Die Kultur im Odenwald voranbringen

Individuelle Kunst und Kultur abseits der Städte, im Odenwald, fördern: Dieses Ziel hat sich Heiko Plank auf die Fahnen geschrieben. Der 55-jährige Gitarrist lebt schon seit etlichen Jahren im Oberzent-Stadtteil Kortelshütte, ist mit seiner selbstgebauten, achtsaitigen „plank“ aber auch ein vielgefragter Weltenbummler, den es nach Indien im vergangenen Jahr nun in die Nähe von Rom verschlug.

Viele Künstler, betont Plank, „leben im Odenwald, weil sie sich das urbane Umfeld nicht leisten können“. Ateliers, Studios, Werkstätten finden sich hier, „aber es fehlt die Bündelung, die organisatorische Konzentration“. Die wäre etwa gerade für das Antragswesen wichtig, um an Fördertöpfe zu kommen. Das Problem: „Die Gemeinden haben kein Geld für einen Kulturhaushalt.“ Deshalb kann es nur über eine Spendenakquise laufen. Er nennt unter anderem als Sponsoren die Robert-Bosch-Stiftung oder BASF Tor 4, wohin er letztens – leider erfolglos – seine Fühler ausstreckte.

Denn: Auf dem Land, hat er festgestellt, ist auf den dortigen Festivitäten meist wenig Raum für eine manchmal etwas speziellere, originäre Herangehensweise an Themen. Die Eigenständigkeit, bedauert Plank, „kommt zu kurz“, weil es keine Förderung gibt. „Je weiter weg aus der Stadt, desto mehr Cover sieht und hört man“, meint er als Feststellung – und nicht wertend.

„Spiel doch mal was Bekanntes“, laute ein oft gehörter Satz. „Anerkannt und gefördert wird das, was allgemein gefällt“, bedauert er. So oder so ähnlich gehe es in allen künstlerischen Sparten zu. Das Ergebnis für Plank: „Viele meiner Kollegen ‚harmonisieren‘ ihre Kunst zugunsten des allgemeinen Geschmacks.“

Er will einen Beitrag leisten zum Zusammenführen der Gesellschaft in der ländlichen Region im Zeichen von Kunst und Kultur. „Im Kultur- und Freizeitbereich fehlen Infrastrukturen“, analysiert der Gitarrist. Eine geringe Bevölkerungsdichte, wenige Kulturangebote und die breite räumliche Streuung machen es den Kulturschaffenden auf dem Land schwer.

Wenn es mehr Sponsoren gäbe, würde das laut Plank auch die eigene Kreativität fördern. Nach dem Motto: „Hast du eine eigene Geschichte in der Schublade?“ Oder ein Orchesterwerk geschrieben? Dem Kortelshütter geht es auch darum, seinen eigenen Horizont zu erweitern, andere Künstler kennenzulernen und gemeinsame Strategien zu entwickeln.

„Ich arbeite weiter daran und will schauen, was sich ergibt“, lässt sich Plank von der BASF-Absage nicht entmutigen. Denn die war ein erster Schritt. Es wäre ein nachhaltig lohnendes Unterfangen, ein differenziertes Kulturangebot im Odenwald zu schaffen, betont er, in dem möglichst alle Akteure miteinander in Verbindung gebracht werden, „um künstlerische Freiheit zu schaffen“.

Was Heiko Plank klanglich unter seiner Region versteht, setzt er gerade bei einem Kompositionsauftrag für den HR2 um. Das Ergebnis soll im Frühherbst zu hören sein. „Aktuell bin ich etwa bei Minute 15“, erläutert er – von 40. Er spielt darauf seine „plank“, deren Aluminium-Variante statt der bisher in Holz ausgeführten gerade als Rohbau neben ihm liegt.

Drei Monate hat der Gitarrist daran gewerkelt. „Ein glockenklarer Klang“, schwärmt er, weil das sehr reine Metall gegossen und nicht gefalzt wurde. Aus dem gleichen Material ließ er auch eine Uhr herstellen. „Deren runden Klang kann man nicht orten“, demonstriert er mit einem Kochlöffel. „Der verliert sich überhaupt nicht“, ist Plank begeistert.

