Verbindungsstraße: Nach fünf Jahren herrscht immer noch Stillstand

Die Bürgerinitiative (BI) „Pro Erhalt Verbindungsstraße“ ist sauer. Es tut sich einfach nichts bei der Sanierung des kleinen Sträßleins zwischen den badischen Randgebieten Brombach und Heddesbach. Seit über fünf Jahren ist die Strecke bereits gesperrt. Lange dauerte es, Gelder und Genehmigungen für die Erneuerung zusammenzukratzen – und jetzt stehen sowohl Baubeginn als auch Erneuerung überhaupt in den Sternen.

Die Straße ist nicht nur für die Brombacher wichtig, da es sonst außer der maroden Kreisstraße über hessisches Gebiet keine andere Zufahrt des zu Eberbach gehörenden 360-Seelen-Dorfs gibt. Der Weg wurde vor der Sperrung auch gern als Ausweichstrecke von Rothenberg oder Kortelshütte Richtung Bergstraße genutzt, wenn im Neckartal auf der B 37 der Verkehr stockte.

Der im August 2020 angekündigte Baubeginn Anfang 2021 „wird nicht mehr bestätigt“, kritisiert Raphael Seib seitens der BI. Damit wird das Risiko des Verfalls genehmigter Fördermittel, gebunden an einen spätesten Baubeginn bis zum 14. November, immer größer, befürchtet er. Seitens des Flurneuordnungsamts fließen trotz Nachfrage keine Informationen, Grundstücksangelegenheiten sind nach wie vor ungeklärt und dazu gab es wohl behördliche Abspracheungenauigkeiten, bemängeln die BI-Vertreter.

Knappe zehn Minuten dürfte die Ersparnis in früheren Zeiten gewesen, wenn entweder die Brombacher nach Heddesbach gelangen wollten oder Pendler wahlweise vom Finken- oder Ulfenbachtal ins jeweils andere. Was damals nicht einmal fünf Kilometer mit dem Auto waren, sind jetzt 14.

Die BI gründete sich im Februar 2016 mit dem Ziel, die „verwaltungsrechtlich fragwürdige“ Entwidmung und Sperrung des Gemeindeverbindungswegs Brombach-Heddesbach Ende 2015 rückgängig zu machen, erklärt Seib. „Der Weg wurde und wird zwingend gebraucht“, betont er. Die Aktionen führten bis zum Petitionsausschuss des baden-württembergischen Landtages, begleitet von diversen Gesprächsrunden mit Vertretern von Ämtern, Bürgermeistern, Behörden und politischen Parteien.

Es wurde damals erreicht, dass sowohl Amtsträger als auch Parteien klar und deutlich zusagten, „den Bürgerwillen umzusetzen“ und den Gemeindeverbindungsweg zu reaktivieren. Der Petitionsausschuss empfahl, der Forderung der Bürgerinitiative zu folgen und die Straße zu sanieren, erinnert sich der Aktivist.

Seitdem wurden Haushaltsgelder geplant, Fördermittel beantragt und genehmigt, Vermessungs- und Rodungsarbeiten durchgeführt, Grundstücksfragen größtenteils geklärt und die Ausführungsplanung erstellt. Den Brombacher Bürgern wurde im August 2020 der Stand der Dinge erläutert und der Projekterfolg – mit verspätetem Baubeginn – bestätigt, schildert Seib.

Außerdem gab es bereits Absprachen und Vereinbarungen zur Sanierung der Brombacher Hauptzufahrt K 35. Da diese teilweise auf hessischem Gebiet liegt, ist hier auch die Heppenheimer Straßenbaubehörde Hessen Mobil mit im Boot. Diese Sanierung soll im Anschluss an den Neubau des Gemeindeverbindungswegs erfolgen. Letzterer ist als Umleitung/Ausweichstrecke zwingende Voraussetzung, da die Arbeiten auf der K 35 unter Vollsperrung erfolgen sollen.

Über Kommunal-, Kreis- und Landespolitiker wurden von der BI in den vergangenen Jahren immer wieder Anfragen zum aktuellen Stand der Dinge gestartet, da aus den Behörden selbst nur wenige Infos flossen. Nach der Planvorstellung wurde ein Informationsschreiben an die Brombacher Bürger verteilt. „Weitere freiwillige Statusmeldungen über den aktuellen Stand der Baumaßnahmen erfolgten trotz Zusage des Amtes und wiederholter Aufforderung des Ortschaftsrats bis heute nicht“, ärgert sich die BI.

Die Hinhaltetaktik der Behörden dauerte an: „Immer wieder wurden grundstücks- und naturschutzrechtliche Belange als noch nicht endgültig geklärt hingestellt“, berichtet Seib. Jedoch wurde der Projekterfolg trotz entstandener Verzögerungen zu keiner Zeit in Frage gestellt, erläutert er.

Die BI hat die Hängepartie nun satt. Sie fordert, dass die planerischen Probleme und Unstimmigkeiten endlich beseitigt werden sowie der Baubeginn vor dem Verfall der bereitgestellten Gelder forciert und vorangetrieben wird. Weiterhin soll eine „verbindliche, freiwillige, rechtzeitige und transparente Informationen an die Bürger“ erfolgen. Außerdem wünscht man sich „professionelles Arbeiten in den Behörden und die unverzügliche Umsetzung der Beschlüsse zum Neubau des Gemeindeverbindungsweges“.

Die Dorfgemeinschaft bewältigt alle Krisen

„Jeder kennt jeden“: Im kleinen Oberzent-Stadtteil Ober-Hainbrunn ist die Welt noch in Ordnung. Wenn ein Mitbürger Hilfe braucht, kann er auf die anderen zählen. Damit lässt sich auch leichter durch eine Pandemie kommen, weiß Ortsvorsteher Stefan Hofmann. „Auf dem Land ist Corona zum Glück weit weg“, sagt er. Ist etwas im Dorf zu tun, kann der Ortsvorsteher deshalb schnell auf eine große Zahl von Helfern zählen, weiß er. Die wollen zwar gefragt werden, sagen dann aber rasch zu.

Wie etwa im Sommer und im Herbst. Am Freiwilligentag wurden viele Aktionen durchgeführt. Hofmann freut sich, dass dazu sogar „fast noch mehr Leute als vergangenes Jahr zusammenkamen“. Er schätzt, dass die Ortsbürger nach dem Lockdown die Gesellschaft und das Zusammensein suchten. Für ihn ist es deshalb klar: „Die dörfliche Gemeinschaft ist intakt.“ Er hofft, dass sie bei andauernder Pandemie keinen Schaden nimmt.

Auch wenn Ober-Hainbrunn ein „Wohndorf“ mit wenig Infrastruktur ist, bleibt die Bevölkerungszahl stabil. Junge Leute ziehen zwar für Beruf oder Studium weg, aber andererseits kommen auch wieder einige andere nach. „Wenn Häuser angeboten werden, gehen die schnell weg“, hat Hofmann beobachtet. Deshalb gibt es auch wenig Leerstände.

Der Ortsvorsteher führt die Attraktivität des Wohnungsmarkts unter anderem auf die Nähe zum Neckartal und zum Hirschhorner S-Bahnhof zurück. Denn von dort ist man in knapp 20 Minuten in Heidelberg. Er schätzt, dass dies 80 Prozent der Berufstätigen so handhaben. Denn Arbeitsplätze gibt es nicht viele im Odenwald-Dorf. Da ist zum einen das Sägewerk Richtung Finkenbach, zum anderen ein paar kleine Handwerksbetriebe.

Die früheren bäuerlichen Strukturen gibt es schon lange nicht mehr. Sowieso gab der karge, arme Sandsteinboden des Odenwalds nicht viel her, sodass es auf eine Nebenerwerbslandwirtschaft hinaus lief. Der letzte Landwirt hörte im Januar auf, weiß Hofmann. Die Wiesenflächen im Tal werden jetzt zum Glück komplett von einer Schäferei betreut. Früher, erinnert sich der Ortsvorsteher, wurden sie jahrelang nicht mehr gemäht und verbuschten.

Trotz der Nähe zum Neckartal ist Ober-Hainbrunn in Sachen Kindergarten und Grundschule nach Rothenberg und bei den weiterführenden Lernanstalten großteils nach Beerfelden orientiert. Allerdings gibt es das Problem der Verkehrsanbindung – ein Thema, das Hofmann schon seit Langem umtreibt. Das fängt beim Schulbus nach Rothenberg an.

