Seeweihnacht mitten im Odenwald

Eine Seeweihnacht zwischen Odenwald-Hügeln? Das geht. Matthias Bartmann veranstaltete nach dem Auftakt im vergangenen Jahr heuer die zweite Auflage an der Forellenteichanlage im Finkenbachtal. Was 2017 aus „Jux und Dollerei“ entstand und schon damals als Geheimtipp auf viel Widerhall stieß, lockte in jetzigen Ausführung noch ein paar Gäste mehr an. Das Ambiente zwischen den einzelnen Fischteichen bietet sich dafür mehr als an, um im Kreise Gleichgesinnter ein paar schöne Stunden zu verbringen.

Bartmann zeigte sich vollauf zufrieden mit dem Verlauf. „Das passt alles“, schmunzelte er. Bekannte und Freunde halfen bei der Bewirtung mit, während er selbst den Holzgrill überwachte, auf dem die Lachsforellen brutzelten. Die gab’s dann als Alternative zu den üblichen Weihnachtsmarkt-Speisen (Bratwurst, Waffeln, Crepes) lecker angemacht auf dem Brötchen frisch zum Verzehr. An Nachschub herrschte ja kein Mangel.

Der Rothenberger im Finkenbachtal freute sich über den sehr guten Besuch nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch von Anglerkundschaft aus Heidelberg und Worms. „Wir haben damals zusammen gesessen und überlegt, einen kleinen Weihnachtsmarkt zu machen“, blickte er aufs letzte Jahr zurück. Daraus wurde eine vom Besuch her doch etwas „größere Ausführung“. Eine Wiederholung ist deshalb bereits für kommendes Jahr angedacht.

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An den Ortseinfahrten wird zu schnell gefahren

Es tut sich was im Stadtteil. Nachdem die Ober-Hainbrunner auf ihrer zweiten Ortsbeiratssitzung im August verschiedene Wünsche an die neue Stadt formuliert hatten, gab es bei der aktuellen Zusammenkunft Rückmeldung zur „To-do-Liste“. Ortsvorsteher Stefan Hofmann erläuterte die diversen Maßnahmen.

Ein neues Spielgerät für Kinder unter drei Jahren war vor knapp vier Monaten von den beiden im Ortbeirat vertretenen jungen Müttern thematisiert worden. Es ist nun für den Spielplatz bei der Sporthalle im Haushalt 2019 der Stadt Oberzent eingeplant. Eine zweite Sitzbank steht ebenfalls auf der Wunschliste. Hier gibt es derzeit allerdings Lieferprobleme, erläuterte Hofmann. In diesem Zusammenhang war angeregt worden, die Geschwindigkeit auf dem Zufahrtsweg zu verringern.

Denn von oben herab kommen die Autos viel zu schnell geschossen und gefährden Fußgänger auf diesem Stichweg zum Parkplatz. Entweder soll eine 10-Kilometer-Beschränkung oder eine Spielstraße im kommenden Jahr durch das Ordnungsamt eingerichtet werden. Ein zum Himmel stinkendes Ärgernis sind die Hinterlassenschaften von Hunden. Damit deren Eigentümer diese entsorgen können, wurden Hundemülleimer über die Stadt bestellt und werden vom Bauhof in Rücksprache mit dem Ortsbeirat aufgehängt.

Das an der Kreuzung von Neckar- und Mühlstraße befindliche alte Waagenhäuschen mit Bushaltestelle ist sehr unansehnlich. Dach und Türen sind kaputt, das Pflaster ist abgesackt. Abriss des Schandflecks und Gestaltung der Außenanlage sind laut Hofmann im Haushalt 2019 eingeplant. Die neue Bushaltestelle soll dann von der OREG aufgestellt werden.

Auf Wunsch des Ortsbeirats sollen die Standorte der Ortsschilder auf der L3119 mit der Straßenverkehrsbehörde bei einem Vororttermin überprüft werden. Richtung Unter-Hainbrunn werde das Ortsende suggeriert „und die fahren dann zu schnell um die Kurve“, so Hofmann. Auf der anderen Seite, beim alten Schulhaus, wünscht man sich eine Versetzung weiter nach außen, damit die Autos nicht mit überhöhter Geschwindigkeit in den Ort brettern.

