Verlockendes aus dem süßen Orient im Odenwald

Kulinarisch eine Brücke zwischen Orient und Odenwald schlagen: Das hat sich Azadeh Seip vorgenommen. Die 30-Jährige beglückt die hiesige Region seit einiger Zeit mit den süßen Versuchungen Persiens. Ihre Karamell-Honig-Pralinés oder die Kokos-Ingwer-Kugeln sind fremd für den hiesigen Gaumen, der sich aber nur zu gerne auf die kalorienreiche Begegnung mit den Backwaren der jungen Unternehmerin einlässt.

Dass es Azadeh Gholamy, wie sie vor ihrer Hochzeit hieß, einmal nach Falken-Gesäß verschlagen würde, war auch nicht unbedingt vorgezeichnet. Ihre Eltern, politische Flüchtlinge aus dem Iran, strandeten im schwedischen Bjornekulla, wo sie auch geboren wurde. In der Folgezeit war die Familie viel unterwegs, bis „Aza“, wie Freunde sie nennen, dann mit Mann und Sohn im Odenwald sesshaft wurde.

Die gelernte Konditorin kam durch ihre Freundin Ulrike Klein aus Wald-Michelbach auf die Idee, Süßes mit orientalischem Touch zu produzieren. Denn die Imkerin aus dem Überwald wollte ihre Produktpalette erweitern und stieß damit auf offene Ohren. „Ich habe während der Elternzeit oft darüber nachgedacht, was ich später machen will“, schildert Seip. Es sollte was Eigenständiges sein und nicht die Rückkehr in den angestellten Job.

Nach verschiedenen Probierphasen entstand schließlich die Geschäftsidee „Orient küsst Odenwald“ oder kurz OkO. Rosenwasser, Kardamom oder Safran verwendet die 30-Jährige neben weiteren Gewürzen aus der Heimat ihrer Eltern für ihre Kreationen, vermischt diese aber mit hiesigen Zutaten, „damit es bodenständig bleibt“. Den Honig bezieht sie aus Wald-Michelbach, Sahne und Butter von der Molkerei Hüttenthal.

„Das sind alles Eigenkreationen“, zeigt sie stolz auf die Palette von Leckereien, die das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Hergestellt werden sie im eigenen Backwagen auf dem Grundstück in Falken-Gesäß, mit Herd, Kühlschrank, Tierkühler und Arbeitsflächen ganz nach den Vorgaben des Gesundheitsamts ausgestattet. Seit dessen Fertigstellung „ist jetzt alles möglich“, lacht die 30-Jährige.

Etwa die Karamellen mit Honig auf einem Mandel-Dattel-Boden. Oder persisches Baklawa mit Safran, Rosenwasser und Pistazien. Abgerundet von Energiekugeln Marke Schoko-Feige. „Nirgends ist Zucker drin“, betont sie. Es ist immer der Honig, der für die Süße sorgt. Dazu kommt noch die Karamell-Honig-Kombi als nahrhafter Brotaufstrich. Wird Azadeh Seip für Catering angefragt, gibt’s es auch Deftiges dazu – immer mit leichtem persischem Touch.

Der Nachschub an persischen Produkten ist nicht direkt um die Ecke zu finden. Safran und Rosenwasser organisierte bisher ihr Vater in einem einschlägigen Geschäft in Hannover und schickte es. Manchmal lässt sich Seip auch Gewürze direkt von der Verwandtschaft aus Iran schicken. „Bisher kamen alle Pakete an“, schmunzelt die kreative Unternehmerin mit Blick auf die angespannte politische Lage.

Für ihre Geschäftsidee gab’s bisher viel positive Resonanz. „Selbst Leuten, die nicht so gerne Honig essen, schmeckte es“, stellt Azadeh Seip fest. Denn der wirkt ganz anders als Zucker auf den Körper, weiß sie. Die Nachfrage wird größer. So bedient sie auch den Unverpackt-Laden „Chez Martine“ in Birkenau und ist auf dem Michelstädter Weihnachtsmarkt präsent. „Die Energiekugeln sind der Renner“, hat die 30-Jährige festgestellt. Am besten funktioniert im Odenwald natürlich die Mund-zu-Mund-Propaganda.

