Sturm und Käfer lassen Nadelholz-Preise purzeln

Wohl dem Waldbesitzer, der viel Laubholz in seinen Beständen hat. Dafür sind derzeit noch gute Preise zu erzielen. Beim Nadelholz sieht es eher duster aus. Sturmtief „Friederike“ und der Borkenkäfer setzten vor allem der Fichte stark zu und ließen die Preise purzeln. Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, und sein Stellvertreter Sebastian Vocilka skizzierten die aktuelle Marktlage auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG). Diese umfasst die angegliederten Gemeinden des Forstamts Beerfelden, also auch Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach.

Der südliche Odenwald wurde im Januar von Friederike einigermaßen verschont, erläuterte Forstamtsdirektor Sasse. Im Bereich des Forstamts Beerfelden wurden „nur“ 10.000 Festmeter umgeworfen. Jedoch wütete der Sturm in Nordhessen und Niedersachsen viel stärker. „Allein in Hessen wurden drei Millionen Festmeter (fm) umgeschmissen“, machte er deutlich. Dazu kommen noch die Schäden aus anderen Bundesländern.

Als wäre das noch nicht genug, war die Witterung seit dem Frühjahr „überdurchschnittlich warm und viel zu trocken“. Beste Voraussetzungen für den Borkenkäfer. „Der vermehrte sich wunderbar in Mitteleuropa“, nahm es Sasse mit Galgenhumor. Allein in Hessen seien eine Million Festmeter betroffen. Bisher wurden im Forstamtsbereich Beerfelden bereits 40.000 fm weggeschafft, wobei er fürs komplette Jahr mit 60.000 rechnet. Betroffen ist vor allem die Fichte – die im Odenwald vorherrschende Baumart, mit der das meiste Geld verdient wird.

Das Problem beim Borkenkäfer: Er ist kein einjähriges Phänomen. „Das dauert mehrere Jahre, bis er wieder verschwunden ist“, so der Forstamtschef. Nach dem Jahrhundertsommer 2003 plagte der Buchdrucker den heimischen Wald bis 2007. Sasse geht davon aus, dass somit in den kommenden Jahren immer um die 60.000 fm Schadholz anfallen, das auf dem Markt den Preis drückt.

Wie stark, machte Sebastian Vocilka deutlich. Vor einem Jahr erzielt das Forstamt noch 92/93 Euro für den Festmeter Fichte. Aber: „Ab dem 18. Januar ging es abwärts.“ An diesem Tag zog Friederike über Deutschland. Käferholz lässt sich derzeit für 45 bis 50 Euro verkaufen, „Tendenz fallend“. Beim Nadel-Frischholz, das allerdings wenig nachgefragt wird „sind wir von den früheren Preisen weit entfernt“, sagte er.

Er empfahl deshalb den Waldbesitzern, erst einmal das Schadholz aufzuarbeiten und den Rest stehen zu lassen. „Es kommen wieder bessere Zeiten“, so der Forstamts-Mitarbeiter. Zwar betreffen die Schäden vor allem die Fichte, „aber der Kieferpreis wurde mit runtergezogen“, bedauerte Vocilka. Lediglich die Douglasie „bringt ordentlich Geld“. Hier sind die Preise mit 100 Euro/fm stabil.

Mit Laubholz wie Buche, sonst oft das Stiefkind, „kann man derzeit viel Geld verdienen“, erläuterte er. Preise für Eichenholz „schießen durch die Decke“. Vocilka empfahl deshalb, wenn möglich diese Baumarten einzuschlagen, frisches Nadelholz stehen zu lassen und erst einmal das vom Borkenkäfer befallene zu verwenden. Kollegin Gudrun Kranhold ergänzte, dass im vergangenen Jahr im Privatwald sowieso weniger als zuvor eingeschlagen worden sei.

In ihrem Geschäftsbericht für 2017 sprach sie von einem Mitglieder- und Flächenzuwachs bei der FBG. Im vergangenen Jahr wurde auf knapp 900 Hektar gekalkt. Der Kassenstand ist laut Kranhold weiterhin ansehnlich im Plus. Sie betonte, dass die Kassengeschäfte wie bisher weitergeführt werden können, da die fusionierte Stadt Oberzent in den Vertrag von Beerfelden eintrat, wo dies zuvor Hans Mader erledigte. Der übernimmt auch weiterhin die Kasse. Die Geschäftsführung der FBG bleibt in den Händen des Forstamts Beerfelden.

