Handkäs ist der Renner bei der Ober-Hainbrunner Feuerwehr

Handkäs, Kochkäs, Bembel und selbstgemachtes Gulasch: Wenn die Ober-Hainbrunner Feuerwehr zu Tisch bittet, dann gibt es die etwas andere, sehr hessische Speisekarte. Die Jugendwehr hat beim traditionellen Handkäsfest ihren großen Auftritt, denn die Einnahmen gehen in ihre Kasse. Da schmeißen sich die Jugendlichen doch gern in ihre Feuerwehr-Shirts und flitzen an den Bierbänken vorbei. Aber natürlich packt an diesem Tag die Einsatzabteilung mit Anhang mit an.

Über Mittagszeit füllen sich Fahrzeughalle und Vorgelände schnell mit vielen Besuchern, die das namensgebende Gericht probieren möchten. Der Betrieb bis fast zur Straße hin ist kein Problem, da sie in den Nachwehen des Finki-Festivals überregional noch als gesperrt gekennzeichnet ist. Für die Ober-Hainbrunner ist das Fest dieses Mal Stress pur: Seit Donnerstag bei der Brandsicherheitswache rund ums Finki aktiv, dürfen sie nach deren Ende gleich weiter ranklotzen, während es sich die Kollegen auf den Holzbänken gemütlich machen und die anstrengenden Tage runterspülen.

„Der Handkäs ist eine super Konstante“, freut sich Kommandant Stefan Hofmann. 165 Portionen mit Musik waren am Ende des Tages verkauft. Für die Zubereitung ist das Frauenküchenteam im Keller zuständig, das seine ganz speziellen Kreationen einbringt. Am Vortrag wurde die Lieferung eingelegt, damit sie das ganze besondere Aroma bekommt. „Alles wird selbst zubereitet“, sagt der Chef der Stadtteilwehr.

Dazu noch 90 Portionen Kochkäse und als Mittagessen Gulasch – aus dem Keller wird nonstop das Beste aufgefahren. Fürs Gulasch schnippelte Hofmann mit Tränen in den Augen kiloweise Zwiebeln, während sich Klaus Wendler, früher Koch im Rothenberger Hirsch, ums Fleisch kümmerte. „Ab 7 Uhr morgens“, merkt er an. 70 bis 80 Portionen wurden zubereitet. Der Lohn der vielen Arbeit waren leere Kühlschränke: Die Gäste futterten alle Vorräte auf.

Damit’s auch richtig schön zünftig zugeht, haben die Brandschützer etliche Bembel im Umlauf, aus denen der Äppelwoi in Strömen fließt. Auch die Floriansjünger aus dem badischen Brombach werden langsam ans hessische Nationalgetränk herangeführt. Die Badener sind nicht die einzigen Besucher von befreundeten Wehren. Neben den Abteilungen Kortelshütte und Rothenberg (die Finkenbacher waren noch durchs Festival gefordert) sind auch die Hirschhorner und Langenthaler gerne gesehene Gäste.

Zu diesen gesellen sich aber über den Tag auch viele andere Besucher sowohl aus der neuen Stadt als auch von außerhalb. Nach dem HSV-Spiel in Sandhausen kamen auf dem Rückweg noch ein paar Rentner vorbei und feierten den Sieg der Hamburger. Angeschaut werden konnten den Tag über auch die beiden neuen Feuerwehrfahrzeuge.

Seit elf Jahren, mit Einweihung des Feuerwehrhauses am Ortsausgang Richtung Finkenbach, feiern die Floriansjünger nun dort ihr Handkäsfest. Zuvor war man in der freien Natur bei der unteren Hommerischen Quelle zuhause. Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung Ende der 70er Jahre zur Unterstützung der 1975 gegründeten Jugendwehr. In deren Kasse fließt auch der Erlös. Neue Feldbetten werden davon bezahlt.

Zehn Heranwachsende zählt die Jugendwehr, von denen einige an diesem Tag auch eifrig am Bedienen sind, nonstop die Treppe hoch und runter laufen. Natürlich tatkräftig unterstützt von der 21 Köpfe zählenden Einsatzabteilung. 70 Passive und zwischen sieben und acht Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung gehören ebenfalls mit zur Hainbrunner Truppe. 30 Aktive stemmen an diesem Tag das Fest, weitere sind an Auf- und Abbau beteiligt.

