Odenwald-weite Motorradkontrollen mit Präventionscharakter: 16 Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen, 19 waren mehr als 41 km/h zu schnell

Als die laut bollernde Harley Davidson auf den Parkplatz beim Festplatz einbiegt, richten sich automatisch alle Blicke auf die Maschine. Aber ihr „Lärm“ war im grünen Bereich. Nicht nur auf zu laute Zweiräder hatte es die Polizei im Zuge des Schwerpunktprogrammes „Verkehrssicher in Hessen“ abgesehen, sondern auch auf Raser. Im Vordergrund stand aber die Info: „Wir wollen den Bikern auf Augenhöhe begegnen“, formulierte es Polizeidirektor Hartmut Scherer vom Polizeipräsidium Südhessen in Darmstadt.

Von der „Zentrale“, dem Präventionsmobil in Erbach-Ebersberg aus, fanden am Sonntag Odenwald-weite Motorradkontrollen statt, die vor allem Präventionscharakter haben sollten. Besondere Zielgruppe waren Wiedereinsteiger auf zwei Rädern, die in jungen Jahren den Führerschein gemacht hatten und sich in gesetzterem Alter eine starke Maschine kaufen, um das das „Easy-Rider-Feeling“ auszuleben.

Wobei dann ein großer Unterschied zu früher besteht – bei den PS-Zahlen wie auch beim Verkehrsaufkommen. Darüber informierte ein nagelneuer Film. Der erste Polizeihauptkommissar Michael Prenzlow wies in diesem Zusammenhang auch auf das Fahrsicherheitstraining hin, um Defizite gegenüber früheren Kenntnissen auszugleichen. Mit der „Rennleitung 110“ waren außerdem im Verein organisierte Fahrer mit Polizeihintergrund unterwegs, „um die Botschaft an den Mann zu bringen“.

30 Beamte nicht nur aus Hessen, sondern auch aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, waren zusammen mit der Krad-Staffel auf den Straßen des Bergstraßen- und Odenwaldkreises unterwegs, um die Geschwindigkeit zu überwachen, aber auch technische Veränderungen an den Zweirädern in Augenschein zu nehmen. Bei der Polizei hat man festgestellt, dass ein Gespräch von Biker zu Biker viel besser funktioniert, als wenn irgendwo ein Polizeiwagen steht.

„Wir wollen mit den Fahrern übers gemeinsame Hobby reden“, formulierte es Pressesprecher Sebastian Trapmann. Denn viele der Motorradpolizisten sind in ihrer Freizeit auch auf zwei Rädern unterwegs. Themen, die die Polizei beschäftigen, „wollen wir an die Biker weitergeben und für Fragen zur Verfügung stehen“. Was am Vesperhäusel vorzüglich funktionierte, wie die angeregten Unterhaltungen zeigten. In den „Benzingesprächen“ wurden Vorurteile abgebaut und Barrieren überwunden, freute sich Trapmann.

Daneben gab es aber auch stationäre Kontrollen wie auf der B 47 von Michelstadt nach Amorbach, wo die Verkehrssicherheit der Geschosse überprüft wurde. In Lindenfels oder Mörlenbach wiederum ging es vor allem um den Motorrad-Verkehrslärm, der vor Ort schon öfters moniert worden war. Wieder anderswo, etwa am Krähberg oder auf der Rennstrecke zwischen der Kreidacher Höhe und Zotzenbach, wurde das Sonntagsfahrverbot kontrolliert. In Erbach oder Mossautal wurden Gefährte aus dem Verkehr gezogen, die den Beamten spanisch vorkamen.

Einen „rundum gelungenen Einsatz“ mit „vielen netten Gesprächen“ bilanzierte Trapmann im Verlauf des Nachmittags. Es habe viel positive Resonanz gegeben. Was auch Scherer bestätigte. Er hob hervor, dass es der Polizei bei ihren Einsätzen um die „schwarzen Schafe“ gehe, die einfach beratungsresistent seien. Bei diesen gehe man auch mit aller Härte des Gesetzes vor. Diese „Renitenten“ erreiche man besser von zwei als von vier Rädern aus.

„Die Raser stehen nicht für die Masse“, unterstrich der Polizeidirektor. Bei der überwiegenden Zahl sei die Einsicht über zu schnelles Fahren vorhanden. Vielmehr sei so, dass sich die, die sich an die Regeln halten, das Fehlverhalten anderer ausbaden müssten. Mit einem Pilotprojekt in Hessen, das den Einsatz ziviler motorradstreifen vorsieht, „wollen wir die wenigen Unverbesserlichen erreichen“.