Da der bisherige Vorsitzende Gottfried Görig, vormals Bürgermeister in Beerfelden, nicht mehr kandidierte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ralf Kredel (Etzean), bisher Stellvertreter, übernimmt den Posten. Ihm zur Seite steht nun Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer als neuer Stellvertreter.

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Odenwald will sein Holz selbst vermarkten

Die Holzvermarktung in Hessen muss neu organisiert werden. Ab 1. Januar 2019 darf Hessen Forst das Holz der Kommunen nicht mehr verkaufen. Eine Ersatzvermarktung muss somit dringend her. Für Oberzent läuft das auf einen Zweckverband der Odenwaldkreis-Kommunen hinaus, erläutert Bürgermeister Christian Kehrer. Daran anschließen können sich die angrenzenden Orte des Landkreises Bergstraße, sofern sie auch im Odenwald liegen. Bei ihnen sind die Interessen ähnlich gelagert.

Alles begann mit dem Urteil des Bundeskartellamts aus dem vergangenen Jahr gegen eine angebliche Machtkonzentration in den Händen der baden-württembergischen Forstämter. Die waren – wie die hessischen auch – für Beförsterung und gleichzeitig Holvermarktung zuständig. Zu viel der Kohle, zu viel Einfluss meinte das Gericht. Dieses Urteil schlägt nun auch ins Nachbarbundesland durch. Eile ist geboten.

Der Rathauschef macht keinen Hehl daraus, dass er die neue Lösung für falsch hält. „Die bisherigen Synergieeffekte fallen weg“, betont er. Hessen Forst konnte bis zu diesem Jahr die Holzernte aus Landes-, Privat- und Kommunalwald in einem Schwung abernten und unter die Abnehmer bringen. Das geht jetzt nur noch für die ersteren beiden. Was für die Gemeinden heißt, dass ein zwischengeschalteter Unternehmer ebenfalls sein Geld haben will, was vom Gewinn abgeht. Vor dem Hintergrund sowieso sinkender Preise und dem Buchdrucker-Befall keine glänzenden Aussichten.

Ursprünglich waren sechs Holzvermarktungsorganisationen auf Landesebene geplant, so Kehrer. Doch diese Gebilde stellten sich als zu groß und zu unterschiedlich gelagert heraus. Eine Stadt wie Oberzent, deren Fläche zu 70 Prozent von Wald bedeckt und für die das Holz ein veritabler Wirtschaftsfaktor ist, hat andere Interessen wie etwa Darmstadt, wo dem Wald vor allem eine Erholungsfunktion zukommt, führt er aus.

Auch die Variante, Landkreis Bergstraße und Odenwaldkreis unter ein Dach zu bringen, „war nicht der Favorit“, betont er. Dazu ist das Ried in der Rheinebene zu weit weg und völlig anders aufgestellt, was sich schon an der Waldfläche bemerkbar macht. Deshalb sind Oberzent (2400 Hektar) und Wald-Michelbach (1600 Hektar) als waldreichste Kommunen in den beiden Kreisen nun federführend bei der Neuorganisation, die die Gemeinden im Odenwald mit viel Waldbesitz kreisübergreifend zusammenführend soll. Aus dem Landkreis Bergstraße sind weiterhin Gras-Ellenbach, Abtsteinach, Hirschhorn, Neckarsteinach, Fürth und Mörlenbach mit involviert.

Zum einen muss es zwar schnell gehen, zum anderen sind aber „die Förderrichtlinien des Landes sind noch nicht draußen“, bedauert der Bürgermeister. Denn bei einer solchen Neuorganisation schießt das Land je nach Größe bis zu 500.000 Euro. Im konkreten Fall dürften es 200.000 Euro sein. „Wir sind zeitlich im Verzug“, so Kehrer. Es sollte dieses Jahr noch eine Entscheidung getroffen werden, um 2019 Beschlüsse fassen zu können.

„Wir haben eine Vorlage erstellt und eine Satzung ausgearbeitet“, erläutert das Stadtoberhaupt. Derzeit läuft die rechtliche Prüfung. Es geht um ein „verbindliches Gebilde“ in Form eines Zweckverbands oder eine Anstalt öffentlichen Rechts. Er rechnet damit, dass die entsprechenden Beschlussvorlagen in die Novemberrunde der verschiedenen Gremien kommen.

