Die Finki-Fans kennen kein schlechtes Wetter: Das Krautrock-Festival lief wieder super

Für die echten Finki-Fans gibt es kein schlechtes Wetter. Da werden wie am absolut verregneten Wochenende beim Krautrock-Festival im Odenwald Regenponchos in den wildesten Farben ausgepackt. Den Besucherzahlen tut der Dauerregen sowieso praktisch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Ohne den Herbsteinbruch im Hochsommer wären die Organisatoren wahrscheinlich auf einen neuen Rekord zugesteuert. „Trotz des miesen Wetters lief es super“, freute sich auf Seiten des mitveranstaltenden FC Finkenbachtal Armin Löffler.

Denn im Vorverkauf gingen ein paar hundert Karten mehr als im vergangenen Jahr über die Bühne. Angler-Gummistiefel ersetzen die normalen Schuhe, eine Filzkappe kollidiert modisch mit einer hellbraun-getönten Dieter-Thomas-Kuhn-Sonnenbrille – oder es geht gleich barfuß aufs Gelände, um den zehn Bands zu lauschen, die Mani Neumeier von „Guru Guru“ wieder zusammengetrommelt hat.

Aber auch sonst ein ähnliches Bild wie bei vorigen Festivals: Freitagabend füllte sich das Gelände zusehends, trudelten gegen 20 Uhr immer mehr Besucher ein. Allerdings ist dann immer noch ein Durchkommen zur Bühne, das am Samstag gegen Abend zunehmend schwieriger wird. Denn wenn traditionsgemäß gegen 21 Uhr Neumeier mit seinen Guru Guru auftritt, schließen sich die Reihen.

Die alten Herren rocken die Bühne wie eh und je. Kein Anzeichen von Müdigkeit bei den über 70-Jährigen, die im kommenden Jahr ihr 50-jähriges Bandbestehen mit einer rauschenden Party beim Finki 2018 feiern wollen. Vielleicht dann ohne die vielen Holzhackschnitzel auf der Wiese, um die schlimmsten Schlammlöcher zuzudecken. Und ohne ein Meer von Regenschirmen gegen das immer wiederkehrende Nass von oben.

Für Mastermind Mani Neumeier ist die Durchführung des „Guru-Feschts“, wie das Finki seit Beginn bei den Einheimischen heißt, immer wieder „eine große Ehre“. Denn als erstes Musikfestival im Odenwald vor 41 Jahren ins Leben gerufen, wird es jedes Jahr aufs Neue durchgeführt. Auch wenn die Sonne nicht vom Himmel knallt, merkt der Musiker immer, „dass das Feeling stimmt“. Aus den Rückmeldungen von Besuchern hat er erfahren, wie wichtig denen die große Fete in ihrem Kalender ist.

Neumeier spielt viele Konzerte auswärts, aber das Heimspiel ist für ihn etwas Besonderes. „Den Platz, die Musik, die Schwingungen“ empfindet er im Finkenbachtal anders. Das Gelände und die Atmosphäre sind für ihn außergewöhnlich. „Das ist echte und unverfälschte Kultur“, schwärmt er über die auftretenden Bands. Ohne viel „Hitparaden-Brimborium“ spielen auf „seinem“ Finki Gruppen außerhalb des Üblichen. „Das wird von den Leuten geschätzt“, weiß er.

Um immer wieder neue Acts zu finden, nutzt Mani Neumeier auch YouTube. Wie etwa bei „Jack Dupon“, dem Auftakt-Act vom Freitag. Die Franzosen mit außergewöhnlicher Musik und exaltiertem Aussehen „habe ich mir angehört und gebucht“. „Samsara Blues Experiment“ ist eine weitere Gruppe, die es auf diese Weise aufs Finki schaffte. Aber natürlich gehören Veteranen wie die britische Rocklegende Arthur Brown dazu wie das Salz in der Suppe. „So lange es diese Bands noch gibt, kommen sie auch immer wieder“, schmunzelt Neumeier.

Auf diese Weise will er den Fans etwas bieten, das es anderswo kaum gibt. Denn viele Festivals sind für ihn „ohne Gesicht und Griff für die Musik“. Schon vor 50 Jahren, meint Neumeier, „haben wir mit Guru Guru freche Musik gemacht“. Um sich dieses Mal total auszuleben, hat er sich mit Harald Grosskopf (Ashra Tempel) und Eberhard Kranemann (Ex-Kraftwerk) zwei altgediente Recken geholt, „um moderne Sachen zu spielen“.