„Die Menschen sollen gesund nach Hause kommen“, formulierte es Scherer. In diesem Jahr habe es bereits zwei tödliche Unfälle im Bereich des PP Südhessen gegeben. Weitere gelte es zu verhindern „und die Zahl der Schwerverletzten soll runter“. Eigentlich, ergänzte Prenzlow zum Zweck der Prävention, „wollen wir niemanden anhalten müssen“.

Insgesamt überprüften die Polizisten am Sonntag 369 Motorräder und untersagten 16 Fahrern wegen zu hoher Geräuschentwicklung die Weiterfahrt. Darunter waren ein 32-Jähriger aus dem Main-Taunus-Kreis mit einer nicht genehmigten Auspuffanlage sowie ein 19-Jähriger aus Offenbach wegen eines demontierten DB-Killers. Das gleiche Schicksal ereilte auch vier Biker, die auf der Bundesstraße 47 bei Lindenfels ohne zulässige Auspuffanlage in eine Polizeikontrolle kamen.

Bei Geschwindigkeitsmessungen fielen trotz erheblicher Polizeipräsenz 232 Fahrzeuge wegen zu hoher Geschwindigkeit auf. Bei 20 „Rasern“, davon 19 Motorradfahrern, betrug die Überschreitung mehr als 41 km/h, was ein Fahrverbot zur Folge haben dürfte. Einige wenige Biker hielten sich auch nicht an die Streckensperrungen am Krähberg, in Zotzenbach und im Sensbachtal. Hier stoppten die Beamten 28 Motorradfahrer und erstatteten Anzeige.

Holzmarkt ist „auf einem extrem hohen Niveau“: Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Südlicher Odenwald

Für die guten Nachrichten war auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Südlicher Odenwald der stellvertretende Beerfeldener Forstamtschef Ronny Kolb zuständig. Er sprach von einem Holzmarkt, der sich in den vergangenen drei bis vier Jahren mit Preisen „auf einem extrem hohen Niveau“ stabilisiert habe. Für die Fichte ließen sich teilweise über 90 Euro pro Festmeter erzielen.

Kolb erläuterte, dass mit den großen Holzverarbeitungsfirmen Ganzjahresverträge abgeschlossen werden konnten, wo sonst sechs Monate die Regel seien. Der Vorteil: „Es gibt eine absolute Stabilität bei den Holzpreisen auch für das zweite Halbjahr.“ Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Holz boomt. „Bei Buche und Eiche können wir sie kaum befriedigen“, sagte er. „Wir segeln in sehr ruhigem Wasser und auf hohem Niveau“, freute sich Kolb.

Von den Ergebnissen der Nadelholzsubmission in Eberbach waren die Forstleute besonders angetan. Nicht nur, dass man dort generell sehr gute Preise erzielte. Der höchstdotierte Stamm kam außerdem noch aus dem Forstamt Beerfelden. Es handelte sich um eine Lärche aus dem Gemeindewald Rothenberg „mit ein paar tausend Euro“ Erlös.

Auf diesen Baum war der Rothenberger Revierförster Reiner Grünberg besonders stolz: Elf Meter war der verwertbare Teil lang, hatte mehr als 80 Zentimeter durchschnittliche Dicke und war damit ein Prachtstück. Kolb mahnte aber, dass sich das Blatt schnell wenden könne. Nach ein paar extrem warmen Tagen „müssen wir aufpassen, dass sich der Borkenkäfer nicht ausbreitet“.

Gudrun Kranhold vom Forstamt trug den FBG-Geschäftsbericht vor. 734 Betriebe bzw. Privatpersonen waren Ende 2016 Mitglied, zu denen jetzt drei neue hinzukamen. Die größte Fläche haben die neun angeschlossenen Kommunen mit 5500 Hektar, gefolgt von den fünf großen Privatwaldbesitzern mit 2300 Hektar und den 719 kleinen Privatwaldeigentümern mit 3700 Hektar.

Das FBG-Konto weist laut Kranhold zum Ende des Jahres 2016 ein schönes Plus auf. Ein „hervorragender, ordentlicher Zustand der Kasse“ wurde ihr von Kassenprüfer Jens Schnur bestätigt, der die Zahlen zusammen mit Egon Scheuermann in Augenschein genommen hatte. Die Entlastung des Vorstands war somit nur noch Formsache.

