Finkenbacher Freibad mit viel mehr Besuchern als im vergangenen Jahr

Gelungener Abschluss einer sehr guten Saison: Stefan Zirkel, bekannt von „Cool Breeze“, unterhielt mit der Band „SO!“ die Gäste im Finkenbacher Freibad beim Abschlussfest. Mit dem Besuch an diesem Tag zeigte sich das Team um Mareike und Christian Niesen wie auch mit dem Andrang während des Sommers sehr zufrieden. „Wir hatten höchstens zehn Tage zu“, forderte der heiße und lang anhaltende Sommer den beiden einiges ab. „Langsam läuft es wieder“, scherzt Niesen. Zwischendurch gingen die Helfer aber ziemlich auf dem Zahnfleisch.

Der Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) verzeichnete ein großes Plus an verkauften Eintrittskarten gegenüber dem Vorjahr. Das hing auch damit zusammen, dass das Freibad an mehr Tagen als 2017 geöffnet war. Daneben kommt das Konzept der Niesens bei den Badegästen sehr gut an, ist immer wieder zu hören. Damit das Bad rausgeputzt in die Winterpause gehen kann, gibt es am 29. September einen letzten Arbeitseinsatz. Am ersten Mai-Wochenende 2019 soll das Eröffnungsfest für die kommende Saison steigen. Gebadet werden kann dann je nach Witterung.

Mit längst verschollen geglaubten Songs aus den letzten fünf Jahrzehnten unterhielten die Musiker die Gästeschar. Ganz nach dem Motto „Kennt jeder, spielt keiner“. Mit Charme verpackt in einer Art, wie man sie nirgends sonst zu hören bekommt. Damit kam die Treppe bestens an. „Die Leute waren lange da“, freute sich Niesen. Erst die typische abendliche Kälte im Finkenbacher Tal bereitete dem Feiern ein Ende.

Zur nachmittäglichen Kinderunterhaltung war Ritter Friedrich aus Hirschhorn vorbeigekommen. Hans-Jürgen Waibel in seiner Paraderolle leitete das Hufweisenwerfen, Armbrust- und Bogenschießen an. Unterstützt wurde er dabei von Mareike und Christian Niesen in mittelalterlichen Kostümen. Auf die Kinder wartete noch ein kostenloses Eis, das Herbert Gerhart von IWG-Induktionswerkzeuge spendete. Er stiftete auch jeweils eine Jahreskarte für Erwachsene, Kinder und Familien, die unter den Besuchern des Jahres 2018 verlost wurde. Als Losnummer diente die Eintrittskarte aus dieser Saison.

Info: Der Heimat- und Verschönerungsverein Finkenbach/Hinterbach/Raubach veranstaltet einen Arbeitseinsatz im Freibad Finkenbach. Am Samstag, 29. September, soll ab 10 Uhr in einer freiwilligen Helferaktion das Schwimmbadgelände in Ordnung gebracht werden. Anmeldung/Ideen/Fragen an Christian Niesen, Telefon 06068/4029, oder in Mareikes Backshop. Nach getaner Arbeit ist für das leibliche Wohl gesorgt.

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Schönes Ambiente und ein ausgefallenes Angebot machen das Finkenbacher Weinfest zum Erfolg

Es sind zwei, besser drei Faktoren, die das Weinfest der Finkenbacher Feuerwehr immer zu einem Erfolg werden lassen: das herrliche Ambiente im kleinen Park neben dem Gerätehaus, außerdem die Speisekarte mit einem nicht alltäglichen Angebot – und das zu sehr moderaten Preisen. Kommt dann noch das herrliche Wetter dazu, dann sind ruckzuck alle Sitzplätze belegt und die Helfer von Feuerwehr und Ortsbevölkerung haben alle Hände voll zu tun. 50 Freiwillige sind den Tag über fürs Wohl der Besucher im Einsatz.

