Mit Fitzek ist der Dauerregen vergessen

Fans der Bücher von Sebastian Fitzek müssen schon ganz schön abgebrüht sein. In seinen Thrillern ist nichts, wie es scheint, kommt der Horror auf leisen Sohlen um die Ecke, schleicht sich das Grauen erst langsam ein, um dann die Leser nicht mehr loszulassen. Abgebrüht in anderer Hinsicht mussten die Fans bei der Lesung der Berliners auf der Kulturbühne am Hüttenwerk Michelstadt sein: Es goss in Strömen.

Doch wann kommt der Erfolgsautor, dessen Bücher regelmäßig auf den Spitzenplätzen der Verkaufslisten landen, mal in den Odenwald? Eben. Nie. Deshalb waren die 250 Plätze der Lesung ziemlich zügig ausverkauft, auch wenn sich letztendlich ein paar Zartbesaitete doch vom passenden Thriller-Wetter abschrecken ließen. Eigentlich eine passende Kulisse für Edgar-Wallace-Krimis an der Themse, dieses Mal für Sebastian-Fitzek-Thriller an der Mümling.

„Das Geschenk“ heißt der aktuelle Roman des 49-Jährigen. Erschienen ist er im vergangenen Oktober, als der Berliner bereits einmal – aber nicht für die Öffentlichkeit – in Michelstadt weilte, um dort für seine Soundtrack-Leseshow durch ganz Deutschland zu proben. Zwar hat Fitzek bereits im April seinen nächsten Psychothriller „Der Heimweg“ fertiggestellt, aber der ist noch geheim und wird erst am 21. Oktober erscheinen.

Der Thrillerautor, eher schmächtig, komplett in schwarz gekleidet, verschwindet fast auf der großen Bühne, die zwei Abende vorher noch von einer kompletten elfköpfigen Soulformation genutzt wurde. Fitzek aber fühlt sich wohl. Er ist immer in Bewegung, von links nach rechts, von vorn nach hinten. Immer in Bewegung ist auch sein Mund. Er plaudert aus dem Nähkästchen, wie welche Figur in seinen Romanen zustande kam, durch welche Begebenheit er sich beeinflussen ließ.

In seinem Drang, möglichst viele Infos rüberzubringen, ist manchmal die Zunge schneller als seine Gedanken. Der Berliner nimmt es genauso mit Humor wie auch seinen Running Gag, sich immer auf die Fernbedienung zu setzen und dadurch ein paar komische Bilder auf der Leinwand zu produzieren. Seine Erzählungen bringen die Besucher immer aufs Neue zum Lachen.

Sowieso ist seine Lesung mindestens zur Hälfte eine Fitzek-One-Man-Show, in der es nicht ums Buch, sondern um das Drumherum geht. Eigentlich könnte er damit locker auch eine Sonntagabend-Show im Fernsehen gestalten, wenn er mit Berliner Schnauze über all das plaudert, was ihm im Laufe der Zeit wiederfahren ist.

In einem Meer aus roten Regenponchos – die Sparkasse hatte angesichts des vorhergesagten Regens die Überwürfe in rauen Mengen kostenlos zur Verfügung gestellt – erfahren die Fans neben den Buchinhalten allerlei Details über den Autor selbst. Der hätte sich seinen Erfolg bestimmt auch nicht träumen lassen, als er mit „Die Therapie“ 2006 sein Debüt feierte. Vergangenes Jahr war er meistverkaufter Autor. Inzwischen gingen zwölf Millionen seiner Bücher über die Theke.

Fitzek ist aber dabei immer Fitzek geblieben. Er wirkt auf der Bühne wie der Lausbub von nebenan, der einen Heidenspaß dabei hat, von seinen Erfahrungen zu erzählen, aber sich andererseits auch einen Spaß daraus macht, in seinen Werken die Leser in die Irre zu führen und gleichzeitig auf der nächsten Seite zum Gruseln zu bringen.

Fritz Krings vom veranstaltenden Verein Peripherique ist stolz, dass der Erfolgsautor auf der Kulturbühne mit dabei ist. „Er hat sofort zugesagt“, freut er sich. Die Lesung in Michelstadt ist auch die einzige, die während der ganzen Zeit stattfindet. Der so Gelobte scheint es zu hören und unterhält locker-flockig plaudernd mit kleinen Thrillern aus seinem Leben.

Sein Thema: Das Grauen könnte gleich hinter der nächsten Ecke lauern, wenn man nur genug Vorstellungskraft hat. Und die hat Sebastian Fitzek wahrlich. Bei ihm wird schon eine Taxifahrt im Berliner Straßenverkehr zum Psychothriller. Und der Elektriker im Büro gegenüber könnte doch auch ein Serienmörder sein? In dieser regenassen, dunklen Nacht dürften so manche mit einem argwöhnischen Blick über die Schulter nach Hause gefahren sein.

Fetzige Musik mit viel Spirit und Soul

Ordentlich Spirit bringen die elf Musiker aus dem Rhein-Main-Delta in den Odenwald. „Spirit of Soul“ nennt sich die Truppe um Tausendsassa Bobby Stöcker, die weit über zwei Stunden die Besucher der Kulturbühne Michelstadt mit „The Finest of Black Music“ begeistert. 600 bis 800 Gäste sind es jedes Mal, die den Frankfurter Südbahnhof bei den etatmäßigen Gastspielen ausverkaufen. Ein Teil davon war jetzt auch nach Michelstadt gekommen.

„Spirit of Soul“ gibt es jetzt genau 20 Jahren. „Das ist unser Jubiläum“, freut sich Stöcker. Das aber durch die Corona-Pandemie gründlich vermiest wurde. Denn der Auftritt im Odenwald „ist der erste Auftritt der Formation seit dem Lockdown“, erzählt er. Umso hungriger waren die Musiker darauf, endlich wieder live performen zu dürfen.

Während der ersten 15 Jahre des Bandbestehens nur auf Firmenevents aktiv, erspielte sich „Spirit of Soul“ seit 2015 einen großen Bekanntheitsgrad im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus. Warum, zeigte sich von Beginn an auf der Kulturbühne. Die vier Frontleute wissen, wie man das Publikum animiert und bringen ihre Freude an der Musik rüber. Auch wenn natürlich Abstand gehalten muss, waren schnell die ersten am Mitklatschen, Mitwippen und später Mittanzen.

Für die eingefleischten Fans „produzierten wir eigens eine Live-CD mit fünf eigenen Songs“, erzählt Stöcker. Die wird unter dem Titel („20 Years Spirit of Soul live“) unters Volk gebracht. „Dann kam Corona und zerstörte uns dieses Jubiläumsjahr“, ärgert er sich. Das Gastspiel in Michelstadt dürfte angesichts der begeisterten Fans eine Entschädigung dafür gewesen sein, dass in Frankfurt nichts geht und sicherlich bis Jahresende nichts in der bisherigen Form gehen wird.

Ron Jackson, Derrick Alexander und Myk Snow bilden das Sänger-Trio aus den USA, das sich abwechselnd die Bälle am Mikrofon zuwirft und sich mit der Lead-Stimme bei den Songs abwechselt. Normalerweise ist auch Leah Jones mit dabei, aber die sitzt derzeit in den USA fest. Für sie sprang Another-Livetime-Frontfrau Michi Tischler ein und zeigte nach ihrer kürzlichen Teilnahme am Schlagernachmittag wieder einmal ihre Wandlungsfähigkeit.

Ron Jackson hat genau die richtige Stimme für „Kiss“ von Prince. Mit seinem Falsett bringt er den Song fast originalgetreu rüber. Zuvor hatte Tischler „Super Duper Love“ geschmettert, das durch Joss Stone bekannt geworden war. Motown, Disco, Soultrain, Rhythm & Blues, Hiphop und Soulklassiker: Sie alle werden durch die hochkarätigen Begleitmusiker zusammengehalten.

Bobby Stöcker verleiht manchen Songs durch seine Soli ein fast rockiges Gewand. Des Öfteren ist spürbar, wo seine musikalischen Wurzeln liegen. Mit Jürgen Lucas (Drums), der ebenfalls gerne den Hardrocker raushängen lässt, spielt er auch bei einigen anderen Formationen zusammen. Ein ums andere Mal macht außerdem die Bläsersektion auf sich aufmerksam.

Vor allem Christian Falke am Saxophon zaubert einige tolle Soli. Geppi Schmidt (Trompete) und Stephan Schlett (Posaune) sind daneben für einen fetten Sound zuständig. Frieder Gottwald (Bass) und Jimmy Cee (Percussion) komplettieren an diesem Abend das Line-up. Sie sorgen für ein imposantes Bild einer bis auf die letzten Ecke besetzten Bühne und super Stimmung.

