Im Haushalt fehlt eine Million Euro

Der Haushaltspanentwurf 2021 von Oberzent ist Spitz auf Knopf genäht. Gerade einmal 2300 Euro Überschuss weist er im ordentlichen Ergebnis aus. Und das, obwohl eine Fast-Verdoppelung der Grundsteuer bereits eingepreist ist: von 365 auf 700 Prozentpunkte. Eine Maßnahme, die in den anstehenden Beratungen der Fraktionen noch für heiße Diskussionen sorgen dürfte. Andererseits, machte Bürgermeister Christian Kehrer bei der Einbringung klar: Die Stadt weiß nicht, woher das Geld sonst kommen soll, wenn man alles umsetzen möchte.

Der Rathauschef erläuterte im Haupt- und Finanzausschuss, dass ein Defizit ohne Steuererhöhung nicht abzudecken wäre. Denn das würde sonst etwa eine Million Euro betragen. Oberzent hat keine großen Überschüsse aus vergangenen Jahren, die es als Ausgleich verwenden könnte. Zum einen gibt es seit 2016 keine Jahresabschlüsse, zum anderen schiebt man aus 2019 noch ein Defizit von 300.000 Euro vor sich her. 2020 dürfte es zwar besser aussehen, aber die Endabrechnungen sind noch nicht da.

In diesem Jahr „kommt weniger rein als erhofft und erwartet“, schilderte Kehrer die Misere. Die Zuweisung des Landes, die eigentlich jährlich höher wird, ging auf das Niveau von 2019 zurück. Dazu kommt die unsichere Entwicklung der Gewerbesteuer, auch wenn man die Steuer um 20 Prozentpunkte erhöhte. Die belief sich auf 1,6 Millionen Euro in 2020. Zusammen mit dem Landes- und Bundeszuschuss von 400.000 Euro „hat uns das gerettet“, so Kehrer. Die Bundeswaldprämie von 200.000 Euro obendrauf und fertig ist in etwa der Überschuss im vergangenen Jahr, rechnete er vor.

Ohne Kohle fürs Holz hätte es im Forst ganz duster ausgesehen: Denn der Zuschuss deckt ziemlich genau die roten Zahlen ab, die ansonsten im Haushalt aufgetaucht wären. Die niedrigen Holzpreise aufgrund von Witterungs- und Käfereinflüssen sorgten dafür, dass sich der Verkauf mit dem Aufwand ziemlich genau die Waage hielt. Weil das im Waldwirtschaftsplan aber nicht alles an Ausgaben ist, kam es zu diesem Defizit.

Kein Vergleich zu den früheren goldenen Jahren im Wald, als die vier ehemaligen Kommunen zusammengerechnet um die 700.000 Euro Überschuss erwirtschaften. Fast punktgenau mit der Fusion brachen diese Gelder allerdings weg. Für 2021 hofft der Bürgermeister, dass es mit einem Minus von 20.000 Euro getan ist. „Wir sind von der Forstwirtschaft sehr abhängig“, erklärt er.

Anderer Kostentreiber ist die städtische Personalaufstockung. Sie ist allerdings durch die Erweiterung der Kindergärten und das Gute-Kita-Gesetz unausweichlich. Der Bürgermeister kommt hier auf zusammen elf Stellen, was in der Summe ein paar hunderttausend Euro mehr an Ausgaben bedeutet. Das alles bei stagnierenden bis zurückgehenden städtischen Einnahmen.

Der Einkommensteueranteil ist mit 5,1 Millionen Euro auf dem Stand wie 2019, erklärte das Stadtoberhaupt. „Es gibt keine Steigerung wie sonst.“ Die Schlüsselzuweisungen gehen von 5,5 auf 5,4 Millionen Euro zurück. Beim Umsatzsteueranteil herrscht Stagnation, beim Familienleistungsausgleich kommen 20.000 Euro mehr rein.

In den Haushaltsplan hat die Verwaltung alles reingepackt, „was die Kommunalpolitik an freiwilligen Leistungen wünschte“, betonte Kehrer. Dazu zählen etwa Vereinsförderung oder Corona-Hilfen für Vereine. Sporthallensanierung Unter-Sensbach und Waldkita Beerfelden finden sich als große Baumaßnahmen ebenfalls wieder.

Insgesamt listet der Finanzplan Investitionen von 5,7 Millionen Euro auf. Dafür stehen Kreditmöglichkeiten von zwei Millionen in diesem und restliche Darlehensmittel in gleicher Höhe aus 2020 zur Verfügung. Nur wenige Punkte wurden rausgestrichen, wie etwa 100.000 Euro für Maßnahmen rund um die Burgruine Freienstein.

Das Stadtoberhaupt legt den Finger in die Wunde: Als Flächenkommune im ländlichen Raum „bekommen wir zu wenige Zuweisungen“, kritisierte er. Kehrer betrachtet eine kontinuierliche Förderung als wichtiger statt einzelne Programme. Denn „jeder stürzt sich drauf“, hat er festgestellt. Bei kleinen Projekten, wie sie in Oberzent eher an der Tagesordnung sind, findet man dann keine Firmen mehr oder muss Mondpreise blechen. Regelmäßige Zahlungen „würden den Markt entspannen“, denkt er.

Als 2018 die Fusion vollzogen wurde, „hätte ich nie erwartet, dass der Haushalt so schlecht aussehen wird“, erklärt der Rathauschef. Trotzdem, hebt er hervor, „müssen wir attraktiv bleiben und werden“. In der Stadt, hat Kehrer festgestellt, „gibt es eine hohe Erwartungshaltung“. Er will sich gar nicht vorstellen, meint er, „wie es den vier Kommunen ohne Fusion ergehen würde“.

Gerade in Corona-Zeiten ist eine Steuererhöhung schwer zu vermitteln, weiß Kehrer. Denn überall steigen die Kosten. Deshalb tun sich Magistrat und Verwaltung auch sehr schwer damit. „Die Stadt kann ihre Steuern nicht stabil halten“, bedauert der Bürgermeister. Die aktuellen 365 Prozentpunkte sind weit unterhalb des hessischen Durchschnitts. Sollte Oberzent einen unausgeglichenen Haushalt vorlegen, „ist kein Entgegenkommen zu erwarten“, befürchtet der Rathauschef. In dieser Hinsicht gibt es „klare Signale von oben“.

Mit dem aktuellen Entwurf „gehen wir uns Rennen“, machte er deutlich. An der Stadtpolitik ist es seinen Worten nach nun zu entscheiden, „wo die Reise hingeht“. Entweder müssten die Mandatsträger einen Haushalt mit Defizit verabschieden, der nicht genehmigungsfähig wäre. Oder bei den Aufwendungen sagen, „was man sich gönnen will oder nicht“. Kehrer sieht ansonsten keine weiteren Einnahmemöglichkeiten.

Komfortabel aus dem Sessel aufstehen

Nicht mehr so mobile Bewohner können zukünftig in sehr komfortablen Sesseln mit Aufstehhilfe an Gruppenveranstaltungen in der Kleinkunstbühne der Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl Beerfelden teilnehmen. Geschäftsführer Michael Vetter vom Pflegezentrum Odenwald übergab vor kurzem vier dieser neuen Aufstehsessel der „Sozialen Betreuung“ in der Einrichtung. Diese können auf Rollen frei durch die Kleinkunstbühne bewegt werden.

Der große Raum wurde in der Corona-Pandemie als kleines hausinternes Impfzentrum genutzt und steht jetzt täglich als Besucherzentrum für die Bewohner zur Verfügung. Dort finden an jedem Wochentag auch gemeinsame Veranstaltungen, wie ein Gottesdienst oder die Kreativ- und Bewegungsgruppe, sowie vieles mehr mit den Bewohnern statt.

Die Bewohner können die Sessel sehr einfach über eine Fernbedienung selbst steuern. Sie erlauben ein optimales Sitzen, Liegen und Entspannen mit einem Hochlegen der Beine, das zu einer Entlastung des Kreislaufs und einer Regeneration der Muskulatur beiträgt. Es entsteht ein Gefühl von positiver Ruhe, Ausgeglichenheit und Wohlbefinden, so Vetter. Außerdem gewährleistet die stufenlose Verstellbarkeit ein sicheres Platznehmen und Aufstehen.

Vetter probierte zusammen mit Wilma Devos, Hilde Wolf und der Pflegedienstleiterin Angela Scheil die neuen Aufstehsessel aus. Gelobt wurde die per Fernbedienung stufenlose Verstellbarkeit, die den Bewohnern viel Komfort bietet. Mit ihrem klassisch modernen Design passen die Sessel Vetter zufolge gut in die Kleinkunstbühne, so dass sie bald von vielen Bewohnern als Lieblingsplatz auserkoren werden könnten.

Für Besuche in der Seniorenresidenz ist es möglich, Corona-Tests kostenlos vor Ort durchzuführen. Vetter hat hierzu eine Online-Anmeldung auf der Homepage http://www.pflegezentrum-odenwald.de freigeschaltet und für die Bearbeitung zusätzliches Personal eingestellt. Die Tests können montags, mittwochs und freitags von 8 bis 10.30 Uhr nach Terminvereinbarung vorgenommen werden. Die Besuchstermine im Haus werden schon seit einiger Zeit über eine Online-Anmeldung gebucht.

Die Seniorenresidenz Hedwig Henneböhl bietet Plätze zur Vollzeitpflege, aber auch zur Kurzzeit- und Verhinderungspflege an. Weitere Infos unter Telefon 06068/7599-507 werktags in der Zeit von 8.30 Uhr bis 16 Uhr.

Modeln in Zeiten der Pandemie

Auch während der Corona-Pandemie geht das Modeln weiter. Den Start in ihre Selbständigkeit hätte sich die aus dem kleinen Oberzent-Stadtteil Olfen stammende Wahl-Münchnerin Stella Stegmann aber anders vorgestellt. Aber mit viel Einfallsreichtum und kreativen Ideen arbeitet die 23-Jährige weiter hart an ihrer Karriere. „Ich bereue nichts“, lächelt sie.

Nach dem dualen Studium bei Siemens wollte sich Stella eigentlich hauptberuflich dem Modeln widmen. Doch während des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr praktisch nichts, erzählt sie. Den Sommer über herrschte dann quasi Normalbetrieb, ehe wieder die Schotten runtergingen.

