Verbindungsstraße: Nach fünf Jahren herrscht immer noch Stillstand

Die Bürgerinitiative (BI) „Pro Erhalt Verbindungsstraße“ ist sauer. Es tut sich einfach nichts bei der Sanierung des kleinen Sträßleins zwischen den badischen Randgebieten Brombach und Heddesbach. Seit über fünf Jahren ist die Strecke bereits gesperrt. Lange dauerte es, Gelder und Genehmigungen für die Erneuerung zusammenzukratzen – und jetzt stehen sowohl Baubeginn als auch Erneuerung überhaupt in den Sternen.

Die Straße ist nicht nur für die Brombacher wichtig, da es sonst außer der maroden Kreisstraße über hessisches Gebiet keine andere Zufahrt des zu Eberbach gehörenden 360-Seelen-Dorfs gibt. Der Weg wurde vor der Sperrung auch gern als Ausweichstrecke von Rothenberg oder Kortelshütte Richtung Bergstraße genutzt, wenn im Neckartal auf der B 37 der Verkehr stockte.

Der im August 2020 angekündigte Baubeginn Anfang 2021 „wird nicht mehr bestätigt“, kritisiert Raphael Seib seitens der BI. Damit wird das Risiko des Verfalls genehmigter Fördermittel, gebunden an einen spätesten Baubeginn bis zum 14. November, immer größer, befürchtet er. Seitens des Flurneuordnungsamts fließen trotz Nachfrage keine Informationen, Grundstücksangelegenheiten sind nach wie vor ungeklärt und dazu gab es wohl behördliche Abspracheungenauigkeiten, bemängeln die BI-Vertreter.

Knappe zehn Minuten dürfte die Ersparnis in früheren Zeiten gewesen, wenn entweder die Brombacher nach Heddesbach gelangen wollten oder Pendler wahlweise vom Finken- oder Ulfenbachtal ins jeweils andere. Was damals nicht einmal fünf Kilometer mit dem Auto waren, sind jetzt 14.

Die BI gründete sich im Februar 2016 mit dem Ziel, die „verwaltungsrechtlich fragwürdige“ Entwidmung und Sperrung des Gemeindeverbindungswegs Brombach-Heddesbach Ende 2015 rückgängig zu machen, erklärt Seib. „Der Weg wurde und wird zwingend gebraucht“, betont er. Die Aktionen führten bis zum Petitionsausschuss des baden-württembergischen Landtages, begleitet von diversen Gesprächsrunden mit Vertretern von Ämtern, Bürgermeistern, Behörden und politischen Parteien.

Es wurde damals erreicht, dass sowohl Amtsträger als auch Parteien klar und deutlich zusagten, „den Bürgerwillen umzusetzen“ und den Gemeindeverbindungsweg zu reaktivieren. Der Petitionsausschuss empfahl, der Forderung der Bürgerinitiative zu folgen und die Straße zu sanieren, erinnert sich der Aktivist.

Seitdem wurden Haushaltsgelder geplant, Fördermittel beantragt und genehmigt, Vermessungs- und Rodungsarbeiten durchgeführt, Grundstücksfragen größtenteils geklärt und die Ausführungsplanung erstellt. Den Brombacher Bürgern wurde im August 2020 der Stand der Dinge erläutert und der Projekterfolg – mit verspätetem Baubeginn – bestätigt, schildert Seib.

Außerdem gab es bereits Absprachen und Vereinbarungen zur Sanierung der Brombacher Hauptzufahrt K 35. Da diese teilweise auf hessischem Gebiet liegt, ist hier auch die Heppenheimer Straßenbaubehörde Hessen Mobil mit im Boot. Diese Sanierung soll im Anschluss an den Neubau des Gemeindeverbindungswegs erfolgen. Letzterer ist als Umleitung/Ausweichstrecke zwingende Voraussetzung, da die Arbeiten auf der K 35 unter Vollsperrung erfolgen sollen.

Über Kommunal-, Kreis- und Landespolitiker wurden von der BI in den vergangenen Jahren immer wieder Anfragen zum aktuellen Stand der Dinge gestartet, da aus den Behörden selbst nur wenige Infos flossen. Nach der Planvorstellung wurde ein Informationsschreiben an die Brombacher Bürger verteilt. „Weitere freiwillige Statusmeldungen über den aktuellen Stand der Baumaßnahmen erfolgten trotz Zusage des Amtes und wiederholter Aufforderung des Ortschaftsrats bis heute nicht“, ärgert sich die BI.

Die Hinhaltetaktik der Behörden dauerte an: „Immer wieder wurden grundstücks- und naturschutzrechtliche Belange als noch nicht endgültig geklärt hingestellt“, berichtet Seib. Jedoch wurde der Projekterfolg trotz entstandener Verzögerungen zu keiner Zeit in Frage gestellt, erläutert er.

Die BI hat die Hängepartie nun satt. Sie fordert, dass die planerischen Probleme und Unstimmigkeiten endlich beseitigt werden sowie der Baubeginn vor dem Verfall der bereitgestellten Gelder forciert und vorangetrieben wird. Weiterhin soll eine „verbindliche, freiwillige, rechtzeitige und transparente Informationen an die Bürger“ erfolgen. Außerdem wünscht man sich „professionelles Arbeiten in den Behörden und die unverzügliche Umsetzung der Beschlüsse zum Neubau des Gemeindeverbindungsweges“.

Sängerkreis geht kurz vor dem 100. die Puste aus

Das 100. Jubiläum hat der Sängerkreis hessisches Neckartal „leider nicht mehr zu erreicht“, bedauert der zweite Vorsitzende Gert Menges vom Gemischten Chor Finkenbach. Zum Jahresende 2020 löste sich der Vereinszusammenschluss im 95. Jahr seines Bestehens auf. Hintergrund: Es wurden immer weniger Sänger und Vereine. Die anstehenden Aufgaben konnten somit auf immer weniger Köpfe verteilt werden.

Die sangesfreudigen Gründer hatten 1925 die Vereine in den Ortschaften im Blick, die am Neckar und an seinen Zuflüssen in Südhessen beheimatet waren. Die holten sie ins sprichwörtliche Boot. Am 8. November fand in Neckarsteinach die offizielle Gründung des kreis- und länderübergreifenden „Hessischen Neckartal-Sängergaues“ statt.

Es schlossen sich damals zwölf Vereine mit insgesamt 420 Sängern an: Frohsinn Brombach, Heimatland Darsberg, MGV Ober-Finkenbach, Liederkranz Gammelsbach, Liederkranz Ober-Hainbrunn, Eintracht Hirschhorn, Sängerbund Hirschhorn, MGV Kortelshütte, Frohsinn Langenthal, Sängerbund Neckarsteinach, Eintracht Rothenberg und Frohsinn Rothenberg.

Der Sitz der neu gegründeten Vereinigung war Neckarsteinach. Dort wurde auch am 29./30. Juni 1929 das Gaubanner eingeweiht, das bis zur Auflösung bei allen offiziellen Anlässen mitgeführt wurde. Die jährliche Abhaltung von Wertungssingen, die Teilnahme an Bundeschorfesten und die gegenseitige Unterstützung durch Besuche bei Nachbarvereinen waren die wesentlichen Aktivitäten der Sängervereinigung.

In Folge des Zweiten Weltkrieges kam die Arbeit des Sängerkreises 1945 zum Erliegen, wurde aber 1948 wieder aufgenommen. Im 50. Jubiläumsjahr 1975 gehörten ihm stolze 17 Vereine an mit 17 Männer- und zwei gemischten Chören, einem Jugendchor und drei Kinderchören an: insgesamt 740 Sängerinnen und Sängern. Eine solche wurde nie wieder erreicht. Geographisch erstreckte sich das Gebiet von Darsberg über Hirschhorn und Unter-Schönmattenwag bis nach Gammelsbach, Sensbachtal und an die bayrische Grenze mit Hesselbach.

Wesentlich geprägt wurde der Sängerkreis Neckartal auch immer von seinen Vorsitzenden. Ganz besonders hervorzuheben ist die Zeit ab 1979, als Friedel Sepp aus Schöllenbach mit seiner gewinnenden Art für großen Zusammenhalt im Inneren und auch für eine starke Präsenz des Chorgesangs nach außen sorgte, erläutert Gert Menges.

Das 75. Jubiläum wurde im Jahr 2000 mit noch 15 Kreisvereinen begangen. Hier zeichnete sich bereits eine Trendwende ab: Mangels männlichem Nachwuchs hatten sich mittlerweile einige Männerchöre für Frauen geöffnet und so zu gemischten Chören gewandelt. So hatte der Sängerkreis nun insgesamt 660 Stimmen. Die Ära Friedel Sepp endete 2001 nach 22 Jahren. Danach konnte man den jungen Udo Mayer aus Unter-Schönmattenwag für den Vorsitz gewinnen, der bis 2007 amtierte.

Um den Vorsitzenden zu entlasten, entschloss man sich damals zu einer Doppelspitze, die mit Jutta Ihrig (Schöllenbach) und Ingrid Reinschild (Gammelsbach) eine gute Besetzung fand. Seit Herbst 2012 wurde der Vorsitz bis zuletzt im jährlichen Turnus reihum von den jeweiligen Vorsitzenden der Mitgliedsvereine wahrgenommen, „was auch erstaunlich gut funktionierte“, erinnert sich Menges schmunzelnd.

Mitte 2019 verließ der größte bis dato im Sängerkreis beheimatete Verein, der Sängerbund Unter-Schönmattenwag, die Vereinigung und schloss sich dem Sängerkreis Weschnitztal-Überwald an. Als kurze Zeit darauf noch die Nachricht eintraf, der MGV Liederkranz 1898 Kortelshütte befände sich in Auflösung, sah man im Vorstand die Notwendigkeit gegeben, den Fortbestand des Sängerkreises Neckartal insgesamt zu hinterfragen.

