Am Sonntag gibt’s in der Hinterbach den Run auf die Kohle

Schnell wischt sich Ralf Fischer noch eine Schweißperle von der Stirn. Die stammt nicht daher, dass er mit seinem Köhler-Kompagnon Thomas Frisch dem kokelnden Hügel bei der Arbeit zu nahe gekommen ist. Sondern dass so viele Gäste gekommen und zu bewirten waren. Die wollten einen Eindruck von der Tätigkeit des Hinterbacher Köhlerteams erhalten. Das hält noch bis Sonntag das alte Brauchtum hoch und vermittelt, wie viele Einheimische in früheren Jahrhunderten im Odenwald ihren Lebensunterhalt verdienten.

Alle zwei Jahre lassen um die 20 Männer und Frauen auf dem Gelände an der Straße Richtung Raubach das alte Handwerk wieder aufleben und ziehen durch das urige Ambiente und die Odenwälder Gastfreundschaft Gäste aus allen Ecken und Enden der Region an. Diesmal in besonders großer Zahl, beobachtete Fischer. Selbst der kurze Regen am Dienstagabend konnte die Besucher nicht schrecken, da es genug überdachte Plätze gibt.

Der Kohlenmeiler war dieses Jahr schneller „durch“ als sonst. Das war dem starken Wind vom Montag zu verdanken. „Da bekam der Zunder“, schmunzelt Fischer. Am Mittwoch war das Buchenholz schon durchgekohlt, sodass man am Donnerstag zu Werke gehen konnte und ihn „aufmachte“. Bis Samstag wollen die Hobby-Köhler mit ihrer Arbeit fertig sein, sodass am Sonntag der große Holzkohle-Verkauf starten kann.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst: Das Naturprodukt besticht durch seine hohe Qualität. Die so gewonnene, hochwertige Holzkohle wurde früher für Hufschmiede und Erzverhüttungsbetriebe gebraucht. Heute wird sie von „Grillprofis“ hochgeschätzt. Etwa 30 Kilo Holzkohle pro Festmeter Holz sind das Ergebnis der schweißtreibenden Arbeit.

Der Besuch war an allen Tagen „mittags und abends sehr gut“, freut sich Ralf Fischer. Die Tagesgerichte fanden besonders starken Anklang und waren schnell ausverkauft. „Wir hätten bestimmt das Doppelte umsetzen können“, meinte er. Aber auch die anderen Angebote des Köhlerteams wurden stark nachgefragt, „sodass wir zu Stoßzeiten ganz schön ins Schwitzen kamen“, sagt das Mitglied der Köhler-Brigade.

„Am Sonntagabend geht hier jeder auf dem Zahnfleisch“, macht er deutlich, dass die zehn Tage, an denen alle fast nonstop im Einsatz waren, an die Substanz gehen. Wenn Fischer jedoch auf die vollen Sitzbänke und die Schlange an der Essensausgabe blickte, strahlt er: „Es herrscht eine super Stimmung und alles funktioniert.“ Die Gäste wissen eben auch, dass sie hausgemachte Kost bekommen. Das Fleisch stammt vom Metzger, die Handkässoße ist selbst gemacht, die sauren Bohnen von den Mitgliedern eingekocht und die „Erdrüben“ eigenhändig zubereitet.

Viele Besucher kamen aus dem benachbarten Kreis Bergstraße angefahren, aber auch Heidelberger und Darmstädter durfte man im tiefsten Odenwald begrüßen. „Wiederholungstäter“ aus den Vorjahren hielten sich dabei die Waage mit solchen, die das erste Mal zu Besuch waren und sich über die Arbeit der Köhler heute und in früheren Zeiten informieren wollten.

Für Unterhaltung war ebenfalls gesorgt. Die Alphornbläser „kamen spitzenmäßig an“, so Fischer. Denn das Quartett bot nicht nur klassische Klänge, sondern mischte die Alphornklänge auch mit Bolero- und Tange-Tönen. Die Beerfeldener Jagdhornbläser schauten ebenso vorbei wie Akkordeonspieler „Hans aus Bayern“. Traditionsgemäß kommen die Senioren des FC Finkenbachtal an einem Nachmittag vorbei und lassen es sich gut gehen.