 

Infos: http://www.meinoko.de

 

 

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Den Tante-Emma-Laden auf dem Dorf gibt’s noch

Ein Dorfladen in der heutigen Discounter-Zeit? Der kann durchaus überleben, wie sich am Beispiel der früheren Bäckerei Münch in Kailbach zeigt. Die wird seit 25 Jahren von der Bäckerei Münkel/Burkardt aus Schloßau betrieben und bietet den Bürgern aus dem ehemaligen Hesseneck plus dem benachbarten Friedrichsdorf neben den Backwaren auch eine Grundversorgung für den täglichen Bedarf mitsamt einer Postfiliale. Damit das Konzept funktioniert, braucht es aber eine ganze Reihe von ineinander greifenden Zahnrädern, erläutert Herbert Münkel.

Da sind zuerst einmal die guten Seelen des Geschäfts: Birgit Krahl, Martina Jahn und Patricia Grabe. Die kommen aus Kailbach, Schöllenbach und Hohberg und kennen jeden ihrer Kunden persönlich. Oft existieren persönliche Beziehungen zu den Einkaufenden. Dann gibt es mit Münkel einen Unternehmer, der nicht nur gewinnorientiert denkt. Ihm geht es auch darum, „den ländlichen Raum zu stärken“, betont er. Denn im Odenwald „brauchen wir den Tälerstolz“, meint er.

Auf die zwölf Quadratmeter Ladenfläche umgerechnet, „habe ich hier einen höheren Umsatz als in den anderen Filialen“, schmunzelt er. Dazu kommen die bezahlbare Pacht und überschaubare Energiekosten – für ihn alles Punkte, die einen Weiterbetrieb trotz langsam weniger werdenden älteren Kunden gesichert erscheinen lassen. „Wir kommen an die jungen Leute nicht so richtig ran“, ergänzt Birgit Krahl. Sie stellt allerdings vermehrt fest, dass junge Familien zuziehen, die dann wiederum den Laden frequentieren.

Mit den auf vier Stunden am Tag begrenzten Öffnungszeiten und den drei 450-Euro-Kräften lässt sich das Geschäft wirtschaftlich betreiben, erläutert Münkel. Denn obendrauf kommen noch Folgeaufträge, wenn etwa örtliche Feste und Jubiläumsabende beliefert werden. Dazu wird für die Kailbacher Filiale kein Extrabrot gebacken, sondern der dortige Bedarf läuft quasi in der normalen Produktion nebenher mit. Zweimal am Tag, um 6 und 8.30 Uhr, werden die frischen Waren aus Schloßau angeliefert.

Auch auf dem Land hat der Trend zur Vollwertkosten Einzug gehalten. Urkorn oder Chia-Samen heißen neben dem Odenwälder Bauern- oder Schwarzwälder Landbrot die angesagten Sorten. Zeitungen, Marmeladen, Nudeln, Honig, Zucker, Essig, Öl, Bohnen, Wurst oder Nutella: Für den Grundbestand an Lebensmitteln ist gesorgt. Wie auch mit Müllbeuteln, Toilettenpapier und Reinigungsmitteln für weitere notwendige Dinge im Haushalt.

Zulauf gibt es auch durch die Postagentur. Wer eine Briefmarke braucht, nimmt auch ein Brötchen oder ein paar Lebensmittel mit. Münkel ist stolz auf „das kleine, aber breite Sortiment“, das alles abdeckt, „was die Leute im Supermarkt vergessen haben“. Denn ein Ladenstandort im ländlichen Raum ist generell schwierig zu betrieben, weil die Kunden angesichts der dünnen Besiedelung fehlen.

Ein kleines Schwätzchen beim Einkauf hier, der Austausch über die Familie dort: Es geht sehr familiär zu. Man kennt sich, man vertraut sich. Ältere Kunden legen auch einfach den Geldbeutel auf die Theke und sagen, „nimm dir das Passende raus“, lacht Krahl. „Der Laden liegt uns am Herzen“, ergänzt ihre Kollegin. Die drei organisieren alles selbst, was den Chef freut, weil er dann weniger Arbeit hat. Dadurch ist eine Öffnung das ganze Jahr über garantiert. „Das Umfeld stimmt, deshalb funktioniert es“, hebt Münkel hervor.

