Endlich wieder Live-Musik

Beerfelden. Endlich wieder ein Live-Konzert in der Martinskirche. Iris Thierolf, Arne Müller und David Krahl begeisterten das ausverkaufte Gotteshaus mit ihrem Programm „Traum durch die Dämmerung“. Die Sehnsucht nach den echten Schwingungen, wie sie nur „live“ erlebt werden können, war allgegenwärtig. Der für die Liturgie an diesem Abend zuständige Pfarrer Roland Bahre stellte mit den Aufführenden drei musikalische Aushängeschilder der Region vor.

Die Leistungen der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden während der Pandemiezeit waren gewaltig: Jede Woche eine Onlineandacht, jeden Monat ein ausschließlich für das Internet eingespieltes Konzert und Nutzerzahlen bis in den vierstelligen Bereich für einzelne Veranstaltungen. Ganz besonders Pfarrer Roland Bahre und Kirchenmusikerin Iris Thierolf leistete hier großartige Arbeit. Die bewahrte die Gemeinde im vergangenen Jahr davor, ihre Identität zu verlieren, und erschloss stattdessen möglicherweise sogar einen neuen Kreis Interessierter.

Das Aufatmen der Zuhörer angesichts des ersten Konzertgottesdienstes war durch die Masken hindurch vernehmbar. In Windeseile waren nach der Bekanntgabe des Termins die maximal 200 Besucherplätze vergeben. Eine lange Warteliste musste mit Bedauern nahezu unberücksichtigt bleiben. Die Sehnsucht nach den echten Schwingungen, wie sie nur „live“ erlebt werden können, war allgegenwärtig.

In wechselnden Besetzungen, aber immer mit Iris Thierolf als höchst umsichtiger und feinfühliger Begleiterin am Klavier, wurde gesungen und gestrichen. Der vom Hohberg stammende David Krahl bestach mit seiner hervorragend ausgebildeten Baritonstimme und souveräner Bühnenpräsenz. Thierolf war präsent als dessen langjährige Lehrerin und ihn fördernde Chorleiterin mit warmem, facettenreichem Sopran, Arne Müller fungierte als einfühlsamer Begleiter im Trio und als virtuoser Solist im Zusammenspiel mit Partnerin Iris Thierolf.

Der berühmte Funken sprang schon beim ersten Titel über – einem Lied von Richard Strauss, dessen Titel „Traum durch die Dämmerung“ namensgebend war. Nicht weniger begeistert wurden Lieder von Wagner und Vaughan-Williams für Bariton aufgenommen. Ganz hervorragend harmonierten die Stimmen von Thierolf und Krahl bei Liedern von Mendelssohn und Hallén für Sopran und Bariton.

Auszüge aus großen barocken Oratorien von Händel („Sibilar gli angui d’aletto“ aus der Oper Rinaldo) und Bach („Mach dich, mein Herze, rein“ aus der Matthäus-Passion) zeigten die gestalterische Bandbreite Krahls. Zeitgenössisch wurde es mit einer höchst eindrucksvollen Komposition von Iris Thierolf, in der Krahl überaus anschaulich den bösen Verlockungen der Hexe Loreley verfiel.

Zwischendurch füllte die angesichts Müllers Körpergröße doch recht zierliche Geige mit barocken Klängen von Corelli und Vitali den Raum. So gab es die Gelegenheit, geigentechnische Spezialitäten wie Doppelgriffspiel und rasante Tonfolgen in Verbindung mit fast romantisch besinnlichen Melodien zu erleben.

Mit dem Verklingen der letzten Töne der Barcarolle von Offenbach erhob sich das gesamte Publikum von seinen Sitzen und bejubelte neben den Solisten wohl auch das Wiederbeleben des Musizierens „in Präsenz“. Zwei Zugaben – Korngolds „Mein Sehnen, mein Wähnen“ und Humperdincks „Abendsegen“ – sorgten für einen etwas längeren Gottesdienst als üblich. 

Für den Erhalt der Dorfgemeinschaft

Sensbachtal. Mit einer ganzen Palette von Themen wird sich der Sensbachtaler Ortsbeirat in der kommenden Legislaturperiode beschäftigen. Dazu gehören ein paar Klassiker, aber auch neue Gedanken, erklärt Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. „Insgesamt wollen wir unser Tal für die Bevölkerung und Touristen attraktiv gestalten und erhalten“, erklärt er.

Natürlich steht der Sporthallenumbau ganz oben auf der Tagesordnung. Der startete bereits mit dem Abbruch bestimmter Gewerke. Auch andere Gebäude und ihre Nutzungen werden Thema sein. So das Bürgerzentrum in Unter-Sensbach. Hier geht darum, so Kuhlmann, ob es weiterhin Verwaltungsstandort bleibt oder eventuell in einen Mietwohnungskomplex umgewandelt werden kann.

Der Ortsbeirat wird sich weiter mit der Zukunft des Dorfgemeinschaftshauses Hebstahl und einem möglichen „Dorfmittelpunkt“ Ober-Sensbach beschäftigen. Der könnte am Lösch- und Freizeitteich entstehen, vielleicht inklusive Spielplatzverlegung, entwirft der Ortsvorsteher ein mögliches Szenario. Außerdem: möglicher Verkauf von Feuerwehrhaus und Alter Schule in Ober-Sensbach.

Im Blickpunkt ist weiterhin die Pflege der Friedhöfe. In Hebstahl kommt noch der in Planung befindliche Glockenturm hinzu. Die Holzkonstruktion soll zusammen mit der Schwester in Kailbach aus heimischem Material errichtet werden. Zusätzlich steht der Vorplatz im Fokus. Auf der Sensbacher Höhe braucht die Friedhofsmauer eine Auffrischung. Auch Strom und Anlage sind in die Jahre gekommen, fasst Kuhlmann zusammen.

Die Ortsverbindungsstraße vom Reußenkreuz über Gebhardshütte nach Bullau soll nicht nur den Anliegern vorbehalten sein, wünscht sich der Ortsbeirat. Er strebt eine generelle Öffnung an. IKEK, Feuerwehrhäuser, Spielplätze, Wasserversorgung und -leitungen sowie Wegeinstandsetzung: Die Liste der zu beackernden Dinge ist lang, resümiert der Ortsvorsteher.

„Zugleich wollen wir aber auch unsere Identität stärken und bewahren“, bekräftigt Kuhlmann. Er sieht den sogenannten Tälerstolz „bei uns noch recht stark ausgeprägt“. Da ist es nur folgerichtig, dass auch Maßnahmen für Natur und Landschaft eingeplant sind. Dazu zählen Blühwiesenprojekt, Gestaltung der Wanderwege mit Ruhebänken, Waldsofas oder Wetterschutzhütten sowie Aufstellung von Abfalleimern und Hundekotstationen.

Den Erhalt von Kultur und Dorfgemeinschaft hat sich der Ortsbeirat ganz dick auf die Fahnen geschrieben. Vereine, Veranstaltungen, wie Fastnacht, Kerwe, Sportveranstaltungen und Theater, halten das dörfliche Leben ebenso hoch wie Schule und Kindergarten. Nicht zu vergessen die Gastronomie, auch wenn sie schon ziemlich ausgedünnt ist. 

Das Gremium will zur Unterstützung unter anderem „auch am traditionellen Gemarkungsrundgang festhalten“, kündigt sein Vorsitzender an. Ehrenamtliche Tätigkeiten aus der Bevölkerung will man unterstützen und würdigen. „Der Ortsbeirat Sensbachtal möchte für all seine Bürger ein offenes Ohr haben“, bekräftigt Kuhlmann. „Jeder soll und darf seine Kritik (aber auch Lob) gerne an uns herantragen.“

Die Sitzungsabläufe sind vor diesem Hintergrund „bürgerfreundlich“ gestaltet, betont er. Kuhlmann bedauert es, dass mit Manfred Heiss und Herbert Obenauer zwei hochverdiente Ortsbeiräte in den „kommunalpolitischen Ruhestand“ verabschiedet wurden. Allerdings rückten für sie viele motivierte Bewerber nach.

Kreuz als Sühne für einen Mord

Rothenberg. Vielen Ausflüglern ist es sicherlich schon aufgefallen: das Steinkreuz am Ortsausgang von Rothenberg am Weg Richtung Flugplatz. Es handelt sich dabei um ein Rechtsdenkmal in Sachen Mord oder Totschlag, weiß der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Thomas Wilcke. Die meisten Steinkreuze in Deutschland stammen aus der Zeit zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert.

Ohne Inschrift oder plastischen Schmuck gehört das Kreuz nahe dem Wanderparkplatz zu den frühen Exemplaren, erläutert er. Spätere Kreuze tragen Abbildungen von Gegenständen – vermutlich der Mordwerkzeuge. Nach dem Erlass einer Gerichtsordnung durch Kaiser Karl V. im Jahr 1532 (Carolina) wurden keine derartigen Kreuze mehr aufgestellt, erklärt der Kenner der hiesigen Geschichte. „Viele sind seitdem verloren gegangen“, bedauert Wilcke. Ein zweites Kreuz liegt am Boden oder ist nur noch als Stumpf erhalten.

