Neuer Stadtpolizist in Oberzent ist „zu“ gewissenhaft bei der Sache

Der neue Stadtpolizist sorgt für Aufregung. Er macht seine Arbeit „zu gut“. 60 Knöllchen hat er seit Amtsantritt Anfang Januar bereits verteilt. Das schmeckt vielen nicht, die schon immer an der gleichen Stelle parkten und ein gewisses Gewohnheitsrecht für sich beanspruchen. „So etwas gibt es nicht“, betonte Bürgermeister Christian Kehrer in der vergangenen Stadtverordneten-Versammlung. Angesprochen wurde der Bürgerunmut von Frank Leutz (FDP). Betroffen sind unter anderem die Parkplätze in der Stadtmitte, bisher auf zwei Stunden befristet.

Leutz regte an, doch zur Befriedung der Lage über Anwohnerparkplätze nachzudenken. Was die Verwaltung bereits tut, verdeutlichte Kehrer. Er machte aber auch klar: „Der Stadtpolizist ist im Recht.“ Das Parken an bestimmten Stellen oder länger als zwei Stunden „war schon immer verboten, es wurde nur nicht kontrolliert“. Er erwähnte, dass in der Regel eine gewisse Anzahl von Stellplätzen pro Haus Vorschrift sei. Außerdem: Wenn es viele Nachfragen für Anwohnerparkausweise gibt, „macht die bisherige befristete Regelung keinen Sinn mehr“.

Nach Kenntnis von Leutz gibt es einen besonders hartnäckigen Falschparker, der bis jetzt 15 Strafzettel gesammelt habe „und auf keinen Fall zahlen will“. Er forderte zum Handeln auf, „bevor sich das hochschaukelt“. Walter Gerbig (CDU) wies darauf hin, dass man mit der Ausweisung von Kurzzeitplätzen vermeiden wollte, „dass dauerhaft geparkt wird“. Wenn immer alles zugestellt sei, „kommen die Leute nicht mehr zu den Geschäften“.

100.000 Euro Schaden verursachte der ausgebrannte Verteilerkasten im Kindergarten Rothenberg, teilte Kehrer den Mandatsträgern mit. Drei Monate sind für die Sanierungsmaßnahmen veranschlagt. Die Kinder, derzeit in der Sporthalle untergebracht, „sind happy in ihrem neuen Reich“, wusste das Stadtoberhaupt. Inzwischen fand auch eine Untersuchung durch einen Gutachter statt. Demnach besteht keine Gefahr bei einer weiteren Nutzung, sofern zuvor eine gründliche Reinigung durch eine Fachfirma stattgefunden habe.

Der Schaden „wird von der Versicherung getragen“, erläuterte der Bürgermeister. Allerdings gibt es eine Forderung: „Für alle öffentlichen Gebäude muss es einen Elektrocheck geben.“ Den hat er bereits in Auftrag gegeben. Denn sonst könnte es Probleme geben, wenn noch einmal die Elektrik aufmucken sollte und einen Brand verursacht.

342: So viele Aufgaben stehen auf der städtischen To-do-Liste, die seit dem Amtsantritt von Kehrer Mitte des vergangenen Jahres zusammengetragen wurde. Der Versuch, sie zu erledigen, „fällt uns sehr schwer“, gab er offen zu. Punktuell werde man „vor eine große Herausforderung gestellt“. Denn neben dem kleinen Schlagloch finden sich zahlreiche „große“ Themen darauf.

Wie etwa der Motorradlärm und die Raser auf zwei Rädern, die im Sommerhalbjahr die Straßen auf der Gemarkung heimsuchen. Es gab laut Kehrer bereits eine erste Sitzung mit der Polizei und anderen Behörden. Im April soll eine Auftaktveranstaltung stattfinden, um alle Beteiligten zu sensibilisieren und die gewünschte Öffentlichkeitswirkung zu erzielen.

Thema Gesundheitsversorgungszentrum und kein Ende. Horst Kowarsch (Grüne) fragte nach dem Stand der Dinge. Dem Rathauschef zufolge soll der Komplex im Rahmen der Haushaltsklausur Mitte des Monats ausführlich diskutiert werden. „Die Situation ist nicht zufriedenstellend“, betonte er. Es gebe verschiedene Lösungsansätze. „Wir müssen jetzt entscheiden, wohin die Reise geht“, sah Kehrer dringenden Handlungsbedarf.