Immerhin, berichtet die Olfenerin, gibt es immer mal wieder Aufträge wie etwa Fotoshootings. Bei denen sind in der Regel Corona-Tests vorgeschaltet, geht alles streng nach Hygienevorschriften. „Ich komme über die Runden“, sagt sie – auch wenn nicht wie im vergangenen Jahr die tollen Shootings wie etwa fürs Playboy-Cover reinflattern.

Nach der deutschen Ausgabe war Stella Stegmann jetzt auch auf dem Titel der niederländischen Publikation vertreten. Dazu kam es eher per Zufall über einen Instagram-Chat, sagt sie. Dabei tauchte die Frage auf, ob ihre Bilder denn auch in anderen Playboys außerhalb Deutschlands erscheinen würden. Das wäre möglich, wenn die komplette Fotostrecke aus Mexiko übernommen wird, schildert es die 23-Jährige.

Die Niederländer schlugen zu, sodass Stegmann das Februar-Cover ziehrt. „Ein total schöner Erfolg“, freut sie sich – sogar mit einem anderen Titelbild als dem in Deutschland. Auf Instagram gab es viel Resonanz, hat sie festgestellt. Zum einen in Form von Komplimenten aus dem Nachbarland, zum anderen durch mehr Follower. 31.000 davon zählt die Exil-Odenwälderin inzwischen. „Das sind gute Zahlen im Model-Bereich“, weiß sie. Solche, „bei denen die Leute zuhören und man eine Community hat“.

Je mehr Follower, desto mehr Aufmerksamkeit. Langsam kommen Unternehmen auf sie zu und fragen nach einer Kooperation, erzählt die Olfenerin. Es geht um das Testen von Produkten oder um deren gemeinsame Entwicklung. Stella ist daneben auch Zumba-Trainerin, sportbegeistert, designt und näht gern. Folgerichtig klopfte auch schon ein Sportartikelhersteller an.

Trotz des Lockdowns „ist mir nicht langweilig“, erklärt sie. Vor kurzen fand ein Fotoshooting in Tirol statt – das erste seit langer Zeit außerhalb Deutschlands. In den vergangenen zwei Monaten arbeitete Stella mit einigen Deutschrappern bei deren Musikvideoproduktion zusammen. Unter anderem ist sie im aktuellen Clip „Brachland“ von Cool Savas zu sehen.

Das Modeln ist für die 23-Jährige aber nicht alles. Vergangenen Herbst begann sie in einem Café zu arbeitet und schätzt dort sehr die Gespräche mit den Kunden. Nicht nur dort ist aktuell Pause. „Ich hoffe, dass die Fitnessstudios bald wieder öffnen“, sagt Stella. Denn sie gibt auch einschlägigen Unterricht. Die Online-Kurse sind das Eine, „aber es ist was anderes, wenn man mit den Leuten trainiert, schwitzt und Spaß hat“.

Ihr Kalender-Projekt für 2021 lief sehr gut, freut sie sich. Das Thema lautete „Powerfrau“. Ein Teil der Einnahmen ging in das Waisenhaus nach Tansania, in dem sie 2014 ein Praktikum machte. In die alte Heimat zieht es auch ab und zu, wenn sie mit ihrem Bruder gemeinsam das elterliche Haus saniert.

Was sie als Erstes gerne wieder machen würde, wenn die Beschränkungen fallen? „Reisen“, sagt Stella sofort. Irgendwo im Süden Europas am Strand liegen. Mit etwas Glück könnte es ein Fotoshooting für ein Bademodenunternehmen in Griechenland geben, erzählt sie. Damit hat die Olfenerin Erfahrung, nahm sie doch bereits vor einiger Zeit am „Miss Mermaid“-Wettbewerb teil.

„Ich freue mich über das, was kommt“, nimmt die 23-Jährige die Entwicklung gelassen. Sie möchte gerne im Sportbereich für eine bekannte Marke arbeiten, hat aber keine speziellen Vorlieben. Durch das Onlinecasting öffnen sich derzeit neue Türen, sagt sie, für die sie nun mehr Zeit hat.

Parallel ist die Wahl-Münchnerin bei der YouTube-Show „Stellas Shooting Shuttle“ mit dabei. Sie moderiert die humorvollen Casting-Clips auf http://www.youtube.com/watch?v=XyYAki3HwNg. Im April ist sie als Model für einen Unterwasserworkshop eines Fotografen gebucht. Wenn im kommenden Semester Zeit bleibt, möchte Stella gern Finno-Ugristik studieren. Denn ihr Freund kommt aus Finnland und sie will die Sprache besser verstehen. Im Raum steht auch noch ein Masterstudiengang im Kommunikationsbereich.

Sanierung quasi beendet: Schloss sucht Pächter

Nicht mehr lange, dann werden die letzten Gerüste verschwunden sein. Dann erstrahlt das Hirschhorner Schloss wieder in neuem – alten – Glanz. Alt deshalb, weil bei der aufwändigen Sanierung für knapp drei Millionen Euro in Zusammenarbeit mit der Landesdenkmalbehörde viel Wert darauf gelegt wurde, das Aussehen früherer Jahrhunderte zurückzubringen. Beim zuständigen Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) zeichnet dafür Projektleiter Hermann Felleisen verantwortlich.

Sein Ziel ist es: Ende April die Bauarbeiten zu beenden, während parallel schon die Ausschreibung nach einem neuen Pächter für Hotel- und Gastronomiebetrieb läuft. Ziel des LBIH ist es laut Sprecher Alexander Hoffmann, dass spätestens im Sommer wieder neues Leben auf dem alten Gemäuer einkehrt. Die herrliche Terrasse mit Blick über das Neckartal und Hirschhorn sowie eine zweite Fläche etwas unterhalb Richtung Burghof sind optimal für Außengastronomie geeignet, sollte im Innern eine Bewirtschaftung noch mit Auflagen verbunden sein.

Felleisen ist die Begeisterung anzumerken, wenn er über die Ergebnisse der Sanierungsmaßnahmen spricht. Etwa über den Palas, quasi das frühere „Wohnzimmer“ der Ritter von Hirschhorn. Der wurde komplett freigelegt, von früheren Trennwänden beseitigt und wieder so hergerichtet, als wären die früheren Besitzer gerade ausgezogen. Selbst die alte Farbgebung des Wappenvlieses lässt sich wieder auf der Wand erkennen. Das soll noch hinter Glas verschwinden.

Der Palas, der historischste Teil des Schlosses, wird nach Fertigstellung für die Besucher geöffnet. Sie finden dort Infos übers Schloss und seine Geschichte. Auch will man diverse Fundstücke ausstellen. Von ihm aus geschieht über eine Stahltreppe der Aufstieg zum Bergfried. Eine Seitenwand wurde rot getüncht, um den Charakter einer Hauswand zu erreichen. „Das gibt eine tolle Sache“, schwärmt Felleisen. Er erkennt eine „große Attraktivitätssteigerung“.

Ein anderer Schwerpunkt der (äußeren) Instandsetzungsarbeiten war der Zwingerbereich. Der war laut Felleisen „fast komplett verfüllt“. Da durch den Druck eine starke Rissbildung im Mauerwerk erkennbar war, wurden Massen an Erde und Gestein herausgeschafft. „Mehrere hundert Kubikmeter“, verdeutlicht der Projektleiter. Einen Eindruck davon bekommt man beim Blick auf den großen Sandsteinhaufen neben dem Burgtor. Der Zwinger soll in Zukunft für Führungen zugänglich gemacht werden, so Felleisen. Bei der Gelegenheit entdeckten die Arbeiter auch eine bisher unbekannte Tür.

Die Fassadensanierung, der Austausch der alten Klappläden, die Eindeckung des Dachs mit Biberschwanzziegeln mit Handstrich-Oberfläche, wie sie früher verwendet wurden, oder die Befestigung der Bogensteine an der oberen Mauer: Es ging im Kern darum, die alte Bausubstanz möglichst detailgenau zu erhalten und zukunftsfähig zu machen, erklärt Felleisen.

Eine wahre Herkulesarbeit war die Sanierung von innerer und äußere Mauer sowie Turmstumpf. Auf der kompletten Länge wurde der Bewuchs entfernt, schildert der Architekt die Plackerei. Die Schießscharten waren teilweise nicht mehr erkennbar. Die Mauer Richtung Kloster wurde komplett vom Efeu befreit. Insgesamt, rechnet er nach, beackerte man auf diese Weise über 2000 Quadratmeter.

Die Sonnenterrasse bekam ein neues Schutzgeländer, neue Platten und eine neue Abdichtung, so der Bauleiter. Im kompletten Gebäude wurden die vorherige Einrohr-Heizung („so etwas habe ich als Architekt noch nie gesehen“) und die Elektroleitungen erneuert – immer in Absprache mit der Denkmalpflege.

Damit ist seinen Worten zufolge nun ein ganzjähriger Hotel- und Gaststättenbetrieb möglich. Der war in der Vergangenheit ein Problem, weil im Winter die Zimmer nicht richtig warm wurden. Die zwischenzeitliche frostige Witterung und Lieferschwierigkeit wegen der Corona-Pandemie verhinderten eine frühere Fertigstellung, erklärt er.

„Ein Schmuckstück“ ist nach Fertigstellung die ehemalige Kapelle. Dort befindet sich das Trauzimmer des Hirschhorner Standesamts. Hier baute man die Zwischendecke aus, „um den ganzen Raum erlebbar zu machen“. Dass es überhaupt dazu kam, hat Felleisen zufolge damit zu tun, dass man bei der Dacherneuerung Zugang zu einem bisher verschlossenen Raum erhielt. Flugs wurden die Kosten ermitteln und man ging zu Werke.

Auf dem Weg zum Trauzimmer fallen die alten Verzierungen über den Türen auf. „Architekturmalerei“, erklärt der Bauleiter, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel hat. Sie erstreckte sich früher über den ganzen Mauertrakt, denkt er. Leider wurde vieles im Laufe der Zeit zerstört. „Der Raum wird an Atmosphäre dazugewinnen“, ist er sicher. Und somit als „Eye-Catcher“ nicht nur Brautpaare aufs Schloss ziehen.