Der Funke ist schon übergesprungen, kaum dass die Truppe begonnen hat. Gerade im ersten Set hagelt es nur so bekannte Stücke. Bei „Let’s groove tonight“ sorgt Lucas am Schlagzeug für den genannten. „Soul Man“, bekannt aus „Blues Brothers“, kracht so richtig rein und macht Lust auf viel mehr. Myk Snow röhrt den Klassiker prächtig raus.

Starken Frauen hat sich Michi Tischler verschrieben. Sei es „Ain’t nobody“ von Chaka Khan oder „Baby Love“ von Mother’s Finest und als Highlight Tina Turners Welthit „Simply the Best“, abgerundet durch ein Saxophon-Solo: „Spirit of Soul“ bringen ganz ganz, hochklassige Musik in den Odenwald, die sonst hier nicht zu hören ist. Das setzt sich nach der Pause mit „Ride Like The Wind“,  „Intoxicated“, „Uptown Funk“ und „Sexmachine“ fort.

 

Straßenbeiträge sind noch nicht auf der Zielgeraden

Mit den Straßenbeiträgen ist es wie mit Gremien-Beratungen. Es gibt einmalige und wiederkehrende. Der Oberzent-Bauausschuss beschäftigte sich nun auf Antrag der Grünen zum wiederholten Mal mit dem Thema. Die Fraktion wünschte sich ein Konzept für wiederkehrende Beiträge, änderte ihr Ansinnen aber im Laufe der längeren Diskussion hin zu einer allgemeinen Informationssammlung unter Einbeziehung des hessischen Städte- und Gemeindebunds (HSGB).

Das ist nicht neu. Seit zwei Jahren beschäftigen sich die Gremien mit dem Thema. Es gab nach einem erstmaligen SPD-Antrag bereits Präsentationen des Büros Eckermann & Krauß sowie Becker – eine Entscheidung wollte bisher noch niemand treffen. Auch in der aktuellen Sitzung herrschte der Tenor vor, dass noch die entsprechenden belastbaren Grundlagen fehlen, um hopp oder top zu sagen. Allerdings wurde ebenso darauf abgehoben, „dass Druck auf die Pipeline kommen soll“ (Thomas Väth, Grüne).

Seit der einschlägigen Gesetzesänderung vor sieben Jahren gibt es nicht mehr nur die einmaligen Straßenbeiträge, erläuterte er. Bei denen wurden angrenzende Grundstückseigentümer an den Kosten einer Straßensanierung beteiligt, wenn diese „grundhaft“ ausgeführt wurde. Sprich: Wenn nicht nur ein paar Schlaglöcher gestopft werden, sondern Kanal und Wasser zu einer komplett neuen Asphaltschicht hinzukommen. Das brachte oft hohe vierstellige Beträge mit sich, die nur schwer auf einen Rutsch zu tragen waren.

Seit ein paar Jahren gibt es nun die wiederkehrenden Beiträge. Aufgrund deren Planbarkeit und vermuteten höheren Gerechtigkeit plädieren die Grünen für diese Variante. Hier werden bestimmte Abrechnungsgebiete gebildet, in denen dann alle Grundstücksbesitzer jährlich eine festgelegte Summe beisteuern. Die ist zwar auf den ersten Blick niedriger, aber am Ende, sprich nach ein paar Jahrzehnten, steht unterm Strich mehr oder weniger das Gleiche, als wenn alles auf einmal gezahlt würde. Aber das ist genau der Punkt: Es fällt nicht mehr alles auf einmal an.

Allerdings gibt es durch die Möglichkeit der Stundung auf 20 Jahre inzwischen eine ähnliche „finanzielle Streckung“ bei den einmaligen Beiträgen. Die dritte Möglichkeit kommt in Oberzent nicht in Frage: eine Refinanzierung über die Grundsteuer. Diese Mittel will und muss man sich für andere Vorhaben aufheben und „nicht unser Pulver verschießen“ (Ausschuss-Vorsitzende Katharina Riesinger, ÜWO).

Es gäbe noch die ganz elegante Lösung: Das Land Hessen zahlt die Straßensanierung. Aber das ist zu knausrig und überlässt den klammen Kommunen die Suche nach einer Lösung. Die wiederum geben die Geldforderungen nach unten weiter – beziehungsweise müssen sie weitergeben, weil sie selbst nichts in der Kasse haben.

Die Schaffung von Abrechnungsgebieten bei der Einführung von wiederkehrenden Beiträgen wird pro Einheit mit 20.000 Euro vom Land bezuschusst, erläuterte Bürgermeister Christian Kehrer. Würde man die 19 Stadtteile somit in zehn Gebiete aufteilen, bekäme man 200.000 Euro. Allerdings nur einmal, wies er auf den Haken an der Sache hin. Denn nach fünf Jahren ist eine Neukalkulation vorgeschrieben, die dann die Stadt aus eigenen Mitteln bezahlen muss.

Wiederkehrende Beiträge wecken seiner Meinung nach außerdem eine Erwartungshaltung. Denn wer in den Pott einzahlt, will, dass die Holperstrecke vor seiner Tür irgendwann auch mal saniert wird. Das sieht anders aus, wenn man den großen Batzen einmalig zu zahlen hat. Dann bessert sich der Zustand einer Straße schlagartig, wenn die Sanierungskosten bekannt werden, meinte Stadtbaumeister Peter Bauer trocken.

Aus den Wortäußerungen der Ausschussmitglieder schälten sich zwei Konsensstränge heraus: Jede Variante hat ihre Ungerechtigkeiten (Andrea Heß-Kraus, SPD). Und: Eine Entscheidung sollte zwar bald fallen, aber gut fundiert sein, weshalb sie zum jetzigen Zeitpunkt zu früh wäre (Thomas Mergenthaler, ÜWO). Bauer bot an, eine Modellrechnung für zwei unterschiedliche Gebiete wie Beerfelden und Raubach zu erstellen. Marcel Gerling (SPD) mahnte einen Überblick an, „wo die Hütte am meisten brennt“, sprich Straßen am dringendsten saniert werden müssen.

Walter Gerbig (CDU) hatte ein paar Argumente gegen wiederkehrende Beiträge zusammengetragen. Aus den Beiträgen kristallisierte sich heraus, dass er damit nicht allein stand und es einige Sympathien für die Beibehaltung der bisherigen Lösung gibt. Sein Vorschlag, die aktuelle Satzung zu modifizieren und eventuell eine prozentuale Deckelung der umgelegten Kosten festzuschreiben, fand auch bei Wilfried Friedrich (ÜWO) Widerhall.

Friedrich und Gerbig waren mit ihrem Wunsch nach einer Überarbeitung der derzeit geltenden Satzung nicht allein. Mergenthaler äußerte sich ähnlich. Trotz aller Ungerechtigkeiten sehen sie mit einer Maßnahmen bezogenen Abrechnungsart die besten Chancen, allen gerecht zu werden. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die damit verbundenen Kosten auf zwei Jahrzehnte gestreckt werden können.

Auch wenn sich die Grünen in ihrem Antrag für wiederkehrende Beiträge aussprachen, konnte sich Elisabeth Bühler-Kowarsch mit einer ergebnisoffenen Herangehensweise anfreunden. Ihr war es wichtig, aktuelle Ergebnisberichte abzufragen. Hier kommt unter anderem der HSGB ins Spiel. Der Ausschuss empfahl einstimmig, dass die Stadtverordneten dem Magistrat den Auftrag erteilen sollen, Informationen zu verdichten. Die Stavo soll dann entscheiden, wie mit den Zwischenständen umgegangen wird: ob der Bauausschuss bei weiteren Beratungen federführend bleibt oder das Thema weiter in der Stavo diskutiert wird.

Vereinsförderung soll schneller kommen

Die Neuordnung der Vereinsförderrichtlinien ist ein heißes Eisen. Sie stand auf der Agenda quasi aller Oberzent-Fraktionen im Vorfeld der Kommunalwahlen 2018. Getan hat sich bisher: nichts. Was Frank Leutz (FDP) auf der vergangenen Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses dazu bewegte, mit der Verwaltung hart ins Gericht zu gehen. Allerdings hängt es auch an zwei Dritteln der Oberzent-Vereine, dass es nicht wirklich vorangeht, machte er deutlich.

SPD, CDU und FDP taten sich vor längerer Zeit zusammen und erarbeiteten einen Vorschlag, wie die Vereinsförderung geregelt werden könnte, erläuterte Leutz. Die Verwaltung wollte per Fragebogen Details erfahren: etwa wie viele Mitglieder hat ein Verein, wie viele Jugendliche sind aktiv, gibt es eigene Liegenschaften und Ähnliches. Denn es soll möglichst gerecht zugehen.