Der Weg von Rothenberg nach Süden war seinen Worten zufolge früher Teil der uralten, wahrscheinlich schon von den Römern genutzten Straße, die das Neckartal mit den Höhen des östlichen Odenwaldes verband. Die heutige Landesstraße wurde laut Wilcke erst Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Somit standen die Kreuze früher an prominenter Stelle am Dorfausgang Richtung Hirschhorn.

„An der Stelle liegt oder lag niemand begraben“, versichert der Vereinsvorsitzende. Erzählt wird, dass sich hier zwei Zimmerleute umgebracht haben – „nicht mehr, nicht weniger“. Allerdings ist diese Erzählung in zweierlei Hinsicht problematisch: Schriftliche Dokumente gibt es nicht. „Die Erklärsage basiert somit auf mündlicher Weitergabe“, betont Wilcke.

Das nahezu völlige Aussterben der ursprünglichen Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg hat die Erinnerung an den Grund der Steinkreuz-Errichtung „in der Regel ausgelöscht“, so der Rothenberger. Die Überlieferung wandelte sich im Laufe der Zeit, wurde durch andere, jüngere Ereignisse inspiriert oder durch fremde Schilderungen ersetzt, beschreibt er die Entwicklung.

Außerdem ist seiner Meinung nach die Erzählung unlogisch. „Beide Zimmerleute waren Täter und Opfer zugleich?“, fragt Wilcke. Auch in anderen Fällen begünstigte die geografische Nähe von Kreuzen die Übertragung unschlüssiger Ereignisse. So soll das Steinkreuz in Schöllenbach an zwei Schmiede erinnern, die sich angeblich gegenseitig totgekitzelt hatten. Bei Etzean waren es angeblich zwei Buben – deshalb „Bubenkreuz“ –, die das gleiche Delikt begangen haben sollen.

Totkitzeln funktioniert, wie schon Grimmelshausen seinen Simplizissimus aus dem Dreißigjährigen Krieg berichten lässt, schmunzelt der Verkehrsvereins-Vorsitzende. Aber gegenseitig, mit jeweiliger Todesfolge? Da scheint mit dem Erzähler doch die Fantasie durchzugehen. Verdächtig an den Erzählungen ist laut Wilcke, „dass die Rollen gleich sind, nur die Darsteller wechseln: Buben und Schmiede“.

Auffällig ist für ihn außerdem, dass, wie in Rothenberg, immer wieder Zimmerleute an den tödlich endenden Auseinandersetzungen beteiligt gewesen sein sollen. Eine mögliche Erklärung ist die hohe Mobilität dieses Berufstandes. „Auf der Walz“ bezeichnen sich diese Wanderhandwerker noch heute als „Fremde“. Fremdes, Unheimliches ist Anlass zur Legendenbildung, die sogar gegenseitiges Totkitzeln plausibel machen will, meint er.

Jedoch ist Hintergrund der Kreuz-Errichtung „mit Sicherheit ein reales Tötungsdelikt“, betont der Rothenberger. Die Forschung weiß aus wenigen erhaltenen historischen Dokumenten, die sich auf das Rothenberger Kreuz übertragen lassen, dass es sich um ein Sühnekreuz handelt. Aufgestellt wurde es als Bestandteil eines Sühnevertrags zwischen der Sippe des Opfers und dem Täter sowie dessen Sippe – zur Beilegung des Konflikts, nicht zuletzt zur Abwendung der Blutrache.

Kernstücke dieser oft nur mündlich geschlossenen Verträge waren Wilcke zufolge unter anderem Sach- und Geldleistungen des Täters, so Wergeld. Gezahlt wurde es an die Angehörigen zum Ausgleich des wirtschaftlichen Schadens, etwa den Verlust der Arbeitskraft des Opfers.

Außerdem wurden „Seelengeräthen“ gestiftet. Dahinter verbergen sich kirchliche Handlungen, wie Messen, die dem Seelenheil des Opfers zum Ausgleich nicht erhaltener Sakramente dienen sollten. Auch weltliche Bußen wurden geleistet. Oder eben die Aufstellung eines Steinkreuzes: zum Zeichen und zur Erinnerung des Abschlusses des oft schriftlosen Vertrages und als Aufforderung an Passanten, für das Seelenheil des Opfers zu beten.

„Bella Vita“ macht das kulinarische Leben schön

Beerfelden. Mit dem „Bella Vita“ kommt italienisches Flair nach Oberzent. Abdellah „Gino“ Tamimi, bekannt vom „Rossini“ in Michelstadt, übernahm den früheren „Schützenhof“ und bietet nun unzählige Gerichte vom Stiefel auf der Speisekarte an. Getreu dem Lokalnamen: „Das Leben ist schön.“ Ihm zur Seite sehen Marzena „Maria“ Podgajna und Fabio Trimarco aus Neapel, die den früheren Rossini-Chef bereits dort unterstützten.

Die Wiedereröffnung der Traditionsgaststätte stieß in der Stadt auf viel positives Echo. Denn in Beerfelden werden die Gasthäuser langsam Mangelware. „Schön, dass Sie hier sind“, meinte Bürgermeister Christian Kehrer. Er hofft, dass die Bürger vom Angebot reichlich Gebrauch machen. Seinen Glückwünschen schlossen sich auch Gebietsverkaufsleiter Thorsten Heckmann von der Schmucker-Brauerei und Robin Kabel vom Getränkemarkt Rexroth an. „Ein Top-Gastronom“, schwärmte letzterer.

Gino und Maria können sehr viele Jahre Erfahrung in der Gastronomie vorweisen. Im Rossini arbeitete Maria 16 Jahre für ihn im Service und in der Organisation. Im vergangenen Jahr beschloss Gino, den Stress im Restaurant durch die Ruhe auf dem Sofa zu tauschen und verkaufte es. Doch kurz darauf war Schluss mit dem Unruhestand. Es kribbelte ihm wieder in den Fingern und da kam der Schützenhof gerade recht.

Darauf aufmerksam gemacht hatte ihn seine langjährige Servicekraft, die in Beerfelden wohnt. „Es war zu langweilig“, schmunzelt er. Beide schauten sich die Gaststätte am Viehmarktplatz an und schlugen gleich zu. Das Interieur wurde aufgefrischt und eine neue Küche eingebaut. Geboten wird vorwiegend italienische Küche mit einem leichten nordafrikanischen Einschlag. Der Chef kocht selbst.

„Bei schönem Wetter ist viel los“, berichtet Maria. Dann kann das „Bella Vita“ mit seinem großen Biergarten punkte, in dem 80 Gäste Platz finden. „Die Leute wollen draußen sitzen“, stellte sie fest. Der Ansturm auf den Innenbereich mit seinen 60 Plätzen ist noch eher verhalten. Der dafür notwendige Corona-Test stellt ein Hemmnis dar, hat sie beobachtet.

Bereits das Abholangebot während der Schließung wurde rege genutzt. Im „Bella Vita“ soll es auch ein kulturelles Angebot geben, kündigte der städtische Kulturbeauftragte Stefan Rosewick an. Zum Start ist eine Sonntagsmatinee geplant.

Verwunschene Pfade und blühende Wiesen

Bullau. Wandern im Blaubeer-Pflückparadies. Was rund um Bullau in den Wäldern wächst, ist schon bemerkenswert. Ganze Heidelbeer-Plantagen breiten sich an manchen Stellen aus und werden sicherlich bei einer sommerlichen Höhendorf-Wanderung für manche Wegzehrung sorgen. Die ist auf 14 Kilometern auch nötig, denn die Strecke hat ein paar knackige Steigungen. Die herrliche Tour ist absolut empfehlenswert, bietet sie doch das Odenwald-Komplettpaket par excellence.

Schöne Ausblicke, dunkle Wälder, verwunschene Pfade, Naturdenkmäler, blühende Wiesen und noch viel mehr: Wanderer kommen in vier Stunden voll auf ihre Kosten. Wenn dann endlich die Gaststätten wieder aufmachen dürfen, locken gleich zwei Einkehrmöglichkeiten entlang des Wegs, zuvor verbrannte Kalorien mal süß, mal deftig wieder aufzufrischen. Doch Vorsicht: Die Beine werden dadurch nicht unbedingt leichter.

Der Parkplatz Bullauer Bild noch vor dem Ort ist der bessere Startpunkt von zwei möglichen. Wir entschwinden sofort direkt in den Wald. Die grüne Tür schließt sich hinter uns und lässt den Alltag außen vor. Ein enger Pfad schlängelt sich durch Nadelgewächse, während links und rechts des Weges unzählige Heidelbeeren sprießen. Manchmal gibt es sie sogar „to go“ direkt auf dem Weg.