Keine gute Nachrichten hatte der Bürgermeister in Bezug auf die Pappeln im Wäldchen neben dem Friedhof. „Die sind kaputt und müssen gefällt werden“, teilte er mit. Beim vergangenen Sturm fiel bereits ein Baum um und richtete Sachschaden an. Die Maßnahme werde in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde vorgenommen. Bei den Pappeln handelt es sich seinen Worten zufolge um standortfremde Hölzer. Sie sollen durch einheimische Arten ersetzt werden.

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Weiter keine Einigung im Tarifstreit bei Meto

Auf der Betriebsversammlung von Meto in Hirschhorn, einem führenden Hersteller von Preisauszeichnungsprodukten, gab es nur ein Thema: Der seit knapp zwei Jahren anhaltende Tarifstreit zwischen dem Arbeitgeber und der Gewerkschaft IG Metall. Der Betrieb war laut Mitteilung der Gewerkschaft 2017 in die sogenannte OT-Mitgliedschaft (ohne Tarifbindung) des Arbeitgeberverbandes gewechselt. Betroffen sind etwa 140 Arbeitskräfte.

„Mit dieser Tarifflucht versucht sich Meto seiner tariflichen Verpflichtungen gegenüber den Arbeitnehmern zu entledigen“, so Jochen Homburg, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Darmstadt in seiner Nachricht. Auf der Betriebsversammlung ließ zunächst Betriebsratsvorsitzender Gernot Walter die verschiedenen Einigungsversuche der vergangenen beiden Jahre mit den gemachten Vorschlägen zur Lösung des Konfliktes Revue passieren. Mit jedem dieser Vorschläge „versuchte die Geschäftsleitung einen finanziellen Beitrag der Mitarbeiter zu bekommen“ sagte Walter. Als Grund werde die Sanierung des Betriebs genannt.

Danach erläuterte Homburg den Vorschlag eines Sanierungstarifvertrags von Gewerkschaft und Betriebsrat. Dieser hätte bei gleichzeitiger Zusage einer Standortgarantie und eines Kündigungsschutzes für die Laufzeit des Tarifvertrags den teilweisen Verzicht auf tarifliche Rechte bedeutet. „Dieser Sanierungstarifvertrag wurde von der Geschäftsleitung zurückgewiesen und insbesondere der Kündigungsschutz für alle Abteilungen abgelehnt“, bedauerte er.

Die Geschäftsleitung blieb laut IG Metall der Veranstaltung trotz vorheriger Zusage fern. „Sie entzog sich damit der Diskussion mit der Belegschaft“, so die Gewerkschafter. Walter und Homburg stellten auf der Versammlung noch einmal klar, dass die Herausnahme eines Belegschaftsteils aus dem Kündigungsschutz inakzeptabel sei. Aufgrund der fehlenden Stellungnahme der Geschäftsleitung zu diesem Thema wurde die Versammlung nicht beendet, sondern nur unterbrochen, teilte die IG Metall mit.

Oberzent-Hallenbad ist jeden ersten Sonntag im Monat für alle offen

Es darf geplantscht werden: Jeden ersten Sonntag im Monat ist zukünftig das Hallenbad der Oberzent-Schule für die Öffentlichkeit zugänglich. Zwischen 10 und 13 Uhr kommen alle Wasserratten auf ihre Kosten. Beim jetzigen Start wurde deutlich, dass dieses Angebot noch etwas besser publik gemacht werden muss. Denn eigentlich war es ein oft geäußerter Wunsch aus der Bevölkerung, dass nicht nur Schulen oder Vereine dort baden dürfen, sondern alle schwimmfreudigen Bürger. Übrigens nicht nur aus Oberzent, jeder ist willkommen.

„Es gab immer wieder Anfragen, das Bad für die Allgemeinheit zu öffnen“, bestätigt Oberzent-Schulleiter Bernd Siefert. Bisher wird das Becken auch von den Grundschulen der neuen Stadt, der Eugen-Bachmann-Schule Wald-Michelbach sowie verschiedenen Gruppen genutzt. Über die Stadtverwaltung regelte man die dreistündige Öffnungszeit, so Siefert. „Mitglieder der Sportfachschaft übernehmen wechselnd die Aufsicht“, erläutert er. Die müssen dann einen Rettungsschwimmschein vorweisen.