Heiko Plank fährt für die Aufnahme auch mit dem Rad herum und fängt Töne aus dem südlichen Odenwald ein. Das kann das Wasserrauschen an der Neckar-Staustufe Hirschhorn sein, genauso aber auch die Motorsägen in Kortelshütte oder die alte Schulhaus-Glocke, die zwei Mal am Tag von unten aus dem Ort heraufschallt. Das Rauschen der Rothenberger Segelflieger hat er noch auf seiner Wunschliste. „Organisiertes und Unorganisiertes zu verbinden bildet für mich einen großen Reiz“, sagt er.

 

 

Info: Heiko Plank gibt auf seinem Instrument, der „plank“, ein 90-minütiges Konzert am Freitag, 20. September, 18 Uhr, in der VHS Badische Bergstraße in Weinheim. Hintergrund ist das deutschlandweite Jubiläum 100 Jahre Volkshochschulen. Mehr unter http://plankworks.eu/

 

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Odenwald gegen Motorradlärm

Seit einigen Wochen fallen gelb-schwarze Schilder im Straßenraum ins Auge: „Rücksicht nehmen!“ fordert ein deutlich missgelauntes Kind, während das auf der oberen Plakathälfte abgebildete Motorrad den Adressaten verdeutlicht. Dahinter verbirgt sich eine Aktion der Odenwälder Kommunen gegen Motorradlärm. Denn im vergangenen Jahr war zum einen die Zahl der Unfälle besonders hoch, zum anderen gingen die Beschwerden über Lärmbelästigung durch die Decke.

In diesem Frühjahr und –sommer tagten mehrmals auf Odenwaldkreisebene Bürgermeister, Mitarbeiter der Kommunen, der Polizei und des Landratsamtes. Ziel war es, Maßnahmen gegen den in den Sommermonaten gefühlt immer mehr werdenden Lärm, hervorgerufen durch manche Motorradfahrer, zu finden.

Denn wenig befahrene Straßen und tolle Kurven ziehen jeden Sommer Biker aus nah und fern an, weiß Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer aus eigener Erfahrung. In der Südkreis-Stadt sind besonders die Hangstadtteile wie Rothenberg und Kortelshütte besonders betroffen, wo an einem Tag mehrere hunderte Biker vorbeibrausen. Dazu kommt noch die schöne Aussicht auf die Odenwälder Natur, die für „Andrang“ sorgt. Das Ergebnis sind aber auch immer wieder schwere Unfälle, zeigen die Polizeistatistiken.

Das geschnürte Maßnahmenpaket ist umfangreich. Die Landespolizei führt regelmäßig Kontrollen durch. Das Landratsamt informiert bei der Zulassung von Zweirädern. Viele Odenwaldkommunen beteiligen sich zudem an der Plakataktion. Die gelb-schwarzen Plakate hängen an vielen Stellen im Kreisgebiet und auch im benachbarten Kreis Bergstraße.

Sie sind überall dort zu finden, wo den Erfahrungen nach eine unangepasste Fahrweise – etwa starkes Beschleunigen – die Bewohner aus der Ruhe bringt. Mal niedertourig fahren und nicht gleich am Ortsausgang die Maschine hochziehen, würde schon viel helfen, so die Anregung. Unterstützt wurde die Aktion durch ein Sponsoring der Odenwälder Verkehrswacht.

Zielgruppe sind laut den Beteiligten nicht die 95 Prozent der anständig Fahrenden, sondern die schwarzen, Gas gebenden Schafe, die teilweise auch ihre Maschinen manipulieren. Aber man will daneben alle Biker auf Stellen aufmerksam machen, wo nicht gleich auf den ersten Blick klar wird, dass man andere stört. Die Initiatoren betonen: „Wir freuen uns über jeden Gast, auch auf zwei Rädern, der seine Freizeit im Odenwald verbringt.“

Allerdings wollen die Kommunen die Beschwerden ihrer Bürger sehr ernst nehmen. Denn die können teilweise kein entspanntes Wochenende mehr auf der Terrasse genießen, was Lebens- und Wohnqualität mindert. Einige Bewohner sprechen hierbei schon von ,,Terror auf zwei Rädern“ und wünschen sich noch mehr Streckensperrungen. „Allerdings führt dies nur zu Verlagerungen“, betonen die Verantwortlichen. Ein gemeinsames Miteinander ist deshalb für sie das Ziel – und nicht der Ausschluss einer ganzen Gruppe, die sich überwiegend an die Regeln hält.