Nach ein paar hundert Metern werden wir wieder „ausgespuckt“. Am Feldrand geht’s weiter zum Bullauer Bild. Das 460 Jahre alte Zeugnis des Katholizismus ist eine Besonderheit in einer seit 1531 protestantisch geprägten Gegend. Über dem Bildstock wölbt sich heute eine offene Skulptur in Gestalt einer Kapelle, das Bullauer Oktogon.

Einige versprengte Häuser, wo die Bewohner wirklich ihre absolute Ruhe haben, entlassen uns in die des jetzt folgenden Waldes. Beständig durch lichten Baumbewuchs abwärts laufend, erwartet uns in der Talsohle das Naturschutzgebiet Diebs- und Eutergrund. Leuchtend grüne Wiesen zeugen davon, dass hier viel Wasser im Boden ist. In den gesammelten Wasserwerken lässt sich ein paar Kilometer talwärts in Gestalt des Eutersees bei Schöllenbach baden.

Uns führt die Strecke weiter in die Außenbezirke des Weilers Eutergrund. Kurz und heftig wartet danach die erste Steigung der Wanderung. Aber sie soll nur ein Vorgeschmack dessen sein, was nach dem Ortsende ansteht. Der Kirchenpfad lässt uns auf kürzester Strecke – zum Glück hauptsächlich schattig – an die 100 Höhenmeter bewältigen, bis wir das 400-Seelen-Dorf erreichen. Ein Glück haben wir nicht am zweiten Ausgangspunkt, dem Sportplatz, geparkt. Denn sonst hätte uns diese Steigung auf den letzten Metern geblüht, wenn die Beine nach über 13 Kilometern sowieso schon schwer geworden wären.

Wären jetzt normale Zeiten und keine Pandemie, dann hätten wir die Qual zwischen einer Einkehr im Café Best oder Gasthaus Schumbert. Wobei wir uns angesichts der Tatsache, gerade einmal wenig mehr als fünf Kilometer der Gesamtstrecke zurückgelegt zu haben, fragen müssten, ob das schon mit dem Wanderer-Gewissen vereinbar wäre. Lieber die Tour durchziehen und dann ausgehungert danach mit dem Auto ein paar Meter in den Ort fahren.

Stolz über unsere Standhaftigkeit biegen wir auf den Feldweg Richtung Süden ab. Ein herrlicher Weitblick belohnt uns. Eine einsame Bank unter einem Apfelbaum bietet sich für einen kurzen Trink-Stopp an. Der nächste Wald ist nicht weit. Doch ist auch notwendig, sollten die Tage wärmer und die Sonne heißer werden. Nach ein paar Schlenkern empfängt uns ein einsamer Waldweg, dem wir fast eben auf halber Höhe folgen, bis von unten der Nibelungensteig, von Schöllenbach kommend, hinzustößt. Auf dessen Variante waren wir bereits seit dem Eutergrund unterwegs.

Am Rutschstein vorbei wenden wir uns auf sanften Wegen nun dem zwischen Oberzent und Erbach geteilten Weiler Gebhardshütte zu. Kurz danach geht’s links ab zu einem der höchsten Punkte der Etappe: dem Ebersberger Felsenmeer auf 560 Metern. Als hätte ein Riese Sandstein-Findlinge in die Landschaft gepfeffert, liegen die Kolosse verstreut am Hang. Noch einmal gut die Schuhe schnüren und dann abwärts: Ein wenig Trittsicherheit ist gefragt, wenn der Weg innerhalb kürzester Zeit 70 Höhenmeter verliert.

Leider, wissen wir durch die Karten-Lektüre, müssen wir die bis zum Parkplatz wieder aufholen. Aber zum Glück haben wir dafür noch mehr als zwei Kilometer Zeit. Die sind mit eines der Highlights. Wenn wir unterhalb des Kohlbergs wieder auf einen etwas breiteren Pfad abzweigen, dann erwartet uns Idylle pur. Noch einmal gibt es Blaubeeren satt, soweit das Auge reicht. Der Duft frisch geschlagenen Holzes steigt uns in die Nase.

Mitten im Nirgendwo dringt plötzlich Motorengeräusch an die Ohren. Schlagartig hat uns die Zivilisation wieder. Einen kleinen, schmalen, matschigen Weg hinablaufend stoßen wir auf die K32 mit dem gegenüber liegenden Parkplatz. Wir steigen in dem Wissen ins Auto, dass wir sicherlich gerade eine der schönsten Rundwanderungen im Odenwaldkreis absolviert haben.

Name: Höhendorf-Wanderung Bullau

Länge: 14 Km

Dauer ohne Pausen: 4 Stunden

Höchster Punkt: 551 m

Niedrigster Punkt: 412 m

Höhenmeter insgesamt: 376

Kategorie: (mittel-)schwer, Trittsicherheit empfehlenswert

Wanderzeichen: grünes Bu über grüner 1 im Hufeisen

Ausschilderung: gut, Markierung manchmal verwittert, Pfosten umgeworfen

Verpflegung: Café Best, www.cafe-best.de, Telefon 06062/8096777, Gasthaus Schumbert, www.gasthaus-schumbert.de, Telefon 06062/4625 (bitte vorab über To-go-Angebote informieren)

Sehenswürdigkeiten: Bullauer Bild, Ebersberger Felsenmeer, Naturschutzgebiet Eutergrund

Mehr Infos: http://www.bergstrasse-odenwald.de/detail/id=5f1540da0e3c1c0fedd15863

Zufrieden mit dem Biergarten-Start

Ober-Mossau. Die Premiere ist gelungen. Auch wenn ein kräftiger Guss am Nachmittag das vorzeitige Ende einläutete, zeigt sich Lukas Beisel mit dem Start der Biergarten-Bewirtschaftung an der Schmucker-Brauereigaststätte zufrieden. Den hat das Hirschwirts-Team vom Rothenberger Hotel-Gasthof zum Start der Freiluftsaison neu übernommen.

„Wir haben schon länger nach einer Expansionsmöglichkeit geschaut“, erläutert der Hirsch-Geschäftsführer die Entwicklung. Schmucker-Verkaufsleiter Thorsten Heckmann machte die Beisels im vergangenen Jahr darauf aufmerksam, dass das Objekt direkt neben der Brauerei in Ober-Mossau frei wird. Zuvor hatte die Familie bereits signalisiert, dass sie Interesse an einer Ausdehnung Ihres Geschäftsfeldes habe.

Ohne Corona wäre es früher und wohl auch anders losgegangen, ergänzt der Juniorchef. Die ersten Gespräche zwecks Übernahme starteten schon im Herbst 2020, berichtet Lukas Beisel. Der Gastronom setzt derzeit darauf, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Aktuell ist viel Bewegung im Markt. „Qualität setzt sich durch“, lautet sein Credo.

„Wir haben überlegt, das ganze Anwesen zu übernehmen“, erklärt er. Das wurde aber wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen für die Gastronomie erst einmal auf Eis gelegt. Damit es in irgendeiner Form weitergeht, gab es den Vorschlag der Brauerei, mit dem Biergarten zu starten, so Beisel. „Das ist überschaubar auch in Corona-Zeiten“, war diese Vorgehensweise für die Gastronomen-Familie tragbar.

Inhaberin und Geschäftsführerin Angelika Beisel mit Mann Armin sowie Lukas Beisel und seine Frau Jessica aktivierten für den Start die komplette Verwandtschaft, damit auf dem großen Außengelände alles funktioniert. „Wir sind allen sehr dankbar“, freut er sich über das gute Gelingen. Der Gastwirt hebt als großen Vorteil die schier endlosen Biergarten-Platzkapazitäten hervor.

In Rothenberg konnte der „Hirsch“ nur 40 Personen draußen unterbringen, „bei Schmucker ist es nach oben offen“. Das war für die Beisel mit ausschlaggebend dafür einzusteigen. Mit Selbstbedienung und Pager-System bei der Essensausgabe konnte der Personaleinsatz überschaubar gehalten werden. Das will man auch so beibehalten. Lukas Beisel macht daneben eines ganz deutlich: „Der Hirsch läuft parallel weiter.“

In der Anfangszeit wollen die Beisels schauen, wie der Biergarten angenommen wird. Deshalb ist eine Öffnung alle zwei Wochen geplant, das nächste Mal am kommenden Wochenende. Gerade im August und September sind beim „Hirsch“ einige Termine bereits durch Hochzeiten und Caterings geblockt. „Deshalb haben wir die Öffnungen so gelegt, dass es passt“, erläutert er. 

In normalen Sommern, berichtet der Geschäftsführer, ist die Nachfrage nach Zimmern im „Hirsch“ höher als die Kapazität. Deshalb sieht er in spe Synergieeffekte bei zwei Häusern, wenn auch das Hotel im Ober-Mossau mit übernommen würde. Küchentechnisch ist es Beisel zufolge machbar, an einem Standort alles zu kochen und das Essen in einer „Satellitenküche“ für den dortigen Verzehr zuzubereiten. „Dann können wir aus dem Vollen schöpfen.“ Das hätte den Vorteil, dass weniger Personal benötigt wird.