Der wurde erst in den Ferien abgeschafft, sodass Kindergartenkinder von den Eltern gefahren werden mussten. Und jetzt kam seiner Info nach die Problematik dazu, dass sie mittags nicht mehr zurückfahren können, weil sie von den Erzieherinnen aufgrund rechtlicher Bedenken nicht in den Bus gebracht werden dürfen. Gekippt wurde auch die Verbindung für die Gymnasialkinder ins badische Eberbach. Die müssen jetzt den Umweg über Beerfelden nehmen.

Eine andere Thematik ist der 54er-Bus von Beerfelden durchs Finkenbachtal nach Hirschhorn. Der fuhr schon früher nicht oft, wurde aber laut Hofmann noch mehr eingedampft. Am Wochenende ist er nur noch als Rufbus unterwegs, kritisiert er. „Der ÖPNV ist bei uns kaum noch präsent“, legt der Ortsvorsteher den Finger in die Wunde.

„Theoretisch könnten wir auch aus der OREG austreten“, meint er provokant. Verbesserungen gab es seiner Beobachtung nach nur auf der Zentralachse, der B 45. Durch die Lage im Grenzgebiet zwischen den zwei Verkehrsverbünden RMV und RNV fällt Ober-Hainbrunn anscheinend durchs Raster, bedauert er. „Die Anbindung an die S-Bahn passt auch nicht“, meint Hofmann – kein Wunder, dass die Bürger mit ihrem Auto an den Bahnhof fahren. Fazit: „Wir fühlen ein bisschen verlassen.“

Dass es besser geht, hat er an verschiedenen Stellen beobachtet. Der Ortsvorsteher nennt etwa den Bereich Lützelbach (ins Bayrische) oder Mossautal (Richtung Kreis Bergstraße). Überhaupt der Nachbarkreis: Hier gibt es von Hirschhorn über Schönmattenwag nach Wald-Michelbach eine stündliche Verbindung, erläutert er neidisch. „Da geht es – und bei uns nicht.“ Hofmann sieht es fatalistisch: „Die meisten haben sich schon daran gewöhnt.“ 

Obwohl das Dorf so klein ist, wird vieles geboten – wenn gerade keine Pandemie herrscht. Sport- und Gesangverein sowie Feuerwehr halten das gesellschaftliche Leben hoch. Fasching, Maifest, Oldtimertreffen, Handkäsfest – übers Jahr ist einiges los. Der Ortsvorsteher hofft, dass sich 2021 alles wieder normalisiert.

5G auf den Punkt gebracht

Der neue Mobilfunkstandard 5G bewegt schon die Gemüter, bevor überhaupt die ersten Anlagen in Betrieb gehen. Verschwörungstheorien über alle möglichen Gefahren machen in diesem frühen Stadium die Runde, war in der Stadtverordneten-Versammlung Oberzent zu erfahren. Nicht nur deshalb wünschten sich die Grünen per Antrag einen Bürgerdialog zum Ausbau des 5G-Mobilfunks in Oberzent. Die Mandatsträger einigten sich darauf, einer öffentlichen Diskussion die Beratung im Ausschuss vorzuschalten.

Fraktionssprecherin Elisabeth Bühler-Kowarsch ging es darum, „eine ausgewogene Information zu organisieren“. Damit könne man die Vor- und Nachteile des Netzausbaus kennenlernen und in einen Dialog mit Entscheidern, Gestaltern und Kritikern treten. „Die Chance zur Meinungsbildung sollten wir unseren Bürgern anbieten“, forderte sie. Denn die Digitalisierung nehme rasant an Geschwindigkeit auf.

„Wir sind auf Akzeptanz angewiesen“, betonte Bühler-Kowarsch. Deshalb wolle man ein breites Spektrum an Meinungen ermöglichen. Die Bedenken und Ängste „müssen wir ernst nehmen und mit Argumenten entkräften“, ist ihre Zielrichtung. Denn: „Die Menschen sollen mitgehen können.“

Von Walter Gerbig (CDU) kam die Anregung, eine fundierte Beratung im Bauausschuss vorzuschalten und dann in die Bürgerbeteiligung zu gehen. Frank Leutz (FDP) wünschte sich eine Prüfung, ob in Oberzent 5G derzeit überhaupt aktuell ist. Er betonte aber unabhängig davon die Notwendigkeit, „die Bürger mitzunehmen“.

Das hob auch Thomas Ihrig (SPD) hervor. Er wollte im Vorfeld „die Interessen abklopfen“. Chris Poffo (ÜWO) möchte ebenfalls erst nach einer Ausschuss-Beratung weitere Infos fließen lassen, um dann der Schwarzmalerei von 5G-Gegnern fundiert entgegentreten zu können.

Thomas Väth (Grüne) wies auf den dringenden sachlichen Info-Bedarf hin. Er war auf einer Veranstaltung von 5G-Gegner, ergänzte er, und „erschrocken über die hanebüchenen Vorstellungen“.  Die dort vorgebrachten Argumente der Bürgerinitiative müssten entkräftet werden, forderte er. Denn sie tragen zur Verunsicherung der Bürgerschaft bei.

In die Reihe der Ausschussberatungs-Befürworter reihte sich auch Bürgermeister Christian Kehrer ein. Kommt es dann zu einer Bürgerinfo-Veranstaltung, will er diese extern begleiten lassen. „Von uns stellt sich keiner da oben hin“, meinte er. Wie das Stadtoberhaupt weiter erläuterte, wurde Oberzent seitens des Landes angesprochen, ob man Testkommune für den 5G-Ausbau sein wolle. Dafür gibt‘s eine 90-prozentige Förderung.

Die Stadt sagte aber erst einmal „Nein“, erläuterte der Rathauschef. Denn die drei großen Mobilfunk-Anbieter sind auf der Gemarkung bereits tätig – beispielsweise im Bereich Olfen oder Schöllenbach, allerdings nur im 4G-Bereich.Wenn es keine städtischen Standorte sind, „werden die Kommunen gar nicht gefragt“, machte der Bürgermeister deutlich, dass manche Nachricht nur per Zufall den Weg ins Rathaus findet. So weiß er unter anderem durch den Buschfunk, dass in Beerfelden zwei Standorte im Gespräch sind.

In der Vergangenheit war die Versorgung mit mobilem Internet vor allem in den Oberzent-Tälern mangelhaft bis nicht vorhanden. Doch so langsam tut sich etwas. Zuletzt wurde im Gammelsbachtal ein 4G-Mast von Telefonica in Betrieb genommen, der nun hier für besseren Zugang ins weltweite Netz sorgt. Sensbachtal und Hesseneck darben jedoch noch.

Narren im Corona-Gefängnis

Jetzt wäre der Kampagnenstart gewesen. Wenn nicht das nervige Corona-Virus zugeschlagen hätte. So aber sitzen die Narrhalla-Fastnachter in Ober-Hainbrunn auf dem Trockenen, können sich höchstens im Fernseher virtuelle Kampagnen anschauen. Präsident Frank Flachs sorgt aber mit einem unterhaltsamen Blick in die Geschichte dafür, dass die Narren in der Finkenbachtal-Faschingshochburg in seligen Erinnerungen schwelgen können: Er hat einen „Kunterbunten Streifzug durch die Geschichte“ des SVH zusammengestellt, in dem die närrische Zeit natürlich prominent vertreten ist.

686 Seiten, über 1800 Bilder, eine 150-minütige Bonus-DVD mit alten Filmen aus den Jahren 1991 bis 1994: Beim Betrachten des Wälzers und der DVD wird es im ganzen Dorf ein großes Hallo geben. Flachs nimmt noch Bestellungen entgegen, bevor sein Werk in den Druck geht und dann pünktlich zu Weihnachten unterm ansonsten so tristen Baum liegen soll.

Schon das Deckblatt macht die Zeitläufte deutlich: Es zeigt Ober-Hainbrunn zum Beginn der Flachs’schen Erzählungen, Anfang der 1970er Jahre, als Luftaufnahme noch ohne Sporthalle. Vor ziemlich genau drei Jahren kamen der SVH-Vorsitzende und Heike Arnold auf die Idee, die Vereinsereignisse aus den vergangenen knapp 50 Jahren zusammenzutragen. Die Vorstellung, dass dies in einem Jahr über die Bühne gehen könnte, löste sich bald in Luft auf. „Auf einmal verflogen die Monate nur so“, schmunzelt Flachs.