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Das erste Mal in 42 Jahren Finki-Festival: ausverkauft

In all den 42 Jahren „Guru-Feschd“, wie die Einheimischen das Finki-Festival liebevoll nennen, hat es das noch nicht gegeben: „Ausverkauft“ heißt es bereits am frühen Freitagabend. Guru-Guru-Booker Karl-Heinz Osche freut sich am Eingang wie ein Schneekönig, auch Armin Löffler vom mitveranstaltenden FC Finkenbachtal hat ein breites Lächeln im Gesicht. Ein Lohn der harten Arbeit im Vorfeld, meint er. Mani Neumeier, der Kopf von Guru Guru, ist im Jahr des 50. Bandjubiläums einfach nur glücklich darüber, dass „seine“ Musik so viele Anhänger hat.

Dass die Band ein halbes Jahrhundert bestehen würde und das Guru-Feschd seit 42 Jahren, „hätte ich damals nie gedacht“, meint er im Gespräch. „Es ist ein Wunder, dass so etwas passieren kann“, sagt der 77-Jährige angesichts der heutigen Gesellschaft, in der nur das „Schneller, Höher, Weiter“ zähle. Ihm tut es leid, dass manche Interessierte nicht mehr aufs Gelände dürfen. Für die wurde aber dann am Samstag als Jubiläumsgeschenk der blickdichte Zaun entfernt, sodass sie als „Zaungäste“ trotzdem noch einen guten Blick auf die Gurus zu deren „50.“ hatten.

Wenn Mani Neumeier 50 Jahre zurückblickt, wird er etwas wehmütig. „Viele Kollegen von damals sind schon gestorben.“ Deshalb ist es für ihn ein großes Glück, „dass ich immer noch mitspielen darf“. Das diesjährige Festival ist „wie Geburtstag und Weihnachten zugleich“. Der Musiker empfindet es als faszinierend, „so lange diese Kultur machen zu können, die man sonst auf dem Land nicht findet“. Denn „wir haben einen hohen Qualitätsanspruch“. Die Besucher kommen von weit her, um auf dem Finki Bands geballt live zu sehen, die anderswo kaum noch zu erleben sind.

Auch wenn es dieses Mal besonders voll ist, beim Auftritt des Gurus sich die Leute dicht an dicht drängen, „bleibt es immer noch gemütlich“, weiß er. „Kein Tohuwabohu wie Wacken.“ Jeder kennt jeden. Laufend muss der 77-Jährige eine Hand schütteln, wird umarmt, bekommt von Amon Düül ein T-Shirt in die Hand gedrückt, signiert Plakate. Geduldig macht Neumeier alles mit. Alte Weggefährten, mit denen er vor mehr als vier Jahrzehnten auf der Bühne stand, kommen vorbei und freuen sich wie Bolle, endlich mal wieder den Mani zu treffen.

Der Auftritt von Guru Guru ist dann auch so etwas wie eine Zeitreise. Es gibt Stücke der neuen CD „Rotate“ zu hören, aber auch einen Ausflug in frühere Jahrzehnte. Ex-Gitarrist Ax Genrich kommt zum „LSD-March“ von 1970 auf die Bühne, Luigi Archetti greift bei „Moshi Moshi“ aus 1997 in die Saiten. Für den Samstagabend bedeutet dies, dass beim Auftritt der Krautrock-Legenden der Festivalplatz aus allen Nähten platzt.

Die Jungs von „Epitaph“, dieses Jahr der Opener des Festivals, „habe ich das erste Mal in den 70er Jahren in Darmstadt getroffen“, erzählt Neumeier. Auch die Musiker von „Amon Düül“ kennt er „bereits seit Urzeiten“. Mit „Kraan“ hat er vor ein paar Jahrzehnten CDs aufgenommen. Alle freuen sich, „dass wir noch leben“, grinst der Guru-Chef. Wenn die Knochen halten, „spiele ich noch jahrelang“, kündigt der 77-Jährige an. Wann Schluss sein wird, weiß auch er nicht. „Das macht das Ganze prickelnder“, gewinnt Mani Neumeier dem Altern eine gewisse Spannung ab.

