Verbindungsstraße: Nach fünf Jahren herrscht immer noch Stillstand

Die Bürgerinitiative (BI) „Pro Erhalt Verbindungsstraße“ ist sauer. Es tut sich einfach nichts bei der Sanierung des kleinen Sträßleins zwischen den badischen Randgebieten Brombach und Heddesbach. Seit über fünf Jahren ist die Strecke bereits gesperrt. Lange dauerte es, Gelder und Genehmigungen für die Erneuerung zusammenzukratzen – und jetzt stehen sowohl Baubeginn als auch Erneuerung überhaupt in den Sternen.

Die Straße ist nicht nur für die Brombacher wichtig, da es sonst außer der maroden Kreisstraße über hessisches Gebiet keine andere Zufahrt des zu Eberbach gehörenden 360-Seelen-Dorfs gibt. Der Weg wurde vor der Sperrung auch gern als Ausweichstrecke von Rothenberg oder Kortelshütte Richtung Bergstraße genutzt, wenn im Neckartal auf der B 37 der Verkehr stockte.

Der im August 2020 angekündigte Baubeginn Anfang 2021 „wird nicht mehr bestätigt“, kritisiert Raphael Seib seitens der BI. Damit wird das Risiko des Verfalls genehmigter Fördermittel, gebunden an einen spätesten Baubeginn bis zum 14. November, immer größer, befürchtet er. Seitens des Flurneuordnungsamts fließen trotz Nachfrage keine Informationen, Grundstücksangelegenheiten sind nach wie vor ungeklärt und dazu gab es wohl behördliche Abspracheungenauigkeiten, bemängeln die BI-Vertreter.

Knappe zehn Minuten dürfte die Ersparnis in früheren Zeiten gewesen, wenn entweder die Brombacher nach Heddesbach gelangen wollten oder Pendler wahlweise vom Finken- oder Ulfenbachtal ins jeweils andere. Was damals nicht einmal fünf Kilometer mit dem Auto waren, sind jetzt 14.

Die BI gründete sich im Februar 2016 mit dem Ziel, die „verwaltungsrechtlich fragwürdige“ Entwidmung und Sperrung des Gemeindeverbindungswegs Brombach-Heddesbach Ende 2015 rückgängig zu machen, erklärt Seib. „Der Weg wurde und wird zwingend gebraucht“, betont er. Die Aktionen führten bis zum Petitionsausschuss des baden-württembergischen Landtages, begleitet von diversen Gesprächsrunden mit Vertretern von Ämtern, Bürgermeistern, Behörden und politischen Parteien.

Es wurde damals erreicht, dass sowohl Amtsträger als auch Parteien klar und deutlich zusagten, „den Bürgerwillen umzusetzen“ und den Gemeindeverbindungsweg zu reaktivieren. Der Petitionsausschuss empfahl, der Forderung der Bürgerinitiative zu folgen und die Straße zu sanieren, erinnert sich der Aktivist.

Seitdem wurden Haushaltsgelder geplant, Fördermittel beantragt und genehmigt, Vermessungs- und Rodungsarbeiten durchgeführt, Grundstücksfragen größtenteils geklärt und die Ausführungsplanung erstellt. Den Brombacher Bürgern wurde im August 2020 der Stand der Dinge erläutert und der Projekterfolg – mit verspätetem Baubeginn – bestätigt, schildert Seib.

Außerdem gab es bereits Absprachen und Vereinbarungen zur Sanierung der Brombacher Hauptzufahrt K 35. Da diese teilweise auf hessischem Gebiet liegt, ist hier auch die Heppenheimer Straßenbaubehörde Hessen Mobil mit im Boot. Diese Sanierung soll im Anschluss an den Neubau des Gemeindeverbindungswegs erfolgen. Letzterer ist als Umleitung/Ausweichstrecke zwingende Voraussetzung, da die Arbeiten auf der K 35 unter Vollsperrung erfolgen sollen.

Über Kommunal-, Kreis- und Landespolitiker wurden von der BI in den vergangenen Jahren immer wieder Anfragen zum aktuellen Stand der Dinge gestartet, da aus den Behörden selbst nur wenige Infos flossen. Nach der Planvorstellung wurde ein Informationsschreiben an die Brombacher Bürger verteilt. „Weitere freiwillige Statusmeldungen über den aktuellen Stand der Baumaßnahmen erfolgten trotz Zusage des Amtes und wiederholter Aufforderung des Ortschaftsrats bis heute nicht“, ärgert sich die BI.

Die Hinhaltetaktik der Behörden dauerte an: „Immer wieder wurden grundstücks- und naturschutzrechtliche Belange als noch nicht endgültig geklärt hingestellt“, berichtet Seib. Jedoch wurde der Projekterfolg trotz entstandener Verzögerungen zu keiner Zeit in Frage gestellt, erläutert er.

Die BI hat die Hängepartie nun satt. Sie fordert, dass die planerischen Probleme und Unstimmigkeiten endlich beseitigt werden sowie der Baubeginn vor dem Verfall der bereitgestellten Gelder forciert und vorangetrieben wird. Weiterhin soll eine „verbindliche, freiwillige, rechtzeitige und transparente Informationen an die Bürger“ erfolgen. Außerdem wünscht man sich „professionelles Arbeiten in den Behörden und die unverzügliche Umsetzung der Beschlüsse zum Neubau des Gemeindeverbindungsweges“.

5G auf den Punkt gebracht

Der neue Mobilfunkstandard 5G bewegt schon die Gemüter, bevor überhaupt die ersten Anlagen in Betrieb gehen. Verschwörungstheorien über alle möglichen Gefahren machen in diesem frühen Stadium die Runde, war in der Stadtverordneten-Versammlung Oberzent zu erfahren. Nicht nur deshalb wünschten sich die Grünen per Antrag einen Bürgerdialog zum Ausbau des 5G-Mobilfunks in Oberzent. Die Mandatsträger einigten sich darauf, einer öffentlichen Diskussion die Beratung im Ausschuss vorzuschalten.

Fraktionssprecherin Elisabeth Bühler-Kowarsch ging es darum, „eine ausgewogene Information zu organisieren“. Damit könne man die Vor- und Nachteile des Netzausbaus kennenlernen und in einen Dialog mit Entscheidern, Gestaltern und Kritikern treten. „Die Chance zur Meinungsbildung sollten wir unseren Bürgern anbieten“, forderte sie. Denn die Digitalisierung nehme rasant an Geschwindigkeit auf.

„Wir sind auf Akzeptanz angewiesen“, betonte Bühler-Kowarsch. Deshalb wolle man ein breites Spektrum an Meinungen ermöglichen. Die Bedenken und Ängste „müssen wir ernst nehmen und mit Argumenten entkräften“, ist ihre Zielrichtung. Denn: „Die Menschen sollen mitgehen können.“

Von Walter Gerbig (CDU) kam die Anregung, eine fundierte Beratung im Bauausschuss vorzuschalten und dann in die Bürgerbeteiligung zu gehen. Frank Leutz (FDP) wünschte sich eine Prüfung, ob in Oberzent 5G derzeit überhaupt aktuell ist. Er betonte aber unabhängig davon die Notwendigkeit, „die Bürger mitzunehmen“.

Das hob auch Thomas Ihrig (SPD) hervor. Er wollte im Vorfeld „die Interessen abklopfen“. Chris Poffo (ÜWO) möchte ebenfalls erst nach einer Ausschuss-Beratung weitere Infos fließen lassen, um dann der Schwarzmalerei von 5G-Gegnern fundiert entgegentreten zu können.

Thomas Väth (Grüne) wies auf den dringenden sachlichen Info-Bedarf hin. Er war auf einer Veranstaltung von 5G-Gegner, ergänzte er, und „erschrocken über die hanebüchenen Vorstellungen“.  Die dort vorgebrachten Argumente der Bürgerinitiative müssten entkräftet werden, forderte er. Denn sie tragen zur Verunsicherung der Bürgerschaft bei.

