Ansturm auf die Kortelshütter Wildsau

Max Fink, Sven Völker, Felix Götz und Florian Fink sind die Meister des Apfelmosts. Sie keltern wie die Weltmeister. In schöner Regelmäßigkeit werden erst die Äpfel zerstampft, ehe sie dann in die Presse kommen, die wiederum den leckeren Süßmost ausspuckt, der reißenden Absatz bei den Besuchern des Kelterfestes findet. Das Getränk war jedoch nur eine Spezialität von vielen, die die Brandschützer am Dorfgemeinschaftshaus auftischten.

Der Besuch bei der 28. Auflage der Traditionsveranstaltung war bei herrlichem Wetter mal wieder sehr gut. Die Bembelparty am Abend zog ebenfalls viele Gäste an, darunter zahlreiche Wehren aus der Umgebung angesagt. Das passende Ausflugswetter lockte die Ausflügler in Scharen auf die Höhe. Die kamen nicht nur aus Oberzent, sondern auch aus dem Neckartal und sogar der Unterzent.

Über die Mittagszeit waren die Plätze an den 20 aufgestellten Bierbankgarnituren sehr gut belegt, es kamen bestimmt über 200 Besucher zu den Spitzenzeiten auf den Berg. Neben den Kameraden der befreundeten Wehren beobachteten die Wehrleute viele Auswärtige, die ihre Gastfreundschaft sowie das ausgefallene Speisen- und Getränkeangebot zu schätzen wussten.

Ein Schwarzkittel schmorte auf dem Grill vor sich hin. Statt Gulasch kam unter anderem Gyros auf den Tisch, dazu auch ein Odenwälder Käseteller mit ein paar Spezialitäten. Äpfel gab es dieses Jahr leider nicht so viele wie 2018. Man kam „nur“ auf 400 Kilo, die den Weg in die Presse fanden. Was vom Süßmost übrig bleibt, wird für Apfelwein angesetzt. Über den Winter werden die Behälter im Sandsteingewölbekeller von Sven Völker gelagert, der dafür beste Bedingungen bietet.

Insgesamt waren rund um die Veranstaltung 20 Helfer aus der gesamten Feuerwehr aktiv. „Es werden leider immer weniger“, bedauert Völker. Viele Speisen wurden vor Ort selbst zubereitet, so das frisch gekochte Sauerkraut, die Semmelknödel, der Kartoffelsalat oder der Zwiebelkuchen. „Wir wollen die Traditionen bewahren“, betont Götz. Gerade weil in Kortelshütte eben nicht nach Schema F abläuft, sondern alle viel Herzblut investieren. Der Andrang ist dann auch eine schöne Bestätigung. Die Gäste wissen zu schätzen, dass beim Kelterfest viel selbst Hergestelltes auf den Teller und ins Glas kommt.

 

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Großes Interesse an der Stadtgeschichte trotz schlechtem Wetter

Zum „offiziellen“ Start der Stadtführungen hätte das Wetter ein wenig besser sein dürfen. Aber die Bindfäden von oben taten dem Interesse an Beerfeldens Geschichte keinen Abbruch. Zum ersten Rundgang am Tag des offenen Denkmals kamen 25 Interessierte, mit Regenschirmen bewaffnet, vor dem Oberzent-Museum zusammen, wo zuvor bereits der Tag eröffnet worden war. Die Generationenhilfe Oberzent kümmerte sich hier im trockenen Zelt um die Stärkung.

Die Stadtführungen „waren schon jahrelang ein Thema“, sagte Bürgermeister Christian Kehrer. Mehrfach wurde in der vergangenen Zeit gefordert, sie auch für die breite Öffentlichkeit anzubieten. „Wir haben uns deshalb gesagt, jetzt müssen wir mal ran“, so der Verwaltungschef. Der Denkmal-Tag bot sich für den Start an. Vor zwei Monaten gab es dann eine interne Abklärung.