Denn es gab dann nur noch neun angeschlossene Vereine: Eintracht 1912 Falken-Gesäß, Gemischter Chor Finkenbach, Liederkranz 1912 Gammelsbach, Eintracht/Sängerbund Hirschhorn (derzeit nicht aktiv), Sängerbund 1860 Neckarsteinach, MGV Liederkranz 1898 Ober-Hainbrunn, MGV 1911 Rothenberg, Sängerkranz Schöllenbach und MGV Eintracht-Liederkranz 1882 Sensbachtal.

Nach dieser Bestandsaufnahme wurde ab Herbst 2019 im Vorstand diskutiert, ob angesichts des Wegfalls dieser beiden Mitgliedsvereine und einer damit einhergehenden drastischen Reduzierung des belastbaren Personals (nicht zuletzt auch wegen der immer ungünstiger werdenden Altersstruktur) eine Wahrnehmung der Aufgaben im Sängerkreis überhaupt noch gewährleistet werden kann.

Angesichts der geringen Anzahl der verbliebenen Vereine und der Diversität ihrer Chorarbeit konnte zukünftig keine vereinsgerechte Förderung mehr angeboten werden, bedauert Menges. Auch die Ausrichtung von Veranstaltungen erwies sich als fast nicht mehr lösbare Aufgabe. So wurde die Auflösung zum 31. Dezember 2020 beschlossen.

Zum 1. Januar 2021 fanden vier Vereine im Sängerbund Odenwaldkreis (Falken-Gesäß, Finkenbach, Gammelsbach, Schöllenbach), drei im Sängerkreis Weschnitztal-Überwald (Sensbachtal, Rothenberg, Ober-Hainbrunn) und einer im Badischen Sängerbund (Neckarsteinach) eine neue Heimat. In Hirschhorn ruht derzeit der Betrieb.

Am 25. April vergangenen Jahres hätte es eine durch den MGV Sensbachtal organisierte Abschluss-Veranstaltung mit allen Vereinen geben sollen. Dabei wollte man auch zahlreiche Jubilare ehren. Pandemiebedingt wurden jedoch alle Planungen zunichte gemacht. So bleibt den Vereinen nun die Hoffnung, nach der Zeit der Gesangsabstinenz ein verspätetes Abschlussfest feiern zu können.

Die Holzpreise werden sich erholen

Beerfelden. „Mein Freund, der Baum, ist tot“, hieß es vor Jahrzehnten im Schlager, damals noch auf den sauren Regen gemünzt. Heutzutage gibt’s eine unerwünschte Neuauflage des Klassikers. Der Baum, meistens die Fichte, starb zwar nicht im ersten Morgenrot. Sondern es ist „keine ganz neue Problematik“, erläutert Beerfeldens neuer Forstamtsleiter Ronny Kolb. Der 44-Jährige ist in Oberzent kein Unbekannter, denn er war hier schon lange Jahre bis 2017 tätig.

„Über den Klimawandel und Wettextreme wird schon längere Zeit diskutiert“, sagt Kolb. Allerdings ist es für ihn „erschreckend“, mit welcher Wucht die Veränderung in den vergangenen drei Jahren zugeschlagen hat. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht: „Der Odenwald ist noch ganz gut davongekommen“, betont der Forstamtschef. Es gab keine größeren Stürme wie in Nordhessen. Dadurch stellt sich das Waldbild „noch ein bisschen besser dar“.

Durch die Trockenheit in den vergangenen drei Sommern gab es eine schnelle Vermehrung des Borkenkäfers, schildert er das Problem. Aufgrund der schnellen Reaktion im südlichen Odenwald „haben wir noch ziemlich gute Zahlen“, ist Kolb stolz auf das professionelle Handeln seiner Mitarbeiter in einem Gebiet, das von Neckarsteinach bis Wald-Michelbach, von Abtsteinach bis nach Hesselbach reicht.

Das Ergebnis: „2020 gab es deutlich weniger Käferholz als 2019.“ Das lag auch daran, dass es eine bisschen bessere Verteilung der Niederschläge in der Vegetationsperiode gab. Dazu eine „erfahrene Mannschaft, die weiß was sie tut“. Und eine schnelle Aufarbeitung des Käferholzes. Denn der Faktor Zeit war wichtig, um eine weitere Ausbreitung des Schädlings zu verhindern. „Wir haben auf der Fläche viel richtig gemacht“, hebt Kolb hervor.

Das alles gilt aber nur für die von Hessen Forst betreuten Flächen. Anderen Waldeigentümern ist es mitunter schwierig zu vermitteln, befallenes Holz schnell aufzuarbeiten. Der Forstmann kann es jedoch durchaus verstehen, dass manche nur zögerlich handeln. Denn aktuell „ist es im besten Fall ein Nullsummenspiel“. Sprich: Die Kosten sind mit Glück gerade mal gedeckt, aber Erlös lässt sich keiner erzielen. „Das ist das Dramatische an der Situation“, erklärt er.

Verkaufen lässt sich quasi alles, da Holz nachgefragt wird. „Das Problem ist der Preis.“ Bis Anfang 2017 bewegte sich Fichtenstammholz bei etwa 90 Euro für den Festmeter. Käferholz wird aktuell mit 30 Euro gehandelt, macht den Verfall klar. Bei Aufarbeitungskosten zwischen 25 und 30 Euro ist deutlich, wo das Problem liegt. Geplante Einschläge gibt es schon lange nicht mehr. „Bei Fichte haben wir einen Einschlagstopp.“

Auf Landesebene wird darüber hinaus diskutiert, wie es mit der Buche weitergehen soll. Denn die zeigt bereits auch Absterbe-Erscheinungen. Grund: die Trockenheit. Im Odenwald ist das laut Kolb zum Glück noch nicht so ausgeprägt wie in der Ebene. Probleme gibt es unter anderem dann, wenn kaputte Bäume an Straßen und Wegrändern stehen.

Die große Preisfrage für den Forst in den kommenden Jahren lautet: „Wie gestalten wir unseren Wald teilweise um, um ihn stabil zu machen für den Klimawandel?“ Eine Maßnahme: Auf der Fläche sollen deutlich mehr Baumarten existieren als bisher. Denn mit drei bis fünf Sorten gegenüber den aktuellen Monokulturen ergibt sich eine Risikoverteilung, erläutert Kolb. Er vergleicht das ein wenig mit einem Gemischtwarenladen: Ist eine Schublade leer, „gibt es noch 20 andere“.

90 bis 95 Prozent werden das aber heimische Arten sein, versichert er. Denn bei mediterranen Bäumen weiß man gar nicht, „wie die sich bei uns verhalten“. Buche, Eiche, Tanne, Douglasie: Die Bandbreite ist groß. Genau geachtet wird auch den richtigen Untergrund und Standort. Ein solcher Waldumbau braucht perspektivisch aber 30 bis 40 Jahre Zeit, weshalb aktuell die Planungen „mit Nachdruck“ vorangetrieben werden. Es sind Kolb zufolge vor allem die alten Bäume, die große Probleme haben.

Seine Hoffnung: Neu gepflanzte Bäume, „die nichts anderes kennen“, kommen in spe mit der Trockenheit besser zurecht und adaptieren ihre Standortbedingungen. Breitere und tiefere Wurzeln oder kleinerer Wuchs wären solche Anpassungen an die Gegebenheiten. Diese „Lernfähigkeit“ traut der Forstmann aus Erfahrungen den Gewächsen durchaus zu.

Die Forstleute „müssen sehr langfristige Entscheidungen treffen“, verdeutlicht er. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die letzten Fichten gepflanzt wurden, „dachte noch keiner an den Klimawandel“. Man versuche deshalb mit bestem Wissen und Gewissen zu handeln. Aber keiner weiß, „ob es in 50 oder 100 Jahren auch so funktioniert“.

Licht am Ende des Tunnels sieht er für die gebeutelten Waldbesitzer, die derzeit nichts mehr im Geldbeutel haben. Das kommende Jahr wird noch eine Durststrecke sein, 2022 vielleicht auch. Aber danach rechnet Kolb mit einer Erholung der Preise. Jedoch wird diese „nicht so rapide ausfallen wie der Verfall“, warnt er. Jedoch: „Gerade die Fichtenpreise dürften wieder deutlich anziehen.“

Denn Holz wird weiter stark nachgefragt und die aktuelle Schwemme ist dann weg. Vorausgesetzt, ein Sturm bläst nicht wieder Millionen von Festmetern um. Der Forstamtschef weiß um den „riesigen Holzdurst“ in Deutschland, der den Einschlag von 60 bis 80 Millionen Kubikmetern im Jahr weit übersteigt. Aktuell werden deshalb zusätzlich große Mengen importiert. Holz ist, betont er, „einer der wenigen Rohstoffe, die wie hierzulande produzieren“. Deshalb seine Prognose: „Die Nachfrage wird ungebrochen sein.“

Landwirtschaft sorgt für Artenvielfalt im Odenwald

Dass Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam für Artenvielfalt sorgen können, darum ging es bei einem Termin „vor Corona“ in Hirschhorn. Rund 20 Landwirte aus der Region trafen sich auf Einladung des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt mit der dort angesiedelten Oberen Naturschutzbehörde, dem Forstamt Beerfelden und den Ämtern für Landwirtschaft Bergstraße und Odenwaldkreis zu einer Gebietskonferenz.

Henriette Wache vom RP Darmstadt und Karsten Böger vom Büro Naturplan informierten über das Natura-2000-Schutzgebiet „Odenwald bei Hirschhorn“. Dort seien noch erfreulich viele artenreiche und buntblühende Wiesen anzutreffen, wie sie andernorts im Odenwald bereits sehr selten sind. Diese Wiesen werden von den an der Veranstaltung teilnehmenden Landwirten überwiegend im Nebenerwerb gemäht oder beweidet.