Fabian Sauter und Thomas Frisch sind die Chefs der Flammkuchen-Abteilung. Ob traditionell mit Lauchzwiebeln, Speck und Schmand, griechisch Marke Hellas oder mit Lachs: Sie kommen, im Holzofen frisch gebacken, alle an. Natürlich die süße Variante nicht zu vergessen. Der Klassiker, der elsässische, läuft aber immer noch am besten. Er wird wie die anderen im Feuerwehrhaus von fleißigen Händen frisch belegt und dann die paar Meter zum Holzofen rübergetragen.

Dazu Forelle mit Kartoffelsalat, Ofenkartoffel mit Kräuterquark oder hausgemachte Kürbissuppe: Eher ungewöhnliche Gerichte bei einem Feuerwehrfest. Die Finkenbacher Brandschützer haben mit diesem Angebot aber sehr gute Erfahrungen gemacht. Beim Fisch setzen die Wehrleute auf Regionalität. Die Forelle stammt aus der Teichanlage Finkenbachtal von Matthias Bartmann. Am Tag vorher gefangen, legte sie dieser eine Nacht in Salz ein, ehe sie dann auf den Teller kommen. 40 Stück waren geordert worden. Kein Vergleich aber zum Flammkuchen, von dem 240 Stück an diesem Tag verputzt werden.

Die fünf Mitglieder der Jugendfeuerwehr verdienten sich etwas fürs Zeltlager dazu und boten neben Kuchen (Spenden aus der Ortsbevölkerung) auch Kaffee an. Eine Hüpfburg sorgte für Unterhaltung der Kinder. Alles zusammen bildet das Erfolgsrezept des Festes, das die Feuerwehr im Jahr 2010 neu aufleben ließ. Den dortigen Brunnen im Park „gibt’s schon seit 24 Jahren, aber bisher wurde er noch nicht als Festkulisse genutzt“, weiß Vereinsvorsitzender Jens Schindler. Was wäre das Weinfest ohne Wein: Verschiedene Tropfen vom Weingut Diel aus Rheinhessen fanden zahlreiche Abnehmer.

Von der Bevölkerung wird es sehr gut angenommen, ist es doch eine schöne Alternative zur traditionellen Kerwe. Aus Finkenbach selbst kommen deshalb auch die meisten Gäste. Mit Holzwagenrad, alten Weinfässern und aus Weinflaschen gestalteten Kerzenhaltern für Teelichter wurde das entsprechende Ambiente geschaffen. Zum inzwischen neunten Mal wurde im Park gefeiert.

Mehrere hunderte Besucher dürften es in diesem Jahr gewesen sein, freute sich Schindler. Ähnlich viele wie 2017, als ebenfalls optimales Wetter herrschte. Auch die Feuerwehren aus Langenthal und Ober-Hainbrunn ließen es sich munden. Bei den Getränken war natürlich der Fest-namensgebende Wein ein Muss. Die Weinprobe „wurde sehr gut angenommen“, so Schindler. Vier weiße und vier rote Tropfen standen zur Auswahl, dazu noch zwei Roséweine. Sie durften vorher auch im Fünfer-Pack verkostet werden.

Bei so viel Durst kommt natürlich etliches zum Spülen zurück. Herr der Gastro-Spülmaschine ist Rainer Flick, der sich über die prompte Erledigung der schmutzigen Arbeit innerhalb von zwei Minuten freut. „Früher musste das alle drüber im Haus per Hand gewaschen werden“, deutet er aufs Feuerwehrgebäude. „Das war eine ziemliche Strafarbeit.“

Viele Initiativen beteiligten sich in Oberzent am Freiwilligentag des Odenwaldkreises

Das ehrenamtliche Engagement wird in Oberzent groß geschrieben. Allein zwölf Initiativen beteiligten sich in der neuen Stadt am Freiwilligentag des Odenwaldkreises. Überall wurde geschrubbt, gehämmert, gezimmert, geschraubt, auf dass sich das eigene Dorf wieder in neuem Glanz zeigt.