In die Reihe der Ausschussberatungs-Befürworter reihte sich auch Bürgermeister Christian Kehrer ein. Kommt es dann zu einer Bürgerinfo-Veranstaltung, will er diese extern begleiten lassen. „Von uns stellt sich keiner da oben hin“, meinte er. Wie das Stadtoberhaupt weiter erläuterte, wurde Oberzent seitens des Landes angesprochen, ob man Testkommune für den 5G-Ausbau sein wolle. Dafür gibt‘s eine 90-prozentige Förderung.

Die Stadt sagte aber erst einmal „Nein“, erläuterte der Rathauschef. Denn die drei großen Mobilfunk-Anbieter sind auf der Gemarkung bereits tätig – beispielsweise im Bereich Olfen oder Schöllenbach, allerdings nur im 4G-Bereich.Wenn es keine städtischen Standorte sind, „werden die Kommunen gar nicht gefragt“, machte der Bürgermeister deutlich, dass manche Nachricht nur per Zufall den Weg ins Rathaus findet. So weiß er unter anderem durch den Buschfunk, dass in Beerfelden zwei Standorte im Gespräch sind.

In der Vergangenheit war die Versorgung mit mobilem Internet vor allem in den Oberzent-Tälern mangelhaft bis nicht vorhanden. Doch so langsam tut sich etwas. Zuletzt wurde im Gammelsbachtal ein 4G-Mast von Telefonica in Betrieb genommen, der nun hier für besseren Zugang ins weltweite Netz sorgt. Sensbachtal und Hesseneck darben jedoch noch.

Produktionsschmiede für alles Akustische

In schweren Zeiten muss man sich gegenseitig unterstützen. Martin „Mike“ Müller ist selbst Musiker bei der Odenwälder Irish-Folk-Band „Heebie Jeebies“, betreibt aber im Nebenjob auch sein eigenes Tonstudio in Kortelshütte. Damit die Kollegen weiterhin Aufnahmen machen können, kommt er ihnen finanziell sehr weit entgegen. Er sieht sein „ceol.studio“ als Produktionsschmiede und realisiert  unter anderem gerade ein Folk-Projekt mit Musikern aus dem Odenwald.

Das Wort „ceol“ stammt aus dem Irisch-Gälischen, erläutert Müller. Es bedeutet „die künstlerische Anordnung von Klängen und Tönen, die Ideen und Emotionen durch die Elemente Rhythmus, Melodie, Harmonie und Klangfarbe ausdrückt“. Als er auf der Suche nach einem Namen für sein Tonstudio auf diese Definition stieß, war ihm klar: „Das ist es.“ Denn diese vier Buchstaben beschreiben treffend, „was für mich Musik bedeutet, als Musiker, als Tontechniker oder einfach nur als Zuhörer“. 

Mit der Musik ist der Kortelshütter schon seit früh auf verbunden. „Als Jugendlicher sagte ich, wenn ich mal Rentner bin, dann habe ich ein eigenes Tonstudio“, lacht Müller. Damals nahm er Songs mit einem Vierspurrekorder auf Musikkassetten auf. „Das sind die Dinger, die ein Magnetband haben und von Zeit zu Zeit mit einem Bleistift aufgewickelt werden müssen“, erläutert er augenzwinkernd für die jüngere Generation.

2016 beschloss Mike Müller, sich vom „gefährlichen Halbwissen aus dem Internet“ zu verabschieden und Tontechnik „richtig zu lernen“. Er startete sein Fernstudium. Erfolgreicher Abschluss war ein Jahr später mit der Auszeichnung des staatlich zertifizierten Fernkurses zum Audio-Engineer (HOFA Pro). Danach folgte die Gründung seines Tonstudios in Kortelshütte. „Musik habe ich schon immer gemacht“, erzählt er – in verschiedenen Bands und natürlich auch in Form von Aufnahmen für Demos.

Im Wohnhaus des Oberzent-Stadtteils stehen nun mehrere Räume für Aufnahmen von Bands, Gesang und Sprache zur Verfügung. „Alle akustisch optimiert“, verspricht Müller. Fünf Kilometer Kabel hat er dafür verlegt. Sein besonderer Stolz ist die Regie – der Raum mit hochwertigster Ausstattung für Musikproduktionen.

Der Audio-Ingenieur nennt diverse High-End-Lautsprecher und Verstärker zum exakten Hören der Sound-Mixe sein Eigen. Dazu optimierte er die Akustik im Raum aufwändig. 30 Mikrofone, 28 Vorverstärker sowie Geräte zur Bearbeitung des Klangs, alles von höchster Qualität und zum Teil ausgewählte Einzelanfertigungen, wurden verbaut.

Die Philosophie seines ceol.studios erklärt Müller wie folgt: Er sieht sich als Spezialisten für „akustische Musik“ – alles, was man mit einem Mikrofon aufnehmen kann. Das fängt bei Instrumentals an und geht über Chöre, Klassik, Folk, Rock und Pop bis hin zur härteren rockigen Gangart. „Ein E-Gitarren Marshall-Turm ist ja auch nur ein (akustisches) Instrument, das ein Mikrofon zur Aufnahme braucht“, schmunzelt er.

Das ceol.studio ist auch mobil und hat Musikproduktionen vor Ort produziert, schildert der Kortelshütter seine Vorgehensweise. Davon profitierte unter anderen die Wiesenbacher Big Band mit ihren 40 Musikern. Auch Konzerte in Kirchen oder Band-Demoaufnahmen in deren Proberaum begleitete er. Im „Corona-Jahr“ unterstützte Müller die Hirschhorner Veranstalter der „AusKlang“-Reihe im Kloster beim Streaming von 13 Konzerten per Live-Übertragung ins Internet. Weitere Online-Konzerte folgen nach aktuellem Stand ab November, informiert er.

Mike Müller sieht das ceol.studio als „Produktionsschmiede“. Zwei Projekte hat er aktuell in der Mache: Beim einen handelt es sich um ein Irish-Folk-Projekt mit verschiedenen professionellen Musikern aus dem Odenwald. „Eine Art Best-of mit Fokus auf besonders ausgewogenen Klang und musikalisch-gesanglichem Können“, erläutert er. Außerdem begleitet er den deutschen Sänger und Songwriter Lu Franz bei dessen Aktivitäten. Der Kortelshütter plant außerdem, Ende des Monats bei einem Band-Workshop in Siegen (Sauerland) Tontechnik zu unterrichten.

Müller weiß, wie schwer es die Kollegen derzeit gerade haben, da ihnen alle Auftritte weggebrochen sind. Deshalb bietet den Profi-Musikern einen „          Corona-Rabatt“. Er betreibt sein Studio professionell, hat aber noch einen „richtigen“ Job. Weswegen er daher nicht (ausschließlich) auf die Einnahmen des Studios angewiesen ist. Das macht es ihm möglich, den Kollegen entgegenzukommen. Sie bekommen für Aufnahmen Rabatte zwischen 50 und 90 Prozent.

Info: http://www.ceol.studio

Kindergartenbus gehört der Vergangenheit an

Den bisherigen Rothenberger „Kindergartenbus“ gibt es ab Ende des Jahres nicht mehr. Die Stadtverordneten entschieden sich auf der vergangenen Sitzung mehrheitlich, das Angebot nicht mehr fortzusetzen. Als Gründe wurden finanzielle und haftungsrechtliche Aspekte genannt. Mit dem Bus wurden die Kids aus Ober-Hainbrunn, Finkenbach und Kortelshütte zur Rothenberger Kita „Himmelsauge“ gebracht, wenn während der Schulferien die etatmäßigen Busse nicht verkehrten.

Schon einmal hatte sich die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr mit diesem Thema befasst, als es um die Einstellung in der Ferienzeit ging. Die wurde damals im Vorgriff vom Magistrat abgesegnet, aber von den Mandatsträgern bis zur Prüfung durch die Verwaltung aufgeschoben, wie eine künftige Regelung aussehen und ob der Bus weiterhin fahren könnte.