Zu den Wege-Erneuerungen über das Flurbereinigungsverfahren gibt es dem Ortsvorsteher zufolge noch keine Rückmeldung. Wenn diese anlaufen, will man für die Poststraße erreichen, dass in einem Rutsch die Abwasserführung verbessert, Leerrohre für Telekommunikation vorgesehen und die marode Stromleitung erneuert werden. Die Sanierung des alten Gefriertruhenhauses (Vereinslager) wurde neu in die To-do-Liste aufgenommen. An der Sporthalle will man einen Austausch des schlecht zu erreichenden Unterflur- gegen einen Überflurhydranten erreichen.

In diesem Sommer waren Lärm und Geschwindigkeit der Motorräder ein großes Thema in den Oberzent-Stadtteilen. Bürgermeister Christian Kehrer informierte über die vor der kommenden Zweirad-Saison geplanten Maßnahmen wie eine Auftaktveranstaltung, Plakate, Banner und Zivilmotoradstreifen der Polizei. In Kortelshütte laufen die Vorbereitung für eine Bürgerinitiative, deren Gründung Anfang kommenden Jahres ins Auge gefasst ist.

Bürgermeister Kehrer wies beim Thema Windkraft auf die Tagung der Regionalversammlung Südhessen am 14. Dezember hin. Dort steht die Verabschiedung des Regionalplans Erneuerbare Energien an, der im Odenwaldkreis 3,8 Prozent der Fläche für Windenergie zur Verfügung stellen würde. Dagegen rege sich starker Protest von Odenwaldkreis, Kommunen und Bürgern.

Wie der Rathauschef weiter mitteilte, werde Oberzent wohl nicht ohne Straßenausbaubeiträge auskommen. Eine Vorstellung der verschiedenen Möglichkeiten soll es auf der Stadtverordneten-Versammlung am 10. Dezember geben. „Wenn es kein Geld vom Land gibt, dann muss das Geld durch Gebühren oder Steuern kommen“, so Kehrer. Denn sonst fehlt es im Haushalt. Der Wasserpreis in Oberzent werde nach der Erhöhung zum Jahresbeginn 2019 wieder annähernd auf dem früheren Rothenberger Niveau liegen.

Schon 320 Stunden ehrenamtlich am alten Schulhaus gearbeitet

Wenn im 320-Seelen-Dorf etwas zu schaffen ist, dann finden sich dafür immer etliche Helfer. Am Freiwilligentag des Odenwaldkreises Mitte September starteten die Arbeiten im Erdgeschoss des alten Schulhauses. Die Lehrerwohnung im Gebäude neben der Feuerwehr steht schon seit eineinhalb Jahren leer. Sie soll jetzt zu einem Gemeinschaftsraum für die ganze Ortsbevölkerung plus Wahllokal umgebaut werden. „Bisher haben wir rund 320 ehrenamtliche Stunden im Schulhaus gearbeitet“, freute sich Ortsvorsteher Stefan Hofmann. Und es geht weiter.

Zu Beginn wurde eine Zwischenwand rausgestemmt und das Bad entfernt, damit ein Behinderten-WC reinkommen kann. „Die Eingangstür mit den Glasbausteinen hat uns ziemlich aufgehalten“, so Hofmann. Denn da waren Stahlzargen drin. Wandverkleidungen und Türzargen mussten ebenfalls noch raus. Nach dem Abriss einiger Wände, Entfernen des alten Putzes und Ausbau der alten Heizkörper wurden von den Helfern neue Trockenbauwände eingebaut.

Die alten Wasserleitungen wurden zwischenzeitlich entfernt und im Keller komplett neu in Edelstahlausführung verlegt. Elektro- und Abwasserleitungen waren daneben ebenfalls „fällig“, außerdem wurde ein neuer Verteiler gesetzt. Die Ehrenamtlichen schlossen die Decken wieder mit Rigips und stellten die Unterkonstruktionen fertig.

Zwischen drei und sieben Helfern waren bei den vergangenen Arbeitseinsätzen dabei. „Mehr passen nicht rein“, sagte Hofmann. Die Elektroinstallation ist bis auf den Eingangsbereich abgeschlossen. Aktuell steht im WC-Bereich die Verlegung der Wasserleitung an. Noch vor Weihnachten sollen die Heizungs- und Verputzarbeiten erfolgt sein. Diese werden ebenso wie die Isolierung von einer Fachfirma ausgeführt. „Danach können wir im nächsten Jahr den Boden ausbetonieren und den Estrich verlegen“, so Hofmann.