Die Bandbreite beim Finki ist sowieso phänomenal. „Jobarteh Kunda“ etwa sind eine international besetzte Truppe mit Musikern aus Afrika, der Karibik, den USA, Italien und Deutschland. „DeWolff“ ist eine niederländische Band aus dem Bereich Psychedelic- und Bluesrock. Die „Kunens Män“ aus Stockholm stehen für Improvisationen aus Krautrock, Shoegaze, Noiserock und Free Jazz. Ob er das Finki in einem kurzen Satz charakterisieren kann? Da kommt Mani Neumeier angesichts der vielen Jahre und Eindrücke doch etwas ins Überlegen. „Legendäres Festival mit Herz“, meint er dann nach einer halben Minute sinnierend.

„Das Finki ist einmalig“, betonte der zweite Vorsitzende des FCF, Armin Löffler. „Wohin kommen so viele Besucher, wenn es zwei Tage in Strömen gießt“, meinte er. Die Zuschauerzahl sei angesichts dieser Wetterbedingungen „optimal“ gewesen. Der Samstag war wie immer „sehr gut besucht“. Löffler notierte „nur positive Rückmeldungen“ der Fans aus Deutschland, Schweiz, Österreich oder den Benelux-Staaten, die teilweise seit Jahrzehnten das Finki besuchen.

Die „absolut friedliche, große Feier“ dauerte bis nach 6 Uhr am Sonntagmorgen. „Als ich um 6.30 Uhr nach Hause ging, standen immer noch ein paar am Bierstand“, lachte Löffler. „Dass so etwas mitten im Ort stattfindet“, sorgt bei den Gästen immer wieder für Begeisterung, beobachtete er. Dazu kommt die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. „Das ganze Dorf macht mit“, bedankte er sich bei den Anwohnern.

Heute ist weitere Arbeit angesagt: Durch den nassen Untergrund sind viele Camper mit ihren Fahrzeugen am Finkenbach buchstäblich abgesoffen. Mit Traktoren oder anderem schweren Gerät der Bauern geht es nun daran, die Autos aus dem Sumpf zu ziehen und wieder auf die Straße zu schleppen. Aber das schockt die wenigsten. „Das war vor zwei Jahren auch schon so“, hieß die lakonische Antwort einer Betroffenen.

 

 

Finki-Festival: Warten auf das Ende des Regens

Nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Tage kam auch heute wieder mehr Wasser als nötig in Finkenbach vom Himmel. Die Helfer des FC Finkenbachtal waren den ganzen Tag über beschäftigt, alles für den Start um 19 Uhr trockenzulegen. Die eingefleischten Fans ließen sich davon nicht beeinflussen und bauten unverdrossen ihre Zelte auf. Auch die restlichen Aufbauarbeiten gingen reibungslos über die Bühne. Programm Finki-Festival 2017: Freitag, 11. August, Einlass 17 Uhr, 19 Uhr Jack Dupon, 21 Uhr Neumeier (Guru Guru) & Grosskopf (Ashra Tempel) & Kranemann (ex-Kraftwerk), 23 Uhr Pretty Things, 1 Uhr Samsara Blues Experiment. Samstag, 12. August, Einlass 13 Uhr, 15 Uhr Jobarteh Kunda, 17 Uhr Ease Up Ltd, 19 Uhr DeWolff, 21 Uhr Guru Guru, 23 Uhr Arthur Brown, 1 Uhr Kungens Män. Weitere Infos unter http://www.finki-festival.de

Beim Finki-Festival ist der gesamte FC gefordert

Wenn es auf das „Finki“-Festival, das „Woodstock im Odenwald“, zugeht, ist beim mitveranstaltenden FC Finkenbachtal immer viel Arbeit angesagt. Bereits einen Monat vor dem Event am zweiten Augustwochenende starten die Arbeiten auf dem Festplatz neben Sportgelände und Freibad. Dann beginnt eine eingeschworene Truppe von zehn bis 15 Vereinsmitgliedern, die drei in Zuständigkeit des FC fallenden Zelte aufzubauen. Neben Gastro- und Bierzelt ist das auch der Backstagebereich.