Das Problem: Nur 42 der 138 angeschriebenen schickten die Unterlagen zurück. Für Leutz ist die Sache deshalb klar. „Bei Nichtausfüllen entfällt der Anspruch“, so sein Vorschlag fürs aktuelle Jahr. Denn eine Neuregelung muss unbedingt her, betonte er. Gab es in einer der vier bisherigen Kommunen eine Vereinsförderung, dann besteht die erst einmal fort.

Was dazu führt, dass manche noch was bekommen, andere aber leer ausgehen. „Dieser Zustand ist nicht haltbar“, kritisierte Leutz. Seit zwei Jahren könnte man schon so weit sein, eine neue Vereinsförderrichtlinie zu haben, führte er aus. Seine Meinung: Wer in diesem Jahr leer ausgeht, macht sich vielleicht in 2021 die Arbeit, den Fragebogen auszufüllen.

Horst Kowarsch (Grüne) hieb in dieselbe Kerbe. Schon vor der Fusion „haben die ehemaligen Bürgermeister nichts gemacht, obwohl es den Auftrag gab“, lautete sein Vorwurf. Der Grünen-Mandatsträger schlug vor, der Verwaltung ein Datum vorzugeben, bis zu dem die Vereinsförderrichtlinien verabschiedet sein müssen. Die Förderung von Kinder und Jugendlichen sah er unter dem Aspekt der Daseinsvorsorge.

Deshalb ließ Kowarsch wie Leutz auch das Argument der Aufsichtsbehörde nicht gelten, dass die Jugendförderung als freiwillige Ausgabe zu betrachten ist, die man bei knappen Haushaltsmitteln nicht auszahlen sollte. „Wir müssen zu Potte kommen“, so der Tenor aus der Runde. Lösung könnte analog des Ortsbeiratsbudgets ein Sockelbetrag pro Verein plus eine bestimmte Summe pro Jugendlichem sein.

Dominik Foshag (ÜWO) äußerte den Wunsch, dass die Verwaltung zu dem SPD/CDU/FDP-Vorschlag Stellung nehmen soll. Von Fraktionskollege Claus Weyrauch kam die Anregung eines „Neustarts“, anstatt aufwändig eine Aufstellung des Bestehenden zu machen. Nach einem Jahr könne man nachjustieren, wenn es zu Verzerrungen kommen sollte.

Dem Vorschlag von Frank Leutz konnte der Ausschuss folgen: Die Oberzent-Vereine sollen noch einmal und zum letzten Mal angeschrieben werden. Rückmeldefrist ist der 30. September. Von wem dann wieder nichts kommt, der ist in diesem Jahr außen vor. Das Gremium will auf dieser Basis in der kommenden Sitzung wieder beraten.

Sebastian Siefert stellte im Anschluss einen Vorzeigeverein in Oberzent vor: den ersten Jugendförderverein im Odenwaldkreis. In ihm bündeln sieben, bald acht Fußballvereine ihre Arbeit im Jugendbereich. Der JFV hat sich zum Ziel gesetzt, den Kindern und Jugendlichen langfristig eine Perspektive für den Fußballsport zu bieten. Alle Altersklassen sollen mit Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Derzeit eifern etwa 130 Kinder und Jugendliche in Oberzent dem runden Leder nach, angeleitet von 20 Trainern und Betreuern. Ein Schnuppertag war vor kurzem mit 30 jungen Teilnehmern ein großer Erfolg, freute er sich.

in den vergangenen Jahrzehnten wurde es für die Vereine immer schwieriger, eigene Jugendmannschaften zu stellen. Die Folge war die Gründung von immer mehr Spielgemeinschaften, so vor zehn Jahren auch die JSG Oberzent, „um den Jugendfußball zu stabilisieren“. Aber auch dieses Modell erwies sich über die Jahre hinweg als problemanfällig.

 

Auf der Suche nach dem richtigen Platz

„Es tut sich was“, lauten die positiven Reaktionen aus der Bevölkerung über die Entscheidungen der Oberzent-Stadtverordneten-Versammlung zur Kinderbetreuung. Aber natürlich kann jede gute Nachricht noch getoppt werden. Deshalb kam auch die Frage nach einer möglichst schnellen Realisierung auf, erläuterte Vorsitzender Dirk Daniel Zucht (SPD) auf der Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses. Erweiterung Kita Beerfelden und Kailbach sowie Schaffung Waldkindergarten lauten die Vorhaben.

Für letzteren müssen noch die entsprechenden Haushaltsmittel eingestellt werden, informierte er. Das müsste durch die Stadtverordneten geschehen, sagte Erster Stadtrat Gerhard Rebscher. Außerdem muss die entsprechende Betriebserlaubnis eingeholt werden, wofür etwa ein halbes Jahr  ins Land gehen könnte. Dazu gilt es, eine möglichst genaue Kinderzahl zu ermitteln. Und schließlich kommen noch sechs bis sieben Monate Lieferzeit für den Waldbauwagen dazu.

Da der Waldkindergarten zum 1. August kommenden Jahres seinen Betrieb aufnehmen soll, muss möglichst viel Vorarbeit noch in diesem Jahr laufen, meinte der Ausschuss-Vorsitzende. Horst Kowarsch (Grüne) wünschte sich eine Bestellung des Bauwagens noch in 2020. Obwohl der Arbeitsmarkt im Erzieherinnenbereich ziemlich erschöpft ist, verspricht man sich aufgrund des besonderen Konzepts keine Probleme bei der Personalfindung.

In diesem Haushaltsjahr sind 50.000 Euro für die Renovierung der Waldhütte eingeplant, informierte Rebscher. Der genaue Platz für den Waldkindergarten steht allerdings noch nicht fest. Hier ist im Vorfeld am 10. September eine Begehung geplant. Eine Möglichkeit wäre an dieser Hütte, die sich in der Verlängerung des Weges nach der ehemaligen Hühnerfarm Schwinn befindet.

Dort war früher der „Städtische Pflanzgarten“. In späteren Jahren fanden dort regelmäßig die „Waldwochen“ des städtischen Kindergartens statt. Die Hütte selbst darf aus baurechtlichen Gründen allerdings aktuell nicht dauerhaft genutzt werden. Sie müsste erst ertüchtigt werden. Die vollständigen Herstellungs-Kosten fallen dann im Haushalt 2021 an.

Auf Frage von Claus Weyrauch (ÜWO) sagte Rebscher, dass die Abfrage vor allem ein Interesse von Eltern aus Beerfelden ergeben hatte. Deshalb wäre eine Realisierung in diesem Stadtteil sinnvoll. Weyrauch wollte ebenfalls wissen, wie es mit dem Kindergarten in Rothenberg weitergeht. Denn dort herrscht ebenfalls Handlungsbedarf, weil die Räumlichkeiten nicht mehr zeitgemäß sind. Zucht teilte mit, dass eine Besichtigung geplant ist. Der Ausschuss einigte sich auf den 8. September, um die Einrichtung in Augenschein zu nehmen.

 

Kulturbeauftragter will im Süden wirbeln

Der neue Oberzent-Kulturbeauftragte Stefan Rosewick will ein Kulturnetzwerk schaffen, erläuterte er in der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses. Ihm geht es darum, die bisherigen Aktiven zu reaktivieren und neue für das Thema zu gewinnen, Oberzent in Sachen Kultur voranzubringen. Denn: „Man braucht eine breite Plattform und Rückendeckung von allen Seiten“, betonte der Airlenbacher.

Projekte in diesem Jahr sind wegen der Corona-Pandemie schwierig, bedauerte Rosewick. Angedacht ist derzeit, den Wochenmarkt nach seiner Sommerpause bei Wiedereröffnung am 5. September mit einem Kulturprogramm zu versehen, erzählte er. Damit der Kulturbeauftragte direkt erreicht werden kann, wird gerade eine E-Mail-Adresse eingerichtet, informierte er.

Ausschuss-Vorsitzender Dirk Daniel Zucht ergänzte, dass noch in diesem Jahr durch die Stadt ein Forum in der Alten Turnhalle organisiert werden soll, mit dem man alle in Oberzent niedergelassenen Künstler ansprechen möchte. Und zwar nicht nur die „zuhause“ aktiven, sondern auch andere, die eher nach außen, in die Metropolregionen, wirken.

Die bisherigen Bemühungen der neuen Stadt, sich auch kulturell in ihrer Vielfalt zu zeigen, „werden außerhalb wahrgenommen“, freute sich Zucht. „In Oberzent passiert etwas“, so sein Statement. Die Aktivitäten tragen dazu bei, „eine eigene Identität zu schaffen“, meinte er. Denn „wir wollen etwas zu Wachsen bringen“, wünschte er sich.