Da alle drei Mitarbeiterinnen aus der Nähe kommen, „gibt es auch die Verbindung mit den örtlichen Vereinen“, sagt Martina Jahn. Die werden vom Betrieb unterstützt und revanchieren sich dann, indem sie sich bei Festen beliefern lassen. Zu den Kunden kommen noch Wanderer, Ausflügler, Nutzer der Krähberg-Strecke, Bus- und Lkw-Fahrer, zählt Krahl auf. Eine runde Sache.

 

Info: Bäckerei Münkel in den früheren Münch-Räumen, Kailbach, Siegfriedstraße 8, Öffnungszeiten Montag bis Freitag 6.15 bis 10.15 Uhr, Samstag 6.30 bis 10.30 Uhr. Mehr unter http://www.baeckerei-muenkel.de

Schülern wienern Stolpersteine gegen das Vergessen

Wider das Vergessen: Die Erinnerung an die im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten deportierten und dann ermordeten Juden wird in Beerfelden hoch gehalten. Vor sieben Jahren wurden von einer Religionsklasse der Oberzent-Schule zusammen mit den Künstler Gunter Demnig die sogenannten Stolpersteine vor den Häusern verlegt, wo früher jüdische Mitbürger lebten. Seitdem wird das Thema jährlich im November an der OZS aufgegriffen.

Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 1100 Orten Deutschlands und in 20 Ländern Europas. Immer rund um den Jahrestag der Reichspogromnacht, als am 9. November 1938 jüdische Gebäude in Flammen aufgingen, werden in Beerfelden die Stolpersteine abgegangen, gibt es ein Friedensgebet, eine Gedenkminute vor der ehemaligen Synagoge, Vorträge von muslimischer Gemeinde sowie evangelischer und katholischer Kirchengemeinde.

In diesem Jahr findet die Aktion am Freitag, 8. November, ab 9.50 Uhr statt. Im Vorgriff darauf besprach Schulleiter Bernd Siefert mit seiner neunten Religionsklasse den Flyer zur Stolperstein-Verlegung von 2012. Darin werden die Namen der 18 jüdischen Mitbürger genannt, die vor allem 1942 in Konzentrationslager deportiert wurden und nie mehr zurückkehrten.

Durch einen Stadtplan aus dem Jahr 1905 ließ sich nachvollziehen, in welchen Häusern damals Juden wohnten. An der zerstörten Synagoge wurde bereits 2010 eine Gedenktafel angebracht. Im Vorfeld des Rundgangs vom 8. November werden die Stolpersteine gereinigt, was jetzt Sieferts Reliklasse erledigte. Der Lehrer freute sich darüber, dass Schüler, „die sich sonst eher wenig am Unterricht beteiligen“, die Steine mit Energie wienerten und reinigten. Die hatten das auch nötig, denn sie waren ganz beschlagen, stellte der Schulleiter fest.

Siefert erwähnte auch den Landrats-Bescheid vom 15. April 1942, der euphemistisch von einer „Evakuierung“ sprach. Unterlagen wurden gefälscht, damit nichts auf eine konzertierte Aktion hinwies. Ein weiterer Stolperstein kam 2016 hinzu: für den in den letzten Kriegstagen durch Nazi-Schergen ermordeten 22-jährigen Soldaten Herbert Creutzburg, der auf dem Platz vor der Martinskirche am 25. März 1945 gehängt wurde.

In November stehen noch zwei weitere Veranstaltungen zu diesem Thema an. Am Montag, 11. November, liest die jüdische Autorin Lena Gorelik für die Schüler. Öffentlich ist dann der Vortrag von Dr. Dirk Strohmenger zur „NS-Zeit im Erbacher Landkreis am Beispiel von Beerfelden“, den er am Donnerstag, 14. November, um 19.30 Uhr in der Aula der Oberzent-Schule hält.

Der Wissenschaftler analysierte für ein 2016 erschienenes Buch die Zeit des Nationalsozialismus im Altkreis Erbach und ergänzte die Darstellung um jene Gemeinden, die weit nach dem Zweiten Weltkrieg und im Zuge der kommunalen Gebietsreform von 1972 dem heutigen Odenwaldkreis eingegliedert wurden.