Eine Chronik erwies sich als nicht machbar, da vor allem aus den 70er Jahren das Material fehlte. Der Präsident nahm das Vorhaben schließlich in die Hand und beschäftigte sich zwei Jahre lang konsequent damit. Dass es jetzt fertig wurde, verdankt die Schrift auch ein wenig den Corona-Beschränkungen. Da wenige Veranstaltungen stattfanden, hatte Flachs umso mehr zu Zeit, sich durch die ganzen Unterlagen zu wühlen.

Eigentlich stand 2022 als Erscheinungsjahr im Raum, weil sich dann die Vereinsgründung zum 50. Mal jährt. Dagegen sprachen aber die Druckerei-Vorgaben, erzählt Flachs. Denn das Werk durfte maximal 700 Seiten haben – und zusätzliche 24 Monate hätten diesen Rahmen gesprengt, da er jetzt schon bei 686 war. Seit kurzem steht nun die PDF-Datei, aus der dann das Buch entsteht.

Neben den eigenen Recherchen sprach der 53-Jährige viele Menschen aus dem Dorf an, ob sie noch alte Dokumente gebunkert haben. Das so Zusammengetragene unterteilte er in verschiedene, reich bebilderte Rubriken. Natürlich findet der Sporthallenbau Erwähnung. Diverse Feste wie das am 1. Mai oder Spiel ohne Grenzen tauchen auf. Den eigenen „Tischtennis-Legenden“ wird Tribut gezollt, dazu kommen deren Ergebnisse seit 2004. „Ich habe verwurschtelt, was mir die Leute gegeben haben“, lacht er.

Statistik muss auch sein: Alle Vorstände seit 1972 listet der Vorsitzende in seinem Werk auf. Die junge Darts-Abteilung bekam ebenfalls ein Kapitel. Und natürlich Fastnacht. Viel Fastnacht. Alle Programme mit allen Mitwirkenden seit 2004 sind in Bildern festgehalten. Alle Orden seit Bestehen der Narrhalla sind mit verschiedenen Sonderausgaben vermerkt. „Der Präsi und seine Schmuckstücke“ heißt die Rubrik über Funkenmariechen und Tanzpaare.

20 Jahre Vereinsflüge von Mittenwald 1992 bis Dresden 2012 hat Flachs ebenfalls im gedruckten Werk festgehalten. Auf der Bonus-DVD finden sich dazu auch diverse Filmchen, die die Fahrten in Erinnerung rufen. Außerdem sind manche Feste in bewegten Bildern festgehalten.

Die Sichtung des Materials sorgte für großes Hallo. Ralph Volk etwa, die Narrhalla-Kultfigur „Schakeline“, gibt’s noch mit Haaren und Schnurrbart zu sehen. „Ich habe zurückgespult, um mich zu vergewissern, dass ich mich nicht getäuscht habe“, grinst der Präsident. Er selbst findet sich auch, meint jedoch lachend mit Blick auf seine Figur: „Heute sieht man mich besser.“

Die Zusammenstellung des Materials macht deutlich, „wie die Zeit rennt“, erzählt Flachs nachdenklich. Eigentlich wollte er 2005 nur ein Jahr beim Männerballett aushelfen, blieb aber dann bis heute hängen. Und im Vorstand ist er nun auch schon ewig aktiv, rechnet der Vorsitzende nach. „Das ist schönes Zeitdokument“, ist er auf sein Werk stolz, für das er auch die erklärenden Texte schrieb.

„Die Arbeit hat Spaß gemacht“, sagt Flachs. Der Erlös nach Abzug der Druckkosten soll als „Corona-Hilfe“ an den Sportverein gehen. Je höher die Auflage, desto mehr bleibt übrig, erläutert er. Im Ort gab es bereits viele Rückmeldungen und Betellungen.

Der Präsident bedauert sehr, dass aktuell alles stillsteht. Die Sporthalle ist bis Ende November erst einmal gesperrt. Wie es danach weitergeht, richtet sich nach den dann geltenden Bestimmungen. Er  kann sich vielleicht eine interne Brauchtumsveranstaltung in kleinem Rahmen vorstellen, sollte das erlaubt sein. Auf jeden Fall aber „gibt es einen Kampagnenorden und ein Motto“, bekräftigt er. Den Orden bekommt jeder Aktive.

„Es fehlt uns, dass wir nicht loslegen dürfen“, meint er betrübt. So richtig dürfte das erst ankommen, wenn im Januar die ersten Sitzungen anstehen. Dann wären die Fastnachter auf der Bühne und unterwegs bei anderen Vereinen. „So aber sitzen wir zuhause und schauen die Wand an“, sagt Flachs sarkastisch. Ihm fehlt klar die Perspektive von oben. „Uns muss endlich mal jemand sagen, was wann Sache ist“, fordert er.

Info: Den „Kunterbunten Streifzug durch die Jahre 1972–2020“ des SV Ober-Hainbrunn kann man bei Frank Flachs unter E-Mail frankflachs@web.de oder Telefon 0163-1616134 für 44,99 Euro bestellen.

Flutung des Hainbrunner Tals sorgt für viel Hallo

Am deutschlandweiten Warntag war’s zwar ruhiger als gedacht. Aber jetzt wurde es umso lauter. Wenn die Rothenberger Theatergruppe mit ihrem „Polizeidiener“ durch den Ort zieht, dann bekommt das schnell jeder mit. Denn die Schelle von Benni Götz ist laut genug, dass sich entlang der Hauptstraße schnell kleine Grüppchen bilden, die das Neueste aus dem Ortsgeschehen wissen wollen. Fünf Stationen gab es den Berg hinauf, an denen die Laientheaterspieler lustige Begebenheiten zum Besten gaben.

Die Theatergruppe muss in diesem Jahr während der Corona-Pandemie mit ihren etatmäßigen Aufführungen in der Sporthalle pausieren. Um der Bevölkerung aber trotzdem in der ereignislosen Zeit etwas zu bieten, wurde der frühere Zug durch den Ort reaktiviert. Der fand letztmals zum 650-jährigen Bestehen des Höhendorfs 1999 statt. Unterstützt wurde das Spektakel durch Musik aus dem Leierkasten, bedient durch Thomas Wilcke. Bekanntmachungen, neueste Nachrichten und die regionale Wetterkarte wurden dem geneigten Publikum präsentiert.

„Wenn wegen Corona fällt das Theater aus, dann schelle mir ganz einfach aus“, gab Polizeidiener Benni Götz bekannt. Damit es zu keinen verbotenen Ansammlungen kam und die Besucher den gebotenen Abstand einhielten, war Hygienebeauftragter Matthias Hering stets wachsam – auch in den eigenen Reihen.

Denn die Bauersleute mit Handwerker Stephan Kloß, Claus Weyrauch, Tanja Schmidt, Marina Weinthäter, Elisa Köhler, Ulrike Beisel und Susanne Weyrauch hatten stets was zu bequatschen. Sie sorgten für das ordentliche Geschwätz in Klamotten aus Uromas Kleiderschrank. Die Zeit um 1900 wurde dabei lebendig, ohne Radio, Fernseher und Internet. Historische Gerätschaften wie Musrührer, Dreschflegel oder Rechen wurden von den Aktiven ebenfalls mitgeführt.

Das Wetter darf natürlich am Ende nie fehlen. Wettermann Jochen Blutbacher wusste mit überdimensionaler Karte, wie‘s wird oder auch nicht, Harry Foshag hatte dazu die eine oder andere Bauernregel parat. Jannik Uhrig war derweil mit dem Klingelbeutel bei den Zaungästen unterwegs. Den Erlös spendet die RTG an die Familie von Lenn Morr. Der Rothenberger Junge ist an Leukämie erkrankt und braucht viel Unterstützung.