„Das waren die besten heute Abend“, war mehrfach über den Opener Epitaph zu hören. Die Hannoveraner Krautrock-Legenden, denen sich die langen Musik-Jahre als Falten ins Gesicht gemeißelt haben, spielen straighten Hardrock ohne viele Schnörkel.

Die Dissidenten im Anschluss sind eindeutig sperriger, auch wenn ihre Weltmusik mit Querflöte, Drehleier und Mandoline samt arabischen Klängen viel differenzierter rüberkommt. Mit viel Verspätung geht’s dann mit Amon Düül II weiter. Und die Ohren machen Augen. Komplex, verspielt, vertrackt, rockig, mächtig schallt der Sound über den sich langsam wegen der herankriechenden Kälte leerenden Platz.

Marblewood beschloss am frühen Morgen den Tag. „Jane“ am Samstagabend bildete nach dem umjubelten Guru-Auftritt einen hochkarätigen Abschluss. Die Band mit ihrem puren Hardrock begeisterte noch einmal die Massen, während sich bei „Vibravoid“ langsam aber sicher die Reihen leerten. Kein Wunder, denn inzwischen zeigte das Thermometer nur noch zehn Grad.

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Posted by Thomas Wilken on Sunday, August 12, 2018

Ein ganzer Ort stemmt jedes Jahr das „Finki“

Um 1 Uhr in der Nacht auf Sonntag ist die Spannung weg. Tagelang hatten die Organisatoren zittern müssen, ob das Finki wegen Hitze und Waldbrandgefahr überhaupt stattfinden würde. Und dann dieser Erfolg, mit dem keiner rechnete. „Total zufrieden“, lautet sein Fazit. Besser geht eigentlich nicht. Die Fortsetzung 2019? „Na klar“, meint Armin Löffler von FC Finkenbachtal. Wenn alles aufgeräumt und Ruhe eingekehrt ist, werden die Planungen fürs nächste Jahr starten.

Die Organisation des Finki-Festivals ist ein Kraftakt für das 550-Seelen-Dorf. Die gesamte Bevölkerung zieht mit, damit diese einmalige Veranstaltung jedes Jahr in der Ortsmitte über die Bühne gehen kann. Für die Anwohner bedeutet es eine knappe Woche ohne Schlaf. Dieses Jahr waren es ein oder zwei Tage mehr Ruhe, weil die Camper wegen der erhöhten Brandschutzmaßnahmen erst am Donnerstag aufbauen durften.

Gerd Brechenser, der Vorsitzende des mit veranstaltenden FC Finkenbachtal, wird deshalb nicht müde, am Freitagabend nach dem „Dissidenten“-Auftritt seinen Dank an die Ortsbevölkerung zu betonen. Denn die hört nicht nur die Musik, ob sie will oder nicht, sondern bringt sich auch noch in den verschiedenen Servicediensten ein oder steuert Kaffee und Kuchen bei. 150 mit Liebe gebackene Nachmittagsleckereien kommen so in der Regel zusammen. Vom Kartoffel-Schnippeln mal ganz abgesehen. Zentnerweise werden so die begehrten Bratkartoffeln vorbereitet.

Alle Helferegal welcher Couleur schließt Brechsener in seinen abendlichen Dank mit ein. Ganz besonders aber richtet sich der an einen, ohne den es das Finki nicht gäbe: Mani Neumeier. Zum 50. Bandjubiläum, dem 36. Finki in 42 Jahren und „dem 30. mit dem FC“ gibt’s eine gedrechselte Holzplakette mit Flyer drauf. Die treuen, friedlichen Fans werden in den Worten von Brechenser und Löffler natürlich nicht vergessen. Verbunden mit der Bitte, auf dem Heimweg einen sauberen Ort zu hinterlassen.