Bisher gab es in den anderen drei Gemeinden Hesseneck, Sensbachtal und Beerfelden keinen Ferienbusdienst. Aus Gleichbehandlungs- und Kostengründen hatte der Magistrat deshalb entschlossen, das Angebot in der Ferienzeit auch für Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Kortelshütte einzustellen. Das löste bei den betroffenen Eltern einen Proteststurm aus.

Die Verwaltung hatte über den Sommer eruiert, was eine Ausweitung dieses Angebots auf alle Stadtteile bedeuten würde. „Das wären Kosten von 22.100 Euro“, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Zum Vergleich: Die bisherige Rothenberger Variante kam auf 4100 Euro. Neben dem Geld gibt es aber einen anderen gewichtigen Hinderungsgrund. „Die Stadt wäre als Träger in der Haftung“, betonte er.

Zum einen bräuchten die Busse das nötige Equipment, um kleinere Kinder zu befördern, zum anderen wären Aufsichtspersonen notwendig. „Ohne ist ein Transport nicht möglich“, bekam die Stadt von der Unfallkasse signalisiert. Kinder bis zum zwölften Lebensjahr und kleiner als 1,50 Meter dürften nur befördert werden, wenn geeignete Rückhaltevorrichtungen und zusätzlich Kindersitze vorhanden sind.

Eine schriftliche Erklärung der Eltern, dass ihre Sprösslinge ohne Aufsicht mitfahren dürften, „befreit die Stadt nicht von ihrer Haftung“, bedauerte Kehrer. Der bisherige Betrieb, machte er deutlich, bewegte sich damit schon in einer Grauzone. Deshalb, so das Stadtoberhaupt, „ist es nicht möglich und nicht sinnvoll“, den Busdienst weiterzuführen. Derzeit nutzten fünf Kinder das Angebot.

Im Rahmen des Angebots „Garantiert mobil“ vom Odenwaldkreis entschied die Stadtverordneten-Versammlung bei 24- und drei Nein-Stimmen, den städtischen Zuschuss für die taxOMobil-Fahrten ab 1. Januar vorerst für ein Jahr auf 75 statt bisher 50 Prozent anzuheben. Die Summe ist relativ überschaubar. Bis Ende Oktober liefen bei der Stadt lediglich 128 Euro an Zuschüssen auf. Fürs Folgejahr sind 1000 Euro im Haushalt eingeplant.

TaxOMobil-Fahrten sind für die nächsten zehn Jahre zum ÖPNV-Bedienungsstandard geworden, informierte Kehrer. Mitte des Jahres waren kreisweit etwa 1500 Euro an Subventionsbeträgen aufgelaufen. Der relativ geringe Betrag ist dem Bürgermeister zufolge auf die Startphase und die anfänglichen technischen Probleme bei der Buchungs-App zurückzuführen.

Kehrer bedauerte, dass taxOMobil weiterhin ein Stiefkind-Dasein fristet. Es hängt seiner Ansicht nach nicht nur am Geld, sondern auch an der Akzeptanz, die scheinbar auf dem Land erst nach und nach kommt. Bisher gibt es 1500 Anmeldungen. „Andere ländliche Regionen wären froh über das Angebot“, brachte er die Besonderheit auf den Punkt. Im Gremium gab es eine engagierte Diskussion über das Für und Wider.

Eine Entscheidung über die Jugendförderrichtlinien verschoben die Mandatsträger auf Anfang kommenden Jahres. Man will die Haushaltszahlen dieses Jahres abwarten und dann rückwirkend die Gelder ausschütten, wenn es der Etat erlauben sollte. Es geht um 15.000 Euro, die pro Jugendlichem an die Vereine ausgezahlt werden.

 

Das Finkenbachtal bleibt abgehängt

Was sich im Ausschuss bereits abgezeichnet hatte, wurde in der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung Realität. Es wird keine Verbesserung auf der Buslinie 54 im Bereich der früheren Gemeinde Rothenberg mit den Finkenbachtal-Gemeinden geben. Denn die Mehrkosten dafür hatte die OREG auf 185.000 Euro beziffert. Sie wären von der Stadt zu tragen gewesen. Da diese aber kein Geld dafür hat, zog Horst Kowarsch von den initiierenden Grünen den Antrag zurück.

Kowarsch bezeichnete in seiner ursprünglichen Antragsbegründung die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen:  Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Laut OREG stellt der Nahverkehrsplan zunächst einmal nur die Grundversorgung sicher: nämlich den Schülerverkehr. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Das gibt es nach dem Fahrplanwechsel am Wochenende gar nicht mehr. Wenn es, wie im Antrag gewünscht, im werktags stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben sollte, müsste hier die Stadt einspringen.

Kowarsch regte an, dem ÖPNV-Ausbau im südlichen Odenwaldkreis ein besonderes Augenmerk zu schenken. „Wir müssen auch die Nebenstrecken fördern.“ Lediglich auf die Kosten zu verweisen, hielt er für ein „Totschlagargument“. Er hätte sich von der OREG Verbesserungsvorschläge und neue Ideen gewünscht. „Wenn wir unsere Region stärken wollen, brauchen wir die Verbindung zur S-Bahn im Neckartal“, betonte er.

„Wir fühlen uns da oben abgehängt“, brachte es Brigitte Heckmann (SPD) für die Höhenstadtteile Rothenberg und Kortelshütte auf den Punkt. Ihren Worten zufolge gibt es viele Verbindungen vom Nordkreis nach Bayern „und die bringen es nicht fertig, Busse nach Hirschhorn fahren zu lassen“, machte sie ihrem Unmut Luft.

Ihr Fraktionskollege, Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh, wies auf den Gleichbehandlungsgrundsatz hin. Oberzent müsse die Mittel dem Kreis zur Verfügung stellen, sonst entsteht ein Ungleichgewicht. In den vergangenen Jahren wurde im Kreis sehr viel in den ÖPNV investiert, meinte er. „Deshalb kann ich die Pauschalkritik nicht nachvollziehen“, so Holschuh.

Diskutiert wurden im Rund die Anbindungen an die Grenzregionen mit Eberbach und Hirschhorn, weil von dort die S-Bahn in die Metropolregion und nach Mosbach fährt. Der folgende Vorschlag von Bürgermeister Christian Kehrer fand bei allen Widerhall: „Warum formulieren wir nicht dem Kreistag das, was wir haben wollen“, meinte er. Landrat Frank Matiaske wird im Januar zur Vorstellung des Kreisentwicklungskonzepts in Oberzent sein. Dem könnte man Anregungen mitgeben.

Das Beratungs-Ergebnis sorgte vor allem bei den Mandatsträgern aus dem früheren Rothenberg für Frust, wie sich nach Ende der Sitzung beim gemütlichen Beisammensein zeigte. Linienverdichtungen im Nordkreis und eine neue Verbindung über Mossautal nach Grasellenbach wurden zum Anlass genommen, auf die Vernachlässigung des Finkenbachtals hinzuweisen. Dass im Kreis Bergstraße zwischen Wald-Michelbach und Hirschhorn als Grundversorgung unter der Woche ein stündlicher Takt eingerichtet wurde, war für viele ein positives Beispiel, wie es anders laufen könnte.

Stadt wäre beim Kindergartenbus in der Haftung

Der bisherige „Kindergartenbus“ in den Ferienzeiten steht auf der Kippe. Mit ihm wurden die Kids aus Ober-Hainbrunn, Finkenbach und Kortelshütte zum Rothenberger Kindergarten gebracht, wenn während der Schulferien die etatmäßigen Busse nicht verkehrten. Das Thema fand nun wieder Eingang in die Sitzung des gemeinsam tagenden Sozial- und Kultur- sowie Bau- und Umweltausschusses von Oberzent.

Schon einmal hatte sich die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr mit diesem Thema befasst, als es um die Einstellung in der Ferienzeit ging. Die wurde damals beschlossen, aber noch keine Entscheidung getroffen, wie es danach weitergehen sollte. Auf Antrag der SPD hin sollte der Magistrat nun überprüfen, wie eine künftige Regelung aussehen und ob der Bus weiterhin fahren könnte.