Parken gegen die Fahrtrichtung ist nun verboten, mahnte der Polizeidiener. Allerdings muss keiner vor den Kadi, „denn der Kadi kommt zu uns“, sagte er in Anspielung auf den Nachnamen des Stadtpolizisten. Der Corona-Test funktioniert in Rothenberg mit Ebbelwoi. „Solange der noch schmeckt, hab‘ ich mich nicht angesteckt“, schüttelte Götz den nächsten Reim aus dem Ärmel.

Auch Vereinsneuigkeiten gab’s zu hören, wenn die Vereine schon nicht im Ortsleben aktiv sein können. Die SG sucht einen Vorstand, war zu erfahren, die Sänger haben einen neuen – Dirigenten: den Mario Freidel. Despektierlich dann des Polizeidieners Einschätzung der MGV-Sangeskünste: „Sobald Corona ist vorbei, geht sie los, die Plärrerei.“

Großes Hallo gab’s auf der Höhe, als es um den Start der Bauarbeiten zur Flutung des Hainbrunner Tals ging. „Gewerbeanmeldungen für Bootsverleih sind jetzt bei der Stadt Oberzent möglich“, erläuterte Götz. Bei 226,6 Metern über Meereshöhe ist die dicke Eiche bei Airlenbach erreicht. Der Erneuerungsfortschritt der Ortsstraßen war dem Polizeidiener ein Dorn im Auge. Aber: „Wer im Gammelsbacher Weg auf die Gosch fällt, ist selber schuld“, tat er kund. Die Anwohner müssen dann die Erstversorgung übernehmen.

„Wir hatten viel Spaß und unsere Gäste auch“, blickte Susanne Weyrauch von der RTG zufrieden zurück. Die Wiederholung hatten die Aktiven schon frühzeitig angedacht, um Lenns Familie damit zu unterstützen. Dann kam noch Corona dazu und die Aufführungen in der Halle mussten sowieso ausfallen. Der Erfolg macht Lust auf mehr: „Wann wir nochmal dieses Event wiederholen, ist noch unklar“, erzählte sie. „Aber auf jeden Fall wird‘s wiederholt.“ Weyrauch schätzt gegen Jahresende.

Durchs Finkenbachtal auf eigenem Weg radeln

Wenn nächstes oder spätestens übernächstes Jahr die Landesstraße im Finkenbachtal erneuert wird, dann könnte man im Zuge dieser Arbeiten auch die Herstellung eines Fahrradwegs zwischen Falken-Gesäß und Ober-Hainbrunn ins Auge fassen, war der Gedanke der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO). Sprecher Chris Poffo trug deren Ansinnen auf der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung vor – mit dem Ziel, eine Kostenschätzung dafür erstellen zu lassen.

Für Poffo sollte es „ein elementarer Bestandteil des Fahrradwegenetzes sein“, die südlichen S-Bahn-Anbindungen durch solche zu erschließen. Gerade der erheblichen Einschränkung des ÖPNV in Richtung Metropolregion könnte hier entgegengewirkt werden, meinte er mit Blick auf weniger Busverbindungen über Rothenberg nach Hirschhorn. Damit ließe sich autofreies Pendeln zum Arbeitsplatz ohne erhöhte Unfallgefahr ermöglichen.

Sein Gedanke war weiterhin, die angespannte Parksituation an den Bahnhöfen Eberbach und Hirschhorn zu verbessern. Daneben denkt Poffo an eine Kooperation mit der Stadt Hirschhorn, um eine Weiterführung des Radwegs an den Neckar zu erreichen. Der Fraktionssprecher wünschte sich einen Synergieeffekt mit der Straßensanierung und wollte entsprechende Fördermöglichkeiten kurzfristig geprüft wissen. In der Vorlage rechnete Poffo mit einem städtischen Eigenanteil von 30 Prozent der Baukosten.

Bei der Verwaltung stieß er mit seinen Gedanken auf offene Ohren. Mitte Oktober gibt es in dieser Angelegenheit bereits einen Termin mit der Straßenbaubehörde Hessen Mobil, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Die Stadt will einen Bautermin erst in 2022 erreichen, um selbst noch genug Vorbereitungszeit zu haben. Denn erst jetzt ist die Kanalbefahrung fertig, die Auswertung läuft noch. Danach können die Überlegungen anlaufen, was wo erneuert werden muss. Dieses Mal, so Kehrer, soll alles gut vorgeplant sein.

Er wies darauf hin, dass bei der Sanierung von Bundesstraßen bereits ein Radwegekonzept erstellt werden muss. Das Land ist seines Wissens ebenfalls an einer solchen Vorgabe dran. Ein Radweg auf Landeskosten wäre auch dringend nötig, erläuterte er. Denn die Herstellung von einem Kilometer Radweg in qualifiziertem Ausbau kostet seinen Worten zufolge 500.000 Euro. „Ich bin froh, dass wir kein Straßenlastträger sind“, meinte Kehrer. Seinen Informationen zufolge ist die Maßnahme sogar schon ab dem Brombacher Wasser (der Abzweigung nach Kortelshütte) durch ganz Hainbrunn und Finkenbach geplant.

Dem Vorschlag von Frank Leutz (FDP), das Thema zur Klärung in den Bau- und Infrastrukturausschuss zu verweisen, kamen die Stadtverordneten einstimmig nach. Denn der wollte „wissen, was Sache ist“: Ob das Land die Kosten übernimmt oder die Stadt etwas zu zahlen hat. Denn dann würde sich Leutz eine günstigere Lösung etwa unter Einbeziehung von Waldwegen wünschen.

Angebote um die Hälfte günstiger

Es gibt tatsächlich noch fallende Preise, allerdings nur im Tiefbau: Die Angebote für Ausschreibungen im Zuge der Flurbereinigungsverfahren lagen über die Hälfte unter den Kalkulationen. Was man im Bau- und Umweltausschuss sehr erfreut zur Kenntnis nahm. Bei der Stadt überlegt man nun, die Behörde um ein zeitnahes zweites Paket zu bitten, um die bereits in den Haushalt eingestellten Gelder auch verwenden zu können. Denn Bedarf wäre mehr als genug.

Aktuell laufen in den verschiedenen Stadtteilen sechs Verfahren mit einem Gesamtvolumen von mehreren Millionen Euro. Davon gibt es 3,1 Millionen Euro an Förderung. Das Amt für Bodenmanagement in Heppenheim führte eine Ausschreibung mit vier Losen durch, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Die Ausbaumaßnahmen betreffen den Neubau und die Erneuerung von Erd- und Asphaltwegen. Die Angebote beliefen sich insgesamt 418.000 Euro. Oberzent muss 80 Prozent davon, also 80.000 Euro, tragen.

In den vergangenen Jahren tat sich Kehrer zufolge auf diesem Feld recht wenig, weil die Behörde personell unterbesetzt war. Verschiedene Dinge wurden zwar abgearbeitet. Prominenteste Maßnahme: die Brücke in Schöllenbach. Aber es blieb noch viel liegen. Andererseits sind die Maßnahmen wichtig, „um beim Wegebau weiterzukommen“, betonte Kehrer.

Über die Jahre hinweg wurde seinen Worten nach immer Geld in die städtischen Haushalte eingestellt, aber nie verausgabt. Deshalb wurde 2019 gegenüber der Behörde mit Nachdruck argumentiert, dass nun endlich etwas geschehen soll. Daraufhin fasste diese verschiedene Projekte zu einem Paket zusammen.

Der größte Brocken davon ist die Sanierung der verlängerten Poststraße von Ober-Hainbrunn nach Rothenberg. Weiter oben geht es dann auch um den Weg von der Sporthalle um Sportplatz. Fast 250.000 Euro fließen so in den Höhenort.

In Kailbach steht unter anderem der Bahndamm auf der Agenda. Volumen hier: 73.000 Euro. Falken-Gesäß wird mit fast der gleichen Summe bedacht: Im Dorf geht es vor allem um die Sanierung des Sportplatzes. Eine kleinere Summe mit knapp 27.000 Euro fließt nach Unter-Sensbach.

„Die Prozesse sind langwierig“, hob Kehrer hervor. Deshalb sprach sich die Verwaltung auch für die Realisierung möglichst noch diesjährige eines zweiten Pakets von einer halben Million Euro aus, um die für Oberzent bereitgestellten Mittel sinnvoll zu verwenden. Denn sonst, so seine Befürchtung, werden ein paar Jahre vergehen, bis wieder etwas passiert.