Im optimalen Fall, berichtet Lukas Beisel, kommen bald Innengastronomie und Hotellerie zum Angebot hinzu. Er weiß sich da mit den Wünschen von Heckmann auf einer Linie. „Das wäre unsere Traumlösung“, sagt der Schmucker-Mann. Erst einmal jedoch, betont der Gastronom, „bauen wir auf dem Testlauf auf“. Denn es muss nach dem ewigen Stillstand endlich wieder etwas laufen. Dazu gehört allerdings auch die Planungssicherheit. Deshalb wollen die Beisels über Weiteres nachdenken, wenn Corona in spe beherrschbar erscheint.

Im Rothenberger Hirsch erfreut sich der Hotelbetrieb nach Wiederöffnung eines großen Zuspruchs, hat er festgestellt. Gerade Motorradfahrer und Wanderer kommen gern vorbei. Wenn die Buchungen so weitergehen, rechnet Beisel hier mit einem tourismusmäßig guten Sommer. Bei der Innengastronomie ist es noch verhalten. Die Testpflicht ist eine Hemmschwelle. Draußen ist es unkomplizierter.

Seitens Schmucker gibt es viel Vorschusslorbeeren für die Beisels. „Das sind gute, erfahrene Gastronomen, die wissen, was sie machen“, hebt Heckmann hervor. Ihm gefällt der Fokus auf Regionalität beim Essen. „Wir pflegen einen sehr guten Kontakt“, ergänzt der Verkaufsleiter, seitdem er den „Hirsch“ vor ein paar Jahren von einer Kraichgauer Brauerei zu Schmucker holte.

Überall müssen Straßen saniert werden

Gammelsbach/Hetzbach. Im Gammelsbachtal wird bald groß gefeiert. Denn der Stadtteil wird im kommenden Jahr 1250 Jahre alt. Die Wiederkehr der Ersterwähnung soll mit ein paar Veranstaltungen begangen werden, kündigt Ortsvorsteher Konrad Helm an. Die Vorbereitungen werden natürlich auch im Ortsbeirat eine gewichtige Rolle einnehmen.

Die durchgängige Wegevernetzung von Beerfelden über Gammelsbach nach Eberbach im Talbereich steht schon länger auf der Agenda. Es fehlen nur noch kleine Teilstücke, deren Herstellung man sich demnächst wünscht. Im Ort verspricht man sich davon auch eine bessere Anbindung an den Neckartal-Tourismus.

Wie Helm weiter erläutert, sollen neue Ortseingangsschilder her, gepaart mit der besseren Ausweisung innerhalb und außerhalb des Dorfs. Auch die Anlegung von Motto- oder Themenwegen könnte der Vermarktung dienen. Der Ortsbeirat möchte sich weiter darum kümmern, dass Sitzgelegenheiten an exponierten Stellen in und um Gammelsbach wieder oder neu errichtet werden.

Ebenfalls schon länger auf der To-do-Liste: die Versetzung des Ehrenmals in den Friedhofsbereich. Wie Helm weiter ausführt, will sich der Ortsbeirat darum kümmern, dass Spielplätze sowie Bolz- und Dorfplatz attraktiver gestaltet werden. „Das Thema Sanierung und Ausbesserung der Seitenstraßen wird wohl immer wieder Thema sein“, schließt er.

In Hetzbach will der Ortsbeirat im Rahmen der geplanten B45-Sanierung eine Verkehrsberuhigung erreichen, erläutert der neue Ortsvorsteher Jörg Eckert. Man denkt an eine Verkehrsinsel oder Ähnliches. Es geht darum, die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer in der Ortsdurchfahrt zu vermindern und damit mehr Sicherheit zu erreichen.

Wenn der Bahnhof in Hetzbach renoviert wird, dann ist es der Wunsch aus dem Ort, einen Versammlungsraum oder eine Begegnungsstätte im unteren Stockwerk, in der alten Halle, einzurichten. Vereine oder Privatpersonen könnten laut Eckert die Einrichtung nutzen, um Treffen oder auch kleine Veranstaltungen abzuhalten.

Wie in Gammelsbach auch gibt es einige Ortstraßen, die ihre beste Zeit hinter sich haben. Deshalb werden Sanierung und Neubau über das aktuelle Flurbereinigungsverfahren angestrebt. Weiter auf der Agenda: der Bau eines Kleinspielfeldes an der Krähberghalle sowie allgemeine Verschönerung und Instandhaltung der vorhandenen Einrichtungen.

Viele alte Themen und ein paar neue

Oberzent. Mit der Kommunalwahl haben sich auch die Ortsbeiräte neu aufgestellt. Oft sind es in den kommenden fünf Jahren die gleichen Themen wie in den vergangenen drei. Neu sind manchmal nur die Gesichter an der Spitze. Während Marion Neff (Airlenbach) und Christian Niesen (Finkenbach) weitermachen, folgt Rudolf Brandel im ehemaligen Hesseneck als Ortsvorsteher Martin Pollak nach.

„Für unseren Stadtteil ergeben sich aus momentaner Sicht gar nicht so viele Themen“, erläutert Neff. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Erhalt der vorhandenen Infrastruktur. „Bestimmt werden wir auch wieder in Zusammenarbeit mit der Dorfgemeinschaft und dem Sportverein die Freiwilligentage dafür nutzen“, kündigt sie an. In den vergangenen beiden Jahren wurden so beispielsweise gemeinsam zwei Hütten (Bild) auf Vordermann gebracht. „Da muss man ja immer wieder Hand anlegen.“ Zum Aufgaben-Portfolio gehört auch das Streichen und Sanieren der Ruhebänke rund um den Ort.

Handlungsbedarf hat sich in letzter Zeit auf dem Friedhof ergeben, weiß die Ortsvorsteherin. Hier gibt es seit wenigen Jahren die Möglichkeit, sich im Sarg ohne eigentliches Grab in der Wiese bestatten zu lassen. Allerdings sind diese anonymen Bestattungsplätze an einer Stelle, die bei Nässe sehr rutschig und glatt wird.

„Unser Ziel wird es sein, in Zusammenarbeit mit der Stadt eine Lösung zur Abhilfe zu suchen und zu schaffen“, so Neff. Mit den beiden Vereinen und der Freiwilligen Feuerwehr gibt es viele engagierte Einwohner mit Sinn für den Ort, Einsatzbereitschaft und Ideen. „Das stellt uns sehr gut auf“, freut sie sich.

Bei der ersten Sitzung des neuen Ortsbeirats Hesseneck nach der Konstituierung am 9. Juni wird festgelegt, was in nächster Zeit an Arbeiten ansteht, kündigt Rudolf Brandel an. „Sicher ist, dass die seitherige Arbeit fortgesetzt wird“, betont er. Dazu gehört unter anderem die Einrichtung des Dorfgemeinschaftshauses Schöllenbach am Bauhof. Hierzu gibt es bereits entsprechende Planungen der Stadtverwaltung. Die Abklärungen laufen.

Auch der zu errichtende Glockenturm auf dem Friedhof Kailbach wird den Ortsbeirat weiter beschäftigen. Diese Aktion soll gemeinsam mit dem in Hebstahl erfolgen. Vorgesehen ist ein Konstrukt aus heimischem Holz. Der Kindergarten Kailbach geht in die Erweiterung. Noch laufen die Planungen und Zuschussanträge, baldmöglichst sollen die Arbeiten vor Ort starten, damit im kommenden Jahr eine zusätzliche Gruppe eröffnet werden kann. Außerdem werden Baumpaten in Schöllenbach gesucht, ergänzt Brandel.

In Finkenbach wuchert’s: Laut Ortsvorsteher Christian Niesen gilt es, „den Bewuchs im Tal auf ein für alle verträgliche Maß zu reduzieren“. Das Gremium, das auch für Hinterbach und Raubach zuständig ist, will sich weiter dafür einsetzen, Leitplanken im Ortsbereich, wo es keinen Bürgersteig gibt, entfernen zu lassen. Ein Augenmerk liegt daneben auf einer Verbesserung der Busverbindungen Richtung Neckartal, um einen Anschluss an den dortigen Verkehrsverbund zu erreichen.

Niesen hat noch weitere Punkte in petto. Er erwähnt unter anderem die Sanierung der Nebenstraßen in den drei Dörfern. Dazu kommen dringend notwendige Sanierungsarbeiten im Schwimmbad. Der außerhalb liegende Spielplatz soll eingezäunt werden, erwähnt er. Außerdem gibt es einen Pflegerückstand auf dem Friedhof.

Kinder und Jugendliche dürfen wieder loslegen

Beerfelden. „Es tut so gut“, freut sich Kantorin Iris Thierolf. „Nach Monaten des Abstands und des Verzichts auf öffentliche Musik darf nun endlich wieder gesungen werden.“ Zwar geht dies immer noch mit Hygieneregeln und auf Abstand vor sich, „aber es ist möglich“. Die Freude ist den Chorsängern bei den Proben förmlich anzumerken, sagt sie. Zu diesen gehört auch der Kinder- und Jugendchor der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden. Er tritt erstmals wieder nach langer Pause am Sonntag, 27. Juni, in der Martinskirche auf.