Bisher gibt es weder in Hesseneck noch in Sensbachtal einen Ferienbusdienst. In Beerfelden wurde er 2010 eingestellt. Aus Gleichbehandlungsgründen hatte sich der Magistrat Anfang April dafür entschlossen, das Angebot in der Ferienzeit auch für Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Kortelshütte einzustellen. Von dort werden die Kinder nach Rothenberg gebracht. Das hatte bei den betroffenen Eltern einen Proteststurm verursacht.

Die Verwaltung hatte über den Sommer eruiert, was eine Ausweitung dieses Angebots auf alle Stadtteile bedeuten würde. „Das wären Kosten von 22.000 Euro“, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Zum Vergleich: Die bisherige Rothenberger Variante kam auf 4100 Euro. Neben dem Geld gibt es aber einen anderen gewichtigen Hinderungsgrund. „Die Stadt wäre als Träger in der Haftung“, betonte er.

Zum einen bräuchten die Busse das nötige Equipment, um kleinere Kinder zu befördern, zum anderen wären Aufsichtspersonen notwendig. „Ohne ist ein Transport nicht möglich“, bekam die Stadt von der Unfallkasse klipp und klar signalisiert. Der bisherige Betrieb, machte er deutlich, bewegte sich damit schon in einer Grauzone.

Eine Entscheidung über die Jugendförderrichtlinien verschoben die Mandatsträger auf Anfang kommenden Jahres. Man will die Haushaltszahlen dieses Jahres abwarten und dann rückwirkend die Gelder ausschütten, wenn es der Etat erlauben sollte. Es geht um 15.000 Euro, die pro Jugendlichem an die Vereine ausgezahlt werden. Angesichts der aktuellen schlechten Haushaltslage müsste er bei einer sofortigen Entscheidung sowieso seinen Widerspruch einlegen, da es sich um eine freiwillige Leistung handelt, sagte der Bürgermeister.

Mehr Busse nach Hirschhorn wären zu teuer

Schön war’s ja, aber finanziell nicht zu machen. Die Tendenz im gemeinsam tagenden Sozial- und Kultur- sowie Bau- und Umweltausschuss in Beerfelden war ziemlich klar, als es um die Taktverdichtung auf der Linie 54 zwischen Beerfelden und Hirschhorn ging. Die hatten die Grünen mit einem Antrag gefordert. Aber mit einer Umsetzung wären erhebliche Kosten verbunden, die die OREG auf 185.000 Euro jährlich beziffert. Geld, das Oberzent derzeit nicht hat.

Horst Kowarsch (Grüne) hatte bereits in einer vorigen Beratung die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“ bezeichnet. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen: Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Die Linie wird im Nahverkehrsplan des Odenwaldkreises lediglich als Grundversorgung betrachtet, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Laut OREG sieht der Plan zunächst einmal nur die Sicherstellung des Schülerverkehrs vor. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Alles, was darüber hinausgeht, müsste die Stadt Oberzent bezahlen. Die Kalkulation der Regionalgesellschaft kommt auf eben jene 185.000 Euro, wenn es im stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben soll.

Als Alternative zu einem regelmäßigen Busverkehr nannte das Stadtoberhaupt das Angebot „Garantiert mobil“ des Odenwaldkreises. Hier gab der Ausschuss die Empfehlung ab, den städtischen Zuschuss bei den taxOMobil-Fahrten auf 75 statt bisher 50 Prozent anzuheben. Denn die Summe ist relativ überschaubar. Bis Ende Oktober liefen bei der Stadt lediglich 128 Euro an Zuschüssen auf. Fürs Folgejahr sind 1000 Euro im Haushalt eingeplant.

„Mittlerweile läuft das System stabil“, sagte Kehrer. TaxOMobil-Fahrten sind für die nächsten zehn Jahre zum ÖPNV-Bedienungsstandard geworden, informierte er. Mitte des Jahres waren kreisweit etwa 1500 Euro an Subventionsbeträgen aufgelaufen. Der in der Gesamtsumme relativ geringe Betrag ist dem Bürgermeister zufolge auf die Startphase und die anfänglichen technischen Probleme bei der Buchungs-App zurückzuführen.

Kehrer bedauerte, dass das taxOMobil-Angebot trotz der Öffentlichkeitsarbeit weiterhin ein Steifkind-Dasein fristet. Es hängt seiner Ansicht nach nicht nur am Geld, sondern auch an der Akzeptanz, die scheinbar auf dem Land erst nach und nach zu erreichen sei. Bisher gebe es 1500 Anmeldungen. „Andere Regionen wären froh darüber“, brachte er die Besonderheit des Angebots auf den Punkt.

Info: Als integrierter Bestandteil des ÖPNV im Odenwaldkreis sichern taxOMobil-Fahrten die Mobilität der Bürger von der Ortschaft zum jeweiligen Zentrum. Diese Mobilitätsgarantie besteht an allen Tagen in der Woche und unabhängig von Schul- und Ferienzeiten Montag bis Freitag von 5 bis 22 Uhr, an Samstagen von 6 bis 22 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 22 Uhr. Buchbar sind taxOMobil-Fahrten über das Informations- und Buchungssystem http://www.odenwaldmobil.de via Web oder App oder auch telefonisch über die Mobilitätszentrale der OREG. Für seine taxOMobil-Fahrt zahlt der Kunde den RMV-Tarif und einen entfernungsabhängigen Zuschlagspreis.

Ansturm auf die Kortelshütter Wildsau

Max Fink, Sven Völker, Felix Götz und Florian Fink sind die Meister des Apfelmosts. Sie keltern wie die Weltmeister. In schöner Regelmäßigkeit werden erst die Äpfel zerstampft, ehe sie dann in die Presse kommen, die wiederum den leckeren Süßmost ausspuckt, der reißenden Absatz bei den Besuchern des Kelterfestes findet. Das Getränk war jedoch nur eine Spezialität von vielen, die die Brandschützer am Dorfgemeinschaftshaus auftischten.

Der Besuch bei der 28. Auflage der Traditionsveranstaltung war bei herrlichem Wetter mal wieder sehr gut. Die Bembelparty am Abend zog ebenfalls viele Gäste an, darunter zahlreiche Wehren aus der Umgebung angesagt. Das passende Ausflugswetter lockte die Ausflügler in Scharen auf die Höhe. Die kamen nicht nur aus Oberzent, sondern auch aus dem Neckartal und sogar der Unterzent.

Über die Mittagszeit waren die Plätze an den 20 aufgestellten Bierbankgarnituren sehr gut belegt, es kamen bestimmt über 200 Besucher zu den Spitzenzeiten auf den Berg. Neben den Kameraden der befreundeten Wehren beobachteten die Wehrleute viele Auswärtige, die ihre Gastfreundschaft sowie das ausgefallene Speisen- und Getränkeangebot zu schätzen wussten.

Ein Schwarzkittel schmorte auf dem Grill vor sich hin. Statt Gulasch kam unter anderem Gyros auf den Tisch, dazu auch ein Odenwälder Käseteller mit ein paar Spezialitäten. Äpfel gab es dieses Jahr leider nicht so viele wie 2018. Man kam „nur“ auf 400 Kilo, die den Weg in die Presse fanden. Was vom Süßmost übrig bleibt, wird für Apfelwein angesetzt. Über den Winter werden die Behälter im Sandsteingewölbekeller von Sven Völker gelagert, der dafür beste Bedingungen bietet.

Insgesamt waren rund um die Veranstaltung 20 Helfer aus der gesamten Feuerwehr aktiv. „Es werden leider immer weniger“, bedauert Völker. Viele Speisen wurden vor Ort selbst zubereitet, so das frisch gekochte Sauerkraut, die Semmelknödel, der Kartoffelsalat oder der Zwiebelkuchen. „Wir wollen die Traditionen bewahren“, betont Götz. Gerade weil in Kortelshütte eben nicht nach Schema F abläuft, sondern alle viel Herzblut investieren. Der Andrang ist dann auch eine schöne Bestätigung. Die Gäste wissen zu schätzen, dass beim Kelterfest viel selbst Hergestelltes auf den Teller und ins Glas kommt.