Stefanie Ampferl wirkte dabei federführend mit und nahm Kontakt mit allen Beteiligten auf. Später klinkten sich auch die Kirchen mit ein. Sie zog gestern ein positives Fazit der Veranstaltung, wenn diese natürlich durch die ungastliche Witterung beeinträchtigt war. Auch wenn nachmittags der Andrang bei der dritten Stadtführung übersichtlich war, so erfreute sich dann das Apothekenmuseums eines schönen Zuspruchs.

Die Stadtführungen, durchgeführt von Flora Berger und Brigitte Sauer, sollen im kommenden Jahr kontinuierlich angeboten werden, erläuterte Kehrer. Zum einen mit festen Terminen im Jahresplan, zum anderen aber auch auf Nachfrage durch Gruppen buchbar. „Wir überlegen uns dazu was Thematisches“, sagte er. Und was bietet sich im Odenwald da besser an als etwas Kulinarisches mit regionalen Spezialitäten. Das Gesamtziel: Oberzent touristisch voranbringen und besser vermarkten.

Am Eröffnungstag führte Flora Berger in typischer Odenwälder Tracht gleich drei Mal die Wissbegierigen durch die Stadt. Obwohl erst 19 Jahre alt, verfügt sie doch über jahrelange Erfahrung dabei. Als 15-Jährige war sie bereits die jüngste Stadtführerin des Odenwaldkreises. Wetterbedingt ging’s etwas zügiger als sonst im Galopp an den markanten Punkten vorbei.

Auf halber Höhe der Rollgasse bleibt Flora Berger stehen und deutet auf ein altes, schon in die Jahre gekommenes Haus auf der rechten Straßenseite. „Das ist das älteste Gebäude in Beerfelden“, erläutert sie. Das Haus mit den weißen Holzschindeln wurde im Jahr der französischen Revolution, 1789, erbaut. Seine Besonderheit liegt darin, dass es als einziges den großen Brand von 1810 überstand, der ansonsten die komplette Altstadt vernichtete.

Im Oberzent-Museum sind geschichtliche Zeugnisse der Region und ihrer Bürger zu sehen, erklärt die Jugendliche. Die Bedeutung des unterhalb gelegenen heutigen Zwölf-, früheren Acht-Röhren-Brunnens für die städtische Wasserversorgung war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts existenziell, so Flora Berger. Weiter geht’s danach die Rollgasse hinauf bis zum Bürgerhaus. Das „war früher das Rathaus und noch früher die Volksschule“. 1886 wurde es umgebaut und erhielt damals ein weiteres Stockwerk. Vor kurzem wurde es gerade wieder saniert.

2015 jährte sich die Wiedereinweihung der Martinskirche nach dem großen Brand zum 200. Mal – auch die Kirche war 1810 Opfer des Feuers. Früher war der Eingang ein Stockwerk höher, denn eine große Treppe führte direkt ins erste Obergeschoss, von wo aus es geradeaus ins Kirchenschiff weitergeht. Als der Marktplatz umgestaltet wurde, fiel ihm die Treppe zum Opfer. Ab 1876 war vor dem Gotteshaus ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 zu finden, das jetzt auf der Sensbacher Höhe steht.

Neben dem Pfarrhaus zeigt Berger den Interessierten auch andere Stadtbild prägende Gebäude, „die in ihrer Art typisch für die Bauweise nach dem Brand waren“. Die ehemalige Jugendherberge im blauen Haus (von 1941 bis 1971) liegt ebenso auf dem Weg wie der „Beerfelder Knast“. Den gab es dort zwischen 1859 und 1923.

 

Tag des Denkmals in Oberzent

Das Heimatmuseum öffnete seine Pforten ebenso wie das Apothekenmuseum von Jürgen Frank, beide in Beerfelden. Die evangelische Martinskirche Beerfelden mit ihrem Turm war zu besichtigen wie auch die ehemalige Wallfahrtskirche St. Marien in Schöllenbach. Bereits oft dabei: die „Alte Pumpe“, der Schmid‘sche Wassermotor zwischen Rothenberg und Kortelshütte. Hier wirkte der Verkehrs- und Verschönerungsverein Rothenberg.