„Der Meiler ist richtig gut geworden“, betont Ralf Fischer. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis.“ Auf den letzten Metern müssen er und Thomas Frisch nun schauen, dass es keine Luftlöcher mehr gibt, sodass die Kohle verglühen könnte. Auf jeden Fall, sagt er, gibt es keine Gefahr mehr, „dass er hüpft“ – wie es vor zwei Jahren passierte.

Ralf Fischer hat das Köhlerhandwerk quasi noch im Blut. Adam Fischer, der Bruder seines Großvaters, betrieb den ehemaligen Broterwerb der Landbevölkerung früher in Olfen. Dadurch wiederum kamen sowohl Ralf Fischers Vater wie auch er selbst damit in Kontakt – der Grundstein war gelegt, sich damit hobbymäßig weiterhin zu beschäftigen.

Info: Am Freitag gibt es als Tagesessen ab 12 Uhr Odenwälder Köhlerpfännchen mit Nudeln. Samstag und Sonntag wird keines angeboten, es gilt ab dem Vormittag bis in den späten Abend die reguläre Speisekarte. Der Meilerplatz befindet sich in Rothenberg-Hinterbach an der Kreisstraße 37 Richtung Raubach. Näheres unter http://www.hinterbach-kohlenmeiler.de

Bis zum 6. August raucht der Hinterbacher Kohlenmeiler vor sich hin

Der Kohlenmeiler raucht vor sich. Bürgermeister Hans Heinz Keursten und Ralf Fischer vom Köhlerteam läuteten mit der Befüllung des Quandelschachts die Köhlertage ein, die noch bis zum 6. August laufen. In dieser Zeit wird das alte Handwerk, das in früheren Jahrhunderten in allen Ecken des Odenwalds betrieben wurde, anschaulich dargestellt. Zum Schluss verkaufen die Hobby-Köhler die Holzkohle. Während dieser Zeit gibt es viele Informationen rund ums das alte Brauchtum.

Nicht nur in den zehn Tagen kommen die 20 Helfer ins Schwitzen, wenn sie den Meiler im Auge behalten. Denn das Holz muss ordnungsgemäß verkohlen. „Es darf keinesfalls brennen“, betont Fischer, der neben anderen zusammen mit Thomas Frisch den aufgeschichteten Holzstapel im Auge behalt. „Die Verkohlung wird etwa eine Woche dauern“, erläutert er. Aber allein mit dem Anzünden ist es nicht getan.

„Seit einem halben Jahr wird Holz gemacht“, das die Köhler aus heimischen Wäldern angekauft haben. Seit Anfang April liefen laut Frisch die Vorarbeiten, bei denen sich das Team jeden Samstag auf dem Gelände traf und es für die Veranstaltung herrichtete. In den zwei Wochen vor dem Startschuss schaltete man auf täglich um. Denn etwa 25 Festmeter Buchenholz wollten aufgeschichtet werden. Sie bekamen danach eine Moosschicht, damit das „Gestübb“, die Erde, als luftdichte Abdeckung nicht durchrieseln kann. Denn sonst kommt keine Glut mehr ans Holz.

Die so gewonnene, hochwertige Holzkohle wurde Frisch zufolge früher für Hufschmiede und Erzverhüttungsbetriebe gebraucht. Sogar Bügeleisen im Haushalt wurden damit befüllt. Heute wird sie von „Grillprofis“ hochgeschätzt. Etwa 30 Kilo Holzkohle pro Festmeter Holz sind das Ergebnis der schweißtreibenden Arbeit.

Auf dem idyllisch am Waldrand gelegenen Meilerplatz ist daneben die traditionelle Schlafstätte der Köhler aufgebaut. Neben der fachkundigen Erläuterung sorgen Schautafeln, alte Werkzeuge und Geräte für einen authentischen Einblick in das heute kaum mehr praktizierte Köhlerhandwerk. Übers Wochenende gab’s viele Attraktionen in Form eines Schleppertreffens und dem Auftritt von „Baders Alphorngaudi“.

Damit der Meiler vor sich hin kokeln kann, füllten Keursten und Fischer der Quandelschacht mit Stückholz, Holzkohle und Glut. „Damit wird der Verkohlungsprozess in Gang gebracht“, erläuterte dieser. Die ersten zwei bis drei Tage sind danach die wichtigsten. Alle drei bis fünf Stunden muss der Schacht rund um die Uhr nachbefüllt werden, damit er nicht leerbrennt. Über Luftlöcher kann das Abbrennen gesteuert werden.