Es war gut, das Frühlingskonzert vom Mai in den Juni zu verschieben, betont die Chorleiterin. „Denn so dürfen wir vor einem echten Publikum unser Können zeigen.“ Mit einem fröhlichen, bunten Programm bieten die Kinder und Jugendlichen Erzähllieder, fetzige Sambarhythmen, stimmungsvolle Balladen und vergnügliche Jahreszeitenlieder, kündigt sie an. Nach wie vor muss man sich zu den kirchlichen Veranstaltungen anmelden, außerdem sind maximal 200 Besucher erlaubt, erläutert sie. „Deswegen lohnt es sich, schnell zu sein, um einen der beliebten Plätze zu ergattern“, so die Kantorin.

Als spontane Reaktion auf den ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr spielte und sang Thierolf mit dem Jugendchor einen Hoffnungs-Song ein. Dieser wurde von ihr getextet und komponiert. Er hat den Titel: „Lasst uns hoffen“. Das Lied hat sich über die sozialen Medien schnell verbreitet und ist auch auf dem „Kanal Kirche Beerfelden“ bei YouTube zu finden. Die Jugendlichen haben völlig selbständig (mit einer Singvorlage der Chorleiterin) dieses Lied geübt und dann zu Hause eingesungen, erläutert sie.

Von August bis Oktober 2020 haben Kinder- und Jugendchor im Freien geprobt, blickt Thierolf zurück. „Danach durfte es nicht weitergehen“, bedauert sie. In die Weihnachtszeit startete man mit einem Video „Advent in Beerfelden“. Dazu lud die Kantorin die Kinder und Jugendlichen einzeln ein, um mit ihnen Sequenzen aus Adventsliedern einzusingen, die sie später zu einem Film verarbeitete. Dieser war auch im virtuellen Adventskalender des Dekanats Odenwald zu sehen.

Außerdem gab es an allen vier Adventssonntagen eine kurze Videobotschaft mit den verschiedenen Strophen des Adventsliedes „Wir sagen euch an den lieben Advent“, erzählt sie. Zu Weihnachten wurde dann noch ein besonderes Video mit Weihnachtsliedern erstellt. „Auch hierzu habe ich die jungen Leute wieder einzeln eingeladen“, berichtet Thierolf. Alle Videos wurden fleißig geteilt und haben auch auf der YouTube-Seite großen Anklang gefunden, hat sie beobachtet.

Im Februar dieses Jahres stieß die Chorleiterin dann ein Projekt zum Frühling an: Frühlingslieder vom Kinder- und Jugendchor, dieses Mal selbständig von allen Kindern und Jugendlichen zu Hause aufgenommen, verarbeitet zu einem fröhlichen, farbenfrohen Video. Dieses war Teil der Passions- und Osterzeitbotschaften des Dekanats Odenwald.

Im April versorgte Thierolf den Kinder- und Jugendchor mit Material für das bevorstehende Konzert (ursprünglich geplant für den 30. Mai). Man wusste zu dieser Zeit ja noch nicht, ob und wie ein Konzert überhaupt stattfinden würde, blickt sie zurück. Die Heranwachsenden bekamen Texte, Noten und eingesungene Übe-Dateien, um sich schon eigenständig vorzubereiten.

„Dies wurde von den jungen Menschen wunderbar an- und aufgenommen“, freut sie sich über die Resonanz. Dann kam die große Überraschung und gute Fügung, „dass wir plötzlich proben durften und außerdem unser Konzert auf den 27. Juni verschoben haben“. Seitdem bereiten alle gemeinsam – „natürlich auf Abstand“ – das Konzert vor. Alle Beteiligten haben große Freude dabei, spürt sie.

Natürlich darf ein Chor immer noch mehr Sänger haben. Deshalb fordert Thierolf die jungen Menschen aus Oberzent auf: „Kommt doch zu unserem Konzert, schaut und hört euch an, wieviel Freude Singen macht und wie man lernen kann, richtig fein zu singen.“ In der Hoffnung, dass diese dann Lust haben, hinterher selbst mitzumachen. Proben sind immer donnerstags in der Martinskirche: der Kinderchor von 15 von 15.45 Uhr und der Jugendchor von 15.45 bis 17 Uhr. Beide würden sich „sehr über neue Sängerinnen und Sänger freuen“.

Info: Sommerkonzert des evangelischen Kinder- und Jugendchores Beerfelden, Sonntag, 27. Juni, 18 Uhr, Martinskirche Beerfelden. Anmeldungen an das Gemeindebüro bis Freitag, 25. Juni, 10 Uhr unter E-Mail ev_gemeindebuero_beerfelden@gmx.de oder Telefon 06068/1330.

Ein Konzert vor Freunden ist immer etwas Besonderes

Kailbach. Vom Hohberg in die große (Opern-)Welt: David Krahl, der sich seine ersten musikalischen Sporen im Kinder- und Jugendchor der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden verdiente, blickt hoffnungsvoll auf den Sommer. Dann will der junge Opernsänger bei „Scharlatan“ von Pavel Haas auf der Bühne stehen. BKürzlich war er zu einem Auftritt in der „alten Heimat“, als er mit Arne Müller und Iris Thierolf ein Konzert in der Martinskirche Beerfelden gestalte. Wir sprachen mit ihm.

Herr Krahl, was ist das für ein Gefühl, nach mehr als einem halben Jahr Pause endlich wieder vor Publikum auftreten zu können?

David Krahl: Das Gefühl ist großartig und sehr belebend. Endlich hat man wieder die Chance, das, was man sonst hinter verschlossener Tür übt und erarbeitet, einer großen Menge interessierter Menschen darzubieten. Genau genommen war mein letztes öffentliches Live-Konzert vor Publikum im Juni 2020.

Was hat Sie dazu gebracht, nach der Schule eine Ausbildung zum Sänger zu starten? Wie sahen denn zuvor die ersten „Gehversuche“ in Jugendjahren aus?

Krahl: Das musikalische Interesse war eigentlich schon immer vorhanden. Zunächst fing es mit dem Singen in verschiedenen Kinderchören an, später dann kamen Jugend-, Erwachsenen- und Kirchenchöre dazu, außerdem Klavier- und Gesangsunterricht bei Iris Thierolf. Was erstmal ein Hobby neben der Schule war, wurde dann immer mehr zu einem Berufswunsch, oder mehr zu einem Gefühl, dass das genau der richtige Weg für mich ist. Seitdem arbeite ich stetig an mir, meiner Stimme und an meiner Künstlerpersönlichkeit.

Was hat Sie während des Studiums besonders begeistert? Oder gab es manchmal auch Zeiten, in denen Sie Ihre Entscheidung hinterfragt haben? Haben Sie während der langen Monate der Auftrittsverbote manchmal Ihren Berufsweg bereut?

Krahl: In Wiesbaden lag der Schwerpunkt auf Musikpädagogik, also das Unterrichten im jeweiligen Fach. Während des Studiums bekam ich mehr und mehr Interesse für die Bühne und den Kunstgesang. Daraufhin entschied ich mich für diesen Schwerpunkt und wählte das Masterstudium an der Opernschule in Stuttgart.

Begeistert hat mich zunächst der Umgang mit der Stimme in der Pädagogik. Es gibt unendlich viele Parameter, um so ein abstraktes Instrument wie die Stimme unterrichten zu können. Die Entwicklung der Stimme hat mich schon immer interessiert. Über diesen Weg kam ich dann zur darstellerischen Komponente: der szenische Unterricht und die Arbeit am Theater selbst. Genau diese reizt mich sehr. Die Arbeitsatmosphäre in einer Produktion am Theater ist schon sehr besonders: die Menschen dort sind so unterschiedlich und die Arbeit extrem vielschichtig.

Natürlich gibt es Phasen, in denen man seine Berufswahl hinterfragt. Gerade jetzt in Zeiten der Pandemie setzt man sich ständig mit sich selbst auseinander, ohne die Ergebnisse seiner Arbeit jemals nach außen tragen zu können. Diese Phasen der Selbstkritik können schon sehr belastend sein. Bereut habe ich den Weg bisher aber noch nie, da der innere Wunsch und die innere Überzeugung für die Kunst einzustehen viel stärker ist, als jeder Zweifel über die berufliche Wahl.

Welche Vorbilder haben Sie? Wo und was möchten Sie einmal singen?

Krahl: Es gibt eine Vielzahl toller Sängerinnen und Sänger, die ich alle sehr bewundere und deren Interpretationen ich mir gerne anhöre. Richtige Vorbilder habe ich aber nicht. Ich finde es sehr wichtig, sich selbst ein Vorbild zu sein, indem man seinen eigenen künstlerischen Weg findet. Man erliegt schnell der Versuchung, große Künstler zu imitieren, wobei mein Fokus darauf liegt, die eigene Stimme, die Fantasie und dadurch auch eine eigene Sprache zu finden, mit der man die Musik nach außen trägt.