Wenn in Ober-Hainbrunn was zu schaffen ist, dann kommen immer etliche Helfer zusammen. Ortsvorsteher Stefan Hofmann freute sich über 25 bis 30 Freiwillige, die dabei halfen, das Erdgeschoss im alten Schulhaus zu entkernen, den Weg hinunter zur Mühlstraße freizuschneiden und die Brücke am Sportplatz auf Vordermann zu bringen. Zusätzlich wird dort eine Saugstelle für die Feuerwehr gebaut, weil sie mit dem neuen, größeren Auto nicht mehr direkt an den Bach fahren kann.

Die Lehrerwohnung im alten Schulhaus neben der Feuerwehr steht schon seit eineinhalb Jahren leer. Sie soll jetzt zu einem Gemeinschaftsraum für die ganze Ortsbevölkerung plus Wahllokal umgebaut werden. Dafür ist allerdings viel zu tun. Eine Zwischenwand wurde rausgestemmt, das Bad musste entfernt werden, ein Behinderten-WC kommt rein, der ganze Putz wurde von Decken und Wänden geklopft. „Die Eingangstür mit den Glasbausteinen hat uns ziemlich aufgehalten“, so Hofmann. Denn da waren Stahlzargen drin.

Wandverkleidungen und Türzargen mussten auch noch raus, ständig dröhnten die Geräte. Die Helfer brachten laufend Schutt nach draußen. „Einen Pritschenwagen und zwei Anhänger haben wir bereits nach Wald-Michelbach gebracht“, sagte er. Die Arbeiten sind aber noch lange nicht beendet. Weitere Einsätze sind notwendig, bei denen Hofmann auf eine ähnlich gute Beteiligung hofft.

Von der Neckar- zur Mühlstraße führte ein kleiner Weg, der in der Vergangenheit ziemlich zugewuchert war. Er ist nun wieder gut zugänglich, nachdem Büsche und Sträucher entfernt wurden. Rund um den Glascontainer und das Gefriertruhenhaus packten auch einige Helfer an, um die Hinterlassenschaften anderer zu beseitigen. „Was die Leute alles wegwerfen ist unglaublich“, beklagte eine Freiwillige.

In Finkenbach waren knapp 20 Feuerwehr-Angehörige und Ortsbürger rund um das Gerätehaus und den angrenzenden Park aktiv. Das Grün wurde kräftig zurückgeschnitten und der Bachlauf saubergemacht. Ein kompletter Anhänger mit Grünschnitt, bestimmt zehn Kubikmeter, kam so zusammen, schätzte Wolfgang Buchert. Außerdem wurde noch Dachpappe einer alten Schutzhütte aufgeladen. Er war erfreut über die gute Resonanz.

Die SG Rothenberg will sich auf der Höhe ihren lang gehegten Traum von einem Ballfangzaun erfüllen. Denn vorher rollte das runde Leder mit schöner Regelmäßigkeit den Abhang runter, mit etwas Pech noch ins Gebüsch rein, wenn einer der Kicker kräftig verzog. 70 Metallpfosten wurden auf einer Länge von 210 Metern ins Erdreich gehauen. 1,10 Meter hoch soll der Zaun werden.

Die Fläche zwischendrin ist dann als Vorbereitungsfläche gedacht, wenn der Sportplatz selbst belegt ist, erläuterte Dominik Foshag. „Das war vorher eine extrem steile Böschung“, schilderte er. Federführend bei der Aktion war Volker Sauer, der mit Hingabe und Motorsäge am Hang aktiv war, um ein wenig Licht ins Strauch-Dickicht zu bringen. 15 Helfer packten mit an.

Eine ähnliche Zahl von Freiwilligen sorgte in Kortelshütte dafür, dass an der Kreuzung von Hoch- und Eberbacher Straße die Info-Tafel erneuert wurde. Unter der Federführung von Heike Götz vom Ortsbeirat wurden außerdem eine Sitzbank und Blumentrog neu gestellt. Adolf Helm, Marco Gugau und Arno Götz zeichnen dafür verantwortlich. Die komplette obere Erdschicht wurde abgetragen und abgefahren, die Fläche mit Holzhackschnitzeln wieder aufgefüllt.