Sehr detailliert schildet Strohmenger in seinem Buch unter anderem die Hinrichtung Herbert Creutzbergs. Er weist auch auf den Zynismus und die Heuchelei der Machthaber hin. Denn der Befehl, dass Fahnenflüchtige hingerichtet werden sollten, kam durch Gauleiter und Verteidigungskommissar Jakob Sprenger. Und genau dieser trat am 25. März 1945 die Flucht vor den heranrückenden Amerikanern nach Südbayern an.

 

Info: Das Buch von Dirk Strohmenger, „Nationalsozialismus im Erbacher Landkreis 1923-1945“, wurde in der Steinbacher M&K-Satz-, Druck- und Verlags-GmbH hergestellt und ist zum Preis von 25 Euro im Landratsamt Erbach (Bürgerservice) sowie im Buchhandel erhältlich. Die ISBN lautet 978-3-9815625-4-5.

 

Das Beste aus Südhessen nicht nur zum Essen

Die Stoffmammuts des Elfenbeinmuseums sind am Wochenende die heimlichen Stars. Sie empfangen die Besucher der Messe „Made in Südhessen“ im Volksbank-Atrium und sind stoische Beobachter des Geschehens. Ihnen entgeht nichts – auch nicht, dass sich die Besucher am Samstag eher spärlich tummelten. Ulrich Diehl vom gleichnamigen Verlag war mit der Veranstaltung im zehnten Jahr ihres Bestehens das erste Mal im südlichen Südhessen zu Gast.

In Darmstadt organisierte Diehl bereits seine Messe. „Weil ich den Odenwald liebe“, erläutert er mit einem Schmunzeln, wollte er testen, „was so tief in Südhessen möglich ist“. Selbstkritisch merkt er aber an, dass das Eintrittskonzept vielleicht nicht so ankommen könnte, „da man hier verwöhnt ist von kostenfreien Veranstaltungen“. Deshalb wurde noch ein Getränkegutschein draufgelegt.

Diehl geht es darum, „Produkte aus Südhessen bekannter zu machen“. Denn die Region hat vom Neckar bis an Main und Rhein etliches zu bieten. Er weiß, dass lokale Produkte in der Regel beliebter sind als überregionale. Außerdem kommt der Klimaschutz dazu. Was vor Ort produziert wird, braucht keine langen Transportwege. Und die Palette der angebotenen Warten ist groß.

Da sind die Elfenbeinschnitzer direkt aus der Kreisstadt bis hin zum Quittenprojekt Bergstraße, das sich ganz in den Dienst der alten Obstsorte gestellt hat. Die Agentur für Arbeit informiert über die offenen Stellen in der Region, aus Mossautal gibt’s die bekannte Seife zu erwerben. Upcyclingmoden, Alarmanlagen, Grünpflanzen oder Kassensysteme: Die Spannbreite der Produkte aus dem Odenwald ist genauso groß wie die der kulinarischen Spezialitäten.

Die Musik aus der Region darf nicht fehlen. Die „Oigeborene“ von der Bergstraße verballhornen bekannte Popsongs, die Jungs von A & B sind zwar in Berlin ansässig, aber im Odenwald groß geworden. „Mar y Aire“ ist das dritte Glied in der Unterhaltungskette. Die Metzgerei Feldmann aus Pfungstadt darf sich an diesem Nachmittag mit dem Preis „Made in Südhessen“ für ein besonderes Sortiment regionaler Produkte schmücken.

In Groß-Gerau, Kranichstein oder Dieburg war Diehl bereits vertreten, allerdings dort zusammen mit Cottage Garden Events. Was seiner Meinung nach natürlich zusätzlich Publikum anzieht. „Ein gutes Feedback“ nahm er von dort mit und hoffte – wie sich zeigte, zurecht – darauf auch am Sonntagnachmittag, denn erfahrungsgemäß kommen und kamen dann drei Viertel der Wochenend-Besucher.

Die Hälfte der Aussteller, schätzte Diehl, begleitet ihn auch bei seinen sonstigen Veranstaltungen, die andere Hälfte ist im Odenwald erstmals dabei. Ein Unikum ist Anne Gaydoul aus Bad König. Die quirlige 77-Jährige ist schon seit einem halben Jahrhundert mit ihren hammergeschmiedeten Eisenpfannen unterwegs. „Pfanne von Anne“ heißt es ebenso kurz wie einprägsam. Wenn sie ins Erzählen kommt, dann sprudelt es nur so aus der Geschäftsfrau heraus.

