Den Kohlenmeiler noch bis Sonntag mit allen Sinnen erfahren

Der Kohlenmeiler ist ein 4D-Erlebnis. Man kann ihn mit allen Sinnen erfahren. Schon von Finkenbach kommend ist die Rauchwolke im Hinterbachtal weithin sichtbar. Beim Aussteigen aus dem Auto zieht sofort der ganz eigene Geruch verkohlenden Holzes in die Nase. Wer sich nah genug herantraut, der kann sich angesichts der abendlichen Kühle am Bach angenehm aufwärmen.

Ein Besuch am Meiler hält außerdem lange vor: Alles riecht noch einen Tag später kräftig nach Rauch. Noch bis zum Sonntag kann diese Demonstration alten Odenwald-Brauchtums bewundert werden. Das Köhlerteam bewirtet die Gäste vortrefflich, während diese zuschauen, wie viele Einheimische in früheren Jahrhunderten in der Region ihren Lebensunterhalt verdienten.

Dieses Jahr gab’s einen „Muster-Meiler“, schmunzelt Thomas Frisch. Er ist zusammen mit Ralf Fischer der Chef des kohlenden Kolosses, ist 24 Stunden vor Ort, gönnt sich kaum Schlaf, um sein rauchenden Baby immer bei Laune zu halten und zu vermeiden, dass es zu sehr hustet, einen Schluckauf bekommt oder womöglich sogar unangenehmen, heißen Auswurf. Auf dem Stuhl, auf der Bierbank, im Zelt, auf der Hängematte: Power-Napping war für beide in den vergangenen Tagen angesagt, wenn sie sich etwas Schlaf holen wollten.

Ein bisschen ähnelt der Meiler ja einem kleinen Vulkan, lässt sich an seinem Fuße erkennen. Dort glitzert aus einem kleinen Loch die Glut hervor, dass es fast Lava sein könnte. Aus ein paar in die Seite hineingestochenen Löchern quillt der Rauch. „Die Luft muss raus“, erklärt Frisch. Denn zu viel Sauerstoff bekommt dem Holzberg nicht, der im Laufe der Tage immer mehr in sich zusammensackt. Dann bekommt er einen Hustenanfall.

Aber es lief alles gut. Am Mittwochabend war das Buchenholz schon durchgekohlt, sodass man am Donnerstag zu Werke gehen konnte und ihn „aufmachte“. Die beiden Meilerchefs rechnen damit, dass sie bereits am Freitagabend die Platte putzen und die Kohle rausziehen können. Der Verkauf dieser heißen Arbeit in Form von Holzkohle in 1a-Qualität wird allerdings erst am Sonntagmorgen starten. Denn „es darf keine Glut mehr drin sein“, betont Frisch. Sonst würde die den Sack in Brand stecken.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst: Das Naturprodukt besticht durch seine hohe Qualität. Die so gewonnene, hochwertige Holzkohle wurde früher für Hufschmiede und Erzverhüttungsbetriebe gebraucht. Heute wird sie von „Grillprofis“ hochgeschätzt. Etwa 30 Kilo Holzkohle pro Festmeter Holz sind das Ergebnis der schweißtreibenden Arbeit.

Seit dem Start vor einer Woche lief alles problemlos, freut sich Ralf Fischer. Die beiden verbrachten eine relativ ruhige Zeit, dürfen aber natürlich den 20-Meter-Holzstapel keine fünf Minuten aus den Augen lassen, weil er sonst Unfug machen könnte. Seit 30 Jahren betreibt das Köhlerteam diese Demonstration alten Brauchtums im abgelegenen Odenwald-Tal und stößt damit auf sehr viel Widerhall.

„Wir sind sehr zufrieden, dass der Kohlenmeiler so gut angenommen wird“, sagt Frisch. Die Besucher kommen nicht nur aus der Nähe, sondern auch aus dem Überwald, aus dem Odenwaldkreis bis hinein ins Neckartal und Richtung Heidelberg, um das alte Handwerk zu bestaunen. Und zeigen dabei viel Interesse an der Arbeit der Hobby-Köhler, wie er erfreut registriert. Einem Bremer Odenwald-Urlauber briet Frisch eine Holzkohlen-Extrawurst und zog ein paar Stücke heraus. „Der will zuhause beim Grillen damit angeben“, lacht er.

