Das Neckartal ist demnächst nur noch auf Umwegen zu erreichen

Das Neckartal ist von der Höhe aus demnächst nur noch mit Einschränkungen zu erreichen. Denn Ende Juni startet die Fahrbahnerneuerung auf der Landstraße 3410 zwischen Kortelshütte und Hirschhorn (Brombacher Wasser) auf etwa dreieinhalb Kilometern. Sie soll dann bis August andauern, erhielten die Ortsbeiräte als Info auf der vergangenen Sitzung. Die offizielle Umleitung erfolgt über Beerfelden. Zusätzlich werden die Strecken zwischen Rothenberg und Ober-Hainbrunn sowie Finkenbach während dieser Zeit als Einbahnstraßen ausgewiesen werden.

„Hier sollte von der Stadt beachtet werden, ab wo die Einbahnstraßenregelung gilt“, so der Wunsch der Mandatsträger. Ihr Vorschlag lautete Richtung Finkenbach ab Beginn des Waldes, Richtung Ober-Hainbrunn ab dem Weg zum Friedhof. Zusätzlich sollten die Straßen, vor allem in Richtung Hainbrunn, auf Straßenschäden überprüft und durch den Bauhof mit Kaltasphalt ausgebessert werden. Denn diese Strecke hat etliche Schlaglöcher.

Einige Rothenberger fahren morgens mit dem Bus nach Hirschhorn und müssen dort die S-Bahn erreichen. Deshalb wurde der Wunsch an die Stadt herangetragen, über die OREG abzuklären, ob dies gewährleistet werden kann und wann die Busse während der Bauzeit fahren.

Zusätzlich zur Hundetoilette in der Verlängerung des Stichwegs Höhenstraße sollen noch drei weitere aufgestellt werden, so die Mittelung: am Sportplatz Rothenberg, auf dem Weg Richtung Schomen (an der „Doppeleiche“) und an der Schutzhütte bei den „Lehmlöchern“. Von einem Zuhörer kam die Anregung, größere Müllbeutel zu deponieren. Denn mit den sehr kleinen bestünden doch Probleme, diese anschließend zu verknoten. Vorreiter in Hinsicht XXL-Tüten ist Beerfelden.

Der Ortsbeirat hatte bereits angeregt, ob von Mai bis September zusätzliche Termine für die Grünschnittannahme im Bauhof Rothenberg möglich sind. Derzeit ist diese jeden zweiten Samstag im Monat möglich. Da die Bauhofmitarbeiter einmal in der Woche bis 16.30 Uhr arbeiten, wurde nachgefragt, eventuell an diesem Tag von 16 bis 16.30 Uhr in den Sommermonaten Grünschnitt anzunehmen. Bürgermeister Christian Kehrer will prüfen, ob dies machbar ist.

Über das Regionalbudget der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) können Projekte in der Gemeinde bezuschusst werden, lautete eine weitere Information. Der MGV Rothenberg versucht eine Schrankwand mit abschließbaren Kühlschränken für den Mannschaftsraum in der Sporthalle mitfinanziert zu bekommen. Diese Kühlschränke könnten dann von verschiedenen Vereinen benutzt werden.

Über den Ortsbeirat wurde bereits in einer vergangenen Sitzung angeregt, am Metzkeil in Rothenberg einen Stromanschluss zu installieren. Den könnten die Vereine für Festivitäten wie etwa am Rad- und Inlinertag nutzen. Eine neue Standsäule kostet etwa 3000 Euro, wurde nun berichtet. Weiterhin sind jährliche Zählerkosten von etwa 100 Euro fällig. Es soll jetzt geprüft werden, ob der in der Nähe liegende Anschluss der Kirchenbeleuchtung genutzt werden kann.

Stadtbaumeister Peter Bauer kümmert um die Planausarbeitung für den zusätzlichen Unterstand auf dem Friedhof. Im Ortsbeirat soll dann der ausgearbeitete Vorschlag vorgestellt werden. Der Blumenschmuck, jedes Jahr auf öffentlichen Bereichen gepflanzt, wird auch weiterhin von der Stadt bezahlt, hieß es. Er fällt nicht in das jährliche Budget des Ortsbeirats von 1900 Euro. Farben, die der Verkehrs- und Verschönerungsverein zur Pflege der Parkbänke benötigt, können über die Stadt abgerechnet werden.