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Posted by Thomas Wilken on Monday, September 17, 2018

 

Als das Leben in Finkenbach noch vor sich hinplätscherte

Was waren das früher für tolle Tage im Finkenbacher Freibad. Die Einheimischen wissen noch die aufregenden und komischen Geschichten von damals, als das Leben im Finkenbachtal gemächlich vor sich hinplätscherte und sich nicht so oft Auswärtige in den südlichen Odenwald verirrten. Alles war vor dem Internet- und Smartphone-Zeitalter entschleunigt. Das Leben war ein langer, ruhiger Fluss, erzählen Anneliese und Willi Arnold sowie Gerhard und Werner Friedrich vom hiesigen Chronikkreis.

Aus den Berichten der Eltern und Großeltern wissen die vier im Alter zwischen 75 und 82 noch, dass das Freibad Ende der 30er Jahre in Eigenarbeit hergestellt wurde. Schorsch Löffler und Gustav Siefert waren federführend. Der Reichsarbeitsdienst hatte – wie es in Beerfelden geschah – seine Hände nicht im Spiel. Gespeist wurde es vom oberhalb liegenden Mühlgraben. Durch die Rohre zwängten sich manchmal auch ein paar Forellen, die dann fröhlich im Becken herumschwammen.

Werner ging noch zur Schule, als das Becken in den 1950er Jahren das erste Mal renoviert wurde. Vorher bildete verputzter Buntsandstein die Wände, der sich aber als zunehmend ungeeignet erwies. „Das Bad sah damals bös aus“, erinnert er sich. Die Arbeit wurde gerecht aufgeteilt: Den einen Abend mussten die Bewohner der Häuser auf der einen Seite helfen, am nächsten Tag die auf der anderen Seite.

Willi aus Rothenberg freute sich immer aufs Heumachen im Sommer. Denn dann kam die Bergbevölkerung hinunter ins Tal und hatte endlich mal fließendes Wasser, das den Namen auch verdiente. Denn oben auf dem Berg gab es davon so gut wie nichts. Werner ist noch im Gedächtnis, „dass die Rothenberger Buben dann den Bach gestaut haben, um Forellen zu fangen“, wie er schmunzelnd anmerkt.

Die vier ortskundigen Senioren können sich noch daran erinnern, wie sich die Jugendlichen im Winter im Schwimmbad auf eine Eisscholle stellten und sich dann mit den Stecken am Boden abstießen. Schwimmbad-Surfen quasi. „Was war da los, wenn einer reingefallen ist“, lacht Gerhard. Einer, der unfreiwillig zu einem Bad kam, hatte unter seinen Klamotten eine „Leib-und-Seele-Hose“ an. Die kam natürlich dann zum Vorschein. „Was war das für ein Gelächter“, weiß Anneliese.

„Da oben war früher das Landschulheim der Liselotte-Schule aus Mannheim“, deutet Werner auf ein prägnantes Gebäude am Hang gegenüber. Wohlgemerkt war das eine Mädchen-Schule. „Die Mädels haben das Schwimmbad sehr gerne gemocht“, meint er verschmitzt. Die Jungs fanden es auch gut, wenn das weibliche Geschlecht aus der Großstadt baden ging? Da setzen die drei älteren Herren einen verschwörerischen Blick auf. „Dazu sag ich jetzt nix mehr“, lacht er.

Der Beginn des „Guru-Feschts“, wie das Finki-Festival bei den Einheimische genannt wird, ist den Vieren ebenfalls noch in guter Erinnerung. Vor 41 Jahren wurde es erstmals rappelvoll im Finkenbachtal. „Da war kein Durchkommen mehr“, weiß Willi. Zuerst auf dem heutigen Sportplatz durchgeführt, zogen die Feierwütigen dann auf die Wiese unterhalb der Firma Baum Fensterbau um, bevor es dann der heutige Platz am Schwimmbad wurde.

Schon immer kamen die Besucher aus dem ganzen deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. Anneliese erinnert sich lachend, „wie sich die Leute damals im Auto ausgezogen haben“. Ihr ist aber genauso im Gedächtnis, „dass nie etwas passiert ist“. Willi, der damals noch im Laden arbeitete, berichtet von „den Riesenmengen an Menschen“, die sich für ein Wochenende in Finkenbach einfanden.