Apropos Wurst: Die wurde wie das Steak auf dem Schwenkgrill zubereitet und war ebenso begehrt wie die Tagesessen mit Odenwälder Spezialitäten, die unter der Woche angeboten wurden. Das 30 Köpfe zählende Köhlerteam ist noch bis Sonntag am Festplatz Richtung Raubach anzutreffen und bewirtet dort nach allen Kräften die Gäste.

„Am Sonntagabend geht hier jeder auf dem Zahnfleisch“, macht Fischer deutlich, dass die zehn Tage, an denen alle fast nonstop im Einsatz waren, an die Substanz gehen. Wenn er jedoch auf die vollen Sitzbänke und die Schlange an der Essensausgabe blickt, strahlt er: „Es herrscht eine super Stimmung und alles funktioniert.“ Die Gäste wissen eben auch, dass sie hausgemachte Kost bekommen. Das Fleisch stammt vom Metzger, die Handkässoße ist selbst gemacht, die sauren Bohnen von den Mitgliedern eingekocht und die „Erdrüben“ eigenhändig zubereitet.

Ralf Fischer hat das Köhlerhandwerk quasi noch im Blut. Adam Fischer, der Bruder seines Großvaters, betrieb den ehemaligen Broterwerb der Landbevölkerung früher in Olfen. Dadurch wiederum kamen sowohl Ralf Fischers Vater wie auch er selbst damit in Kontakt – der Grundstein war gelegt, sich damit hobbymäßig weiterhin zu beschäftigen.

Info: Das Köhlerteam ist bis Sonntagabend quasi rund um die Uhr am Meilerplatz anzutreffen. Die Bewirtung startet bereits am Vormittag. Der Kohlenmeiler befindet sich in Oberzent-Hinterbach an der Kreisstraße 37 von/Richtung Raubach. Näheres unter http://www.hinterbach-kohlenmeiler.de

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Kohlenmeiler ist der Hotspot von Oberzent

Wer von den heißen Tagen der vergangenen Woche noch nicht genug hat, der ist beim Kohlenmeiler in der Hinterbach richtig. Noch bis 4. August schwelt der große, mit Gras und Erde abgedeckte Holzberg vor sich hin, ehe er dann Holzkohle in bester Qualität freigibt. Zur Eröffnung des Oberzent-Hotspots durch Bürgermeister Christian Kehrer waren bereits etliche Interessierte gekommen. Natürlich glüht nebenan auch der Grill und läuft der Zapfhahn heiß, wenn das Kohlenmeiler-Team die Gäste bewirtet.

Eine solche Demonstration alten Brauchtums ist nur möglich, „ wenn sich viele engagieren“, freute sich das Stadtoberhaupt. Leider, bedauerte er, verloren die Aktiven in den vergangenen Jahren viele Aktive. Für die wurde eine Gedenkminute eingelegt.

„Den Meiler kann man hier durchführen“, ging Kehrer auf die lange Trockenheit ein. Denn auf der einen Seite fließt der Bach, auf der anderen des offenen Geländes verläuft die Straße. „Außerdem haben wir fähige Feuerwehrleute dabei“, betonte er. Da nicht die höchste Waldbrandstufe ausgerufen ist, sind auch keine gezielten Sicherheitsmaßnahmen notwendig.

Das Kohlenmeiler-Team ist stolz auf das Geleistete, hob Alexander Link für die etwa 30 Aktiven hervor. „Wer den Meiler sieht, merkt, da sind Profis am Werk“, sagte er mit Blick auf andere, 100 oder 200 Kilometer entfernt errichtete „Meilerchen“. Die daraus gewonnene Holzkohle hat eine 1a-Qualität, lobte er. Dem Ganzen geht aber auch eine monatelange Arbeit voraus.