Werbeanzeigen

Hoffnung auf einen ganz neuen Kindergarten in Rothenberg

Der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt sein können. Gerade war die Kindertagesstätte „Himmelsauge“ von ihrem Ausweichquartier nach dem Verteilerkasten-Schmorbrand wieder in die regulären Räume gezogen, standen die Fastnachter der Narrhalla Hainbrunn mit einem Scheck vor der Tür. 900 Euro sollen bei der Bewältigung der Brandfolgen helfen, wegen denen die Kita viereinhalb Monate lang ihre Notunterkunft in der Rothenberger Sporthalle aufschlagen musste.

Alle Wände wurden neu gestrichen, schildert Leiterin Andrea Koch die Maßnahmen in dieser Zeit. Daneben wurden die Deckenplatten ausgetauscht und der brandauslösende Sicherungskasten ins Verwaltungsgebäude versetzt. Über die Brandschäden hinaus gab es noch keine weitergehende Sanierung, erläutert Koch. Die ist über kurz oder lang in dem älteren Gebäude aber notwendig, weiß sie aus eigener Anschauung.

Der Bedarf wird auch bei der Stadt gesehen, so Koch. Die Planungen sind am Laufen, bestätigt Bürgermeister Christian Kehrer. Im Doppelhaushalt 2019/2020 sind Mittel für Sanierung oder Neubau eingestellt, allerdings vom Parlament mit einem Sperrvermerk versehen. Der Brandschaden beläuft sich auf etwa 100.000 Euro, erfuhr sie.

Die Hilfsbereitschaft während der Interimszeit war groß, freut sich die Leiterin. Die Elternschaft organisierte alles, erstellte eine Liste mit dem Benötigten und arbeitete sie ab. Somit wurde auch nur das gespendet, was notwendig war: Bilderbücher, Puzzles, Schere, Malstifte. Dazu gab es noch von den anderen Oberzent-Kindergärten Materialspenden. „Innerhalb kürzester Zeit hatten wir eine Grundausstattung“, zeigt sich Koch dankbar.

Hinzu kamen noch viele Geldspenden, die zweckgebunden für die Kita Himmelsauge erst einmal geparkt werden. „Wir wollen sie noch nicht verwenden“, erläutert die Leiterin, sondern abwarten, wie die räumliche Entwicklung weiter geht. Dann alles, was weggeworfen werden musste, werde von der Versicherung ersetzt.

Neuanschaffungen werden ihren Worten zufolge erst einmal aufgeschoben, in der Hoffnung, dass es vielleicht eine komplett neue Kita gibt. Ein Gelände dafür stünde unterhalb der Sporthalle zur Verfügung. Koch weiß natürlich auch um die angespannte Finanzsituation der Stadt. Neben dem Sanierungsbedarf erwähnt sie das alltägliche Park-Chaos rund um die Kita in der Hauptstraße. Elf Erzieherinnen „wissen nicht, wo sie parken sollen“. Wenn die Eltern ihre Kinder vorbeibringen, ist zwei Mal am Tag Rush-Hour im beschaulichen Rothenberg.

Ein Ingenieur schaue sich die Kitas in Beerfelden „in alle Richtungen an“, so Bürgermeister Kehrer. Während es in Beerfelden nur um Erweiterungsmöglichkeiten geht, so wird in Rothenberg zusätzlich die Möglichkeit eines Neubaus abgeklopft. Denn die einzige Erweiterung könnte nur nach oben hin erfolgen, wo derzeit die Oberzent-Bauverwaltung untergebracht ist. Dann müssten für diese wieder andere Räume gefunden werden.

Narrhalla-Präsident Frank Flachs hatte sich für die Scheckübergabe dreifache Verstärkung mitgebracht: Funkenmariechen Paula Manschitz und die beiden Clowns Diana Kasper und Marleen Friedrich. Running Gag war die Verwechslung – wohl wegen des Dreispitzes – des Funkenmariechens mit einem Pirat, was aber flugs von Flachs in die richtige Richtung gelenkt wurde: „Der Pirat hat einen großen Schatz dabei.“

Da die Fastnacht in Ober-Hainbrunn allseits bekannt ist, „wollten wir das nutzen, um was Gutes zu machen“, sagte er. Fleißige Gardemädels waren während der drei ausverkauften Sitzungen unterwegs und sammelten Spenden. Die so zusammengekommenen 818 Euro stockte der Verein auf 900 auf. Mit einem Dankeslied revanchierten sich die Kinder dafür und waren fast noch mehr von den Süßigkeiten begeistert, die die vier im Gepäck hatten.