Info: Das Abschlussfest der diesjährigen Saison im Finkenbacher Freibad findet am Samstag, 7. September statt. Kaffee, Kuchen und Grillen startet um 14 Uhr, um 14.30 Uhr beginnen die Spiele für Kinder „aus einer anderen Zeit“. Livemusik mit Stefan Zirkel und „SO!“ gibt es ab 16.30 Uhr, die Verlosung startet um 18 Uhr. Das Schwimmbad hat bei schönem Wetter bis zum 30. September geöffnet. Weitere Infos auf http://www.facebook.com/FreibadFinkenbach/

Zum Artikel geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2018/08/28/als-das-leben-in-finkenbach-noch-vor-sich-hinplaetscherte/Schwimmbad Finkenbach

Posted by Thomas Wilken on Monday, August 27, 2018

Der Chronikkreis geht der Finkenbacher Geschichte auf den Grund

Was war früher alles los in Finkenbach! Die vier Senioren kommen ins Schwärmen. Da gab es sogar noch einen Faschingsumzug, viele Arbeitsplätze in den verschiedenen Betrieben des Tals, eine Grundschule mit 80 Kindern, Wandertage mit hunderten von Teilnehmern, eine Kerwe, bei der das Tal schwarz vor Menschen war und, und, und. Willi und Anneliese Arnold sowie Gerhard und Werner Friedrich erinnern sich sehr wehmütig an die aufregende alte Zeit zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 50er und 60er Jahren, war so allerhand geboten. Damit das Wissen um die damaligen Jahre nicht in Vergessen gerät, treffen sich das Quartett im Alter zwischen 75 und 82 mit Gleichgesinnten mehrmals im Jahr zu einem Chronikkreis. „Alles, was früher war, wird dann durchgekaut“, lacht Anneliese. Die Federführung hat der gebürtige Finkenbacher Rolf Reutter, heute in Darmstadt wohnhaft. Er trägt alle Infos für eine Ortschronik zusammen.

Ein Thema sind etwa die Gemarkungs- und Quellennamen. Über deren Herkunft zerbrechen sich die Rentner gern den Kopf. „Allein darüber habe ich drei Ordner daheim“, schmunzelt Anneliese. „Es gab auf Gemarkung Finkenbach 33 Quellen“, weiß Gerhard. Allerdings wird es immer schwieriger an Informationen zu kommen, „weil die Älteren nicht mehr da sind“, bedauert Werner. Es gibt im Ort keine Schule mehr, an der ein Lehrer Wissen übers Dorf vermittelt.

Der Ratsbrunnen etwa liegt gleich am Berg gegenüber des Schwimmbads, in dem sich die vier heute treffen. „Warum der aber so heißt, weiß keiner mehr“, sagt Gerhard. Immerhin hat der Brunnen einen Namen, denn es gibt genug Wasserspender, die namenlos vor sich hinplätschern. Willi ergänzt, dass die jenseits des Bachs liegenden Häuser über eine durchs Tal gelegte Holzdeichsel aus dem Brunnen ihr Wasser bezogen.

Die Finkenbach-Seitentäler hatten alle einen Grund, erzählt Werner. Scheiben-, Schulzen-, Lenzen-, Wetter- oder Menzengrund zum Beispiel. In der Regel gab ihnen der dort ansässige größte Bauer ihren Namen. Bei der Bezeichnung Scheibengrund scheiden sich jedoch die Geister. Denn diese Ecke wurde nach dem Ersten Weltkrieg gerodet. Vielleicht weil die Fläche ziemlich rund ist, lautet eine Vermutung.

Ebenfalls nur Vermutung ist die Herkunft des „Schiffmannsgründchens“ an der Abzweigung zum Wettergrund. Vielleicht standen hier einst die hohen, langen und geraden Fichten, die die Holländer mit Vorliebe als Mastbäume verwendeten, vermutet Werner. „Damals gab es nicht so viele Nadelbäume wie heute“, erläutert er. Dementsprechend waren die qualitativ hochwertigen Exemplare gesucht.