Da sowieso praktisch alles in die Hand genommen wurde, beseitigte der Bautrupp auch gleich die Bausünden der 1960er Jahre. Dazu zählt Felleisen sichtlich entrüstet den Kunststoffputz, mit dem die Wandflächen überzogen waren. Er wich einem Kalkanstrich, wie er historisch korrekt ist. Oder Wände und Decken im Restaurant. Hier flog die alte Raufasertapete raus, jetzt glänzt die alte Stuckdecke in neuer Pracht. Alles angelehnt an frühere Farbgebungen.

Außerdem wurden weitere Ein- und Anbauten aus dieser Zeit entfernt. Dazu gehört der fürs Personal. „Den haben wir abgerissen“, erklärt der Architekt. Denn er stand auf unsicherem Fundament. Die dortigen Räume konnte man im Schlossbereich unterbringen. Auch wenn es jedes Jahr Bauunterhaltungsmaßnahmen gab, war es jetzt somit „die größte Sanierung seit den 60er Jahren“.

Felleisen, der in seinen knapp 40 Arbeitsjahren schon seit einiges an Schlössern und Burgen gesehen hat, bleibt die Maßnahme „berufstechnisch in Erinnerung“. Auf seinem Weg zur Arbeitsstätte genießt er, aus dem Hirschhorner Tunnel kommend, den Blick zum Schloss und die Auffahrt. Was andere in der Freizeit machen, schmunzelt er, „habe ich hier jeden Tag: Burgen anschauen“.

Der Architekt Johannes Hug aus Darmstadt hat die planerischen Akzente für den Palasaufbau und –ausbau, für die Restauranträume etc. entwickelt. Dr.-Ing. Anja Dötsch Fachgebietsleiterin Bauangelegenheiten und Denkmalpflege, Staatliche Schlösser und Gärten Hessen

Info: Die Ausschreibung für die Verpachtung des Hirschhorner Schlosses wird demnächst auf der Internetseite des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH) zu finden sein, http://www.lbih.hessen.de.

Schloss Hirschhorn: Zahlen und Fakten

Baubeginn: ca. 1250 als spätstaufische Hangburg. Sie umfasste einen 16 Meter tiefen Halsgraben, einen quadratischen Mauerring, Schildmauer, Toranlage und Bergfried

Heute noch erhaltene Zeugnisse aus den Anfangsjahren: mächtige Schildmauer und Reste eines ersten Wohnbaus (Palas) mit gotischem Fenster (ca. 1300)

15. bis 17. Jahrhundert: fortwährender Um- und Ausbau

Bau des neuen Palas in Renaissanceausgestaltung (Hatzfeld-Bau): zwischen 1583 und 1586

1632 starben die Hirschhorner Ritter aus. Die Burg ging an Kurmainz und 1803 an Hessen-Darmstadt

1803 bis 1918: Amtssitz des Großherzogtums Hessen-Darmstadt

Ab 1949: Das Land Hessen ist Eigentümer

Ab 1959: Im Renaissancebau sowie im Marstall-Nebengebäude ist ein Hotel mit Restaurant untergebracht

Die Burgkapelle aus dem 14. Jahrhundert mit ihren Fresken wird heute als Trauzimmer der Stadt Hirschhorn genutzt

Hotel: acht Zimmer im Hauptgebäude und 24 im Marstall

Restaurant mit Nebenraum: Platz für bis zu 90 Gäste, Rittersaal bis zu 60, multifunktionaler Raum für Veranstaltungen bis zu 20 Gäste, große Terrasse ca. 75 Sitzplätze. Zusätzlich gibt es eine weitere Terrasse, geeignet für kleinere geschlossene Gesellschaften.

Ersheimer Brücke: Vollsperrung jetzt doch erst im Herbst

Die rund 160 Meter lange Wehrbrücke über der Schleusenanlage Hirschhorn im Zuge der Kreisstraße K 38 verbindet das westlich gelegene Hirschhorn mit dem östlichen Ersheim auf der gegenüberliegenden Neckarseite. Die Stahlkonstruktion aus den 1930er Jahren weist starke Korrosionsschäden auf und muss daher dringend instandgesetzt werden, teilt die Straßenbehörde Hessen Mobil mit. Der Landkreis Bergstraße als Baulastträger der K 38 hat Hessen Mobil mit der Planung und Durchführung der Brückeninstandsetzung beauftragt.

Derzeit wird durch ein von Hessen Mobil beauftragtes Ingenieurbüro die Ausführungsplanung und Bauablaufplanung für die Instandsetzungsmaßnahme erstellt. Gleichzeitig wird derzeit durch Hessen Mobil ein detailliertes Verkehrskonzept für die Durchführung der notwendigen Bauarbeiten an der Brücke entwickelt und in den kommenden Wochen mit der Stadt Hirschhorn, der Verkehrsbehörde der Landkreise Bergstraße und Rhein-Neckar, der Polizei und den Rettungsdiensten abgestimmt.

Für die Arbeiten an den Hauptträgern der Brücke sind unter anderem aus statischen Gründen jeweils mehrwöchige Vollsperrungen erforderlich, wobei der Fuß- und Radverkehr davon ausgenommen ist, lautet die Info der Behörde. In den Zeiten zwischen den statisch relevanten Arbeiten an den Hauptträgern kann die Fahrbahn jeweils wieder halbseitig für den Verkehr freigegeben werden. Mit den Bauarbeiten soll im Sommer 2021 begonnen werden. Die erste Vollsperrung der Brücke wird voraussichtlich im Herbst 2021 erfolgen (und nicht im Sommer, wie erst kürzlich noch von Hessen Mobil gemeldet wurde). Die Fertigstellung der Bauarbeiten ist für Ende 2022 geplant, heißt es weiter.

Neben der Verbindungsfunktion zwischen den beiden Hirschhorner Stadtteilen dient die Wehrbrücke zur Anbindung des Flusskraftwerks der Neckar AG, als Revisionsweg zu den Wehrpfeilern und als Leitungsbrücke für Wehr- und Kraftwerksbetreiber sowie den verschiedenen Versorgungsunternehmen. Die Wehrbrücke wurde im Zuge der Errichtung der Neckarstaustufe Hirschhorn in den Jahren 1931 bis 1935 als genietete Stahlkonstruktion errichtet und 1979/1980 umgebaut und erweitert.

Die Wehrbrücke setzt sich aus zwei Teilbrücken zusammen, der zweifeldrigen Schleusenbrücke auf der Seite Ersheim und der namensgebenden dreifeldrigen Wehrbrücke auf Hirschhorner Seite. Beide Stahlkonstruktionen besitzen einen offenen Querschnitt aus einem zweistegigen Plattenbalken und einer orthotropen Fahrbahnplatte aus Stahl. Die Wehrbrücke weist laut Hessen Mobil sichtbare Korrosionsschäden an der Überbaukonstruktion und insbesondere eine Spaltkorrosion an den Verstärkungsblechen der Längsträgeruntergurte auf. Hier wölbten sich die Stahllaschen infolge der Volumenvergrößerung des rostenden Stahls auf.

Da die Spaltkorrosion weiter fortschreitet und sich der Druck auf die Verstärkungsbleche weiter erhöht, besteht für die Instandsetzung der Längsträgeruntergurte der Brücke ein dringender Handlungsbedarf. Um die Verkehrssicherheit und die Standsicherheit des Bauwerks dauerhaft zu gewährleisten, ist die geplante Baumaßnahme zwingend erforderlich, so die Mitteilung.

Zur Beseitigung der Spaltkorrosion an den Brückenträgern müssen die Verstärkungsbleche an den Längsträgeruntergurten sowohl in den einzelnen Brückenfeldern als auch über den Innenstützungen ausgebaut und erneuert werden. Dabei müssen je Hautträger mehrere hundert Nieten aus der Stahlkonstruktion gelöst werden. Bevor die Hauptträger zerlegt werden können, muss das jeweilige Brückenfeld und der Hauptträger statisch über eine Hilfskonstruktion auf der Brücke entlastet werden. Hierfür sind aufwendige Auswechsel- und Gerüstbauten erforderlich. Diese Bauarbeiten am teilweise demontierten Hauptträger können aus statischen Gründen nur unter Vollsperrung der Brücke erfolgen, sagt Hessen Mobil.

Fahrbahnerneuerung zwischen Hirschhorn und Eberbach: Sperrung mit Einbahnregelung ab 11. März

Hirschhorn/Eberbach. Die durch Hessen Mobil Mitte Februar begonnenen Bauarbeiten zur Erneuerung der Fahrbahn im Zuge der Bundesstraße B 37 zwischen Hirschhorn und der Landesgrenze zu Baden-Württemberg verlaufen derzeit wie geplant, teilt die Behörde mit. Ab dem kommenden Donnerstag, 11. März, beginnen nun in den Bauphasen zwei und drei die umfassenden Asphaltarbeiten zur eigentlichen Fahrbahnerneuerung, die bis voraussichtlich Mitte April andauern werden.

Aufgrund der zur Verfügung stehenden Fahrbahnbreite der Bundesstraße und den daraus resultierenden gesetzlichen Vorgaben aus dem Arbeitsschutz können diese Bauarbeiten nur unter halbseitiger Sperrung der Bundesstraße ausgeführt werden, so Hessen Mobil. Mit den zuständigen Verkehrsbehörden des Kreises Bergstraße und des Rhein-Neckar-Kreises, den Kommunen, der Polizei, den Rettungsdiensten und den Verkehrsbetrieben (ÖPNV) wurde als Verkehrsführung für die Bauphasen zwei und drei eine Einbahnregelung in Fahrtrichtung Eberbach abgestimmt, heißt es weiter.

Im Gegensatz zu einer Ampelregelung mit einer Vielzahl von Bauabschnitten, können durch die Einbahnregelung die Einschränkungen auf einen kurzen Zeitraum begrenzt werden und zudem Staubildungen auf der vielbefahrenen Bundestraße vermieden werden, lautet die Pressemitteilung. Verkehrsteilnehmer, die aus Richtung Hirschhorn kommen, können die Bundesstraße weiterhin in Richtung Eberbach befahren.