 

 

Mit dem Goggo auf den Berg zur Alten Pumpe

Alte Schnauferl vor der Alten Pumpe: Das passt. Die Goggo- und Kleinwagen-Interessengemeinschaft (IG) Main-Kinzig-Kreis machte auf ihrer Ausfahrt über zwei Stunden lang Station am Industriedenkmal an der Landesstraße zwischen Rothenberg und Kortelshütte. Philipp Foshag und Thomas Wilcke vom Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVR) brachten den Teilnehmern dort die frühere Form der Wasserversorgung auf dem Sandsteinhügel näher.

17 Kleinwagen, meistens Goggos, aber auch zwei Lieferwagen und ein Messerschmitt-Kabinenroller mit 30 Personen waren den Berg hinaufgeschnauft. Nach der Besichtigung ging es weiter durch den Odenwald nach Zell. Die IG, deren Mitglieder neben dem Odenwald unter anderem aus den Ecken Stuttgart, Calw, Pforzheim, Oberallgäu oder Sigmaringen kommen, unternimmt jedes Jahr eine andere Tour, war zu erfahren.

Dieses Jahr gab es eine kurzfristige Änderung der Route, nachdem die Sperrung der Strecke ab Hirschhorn durchgesickert wird. Mit dem Goggo lohnt sich trotz der Oldtimer-Klassifizierung kein H-Kennzeichen, hieß es von den Fahrern. Denn aufgrund des kleinen Hubraums liegen die Autos deutlich unter H-Versteuerung für Fahrzeuge mit mehr Power unter der Motorhaube. Bei Sonnenschein wurde später ein ausgiebiges Picknick auf dem Parkplatz eingelegt.

Mit dem damaligen Wunderwerk der Technik war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts endlich möglich, zuerst für Rothenberg und dann auch für Kortelshütte sowie Ober-Hainbrunn eine gesicherte öffentliche Wasserversorgung herzustellen, erläuterte Wilcke den Interessierten. Denn der Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe beförderte das Nass vom Gammelsbachtal über 290 Höhenmeter in den Rothenberger Hochbehälter.

In den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor „herrschte Wasserknappheit“, so der VV-Vorsitzende. Durch den Sandsteinuntergrund sei das Wasser sehr schnell versickert. Auch Tiefbrunnen konnten die Misere nicht lösen. Ab dem 19. Jahrhundert wurden Stollen in den Felsen getrieben, um des kühlen Nass‘ habhaft zu werden. Im Unterdorf auf 400 Meter „ging das auch recht gut“, erzählt Wilcke. Dort zeugt noch der Laufbrunnen mit seinen vier Trögen vom Erfolg der Bohrungen.

Weiter oben „herrschten aber regelmäßig Wassernotstände“. Beschwerden über die unhaltbare Situation drangen bis nach Darmstadt vor. Dort, erläutert der Vereinsvorsitzende, sei am Ende des 19. Jahrhunderts eine Art „Konjunkturprogramm“ aufgelegt worden, um auch die abgelegenen Odenwald-Gemeinde ans öffentliche Wassernetz anzuschließen.

