Vollzeitstellen für die Schwimmbäder?

Rein ehrenamtlich lassen sich die drei Freibäder in Oberzent nicht mehr stemmen. Um den Betrieb zu gewährleisten, hat der Magistrat nun im Haushaltsplanentwurf jeweils eine Stelle für Finken- und Hetzbach sowie Beerfelden ausgeschrieben, erzählte Bürgermeister Christian Kehrer. Im Vergleich zu anderen Kommunen hat die Stadt für ihre Bäder mit 20.000 Euro bisher relativ wenig Geld im Haushalt stehen, sagte er.

In Hetzbach, erläuterte Kehrer dem Bau- und Infrastrukturausschuss, wurde bereits mehrfach die Kioskverpachtung vergeblich ausgeschrieben. In Finkenbach ist im Sommer der parallele Betrieb von Bäckerei und Schwimmbad sehr zeitintensiv, weiß er. Und am Waldschwimmbad Beerfelden ist allein durch die schiere Größe schon einiges zu tun. Der Rathauschef betonte jedoch: „Ohne das Ehrenamt geht es nicht.“

Deshalb will man für jedes Bad eine Vollzeitstelle vorsehen. Die kümmert sich dann um Kiosk, Reinigung, Technik oder Eingangskontrolle. Außerhalb der Saison werden dem Bürgermeister zufolge erst einmal die aufgelaufenen Überstunden abgefeiert, ehe dann die Mitarbeiter in der restlichen Zeit im Bauhof zum Einsatz kommen. Wie es mit der Öffnung in diesem Sommer aussieht, kann Kehrer zu seinem Bedauern noch nicht sagen. Hier ist Abwarten angesagt, wie es mit der Corona-Pandemie weitergeht.

Eine betrübliche Mitteilung hatte der Bürgermeister für die „Garantiert mobil“-Nutzer. Eigentlich wollte Oberzent die Taxomobil-Fahrten zu 90 (statt bisher 75) Prozent subventionieren. Dagegen legte die OREG aber ihr Veto ein. Begründung: Damit wäre eine Taxi-Fahrt so günstig, dass die Leute nicht mehr den Linienbus nutzen. Denn das Taxomobil hätte den Vorteil eines Haus-zu-Haus-Services.

Die Befürchtung: Der ÖPNV würde damit noch mehr Defizite produzieren. Die angestrebten 90 Prozent wurden bisher noch nicht umgesetzt, informierte Kehrer. Die Stadtverordneten müssen nun in der kommenden Sitzung ihren Beschluss rückgängig machen. Langsam, aber sicher, gehen die Nutzerzahlen des Taxomobils nach oben, beobachtet er. 

Sehr gut angenommen werden dem Stadtoberhaupt zufolge die Impffahrten nach Erbach mit dem Taxomobil. Für die müssen die Bürger nur den regulären RMV-Tarif bezahlen. Die restlichen Kosten teilen sich Odenwaldkreis und Stadt.

Rund ums Schwimmbad spielt sich das Dorfleben ab

„Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen“, bringt Finkenbachs Ortsvorsteher Christian Niesen die Attraktivität seines Dorfs zusammen mit Hinter- und Raubach auf den Punkt. Lage und Aussichten ziehen die Touristen an, machen die drei Orte mit ihrer ruhigen Odenwald-Lage liebens- und lebenswert. Das zeigt sich auch an den ziemlich stabilen Bevölkerungszahlen. Schwimmbad mit Spielplatz ist der zentrale Punkt.

„Was zu verkaufen war, ist weg“, beschreibt Niesen die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Es gibt höchstens noch ein paar Baulücken. Sollte etwas zu annehmbaren Preisen angeboten werden, „ist es schnell verkauft“. Der „Goldene Löwe“ ist seinen Worten nach veräußert. Er soll wieder gastronomisch genutzt werden, berichtet der Ortsvorsteher.

Das wäre ein Gewinn, denn Gaststätten gibt es nicht mehr viele. Die „Traube“ in Finkenbach und die „Raubacher Höhe“ halten noch die kulinarischen Fahnen hoch, wenn sie wieder öffnen dürfen. Die „Edelquelle“ in Hinterbach ist nur noch sporadisch offen.

Mit der Firma Baum und der Odenwaldquelle existieren zwei größere Arbeitgeber. Früher sorgte unter anderem die Bürstenfabrik Edelmann für Jobs. Dazu kommen kleinere Handwerksbetriebe, wie Elektriker oder Zimmermann. Die meisten Berufstätigen pendeln aber entweder nach Hirschhorn ins Neckartal oder Richtung Beerfelden und weiter ins Mümlingtal.

Die Landwirtschaft lohnte sich aufgrund der steilen Hänge und des eher kargen Bodens nicht wirklich. Deshalb wurde sie meistens im Nebenerwerb oder als Hobby betrieben. Niesen berichtet von durchziehenden Schafherden, deren Halter dafür sorgen, dass das Tal offen bleibt.

Traditionell sind die Finkenbacher Kinder nach Rothenberg orientiert. Das ist auch nach der Fusion so geblieben. Kindergarten und Grundschule befinden sich dort. Ab der fünften Klasse geht es dann zur Oberzent-Schule nach Beerfelden oder Richtung Michelstadt zu Gymnasium oder Berufsschule.  

„Mareikes Backshop“ ist für die Nahversorgung in Finkenbach zuständig. Werktags von 5.30 bis 10 Uhr bekommen die Talbewohner hier nicht nur Gebackenes, sondern auch alles rund um den Haushalt, wie Wurst, Getränke, Klopapier, Seife, Waschmittel oder Getränke. Das abgelaufene Jahr, berichtet Niesen, „war etwas härter als sonst“. Denn es fehlten meistens die Übernachtungsgäste im Ort, die Pendler fielen aus, die Feste fanden nicht statt. Aber auf die Ortsbürger war aber immer Verlass.

Mit dem ÖPNV ist im Finkenbachtal kein Staat zu machen. Die Linie 54 zwischen Hirschhorn und Beerfelden verkehrt montags bis freitags außerhalb der Schulzeiten nur sporadisch und dann meist als Rufbus, bedauert der Ortsvorsteher. Am Wochenende muss grundsätzlich vorher angeklingelt werden. Dazu gibt es den Bürgerbus der Generationenhilfe, der an zwei Tagen in der Woche die Orte mit der Kernstadt verbindet. Ohne Auto geht somit praktisch nichts.

Auch sonst hält sich die Infrastruktur in Grenzen. Die Volksbank hat ihren fahrenden Schalter bereits eingestellt, so Niesen. Die Sparkasse spielt seinen Informationen nach mit dem Gedanken. Somit ist die nächste Möglichkeit, sich mit Barem einzudecken, der Automat am Rothenberger Rathaus. Immerhin ist der LTE-Ausbau am Laufen. Denn gerade Hinter- und Raubach sind Täler der Ahnungslosen. Würde der Umsetzer oberhalb des ehemaligen Landschulheims genutzt, ließen sie sich besser versorgen, erklärt Niesen.