Wie Rosewick hervorhob, geht es ihm um die kulturelle Wahrnehmung der Stadt. Und zwar nicht nur im Odenwaldkreis. Sein Fokus liegt auf dem Süden, um im angrenzenden Baden-Württemberg auf der Neckarschiene Mosbach-Eberbach-Heidelberg eine größere Wahrnehmung für die südhessischen Aktivitäten zu erreichen. In diese Kerbe hieb auch Zucht: „Wir müssen überlegen, wie wir unsere Infos gut transportieren“, hob er hervor. „Tun, wühlen und machen“, sind für ihn die Prämissen.

Mit den Finkenbach-Festival und „Sound of the Forest“ (SOTF) gibt es zwei große Events auf der Gemarkung, die jedes Jahr Tausende von Besuchern nach Oberzent bringen, wies Rosewick auf das Potenzial hin. Städtischerseits sollte man sich stärker einklinken und die Veranstaltungen im eigenen Interesse auch über eigene Kanäle bewerben. Es gibt dazu die Idee, von den Festivalorten durch Aktionen eine Brücke in die Kernstadt zu schlagen.

Rosewick sieht eine seiner Aufgaben auch darin, die Wogen zwischen Stadt und SOTF-Machern am Marbachstausee wieder zu glätten. Denn nach der kurzfristigen städtischen Absage des Festivals 2018 ist man sich nicht ganz grün. „Die Gespräche sollen wieder anlaufen“, sieht er einen Silberstreif am Horizont.

In diesem Zusammenhang sprach Johannes Barth (CDU) den Informationsbesuch im Vorfeld der Verleihung des hessischen Demografiepreises durch Staatsminister Axel Wintermeyer bei den SOTF-Aktiven an. Beim Termin am Stausee war kein Vertreter der Stadt dabei, monierte er – und die Stadtverordneten bekamen davon, wenn überhaupt, nur sehr kurzfristig was mit. Seiner Kenntnis nach war keiner der Anlieger-Bürgermeister, auch nicht die aus Mossautal und Erbach, vor Ort, entgegnete der Erste Stadtrat Gerhard Rebscher.

Horst Kowarsch (Grüne) wies auf die laufende Ausschreibung für den „Kulturkoffer“ hin. Dabei handelt es sich um ein Förderprogramm der Landesregierung. Sie will vor allem benachteiligten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, kostenlose oder kostengünstige Angebote wahrzunehmen. Die aktuelle Ausschreibungsrunde läuft noch bis zum 21. Oktober. Da es sich um ein niederschwelliges Angebot handelt, wünschte sich Kowarsch, möglichst noch teilzunehmen. „Das wird vom Land gut bezuschusst“, sagte er.

Ein Comedian, der mehr singen sollte

Seine stärkten Momente hat Andy Ost auf der Kulturbühne vor dem Michelstädter Hüttenwerk dann, wenn er sich bekannte Songs vornimmt, denen einen neuen Text mit einem Thema verleiht, das er vorher angerissen hat und dann auf Keyboard oder Gitarre loslegt. Denn der Hanauer ist nicht nur Comedian, sondern auch ein begnadeter Sänger. Dazu noch hat er Sangesgrößen parodistisch klasse drauf.

Das Publikum ist an diesem Abend überschaubar, macht das aber durch Begeisterung wett. Außerdem hat’s ein paar eingefleischte Ost-Fans gen Süden gezogen, bei denen es nicht viel braucht, damit sie aus dem Kichern nicht mehr rauskommen. Das ist schon zu bemerken, wenn der bald 40-Jährige einen auf Herbert Grönemeyer macht – oder besser es erst einmal nur versucht.

Wenn der Comedian die ersten typischen Laute anstimmt, kommt nicht nur er ins Lachen, sondern auch etliche andere – was dazu führt, dass der Song erst mit einiger Verspätung starten kann. Aber dann: Grönemeyers „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist“ dichtet Ost um in ein Stück über eine Veganerin: „Sie macht Musik nur, wenn sie Kraut isst.“

Das zeigt, wohin die abendliche Reise in Michelstadt geht. Der Hanauer hat die klassischen Themen drauf: Früher war alles besser, die Zipperlein des Alterns, die Probleme des Mannes mit der unbekannten Welt des Putzens – und logischerweise darf der kulturelle Lockdown nicht fehlen, in dem er überhaupt erst auf diese Ideen kam.

Überhaupt: Was Gutes muss Corona ja auch haben: Die Feier zum 40. Geburtstag fällt aus. „Alles hat sich so krass geändert“, meint er im Rückblick auf die 20er. Die Leute werden immer seltsamer. Was in einer Aufzählung der vielen neuen hippen Bier- und Weinsorten endet, wo es früher zum Geburtstag nur einen Kasten Oettinger gab – für jeden. Das gerät in Summe teilweise etwas länglich.

Zum Aufhorchen wird’s dann, wenn Andy Ost nach seinem wortreichen Lamento zum Instrument greift. Er besingt kraftvoll frei nach Udo Jürgens die schlimme Zeit nach dem Besäufnis, als seine Frau ihn schon um 14.30 Uhr am nächsten Tag zur Hausarbeit verdonnert. Und wegen der fortgeschrittenen Alters sind die Nachwirkungen schlimmer als ein Männerschnupfen – das sagt schon alles.

Der Comedian ist auf der Bühne immer in Bewegung. Interaktion mit den Fans, auch wenn sie nicht in Massen gekommen sind, wird bei ihm groß geschrieben. Kommt mal ein Gluckser aus dem Publikum oder kriegt sich einer vor Lachen nicht mehr ein („Ist das jetzt ein Asthma-Anfall?“), steigt er drauf ein.

Männer und Aufräumen? Fast so ähnlich wie Männer und Romantik. Dreckige Hemden sehen dann gut aus, wenn man sie neben noch dreckigere legt. Geschirr schimmelt nicht, wenn man es in die Tiefkühltruhe legt. Diese und andere Tipps für Putzmuffel hat Ost für seine Artgenossen parat, ehe er dann mit dem dazu passenden Song rausrückt, für den er sich eigentlich die Vorrede hätte sparen können.

Wenn Jon Bon Jovi (oder „Schon bon Schovi“ aus Büttelborn) mal schlecht bei Stimme sein sollte, kann er den Hessen als Ersatz buchen. Wenn Ost erzählt, hört man zwar den heimischen leichten Singsang raus, singt er aber seine Parodie auf „Bed of Roses“, bleibt der Mund offen stehen. Zwar weiß Ost nicht, „wo mei bleedi Hos ist“, aber er knallt das stimmlich so raus, dass man sich wünscht, er würde mehr von der Sorte bieten.

Stattdessen geht’s in die Kochuntiefen mit Horst Lichter, dem der Comedian (zu) viel Platz im Versuch der natürlich zum Scheitern versuchten Nachahmung gibt. Die auf Erbsengröße geschrumpften Blumenkohlröschen, die er mit dem Lieblingsschraubenzieher aus dem Topf meißeln will, brennen sich ins Gedächtnis ein.

Männer und Beinenthaarung: Das geht ins Mark. Ein jammernder Udo Lindenberg, weiß, wovon er nuschelt: „Ist das Wachs erst ab, brennt’s weiter, dieser Schmerz geht so tief rein, ich verlier mein linkes Bein.“ Klasse. Mit diesen Parodien hätte Ost gern seinen gesamten Auftritt bestreiten dürfen.

Mitklatschen ist noch erlaubt

Alles ist (fast) wie immer. Spielfreudige, vor Energie sprühende Musiker, ein lauer Sommerabend, begeisterungsfähige Gäste, ausverkauftes Haus in der Seebühne des Luisenparks Mannheim. Aber trotzdem ist die Atmosphäre durch die Corona-Auflagen ein wenig kalt und steril. Die Gäste tun mit Abstand ihr Bestes, um diesem Eindruck beim Sascha im Quadrat-Konzert entgegenzuwirken. Mitklatschen ist zum Glück noch erlaubt, wenn schon nicht Mitsingen oder Mittanzen. Und so wird’s ein toller Abend mit Perlen der Rockmusik, dargeboten von zwei Ausnahmesängern.

Die beiden Ausnahmesänger Sascha Kleinophorst und Sascha Krebs dominieren ganz klar die Bühne. Nach fast fünf Monaten des publikumslosen Streamens ohne Zuschauer aus dem Capitol brennen die beiden darauf, auch endlich wieder live aufzutreten. Das führt dazu, dass die Musik manchmal hinter der Fülle an schnoddrigen Bemerkungen fast in den Hintergrund rutscht. Die Tierwelt des Luisenparks leistet ihren Beitrag dazu, dass sich Sascha² vom eigentlichen Sinn und Zwecks des Abends gern mal ablenken lassen.