Die sind auch nötig, um Druck aus dem Kessel, dem Meiler zu lassen, weil der sonst „einen Hüpfer“ macht. So beschreibt Fischer die Situation, wenn sich zu viel Dampf angestaut hat, der nicht entweichen kann. In dem Fall sind die Köhler blitzschnell gefordert, damit ihnen der mühsam errichtete Holzhügel wahlweise nicht um die Ohren fliegt oder in sich zusammenstürzt. In der ersten Nacht „hielt uns der Meiler auf Trab“, schmunzelt Fischer.

Bevor er zur Tat schritt, begrüßte Bürgermeister Keursten die Gäste und gedachte einem der Initiatoren, Norbert Fischer. Fürs Köhlerteam richtete Alexander Link ein paar Worte an vielen zur Eröffnung gekommenen Gäste. Mit dieser Reminiszenz ans alte Odenwälder Handwerk starteten die Hinterbacher 1989. 1997 ging’s weiter. Erst unregelmäßig, laufen die Köhlertage seit 2009 alle zwei Jahre immer im Wechsel mit dem Meiler auf der Raubacher Höhe, den die Nachbarn aus Schimmeldewog auf die Beine stellen.

Es die Freude am alten Brauchtum und der Wunsch, dieses am Leben zu erhalten, das die Köhler immer wieder motiviert, sich diese zehn Tage „um die Ohren zu schlagen“. Ein Bauwagen und Hängematten stehen bereit, wenn einen mal der Schlaf übermann sollte. „Wir werden auch unterm Jahr immer gefragt, wann es wieder losgeht“, freut sich Frisch über das Interesse aus der Bevölkerung. Die Gäste kommen auch gerne aus Darmstadt oder dem badischen Rhein-Neckar-Kreis angefahren.

Info: Das Köhlerteam hält neben den Klassikern wie Bratwurst, Steaks oder Hausmacher jeden Tag althergebrachte Odenwälder Spezialitäten fürs leibliche Wohl bereit. Immer ab 12 Uhr gibt es Sonntag Rindfleisch mit Meerrettich, Montag, Bohnensuppe „Omas Art“, morgen Kartoffelschnitz mit Fleisch, Mittwoch Erdrüben mit Salzfleisch, Donnerstag Salzbohnen „aus em Stänner“ und Freitag Odenwälder Köhlerpfännchen mit Nudeln. Samstag und Sonntag wird kein Tagesessen angeboten, es gilt die reguläre Speisekarte. An mehreren Tagen schauen Jagdhornbläser-Gruppen vorbei. Der Meilerplatz befindet sich in Rothenberg-Hinterbach an der Kreisstraße 37 Richtung Raubach. Näheres unter http://www.hinterbach-kohlenmeiler.de

Windkraft im Odenwaldkreis: Der Flächennutzungsplan ist das Maß aller Dinge

Es wird wohl ein Kampf gegen Windmühlenflügel sein. Das Höhendorf mit seinen angeschlossenen Ortsteilen wehrt sich dagegen, von Windrädern „umzingelt“ zu werden, die bei Verwirklichung des entsprechenden Regionalplans rund um den Ort in die Höhe wachsen könnten. Dazu kommen noch die Pläne des badischen Eberbachs, was weitere Rotoren in direkter Nachbarschaft bedeuten würde. Über die Situation vor Ort informierte sich jetzt der Bundesabgeordnete Jens Zimmermann.

Der SPD-Mann reagierte damit auf ein Protestschreiben von Finkenbacher, Hinterbacher und Raubacher Bürgern, mit dem sich diese neben dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier auch an ihre politischen Vertreter gewandt hatten. „Wir sehen wenig direkte Einflussmöglichkeiten auf den Regionalplanwurf“, betonte der WGR-Gemeindevertreter Matthias Heiß. Letztendlich werde vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt als zuständiger Behörde eine politische Entscheidung getroffen, wenn es um die Genehmigung von Windparks im Odenwald gehe.