Gudrun Kranhold vom Forstamt Beerfelden, die das Schutzgebiet im Auftrag des RP betreut, berichtete von ihren Pflegemaßnahmen. Ziel sei, möglichst viele Flächen in landwirtschaftlicher Nutzung zu halten und sie auf brachgefallenen Flächen wiederaufzunehmen. Nach der Entbuschung werden die Wiesen dann von den Landwirtinnen und Landwirten weiterbewirtschaftet.

Bei der Diskussion zeigte sich, dass vielfältige Hindernisse bei der Grünland-Bewirtschaftung bestehen. Dazu zählen steile Hänge, Giftpflanzen, aber auch die Vorgaben für Düngung und Mahd und die geringe finanzielle Entlohnung für die Erhaltung des Grünlandes. Die Jagd auf Wildschweine, die große Schäden anrichten und den Landwirten erhebliche zusätzliche Arbeit machen, müsste aus Sicht von Landwirtschaft und Naturschutz verstärkt und vereinfacht werden.

„Dank des Engagements der örtlichen Landwirtschaft ist das Natura-2000-Gebiet mit seinen artenreichen, bunten Wiesen ein Vorbild für eine naturgerechte Landwirtschaft“, so Henriette Wache. Diese habe jedoch nur eine Zukunft, so die einhellige Auffassung der Anwesenden, wenn diese Leistungen auskömmlich bezahlt werden.

Naturschutzgebiete und Nationalparks stehen aufgrund nationaler Bestimmungen unter Schutz. Natura 2000 ist ein europäisches Gebietsnetz, das europaweit bedeutsame Lebensräume, Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt schützt. Mehr Informationen zu diesem Thema gibt es auf der Internetseite des Regierungspräsidiums unter https://rp-darmstadt.hessen.de/umwelt/naturschutz

Massive Kritik am Windkraft-Regionalplan

Die Stimmungslage war eindeutig: 400 gegen 4. Von der Geschäftsstelle der Regionalversammlung war im Vorfeld der dortigen Beratung über den Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energie (TPEE) zur Windenergie ein Infotermin in der Erbacher Werner-Borchers-Halle anberaumt worden. Gekommen waren, so zumindest der Rückschluss aus den Wortmeldungen, ausschließlich Windkraftgegner. Und die in Massen.

Sie heizten den Referenten mit kritisch-fundierten Fragen gehörig ein und rüttelten ein ums andere Mal am mühsam gezimmerten Kartenhaus eines geordneten, fairen Verfahrens. Wirklich Neues wurde von den Vortragenden nicht vermittelt, sodass sich etlichen Besuchern der Eindruck einer Alibi-Veranstaltung aufdrängte, mit der man den Schein einer Bürgerbeteiligung wahren wollte – nach dem Motto: „Wir haben ja informiert.“

Die Marschrichtung gab gleich Erbachs Bürgermeister Peter Traub in seiner Begrüßung vor. Er machte aus seiner Ablehnung der Odenwald-Verspargelung keinen Hehl und sprach sich für möglichst wenige Windräder in der Mittelgebirgslandschaft aus. Für ihn geht es nicht darum, wie viel Prozent der „wunderschön gewachsenen Kulturlandschaft“ für Windenergie zur Verfügung gestellt werden, sondern ganz einfach und direkt um die Frage „Wie sieht’s aus?“ Er sprach damit dem Saal aus dem Herzen.

Dorthin waren auch die laut Organisatoren-Angaben über 300 Demonstranten eingezogen, die vorher ihren Unmut beim Marsch von der Post bis zum Veranstaltungsort lautstark kundgetan hatten. Knapp die Hälfte davon dürfte aus dem Überwald gewesen sein, so die Schätzung. Von dort kam auch Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber nach Erbach. Unter den Gästen waren aus dem Kreis Bergstraße auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Peter Stephan, der Wald-Michelbacher Gemeindevertreter Udo Klos und Corinna Schierz aus dem Landratsamt.

Durch die Herausnahme der Weißflächen, wo es etwa noch Artenschutzbelange oder andere Details zu klären gibt, soll eine Verabschiedung des TPEE (in dem dann alle restlichen, „unbedenklichen“ Flächen enthalten sind) noch in diesem Jahr erreicht werden. Die Kritiker wehren sich aber vehement gegen dieses Vorgehen. Sie sehen darin Augenwischerei, weil die Weißflächen in einem nächsten Schritt wieder aufgenommen werden könnten. Deshalb wird von ihnen mit Nachdruck eine dritte Offenlage des kompletten Regionalplans gefordert – und keine Teil-Verabschiedung.

Dass der Meisenberg zwischen den Wald-Michelbacher Ortsteilen Aschbach und Affolterbach zu einer Weißfläche wurde (und nicht komplett aus der Planung flog, wie im Vortrag suggeriert), geschah laut Planer Till Felden in dem Ansinnen, die Umfassung von Ortslagen zu vermeiden. Mindestens zwei Mal 60 Grad seien rund um ein Dorf freizuhalten. Was in diesem Fall für den Oberzent-Stadtteil Raubach nicht gegeben sei. Dass man von der Raubach den Höhenzug gar nicht sehen kann, ließ er aber außen vor.

Es war diese Aussage, die Sascha Weber auf die Windrad-Palme brachte. Er habe „erhebliche Zweifel an der aktuellen Planung“, sagte er. Von Wald-Michelbach wurde extra ein Teil-Flächennutzungsplan Windkraft für das Gemeindegebiet erstellt. In enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium, wie er betonte. Von diesem sei ein teures Artenschutzgutachten gefordert worden. Das ergab, „dass der Meisenberg aus dem Regionalplan als Vorrangfläche rausfliegen müsste“, so Weber, „wird jedoch ignoriert“, kritisierte er. Stattdessen werde er nur Weißfläche, damit man das Gebiet „zu einem späteren Zeitpunkt wieder reinmogeln kann“.

Das Gutachten „taucht im Regionalplan überhaupt nicht auf“, legte er den Finger in die Wunde. Auch auf dem Lannertskopf bei Ober-Schönmattenwag „dürfte nichts gemacht werden“, hob der Bürgermeister hervor. „Was wird dann berücksichtigt, wenn nicht diese Gutachten“, fragte er rhetorisch. Um darauf hinzuws eine solche Regionalplan-Vorlage für die Mitte Juni tagende Regionalversammlung kaum fehlerfrei sein könne. Nach dem Motto „König schlägt Bauer“ interpretierte Dr. Helmuth Beck, im RP Abteilungsleiter für Regionalplanung die Dominanz des TPEE gegenüber kommunalen Planungen: Für den Regionalplan gälten andere Bedingungen, meinte er lapidar an Weber gewandt.

Die beiden Planer aus dem Regierungspräsidium Darmstadt, neben Felden auch Ulrike Güss, konnten einem fast Leid tun. Sie mussten den Kopf für die nicht anwesende Regierungspräsidenten Brigitte Lindscheid hinhalten, ernteten oftmals Hohn und Spott für ihre Aussagen. Ihnen blieb angesichts der geballten Kritik und des Unverständnisses über die RP-Handlungsweise oftmals nur der Verweis, dass vorgegebene Landesgesetze in eine Planung gegossen wurden. Mit dem nicht ausgesprochenen Satz:  egal was man davon hält und wie sinnvoll diese sein mögen.

Mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt und Energie in der Regionalversammlung Südhessen, dem FDP-Politiker Peter Engemann, stand zudem ein ausgewiesener Windkraft-Kritiker auf dem Podium. Beck machte sich in der Folge keine Freunde damit, als er mit Blick auf die Herausnahme der Weißflächen und der vorzeitigen Verabschiedung des Rests von einer Straffung des Verfahrens sprach.

Bürger-Kritik

  • Im Regionalplan wird von einer Windrad-Höhe von 200 Metern ausgegangen, Stand der Technik sind aber 300 Meter? -> Ulrike Güss: Stimmt. Eine mögliche Beeinträchtigung durch höhere Windräder wird im Bundesimmissionsschutz-Verfahren(BimSch) abgeprüft.
  • In Baden-Württemberg und Bayern gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen? -> Till Felden: Ja. Es handelt sich um Länderrecht.
  • Warum darf in Sichtweite des Kulturdenkmals Beerfelder Galgen ein Windpark gebaut werden? -> Güss: Die Denkmalschutzbehörde hat den Mindestabstand auf zwei Kilometer festgelegt, womit das projektierte Gebiet „Katzenwinkel“ machbar wäre.
  • Widerspruch Windräder im Unesco-Geopark? -> Felden: Wenn wir diesen als Ausschlusskriterium genommen hätten, wäre der Plan niemals zustande gekommen. Es gibt keine rechtliche Erfordernisse, ihn auszuschließen.
  • Natura 2000-Gebiete als Tabuzone? -> Felden: Derzeit nach BimSch noch nicht, das würde erst mit dem verabschiedeten Regionalplan gelten.
  • Beweislast für gefährdete Tierarten liegt in Hessen beim Bürger? -> Güss: Es gibt verschiedene, immer wieder aktualisierte Gutachten durchs Land.
  • Weitere Themen: tatsächlicher Beitrag zum Klimaschutz, signifikante Stromproduktion in einer windschwachen Region, Blick über die Ländergrenzen, Landschaftsschutz vor dem Hintergrund des hessischen Verfassungsziels Nachhaltigkeit, Brandschutz bei Windrädern

Besonders schöne Stämme kommen unter den Hammer

Die besten und wertvollsten Stämme aus dem Bereich des Forstamts Beerfelden gibt’s derzeit bei der Eberbacher Nadelholz-Submission zu ersteigern. Je vier Lärchen und Douglasien hat Revierförster Stefan Aßmann bei Ober-Schönmattenwag ausgesucht, um mit ihnen bei der 12. Versteigerung dieser Art sehr gute Preise zu erzielen. Insgesamt 1206 Festmeter aus Baden-Württemberg, Hessen und Bayern kommen bis 14. Februar unter den Hammer.