In Zusammenarbeit mit den beiden Chef-Köhlern Thomas Frisch und Ralf Fischer, die sich dem Koloss in den kommenden Tagen rund um die Uhr widmen, ging Kehrer dann an die Entzündung. Dazu wurden vier Eimer glühende Holzkohle in den Schacht, den Quandel, gefüllt, was den Meiler zum Rauchen brachte. Danach verschlossen die Helfer schnell wieder die Öffnung, damit nicht zu viel Sauerstoff reinkommen konnte. Denn der will im Zweifel wieder raus.

„Die Vorarbeit war stressfrei“, freute sich Fischer. „Wir haben ordentlich was weggeschafft.“ Dass es dieses Mal um die 30 Helfer statt wie vor zwei Jahren „nur“ 20 waren, trug ebenfalls zur Effizienz bei. Einige, in den Vorjahren zugeschaut hatten, fanden Spaß an der Sache und machten kurzerhand mit. Das Team setzt sich überwiegend aus Hinter- und Finkenbachern zusammen.

Einer der „Neuen“ ist Thorsten Kaiser. Der war vor zwei Jahren quasi „Dauergast“. Thomas Frisch sprach daraufhin seinen Vater wegen Hilfe an. „Jetzt sind wir an allen Tagen dabei“, lachte Kaiser. Ihm gefällt die schöne Geselligkeit an diesem idyllischen Fleckchen Erde. Der geborene Finkenbacher hat gleich die ganze Familie mitgebracht. „Das macht Spaß und die Jungs kommen vom PC weg“, schmunzelte er.

Seit Anfang April liefen die Vorarbeiten, bei denen sich das Team jeden Samstag auf dem Gelände traf und es für die Veranstaltung herrichtete. In den Tagen vor dem Startschuss schaltete man auf täglich um. Denn etwa 20 Meter Buchenholz wollten aufgeschichtet werden. Sie bekamen danach eine Moosschicht, damit das „Gestübb“, die Erde, als luftdichte Abdeckung nicht durchrieseln kann. Denn sonst kommt keine Glut mehr ans Holz.

Die so gewonnene, hochwertige Holzkohle wurde früher, als das alte Handwerk noch zum Lebensunterhalt diente, für Hufschmiede und Erzverhüttungsbetriebe gebraucht. Sogar Bügeleisen im Haushalt wurden damit befüllt. Heute wird sie von „Grillprofis“ hochgeschätzt. Etwa 30 Kilo Holzkohle pro Festmeter Holz sind das Ergebnis der schweißtreibenden Arbeit.

Die Kohle zeichnet sich durch einen hohen Brennwert und Langlebigkeit aus. Deren gute Qualität kann man daran erkennen, dass sie leicht bricht, bläulich glänzt und kaum abfärbt. Um dies zu erreichen, ist ein hoher Arbeitseinsatz erforderlich, da der Meiler natürlich rund um die Uhr bewacht werden muss. Auf dem Meilerplatz ist daneben die traditionelle Schlafstätte der Köhler aufgebaut. Neben der fachkundigen Erläuterung sorgen Schautafeln, alte Werkzeuge und Geräte für einen authentischen Einblick in das heute kaum mehr praktizierte Köhlerhandwerk.

Info: Das Köhlerteam hält neben den Klassikern wie Bratwurst, Steaks oder Hausmacher jeden Tag althergebrachte Odenwälder Spezialitäten fürs leibliche Wohl bereit. Es gibt unter anderem Bohnensuppe, Erdriewe oder Odenwälder Köhlerpfännchen. Samstag und Sonntag wird kein Tagesessen angeboten, es gilt die reguläre Speisekarte. Am Samstag, 27. Juli, 18 Uhr, ist die „Bader-Alphorn-Gaudi“ zu Gast, am Sonntag um 13 Uhr „Hans aus Bayern“ mit dem Akkordeon. Der Meilerplatz befindet sich in Oberzent-Hinterbach an der Kreisstraße 37 Richtung Raubach. Besucher sind den ganzen Tag über willkommen. Näheres unter http://www.hinterbach-kohlenmeiler.de