In der Rothenberger Kita Himmelsauge werden derzeit 62 Kinder betreut. In zwei Krippengruppen sind es zwölf und fünf Unter-Dreijährige, in zwei altersgemischten Gruppen 45 Ü3-Kinder.

Narrhallas Narren lassen es krachen

Von dem bisschen Wind lassen sich Narrhallas Narren nicht die Feierstimmung wegblasen. Sturmtief „Bennet“ wurde am Rosenmontag einfach ausgesessen. Am Nachmittag waren Orkan und Regen durchgezogen, sodass dem Faschingsumzug durch die Narrenhochburg des Finkenbachtals nichts mehr im Wege stand. Trockenes Wetter, noch erträgliche Temperaturen und 31 ideenreiche Zugnummern bescherten dem Verein wieder einen großen Ansturm zum Nachtumzug.

Besonders am Moderationsstopp kurz vor der Abzweigung zur Sporthalle herrschte großer Betrieb, da die Narren dort auch eine Verpflegungsstation aufgebaut hatten. Dort schwenkte die vorausgehende Guggemusik des Fanfarenzugs Wiesenbach ein und beschallte anschließend die Gäste. Der 15. Rosenmontagsabendumzug im 36. Jahr der Narrhalla wurde an allen Ecken und Enden mit einem lautstarken Helau begrüßt.

31 Fußgruppen, Garden und Motivwagen zogen vom Alten Schulhaus aus über die gesperrte Landesstraße durch den Ort. Danach stieg in der Sporthalle die große Hawaii-Party im Trockenen und Warmen. Die meisten Zuschauer versammelten sich rund um den Dorfbrunnen an der Abzweigung zum Himmelreichweg, wo sie mit Speisen und wärmenden Getränken versorgt wurden. Zugmoderator Carsten Werner kündigte dort die jeweiligen Gruppen und Zugnummern an. Feuerwehr und DRK umrahmten den Narrenwurm.

Die Gäste sparten nicht mit aufmunternden Fastnachts-Rufen für die weit über 200 Aktiven, ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. Erste Auflage des Umzugs war bereits im Jahr 2005 anlässlich des 22. Die Veranstalter vom SV stellten mehr als die Hälfte der Gruppen, darunter – neben anderen – Dancing Starlets, Minischautanzgruppe, Next Generation, Happy Feet, SV-Funken, Männerballett Biergorgler oder die Showtanzgruppe Crazy Girls.

Das Oberzent-Prinzenpaar Trudi und Jupp aus Rothenberg sowie Funkenmariechen Paula Manschitz beschlossen die große Demonstration fastnachtlicher Macht aus dem Oberzent-Stadtteil. Aus Hirschhorn war das Lachsbachperlen-Kinderprinzenpaar Aliyah I. und Elias I. mit Funkenmariechen Josephine dabei.

Auf der Suche nach Dagobert Ducks Tresor machten die Panzerknacker des badischen Äppelwoiteams Heddesbach eine Tour nach Hessen und brachten mit heißer Musik und tanzwütigen Insassen Hainbrunn zum Beben. Die „Wilde 13“ aus Brombach ließ allerlei Clowns aufmarschieren. Auch die Sensbachtaler Fastnachtsfreunde waren mit Elferrat und Garden auf Tour. Der „Wohnwagen Rothenberg“ hatte mal sich der Klempnerkrise angenommen und wieder einen Hingucker gebaut. „Super Mario“ richtet’s, hieß es bei ihnen.

Die Hirschhorner Ritter waren mit Prinzengarde und dem aktuellen Prinzenpaar Ulli I. und Mathias II. vertreten. Alle zusammen liefen sie dann in die Sporthalle ein, um dort schwupps auf Hawaii  anzukommen. Das Aufbauteam des SV Narrhalla hatte ganze Arbeit geleistet. An der Tiki-Bar blieben keine Wünsche offen. Mit lautem „Aloha“ wurden die Gäste begrüßt. Verführerische Südseeschönheiten stillten mit leckeren Cocktails, aber auch fastnachtlichen Standardgetränken den Durst der Narren.