Denn allein in Kailbaach und Schöllenbach listet das Verfahren ein Fördervolumen von einer Million Euro auf. Rothenberg kommt auf 600.000 Euro, Falken-Gesäß auf 500.000, Hesselbach auf 400.000 und Hetzbach auf 600.000 Euro. Allein Unter-Sensbach steht auf 0.

Fastnachter sind noch gelassen: Erstmal „laafe losse“

Noch blicken die Fastnachter in den verschiedenen Oberzent-Hochburgen relativ gelassen Richtung Kampagneneröffnung. Sie verfolgen aber aufmerksam die bundesweite Diskussion, ob es wegen Corona ab dem 11.11. wieder viel Narretei geben kann, ob diese abgesagt oder eingedampft werden muss. Zumindest der Übungsbetrieb der diversen Tanzgruppen ist bereits wieder angelaufen oder steht kurz davor.

Dass in den ländlichen Gemeinden Fastnacht nach wie vor eine bodenständige Veranstaltung ist, zahlt sich für den Präsidenten der Narrhalla Hainbrunn, Frank Flachs, jetzt aus. Die Oberzent-Vereine können viel flexibler auf die sich stetig ändernde Situation reagieren. Die Großen in Köln oder Düsseldorf „gehen jetzt schon in die Planung und haben wahnsinnige Auslagen im Vorfeld“, weiß er.  Es rächt sich nun laut Flachs, „dass dort alles immer größer, toller, besser werden musste“.

Anders bei der Narrhalla: „Bis Ende Oktober haben wir keine Auslagen“, weiß der Präsident. Entsprechend werden die Narren im Finkenbachtal so lange abwarten und schauen, wie sich die Lage entwickelt. Er kann es nicht nachvollziehen, dass der Bund deutscher Karneval (BdK) schon jetzt in die Öffentlichkeit geht und Absagen in den Raum stellt. Für den Hainbrunner müssen die Faschingsgiganten nun den Preis für ihr bisheriges Wetteifern um die beste schönste und tollste Kampagne bezahlen.

Von Kaffeesatz lesen und Glaskugel schauen hält Flachs nichts. „Weiß ich denn, was in einem halben Jahr ist“, wird er aktuell noch keine Entscheidung pro oder contra Kampagne treffen. Vielleicht könnte es Fastnacht mit Eingangskontrolle geben – rein kommen alle mit Corona Test, sieht er einige Möglichkeit der Durchführung. „Wir lassen alles auf uns zukommen“, blickt er gelassen nach vorn. Der Präsident sieht die Narren im kleinen Stadtteil gut aufgestellt. Die Gruppen trainieren bereits im Rahmen des Hygienekonzepts.

Ähnlich gehen die Fastnachter auf dem Berg an das Thema ran: „Aktuell betrachten wir die Diskussionen noch aus der Distanz“, erläutert Robin Hemberger von der Carneval Gesellschaft Beerfelden (CGB). Zwar treffen sich natürlich schon wieder die Gruppen unter Einhaltung aller Regeln, „aber wirklich intensiv ins Planen von Szenarien gehen wir wohl erst im August oder September“.

Das hat auch einen praktischen Grund: „Man weiß jetzt noch nicht, wie die behördlichen Regelungen bis dahin aussehen.“ Abgespeckte Versionen sind für die Beerfeldener Narren dann sicher auch Denkmodelle. „Im Moment gilt noch unser altes Motto: Laafe losse…“, nimmt Hemberger die derzeitige Hängepartie mit dem gebotenen närrischen Humor.

Im Sensbachtal verfolgt man ebenfalls aufmerksam, wie sich die närrische Großwetterlage entwickelt. „Wir bekommen auch über Verbände und befreundeten Vereine mit, dass diese Diskussion läuft und wir haben uns auch schon selbst darüber verständigt“, teilt Thomas Johe vom MGV Sensbachtal mit. Der Vorsitzende des TSV, Gerd Scheuermann, und Johe sind so verblieben, „dass wir spätestens Ende September oder Anfang Oktober entscheiden werden, ob die Sensbacher Fastnacht stattfinden kann oder nicht“.

Sollte den närrischen Sensbachtalern zwischenzeitlich die Entscheidung vom Staat abgenommen werden, „dann müssen wir uns natürlich beugen“, so Johe. In der Zwischenzeit werden, erklärt er, die TSV-Tanzgruppen nach Abwägung und Einhaltung der Hygienevorschriften nach und nach wieder ins Training gehen. Anders die MGV-Sänger: „Wir sind momentan total lahm gelegt und können nur grobe Pläne machen, was wir singen könnten.“

Deshalb bleibt es für den Vorsitzenden Johe „spannend, wie es weiter geht“. Denn im Tal der Liebe steht dieses Jahr ein besonderes närrisches Jubiläum an: Die kommende  Kampagne wäre die 44. Die würde man logischerweise sehr gerne feiern.

 

Liegend die schöne Oberzent genießen

Eigentlich sollten die aus dem Budget von verschiedenen Ortsbeiräten angeschafften Waldsofas bereits früher im Jahr mit ehrenamtlichen Kräften an besonders schönen Plätzen aufgestellt werden. Doch Corona machte diesem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung. Seitdem die Auflagen gelockert wurden, können die Ortsbeiräte nun zu Werke gehen. Das Ergebnis wird bereits gerne liegend genutzt.

„Wir haben unsere beiden Waldsofas endlich aufgestellt“, freut sich Sensbachtals Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. „Unglaublich, wie viele Leute sie  am Wochenende schon genutzt haben“, beobachtete er. Der Ortsbeirat baute die Ruheliegen an zwei Stellen entlang des Panoramawegs auf: an der Talblickhütte in Ober-Sensbach und an der „Hermetze“ in Unter-Sensbach.

„Beide Plätze haben eine wunderschöne Aussicht und liegen direkt am zertifizierten Premium-Wanderweg“, weiß Kuhlmann aus eigener Anschauung. Der Ortsbeirat von Sensbachtal finanzierte – wie auch die Gremien in den anderen Oberzent-Stadtteilen – die Waldsofas aus seinem Budget.

Bänke entlang des Panoramawegs wurden nochmals vom früheren Bürgermeister Manfred Heiss freigemäht. Der Ortsbeirat hat auch fürs kommende Jahr nochmals zehn Sitzbänke über den Geo-Naturpark bestellt. Der Verein „Sensbachtal Aktiv“ übernimmt dafür die Kosten.

Es wurden aber auch schon einige Bänke von Privatpersonen bezahlt, freut sich Kuhlmann über die Verbundenheit der Bürger mit ihrem Dorf. Die Feuerwehr Unter-Sensbach kümmert sich regelmäßig um das Streichen und gegebenenfalls Reparaturen. Die Revierförsterei Unter-Sensbach unterstützt bei Planung und Umsetzung.

In Sensbachtal packen immer alle mit an. Ralf Beisel war bei Lagerung und Logistik der Waldsofas sehr hilfreich, hebt der Ortsvorsteher hervor. Der NABU Sensbachtal kümmert sich daneben um diverse Aussichtspunkte und „Rastplätze“ entlang des Panoramawegs. Die Talblickhütte wurde kürzlich von Herbert Wagner komplett neu gestrichen. Er führte auch Dachreparaturen an der Adam-Schwinn-Hütte durch. Der Ortsbeirat plant, die anderen Schutzhütten ebenso zu renovieren.

Aus Ober-Hainbrunn stammt die Idee der Waldsofas, die dann die Oberzent-Runde machte. Auch dort nutzten die Mitglieder des Ortsbeirats das schöne Wetter, um die beiden Bänke aufzustellen. Wegen Corona geschah dies zu zweit mit einem kleinen Kran. „Sie werden sehr gut angekommen“, hat Ortsvorsteher Stefan Hofmann erfahren. „Es gab auch schon mehrere Anfragen, woher die sind.“ Beide Ruheliegen sind komplett aus Holz gefertigt: Füße und Liegefläche aus Akazie, der Unterbau aus Douglasie.

In Olfen lässt sich ebenfalls die Aussicht genießen. Eine Bank steht an der Bergwiesenhütte und eine unterhalb am Waldrand, teilt Horst Schnur mit. Die Hütte erreicht man entweder von der ersten großen Kurve von Airlenbach kommend links ab und 300 Meter über einen asphaltierten Weg. Oder vom Dorf aus mit Navi Bergwiesenweg, erläutert er. Von der Hütte am Waldrand abwärts kommt man zur zweiten Bank.