Die Kultur im Odenwald voranbringen

Individuelle Kunst und Kultur abseits der Städte, im Odenwald, fördern: Dieses Ziel hat sich Heiko Plank auf die Fahnen geschrieben. Der 55-jährige Gitarrist lebt schon seit etlichen Jahren im Oberzent-Stadtteil Kortelshütte, ist mit seiner selbstgebauten, achtsaitigen „plank“ aber auch ein vielgefragter Weltenbummler, den es nach Indien im vergangenen Jahr nun in die Nähe von Rom verschlug.

Viele Künstler, betont Plank, „leben im Odenwald, weil sie sich das urbane Umfeld nicht leisten können“. Ateliers, Studios, Werkstätten finden sich hier, „aber es fehlt die Bündelung, die organisatorische Konzentration“. Die wäre etwa gerade für das Antragswesen wichtig, um an Fördertöpfe zu kommen. Das Problem: „Die Gemeinden haben kein Geld für einen Kulturhaushalt.“ Deshalb kann es nur über eine Spendenakquise laufen. Er nennt unter anderem als Sponsoren die Robert-Bosch-Stiftung oder BASF Tor 4, wohin er letztens – leider erfolglos – seine Fühler ausstreckte.

Denn: Auf dem Land, hat er festgestellt, ist auf den dortigen Festivitäten meist wenig Raum für eine manchmal etwas speziellere, originäre Herangehensweise an Themen. Die Eigenständigkeit, bedauert Plank, „kommt zu kurz“, weil es keine Förderung gibt. „Je weiter weg aus der Stadt, desto mehr Cover sieht und hört man“, meint er als Feststellung – und nicht wertend.

„Spiel doch mal was Bekanntes“, laute ein oft gehörter Satz. „Anerkannt und gefördert wird das, was allgemein gefällt“, bedauert er. So oder so ähnlich gehe es in allen künstlerischen Sparten zu. Das Ergebnis für Plank: „Viele meiner Kollegen ‚harmonisieren‘ ihre Kunst zugunsten des allgemeinen Geschmacks.“

Er will einen Beitrag leisten zum Zusammenführen der Gesellschaft in der ländlichen Region im Zeichen von Kunst und Kultur. „Im Kultur- und Freizeitbereich fehlen Infrastrukturen“, analysiert der Gitarrist. Eine geringe Bevölkerungsdichte, wenige Kulturangebote und die breite räumliche Streuung machen es den Kulturschaffenden auf dem Land schwer.

Wenn es mehr Sponsoren gäbe, würde das laut Plank auch die eigene Kreativität fördern. Nach dem Motto: „Hast du eine eigene Geschichte in der Schublade?“ Oder ein Orchesterwerk geschrieben? Dem Kortelshütter geht es auch darum, seinen eigenen Horizont zu erweitern, andere Künstler kennenzulernen und gemeinsame Strategien zu entwickeln.

„Ich arbeite weiter daran und will schauen, was sich ergibt“, lässt sich Plank von der BASF-Absage nicht entmutigen. Denn die war ein erster Schritt. Es wäre ein nachhaltig lohnendes Unterfangen, ein differenziertes Kulturangebot im Odenwald zu schaffen, betont er, in dem möglichst alle Akteure miteinander in Verbindung gebracht werden, „um künstlerische Freiheit zu schaffen“.

Was Heiko Plank klanglich unter seiner Region versteht, setzt er gerade bei einem Kompositionsauftrag für den HR2 um. Das Ergebnis soll im Frühherbst zu hören sein. „Aktuell bin ich etwa bei Minute 15“, erläutert er – von 40. Er spielt darauf seine „plank“, deren Aluminium-Variante statt der bisher in Holz ausgeführten gerade als Rohbau neben ihm liegt.