Auf Ober-Hainbrunns Straßen: Eine Ansammlung von Abplatzungen, Absenkungen und Rissen

Im kleinen Stadtteil stehen größere Straßensanierungen an. Der Ortsbeirat beschäftigte sich auf seiner vergangenen Sitzung mit der entsprechenden Prioritätenliste. Thema war daneben die Möglichkeit der Finanzierung von Straßensanierungen, wie sie bereits einmal in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt worden war. Es gibt einmalige oder wiederkehrende Beiträge ebenso wie gar keine oder eine Umlegung auf alle kommunale Steuerzahler.

Alle Ortsstraßen waren im Vorfeld der Sitzung durch den Ortsbeirat in Augenschein genommen worden. In der oberen Talstraße gibt es den vorrangigsten Bedarf, erläuterte Ortsvorsteher Stefan Hofmann. Es folgen: Im Himmelreich, Mühl- und Poststraße sowie der Vorplatz der Sporthalle. Im Zusammenhang mit dem Flurbereinigungsverfahren gab es den Wunsch um genauere Klärung an die Stadtverwaltung, welche Abschnitte der Poststraße und des Panoramawegs dort enthalten sind. Daneben möchte man wissen, ob im Doppelhaushalt 2019 und 2020 Gelder für das Flurbereinigungsverfahren „Straßen und Wege Ober-Hainbrunn“ eingeplant sind.

Wie Hofmann erläuterte, ist die Obere Talstraße im mittleren Bereich zwischen den Hausnummern 6 und 8 auf etwa 50 Meter Länge stark beschädigt. Im Himmelreich gibt es punktuell starke Absenkungen. Der Seitenabzweig bei Nummer 9 und 9a ist in sehr schlechten Zustand. In der Mühlstraße stellte der Ortsbeirat Rissbildungen und Senkungen auf der kompletten Länge mitsamt einem schlechten Allgemeinzustand fest.

Die Poststraße ist nach Beobachtung beim Ortstermin in einem mittleren Zustand. Kanalhaltungen, Schieber und Hydranten sind oft abgesenkt. In einigen Bereichen gibt es Risse und Absenkungen. Im oberen Bereich ist die Regenwasserführung ungenügend. An zwei Stellen gibt es bei Frost regelmäßig dicke Glatteisplatten. Der obere Teil ab Kreuzung Obere Talstraße ist laut Hofmann in der Flurbereinigung. Er befindet sich in sehr schlechtem Zustand. „Wasserführung ungenügend, Wasser dringt durch Asphaltdecke, Schlaglöcher“, stellte Hofmann hier fest.

En Sorgenkind ist ebenso der Parkplatz an der Sporthalle. Der Vorplatz ist uneben, daneben stellte man Risse im gesamten Bereich fest. Eine Vergrößerung der Flächen etwa mit Rasengittern wäre wünschenswert, so der Vorschlag. Die Schotterflächen weisen darüber hinaus viele Schlaglöcher auf. Der Verbindungsweg vom Sägewerk an der Heckenmühle nach Rothenberg wurde zur Hälfte bereits saniert. Der untere Teil ist allerdings in sehr schlechtem Zustand, so Hofmann: Abplatzungen, Absenkungen, Risse.

Der Panoramaweg ist eigentlich nur noch eine Buckelpiste und „auf seiner kompletten Länge in sehr schlechtem Zustand“. Unzählige Schlaglöcher, Wurzelanhebungen der Asphaltdecke, Absenkungen und Risse sahen die Mitglieder des Ortsbeirats bei ihrer Inaugenscheinnahme. Durch Befahren des „grünen Planwegs“, eines in den 60/70er Jahren geteerten Feldwegs, mit 25-Tonnern der Müllabfuhr werde dieser überlastet, denn das zulässige Gesamtgewicht beträgt zwei Tonnen, weil er keinen guten Unterbau hat. Er ist im Flurbereinigungsverfahren.