 

Großes Interesse an der Stadtgeschichte trotz schlechtem Wetter

Zum „offiziellen“ Start der Stadtführungen hätte das Wetter ein wenig besser sein dürfen. Aber die Bindfäden von oben taten dem Interesse an Beerfeldens Geschichte keinen Abbruch. Zum ersten Rundgang am Tag des offenen Denkmals kamen 25 Interessierte, mit Regenschirmen bewaffnet, vor dem Oberzent-Museum zusammen, wo zuvor bereits der Tag eröffnet worden war. Die Generationenhilfe Oberzent kümmerte sich hier im trockenen Zelt um die Stärkung.

Die Stadtführungen „waren schon jahrelang ein Thema“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Mehrfach wurde in der vergangenen Zeit gefordert, sie auch für die breite Öffentlichkeit anzubieten. „Wir haben uns deshalb gesagt, jetzt müssen wir mal ran“, so der Verwaltungschef. Der Denkmal-Tag bot sich für den Start an. Vor zwei Monaten gab es dann eine interne Abklärung.

Stefanie Ampferl wirkte dabei federführend mit und nahm Kontakt mit allen Beteiligten auf. Später klinkten sich auch die Kirchen mit ein. Sie zog gestern ein positives Fazit der Veranstaltung, wenn diese natürlich durch die ungastliche Witterung beeinträchtigt war. Auch wenn nachmittags der Andrang bei der dritten Stadtführung übersichtlich war, so erfreute sich dann das Apothekenmuseums eines schönen Zuspruchs.

Die Stadtführungen, durchgeführt von Flora Berger und Brigitte Sauer, sollen im kommenden Jahr kontinuierlich angeboten werden, erläuterte Kehrer. Zum einen mit festen Terminen im Jahresplan, zum anderen aber auch auf Nachfrage durch Gruppen buchbar. „Wir überlegen uns dazu was Thematisches“, sagte er. Und was bietet sich im Odenwald da besser an als etwas Kulinarisches mit regionalen Spezialitäten. Das Gesamtziel: Oberzent touristisch voranbringen und besser vermarkten.

Am Eröffnungstag führte Flora Berger in typischer Odenwälder Tracht gleich drei Mal die Wissbegierigen durch die Stadt. Obwohl erst 19 Jahre alt, verfügt sie doch über jahrelange Erfahrung dabei. Als 15-Jährige war sie bereits die jüngste Stadtführerin des Odenwaldkreises. Wetterbedingt ging’s etwas zügiger als sonst im Galopp an den markanten Punkten vorbei.

Auf halber Höhe der Rollgasse bleibt Flora Berger stehen und deutet auf ein altes, schon in die Jahre gekommenes Haus auf der rechten Straßenseite. „Das ist das älteste Gebäude in Beerfelden“, erläutert sie. Das Haus mit den weißen Holzschindeln wurde im Jahr der französischen Revolution, 1789, erbaut. Seine Besonderheit liegt darin, dass es als einziges den großen Brand von 1810 überstand, der ansonsten die komplette Altstadt vernichtete.

Im Oberzent-Museum sind geschichtliche Zeugnisse der Region und ihrer Bürger zu sehen, erklärt die Jugendliche. Die Bedeutung des unterhalb gelegenen heutigen Zwölf-, früheren Acht-Röhren-Brunnens für die städtische Wasserversorgung war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts existenziell, so Flora Berger. Weiter geht’s danach die Rollgasse hinauf bis zum Bürgerhaus. Das „war früher das Rathaus und noch früher die Volksschule“. 1886 wurde es umgebaut und erhielt damals ein weiteres Stockwerk. Vor kurzem wurde es gerade wieder saniert.

2015 jährte sich die Wiedereinweihung der Martinskirche nach dem großen Brand zum 200. Mal – auch die Kirche war 1810 Opfer des Feuers. Früher war der Eingang ein Stockwerk höher, denn eine große Treppe führte direkt ins erste Obergeschoss, von wo aus es geradeaus ins Kirchenschiff weitergeht. Als der Marktplatz umgestaltet wurde, fiel ihm die Treppe zum Opfer. Ab 1876 war vor dem Gotteshaus ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 zu finden, das jetzt auf der Sensbacher Höhe steht.

Neben dem Pfarrhaus zeigt Berger den Interessierten auch andere Stadtbild prägende Gebäude, „die in ihrer Art typisch für die Bauweise nach dem Brand waren“. Die ehemalige Jugendherberge im blauen Haus (von 1941 bis 1971) liegt ebenso auf dem Weg wie der „Beerfelder Knast“. Den gab es dort zwischen 1859 und 1923.

 

Tag des Denkmals in Oberzent

Das Heimatmuseum öffnete seine Pforten ebenso wie das Apothekenmuseum von Jürgen Frank, beide in Beerfelden. Die evangelische Martinskirche Beerfelden mit ihrem Turm war zu besichtigen wie auch die ehemalige Wallfahrtskirche St. Marien in Schöllenbach. Bereits oft dabei: die „Alte Pumpe“, der Schmid‘sche Wassermotor zwischen Rothenberg und Kortelshütte. Hier wirkte der Verkehrs- und Verschönerungsverein Rothenberg.

Die Kultur im Odenwald voranbringen

Individuelle Kunst und Kultur abseits der Städte, im Odenwald, fördern: Dieses Ziel hat sich Heiko Plank auf die Fahnen geschrieben. Der 55-jährige Gitarrist lebt schon seit etlichen Jahren im Oberzent-Stadtteil Kortelshütte, ist mit seiner selbstgebauten, achtsaitigen „plank“ aber auch ein vielgefragter Weltenbummler, den es nach Indien im vergangenen Jahr nun in die Nähe von Rom verschlug.

Viele Künstler, betont Plank, „leben im Odenwald, weil sie sich das urbane Umfeld nicht leisten können“. Ateliers, Studios, Werkstätten finden sich hier, „aber es fehlt die Bündelung, die organisatorische Konzentration“. Die wäre etwa gerade für das Antragswesen wichtig, um an Fördertöpfe zu kommen. Das Problem: „Die Gemeinden haben kein Geld für einen Kulturhaushalt.“ Deshalb kann es nur über eine Spendenakquise laufen. Er nennt unter anderem als Sponsoren die Robert-Bosch-Stiftung oder BASF Tor 4, wohin er letztens – leider erfolglos – seine Fühler ausstreckte.

Denn: Auf dem Land, hat er festgestellt, ist auf den dortigen Festivitäten meist wenig Raum für eine manchmal etwas speziellere, originäre Herangehensweise an Themen. Die Eigenständigkeit, bedauert Plank, „kommt zu kurz“, weil es keine Förderung gibt. „Je weiter weg aus der Stadt, desto mehr Cover sieht und hört man“, meint er als Feststellung – und nicht wertend.

„Spiel doch mal was Bekanntes“, laute ein oft gehörter Satz. „Anerkannt und gefördert wird das, was allgemein gefällt“, bedauert er. So oder so ähnlich gehe es in allen künstlerischen Sparten zu. Das Ergebnis für Plank: „Viele meiner Kollegen ‚harmonisieren‘ ihre Kunst zugunsten des allgemeinen Geschmacks.“

Er will einen Beitrag leisten zum Zusammenführen der Gesellschaft in der ländlichen Region im Zeichen von Kunst und Kultur. „Im Kultur- und Freizeitbereich fehlen Infrastrukturen“, analysiert der Gitarrist. Eine geringe Bevölkerungsdichte, wenige Kulturangebote und die breite räumliche Streuung machen es den Kulturschaffenden auf dem Land schwer.

Wenn es mehr Sponsoren gäbe, würde das laut Plank auch die eigene Kreativität fördern. Nach dem Motto: „Hast du eine eigene Geschichte in der Schublade?“ Oder ein Orchesterwerk geschrieben? Dem Kortelshütter geht es auch darum, seinen eigenen Horizont zu erweitern, andere Künstler kennenzulernen und gemeinsame Strategien zu entwickeln.