Das Vereinsleben pulsiert, wenn nicht gerade Pandemie-Zeiten sind. Der FCF als größter Verein richtet unter anderem das Oktoberfest und das Finkenbach-Festival aus. Die Feuerwehr veranstaltet Grillnacht und Weinfest, der Heimat- und Verschönerungsverein bringt sich am Freibad mit ein. Die Sänger mussten in 2020 leider meistens stumm sein. In Hinterbach stemmen die Aktiven alle zwei Jahre den immer sehr gut frequentierten Kohlenmeiler.

„Der örtliche Zusammenhalt ist da“, freut sich Niesen. Spricht man die Bürger auf ihre Hilfe an, „dann kommen sie auch“. Das lässt sich jedes Jahr am Freiwilligentag feststellen. Bocciabahn und Schachbrett am Schwimmbad sind die neuesten sichtbaren Ergebnisse des Engagements. Sowieso ist das Becken mit dem vorgelagerten Spielplatz und den dortigen Freizeitmöglichkeiten, beispielweise dem Multifunktionsfeld, der „Hotspot“ im Dorf. Die guten Parkplatzmöglichkeiten tragen ihren Teil dazu bei.

Der Kiosk am Schwimmbad war im vergangenen Sommer geöffnet, auch wenn nicht geschwommen werden durfte. Eine richtige Entscheidung. „Er war immer gut besucht“, erläutert der Ortsvorsteher. Die Älteren kamen dort für ein Schwätzchen zusammen. Andere fürs Spätjahr geplante Aktionen wie ein Erste-Hilfe-Kurs oder ein Dia-Abend übers historische Finkenbach mussten jedoch ausfallen.

Der Ortsbeirat hätte gerne noch Hecken und Bäume auf dem Friedhof geschnitten, was aber ebenfalls ausfiel, schildert Niesen den starken Einschnitt ins öffentliche Leben. In diesem Jahr sollen Bäume am Spielpatz gepflanzt werden, damit die Kinder in spe mehr im Schatten spielen können. „Wir hoffen darauf, dass die kommende Schwimmbad-Saison wieder wie geplant stattfinden kann“, betont er. Wobei der Ortsvorsteher auch anmerkt: „Uns auf dem Land geht es noch relativ gut.“

Die Voraushelfer dürfen seit der ersten Coronawelle nicht mehr ausrücken, moniert Niesen. Das hat sich nicht geändert. Dabei wäre die schnelle Hilfe in Notfällen durchaus sinnvoll, weiß der DRK-Mann. „Manpower und Ausbildung sind da, dürfen aber nicht genutzt werden“, bedauert er. Denn es gab schon Situationen, „in denen eine frühere Hilfe besser gewesen wäre“.

5G auf den Punkt gebracht

Der neue Mobilfunkstandard 5G bewegt schon die Gemüter, bevor überhaupt die ersten Anlagen in Betrieb gehen. Verschwörungstheorien über alle möglichen Gefahren machen in diesem frühen Stadium die Runde, war in der Stadtverordneten-Versammlung Oberzent zu erfahren. Nicht nur deshalb wünschten sich die Grünen per Antrag einen Bürgerdialog zum Ausbau des 5G-Mobilfunks in Oberzent. Die Mandatsträger einigten sich darauf, einer öffentlichen Diskussion die Beratung im Ausschuss vorzuschalten.

Fraktionssprecherin Elisabeth Bühler-Kowarsch ging es darum, „eine ausgewogene Information zu organisieren“. Damit könne man die Vor- und Nachteile des Netzausbaus kennenlernen und in einen Dialog mit Entscheidern, Gestaltern und Kritikern treten. „Die Chance zur Meinungsbildung sollten wir unseren Bürgern anbieten“, forderte sie. Denn die Digitalisierung nehme rasant an Geschwindigkeit auf.

„Wir sind auf Akzeptanz angewiesen“, betonte Bühler-Kowarsch. Deshalb wolle man ein breites Spektrum an Meinungen ermöglichen. Die Bedenken und Ängste „müssen wir ernst nehmen und mit Argumenten entkräften“, ist ihre Zielrichtung. Denn: „Die Menschen sollen mitgehen können.“

Von Walter Gerbig (CDU) kam die Anregung, eine fundierte Beratung im Bauausschuss vorzuschalten und dann in die Bürgerbeteiligung zu gehen. Frank Leutz (FDP) wünschte sich eine Prüfung, ob in Oberzent 5G derzeit überhaupt aktuell ist. Er betonte aber unabhängig davon die Notwendigkeit, „die Bürger mitzunehmen“.

Das hob auch Thomas Ihrig (SPD) hervor. Er wollte im Vorfeld „die Interessen abklopfen“. Chris Poffo (ÜWO) möchte ebenfalls erst nach einer Ausschuss-Beratung weitere Infos fließen lassen, um dann der Schwarzmalerei von 5G-Gegnern fundiert entgegentreten zu können.

Thomas Väth (Grüne) wies auf den dringenden sachlichen Info-Bedarf hin. Er war auf einer Veranstaltung von 5G-Gegner, ergänzte er, und „erschrocken über die hanebüchenen Vorstellungen“.  Die dort vorgebrachten Argumente der Bürgerinitiative müssten entkräftet werden, forderte er. Denn sie tragen zur Verunsicherung der Bürgerschaft bei.

In die Reihe der Ausschussberatungs-Befürworter reihte sich auch Bürgermeister Christian Kehrer ein. Kommt es dann zu einer Bürgerinfo-Veranstaltung, will er diese extern begleiten lassen. „Von uns stellt sich keiner da oben hin“, meinte er. Wie das Stadtoberhaupt weiter erläuterte, wurde Oberzent seitens des Landes angesprochen, ob man Testkommune für den 5G-Ausbau sein wolle. Dafür gibt‘s eine 90-prozentige Förderung.

Die Stadt sagte aber erst einmal „Nein“, erläuterte der Rathauschef. Denn die drei großen Mobilfunk-Anbieter sind auf der Gemarkung bereits tätig – beispielsweise im Bereich Olfen oder Schöllenbach, allerdings nur im 4G-Bereich.Wenn es keine städtischen Standorte sind, „werden die Kommunen gar nicht gefragt“, machte der Bürgermeister deutlich, dass manche Nachricht nur per Zufall den Weg ins Rathaus findet. So weiß er unter anderem durch den Buschfunk, dass in Beerfelden zwei Standorte im Gespräch sind.

In der Vergangenheit war die Versorgung mit mobilem Internet vor allem in den Oberzent-Tälern mangelhaft bis nicht vorhanden. Doch so langsam tut sich etwas. Zuletzt wurde im Gammelsbachtal ein 4G-Mast von Telefonica in Betrieb genommen, der nun hier für besseren Zugang ins weltweite Netz sorgt. Sensbachtal und Hesseneck darben jedoch noch.