„Wir schauen, wie es sich entwickelt“, kündigt Bernd Siefert an. Geplant ist vorerst der erste Sonntag im Monat, jedoch außerhalb der hessischen Ferienzeiten. Der Eintritt kostet zwei Euro, Kinder bis 14 Jahre sind frei. Dem Schulleiter geht es darum, einen Anreiz zum Schwimm-Besuch in einer Zeit zu schaffen, wenn immer weniger Kinder schwimmen können. Durch den Hubboden kann die Wassertiefe bis zu 1,80 Meter variiert werden. „Das ist ideal, um Schwimmen zu lernen“, betont er.

Für Fortgeschrittene wird der Boden herabgelassen, sodass sie in Ruhe ihre Bahnen ziehen können. Für Nichtschwimmer wird er angehoben, so dass niemand Angst vor dem Ertrinken haben muss. Diese Konstruktionsart unterstützt auch die Energiebilanz der Bäder, weil man unter anderem die Luftfeuchtigkeit kontrollieren kann.

Nicolas, Clara und Sascha mit ihrem Vater Dirk Boyens aus Beerfelden konnten kaum genug bekommen und wollten sogar länger bleiben. Kein Wunder bei karibischen Wassertemperaturen von 29 Grad, während draußen noch der Schnee lag. Auch Vivien mit ihrem Dad aus Rothenberg nutzte gerne das Angebot. Als Siefert gerade dabei war, den Hubboden hochzufahren, kam Daniel Pracht aus Falken-Gesäß noch vorbei und „bewaffnete“ sich mit Schwimmnudel und Luftmatratze. Auch Bälle und Tauchringe stehen zur Verfügung.

Der Odenwaldkreis ließ sich vor vier Jahren den Neubau des Hallenbads eine erkleckliche Summe kosten. Insgesamt wurden 2,3 Millionen Euro investiert, 650.000 Euro davon steuerte das Land bei. Das alte, aus den Anfangsjahren der Oberzent-Schule in den 1970er Jahren stammende Bad war in einem solch schlechten – auch technischen – Zustand, dass der Kreis von einer Sanierung absah. Der Neubau entstand an genau der gleichen Stelle mit denselben Beckenmaßen: acht Mal 16,67 Meter. Damit ergeben drei Bahnen genau die Länge einer Wettkampfbahn von 50 Meter.

Neu gebaut wurden Umkleiden und Duschen für Damen und Herren sowie Menschen mit Behinderung. Der Zugang zum Becken selbst ist barrierefrei möglich. Die Biomasseheizanlage stellt die Versorgung der Schwimmhalle, der Sporthalle, der Mensa sowie weiteren Teilen des Schulgebäudes sicher. Eine moderne Lüftungsanlage sorgt trotz hoher Luftfeuchtigkeit problemlos für eine gute Luftzirkulation. Ein Großteil der Arbeiten (über 80 Prozent) wurde damals von im Odenwald ansässigen Firmen ausgeführt.

Info: Das Hallenbad in der Oberzent-Schule ist wieder an den Sonntagen 3. März, 7. April und 5. Mai geöffnet, jeweils von 10 bis 13 Uhr. Eintrittspreis für alle ab 14 Jahren: zwei Euro.

Zum Irish Folk gibt’s in Erbach auch Irish Food

Irish Folk zieht immer. Egal ob es jetzt die „Dance Masters“ sind, die vor kurzem in der Werner-Borchers-Halle zu Gast waren, das irische Feuermärchen in Bad König oder das Trio „Woodwind & Steel“ im großen Saal des Brauhauses: Wenn Folklore von der Grünen Insel drauf steht, kommen die Leute in Scharen. Kein Wunder also, dass die Stühle bis auf den letzten Platz besetzt waren und es ziemlich eng zuging. Zwei Stunden lang entführten die Drei nicht nur mit Musik, sondern auch mit einigen Geschichten nach Irland.

Damit’s dabei ebenfalls im Magen irisch zuging, hatte das Brauhaus-Team einige Spezialitäten mit ins Menü aufgenommen. Das fing an beim Guinness vom Fass für die Unterfütterung. Danach wurde es deftiger mit einem „Beef Stew“ – die originalgetreue Lamm-Variante mit Karotten, weißen Bohnen und Fenchel wollte man wohl den deutschen Mägen nicht zumuten. Immerhin: Das Lamm gab’s dann in Form eines Linseneintopfs mit grünen Bohnen. Unverfänglich: die Sodabread-Rolls mit Räucherlachs und Kressebutter.