Der aus Richtung Eberbach kommende Verkehr hingegen wird über die B 45 und die Landesstraße L 3119 über Beerfelden und das Finkenbachtal nach Hirschhorn umgeleitet. Ebenfalls gesperrt bleibt die Einmündung L 3105/B 37 (Einmündung östliche Neckarschleife), so dass von Hirschhorn über die Neckarschleife kommend, nicht auf die B 37 aufgefahren werden kann. Für die Fahrt in Richtung Heidelberg besteht zudem die Möglichkeit, über den kleinen Odenwald zu fahren.

Nach Abschluss der Asphaltarbeiten werden noch Restarbeiten, wie etwa das Einrichten der Schutzeinrichtungen und die Asphaltierung von Zufahrten, ausgeführt. In dieser Bauphase kann der Verkehr wieder über verengte Fahrstreifen geführt werden. Die Fertigstellung der Bauarbeiten ist für Ende April geplant.

Bei der Bundesstraße B 37 handelt es sich laut Hessen Mobil um eine hochbelastete Bundesstraße mit hohem Schwerverkehrsanteil. Im Rahmen der Baumaßnahme wird der Asphaltaufbau der Fahrbahn über eine Gesamtlänge von 4,1 Kilometern im Streckenabschnitt zwischen dem Tunnel Hirschhorn und der Landesgrenze bei Eberbach erneuert und verstärkt.

Grundlage für das Sanierungskonzept sind fachtechnische Gutachten, die im Rahmen der Bauvorbereitung von Hessen Mobil erstellt wurden. Diese zeigen, dass im oben genannten Streckenabschnitt der Bundesstraße B 37 Fahrbahnschäden in Form von Verdrückungen, Rissen und Unebenheiten bestehen, die zum Teil auch aus tieferen Bereichen bis zur Fahrbahndecke durchschlagen.

Im Rahmen der aktuellen Maßnahme erfolgt daher die grundhafte Erneuerung des Asphaltaufbaus, der zusätzlich um etwa 16 Zentimeter verstärkt wird, so die Nachricht. Hierfür wird die Fahrbahndecke etwa zehn Zentimeter tief abgefräst und vorhandene, teilweise tiefergehende Schäden instandgesetzt. Anschließend erfolgt der Einbau einer rund 26 Zentimeter starken Asphaltdecke. Bankette, Schutzeinrichtungen, Muldeneinläufe, Randeinfassungen und Einbauteile werden erneuert und an die neue Fahrbahnhöhe angeglichen.

Ebenso werden die seitlichen Straßeneinmündungen an die neue Fahrbahnhöhe angepasst. Die Baukosten der Maßnahme belaufen sich auf rund 2,56 Millionen Euro und werden vom Bund getragen

Gastronomie wünscht endlich grünes Licht

„Wir brauchen unbedingt Perspektiven“, betont Angelika Beisel vom „Hirsch“ in Rothenbergs Ortsmitte. Um zu zeigen, dass die Gastronomen in den Startlöchern für eine Wiederöffnung stehen, beteiligte sich das Traditionsgasthaus an der Aktion „Grünes Licht“. Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hessen, Initiative Gastronomie Frankfurt und der Leaders Club Deutschland hatten dazu aufgerufen, um vor dem heutigen politischen Spitzentreffen ein sichtbares Zeichen zu setzen.

Beisel macht klar, „dass wir nicht auf Biegen und Brechen aufmachen wollen“. Aber der Dauer-Lockdown ist nicht mehr durchzuhalten. Denn selbst wenn die Gastronomen wieder ihre Türen öffnen dürfen, „ist nicht gleich die Bude voll“. Es dauert, bis alles wieder angelaufen ist. Nicht nur die Betreiber, auch die Mitarbeiter brauchen Sicherheit. „Wir verlernen bald unserem Job“, meint die Wirtin mit etwas Galgenhumor.

Inzwischen gibt man sich ja in der Branche notgedrungen schon mit wenig zufrieden. Die November-Hilfen sind immerhin schon eingetroffen, die vom Dezember teilweise. Ein ganz andere Hausnummer und „das nächste Problem“ stellen die Überbrückungshilfen III dar. Durch den Riesenwust von Unterlagen „muss man sich durchwurschteln“, verdeutlicht sie die schwierige Beantragung. So ist unter anderem nicht klar, welche Kriterien wie auf den Hirsch zutreffen könnten.

Nach wie vor ist der Zuspruch fürs Take-Away-Speisenangebot groß, freut sich Beisel. „Wir lassen uns auch immer etwas Neues einfallen.“ Die Leute kommen längst nicht mehr nur aus Rothenberg, sondern aus vielen umliegenden Orten. Im Laufe der Zeit wurde einiges perfektioniert. Ein Online-Bestellsystem sorgt etwa dafür, dass alles vom Handy oder Computer aus geordert und gleich bezahlt werden kann.

Das Verpackungssystem beruht auf Bagasse, einem Überrest der Zuckerproduktion, und ist ökologisch abbaubar, erklärt Lukas Beisel. Da die Sets versiegelt werden, halten sie außerdem länger warm und sind auch problemlos später in der Mikrowelle wieder aufwärmbar, sagt er.  

Die Krise schweißt zusammen, fügt er hinzu. Wo früher Konkurrenzdenken herrschte, zählt heute das Miteinander. Man organisiert sich innerhalb der großen Gastronomen-Familie in einer WhatsApp-Gruppe, um die Neuigkeiten auszutauschen. Wer Hilfe bracht, dem wird geholfen. Auch über die Dehoga kommen viele Infos rein, lobt seine Mutter.

Beim Hygienekonzept ist der „Hirsch“ auf dem neuesten Stand, sagt Angelika Beisel. Derzeit werden sogar einige Optimierungen, wie Luftfilter, Digitalisierung oder Verlegung des Geschäftsbetriebs in den Außenbereich, vom Staat gefördert. Mit ein paar Tagen Vorlaufzeit könnte man wieder loslegen, erklärt sie. Ihre Hoffnung geht Richtung Ostern.

Die Gastronomie, hebt die Wirtin hervor, sieht sich aufgrund ihrer durchdachten Konzepte nicht als Coronatreiber. Schnelltests könnten zusätzlich helfen, damit die Öffnung in greifbare Nähe rückt. Beisel geht es auch um Fairness: Aktuell laufen die Öffnungsdiskussionen, Friseure und Gartenmärkte durften schon loslegen, aber von den Gaststätten redet keiner. „Man kann nicht alles aufmachen und uns zulassen.“

Aufgabe der Politik ist es jetzt, jetzt alles dafür zu tun, dass die Betriebe keinen Tag länger als gesundheitspolitisch geboten geschlossen bleiben müssen, fordert der hessische Dehoga-Präsident Gerald Kink in einer Pressemitteilung. „Wir erwarten deutlich mehr Tempo und Professionalität bei den Impfungen.“ Auch bei Schnellteststrategie und Digitalisierung der Gesundheitsämter gibt es seiner Meinung nach Luft nach oben.

Restaurants und Hotels hätten während der Öffnungen von Frühjahr bis Herbst bewiesen, dass sie strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen entwickeln und erfolgreich umsetzen können, hob Kink hervor. Das Gastgewerbe weist Untersuchungen zufolge kein relevantes Infektionsgeschehen auf, ergänzte er. Das Ansteckungsrisiko gerade bei Zusammenkünften im Freien und in Hotels sei niedrig. „Restaurants und Hotels sind keine Pandemietreiber, sondern sichere Orte“, so Kink weiter.

84 Prozent der Betriebe drängen laut der jüngsten Verbandsumfrage auf eine Öffnung vor Ostern. Das Gastgewerbe befindet sich seit Beginn der Pandemie insgesamt sechs Monate im Lockdown, erläutert er. „Verzweiflung und Existenzängste nehmen in der Branche dramatisch zu.“ Hotels und Restaurants brauchen dringend Perspektiven, ist der Dehoga-Präsident auf einer Linie mit den Gastronomen vor Ort.

Ab Sommer soll das Hirschhorner Schloss wieder verpachtet werden

Ziel ist eine Verpachtung ab Sommer 2021: Diese Info gab’s vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) auf Anfrage, wann auf dem Hirschhorner Schloss wieder Leben einkehrt. Die derzeit laufenden Arbeiten im Trauzimmer können voraussichtlich im Frühjahr abgeschlossen werden, teilt die Pressestelle mit. Gleiches gilt für alle noch zu erledigenden Restarbeiten innerhalb des Schlossgebäudes sowie an der Terrasse. Daher laufen bereits die Vorbereitungen zu einer Verpachtung und die entsprechende Ausschreibung kann voraussichtlich noch im ersten Quartal dieses Jahres veröffentlicht werden, so die weitere Info. Es wurden in den vergangenen zwei Jahren neben dem Innenleben (unter anderem Heizungsbauarbeiten) auch die Dacheindeckung erneuert und die Fassade saniert. Später wurden die Zwingermauern auf Vordermann gebracht. Es folgten dann verschiedene Sanierungsmaßnahmen an, etwa am Palas und an der Terrasse. Die Sanierung der Zufahrtsstraße zum Schloss soll Ende dieser Woche beendet sein. Insgesamt investiert das Land Hessen rund 2,8 Millionen Euro in das Schloss Hirschhorn, lautet die Mitteilung.

Bürgerbus fährt zum Impfen nach Erbach

„Durch Verwaltungshandeln erledigt“: Das hört jeder städtischer Mitarbeiter gern anstatt die Klage von Stadtverordneten, dass irgendetwas nicht voran geht. Im konkreten Fall war es auf der vergangenen Oberzent-Sitzung ein CDU-Antrag zur Einrichtung eines Impftaxis nach Erbach, der sich durch einen Beschluss des Magistrats erledigte. Demnach sollen zweckgebundene taxOMobil-Fahrten zum Impfzentrum nach Erbach subventioniert werden.

Wie Bürgermeister Christian Kehrer erläuterte, hat die OREG bereits Vorkehrungen und Maßnahmen getroffen, damit über das Informations- und Buchungssystem von „Garantiert mobil“ das Impfzentrum erreicht werden kann. Dieses nahm am 9. Februar seinen Betrieb auf. Das Angebot wird über eine taxOMobil-Fahrt abgewickelt.