Da bleibt den beiden Sidekicks Frank Schäffer (E-Piano) und Christof Brill (Gitarre) nur, auf ihren Instrumenten zu glänzen, wollen sie nicht vom Redeschwall des Duos erdrückt werden. Aber das tun sie mehr als eindrucksvoll. Brill etwa, wenn er perfekt den Richie Sambora auf „Bon Jovis“ Bed of Roses“ gibt oder bei Queens „Somebody to Love“ passgenau die großen Fußspuren von Brian May ausfüllt.

Überhaupt die britische Supergroup Queen. Beide Saschas sind Spezialisten in der Interpretation von Freddy Mercury. Der lange Sascha (Kleinophorst) mit der Coverband „We Rock Queen“, der kürzere Sascha (Krebs) bei den „Queen Kings“. Ihr Duett eines der eindrucksvollen Songs des Vierers ist zum Niederknien und wird mit viel Jubel belohnt. Kleinophorst kommt Mercury mit seiner Stimme schon sehr nahe, was auch die Konzerte mit seiner eigenen Coverband immer wieder zum Erlebnis werden lässt.

Ein Raunen geht durch die Menge, als Christof Brill die ersten Takte von „Hotel California“ anstimmt. Ein gefühlvolles „Rocket Man“ von Elton John mit den perlenden Pianotönen von Schäffer ist schon ganz nah dran, damit Feuerzeuge und Handys angehen – was dann bei „Bed of Roses“ Realität wird. Ob der „Lonesome Loser“ der Little River Band oder „Dancing in the Dark“ von Bruce Springsteen“ – beide Saschas glänzen mit ihren Stimmen. Der eine eher mit seinem starken Reibeisen-Rock, der andere, größere mit den feineren, klareren Zwischentönen.

Grenzenlose Gastfreundschaft am Dreiländereck

Mit einem Bein in Bayern und dem anderen in Baden? Der Drei-Länder-Stein mitten im Wald oberhalb von Hesselbach macht es möglich. Während anderswo die Hitze wabert, sind die kühlen Wälder rund um den kleinen Oberzent-Stadtteil ein willkommener Zufluchtsort, um hier die schattigen Seiten des Odenwalds kennenzulernen. Und nebenbei in die Geschichte einzutauchen: Denn quer durchs Dorf führte vor knapp 2000 Jahren ein Teil des römischen Limes.

Klein, aber oho, könnte man über den Ort sagen. Obwohl gefühlt mitten in der Pampa gelegen, mindestens zehn Kilometer von größeren Ortschaften entfernt, ist Hesselbach ein beliebtes Ausflugsziel mit einem gewissen Geheimtipp-Charakter. Doch wer sich im Biergarten des Landgasthofs „Grüner Baum“ umhört, stellt schnell fest, dass hier Gäste aus allen drei Bundesländern einkehren.

Denn das Lokal mit seinen Übernachtungsmöglichkeiten ist Dreh- und Angelpunkt der Touren auf diesem Höhenrücken. Hier kehren (Mountain-)Biker, Wanderer und Ausflügler ein, um zu rasten und frische Kräfte für die weitere Strecke zu sammeln. Familie Grünvogels Domizil ist der gesellschaftliche Mittelpunkt Hesselbachs. Hier kocht der Chef noch selbst. Die Gäste werden Odenwälder Herzlichkeit verwöhnt.

Mit dem Nibelungensteig und dem Limeswanderweg führen gleich zwei bekannte Wanderer-Strecken durch den Ort. Von Zwingenberg an der Bergstraße bis nach Freudenberg am Main führt der zertifizierte Qualitätsweg auf den Spuren der Nibelungen über die Höhen des UNESCO-Geoparks Bergstraße-Odenwald. Auf 130 Kilometern Länge mit mehr als 4000 Höhenmetern warten eindrucksvolle Naturerlebnisse. Hesselbach ist Start- und Zielpunkt einer Etappe.

Der Limes-Lehrpfad führt am Ortsrand zum Numeruskastell, wo von 100 bis 160 n.Chr. eine rund 160 Mann starke Auxiliareinheit stationiert war. Am Wachtturm Vogelbaumhecke gibt es einen mit Originalsteinen restaurierten Turm mit Palisadenzaun zu sehen. Das Römische Reich sicherte mit dem Odenwaldlimes seine Grenzen zu Germanien. 80 Kilometer zieht sich die Grenzlinie, vor mehr als 50 Jahren in Grabungen wiederentdeckt, von Süden nach Norden.

Weiter südlich gibt es die Kleinkastelle Zwing und Seitzenbuche und das Kastell Schloßau. In die andere Richtung geht die germanische Grenze Richtung Römerkastell Würzberg und weiter nach Eulbach. Nördlichster Punkt ist Wörth am Main, südlichster Neckarburken. Um das Jahr 160 war es schon vorbei mit den Römern: Der Limes wurde 30 Kilometer nach Osten auf die Linie Miltenberg–Jagsthausen–Lorch vorgeschoben.

Aber auch kulturhistorisch hat der 170-Seelen-Ort in Gestalt der Kirche St. Luzia und St. Odilia einiges zu bieten. Denn Hesselbach war wegen seiner Zugehörigkeit zum Kloster Amorbach durchgehend katholisch, während sich in der restlichen Grafschaft Erbach die Reformation durchsetzte. In der heutigen Form besteht die Kirche seit 1766, allerdings wurde ein Vorgängerbau für die Zeit um 1400 nachgewiesen.

Außerdem gab es Ende der 1960er Jahre Ausgrabungen, nach denen das Gotteshaus sogar schon im 13. Jahrhundert bestanden haben könnte – und damit vor der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes 1334 unter dem Namen Heselbuch. Das sogenannte „Hesselbacher Kreuz“ lässt sogar einen Bau im 12. Jahrhundert möglich werden. Acht Bildstöcke im Ort zeigen die katholische Prägung. Sie wurden zwischen 1726 und 1840 errichtet.

Dass der Grenzstein am Dreiländereck schon bald 200 Jahre auf dem Buckel hat, ist ihm selbst im Dunkel des Waldes anzusehen. Ein schmaler Pfad führt die letzten Meter dorthin. Baden und Bayern machen hinter der Grenze dicht: Ein hoher Wildzaun bildet die „Landesgrenze“ und erschwert ein weiteres Fortkommen.

Auf dem Stein sind neben der Jahreszahl 1837 die Buchstabenpaare GH (Großherzogtum Hessen), GB (Großherzogtum Baden) und KB (Königreich Bayern) eingemeißelt. An anderen Hesselbacher Gemarkungs- und Landesgrenzen finden sich weitere historische Grenzsteine.

„Kein Netz“ gehört zum täglichen Brot

Leidgeprüfte Odenwälder wissen genau, wo in welchem Tal plötzlich das Handy-Gespräch abbricht oder wo es auf Teufel kommt raus kein mobiles Internet gibt. Nach wie vor hat die Telekom auf dem Land das beste Netz. Vodafone und o2-Telefonica folgen auf schlechten zweiten Plätzen. Da die Stadt auf den Netzausbau nicht einwirken kann, nutzt sie ihre eigenen Möglichkeiten und installiert derzeit an neuralgisch unterversorgten Punkten Wifi-Hotspots.

Henning Gajek aus Rothenberg kennt die Internet-Löcher auf Oberzent-Gemarkung punktgenau. Er schreibt für das Internet-Fachmagazin teltarif.de. Die Telekom versorgt seinen Worten zufolge Rothenberg, Kortelshütte und Hainbrunn mit LTE. 3G, also UMTS, wird bald durch 5G auf 2100 MHz ersetzt, teilt er mit. In Beerfelden sollte das schon der Fall sein. Das Problem: Es gibt für 5G bisher kaum passende Endgeräte zu kaufen. Die dürften erst Richtung Weihnachten auf den Markt kommen.

Vodafone plant, (irgendwann) Rothenberg und Kortelshütte mit LTE zu versorgen, weiß Gajek. „Aber in den nächsten drei Monaten nicht“, so sein Kenntnisstand. Auch o2 will in diesem Gebiet LTE einführen. Dazu muss aber der Sender in Brombach umgebaut werden – und das ist etwas kompliziert. In Gammelsbach gibt es seit kurzem o2-LTE, wo vorher mit Edge das mobile Internet nur ganz rudimentär vertreten war.