Finkenbacher Adventsmarkt verzaubert die Besucher

Zu Beginn nieselte es noch, aber zum rasch nach Beginn des „Adventszaubers“ wurde es trocken. Die Besucher trauten sich langsam aus den Häusern und pilgerten in die Beerfelder Straße zu den Buden und Ständen. Es war einfach zauberhaft im Finkenbachtal. Von der „Traube“ über Mareikes Backshop bis hin zum Hof Bartmann gab es viele weihnachtliche Geschenkideen, boten Finkenbacher und Auswärtige ihre selbst gefertigten Waren zum Verkauf an.

Mit Erfolg: Die Ortsbevölkerung und auch ein paar „Zugereiste“ aus Gammelsbach, Hirschhorn oder Wald-Michelbach drängten sich um die Stände, sodass die Beschicker des kleinen Adventsmarktes überwiegend zufrieden waren. Eine Wiederholung 2019 ist geplant (Anmeldungen werden schon unter Telefon 06068/4029 entgegen genommen).

Monika Jung zaubert in ihrer Freizeit viele verschiedene Motive aus Holz. Seit drei Jahren widmet sie sich bereits diesem Hobby. Vor einem Jahr feierte sie „Premiere“, inzwischen ist das Sortiment breiter geworden. „Ich habe eine große Verbundenheit mit Holz“, sagt die Finkenbacherin, deren Schwiegereltern lange Jahre die Bürstenfabrik Edelmann führten.

Für ihre Arbeiten verwendet sie Eichen- und Buchenholz aus dem Odenwald. Hergestellt wird, was Monika Jung gerade in den Sinn kommt. Manches davon „ist nicht ganz gerade, die Rinde ist gesprungen oder das Holz hat Unebenheiten“. Das ist aber gewünscht. „Ich will nicht die Handschrift der Natur verfälschen“, betont sie. In der vergangenen Zeit bekam sie sehr viel Zuspruch.

Die Finkenbacherin weitete mit Unterstützung ihres Mannes Thomas in diesem Jahr das Sortiment aus. Sie hat nun Tierfiguren und weitere Motive mit aufgenommen. Ebenso verarbeitet sie Kirsch-, Nuss- und Apfelholz. Adventsgestecke auf Holzbasis passen gut in die Vorweihnachtszeit. „Mir macht das unheimlich Spaß“, so Jung. „Am liebsten würde ich jedes Stück selbst behalten.“ Mit ihren Produkten ist sie am dritten Adventswochenende auch auf dem Weihnachtsmarkt in Hirschhorn vertreten.

Wie auch Veronika Beisel aus Schönbrunn, die mit allerlei Selbstgestricktem und Selbstgenähtem dabei war. Damit vertreibt sie sich die Zeit, wenn sie auf die Enkelkinder aufpasst. Aber auch ihre eigenen Kinder wurden bereits mit den Produkten aus Handarbeit ausgestattet. „Die gaben in der Schule damit an“, erinnert sie sich schmunzelnd im Rückblick. Denn Beisel baut gerne die eine oder andere ausgefallene Idee ein. Die Strampelanzüge für Babys wurden zuerst an den eigenen Enkeln „getestet“, bevor sie sie auch für den Verkauf nähte.

Selbst gestrickte Strümpfe, Weihnachtsschmuck, Wollmützen und Kerzen gab es bei Brigitte Fink aus Rothenberg. Bei Beate Bartmann war es eine bunte Vielfalt von selbst hergestellten Weihnachtsgeschenken zu erstehen, darunter Mistelzweige und Gartenfackeln. Norbert Kolb bot selbst hergestellten Holzschmuck an.

Mareike und Christian Niesen, die federführend für die Organisation zuständig waren, zeigten sich zufrieden mit dem Adventsmarkt, den es vor längerer Zeit schon einmal gegeben hatte. Bis spät standen Gäste noch an der „Traube“ zusammen, wo es die wärmenden Getränke und etwas zu essen gab. Natürlich trug auch die zwischenzeitlich trockene Witterung zum Erfolg bei. „Es war trotz des Wetters gut was los“, freute sich Niesen. „Alt und Jung kamen im Ort zusammen.“

Info: Viele Finkenbacher Aussteller sind auch beim Hirschhorner Weihnachtsmarkt dabei. Er findet am dritten Adventswochenende, 15. und 16. Dezember, statt, jeweils von 14 bis 21 Uhr in der Hauptstraße zwischen dem Rathausvorplatz und dem Marktplatz.