„Ich arbeite weiter daran und will schauen, was sich ergibt“, lässt sich Plank von der BASF-Absage nicht entmutigen. Denn die war ein erster Schritt. Es wäre ein nachhaltig lohnendes Unterfangen, ein differenziertes Kulturangebot im Odenwald zu schaffen, betont er, in dem möglichst alle Akteure miteinander in Verbindung gebracht werden, „um künstlerische Freiheit zu schaffen“.

Was Heiko Plank klanglich unter seiner Region versteht, setzt er gerade bei einem Kompositionsauftrag für den HR2 um. Das Ergebnis soll im Frühherbst zu hören sein. „Aktuell bin ich etwa bei Minute 15“, erläutert er – von 40. Er spielt darauf seine „plank“, deren Aluminium-Variante statt der bisher in Holz ausgeführten gerade als Rohbau neben ihm liegt.

Drei Monate hat der Gitarrist daran gewerkelt. „Ein glockenklarer Klang“, schwärmt er, weil das sehr reine Metall gegossen und nicht gefalzt wurde. Aus dem gleichen Material ließ er auch eine Uhr herstellen. „Deren runden Klang kann man nicht orten“, demonstriert er mit einem Kochlöffel. „Der verliert sich überhaupt nicht“, ist Plank begeistert.

Heiko Plank fährt für die Aufnahme auch mit dem Rad herum und fängt Töne aus dem südlichen Odenwald ein. Das kann das Wasserrauschen an der Neckar-Staustufe Hirschhorn sein, genauso aber auch die Motorsägen in Kortelshütte oder die alte Schulhaus-Glocke, die zwei Mal am Tag von unten aus dem Ort heraufschallt. Das Rauschen der Rothenberger Segelflieger hat er noch auf seiner Wunschliste. „Organisiertes und Unorganisiertes zu verbinden bildet für mich einen großen Reiz“, sagt er.

 

 

Info: Heiko Plank gibt auf seinem Instrument, der „plank“, ein 90-minütiges Konzert am Freitag, 20. September, 18 Uhr, in der VHS Badische Bergstraße in Weinheim. Hintergrund ist das deutschlandweite Jubiläum 100 Jahre Volkshochschulen. Mehr unter http://plankworks.eu/

 

Odenwald gegen Motorradlärm

Seit einigen Wochen fallen gelb-schwarze Schilder im Straßenraum ins Auge: „Rücksicht nehmen!“ fordert ein deutlich missgelauntes Kind, während das auf der oberen Plakathälfte abgebildete Motorrad den Adressaten verdeutlicht. Dahinter verbirgt sich eine Aktion der Odenwälder Kommunen gegen Motorradlärm. Denn im vergangenen Jahr war zum einen die Zahl der Unfälle besonders hoch, zum anderen gingen die Beschwerden über Lärmbelästigung durch die Decke.

In diesem Frühjahr und –sommer tagten mehrmals auf Odenwaldkreisebene Bürgermeister, Mitarbeiter der Kommunen, der Polizei und des Landratsamtes. Ziel war es, Maßnahmen gegen den in den Sommermonaten gefühlt immer mehr werdenden Lärm, hervorgerufen durch manche Motorradfahrer, zu finden.

Denn wenig befahrene Straßen und tolle Kurven ziehen jeden Sommer Biker aus nah und fern an, weiß Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer aus eigener Erfahrung. In der Südkreis-Stadt sind besonders die Hangstadtteile wie Rothenberg und Kortelshütte besonders betroffen, wo an einem Tag mehrere hunderte Biker vorbeibrausen. Dazu kommt noch die schöne Aussicht auf die Odenwälder Natur, die für „Andrang“ sorgt. Das Ergebnis sind aber auch immer wieder schwere Unfälle, zeigen die Polizeistatistiken.

Das geschnürte Maßnahmenpaket ist umfangreich. Die Landespolizei führt regelmäßig Kontrollen durch. Das Landratsamt informiert bei der Zulassung von Zweirädern. Viele Odenwaldkommunen beteiligen sich zudem an der Plakataktion. Die gelb-schwarzen Plakate hängen an vielen Stellen im Kreisgebiet und auch im benachbarten Kreis Bergstraße.

Sie sind überall dort zu finden, wo den Erfahrungen nach eine unangepasste Fahrweise – etwa starkes Beschleunigen – die Bewohner aus der Ruhe bringt. Mal niedertourig fahren und nicht gleich am Ortsausgang die Maschine hochziehen, würde schon viel helfen, so die Anregung. Unterstützt wurde die Aktion durch ein Sponsoring der Odenwälder Verkehrswacht.

Zielgruppe sind laut den Beteiligten nicht die 95 Prozent der anständig Fahrenden, sondern die schwarzen, Gas gebenden Schafe, die teilweise auch ihre Maschinen manipulieren. Aber man will daneben alle Biker auf Stellen aufmerksam machen, wo nicht gleich auf den ersten Blick klar wird, dass man andere stört. Die Initiatoren betonen: „Wir freuen uns über jeden Gast, auch auf zwei Rädern, der seine Freizeit im Odenwald verbringt.“

Allerdings wollen die Kommunen die Beschwerden ihrer Bürger sehr ernst nehmen. Denn die können teilweise kein entspanntes Wochenende mehr auf der Terrasse genießen, was Lebens- und Wohnqualität mindert. Einige Bewohner sprechen hierbei schon von ,,Terror auf zwei Rädern“ und wünschen sich noch mehr Streckensperrungen. „Allerdings führt dies nur zu Verlagerungen“, betonen die Verantwortlichen. Ein gemeinsames Miteinander ist deshalb für sie das Ziel – und nicht der Ausschluss einer ganzen Gruppe, die sich überwiegend an die Regeln hält.

 

 

Mit dem Goggo auf den Berg zur Alten Pumpe

Alte Schnauferl vor der Alten Pumpe: Das passt. Die Goggo- und Kleinwagen-Interessengemeinschaft (IG) Main-Kinzig-Kreis machte auf ihrer Ausfahrt über zwei Stunden lang Station am Industriedenkmal an der Landesstraße zwischen Rothenberg und Kortelshütte. Philipp Foshag und Thomas Wilcke vom Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVR) brachten den Teilnehmern dort die frühere Form der Wasserversorgung auf dem Sandsteinhügel näher.

17 Kleinwagen, meistens Goggos, aber auch zwei Lieferwagen und ein Messerschmitt-Kabinenroller mit 30 Personen waren den Berg hinaufgeschnauft. Nach der Besichtigung ging es weiter durch den Odenwald nach Zell. Die IG, deren Mitglieder neben dem Odenwald unter anderem aus den Ecken Stuttgart, Calw, Pforzheim, Oberallgäu oder Sigmaringen kommen, unternimmt jedes Jahr eine andere Tour, war zu erfahren.

Dieses Jahr gab es eine kurzfristige Änderung der Route, nachdem die Sperrung der Strecke ab Hirschhorn durchgesickert wird. Mit dem Goggo lohnt sich trotz der Oldtimer-Klassifizierung kein H-Kennzeichen, hieß es von den Fahrern. Denn aufgrund des kleinen Hubraums liegen die Autos deutlich unter H-Versteuerung für Fahrzeuge mit mehr Power unter der Motorhaube. Bei Sonnenschein wurde später ein ausgiebiges Picknick auf dem Parkplatz eingelegt.

Mit dem damaligen Wunderwerk der Technik war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts endlich möglich, zuerst für Rothenberg und dann auch für Kortelshütte sowie Ober-Hainbrunn eine gesicherte öffentliche Wasserversorgung herzustellen, erläuterte Wilcke den Interessierten. Denn der Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe beförderte das Nass vom Gammelsbachtal über 290 Höhenmeter in den Rothenberger Hochbehälter.

In den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor „herrschte Wasserknappheit“, so der VV-Vorsitzende. Durch den Sandsteinuntergrund sei das Wasser sehr schnell versickert. Auch Tiefbrunnen konnten die Misere nicht lösen. Ab dem 19. Jahrhundert wurden Stollen in den Felsen getrieben, um des kühlen Nass‘ habhaft zu werden. Im Unterdorf auf 400 Meter „ging das auch recht gut“, erzählt Wilcke. Dort zeugt noch der Laufbrunnen mit seinen vier Trögen vom Erfolg der Bohrungen.