Die Waldwirtschaft war vor 150 Jahren noch ganz anders strukturiert, wissen die vier aus Erzählungen. Das „Rennekloppe“, Rindenklopfen, sorgte für den Lebensunterhalt vieler Familien. Eichen wurden ihrer Rinde erledigt. In Beerfelden und Hirschhorn gab es „Rinnescheunen“, wo diese abgeliefert wurden. Abnehmer war die Firma Freudenberg in Weinheim, die daraus Gerbsäure herstellte.

In den 1950er Jahren starb dieses alte Handwerk aus. „Als Bub war kann ich mich noch daran entsinnen“, sagt Willi. Und Werner weiß von den Lossteinen im Wald des Wetterbergs, womit die an die Familien vergebenen Areale umgrenzt wurden. Die durften nach Ablieferung der Rinden das Holz behalten und ein Jahr auf der Fläche Heidekorn aussäen, damit später die Eichen wieder wachsen konnten.

Aus Finkenbach wegziehen? Obwohl Gerhard und Werner ursprünglich aus Olfen kommen, Willi aus Rothenberg, ist die Antwort schon fast entrüstet: nie und immer. „Wenn man hier Grund und Boden hat, ist man hier verwurzelt“, betont Werner. Nach Frankfurt ziehen? „Das könnte ich mir nie vorstellen“, sagt Gerhard. „Einen Tagesausflug ja, aber dort wohnen? Auf keinen Fall“, betont auch Werner. Die vier bedauern sehr, dass es den Stammtisch wie früher in den Gastwirtschaften nicht mehr gibt. „Da saßen Alt und Jung zusammen, wurde das Wissen an die folgende Generation weitergegeben“, meint Anneliese. „Heute sind die Jüngeren nicht mehr da“, beklagt sie.

Das erste Mal in 42 Jahren Finki-Festival: ausverkauft

In all den 42 Jahren „Guru-Feschd“, wie die Einheimischen das Finki-Festival liebevoll nennen, hat es das noch nicht gegeben: „Ausverkauft“ heißt es bereits am frühen Freitagabend. Guru-Guru-Booker Karl-Heinz Osche freut sich am Eingang wie ein Schneekönig, auch Armin Löffler vom mitveranstaltenden FC Finkenbachtal hat ein breites Lächeln im Gesicht. Ein Lohn der harten Arbeit im Vorfeld, meint er. Mani Neumeier, der Kopf von Guru Guru, ist im Jahr des 50. Bandjubiläums einfach nur glücklich darüber, dass „seine“ Musik so viele Anhänger hat.

Dass die Band ein halbes Jahrhundert bestehen würde und das Guru-Feschd seit 42 Jahren, „hätte ich damals nie gedacht“, meint er im Gespräch. „Es ist ein Wunder, dass so etwas passieren kann“, sagt der 77-Jährige angesichts der heutigen Gesellschaft, in der nur das „Schneller, Höher, Weiter“ zähle. Ihm tut es leid, dass manche Interessierte nicht mehr aufs Gelände dürfen. Für die wurde aber dann am Samstag als Jubiläumsgeschenk der blickdichte Zaun entfernt, sodass sie als „Zaungäste“ trotzdem noch einen guten Blick auf die Gurus zu deren „50.“ hatten.

Wenn Mani Neumeier 50 Jahre zurückblickt, wird er etwas wehmütig. „Viele Kollegen von damals sind schon gestorben.“ Deshalb ist es für ihn ein großes Glück, „dass ich immer noch mitspielen darf“. Das diesjährige Festival ist „wie Geburtstag und Weihnachten zugleich“. Der Musiker empfindet es als faszinierend, „so lange diese Kultur machen zu können, die man sonst auf dem Land nicht findet“. Denn „wir haben einen hohen Qualitätsanspruch“. Die Besucher kommen von weit her, um auf dem Finki Bands geballt live zu sehen, die anderswo kaum noch zu erleben sind.