Beachvolleyballfeld soll zum Spielplatz

Das Spielfeld für Jung und Alt entlang des Freibads Finkenbach soll nach dem Willen des Ortsbeirats eine weitere Bereicherung erfahren. Auf seine Anregung hin soll das Beachvolleyballfeld auf die andere Bachseite verlagert werden. Denn am jetzigen Platz wird es aufgrund seiner abgelegenen Lage nur sehr wenig genutzt. Die dann freiwerdende Fläche soll zur Erweiterung der Schwimmbad-Liegefläche verwendet werden. Damit würde außerdem das Finkenbacher Freizeitangebot auf einem übersichtlichen Platz zusammengeführt.

Für die Spielgeräte der Kleinkinder gibt es zu wenig Schatten, hatte der Ortsbeirat festgestellt. Deshalb kam von ihm auch der Vorschlag, zwei neue Bäume zu pflanzen. Die Stadt Oberzent wird dies übernehmen, so Ortsvorsteher Christian Niesen. Das Gremium wird sich mit seinem Budget an den Kosten beteiligen.

Erweiterung und Umgestaltung des Spielplatzes war eines der letzten Projekte, die der frühere Rothenberger Bürgermeister Hans Heinz Keursten vor seinem überraschenden Tod geplant hatte. Um ihn zu ehren, soll nun ein Gedenkstein errichtet werden. Der Ortsbeirat will hierfür Gestaltungsvorschläge machen und sich auch an den Kosten beteiligen.

 Die Hecken am Finkenbacher Friedhof haben einen kräftigen Wuchs. Der umgefallene Zaun im oberen Teil des Geländers, provisorisch in die Hecken gehängt, wächst ein, stellte Niesen fest. Auch an der Seite sprießte es in den vergangenen Jahren kräftig. Deshalb gab es den Vorschlag, dass der Bauhof zeitnah ober- und unterhalb zu Werke geht und die Begrenzungszäune repariert. Die Ortsgemeinschaft will sich um den seitlichen Hecken-Rest kümmern.

Hinterbach scheint ein beliebter Ort zu sein, um die Vierbeiner springen zu lassen. Auf jeden Fall kommen immer wieder Beschwerden von dort, dass es Verunreinigungen durch Hundekot gibt. Deshalb schlägt der Ortsbeirat vor, einen Hundekoteimer an die Brunnenstraße/Abzweig Brückenstein aufzustellen.

An der erneuerten Brücke in der Ortsmitte wächst das Falsche. Wie Niesen erläuterte, gedeihen auf dem dort von Hessen Mobil ausgebrachten Boden keine einheimischen Pflanzen. Das ist aber ein Problem, denn artfremde Flora verträgt sich nicht mit dem angrenzenden FFH-Gebiet. Der richtige Mutterboden wiederum wurde an Tretbecken und Kohlenmeilerplatz durch den Bauhof angeliefert – nachdem bei letzterem die wilden Schuttablagerungen entsorgt wurden.

Attraktionen für ältere Semester

Schon lange gab es den Wunsch, den Spielplatz am Schwimmbad Finkenbach auch mit Attraktionen für ältere Semester zu bereichern, um hier einen Treffpunkt für alle Generationen zu schaffen. Das Schachbrett, früher auf der Grünfläche neben dem Feuerwehrhaus beheimatet und im Zuge des Brückenneubaus abmontiert, fand nun dort seinen Platz. Außerdem entstand eine Bocciabahn. Für beide wurden bereits im Vorfeld Vorbereitungen getroffen.

Wenn es in Finkenbach etwas zu tun gibt, dann kommen immer etliche freiwillige Helfer zusammen, freut sich OIrtsvorsteher Christian Niesen. 21 waren es dieses Mal. Schon rechtzeitig vor der Aktion baggerte der städtische Oberzent-Bauhof die Fläche für die beiden Felder aus. Daneben wurden auch Schotter und Felsenkies angeliefert, um alle passgenau zu machen. Die Materialkosten dafür plus Kunststoff-Bordsteine werden aus dem Budget des Ortsbeirats beglichen, erläuterte Niesen.

Die Helfer brachten gleich selbst die erforderlichen Werkzeuge mit. Eine Rüttelplatte wurde von der Stadt gestellt. Eine Gruppe nahm sich des Schachbretts, die andere nahm die Bocciabahn in Angriff. Weitere Ehrenamtliche reinigten auf dem Spielplatz den Fallschutz unter den Spielgeräten gereinigt und befreiten die Hecken von Brombeeren und Brennnesseln. Ein gemeinsames Mittagessen im Schwimmbadkiosk war der Lohn für die harte Arbeit.

Durchs Finkenbachtal auf eigenem Weg radeln

Wenn nächstes oder spätestens übernächstes Jahr die Landesstraße im Finkenbachtal erneuert wird, dann könnte man im Zuge dieser Arbeiten auch die Herstellung eines Fahrradwegs zwischen Falken-Gesäß und Ober-Hainbrunn ins Auge fassen, war der Gedanke der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO). Sprecher Chris Poffo trug deren Ansinnen auf der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung vor – mit dem Ziel, eine Kostenschätzung dafür erstellen zu lassen.

Für Poffo sollte es „ein elementarer Bestandteil des Fahrradwegenetzes sein“, die südlichen S-Bahn-Anbindungen durch solche zu erschließen. Gerade der erheblichen Einschränkung des ÖPNV in Richtung Metropolregion könnte hier entgegengewirkt werden, meinte er mit Blick auf weniger Busverbindungen über Rothenberg nach Hirschhorn. Damit ließe sich autofreies Pendeln zum Arbeitsplatz ohne erhöhte Unfallgefahr ermöglichen.

Sein Gedanke war weiterhin, die angespannte Parksituation an den Bahnhöfen Eberbach und Hirschhorn zu verbessern. Daneben denkt Poffo an eine Kooperation mit der Stadt Hirschhorn, um eine Weiterführung des Radwegs an den Neckar zu erreichen. Der Fraktionssprecher wünschte sich einen Synergieeffekt mit der Straßensanierung und wollte entsprechende Fördermöglichkeiten kurzfristig geprüft wissen. In der Vorlage rechnete Poffo mit einem städtischen Eigenanteil von 30 Prozent der Baukosten.

Bei der Verwaltung stieß er mit seinen Gedanken auf offene Ohren. Mitte Oktober gibt es in dieser Angelegenheit bereits einen Termin mit der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Die Stadt will einen Bautermin erst in 2022 erreichen, um selbst noch genug Vorbereitungszeit zu haben. Denn erst jetzt ist die Kanalbefahrung fertig, die Auswertung läuft noch. Danach können die Überlegungen anlaufen, was wo erneuert werden muss. Dieses Mal, so Kehrer, soll alles gut vorgeplant sein.