Drei Monate hat der Gitarrist daran gewerkelt. „Ein glockenklarer Klang“, schwärmt er, weil das sehr reine Metall gegossen und nicht gefalzt wurde. Aus dem gleichen Material ließ er auch eine Uhr herstellen. „Deren runden Klang kann man nicht orten“, demonstriert er mit einem Kochlöffel. „Der verliert sich überhaupt nicht“, ist Plank begeistert.

Heiko Plank fährt für die Aufnahme auch mit dem Rad herum und fängt Töne aus dem südlichen Odenwald ein. Das kann das Wasserrauschen an der Neckar-Staustufe Hirschhorn sein, genauso aber auch die Motorsägen in Kortelshütte oder die alte Schulhaus-Glocke, die zwei Mal am Tag von unten aus dem Ort heraufschallt. Das Rauschen der Rothenberger Segelflieger hat er noch auf seiner Wunschliste. „Organisiertes und Unorganisiertes zu verbinden bildet für mich einen großen Reiz“, sagt er.

 

 

Info: Heiko Plank gibt auf seinem Instrument, der „plank“, ein 90-minütiges Konzert am Freitag, 20. September, 18 Uhr, in der VHS Badische Bergstraße in Weinheim. Hintergrund ist das deutschlandweite Jubiläum 100 Jahre Volkshochschulen. Mehr unter http://plankworks.eu/

 

Odenwald gegen Motorradlärm

Seit einigen Wochen fallen gelb-schwarze Schilder im Straßenraum ins Auge: „Rücksicht nehmen!“ fordert ein deutlich missgelauntes Kind, während das auf der oberen Plakathälfte abgebildete Motorrad den Adressaten verdeutlicht. Dahinter verbirgt sich eine Aktion der Odenwälder Kommunen gegen Motorradlärm. Denn im vergangenen Jahr war zum einen die Zahl der Unfälle besonders hoch, zum anderen gingen die Beschwerden über Lärmbelästigung durch die Decke.

In diesem Frühjahr und –sommer tagten mehrmals auf Odenwaldkreisebene Bürgermeister, Mitarbeiter der Kommunen, der Polizei und des Landratsamtes. Ziel war es, Maßnahmen gegen den in den Sommermonaten gefühlt immer mehr werdenden Lärm, hervorgerufen durch manche Motorradfahrer, zu finden.

Denn wenig befahrene Straßen und tolle Kurven ziehen jeden Sommer Biker aus nah und fern an, weiß Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer aus eigener Erfahrung. In der Südkreis-Stadt sind besonders die Hangstadtteile wie Rothenberg und Kortelshütte besonders betroffen, wo an einem Tag mehrere hunderte Biker vorbeibrausen. Dazu kommt noch die schöne Aussicht auf die Odenwälder Natur, die für „Andrang“ sorgt. Das Ergebnis sind aber auch immer wieder schwere Unfälle, zeigen die Polizeistatistiken.

Das geschnürte Maßnahmenpaket ist umfangreich. Die Landespolizei führt regelmäßig Kontrollen durch. Das Landratsamt informiert bei der Zulassung von Zweirädern. Viele Odenwaldkommunen beteiligen sich zudem an der Plakataktion. Die gelb-schwarzen Plakate hängen an vielen Stellen im Kreisgebiet und auch im benachbarten Kreis Bergstraße.

Sie sind überall dort zu finden, wo den Erfahrungen nach eine unangepasste Fahrweise – etwa starkes Beschleunigen – die Bewohner aus der Ruhe bringt. Mal niedertourig fahren und nicht gleich am Ortsausgang die Maschine hochziehen, würde schon viel helfen, so die Anregung. Unterstützt wurde die Aktion durch ein Sponsoring der Odenwälder Verkehrswacht.