„Die Rentner sind dann tagsüber fast jeden Tag anzutreffen“, schmunzelt der zweite Vorsitzende Armin Löffler. Abends kommen dann die Berufstätigen mit dazu und packen an. Etliche Strom- und Wasserleitungen gilt es außerdem zu verlegen. Übers Wochenende vom 11. bis 13. August, wenn dann die Musik spielt, hat der FC 120 Helfer in verschiedenen Schichten im Einsatz. Dazu kommen noch Feuerwehr und Rotes Kreuz.

In der letzten Woche vor dem Happening, das die Kultband „Guru Guru“ mit ihrem Mastermind Main Neumeier musikalisch ausrichtet, herrscht auf Vereinsseite Hochbetrieb. Allerdings ohne viel Hektik, denn der FC ist organisatorisch ja schon seit 30 Jahren mit im Boot. „Uns kann nichts mehr schocken“, blickt Löffler gelassen auf mögliche unvorhergesehene Ereignisse.

Aktuell steht der Zaunaufbau rund um das Gelände an. 110 Elemente à drei Meter sind zu stellen, die danach mit einer undurchsichtigen grünen Plane verkleidet werden. Damit es eben nicht zu viele „Zaungäste“ gibt, die sich den Eintritt ersparen wollen. Der Klassiker beim Finki sind immer die FC-Bratkartoffeln. Damit diese in rauen Mengen bereit stehen, sind im Vorfeld die Hausfrauen des Orts gefordert. 50 von ihnen sind es, die sich ums Abkochen der Kartoffeln kümmern, die auch noch geschnippelt werden müssen.

Noch einmal die gleiche Zahl an Hausfrauen macht sich kurz vor dem Fest ans Backen der diversen Kuchen, die dann die Theke zusammen mit dem Kaffee füllen und die Leckermäuler begeistern. Bei den Fleischwaren setzt der Verein ganz auf die Regionalität, denn sie werden von der Metzgerei Beisel und Jehle und Rothenberg bezogen. Das Bier kommt in Form der Marke Radeberger von etwas weiter her. Erstmals gibt’s in diesem Jahr Pepsi statt Coca Cola. „Wir zapfen die aus 25-Liter-Behältern“, so Löffler. Damit fällt das umständliche Hantieren mit den Flaschen weg.

Die Verpflegung ist das eine, die Instandsetzung des Platzes das andere. Jürgen Bartmann kümmert sich um das Mähen des Rasens. Danach kommt die Feuerwehr angerückt und zieht „Schneisen“ mit Flatterband, um Rettungswege freizuhalten. Die Brandschützer sind auch bei der Statik der Bühne gefordert. An jeder Ecke wird ein Tank mit 20 Kubikmeter Wasser platziert, damit sie bei Wind nicht ins Schwanken gerät.

Ein „Renner“ waren im vergangenen Jahr die Öko-Toiletten, weshalb es sie diesmal wieder gibt. „Die kamen beim Publikum sehr gut an“, lacht Löffler. Denn sie arbeiten ohne Chemie. Wer aufs stille Örtchen geht, schmeißt vorher erst einmal eine Ladung Sägemehl hinein…

Nachdem auch immer mehr Festivalgäste den Luxus eines Bettes zu schätzen wissen, sind die meisten Übernachtungsmöglichkeiten jetzt schon ausgebucht. Das macht es für Löffler gar nicht einfach, für die Bands noch ein zusätzliches Zimmer aufzutun, wenn sich bei diesen die Anzahl der Mannschaft ändert. Die Musiker sind in der Raubach, in Gammelsbach und in Beerfelden sehr Finkenbach-nah untergebracht.

Traditionsgemäß stehen natürlich im kompletten Finkenbachtal etliche Zeltplätze zur Verfügung – für all diejenigen, die authentische Festivalluft schnuppern wollen. Vom Gelände bis an den Ortsausgang Richtung Ober-Hainbrunn zieht sich in der Regel ein buntes Zeltmeer den Bach entlang. Frühstücken können die Camper im Schwimmbad, das auch eine kleine Auswahl an Lebensmitteln bereithält, nachdem der kleine örtliche Laden im Mai zumachte. Über den Mittag ist jeweils der „rollende Bauernladen“ an der ehemaligen Metzgerei vor Ort, damit es an nichts mangelt. Samstag und Sonntag kommt die Rentnerbrigade schon frühmorgens vorbei, um das Gelände wieder ordentlich herzurichten.