Auch wenn es dieses Mal besonders voll ist, beim Auftritt des Gurus sich die Leute dicht an dicht drängen, „bleibt es immer noch gemütlich“, weiß er. „Kein Tohuwabohu wie Wacken.“ Jeder kennt jeden. Laufend muss der 77-Jährige eine Hand schütteln, wird umarmt, bekommt von Amon Düül ein T-Shirt in die Hand gedrückt, signiert Plakate. Geduldig macht Neumeier alles mit. Alte Weggefährten, mit denen er vor mehr als vier Jahrzehnten auf der Bühne stand, kommen vorbei und freuen sich wie Bolle, endlich mal wieder den Mani zu treffen.

Der Auftritt von Guru Guru ist dann auch so etwas wie eine Zeitreise. Es gibt Stücke der neuen CD „Rotate“ zu hören, aber auch einen Ausflug in frühere Jahrzehnte. Ex-Gitarrist Ax Genrich kommt zum „LSD-March“ von 1970 auf die Bühne, Luigi Archetti greift bei „Moshi Moshi“ aus 1997 in die Saiten. Für den Samstagabend bedeutet dies, dass beim Auftritt der Krautrock-Legenden der Festivalplatz aus allen Nähten platzt.

Die Jungs von „Epitaph“, dieses Jahr der Opener des Festivals, „habe ich das erste Mal in den 70er Jahren in Darmstadt getroffen“, erzählt Neumeier. Auch die Musiker von „Amon Düül“ kennt er „bereits seit Urzeiten“. Mit „Kraan“ hat er vor ein paar Jahrzehnten CDs aufgenommen. Alle freuen sich, „dass wir noch leben“, grinst der Guru-Chef. Wenn die Knochen halten, „spiele ich noch jahrelang“, kündigt der 77-Jährige an. Wann Schluss sein wird, weiß auch er nicht. „Das macht das Ganze prickelnder“, gewinnt Mani Neumeier dem Altern eine gewisse Spannung ab.

„Das waren die besten heute Abend“, war mehrfach über den Opener Epitaph zu hören. Die Hannoveraner Krautrock-Legenden, denen sich die langen Musik-Jahre als Falten ins Gesicht gemeißelt haben, spielen straighten Hardrock ohne viele Schnörkel.

Die Dissidenten im Anschluss sind eindeutig sperriger, auch wenn ihre Weltmusik mit Querflöte, Drehleier und Mandoline samt arabischen Klängen viel differenzierter rüberkommt. Mit viel Verspätung geht’s dann mit Amon Düül II weiter. Und die Ohren machen Augen. Komplex, verspielt, vertrackt, rockig, mächtig schallt der Sound über den sich langsam wegen der herankriechenden Kälte leerenden Platz.

Marblewood beschloss am frühen Morgen den Tag. „Jane“ am Samstagabend bildete nach dem umjubelten Guru-Auftritt einen hochkarätigen Abschluss. Die Band mit ihrem puren Hardrock begeisterte noch einmal die Massen, während sich bei „Vibravoid“ langsam aber sicher die Reihen leerten. Kein Wunder, denn inzwischen zeigte das Thermometer nur noch zehn Grad.

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Posted by Thomas Wilken on Sunday, August 12, 2018

Ein ganzer Ort stemmt jedes Jahr das „Finki“

Um 1 Uhr in der Nacht auf Sonntag ist die Spannung weg. Tagelang hatten die Organisatoren zittern müssen, ob das Finki wegen Hitze und Waldbrandgefahr überhaupt stattfinden würde. Und dann dieser Erfolg, mit dem keiner rechnete. „Total zufrieden“, lautet sein Fazit. Besser geht eigentlich nicht. Die Fortsetzung 2019? „Na klar“, meint Armin Löffler von FC Finkenbachtal. Wenn alles aufgeräumt und Ruhe eingekehrt ist, werden die Planungen fürs nächste Jahr starten.