Da wegen der Hitze und Trockenheit in diesem Jahr die Brandsicherheitsvorschriften verschärft worden waren, kümmerten sich die Feuerwehren aus Rothenberg, Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Kortelshütte statt der Parkplatzeinweisung vorrangig um deren Einhaltung. 88 Brandschützer teilten sich die 70 Dienste von Donnerstag, 9 Uhr, bis Sonntag, 13 Uhr. „Vor allem Zigarettenkippen und Gaskocher“ wurden auf dem Campinggelände beanstandet, sagt Timo Fink aus Kortelshütte. „Die meisten sind aber sehr einsichtig“, lobt er die Mitwirkung der Gäste.

Das DRK Rothenberg mit Bereitschaftsleiterin Anja Braner hat seine Zelte gegenüber des Eingangs aufgeschlagen. „Das ist praktischer als auf dem Gelände“, erläutert sie. Es geht so im Notfall schneller, einen Verletzten mit dem Krankenwagen abzutransportieren. 14 Ehrenamtliche, die von Beerfelden unterstützt werden, samt einer Finkenbacher Voraushelferin, kümmern sich um die Besucher.

Am späteren Abend sind es vor allem der Alkohol und andere Rauschmittel, die manchen zu schaffen machen. Aber es ist für die Helfer zum Glück nicht allzu viel los, es bleibt meist friedlich. „Wenn die alle Schuhe anziehen würden, hätten wir weniger zu tun“, deutet Braner auf nackte Füße der Besucher, die sich so öfters Glasscherben einfangen. Auch Löffler sieht alles im Rahmen des Normalen. „Wie immer halt.“

„So einen guten Besuch habe ich noch nie erlebt“, sagt Booker Karl-Heinz Osche. 2500 Armbänder wurden hergestellt „und die sind alle verkauft“. Dazu kommen noch etliche Tagesgäste und Einwohner. Das optimale Festivalwetter – immer leicht bewölkt, nicht wärmer als 25 Grad – tut sein Übriges. Freitagabends ist es bereits so voll wie sonst samstags – inklusive gemütlicher Feierstimmung. Samstags bei den Gurus ist kein Durchkommen mehr. Es ist eben das Finki, das etwas andere Festival ohne großen Trubel. Fortsetzung folgt.

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Posted by Thomas Wilken on Sunday, August 12, 2018

 

Altes „Wooghaisl“ in Ober-Hainbrunn soll abgerissen werden

Drei Buswartehäuschen gibt es im Oberzent-Stadtteil. Berauschend sehen sie alle drei nicht mehr aus. Aber das an der Kreuzung von Neckar- und Mühlstraße ragt in seiner Unansehnlichkeit heraus. Denn es klebt am alten „Wooghaisl“, dem maroden früheren Waghäuschen, an dem Dach und Türen kaputt sind und das Pflaster abgesackt ist. „Innen befindet sich noch die alte Viehwaage“, erläuterte Ortsvorsteher Stefan Hofmann. Die anderen beiden Häuschen bei der Heckenmühle und weiter unterhalb in der Neckarstraße tun noch einigermaßen ihren Zweck.

Auf der Ortsbeiratssitzung gab es einige Stimmen, die den Abriss des Wooghails forderten. Auch Walter Löw machte sich dafür stark. Bürgermeister Christian Kehrer vernahm es mit Zustimmung. „Ich begrüße die Überlegung“, sagte er. Denn jeder Unterhalt von solch alten Gemäuern koste die Gemeinde Geld. Er will das Thema mit der Nahverkehrsgesellschaft Oreg abstimmen und erfragen, wie der Ort an neue Wartehäuschen kommen könnte.

Das Gremium befasste sich noch dem Brunnen an der Himmelreich-Kreuzung. Der speist sich durch ein Umlaufsystem quasi selbst. Der Tank wird nur nachgefüllt, wenn das Wasser verdunstet ist. In diesem Zusammenhang gab es auch den Hinweis, dass es sich nicht um Trinkwasser handelt. Es tauchte die Frage auf, ob und wie man vorbeikommenden Radlern oder Wanderern erfrischendes, trinkbares Nass zukommen lassen könnte. Ohne aufwändige Wiederaufbereitung des Wassers und Rohre wäre das wohl kaum möglich, so der Tenor. Weshalb das Thema ad acta gelegt wurde.