 

Beide brennen füreinander: Besonderes Tasting in der Schmucker-Brauerei

Eigentlich, schmunzelt Brenner Johannes Gehrig, „stelle ich ja diese Brände und Liköre aus einem Abfallprodukt her“ – aber einem sehr hochwertigen, wie er gleich hinzufügt: dem Alkohol, der bei der Herstellung des alkoholfreien Schmucker-Bieres „abfällt“. Das sogenannte Brüdenkonsendat verwendet Gehrig bei den Odenwälder Feinen Bränden in Litzelbach dafür, um daraus hochprozentige und wohlschmeckende Gaumengenüsse zu kreieren. Diese wurden nun erstmals zusammen mit Schmucker den Interessierten bei einem Tasting in den Brauereiräumen vorgestellt.

Raubacher Jockel und Räuber sowie Bockbierlikör „Walhalla“ und der Odenwälder Blutwurz fanden bei den Besuchern viel Widerhall. Die waren zu Beginn von Tanja Lenz durch die Brauerei geführt worden, ehe es dann zum Probieren ging. Nach den hochprozentigen Leckereien mit etwas mehr Umdrehungen gab es danach auch noch vier Biere von Schmucker zu verkosten: Landbier, Doppelbock dunkel, Bio Hell und Märzen. In der Bewirtung war auch Ute Bernhard mit dabei.

Johannes Gehrig ging zu Beginn auf die Hintergründe ein, wie es zur Zusammenarbeit kam. Angefangen hat alles mit einem Bierlikör. Den hat Gehrig mal kreiert und bei Schmucker gefragt, „ob die an so etwas Interesse haben“. Zuerst war das Jockel-Endprodukt zuerst sehr malzlastig und „geschmacklich noch nicht der Renner“. Der gewiefte Brenner griff dann etwas in die Trickkiste. Er legte den Brand ein Jahr lang in ein ehemaliges Bourbon-Fass aus amerikanischer Weißeiche. Das Endprodukt wurde dann dem Schmucker-Vorstand vorgestellt. „Die waren total begeistert“, freute sich Gehrig. Nur 54 Halbliter-Flaschen gibt es davon. Sind die weg, ist erst einmal Schluss.

Auf 57 Flaschen bringt es der Räuber. Der wurde mehrere Monate in einem italienischen Kastanienfass gelagert. Vorher hatte Gehrig dort mehrere Monate Doppelbockbier drin (würde er das nicht tun, käme die Gerbsäure durch). Dadurch nahm der Brand dessen Geschmack an. Auch ist eher das Malzige zu spüren. „Noch milder“ beschreibt ihn Gehrig mit den 37,5 Prozent im Vergleich zu seiner ersten, 39,2-prozentigen Kreation aus der Schmucker-Zusammenarbeit.

In seinem Erzählfluss wurde der Brenner dann von seiner „Chefin“ Monica Gehrig-Hummel gestoppt. „Babbel net so viel, die Leit hawwe Dorscht“, sagte sie. Während der Verkostung des vollmundigen Raubacher Jockels, bei dem vor dem geistigen Auge nicht die Odenwälder Hügel, sondern die schottischen Highlands auftauchen, erläuterte Gehrig, dass das „Arbeitsmaterial“ mit 80 bis 86 Prozent aus der Brennblase rauskommt.

Ein weiterer Bestandteil des guten Geschmacks ist das Schmucker-Quellwasser mit einem Prozent deutscher Härte. Es wird zum Runtersetzen des Alkohols in den Bränden verwendet, sodass das Produkt mit 60 Prozent ins Fass kommt. Wie eben bei Whisky auch. Zur Degustation wurden Gläser von französischen Winzern verwendet. Die gehen nach oben hin zu „und deshalb kann man den Inhalt sehr gut riechen“, so der Brenner.

Nach den Bränden dann die Liköre, „um den Geschmack nicht zu verfälschen“. Eigentlich, verrät Gehrig, leiten sich deren Eigennamen alle von den Nibelungen her, weil der Grasellenbacher Ortsteil Litzelbach mit zu deren Jagdgebiet gehörte. „Aber die geben nicht genug Namen her“, lachte er. Weshalb man jetzt auf die nordischen Sagen auswich und etwa „Walhalla“ für den Bockbierlikör wählte. Herausgekommen ist ein angenehm nach Bier schmeckender Likör mit 22,3 Prozent und einer kräftigen Malznote.