Der Verbesserungsvorschlag aus dem Ortsbeirat sieht wie folgt aus, dass eine Wendemöglichkeit bei den Hausnummern 6 und 8 auf dem städtischen Grundstück geschaffen werden soll, sodass die Müllabfuhr den asphaltierten Feldweg nicht mehr befahren muss. Eine weitere Wendemöglichkeit an der Kreuzung zur Poststraße wäre ebenfalls sinnvoll. Dies könnte laut Hofmann im Zuge der Flurbereinigung erfolgen, da dann sowieso Ausweichen eingeplant sind.

Die Nachfrage beim Bauhof hat ergeben, dass die Hundetoiletten nach dem Heckenschnitt voraussichtlich im März oder April aufgestellt werden, informierte der Ortsvorsteher. Bis auf den Flur ist der Untergrund Wänden, Decken und Böden im alten Schulhaus fertig, so Hofmann weiter. Dies gilt ebenso für den Raumgrundputz, die Isolierung bis auf den Flur, Wasser, Estrich und zu 90 Prozent Elektro.

Heile Welt bei Narrhallas Narren in Ober-Hainbrunn

Im Odenwald ist die Welt halt noch in Ordnung. „Es kracht und brummt in aller Welt, die Narrhalla stets zusammen hält“, lautet das Motto der diesjährigen Kampagne, zu der die Fastnachter aus dem Finkenbachtal einluden. Unter der Regie der beiden Sitzungspräsidenten Jochen Sauter und Alexander Friedrich sowie den närrischen Augen des Elferrats ging es in der SV-Sporthalle heiß her, auch wenn es einem draußen nahe am Gefrierpunkt fröstelte.

Die Narrhalla bewies wieder einmal, mit welchem Potenzial das kleine Odenwalddorf gesegnet ist. Die Jüngste bei der Minischautanzgruppe war gerade einmal zweieinhalb Jahre alt, die Ältesten standen schon vor 35 Jahren in der Bütt und haben die 70 bereits überschritten. Wie Seppel Denner sind sie sich aber immer noch für nichts zu schade. Nur mit einer Pumphose bekleidet, blendete dieser bei seiner Eunuchen-Bütt mit freiem Oberkörper das schöne Geschlecht.

Ein Selbstläufer ist bei jeder Prunksitzung Ralph Volk als „Schakeline“. Die ersten Lacher gibt es schon, wenn er in hautengem roten Kleid mit hohen Stöckelschuhen über die Bühne stakst, dazu voll geschminkt die eigene geschwundene Haarpracht mit wallender Perücke kaschiert, die Achseln vielleicht mal wieder heißwachsen sollte. Dabei teilt er/sie kräftig nach allen Seiten aus und erzeugt immer wieder begeisterten Applaus bei den Gästen.

Fünf Stunden lang prunkte sich die Narrhalla durch den Abend. Als dann nach Mitternacht das schweißtreibende Programm schloss, bedeutete das noch lange nicht das Ende. Bis in den frühen Morgen feierten die Narren unermüdlich weiter, immer die eigene Hymne auf Hainbrunn auf den Lippen. Das komplette Programm wurde mit einheimischen Kräften gestemmt, die dann oftmals in drei oder vier Rollen glänzten oder die Tanzbeine schwangen. 150 Aktive stehen bei den drei Prunksitzungen auf der Bühne. Zusammen mit den 40 Helfern kommt so schon fast halb Hainbrunn zusammen.

Mehr als 250 Zuschauer zählen die Fastnachter pro ausverkaufter Prunksitzung – an den drei Terminen plus Generalprobe sind so an die 1000 Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung zu Besuch. Auf sie wartet ein buntes Programm mit Garden, Tänzen, Sketchen und Büttenreden. Dieses Mal waren alle drei Termine innerhalb von vier Worten ausverkauft – ein Novum in der 35-jährigen Sitzungsgeschichte.

Nach dem Einzug von Elferrat und Garden ergriff Narrhalla-Präsident Frank Flachs das Wort und begrüßte die Gäste. Alexander Friedrich und Jochen Sauter als Sitzungspräsidenten führen ironisch, scharfzüngig und aufschlussreich durch die Sitzung mit ihren 23 Programmpunkten. Einen „Hardrock-Karneval“ vom Himmelreich bis ins Wiesental feierten die Bembelsänger, natürlich mit Langhaarperücken, ausschweifend tätowiert, spannenden weißen T-Shirts über dem Waschbärbauch und stilecht in Lederjacken.