Köhlerteam bringt den Meiler zum Rauchen

Die letzten Vorbereitungen laufen, damit der Kohlenmeiler ab dem 26. Juli wieder vor sich hinrauchen kann. Das ehrenamtliche Team ist schon seit vielen Wochen immer samstags am Rödeln, um das Gelände an der Straße Richtung Raubach herzurichten und den Holzstapel aufzuschichten. In der letzten Woche geht es an den Feinschliff, dann sind jeden Tag etliche der etwa 15 Helfer vor Ort. Zehn Tage lang können Besucher aus nah und fern bis 4. August das alte Brauchtum bewundern.

In den vergangenen Wochen wurde der Platz vorbereitet, Erde vom letzten Kohlenmeiler vor zwei Jahren gesiebt, die Mitte des Stapels festgelegt und das Gras entfernt, erläutert Thomas Frisch. Er ist mit Ralf Fischer so etwas wie der Meilerchef. Denn beide kümmern sich in der kompletten Zeit um das rauchende Etwas, damit am Ende schöne Holzkohle übrig bleibt und nicht der Buchenholz-Stapel irgendwann vor zu viel Luft einen Satz macht und sich alles in Rauch auflöst.

22 Raummeter Buchenholz aus heimischen Wäldern verwenden die erfahrenen Meilerbauer. Ralf Fischer karrte die benötigte „Hardware“ auf den Platz. Zusammen mit guter Verpflegung, wie Frisch schmunzelt, gingen die Arbeiten zügig vonstatten. „Wir sind schon weit gekommen“, meint er mit einem prüfenden Blick über den Platz.

Das liegt auch daran, dass nach dem Meiler quasi schon vor dem nächsten Kohlenmeiler ist. „Im Winter haben wir die Bäume zurückgeschnitten und Äste weggemacht“, erzählt Thomas Frisch. Danach wurden die Hecken gestutzt, gemäht, Bänke repariert und unebenes Gelände mit Rindenmulch aufgefüllt. Sieben Samstage sind es schon, dass auf dem Platz gewerkelt wird. So steht bereits längere Zeit das große Zelt für die Gäste mitsamt dem Küchenanbau. Kurz vor knapp folgen die Feinheiten.

In der Regel kommen beim Aufschichten des Holzstapels Meterscheite zum Einsatz, erläutert der Fachmann. Kurze Stücke braucht er aber auch, damit der Meiler eine gewisse Schräge erhält. Denn das Holz muss immer aufeinander aufliegen, damit sich eines am anderen mit der Glut ansteckt. Danach werden noch Erde und Gras draufgeschichtet. Die Hoffnung nach Regen eint die Macher, damit sie am 26. Juli zur Zündung schreiten können.

„Wir haben uns viel von den Älteren abgeschaut“, erzählt Frisch. Also quasi von der ersten Generation der Kohlenmeiler-Betreiber, die dieses alte Handwerk vor genau 30 Jahren in der Hinterbach wieder ins Leben riefen. Anschließend hieß die Devise „Learning by doing“. Eigene Erfahrungen wurden gesammelt. Wenn ein Fehler passierte, „haben wir es zwei Jahre später besser gemacht“, schmunzelt er.

„Mit ein bisschen Reindenken“ funktioniert alles ganz gut, meint er. Es gilt etwa Hohlräume zu vermeiden, in die trockene Erde reinrieseln kann. Denn dann ist keine Glutübertragung möglich und der Meiler verglimmt nicht mehr als Ganzes. Zu viel Luft kann dazu führen, dass der Koloss ins Husten kommt und den beiden Meilerchefs noch mehr des sowieso kargen Schlafs raubt.

Mehr als zwei bis drei Stunden pro Nacht sind es nicht, rechnet Thomas Frisch die Zeit nach, die er je nach Wetter auf der Hängematte oder im Bauwagen verbringt. An den ersten zwei oder drei Tagen noch weniger am Stück, denn dann muss der Quandel-Schacht regelmäßig mit kleinen Holzscheiten befüllt werden. Die Schwierigkeit dabei: „Es darf so wenig wie möglich Sauerstoff mit hinein gelangen.“ Sonst gibt es die Gefahr einer Verpuffung. Aber auch die anderen Helfer sind quasi nonstop auf Achse. „Unser Wohnzimmer sehen wir so schnell nicht mehr“, scherzt Ingrid Fischer.