„Außer Konkurrenz“ hatten die Gehrigs noch den Kaffeelikör „Götterdämmerung“ im Gepäck. Espressocafé aus einer kleinen Mannheimer Rösterei sowie Karamellzucker plus den Schmucker-Bieralkohol verwendet Gehrig für das süffige Getränk mit seinen 21 Prozent Alkohol. „Einzigartig, was du da herstellst“, lautete eine Reaktion aus Besucherkreisen. Die Produkte und die Zusammenarbeit wurden sehr positiv aufgenommen. Der Brenner nahm auch gleich einen Brenn-Auftrag mit nach Hause.

Die vier Brände und Liköre von „Odenwälder Feine Brände“, die in Zusammenarbeit mit der Brauerei hergestellt werden, haben als Grundbestandteil jeweils den Alkohol des Weizenbock- und Pilsbieres, der diesem bei Schmucker mittels Vakuumkondensation entzogen wird. Das sogenannte Brüdenkondensat hat zwischen acht und elf Prozent Alkohol. Malz und Hopfen dominieren den Geruch. Gebrannt (gereinigt) wird das Produkt in eineinhalb bis zwei Stunden.

Großer Zuspruch für den Kunsthandwerkermarkt der Schreinerei Bellut in Airlenbach

„Die Kunden warten schon immer sehnsüchtig darauf“, freut sich Jürgen Bellut. Sie kommen dann immer gern in großer Zahl zum Kunsthandwerkermarkt vorbei, den die Schreinerei jetzt zum achten Mal veranstaltete. Künstler auf dem Odenwald zeigen hier ihre Arbeit quasi „zum Anfassen“ und haben ihre schönsten Exponate eingepackt. Die Dorfgemeinschaft Airlenbach kümmert sich darum, dass auch das Lukullische zu seinem Recht kommt.

Lederarbeiten, Messer, Porzellan, Drechselwaren, Kunstglaserei, Rasenkunst, Näh- und Schnitzarbeiten, Seife oder Gefilztes: Die Angebotspalette war groß, die Zahl der Besucher auch. Im Laufe des Mittags füllt sich der Innenhof zwischen den Schreinereigebäuden immer mehr, sodass sich sowohl der 58-jährige Jürgen Bellut als auch sein designierter Nachfolger, der 24-jährige Mitgeschäftsführer Moritz Schuhmacher, über den guten Zuspruch freuen. Immer wieder wird auch fachliche Beratung zum Möbel- und Treppenbau sowie zum gesunden Schlafen nachgefragt.

Für seine Lederwaren hat Frank Derikatz aus Wald-Michelbach ganz hohe Qualitätsansprüche. Alles wird so weit wie möglich in Handarbeit hergestellt. Der 55-Jährige kennt seine Produzenten genau, weiß, woher sein Leder kommt, sucht sich die Gerberei akribisch aus, bei der er die benötigte Rohware kauft. Was Derikatz darüber hinaus benötigt, findet sich vielleicht sogar auf dem eigenen Grundstück. Wie etwa das Wachs für den Leinenzwirn, das die eigenen Bienenvölker liefern. Genäht wird ausschließlich mit Leinenzwirn, nicht mit Polyester.

Mit Produkten aus dem Hammelbacher Imasgo-Atelier des Vereins „Christen für Afrika“ ist Martine Rüdinger dabei. Der Erlös der Produkte aus Burkina Faso geht direkt wieder an die Menschen vor Ort, damit sich diese ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können. „Wir kaufen Stoff für einen Schneider in Imasgo“, so Rüdinger. Der näht dann Kleider auf Bestellung, bekommt seinen Lohn dafür und kann damit einen Teil seines Lebensunterhalts bestreiten. Unter den Waren sind auch afrikanische Tiere aus Ebenholz oder Kaïcedra, von den Dorfbewohnern hergestellter Schmuck aus Glas, Papier, Horn und Stoff oder filigrane Basteleien in Form von Autos oder Fahrrädern aus alten Blechdosen.