Vor 50 Jahren „wurde Altes in Grund und Boden gestampft“, erzählt sie. Deshalb musste Gaydoul bis nach Bayern gehen, um dort ihre Pfannen-Idee umzusetzen. Die alte Schmiedekunst-Tradition aus dem Allgäu kommt ohne Beschichtung aus. Lediglich Öl und ein Kratzer sind Grundbestandteile, beweist sie gleich bei der Probe aufs Exempel mit einem fluffigen Rührei. Alleinstellungmerkmal ist der besondere Griff. „Da kriegt die Hitze die Kurve nicht“, erläutert die 77-Jährige ihr Patent.

Thomas Weiterschan aus Forstel bei Höchst schnitzt schon über 25 Jahre „Feine Wesen“ aus Holz. Seine Arbeiten entwickeln sich aus der Vorstellung heraus, „was zum Holz passt“. Früher waren es vor allem diese Eulen, die unter seinen Händen entstanden, heute haben sich die Werke Richtung Naturgeister wie Feen oder Engel verlagert. Ihm kann man bei der filigranen Arbeit zuschauen. Der Toscana-Holzbackofen von Gerhard Gernsbeck macht das Brotbacken zum Erlebnis. Stündlich bietet er Vorführungen ein, wie ein frischer Laib bei 400 Grad eingeschossen wird.

Mehr Busse nach Hirschhorn werden teuer

Es wurde in der Oberzent-Stadtverordnetenversammlung lange darüber geredet, aber am Schluss keine Entscheidung getroffen. Der Antrag der Grünen, eine Taktverdichtung auf der Linie 54 zwischen Beerfelden und Hirschhorn herbeizuführen, soll ausführlich im Infrastruktur- und Sozialausschuss behandelt werden. Denn mit einer Umsetzung wären erhebliche Kosten verbunden, die die OREG auf 185.000 Euro jährlich beziffert. Bei sieben Gegenstimmen wurde die Verweisung beschlossen.

Horst Kowarsch (Grüne) bezeichnete die heutige Taktdichte als „völlig unzureichend“. Deshalb fahren seinen Worten zufolge viele Pendler aus dem Finkenbachtal sowie von Rothenberg und Kortelshütte mit dem Auto an den Hirschhorner Bahnhof, um dort in die S-Bahn nach Heidelberg oder Mosbach einzusteigen. Obwohl Hirschhorn die Parkplätze in den vergangenen Jahren erweiterte, „tritt inzwischen wieder ein Mangel auf“.

Die Hoffnung der Grünen:  Eine S-Bahn-orientierte Taktung der Linie 54 würde einen Teil der Pendler dazu bringen, auf den Bus umzusteigen. Eine besondere Fahrtendichte wäre morgens, mittags und abends einzurichten. Kowarsch sagte, eine gute ÖPNV-Versorgung trage zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Er wies auf den geplanten Kindergarten in Rothenberg hin. Eine vernünftige Busanbindung ins Tal sah er als „Standortkriterium“, damit sich junge Familien ansiedeln.

Es gelte, „von unten Druck zu machen“, damit sich etwas bewegt. Aktuell kommt seinen Worten nach noch die mangelnde Anschlusssicherheit dazu: Der Bus erreicht verspätet den Bahnhof. „Das Taxomobil ist zu teuer“, meinte Kowarsch mit Blick auf das „Garantiert-Mobil“-Konzept des Odenwaldkreises.

Laut Oreg sieht der Nahverkehrsplan zunächst einmal nur die Sicherstellung des Schülerverkehrs vor. Darüber hinaus gibt es unter der Woche zweistündlich tagsüber ein Rufbusangebot. Alles, was darüber hinausgeht, müsste die Stadt Oberzent bezahlen. Und hier kommt die Kalkulation der Regionalgesellschaft auf eben jene 185.000 Euro, wenn es im stündlichen Wechsel eine Verbindung von Beerfelden über Rothenberg oder Finkenbach nach Hirschhorn geben soll.