Zupass kam den damaligen Ingenieuren laut Wilcke, dass es auf 250 bis 270 Meter in beiden Tälern Tonschichten gab, auf denen sich das Wasser sammelte und ergiebige Quellen speiste. „40 Meter unterhalb wurde der ‚Große Brunnen‘ im Gammelsbachtal gefasst“, so Wilcke. Die dort erreichten vier Bar Wasserdruck reichten, um mit dem Motor der Schweizer Firma Schmid das Nass fast 300 Meter in die Höhe pumpen zu können. „Die Wasserleitung war sogar 2,5 Kilometer lang.“

Das Neckartal ist demnächst nur noch auf Umwegen zu erreichen

Das Neckartal ist von der Höhe aus demnächst nur noch mit Einschränkungen zu erreichen. Denn Ende Juni startet die Fahrbahnerneuerung auf der Landstraße 3410 zwischen Kortelshütte und Hirschhorn (Brombacher Wasser) auf etwa dreieinhalb Kilometern. Sie soll dann bis August andauern, erhielten die Ortsbeiräte als Info auf der vergangenen Sitzung. Die offizielle Umleitung erfolgt über Beerfelden. Zusätzlich werden die Strecken zwischen Rothenberg und Ober-Hainbrunn sowie Finkenbach während dieser Zeit als Einbahnstraßen ausgewiesen werden.

„Hier sollte von der Stadt beachtet werden, ab wo die Einbahnstraßenregelung gilt“, so der Wunsch der Mandatsträger. Ihr Vorschlag lautete Richtung Finkenbach ab Beginn des Waldes, Richtung Ober-Hainbrunn ab dem Weg zum Friedhof. Zusätzlich sollten die Straßen, vor allem in Richtung Hainbrunn, auf Straßenschäden überprüft und durch den Bauhof mit Kaltasphalt ausgebessert werden. Denn diese Strecke hat etliche Schlaglöcher.

Einige Rothenberger fahren morgens mit dem Bus nach Hirschhorn und müssen dort die S-Bahn erreichen. Deshalb wurde der Wunsch an die Stadt herangetragen, über die OREG abzuklären, ob dies gewährleistet werden kann und wann die Busse während der Bauzeit fahren.

Zusätzlich zur Hundetoilette in der Verlängerung des Stichwegs Höhenstraße sollen noch drei weitere aufgestellt werden, so die Mittelung: am Sportplatz Rothenberg, auf dem Weg Richtung Schomen (an der „Doppeleiche“) und an der Schutzhütte bei den „Lehmlöchern“. Von einem Zuhörer kam die Anregung, größere Müllbeutel zu deponieren. Denn mit den sehr kleinen bestünden doch Probleme, diese anschließend zu verknoten. Vorreiter in Hinsicht XXL-Tüten ist Beerfelden.

Der Ortsbeirat hatte bereits angeregt, ob von Mai bis September zusätzliche Termine für die Grünschnittannahme im Bauhof Rothenberg möglich sind. Derzeit ist diese jeden zweiten Samstag im Monat möglich. Da die Bauhofmitarbeiter einmal in der Woche bis 16.30 Uhr arbeiten, wurde nachgefragt, eventuell an diesem Tag von 16 bis 16.30 Uhr in den Sommermonaten Grünschnitt anzunehmen. Bürgermeister Christian Kehrer will prüfen, ob dies machbar ist.

Über das Regionalbudget der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) können Projekte in der Gemeinde bezuschusst werden, lautete eine weitere Information. Der MGV Rothenberg versucht eine Schrankwand mit abschließbaren Kühlschränken für den Mannschaftsraum in der Sporthalle mitfinanziert zu bekommen. Diese Kühlschränke könnten dann von verschiedenen Vereinen benutzt werden.

Über den Ortsbeirat wurde bereits in einer vergangenen Sitzung angeregt, am Metzkeil in Rothenberg einen Stromanschluss zu installieren. Den könnten die Vereine für Festivitäten wie etwa am Rad- und Inlinertag nutzen. Eine neue Standsäule kostet etwa 3000 Euro, wurde nun berichtet. Weiterhin sind jährliche Zählerkosten von etwa 100 Euro fällig. Es soll jetzt geprüft werden, ob der in der Nähe liegende Anschluss der Kirchenbeleuchtung genutzt werden kann.

Stadtbaumeister Peter Bauer kümmert um die Planausarbeitung für den zusätzlichen Unterstand auf dem Friedhof. Im Ortsbeirat soll dann der ausgearbeitete Vorschlag vorgestellt werden. Der Blumenschmuck, jedes Jahr auf öffentlichen Bereichen gepflanzt, wird auch weiterhin von der Stadt bezahlt, hieß es. Er fällt nicht in das jährliche Budget des Ortsbeirats von 1900 Euro. Farben, die der Verkehrs- und Verschönerungsverein zur Pflege der Parkbänke benötigt, können über die Stadt abgerechnet werden.