Die Organisation des Finki-Festivals ist ein Kraftakt für das 550-Seelen-Dorf. Die gesamte Bevölkerung zieht mit, damit diese einmalige Veranstaltung jedes Jahr in der Ortsmitte über die Bühne gehen kann. Für die Anwohner bedeutet es eine knappe Woche ohne Schlaf. Dieses Jahr waren es ein oder zwei Tage mehr Ruhe, weil die Camper wegen der erhöhten Brandschutzmaßnahmen erst am Donnerstag aufbauen durften.

Gerd Brechenser, der Vorsitzende des mit veranstaltenden FC Finkenbachtal, wird deshalb nicht müde, am Freitagabend nach dem „Dissidenten“-Auftritt seinen Dank an die Ortsbevölkerung zu betonen. Denn die hört nicht nur die Musik, ob sie will oder nicht, sondern bringt sich auch noch in den verschiedenen Servicediensten ein oder steuert Kaffee und Kuchen bei. 150 mit Liebe gebackene Nachmittagsleckereien kommen so in der Regel zusammen. Vom Kartoffel-Schnippeln mal ganz abgesehen. Zentnerweise werden so die begehrten Bratkartoffeln vorbereitet.

Alle Helferegal welcher Couleur schließt Brechsener in seinen abendlichen Dank mit ein. Ganz besonders aber richtet sich der an einen, ohne den es das Finki nicht gäbe: Mani Neumeier. Zum 50. Bandjubiläum, dem 36. Finki in 42 Jahren und „dem 30. mit dem FC“ gibt’s eine gedrechselte Holzplakette mit Flyer drauf. Die treuen, friedlichen Fans werden in den Worten von Brechenser und Löffler natürlich nicht vergessen. Verbunden mit der Bitte, auf dem Heimweg einen sauberen Ort zu hinterlassen.

Da wegen der Hitze und Trockenheit in diesem Jahr die Brandsicherheitsvorschriften verschärft worden waren, kümmerten sich die Feuerwehren aus Rothenberg, Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Kortelshütte statt der Parkplatzeinweisung vorrangig um deren Einhaltung. 88 Brandschützer teilten sich die 70 Dienste von Donnerstag, 9 Uhr, bis Sonntag, 13 Uhr. „Vor allem Zigarettenkippen und Gaskocher“ wurden auf dem Campinggelände beanstandet, sagt Timo Fink aus Kortelshütte. „Die meisten sind aber sehr einsichtig“, lobt er die Mitwirkung der Gäste.

Das DRK Rothenberg mit Bereitschaftsleiterin Anja Braner hat seine Zelte gegenüber des Eingangs aufgeschlagen. „Das ist praktischer als auf dem Gelände“, erläutert sie. Es geht so im Notfall schneller, einen Verletzten mit dem Krankenwagen abzutransportieren. 14 Ehrenamtliche, die von Beerfelden unterstützt werden, samt einer Finkenbacher Voraushelferin, kümmern sich um die Besucher.

Am späteren Abend sind es vor allem der Alkohol und andere Rauschmittel, die manchen zu schaffen machen. Aber es ist für die Helfer zum Glück nicht allzu viel los, es bleibt meist friedlich. „Wenn die alle Schuhe anziehen würden, hätten wir weniger zu tun“, deutet Braner auf nackte Füße der Besucher, die sich so öfters Glasscherben einfangen. Auch Löffler sieht alles im Rahmen des Normalen. „Wie immer halt.“

„So einen guten Besuch habe ich noch nie erlebt“, sagt Booker Karl-Heinz Osche. 2500 Armbänder wurden hergestellt „und die sind alle verkauft“. Dazu kommen noch etliche Tagesgäste und Einwohner. Das optimale Festivalwetter – immer leicht bewölkt, nicht wärmer als 25 Grad – tut sein Übriges. Freitagabends ist es bereits so voll wie sonst samstags – inklusive gemütlicher Feierstimmung. Samstags bei den Gurus ist kein Durchkommen mehr. Es ist eben das Finki, das etwas andere Festival ohne großen Trubel. Fortsetzung folgt.

Zum Bericht geht's hier:…

Posted by Thomas Wilken on Sunday, August 12, 2018