Ann und Ed O’Casey sowie Alex Vallon gingen zu Beginn gleich in die Vollen. Mit dem Tanz „Irish Rover“ hatten die Musiker das richtige Stück gewählt, um die Menge zum Mitklatschen zu bewegen. Für ein Tänzchen, wie von Ed gewünscht, war es vielleicht noch ein wenig früh. Gitarre, Mandoline, Querflöte, Tin Whistle und Rahmentrommel lieferten sich in den Songs einen spannenden Wettstreit. Aber irgendwie fehlt der letzte Kick, die letzte Leidenschaft, um richtig authentisch zu wirken. Die Band ist sehr professionell, aber das ist vielleicht auch genau der Punkt.

„As I roved out“, auch schon von Loreena McKennitt gesungen, startete die Reise vom Brauhaus in den Südwesten Irland. Denn der Song handelt davon, Spaß zu haben, auszugehen, neue Leute kennenzulernen. Blarney Castle bei Cork ist bekannt für seinen Stein, der Sprachgewandtheit verleihen soll. Der muss allerdings unter allerlei Verrenkungen geküsst werden, was Anlass für eine etwas langatmige Theatereinlage gab.

Fazit von Ed: Angesichts der Massen, die den Stein küssen, am besten früh morgens nach einer regnerischen Nacht vorbeikommen, um allerlei ansteckenden Krankheiten zu entgehen. Was wäre die Band ohne Flötistin Ann O’Casey, die trotz des irisch klingenden Namens verdächtig gut Deutsch spricht. Außer den roten Haaren ist nicht viel von der Grünen Insel an ihr zu finden. Die Stücke werden ganz klar von ihrer Fingerfertigkeit auf fünf verschiedenen Instrumenten getragen. Sie gibt quasi bei Woodwind & Steel musikalisch den Ton an.

Ed O’Casey ist mit Gitarre, Bodhran und Gesang vielfältig im Einsatz und spiel den Animateur mit Bravour. Mal schmeichelnd, mal fordernd umgarnt er das Publikum, gibt dem Affen Zucker und sich selbst als den Klischee-Iren. Batschkapp, verschmitztes Grinsen, weißes Hemd, Hosenträger und ausgebleichte Jeans, dazu noch irische Gesichtszüge, wie man sie sich vorstellt, und ein englisch angehauchtes Deutsch, von dem nicht ganz klar wird, ob es Show ist oder echt: Der Mann versteht seinen Job, die Zuschauer bei Laune zu halten.

Gelächter für die verschiedenen plastischen Schilderungen des Stein-Küssens und viel Beifall für seine Musik belohnt das Trio. Die Lieder sind teilweise eher sparsam instrumentalisiert. Flöte und Gesang, Querflöte und Gitarre stehen für die Balladen, während dann die Tin Whistle gepaart mit der Rahmentrommel einen flotten Jig einläutet. Gitarrist Alex Vallon mit Babyface ist dabei eher der ruhige der Truppe. Er lässt, klassisch mit Sakko und Hemd gekleidet, sein Instrument sprechen und kann zwischendurch virtuos seine Kunst auf den sechs Saiten beweisen.

Pub und Kirche prägten die irische Geschichte. Viele der Auseinandersetzungen in der Vergangenheit hatten kirchliche, religiöse Hintergründe. Die Iren suchten einen Ausgleich für ihr hartes Leben, für ihre zahlreichen Konflikte, für die bittere Not nach Missernten, Kartoffelfäule, Pest, Not oder Auswanderung als letztes Mittel um zu überleben.

An der Außenseite des oberen Wehrgangs des Bergfrieds von Blarney Castle befindet sich der Stein der Sprachgewandtheit (englisch: Stone of Eloquence), angeblich die Hälfte des Steins von Scone, den Kreuzritter aus dem Heiligen Land mitbrachten und auf dem die schottischen Könige fortan gekrönt wurden. Cormac McCarthy erhielt ihn 1314 von Robert the Bruce für seine treuen Dienste in der Schlacht von Bannockburn. Der Legende nach erlangt derjenige, der den Blarney-Stein küsst, die Gabe des freien Sprechens. Für Iren und Briten ist der Begriff Blarney im Alltag somit gleichbedeutend mit hohlen Floskeln oder unüberlegtem Gerede. Das umgangssprachliche „Blabla“  im Deutschen beruht jedoch nicht auf dem Wort Blarney.