In punkto Holzverkauf sagte Kranhold, dass dieser gegenüber 2015 leicht zurückgegangen sei. Das habe aber damit zu tun, dass es 2016 die neuen Verträge mit erhöhten Gebühren für die Privatwaldbesitzer gab. Von diesen hätten noch nicht alle unterzeichnet bzw. warteten noch etwas ab. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr über 52.000 Festmeter eingeschlagen, davon fast 38.000 fm in den Kommunalwäldern. Am meisten in Beerfelden mit über und Wald-Michelbach mit knapp unter 10.000 Festmetern.

Die Forstamtsmitarbeiterin wies auf die Wichtigkeit des PEFC-Zertifikats für die heimischen Wälder hin. Diese Zertifizierung werde auch von den Verarbeitungsbetrieben nachgefragt. Die Waldbesitzer sollten deshalb mit Akribie darauf schauen, dass die entsprechenden Vorgaben erfüllt werden. PEFC garantiert, dass Holz- und Papierprodukte aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Letztlich bedeute das Zertifikat in der Vermarktung auch bares Geld, so Kranhold.

Hinterbacher wollen bald das eigene Ortsschild, damit weniger gerast wird

Stark frequentiert war die Bürgerfragestunde bei der vergangenen Gemeindevertreter-Sitzung. Mehrere Anliegen aus den verschiedenen Ortsteilen drängten nach Erläuterungen. Wann es denn endlich was mit dem gelben Ortsschild für die Hinterbach wird, wollte Volker Eckstein wissen. Denn die grünen Weiler-Schilder mit der Begrenzung auf 60 km/h in der Olfener Straße beeindruckten die Autofahrer nicht wirklich, monierte er. Es werde weiterhin gerast.

Erst einmal muss das Thema in die Verkehrsschau, sagte Armin Löffler seitens der Verwaltung. Denn Polizei und Straßenverkehrsbehörde müssen sich noch dazu äußern und ihr Einverständnis geben. Der Termin steht im Mai an. Weiterhin bekam die Gemeinde vom Landratsamt signalisiert, dass die neuen Schilder erst nach der Fusion angebracht werden sollen, weil sie in diesem Zuge sowieso ausgewechselt werden müssen.

Verschiedene Kritikpunkte hatte Ingrid Rönz aus Kortelshütte mitgebracht. Es ging um ein parkendes Baufahrzeug in der Waldstraße, zugewucherte Kinderspielplätze, herunterhängende Äste auf den Gehwegen oder Schrottautos auf einem Privatgrundstück. „Für einen Erholungsort kein schöner Anblick“, meinte sie.

Bürgermeister Hans Heinz Keursten vermochte nur teilweise Abhilfe zuzusagen. Die Gemeinde habe keine Möglichkeit, ein Bußgeld zu verhängen, meinte er mit Blick auf den Lkw. Das werde anders in der fusionierten Stadt, weil in Beerfelden eine solche Stelle angesiedelt sei. Wenn alte Autos auf einem Privatgelände gelagert seien, „kriege ich die nicht weg“, sagte er. Die Spielplätze würden angegangen, so Keursten. Er war der Meinung, dass das Thema Bewuchs eigentlich erledigt sei, da in einer aufwändigen Aktion Anlieger angeschrieben worden seien. „Es kann aber sein, dass bereits etwas nachgewachsen ist.“

Günter Reinhard fragte nach, was bei der Ortsbegehung Ende 2016 in Kortelshütte in Bezug auf verkehrsberuhigende Maßnahmen festgelegt wurde. Im Bauausschuss wurde alles protokolliert, sagte WGR-Fraktionsvorsitzender Wilfried Friedrich. Bevor etwas angegangen werde, müsse man auch hier die Verkehrsschau im Mai abwarten, so Löffler. Danach sollen die Themen nach und nach umgesetzt werden.

Es geht um Schwellen oder Teller sowie um optische Verengungen. Eine solche kann man sich in der Kurve oberhalb der Kreuzung von Wald- und Hochstraße vorstellen, um die Straße für die bergab Fahrenden schmaler zu gestalten. Außerdem gibt es die Anregung, alle 100 Meter eine große „30“ auf die Fahrbahn aufzumalen. Derzeit im Bauhof vorrätige große Blumenkübel sollen die Straße verengen.