Thomas Weiterschan aus Forstel bei Höchst schnitzt schon 25 Jahre „Feine Wesen“ aus Holz. Seine Arbeiten entwickeln sich aus der Vorstellung heraus, „was zum Holz passt“. Aus einem Eichenbalken entsteht etwa eine Schleiereule. „Ein Kamel wäre unpassend“, schmunzelt er. Material ist für den Diplom-Designer manchmal auch Inhalt. Früher waren es vor allem Eulen, die unter seinen Händen entstanden, heute haben sich die Werke Richtung Naturgeister wie Feen oder Engel verlagert.

Peter Hermans beschäftigt sich seit 20 Jahren im Lindenfelser Stadtteil Winterkasten mit Kunstglaserei. Den im Stand hängenden Drachen malte er auf Glas, „bevor es das Drachenmuseum gab“, lächelt der Künstler. „Die Leute kommen mit ihren Vorstellungen zu mir und ich setze diese um“, beschreibt er einen Gutteil seiner Arbeit. Da passt es, dass seine Frau Jeanne Kloepfer als Illustratorin für die perfekten Entwürfe sorgt. Hermans ist wieder bei der Weihnachtsausstellung in Michelstadt anzutreffen.

Schreibgeräte, Gewürzmühlen und Holzgefäße hat Thomas Sauer aus Wahlen mitgebracht. Einheimische Obsthölzer wie Birne, Kirsche oder Zwetschge verwendet er ebenso für seine Arbeiten wie Eiche, Esche und Ulme. Seine Gewürzmühlen „sind der Renner“, freut er sich. Die Käufer kommen von weit her, um die filigran selbst gedrechselten Schmuckstücke zu erwerben. Sie können ihm auch bei der Herstellung zuschauen, als die Späne nur so fliegen.

Dorothee Flachs aus Hirschhorn stellt all ihre Kreationen selbst in ihrer Hirschhorner Werkstatt „Midlandfilz“ her. Filztiere wie Frösche, Hasen oder Katzen als Kantenhocker sowie Gartenstecker in Form von Mohnkapseln – natürlich mit einem Filzkopf – hat sie dieses Mal neu dabei. „Filz ist wasserabweisend“, erläutert sie. Es ist eher die Sonne, die das Material beeinträchtigen kann und ausbleichen lässt. Auch handgefärbte Schals aus Wolle und Seide ziehen die Blicke auf sich.

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2018/09/10/grosser-zuspruch-fuer-den-kunsthandwerkermarkt-der-schreinerei-bellut-in-airlenbach/Schreinerei Bellut

Posted by Thomas Wilken on Monday, September 10, 2018

Schnaps ist der Dreh- und Angelpunkt beim „Hannes und dem Ourewäller Landrat“ in Finkenbach

Eigentlich sind die beiden Männer ziemlich verschieden, doch die Liebe für den Schnaps schweißt sie untrennbar zusammen. Der etwas tumbe Hannes mit seinen Wortfindungsstörungen kann sich jedoch einiges mit dem Ourewäller Landrat erlauben, weil der sich in schöner Regelmäßigkeit leicht bis stärker angesäuselt ein paar Eskapaden leistet, die der Hannes für ihn ausbügelt. So auch im neuen Programm des Odenwälder-Originalen-Duos Hans Dörsam und Bernd Ginader.

„Nix wie Fort & Viel Wind um Nix“ hieß es auf Einladung der Feuerwehr in der Hermann-Wilhelm-Halle Finkenbach. Dass die beiden einen Monat vor der eigentlichen Premiere in Gras-Ellenbach quasi eine „Preview“ gaben, haben die Gäste dem stellvertretenden Kommandanten Wolfgang Buchert zu verdanken. Denn der ist Ginaders Schwager und hatte somit etwas Überzeugungskraft in der Überredung.

Der Hannes, stotternd, immer die Worte verdrehend, umständlich, kompliziert und einfältig, der Landrat aufbrausend, manchmal begriffsstutzig, lospolternd, im zweiten Set stark vom Betriebsausflug malträtiert, der naturgemäß geistreich ausartete: Dörsam und Ginader spielten sich routiniert die Bälle zu. Kein Wunder, denn die beiden Originale fanden sich bereits vor mehr als sechs Jahren bei einer „Schnapsidee“ zusammen, aus dann jedes Jahr ein neues Programm entstand.