In Finkenbach „ist die Versorgung des Schwimmbad-Geländes kritisch“, erläutert Gajek. Die Telekom schlägt sich hier am besten, Vodafone kommt auf dem letzten Platz – aber o2 „ist auch nicht gut“. Zum Glück gibt es in diesem Bereich einen Wifi-Hotspot. Falken-Gesäß und Airlenbach sieht nur den magentafarbenen Riesen am Start. Als „nicht begeisternd“ bezeichnet der Fachmann die Lage im Sensbachtal. „Unter-Sensbach und Hebstahl teilweise weiter nix“, lautet sein Fazit.

Für die Rothenberger hat er eine gute Nachricht. Die betrifft allerdings „nur“ das Festnetz-Internet der Telekom. Interessierte können inzwischen zu Magenta-Regio wechseln, wobei Download-Geschwindigkeiten ab 50 Mbit aufwärts (vorher 16) buchbar sind. Weitere Infos unter www.telekom.de/zuhause/tarife-und-optionen/internet/magenta-zuhause-regio. Die Kunden werden Gajek zufolge von der Telekom an das Versorgungsnetz der Entega angeschlossen, bleiben aber deren Kunden.

Der Vorteil laut dem Experten: Der Telekom Magenta Eins-Rabatt (Flatrate vom Heim-Anschluss zu allen Handynetzen) bleibt nutzbar. Es muss kein Anschluss gekündigt und zu Entega „portiert“ werden. „Das regelt die Telekom alles hinter den Kulissen.“ Nachteil: Es gibt keinen Strom-/Telefon-Kombi-Tarif wie bei de Entega.

Selbst mit dem reinen Mobilfunkempfang hapert es an etlichen Stellen des Stadtgebiets. „Im Finkenbachtal gehen alle drei Netze hoch bis Finkenbach“, erklärt Gajek. Dahinter wird’s aber duster. Sowohl weiter nach Falken-Gesäß und Airlenbach als auch den Berg hoch nach Beerfelden regiert allein die Telekom.

Finkenbach und Teile von Hinterbach könnten jedoch Gajek zufolge „recht einfach versorgt werden“. Nämlich dann, wenn der Sender für den Digital-Funk der Hilfsorganisationen am Taleingang Hinterbach mit Handy-Mobilfunk ausgerüstet würde. Im Sensbachtal ist die Situation „ziemlich mau“. Der Telekom-Empfang geht einigermaßen, aber mit o2 kommt man gerade im unteren Bereich nicht weit. Ein oder zwei eigene Sendemasten fürs Tal wären eine gute Lösung, schlägt er vor.

Noch weiter talwärts am Ortsausgang Hebstahl und im badischen Gaimühle „sind alle Netze tot“. Auf der anderen Seite in Olfen ergibt sich ein ähnliches Bild. Kein Netz und manchmal sogar kein Notruf zeigt das Handy je nach Anbieter an. Nach dem Motto: „Schlimmer geht immer“.

Das dortige Dorfgemeinschaftshaus war deshalb auch das erste mit einem frei zugänglichen WLan-Hotspot. Sechs dieser geförderten Projekte sind bereits fertig, so etwa auch in Falken-Gesäß und Hebstahl. Andere wie bei den Feuerwehren Hetzbach und Gammelsbach sind in Umsetzung. Bikepark und Bahnhof Hetzbach lauten die Anregungen für weitere Punkte.

 

Unverhofft kommt ziemlich oft

Bis zu welcher Höhe dürfen Bürgermeister oder Magistrat über außer- und überplanmäßige Ausgaben frei entscheiden? Wann sind die Stadtverordneten davon in Kenntnis zu setzen oder müssen sogar zustimmen? Die Oberzent-Mandatsträger trafen in der aktuellen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses keine Entscheidung. Man will den Vorschlag der Verwaltung abwarten, damit diese mit den dann festgezurrten Zahlen auch handlungsfähig bleibt.

Denn die Befürchtung von Bürgermeister Christian Kehrer war: Es wird eine bestimmte Summengrenze reingehauen, bei denen sich der Magistrat vor Fortsetzung der Arbeiten noch das Okay der Stadtverordneten holen müsste. Das könnte wiederum dauern. Denn: „Wir haben Bauprojekte, wo wir punktuell drüberkommen“, meinte er vor allem mit Blick auf etwas ungenaue Planungen aus früheren Jahren. Ein Baustopp wäre aber „absolut nicht machbar.“

Als Beispiel nannte er den Überraschungseffekt bei der Mümling-Verrohrung unterhalb des Krähberger Wegs hin zur Mümlingtalstraße. „Die musste gemacht werden“ – und zwar für einen Haufen Geld: 280.000 Euro. Geld, das jetzt natürlich anderswo fehlt, wodurch andere Maßnahmen „eingedampft oder verschoben“ werden müssen.

Die Stadt hat ein Problem: Sie hinkt mit den Kanalbefahrungen stark hinterher. Die Eigenkontrollverordnung wurde früher etwas nachlässig umgesetzt. Deshalb „sind wir Getriebene“, umschrieb es Kehrer. Noch mehr, größere Schäden ploppen meistens erst bei der Reparatur von eigentlich kleineren auf. So kommt es vor, dass die Sanierung bestimmter Bereiche nicht geplant ist, aber trotzdem erfolgen muss, weil Kanäle den Geist aufgeben.

Dass Hessen Mobil bereits im kommenden Jahr die Landesstraße zwischen Finkenbach und Hainbrunn sanieren will, bereitet dem Bürgermeister deshalb bisschen Kopfschmerzen. Denn in diesem Bereich ist noch nichts untersucht. Aber die Stadt ist bei Wasser- und Abwasserleitungen mit im Boot. „Wir müssen im Vorfeld sorgfältig planen und kalkulieren“, betont Kehrer.

Deshalb wäre es ihm lieber, die Baumaßnahme wird erst 2022 stattfinden. Dafür will er sich bei der Behörde stark machen. Allerdings ist eines klar: „Wenn Hessen Mobil sagt, wir legen los, dann müssen wir bereits sein.“ Das Stadtoberhaupt warnt davor, den Tiefbau-Bereich zu unterschätzen. „Wenn ein Schacht einbricht, müssen wir was tun.“

Die Chefin der Zahlen, Franziska Michel, schlug vor, dass die Verwaltung in den kommenden vier bis sechs Wochen Erfahrungen bei der Hoch- und Tiefbauabteilung abfragt. Danach soll es für den Ausschuss einen Vorschlag in Form einer konkreten Summe geben, damit die Verwaltung mit dieser handlungsfähig bleiben kann. Dieses Vorgehen stieß auf Zustimmung.

Im Vorfeld war im Rund mehrfach angeklungen, dass man sich mit einer eigenen Einschätzung schwertut. Dazu kommt der Unterschied, dass Gemeinden wie etwa Mörlenbach ihr Gremium nur über die Überschreitung unterrichten, andere wiederum sich die Zustimmung für die Mehrausgaben einholen müssen.

Fitzek hat ein Geschenk für die Odenwälder

Im vergangenen Herbst probte er in der Erwin-Hasenzahl-Halle seine anstehende „Soundtrack-Leseshow“ mit dem neuen Psychothriller „Das Geschenk“ in ganz großem Stil, jetzt kommt Bestseller-Autor Sebastian Fitzek („Der Augensammler“) wieder in den Odenwald. Am Sonntag, 30. August, liest er auf der Kulturbühne vor dem Hüttenwerk Michelstadt aus seinem aktuellen Buch.

Von Anfang an ging es dem 48-Jährigen darum, „nicht nur Werbeveranstaltungen für mein Buch zu machen“, sondern auch in Kontakt mit Lesern und Fans zu kommen. Seit 14 Jahren zieht er dieses Prinzip „gnadenlos“ durch. Das war noch einfach, als bei seiner ersten Lesung in Rostock 2006 fünf Gäste kamen. Wenn es heutzutage mehrere tausend sind, schreibt Fitzek trotzdem Autogramme, bis jeder eins hat. Wir unterhielten uns im Vorfeld mit dem Berliner.

Herr Fitzek, es zieht Sie inzwischen in schöner Regelmäßigkeit in den Odenwald, zuletzt im vergangenen Herbst. Was schätzen Sie besonders an der Region?

Sebastian Fitzek: Ganz eindeutig die Menschen. Ich habe hier viele Freunde gewonnen, die alle einen merkwürdigen Sinn für Humor haben, so wie ich auch. Zudem sind sie aber hochkreative, flexible Macher-Persönlichkeiten. Ich weiß nicht, ob das an der schönen Natur oder dem idyllischen kleinen Städtchen liegt. Das scheint zu inspirieren.

Auf was dürfen sich die Besucher der Lesung am 30. August in Michelstadt freuen?