„Aufgrund von Corona steht die Bank noch nicht, da wir das zusammen erledigen wollen“, bedauert Ortsvorsteher Jürgen Sauer. Angepeilt ist für die Aktion derzeit Anfang Juni. Beerfelden war da schneller. Ortsvorsteher Christian Zimmermann beobachtet jeden Tag Leute darauf. „Eine Beschwerde gab es: Die Bank hätte am Galgen nix zu suchen“, schmunzelt er. Eine weitere steht im Güttersbacher Weg, am Abzweig nach Etzean.

Zwei Waldsofas gibt es auch in Gammelsbach. Eines befindet sich auf der Straße an der Burg vorbei Richtung Wald. Dann geht’s den ersten Weg links und 300 Meter Richtung Eberbach. Der Blick auf die Sensbacher Höhe und das Gammelsbacher Mitteldorf ist ein besonderer. „Die Resonanz ist wegen der Aussicht durchweg positiv“, hat Ortsvorsteher Konrad Helm deshalb viel positives Feedback erreicht. Die zweite Liege wird noch bei der Schmidtshütte mit Blick auf die Burg installiert.

Einkaufsservice für die Bürger im Finkenbachtal

Wenn das Leben nicht seinen geregelten Gang geht, Corona-Chaos herrscht und manche Menschen in Not geraten, dann steht die Dorfgemeinschaft ihren Mann. Auf dem Land ist man eben füreinander da. Die Ortsbeiräte aus Ober-Hainbrunn, Falken-Gesäß, Finkenbach, Hinterbach und Raubach haben sich in diesem Sinne zusammengetan und einen Einkaufsservice für die Bürger auf die Beine gestellt.

„In der aktuellen Situation sind Mitmenschen auf unsere Hilfe angewiesen“, betont der Finkenbacher Ortsvorsteher Christian Niesen. Denn die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Leute ein. Es gibt seines Wissens zahlreiche Personen, die kein Auto besitzen. Dazu kommen auch Ältere und Personen mit Vorerkrankungen, die es aktuell meiden sollten, in die Öffentlichkeit zu gehen. „Mit unserem Einkaufservice wollen wir aus Solidarität in Zeiten der Corona-Pandemie genau diese gefährdeten Gruppen unterstützen“, erläutert Niesen.

Die Idee zur Hilfsaktion hatte der Finkenbacher Ortsbeirat Patrick Löffler. „Wir sollten das nicht allein machen, sondern das gesamte Tal mitnehmen“, war der Tenor im Oberzent-Stadtteil. Deshalb wurden kurzfristig die Ortsbeiräte in Falken-Gesäß und Ober-Hainbrunn abgefragt, ob sie dabei sind. Das Ja, mitgeteilt über die Ortsvorsteher Stefan Hofmann (Ober-Hainbrunn) und Manuel Schwinn (Falken-Gesäß), war nur Formsache.

„Wer Hilfe beim Einkaufen benötigt, wendet sich bitte an unsere Koordination“, schildert Niesen das Vorgehen. Er besprach übers Wochenende einen Anrufbeantworter, der ab sofort unter Telefon 06068/478016 erreichbar ist. Dort können die Bürger ihren Namen und ihre Nummer hinterlassen. „Sie werden dann zurückgerufen und die Bestellung wird aufgenommen“, sagt Niesen.

Die eingegangenen Einkaufswünsche werden danach an die zuständigen Ortsvorsteher weitergeleitet, die regional ihren Einkaufsservice koordinieren, erklärt der Finkenbacher. „So besteht für jeden die Möglichkeit, sich mit neuen Lebensmitteln einzudecken.“ Doch nur mit dem Einkaufen ist es nicht getan. „Wir wollen auch abfragen, ob die Leute einsam sind und vielleicht ein erhöhter Kommunikationsbedarf besteht“, erläutert er die Beweggründe.

Sollte sich das herausstellen oder sich ein Gespräch Richtung Seelsorge entwickeln, dann wird mit Einverständnis der Anrufer ihr Kontakt an die Stadt Oberzent weitergegeben. Dort ist ebenfalls eine Hotline unter 06068/7590-999 geschaltet. Diese ist montags bis freitags von 8 Uhr bis 18 Uhr besetzt. In Absprache mit der Generationenhilfe „werden wir in unserer Stadt niemanden alleine lassen“, verspricht Bürgermeister Christian Kehrer.

Die drei Ortsbeiräte „wollen die Bürger im Tal absichern“, so Niesen. Senioren, die in Zeiten der Krise von zuhause nicht wegkommen, sollen versorgt werden. In einem ersten Schritt will man den Bedarf ermitteln, so der Ortvorsteher. Je nach Resonanz werden die Einkäufe erledigt. Sollte viel reinkommen, dann wird es extra Touren geben, wenn es nur vereinzelte Anrufe gibt, dann laufen diese Einkäufe bei den etatmäßigen Besorgungen mit, die sowieso immer mal anstehen.

 

Einkaufs-Hotline der Orte Ober-Hainbrunn, Falken-Gesäß, Finkenbach, Hinterbach und Raubach mit Anrufbeantworter: 06068/478016

Getränkebestellungen ab einer Kiste übernimmt der Heimlieferdienst der Firma Gerd Koch in Ober-Hainbrunn, Telefon 06275/619. Liefertermin immer mittwochs.

Hotline der Stadt Oberzent: 06068/7590-999

 

Kindergartenbus gehört der Vergangenheit an

Den bisherigen Rothenberger „Kindergartenbus“ gibt es ab Ende des Jahres nicht mehr. Die Stadtverordneten entschieden sich auf der vergangenen Sitzung mehrheitlich, das Angebot nicht mehr fortzusetzen. Als Gründe wurden finanzielle und haftungsrechtliche Aspekte genannt. Mit dem Bus wurden die Kids aus Ober-Hainbrunn, Finkenbach und Kortelshütte zur Rothenberger Kita „Himmelsauge“ gebracht, wenn während der Schulferien die etatmäßigen Busse nicht verkehrten.

Schon einmal hatte sich die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr mit diesem Thema befasst, als es um die Einstellung in der Ferienzeit ging. Die wurde damals im Vorgriff vom Magistrat abgesegnet, aber von den Mandatsträgern bis zur Prüfung durch die Verwaltung aufgeschoben, wie eine künftige Regelung aussehen und ob der Bus weiterhin fahren könnte.

Bisher gab es in den anderen drei Gemeinden Hesseneck, Sensbachtal und Beerfelden keinen Ferienbusdienst. Aus Gleichbehandlungs- und Kostengründen hatte der Magistrat deshalb entschlossen, das Angebot in der Ferienzeit auch für Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Kortelshütte einzustellen. Das löste bei den betroffenen Eltern einen Proteststurm aus.

Die Verwaltung hatte über den Sommer eruiert, was eine Ausweitung dieses Angebots auf alle Stadtteile bedeuten würde. „Das wären Kosten von 22.100 Euro“, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Zum Vergleich: Die bisherige Rothenberger Variante kam auf 4100 Euro. Neben dem Geld gibt es aber einen anderen gewichtigen Hinderungsgrund. „Die Stadt wäre als Träger in der Haftung“, betonte er.

Zum einen bräuchten die Busse das nötige Equipment, um kleinere Kinder zu befördern, zum anderen wären Aufsichtspersonen notwendig. „Ohne ist ein Transport nicht möglich“, bekam die Stadt von der Unfallkasse signalisiert. Kinder bis zum zwölften Lebensjahr und kleiner als 1,50 Meter dürften nur befördert werden, wenn geeignete Rückhaltevorrichtungen und zusätzlich Kindersitze vorhanden sind.

Eine schriftliche Erklärung der Eltern, dass ihre Sprösslinge ohne Aufsicht mitfahren dürften, „befreit die Stadt nicht von ihrer Haftung“, bedauerte Kehrer. Der bisherige Betrieb, machte er deutlich, bewegte sich damit schon in einer Grauzone. Deshalb, so das Stadtoberhaupt, „ist es nicht möglich und nicht sinnvoll“, den Busdienst weiterzuführen. Derzeit nutzten fünf Kinder das Angebot.