In seinen Mitteilungen erwähnte der Bürgermeister, dass die Sporthalle bis Ende Juni fertiggestellt sein soll. Denn dann folgt das Großevent der Feuerwehr Rothenberg, die dort von 30. Juni bis 2. Juli den Kreisjugendfeuerwehrtag ausrichtet. Im Sommer ist die Gemeinde aufs Neue von einer Straßensperrung betroffen, die weite Umwege nötig macht. Dann wird von Hirschhorn kommend von 15. August bis 15. September die Brücke am Brombacher Wasser Richtung Kortelshütte und Rothenberg in Vollsperrung saniert.

Thema der Gemeindevertretersitzung war auch die Offenlage des neuen Teilplans Erneuerbare Energien des Regionalplans Südhessen für die Windkraftnutzung. Keursten äußerte seine Befürchtung, dass bei der Verwirklichung von Windrädern auf allen aufgeführten Vorrangflächen „Rothenberg umzingelt sein wird“. Das betrifft weniger die Anlagen im Odenwaldkreis, sondern die im Badischen und benachbarten Kreis Bergstraße.

Denn die Stadt Eberbach plant auf der Brombacher Höhe einige Windräder, die sich ans schon bestehende Greiner Eck anschließen würden. Danach sind weitere auf dem Flockenbusch direkt gegenüber der Kerngemeinde im Gespräch. Weiter rechts im Sichtfeld ist der „Stillfüssel“ bei Wald-Michelbach schon genehmigt und wächst ebenfalls bald vor dem Rothenberger Fenster. Dazwischen liegt noch ein Gebiet bei Ober-Schönmattenwag und Aschbach. In nächster Nähe befindet sich das Gelände Richtung Beerfelden, das ebenso im Regionalplan berücksichtigt ist.

Chöre aus dem Sängerkreis Neckartal treffen sich am 1. April zum Wertungssingen in Schönmattenwag

Das Kreiswertungssingen und der Liedergesellschaftsabend des Sängerkreises Neckartal finden am Samstag, 1. April, um 19 Uhr im Haus des Gastes statt. Ausrichter ist der MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag. Der Eintritt ist frei. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen, sich ein Bild vom vielfältigen Können der angeschlossenen Sängerkreis-Vereine zu verschaffen.

Teilnehmende Chöre sind: Cantante Cintura Kids sowie Frauen- und Männerchor des Gastgebers, MGV Eintracht Liederkranz Sensbachtal, Chorgemeinschaft Rothenberg/Kortelshütte, MGV Liederkranz Ober-Hainbrunn, Frauen- und Gemischter Chor Eintracht Falken-Gesäß, Sängerkranz aus Schöllenbach, gemischter Chor Finkenbach und Liederkranz Gammelsbach. Weiterhin gibt es an diesem Abend Ehrungen durch den Sängerkreis.

Den Mitglieds-Chören soll mit dem Wertungssingen die Möglichkeit eines objektiven Feedbacks der eigenen musikalischen Leistung angeboten werden. Sie erhalten damit in ungezwungener Atmosphäre eine leistungsorientierte Rückmeldung zur Vorbereitung ihrer eigenen Wettbewerbsbesuche durch einen ausgewiesenen Fachmann der Chorszene und auch Hinweise zu Verbesserungsmöglichkeiten.

Fürs Programm sind ausschließlich A-cappella-Werke zugelassen. Jeder Chor trägt drei Stücke freier Wahl vor. Auf eine stilistische und musikalische Vielfalt sollte Wert gelegt werden, heißt es in der Vorgabe. Werke aus dem Bereich Spiritual/Gospel/Pop sind ebenfalls zugelassen. Die einzelnen Stücke können auch in einer abweichenden Tonart vorgetragen werden.

Die teilnehmenden Chöre des Orientierungssingens erhalten nach ihrem Auftritt durch den Juror eine fachlich fundierte und konstruktive Beurteilung. Ziel ist es, Verbesserungspotential aufzuzeigen und den Leistungsstand festzustellen. Im Anschluss steht der Berater den Chören auch für weitere Fragen zur Verfügung. Außerdem gibt es eine Bewertung nach den Richtlinien des „Deutschen Chorwettbewerb“

Juror des Sängerkreis-Orientierungs-/Wertungssingens ist Matthias Schmitt. Er studierte Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Chorleitung an der Goethe-Universität Frankfurt, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt und an der Hochschule für Musik in Würzburg. Schmitt ist Dirigent mehrerer Chöre und Ensembles in Freigericht (Main-Kinzig-Kreis) und in angrenzenden Regionen. Er nimmt regelmäßig erfolgreich an nationalen Chorwettbewerben teil und wurde zuletzt Preisträger beim ersten deutschen Männerchorfestival in Limburg.