Er wies darauf hin, dass bei der Sanierung von Bundesstraßen bereits ein Radwegekonzept erstellt werden muss. Das Land ist seines Wissens ebenfalls an einer solchen Vorgabe dran. Ein Radweg auf Landeskosten wäre auch dringend nötig, erläuterte er. Denn die Herstellung von einem Kilometer Radweg in qualifiziertem Ausbau kostet seinen Worten zufolge 500.000 Euro. „Ich bin froh, dass wir kein Straßenlastträger sind“, meinte Kehrer. Seinen Informationen zufolge ist die Maßnahme sogar schon ab dem Brombacher Wasser (der Abzweigung nach Kortelshütte) durch ganz Hainbrunn und Finkenbach geplant.

Dem Vorschlag von Frank Leutz (FDP), das Thema zur Klärung in den Bau- und Infrastrukturausschuss zu verweisen, kamen die Stadtverordneten einstimmig nach. Denn der wollte „wissen, was Sache ist“: Ob das Land die Kosten übernimmt oder die Stadt etwas zu zahlen hat. Denn dann würde sich Leutz eine günstigere Lösung etwa unter Einbeziehung von Waldwegen wünschen.

Finkenbach-Festival-Feeling fast wie früher

Ein wenig kommt an diesem Abend das Festival-Feeling der vergangenen Jahre auf. Auch wenn nicht wie sonst zwei Tage gefeiert wird, schaffen es Adax Dörsam, Timo Gross und Alex Auer beim FC Finkenbachtal, die Magie früherer Zeiten im Kleinen zu beschwören. Mit ihrer Hommage an Hudson „Leadbelly“ Ledbetter und etlichen Solostücken zaubern sie vor allem nach Einbruch der Dunkelheit eine besondere Atmosphäre auf den FCF-Sportplatz. Kein Wunder, dass begeisterte Fans am Schluss nicht gehen wollen.

Der Anfang ist bei sengender Sonne noch eher gediegen. Unter den Zuschauern sind einige Finkenbach-Festival-Versprengte auszumachen, die froh sind, dass es in diesem Jahr überhaupt noch Open-Air-Musik zu erleben gibt. Der eine oder andere obligatorische Camper und hustende VW-Bus ist auf dem Parkplatz auszumachen. Fans mit mehr Haaren unterhalb des Gesichts als auf dem Kopf bevölkern neben den „normalen“ den Zuschauerbereich.

Den hat der FC Finkenbachtal als Veranstalter ganz coronakonform hergerichtet. Allerdings hätten die Macher gern noch mehr Gäste begrüßt, denn Platz wäre für 250 gewesen. Somit gibt’s noch mehr Abstand als eigentlich nötig. Ist der Andrang verhaltener als gedacht, so geht’s zu späterer Stunde umso mehr ab. Alex Auer motiviert bei seinem Solo-Set die Besucher zusehends, während es im Tal langsam gemütlicher und angenehmer wird.

Spätestens wenn dann im dritten Set alle drei zusammen loslegen und losrocken, gibt es kein Halten mehr. Der Naidoo-Gitarrist Auer fühlt sich in kleinem Rahmen merklich wohl, kann improvisieren und drauf losjammen, wie es ihm gerade beliebt. Eine Freiheit, die bei großen Konzerten sicherlich nicht in dieser Form möglich ist.

Leadbelly (1885-1949) dürfte einer der verkannteste Bluesmusiker überhaupt sein. Denn er schrieb oder arrangierte Songs, die erst durch die Coverversionen in späteren Zeiten zu Weltruhm gelangten. Etwa „Cotton Fields“ gleich zu Beginn, dem Dörsam mit seiner Slide Guitar einen fast psychedelischen Touch gibt. Das Stück wurde 1969 durch Creedence Clearwater Revival (CCR) bekannt und auch von Udo Jürgens interpretiert.

Adax Dörsam mit seinem Faible für Saitenklänge von verschiedenen Kontinenten hat sich Leadbellys Stücke zur Brust genommen und ihnen ein ganz neues Klangbild verliehen. „Black Betty“, ein Klassiker bekannt durch Ram Jam, sieht ihn auf der Coral Sitar, während der Mörlenbacher Gitarrist bei „Midnight Special“ die Saz auspackt. Dieses Stück wiederum bezeichnet Dörsam als „Pfeiler des Auftritts“. In der früheren CCR-Version hatte es wie auch „Cotton Fields“ einen Folk-Touch.

Der stimmgewaltige Bluessänger Hudson Ledbetter aus Louisiana beeinflusste aber noch viele weitere Bands, machen Dörsam und Gross deutlich. „Take this Hammer“ wurde etwa von den Beatles eingespielt und geht fast schon in Richtung Tanzmusik. Das Duo macht es in Finkenbach und auf seiner kommenden CD zum schweren Blues.

„Western Plain“ gehörte zum Standardrepertoire von Rory Gallagher. Und „Good Night Irene“ hat sogar Eric Clapton im Repertoire. „Where did you sleep last Night“ wurde 1994 von Nirvana gespielt. Drösam und Gross covern aber nicht nur, sie haben auch einige Stücke als Hommage an Leadbelly komponiert und lassen ins Konzert noch ein paar andere selbst geschriebene Songs einfließen.

Eigentlich sollte ja Alex Auer auf dem diesjährigen Finkenbach-Festival mit seinen „Detroit Blackbirds“ wieder auftreten. Daraus wurde bekanntermaßen – Corona sei Dank – nichts. Stattdessen bietet er nun einige seiner eigenen Stück wie „Changes“ oder „If you lost someone“ solo dar. Mit Dörsam, der in der Band als Gast mitspielt, gibt’s „Smoke“ und „When it all comes down“ zu hören. Das macht sehr viel Lust auf mehr, die im dritten Set dann gestillt wird, wenn es den ersehnten Trio-Auftritt gibt.

Die Zugabe ist gleichzeitig auch die Krönung des Abends. Mit drei Gitarren gibt’s eine Melange von Rockklassikern. Alex Auer stimmt Led Zeppelins „Whole lotte Love“ an, das nach verschiedenen Einschüben, Breaks, Soli und Improvisationen schließlich als Jimi Hendrix‘ „Hey Joe“ in rauschendem Beifall endet. Das macht es schwer, sitzenzubleiben und führt zu ungewöhnlichen Anblicken – etwa der einer einsamen Tänzerin vor der Bühne mit Maske.

Finanzspritze für die Voraushelfer

Die Finkenbacher Voraushelfer werden seit April wegen der Corona-Pandemie nicht mehr alarmiert. Umso mehr freute die sich zwölfköpfige Gruppe jetzt, eine Spende über 2500 Euro von der Krombacher Brauerei entgegennehmen zu dürfen. Denn die Ersthelfer bekommen keine Zuschüsse und müssen ihre Ausrüstung selbst finanzieren. Es gab in der Zwischenzeit laut Wolfgang Buchert einige Fälle im Ort, bei denen „unsere Hilfe sicher benötigt worden wäre“.