Allen acht Stämmen mit zusammen 23 Festmetern ist gemein, „dass sie besonders schön und relativ gerade sind“, erläutert der stellvertretende Forstamtsleiter Sebastian Vocilka. Denn Käufer suchen Hölzer, die „an der Oberfläche astrein sind“, um in einem Stück verarbeitet werden zu können. Die jetzt zum Verkauf stehenden Bäume haben ihre Äste schon relativ früh verloren, weshalb schon Holz und Rinde darüber gewachsen ist. Es ist nicht so schlimm, wenn es einen einzelnen, dickeren Ast gab: Denn der konnte weggesägt werden, womit der Rest des Stamms noch verwertbar ist, sagt er.

Damit es sich fürs Forstamt lohnt, überhaupt einen voll beladenen Lkw nach Eberbach zu schicken, „müssen die Stämme eine gewisse Stärke haben“, so Vocilka. Ab 50 Zentimeter Durchmesser, also Stärke 5, „wird’s für den Käufer interessant“, weiß er. Zehn oder 20 Zentimeter mehr, Stärke 6 oder 7, „bringen gute Preise“. Bei der Douglasie kommt außerdem hinzu, dass sie groß gewachsen sein sollte.

Mit zehn bis 15 Metern Länge wuchern die vier in Eberbach befindlichen Stämme, dazu mit einem Durchmesser ohne Rinde von 58 bis 63 Zentimetern. „Die Sägewerke zahlen dafür in der Regel gute Preise“, weiß Vocilka. Denn auf den Submissionen sind „dicke Stämme gesucht“. Sie sollen außerdem einen guten Jahresring-Aufbau haben. Wenn diese zu breit sind (über einen Zentimeter), ist der Baum zu schnell gewachsen.

Lärchen der Stärkelasse 6 gibt es nicht so viele auf dem Markt, sagt der Forstmann. Deshalb rechnet er sich für diese und auch etwas schwächere Stämme ein nettes Sümmchen aus. Das muss unterm Strich auch rauskommen, damit sich der Aufwand lohnt. Gebühren, Kosten und Transport läppern sich zu einem Aufschlag von 40 Euro pro Festmeter, der mindestens zusätzlich zum normalen Verkaufspreis „aus dem Wald“ obendrauf kommen muss. Sonst würde es sich fürs das Forstamt nicht rechnen.

Wenn eine besonders gut gewachsene Douglasie direkt aus dem Gemeindewald verkauft wird, sind zwischen 120 und 180 Euro/fm machbar, erläutert der Forstbeamte. Damit also die Kosten „drin sind“, müssten es bei der Submission mindestens 200 bis 220 werden. Vocilka ist optimistisch, dass die anvisierten Preise erzielt werden können. Denn eine solche Qualität findet sich nicht überall. Die Bieter werden für die „richtig wertvollen Sachen“ auf jeden Fall höhere Angebote abgeben, damit sie den Kauf sicher haben. Manchmal komme man so sogar über 300 Euro pro Festmeter.

Anfang 2018 war das Forstamt Beerfelden mit stolzen 150 Festmetern aus den angeschlossenen Revieren vertreten. „Damals hatten wir vorher große Hiebe vor allem im Staatswald“, sagt Vocilka. „Die Submission war insgesamt ein Erfolg“, blickt er zurück, wenn sich auch einzelne Stämme nicht so lohnten. In den Süden Bayerns, in den Schwarzwald, aber auch in den Norden verkaufte man die Stämme. Jetzt ist alles anders. Erst kam Sturm Friederike, dann der Borkenkäfer, weshalb man gerade im Fichten- und Kiefernbereich die Einschlag-Bremse zog.

Bei der Submission zählt ebenfalls das Motto: „Dabei sein ist alles.“ Die Forstamts-Mitarbeiter „können etwas über unsere Kunden lernen“, betont Vocilka. „Wir erfahren, was gesucht wird.“ Auch ergeben sich Anschlussgeschäfte. Wie vergangenen Jahr, als ein Sägewerk aus Bayern nur einen halben Lkw voll hatte und noch ein paar Hölzer zum Auffüllen suchte. Die Nadelholz-Versteigerung ist eine Art Messe, auf der sich die Holzvermarkter präsentieren, so der Forstmann. Werbung in eigener Sache heißt die Devise auf einem hart umkämpften Markt.

Die Nadelholz-Submission in Eberbach wird seit 2008 jährlich von den unteren Forstbehörden des Rhein-Neckar- und Neckar-Odenwald-Kreis organisiert. Die Hölzer kommen aus den Regionen Odenwald, Bauland und Heilbronn und somit aus Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Im Schnitt werden 400 Stämme angeboten. Dieses Jahr wird die Rekordmenge von über 1200 Festmetern, davon 730 fm Lärche und 473 fm Douglasie, versteigert. Kiefer ist zu vernachlässigen.

Die erste Abfrage an die Forstämter erfolgt bereits im September oder Oktober des Vorjahres: „Wie viel Holz bringt ihr dieses Mal her?“, heißt es dann an die Vermarkter. Bis Mitte Februar können sich Kunden nach der Anlieferung um die Jahreswende aufgrund des Losverzeichnisses und vor Ort einen Überblick verschaffen, um dann bis spätestens 14. Februar ein Angebot bei der Forstbetriebsleitung Schwarzach abzugeben. In der Regel erhält einen Tag später das höchste Angebot den Zuschlag. Die Käufer müssen die Hölzer bis Ende März abholen.

 

Sturm und Käfer lassen Nadelholz-Preise purzeln

Wohl dem Waldbesitzer, der viel Laubholz in seinen Beständen hat. Dafür sind derzeit noch gute Preise zu erzielen. Beim Nadelholz sieht es eher duster aus. Sturmtief „Friederike“ und der Borkenkäfer setzten vor allem der Fichte stark zu und ließen die Preise purzeln. Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, und sein Stellvertreter Sebastian Vocilka skizzierten die aktuelle Marktlage auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG). Diese umfasst die angegliederten Gemeinden des Forstamts Beerfelden, also auch Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach.

Der südliche Odenwald wurde im Januar von Friederike einigermaßen verschont, erläuterte Forstamtsdirektor Sasse. Im Bereich des Forstamts Beerfelden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen. Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern.

Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Allein in Hessen seien eine Million Festmeter betroffen. Bisher wurden im Forstamtsbereich Beerfelden bereits 40.000 fm weggeschafft, wobei er fürs komplette Jahr mit 60.000 rechnet. Betroffen ist vor allem die Fichte – die im Odenwald vorherrschende Baumart, mit der das meiste Geld verdient wird.

Das Problem beim Borkenkäfer: Er ist kein einjähriges Phänomen. „Das dauert mehrere Jahre, bis er wieder verschwunden ist“, so der Forstamtschef. Nach dem Jahrhundertsommer 2003 plagte der Buchdrucker den heimischen Wald bis 2007. Sasse geht davon aus, dass somit in den kommenden Jahren immer um die 60.000 fm Schadholz anfallen, das auf dem Markt den Preis drückt.

Wie stark, machte Sebastian Vocilka deutlich. Vor einem Jahr erzielt das Forstamt noch 92/93 Euro für den Festmeter Fichte. Aber: „Ab dem 18. Januar ging es abwärts.“ An diesem Tag zog Friederike über Deutschland. Käferholz lässt sich derzeit für 45 bis 50 Euro verkaufen, „Tendenz fallend“. Beim Nadel-Frischholz, das allerdings wenig nachgefragt wird „sind wir von den früheren Preisen weit entfernt“, sagte er.

Er empfahl deshalb den Waldbesitzern, erst einmal das Schadholz aufzuarbeiten und den Rest stehen zu lassen. „Es kommen wieder bessere Zeiten“, so der Forstamts-Mitarbeiter. Zwar betreffen die Schäden vor allem die Fichte, „aber der Kieferpreis wurde mit runtergezogen“, bedauerte Vocilka. Lediglich die Douglasie „bringt ordentlich Geld“. Hier sind die Preise mit 100 Euro/fm stabil.

Mit Laubholz wie Buche, sonst oft das Stiefkind, „kann man derzeit viel Geld verdienen“, erläuterte er. Preise für Eichenholz „schießen durch die Decke“. Vocilka empfahl deshalb, wenn möglich diese Baumarten einzuschlagen, frisches Nadelholz stehen zu lassen und erst einmal das vom Borkenkäfer befallene zu verwenden. Kollegin Gudrun Kranhold ergänzte, dass im vergangenen Jahr im Privatwald sowieso weniger als zuvor eingeschlagen worden sei.

In ihrem Geschäftsbericht für 2017 sprach sie von einem Mitglieder- und Flächenzuwachs bei der FBG. Im vergangenen Jahr wurde auf knapp 900 Hektar gekalkt. Der Kassenstand ist laut Kranhold weiterhin ansehnlich im Plus. Sie betonte, dass die Kassengeschäfte wie bisher weitergeführt werden können, da die fusionierte Stadt Oberzent in den Vertrag von Beerfelden eintrat, wo dies zuvor Hans Mader erledigte. Der übernimmt auch weiterhin die Kasse. Die Geschäftsführung der FBG bleibt in den Händen des Forstamts Beerfelden.

Da der bisherige Vorsitzende Gottfried Görig, vormals Bürgermeister in Beerfelden, nicht mehr kandidierte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ralf Kredel (Etzean), bisher Stellvertreter, übernimmt den Posten. Ihm zur Seite steht nun Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer als neuer Stellvertreter.

