hesseneck noch in Sensbachtal einen Ferienbusdienst. In Beerfelden wurde er 2010 eingestellt. Aus Gleichbehandlungsgründen hatte sich der Magistrat Anfang April dafür entschlossen, das Angebot in der Ferienzeit auch für Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Kortelshütte einzustellen. Von dort werden die Kinder nach Rothenberg gebracht. Das hatte bei den betroffenen Eltern einen Proteststurm verursacht.

Die Verwaltung hatte über den Sommer eruiert, was eine Ausweitung dieses Angebots auf alle Stadtteile bedeuten würde. „Das wären Kosten von 22.000 Euro“, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Zum Vergleich: Die bisherige Rothenberger Variante kam auf 4100 Euro. Neben dem Geld gibt es aber einen anderen gewichtigen Hinderungsgrund. „Die Stadt wäre als Träger in der Haftung“, betonte er.

Zum einen bräuchten die Busse das nötige Equipment, um kleinere Kinder zu befördern, zum anderen wären Aufsichtspersonen notwendig. „Ohne ist ein Transport nicht möglich“, bekam die Stadt von der Unfallkasse klipp und klar signalisiert. Der bisherige Betrieb, machte er deutlich, bewegte sich damit schon in einer Grauzone.

Eine Entscheidung über die Jugendförderrichtlinien verschoben die Mandatsträger auf Anfang kommenden Jahres. Man will die Haushaltszahlen dieses Jahres abwarten und dann rückwirkend die Gelder ausschütten, wenn es der Etat erlauben sollte. Es geht um 15.000 Euro, die pro Jugendlichem an die Vereine ausgezahlt werden. Angesichts der aktuellen schlechten Haushaltslage müsste er bei einer sofortigen Entscheidung sowieso seinen Widerspruch einlegen, da es sich um eine freiwillige Leistung handelt, sagte der Bürgermeister.