Jeder, der einen Impftermin im Impfzentrum in Erbach hat, soll „zu seiner persönlichen Wunschzeit“ eine solche Fahrt buchen und sich nach Zuteilung des Impftermins telefonisch mit der Mobilitätszentrale in Verbindung setzen können, informierte das Stadtoberhaupt. Die Servicemitarbeiter wickeln seinen Worten zufolge dann die gesamte Registrierung und Buchung ab, so dass sich die Person „nicht mit dem Registrierungsprozess, der Kontoaufladung oder mit dem Herunterladen der App auseinandersetzen muss“.

Diese Möglichkeit existiert jedoch nur für einen Termin in Erbach, so Kehrer. Denn die OREG wies darauf hin, dass es keine rechtlichen Möglichkeiten gibt, derartige Fahrten nach Darmstadt anzubieten. Denn der Odenwaldkreis darf in Sachen ÖPNV nur innerhalb seines räumlichen Zuständigkeitsbereichs tätig werden.

Seitens der CDU wurde die Einrichtung des „Impf-Taxis“ als Unterstützung für die betroffenen, älteren und nicht mobilen Personengruppen angesehen. Außerdem „möchten wir eine möglichst breite Akzeptanz bezüglich der Impfung gegen COVID-19 erreichen“, betonte Oliver von Falkenburg. Dabei darf insbesondere die fehlende Möglichkeit und damit Mobilität, um zu den Zentren zu gelangen, keine Rolle spielen, hob er hervor.

Für die Fahrt wird lediglich der RMV-Tarif fällig, ergänzte Kehrer. Der Zuschlagspreis, der je nach Entfernung zwischen drei und 27 Euro betragen kann, wird jeweils hälftig vom Odenwaldkreis sowie den Städten und Gemeinden getragen. Die Anteile der Kommunen werden dabei nach dem Belegungsprinzip exakt abgerechnet. Auch eine Abrechnung mit externen Kostenträgern, wie den Krankenkassen oder dem Land, wäre möglich.

Angesichts des aktuell scharfen Lockdown ruht derzeit der reguläre Bürgerbus-Betrieb, teilte Achim Schäffler seitens der Generationenhilfe mit. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich nur noch zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten treffen dürfen. Individuelle Fahrten werden nach Anmeldung aber weiterhin angeboten. Sollte Bedarf bestehen, kann man telefonisch Margot Lenz, Telefon 06068/478946, mit einem Tag Vorlaufzeit kontaktieren, sagte er.

Schäffler machte auf ein weiteres Angebot aufmerksam: Seit dem 9. Februar werden Bürgerbus-Fahrten ins Impfzentrum nach Erbach angeboten. Eine Anmeldung hierfür ist über die Corona-Hotline der Stadt, Telefon 06068/7590-999, oder E-Mail corona@stadt-oberzent.de möglich. Dies soll Schäffler zufolge das bestehende Angebot von lokalen Taxi-Unternehmen, ÖPNV und „Garantiert mobil“ ergänzen, „sodass allen Interessierten das Impfen ermöglicht wird“.

Oberzent schießt 90 Prozent bei taxOMobil-Fahrten zu

TaxOMobil-Fahrten im Rahmen des Angebots „Garantiert mobil“ werden in der südlichen Kreisstadt noch attraktiver. Auf Antrag von FDP, CDU und SPD beschloss die Oberzent-Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich den „Oberzent-Discount 2.0“ – mit einer Erhöhung des städtischen Zuschusses auf jetzt 90 Prozent. Es geht darum, „ein Zeichen für die Flächenstadt zu setzen“, sagte Oliver von Falkenburg (CDU).

Damit wird, erläuterte er, die bereits eingeführte Sofortmaßnahme zur Steigerung der Attraktivität von „Garantiert mobil“ in Höhe von 75 Prozent verlängert und noch einmal aufgestockt. Die drei Fraktionen erhoffen sich dadurch einen zusätzlichen Mobilitätsschub. Als integrierter Bestandteil des ÖPNV im Odenwaldkreis sichern taxOMobil-Fahrten die Mobilität der Bürger von der Ortschaft zum jeweiligen Zentrum, ging von Falkenburg auf den Hintergrund ein.

Diese Mobilitätsgarantie besteht seinen Worten zufolge an allen Tagen in der Woche und unabhängig von Schul- und Ferienzeiten Montag bis Freitag von 5 bis 22 Uhr, an Samstagen von 6 bis 22 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 22 Uhr. Für eine taxOMobil-Fahrt zahlt der Kunde den RMV-Tarif und einen entfernungsabhängigen Zuschlagspreis.

Dieser Zuschlagspreis kann in vielfältiger Weise und Höhe rabattiert oder auch subventioniert sein, wie es jetzt Oberzent tut, informierte er. Um das Projekt anzuschieben, wurde bereits von allen Städten und Gemeinden 2018 und 2019 der Zuschlagspreis zu 50 Prozent übernommen – in Oberzent 2020 sogar zu 75 Prozent.

Im Zuge der Verlängerung und Intensivierung der Subventionierung legen die Antragsteller besonderen Wert auf eine regelmäßige und umfassende Werbung, betonte der CDU-Fraktionsvorsitzende. Er stellte sich diese – auch mit Berechnungsbeispielen – in den verschiedenen lokalen und regionalen Medien vor. „Damit soll der mangelnden Bekanntheit in der Einwohnerschaft weiter entgegengewirkt werden“, hob er hervor.

Nach Ende des einjährigen Testzeitraums, wünschte sich von Falkenburg, soll eine erneute Kosten- und Erfolgsevaluation erfolgen und über die Fortsetzung der Maßnahme entschieden werden. Die Mobilität im ländlichen Raum – insbesondere in einer Flächenstadt wie Oberzent – „ist eine Herausforderung“, betonte er.

In Anerkennung der topographischen Verhältnisse und der Bedürfnisse der Bevölkerung soll der höhere Oberzent-Discount als Sofortmaßnahme die zuschlagspflichtigen taxOMobil-Fahrten noch stärker fördern, so die Intention hinter dem Antrag der drei Fraktionen. Denn der Aufpreis kann sonst ganz schön ins Geld gehen. In Zeiten einer weltweiten pandemischen Lage „trägt das individuelle Mobilitätsangebot außerdem zu einer Minimierung der sozialen Kontakte im ÖPNV bei“, sagte er.

Die große Mehrheit im Rund stand hinter dem CDU-, SPD- und FDP-Ansinnen. Chris Poffo und andere Kollegen der ÜWO plädierten allerdings dafür, es erst einmal beim Anfang 2020 eingeführten Rabatt von 75 Prozent zu belassen und diesen unter „normalen“ Bedingungen zu testen. Worauf von Falkenburg entgegnete, dass eine Rücknahme des 90-Prozent-Zuschusses jederzeit wieder möglich ist.

Thomas Ihrig (SPD) wollte die Erhöhung mit einer besseren Werbung verbunden wissen. Bürgermeister Christian Kehrer ergänzte, dass Oberzent beim Zuschuss Spitzenreiter ist. Jedoch musste die Stadt im vergangenen Jahr nur 1300 Euro drauflegen, was deutlich macht, wie wenig das Angebot genutzt wurde.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) regte einen zusätzlichen Punkt an: nämlich, dass auch Fahrten nach Erbach mit dem Oberzent-Discount gefördert werden. Sie hatte dabei vor allem Zeiten im Auge, „wenn sonst nichts fährt“ – etwa abends oder am Wochenende. Das sei wichtig für die Mobilität in den sonst ÖPNV-schwachen Zeiten.

Über Sinn oder Unsinn des Antrags wurden im Anschluss viele Worte gewechselt. Hinterfragt wurde unter anderem, warum es nur das eine Zentrum Erbach und nicht auch Hirschhorn oder Eberbach sein sollen. Auch gab es den Hinweis, dass Beerfelden mit der Linie 50 gut mit Erbach vernetzt ist. Den gordischen Knoten zerschlug Walter Gerbig (CDU) mit seiner Anregung, das Thema doch im kommenden Ausschuss abzuklären. Dem folgten die Mandatsträger.

Info: Buchbar sind taxOMobil-Fahrten über das Informations- und Buchungssystem http://www.odenwaldmobil.de via Internet oder App. Es geht auch telefonisch über die Mobilitätszentrale der OREG.

Verbindungsstraße: Nach fünf Jahren herrscht immer noch Stillstand

Die Bürgerinitiative (BI) „Pro Erhalt Verbindungsstraße“ ist sauer. Es tut sich einfach nichts bei der Sanierung des kleinen Sträßleins zwischen den badischen Randgebieten Brombach und Heddesbach. Seit über fünf Jahren ist die Strecke bereits gesperrt. Lange dauerte es, Gelder und Genehmigungen für die Erneuerung zusammenzukratzen – und jetzt stehen sowohl Baubeginn als auch Erneuerung überhaupt in den Sternen.

Die Straße ist nicht nur für die Brombacher wichtig, da es sonst außer der maroden Kreisstraße über hessisches Gebiet keine andere Zufahrt des zu Eberbach gehörenden 360-Seelen-Dorfs gibt. Der Weg wurde vor der Sperrung auch gern als Ausweichstrecke von Rothenberg oder Kortelshütte Richtung Bergstraße genutzt, wenn im Neckartal auf der B 37 der Verkehr stockte.

Der im August 2020 angekündigte Baubeginn Anfang 2021 „wird nicht mehr bestätigt“, kritisiert Raphael Seib seitens der BI. Damit wird das Risiko des Verfalls genehmigter Fördermittel, gebunden an einen spätesten Baubeginn bis zum 14. November, immer größer, befürchtet er. Seitens des Flurneuordnungsamts fließen trotz Nachfrage keine Informationen, Grundstücksangelegenheiten sind nach wie vor ungeklärt und dazu gab es wohl behördliche Abspracheungenauigkeiten, bemängeln die BI-Vertreter.

Knappe zehn Minuten dürfte die Ersparnis in früheren Zeiten gewesen, wenn entweder die Brombacher nach Heddesbach gelangen wollten oder Pendler wahlweise vom Finken- oder Ulfenbachtal ins jeweils andere. Was damals nicht einmal fünf Kilometer mit dem Auto waren, sind jetzt 14.