Odenwald will sein Holz selbst vermarkten

Die Holzvermarktung in Hessen muss neu organisiert werden. Ab 1. Januar 2019 darf Hessen Forst das Holz der Kommunen nicht mehr verkaufen. Eine Ersatzvermarktung muss somit dringend her. Für Oberzent läuft das auf einen Zweckverband der Odenwaldkreis-Kommunen hinaus, erläutert Bürgermeister Christian Kehrer. Daran anschließen können sich die angrenzenden Orte des Landkreises Bergstraße, sofern sie auch im Odenwald liegen. Bei ihnen sind die Interessen ähnlich gelagert.

Alles begann mit dem Urteil des Bundeskartellamts aus dem vergangenen Jahr gegen eine angebliche Machtkonzentration in den Händen der baden-württembergischen Forstämter. Die waren – wie die hessischen auch – für Beförsterung und gleichzeitig Holvermarktung zuständig. Zu viel der Kohle, zu viel Einfluss meinte das Gericht. Dieses Urteil schlägt nun auch ins Nachbarbundesland durch. Eile ist geboten.

Der Rathauschef macht keinen Hehl daraus, dass er die neue Lösung für falsch hält. „Die bisherigen Synergieeffekte fallen weg“, betont er. Hessen Forst konnte bis zu diesem Jahr die Holzernte aus Landes-, Privat- und Kommunalwald in einem Schwung abernten und unter die Abnehmer bringen. Das geht jetzt nur noch für die ersteren beiden. Was für die Gemeinden heißt, dass ein zwischengeschalteter Unternehmer ebenfalls sein Geld haben will, was vom Gewinn abgeht. Vor dem Hintergrund sowieso sinkender Preise und dem Buchdrucker-Befall keine glänzenden Aussichten.

Ursprünglich waren sechs Holzvermarktungsorganisationen auf Landesebene geplant, so Kehrer. Doch diese Gebilde stellten sich als zu groß und zu unterschiedlich gelagert heraus. Eine Stadt wie Oberzent, deren Fläche zu 70 Prozent von Wald bedeckt und für die das Holz ein veritabler Wirtschaftsfaktor ist, hat andere Interessen wie etwa Darmstadt, wo dem Wald vor allem eine Erholungsfunktion zukommt, führt er aus.

Auch die Variante, Landkreis Bergstraße und Odenwaldkreis unter ein Dach zu bringen, „war nicht der Favorit“, betont er. Dazu ist das Ried in der Rheinebene zu weit weg und völlig anders aufgestellt, was sich schon an der Waldfläche bemerkbar macht. Deshalb sind Oberzent (2400 Hektar) und Wald-Michelbach (1600 Hektar) als waldreichste Kommunen in den beiden Kreisen nun federführend bei der Neuorganisation, die die Gemeinden im Odenwald mit viel Waldbesitz kreisübergreifend zusammenführend soll. Aus dem Landkreis Bergstraße sind weiterhin Gras-Ellenbach, Abtsteinach, Hirschhorn, Neckarsteinach, Fürth und Mörlenbach mit involviert.

Zum einen muss es zwar schnell gehen, zum anderen sind aber „die Förderrichtlinien des Landes sind noch nicht draußen“, bedauert der Bürgermeister. Denn bei einer solchen Neuorganisation schießt das Land je nach Größe bis zu 500.000 Euro. Im konkreten Fall dürften es 200.000 Euro sein. „Wir sind zeitlich im Verzug“, so Kehrer. Es sollte dieses Jahr noch eine Entscheidung getroffen werden, um 2019 Beschlüsse fassen zu können.

„Wir haben eine Vorlage erstellt und eine Satzung ausgearbeitet“, erläutert das Stadtoberhaupt. Derzeit läuft die rechtliche Prüfung. Es geht um ein „verbindliches Gebilde“ in Form eines Zweckverbands oder eine Anstalt öffentlichen Rechts. Er rechnet damit, dass die entsprechenden Beschlussvorlagen in die Novemberrunde der verschiedenen Gremien kommen.

 

Beide brennen füreinander: Besonderes Tasting in der Schmucker-Brauerei

Eigentlich, schmunzelt Brenner Johannes Gehrig, „stelle ich ja diese Brände und Liköre aus einem Abfallprodukt her“ – aber einem sehr hochwertigen, wie er gleich hinzufügt: dem Alkohol, der bei der Herstellung des alkoholfreien Schmucker-Bieres „abfällt“. Das sogenannte Brüdenkonsendat verwendet Gehrig bei den Odenwälder Feinen Bränden in Litzelbach dafür, um daraus hochprozentige und wohlschmeckende Gaumengenüsse zu kreieren. Diese wurden nun erstmals zusammen mit Schmucker den Interessierten bei einem Tasting in den Brauereiräumen vorgestellt.

Raubacher Jockel und Räuber sowie Bockbierlikör „Walhalla“ und der Odenwälder Blutwurz fanden bei den Besuchern viel Widerhall. Die waren zu Beginn von Tanja Lenz durch die Brauerei geführt worden, ehe es dann zum Probieren ging. Nach den hochprozentigen Leckereien mit etwas mehr Umdrehungen gab es danach auch noch vier Biere von Schmucker zu verkosten: Landbier, Doppelbock dunkel, Bio Hell und Märzen. In der Bewirtung war auch Ute Bernhard mit dabei.

Johannes Gehrig ging zu Beginn auf die Hintergründe ein, wie es zur Zusammenarbeit kam. Angefangen hat alles mit einem Bierlikör. Den hat Gehrig mal kreiert und bei Schmucker gefragt, „ob die an so etwas Interesse haben“. Zuerst war das Jockel-Endprodukt zuerst sehr malzlastig und „geschmacklich noch nicht der Renner“. Der gewiefte Brenner griff dann etwas in die Trickkiste. Er legte den Brand ein Jahr lang in ein ehemaliges Bourbon-Fass aus amerikanischer Weißeiche. Das Endprodukt wurde dann dem Schmucker-Vorstand vorgestellt. „Die waren total begeistert“, freute sich Gehrig. Nur 54 Halbliter-Flaschen gibt es davon. Sind die weg, ist erst einmal Schluss.

Auf 57 Flaschen bringt es der Räuber. Der wurde mehrere Monate in einem italienischen Kastanienfass gelagert. Vorher hatte Gehrig dort mehrere Monate Doppelbockbier drin (würde er das nicht tun, käme die Gerbsäure durch). Dadurch nahm der Brand dessen Geschmack an. Auch ist eher das Malzige zu spüren. „Noch milder“ beschreibt ihn Gehrig mit den 37,5 Prozent im Vergleich zu seiner ersten, 39,2-prozentigen Kreation aus der Schmucker-Zusammenarbeit.

In seinem Erzählfluss wurde der Brenner dann von seiner „Chefin“ Monica Gehrig-Hummel gestoppt. „Babbel net so viel, die Leit hawwe Dorscht“, sagte sie. Während der Verkostung des vollmundigen Raubacher Jockels, bei dem vor dem geistigen Auge nicht die Odenwälder Hügel, sondern die schottischen Highlands auftauchen, erläuterte Gehrig, dass das „Arbeitsmaterial“ mit 80 bis 86 Prozent aus der Brennblase rauskommt.

Ein weiterer Bestandteil des guten Geschmacks ist das Schmucker-Quellwasser mit einem Prozent deutscher Härte. Es wird zum Runtersetzen des Alkohols in den Bränden verwendet, sodass das Produkt mit 60 Prozent ins Fass kommt. Wie eben bei Whisky auch. Zur Degustation wurden Gläser von französischen Winzern verwendet. Die gehen nach oben hin zu „und deshalb kann man den Inhalt sehr gut riechen“, so der Brenner.

Nach den Bränden dann die Liköre, „um den Geschmack nicht zu verfälschen“. Eigentlich, verrät Gehrig, leiten sich deren Eigennamen alle von den Nibelungen her, weil der Grasellenbacher Ortsteil Litzelbach mit zu deren Jagdgebiet gehörte. „Aber die geben nicht genug Namen her“, lachte er. Weshalb man jetzt auf die nordischen Sagen auswich und etwa „Walhalla“ für den Bockbierlikör wählte. Herausgekommen ist ein angenehm nach Bier schmeckender Likör mit 22,3 Prozent und einer kräftigen Malznote.

„Außer Konkurrenz“ hatten die Gehrigs noch den Kaffeelikör „Götterdämmerung“ im Gepäck. Espressocafé aus einer kleinen Mannheimer Rösterei sowie Karamellzucker plus den Schmucker-Bieralkohol verwendet Gehrig für das süffige Getränk mit seinen 21 Prozent Alkohol. „Einzigartig, was du da herstellst“, lautete eine Reaktion aus Besucherkreisen. Die Produkte und die Zusammenarbeit wurden sehr positiv aufgenommen. Der Brenner nahm auch gleich einen Brenn-Auftrag mit nach Hause.

Die vier Brände und Liköre von „Odenwälder Feine Brände“, die in Zusammenarbeit mit der Brauerei hergestellt werden, haben als Grundbestandteil jeweils den Alkohol des Weizenbock- und Pilsbieres, der diesem bei Schmucker mittels Vakuumkondensation entzogen wird. Das sogenannte Brüdenkondensat hat zwischen acht und elf Prozent Alkohol. Malz und Hopfen dominieren den Geruch. Gebrannt (gereinigt) wird das Produkt in eineinhalb bis zwei Stunden.

Großer Zuspruch für den Kunsthandwerkermarkt der Schreinerei Bellut in Airlenbach

„Die Kunden warten schon immer sehnsüchtig darauf“, freut sich Jürgen Bellut. Sie kommen dann immer gern in großer Zahl zum Kunsthandwerkermarkt vorbei, den die Schreinerei jetzt zum achten Mal veranstaltete. Künstler auf dem Odenwald zeigen hier ihre Arbeit quasi „zum Anfassen“ und haben ihre schönsten Exponate eingepackt. Die Dorfgemeinschaft Airlenbach kümmert sich darum, dass auch das Lukullische zu seinem Recht kommt.