Wissenswertes über Rothenbergs Alte Pumpe

Das wechselhafte Wetter ließ dieses Mal nicht so viele Ausflügler die Odenwald-Strecke nehmen. Beim Mühlentag am Pfingstmontag machten sich weniger Besucher als im vergangenen Jahr auf zum Industriedenkmal „Alte Pumpe“ an der Landesstraße zwischen Kortelshütte und Rothenberg. 2018 herrschte auch wirklich eine hervorragende Witterung, die den Aktiven vom Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVR) einen neuen Rekord bescherte. Zwei Mal im Jahr öffnet der VVR die Hütte für die Öffentlichkeit.

„Mich fasziniert, was vor über 100 Jahren technisch schon möglich war“, sagt VVR-Vorsitzender Thomas Wilcke. Das Bauwerk hat für ihn „einen ganz besonderen Wert“, da es heutzutage in seiner Art einzigartig und Relikt einer vergangenen Zeit ist. Damals wurde viel Geld für die Herstellung des Wassernetzes in die Hand genommen, erzählt er.

Dass Rothenberg aufgrund der herrschenden Not an fließendem Nass nicht irgendwann abfackelte, „war reine Glückssache“, blickt Wilcke zurück. Deshalb legte sogar die Brandversicherung Ende des 19. Jahrhunderts noch etwas drauf, als es um die Leitungsverlegung ging. Unter der Bevölkerung gab es eine Umfrage, ob man sich für eine Summe X an das Netz anschließen wolle.

Mit der Pumpe war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts endlich möglich, zuerst für Rothenberg und dann auch für Kortelshütte sowie Ober-Hainbrunn eine gesicherte öffentliche Wasserversorgung herzustellen, erläutert Wilcke. Denn der Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe beförderte das Nass vom Gammelsbachtal über 290 Höhenmeter hinauf in den Rothenberger Hochbehälter.

Schmunzelnd weist der VVR-Vorsitzende auch auf die schnelle Realisierung eines für damalige Zeiten Mammutprojekts hin, verglichen mit heutigen Großbaustellen wie dem BER oder Stuttgart 21. Geplant wurde seinen Worten zufolge ab Mitte 1898, im Jahr 1902 war bereits alles fertig. Die an diesem Tag gezeigte Power-Point-Präsentation über die Pumpe erarbeitete Oberzent-Schüler Philipp Foshag als Abschlussarbeit zusammen mit Wilcke.

In den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor „herrschte Wasserknappheit“, weiß der VVR-Vorsitzende. Durch den Sandsteinuntergrund versickerte das Wasser auf dem Berg sehr schnell. Auch Tiefbrunnen konnten die Misere nicht lösen. Ab dem 19. Jahrhundert wurden Stollen in den Felsen getrieben worden, um des kühlen Nass‘ habhaft zu werden. Im Unterdorf auf 400 Metern „ging das auch recht gut“, erzählt Wilcke.

Weiter oben nicht. Beschwerden über die unhaltbare Situation drangen bis nach Darmstadt. Dort wurde am Ende des 19. Jahrhunderts eine Art „Konjunkturprogramm“ aufgelegt, um auch die abgelegenen Odenwald-Gemeinden ans öffentliche Wassernetz anzuschließen. Zupass kam den damaligen Ingenieuren, dass es auf 250 bis 270 Meter in beiden Tälern Tonschichten gab, auf denen sich das Wasser sammelte und ergiebige Quellen speiste.

„40 Meter unterhalb von diesen wurde der ‚Große Brunnen‘ im Gammelsbachtal gefasst“, so Wilcke. Die dortigen vier Bar Wasserdruck reichten, um mit dem Motor der Schweizer Firma Schmid das Nass fast 300 Meter in die Höhe pumpen zu können. „Das wurde nicht erst ausprobiert“, sagt er, sondern im Vorfeld „ingenieurmäßig durchgerechnet“, damit die Installation kein Reinfall würde.