Die Hängepartie geht weiter. Während Feuerwehren inzwischen schon wieder in Kleingruppen üben dürfen, fehlt den Voraushelfern die Perspektive. Eine Info, „wie und wann wir wieder aktiv werden können, haben wir bisher keine“, so der stellvertretende Wehrführer. Mit der Spende können die Ehrenamtlichen nun immerhin daran gehen, ihre Ausrüstung weiter zu optimieren. Denn ein Set mit Tasche, Material und Kleidung kostet pro Person an die 500 Euro.

Außendienstmitarbeiter Thomas Gösmann kam mit dem Scheck der Brauerei im Odenwald vorbei.  Die Finkenbacher sind einer von jährlich 100 Spendenempfängern. Die Vorschläge kommen von Verbrauchern und den Institutionen selbst. Nach intensiver Sichtung und Prüfung überzeugten die Voraushelfer das Auswahlgremium durch ihre ehrenamtlichen Rettungseinsätze.

Seit 2018 überbrückt die Gruppe die Zeitspanne zwischen Alarmierung und Eintreffen des Rettungsdienstes. Insbesondere auf dem Land kann dies etwas länger dauern, sodass die Voraushelfer bereits vor dem Erscheinen der Sanitäter schon Erste Hilfe leisten. Die Weiterbildungskurse sowie die Ausstattung werden rein durch Spenden finanziert.

Die Voraushelfer leisten aber nicht nur medizinische Hilfe. Sie kümmern sich auch um Angehörige, bis deren Verwandte oder das Kriseninterventionsteam eingetroffen sind. „Uns kennt man im Ort“, hebt Buchert hervor. Die Betroffenen sehen im Notfall bekannte Gesichter, denen sie sich anvertrauen. „Es muss in die Köpfe der Leute, dass es uns gibt“, sagt er.

Ein tödlicher Motorradunfall im Sommer 2017 in der Raubach gab den Ausschlag: DRK-Mann Christian Niesen wurde aus dem Schwimmbad per Piepser heraus als Ersthelfer alarmiert, die Finkenbacher Feuerwehr kam dann an die Unfallstelle hinzu. Aus dem späteren Gespräch heraus entstand die Idee, unter dem Dach des DRK eine Voraushelfer-Gruppe aufzubauen, die überwiegend mit Feuerwehrleuten „bestückt“ ist. Damit soll gewährleistet werden, dass immer jemand vor Ort in Notfällen greifbar ist.

Info:

Voraushelfer-Gruppe Rothenberg-Finkenbach: Zwölf Aktive aus Feuerwehr und DRK

Im Notfall weiterhin die 112 wählen

Weitere Infos bei Wolfgang Buchert unter E-Mail wolfgang.buchert@freenet.de

Spenden sind möglich auf das Konto des DRK Rothenberg-Finkenbach unter dem Verwendungszweck Voraushelfer Feuerwehr Finkenbach, IBAN DE16 5085 1952 0031 0000 60.

Drei Gitarrenvirtuosen ziehen in Finkenbach neue Saiten auf

Das traditionsreiche Finkenbach-Festival muss dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie leider ausfallen. Aber so ganz ohne Musik wollen die Macher des FC Finkenbachtal ihre Fans dann doch nicht lassen. Am Samstag, 15. August, treten die beiden Gitarrenvirtuosen Timo Gross und Adax Dörsam mit ihrem neuen Projekt „Leadbelly Calls“ auf. Aber nicht nur sie: Alex Auer ist solo ebenfalls auf der Bühne zu sehen und wird im Schluss-Set das Duo zum Trio machen. Beginn ist um 18 Uhr im Fußballstadion.

„Wir haben schon länger überlegt, etwas zu machen“, schildert der zweite Vorsitzende des FCF, Armin Löffler, die Vorbereitungen. Den Festival-Fans sollte in der ereignislosen Zeit was geboten werden. Alle drei Musiker wären sowieso dabei gewesen: Gross und Dörsam mit ihrem Duo, Naidoo-Gitarrist Alex Auer mit seinen „Detroit Blackbirds“, bei denen als Gast wiederum Adax Dörsam mitwirkt.

Das Konzert findet nicht auf dem alten wie sonst, sondern auf dem neuen Sportplatz statt, um Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können. Aktuell wird laut Löffler mit 250 Sitzplätzen geplant, die bereits per E-Mail reserviert werden können. Es wird eine kleine Bühne aufgebaut, der FCF sorgt daneben für die Verpflegung. Das Ganze „in gemütlicher Atmosphäre“, wie der Vereinsfunktionär schmunzelt.

Die Gitarrenkönner huldigen dem stimmgewaltigen Bluessänger Hudson Ledbetter aus Louisiana, besser bekannt als „Leadbelly“. Das Projekt gibt es seit einem Jahr, erzählt Adax Dörsam. Die Idee entstand aus den seit einiger Zeit bestehenden jährlichen Sessions mit Timo Gross. „Wir haben manches direkt live einspielt“, stimmte die Chemie zwischen den beiden Profis auf den sechs Saiten. Anderes wurde dann im jeweiligen Studio in Eigenregie gezaubert.

Aktuell hat das Duo schon eine Promo-CD im Gepäck, der „richtige“ Silberling soll kommendes Jahr erscheinen. Den ersten Auftritt mit diesem Programm gab es bereits ebenfalls – vor kurzem in der Pfalz, Timo Gross‘ Heimat. Dörsam bezeichnet die Musik als „innovativ und gleichzeitig Retro“. Der Odenwälder erkennt sowohl spirituellen Gehalt als auch Tiefe in den Songs, die durch ihre Coverversionen Weltruhm erlangten.

Gleichzeitig ist Leadbellys Lebenslauf ein Abbild der aktuellen Ereignisse in den USA, erklärt der Mörlenbacher. Der lebte von 1885 bis 1949 in Louisiana, Texas und New York. In dieser Zeit schlug der Rassismus erbarmungslos zu, so Dörsam: Leadbelly wurde einige Male verurteilt und saß die Hälfte seines Lebens in Gefängnissen. Als Schwarzer hatte man kaum eine Chance vor Gericht und vor der Polizei – wie sich die Zeiten gleichen.

Die beiden Solisten, Songwriter und Produzenten kreieren auf den Schultern dieses Bluesgiganten eigene, raue Klangwelten. Mit Respekt und Mut transformieren sie sein Erbe ins 21. Jahrhundert. „Leadbelly Calls“ mischen ohne Scheu Ethno-, Elektro- und Bluessounds und spielen mit Erwartungen und Nuancen, um die Hörer zu überraschen. Timo Gross erdiger Gitarrenstil verwebt sich eindrucksvoll mit den ausgefallenen und exotischen Sounds von Adax Dörsam.