Lederarbeiten, Messer, Porzellan, Drechselwaren, Kunstglaserei, Rasenkunst, Näh- und Schnitzarbeiten, Seife oder Gefilztes: Die Angebotspalette war groß, die Zahl der Besucher auch. Im Laufe des Mittags füllt sich der Innenhof zwischen den Schreinereigebäuden immer mehr, sodass sich sowohl der 58-jährige Jürgen Bellut als auch sein designierter Nachfolger, der 24-jährige Mitgeschäftsführer Moritz Schuhmacher, über den guten Zuspruch freuen. Immer wieder wird auch fachliche Beratung zum Möbel- und Treppenbau sowie zum gesunden Schlafen nachgefragt.

Für seine Lederwaren hat Frank Derikatz aus Wald-Michelbach ganz hohe Qualitätsansprüche. Alles wird so weit wie möglich in Handarbeit hergestellt. Der 55-Jährige kennt seine Produzenten genau, weiß, woher sein Leder kommt, sucht sich die Gerberei akribisch aus, bei der er die benötigte Rohware kauft. Was Derikatz darüber hinaus benötigt, findet sich vielleicht sogar auf dem eigenen Grundstück. Wie etwa das Wachs für den Leinenzwirn, das die eigenen Bienenvölker liefern. Genäht wird ausschließlich mit Leinenzwirn, nicht mit Polyester.

Mit Produkten aus dem Hammelbacher Imasgo-Atelier des Vereins „Christen für Afrika“ ist Martine Rüdinger dabei. Der Erlös der Produkte aus Burkina Faso geht direkt wieder an die Menschen vor Ort, damit sich diese ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können. „Wir kaufen Stoff für einen Schneider in Imasgo“, so Rüdinger. Der näht dann Kleider auf Bestellung, bekommt seinen Lohn dafür und kann damit einen Teil seines Lebensunterhalts bestreiten. Unter den Waren sind auch afrikanische Tiere aus Ebenholz oder Kaïcedra, von den Dorfbewohnern hergestellter Schmuck aus Glas, Papier, Horn und Stoff oder filigrane Basteleien in Form von Autos oder Fahrrädern aus alten Blechdosen.

Thomas Weiterschan aus Forstel bei Höchst schnitzt schon 25 Jahre „Feine Wesen“ aus Holz. Seine Arbeiten entwickeln sich aus der Vorstellung heraus, „was zum Holz passt“. Aus einem Eichenbalken entsteht etwa eine Schleiereule. „Ein Kamel wäre unpassend“, schmunzelt er. Material ist für den Diplom-Designer manchmal auch Inhalt. Früher waren es vor allem Eulen, die unter seinen Händen entstanden, heute haben sich die Werke Richtung Naturgeister wie Feen oder Engel verlagert.

Peter Hermans beschäftigt sich seit 20 Jahren im Lindenfelser Stadtteil Winterkasten mit Kunstglaserei. Den im Stand hängenden Drachen malte er auf Glas, „bevor es das Drachenmuseum gab“, lächelt der Künstler. „Die Leute kommen mit ihren Vorstellungen zu mir und ich setze diese um“, beschreibt er einen Gutteil seiner Arbeit. Da passt es, dass seine Frau Jeanne Kloepfer als Illustratorin für die perfekten Entwürfe sorgt. Hermans ist wieder bei der Weihnachtsausstellung in Michelstadt anzutreffen.

Schreibgeräte, Gewürzmühlen und Holzgefäße hat Thomas Sauer aus Wahlen mitgebracht. Einheimische Obsthölzer wie Birne, Kirsche oder Zwetschge verwendet er ebenso für seine Arbeiten wie Eiche, Esche und Ulme. Seine Gewürzmühlen „sind der Renner“, freut er sich. Die Käufer kommen von weit her, um die filigran selbst gedrechselten Schmuckstücke zu erwerben. Sie können ihm auch bei der Herstellung zuschauen, als die Späne nur so fliegen.

Dorothee Flachs aus Hirschhorn stellt all ihre Kreationen selbst in ihrer Hirschhorner Werkstatt „Midlandfilz“ her. Filztiere wie Frösche, Hasen oder Katzen als Kantenhocker sowie Gartenstecker in Form von Mohnkapseln – natürlich mit einem Filzkopf – hat sie dieses Mal neu dabei. „Filz ist wasserabweisend“, erläutert sie. Es ist eher die Sonne, die das Material beeinträchtigen kann und ausbleichen lässt. Auch handgefärbte Schals aus Wolle und Seide ziehen die Blicke auf sich.

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2018/09/10/grosser-zuspruch-fuer-den-kunsthandwerkermarkt-der-schreinerei-bellut-in-airlenbach/Schreinerei Bellut

Posted by Thomas Wilken on Monday, September 10, 2018

Schnaps ist der Dreh- und Angelpunkt beim „Hannes und dem Ourewäller Landrat“ in Finkenbach

Eigentlich sind die beiden Männer ziemlich verschieden, doch die Liebe für den Schnaps schweißt sie untrennbar zusammen. Der etwas tumbe Hannes mit seinen Wortfindungsstörungen kann sich jedoch einiges mit dem Ourewäller Landrat erlauben, weil der sich in schöner Regelmäßigkeit leicht bis stärker angesäuselt ein paar Eskapaden leistet, die der Hannes für ihn ausbügelt. So auch im neuen Programm des Odenwälder-Originalen-Duos Hans Dörsam und Bernd Ginader.

„Nix wie Fort & Viel Wind um Nix“ hieß es auf Einladung der Feuerwehr in der Hermann-Wilhelm-Halle Finkenbach. Dass die beiden einen Monat vor der eigentlichen Premiere in Gras-Ellenbach quasi eine „Preview“ gaben, haben die Gäste dem stellvertretenden Kommandanten Wolfgang Buchert zu verdanken. Denn der ist Ginaders Schwager und hatte somit etwas Überzeugungskraft in der Überredung.

Der Hannes, stotternd, immer die Worte verdrehend, umständlich, kompliziert und einfältig, der Landrat aufbrausend, manchmal begriffsstutzig, lospolternd, im zweiten Set stark vom Betriebsausflug malträtiert, der naturgemäß geistreich ausartete: Dörsam und Ginader spielten sich routiniert die Bälle zu. Kein Wunder, denn die beiden Originale fanden sich bereits vor mehr als sechs Jahren bei einer „Schnapsidee“ zusammen, aus dann jedes Jahr ein neues Programm entstand.

Diesem Getränk als „Spiritus rector“ der Comedy-Aufführungen huldigen die beiden in einer Ausführlichkeit, dass man im Zuschauerraum aus Sorge um die Leber nur hoffen kann, dass sich in dem vielfältigen Flaschensortiment eben kein Schnaps befindet. Ein schlauer Sinnspruch und schon ist wieder ein Grund gefunden, noch einen Klaren zu sich zu nehmen. Bis zum bitteren Ende. Der Landrat, der eigentlich seinen Rausch vom Vortag auskurieren wollte, sieht sich schnell wieder mittendrin statt nur dabei.

Der Ourewäller Landrat versucht (meistens) einem verantwortungsvollen Amt mit Würde und Disziplin nachzukommen. Gestört wird er dabei allzu oft von seinem Amtsdiener „Hannes“, einem leicht vertrottelten Mann, der sich durch seine Bauernschläue und Spitzbübigkeit dennoch an allen Klippen des „Amtslebens“ vorbeizuschiffen versteht. „Ist die Sache auch noch so verfahren, mit einem Schnaps und Trinkspruch auf den Lippen wird sie doch wieder gut geraten“, lautet der Leitspruch des Erfolgsduos.

Im Programm „Nix wie Fort & Viel Wind um Nix“ hatten sich „Hannes und der Ourewäller Landrat“, den Figuren aus dem SWR-Fernsehen Hannes und der Bürgermeister mit Albin Braig und Karlheinz Hartmann nachempfunden,  zwei Themen angenommen, die vor allem die Menschen in Überwald und Weschnitztal beschäftigen: Solardraisinenbahn und Windkraft. Während die Rotoren in der Oberzent ebenfalls ein immer drängenderes Probleme werden, dürfte die Draisine im Finkenbachtal nicht diesen Bekanntheitsgrad wie in Wald-Michelbach haben.

Natürlich hatte Hannes so seine ganz eigenen Ideen, wie mit Körperwinden die Rotoren angetrieben werden könnten. Vielleicht dürfte aber auch das eine oder andere davon nicht so wirklich praktikabel gewesen sein. Köstlich der angeschlagene Landrat nach dem Betriebsausflug mit der Draisine. Die schien danach, so verdeutlichten es die beiden, ein Sanierungsfall gewesen sein.

Schnaps und immer wieder Schnaps: Wortreich musste sich Hannes erklären, warum die Pulle nach dem Einkauf nicht mehr da ist. Weil er sie austrank, damit sie nicht kaputt geht, falls er vom Mofa fallen sollte. Was danach natürlich prompt drei Mal passierte. Oder diverse Missgeschicke des Landrats bei der Fahrt mit der Draisine. Erst fiel er beim Einsteigen in Mörlenbach raus, dann in Stausee bei Weiher rein, veranstaltete eine Modenschau am Altkleidercontainer, weil er nach trockenen Klamotten suchte, oder bekam auf dem Viadukt einen Anfall von Höhenangst: Genug Stoff also, um zwei Mal eine Dreiviertelstunde die Besucher bestens zu unterhalten.