Grundsätzlich befürworteten die Mandatsträger eine bessere Anbindung nach Süden. Allerdings schreckten sie die Kosten. Chris Poffo (ÜWO) hielt die Oreg-Argumentation für nicht zu Ende gedacht. Denn dieser hohe Zuschuss gehe von den aktuellen Nutzerzahlen aus. Vor einer Entscheidung wäre es sinnvoll, einen tatsächlichen Bedarf abzufragen.

Thomas Väth (Grüne) unterstellte der Oreg, an dieser Verbindung nicht übermäßig interessiert zu sein. „Ist es zukunftsgerichtet, dass ein Ort wie Rothenberg ohne Auto nicht zu bewohnen ist“, stellte er in den Raum. Thomas Ihrig (SPD) wies darauf hin, dass im Nahverkehrsplan das umgesetzt werde, was der Kreistag vorgebe. Dessen Vorsitzender Rüdiger Holschuh ergänzte, dass es auch um die Gleichbehandlung der Kommunen gehe.

„Über die nackten Zahlen“ wollte Oliver von Falkenburg (CDU) reden. Finanziell fahre die Stadt derzeit „auf Sicht“, sagte er. Zusätzliche Kosten könne man sich nicht leisten. Die Novelle der Gemeindeordnung lege der Stadt noch weitere finanzielle Fesseln an. Ähnlich Frank Leutz (FDP): „Woher sollen die Gelder kommen“, fragte er. Seine Befürchtung: Es wird ein Präzedenzfall geschaffen.

Gegen wilden Aktionismus im Wald

Wilder Aktionismus ist zwar fehl am Platz, waren sich die Diskutanten einig. Aber die Lage ist mehr als ernst, schälte sich aus den Wortbeiträgen der Fachleute heraus, die auf Einladung der SPD Mossautal in die gleichnamige Halle gekommen waren. „Dürresommer – Klimawandel: Ist unser Wald in Gefahr?“ lautete der Titel der Veranstaltung, zu dem sich die Sozialdemokraten ein paar mehr Besucher erhofft hätten. Denn ihnen liegt das Thema extrem am Herzen, machte Moderator Matthias Brenner deutlich.

Fünf Referenten begrüßte der Vorsitzende des Ortsvereins. Mit Heike Hofmann war darunter auch die SPD-Vizepräsidentin des Hessischen Landtags dabei. Prof. Dr. Arnulf Rosenstock von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Dr. Georg Berthold vom hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, der stellvertretende Michelstädter Forstamtsleiter Steffen Hering und Gerhard Eppler vom NABU Hessen.

Rosenstock sprach bei seiner Ursachenforschung die zwei Extremsommer in Folge und die negative Wasserbilanz durch zu wenige Niederschläge an. Dadurch gab‘s optimale Vermehrungsbedingungen für Schädlinge aller Art, nicht nur den Borkenkäfer. Das Problem dabei: Die natürlichen Fressfeinde werden im gleichen Maße durch die Klimaveränderung in ihrer Verbreitung ausgebremst wie die „neuen Gäste“ zunehmen.

„Wir bekommen, ob wir es wollen oder nicht, neue Waldgesellschaft“, prognostizierte Rosenstock. Es gehe darum, sich auf die neue Situation einzustellen. Seinen Worten zufolge ist ein Paradigmenwechsel bei der Waldwirtschaft notwendig, weg von Bewirtschaftungsinteressen hin zu einem Klima-, Wind- und Wasserschutzwald.

„Für den Wald kommt es knüppeldick“, meinte die SPD-Landtagsabgeordnete. Und damit auch für die Menschen. Denn: „Nur ein gesunder Wald erfüllt eine Klimaschutzfunktion“, betonte sie. Deshalb müsse man alles für seine Rettung tun. Hofmann forderte „einen Pakt für den Wald“. Der Gesellschaft müsse der Schutzwaldgedanken wichtiger sein als der wirtschaftliche Aspekt.

Einen ganz anderen Aspekt brachte Dr. Berthold ein. Er wies auf die trockenen Böden durch fehlenden Regen hin. „2019 haben wir das Defizit aus dem Vorjahr übernommen“, erläuterte er. Die Böden seien bis in eine Tiefe von zwei Metern trocken. Die Quellschüttung geht seinen Worten zufolge „sukzessive zurück“. Verstärkt lässt sich das seit dem Jahr 2000 beobachten. „Als wäre ein Schalter umgelegt worden“, sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter.