Der gesunde Mittelweg ist wie immer der beste. Der Meiler „darf nicht zu dicht, aber auch nicht zu offen sein“, erläutert sein „Vater“. Einem dumpfen Grollen folgt sonst ein „Wupp“, schildert er. Hört er es kommen, muss Frisch schnell das Weite suchen, um nicht die abgeschüttelte Erde abzubekommen. Danach ist Eile angesagt: Die Erde muss wieder drauf, bevor sich die ganze Arbeit vieler Wochen verdünnisiert.

 

Info: Der Hinterbacher Kohlenmeiler wird am Freitag, 26. Juli, um 18 Uhr durch Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer eröffnet. Bis zum 4. August ist eine Besichtigung zu allen Zeiten möglich. Das Köhlerteam sorgt das für leibliche Wohl. Am Samstag, 27. Juli, 18 Uhr, ist die „Bader-Alphorn-Gaudi“ zu Gast, am Sonntag um 13 Uhr „Hans aus Bayern“ mit dem Akkordeon. Der Meilerplatz befindet sich in Hinterbach an der Kreisstraße 37 Richtung Raubach. Näheres unter http://www.hinterbach-kohlenmeiler.de

Raser und Falschparker verärgern die Bürger in Finkenbach und Hinterbach

In den Dörfern wird zu schnell gefahren. Kein neues Phänomen, und auch keines, das nur auf die beiden Odenwaldorte zutrifft. Da es aber ein immer wiederkehrendes Ärgernis ist, befasste sich nun der Ortsbeirat mit dieser Thematik. In Finkenbach ist es vor allem die Ortsdurchfahrt L 3119, durch die Autos und Motorräder zu schnell brausen. Von Hainbrunn kommend befindet sich eine Gefahrenstelle an der Abzweigung nach Hinterbach und der sich anschließenden Kurve, wo es im Begegnungsverkehr schon zu brenzligen Situationen kam.

Allerdings wissen auch die Hinterbacher ein Lied von rücksichtslosen Verkehrsteilnehmern zu singen, die ohne Rücksicht auf Verluste über die Gemarkung heizen. Thomas Frisch erwähnte etwa Transporter- oder Lkw-Fahrer, die sich nicht um Geschwindigkeitsbegrenzungen scheren. In der Stadt Oberzent ist man sich der Brisanz bewusst. „Auf der nächsten Magistratssitzung steht das Thema Geschwindigkeit“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Früher oder später, meinte er, müsse man über mobile Blitzer nachdenken. Die seien ein Thema für den 2019er-Haushalt.

Im Gespräch waren aber auch Geschwindigkeitsanzeigen, wie es sie bereits in Airlenbach gibt. „Die Leute haben Respekt davor“, beobachtete Ortsvorsteher Hans Heinz Keursten. In der Folge entwickelte sich eine rege Diskussion darüber, wie den Schnellfahrern Einhalt geboten werden kann. Keursten regte an, zum Parken auf der Straße statt auf Gehwegen zu animieren, quasi als „Geschwindigkeitsblocker“ – ganz davon abgesehen, dass die Gehwege nicht zugestellt werden dürfen.

Die zugeparkten Fußgängerwege sind ein Ärgernis für sich. Mehrere Ortsbeiräte erzählten von gefährlichen Beobachtungen, wenn etwa ältere Menschen mit Rollator oder Rollstühlen auf die Straße ausweichen mussten. Besonders schlimm soll der Bereich zwischen „Traube“ und Finkenbach-Brücke sein, wurde berichtet. Keursten regte an, es zuerst mit der „sanften Variante“ zu probieren: nämlich Handzettel an die Falschparker zu verteilen, mit der freundlichen Aufforderung sich richtig zu verhalten.