 

Zwei neue indische Patres sind ins Karmeliter-Kloster Hirschhorn eingezogen

Die Karmeliter-Gemeinde im Hirschhorner Kloster wächst. 2009 waren dort nach 200-jähriger Vakanz die drei indischen Patres Joshy, Cyril und Sijoy eingezogen. Cyril wirkt seit inzwischen zwei Jahren als Pfarrer in Mörlenbach, Sijoy schon länger in Bad Wimpfen, das ebenfalls zum Dekanat Bergstraße-Ost gehört. Acht Jahre später kommen nun die beiden Patres Linto und Sudeesh hinzu. Sie stammen ebenso wie ihre Mitbrüder aus dem südindischen Kerala.

Pater Joshy ist Pfarrer der fusionierten katholischen Kirchengemeinde von Hirschhorn und Neckarsteinach im hessischen Neckartal. Dort ist auch der 36-jährige Linto jetzt als Pfarrvikar/Kaplan tätig. Sein Glaubensbruder, der 37-jährige Sudeesh, versieht diese Funktion bei Pfarrer Peter Pristas in der Pfarrgruppe Überwald mit ihren Teilorten Wald-Michelbach, Unter-Schönmattenwag, Aschbach und Hammelbach. Eine zeitliche Begrenzung für ihre Tätigkeit, die sie im August und September aufnahmen, gibt es seitens des Bistums Mainz nicht.

In ihrer Funktion arbeiten die Patres dem jeweiligen Pfarrer zu, gestalten und halten Gottesdienste sowie sind für Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen zuständig. Gemeinsam mit Pfarrer Joshy bereitet Linto die Kinder auf die Kommunion vor und kümmert sich um die Jugendarbeit. „Außer Verwaltung machen wir alles“, hebt Sudeesh die große Breite der seelsorgerischen Arbeit hervor. Zusätzlich besuchen beide auch einen Pastoralkurs des Bistums Mainz.

Zwölf Jahre Ausbildung liegen hinter den Indern, die aus demselben Bezirk in Kerala stammen. Sie besuchten Priesterseminare der Karmeliter in Kothamangalam und Bangalore. Linto wurde nach seinem Studium 2009 zum Priester geweiht, Sudeesh bereits 2008. 2015 kamen sie nach Deutschland, wo in Mainz unter anderem Deutschkurse auf der Tagesordnung standen. Seit dem vergangenen Jahr besuchen beide den dortigen Pastoralkurs.

„Ich habe in der Region sehr gute erste Erfahrungen im Gottesdienst gemacht“, betont Pater Sudeesh. Linto ergänzt: „Die Menschen hier sind nett und freundlich und haben keine Berührungsängste.“ Eben weil sie schon die Patres kennen, Joshy im Neckartal und Cyril im Überwald, als dieser dort ebenfalls als Pfarrvikar tätig war. In Indien wird der Glaube bunt und lebhaft praktiziert. Eben diese Tradition bringen sie mit nach Deutschland. Ihre lockere Art kommt bei den Menschen sehr gut an.

Für Sudeesh und Linto war es schon früh klar, wohin sie ihr Weg führen würde. „Das Christentum hat eine schöne Tradition in unserer Heimat“, erläutert Linto. Er war Ministrant, ein regelmäßiger Kirchgänger. Nach der Schule hospitierte er in einem Priesterseminar. „Ich war sehr beeindruckt vom Erlebten“, berichtet er. Ihm war schnell klar: „Das passt für mich.“ Sudeesh entschied sich schon während der Schulzeit, Priester zu werden und fragte dort nach aufgenommen zu werden. Auch er war Ministrant in seinem Bezirk mit einem hohen christlichen Bevölkerungsanteil.

Im indischen Karmeliterkloster kamen die beiden nur theoretisch mit der deutschen Sprache in Kontakt. „Am Anfang war es deshalb schwierig sie zu erlernen“, meint Sudeesh. Einmal hier angekommen, gestaltete sich dies dann einfacher. „Wir haben dann an unserer Aussprache gefeilt“, so Linto. Eine „Herausforderung“ ist für sie immer noch der hiesige Dialekt, lachen die Patres. „Wir erschließen uns dann manche Wörter.“

Mindestens drei Mal die Woche kommen die fünf Karmeliter-Patres in Hirschhorn zu gemeinsamen Gebeten zusammen. Wobei die „neuen“ von den „alten Hasen“ lernen. „Joshy, Cyril und Sijoy haben hier einen guten Anfang gemacht“, betont Linto. „Sie kennen die hiesige Sprache und Kultur und geben das Wissen an uns weiter“, ergänzt Sudeesh. „Wir wollen in ihre Fußstapfen treten und die Spiritualität der Karmeliter vermitteln“, heben sie hervor.

Badische Resolution des GVV Schönau gegen hessischen Windrad-Wildwuchs im Kreis Bergstraße

Der Proteststurm gegen die in Südhessen geplanten Windenergieanlagen (WEA) ist schon längst über die Grenze ins Badische geschwappt. Gerade bei den wenige Kilometer entfernt liegenden Gemeinden des Ulfen- und Steinachtals ist man über die Neufassung des hessischen Regionalplanentwurfs nicht erfreut. Deshalb haben die vier dortigen Bürgermeister eine Protestresolution formuliert, die sie einem breiten Verteiler auf beiden Seiten der Ländergrenze zuschickten.

Die Botschaft darin ist klar: Hermann Roth für Heddesbach, Sieglinde Pfahl für Heiligkreuzsteinach, Marcus Zeitler für Schönau und Hans Zellner für Wilhelmsfeld – inzwischen ist sein Nachfolger Christoph Oeldorf im Amt – rufen den Planern im Darmstädter Regierungspräsidium (RP) ein ganz klares „Stopp“ zu. Das fußt vor allem auf zwei Argumenten: dem Naturschutz und der Einkesselung der badischen Anlieger, die durch den verschlungenen Verlauf der Ländergrenze manchmal auf drei Seiten von Hessen umgeben sind.

„Es ist völlig unverständlich und der Bürgerschaft nicht zu vermitteln“, heißt es in der Resolution, warum große zusammenhängende Waldflächen, die auf baden-württembergischer Seite „als besonders wertvoll und schützenswert und in der Abwägung deshalb höher eingestuft werden als die Belange der Windenergie“, auf der anderen Seite der Landesgrenze offenbar keine besondere schützenswerte Bedeutung hätten.

Bezug genommen wird beim Umweltaspekt auf die Stellungnahme der unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Neckar-Kreises. Die bezieht sich unter anderem auf Stillfüssel und Greiner Eck. Darin heißt es, dass die WEA aus dem badischen Kreis heraus weithin sichtbar sind und sein werden. Damit würden „das Landschaftsbild, die Erholungseignung und die Eigenart der Landschaft erheblich beeinträchtigt“. Dass etliche geplante Anlagen in einem Zehn-Kilometer-Umreis um die vier Gemeinden liegen, verstärke die nachteiligen Auswirkungen.

Die Resolution weist deshalb darauf hin, dass der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Schönau eben wegen solcher Kriterien wie Natur- und Landschaftsschutz „auf die Ausweisung von Standorten für Windkraftanlagen in seinem Flächennutzungsplan verzichtet“. Auch fordert der GVV, dass die Anzahl von WEA auf einer bestimmten Fläche gedeckelt werden sollte. Allein die geplanten Vorrangflächen rund um das Verbandsgebiet schüfen die Möglichkeit für eine enorm hohe Anzahl, „die uns regelrecht einkesseln würde“.

Die Verfasser weisen darauf hin, dass nicht nur in Hessen WEA geplant werden, sondern auch in angrenzenden Vorranggebieten des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim. Genannt werden hier Weinheim oder Heidelberg, aber auch Eberbach. Hier ist durch den an Flockenbusch anschließenden Bereich Brombach-Nord Heddesbach besonders tangiert, das bereits „freie Sicht“ aufs Greiner Eck hat.

Der GVV argumentiert, dass es in Hessen ein sogenanntes „Umzingelungsverbot“ gebe, nach dem es nicht zulässig sei, dortige Gemeinden mit Windrädern einzukesseln. „Genau das scheint aber hier in Bezug auf die baden-württembergischen Gemeinden nicht beachtet zu werden“, schreibt Geschäftsführer Werner Fischer. „Jedenfalls fanden keine Gespräche zu unserer eigenen Planung dazu statt“.

Wie überhaupt die länderübergreifende Kommunikation zu wünschen übrig ließ. „Die Verfahrensbeteiligung stellt ein besonderes Ärgernis dar“, monieren die Unterzeichner. Sowohl zum Greiner Eck als auch zum Stillfüssel sei diese vom RP abgelehnt worden. Ebenso habe es keine Bürgerinformation gegeben, „die bei einem so bedeutsamen Projekt äußerst wichtig gewesen wäre“.

Fischer betont für den GVV, dass man einer „sinnvollen Ausweisung von Vorrangflächen“ sowie deren Bau konstruktiv gegenüber stehe. Deshalb sehe man auch keinen Widerspruch darin, sich gegen die geballte Ausweisung entlang der Landesgrenze auszusprechen. Auch der zweite Regionalplanentwurf weise „völlig inakzeptable Flächengrößen“ auf. Deshalb fordern die badischen Anlieger, im Stillfüssel und im Greiner Eck keine weiteren Anlagen als die bisher genehmigten zuzulassen. Im Bereich Flockenbusch sollte eine Begrenzung auf maximal fünf erfolgen.