Fitzek: Wie immer werde ich keine herkömmliche Lesung halten, sondern versuchen, den Gästen einen hoffentlich ebenso spannenden wie heiteren Einblick hinter die Kulissen meiner Autorentätigkeit zu geben.

Sie sagten vergangenes Jahr sinngemäß, dass Sie sich bei den Ideen auch von Ihren eigenen Erlebnissen beeinflussen lassen. Ist somit bald mit einer Veröffentlichung zu rechnen, die im Odenwald spielt?

Fitzek: Noch ist in dieser Hinsicht nichts geplant, ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, zumindest einen Ausflug in diese Region zu unternehmen. Und wer weiß, vielleicht passiert ja auf der Lesung etwas, das meine Phantasie anregt.

Seit fast 15 Jahren veröffentlichen Sie praktisch im Jahresrhythmus Psychothriller. Wie kommen Sie zu diesen vielen Ideen?

Fitzek: Der Ursprung einer Idee stammt bei mir immer aus dem Leben. Zum Beispiel bei „Das Paket“ habe ich für einen Nachbarn, dessen Namen ich nicht kannte, ein Paket angenommen. Das ist ungewöhnlich, denn ich wohnte zu der Zeit in einer sehr kleinen Straße, in der man sich eigentlich kennt. Da dachte ich, was wäre, wenn in dem Paket etwas drin wäre, was gefährlich ist … Oder der Nachbar ein gemeiner Verbrecher wäre … So entstand der Plot zu „Das Paket“. Auf „Das Geschenk“ bin ich gekommen, als ich auf der Frankfurter Buchmesse an den Stand der Analphabeten eingeladen war. Das hat mich sehr beeindruckt. Der Hauptprotagonist meines Buches ist Analphabet.

Wie ist Ihre Arbeitsweise, wie schaffen sie es, in wenigen Monaten mehrere 100 Seiten zu Papier zu bringen?

Fitzek: Ich gehe arbeiten wie jeder andere auch. Das heißt, ich stehe morgens auf, fahre ins Büro, das ich mir mit einer Bürogemeinschaft teile, und setze mich an den Schreibtisch. Dann schreibe oder recherchiere ich von 9 bis 17 Uhr durch oder auch länger. Da schafft man dann schon einiges.

Wie erleben Sie die aktuelle Zeit? Waren Lesungen oder Veranstaltungen geplant, die abgesagt werden mussten? Oder nutzen Sie die Monate ohne Veranstaltungen, um wieder ein neues Buch vorzubereiten?

Fitzek: Ich habe versucht, die Zeit des Lockdowns zu nutzen, um zu helfen und habe unter dem #wirschreibenzuhause auf Instagram mit meinen Leserinnen und Lesern ein Buch geschrieben. Das heißt, sie haben jeweils eine Geschichte zu dem Thema „Identität“ geschrieben. Dann haben wir auch einige Kolleginnen und Kollegen dafür gewinnen können, wie Frank Schätzing und Charlotte Link. Droemer Knaur bringt das Buch am 30. September heraus und sämtliche Erlöse gehen in den Buchhandel.

 

Info: Lesung von Sebastian Fitzek aus „Das Geschenk“ am Sonntag, 30. August, 20 Uhr, Kulturbühne Odenwald in Michelstadt. Tickets unter http://www.kulturbuehne-odw.de

2020er-Haushalt ist auf dem Holzweg

Und immer wieder geht’s ums liebe Geld. Der Haupt- und Finanzausschuss Oberzent ließ sich jetzt von der Leiterin der Finanzabteilung, Franziska Michel, die aktuellen Haushaltszahlen zum 31. Juli vorstellen. Die sind mäßig bis schlecht, was angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie auch so zu erwarten war. Dieses Jahr versucht man noch einigermaßen über die Runden zu kommen, aber der Blick auf 2021 und 2022 bereitet auch Bürgermeister Christian Kehrer Kopfzerbrechen.

Besonders schlimm sieht es derzeit mit dem Holzverkauf aus. Aktuell kamen dadurch erst 80.000 Euro in die Kasse, womit dieser Posten noch 656.000 Euro im Minus ist. „Diese Einbußen hat in der Höhe keiner erwartet“, sagte Michel. Borkenkäfer und Dürre produzieren massenweise Schadholz, das in dieser Menge nicht an den Mann zu bringen ist.

„Wir hoffen, dass sich in der zweiten Jahreshälfte noch was tut“, meinte sie. Allerdings geht sie stark davon aus, dass ein Defizit bleiben wird. Die Holzmarktpreis „sind derzeit erschreckend“, ergänzte Kehrer. Die Aufbereitung kostet mehr, als man überhaupt durch den Verkauf erzielen kann. Schlimmer geht jedoch immer, meinte er mit Blick auf Nordhessen. Dort wurden komplette Wälder bereits aufgegeben „und es sieht aus wie im Kriegsgebiet“.

Im hiesigen Bereich wurde durch das schnelle Eingreifen des Forstamts Beerfelden das Schlimmste verhindert, erläuterte der Bürgermeister. Die Situation sei unter der Kontrolle. Das Stadtoberhaupt lobte das Vorgehen als „vorbildlich“. Das Forstamt kümmert sich seinen Worten darum, dass die befallenen Bestände aus dem Wald rauskommen.

Allerdings werden manche Teile nicht beförstert. Hier könnte sich dann der Käfer unbehindert weiterverbreiten, wenn er bis dorthin kommt. In diesen Bereichen wird vom Forst danach geschaut, dass eine möglichst breite Schneise zu den Privatwäldern vorhanden ist, so Kehrer. Denn der Käfer fliegt etwa 300 bis 500 Meter, um sich wieder niederzulassen und zu vermehren.

Aktuell sind erst 750.000 Euro der veranlagten Gewerbesteuer bei der Stadtkasse eingegangen. Zusammen mit der pauschalen Zahlung von 464.000 Euro zum Ausgleich von Gewerbesteuerausfällen, die von Bund und Land angekündigt wurden und in der zweiten Septemberhälfte ausgezahlt werden sollen, hofft Michel, auf die ursprünglich eingeplante Summe von 1,8 Millionen zu kommen.

Die Gewerbesteuerumlage wird aber geringer ausfallen, als sie im Haushalt 2020 geplant wurde. Grund hierfür ist das gesunkene Aufkommen. Ein anderer Brocken sind allerdings die zurückgehenden kommunalen Anteile an Einkommen- und Umsatzsteuer. Hier kam im ersten Halbjahr noch nicht die Hälfte des Jahresbetrags rein. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, erwartet Kehrer für 2021 nichts Gutes.

Die geplanten Investitionen aus dem Haushaltsplan 2019/2020 konnten vergangenes Jahr nicht alle durchgeführt oder abgeschlossen werden, berichtete Michel. Sie werden im geplanten Umfang auch 2020 nicht umgesetzt. Grund hierfür ist ihren Worten zufolge der „Investitionsstau“, der sich bereits in den Altkommunen gebildet hatte.

Außerdem wurde festgestellt, erklärte die Finanzfachfrau, dass viele Baumaßnahmen basierend auf älteren Kostenschätzungen im Haushalt eingeplant wurden. Dadurch werden vermutlich höhere Ausgaben entstehen. „Diese Abweichungen müssen gedeckt werden, sodass ein Verschieben der Finanzmittel notwendig sein wird.“

Der Finanzmittelbestand der Stadt betrug Ende Juli 3,1 Millionen Euro. Diese Höhe kommt durch die Kreditaufnahme Ende Juni in Höhe von zwei Millionen Euro zustande. Die ließ sich damals nicht vermeiden, betonte Michel. Denn Oberzent wäre sonst zahlungsunfähig gewesen. Flüssige Mittel kamen erst wieder Ende Juli rein.

Die Verwaltung will aber laut Michel ihr Möglichstes tun, damit in diesem Jahr keine weiteren Kredite aufgenommen werden müssen. Drei Millionen Euro stünden für den Fall der Fälle aber noch aus der Haushaltsermächtigung zur Verfügung. Eine ausführliche Diskussion zur Finanzsituation schloss sich an.

 

Heißer Schlagernachmittag

Es war wohl einfach zu heiß für einen Schlagernachmittag. 32 Grad im Schatten zeigte das Thermometer, als die Österreicherin im Odenwald, Acarina, mit ihren Friends die Kulturbühne am Hüttenwerk Michelstadt enterte. Auch wenn das Publikum in der sengenden Sonne überschaubar war, ließen sich die Musiker davon nicht beeindrucken und boten eine dreistündige Show.