Heile Welt bei Narrhallas Narren in Ober-Hainbrunn

Im Odenwald ist die Welt halt noch in Ordnung. „Es kracht und brummt in aller Welt, die Narrhalla stets zusammen hält“, lautet das Motto der diesjährigen Kampagne, zu der die Fastnachter aus dem Finkenbachtal einluden. Unter der Regie der beiden Sitzungspräsidenten Jochen Sauter und Alexander Friedrich sowie den närrischen Augen des Elferrats ging es in der SV-Sporthalle heiß her, auch wenn es einem draußen nahe am Gefrierpunkt fröstelte.

Die Narrhalla bewies wieder einmal, mit welchem Potenzial das kleine Odenwalddorf gesegnet ist. Die Jüngste bei der Minischautanzgruppe war gerade einmal zweieinhalb Jahre alt, die Ältesten standen schon vor 35 Jahren in der Bütt und haben die 70 bereits überschritten. Wie Seppel Denner sind sie sich aber immer noch für nichts zu schade. Nur mit einer Pumphose bekleidet, blendete dieser bei seiner Eunuchen-Bütt mit freiem Oberkörper das schöne Geschlecht.

Ein Selbstläufer ist bei jeder Prunksitzung Ralph Volk als „Schakeline“. Die ersten Lacher gibt es schon, wenn er in hautengem roten Kleid mit hohen Stöckelschuhen über die Bühne stakst, dazu voll geschminkt die eigene geschwundene Haarpracht mit wallender Perücke kaschiert, die Achseln vielleicht mal wieder heißwachsen sollte. Dabei teilt er/sie kräftig nach allen Seiten aus und erzeugt immer wieder begeisterten Applaus bei den Gästen.

Fünf Stunden lang prunkte sich die Narrhalla durch den Abend. Als dann nach Mitternacht das schweißtreibende Programm schloss, bedeutete das noch lange nicht das Ende. Bis in den frühen Morgen feierten die Narren unermüdlich weiter, immer die eigene Hymne auf Hainbrunn auf den Lippen. Das komplette Programm wurde mit einheimischen Kräften gestemmt, die dann oftmals in drei oder vier Rollen glänzten oder die Tanzbeine schwangen. 150 Aktive stehen bei den drei Prunksitzungen auf der Bühne. Zusammen mit den 40 Helfern kommt so schon fast halb Hainbrunn zusammen.

Mehr als 250 Zuschauer zählen die Fastnachter pro ausverkaufter Prunksitzung – an den drei Terminen plus Generalprobe sind so an die 1000 Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung zu Besuch. Auf sie wartet ein buntes Programm mit Garden, Tänzen, Sketchen und Büttenreden. Dieses Mal waren alle drei Termine innerhalb von vier Worten ausverkauft – ein Novum in der 35-jährigen Sitzungsgeschichte.

Nach dem Einzug von Elferrat und Garden ergriff Narrhalla-Präsident Frank Flachs das Wort und begrüßte die Gäste. Alexander Friedrich und Jochen Sauter als Sitzungspräsidenten führen ironisch, scharfzüngig und aufschlussreich durch die Sitzung mit ihren 23 Programmpunkten. Einen „Hardrock-Karneval“ vom Himmelreich bis ins Wiesental feierten die Bembelsänger, natürlich mit Langhaarperücken, ausschweifend tätowiert, spannenden weißen T-Shirts über dem Waschbärbauch und stilecht in Lederjacken.

Anna Lähn als 90er-Kind las den „Nullern“ die Leviten. „Die räumen nur noch auf, wenn kein WLAN mehr durchkommt“, meinte sie. Und wehe, wenn sie Auto fahren. Früher, sagte sie wehmütig, „war Oma das Wikipedia und die großen Geschwister die Firewall“. Karl-Heinz Werner als „Herr Kall“ ist ein Urgestein. Aber ohne seine Frau wäre er nichts – und seine Bütt unvollständig. „Der hab ich zu Weihnachten einen Hula-Hoop-Reifen geschenkt“, erzählte er. „Passt“, kommt es trocken hinterher.

Mit der Rothenberger Theatergruppe feierten sie im Spätjahr schon einen Riesen-Erfolg mit der neuen Aufführung: Dominik Seip und Tanja Schmidt als Jupp und Trudi. Ein prächtiges Proll-Pärchen, das die Bude aufmischte. Immer auf der Suche nach den schlechtesten Seiten beim Partner. Mit Erfolg.