Die BI gründete sich im Februar 2016 mit dem Ziel, die „verwaltungsrechtlich fragwürdige“ Entwidmung und Sperrung des Gemeindeverbindungswegs Brombach-Heddesbach Ende 2015 rückgängig zu machen, erklärt Seib. „Der Weg wurde und wird zwingend gebraucht“, betont er. Die Aktionen führten bis zum Petitionsausschuss des baden-württembergischen Landtages, begleitet von diversen Gesprächsrunden mit Vertretern von Ämtern, Bürgermeistern, Behörden und politischen Parteien.

Es wurde damals erreicht, dass sowohl Amtsträger als auch Parteien klar und deutlich zusagten, „den Bürgerwillen umzusetzen“ und den Gemeindeverbindungsweg zu reaktivieren. Der Petitionsausschuss empfahl, der Forderung der Bürgerinitiative zu folgen und die Straße zu sanieren, erinnert sich der Aktivist.

Seitdem wurden Haushaltsgelder geplant, Fördermittel beantragt und genehmigt, Vermessungs- und Rodungsarbeiten durchgeführt, Grundstücksfragen größtenteils geklärt und die Ausführungsplanung erstellt. Den Brombacher Bürgern wurde im August 2020 der Stand der Dinge erläutert und der Projekterfolg – mit verspätetem Baubeginn – bestätigt, schildert Seib.

Außerdem gab es bereits Absprachen und Vereinbarungen zur Sanierung der Brombacher Hauptzufahrt K 35. Da diese teilweise auf hessischem Gebiet liegt, ist hier auch die Heppenheimer Straßenbaubehörde Hessen Mobil mit im Boot. Diese Sanierung soll im Anschluss an den Neubau des Gemeindeverbindungswegs erfolgen. Letzterer ist als Umleitung/Ausweichstrecke zwingende Voraussetzung, da die Arbeiten auf der K 35 unter Vollsperrung erfolgen sollen.

Über Kommunal-, Kreis- und Landespolitiker wurden von der BI in den vergangenen Jahren immer wieder Anfragen zum aktuellen Stand der Dinge gestartet, da aus den Behörden selbst nur wenige Infos flossen. Nach der Planvorstellung wurde ein Informationsschreiben an die Brombacher Bürger verteilt. „Weitere freiwillige Statusmeldungen über den aktuellen Stand der Baumaßnahmen erfolgten trotz Zusage des Amtes und wiederholter Aufforderung des Ortschaftsrats bis heute nicht“, ärgert sich die BI.

Die Hinhaltetaktik der Behörden dauerte an: „Immer wieder wurden grundstücks- und naturschutzrechtliche Belange als noch nicht endgültig geklärt hingestellt“, berichtet Seib. Jedoch wurde der Projekterfolg trotz entstandener Verzögerungen zu keiner Zeit in Frage gestellt, erläutert er.

Die BI hat die Hängepartie nun satt. Sie fordert, dass die planerischen Probleme und Unstimmigkeiten endlich beseitigt werden sowie der Baubeginn vor dem Verfall der bereitgestellten Gelder forciert und vorangetrieben wird. Weiterhin soll eine „verbindliche, freiwillige, rechtzeitige und transparente Informationen an die Bürger“ erfolgen. Außerdem wünscht man sich „professionelles Arbeiten in den Behörden und die unverzügliche Umsetzung der Beschlüsse zum Neubau des Gemeindeverbindungsweges“.

Gemeinsam für „Selinas Traum“

Selinas Traum soll wahr werden. Die blinde Zwölfjährige aus Kailbach möchte gerne Fahrrad fahren. Dafür wird ein spezielles Tandem benötigt. Für die Realisierung ihres Herzenswunsches setzt sich zusammen mit Familie Burth und dem Behindertenclub Odenwald (BCO) der Rotary-Club Erbach-Michelstadt ein. Eigentlich wollte Präsident Roger Frohmuth einen Scheck über 1000 Euro im Rahmen der 45-Jahr-Feier des BCO übereichen. Doch diese, geplant in der Adventszeit, musste wegen der Pandemie ausfallen.

Die Rotarier begleiten seit Jahrzehnten die Arbeit des Behindertenclubs mit seiner Vorsitzenden Elfi Kissinger, erläutert Frohmuth. In Würdigung der wertvollen, ehrenamtlichen Arbeit gab’s jetzt eine Spende über 500 Euro. Zustande kam die Zusammenarbeit über die frühere Vorsitzende Barbara König, deren Mann Rotarier war. Es wurde gemeinsame Ausflüge und Touren durchgeführt.

Pfarrer Frohmuth ließ diese Aktivitäten ein Stück weit wieder aufleben, etwa durch die Mitverantwortung bei der Ausrichtung der Weihnachtsfeier. Er bedauert, dass diese im vergangenen Jahr dann nicht möglich war. Die Rotarier nutzen diese Gelegenheit gerne für eine Schecküberreichung, mit der Dinge ermöglicht werden, die sonst nicht möglich sind. Und dieses Mal sollte eben der Scheck für die Aktion „Selinas Traum“ den Eigentümer wechseln. Das will der Club nachholen, sobald es wieder möglich ist.

„Selina wünscht sich von Herzen ein Tandem für Ausflüge mit der Familie“, weiß der Präsident. Bei der Erfüllung dieses Traums „will unser Club behilflich sein“, ergänzt er. Ein solches Tandem „gibt es nicht von der Stange“, erklärt Frohmuth. Es muss speziell angepasst werden und ist deshalb teurer als ein normales Fahrrad. Er hofft, dass sich bis zum Frühjahr der Traum von Selina verwirklichen lässt. Dann könnte sie bei besserem Wetter losradeln. Probefahren durfte sie schon einmal mit ihrem Vater Matthias.

Eine weitere große Leidenschaft der Zwölfjährigen ist die Musik. Sie spielt bei der Weihnachtsfeier des BCO immer Lieder auf dem Keyboard vor. Das Klavier spielen hat sie sich vor vier Jahren selbst beigebracht, erzählt ihre Mutter Michaela Burth.

Selina leidet unter dem seltenen MLS-Syndrom, schildert ihre Mutter. Deshalb dauerte es auch über ein Jahr, bis die Labore es herausfanden. Die Zwölfjährige geht in Elsenfeld (Main) in die Blindenschule. „Leider gibt es nur diese eine“, bedauert sie. Das Mädchen fährt am Tag fast drei Stunden mit dem Bus, da auch andere Kinder abgeholt und auch wieder nach Hause gebracht werden. Selina steigt in Kailbach als erste ein und als letzte wieder aus, sagt sie.

Die Schule baut gerade in Aschaffenburg neu, erzählt sie. Dann ist ihre Tochter noch länger unterwegs. Aber: „Die Schule ist sehr gut und bietet auch Klavierunterricht.“ Denn Selina spielt so gerne das Instrument. Sie ist sehr musikalisch und singt natürlich auch gerne. Die junge Kailbacherin hat noch eine ältere Schwester, Anastasia. Die 13-Jährige besucht derzeit den Konfirmandenunterricht bei Pfarrer Frohmuth.

Ein Highlight war für das Mädchen der Besuch eines Konzerts des Starpianisten Lang Lang Ende Dezember 2018 in München. „Damit ist ein großer Traum für sie wahr geworden“, freut sich ihre Mutter. Selina durfte sogar mit ihm spielen. Die Zwölfjährige „hört eine Melodie und kann sie sofort nachspielen“, ist Michaela Burth stolz auf diese Fertigkeit. Das Video mit Lang Lang ist auch unter https://youtu.be/en8bKRlansI zu finden.

Das Fahrradfahren lernte Selina in der Schule, da es dort ein Spezialrad gibt. Die Familie wünscht sich, erläutert ihre Mutter, zusammen mit ihr Ausflüge zu machen. Sonst ist das nur getrennt möglich. „Mein Mann und Anastasia fahren und Selina und ich bleiben zu Hause.“ Michaela Burth stellte schon oft einen Antrag bei der Krankenkasse, der jedes Mal wegen Selinas Blindheit abgelehnt wurde. „Das Tandem wurde auch immer abgelehnt“, ärgert sie sich. Ein erneuter Versuch vor kurzem wurde ebenfalls abschlägig beschieden.

Die aktuelle Spendenaktion wurde von einer Freundin der Familie, Natascha Gippert, ins Leben gerufen. „Sie hat Selina lieb und möchte, dass es ihr gut geht“, ist die Mutter dankbar. Denn das ist derzeit nicht der Fall, da das Mädchen wegen ihrer Blindheit Adipositas hat. „Das weiß auch die Krankenkasse“, ärgert sich Burth – aber ändert nicht ihre Entscheidung.

Im Sommer kann Selina wenigstens draußen Trampolin springen, was sie auch sehr gut macht. „Wir haben auch ein kleines für drinnen“, erzählt ihre Mutter. Aber davon alleine verbrennt der Körper ja nicht genügend Fett. „Wir sind sehr in Sorge“, schildert sie die Situation. Im Moment ist die Zwölfjährige zuhause. „Darüber bin ich auch froh“, betont Michaela Burth. Denn das Mädchen hat kein gutes Immunsystem – und bei einem Schulbesuch „hätte ich noch mehr Angst“.

Wie Rotary-Präsident Frohmuth zusätzlich ausführt, läuft die Arbeit des Clubs auch während der Pandemie weiter. Es gibt regelmäßige Treffen per Videokonferenz. Aktuell wird die Vergabe des Förderpreis-Stipendiums geplant, erzählt er. Damit wird im Juni, zum Ende des rotarischen Jahres, der beste Abiturient des Odenwaldkreises ausgezeichnet.

Dotiert ist der Preis mit 10.000 Euro. Diese Summe wird von einer Stiftung zur Verfügung gestellt, so Frohmuth. Es geht beim Gewinn nicht nur um die Note, sondern auch um das gesellschaftliche Engagement und die Sozialkompetenz, erklärt.