Zielgruppe sind laut den Beteiligten nicht die 95 Prozent der anständig Fahrenden, sondern die schwarzen, Gas gebenden Schafe, die teilweise auch ihre Maschinen manipulieren. Aber man will daneben alle Biker auf Stellen aufmerksam machen, wo nicht gleich auf den ersten Blick klar wird, dass man andere stört. Die Initiatoren betonen: „Wir freuen uns über jeden Gast, auch auf zwei Rädern, der seine Freizeit im Odenwald verbringt.“

Allerdings wollen die Kommunen die Beschwerden ihrer Bürger sehr ernst nehmen. Denn die können teilweise kein entspanntes Wochenende mehr auf der Terrasse genießen, was Lebens- und Wohnqualität mindert. Einige Bewohner sprechen hierbei schon von ,,Terror auf zwei Rädern“ und wünschen sich noch mehr Streckensperrungen. „Allerdings führt dies nur zu Verlagerungen“, betonen die Verantwortlichen. Ein gemeinsames Miteinander ist deshalb für sie das Ziel – und nicht der Ausschluss einer ganzen Gruppe, die sich überwiegend an die Regeln hält.

 

 

Mit dem Goggo auf den Berg zur Alten Pumpe

Alte Schnauferl vor der Alten Pumpe: Das passt. Die Goggo- und Kleinwagen-Interessengemeinschaft (IG) Main-Kinzig-Kreis machte auf ihrer Ausfahrt über zwei Stunden lang Station am Industriedenkmal an der Landesstraße zwischen Rothenberg und Kortelshütte. Philipp Foshag und Thomas Wilcke vom Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVR) brachten den Teilnehmern dort die frühere Form der Wasserversorgung auf dem Sandsteinhügel näher.

17 Kleinwagen, meistens Goggos, aber auch zwei Lieferwagen und ein Messerschmitt-Kabinenroller mit 30 Personen waren den Berg hinaufgeschnauft. Nach der Besichtigung ging es weiter durch den Odenwald nach Zell. Die IG, deren Mitglieder neben dem Odenwald unter anderem aus den Ecken Stuttgart, Calw, Pforzheim, Oberallgäu oder Sigmaringen kommen, unternimmt jedes Jahr eine andere Tour, war zu erfahren.

Dieses Jahr gab es eine kurzfristige Änderung der Route, nachdem die Sperrung der Strecke ab Hirschhorn durchgesickert wird. Mit dem Goggo lohnt sich trotz der Oldtimer-Klassifizierung kein H-Kennzeichen, hieß es von den Fahrern. Denn aufgrund des kleinen Hubraums liegen die Autos deutlich unter H-Versteuerung für Fahrzeuge mit mehr Power unter der Motorhaube. Bei Sonnenschein wurde später ein ausgiebiges Picknick auf dem Parkplatz eingelegt.

Mit dem damaligen Wunderwerk der Technik war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts endlich möglich, zuerst für Rothenberg und dann auch für Kortelshütte sowie Ober-Hainbrunn eine gesicherte öffentliche Wasserversorgung herzustellen, erläuterte Wilcke den Interessierten. Denn der Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe beförderte das Nass vom Gammelsbachtal über 290 Höhenmeter in den Rothenberger Hochbehälter.

In den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor „herrschte Wasserknappheit“, so der VV-Vorsitzende. Durch den Sandsteinuntergrund sei das Wasser sehr schnell versickert. Auch Tiefbrunnen konnten die Misere nicht lösen. Ab dem 19. Jahrhundert wurden Stollen in den Felsen getrieben, um des kühlen Nass‘ habhaft zu werden. Im Unterdorf auf 400 Meter „ging das auch recht gut“, erzählt Wilcke. Dort zeugt noch der Laufbrunnen mit seinen vier Trögen vom Erfolg der Bohrungen.