Diesem Getränk als „Spiritus rector“ der Comedy-Aufführungen huldigen die beiden in einer Ausführlichkeit, dass man im Zuschauerraum aus Sorge um die Leber nur hoffen kann, dass sich in dem vielfältigen Flaschensortiment eben kein Schnaps befindet. Ein schlauer Sinnspruch und schon ist wieder ein Grund gefunden, noch einen Klaren zu sich zu nehmen. Bis zum bitteren Ende. Der Landrat, der eigentlich seinen Rausch vom Vortag auskurieren wollte, sieht sich schnell wieder mittendrin statt nur dabei.

Der Ourewäller Landrat versucht (meistens) einem verantwortungsvollen Amt mit Würde und Disziplin nachzukommen. Gestört wird er dabei allzu oft von seinem Amtsdiener „Hannes“, einem leicht vertrottelten Mann, der sich durch seine Bauernschläue und Spitzbübigkeit dennoch an allen Klippen des „Amtslebens“ vorbeizuschiffen versteht. „Ist die Sache auch noch so verfahren, mit einem Schnaps und Trinkspruch auf den Lippen wird sie doch wieder gut geraten“, lautet der Leitspruch des Erfolgsduos.

Im Programm „Nix wie Fort & Viel Wind um Nix“ hatten sich „Hannes und der Ourewäller Landrat“, den Figuren aus dem SWR-Fernsehen Hannes und der Bürgermeister mit Albin Braig und Karlheinz Hartmann nachempfunden,  zwei Themen angenommen, die vor allem die Menschen in Überwald und Weschnitztal beschäftigen: Solardraisinenbahn und Windkraft. Während die Rotoren in der Oberzent ebenfalls ein immer drängenderes Probleme werden, dürfte die Draisine im Finkenbachtal nicht diesen Bekanntheitsgrad wie in Wald-Michelbach haben.

Natürlich hatte Hannes so seine ganz eigenen Ideen, wie mit Körperwinden die Rotoren angetrieben werden könnten. Vielleicht dürfte aber auch das eine oder andere davon nicht so wirklich praktikabel gewesen sein. Köstlich der angeschlagene Landrat nach dem Betriebsausflug mit der Draisine. Die schien danach, so verdeutlichten es die beiden, ein Sanierungsfall gewesen sein.

Schnaps und immer wieder Schnaps: Wortreich musste sich Hannes erklären, warum die Pulle nach dem Einkauf nicht mehr da ist. Weil er sie austrank, damit sie nicht kaputt geht, falls er vom Mofa fallen sollte. Was danach natürlich prompt drei Mal passierte. Oder diverse Missgeschicke des Landrats bei der Fahrt mit der Draisine. Erst fiel er beim Einsteigen in Mörlenbach raus, dann in Stausee bei Weiher rein, veranstaltete eine Modenschau am Altkleidercontainer, weil er nach trockenen Klamotten suchte, oder bekam auf dem Viadukt einen Anfall von Höhenangst: Genug Stoff also, um zwei Mal eine Dreiviertelstunde die Besucher bestens zu unterhalten.

 

Zwei neue indische Patres sind ins Karmeliter-Kloster Hirschhorn eingezogen

Die Karmeliter-Gemeinde im Hirschhorner Kloster wächst. 2009 waren dort nach 200-jähriger Vakanz die drei indischen Patres Joshy, Cyril und Sijoy eingezogen. Cyril wirkt seit inzwischen zwei Jahren als Pfarrer in Mörlenbach, Sijoy schon länger in Bad Wimpfen, das ebenfalls zum Dekanat Bergstraße-Ost gehört. Acht Jahre später kommen nun die beiden Patres Linto und Sudeesh hinzu. Sie stammen ebenso wie ihre Mitbrüder aus dem südindischen Kerala.

Pater Joshy ist Pfarrer der fusionierten katholischen Kirchengemeinde von Hirschhorn und Neckarsteinach im hessischen Neckartal. Dort ist auch der 36-jährige Linto jetzt als Pfarrvikar/Kaplan tätig. Sein Glaubensbruder, der 37-jährige Sudeesh, versieht diese Funktion bei Pfarrer Peter Pristas in der Pfarrgruppe Überwald mit ihren Teilorten Wald-Michelbach, Unter-Schönmattenwag, Aschbach und Hammelbach. Eine zeitliche Begrenzung für ihre Tätigkeit, die sie im August und September aufnahmen, gibt es seitens des Bistums Mainz nicht.