„Another one bites the dust“, „We will rock you“, „Bohemian Rhapsody“ oder „Don’t stop me now”: Die Crazy Girls sind ein königlicher Augenschmaus. Jochen Roland gibt den Freddie Mercury, während die Gruppe zu den schönsten Queen-Songs über die Bühne wirbelt. Dann en Schlager-Medley als krönender Abschluss: Die „Söhne Hainbrunns“ läuten das große Finale ein.

Mitwirkende: Mini-Schautanzgruppe, Dancing Starlets, Seppel Denner, Next Generation, Jörg Heckmann, Happy Feet, Ralph Volk, Paula Manschitz, Jungspatzen, Rhythm Attack/Biergorgler, Bembelsänger, No Limits, Anna Lähn, Tanzpaar Amelie und Lara, Karl-Heinz Werner, Tanzfieber, Dominik Seip und Tanja Schmidt, SV-Funken, Crazy Girls, Söhne Hainbrunns

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2019/02/05/heile-welt-bei-narrhallas-narren-in-ober-hainbrunn/

Posted by Neckartal-Nachrichten on Tuesday, February 5, 2019

Rothenberger Kirche soll wieder wie früher aussehen

Langmut ist Reinhold Hoffmann als evangelischem Pfarrer nicht unbekannt. Die braucht er derzeit auch bei der Renovierung der Kirche in der Ortsmitte. Start der Arbeiten war Mitte 2017. Damals ging man optimistisch von einem Jahr aus. Aktuell ist die Fertigstellung für diesen Sommer geplant. Doch die Verzögerung hat triftige Gründe: Bei der Sanierung wurden viele weitere Elemente der ursprünglichen Kirche entdeckt, die man natürlich erhalten möchte.

Im Juni vor zwei Jahren packten die Gemeindeglieder kräftig an. Als ersten Schritt galt es, die Inneneinrichtung auszuräumen und den Boden rauszuschlagen. An diesen musste man laut Hoffmann sowieso dran, weil Leitungen, eine Schleife für Audiogeräte und Bodentanks für Steckdosen verlegt werden mussten. Es soll später ein Sandstein-Boden wie zur Erbauung reinkommen.

Beim Ortstermin mit Harald Sillak von der gleichnamigen Holzbau-Firma, auch Mitglied im Kirchen-Bauausschuss, seinem Schwiegersohn Benjamin Geier und Architektin Steffi Holschuh ging es daneben um solche Kleinigkeiten wie die Form der Lichtschalter oder das Aussehen der Brüstung. Über allem stand die Frage „Wie rekonstruieren wir die Kirche im damaligen Zustand“, erläutert der Pfarrer.

Die 1962 erfolgte Erweiterung des Chorraums wird zum Teil wieder rückgängig gemacht. Die Sitzbänke werden an den Seiten um jeweils 60 Zentimeter gekürzt, damit man auch von dort reinrutschen kann. „Dann verliert es sich nicht so“, stellt Hoffmann den positiven Aspekt heraus. Es fallen dadurch 32 Plätze weg, womit noch 190 verbleiben.

Die Decken-Holzbalken wurde von zwei Restauratorinnen mit Bierlasur versehen, erklärt er. Dabei handelt es sich eine altertümliche Technik, „die heute kaum noch jemand beherrscht“. Den Klarlack brachte dann einer der örtlichen Weißbinder auf. Im Zuge der Arbeiten wurden über den Wandfenstern Risse entdeckt. „Die sollen gesichert werden“, so der Geistliche. Es handelt es sich aber nicht um einen Schaden, der die Substanz beeinträchtigt, beruhigt er. Vielmehr werde das durchs rechtzeitige Eingreifen verhindert.

„Die Bestandsuntersuchungen warfen jedes Mal neue Fragen auf“, ergaben sich daraus die Zeitverzögerungen. Es biete sich derzeit an diesem denkmalgeschützten Gebäude mit seiner langen Geschichte „die einmalige Gelegenheit“, möglichst viele Elemente aus der Vergangenheit wieder zum Vorschein zu bringen. Leider, bedauert Hoffmann, ist das nicht nur durch Restauration möglich, weil die Renovierung Anfang der 1960 Jahre den Untergrund zerstörte.