„Dieser Wassermotor ist ein Unikat. Den gibt es nur noch ein weiteres Mal in Deutschland“, weiß er. Weil die Anlage so wartungsanfällig war, wurde sie 1904, zwei Jahre nach Fertigstellung, gleich ein zweites Mal installiert – damit immer eine in Betrieb sein konnte. Mit dem Druckwasser lässt sich die Energie gewinnen, führt Wilcke aus.

Nach dem Ausbau von Wassermotor und Pumpe aus dem alten Pumpenhaus im Tal des Clemensbrunnens auf Gammelsbacher Seite erfolgte Ende der 1990er Jahre die aufwändige Restaurierung durch den Verein Museumsstraße Odenwald. „Wir haben damals die Wasserwerke Zürich wegen Rat angefragt“, erinnert er sich. Die hatten aber ein jüngeres Schmid-Modell in Betrieb „und wünschten uns nur viel Glück“, meint Wilcke rückblickend lachend.

Info: Eine Besichtigung der Anlage ist nach Anmeldung bei Thomas Wilcke, Telefon 06275/1027, oder der Stadt Oberzent, Telefon 06068/7590-805, möglich. Erklärungen im Internet unter http://www.vvrothenberg.de/wassermotor/

 

Schmid’scher Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe:

Ähnlich einer Dampfmaschine drückt das Wasser auf die Kolben der zweizylindrigen Maschinen. Die Kolbenstangen übertragen die Bewegung und die Kraft auf die Kurbelwelle. Auf der einen Seite der Kurbelwelle sitzt das Schwungrad, auf der anderen Seite die Kupplung, die Motor und Pumpe miteinander verbindet. Beachtenswert ist die Steuerung der Wassermotoren durch die unterhalb der Zylinder angeordneten Schieber.

Die Zylinder sind mittels Zapfen in je zwei zur Zylinderachse parallele Stangen gelagert. Durch die Bewegung des Kurbelgetriebes werden die Zylinder in eine schwingende Bewegung versetzt.  Dadurch werden die Öffnungen der Kanäle an der Unterseite der Zylinder am kreisbogenförmigen Schieberspiegel abwechselnd mit der Öffnung des Druckrohres oder einer der beiden Öffnungen des Entleerungsrohres in Verbindung gebracht.

Der Zylinder füllt sich somit abhängig von seiner Lage entweder von vorn oder von hinten Da der Wasserdruck bestrebt ist, den Zylinder vom Schieberspiegel abzuheben, kann man mit der richtigen Einstellung der Schraube mit Handrad das Verhältnis zwischen Leckwasser und Schieberreibung optimieren.

Stadt Oberzent liegt wegen früheren Haus-Cordula-Zuschüssen im Clinch mit dem Land

Frühere Darlehen und Zuschüsse für das evangelisch-lutherische Haus Cordula in Kortelshütte, nach dessen Insolvenz inzwischen Teil der Azurit-Gruppe, hängen der neuen Stadt nach wie vor wie ein Klotz am Bein. Wegen einer speziellen Förder-Konstruktion war das ehemalige Rothenberg Empfänger der Gelder vom Land und nicht das Seniorenheim selbst. Aufgrund der zwischenzeitlichen Pleite 2014 will das hessische Sozialministerium die Gelder zurück. „Nicht mit uns“, sagte die Verwaltung vor mehr als zwei Jahren und reichte Klage ein. Oberzent ist nun Rechtsnachfolger.

Vor kurzem gab es einen Anhörungstermin vor dem Darmstädter Verwaltungsgericht, der aber keine Einigung brachte. Das Land wollte dort auf einen Großteil der Forderungen nicht verzichten, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. „Das war keine Basis für eine gütliche Einigung“, sagte er, „dann lassen wir verhandeln“.

Vom Richter sei die Förderpraxis hinterfragt worden, berichtete der Rathauschef. Auch der hessische Städte- und Gemeindebund überprüft diese. Denn je nach Ausgang würde keine Gemeinde mehr diese Art der Förderung praktizieren, „wenn die in Haftung genommen wird“. Kehrer weiß etwa von einem Fall in Brensbach, wo die Gemeindevertretung das Prozedere ablehnte. Denn diese Zuschusspraxis gibt es nach wie vor.