International konnte er mit seinem Männerkammerchor „DelicaTon“ einige Erfolge erzielen, zum Beispiel Sonderpreisträger beim International Choral Festival in Cork 2016 (Irland), er ist Gewinner zweier Goldmedaillen bei den World Choir Games in Riga 2014 (Lettland), Grand Prix Gewinner in Llangollen 2012 (Wales) und Dirigentenpreisträger beim Johannes Brahms-Wettbewerb in Wernigerode 2011. Teilnahmen an Wettbewerben und Festivals führten ihn zudem nach Estland, Norwegen, Österreich, England und Südkorea. Hauptberuflich arbeitet Schmitt als Kulturbeauftragter im Main-Kinzig-Kreis.

Die gebürtige Hirschhornerin Angelika Beckenbach ist neue Bürgermeisterin von Abtsteinach

Eine eindeutige Sache war die Bürgermeisterwahl in Abtsteinach. Bei einer Wahlbeteiligung von fast 70 Prozent holte die von den Freien Wählern unterstützte Angelika Beckenbach 62,1 Prozent. Sie ließ damit ihren von der CDU unterstützten Mitbewerber Kevin Flödl mit knapp 38 Prozent klar hinter sich. Der Jubel im Rathaus war groß, nachdem die Auszählung etwas länger als gedacht gedauert hatte.

Vor allem aus Beckenbachs Arbeits- und Geburtsort Hirschhorn war eine sehr große Delegation mit Bürgermeister Oliver Berthold an der Spitze nach Abtsteinach gekommen, um mit ihr, ihrem Mann Peter und den beiden Kindern zu fiebern. Die 48-Jährige arbeitet derzeit noch auf dem Hirschhorner Rathaus, wo sie seit knapp 30 Jahren in den Bereichen Bauen und Finanzen tätig ist. Sie sie tritt ihr Amt in Abtsteinach am 1. Juli in der Nachfolge von Rolf Reinhard an, der nach 24 Jahren an der Spitze der Verwaltung nicht mehr kandidierte.

In Unter-Abtsteinach war der Vorsprung Beckenbach noch um einiges größer als im oberen Ortsteil. Sie holte 76,7 Prozent in Unter-Abtsteinach. In Ober-Abtsteinach war der Abstand mit 52,6 zu 47,4 Prozent um einiges knapper. Bei der Briefwahl kristallisierte sich in ungefähr das Durchschnittsergebnis heraus.

Der scheidende Amtsinhaber Rolf Reinhard bedankte sich ebenso wie Landrat Christian Engelhardt für den sehr fairen und sachlichen Wahlkampf. Engelhardt ergänzte, dass damit auch die Demokratie Gewinner sei, wenn die Bewerber für einen Bürgermeisterposten so fair miteinander umgingen. Reinhard dankte für die Mitarbeit in den vergangenen 24 Jahren. Er lobte die sehr gute Verwaltung und die gute Infrastruktur des Hardberg-Ortes. Der noch bis 30 Juni amtierende Bürgermeister wünschte seiner Nachfolgerin viel Erfolg.

„Wer die Aufgabe in Abtsteinach übernimmt, kann sich freuen“, sagte Landrat Engelhardt. Denn Angelika Beckenbach wirke in Zukunft in einem sehr gut entwickelten Ort mit vielen attraktiven Angeboten. Abtsteinach weise, verwies Engelhardt auf die Fastnacht, eine sehr gute Mischung aus Feierlaune und Ernsthaftigkeit auf.

Mit der Bekanntgabe des Ergebnisses brach großer Jubel bei Angelika und Peter Beckenbach sowie ihrer Fangemeinde aus. In den vergangenen Tagen war die Anspannung immer größer geworden, die jetzt mit einem Mal von allen abfiel. Beckenbach will, so wie sie es in ihrem Wahlprogramm versprochen hat, immer ein offenes Ohr für die Bürger haben, deren Anliegen ernst nehmen, und auch gleich am ersten Tag im Amt am 1. Juli eine Bürgersprechstunde abhalten.