Welches war denn ein Konzert, das Ihnen aus der Zeit vor Corona noch sehr im Gedächtnis ist?

Krahl: Da gibt es die Konzerte der Wiesbadener Musikakademie im Kurhaus und in der Basilika im Kloster Eberbach unter Leitung von Christoph Nielbock, oder auch die Rotunden-Konzerte im Schloss Biebrich. Die Atmosphäre an diesen wunderbaren Orten war immer ganz besonders. Natürlich sind hier auch die Produktionen des Staatstheaters Wiesbaden zu nennen, ein wirklich tolles Haus mit sehr engagierten Menschen auf und hinter der Bühne, die auch jungen Sängern wie mir eine Chance geben und meine Karriere somit unterstützen. Das letzte tolle Konzert in der Pandemie war tatsächlich ein Online-Konzert, das wir mit der Gesangsklasse von Prof. Ulrike Sonntag aufgezeichnet haben. Mein Beitrag dazu ist auch auf YouTube zu finden.

Wie sind die Verbindungen in die Heimat? Ist es etwas Besonderes, ein Konzert vor Freunden und Bekannten zu singen? Strengen Sie sich dann besonders an?

Krahl: Nach mittlerweile fast fünf Jahren außerhalb des Odenwaldes zieht es mich doch immer gerne hierher. Zunächst wohnt ein Großteil meiner Familie hier, aber auch meine musikalischen Wurzeln haben hier ihren Ursprung. Deswegen ist es mir ein großes Anliegen, meine bisherige musikalische Reise auch in meine Heimat zu bringen und die Impressionen, die ich gewinnen konnte, stimmlich zu präsentieren. Ein Konzert vor Freunden und Bekannten ist immer etwas Besonderes, aber gleichzeitig spürt man eine Vertrautheit und eine Nähe, welche einem sehr viel Energie gibt.

Wie sehen denn Ihre kommenden Termine aus, was singen Sie wo?

Krahl: Leider leben wir noch immer inmitten der Pandemie und es ist nach wie vor ungewiss, wie sich das Konzertleben entwickelt. Veranstalter halten sich mit den Planungen sehr zurück, da es immer noch keine wirkliche Strategie für die Öffnung von Kultureinrichtungen gibt. Mit dem Trend der sinkenden Zahlen kommt aber immerhin etwas Hoffnung auf.

Bisher ist die Aufführung der Oper „Scharlatan“ von Pavel Haas für den Sommer geplant, die in Isny im Allgäu und München zur Aufführung kommen wird. Des Weiteren ist eine Produktion von „Ein Sommernachtstraum“ von Benjamin Britten in Planung, dessen Aufführung für Januar 2022 geplant ist. Diese wird im Wilhelma-Theater in Stuttgart stattfinden.

David Krahl wurde 1997 geboren. Er stammt aus dem Weiler Hohberg (Kailbach) Zunächst ging er in die Grundschule in der Stried, danach auf die Oberzent-Schule Beerfelden. Seine musikalische „Karriere“ begann er im Kinderchor Schöllenbach. Etwas versetzt kamen der Kinder- und danach der Jugendchor der evangelischen Kirchengemeinde in Beerfelden hinzu. Nach diesen ersten musikalischen Erfahrungen nahm er Klavier- und Gesangsunterricht bei Iris Thierolf. Nach der schulischen Ausbildung begann Krahl 2016 das Studium der Gesangspädagogik an der Wiesbadener Musikakademie in der Klasse von Richard Staab, das er 2020 mit Auszeichnung abschloss. Darauf schloss er das Masterstudium Oper an der Opernschule der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart an und studiert derzeit in der Klasse von Prof. Ulrike Sonntag. Zu den Höhepunkten seiner bisherigen Tätigkeit als Sänger zählen sein Debüt bei den Internationalen Maifestspielen Wiesbaden 2018 in der Kammeroper „Vom Ende der Unschuld“ sowie die Produktion von „Anna Nicole“ am Staatstheater Wiesbaden unter der Regie von Bernd Mottl.

Die Windrad-Planung immer im Blick

Etzean. Auch wenn derzeit Nachrichtenflaute herrscht, beschäftigt der von der Firma Juwi geplante Windenergiepark auf dem Katzenwinkel weiterhin den Ortsbeirat des kleinen Oberzent-Stadtteils. Die Aktivitäten des Betreibers verlagerten sich zwar mehr Richtung Hüttenthal, „aber das ist für uns auch relevant“, sagt der neue Ortsvorsteher Daniel Löb. Denn: „Wir haben sie im Blick.“ Der Ortsbeirat will an der Sache dranbleiben und Windräder „nicht nur auf unserer Gemarkung vermeiden“.

Löb wurde in der Nachfolge von Ralf Kredel zum neuen Ortsvorsteher von Etzean gewählt. Der 33-Jährige ließ sich vor acht Jahren „der Liebe wegen“ im Dorf nieder. Der hiesige Zusammenhalt gefiel ihm. Als 2018 nach der Oberzent-Fusion ein Ortsbeirat ins Leben gerufen wurde, ließ er sich aufstellen. Denn: „Es braucht Leute, die sich engagieren.“ Zu seiner eigenen Überraschung wurde Löb auch gleich gewählt, bekleidete danach das Amt des Schriftführers.

Der neue Ortsbeirat will sich im die Verschönerung der Gemarkung kümmern, wirft er einen Blick nach vorn. Dazu gehört, dass man sich Gedanken machen will, wo vielleicht ein Tisch zu einer Sitzbank passt. Eventuell kommt hier das Bubenkreuz in Frage. Auch eine Sonnenliege könnte noch aufgestellt werden. Wo genau, wird noch geplant. 

Erfreut zeigt sich der Ortsvorsteher über den neuen Zaun rund um den Löschteich. Hier gab es vorher eine Holzkonstruktion, die nun mit einer aus Doppelstabmatten auf stabile Füße gestellt wurde. „Das hat sehr gut geklappt“, lobt er die Arbeit des Oberzent-Bauhofs. Jetzt sollen noch die Verschönerungsarbeiten folgen, kündigt Löb an: Denn das Teichumfeld ist zugewuchert und soll freigebaggert werden.

Neue Bestattungsformen werden verstärkt nachgefragt. Deshalb wurde am Friedhof ein Gedenkstein für anonyme Beerdigungen aufgestellt, wie es ihn in anderen Stadtteilen schon gibt, informiert Löb. „Toll gemacht“, sind die Arbeiten „zu unserer vollsten Zufriedenheit abgeschlossen“, sagt er im Namen des Ortsbeirats. Denn gerade diese lagen dem Gremium am Herzen.

Obwohl nur knapp 150 Einwohner im Sackgassen-Dorf wohnen, gibt es mit der „Pilsstube“ und der „Bauernschänke“ gleich zwei Gastwirtschaften. Die bilden so etwas wie den Dorfmittelpunkt und werden gerne nicht nur von den Ortsbürgern besucht. Sie hoffen auf baldige Wiederöffnung.

Corona-Songs will keiner mehr hören

Marbach. Corona-Songs sind absolut out, schmunzelt Schlagersängerin Acarina. „Die will keiner mehr hören“, die Leute sind des Themas überdrüssig. Mit ihrem Mann betreibt sie Studio und Künstleragentur „Mike’s Music Records“ unterhalb von Hetzbach Richtung Marbachstausee. Ihre Beobachtung während der Pandemie: Die Künstler haben einen Riesen-Kreativitätsschub, weil sie durch fehlende Live-Auftritte viel Zeit haben. Das Büro erreicht eine Vielzahl von Anfragen.

„Alles, was 2020 geplant war, ist ins Wasser gefallen“, berichtet die Sängerin aus eigener Erfahrung. Die Döckinger Schlagernacht in Weiß, auf dieses Jahr verschoben, wurde jetzt ganz gecancelt, bedauert sie. „Das ist sinnbildlich für die Branche, was da passiert“, meint sie. Selbst größere Events stehen jetzt auf der Kippe. „Ein Jahr Pause hätten sie geschafft, aber nicht zwei“, beobachtet Acarina.

Sie ist gespannt, ob es mit ihrem Auftritt beim Kastelruther Spatzenfest im Oktober klappt. Dort war sie schon 2020 gebucht, für dieses Jahr gibt es noch keine Nachricht. Sie geht aber davon aus, dass diese Profis einen anderen finanziellen Background haben: „Die stehen das durch.“ Für den Rest des Jahres hat die Marbacherin noch nichts in Aussicht. Im Gegenteil: Pferdemarkt Beerfelden oder Johannismarkt Fürth fallen wieder flach.

Aus einem anderen Bereich zieht sie sich nach sieben Jahren komplett zurück: „Mit der Mallorca-Geschichte höre ich auf“, erzählt die Sängerin. Sie denkt nicht, dass die Partyschiene auf den Balearen „weiter so bedient wird“. Denn die stand schon länger in der Kritik. Stattdessen will man auf der spanischen Mittelmeer-Insel eher eine andere Klientel ansprechen als die feierwütigen Urlauber.