Neue Schilder sollen die Besucher von Ober-Hainbrunn begrüßen

Die alten Ortseingangsschilder aus Holz sind kein schöner Anblick. Ganz abgesehen davon, dass auf ihnen Rothenberg-Oberhainbrunn steht und damit die Fusion zu Oberzent keinen Niederschlag findet. Die beiden darunter aufgeführten Gasthäuser namens „Krone“ und „Talblick“ gibt es schon länger nicht mehr. Anlass für den Ortsbeirat, sich mit dem Thema der Erneuerung zu befassen.

Die Idee geht laut dessen Vorsitzendem Stefan Hofmann in Richtung einer Begrüßungstafel, in die als Einschieber aktuelle Veranstaltungen der Vereine mit aufgenommen werden können. Ein solches Tafelpaar hängt zum Beispiel in Ober-Schönmattenwag. Steht gerade nichts an, wird einfach das Schild „Herzlich willkommen“ verwendet. Mit den Besitzern der Grundstücke soll deren Einverständnis abgeklärt für die Aufstellung werden. Die notwendigen Gelder könnten aus einem – noch zu bestimmenden – Budget des Ortsbeirats kommen, regte Bürgermeister Christian Kehrer an.

Motorradlärm und Geschwindigkeits-Überschreitungen ohne Ende. Was bereits in den anderen Oberzent-Ortsbeiräten thematisiert wurde, fand seinen Widerhall auch in Ober-Hainbrunn. „Wie hier ab 4 Uhr nachts durch den Ort befahren wird, ist kriminell“, regte sich Zuschauer Karlheinz Werner auf. Hofmann erzählte von einem Autofahrer, „der bestimmt mit 100 Sachen am Feuerwehrhaus vorbei in den Ort gerauscht ist“. Allerdings wird auch von den Einheimischen zu schnell gefahren, „die selbst vor ihrem Haus Tempo 30 haben wollen“, kam ein Einwurf aus der Besucherrunde. „Die blasen durch den Ort.“

Kehrer wiederholte seine Aussagen unter anderem aus der Stadtverordnetenversammlung. „Wir sind teilweise handlungsunfähig“, sagte er. Lärmdisplays, wie sie in Baden-Württemberg im Einsatz seien, kosteten pro Stück 10.000 Euro. „Indiskutabel“, so Kehrer. Es fehle derzeit an Personal mit der entsprechenden Ausbildung, den fließenden Verkehr kontrollieren zu dürfen. Ziel sei für kommendes Jahr die Einstellung eines Hilfspolizisten, der mit dem mobilen Blitzer Geschwindigkeitskontrollen durchführe. Der Bürgermeister wies weiter darauf hin, dass die Polizei in der südlichen Ecke des Odenwaldkreises unterrepräsentiert sei.

Über den Motorradlärm und uneinsichtige Fahrer entwickelte sich eine engagierte Diskussion. „Es werden sogar Rennen in unserer Ecke veranstaltet“, wusste Kehrer. „Die organisieren sich für die Odenwald-Ausfahrten in Gruppen“, ergänzte ein Besucher. Karlheinz Werner brachte es am „Geilsmarkt-Sonntag“ in einer einstündigen Zählung auf 70 Biker durch Hainbrunn. Es war aber allen Beteiligten wichtig darauf hinzuweisen, dass es sich bei den lärmenden Rasern um eine kleine Gruppe von vielleicht zehn Prozent der Fahrer handle. Nur nehme man diese umso stärker war.

Kortelshüttes Ortsvorsteher Tobias Stadler, der als Besucher im Tal dabei war, wies darauf hin, dass sich die leidgeprüften Bürger des Hang-Stadtteils nicht mehr vertrösten lassen wollten. Denn sie sind aufgrund der topgrafischen Verhältnisse noch viel stärker vom Lärm betroffen. Es werde bereits über die Gründung einer Bürgerinitiative nachgedacht sagte – zusammen mit „Nerv-Aktionen“, um die Biker zu sensibilisieren. Er wies auf die zahlreichen Unfälle auf der L3410 im Sommer hin.