Weiter oben „herrschten aber regelmäßig Wassernotstände“. Beschwerden über die unhaltbare Situation drangen bis nach Darmstadt vor. Dort, erläutert der Vereinsvorsitzende, sei am Ende des 19. Jahrhunderts eine Art „Konjunkturprogramm“ aufgelegt worden, um auch die abgelegenen Odenwald-Gemeinde ans öffentliche Wassernetz anzuschließen.

Zupass kam den damaligen Ingenieuren laut Wilcke, dass es auf 250 bis 270 Meter in beiden Tälern Tonschichten gab, auf denen sich das Wasser sammelte und ergiebige Quellen speiste. „40 Meter unterhalb wurde der ‚Große Brunnen‘ im Gammelsbachtal gefasst“, so Wilcke. Die dort erreichten vier Bar Wasserdruck reichten, um mit dem Motor der Schweizer Firma Schmid das Nass fast 300 Meter in die Höhe pumpen zu können. „Die Wasserleitung war sogar 2,5 Kilometer lang.“

Das Neckartal ist demnächst nur noch auf Umwegen zu erreichen

Das Neckartal ist von der Höhe aus demnächst nur noch mit Einschränkungen zu erreichen. Denn Ende Juni startet die Fahrbahnerneuerung auf der Landstraße 3410 zwischen Kortelshütte und Hirschhorn (Brombacher Wasser) auf etwa dreieinhalb Kilometern. Sie soll dann bis August andauern, erhielten die Ortsbeiräte als Info auf der vergangenen Sitzung. Die offizielle Umleitung erfolgt über Beerfelden. Zusätzlich werden die Strecken zwischen Rothenberg und Ober-Hainbrunn sowie Finkenbach während dieser Zeit als Einbahnstraßen ausgewiesen werden.

„Hier sollte von der Stadt beachtet werden, ab wo die Einbahnstraßenregelung gilt“, so der Wunsch der Mandatsträger. Ihr Vorschlag lautete Richtung Finkenbach ab Beginn des Waldes, Richtung Ober-Hainbrunn ab dem Weg zum Friedhof. Zusätzlich sollten die Straßen, vor allem in Richtung Hainbrunn, auf Straßenschäden überprüft und durch den Bauhof mit Kaltasphalt ausgebessert werden. Denn diese Strecke hat etliche Schlaglöcher.

Einige Rothenberger fahren morgens mit dem Bus nach Hirschhorn und müssen dort die S-Bahn erreichen. Deshalb wurde der Wunsch an die Stadt herangetragen, über die OREG abzuklären, ob dies gewährleistet werden kann und wann die Busse während der Bauzeit fahren.

Zusätzlich zur Hundetoilette in der Verlängerung des Stichwegs Höhenstraße sollen noch drei weitere aufgestellt werden, so die Mittelung: am Sportplatz Rothenberg, auf dem Weg Richtung Schomen (an der „Doppeleiche“) und an der Schutzhütte bei den „Lehmlöchern“. Von einem Zuhörer kam die Anregung, größere Müllbeutel zu deponieren. Denn mit den sehr kleinen bestünden doch Probleme, diese anschließend zu verknoten. Vorreiter in Hinsicht XXL-Tüten ist Beerfelden.

Der Ortsbeirat hatte bereits angeregt, ob von Mai bis September zusätzliche Termine für die Grünschnittannahme im Bauhof Rothenberg möglich sind. Derzeit ist diese jeden zweiten Samstag im Monat möglich. Da die Bauhofmitarbeiter einmal in der Woche bis 16.30 Uhr arbeiten, wurde nachgefragt, eventuell an diesem Tag von 16 bis 16.30 Uhr in den Sommermonaten Grünschnitt anzunehmen. Bürgermeister Christian Kehrer will prüfen, ob dies machbar ist.

Über das Regionalbudget der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) können Projekte in der Gemeinde bezuschusst werden, lautete eine weitere Information. Der MGV Rothenberg versucht eine Schrankwand mit abschließbaren Kühlschränken für den Mannschaftsraum in der Sporthalle mitfinanziert zu bekommen. Diese Kühlschränke könnten dann von verschiedenen Vereinen benutzt werden.

Über den Ortsbeirat wurde bereits in einer vergangenen Sitzung angeregt, am Metzkeil in Rothenberg einen Stromanschluss zu installieren. Den könnten die Vereine für Festivitäten wie etwa am Rad- und Inlinertag nutzen. Eine neue Standsäule kostet etwa 3000 Euro, wurde nun berichtet. Weiterhin sind jährliche Zählerkosten von etwa 100 Euro fällig. Es soll jetzt geprüft werden, ob der in der Nähe liegende Anschluss der Kirchenbeleuchtung genutzt werden kann.

Stadtbaumeister Peter Bauer kümmert um die Planausarbeitung für den zusätzlichen Unterstand auf dem Friedhof. Im Ortsbeirat soll dann der ausgearbeitete Vorschlag vorgestellt werden. Der Blumenschmuck, jedes Jahr auf öffentlichen Bereichen gepflanzt, wird auch weiterhin von der Stadt bezahlt, hieß es. Er fällt nicht in das jährliche Budget des Ortsbeirats von 1900 Euro. Farben, die der Verkehrs- und Verschönerungsverein zur Pflege der Parkbänke benötigt, können über die Stadt abgerechnet werden.

Wissenswertes über Rothenbergs Alte Pumpe

Das wechselhafte Wetter ließ dieses Mal nicht so viele Ausflügler die Odenwald-Strecke nehmen. Beim Mühlentag am Pfingstmontag machten sich weniger Besucher als im vergangenen Jahr auf zum Industriedenkmal „Alte Pumpe“ an der Landesstraße zwischen Kortelshütte und Rothenberg. 2018 herrschte auch wirklich eine hervorragende Witterung, die den Aktiven vom Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVR) einen neuen Rekord bescherte. Zwei Mal im Jahr öffnet der VVR die Hütte für die Öffentlichkeit.

„Mich fasziniert, was vor über 100 Jahren technisch schon möglich war“, sagt VVR-Vorsitzender Thomas Wilcke. Das Bauwerk hat für ihn „einen ganz besonderen Wert“, da es heutzutage in seiner Art einzigartig und Relikt einer vergangenen Zeit ist. Damals wurde viel Geld für die Herstellung des Wassernetzes in die Hand genommen, erzählt er.

Dass Rothenberg aufgrund der herrschenden Not an fließendem Nass nicht irgendwann abfackelte, „war reine Glückssache“, blickt Wilcke zurück. Deshalb legte sogar die Brandversicherung Ende des 19. Jahrhunderts noch etwas drauf, als es um die Leitungsverlegung ging. Unter der Bevölkerung gab es eine Umfrage, ob man sich für eine Summe X an das Netz anschließen wolle.

Mit der Pumpe war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts endlich möglich, zuerst für Rothenberg und dann auch für Kortelshütte sowie Ober-Hainbrunn eine gesicherte öffentliche Wasserversorgung herzustellen, erläutert Wilcke. Denn der Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe beförderte das Nass vom Gammelsbachtal über 290 Höhenmeter hinauf in den Rothenberger Hochbehälter.

Schmunzelnd weist der VVR-Vorsitzende auch auf die schnelle Realisierung eines für damalige Zeiten Mammutprojekts hin, verglichen mit heutigen Großbaustellen wie dem BER oder Stuttgart 21. Geplant wurde seinen Worten zufolge ab Mitte 1898, im Jahr 1902 war bereits alles fertig. Die an diesem Tag gezeigte Power-Point-Präsentation über die Pumpe erarbeitete Oberzent-Schüler Philipp Foshag als Abschlussarbeit zusammen mit Wilcke.

In den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor „herrschte Wasserknappheit“, weiß der VVR-Vorsitzende. Durch den Sandsteinuntergrund versickerte das Wasser auf dem Berg sehr schnell. Auch Tiefbrunnen konnten die Misere nicht lösen. Ab dem 19. Jahrhundert wurden Stollen in den Felsen getrieben worden, um des kühlen Nass‘ habhaft zu werden. Im Unterdorf auf 400 Metern „ging das auch recht gut“, erzählt Wilcke.