Sukzessive kamen unter dem Verputz alte Elemente zum Vorschein. Zuerst an einem Absatz im Schiffbereich sichtbar, entdeckte man dann eine Vorhangmalerei im Chorraum. „Danach haben wir geschaut, ob es Ornamente gibt“, schildert der Pfarrer die Suche. Tatsächlich wurde eine Ranke, ein florales Muster, gefunden. „Wir wollen die Kirche so wieder herstellen, wie sie damals gemeint war“, macht der Geistliche deutlich.

Je mehr vom Ursprünglichen zum Vorschein kommt, desto besser wird die Erinnerung der älteren Ortsbevölkerung aufgefrischt. „Als ich erzählte, die Kirchendecke wird wieder blau, meinten einige: Stimmt, das war sie ja mal“, schmunzelt er. Leider gaben die alten Schwarz-Weiß-Bilder diese Nuancen nicht her. Die Blautöne finden sich auch in den Fensterfarben wieder.

Die aufwändige Arbeit kostet (mehr) Geld. Ursprünglich auf 300.000 Euro veranschlagt, rechnet Hoffmann derzeit mit einem Drittel mehr. Zum Glück zahlt die evangelische Landeskirche von den 400.000 Euro zwei Drittel, weshalb sie auch in die Beschlüsse eingebunden ist. Der Rest sind Eigenmittel und Spenden. „Wir sparen seit zehn Jahren dafür“, macht der Pfarrer deutlich.

Deckenornamentik, Wände, Brüstung, Elektrik, Sandsteinboden und Bänke heißen die weiteren Schritte vor der geplanten Fertigstellung im Juni. Während der Bauzeit finden die Gottesdienste im evangelischen Gemeindehaus statt. Bei Bestattungen kann man in die benachbarte evangelisch-lutherische Kirche ausweichen.

Die evangelische Pfarrkirche wurde Anfang der 1880er Jahre anstelle eines älteren Vorgängerbaus aus lokalem Sandstein erbaut. Vorher stand an dieser Stelle etwa 500 Jahre lang eine Wehrkirche, die aufgrund Baufälligkeit aber abgerissen wurde. Es handelt sich um ein schmuckes neogotisches Bauwerk mit Querhaus und Polygonalchor, dessen spitzer Turmhelm aufgrund der Lage der Kirche im höchsten Teil des Unterdorfs weithin sichtbar ist, heißt es im Denkmalbuch. Im Bericht der Befunduntersuchung sind folgende zeitliche Einordnungen und Renovierungen aufgeführt: Juni 1882 bis September 1883 Bauzeit und Einweihung, ca. 1940 Renovierungsarbeiten während des 2. Weltkrieges, ca. 1960 oder 1963 Renovierung, danach Ausbesserungsarbeiten.

 

Besonders schöne Stämme kommen unter den Hammer

Die besten und wertvollsten Stämme aus dem Bereich des Forstamts Beerfelden gibt’s derzeit bei der Eberbacher Nadelholz-Submission zu ersteigern. Je vier Lärchen und Douglasien hat Revierförster Stefan Aßmann bei Ober-Schönmattenwag ausgesucht, um mit ihnen bei der 12. Versteigerung dieser Art sehr gute Preise zu erzielen. Insgesamt 1206 Festmeter aus Baden-Württemberg, Hessen und Bayern kommen bis 14. Februar unter den Hammer.

Allen acht Stämmen mit zusammen 23 Festmetern ist gemein, „dass sie besonders schön und relativ gerade sind“, erläutert der stellvertretende Forstamtsleiter Sebastian Vocilka. Denn Käufer suchen Hölzer, die „an der Oberfläche astrein sind“, um in einem Stück verarbeitet werden zu können. Die jetzt zum Verkauf stehenden Bäume haben ihre Äste schon relativ früh verloren, weshalb schon Holz und Rinde darüber gewachsen ist. Es ist nicht so schlimm, wenn es einen einzelnen, dickeren Ast gab: Denn der konnte weggesägt werden, womit der Rest des Stamms noch verwertbar ist, sagt er.

Damit es sich fürs Forstamt lohnt, überhaupt einen voll beladenen Lkw nach Eberbach zu schicken, „müssen die Stämme eine gewisse Stärke haben“, so Vocilka. Ab 50 Zentimeter Durchmesser, also Stärke 5, „wird’s für den Käufer interessant“, weiß er. Zehn oder 20 Zentimeter mehr, Stärke 6 oder 7, „bringen gute Preise“. Bei der Douglasie kommt außerdem hinzu, dass sie groß gewachsen sein sollte.