Der Behindertenclub Odenwald freut sich über weitere Unterstützer von „Selinas Traum“. Kontakt über die Vorsitzende Elfi Kissinger, Telefon 06061-96500, E-Mail elfi.kissinger@web.de

Die Hilfsbereitschaft ist stark ausgeprägt

Das Dorfleben, sagt Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann, ist im Sensbachtal geprägt vom Zusammenhalt in einer ländlichen Region. „Wir sind ein Tal“, meint er, eine große Gemeinschaft. Von außen, sagt er realistisch, „haben wir vielleicht nicht so viel zu bieten“: Aber wer hier verwurzelt ist oder sich einlebt, lernt den liebens- und lebenswerten Charakter kennen.

Kuhlmann macht diesen unter anderem an der stark ausgeprägten Hilfsbereitschaft fest. Diese äußert sich nicht nur im privaten Bereich. Auch wenn es darum geht, für die Allgemeinheit anzupacken, Wanderwege zu verschönern, Ruhebänke auszubessern oder Schilder zu streichen, sind Ehrenamtliche schnell gefunden. „Jeder hilft, so gut er kann“, freut er sich.

Im abgelaufenen Jahr fiel ihm auf, dass dieser Gemeinschaftssinn sogar noch stärker gelebt wurde als zuvor. „Auch ohne Aufforderung“ werkelten die Bürger im Stillen vor sich hin. Scheinbar wurde die viele freie Zeit dazu genutzt, sich kräftig ins Dorfleben einzubringen. „Das ist typisch Sensbach“, ist der Ortsvorsteher stolz. Es wird vieles geleistet „und die Leute wollen gar nicht im Mittelpunkt stehen“.

Kuhlmann spricht schmunzelnd von den „Sensbachtaler Heinzelmännchen“, wenn er wieder rund um den Ort unterwegs war und feststellte, dass an der einen oder anderen Ecke still und leise gearbeitet wurde. „Wenn jeder ein bisschen macht, dann ist am Ende des Jahres vieles erledigt“, bringt er es auf den Punkt. Auch beim Sporthallen-Umbau wird gerne mit angepackt. Der Startschuss an diesem Ortsmittelpunkt fiel bereits, jetzt hofft man auf baldigen Baufortschritt.

Tendenziell, bedauert der Ortsvorsteher, werden die Talbewohner weniger. Die Zuzügler sind oftmals welche mit „Stallgeruch“, die es für Studium oder Beruf in die Metropolen zog, die jetzt aber zurückkehren, „weil sie das Leben auf dem Land zu schätzen wissen“. Leider, vermutet Kuhlmann, sind die drei Orte für Stadtflüchtlinge nicht so attraktiv wie andere Gemeinden. Möglicherweise gibt es „Angst vor der verschworenen Dorfgemeinschaft“. Die ist aber „absolut unbegründet“.

Sägewerk mit Zimmerei sowie der überregional tätige Steinmetzbetrieb Walz „sind wertvoll fürs Tal“, hebt Kuhlmann deren Bedeutung hervor. Ansonsten sind die Jobs „eher ländlich geprägt“. So gibt es ein Motorsägengeschäft von Ralf Beisel, das inzwischen sein Sortiment fast schon „Richtung kleiner Baumarkt für den ländlichen Bedarf“ ausgeweitet hat. Dazu kommt die Metzgerei mit Hofladen in Ober-Sensbach. Es hat sich sogar ein Tierarzt angesiedelt.

Der Großteil der Sensbachtaler arbeitet jedoch auswärts. Während die Hebstahler auch talabwärts Richtung Eberbach orientiert sind, geht die Tendenz in Ober- und Unter-Sensbach eindeutig Richtung Beerfelden. Wie auch bei den weiterführenden Schulen, wo der „klassische Werdegang“ Oberzent-Schule lautet.

Landwirtschaft wird nur im Nebenerwerb betrieben. Die ist aber „kein Zuckerschlecken“ aufgrund der starken Hanglage und des engen Tals mit viel Waldanteil. Wenn Landwirtschaft im Vollerwerb betrieben wird, dann haben die Bauern meist noch ein zweites Standbein.

Kindergarten und Grundschule in Unter-Sensbach sind für den Ortsvorsteher ein gewichtiger Standortfaktor, damit junge Familien im Ort wohnen bleiben. Die Grundschule Sensbachtal hat aufgrund der kleinen Kinderzahl einen familiären Charme „und gehört zum Dorfleben dazu“. Die Kita sieht Kuhlmann „gut aufgestellt“. Mit der zweiten Gruppe werden auch immer mehr Kinder unter drei Jahren betreut.

„Das Angebot wird nachgefragt“, sieht der Ortsvorsteher diesen Mentalitätswandel in der Betreuung auch auf dem Land angekommen. Denn auch hier arbeiten immer häufiger beide Elternteile und die Großeltern sind nicht mehr so greifbar wie früher.

Der ÖPNV ist im Tal eher rudimentär ausgeprägt, erläutert Kuhlmann. Schulbusse sind Richtung Beerfelden ausgerichtet. „Man spürt die Landesgrenze hinter Hebstahl“, sagt er. Die persönlichen Beziehungen gehen ins Hessische, obwohl das badische Gaimühle nicht weit entfernt ist. Will man jedoch weiter nach Michelstadt, wird’s durch das Umsteigen komplizierter. Der Weg läuft dann eher über Mitfahrgelegenheiten, weiß er.

Die Vereine sind stark präsent im Dorfleben. TSV, MGV, NABU, Landfrauen und Feuerwehr bringen sind. Sensbachtal Aktiv als Klammer zwischen allen richtet den Weihnachtsmarkt aus, die Theater-AG entführt jedes Jahr in andere (Bühnen-)Welten. Dazu kommen noch die drei Kerwen in jedem Ort. „Es finden sich immer Bürger, die etwas gemeinsam machen wollen“, ist Kuhlmann stolz.

„Wer in Sensbachtal wohnt, muss wissen, auf was er sich einlässt“, lächelt der Ortsvorsteher. Fünf bis zehn oder mehr Kilometer sind bis zum nächsten Supermarkt oder Facharzt. „Eben typisches Landleben“, erklärt Kuhlmann. Ein Auto ist unverzichtbar. Dafür aber bietet das Sensbachtal Natur pur. Etwa in Form des „Premium-Wanderwegs“. Für dessen Attraktivität stiftete Sensbachtal Aktiv viele Ruhebänke. Der Ortsbeirat steuerte Waldsofas bei, die von freiwilligen Helfern gepflegt werden.

An den Winterwochenenden bezeugten die überfüllten Parkplätze am Krähberg und auf der Sensbacher Höhe die Anziehungskraft des Odenwalds. Ober-Sensbach konnte sogar noch mit Schnee locken. Mit drei Gasthäusern in Ober-Sensbach (Maiers Bauernstube, Holzerstube und Gasthof Reußenkreuz) sowie der „Krone“ in Unter-Sensbach „sind wir gastronomisch ganz gut ausgestattet“, freut sich Kuhlmann. Ohne Corona hätten diese kräftig von den Ausflüglern profitieren können.

Rund ums Schwimmbad spielt sich das Dorfleben ab

„Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen“, bringt Finkenbachs Ortsvorsteher Christian Niesen die Attraktivität seines Dorfs zusammen mit Hinter- und Raubach auf den Punkt. Lage und Aussichten ziehen die Touristen an, machen die drei Orte mit ihrer ruhigen Odenwald-Lage liebens- und lebenswert. Das zeigt sich auch an den ziemlich stabilen Bevölkerungszahlen. Schwimmbad mit Spielplatz ist der zentrale Punkt.

„Was zu verkaufen war, ist weg“, beschreibt Niesen die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Es gibt höchstens noch ein paar Baulücken. Sollte etwas zu annehmbaren Preisen angeboten werden, „ist es schnell verkauft“. Der „Goldene Löwe“ ist seinen Worten nach veräußert. Er soll wieder gastronomisch genutzt werden, berichtet der Ortsvorsteher.

Das wäre ein Gewinn, denn Gaststätten gibt es nicht mehr viele. Die „Traube“ in Finkenbach und die „Raubacher Höhe“ halten noch die kulinarischen Fahnen hoch, wenn sie wieder öffnen dürfen. Die „Edelquelle“ in Hinterbach ist nur noch sporadisch offen.

Mit der Firma Baum und der Odenwaldquelle existieren zwei größere Arbeitgeber. Früher sorgte unter anderem die Bürstenfabrik Edelmann für Jobs. Dazu kommen kleinere Handwerksbetriebe, wie Elektriker oder Zimmermann. Die meisten Berufstätigen pendeln aber entweder nach Hirschhorn ins Neckartal oder Richtung Beerfelden und weiter ins Mümlingtal.

Die Landwirtschaft lohnte sich aufgrund der steilen Hänge und des eher kargen Bodens nicht wirklich. Deshalb wurde sie meistens im Nebenerwerb oder als Hobby betrieben. Niesen berichtet von durchziehenden Schafherden, deren Halter dafür sorgen, dass das Tal offen bleibt.

Traditionell sind die Finkenbacher Kinder nach Rothenberg orientiert. Das ist auch nach der Fusion so geblieben. Kindergarten und Grundschule befinden sich dort. Ab der fünften Klasse geht es dann zur Oberzent-Schule nach Beerfelden oder Richtung Michelstadt zu Gymnasium oder Berufsschule.  

„Mareikes Backshop“ ist für die Nahversorgung in Finkenbach zuständig. Werktags von 5.30 bis 10 Uhr bekommen die Talbewohner hier nicht nur Gebackenes, sondern auch alles rund um den Haushalt, wie Wurst, Getränke, Klopapier, Seife, Waschmittel oder Getränke. Das abgelaufene Jahr, berichtet Niesen, „war etwas härter als sonst“. Denn es fehlten meistens die Übernachtungsgäste im Ort, die Pendler fielen aus, die Feste fanden nicht statt. Aber auf die Ortsbürger war aber immer Verlass.

Mit dem ÖPNV ist im Finkenbachtal kein Staat zu machen. Die Linie 54 zwischen Hirschhorn und Beerfelden verkehrt montags bis freitags außerhalb der Schulzeiten nur sporadisch und dann meist als Rufbus, bedauert der Ortsvorsteher. Am Wochenende muss grundsätzlich vorher angeklingelt werden. Dazu gibt es den Bürgerbus der Generationenhilfe, der an zwei Tagen in der Woche die Orte mit der Kernstadt verbindet. Ohne Auto geht somit praktisch nichts.