Das breite Spektrum von „Talking to Huddie Ledbetter“ beginnt bei rohen und ostinaten Blues-Grooves. Zwei Dobros und Stimmen reichen bei „Take this Hammer“, um das verzweifelte Ringen um die Menschenwürde der schwarzen Eisenbahnarbeiter zu beschwören. Ein Highlight ist die Interpretation des Klassikers „Black Betty“, bekannt durch Ram Jam: ein extrem tanzbarer, hypnotischer Groove kontrastiert die klassische türkische Saz.

Leadbelly schrieb Welterfolge wie „Midnight Special“ und „Cottonfields“, interpretiert von Creedence Clearwater Revival, „Good Night Irene“ (Weavers und Eric Clapton) „Where Did You Sleep Tonight“ (Nirvana) oder „The Gallows Pole“ (Led Zeppelin). Foto: Rene_van_der_Voorden

 

Info: „Hallo Finkenbach 2020“ des FC Finkenbachtal am Samstag, 15. August, Einlass 16 Uhr, Beginn 18 Uhr, Open-Air im Fußballstadion, mit „Leadbelly Calls“ (Timo Gross und Adax Dörsam) sowie Alex Auer (solo). Reservierungen unter E-Mail fcfinkenbachtal@t-online.de oder Telefon 0160/2819049 und 0171/5132118.

Spielmeile soll vervollständigt werden

Auf dem Friedhof steht noch ein bisschen Arbeit an. Auf der vergangenen Ortsbeiratssitzung in Finkenbach wurde aufgelistet, was dort alles zu tun ist. Die Dorfgemeinschaft will im Herbst die Hecken auf der linken und rechten Seite schneiden, berichtete Ortsvorsteher Christian Niesen. Oben und unten passierte dies schon. Kritikpunkt war die noch ausstehende Reparatur der Beleuchtung. Bei einer kürzlichen Begehung mit der Stadtverwaltung wurde außerdem eine pflegefreie Erdbestattung angesprochen, die auch in Finkenbach möglich sein soll.

Der Tretbecken auf der Grünfläche neben dem Feuerwehrhaus „war bestimmt schon 1000 Mal Thema“, meinte Niesen. Inzwischen, beklagte er, „ist es nur noch ein Schlammbecken“, da bereits die ursprüngliche Planung Mängel hatte. Mit der Stadt will man bei einem Vor-Ort-Termin besprechen, „was wir mit dem Dreckloch machen“. Denn gedacht war anfangs, dass der Bach mit seinem Sog das Becken auch wieder leersaugt, wovon der aber nichts wissen will. Das Resultat: Schlamm.

Mit der Umgestaltung der dortigen Grünfläche ist man im Ortsbeirat nicht ganz zufrieden. Denn Hessen Mobil hatte die Brücke über die Kreisstraße erneuert und in diesem Zuge dort eine Behelfsbrücke errichtet. Die Finkenbacher wünschen sich, dass die Stadtverwaltung mit der Straßenbaubehörde Kontakt aufnimmt, um für eine Ausbesserung zu sorgen.

Der Freiwilligentag ist Corona-bedingt dieses Jahr auf zwei Wochenenden verteilt. An diesen wollen die Helfer die Boccia-Bahn am Spielplatz neben dem Schwimmbad anlegen – ein Projekt, das schon jahrelang auf der Wunschliste steht. Zusammen mit dem Schachbrett, das von der anderen Straßenseite hierher verlegt wurde, nimmt die Spielmeile für Jung und Alt Gestalt an.

Ein Dorn im Auge ist dem Ortsbeirat eine fehlende Geschwindigkeitsbeschränkung zwischen dem Kohlenmeiler-Platz und dem Ortseingang Hinterbach. Dort gibt es bei der Brunnenstraße eine gefährliche Ecke, wo die Autofahrer mit Tempo 100 angebraust kommen. „Da sollte Tempo 70 gelten“, forderte Niesen.

Eine weitere Verkehrsangelegenheit kam ebenfalls zur Sprache. Navis sind bekanntermaßen nicht unbedingt die verlässlichsten Instrumente, um sich auf dem Land zu orientieren. Bekannt ist, dass Auto- und Lkw-Fahrer von Beerfelden kommend aus über den Finkenberg (die ehemalige Friedhofstraße) geleitet werden, wenn sie Richtung Hinter- und Raubach wollen.

Das Problem: Die Straße ist sehr schmal und für schwere Fahrzeuge nicht ausgelegt. Deshalb wünschen sich örtlichen Mandatsträger an der Abzweigung von der Beerfelder Straße ein Verbotsschild für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, sodass diese dann die „normale“ Strecke an der „Traube“ entlang über die Brücke nehmen.

Für „Swim“ sollen Gelder fließen

Zusammen knapp 140.000 Euro gab’s vom Land für die Sanierung der Freibäder in Hetzbach und Finkenbach. Da die Schwimmanstalten derzeit sowieso geschlossen sind, möchte die Verwaltung gern Nägel mit Köpfen machen. Zumindest der Bau- und Umweltausschuss stand dem positiv gegenüber und signalisierte, dass die entsprechenden, eigentlich erst für 2021 eingeplanten Haushaltsmittel vorgezogen werden könnten.

„Swim“ nennt sich das Schwimmbad-Investitions- und Modernisierungsprogramm, aus dem nun zwei Mal Geld fließt. In Hetzbach soll es für die Sanierung der Badewassertechnik verwendet werden. Hier sind knapp 30.000 Euro Eigenmittel der Stadt nötig. Die Vorsteuerrückerstattung beläuft sich auf knapp 19.000 Euro. Das gleiche Spiel auch in Finkenbach mit Summen in fast der gleichen Höhe. Hier geht es um allgemeine Sanierungsmaßnahmen wie Folienerneuerung im Becken und Arbeiten auf dem Gebäudedach.

„Wir empfehlen dringend, die Maßnahme jetzt zu starten“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Dazu wäre aber die Mittelumschichtung nötig, weil im 2020er-Haushalt lediglich 10.000 Euro bereitstehen. Bei aller Freude über den Geldsegen wünschte sich Ausschussvorsitzende Katharina Riesinger (ÜWO), „das Waldseebad Beerfelden nicht zu vergessen“. Denn auch dort gibt es einen großen Renovierungsbedarf.

Leider fiel das Bad aufgrund seiner Kategorisierung durchs Raster. Die Stadt hat es aber im Blick. Der Zaunumbau wurde laut Kehrer vom Bauhof mitbegleitet. Aktuell sind die Mitarbeiter dabei, die alten, nicht mehr genutzten Duschbecken zu erneuern. Für 2021 sollen Gelder zur Sanierung mit in den Haushalt eingestellt werden, wobei der Bürgermeister verdeutlichte, „dass ein großer Eingriff nicht möglich ist“. Der wäre unfinanzierbar. Walter Gerbig (CDU) regte an, die Fühler zu anderen Naturbädern wie Kleingemünd auszustrecken, um Erfahrungen zu sammeln.