Die Hunde-Tretminen sollen aus Ober-Hainbrunn verschwinden

Mit Hundekotmülleimern will der Ortsbeirat erreichen, dass es weniger übelriechende Tretminen auf den Straßen und Wiesen des Oberzent-Stadtteils gibt. Bisher existiert ein solcher Behälter samt den dazugehörigen Tüten in der Poststraße. „Der wird ganz gut angenommen“, meinte Ortsvorsteher Stefan Hofmann. Seinem Eindruck wurden dadurch die hinderlichen Hunde-Hinterlassenschaft in der Landschaft weniger.

Vier zusätzliche Standorte kristallisierten sich in der Beratung auch unter Einbeziehung der Zuschauer heraus: Sportplatz-Brücke, Panoramaweg, Hommerich und Neckarstraße. Letztere auf Anregung von Karlheinz Werner, der über seine Zählaktion im Winter berichtete. Auf einer kurzen Strecke konnte er im Schnee 17 Hunde-Haufen ausmachen, die von den Besitzern nicht entfernt worden waren. Bürgermeister Christian Kehrer nahm die Liste mit und will die Beschaffung angehen.

Eine andere Form von Ablagerung war die von Müll im Himmelreich. Nach der Anfrage beim Ordnungsamt „ist alles schon eine Weile weg“, freute sich Hofmann. Verkehrsspiegel sind in Ober-Hainbrunn ein großes Thema. Einer an der Ecke zur Sporthallen-Zufahrt wurde ausgetauscht, weil er „blind“ war. Ein anderer fehlt an der Ecke Post- und Neckarstraße wegen Bauarbeiten.

Nach deren Abschluss soll überlegt werden, wo er wieder hinkommt. Die gegenüber liegende Laterne ist angedacht. Auch an anderen Stellen konnten sich Bürger einen Spiegel vorstellen. Allerdings wurde die „trügerische Sicherheit“ durch einen solchen angesprochen. Eine angepasste Geschwindigkeit könnte daneben vielleicht so manchen Spiegel überflüssig machen, lautete ein Einwurf.

Bürgermeister Kehrer trug ein Anliegen der Verwaltung vor. Ihm sei bewusst, sagte er, „dass in den vergangenen Jahren vieles nicht abgearbeitet wurde“. Die 13 Ortsbeiräte befassten sich in ihren Sitzungen aktuell mit etlichen Themenfeldern. Er bat aber darum, die einzelnen Punkte abzuwägen, eine Prioritätenliste zu erstellen „und auch noch etwas für die kommenden Jahre übrig zu lassen“. Denn sonst komme die Verwaltung schnell an ihre Grenzen.

Schlaglöcher sind in allen Stadtteilen ein Thema. Es ist Kehrer zufolge aber schwer, eine Baufirma zu finden, die ihnen zu Leibe rückt. Zumindest die Erneuerung von Verbindungswegen über die Flurbereinigung steht in den dortigen Plänen drin, erläuterte der Rathauschef. Bis zu 80 Prozent Zuschuss lässt sich für die Maßnahmen auf der früheren Gemarkung Rothenberg erwarten. Bis 2023 stehen 600.000 Euro im Planwerk drin.

Enthalten sind 1200 Meter Strecke vom Sägewerk Ihrig hoch nach Rothenberg, außerdem 2000 Meter in den Brunnenwiesen. Nicht dabei ist laut Kehrer aber der im Gremium angesprochene Panoramaweg, wo eine Sanierung als dringend notwendig erachtet wird. Deshalb wurde angeregt, ob nicht ein Maßnahmentausch stattfinden könnte, wenn schon keine zusätzliche Aufnahme möglich ist. Der Bürgermeister wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die in den 60er Jahren gebauten Wege nicht für die heutigen, viel schwereren und breiteren Fahrzeuge ausgelegt seien.