Es geht laut Heiß um „möglichst viel Sperrfeuer von allen Seiten“, betonte er bei der Vorstellung der Rothenberger Bedenken. Die Planungen hätten „Ausmaße angenommen, die nicht mehr tragbar sind“. Es sei wichtig, dass sich Städte und Kommunen kurzschließen. Genau das empfahl auch Zimmermann: „Sie müssen das Problem in Rothenberg klar kommunizieren“, sagte er. Und dabei weiterhin den bisherigen sachlichen Ton beibehalten.

Der Abgeordnete empfahl, auf der Umsetzung des gemeinsamen Odenwaldkreis-Flächennutzungsplans (FNP) zu bestehen, wie es schon bisher getan wurde. Außerdem „müssen bestimmte Dinge klar eingefordert werden“, so Zimmermann. Darunter zählte er auch eine Betrachtung, was im benachbarten Baden-Württemberg vor sich gehe. Das könne nicht losgelöst gesehen werden. Er machte klar, dass jede Kritik an Flächen, „die nicht Teil des FNP sind“, von seiner Partei unterstützt werde.

Zimmermann machte in der Runde mit Bürgermeister Hans Heinz Keursten sowie Gemeindevertretern und -vorstand gleichzeitig deutlich, dass es „eine komplizierte Gemengelage“ gebe. Denn wenn der Regionalplan nicht zustande komme, sei man auf dem Stand des „schlechteren“ Baugesetzbuches. Deshalb sah er einen vernünftigen Regionalplan durchaus als erstrebenswert an. Aber eben einen, der nicht eine Vielzahl von zusätzlichen Flächen gegenüber dem FNP enthalte.

WGR-Gemeindevorstand Rainer Flick wies auf die Unterschiede beim Siedlungsabstand hin. Weil er im Weiler Hinterbach lebe, gälten hier nur 600 Meter anstatt 1000 bei geschlossenen Ortschaften. „Ich fühle mich als Bürger zweiter Klasse“, so Flick. Deshalb müsse ein einheitlicher Abstand von 1000 Meter werde, was auch die Gemeindevertretung in einer Resolution fordere.

Diskutiert wurde in der Runde auch, wie die technische Weiterentwicklung Windenergie auch auf eigentlich unattraktiven Flächen doch möglich machen könnte. Denn trotz geringerer Geschwindigkeiten könnten die Rothenberger Gebiete, für die Investoren aktuell nicht gerade Schlange stehen, in zwei oder der Jahren rentabel werden, befürchtete Heiß.

WGR-GVo Karl-Heinz Braun sprach aus, was allgemeiner Konsens war: „Ich erwarte vom Regierungspräsidium, den FNP zu übernehmen“. Denn er sei mit Politik und Bürgerschaft abgestimmt. Der FNP „ist von der Abwägung her in Ordnung“, sagte Zimmermann. Deshalb habe er kein Verständnis für die politische Blockade.

Zum Thema Einkesselung empfahl der Abgeordnete, dass die Rothenberger von der Regionalversammlung eine Simulation einfordern sollten, die sowohl hessische als auch badische Planungen mit einbeziehe. Denn „es wäre fatal“, wenn alle potenziell möglichen Windräder gebaut würden, sagte Keursten. In der Blickachse nach Westen „gäbe es keinen ruhigen Punkt mehr“, kritisierte SPD-Gemeindevertreter Thomas Wilcke.

Das gelbe Ortsschild soll für die Hinterbach endlich her

Wenn es um das eigene gelbe Ortsschild geht, sind die Hinterbacher hartnäckig. Denn sie wollen endlich das grüne Weiler-Schild loswerden, das ihnen nicht die gleichen Rechte wie etwa der kleineren Raubach einräumt. Wann es denn endlich soweit sei, wurde auf der vergangenen Gemeindevertreter-Sitzung von einem Anwohner nachgefragt. Denn im Frühjahr fand eine Verkehrsschau mit den betreffenden Behörden statt, auf der dies thematisiert wurde.

Wie Bürgermeister Hans Heinz Keursten erläuterte, sei bei dieser Gelegenheit die Verwaltung gebeten worden, den Wunsch ausführlich zu begründen. Die Siedlungsstruktur im Noch-Weiler wurde über die Jahre verdichtet, meinte er. Zusammen mit dem engen Tal und der kurvenreichen Strecke ergibt sich somit für Keursten auf jeden Fall eine geschlossene Wohnbebauung, die das gelbe Ortsschild rechtfertigen würde. Dies auch mit Blick auf andere so gekennzeichnete Ortschaften, die deutlich mehr zerrissen seien und bei denen es große Abstände zwischen den Häusern gebe.