Im Rahmen des Angebots „Garantiert mobil“ vom Odenwaldkreis entschied die Stadtverordneten-Versammlung bei 24- und drei Nein-Stimmen, den städtischen Zuschuss für die taxOMobil-Fahrten ab 1. Januar vorerst für ein Jahr auf 75 statt bisher 50 Prozent anzuheben. Die Summe ist relativ überschaubar. Bis Ende Oktober liefen bei der Stadt lediglich 128 Euro an Zuschüssen auf. Fürs Folgejahr sind 1000 Euro im Haushalt eingeplant.

TaxOMobil-Fahrten sind für die nächsten zehn Jahre zum ÖPNV-Bedienungsstandard geworden, informierte Kehrer. Mitte des Jahres waren kreisweit etwa 1500 Euro an Subventionsbeträgen aufgelaufen. Der relativ geringe Betrag ist dem Bürgermeister zufolge auf die Startphase und die anfänglichen technischen Probleme bei der Buchungs-App zurückzuführen.

Kehrer bedauerte, dass taxOMobil weiterhin ein Stiefkind-Dasein fristet. Es hängt seiner Ansicht nach nicht nur am Geld, sondern auch an der Akzeptanz, die scheinbar auf dem Land erst nach und nach kommt. Bisher gibt es 1500 Anmeldungen. „Andere ländliche Regionen wären froh über das Angebot“, brachte er die Besonderheit auf den Punkt. Im Gremium gab es eine engagierte Diskussion über das Für und Wider.

Eine Entscheidung über die Jugendförderrichtlinien verschoben die Mandatsträger auf Anfang kommenden Jahres. Man will die Haushaltszahlen dieses Jahres abwarten und dann rückwirkend die Gelder ausschütten, wenn es der Etat erlauben sollte. Es geht um 15.000 Euro, die pro Jugendlichem an die Vereine ausgezahlt werden.

 

Das Finkenbachtal bleibt abgehängt

Was sich im Ausschuss bereits abgezeichnet hatte, wurde in der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung Realität. Es wird keine Verbesserung auf der Buslinie 54 im Bereich der früheren Gemeinde Rothenberg mit den Finkenbachtal-Gemeinden geben. Denn die Mehrkosten dafür hatte die OREG auf 185.000 Euro beziffert. Sie wären von der Stadt zu tragen gewesen. Da diese aber kein Geld dafür hat, zog Horst Kowarsch von den initiierenden Grünen den Antrag zurück.

Kowarsch bezeichnete in seiner ursprünglichen Antragsbegründung die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen:  Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Laut OREG stellt der Nahverkehrsplan zunächst einmal nur die Grundversorgung sicher: nämlich den Schülerverkehr. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Das gibt es nach dem Fahrplanwechsel am Wochenende gar nicht mehr. Wenn es, wie im Antrag gewünscht, im werktags stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben sollte, müsste hier die Stadt einspringen.

Kowarsch regte an, dem ÖPNV-Ausbau im südlichen Odenwaldkreis ein besonderes Augenmerk zu schenken. „Wir müssen auch die Nebenstrecken fördern.“ Lediglich auf die Kosten zu verweisen, hielt er für ein „Totschlagargument“. Er hätte sich von der OREG Verbesserungsvorschläge und neue Ideen gewünscht. „Wenn wir unsere Region stärken wollen, brauchen wir die Verbindung zur S-Bahn im Neckartal“, betonte er.

„Wir fühlen uns da oben abgehängt“, brachte es Brigitte Heckmann (SPD) für die Höhenstadtteile Rothenberg und Kortelshütte auf den Punkt. Ihren Worten zufolge gibt es viele Verbindungen vom Nordkreis nach Bayern „und die bringen es nicht fertig, Busse nach Hirschhorn fahren zu lassen“, machte sie ihrem Unmut Luft.

Ihr Fraktionskollege, Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh, wies auf den Gleichbehandlungsgrundsatz hin. Oberzent müsse die Mittel dem Kreis zur Verfügung stellen, sonst entsteht ein Ungleichgewicht. In den vergangenen Jahren wurde im Kreis sehr viel in den ÖPNV investiert, meinte er. „Deshalb kann ich die Pauschalkritik nicht nachvollziehen“, so Holschuh.

Diskutiert wurden im Rund die Anbindungen an die Grenzregionen mit Eberbach und Hirschhorn, weil von dort die S-Bahn in die Metropolregion und nach Mosbach fährt. Der folgende Vorschlag von Bürgermeister Christian Kehrer fand bei allen Widerhall: „Warum formulieren wir nicht dem Kreistag das, was wir haben wollen“, meinte er. Landrat Frank Matiaske wird im Januar zur Vorstellung des Kreisentwicklungskonzepts in Oberzent sein. Dem könnte man Anregungen mitgeben.

Das Beratungs-Ergebnis sorgte vor allem bei den Mandatsträgern aus dem früheren Rothenberg für Frust, wie sich nach Ende der Sitzung beim gemütlichen Beisammensein zeigte. Linienverdichtungen im Nordkreis und eine neue Verbindung über Mossautal nach Grasellenbach wurden zum Anlass genommen, auf die Vernachlässigung des Finkenbachtals hinzuweisen. Dass im Kreis Bergstraße zwischen Wald-Michelbach und Hirschhorn als Grundversorgung unter der Woche ein stündlicher Takt eingerichtet wurde, war für viele ein positives Beispiel, wie es anders laufen könnte.

Stadt wäre beim Kindergartenbus in der Haftung

Der bisherige „Kindergartenbus“ in den Ferienzeiten steht auf der Kippe. Mit ihm wurden die Kids aus Ober-Hainbrunn, Finkenbach und Kortelshütte zum Rothenberger Kindergarten gebracht, wenn während der Schulferien die etatmäßigen Busse nicht verkehrten. Das Thema fand nun wieder Eingang in die Sitzung des gemeinsam tagenden Sozial- und Kultur- sowie Bau- und Umweltausschusses von Oberzent.

Schon einmal hatte sich die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr mit diesem Thema befasst, als es um die Einstellung in der Ferienzeit ging. Die wurde damals beschlossen, aber noch keine Entscheidung getroffen, wie es danach weitergehen sollte. Auf Antrag der SPD hin sollte der Magistrat nun überprüfen, wie eine künftige Regelung aussehen und ob der Bus weiterhin fahren könnte.

Bisher gibt es weder in Hesseneck noch in Sensbachtal einen Ferienbusdienst. In Beerfelden wurde er 2010 eingestellt. Aus Gleichbehandlungsgründen hatte sich der Magistrat Anfang April dafür entschlossen, das Angebot in der Ferienzeit auch für Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Kortelshütte einzustellen. Von dort werden die Kinder nach Rothenberg gebracht. Das hatte bei den betroffenen Eltern einen Proteststurm verursacht.

Die Verwaltung hatte über den Sommer eruiert, was eine Ausweitung dieses Angebots auf alle Stadtteile bedeuten würde. „Das wären Kosten von 22.000 Euro“, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Zum Vergleich: Die bisherige Rothenberger Variante kam auf 4100 Euro. Neben dem Geld gibt es aber einen anderen gewichtigen Hinderungsgrund. „Die Stadt wäre als Träger in der Haftung“, betonte er.

Zum einen bräuchten die Busse das nötige Equipment, um kleinere Kinder zu befördern, zum anderen wären Aufsichtspersonen notwendig. „Ohne ist ein Transport nicht möglich“, bekam die Stadt von der Unfallkasse klipp und klar signalisiert. Der bisherige Betrieb, machte er deutlich, bewegte sich damit schon in einer Grauzone.

Eine Entscheidung über die Jugendförderrichtlinien verschoben die Mandatsträger auf Anfang kommenden Jahres. Man will die Haushaltszahlen dieses Jahres abwarten und dann rückwirkend die Gelder ausschütten, wenn es der Etat erlauben sollte. Es geht um 15.000 Euro, die pro Jugendlichem an die Vereine ausgezahlt werden. Angesichts der aktuellen schlechten Haushaltslage müsste er bei einer sofortigen Entscheidung sowieso seinen Widerspruch einlegen, da es sich um eine freiwillige Leistung handelt, sagte der Bürgermeister.