Auch sonst hält sich die Infrastruktur in Grenzen. Die Volksbank hat ihren fahrenden Schalter bereits eingestellt, so Niesen. Die Sparkasse spielt seinen Informationen nach mit dem Gedanken. Somit ist die nächste Möglichkeit, sich mit Barem einzudecken, der Automat am Rothenberger Rathaus. Immerhin ist der LTE-Ausbau am Laufen. Denn gerade Hinter- und Raubach sind Täler der Ahnungslosen. Würde der Umsetzer oberhalb des ehemaligen Landschulheims genutzt, ließen sie sich besser versorgen, erklärt Niesen.

Das Vereinsleben pulsiert, wenn nicht gerade Pandemie-Zeiten sind. Der FCF als größter Verein richtet unter anderem das Oktoberfest und das Finkenbach-Festival aus. Die Feuerwehr veranstaltet Grillnacht und Weinfest, der Heimat- und Verschönerungsverein bringt sich am Freibad mit ein. Die Sänger mussten in 2020 leider meistens stumm sein. In Hinterbach stemmen die Aktiven alle zwei Jahre den immer sehr gut frequentierten Kohlenmeiler.

„Der örtliche Zusammenhalt ist da“, freut sich Niesen. Spricht man die Bürger auf ihre Hilfe an, „dann kommen sie auch“. Das lässt sich jedes Jahr am Freiwilligentag feststellen. Bocciabahn und Schachbrett am Schwimmbad sind die neuesten sichtbaren Ergebnisse des Engagements. Sowieso ist das Becken mit dem vorgelagerten Spielplatz und den dortigen Freizeitmöglichkeiten, beispielweise dem Multifunktionsfeld, der „Hotspot“ im Dorf. Die guten Parkplatzmöglichkeiten tragen ihren Teil dazu bei.

Der Kiosk am Schwimmbad war im vergangenen Sommer geöffnet, auch wenn nicht geschwommen werden durfte. Eine richtige Entscheidung. „Er war immer gut besucht“, erläutert der Ortsvorsteher. Die Älteren kamen dort für ein Schwätzchen zusammen. Andere fürs Spätjahr geplante Aktionen wie ein Erste-Hilfe-Kurs oder ein Dia-Abend übers historische Finkenbach mussten jedoch ausfallen.

Der Ortsbeirat hätte gerne noch Hecken und Bäume auf dem Friedhof geschnitten, was aber ebenfalls ausfiel, schildert Niesen den starken Einschnitt ins öffentliche Leben. In diesem Jahr sollen Bäume am Spielpatz gepflanzt werden, damit die Kinder in spe mehr im Schatten spielen können. „Wir hoffen darauf, dass die kommende Schwimmbad-Saison wieder wie geplant stattfinden kann“, betont er. Wobei der Ortsvorsteher auch anmerkt: „Uns auf dem Land geht es noch relativ gut.“

Die Voraushelfer dürfen seit der ersten Coronawelle nicht mehr ausrücken, moniert Niesen. Das hat sich nicht geändert. Dabei wäre die schnelle Hilfe in Notfällen durchaus sinnvoll, weiß der DRK-Mann. „Manpower und Ausbildung sind da, dürfen aber nicht genutzt werden“, bedauert er. Denn es gab schon Situationen, „in denen eine frühere Hilfe besser gewesen wäre“.

Still ruht die Ruine Freienstein

Das Vereinsnetzwerk funktioniert nach wie vor, freut sich Gammelsbachs Ortsvorsteher Konrad Helm. „Die Möglichkeit, auf Leute zuzugreifen, ist nach wie vor vorhanden“, betont er. Zwar steht das Vereinsleben bei Feuerwehr, Turnverein, Sängern und Sportvereins aktuell quasi still. Ist aber im Dorf Not am Mann, lassen sich schnell Helfer organisieren. Denn: „Die Aktiven sind gut vernetzt und wissen, was zu tun ist.“

Helm bedauert, dass die Feste und Veranstaltungen im Jahreslauf ausfielen – und damit auch die damit verbundenen Einnahmen für die Vereine. „Langfristig wird das noch ein Thema.“ Denn Feuerwehr und TV unterhalten eigene Gebäude und brauchen Mittel. Es könnte sinnvoll sein, die Förderung der Stadt für solche Zwecke auszubauen, meint er.

Der Ortsvorsteher zeigt sich aber überzeugt: „Wir werden hinterher das Ding wieder zum Laufen bringen.“ Denn die Vereine sind unterm Jahr die Motoren des kulturellen Lebens. Spätestens 2022, so Helm, soll sich doch bitte alles wieder in normalen Rahmen bewegen. Denn dann steht das 1250. Jubiläum von Gammelsbach an – und das will gebührend gefeiert werden.

Die Lage an der Nord-Süd-Achse mit guten Verkehrsverbindungen macht das Dorf interessant für Zuzügler. Beerfelden und Erbach sind auf der B 45 schnell zu erreichen – ebenso wie Eberbach mit dem S-Bahn-Haltepunkt auf der Neckartalstrecke. Dort gibt es neben der Oberzent-Schule auf dem Berg auch die nächstgelegenen Berufs- und weiterbildenden Schulen.

„Leerstände sind ruckzuck wieder besetzt“, erläutert Helm. Häuser werden gekauft und übernommen. Somit bleibt die Bevölkerungszahl ziemlich konstant. Junge Leute ziehen zwar für Beruf oder Studium erst einmal weg, kehren aber teilweise zurück. Familien aus Frankfurt oder Heidelberg wissen das günstigere Landleben zu schätzen. Auch die funktionierende Dorfgemeinschaft ist ein wichtiger Punkt. Um noch attraktiver zu werden, sollte das Glasfasernetz ausgebaut werden, betont er. Dazu kommt die notwenige flächendeckende Versorgung mit einem funktionierenden Handynetz.

Es gibt noch ein paar andere Standortfaktoren, mit denen der Ort wuchern kann. Da ist zum einen die Grundschule – klein, aber oho. Zum anderen die Bäckerei im Unterdorf, die Käserei und die drei Wirtschaften. „Sie machen Gammelsbach lebenswert“, betont er. Fürs Frühstück und zum Kuchen backen ist alles zu bekommen. Teilweise ist der Nachwuchs auch schon mit eingestiegen und sichert damit das Fortbestehen. Helm bedauert, dass es die Tankstelle nicht mehr gibt.

Ein Kindergarten wäre zwar das Nonplusultra, aber er weiß auch, dass dafür gewisse Anforderungen notwendig wären. Gerade für die U3-Betreuung müssen bestimmte, auch räumliche Voraussetzungen gegeben sein. Außerdem ist eine gewisse Kinderzahl im Ort notwendig. Die Familien „sind es gewöhnt, dass die Kinder nach Beerfelden gehen“, sagt er, und sprechen sich bei den Fahrten ab. Durch die dörfliche Struktur funktioniert das. 

„Gammelsbach ist ein Pendlerdorf“, erklärt der Ortsvorsteher. Es gibt ein paar kleine Handwerksbetriebe, wie Maler, Etikettendruckerei, Auto- oder Spritzgusswerkstatt – wobei es seinen Worten zufolge durchaus überlegenswert ist, sich das Auto und die Fahrzeit zu sparen und dafür einen geringeren Lohn für den Job im Ort in Kauf zu nehmen.

Dazu kommt ein andere, gerade während der Pandemie wichtiger Punkt: „Wir können in die Fläche oder in den Wald gehen“, nennt er als Vorteil. Auf dem Land ist man nicht so eingeschränkt wie in der Stadt, was das Leben im Odenwald attraktiv macht. Dazu noch Bauplatzpreise von 50 oder 60 Euro, wovon man an der Bergstraße nur träumen kann.

Landwirtschaftsbetriebe im Haupterwerb sind selten geworden. Die Steillagen und der eher karge Boden taugen vor allem als Weideflächen. Der Strukturwandel sorgte mit dafür, dass es immer weniger Bauern gibt. „Die Fläche bleibt, aber der Verwaltungsaufwand verdreifachte sich“, weiß Helm aus eigener Erfahrung. Solange der Trend zum günstigen Essen geht, werden diese strukturellen Probleme weiter bestehen, vermutet er. Auch mit der Waldwirtschaft lässt sich derzeit – Klimawandel, Sturmschäden und Borkenkäfer grüßen – nichts mehr verdienen.

Gammelsbach lebt von und durch seine Vereine. Mai-Fest als Jahresauftakt oder die von allen gestemmte Kerwe: Die Bevölkerung nimmt teil und hilft mit. „Viele sind in zwei oder drei Vereinen aktiv“, schmunzelt der Ortsvorsteher. Auf die Ehrenamtlichen ist Verlass.

Der Tourismus steht im Fokus der anstehenden Vorhaben. Helm nennt den Lückenschluss des Fahrrad- und Wanderwegs zwischen Beerfelden und Eberbach als dringenden Wunsch. Denn dann, so seine Hoffnung, gibt es eine Verbindung zum Neckarsteig und es wird attraktiver, einen Abstecher in den Odenwald mit seinen Gaststätten zu machen. Außerdem sorgen E-Bikes dafür, dass so manche Steigung ihren Schrecken verliert. Aktuell fehlen um die 150 bis 200 Meter, um die vorhandenen Wege zu vernetzen. „Es geht ja nicht um eine Fahrrad-Autobahn“, gibt es eher bescheidene Vorstellungen.

Ein zweites Projekt ist eigentlich kein neues, sondern köchelt schon lange vor sich hin. „Es wäre schön, wenn bei der Burg Freienstein etwas passieren könnte“, hofft Helm. Denn aktuell ruht die Ruine. Er wünscht sich, dass dieses Wahrzeichen Gammelsbachs wieder öffentlich zugänglich gemacht und eventuell für eine kulturelle Nutzung zur Verfügung gestellt wird. „Die Burg ist ein Aushängeschild für ganz Oberzent“, hebt Helm hervor. Es kommen immer wieder Anfragen, ob sich was tut. Der Ortsvorsteher muss jedes Mal antworten: „nichts“.