Die „Light-Variante“ mit der freundlichen Bitte fand auch Kehrers Zuspruch. Sollte das nicht funktionieren, könne man zusätzliche Maßnahmen überdenken. Angedacht wurde daneben die Ausweisung von Parkbuchten in der Beerfeldener Straße mit eingelagerten Ausweichen, um hier Ordnung ins Chaos zu bringen.

Die Anregung für einen Verkehrsspiegel an der Ecke Brunnen-/Olfener Straße in Hinterbach wandelte sich in der Diskussion ebenfalls rasch zum Schnellfahrthema. „Die Autos brausen dort schnell die Straße entlang“, so Frisch. Der Bürgermeister will eine Anbringung mit der Straßenverkehrsbehörde abstimmen. Immerhin: Seit es das gelbe Hinterbacher Ortsschild gibt, scheinen die Motorradfahrer mehr Rücksicht zu nehmen. Rainer Flick berichtete, dass sich deren Geschwindigkeit im Ort gefühlt verringerte.

Keursten wies darauf hin, dass die riesigen Lkw oft in die falsche Einfahrt zur Odenwaldquelle geleitet würden. Angedacht sind nun Schilder mit dem Hinweis auf die richtige Straße. Die sind allerdings geduldig, wie verschiedene Ortsbeiräte mit Blick auf die 40-Tonner meinten, die sich von Ober-Schönmattenwag über die Raubacher Höhe quälen – hier sind allerdings nur beschilderte 7,5 Tonnen erlaubt.

Windkraft-Planungen auf zwei Gebieten der neuen Stadt Oberzent

Nach wie vor schwebt das von vielen so empfundene Damoklesschwert Windkraft über einigen Stellen der neuen Stadt Oberzent. Interims-Bürgermeister Egon Scheuermann gab auf der Sitzung des vorläufigen Haupt- und Finanzausschusses im Gemeindezentrum Unter-Sensbach einen Sachstandsbericht zum Thema. Es sind aktuell zwei Gebiete, auf denen Bestrebungen von Firmen laufen, dort Windenergieanlagen zu errichten: Finkenberg und Katzenwinkel.

Beim Finkenberg-Gebiet, das sich von Finkenbach auf der Hügelkuppe oberhalb von Falken-Gesäß hinüber Richtung Olfen zieht, gab es laut Scheuermann vor einigen Jahren einen Vertrag mit der Energiegenossenschaft Odenwald zur Windkraftnutzung. Dieser sei von der Enercon übernommen worden und noch gültig. Bei genauerem Hinsehen habe man den Passus entdeckt, dass der Vertrag gekündigt werden kann. Und zwar dann, wenn drei Jahre nach Abschluss keine Genehmigung für die Windräder vorliegt.

Die Bestrebungen laufen seitens der Firma weiter, erläuterte Scheuermann. Demnächst stehe ein Gesprächstermin von Verwaltung und Magistrat mit Enercon an. „Es gibt noch keine konkrete Planung“, betonte er. Das Unternehmen strebe ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz in 2019 vor. Beim Finkenberg handelt es sich um ein um ein 189 Hektar großes Vorranggebiet für Windkraft, das sowohl Teil des entsprechenden Odenwaldkreis-Teilflächennutzungsplans (der aber vom Regierungspräsidium abgelehnt wurde) als auch des in Aufstellung befindlichen Regionalplans ist.

Für den „Katzenwinkel“ bei Etzean liegt Scheuermann zufolge ein Gestattungsantrag der Firma Juwi vor, die dort bereits Windmessungen vornahm und sich auch vom Willen der damaligen Stadt Beerfelden, an dieser Stelle keine Windenergie haben zu wollen, nicht beirren ließ. Unter anderem wurde bei den Bedenken darauf verwiesen, dass die Rotoren direkt in Sichtlinie des berühmten Galgens seien. Juwi klagte erfolgreich gegen den Beerfeldener Versuch, dort weitere Untersuchungen abzuwehren.