Kehrer zufolge gab es einen Grundbucheintrag zugunsten des hessischen Sozialministeriums über 2,4 Millionen Mark. Im Rahmen der Insolvenz und des Verkaufs „hat das Ministerium diese Grundschuld stornieren lassen“, betonte er. Da das Land diese Sicherheit „sausen ließ“, sei die Stadt nicht bereit einzuspringen, hob der Bürgermeister hervor.

Er rechnet damit, dass es – nach einer zwischenzeitlichen Beratung beider Parteien – eine zweite Anhörung geben wird. Die Entscheidung wird auf jeden Fall noch dauern. Es dreht sich um einen Streitwert von etwa 925.000 Euro, für die Oberzent gerade stehen soll, davon etwa 725.000 Euro Zuschüsse, der Rest Darlehen. Im aktuellen Haushalt 2019/2020 stehen 350.000 Euro als Puffer drin.

Die Zuschüsse und das Darlehen wurden dem Haus Cordula in den Jahren 1995 und 2004 in einer Gesamthöhe von etwa zwei Millionen Euro gewährt. Hintergrund waren Erweiterungs- und Modernisierungswünsche des Alten- und Pflegeheims. Aber, und das ist das Spezielle dabei, die Gelder wurden im Auftrag des Landes von der Kommune an den damaligen Betreiber ausgezahlt.

Die Rückforderung ergibt sich aus dem Betreiberwechsel vor mehr als vier Jahren nach der Insolvenz. Damit fiel der Zweck der damaligen Darlehen und Zuschüsse weg, unter dem diese dem früheren, dann insolventen Trägerverein evangelisch-lutherisches Haus Cordula gewährt wurden. Für den Umbau des Gebäudes, Modernisierung und Aufstockung, aber nicht für zusätzliche Pflegeplätze flossen damals die Gelder.

Bei den früheren Entscheidungen ging es darum, den größten Arbeitgeber im Ort zu unterstützen und den Fortbestand des Hauses zu sichern – im Nachhinein vergebens. In Abwägung des Für und Wider stimmte die Gemeinde damals dieser eigentlich paradoxen Zuschussgewährung von Landesmitteln über die Kommune zu, hatte schon der frühere Rothenberger Bürgermeister Hans Heinz Keursten Ende 2016 erläutert.

Denn „das Haus Cordula und das Ministerium verhandelten, aber die Kommune bekam den Bescheid und haftete“, so der heutige Finkenbacher Ortsvorsteher. Natürlich, meinte er auf einer damaligen Gemeindevertretersitzung, „hätten wir den Bescheid nicht annehmen müssen“. Aber dann wäre auch der Fortbestand der Einrichtung auf dem Spiel gestanden.

Foot: privat

Guido Plüschke spielte Irish Folk im Kortelshütter Wohnzimmer von Martin Müller

„Es war ein Wahnsinnsabend“, freute sich Martin Müller. Der bekannte Folk-Musiker Guido Plüschke spielte bei ihm im Amselweg ein „Wohnzimmerkonzert“. Über 50 Gäste waren begeistert, den Hamburger in gemütlicher Atmosphäre hautnah zu erleben. „Das ist für mich so etwas wie ein Sechser im Lotto“, meinte der 46-jährige Müller. Denn er spielt selbst in der hiesigen Irish-Folk-Band „Heebie-Jeebies“ und nutzte die Gelegenheit, dem Crack auf der irischen Rahmentrommel Bodhrán auf die Finger zu schauen.

Plüschke präsentierte in Kortelshütte sein Solo-Programm. Normalerweise tourt er ja mit seiner Band. Mit dem neuen Programm will er zukünftig auf Kleinkunstbühnen auftreten und hat seinen treusten Fans eine Vorabpremiere in elf Wohnzimmern Deutschlands von Flensburg bis Lörrach geboten. Nicht nur „die schöne irische Musik“ (Müller) wurde gespielt, sondern es gab auch viele Geschichten, Anekdoten und Erlebnisse von Plüschkes etwa 65 Reisen nach Irland zu erfahren. Der Musiker präsentierte dies „mit einer gehörigen Portion Spaß und guter Laune“. Die Lachmuskeln wurden der Gäste gehörig strapaziert.