In ihrer Funktion arbeiten die Patres dem jeweiligen Pfarrer zu, gestalten und halten Gottesdienste sowie sind für Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen zuständig. Gemeinsam mit Pfarrer Joshy bereitet Linto die Kinder auf die Kommunion vor und kümmert sich um die Jugendarbeit. „Außer Verwaltung machen wir alles“, hebt Sudeesh die große Breite der seelsorgerischen Arbeit hervor. Zusätzlich besuchen beide auch einen Pastoralkurs des Bistums Mainz.

Zwölf Jahre Ausbildung liegen hinter den Indern, die aus demselben Bezirk in Kerala stammen. Sie besuchten Priesterseminare der Karmeliter in Kothamangalam und Bangalore. Linto wurde nach seinem Studium 2009 zum Priester geweiht, Sudeesh bereits 2008. 2015 kamen sie nach Deutschland, wo in Mainz unter anderem Deutschkurse auf der Tagesordnung standen. Seit dem vergangenen Jahr besuchen beide den dortigen Pastoralkurs.

„Ich habe in der Region sehr gute erste Erfahrungen im Gottesdienst gemacht“, betont Pater Sudeesh. Linto ergänzt: „Die Menschen hier sind nett und freundlich und haben keine Berührungsängste.“ Eben weil sie schon die Patres kennen, Joshy im Neckartal und Cyril im Überwald, als dieser dort ebenfalls als Pfarrvikar tätig war. In Indien wird der Glaube bunt und lebhaft praktiziert. Eben diese Tradition bringen sie mit nach Deutschland. Ihre lockere Art kommt bei den Menschen sehr gut an.

Für Sudeesh und Linto war es schon früh klar, wohin sie ihr Weg führen würde. „Das Christentum hat eine schöne Tradition in unserer Heimat“, erläutert Linto. Er war Ministrant, ein regelmäßiger Kirchgänger. Nach der Schule hospitierte er in einem Priesterseminar. „Ich war sehr beeindruckt vom Erlebten“, berichtet er. Ihm war schnell klar: „Das passt für mich.“ Sudeesh entschied sich schon während der Schulzeit, Priester zu werden und fragte dort nach aufgenommen zu werden. Auch er war Ministrant in seinem Bezirk mit einem hohen christlichen Bevölkerungsanteil.

Im indischen Karmeliterkloster kamen die beiden nur theoretisch mit der deutschen Sprache in Kontakt. „Am Anfang war es deshalb schwierig sie zu erlernen“, meint Sudeesh. Einmal hier angekommen, gestaltete sich dies dann einfacher. „Wir haben dann an unserer Aussprache gefeilt“, so Linto. Eine „Herausforderung“ ist für sie immer noch der hiesige Dialekt, lachen die Patres. „Wir erschließen uns dann manche Wörter.“

Mindestens drei Mal die Woche kommen die fünf Karmeliter-Patres in Hirschhorn zu gemeinsamen Gebeten zusammen. Wobei die „neuen“ von den „alten Hasen“ lernen. „Joshy, Cyril und Sijoy haben hier einen guten Anfang gemacht“, betont Linto. „Sie kennen die hiesige Sprache und Kultur und geben das Wissen an uns weiter“, ergänzt Sudeesh. „Wir wollen in ihre Fußstapfen treten und die Spiritualität der Karmeliter vermitteln“, heben sie hervor.

Badische Resolution des GVV Schönau gegen hessischen Windrad-Wildwuchs im Kreis Bergstraße

Der Proteststurm gegen die in Südhessen geplanten Windenergieanlagen (WEA) ist schon längst über die Grenze ins Badische geschwappt. Gerade bei den wenige Kilometer entfernt liegenden Gemeinden des Ulfen- und Steinachtals ist man über die Neufassung des hessischen Regionalplanentwurfs nicht erfreut. Deshalb haben die vier dortigen Bürgermeister eine Protestresolution formuliert, die sie einem breiten Verteiler auf beiden Seiten der Ländergrenze zuschickten.

Die Botschaft darin ist klar: Hermann Roth für Heddesbach, Sieglinde Pfahl für Heiligkreuzsteinach, Marcus Zeitler für Schönau und Hans Zellner für Wilhelmsfeld – inzwischen ist sein Nachfolger Christoph Oeldorf im Amt – rufen den Planern im Darmstädter Regierungspräsidium (RP) ein ganz klares „Stopp“ zu. Das fußt vor allem auf zwei Argumenten: dem Naturschutz und der Einkesselung der badischen Anlieger, die durch den verschlungenen Verlauf der Ländergrenze manchmal auf drei Seiten von Hessen umgeben sind.