Das neue Schild käme bei Zustimmung durch Polizei und Hessen Mobil als Straßenverkehrsbehörde zum 1. Januar 2018 nach erfolgter Oberzent-Fusion zum Einsatz, wenn sowieso alle Ortsschilder ausgetauscht werden müssten, so der Bürgermeister. Hinterbach hat als einziger Rothenberger Ortsteil nur den Status eines Weilers, während alle anderen Teilgemeinden eine „geschlossene Ortschaft“ darstellen. Dies hat zur Folge, dass Autos nicht am Straßenrand abgestellt werden dürfen (Parken auf einer Vorfahrtstraße außerhalb geschlossener Ortschaften). Was die Anwohner vor Probleme stellt, wenn Besucher per Auto kommen.

Darüber hinaus wird mit einem gelben Schild die erlaubte Geschwindigkeit auf 50 km/h begrenzt, während aktuell 60 km/h erlaubt sind. Auch dies trägt „maßgeblich zu einem ruhigen und sicheren Verkehrsfluss bei“. Den gleichen Versuch gab es bereits 1983, als aber das Ansinnen abschlägig beschieden wurde. In der Zwischenzeit jedoch, so die Hoffnung, veränderte sich die Art der Bebauung dahingehend, dass sie nun geschlossener ist und somit dem Charakter einer Ortschaft und nicht nur eines Weilers Rechnung trägt.

Rothenberger Gemeindevertreter üben harsche Kritik am Regionalplanentwurf zur Windkraft

Der Regionalplan Erneuerbare Energien, der in Hessen den Bau von Windkraftanlagen regeln soll, hat im Odenwaldkreis und weit darüber hinaus keine Freunde. Im Kreis Bergstraße laufen die Kommunen sogar Sturm gegen ihre Entmündigung bei der Planungshoheit und gegen die Gefahr, dass quasi auf jedem Höhenrücken eine Batterie von mehr als 200 Meter hohen Windrädern entstehen könnte. Die Rothenberger Gemeindevertreter bildeten im Orkan der Gegner keine Ausnahme.

Bürgermeister Hans Heinz Keursten blickte auf die Vorgeschichte zurück. Da bisher ein Regionalplan fehlte, fand das Baugesetzbuch bei der Errichtung von Windenergieanlagen Anwendung. Das bot aber quasi keine Steuerungsmöglichkeiten und öffnete dem Wildwuchs Tür und Tor. Deshalb entschieden sich die 15 Odenwaldkreis-Gemeinden vor einiger Zeit, einen eigenen Flächennutzungsplan (FNP) Windkraft aufzustellen. Doch dieser wurde im Dezember 2015 vom Regierungspräsidium Darmstadt abgelehnt, weshalb es weiterhin einen rechtsfreien Raum gibt. Es läuft nun eine Klage beim Verwaltungsgericht.

Der Bürgermeister verdeutlichte, dass die Kommunen „nach wie vor an den Zielsetzungen des FNP festhalten“. Entsprechend sei die Stellungnahme zum Regionalplanentwurf formuliert, dem die Gemeindevertretung einhellig zustimmte. Die eigene Planung sei viel detailgetreuer, sagte Keursten – 1:10.000 statt 1:100.000. Auch nehme sie viel mehr Rücksicht auf die relevanten Kriterien und trage nicht einfach nur dem Zwei-Prozent-Ziel der Ausweisung von Windkraftflächen Rechnung.

Claus Weyrauch (WGR) fehlte in der gemeinsamen Stellungnahme „eine politische Aussage“. Denn er ärgerte sich maßlos darüber, „wie hier über die Köpfe der Kommunalpolitiker und Bürger hinweg entschieden wird“. Auch habe man für den FNP „richtig viel Geld“ in die Hand genommen, das bei Ablehnung durch den Schornstein geblasen werde. Die eigenen Planungen „werden einfach übergangen“, kritisierte er. Weyrauch brachte eine Stellungnahme von Abtsteinach ins Spiel, die mit scharfen Worten den Regionalplanentwurf in der Luft zerreißt. Er wünschte eine ähnliche Vorgehensweise. Ihm pflichtete Thomas Wilcke (SPD) inhaltlich bei.