 

Spielplatz in Ober-Hainbrunn soll attraktiver und sicherer werden

Der Spielplatz am Sportplatz soll aufgewertet werden. Dafür setzt sich der Ortsbeirat ein und gab diesem Wunsch bei seiner Sitzung an den anwesenden Bürgermeister Christian Kehrer weiter. Mit Marleen Friedrich und Diana Kasper sind zwei junge Mütter Mitglieder des Gremiums, die aus eigener Anschauung wissen, wo Handlungsbedarf besteht. Die „Wunschliste“ trug Ortsvorsteher Stefan Hofmann vor.

Vor Jahren gab es auf dem Gelände einmal einen Hängeseilzug, erläuterte er. Der wurde entfernt, ohne dass ein anderes Spielgerät an die betreffende Stelle kam. Der leere Fleck soll nun wieder gefüllt werden, lautete der Wunsch. Die (vermackte) Rutsche ist nur über eine steile Holzleiter erreichbar, war ein weiteres Thema. Kleinere Kinder kommen da nicht hoch, meinte Hofmann. Und das Material Holz sei auch nicht optimal. Generell, so Kasper, gibt es wenige Spielmöglichkeiten für „U3“-Kinder. Man könnte doch die große Fläche nutzen, hier ein Angebot zu schaffen.

In die andere Altersrichtung ist es ähnlich, wusste Marleen Friedrich. „Sechsjährige passen nicht mehr in die Babyschaukel rein.“ Beiden Frauen ist daran gelegen, dass alle Altersgruppen etwas zum Spielen vorfinden. Wie Hofmann ergänzte, wäre eine zweite Sitzbank ebenfalls wünschenswert. Außerdem ist das Eingangstor kaputt und der eingrenzende Zaun „krumm und schief“. Genau der ist aber laut Kasper wichtig, weil es einigen Verkehr durch die benachbarte Sporthalle gibt. Im Schnitt wird der Platz in seinen Hoch-Zeiten von 16 bis 20 Kindern frequentiert, hatten die beiden Mütter gezählt. Bei einem Vor-Ort-Termin will man sich alles gemeinsam anschauen, griff der Ortsbeirat die Anregung von Kehrer gern auf.

Das Thema Zufahrtsstraße führte gleich zum nächsten Punkt. Von oben herab kommen die Autos nach Beobachtung der Beiratsmitglieder viel zu schnell geschossen und gefährden Fußgänger auf diesem Stichweg zur Neckarstraße. „Wir können gerne eine 10 km/h–Schild aufstellen“, meinte Kehrer zum Wunsch aus dem Ortsbeirat. Allein: „Die Leute müssen sich auch dran halten.“ Die Halle werde daneben von vielen Einheimischen und Bürgern aus dem ehemaligen Rothenberg genutzt, appellierte er an deren Verantwortung. Wie Hofmann ergänzte, soll möglichst die sichtbehindernde Hecke in der Kurve zurückgeschnitten werden. Damit werde der Einblick in die Straßenfläche besser.

60.000 Euro stehen im Oberzent-Haushalt für den Umbau des alten Schulhauses drin, bestätigte Kehrer eine Nachfrage des Ortsvorstehers. Diese Summe wurde aus den ehemaligen Rothenberger Planungen übernommen. Mit diesem Geld soll das Gebäude entkernt werden. Geplant sind ein Multifunktionsraum für die Vereine (der dann auch barrierefreier Wahlraum genutzt werden könnte), Teeküche und Behindertentoilette.

Da die vorgesehene Summe nicht für alle Maßnahmen ausreicht und ehrenamtliche Arbeit gefordert ist, kam die die Idee auf, das Projekt beim Freiwilligentag des Odenwaldkreises am 15. September anzugehen. Dieses Vorhaben stieß auf viel Resonanz unter den Mandatsträgern und den Zuschauern. Auf Anregung von Ortsbeirat Walter Löw soll als zweites Projekt der zugewachsene Verbindungsweg von der Neckar- zur Mühlstraße freigeschnitten werden. Der ist zwar in öffentlicher Hand, womit eigentlich der Oberzent-Bauhof zuständig wäre. Dieser ist jedoch derzeit arbeitsmäßig „am Anschlag“, wie Kehrer sagte. Deshalb zeigte er sich dankbar darüber, wenn durch Bürgerengagement der Stadt Aufgaben abgenommen werden.