Der Gestattungsantrag „wird in der kommenden Magistratssitzung behandelt“, so der Staatsbeauftragte. Scheuermann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Stadtverordnetenversammlung diesem Projekt bereits ihre Zustimmung verweigert habe. In der vergangenen Sitzung hatte die FDP das Thema aufgebracht und in zwei Anträgen moniert, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Ganz schön dolle Hinterbacher sind im HR-Fernsehen

Besser hätte der hessische Rundfunk den Zeitpunkt nicht abpassen können. Kaum ist Hinterbach eine „richtige“ Ortschaft mit eigenem Ortsschild, da wurde sie vom Sender auch gleich aus der Lostrommel zur Vorstellung als „Dolles Dorf“ gezogen. Danach musste alles ganz schnell gehen. Schon zwei Stunden später war das vierköpfige HR-Team in einem der südlichsten Flecken Hessens angekommen und begann damit, den kommenden Drehtag mitsamt Hinterbacher Highlights vorzubereiten.

Wenn eine Ortschaft in der Donnerstags-Hessenschau gezogen wird, muss es immer ganz schnell gehen. Gut 900 Karten sind im Studio auf zwei Plexiglastrommeln verteilt. Immer abwechselnd in Frankfurt und Kassel werden diese neu gemischt. Auf jedem Los ist ein hessisches Dorf verzeichnet, das unter 2000 Einwohner hat. Stichdatum ist ein Zeitpunkt vor der Gebietsreform.

„In der Edelquelle ist das ganze Dorf zusammengekommen“, lachte Reporterin Nora Enns. Denn dort wurden die Pläne für die Rundfahrt geschmiedet. In der Hinterbach läuft so etwas noch über die traditionellen Kommunikationskanäle und nicht über WhatsApp-Gruppen, denn das Dorf liegt in Sachen Internet und Funknetz im Tal der Ahnungslosen. „Bestimmt gab es die Info mit der Ortsschelle“, grinste Kameramann Markus Bär.

Was der Oberzent-Ortsteil nach der Aufwertung vom grünen zum gelben Ortsschild alles zu bieten hat, vermittelte die gesammelte Bürgerschaft den Reporter-Team. Beleuchter Bernhard Martin und Ton-Mann Ralph Ganswindt waren ebenfalls an Bord, als zunächst die Odenwald-Quelle im Mittelpunkt stand. Sie wird natürlich mit dem Wasser gespeist, das aus dem hinteren Tal mit Hinterbach und Olfen kommt.

Ein privater Gnadenhof für Tiere war die nächste Station. Schafe, Esel, Pferde und Galloway-Rinder weiden idyllisch im grünen Tal und dürfen dort ihr Lebensende in einer schönen Umgebung verbringen. Ein Oldtimer von Peter Kwiadkista kutschierte das Team mitsamt Begleitung in ihren neumodischen Karossen zu anderen Bereichen des Dorfs. Der Mercedes Cabrio S 170 A aus dem Jahr 1949 sorgte für einiges Aufsehen an der Durchgangsstraße.

Alle zwei Jahre lässt das Köhlerteam ein altes Handwerk aus dem Odenwald wieder lebendig werden. Die Hinterbacher Köhlertage ziehen an ihren zehn Tagen Besucher aus den beiden Metropolregionen in den südlichsten Zipfel des Odenwaldkreises. Eine eingeschworene Truppe kommt in dieser Zeit praktisch nicht zum Schlafen, berichtete Susanne Blum, die zusammen mit Chef-Köhler Thomas Frisch den HR-Team gerne Auskunft gab. Die Gaudi ist riesig, das Interesse auch. Die Gastfreundschaft der Hinterbacher mit urig-traditionellen Speisen ist legendär.

Das Kneippbecken am Parkplatz gleich nebenan hat zwar keine so lange Tradition, kann aber ebenfalls schon auf ein paar Jahrzehnte zurückblicken. Kälter als die Außentemperaturen war das Wasser auch nicht, weshalb sich Thomas Frisch (Nomen est omen) und Rainer Händel zu Demonstrationszwecken überreden ließen, Schuhe und Socken ausziehen, die Hosen hochzukrempeln und ein paar Runden zu laufen. Der Respekt der Zaungäste war ihnen gewiss.