Auch Keursten meinte, die Stellungnahme beleuchte rein die technische Seite. „Politisch gesehen ist es eine andere Sache.“ Gemeindevertreter-Vorsitzender Horst Schwinn warf die Frage auf, ob man nicht noch eine eigene Stellungnahme ans Regierungspräsidium sende. Denn bis 14. Juli läuft die Frist für Einwendungen. Er regte an, dass sich die Fraktionen in den kommenden Tagen zu diesem Zweck zusammensetzen.

WGR-Gemeindevorstand Rainer Flick äußerte seinen Unmut darüber, dass Siedlungen und Wohnbebauungen im Außenbereich unterschiedlich bewertet würden. „Als Hinterbacher fühle ich mich vom Regionalplan diskriminiert.“ Denn die Hinterbach ist im Gegensatz zu Raubach oder Finkenbach nur ein Weiler, weshalb laut Regionalplan Windräder bis zu 600 Meter – und nicht 1000 wie bei Dörfern – heranrücken dürfen. „Das ist nicht hinnehmbar, dass hier andere Gesetze gelten“, sagte er.

André Assmann (WGR) kritisierte, dass in solche Planungen eigentlich alle Abwägungen einfließen müssten. Dies sei jedoch nicht der Fall. „Hier geht es nur um die technische Seite“ und um die Erfüllung des Zwei-Prozent-Ziels. Ihm dränge sich der Eindruck auf, „dass so lange an den Kriterien gedreht wird, bis es passt“. Die Orientierung an einer politischen Vorgabe geht laut Assmann „an dem vorbei, was ein Regionalplan leisten kann“.

Matthias Heiß (WGR) hätte sich vom Regierungspräsidium „eine deutlich bessere Mitarbeit“ gewünscht. Denn schließlich sei man schon einige Jahre an dem Thema dran. „Der Klimawandel lässt sich bestimmt nicht hier allein aufhalten“, sagte Weyrauch. Er war nicht damit einverstanden, „dass dies auf Kosten unserer Heimat geschehen soll“. Wilcke ergänzte: „Wir haben viel Geld in den FNP investiert, wir wollen mitreden.“ Es sei eine Katastrophe, wie sich der Umgang mit der Windenergie aktuell im Odenwald entwickle.

 

Hinterbacher feuern am 28. Juli wieder den Kohlenmeiler an

Zehn Tage lang kokelt und schwelt es wieder in der Hinterbach an der Kreisstraße vom Rothenberger Ortsteil Richtung Raubach. Immer im Zwei-Jahres-Rhythmus erinnert das Kohlenmeiler-Team an das alte Handwerk aus früheren Jahrhunderten und pflegt im Wechsel mit dem Schimmeldewäer Kohlenmeiler im Finkenbachtal die alte Tradition. Die „Hinterbacher Köhlertage“ finden von Freitag, 28. Juli, bis Sonntag, 6. August, an der Olfener Straße statt. Das alte Handwerk wird vom Köhlerteam aus dem Ort schon seit über 30 Jahren hochgehalten.

Beginn ist am 28. Juli um 18 Uhr mit dem Anzünden des bereits in wochenlanger Vorarbeit aufgebauten Meilers durch Bürgermeister Hans-Heinz Keursten. Mit etwa 20 Ster Buchen- und Eichenholz rund um den so genannten Quandelschacht wurde er errichtet. Dazu wird glühende Holzkohle in den Quandelschacht gefüllt. Dadurch wird der Verkohlungsprozess eingeleitet.

Ab diesem Zeitpunkt muss der Meiler dann Tag und Nacht bewacht werden, um zu gewährleisten, dass das Holz ordnungsgemäß verkohlt. Es darf keinesfalls brennen. Die Verkohlung wird etwa eine Woche dauern. „Wer einmal mit Meilerkohle gegrillt hat, wird keine andere mehr haben wollen“, wissen die Fachleute. Deshalb ist sie auch am Abschlusstag heiß begehrt.

Die hochwertige Holzkohle wurde früher für Hufschmiede und Erzverhüttungsbetriebe gebraucht. Sogar die Bügeleisen im Haushalt wurden mit ihr gefüllt. Sie zeichnet sich durch einen hohen Brennwert und Langlebigkeit aus. Ihre gute Qualität kann man daran erkennen, dass sie leicht bricht, bläulich glänzt und kaum abfärbt. Um dies zu erreichen, ist ein hoher Arbeitseinsatz erforderlich, damit am Ende nicht nur ein Häufchen Asche übrig bleibt. Denn das um den Quandel aufgeschichtete und mit Gras und Erde luftdicht abgedeckte Holz darf nur langsam von innen nach außen verkohlen und nicht brennen.