Weiter oben „herrschten aber regelmäßig Wassernotstände“. Beschwerden über die unhaltbare Situation drangen bis nach Darmstadt vor. Dort, erläutert der Vereinsvorsitzende, sei am Ende des 19. Jahrhunderts eine Art „Konjunkturprogramm“ aufgelegt worden, um auch die abgelegenen Odenwald-Gemeinde ans öffentliche Wassernetz anzuschließen.

Zupass kam den damaligen Ingenieuren laut Wilcke, dass es auf 250 bis 270 Meter in beiden Tälern Tonschichten gab, auf denen sich das Wasser sammelte und ergiebige Quellen speiste. „40 Meter unterhalb wurde der ‚Große Brunnen‘ im Gammelsbachtal gefasst“, so Wilcke. Die dort erreichten vier Bar Wasserdruck reichten, um mit dem Motor der Schweizer Firma Schmid das Nass fast 300 Meter in die Höhe pumpen zu können. „Die Wasserleitung war sogar 2,5 Kilometer lang.“

Das Neckartal ist demnächst nur noch auf Umwegen zu erreichen

Das Neckartal ist von der Höhe aus demnächst nur noch mit Einschränkungen zu erreichen. Denn Ende Juni startet die Fahrbahnerneuerung auf der Landstraße 3410 zwischen Kortelshütte und Hirschhorn (Brombacher Wasser) auf etwa dreieinhalb Kilometern. Sie soll dann bis August andauern, erhielten die Ortsbeiräte als Info auf der vergangenen Sitzung. Die offizielle Umleitung erfolgt über Beerfelden. Zusätzlich werden die Strecken zwischen Rothenberg und Ober-Hainbrunn sowie Finkenbach während dieser Zeit als Einbahnstraßen ausgewiesen werden.

„Hier sollte von der Stadt beachtet werden, ab wo die Einbahnstraßenregelung gilt“, so der Wunsch der Mandatsträger. Ihr Vorschlag lautete Richtung Finkenbach ab Beginn des Waldes, Richtung Ober-Hainbrunn ab dem Weg zum Friedhof. Zusätzlich sollten die Straßen, vor allem in Richtung Hainbrunn, auf Straßenschäden überprüft und durch den Bauhof mit Kaltasphalt ausgebessert werden. Denn diese Strecke hat etliche Schlaglöcher.

Einige Rothenberger fahren morgens mit dem Bus nach Hirschhorn und müssen dort die S-Bahn erreichen. Deshalb wurde der Wunsch an die Stadt herangetragen, über die OREG abzuklären, ob dies gewährleistet werden kann und wann die Busse während der Bauzeit fahren.

Zusätzlich zur Hundetoilette in der Verlängerung des Stichwegs Höhenstraße sollen noch drei weitere aufgestellt werden, so die Mittelung: am Sportplatz Rothenberg, auf dem Weg Richtung Schomen (an der „Doppeleiche“) und an der Schutzhütte bei den „Lehmlöchern“. Von einem Zuhörer kam die Anregung, größere Müllbeutel zu deponieren. Denn mit den sehr kleinen bestünden doch Probleme, diese anschließend zu verknoten. Vorreiter in Hinsicht XXL-Tüten ist Beerfelden.

Der Ortsbeirat hatte bereits angeregt, ob von Mai bis September zusätzliche Termine für die Grünschnittannahme im Bauhof Rothenberg möglich sind. Derzeit ist diese jeden zweiten Samstag im Monat möglich. Da die Bauhofmitarbeiter einmal in der Woche bis 16.30 Uhr arbeiten, wurde nachgefragt, eventuell an diesem Tag von 16 bis 16.30 Uhr in den Sommermonaten Grünschnitt anzunehmen. Bürgermeister Christian Kehrer will prüfen, ob dies machbar ist.

Über das Regionalbudget der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) können Projekte in der Gemeinde bezuschusst werden, lautete eine weitere Information. Der MGV Rothenberg versucht eine Schrankwand mit abschließbaren Kühlschränken für den Mannschaftsraum in der Sporthalle mitfinanziert zu bekommen. Diese Kühlschränke könnten dann von verschiedenen Vereinen benutzt werden.