Der letzte Widder des Odenwalds musste natürlich auch Erwähnung finden. Dabei handelt sich aber nicht um einen Hinterbacher wolligen Vierbeiner, sondern eine mit Wasserdruck und zwei Ventilen arbeitende hydraulische Pumpe. Diese wurde 1923 angelegt, um Quellwasser von einer Wiese in den höher gelegenen Hof zu pumpen. Der Widder wurde inzwischen als Kulturdenkmal in die Denkmaltopographie des Odenwaldkreises aufgenommen.

Abschluss der Tour durch den Ort war am neuen Ortsschild. Dort gesellte sich auch Oberzent-Interims-Bürgermeister Egon Scheuermann zur Gruppe. Symbolisch wurde noch einmal das alte Weiler-Schild ab- und das neue Ortsschild aufgehängt. Mit der Umfirmierung ging ein jahrzehntelanger Wunsch der Ortsbevölkerung in Erfüllung, die auf die gleichen Rechte wie andere kleine Dörfer in der Umgebung pochte.

 

Info: Das Video zum „Dollen Dorf“ Hinterbach kann unter http://www.hessenschau.de/tv-sendung/video-54356.html angeschaut werden

Gelungene Premiere der „Wintergaudi“ von Freiwilliger Feuerwehr und FC Finkenbachtal

Fürs erste Mal waren die Veranstalter von Freiwilliger Feuerwehr und FC Finkenbachtal schon sehr zufrieden. Zur „Wintergaudi“ beim Tretbecken am Wanderer-Parkplatz Richtung Olfen/Raubach kam eine schöne Zahl von Gästen. „Wir sind mit dem Premieren-Fest zufrieden und hoffen, den Besuchern hat es auch gefallen“, meinte FFW-Vereinsvorsitzender Jens Schindler. Wenn sie es Freunden und Bekannten weiter erzählten, „dann sind es nächstes Jahr bestimmt noch mehr Gäste“, sagte er.

Die Idee zu dem Event hatte FCF-Vorsitzender Gerd Brechenser. „Es sollte mal was zwischen den Jahren stattfinden“, sagte er. Da der FC und die Finkenbacher Feuerwehr sowieso eng zusammenarbeiten und etliche gemeinsame Mitglieder haben, lag der Gedanke nahe, die Veranstaltung gemeinsam auf die Beine zu stellen, so Schindler. „Wir wollen der Bevölkerung im Ort etwas bieten und Auswärtige in die Gegend locken“, erläuterte Brechsenser.

Auch im Winter sind in der schönen Odenwald-Landschaft viele Wanderer unterwegs. Da der FC-Vorsitzende diese Art Wandertreff schon in einer anderen Region kennengelernt hatte, kam der Gedanke auf, die Idee in die Hinterbach zu übertragen. Am Parkplatz waren die Bedingungen optimal, da dort auch die Infrastruktur stimmt. Schon zwei Tage begannen die beiden Vereine, die Versorgungshütte aufzustellen. Ein beheiztes Zelt wurde am selben Morgen errichtet, damit die Gäste windgeschützt und warm Essen und Getränke genießen konnten.

Davon boten FCF und FFW reichlich. Renner war die Erbsensuppe mit Wurst, die kräftig dampfend die Kälte vertrieb. Wie auch Glüh- oder heißer Apfelwein, stilgereicht in FCF-Bechern serviert, während es für die Kinder Waffeln, Stockbrot und Fruchtpunsch gab. Waren die Vereinsmitglieder zu Beginn noch unter sich, kamen im Laufe des Tages immer wieder einige Besucher vorbei – kleine Grüppchen von vier oder fünf Personen. Sogar als es schon dunkel war, schauten noch welche, die noch etwas essen und trinken wollten, freute sich Schindler. Gegen 19 Uhr war dann die Gaudi vorbei und die bis dahin durchgefrorenen Helfer machten sich auf den Nachhauseweg.