Auf dem idyllisch am Waldrand gelegenen Meilerplatz ist die traditionelle Schlafstätte der Köhler aufgebaut. Neben fachkundigen Erläuterungen durch die Köhler sorgen Schautafeln, alte Werkzeuge und Geräte für einen authentischen Einblick in das heute kaum mehr praktizierte Köhlerhandwerk. Im Nachbarort Schönmattenwag gab es noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts einen aktiven Köhler, ehe auch dort das alte Handwerk erlosch. Und natürlich besucht man sich gegenseitig, wenn immer im Jahreswechsel die Köhlertage hüben wie drüben der Raubacher Höhe stattfinden.

Am Sonntag, 30. Juli, findet um 9.30 Uhr am Meilerplatz ein Gottesdienst statt. Nach dem Mittagessen folgt ein bunter Nachmittag mit Vorführungen alten Handwerks. Die Gäste können die einzigartige Stimmung und Gastfreundschaft, wie sie unter Köhlern Brauch ist, genießen. Natürlich ist auch für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt, wobei das Köhlerteam unter anderem althergebrachte Odenwälder Spezialitäten bereithält. Ab dem 31. Juli werden täglich wechselnde Speisen wie zu Urgroßmutters Zeiten serviert, etwa Erdriewe mit Salzfleisch, Kadoffelgemies oder saure Bohnen aus dem Stänner.

Mittels Kohlenmeilern wird seit dem Altertum Holzkohle hergestellt. Holzkohle ist wesentlich leichter als Fällholz und somit einfacher zu transportieren. Die Köhlerei war in der frühen Neuzeit ein bedeutender Wirtschaftszweig. Damals war Holzkohle der einzige Brennstoff, mit dem man die nötige Hitze für die Eisenverhüttung erzeugen konnte. 1713 wurde ein Verfahren erfunden, um aus Steinkohle hochofentauglichen Koks herzustellen. Danach ging der Verbrauch der teuren Holzkohle trotz steigender Eisenproduktion immer mehr zurück.

Ab dem 17. Jahrhundert wurden zunehmend Pechöfen verwendet, im 19. Jahrhundert dann auch Retorten. Dies hatte zur Folge, dass immer weniger Kohlenmeiler gebraucht wurden. Das allmähliche Aus für die Holzköhlerei begann im 19. Jahrhundert, als die Steinkohle dann die Holzkohle praktisch ersetzte und später auch Gas und Elektrizität an Bedeutung gewannen. Die Köhlerei wird nur noch aus Traditionsgründen und für einige Spezialanwendungen von Holzkohle betrieben.

Info: Der Meilerplatz befindet sich in Hinterbach an der Kreisstraße 37 Richtung Raubach. Die Besichtigung des Kohlenmeilers ist an allen Tagen möglich. Am Ende der Köhlertage findet ein Holzkohleverkauf statt. Mehr Infos unter http://www.hinterbach-kohlenmeiler.de.

Einwohner von Finkenbach, Hinterbach und Raubach wehren sich „ganz oben“ gegen die Einkesselung durch Windräder

Das Wort von der „Einkesselung“ geht um. Was sich sehr militärisch-martialisch anhört, passt zur sich verschärfenden Diskussion um die Windkraft, die immer härtere Züge annimmt. Der Widerstand gegen den Entwurf des Regionalplans Südhessen, der vor allem im südlichen Odenwald eine Unzahl Windräder zulässt, wird immer heftiger. Nun tragen Finkenbacher, Hinterbacher und Raubacher den Protest ganz nach oben, unter anderem zum hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier.

Letztendlich, so Matthias Heiß als Sprecher der Initiative, werde vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt als zuständiger Behörde eine politische Entscheidung getroffen, wenn es um die Genehmigung von Windparks im Odenwald gehe. Deshalb lag für die Einwohner der drei Rothenberger Ortsteile der Schluss nahe, mit ihrem Anliegen an die Spitze der Entscheidungsträger zu gehen, um dort mehr Rücksichtnahme auf ihre Belange einzufordern.