Für Mani Neumeier ist das Finki immer „das Highlight des Jahres“. Er freut sich, in Finkenbach vor vielen alten Bekannten zu spielen und ebenso viele wiederzutreffen. 2018, das ist jetzt schon klar, wird es ein großes Hallo geben. Denn dann wird Guru Guru 50 Jahre alt. Neumeier macht sich schon jetzt Gedanken, wie dies gebührend gefeiert werden kann.

Programm Finki-Festival 2017

Freitag, 11. August, Einlass 17 Uhr, 19 Uhr Jack Dupon, 21 Uhr Neumeier (Guru Guru) & Grosskopf (Ashra Tempel) & Kranemann (ex-Kraftwerk), 23 Uhr Pretty Things, 1 Uhr Samsara Blues Experiment. Samstag, 12. August, Einlass 13 Uhr, 15 Uhr Jobarteh Kunda, 17 Uhr Ease Up Ltd, 19 Uhr DeWolff, 21 Uhr Guru Guru, 23 Uhr Arthur Brown, 1 Uhr Kungens Män. Vorverkauf online bei Reservix, per E-Mail unter ticket@finki-festival.de , telefonische Kartenbestellung unter 06235/491997, Hard-Tickets gibt es in Heidelberg – Crazy Diamond, Mannheim – Come Back, Finkenbach – Bäckerei Hering, Würzburg – H 2 O Plattenladen, Aschaffenburg – Echobeat, Darmstadt – Come Back. Weitere Infos unter http://www.finki-festival.de

 

Windkraft im Odenwaldkreis: Der Flächennutzungsplan ist das Maß aller Dinge

Es wird wohl ein Kampf gegen Windmühlenflügel sein. Das Höhendorf mit seinen angeschlossenen Ortsteilen wehrt sich dagegen, von Windrädern „umzingelt“ zu werden, die bei Verwirklichung des entsprechenden Regionalplans rund um den Ort in die Höhe wachsen könnten. Dazu kommen noch die Pläne des badischen Eberbachs, was weitere Rotoren in direkter Nachbarschaft bedeuten würde. Über die Situation vor Ort informierte sich jetzt der Bundesabgeordnete Jens Zimmermann.

Der SPD-Mann reagierte damit auf ein Protestschreiben von Finkenbacher, Hinterbacher und Raubacher Bürgern, mit dem sich diese neben dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier auch an ihre politischen Vertreter gewandt hatten. „Wir sehen wenig direkte Einflussmöglichkeiten auf den Regionalplanwurf“, betonte der WGR-Gemeindevertreter Matthias Heiß. Letztendlich werde vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt als zuständiger Behörde eine politische Entscheidung getroffen, wenn es um die Genehmigung von Windparks im Odenwald gehe.

Es geht laut Heiß um „möglichst viel Sperrfeuer von allen Seiten“, betonte er bei der Vorstellung der Rothenberger Bedenken. Die Planungen hätten „Ausmaße angenommen, die nicht mehr tragbar sind“. Es sei wichtig, dass sich Städte und Kommunen kurzschließen. Genau das empfahl auch Zimmermann: „Sie müssen das Problem in Rothenberg klar kommunizieren“, sagte er. Und dabei weiterhin den bisherigen sachlichen Ton beibehalten.

Der Abgeordnete empfahl, auf der Umsetzung des gemeinsamen Odenwaldkreis-Flächennutzungsplans (FNP) zu bestehen, wie es schon bisher getan wurde. Außerdem „müssen bestimmte Dinge klar eingefordert werden“, so Zimmermann. Darunter zählte er auch eine Betrachtung, was im benachbarten Baden-Württemberg vor sich gehe. Das könne nicht losgelöst gesehen werden. Er machte klar, dass jede Kritik an Flächen, „die nicht Teil des FNP sind“, von seiner Partei unterstützt werde.

Zimmermann machte in der Runde mit Bürgermeister Hans Heinz Keursten sowie Gemeindevertretern und -vorstand gleichzeitig deutlich, dass es „eine komplizierte Gemengelage“ gebe. Denn wenn der Regionalplan nicht zustande komme, sei man auf dem Stand des „schlechteren“ Baugesetzbuches. Deshalb sah er einen vernünftigen Regionalplan durchaus als erstrebenswert an. Aber eben einen, der nicht eine Vielzahl von zusätzlichen Flächen gegenüber dem FNP enthalte.