Mehr Busse nach Hirschhorn wären zu teuer

Schön war’s ja, aber finanziell nicht zu machen. Die Tendenz im gemeinsam tagenden Sozial- und Kultur- sowie Bau- und Umweltausschuss in Beerfelden war ziemlich klar, als es um die Taktverdichtung auf der Linie 54 zwischen Beerfelden und Hirschhorn ging. Die hatten die Grünen mit einem Antrag gefordert. Aber mit einer Umsetzung wären erhebliche Kosten verbunden, die die OREG auf 185.000 Euro jährlich beziffert. Geld, das Oberzent derzeit nicht hat.

Horst Kowarsch (Grüne) hatte bereits in einer vorigen Beratung die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“ bezeichnet. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen: Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Die Linie wird im Nahverkehrsplan des Odenwaldkreises lediglich als Grundversorgung betrachtet, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Laut OREG sieht der Plan zunächst einmal nur die Sicherstellung des Schülerverkehrs vor. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Alles, was darüber hinausgeht, müsste die Stadt Oberzent bezahlen. Die Kalkulation der Regionalgesellschaft kommt auf eben jene 185.000 Euro, wenn es im stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben soll.

Als Alternative zu einem regelmäßigen Busverkehr nannte das Stadtoberhaupt das Angebot „Garantiert mobil“ des Odenwaldkreises. Hier gab der Ausschuss die Empfehlung ab, den städtischen Zuschuss bei den taxOMobil-Fahrten auf 75 statt bisher 50 Prozent anzuheben. Denn die Summe ist relativ überschaubar. Bis Ende Oktober liefen bei der Stadt lediglich 128 Euro an Zuschüssen auf. Fürs Folgejahr sind 1000 Euro im Haushalt eingeplant.

„Mittlerweile läuft das System stabil“, sagte Kehrer. TaxOMobil-Fahrten sind für die nächsten zehn Jahre zum ÖPNV-Bedienungsstandard geworden, informierte er. Mitte des Jahres waren kreisweit etwa 1500 Euro an Subventionsbeträgen aufgelaufen. Der in der Gesamtsumme relativ geringe Betrag ist dem Bürgermeister zufolge auf die Startphase und die anfänglichen technischen Probleme bei der Buchungs-App zurückzuführen.

Kehrer bedauerte, dass das taxOMobil-Angebot trotz der Öffentlichkeitsarbeit weiterhin ein Steifkind-Dasein fristet. Es hängt seiner Ansicht nach nicht nur am Geld, sondern auch an der Akzeptanz, die scheinbar auf dem Land erst nach und nach zu erreichen sei. Bisher gebe es 1500 Anmeldungen. „Andere Regionen wären froh darüber“, brachte er die Besonderheit des Angebots auf den Punkt.

Info: Als integrierter Bestandteil des ÖPNV im Odenwaldkreis sichern taxOMobil-Fahrten die Mobilität der Bürger von der Ortschaft zum jeweiligen Zentrum. Diese Mobilitätsgarantie besteht an allen Tagen in der Woche und unabhängig von Schul- und Ferienzeiten Montag bis Freitag von 5 bis 22 Uhr, an Samstagen von 6 bis 22 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 22 Uhr. Buchbar sind taxOMobil-Fahrten über das Informations- und Buchungssystem http://www.odenwaldmobil.de via Web oder App oder auch telefonisch über die Mobilitätszentrale der OREG. Für seine taxOMobil-Fahrt zahlt der Kunde den RMV-Tarif und einen entfernungsabhängigen Zuschlagspreis.

Bessere Verbindung von Hainbrunn nach Hirschhorn gewünscht

Positives Echo für den Vereinsbus der Generationenhilfe: Den stellten Vorsitzende Brigitte Schanbacher und Klaus Kaden auf der Sitzung des Ortsbeirats vor. Was den Hainbrunnern aber fast mehr auf den Nägeln brennt: eine bessere Verbindung ins benachbarte Hirschhorn. Da das aber dem Kreis Bergstraße mit eigenem Nahverkehrsplan angehört, lässt der ÖPNV dorthin zu wünschen übrig. Jedoch fährt von dort die S-Bahn nach Heidelberg, außerdem verdienen viele ihre Brötchen im Neckartal.

Einmal in der Woche soll der Bürgerbus auch durchs Finkenbachtal fahren, berichteten die Aktiven der Generationshilfe bei der Vorstellung. Er kommt von Beerfelden, nimmt den Weg über Finken-, Hinter- und Raubach Richtung Neckar, dient dann auch Hirschhorn an und fährt über Kortelshütte und Rothenberg wieder zurück. Das Ganze soll dienstags drei Mal am Tag außerhalb der sonstigen Busabfahrtszeiten geschehen.

An den Ortsbeirat wurde von den Ehrenamtlichen der Wunsch herangetragen, nach möglichen Haltepunkten zu suchen. Denn die müssen ja nicht denen des ÖPNV entsprechen, sondern könnten sich auch danach ausrichten, wo viele Senioren wohnen. Gleichzeitig will man in der Vorlaufzeit die Abfahrtszeiten des Busses mit denen des ÖPNV abgleichen, damit es keine Dopplungen gibt. Auch ist die Generationshilfe noch auf der Suche nach ehrenamtlichen Fahrern.

Auf der Sitzung gab’s einen ÖPNV-Rundumschlag. Denn Mobilitätsberater Matthias Kusch von der OREG stellte Ruftaxi und Taxomobil vor. Im Vergleich zum „normalen“ Bus, wo man einsteigt und das Ticket löst, empfand Ortsvorsteher Stefan Hofmann das System der erstmaligen Aktivierung etwas kompliziert. Gerade ältere Menschen könnten sich damit schwer tun.

All das ist aber eher Beerfelden-zentriert, monierte Hofmann. „Die Anbindung nach Hirschhorn ist bisschen unbefriedigend“, sagte er. Deshalb schaut er interessiert auf die Anfang Dezember stattfindenden Beratungen des Oberzent-Bau-, Umwelt- und Infrastrukturausschusses, wenn es um eine Intensivierung der Linie 54 zwischen Beerfelden und dem Neckar geht. Allerdings wäre diese Erweiterung wohl mit relativ hohen Kosten verbunden.

Dass dieses Thema auch der Bevölkerung auf den Nägeln brennt, zeigte sich an einigen Fragen. Hier wurde unter anderem die Verbindung von Ober-Hainbrunn zu den weiterführenden Schulen im badischen Eberbach angesprochen. Diese könnte sich in spe mit einem Umweg über Beerfelden möglicherweise kompliziert gestalten, befürchtete Hofmann.

Der diesjährige Freiwilligen-Tag war ein großer Erfolg, freute sich der Ortsvorsteher. In einjähriger Arbeit richteten Ehrenamtliche in vielen Arbeitsstunden das alte Schulhaus für die Nutzung durch die Dorfgemeinschaft her. Exakt am Tag der Sitzung wurden auch die Tische geliefert, sodass man den neuen Raum gleich einweihen konnte. Für das kommende Jahr werden Ideen gesammelt, was dann anzugehen ist. Ein Gedanke ist die Aufhübschung des alten Gefriertruhen-Häuschens. Der Ortsbeirat ist für weitere Anregungen dankbar.

Ein anderes Thema waren die alten Ortschilder. An denen nagt zum einen der Zahn der Zeit, zum anderen sind sie noch nicht auf Oberzent umgepolt. Angedacht ist Hofmann zufolge eine Vereinheitlichung, die gleichzeitig die Möglichkeit bietet, zum „Herzlich Willkommen“ per einschiebbarem Aluschild den Hinweis auf aktuelle Veranstaltungen einzubinden.

Der Ortsbeirat machte sich außerdem Gedanken über die Verwendung seines Budgets. Die bereits bestellten beiden Liegebänke sollen noch vor Weihnachten geliefert werden, kündigte Hofmann an. Im kommenden Frühjahr ist die Aufstellung beim Spielplatz und am Panoramaweg geplant. Vom Rest beschaffte man zwei „Street-Buddys“, reflektierende Figuren in Kinder-Größe. Auch fürs kommende Jahr machte man sich Gedanken. Hier soll der SV beim Sporthallen-Umbau im Zuge verschiedener Brandschutzmaßnahmen unterstützt werden.