„Wir sehen wenig direkte Einflussmöglichkeiten auf den Regionalplanwurf“, betonte Heiß. Die entsprechende Stellungnahme werde sowieso vom Odenwaldkreis und seinen zugehörigen Kommunen erarbeitet und beim RP eingereicht. Jedoch wollen die Finken-, Hinter- und Raubacher nicht warten, „was man über Kreis und Gemeinde machen kann“, sondern selbst die Initiative ergreifen.  Es geht laut Heiß um „möglichst viel Sperrfeuer von allen Seiten“. Die Planungen hätten „Ausmaße angenommen, die nicht mehr tragbar sind“. Es sei wichtig, dass sich Städte und Kommunen kurzschließen.

Neben dem WGR-Gemeindevertreter gehören weitere in den drei Ortsteilen wohnhafte Mandatsträger und Gemeindevorstände zu den Unterzeichnern des parteiübergreifenden Schreibens: Rainer Flick (WGR-Gemeindevorstand), Volker Schindler, Alexander Link (beide SPD), Martin Menges (CDU/BuLiRo) und Christa Helm (WGR). „Wir wehren uns nicht gegen Windkraft per se“, hob Heiß hervor. Sondern eben speziell gegen die „Einkesselung“.

Diese ist für die politischen Vertreter „nicht tragbar“, da sie eine deutliche Verschlechterung zur Lebensqualität zur Folge hat. Der neue Regionalplan-Entwurf habe „die bisherige Odenwaldplanung ad absurdum geführt“. Im Entwurf ist nicht nur der Höhenzug zwischen Finkenbach und Olfen enthalten, sondern einige weitere Gebiete im Bereich Rothenberg, Beerfelden, Etzean und Airlenbach. Und das nur im Odenwaldkreis.

Richtung Überwald ziehen sich die möglichen Windvorranggebiete wie an einer Perlenkette die Hügelkette vom Greiner Eck hoch bis nach Aschbach. Dazu weist der Eberbacher FNP im Badischen mehrere mögliche Rotoren oberhalb von Brombach aus, die sich auf hessischer Seite im Flockenbusch fortsetzen. Mittels einer Grafik wird klar, dass alle drei Ortschaften auf 360 Grad von Windrädern umzingelt wären.

Heiß macht darüber hinaus aber deutlich, dass sich die Gemeinde und ihre Vertreter „seit einigen Jahren konstruktiv und aktiv an den Diskussionen für die Platzierung von Windkraftanlagen im Odenwald“ beteiligten. Zusammen mit dem Odenwaldkreis habe man eine annehmbare Lösung erreicht, die auch in den Flächennutzungsplan (FNP) des Kreises aufgenommen wurde. „Allerdings wurde nach Fertigstellung des Plans dieser vom RP zurückgewiesen.“

Neben den hohen Kosten, die somit vergeblich waren, war auch „das bisherige lösungsorientierte Engagement obsolet“. Erneut müsse man nun dagegen ankämpfen, „nicht eingekesselt zu werden“. Das Schreiben betont, die Umstellung auf erneuerbare Energie müsse zusammen mit den Bürgern erfolgen. „Wir haben unseren Teil konstruktiv eingebracht.“ Die Verwaltungen von RP, Land und Bund „haben dies jedoch in keinster Weise gewürdigt“, obwohl der Plan bereits während der Erstellung abgestimmt wurde.

Für die Unterzeichner ist deshalb klar: „Wir fordern eine Rückkehr zum ursprünglichen FNP sowie eine Abkehr von der Einkesselung der Bürger.“ Ausdrücklich werden die Adressaten um Unterstützung gebeten und darum, „sich persönlich für unser Anliegen einzusetzen“. Bei einem Ortstermin, so bieten die Mandatsträger an, könne man die Folgen der aktuellen Planung gerne erläutern.

Verteiler des Schreibens: Peter Altmaier, Chef des Bundeskanzleramts, Ministerpräsident Volker Bouffier, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Landtagsmitglieder Rüdiger Holschuh und Judith Lannert, Bundestagsmitglieder Patricia Lips und Jens Zimmermann, Landrat Frank Matiaske, Landrat a.D. Horst Schnur, Harald Buschmann, Mitglied der Regionalversammlung Südhessen.