Weiter oben nicht. Beschwerden über die unhaltbare Situation drangen bis nach Darmstadt. Dort wurde am Ende des 19. Jahrhunderts eine Art „Konjunkturprogramm“ aufgelegt, um auch die abgelegenen Odenwald-Gemeinden ans öffentliche Wassernetz anzuschließen. Zupass kam den damaligen Ingenieuren, dass es auf 250 bis 270 Meter in beiden Tälern Tonschichten gab, auf denen sich das Wasser sammelte und ergiebige Quellen speiste.

„40 Meter unterhalb von diesen wurde der ‚Große Brunnen‘ im Gammelsbachtal gefasst“, so Wilcke. Die dortigen vier Bar Wasserdruck reichten, um mit dem Motor der Schweizer Firma Schmid das Nass fast 300 Meter in die Höhe pumpen zu können. „Das wurde nicht erst ausprobiert“, sagt er, sondern im Vorfeld „ingenieurmäßig durchgerechnet“, damit die Installation kein Reinfall würde.

„Dieser Wassermotor ist ein Unikat. Den gibt es nur noch ein weiteres Mal in Deutschland“, weiß er. Weil die Anlage so wartungsanfällig war, wurde sie 1904, zwei Jahre nach Fertigstellung, gleich ein zweites Mal installiert – damit immer eine in Betrieb sein konnte. Mit dem Druckwasser lässt sich die Energie gewinnen, führt Wilcke aus.

Nach dem Ausbau von Wassermotor und Pumpe aus dem alten Pumpenhaus im Tal des Clemensbrunnens auf Gammelsbacher Seite erfolgte Ende der 1990er Jahre die aufwändige Restaurierung durch den Verein Museumsstraße Odenwald. „Wir haben damals die Wasserwerke Zürich wegen Rat angefragt“, erinnert er sich. Die hatten aber ein jüngeres Schmid-Modell in Betrieb „und wünschten uns nur viel Glück“, meint Wilcke rückblickend lachend.

Info: Eine Besichtigung der Anlage ist nach Anmeldung bei Thomas Wilcke, Telefon 06275/1027, oder der Stadt Oberzent, Telefon 06068/7590-805, möglich. Erklärungen im Internet unter http://www.vvrothenberg.de/wassermotor/

 

Schmid’scher Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe:

Ähnlich einer Dampfmaschine drückt das Wasser auf die Kolben der zweizylindrigen Maschinen. Die Kolbenstangen übertragen die Bewegung und die Kraft auf die Kurbelwelle. Auf der einen Seite der Kurbelwelle sitzt das Schwungrad, auf der anderen Seite die Kupplung, die Motor und Pumpe miteinander verbindet. Beachtenswert ist die Steuerung der Wassermotoren durch die unterhalb der Zylinder angeordneten Schieber.

Die Zylinder sind mittels Zapfen in je zwei zur Zylinderachse parallele Stangen gelagert. Durch die Bewegung des Kurbelgetriebes werden die Zylinder in eine schwingende Bewegung versetzt.  Dadurch werden die Öffnungen der Kanäle an der Unterseite der Zylinder am kreisbogenförmigen Schieberspiegel abwechselnd mit der Öffnung des Druckrohres oder einer der beiden Öffnungen des Entleerungsrohres in Verbindung gebracht.

Der Zylinder füllt sich somit abhängig von seiner Lage entweder von vorn oder von hinten Da der Wasserdruck bestrebt ist, den Zylinder vom Schieberspiegel abzuheben, kann man mit der richtigen Einstellung der Schraube mit Handrad das Verhältnis zwischen Leckwasser und Schieberreibung optimieren.

Stadt Oberzent liegt wegen früheren Haus-Cordula-Zuschüssen im Clinch mit dem Land

Frühere Darlehen und Zuschüsse für das evangelisch-lutherische Haus Cordula in Kortelshütte, nach dessen Insolvenz inzwischen Teil der Azurit-Gruppe, hängen der neuen Stadt nach wie vor wie ein Klotz am Bein. Wegen einer speziellen Förder-Konstruktion war das ehemalige Rothenberg Empfänger der Gelder vom Land und nicht das Seniorenheim selbst. Aufgrund der zwischenzeitlichen Pleite 2014 will das hessische Sozialministerium die Gelder zurück. „Nicht mit uns“, sagte die Verwaltung vor mehr als zwei Jahren und reichte Klage ein. Oberzent ist nun Rechtsnachfolger.

Vor kurzem gab es einen Anhörungstermin vor dem Darmstädter Verwaltungsgericht, der aber keine Einigung brachte. Das Land wollte dort auf einen Großteil der Forderungen nicht verzichten, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. „Das war keine Basis für eine gütliche Einigung“, sagte er, „dann lassen wir verhandeln“.

Vom Richter sei die Förderpraxis hinterfragt worden, berichtete der Rathauschef. Auch der hessische Städte- und Gemeindebund überprüft diese. Denn je nach Ausgang würde keine Gemeinde mehr diese Art der Förderung praktizieren, „wenn die in Haftung genommen wird“. Kehrer weiß etwa von einem Fall in Brensbach, wo die Gemeindevertretung das Prozedere ablehnte. Denn diese Zuschusspraxis gibt es nach wie vor.

Kehrer zufolge gab es einen Grundbucheintrag zugunsten des hessischen Sozialministeriums über 2,4 Millionen Mark. Im Rahmen der Insolvenz und des Verkaufs „hat das Ministerium diese Grundschuld stornieren lassen“, betonte er. Da das Land diese Sicherheit „sausen ließ“, sei die Stadt nicht bereit einzuspringen, hob der Bürgermeister hervor.

Er rechnet damit, dass es – nach einer zwischenzeitlichen Beratung beider Parteien – eine zweite Anhörung geben wird. Die Entscheidung wird auf jeden Fall noch dauern. Es dreht sich um einen Streitwert von etwa 925.000 Euro, für die Oberzent gerade stehen soll, davon etwa 725.000 Euro Zuschüsse, der Rest Darlehen. Im aktuellen Haushalt 2019/2020 stehen 350.000 Euro als Puffer drin.

Die Zuschüsse und das Darlehen wurden dem Haus Cordula in den Jahren 1995 und 2004 in einer Gesamthöhe von etwa zwei Millionen Euro gewährt. Hintergrund waren Erweiterungs- und Modernisierungswünsche des Alten- und Pflegeheims. Aber, und das ist das Spezielle dabei, die Gelder wurden im Auftrag des Landes von der Kommune an den damaligen Betreiber ausgezahlt.

Die Rückforderung ergibt sich aus dem Betreiberwechsel vor mehr als vier Jahren nach der Insolvenz. Damit fiel der Zweck der damaligen Darlehen und Zuschüsse weg, unter dem diese dem früheren, dann insolventen Trägerverein evangelisch-lutherisches Haus Cordula gewährt wurden. Für den Umbau des Gebäudes, Modernisierung und Aufstockung, aber nicht für zusätzliche Pflegeplätze flossen damals die Gelder.

Bei den früheren Entscheidungen ging es darum, den größten Arbeitgeber im Ort zu unterstützen und den Fortbestand des Hauses zu sichern – im Nachhinein vergebens. In Abwägung des Für und Wider stimmte die Gemeinde damals dieser eigentlich paradoxen Zuschussgewährung von Landesmitteln über die Kommune zu, hatte schon der frühere Rothenberger Bürgermeister Hans Heinz Keursten Ende 2016 erläutert.

Denn „das Haus Cordula und das Ministerium verhandelten, aber die Kommune bekam den Bescheid und haftete“, so der heutige Finkenbacher Ortsvorsteher. Natürlich, meinte er auf einer damaligen Gemeindevertretersitzung, „hätten wir den Bescheid nicht annehmen müssen“. Aber dann wäre auch der Fortbestand der Einrichtung auf dem Spiel gestanden.

Foot: privat