Die Bäche sollen wilder werden

Finken- und Marbach sind die „wilden Bäche“, denen auf Oberzent-Gemarkung in den kommenden Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Hintergrund bildet ein Programm des Landes, 2019 aufgelegt. Rund 500 hessische Bäche kamen für die Auswahl infrage. Unter den ausgewählten waren auch diese beiden, wobei der Finkenbach einige Kilometer mehr auf Oberzent-Gemarkung fließt.

Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) läuft in Hessen auf Hochtouren. Bis 2027 sollen alle Gewässer im Rahmen der EU-Vorgaben in einen guten ökologischen Zustand gebracht, die Bäche modellhaft renaturiert werden. Den Kommunen wird dabei viel Arbeit abgenommen. Sie erhalten eine umfangreiche Unterstützung von den ersten Planungsschritten bis hin zur Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen.

Gewässer sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen, heißt es im Programm. Geschützte Arten wie die Groppe, das Bachneunauge oder die grüne Flussjungfer sind dort zu Hause. Viele Bäche in Hessen wurden in der Vergangenheit ausgebaut, begradigt und in ein Betonbett gedrängt. An ihren Ufern können keine Bäume und Sträucher mehr wachsen, Insekten finden keine Nahrung und Fische können nicht mehr ungehindert schwimmen. Mit dem Programm „100 Wilde Bäche für Hessen“ soll wieder ein breites und unberührtes Ufer und ein natürliches Bachbett entstehen, wo das Wasser frei laufen kann. Das dient auch dem Hochwasserschutz.

Die Hessische Landgesellschaft wurde als Dienstleister auserkoren, um die Städte und Gemeinden zu unterstützen. Sie kümmert sich um Flächenmanagement, Projektsteuerung und -planung sowie die organisatorische Abwicklung der Maßnahmen vom Förderantrag bis zur Bauabnahme. In 138 Kommunen geht es bald los.

Der Marbach hat ein Einzugsgebiet von 57 Quadratkilometern und fließt 12,56 Kilometer durch die Region. Neben Oberzent werden auch die Gemarkungen von Erbach, Mossautal, Fürth und Grasellenbach berührt. Beim Finkenbach sind es zwei weitere Gemeinden: Hirschhorn und Wald-Michelbach. Sein Einzugsgebiet beträgt 64,5 Quadratkilometer. Er ist mit 22 fast zehn Kilometer länger.

Auch wenn man sich in der Stadt über die Aufnahme dieser beiden Bäche freut, „wäre es sinnvoller gewesen, die Mümling aufzunehmen“, meinte Bürgermeister Christian Kehrer. Stadtbaumeister Peter Bauer ergänzte, dass es in der ersten Augustwoche einen Termin im Rathaus Rothenberg gibt, bei dem sich alle Finkenbach-Beteiligten treffen. Dort soll dann auch vorgestellt werden, „was als Veränderung und Verbesserung auserkoren wurde“. Die Gewässerentwicklungsprojekte aus dem Programm sollen schrittweise bis 2023 begonnen werden.

Basis der Renaturierungen sind die Bewirtschaftungspläne und das Maßnahmenprogramm zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Hessen. Aber auch weitergehende zielführende Maßnahmen sind nicht ausgeschlossen. Das Programm soll darüber hinaus dazu dienen, die Öffentlichkeit für das Thema Gewässerökologie und Gewässerschutz zu sensibilisieren.

Projektierer machen in Oberzent viel Wind

Oberzent ist ein begehrtes Fleckchen für Windkraft-Projektierer. Die lassen sich auch nicht davon abschrecken, dass die Stadtverordneten-Versammlung dieses Jahr bereits klipp und klar deutlich machte, dass man keine riesigen Rotoren auf der Gemarkung haben möchte. Bürgermeister Christian Kehrer informierte auf der jüngsten Sitzung, dass derzeit vier Flächen im Fokus der Firmen sind: Katzenwinkel, oberhalb von Leonardshof, Hirschhorner Höhe und Finkenberg.

Seit März ist der Regionalplan Erneuerbare Energien Südhessen in Kraft, der die Windkraft-Ausschlussflächen definiert, erläuterte Kehrer. Der brachte dann auch Bewegung ins Gebiet Katzenwinkel, wo sich bisher die Stadt und der Projektierer Juwi beharkt hatten. Denn zwei der geplanten fünf Windräder liegen außerhalb des Plans.

Mit Juwi hatte es bereits einen Rechtsstreit über die Erschließung für deren bisheriges Vorhaben gegeben. Denn die Firma hatte der Stadt die Erschließungsanträge zur Unterzeichnung zugeschickt. Gegen eine solche wandten sich aber die Mandatsträger. Sie wollten die benötigten Flüchen nicht zur Verfügung stellen. Daraufhin folgte die Klage.

Da nun die beiden vorderen Windräder Richtung Etzean qua Regionalplan rausgeflogen sind, ist Oberzent-Gebiet in Gestalt von Grundstücken nicht mehr betroffen, so Kehrer. Die Folge: Der Projektierer zog seine Klage zurück, will aber, dass die Stadt die Verfahrenskosten trägt. Nicht mit uns, entgegnete diese, und beauftragte über ihr Anwaltsbüro, dass Juwi die Kosten tragen soll.

Die Erschließung wird jetzt wohl über Mossautal laufen, mutmaßte Kehrer, der damit rechnet, dass die Windräder weiter nach hinten Richtung dessen Gemarkung verlegt werden. Oberzent habe wenig Einfluss auf das weitere Geschehen. Man werde sich mit der Nachbargemeinde abstimmen, erläuterte er. Im vergangenen Jahr liefen 6000 Euro an Anwaltskosten auf, sagte er auf Nachfrage. Die Stadt will nun analog einer Anregung aus dem Gremium prüfen, ob diese Summe bei Juwi eingefordert werden kann.

Am Finkenberg tut sich ebenfalls etwas. Hier sind die Firmen Enercon und NWind an der Planung dran. Aktuell sind sieben Anlagen vorgesehen, frühere Planungen wurden zurückgenommen. Für den Wege- und Leitungsbau sollen 22 Flurstücke der Stadt in Anspruch genommen werden, teilte Kehrer mit. Da Oberzent hier – im Vergleich zum Katzenwinkel – nicht im Besitz der neben dem Weg liegenden Flächen ist, sieht der Bürgermeister Verhinderungschancen als gering an.