„Es ist völlig unverständlich und der Bürgerschaft nicht zu vermitteln“, heißt es in der Resolution, warum große zusammenhängende Waldflächen, die auf baden-württembergischer Seite „als besonders wertvoll und schützenswert und in der Abwägung deshalb höher eingestuft werden als die Belange der Windenergie“, auf der anderen Seite der Landesgrenze offenbar keine besondere schützenswerte Bedeutung hätten.

Bezug genommen wird beim Umweltaspekt auf die Stellungnahme der unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Neckar-Kreises. Die bezieht sich unter anderem auf Stillfüssel und Greiner Eck. Darin heißt es, dass die WEA aus dem badischen Kreis heraus weithin sichtbar sind und sein werden. Damit würden „das Landschaftsbild, die Erholungseignung und die Eigenart der Landschaft erheblich beeinträchtigt“. Dass etliche geplante Anlagen in einem Zehn-Kilometer-Umreis um die vier Gemeinden liegen, verstärke die nachteiligen Auswirkungen.

Die Resolution weist deshalb darauf hin, dass der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Schönau eben wegen solcher Kriterien wie Natur- und Landschaftsschutz „auf die Ausweisung von Standorten für Windkraftanlagen in seinem Flächennutzungsplan verzichtet“. Auch fordert der GVV, dass die Anzahl von WEA auf einer bestimmten Fläche gedeckelt werden sollte. Allein die geplanten Vorrangflächen rund um das Verbandsgebiet schüfen die Möglichkeit für eine enorm hohe Anzahl, „die uns regelrecht einkesseln würde“.

Die Verfasser weisen darauf hin, dass nicht nur in Hessen WEA geplant werden, sondern auch in angrenzenden Vorranggebieten des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim. Genannt werden hier Weinheim oder Heidelberg, aber auch Eberbach. Hier ist durch den an Flockenbusch anschließenden Bereich Brombach-Nord Heddesbach besonders tangiert, das bereits „freie Sicht“ aufs Greiner Eck hat.

Der GVV argumentiert, dass es in Hessen ein sogenanntes „Umzingelungsverbot“ gebe, nach dem es nicht zulässig sei, dortige Gemeinden mit Windrädern einzukesseln. „Genau das scheint aber hier in Bezug auf die baden-württembergischen Gemeinden nicht beachtet zu werden“, schreibt Geschäftsführer Werner Fischer. „Jedenfalls fanden keine Gespräche zu unserer eigenen Planung dazu statt“.

Wie überhaupt die länderübergreifende Kommunikation zu wünschen übrig ließ. „Die Verfahrensbeteiligung stellt ein besonderes Ärgernis dar“, monieren die Unterzeichner. Sowohl zum Greiner Eck als auch zum Stillfüssel sei diese vom RP abgelehnt worden. Ebenso habe es keine Bürgerinformation gegeben, „die bei einem so bedeutsamen Projekt äußerst wichtig gewesen wäre“.

Fischer betont für den GVV, dass man einer „sinnvollen Ausweisung von Vorrangflächen“ sowie deren Bau konstruktiv gegenüber stehe. Deshalb sehe man auch keinen Widerspruch darin, sich gegen die geballte Ausweisung entlang der Landesgrenze auszusprechen. Auch der zweite Regionalplanentwurf weise „völlig inakzeptable Flächengrößen“ auf. Deshalb fordern die badischen Anlieger, im Stillfüssel und im Greiner Eck keine weiteren Anlagen als die bisher genehmigten zuzulassen. Im Bereich Flockenbusch sollte eine Begrenzung auf maximal fünf erfolgen.

Verteiler der Resolution: Fraktionen Regionalverband Südhessen, Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Rhein-Neckar, Landtags- und Bundestagsabgeordnete Bergstraße, Landtagsabgeordnete Wahlkreis Sinsheim, Landrat des Rhein-Neckar-Kreises,  Landrat Kreis Bergstraße, Regierungspräsidium Darmstadt, Regierungspräsidium Karlsruhe, Staatsministerium Baden-Württemberg, Verband Region Rhein-Neckar, Fraktionen des Kreistages RNK, Fraktionen des Kreistages Bergstraße, Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim, BUND, NABU