Auf Facebook hatte Plüschke für sein Solo-Programm geworben und Gastgeber gesucht, die ihm auch eine Übernachtung boten. Er wollte es in kleinem Kreis „ausprobieren“. „Ich war dann schnell genug, unser Wohnzimmer anzubieten und bekam den Zuschlag als eine von elf Locations in Deutschland“, schmunzelte Müller. Innerhalb von zwei Tagen kamen so viele weitere Angebote rein, dass Plüschkes Tour 2019 jetzt auch schon voll ist.

„Ich habe mich riesig gefreut, ist Guido doch eines der Vorbilder für uns Heebie-Jeebies“, sagte der Kortelshütter. Zusammen mit seinen Mitmusikern Tina Czemmel-Zink und Michael Pascuzzi war er bereits auf Bodhrán-Workshops von Plüschke dabei. „Er ist einer der ganz großen Folk-Musiker im Land und hat auch schon internationale Preise abgeräumt“, hob er hervor. „Ich habe zig CDs von ihm“, lächelte Müller. Der 50-Jährige „ist mit eines der Vorbilder und Gründe, warum ich selbst mit den Heebie-Jeebies Irish Folk spiele oder Urlaub in Irland verbringe“, erläuterte er.

Bei 54 Zusagen von den Nachbarn war dann Schluss. Es wurde „die Bude leergeräumt“ zugunsten von Bierzelt-Bänken und Stehtischen. Die Wohnzimmer-Atmosphäre auf 65 Quadratmetern stieß auf viel Widerhall, eben weil es kein Konzert in einer Halle oder einem Gemeindeaal war. Das Zimmer von Marvin, dem Sohn seiner Lebensgefährtin Andrea, wurde kurzerhand als Lager für Couch, Fernseher und Stereoanlage „missbraucht“.

Das Konzert hatte für Müller eine sehr große Bedeutung: „Eines meiner Idole kam direkt zu uns nach Hause.“ Fachsimplen, von Plüschke lernen und dann bei den Heebie-Jeebies anwenden – so sein Plan. Auch deswegen, „weil wir gerade dabei sind, mit unserer Band eine Studio-CD aufzunehmen“. Die Idee, Irish-Folk zu spielen, entstand Anfang 2011 und war ursprünglich als einmaliger Event gedacht. Doch schon während den Proben entdeckten die Musiker ihre Leidenschaft für diese Musikrichtung und beschlossen weiterzumachen.

„Musik ist mein ganz großes Ding“, betont Martin Müller. Der IT-Administrator nahm in seinem „Nebenberuf“ als Audio-Engineer (www.ceol.studio) dieses Jahr eine Big-Band-CD mit der Jugendmusikkapelle Wiesenbach auf und produzierte sie. 2019 stehen verschiedene Projekte an wie eine Singer-Songwriter-Newcomer- oder eine Volksmusik-Produktion. Der 46-Jährige ist selbst musikalisch nicht auf eine Sparte festgelegt. Von Chor über Männergesangverein und Fasching bis hin zu Irish-Folk und Hardrock reicht Müllers Spannbreite.

Guido Plüschke ist ein gefragter Dozent für die irische Rahmentrommel Bodhrán und erlangte 2008 in Irland den dritten Platz bei den World Bodhrán Championships, den Weltmeisterschaften auf diesem Instrument. 2004 schrieb er seine Magisterarbeit an der Universität Lüneburg über die irische Musik und die Bodhrán, war bereits über 60 Mal in Irland und ist dort ein gern gesehener Session-Gast. Mit seinen drei Bands tourt er durch Deutschland und egal wo er ist, sammelt er kuriose Geschichten aus der Irish-Folk-Szene und Anekdoten, die er selbst erlebt hat. Und das sind bei zusätzlich über 1000 Musikworkshops, 25 Jahren Bühnenerfahrung und über 30 Platten-Produktionen eine ganze Menge.