Über den Ortsbeirat wurde bereits in einer vergangenen Sitzung angeregt, am Metzkeil in Rothenberg einen Stromanschluss zu installieren. Den könnten die Vereine für Festivitäten wie etwa am Rad- und Inlinertag nutzen. Eine neue Standsäule kostet etwa 3000 Euro, wurde nun berichtet. Weiterhin sind jährliche Zählerkosten von etwa 100 Euro fällig. Es soll jetzt geprüft werden, ob der in der Nähe liegende Anschluss der Kirchenbeleuchtung genutzt werden kann.

Stadtbaumeister Peter Bauer kümmert um die Planausarbeitung für den zusätzlichen Unterstand auf dem Friedhof. Im Ortsbeirat soll dann der ausgearbeitete Vorschlag vorgestellt werden. Der Blumenschmuck, jedes Jahr auf öffentlichen Bereichen gepflanzt, wird auch weiterhin von der Stadt bezahlt, hieß es. Er fällt nicht in das jährliche Budget des Ortsbeirats von 1900 Euro. Farben, die der Verkehrs- und Verschönerungsverein zur Pflege der Parkbänke benötigt, können über die Stadt abgerechnet werden.

Wissenswertes über Rothenbergs Alte Pumpe

Das wechselhafte Wetter ließ dieses Mal nicht so viele Ausflügler die Odenwald-Strecke nehmen. Beim Mühlentag am Pfingstmontag machten sich weniger Besucher als im vergangenen Jahr auf zum Industriedenkmal „Alte Pumpe“ an der Landesstraße zwischen Kortelshütte und Rothenberg. 2018 herrschte auch wirklich eine hervorragende Witterung, die den Aktiven vom Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVR) einen neuen Rekord bescherte. Zwei Mal im Jahr öffnet der VVR die Hütte für die Öffentlichkeit.

„Mich fasziniert, was vor über 100 Jahren technisch schon möglich war“, sagt VVR-Vorsitzender Thomas Wilcke. Das Bauwerk hat für ihn „einen ganz besonderen Wert“, da es heutzutage in seiner Art einzigartig und Relikt einer vergangenen Zeit ist. Damals wurde viel Geld für die Herstellung des Wassernetzes in die Hand genommen, erzählt er.

Dass Rothenberg aufgrund der herrschenden Not an fließendem Nass nicht irgendwann abfackelte, „war reine Glückssache“, blickt Wilcke zurück. Deshalb legte sogar die Brandversicherung Ende des 19. Jahrhunderts noch etwas drauf, als es um die Leitungsverlegung ging. Unter der Bevölkerung gab es eine Umfrage, ob man sich für eine Summe X an das Netz anschließen wolle.

Mit der Pumpe war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts endlich möglich, zuerst für Rothenberg und dann auch für Kortelshütte sowie Ober-Hainbrunn eine gesicherte öffentliche Wasserversorgung herzustellen, erläutert Wilcke. Denn der Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe beförderte das Nass vom Gammelsbachtal über 290 Höhenmeter hinauf in den Rothenberger Hochbehälter.

Schmunzelnd weist der VVR-Vorsitzende auch auf die schnelle Realisierung eines für damalige Zeiten Mammutprojekts hin, verglichen mit heutigen Großbaustellen wie dem BER oder Stuttgart 21. Geplant wurde seinen Worten zufolge ab Mitte 1898, im Jahr 1902 war bereits alles fertig. Die an diesem Tag gezeigte Power-Point-Präsentation über die Pumpe erarbeitete Oberzent-Schüler Philipp Foshag als Abschlussarbeit zusammen mit Wilcke.