WGR-Gemeindevorstand Rainer Flick wies auf die Unterschiede beim Siedlungsabstand hin. Weil er im Weiler Hinterbach lebe, gälten hier nur 600 Meter anstatt 1000 bei geschlossenen Ortschaften. „Ich fühle mich als Bürger zweiter Klasse“, so Flick. Deshalb müsse ein einheitlicher Abstand von 1000 Meter werde, was auch die Gemeindevertretung in einer Resolution fordere.

Diskutiert wurde in der Runde auch, wie die technische Weiterentwicklung Windenergie auch auf eigentlich unattraktiven Flächen doch möglich machen könnte. Denn trotz geringerer Geschwindigkeiten könnten die Rothenberger Gebiete, für die Investoren aktuell nicht gerade Schlange stehen, in zwei oder der Jahren rentabel werden, befürchtete Heiß.

WGR-GVo Karl-Heinz Braun sprach aus, was allgemeiner Konsens war: „Ich erwarte vom Regierungspräsidium, den FNP zu übernehmen“. Denn er sei mit Politik und Bürgerschaft abgestimmt. Der FNP „ist von der Abwägung her in Ordnung“, sagte Zimmermann. Deshalb habe er kein Verständnis für die politische Blockade.

Zum Thema Einkesselung empfahl der Abgeordnete, dass die Rothenberger von der Regionalversammlung eine Simulation einfordern sollten, die sowohl hessische als auch badische Planungen mit einbeziehe. Denn „es wäre fatal“, wenn alle potenziell möglichen Windräder gebaut würden, sagte Keursten. In der Blickachse nach Westen „gäbe es keinen ruhigen Punkt mehr“, kritisierte SPD-Gemeindevertreter Thomas Wilcke.

Rothenbergs evangelische Kirche erhält bis Pfingsten 2018 ein komplett neues Innenleben

Die evangelische Kirchengemeinde hat Großes vor: Bis Pfingsten 2018 soll das Ortsbild prägende Gotteshaus am Metzkeil ein neues Innenleben bekommen. Geschuldet ist dies vor allem den technischen Herausforderungen, die heutzutage auch an einer Kirche nicht spurlos vorbeigehen. In diesem Zuge kam dann in den Überlegungen eines zum anderen, sodass das Investitionsvolumen über 300.000 Euro beträgt. Ein Drittel davon tragen die Rothenberger selbst.

Schon seit etlichen Jahren werden die Mittel für diese Mammutmaßnahme angespart. Spenden stockten das Umbaukonto zusätzlich auf, erzählt Pfarrer Reinhold Hoffmann. Von diesen könnten es natürlich nie genug sein, macht er schmunzelnd klar, dass weitere Zuwendungen gerne gesehen sind. Sonst sind alle Rücklagen aufgebraucht. Denn nach der ersten großen Sanierung seit 1962 wissen die Helfer nicht, welche ins Geld gehende Überraschungen sie möglicherweise erwarten.

Die ersten Überlegungen zur Umgestaltung wurden schon vor sechs oder sieben Jahren angestellt, erläutert Hoffmann. „Denn die Elektrik ist schon lange nicht mehr zeitgemäß.“ Bisher genoss die Kirche noch Bestandsschutz, aber mit jedem neuen Gerät an der Steckdose wurde dieser in Frage gestellt. „Wir wollen das Haus zukunftsträchtig machen“, betont der Pfarrer. Deshalb ist die neue Stromversorgung mit 50.000 Euro auch die teuerste Einzelmaßnahme.

Das Planungsteam machte sich dann darüber hinaus reichende Gedanken. Etwa Bodentanks mit Steckdosen oder Beamer- und Laptopkabel zu verlegen, damit diese Geräte in der Sakristei genutzt werden können. Ein vernünftiges Lautsprechersystem steht auch auf der Wunschliste. „Back to the roots“ heißt es beim Boden: Hier soll ein Sandsteinboden, wie es ihn vor 1962 schon einmal gab, wieder zum Einsatz kommen. „Denn der ist typisch für die Region“, hebt Hoffmann hervor.

Auch die Wand bekommt ein neues Aussehen. Sie war bis zu einer Höhe von 1,70 Metern mit Kellerfliesen gepflastert. „Eine nicht gerade schöne Optik.“ Deshalb wurden diese abgeschlagen. Die Fläche wird nun verputzt. Die 34 Kirchenbänke wurden von den Helfern erst einmal in der Scheune von Achim Wieder zwischengelagert.