Die Erschließung soll seinen Worten zufolge von Airlenbach auf der Höhe Richtung Olfen laufen. Die Stadt bekäme für die Verlegung der Kabeltrasse einmalig 10.500 Euro, für die Zuwegung jährlich 10.200 Euro. Wie Kehrer mitteilte, sind Enercon und NWind sehr daran interessiert, das Projekt einvernehmlich mit Stadt und Bürgern zu realisieren. Deshalb gibt es auch das Angebot einer Vorstellung für die Öffentlichkeit. Der Magistrat beschloss, die Unterlagen der Stadtverordneten-Versammlung für eine kommende Sitzung zur Entscheidung vorzulegen.

Es dürfte sich um die gleiche Fläche wie die im (durchs Regierungspräsidium abgelehnten) Odenwald-Windkraftflächennutzungsplan handeln, antwortete der Bürgermeister auf eine Frage von Chris Poffo (ÜWO). Die Anzahl von möglichen Windrädern ist darin kein Thema, es wird nur das Gebiet ausgewiesen, erklärte er. Rüdiger Holschuh (SPD) befürchtete, dass bei dieser Dimensionierung außerhalb der Ortsbebauung die Windräder näher als einen Kilometer an manche Häuser heranrücken werden.

Beim Leonardshof ist die Stadt Grundstücksbesitzer. „Da haben wir das Heft in der Hand“, betonte Kehrer. Zum Vorhaben oberhalb von Rothenberg liegen der Stadt offiziell noch keine Infos vor. Allerdings weiß man, dass bereits Anwohner zwecks Grundstückverpachtung durch die Firma PNE angesprochen wurden.  Hier hat die Stadt keinen eigenen Besitz, um Windkraftanlagen zu verhindern, bedauerte das Stadtoberhaupt außer der moralischen Kompetente fehlende handfeste Einflussmöglichkeiten.

Trockenschwimmen ist angesagt

Die Oberzent-Freibäder bleiben in diesem Jahr zu: Die drei ehrenamtlichen Schwimmbad-Initiativen auf städtischer Gemarkung (Beerfelden, Finkenbach und Hetzbach) sehen sich personell nicht in der Lage, die Corona-Auflagen zu erfüllen. Von allen wird sehr bedauert, nicht öffnen zu dürfen. Eberbach, Erbach und Michelstadt lauten die Alternativen für Badefans.

Vor kurzem fand eine Sitzung mit Vertretern der Stadt statt. Darin wurde die in Hessen ab Monatsmitte mögliche Öffnung diskutiert. Allerdings unter großen, bis 16. August geltenden Auflagen, die den Knackpunkt bilden. Zum einen geht es natürlich um die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern. Zum anderen dürfen Sammelumkleiden von höchstens einer Person je angefangenen fünf Quadratmetern Grundfläche genutzt werden, soweit keine festen Trennvorrichtungen angebracht sind.

Außerdem muss der Zutritt ins Bad ohne Warteschlangen erfolgen. Die Betreiber müssen dazu ein Hygiene- und Zugangskonzept vorlegen und überwachen, das auch eine Reinigung der sanitären Anlagen und Umkleideräumlichkeiten in kurzen Intervallen vorsieht. Im Becken darf sich maximal eine Person je angefangener Wasserfläche von fünf Quadratmetern aufhalten.

Zum einen können die Ehrenamtlichen die Auflagen mit dem vorhandenen Personal nicht umzusetzen. Zum anderen signalisieren sie auch, dass sich „niemand die Konfrontationen bei der Umsetzung zumuten will“, wie es der Hetzbacher Walter Gerbig formuliert. Gekaufte (Jahres-)Karten für 2020 sollen nun ihre Gültigkeit für 2021 behalten. Wie es mit der Öffnung des Marbachstausees aussieht, klärt nach Auskunft von Bürgermeister Christian Kehrer derzeit der Wasserverband Mittlere Mümling.

„Wir bitten die Bürger um Verständnis“, sagt Ina Bottelberger vom Arbeitskreis Waldseebad, dass eine Öffnung der Bäder in den angrenzenden Städten leichter zu handhaben ist, weil Hauptamtliche dahinter stehen. „Wir haben uns gemeinschaftlich geeinigt, dass alle drei Bäder geschlossen bleiben“, erläutert sie. In Beerfelden wollen die Helfer nun Unkraut jäten, Büsche, Dornenhecken und Bäume zurückschneiden, „damit wir im kommenden Frühjahr keinen Urwald haben“.

„Die Grünanlage wäre gepflegt und betriebsbereit“, bedauert auch Christian Niesen vom Heimat- und Verschönerungsverein Finkenbach die fortwährende Schließung. Aber leider ist nur mit ehrenamtlichem Personal nichts zu machen. Die Helfer gehen nun daran, die Mängelliste zu aktualisieren und dann an die Stadt weiterzugeben. Dach abdichten, Wand verputzen oder Folie erneuern sind einige der Punkte, die vom Bauhof erledigt werden müssten.

Ähnlich in Hetzbach. Die Schwimmbad-Initiative will nun übers Jahr den Grünschnitt organisieren und die Wartungsarbeit für 2021 vorbereiten. Da ein Kiosk-Betreiber nach wie vor fehlte, hätte unter der Woche eine Person die Badeaufsicht übernehmen, die Eintrittskarten abreißen und die Hygienevorschriften überwachen müssen. Unmöglich, schildert Gerbig die Voraussetzungen

Mit leuchtendem Beispiel vorangehen

Zehn kleine Helfer haben sich jetzt in Finken-, Hinter- und Raubach auf den Weg gemacht, „gefahren“ von Ortsvorsteher Christian Niesen. Sie sollen dabei helfen, dass an neuralgischen Stellen langsamer gefahren wird. Hintergrund: Der Ortsbeirat schaffte vor kurzem aus deinem Budget zehn Streetbuddys an. Das Komplettpaket mit Schloss und Kette belief sich auf 450 Euro. Aufstellorte sind vor allem Buswartehäuschen, wo Kinder ein- und aussteigen, sowie Häuser, wo kinderreiche Familien wohnen.

Niesen informiert, dass die reflektierenden Figuren nicht stationär dort bleiben, sondern alle zwei Monate an andere Stellen kommen sollen. Damit will man einen Gewöhnungseffekt vermeiden. „Wir sind hinterher, dass sie immer woanders aufgestellt werden“, betont er. Die leuchtenden Freunde wurden von ihm festgekettet und angeschlossen, damit sie „uns nicht weglaufen“, meint er schmunzelnd.

Bei seiner Aktion erhielt Niesen viel positive Resonanz von den Bürgern. „Super“, war der Tenor. „Jetzt muss ich das Kettcar nicht mehr rausstellen“, sagte ein anderer. In Finkenbach stellte der Ortsvorsteher zwei Buddys etwa bei der Spedition Hotz oder Firma Baum auf. Richtung Hinterbach finden sich zwei Figuren an Häusern, wo viele Kinder wohnen, daneben weiter hinten am Bushäuschen und in Raubach am Ortseingang.