Die Österreicherin wollte vergangenen Sommer ihr neues Album veröffentlichen. Um es aber nicht nur rein online, sondern auch live präsentieren zu können, wurde es auf dieses Frühjahr verschoben. Und nun noch einmal weiter nach hinten. Da es immer noch keine Anzeichen gibt, dass es bald wieder größere Live-Events geben darf, wartet sie noch zu. Die Musikerin will sich erst dann dranwagen, „wenn ich sicher bin, dass eine Promotour wieder machbar ist“.

Zum Glück, sagt sie, gibt es neben dem Künstlerdasein noch die Management-Agentur. Mit deren Entwicklung ist Acarina sehr zufrieden. Drei Kollegen betreut sie intensiv und hilft ihnen, „eine Marke zu finden und zu definieren“. Damit entsteht ein Wiedererkennungswert. Denn in der Masse von talentierten Musikern, die alle groß rauskommen wollen, „kann eine Flut von Infos auch ein Nachteil sein“.

Viele machen den Fehler, weiß sie, alles probieren zu wollen, was zu einem großen Mischmasch führt. „Der wird nicht wahrgenommen“, betont die Managerin. Es geht ihren Worten zufolge darum, der angepeilten Zielgruppe gerecht zu werden. So muss etwa ein Musiker mit der Zielgruppe Ü50 wie Sanny „in die Illustrierten“, nicht in Social Media. Andere, wie etwa Julia Raich mit ihrem modernen Schlager, können viel auf Instagram machen und jeden Tag mehrfach posten. Es geht darum, erläutert sie, „für jeden Künstler das Richtige zu finden“.

Musikalisch, hat sie festgestellt, „ging noch nie mehr“. Das Studio ihres Mannes Mike van Summeren ist gebucht ohne Ende. Die Leute, denkt Acarina, „haben jetzt Zeit, Songs und Videos zu produzieren“. Sie widmen sich der Musik aktuell so, wie sie es eigentlich gern möchten, aber in normalen Zeiten nicht dazu kommen. Die Frage ist allerdings: „Wie lange hält das an?“ Denn der Markt ist ihrer Beobachtung nach übersättigt.

In ihrem Online-Schlagermagazin könnte sie jeden Tag fünf Postings machen, schildert die Schlagerfrau. „Man kriegt gar nicht mehr mit, wer was macht.“ Acarina geht davon aus, dass sich diejenigen durchsetzen werden, „die es mit Nachdruck angehen“ und auch am Ball bleiben. Bekanntere Künstler sind gesetzt, bei den kleinen „gibt es ein Hauen und Stechen“.

Man muss am Ball bleiben, um den Durchbruch zu schaffen. Es gilt, erzählt sie, die richtigen Leute zu bemustern, nachzuhaken, penetrant zu sein, damit ein Song eines betreuten Künstlers auch gespielt wird. Mit etwas Glück funktioniert es dann. So war es „wie Ostern und Weihnachten zusammen“, Julia Reich bei „Guten Morgen Österreich“ zu platzieren.

Acarinas Zielrichtung ist das Fernsehen: „Die audiovisuelle Welt ist viel Wert“, betont sie. Die Managerin hat festgestellt: „Beim Fernsehen interessieren die Live-Auftritte als Referenz nicht.“ Vielmehr geht es hier um die Story. „Das Rundherum muss passen.“ Beim Radio zählt das Stück, und nicht das, was ein Künstler sonst schon so gemacht hat. Umgekehrt aber schon. „Mit TV- oder Radio-Auftritten lässt sich wuchern“, freut sie sich.  

Das bringt auch etwas für die Zukunft. Was sich die betreuten Musiker derzeit ohne Live-Auftritte erarbeiten, „ist super“. Es müssen aber auch Künstler sein, erzählt sie, „die mitziehen und sich reinhängen“. Wie bei Julia Raich, die Acarina seit eineinhalb Jahren betreut. Mit ihr hat sich eine „intensive Zusammenarbeit“ entwickelt.

Aktuell können sich die beiden Oberzenter vor Anfragen nicht mehr retten. „Es kommen ständig Leute aus Deutschland oder Österreich auf uns zu“, erklärt sie. Quasi „aus dem Nichts“. Mit Veröffentlichungen ist das Studio deshalb auch absolut ausgelastet. Acarina hat es sich zur Maxime gemacht, nur einen Titel pro Woche freitags zu promoten. Denn um das professionell angehen zu wollen, braucht es viel Zeit. Dazu plant sie noch ihre eigene Fernsehsendung „Mein Schlagerstar – Künstler hautnah“.

„Die Gesellschaft braucht Musik“

Breuberg. „Eine ganze Branche leidet, darunter Künstler, Firmen, Veranstalter“, sagt Pierre Hallstein über die Kulturszene. Tausende Menschen fiebern dem Ende der Corona-Auflagen entgegen, weiß er. „Denn es sind viele Existenzen in Gefahr“ – wenn es nicht schon zu spät ist. Der Sandbacher will ein Zeichen setzen und veranstaltet vom bis 30. Juli den Breuberger Open-Air-Kultursommer an sechs Terminen.

Kurzerhand hat er die Event-Reihe in fünf Tagen Organisationsarbeit allein auf die Beine gestellt. Dazu hat sich der 20-Jährige regionale Sponsoren mit ins Boot geholt, etwa Treffpunkt Thierolf und Malermeister Christian Schmauß. Die Firmen Getränke Menges und Radeberger unterstützen ihn mit Ausschank-Equipment. Hallstein kann seine Veranstaltungen auch deshalb durchziehen, „weil die Künstler Lust haben und keine volle Gage nehmen“, zeigt er sich dankbar.

Start war am Samstag, 19. Juni, um 18.30 Uhr auf der Terrasse der Heinrich-Böhm-Halle in der Schwimmbadstraße. Dann legten dort DJ King One und DJ NK auf. Bis zu 90 Personen dürfen rein. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, meint Hallstein deshalb. Es gibt in der Folge abwechslungsreiche Events unter Einhaltung aller aktuellen Maßnahmen, betont er. Immer eine Woche im Vorfeld startet der Kartenverkauf.

DJs sowie Live-Musik mit Künstlern aus Erfurt, Mannheim, Mörfelden, Groß-Umstadt und dem Odenwald verspricht der 20-Jährige. Donnerstags soll es zusätzlich auch After-Work-Abende geben. Start ist hier am 24. Juni, 18 Uhr, mit DJ Mixed und DJ Fabio Tartler aus dem Odenwald sowie DJ Zvone aus Mörfelden. Veranstalter des Ganzen ist Hallsteins Firma PHA_Events. Alle Infos zu den einzelnen Abenden gibt es jeweils zeitnah auf der Instagram- und Facebook-Seite.  

„Die Gesellschaft braucht Musik“, nennt der Veranstaltungsmacher als Grund für sein Engagement. „In diesen Zeiten ist jeder Schritt zurück zur Normalität einer in die richtige Richtung“, hebt er hervor. „Es muss mit solchen Schritten gezeigt werden, dass Veranstaltungen machbar sind.“ Das, so seine Überzeugung, „schadet niemandem, sondern tut gut“.  

Pierre Hallstein weiß, wovon er redet: Mit den „Galaxy Beats“ hatte er vor eineinhalb Jahren gerade seine erste richtig große Veranstaltung mit seiner neu gegründeten Firma über die Bühne gebracht, da schlug Corona zu. Neben seiner Ausbildung als Fachkraft für Veranstaltungstechnik hatte der 20-Jährige parallel „PHA_Events“ gegründet und wollte voll durchstarten.

Das verzögert sich nun, aber die „Galaxy Beats“ gab es jetzt bereits wieder – als Stream. Hallstein zeigt sich zufrieden mit der Online-Variante seines Veranstaltungskinds. Mehrere der beteiligten DJs streamten auch selbst. Der Sandbacher nimmt an, dass bei jeden Durchgang im Schnitt um die 100 bis 150 Fans vor dem Computer oder per Smartphone zuschauten.

Die Odenwälder Fahnen hielten dabei „King One“ aus Höchst und Nico Klein aus Erbach mit Mainstream hoch. Ebenfalls dieser Richtung widmeten sich die DJs Nilson und Peru aus Höchst und Brombachtal. Live sollen die Beats wieder in diesem Oktober wummern, hofft Hallstein. Die neue Homepage galaxybeats.de, gestaltet von Hesteig Solutions, ist bereits online. Über sie wird dann auch der Ticketverkauf für den Herbst laufen.

Mehr Infos unter www.facebook.com/PHAEvents oder www.instagram.com/pha_events_official/

„Stried Markt“ statt Pferdemarkt

Beerfelden. „Machen, was machbar ist“: Unter dem Motto planen die Verantwortlichen der Stadt Oberzent verschiedene Veranstaltungen, die in den Sommermonaten für Abwechslung sorgen sollen. Der „Event-Sommer Oberzent“ bietet einige Highlights, die nach dem derzeitigen Stand coronakonform durchführbar sind, teilt die Verwaltung mit. Denn der Beerfelder Pferde-, Fohlen- und Zuchtviehmarkt, „wie ihn alle kennen und lieben“, kann auch in diesem Jahr leider nicht durchgeführt werden, bedauert Bürgermeister Christian Kehrer.