Was mit diesen geschieht, ist laut dem Seelsorger noch nicht ganz klar. Denn die alten Sitzgelegenheiten müssten aufwändig aufgearbeitet werden. „Wenn ich aber sowieso 1000 Euro pro Stück in die Hand nehmen muss“, so Hoffmann, dann könnte man doch gleich über neue, passende Bänke nachdenken.

Die Kanzel, 1962 aufgrund Geldmangels ein Provisorium, fällt ebenfalls dem Umbau zum Opfer. Der Chorraum soll verkleinert werden, „wenn wir den ganzen Beton rauskriegen“, lacht Hoffmann. Allerdings wäre dann kein Platz mehr für die Kanzel, weswegen die Überlegungen für einen geeigneten Platz schon angelaufen sind. Ziel bei den Umbauarbeiten ist eine Barrierereduzierung bis -freiheit, wo es irgend geht. Damit wolle man auch auf die älter werdende Gemeinschaft der Gläubigen reagieren. Überall lässt sich dies aber nicht erreichen, bedauert Hoffmann.

Die Kirchengemeinde hat ihren Anteil von 103.000 Euro angespart. Durch die ehrenamtliche Arbeit wird wiederum Geld frei für Investitionen von der Wunschliste, die sonst nicht möglich gewesen wären. „Allein durch die Abbrucharbeiten in Eigenregie haben wir 8000 Euro gut gemacht“, freut sich der Pfarrer. Denn seit dem Start der Arbeiten sind im Schnitt zehn bis zwölf Helfer aktiv. Und die sind um einiges schneller als Hoffmanns Zeitplan.

„Ich wäre froh gewesen, wenn wir in zehn Tagen Bänke und Holzboden draußen gehabt hätten, um dann die Wandfliesen abzuschlagen“, meint er. Seine fleißigen Gemeindemitglieder übertrafen die Vorstellungen bei weiten. „Am ersten Abend war schon alles rausgeschafft und ein Drittel der Fliesen weg, am zweiten alle“, war Hoffmann baff.

Die Sakristei wurde ausgeräumt, die Orgel eingehaust, der Chorraum demontiert, damit die beauftragten Handwerker demnächst zu Werke gehen können. Die sollen aus dem Ort oder zumindest der Region kommen, wenn es nach der Kirchengemeinde geht.

 

 

 

Der Grundstein für die Rothenberger Kirche wurde am 20. Juni 1882 gelegt. Am 30. September 1883 war die Einweihung. Vorher stand an dieser Stelle etwa 500 Jahre lang eine Wehrkirche, die aufgrund Baufälligkeit aber abgerissen wurde. Bis Pfingsten 2018 müssen die Rothenberger Gläubigen auf andere Gotteshäuser ausweichen. Bei Beerdigungen ist dies die nahe gelegene Schwesterkirche St. Martin der freien evangelischen Gemeinde. Normale Gottesdienste werden im Rothenberger Gemeindehaus gefeiert. Trauungen und Taufen finden im Finkenbacher Gotteshaus statt. Für die Konfirmation im kommenden Jahr gibt es bereits Signale aus den evangelischen Kirchengemeinden Hirschhorn und Beerfelden, dass diese dort abgehalten werden kann.

U19 des SV Sandhausen ist am 15. Juli beim FC Finkenbachtal zu Gast

Der FC Finkenbachtal bietet auch in diesem Jahr seinen Fans in den Sommerferien wieder ein fußballerisches Highlight. Zu Gast ist im Odenwald die U19-Mannschaft des SV Sandhausen. Die Stars von morgen des Bundesliga-Zweitligisten vom Hardtwald sind am Samstag, 15. Juli, um 17 Uhr in Finkenbach zu Gast. Der FCF hat durch seinen sportlichen Leiter Michael Kaufmann Kontakt zum ehemaligen Profifußballer Joachim Stadtler. Der ist wiederum Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des SV Sandhausen. Durch die beiden wurde das Spiel organisiert. Nachdem der FCF bereits im vergangenen Jahr zu seinem 70. Geburtstag das Zweitliga-Team des SVS in den Odenwald geholt hatte, wollte man den Zuschauern wiederum einen sehr guten Gegner bieten. Die Jugendlichen spielen in der EnBW-Oberliga A-Junioren Baden-Württemberg. Der FCF erhofft sich ein sehr gutes Vorbereitungsspiel für seine A-Klassen-Mannschaft. Aktuell sind in der U19-Mannschaft ein polnischer U17-Nationalspieler und ein ehemaliger deutscher Nationalspieler aktiv. „Es wird alles geboten, was zu einem Fußballspiel dazu gehört“, versprechen die Organisatoren den Besuchern.