Anna Lähn als 90er-Kind las den „Nullern“ die Leviten. „Die räumen nur noch auf, wenn kein WLAN mehr durchkommt“, meinte sie. Und wehe, wenn sie Auto fahren. Früher, sagte sie wehmütig, „war Oma das Wikipedia und die großen Geschwister die Firewall“. Karl-Heinz Werner als „Herr Kall“ ist ein Urgestein. Aber ohne seine Frau wäre er nichts – und seine Bütt unvollständig. „Der hab ich zu Weihnachten einen Hula-Hoop-Reifen geschenkt“, erzählte er. „Passt“, kommt es trocken hinterher.

Mit der Rothenberger Theatergruppe feierten sie im Spätjahr schon einen Riesen-Erfolg mit der neuen Aufführung: Dominik Seip und Tanja Schmidt als Jupp und Trudi. Ein prächtiges Proll-Pärchen, das die Bude aufmischte. Immer auf der Suche nach den schlechtesten Seiten beim Partner. Mit Erfolg.

„Another one bites the dust“, „We will rock you“, „Bohemian Rhapsody“ oder „Don’t stop me now”: Die Crazy Girls sind ein königlicher Augenschmaus. Jochen Roland gibt den Freddie Mercury, während die Gruppe zu den schönsten Queen-Songs über die Bühne wirbelt. Dann en Schlager-Medley als krönender Abschluss: Die „Söhne Hainbrunns“ läuten das große Finale ein.

Mitwirkende: Mini-Schautanzgruppe, Dancing Starlets, Seppel Denner, Next Generation, Jörg Heckmann, Happy Feet, Ralph Volk, Paula Manschitz, Jungspatzen, Rhythm Attack/Biergorgler, Bembelsänger, No Limits, Anna Lähn, Tanzpaar Amelie und Lara, Karl-Heinz Werner, Tanzfieber, Dominik Seip und Tanja Schmidt, SV-Funken, Crazy Girls, Söhne Hainbrunns

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2019/02/05/heile-welt-bei-narrhallas-narren-in-ober-hainbrunn/

Posted by Neckartal-Nachrichten on Tuesday, February 5, 2019

„Herr Kall“ hat noch lange nicht genug von der Hainbrunner Narretei

Rote Jacke, schwarze Hose, graubraunes Hemd, überdimensionale, farbig-karierte Fliege und schwarze Melone mit Band: So kennt man Karl-Heinz Werner seit Jahrzehnten. Gemächlich schlurft der Ober-Hainbrunner immer in die Bütt, um dann als „Herr Kall“ Geschichten, die das Leben schrieb, zum Besten zu geben. An diesem Wochenende beginnt im Odenwaldkreis wieder die heiße Sitzungszeit – nicht nur bei der Narrhalla, auch die anderen Faschingsvereine rüsten sich.

„Ich will den Leuten Freude bereiten“, erzählt Werner über seine Motivation, Jahr für Jahr in die Bütt zu steigen und auch nach 35 Jahren noch nicht „amtsmüde“ zu sein. „Die sollen Spaß haben“, betont er, ein wenig aus dem Alltag rauskommen. Zu diesem Zweck sammelt er das ganze Jahr über Ideen. „Wenn irgendwo ein Witz erzählt wird, schreibe ich den auf“, schmunzelt er. Immer nach dem Motto: „Worüber ich lachen kann, finden auch andere witzig.“ Dazu kommen Begebenheiten aus dem Ort.

Ganz von null startete man im kleinen Odenwald-Dorf vor dreieinhalb Jahrzehnten nicht ins närrische Abenteuer. „Wir waren früher immer mit der Clique auf Maskenbällen“, erinnert sich das Faschings-Urgestein. Dazu gab es Sketche beim Familienabend. Die entstanden nach dem Vorbild der SDR Radio-Sendung „Die Straßenkehrer“. Nach dem Besuch einer Sitzung der Hirschhorner Ritter sagten die Ober-Hainbrunner: „So etwas stellen wir auch auf die Beine.“

Gesagt, getan, doch aller Anfang war schwer: Vor allem in der damals noch viel kleineren Turnhalle. Die platzte aus allen Nähten, die Zuschauer drängten sich. Ausverkauft. Alle Karten gingen bereits im Vorverkauf weg, aber trotzdem standen noch Massen an Besuchern vor der Abendkasse, erinnert sich seine Frau Hildegard, die sich immer noch um den Kartenvorverkauf kümmert. Die heutige Bühne gab’s noch nicht. Wo heute Garderobe und Technik-Raum sind, zogen sich Männlein und Weiblein gemeinsam auf engstem Raum um.