Mit zehn bis 15 Metern Länge wuchern die vier in Eberbach befindlichen Stämme, dazu mit einem Durchmesser ohne Rinde von 58 bis 63 Zentimetern. „Die Sägewerke zahlen dafür in der Regel gute Preise“, weiß Vocilka. Denn auf den Submissionen sind „dicke Stämme gesucht“. Sie sollen außerdem einen guten Jahresring-Aufbau haben. Wenn diese zu breit sind (über einen Zentimeter), ist der Baum zu schnell gewachsen.

Lärchen der Stärkelasse 6 gibt es nicht so viele auf dem Markt, sagt der Forstmann. Deshalb rechnet er sich für diese und auch etwas schwächere Stämme ein nettes Sümmchen aus. Das muss unterm Strich auch rauskommen, damit sich der Aufwand lohnt. Gebühren, Kosten und Transport läppern sich zu einem Aufschlag von 40 Euro pro Festmeter, der mindestens zusätzlich zum normalen Verkaufspreis „aus dem Wald“ obendrauf kommen muss. Sonst würde es sich fürs das Forstamt nicht rechnen.

Wenn eine besonders gut gewachsene Douglasie direkt aus dem Gemeindewald verkauft wird, sind zwischen 120 und 180 Euro/fm machbar, erläutert der Forstbeamte. Damit also die Kosten „drin sind“, müssten es bei der Submission mindestens 200 bis 220 werden. Vocilka ist optimistisch, dass die anvisierten Preise erzielt werden können. Denn eine solche Qualität findet sich nicht überall. Die Bieter werden für die „richtig wertvollen Sachen“ auf jeden Fall höhere Angebote abgeben, damit sie den Kauf sicher haben. Manchmal komme man so sogar über 300 Euro pro Festmeter.

Anfang 2018 war das Forstamt Beerfelden mit stolzen 150 Festmetern aus den angeschlossenen Revieren vertreten. „Damals hatten wir vorher große Hiebe vor allem im Staatswald“, sagt Vocilka. „Die Submission war insgesamt ein Erfolg“, blickt er zurück, wenn sich auch einzelne Stämme nicht so lohnten. In den Süden Bayerns, in den Schwarzwald, aber auch in den Norden verkaufte man die Stämme. Jetzt ist alles anders. Erst kam Sturm Friederike, dann der Borkenkäfer, weshalb man gerade im Fichten- und Kiefernbereich die Einschlag-Bremse zog.

Bei der Submission zählt ebenfalls das Motto: „Dabei sein ist alles.“ Die Forstamts-Mitarbeiter „können etwas über unsere Kunden lernen“, betont Vocilka. „Wir erfahren, was gesucht wird.“ Auch ergeben sich Anschlussgeschäfte. Wie vergangenen Jahr, als ein Sägewerk aus Bayern nur einen halben Lkw voll hatte und noch ein paar Hölzer zum Auffüllen suchte. Die Nadelholz-Versteigerung ist eine Art Messe, auf der sich die Holzvermarkter präsentieren, so der Forstmann. Werbung in eigener Sache heißt die Devise auf einem hart umkämpften Markt.

Die Nadelholz-Submission in Eberbach wird seit 2008 jährlich von den unteren Forstbehörden des Rhein-Neckar- und Neckar-Odenwald-Kreis organisiert. Die Hölzer kommen aus den Regionen Odenwald, Bauland und Heilbronn und somit aus Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Im Schnitt werden 400 Stämme angeboten. Dieses Jahr wird die Rekordmenge von über 1200 Festmetern, davon 730 fm Lärche und 473 fm Douglasie, versteigert. Kiefer ist zu vernachlässigen.

Die erste Abfrage an die Forstämter erfolgt bereits im September oder Oktober des Vorjahres: „Wie viel Holz bringt ihr dieses Mal her?“, heißt es dann an die Vermarkter. Bis Mitte Februar können sich Kunden nach der Anlieferung um die Jahreswende aufgrund des Losverzeichnisses und vor Ort einen Überblick verschaffen, um dann bis spätestens 14. Februar ein Angebot bei der Forstbetriebsleitung Schwarzach abzugeben. In der Regel erhält einen Tag später das höchste Angebot den Zuschlag. Die Käufer müssen die Hölzer bis Ende März abholen.