Schlechte Holzpreise: „Lassen Sie die guten Bäume stehen“

Von den aktuell niedrigen Holzpreisen sind auch die Privatwaldbesitzer im Bereich des Forstamts Beerfelden betroffen. Ihnen standen jetzt an drei Abenden in Wald-Michelbach, Finkenbach und Unter-Sensbach die Mitarbeiter des Forstamts Beerfelden Rede und Antwort, wie sie angesichts der Marktflaute am besten reagieren können. „Lassen Sie bis auf Weiteres die guten Bäume stehen“, lautete die Empfehlung von Forstamtsdirekter Norbert Sasse.

Der Chef des Forstamts Beerfelden skizzierte auf den drei Terminen, zu denen insgesamt etwa 60 Waldbesitzer erschienen, die Situation. „Alles sah gut aus, bis Friederike kam“, nahm er Bezug auf den Orkan, der am 18. Januar über Deutschland fegte. Der südliche Odenwald wurde zwar einigermaßen verschont, erläuterte Sasse. Im Bereich der sechs angeschlossenen Gemeinden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen.

Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern. Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Betroffen ist vor allem die Fichte, mit der das meiste Geld verdient wird. Erzielte man im Januar noch 93 Euro/fm, so fiel der Preis für Käferholz auf jetzt durchschnittlich nur noch 50.

Die Privatwaldbesitzer haben seinen Worten zufolge jedoch kaum Edel-Laubholz wie Buche oder hochwertigere Nadelhölzer wie Lärche oder Douglasie im Bestand, die sie verkaufen können. Denn für diese Baumarten lassen sich nach wie vor noch gute Preise erzielen. Deshalb ging seine Empfehlung dahin, „die gesunden Bäume nicht wegzuwerfen“. Dies wurde laut Sasse von den Anwesenden unisono auch so gesehen.

Ein anderes Thema war die Umstrukturierung der Holzvermarktung vor allem im Kommunalwald. Hessen Forst darf diese nicht mehr übernehmen, wenn die Gemeinde (und auch Privatleute) mehr als 100 Hektar Wald besitzen. Für die privaten Kleinwaldbesitzer, die unterhalb dieser Grenze liegen, „ändert sich nichts“, sagte er. Hier ist weiterhin das Forstamt der Ansprechpartner.

Inzwischen liegt auch ein Schreiben des Umweltministeriums vor. Dieses will gewährleisten, dass es ab dem 1. Januar kein Vakuum gibt, wenn bis dahin die Kommunen noch keine eigene Holzvermarktung auf die Beine gestellt haben. Sasse liest deshalb heraus, dass Hessen Forst noch hilft, „wenn es nicht gleich klappt“. Als Deadline steht der Herbst kommenden Jahres im Raum. So lange dürfen zumindest Altverträge aus diesem Jahr noch abgewickelt werden.

Auch könnten die Forstämter noch das ganze kommende Jahr tätig werden, wenn es um die Abfuhr von Windwurf- und Käferholz geht, heißt es im Brief der Ministerin. Damit soll die kontinuierliche Vermarktung von Kommunalwaldholz gewährleistet werden. Darüber hinaus werden verschiedene Ausnahmen skizziert, die vor allem größere Privatwälder betreffen.

Der Forstdirektor verdeutlichte, dass es im Bereich des Forstamts Beerfelden eher Verquickungen von Staats- und Privatwald gibt. Vor diesem Hintergrund sei es für Hessen Forst einfacher, hier Synergieeffekte zugunsten der Privateigentümer zu erreichen als wenn diese ihren Besitz angrenzend an Gemeindewald hätten. „Dann könnte es mit dem Blockverkauf schwierig werden“, sagte er.

Bekanntlich wollen sich die bisherigen sechs dem Forstamt Beerfelden angeschlossenen Gemeinden zum „Zweckverband hessischer Odenwald“ zusammenschließen. Die Aufnahme weiterer Städte und Kommunen aus beiden Kreisen ist angedacht und teilweise schon in Umsetzung. Es fehlt laut Sasse aber noch der rechtliche Rahmen dafür. „Es können keine Nägel mit Köpfen gemacht werden, weil sie die Spielregeln nicht kennen“, verdeutlichte er. Im Schreiben von Ministerin Priska Hinz erläutert sie, dass dies bis zum Jahreswechsel erfolgen soll.