In den folgenden Jahren wurden deshalb erst zwei, heute drei Termine daraus. Eines hat sich nicht geändert: Es heißt wieder ausverkauft. Dieses Mal „so schnell wie noch nie“. Was für Karl-Heinz Werner nahelegt, dass die Fastnacht im Finkenbachtal nach wie vor die Menschen anzieht. Wie damals, als alles begann.

Der Oberzent-Stadtteil entwickelte sich zur Hochburg der fastnachtlichen Umtriebe. 35 Aktive zählte die Narrhalla zu Beginn, heute sind es um die 120. Wenn Werner sieht, mit welchem Feuereifer die Kleinsten in der Minigarde dabei sind, weiß der närrische Rentner, dass sich die gelohnt hat. „Wir bieten der Jugend im Ort eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung“, freut er sich – wo sonst auf dem Land die Möglichkeiten eher begrenzt sind.

Die Bütt hatte es Karl-Heinz Werner gleich angetan. „Ich hatte nie Lampenfieber“, meint er. „Es hat mir schon immer sehr viel Spaß gemacht.“ Dabei ist er uneitel. „Wenn einer sagt, Karl, her uff“, dann würde er das auch tun. Doch bisher, lacht er, bekam der Büttenredner das noch nicht zu hören. Im Laufe der vielen Jahre verschlug es ihn auf viele befreundete Bühnen, so nach Erbach, Michelstadt oder Breitenbronn. In den vergangenen beiden Jahren tat der Faschingssenior bisschen langsamer. „Daheim ist es doch am schönsten“, lächelt er.

Was rät der Profi den Jungnarren, die den ersten Schritt in die Bütt wagen wollen? „Ruhe ist ganz wichtig“, sagt Werner. Außerdem sollte man sich nicht zwingen (lassen) und vom eigenen Vortrag überzeugt sein. Ein wenig Talent zur Selbstdarstellung ist auch nicht schlecht. „Man muss ein bisschen dazu geboren sein“, weiß er. Und natürlich Spaß an der Sache haben.

An die erste Narrhalla-Prunksitzung vor 35 Jahren erinnert sich „Herr Kall“ noch zurück, als wäre es gestern. „Der Elferrat bestand aus sieben Personen“, grinst er. Das Männerballett gab es schon, eine Garde, die Damengymnastik-Gruppe – und natürlich die Bütten. Seppl Denner trat gleich drei Mal auf, „Schakeline“ Ralph Volk war schon dabei, und er selbst führte auch durchs Programm.

Karl-Heinz Werner (71) hat es nicht weit zum Auftrittsort: Die Sporthalle Ober-Hainbrunn in der Neckarstraße liegt quasi schräg gegenüber von seinem Wohnhaus. Da geht er gerne mal zwischendurch nach Hause, wenn der eigene Auftritt noch bisschen auf sich warten lässt. Den 1972 gegründeten Sportverein (SV) leitete er ab 1976 36 Jahre als Vorsitzender. Nachdem 1984 dessen Narrhalla-Abteilung gegründet worden war, war er 29 Jahre lang deren Präsident, außerdem 23 Jahre Sitzungspräsident, bevor er dieses Amt an Sohn Andreas weitergab. Auch Sohn Carsten ist familiär närrisch vorbelastet. Er ist fester Bestandteil der Sitzungen und außerdem als Bauchredner unterwegs.

Jochen Sauter ist neuer Wehrführer von Ober-Hainbrunn

Wechsel in der Wehrführung der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Hainbrunn. Nach 20 Jahren als Feuerwehrkommandant kandidierte Stefan Hofmann für dieses Amt nicht mehr. Auf der Jahreshauptversammlung wurde sein bisherige Stellvertreter Jochen Sauter zum Nachfolger gewählt. Stefan Hofmann ist der neue Stellvertreter. Erstmalig in der Geschichte der Hainbrunner Brandschützer gibt es einen dritten Wehrführer. Pascal Lähn übernahm dieses Amt und wurde ebenfalls einstimmig gewählt.