„Wir haben so lange wie möglich mit der Entscheidung gewartet“, erklärt er. Und sich die Absage nicht leicht gemacht. Allerdings ist sie seinen Worten zufolge aufgrund der aktuellen Situation unumgänglich. Denn der Pferdemarkt hat eine lange Vorlaufzeit, es sind viele Vorkehrungen zu treffen. „Das können wir nicht kurzfristig aus dem Boden stampfen.“ Die jetzt geplanten Veranstaltungen „sind auf jeden Fall umsetzbar“.

Die Eventreihe beginnt am 4. Juli mit dem Rad- und Inlinertag. Die etwa acht Kilometer lange Strecke auf der L 3410 zwischen Beerfelden und Rothenberg wird an diesem Sonntag für alle motorisierten Fahrzeuge gesperrt sein und bietet somit den Rad- und Inlinerfahrern freie Fahrt. In diesem Jahr muss die Tour allerdings – Corona-Vorgaben – ohne Verpflegung durch die Vereine auskommen, „dafür aber mit viel Fahrspaß für alle“, erhofft sich das Stadtoberhaupt. Sollte sich eine kurzfristige Bewirtungs-Alternative ergeben, wird diese geprüft.

An den beiden Wochenenden vom 9. bis 12. Juli und vom 16. bis 18. Juli ist ein „Stried Markt“ geplant. Der etwas andere Wochenmarkt mit vielen bekannten Markthändlern des Beerfeldener Pferdemarkts wird eine große Auswahl an Waren bieten, kündigt der Bürgermeister an. „Wir hoffen auf 20 Stände“, gibt er eine Zielrichtung vor. Der normale Wochenmarkt an den Freitagnachmittagen vor der evangelischen Kirche wird an diesen Tagen in die Stried umziehen.

Die Verwaltung prüft noch, ob einem separaten Marktbereich Essen und Trinken angeboten werden kann, mit der Möglichkeit, es dann auch gleich zu verköstigen. Kehrer weiß sich mit den Bürgern in dem Bedauern einig, dass der Pferdemarkt schon im zweiten Jahr in Folge ausfallen muss, sieht aber aufgrund der aktuellen Pandemielage keine Chancen auf eine Verwirklichung im bisherigen Umfang.

Ein weiteres Highlight im Rahmen des „Event-Sommers Oberzent“ wird die Aufführung „Varieté unterwegs“ am Samstag, 10. Juli, sein, sagt er. Mit dem Trapez im Gepäck und der Leidenschaft zur Akrobatik verstecken sich hinter diesem Begriff internationale Topartisten, die unter freiem Himmel ein „Theater der akrobatischen und artistischen Kunst“ aufführen. In Kombination mit Comedy und Live-Musik wird dies zu einer ganz besonderen Darbietung, blickt Kehrer voraus.

Die Organisation der Veranstaltung „Varieté unterwegs“ geschieht in Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung Oberzent und dem Kulturbeauftragten Stefan Rosewick. Für den 24. und den 31. Juli stehen zwei Autokino-Veranstaltungen auf dem Programm, kündigt der Rathauschef an. In Zusammenarbeit mit den Erbacher Lichtspielen ist an beiden Tagen jeweils eine Abendvorstellung geplant.                            tom

Info: Nähere Informationen zu allen Veranstaltungen gibt es in nächster Zeit auf der Homepage der Stadt Oberzent unter www.stadt-obezent.de.

„Alte Pumpe“ bekommt Hochglanz-Werbung

Rothenberg. Hochglanz-Werbung für die „Alte Pumpe“ mit ihrem Schmid’schen Wassermotor: Auf fünf Seiten widmet sich die Zeitschrift „Oldtimer Traktor“ diesem Wunderwerk der Technik aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Autor Dirk Köster zeichnet ein ausführliches Bild der faszinierenden Technik. Zusammen mit Bildern dieses Zeugnisses früherer Ingenieurkunst lässt er auch den Vorsitzenden des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVR), Thomas Wilcke, und Philipp Foshag zu Wort kommen.

Letzterer, erst 18-Jahre alt, engagiert sich schon seit vier Jahren beim VVR. Denn das Thema liegt ihm im Blut: Seine Vorfahren waren die Wassermeister, die sich um das Wohlergehen der damals im Gammelsbachtal befindlichen Förderanlage kümmerten. „Mich fasziniert, was vor weit über 100 Jahren technisch schon möglich war“, sagt Thomas Wilcke. Außerdem hat das Bauwerk „einen ganz besonderen Wert“, da es heutzutage einzigartig und Relikt einer vergangenen Zeit ist.

In den Jahrzehnten und Jahrhunderten vor Inbetriebnahme 1902 „herrschte oft Wasserknappheit“, weiß er. Denn durch den Sandstein-Untergrund versickerte das kühle Nass sehr schnell. Auch Tiefbrunnen konnten die Misere nicht lösen. Ab dem 19. Jahrhundert wurden Stollen in den Felsen getrieben, um des Lebenselixiers habhaft zu werden. Im Unterdorf auf 400 Meter Höhe „ging das auch recht gut“, erzählt Wilcke. Dort zeugt noch der Laufbrunnen (Benzbrunnen) mit seinen vier Trögen vom Erfolg.

Fürs Oberdorf mit bis zu 500 Höhenmetern mussten da schwere, technische Geschütze ran. Dafür blickte man sogar über den Berg ins Gammelsbachtal. Die dortige ergiebige Quelle liegt auf 250 Metern Höhe. Damit stellte sich die Frage, wie das begehrte Nass noch einmal die gleiche Anzahl an Höhenmetern mit den Mitteln der damaligen Zeit nach oben transportiert werden könnte. Elektrizität stand auch zur Diskussion. Die Lösung fand sich im Schweizer Schmid’schen Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe.

Zupass kam den damaligen Ingenieuren, dass es auf etwa 250 Meter in beiden Tälern Tonschichten gibt, auf denen sich das Wasser sammelte. „40 Meter unterhalb der Quelle wurde der ‚Große Brunnen‘ im Gammelsbachtal gefasst“, so Wilcke. Die durch das Gefälle erzeugten vier Bar Wasserdruck reichten, um damit das Wasser fast 300 Meter zum Rothenberger Hochbehälter pumpen zu können.

Die Wartung der Pumpen war durch den extrem hohen Druck von 20 Bar an den Ventilen laut Wilcke aber sehr arbeitsintensiv. „Es musste immer jemand darauf aufpassen.“ Die Lederdichtungen unterlagen einem hohen Verschleiß. Deshalb wurde schon 1904 ein baugleicher Motor installiert, um die Gerätschaften wechselweise in Betrieb zu nehmen und bei Wartung die Versorgung sicherzustellen. „Dieser Wassermotor ist ein Unikat. Den gibt es nur noch ein weiteres Mal in Deutschland“, betont er.

Ähnlich einer Dampfmaschine drückt das Wasser beim Schmid’schen Wassermotor auf die Kolben der zweizylindrigen Maschinen. Die Kolbenstangen übertragen die Bewegung und die Kraft auf die Kurbelwelle. Auf der einen Seite sitzt das Schwungrad, auf der anderen Seite die Kupplung, die Motor und Pumpe miteinander verbindet.

So war es auf diese Weise endlich möglich, zuerst für Rothenberg und dann auch für Kortelshütte sowie Ober-Hainbrunn eine gesicherte öffentliche Wasserversorgung herzustellen, die in dieser Form bis in die 1960er Jahre Bestand hatte. Denn Beschwerden über die vorherige „unhaltbare Situation“ kamen Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Großherzoglichen Regierung in Darmstadt zu Ohren. Dort, erläutert der Vereinsvorsitzende, wurde eine Art „Konjunkturprogramm“ aufgelegt, um auch die abgelegenen Odenwald-Gemeinden ans öffentliche Wassernetz anzuschließen.

Nach dem Ausbau von Wassermotor und Pumpe aus dem alten Pumpenhaus im Tal des Clemensbrunnens erfolgte Ende der 1990er Jahre die aufwändige Restaurierung durch den Verein Museumsstraße Bergstraße-Odenwald. Auch die Mitglieder des VVR packten an. Da das alte Pumpenhaus im Gammelsbachtal recht unzugänglich liegt, entschloss man sich laut Wilcke, an verkehrsgünstiger Stelle der L 3410 unterhalb des Hömerichbrunnens ein neues Ausstellungsgebäude zu errichten und die Anlage darin funktionsfähig zu installieren.

Info: Eine Besichtigung ist nach Anmeldung unter E-Mail pumpe@vvrrothenberg.de oder über die Stadt Oberzent, Telefon 06068/7590920, möglich. Mehr über die Zeitschrift und den Artikel unter http://www.oldtimer-markt.de/zeitschriften/Oldtimer-Traktor-6-2021.