Grillfest des Gemischten Chors in Finkenbach war ein super Erfolg

Die Freude stand Rainer Maurer förmlich ins Gesicht geschrieben. „Das Grillfest ist ein super Erfolg“, strahlte der Vorsitzende des Gemischten Chors. Auch wenn der Blick ab und zu mal sorgenvoll nach oben ging: Das Wetter hielt einigermaßen, zwischendurch ließ sich sogar mal die Sonne blicken und der Chor war mit der Resonanz mehr als zufrieden. Zu den Stammgästen, die sich jedes Jahr am Feuerwehrhaus einfinden, kamen noch etliche Mitglieder befreundeter Ensembles und Gäste von außerhalb hinzu.

„Wir haben die Chöre eingeladen, bei denen wir auch zu Gast sind“, sagte Maurer. Nicht nur zum Besuch, sondern auch zum Singen. So ließen die Mitglieder des MGV Ober-Hainbrunn und die des Singkreises Odenwald aus Hetzbach ihre Stimmen unter viel Beifall erklingen. Natürlich durften auch die Gastgeber unter Leitung von Uschi Egler mit dem „Lion King“ und „A wonderful day“ nicht fehlen. Weitere Gäste aus Falken-Gesäß und Olfen oder aus den Chören des Sängerkreises Neckartal schauten ebenfalls gerne dabei.

Das Fest hat eine jahrzehntelange Tradition, fand unter MGV-Regie erst am Sportplatz statt, später dann am Saubuche-Parkplatz Richtung Raubach. Seit einiger Zeit genießt der Chor nun die Gastfreundschaft der Brandschützer. Hier können sich die hungrigen Mäuler im Grünen niederlassen oder, falls es am Himmel zu dunkel wurde, unters Zeltdach oder ins Innere der Fahrzeughalle „flüchten“, die für diesen Zweck leergeräumt wurde.

Knapp 30 Aktive des Vereins, aber auch Helfer aus der Nachbarschaft, waren den Tag über für das Wohl der Gäste im Einsatz. Wildbratwurst, Steaks und Fleischspieße hielten die Sänger an diesem Tag für die Besucher parat. Und nicht zu vergessen das mehr als reichhaltige Kuchen- und Salatbüffet, dank vieler Spenden von Vereinsmitgliedern und -freunden in diesem Umfang möglich. „Alles wurde sehr gut angenommen“, so Maurer. Für Unterhaltung sorgten zwischendurch immer wieder Dirigent Karlfried Schicht und Dirk Bondes.

Das Grillfest nutzte der Verein auch gleich, um Mitgliederwerbung zu betreiben. Auf die donnerstägliche Singstunde wurde hingewiesen. Denn Nachwuchs – der gerne auch älter sein darf – ist im Gemischten Chor mit seinem eher gehobenen Altersdurchschnitt gerne gesehen. Ein Erfolgserlebnis in Gestalt einer neuen aktiven Sängerin gab es vor kurzem bereits, was den Vorsitzenden sehr freute.

Der schöne Erfolg des Grillfests hatte aber auch einen Wermutstropfen. Denn die Bockskerwe Ende August, bisher das dritte Standbein neben dem Weihnachtskonzert, fällt wohl definitiv flach. „Auf den Aufruf zur Unterstützung bei der Ausrichtung gab es keine Rückmeldungen“, bedauerte Maurer. Wenn nicht noch ein Wunder geschehe, dann werde die Traditionsveranstaltung nicht mehr stattfinden.

Die dort geplant Tombola wurde deshalb aufs Grillfest vorgezogen. Dessen Zulieferer sowie Gewerbetreibende aus der Region, die von Maurer alljährlich abgeklappert werden, sorgten für schöne Preise und entsprechend gute Resonanz darauf. Der Erlös fließt ebenso wie die Einnahmen der Veranstaltung in die Vereinskasse, die nun nur noch zweimal im Jahr durch diese Events gefüllt werden kann.