In den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor „herrschte Wasserknappheit“, weiß der VVR-Vorsitzende. Durch den Sandsteinuntergrund versickerte das Wasser auf dem Berg sehr schnell. Auch Tiefbrunnen konnten die Misere nicht lösen. Ab dem 19. Jahrhundert wurden Stollen in den Felsen getrieben worden, um des kühlen Nass‘ habhaft zu werden. Im Unterdorf auf 400 Metern „ging das auch recht gut“, erzählt Wilcke.

Weiter oben nicht. Beschwerden über die unhaltbare Situation drangen bis nach Darmstadt. Dort wurde am Ende des 19. Jahrhunderts eine Art „Konjunkturprogramm“ aufgelegt, um auch die abgelegenen Odenwald-Gemeinden ans öffentliche Wassernetz anzuschließen. Zupass kam den damaligen Ingenieuren, dass es auf 250 bis 270 Meter in beiden Tälern Tonschichten gab, auf denen sich das Wasser sammelte und ergiebige Quellen speiste.

„40 Meter unterhalb von diesen wurde der ‚Große Brunnen‘ im Gammelsbachtal gefasst“, so Wilcke. Die dortigen vier Bar Wasserdruck reichten, um mit dem Motor der Schweizer Firma Schmid das Nass fast 300 Meter in die Höhe pumpen zu können. „Das wurde nicht erst ausprobiert“, sagt er, sondern im Vorfeld „ingenieurmäßig durchgerechnet“, damit die Installation kein Reinfall würde.

„Dieser Wassermotor ist ein Unikat. Den gibt es nur noch ein weiteres Mal in Deutschland“, weiß er. Weil die Anlage so wartungsanfällig war, wurde sie 1904, zwei Jahre nach Fertigstellung, gleich ein zweites Mal installiert – damit immer eine in Betrieb sein konnte. Mit dem Druckwasser lässt sich die Energie gewinnen, führt Wilcke aus.

Nach dem Ausbau von Wassermotor und Pumpe aus dem alten Pumpenhaus im Tal des Clemensbrunnens auf Gammelsbacher Seite erfolgte Ende der 1990er Jahre die aufwändige Restaurierung durch den Verein Museumsstraße Odenwald. „Wir haben damals die Wasserwerke Zürich wegen Rat angefragt“, erinnert er sich. Die hatten aber ein jüngeres Schmid-Modell in Betrieb „und wünschten uns nur viel Glück“, meint Wilcke rückblickend lachend.

Info: Eine Besichtigung der Anlage ist nach Anmeldung bei Thomas Wilcke, Telefon 06275/1027, oder der Stadt Oberzent, Telefon 06068/7590-805, möglich. Erklärungen im Internet unter http://www.vvrothenberg.de/wassermotor/

 

Schmid’scher Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe:

Ähnlich einer Dampfmaschine drückt das Wasser auf die Kolben der zweizylindrigen Maschinen. Die Kolbenstangen übertragen die Bewegung und die Kraft auf die Kurbelwelle. Auf der einen Seite der Kurbelwelle sitzt das Schwungrad, auf der anderen Seite die Kupplung, die Motor und Pumpe miteinander verbindet. Beachtenswert ist die Steuerung der Wassermotoren durch die unterhalb der Zylinder angeordneten Schieber.

Die Zylinder sind mittels Zapfen in je zwei zur Zylinderachse parallele Stangen gelagert. Durch die Bewegung des Kurbelgetriebes werden die Zylinder in eine schwingende Bewegung versetzt.  Dadurch werden die Öffnungen der Kanäle an der Unterseite der Zylinder am kreisbogenförmigen Schieberspiegel abwechselnd mit der Öffnung des Druckrohres oder einer der beiden Öffnungen des Entleerungsrohres in Verbindung gebracht.

Der Zylinder füllt sich somit abhängig von seiner Lage entweder von vorn oder von hinten Da der Wasserdruck bestrebt ist, den Zylinder vom Schieberspiegel abzuheben, kann man mit der richtigen Einstellung der Schraube mit Handrad das Verhältnis zwischen Leckwasser und Schieberreibung optimieren.