Die Grundwasserneubildung belaufe sich nur noch auf 85 Prozent des langjährigen Mittels. Gleichzeitig stieg die Wassertemperatur der Quellen um ein bis 1,5 Grad an. Dürren, so seine Aussage, kamen früher im Abstand von 20 bis 30 Jahren, „jetzt alle vier bis fünf“. Was Berthold zur Aussage führte: „Wir müssen wirklich was tun.“ Denn über kurz oder lang sah er in wasserarmen Regionen Nutzungskonflikte. Wenn es diesen Winter nicht ausreichend bis überproportional regnet, „wird 2020 extrem bei der Wasserversorgung“, prognostizierte er.

Der Odenwald ist zwar in Mitleidenschaft gezogen, aber im bundesweiten Vergleich kommt er noch einigermaßen gut weg, berichtete Steffen Hering. Im Staatswald belief sich der Käferholzanteil auf die Hälfte des Einschlags, sagte er. Hessenweit waren es 70 Prozent. „Große Entwaldungen haben wir zum Glück noch nicht“, machte er drei Kreuze. Hering war guten Mutes, „dass wir es hinbekommen“, mit den verschiedenen hier wachsenden Baumarten den (Oden-)Wald zu retten.

Gerhard Eppler wandte sich gegen eine „hektische Regulierung“. Denn der Klimawandel sei längst in vollem Gange. Er verglich ihn mit einer Fußbodenheizung, die nur langsam auf Touren kommt, aber dann so richtig losbollert. Ein bisschen weniger Kohlendioxid bedeute lediglich eine Reduzierung des Anstiegs, aber keine pauschale Reduzierung. „Wir dürfen keine Fichte mehr pflanzen“, forderte er. Auch die Douglasie sei kein „Heilsbringer“. In der folgenden Diskussion ging es vor allem um die Privatwaldbesitzer – was sie tun können, welche Hilfen sie bei Waldschäden bekommen.

 

Weg von den Mehrverpackungen an der Oberzent-Schule

Wolfgang Bechtold ist der Oberzent-Schule (OZS) schon seit Jahrzehnten eng verbunden. Seine beiden Kinder drückten hier die Schulbank, viele Azubis des Betriebs für Kunststoffverarbeitung und Werkzeugbau rekrutiert er von der OZS. Er ist auch gerne Partner der Lernanstalt, wenn es um Neuerungen geht. So wie jetzt beim Umstieg von Einwegtetraverpackungen auf Plastikmehrweg-Trinkflaschen.

„Wir wollen unseren Schülern jeden Tag frisches Wasser zur Verfügung stellen“, erläutert Schulleiter Bernd Siefert die Hintergründe. Die Idee kam von der Schülervertretung. Deren ursprüngliches Ansinnen ging in Richtung eines Wasserspenders. Der Weg soll auf jeden Fall wegführen von den Milchbeuteln hin zu weniger Verpackungsmüll. Vom Wasserspender kam man allerdings wieder ab – auch wegen der möglichen Keime.

Zwei Bechtold-Azubis, natürlich von der Oberzent-Schule, werden jetzt in einem speziellen Herstellungsverfahren im Betrieb Mehrweg-Plastikflaschen herstellen, mit denen dann die Wasserleitung direkt „angezapft“ werden kann. „Fridays for Future“ mal anders, meint Siefert augenzwinkernd. „Wir produzieren weniger Müll, was auch der Umwelt zugutekommt.“ Ein weiteres gemeinsames Bechtold-OZS-Projekt sind 300 Familienkalender, in denen sich die verschiedenen Termine gesammelt eintragen lassen.

Vor kurzem feierte der Unternehmer seinen 70. Geburtstag. Bernd Siefert schenkte seinem rotarischen Freund dazu ein Fotobuch mit Bildern der Belegschaft, von Andreas Weinmann „heimlich“ aufgenommen. Jeder Mitarbeiter konnte sich dazu mit einem Spruch eintragen. Ein Fotobuch mit Motiven aus Oberzent, ebenfalls von Weinmann geschossen, ist auch bei der Schule in Planung. Es soll als Geschenk für Partner beider Institutionen dienen, da es mit den jeweiligen Logos versehen ist.