Und was macht der Bürgermeisterin-Ehemann? Darüber hat sich Peter Beckenbach nach eigenen Worten noch keine Gedanken gemacht. Nachdem der Sieg seiner Frau feststand, meinte er nur lächelnd: „Jetzt werde ich wohl etwas öfters zu Hause die Spülmaschine ausräumen müssen.“ Und auch auf die beiden Kinder kommt diese Aufgabe verstärkt zu, grinste er.

74 Jugendliche der Oberzent-Schule Beerfelden und Eugen-Bachmann-Schule Wald-Michelbach fuhren gemeinsam auf Skischulwoche nach St. Johann im Ahrntal

Die Oberzent-Schule Beerfelden und die Eugen-Bachmann-Schule aus Wald-Michelbach fuhren in diesem Jahr zum dritten Mal gemeinsam auf Skischulwoche nach St. Johann im Ahrntal. Der bunt gemischte Haufen von 74 Schülern und neun Lehrern erlebte eine wunderschöne, ereignisreiche Woche im Schnee. Neben dem täglichen Skifahren gab es eine Dorfrallye und eine Fackelwanderung mit einer anschließenden Besichtigung eines Bergbauernhofes.

Auch die vielen Facetten der Berge mit den verschiedensten Wetterbedingungen von sonnig über stürmisch bis hin zu unergründlichem Nebel hinterließen bei den Kindern großen Eindruck. Das abschließende Skirennen am letzten Skitag krönte die sieben Tage vollends. Mit Stolz konnte das Skiteam um Sebastian Bongartz (OZS) und Ben Schütz (EBS) verkünden, dass alle 74 Jugendlichen am Ende der Skischulwoche mit ihren Skiern die Berge beherrschten. Das Skiteam der Oberzent-Schule (Tanja Daub, Heidi Domack und Sebastian Bongartz) hatte mit den Kindern viel Spaß und freut sich schon auf das nächste Jahr.

Das Fastnachts-Prinzenpaar Tina I. und Lothar II. aus Schimmeldewog repräsentiert die Hirschhorner Ritter

„Spannend, anstrengend und lustig“: So fasst Prinz Lothar II. (Zink) aus Unter-Schönmattenwag die Faschingskampagne als ein Teil der beiden Hirschhorner Tollitäten zusammen. Mit seiner Frau Tina I. (Czemmel-Zink) repräsentiert er seit der Proklamation Mitte Januar noch bis Aschermittwoch die Hirschhorner Ritter weit über die Neckarstadt hinaus. 50 Veranstaltungen werden die beiden in dieser kurzen Zeit besuchen, immer mit Funkenmariechen Steffi Mölle im Schlepptau, die zusätzlich die ganze organisatorische Arbeit im Hintergrund leistet.

Fastnachtlich verschieden geprägter könnten die zwei Hoheiten aus Schimmeldewog kaum sein. Hier die knapp 40-jährige Tina, ein Hirschhorner Mädel, die seit 34 Jahren bei der Ritter-Carnevalsgesellschaft aktiv ist und sich im Laufe der Jahre durch alle Garden tanzte. Da der 49-jährige Lothar mit Wurzeln in Unter-Schönmattenwag (das 2006 auch zur Heimat für seine Frau wurde), der eigentlich mit der närrischen Jahreszeit wenig am Hut hat. „Ich bin kein Fastnachter“, bekennt der in der Hirschhorner Stadtkasse tätige. Seine Frau arbeitet ebenfalls in der Verwaltung, im Ordnungsamt.

Die alles verändernde Anfrage kam an einem Sonntagabend Ende November, erinnert sich Prinzessin Tina. „Als wir gerade gemütlich zuhause auf der Couch vor dem Fernseher saßen“, ergänzt ihr Mann. Am Apparat: Edith Bock von den Rittern. Ihr Anliegen: „Wollt ihr in der Jubiläumskampagne unser Prinzenpaar sein?“ Eine Nacht schliefen die Hoheiten in spe noch darüber, denn mit zwei Kindern und dem Job wollte doch einiges organisiert sein.