Was tun mit den maroden Straßen in Oberzent?

Die Straßenausbaubeiträge werden derzeit landauf, landab heiß diskutiert. Vor der hessischen Landtagswahl Ende Oktober wurden sie kräftig thematisiert. Auch die neue Stadt Oberzent kommt nicht umhin, sich aufgrund ihres großen, teilweise maroden Straßennetzes damit auseinanderzusetzen. Bürgermeister Christian Kehrer stellte jetzt die aktuelle Rechtslage und die verschiedenen Varianten auf der Sitzung des Bau-, Umwelt- und Infrastrukturausschusses vor, der im Rothenberger Rathaus tagte.

Die Präsentation sollte mehr oder weniger dazu dienen, den Fraktionen Denkanstöße zu geben, damit sich diese bis zur kommenden Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung am 10. Dezember ein eigenes Bild machen können. Dann ist (im Feuerwehrhaus Beerfelden) eine allgemeine Information zum Thema Straßenbeiträge durch die Firma Eckermann & Krauß aus Bensheim geplant. Eine Entscheidung ist noch nicht vorgesehen.

Im Sommer traf die Landesregierung die Entscheidung, den Kommunen die Erhebung von Straßenausbaubeiträgen freizustellen. Voraussetzung ist aber immer, dass der jeweilige Haushalt ausgeglichen ist. Sonst, so wurde schnell klar, wird die Kommunalaufsicht die Daumenschrauben ansetzen und eine Erhebung verlangen, bei der zwischen 75 und 90 Prozent der Kosten von den –Bürgern verlangt werden. Da außerdem statt den bisher nur einmaligen jetzt auch wiederkehrende Beiträge erhoben werden können, gibt es aktuell einen Flickenteppich.

Mit etwas Pech wohnt der Bürger in einer ärmeren Gemeinde, die die Gebühren einfordert, während ein paar Meter weiter über der Gemarkungsgrenze die Straßensanierungskosten nicht umgelegt werden. Kehrer skizzierte die Varianten: ein einmaliger Beitrag bedeutet eine große finanzielle Belastung für den einzelnen Anwohner. Da kann durchaus eine fünfstellige Summe herausspringen.

Wenn die Stadt wiederkehrende Straßenbeiträge einführen wollte, dann bringt das zu Beginn einen großen Verwaltungsaufwand mit sich. Allerdings gibt es dafür auch Landeszuschüsse pro Abrechnungsgebiet, das in der Regel den Ortsteilen entspricht, aber aufgrund der Kleinteiligkeit der 19 Oberzent-Stadtteile wohl auch nicht komplett umgesetzt werden könnte. Gestreift wurde daneben die Möglichkeit, andere Straßensanierungsmethoden anzuwenden und so vielleicht geringere Kosten zu produzieren, die nicht die Bürger treffen.

Aus den Wortmeldungen der Mandatsträger ergaben sich noch einige Fragezeichen. „Richtig gerecht ist es aktuell nicht“, so der Tenor. „Wir schwimmen noch etwas, wie man es umsetzen kann“, meinte Ausschuss-Vorsitzende Katharina Riesinger (ÜWO). Deshalb sollen die Fraktionen noch einmal in sich gehen. Die Verwaltung ist parallel dabei, eine Bestandsaufnahme des Sanierungsbedarfs der Oberzent-Straßen zu erstellen.

 

Guido Plüschke spielte Irish Folk im Kortelshütter Wohnzimmer von Martin Müller

„Es war ein Wahnsinnsabend“, freute sich Martin Müller. Der bekannte Folk-Musiker Guido Plüschke spielte bei ihm im Amselweg ein „Wohnzimmerkonzert“. Über 50 Gäste waren begeistert, den Hamburger in gemütlicher Atmosphäre hautnah zu erleben. „Das ist für mich so etwas wie ein Sechser im Lotto“, meinte der 46-jährige Müller. Denn er spielt selbst in der hiesigen Irish-Folk-Band „Heebie-Jeebies“ und nutzte die Gelegenheit, dem Crack auf der irischen Rahmentrommel Bodhrán auf die Finger zu schauen.