Hofmann berichtete zu Beginn über die Arbeit im abgelaufenen Jahr. Übungen und Unterrichte rund um das neu angeschaffte TSF-W prägten den Plan. Mehrere Feuerwehrkameraden besuchten Lehrgänge auf Kreis- und Landesebene. Dadurch konnte viel neues Fachwissen einfließen. Die zusätzliche Beladung mache dies auch erforderlich, betonte er.

Hofmann ermahnte die Wehrleute, weiter an ihrer Ausbildung zu arbeiten, da es stetig neue Anforderungen gebe. Glücklicherweise, sagte er, gab es in 2018 keine schlimmen Brände. Zu zwei Einsätzen in Nachbarorten wurde die Hainbrunner Einsatzabteilung alarmiert, musste aber aufgrund der schnellen Arbeit der jeweiligen Feuerwehren nur noch Nachschau betreiben. Sechs Hilfeleistungseinsätze nach Unwettern wurden jedoch verzeichnet. „Dies zeigt wieder einmal die geänderten Einsatzbedingungen“, betonte der scheidende Wehrführer.

Bei der Gestaltung des neuen Fahrzeuges zeigte sich aufs Neue die gute Zusammenarbeit der Stadtteilwehren, freute sich Hofmann. So konnten die Hainbrunner auf Pläne der Finkenbacher zurückgreifen, die ein baugleiches erhielten. Der Gerätewagen der Rothenberger Wehr wurde genutzt, um die Beladung zum Einbau zu bringen. Aktuell hat die Feuerwehr Hainbrunn 20 aktive und 78 passive Mitglieder, zehn Jugend-Feuerwehrleute sowie acht Mitglieder der Alter- und Ehrenabteilung, erläuterte der Kommandant.

Anna Lähn berichtete über die Aktivitäten der Jugendfeuerwehr. Im Mittelpunkt standen die Teilnahmen an Bundeswettbewerb und Leistungsspange. Beide waren von Erfolg gekrönt. Im Bundeswettbewerb gewann die gemischte Gruppe nach dem dritten Platz auf Kreisebene den Südhessenpokal. Sechs Jungen und Mädchen der Jugendfeuerwehr legten ihre Leistungsspangenprüfung ab und dürfen somit die höchste Auszeichnung der deutschen Jugendfeuerwehr ihr Eigen nennen.

Kassenwartin Heike Arnold legte Einnahmen und Ausgaben dar. Nach der einstimmigen Entlastung wurde der Vereinsvorstand neu gewählt: Vorsitzender bleibt Stefan Hofmann, Stellvertreter Jochen Sauter, Schriftführer Jörg Heckmann, Kassenwartin Heike Arnold. Ebenso wurden fünf Beisitzer gewählt: Horst Michel, Michael Ihrig, Manuel Krieger, Johannes Glücks und Thomas Scheuermann.

Der neue Wehrführer Jochen Sauter bedankte sich für das in ihn gesetzte Vertrauen. Die Wahl von Pascal Lähn zum dritten Wehrführer „ist eine Weichenstellung für die Zukunft“, sagte er. Bürgermeister Christian Kehrer lobte die vielfältige Arbeit der Feuerwehr. Er beförderte Anna Lähn zur Oberfeuerwehrfrau, Pascal Lähn zum Hauptfeuerwehrmann und Marcel Lähn zum Löschmeister. Stadtbrandinspektor Marco Johe hob die wichtige Zusammenarbeit aller Stadtteilwehren hervor, um im Bedarfsfall miteinander alle Herausforderungen lösen zu können. Weiterhin legte er die Teilnahme an Lehrgängen ans Herz.

Stadtverordneter Wilfried Friedrich sprach den Zusammenhalt der Ortsvereine an. Dieser zeige sich unter anderem in der Sanierung des ehemaligen Schulhauses durch ehrenamtliche Arbeit. Er freue sich, so Friedrich, dass er in einer solch aktiven Gemeinschaft leben dürfe. Hofmann erwähnte noch den neu eingeführten Ehrungstag der Feuerwehren am 11. Mai. Dann werden in einer Feierstunde alle Kameraden der Stadt Oberzent geehrt.

Das Foto zeigt von links: Marcel Lähn, Stefan Hofmann, Pascal Lähn, Jochen Sauter, Anna Lähn, Christian Kehrer, Marco Johe