Man kennt sich halt im Odenwald. Deshalb waren Acarina und ihr Team auch gleich dabei, als die Kulturbühne als Veranstaltungslocation in Corona-Zeiten auf die Beine gestellt wurde. „Wir wollten schon immer etwas zusammen machen“, sagt ihr Mann Mike van Summeren mit Blick Richtung Hüttenwerk. Vor Corona war bereits ein Event der Schlagersängerin geplant, der dann aber leider ausfallen musste.

Denn das Team „Mike’s Music Records“ schwört auf die Tischler’sche Veranstaltungstechnik. „Wir sind oft im Odenwald auf Festen unterwegs“, erzählt er. Acarina kann sich etwa an einen Auftritt auf dem Beerfelder Pferdemarkt erinnern. „Da bin ich durch die ganze Halle gegangen.“ Der Sound war super und „ich habe ich an jeder Stelle selbst perfekt gehört.“

Deshalb war es für die beiden auch eine Ehrensache beim Schlagernachmittag mitzumachen. „Wir haben noch verschiedene Künstler dazzugeholt, die wir promoten und produzieren“, erläutert Mike. Alle waren sie sofort bereit, kostenlos mitzumachen und damit die Künstlerszene in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen. Der Odenwald-Sepp aus Heppenheim hatte dabei die wenigsten Kilometer zu bewältigen, die anderen Gruppen kamen eher aus der weiteren Umgebung wie etwa Aschaffenburg.

Für alle bedeutete das Event den ersten Auftritt nach dem Corona-Lockdown. „Wir freuen uns alle wahnsinnig“, sagt Acarina. „Schon die Proben waren toll.“ Sie weiß von ihrem aktiven Fanclub, der an den T-Shirts unschwer erkennbar ist, „dass die alle ganz aufgeregt waren und dem Konzert entgegenfieberten“. Die Leute sind ausgehungert, weiß sie. Die Künstler auch, die endlich auf die Bühne wollen. „Endlich wieder Bühnenluft schnuppern“, sagt ihr Mann. Aber die Verantwortung trägt eben der Veranstalter.

Der Schlagernachmittag soll nur der Auftakt sein, um im Hüttenwerk diese Musikrichtung bald mehr zu bespielen. „Wir wollen auch außerhalb der Kulturbühne mehr machen“, erklärt van Summeren. Allerdings hat er auch beobachtet, dass viele Veranstalter noch abwarten, „weil die Lage unsicher ist“. Immerhin, ergänzt Acarina, „habe ich wieder ein paar TV-Sachen im Kalender stehen“. Live hofft sie im Spätherbst oder Winter wieder auftreten zu können. Aber immer mit der Einschränkung, „wie sich die Lage entwickelt“.

Ein ganzes Spieljahr „ist komplett weg“, macht die Österreicherin die Misere deutlich. Alle Feste „wurden einfach auf 2021 verschoben“, sagt sie. Etwa das „Spatzenfest“ in Südtirol, wo jedes Jahr 30.000 Besucher erwartet werden. In „Mitleidenschaft“ gezogen wurde dadurch auch das neue Album des Ösigirls bisschen auf sich warten lässt.

Allerdings hatte sie natürlich für ihre treuen Fans vier neue Stücke aus der kommenden Scheibe „The Ösigirl Way of Schlager“ mit dabei: Die Single „Darf ich nehmen?“ wird am 4. September als Vorabauskopplung erscheinen. „Hunger Pipi Kalt“, „Blumen, die im Schatten steh’n“ und „Ein Kind wie du“ finden sich ebenfalls im großen Repertoire. Quasi der erste Live-Test für die Songs.

Den beiden ist es ein Anliegen, die lokale Kulturszene zu unterstützen. „Wir wollen den Odenwald bekannter machen“, betont Mike van Summeren. Dazu gehört auch, dass die Schlagersängerin einen speziellen Odenwald-Preis hat, der sich von dem etwa für Nordrhein-Westfalen unterscheidet. Die Förderung der Region wird ganz groß geschrieben.

Michi Tischler, sonst im Hüttenwerk eher durch ihre Arbeit mit der Hausband bekannt, durfte ihrem Faible für Schlager frönen. „Blue Bayou“, „Ein bisschen Frieden“ oder „Tornerò“: Die Frontfrau war in ihrem Element bei den Songs, die jeder schon einmal gehört hat „und die ich schon immer singe“. Nachtaktiv, Mario Monty, DJ Matrix und „Die Capris“ waren ebenfalls mit dabei.

Gut durch die Corona-Krise gekommen?

Gewerbetreibende, Ladenbesitzer und Geschäftsleute in Oberzent dürften bis dato ganz gut durch die Corona-Krise gekommen sein, schätzt Sebastian Hartmann vom Verkehrs- und Gewerbeverein. „Gerade am Anfang hatte jeder große Sorgen“, erinnert er sich. Deshalb war die fundierte Unterstützung von Claudia Ulrich, als Wirtschaftsförderin der OREG für Oberzent zuständig, umso wertvoller. „Als Ehrenamtliche hätten wir das gar nicht leisten können“, sagt er.

Gerade allein arbeitende Selbstständige, denen das Einkommen komplett wegbrach, standen vor dem Nichts. Ulrich fungierte hier als Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Beantragung der Soforthilfe. Was Hartmann als Feedback dazu bekam, war sehr positiv. Sie stand außerdem ständig in Kontakt mit dem Vorstandsmitglied und gab die neuesten Infos weiter. Nicht nur für Geschäftsleute, sondern auch zur Vereinsförderung.

Hartmann geht davon aus, „dass wir in Oberzent noch ganz gut weggekommen sind“. Zum Glück mussten die Läden – im Gegensatz zu Baden-Württemberg und Bayern – später schließen und durften früher wieder öffnen. „Spaß hat es bestimmt keinem gemacht“, nimmt es der Beerfeldener mit Galgenhumor. Aber zumindest scheinen so gut wie alle die schweren Zeiten verkraftet zu haben. Auch der Verein trägt sein Scherflein dazu bei und verzichtet in diesem Jahr auf die Mitgliedsbeiträge.

Nachdem dieses Jahr die Menschen viel zuhause verbringen mussten, „bekommen die Geschäfte vor Ort mehr Zuspruch“, denkt Hartmann. Allerdings ist es für die kleinen Läden aufgrund der Abstandsregeln bisschen schwierig, allen Rechnung zu tragen. „Wenn davor schon eine Schlange ist, überlege ich es mir zwei Mal, ob ich mich dazustelle.“ Trotzdem: Allem Anschein nach hält sich die Geschäftswelt. Was in Frühjahr und Sommer verloren ging, „wollen wir im Winter wieder reinholen“, bekräftigt Hartmann.

Der Gewerbeverein ist aber noch an einem anderen Thema dran, das ebenfalls durch Corona akut wurde. Durch die Pandemie wurden praktisch alle Schulpraktika abgesagt. Somit wissen die Schüler gar nicht mehr, welche Ausbildungsstellen es in Oberzent und darüber hinaus gibt, wenn sie nach der neunten oder zehnten Klasse abgehen. Für sie soll es nun eine Liste der ausbildenden Unternehmen geben: Wer was für wen anbietet. Mit dieser Aufstellung will man nicht nur in Oberzent, sondern auch in Erbach, Michelstadt und Eberbach „hausieren“ gehen.

Nächste Baustelle: die vereinseigene Homepage. Deren Umgestaltung wird in Angriff genommen, informiert Hartmann. Außerdem überlegen die Vorstandsmitglieder, wie das Verkaufserlebnis vor Ort gesteigert werden kann. Ein Gedanke ist, die verschiedenen Einzelhändler im Netz, auf der Homepage oder auf Facebook, zu präsentieren, was dann mit einem Gewinnspiel verbunden werden könnte. „Wir wollen zeigen, was es in Oberzent alles gibt“, betont der zweite Vorsitzende.

Mit dem Thema PinVisit, der App zur Förderung des lokalen Einzelhandels und Tourismus aus Eberbach, wollte man sich eigentlich im Frühjahr beschäftigen. Aber das wurde – wie anderes – auf den Herbst verschoben. „Wir werden dann schauen, wo wir Vorteile generieren können“, erläutert er. Unter anderem in Erbach, Eberbach und Michelstadt wird die App von der Geschäftswelt bereits vielfältig verwendet. Die Stadt hat bereits die Sehenswürdigkeiten Oberzents hinterlegt.

Seinen Mitgliedern will der Gewerbeverein daneben demnächst die Aktion „Was jetzt Odenwald“ vorstellen. Dabei handelt es sich um einen Marktplatz für regionale Unternehmen. Sie wurde zu Beginn der Corona-Pandemie ins Leben gerufen. Zielsetzung ist bei allen Aktionen des Verkehrs- und Heimatvereins immer: Werbung für Oberzent machen.