Für Tina Czemmel-Zink war die Antwort sowieso klar: „Das ist doch ein Traum aller Mädchen. Jede will einmal Prinzessin sein.“ Bei ihrem Mann war sie sich unsicher. Doch er verblüffte sie: „Ich habe nicht geglaubt, dass Lothar mitzieht.“ Sie hätte ihn auch „nicht weichgeklopft“. Doch er war dabei. „Ich bin von Natur aus neugierig“, sagt er. Was den Ausschlag gab. Und was er nicht bereut: „Es macht einen Riesenspaß.“

Eine kurze und heftige Vorbereitung inklusive „Klamottenkauf“ wollte im Folgenden absolviert werden. Von den Rittern gab es dazu viel Unterstützung. Etwa in Form einer „Prinzenpaar-Checkliste“ mit den wichtigsten Infos oder auch fraulichem Rat beim Aussuchen der Garderobe. „Alle im Vereinsvorstand waren immer für uns da“, sind beide für Rat und Tat in dieser Zeit dankbar. Fast schwieriger als die Vorbereitungen zu bewältigen war aber die strenge Auflage, das höchste närrische Amt in der Stadt bis zur Proklamation geheim zu halten.

Das gelang allerdings vorzüglich. So gut, dass es danach Ärger mit den beiden Kindern gab, die ebenfalls von nichts wussten. „Meine Tochter Milena war bis zum Mittwoch danach noch in Schockstarre“, lacht Tina. Die 17-Jährige konnte es einfach nicht glauben, dass die Mutter die Faschingsprinzessin war. „Unser Sohn Bastian hat einen Tag lang nicht mit uns geredet, der war echt sauer“, weiß Prinz Lothar um die Überraschung des Elfjährigen.

In ihrem Wohnort machte die Nachricht von den neuen Schimmeldewäer Hoheiten nur langsam die Runde. Klar, „ich wurde beim Metzger darauf angesprochen“, schmunzelt Lothar. Und die Bäckerei-Inhaberin war sowieso auf der Prunksitzung dabei. Da die Familie aber nicht an der Hauptstraße wohnt, fällt das Prinzenpaar-Banner nicht so auf, das seit der Inthronisation am Balkon hängt. Bei Freunden und Verwandten sickerte die Neuigkeit aber schnell durch.

Und auch auf der Sommerrodelbahn auf der Kreidacher Höhe. Dort wird man noch lange von den verrückten Hirschhornern reden, die sich in voller Faschingsmontur in die Bobs quetschten und dann zu Tal sausten. „Das war eine ganz schön kalte Sache“, meint der bibbernde Prinz. Aber auch herrlich für die Hoheiten mit Entourage. „Manchen fiel die Kinnlade runter, andere fanden es einfach klasse“, amüsiert sich Prinzessin Tina immer noch.

Die ganze Truppe war auf dem Rückweg vom Kreisnarrentreffen in Heppenheim und hatte auf der Höhe spontan Station gemacht. Wohl um nochmal ohne Folgen richtig schnell fahren zu können, nachdem in Bonsweiher der erste Versuch – noch im Auto – mit einem unfreiwilligen Foto an der Blitzampel geendet hatte.

Bis Aschermittwoch haben die beiden mit ihrem „Funkenmariechen für alle Fälle“ noch ein dicht gedrängtes Programm. Was Steffi Mölle leistet, können die Hoheiten gar nicht genug hoch schätzen. „Wir repräsentieren, sie kümmert sich um alles andere“, sagt Lothar. „Ab dem 20. Februar haben wir dann zwei Wochen Urlaub“, schmunzelt Tina. Sonst wäre der Rest gar nicht zu bewältigen, da in dieser Zeit immer mehr Termine auch tagsüber anstehen. Etwa der Empfang am Faschingsdienstag beim baden-württembergischen Ministerpräsidenten Wilfried Kretschmann. Denn die hessischen Ritter sind Mitglied der badisch-pfälzischen Karnevalsvereinigung.

Diese dichte Terminabfolge erfordert dann großes Organisationstalent und so manches Zugeständnis. „Wir sind am Rosenmontag bis spät abends weg, am nächsten Morgen geht es um 7 nach Stuttgart los“, erzählt Tina. Was für sie die Frage aufwirft: „Wie mach ich es dann mit den Haaren?“ Die Lösung: „Ich muss mit der Frisur schlafen, sonst klappt es zeitlich nicht mehr.“ Was tut Frau nicht alles für die Fastnacht. Ein weiteres Highlight ist für die beiden auch der Gottesdienst zum 50-jährigen Bestehen der Hirschhorner Ritter am 15. Februar.