Plüschke präsentierte in Kortelshütte sein Solo-Programm. Normalerweise tourt er ja mit seiner Band. Mit dem neuen Programm will er zukünftig auf Kleinkunstbühnen auftreten und hat seinen treusten Fans eine Vorabpremiere in elf Wohnzimmern Deutschlands von Flensburg bis Lörrach geboten. Nicht nur „die schöne irische Musik“ (Müller) wurde gespielt, sondern es gab auch viele Geschichten, Anekdoten und Erlebnisse von Plüschkes etwa 65 Reisen nach Irland zu erfahren. Der Musiker präsentierte dies „mit einer gehörigen Portion Spaß und guter Laune“. Die Lachmuskeln wurden der Gäste gehörig strapaziert.

Auf Facebook hatte Plüschke für sein Solo-Programm geworben und Gastgeber gesucht, die ihm auch eine Übernachtung boten. Er wollte es in kleinem Kreis „ausprobieren“. „Ich war dann schnell genug, unser Wohnzimmer anzubieten und bekam den Zuschlag als eine von elf Locations in Deutschland“, schmunzelte Müller. Innerhalb von zwei Tagen kamen so viele weitere Angebote rein, dass Plüschkes Tour 2019 jetzt auch schon voll ist.

„Ich habe mich riesig gefreut, ist Guido doch eines der Vorbilder für uns Heebie-Jeebies“, sagte der Kortelshütter. Zusammen mit seinen Mitmusikern Tina Czemmel-Zink und Michael Pascuzzi war er bereits auf Bodhrán-Workshops von Plüschke dabei. „Er ist einer der ganz großen Folk-Musiker im Land und hat auch schon internationale Preise abgeräumt“, hob er hervor. „Ich habe zig CDs von ihm“, lächelte Müller. Der 50-Jährige „ist mit eines der Vorbilder und Gründe, warum ich selbst mit den Heebie-Jeebies Irish Folk spiele oder Urlaub in Irland verbringe“, erläuterte er.

Bei 54 Zusagen von den Nachbarn war dann Schluss. Es wurde „die Bude leergeräumt“ zugunsten von Bierzelt-Bänken und Stehtischen. Die Wohnzimmer-Atmosphäre auf 65 Quadratmetern stieß auf viel Widerhall, eben weil es kein Konzert in einer Halle oder einem Gemeindeaal war. Das Zimmer von Marvin, dem Sohn seiner Lebensgefährtin Andrea, wurde kurzerhand als Lager für Couch, Fernseher und Stereoanlage „missbraucht“.

Das Konzert hatte für Müller eine sehr große Bedeutung: „Eines meiner Idole kam direkt zu uns nach Hause.“ Fachsimplen, von Plüschke lernen und dann bei den Heebie-Jeebies anwenden – so sein Plan. Auch deswegen, „weil wir gerade dabei sind, mit unserer Band eine Studio-CD aufzunehmen“. Die Idee, Irish-Folk zu spielen, entstand Anfang 2011 und war ursprünglich als einmaliger Event gedacht. Doch schon während den Proben entdeckten die Musiker ihre Leidenschaft für diese Musikrichtung und beschlossen weiterzumachen.

„Musik ist mein ganz großes Ding“, betont Martin Müller. Der IT-Administrator nahm in seinem „Nebenberuf“ als Audio-Engineer (www.ceol.studio) dieses Jahr eine Big-Band-CD mit der Jugendmusikkapelle Wiesenbach auf und produzierte sie. 2019 stehen verschiedene Projekte an wie eine Singer-Songwriter-Newcomer- oder eine Volksmusik-Produktion. Der 46-Jährige ist selbst musikalisch nicht auf eine Sparte festgelegt. Von Chor über Männergesangverein und Fasching bis hin zu Irish-Folk und Hardrock reicht Müllers Spannbreite.

Guido Plüschke ist ein gefragter Dozent für die irische Rahmentrommel Bodhrán und erlangte 2008 in Irland den dritten Platz bei den World Bodhrán Championships, den Weltmeisterschaften auf diesem Instrument. 2004 schrieb er seine Magisterarbeit an der Universität Lüneburg über die irische Musik und die Bodhrán, war bereits über 60 Mal in Irland und ist dort ein gern gesehener Session-Gast. Mit seinen drei Bands tourt er durch Deutschland und egal wo er ist, sammelt er kuriose Geschichten aus der Irish-Folk-Szene und Anekdoten, die er selbst erlebt hat. Und das sind bei zusätzlich über 1000 Musikworkshops, 25 Jahren Bühnenerfahrung und über 30 Platten-Produktionen eine ganze Menge.