Verteiler der Resolution: Fraktionen Regionalverband Südhessen, Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Rhein-Neckar, Landtags- und Bundestagsabgeordnete Bergstraße, Landtagsabgeordnete Wahlkreis Sinsheim, Landrat des Rhein-Neckar-Kreises,  Landrat Kreis Bergstraße, Regierungspräsidium Darmstadt, Regierungspräsidium Karlsruhe, Staatsministerium Baden-Württemberg, Verband Region Rhein-Neckar, Fraktionen des Kreistages RNK, Fraktionen des Kreistages Bergstraße, Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim, BUND, NABU

400 Einwendungen aus dem Ulfenbachtal gegen Eberbacher Windkraftpläne

Keine Windräder direkt jenseits der Ländergrenze, keine Windparks im gesamten Odenwald: Die Bürgerinitiative (BI) Gegenwind Ulfenbachtal hat jetzt fast 400 Protest-Einwendungen gegen den Windkraft-Teilflächennutzungsplan (TFNP) der Verwaltungsgemeinschaft Eberbach-Schönbrunn im Eberbacher Rathaus abgegeben. Dazu kamen einige Mitglieder jetzt in die badische Neckarstadt gereist.

Die Einwendungen richten sich vor allem gegen das geplante Gebiet bei Brombach-Nord, das auf badischer Seite unmittelbar an die hessische Fläche bei Flockenbusch anschließen würde. Denn dort sieht der TFNP sieben bis zehn Windräder vor. Für die BI zusammen mit den projektieren drei in Hessen untragbar. Wobei man sich generell gegen Windräder im Odenwald wendet, weil man ihre Sinnhaftig- und Wirtschaftlichkeit bezweifelt.

Die Protestler kommen vor allem aus den beiden Schönmattenwags mit den Weilern Ludwigsdorf, Korsika und Flockenbusch. Aber auch aus dem restlichen Ulfenbachtal inklusive Siedelsbrunn unterzeichneten Bürger die Einwendungen. Die richten sich außerdem gegen die drei anderen Vorranggebiete auf Eberbacher Gemarkung: Hebert, Augstel und Hohe Warte.

Bei der BI hat man daneben die Sorge, dass das im vergangenen Jahr zurückgestellte Flockenbusch-Gebiet über den Klageweg demnächst wieder zur Planung freigegeben wird. Denn der Interessent, der Greiner-Eck-Betreiber VBV, hatte die Rückstellung – auf Wunsch der Gemeinde – nicht akzeptiert. Sollte dieses Gebiet Wirklichkeit werden, befürchtet man eine Einkesselung zusammen mit dem Stillfüssel-Gebiet auf der anderen Hügelseite.

Für die BI nannte Edith Egner aber auch artenschutzrechtliche Belange. Denn im projektierten Bereich rund ums Ulfenbachtal kämen Schwarzstorch und Rotmilan vor. Ganz zu schweigen vom Naturschutz. Das Gebiet in Brombach-Nord ist ihren Worten zufolge stark waldbrandgefährdet, aber schwer erreichbar. „Wie kommt die Eberbacher Wehr bei einem Feuer schnell dorthin?“, fragte sie. Weiterhin würden die Gefahren von Infraschall unterschätzt.

Die BI-Sprecherin kritisierte, dass augenscheinlich mit den Eberbacher Plänen das Neckartal windradfrei bleiben solle, aber auf den Odenwaldhügeln die Rotoren sprießen. Dass die Gebiete in der Eberbacher Peripherie projektiert würden, oft direkt an der hessischen Landesgrenze, nannte sie „nicht nachvollziehbar“. „Die Stadt ist weit weg“, so Egner. Andererseits „müssen wir im Ulfenbachtal die Konsequenzen aus dieser verfehlten Planung tragen“. Dazu zählten auch sinkende Immobilienpreise.

Und das im „Schwachwindgebiet Odenwald“, monierte Egner. Die Windräder erzeugten nicht viel Strom. Ohne Subventionen „errichtet hier keiner Anlagen“. Sie betonte, dass sich die BI für einen Odenwald komplett ohne Windräder einsetze. Gegen den hessischen Regionalplan Erneuerbare Energien könnten noch bis 14. Juli Einwendungen eingereicht werde, sagte sie. Entsprechende Formulare stelle die BI auf ihrer Homepage unter www.gegenwind-ulfenbachtal.de zur Verfügung.

Odenwald-weite Motorradkontrollen mit Präventionscharakter: 16 Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen, 19 waren mehr als 41 km/h zu schnell

Als die laut bollernde Harley Davidson auf den Parkplatz beim Festplatz einbiegt, richten sich automatisch alle Blicke auf die Maschine. Aber ihr „Lärm“ war im grünen Bereich. Nicht nur auf zu laute Zweiräder hatte es die Polizei im Zuge des Schwerpunktprogrammes „Verkehrssicher in Hessen“ abgesehen, sondern auch auf Raser. Im Vordergrund stand aber die Info: „Wir wollen den Bikern auf Augenhöhe begegnen“, formulierte es Polizeidirektor Hartmut Scherer vom Polizeipräsidium Südhessen in Darmstadt.

Von der „Zentrale“, dem Präventionsmobil in Erbach-Ebersberg aus, fanden am Sonntag Odenwald-weite Motorradkontrollen statt, die vor allem Präventionscharakter haben sollten. Besondere Zielgruppe waren Wiedereinsteiger auf zwei Rädern, die in jungen Jahren den Führerschein gemacht hatten und sich in gesetzterem Alter eine starke Maschine kaufen, um das das „Easy-Rider-Feeling“ auszuleben.

Wobei dann ein großer Unterschied zu früher besteht – bei den PS-Zahlen wie auch beim Verkehrsaufkommen. Darüber informierte ein nagelneuer Film. Der erste Polizeihauptkommissar Michael Prenzlow wies in diesem Zusammenhang auch auf das Fahrsicherheitstraining hin, um Defizite gegenüber früheren Kenntnissen auszugleichen. Mit der „Rennleitung 110“ waren außerdem im Verein organisierte Fahrer mit Polizeihintergrund unterwegs, „um die Botschaft an den Mann zu bringen“.

30 Beamte nicht nur aus Hessen, sondern auch aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, waren zusammen mit der Krad-Staffel auf den Straßen des Bergstraßen- und Odenwaldkreises unterwegs, um die Geschwindigkeit zu überwachen, aber auch technische Veränderungen an den Zweirädern in Augenschein zu nehmen. Bei der Polizei hat man festgestellt, dass ein Gespräch von Biker zu Biker viel besser funktioniert, als wenn irgendwo ein Polizeiwagen steht.

„Wir wollen mit den Fahrern übers gemeinsame Hobby reden“, formulierte es Pressesprecher Sebastian Trapmann. Denn viele der Motorradpolizisten sind in ihrer Freizeit auch auf zwei Rädern unterwegs. Themen, die die Polizei beschäftigen, „wollen wir an die Biker weitergeben und für Fragen zur Verfügung stehen“. Was am Vesperhäusel vorzüglich funktionierte, wie die angeregten Unterhaltungen zeigten. In den „Benzingesprächen“ wurden Vorurteile abgebaut und Barrieren überwunden, freute sich Trapmann.

Daneben gab es aber auch stationäre Kontrollen wie auf der B 47 von Michelstadt nach Amorbach, wo die Verkehrssicherheit der Geschosse überprüft wurde. In Lindenfels oder Mörlenbach wiederum ging es vor allem um den Motorrad-Verkehrslärm, der vor Ort schon öfters moniert worden war. Wieder anderswo, etwa am Krähberg oder auf der Rennstrecke zwischen der Kreidacher Höhe und Zotzenbach, wurde das Sonntagsfahrverbot kontrolliert. In Erbach oder Mossautal wurden Gefährte aus dem Verkehr gezogen, die den Beamten spanisch vorkamen.

Einen „rundum gelungenen Einsatz“ mit „vielen netten Gesprächen“ bilanzierte Trapmann im Verlauf des Nachmittags. Es habe viel positive Resonanz gegeben. Was auch Scherer bestätigte. Er hob hervor, dass es der Polizei bei ihren Einsätzen um die „schwarzen Schafe“ gehe, die einfach beratungsresistent seien. Bei diesen gehe man auch mit aller Härte des Gesetzes vor. Diese „Renitenten“ erreiche man besser von zwei als von vier Rädern aus.

„Die Raser stehen nicht für die Masse“, unterstrich der Polizeidirektor. Bei der überwiegenden Zahl sei die Einsicht über zu schnelles Fahren vorhanden. Vielmehr sei so, dass sich die, die sich an die Regeln halten, das Fehlverhalten anderer ausbaden müssten. Mit einem Pilotprojekt in Hessen, das den Einsatz ziviler motorradstreifen vorsieht, „wollen wir die wenigen Unverbesserlichen erreichen“.

„Die Menschen sollen gesund nach Hause kommen“, formulierte es Scherer. In diesem Jahr habe es bereits zwei tödliche Unfälle im Bereich des PP Südhessen gegeben. Weitere gelte es zu verhindern „und die Zahl der Schwerverletzten soll runter“. Eigentlich, ergänzte Prenzlow zum Zweck der Prävention, „wollen wir niemanden anhalten müssen“.

Insgesamt überprüften die Polizisten am Sonntag 369 Motorräder und untersagten 16 Fahrern wegen zu hoher Geräuschentwicklung die Weiterfahrt. Darunter waren ein 32-Jähriger aus dem Main-Taunus-Kreis mit einer nicht genehmigten Auspuffanlage sowie ein 19-Jähriger aus Offenbach wegen eines demontierten DB-Killers. Das gleiche Schicksal ereilte auch vier Biker, die auf der Bundesstraße 47 bei Lindenfels ohne zulässige Auspuffanlage in eine Polizeikontrolle kamen.

Bei Geschwindigkeitsmessungen fielen trotz erheblicher Polizeipräsenz 232 Fahrzeuge wegen zu hoher Geschwindigkeit auf. Bei 20 „Rasern“, davon 19 Motorradfahrern, betrug die Überschreitung mehr als 41 km/h, was ein Fahrverbot zur Folge haben dürfte. Einige wenige Biker hielten sich auch nicht an die Streckensperrungen am Krähberg, in Zotzenbach und im Sensbachtal. Hier stoppten die Beamten 28 Motorradfahrer und erstatteten Anzeige.