Am Sonntag gibt’s in der Hinterbach den Run auf die Kohle

Schnell wischt sich Ralf Fischer noch eine Schweißperle von der Stirn. Die stammt nicht daher, dass er mit seinem Köhler-Kompagnon Thomas Frisch dem kokelnden Hügel bei der Arbeit zu nahe gekommen ist. Sondern dass so viele Gäste gekommen und zu bewirten waren. Die wollten einen Eindruck von der Tätigkeit des Hinterbacher Köhlerteams erhalten. Das hält noch bis Sonntag das alte Brauchtum hoch und vermittelt, wie viele Einheimische in früheren Jahrhunderten im Odenwald ihren Lebensunterhalt verdienten.

Alle zwei Jahre lassen um die 20 Männer und Frauen auf dem Gelände an der Straße Richtung Raubach das alte Handwerk wieder aufleben und ziehen durch das urige Ambiente und die Odenwälder Gastfreundschaft Gäste aus allen Ecken und Enden der Region an. Diesmal in besonders großer Zahl, beobachtete Fischer. Selbst der kurze Regen am Dienstagabend konnte die Besucher nicht schrecken, da es genug überdachte Plätze gibt.

Der Kohlenmeiler war dieses Jahr schneller „durch“ als sonst. Das war dem starken Wind vom Montag zu verdanken. „Da bekam der Zunder“, schmunzelt Fischer. Am Mittwoch war das Buchenholz schon durchgekohlt, sodass man am Donnerstag zu Werke gehen konnte und ihn „aufmachte“. Bis Samstag wollen die Hobby-Köhler mit ihrer Arbeit fertig sein, sodass am Sonntag der große Holzkohle-Verkauf starten kann.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst: Das Naturprodukt besticht durch seine hohe Qualität. Die so gewonnene, hochwertige Holzkohle wurde früher für Hufschmiede und Erzverhüttungsbetriebe gebraucht. Heute wird sie von „Grillprofis“ hochgeschätzt. Etwa 30 Kilo Holzkohle pro Festmeter Holz sind das Ergebnis der schweißtreibenden Arbeit.

Der Besuch war an allen Tagen „mittags und abends sehr gut“, freut sich Ralf Fischer. Die Tagesgerichte fanden besonders starken Anklang und waren schnell ausverkauft. „Wir hätten bestimmt das Doppelte umsetzen können“, meinte er. Aber auch die anderen Angebote des Köhlerteams wurden stark nachgefragt, „sodass wir zu Stoßzeiten ganz schön ins Schwitzen kamen“, sagt das Mitglied der Köhler-Brigade.

„Am Sonntagabend geht hier jeder auf dem Zahnfleisch“, macht er deutlich, dass die zehn Tage, an denen alle fast nonstop im Einsatz waren, an die Substanz gehen. Wenn Fischer jedoch auf die vollen Sitzbänke und die Schlange an der Essensausgabe blickte, strahlt er: „Es herrscht eine super Stimmung und alles funktioniert.“ Die Gäste wissen eben auch, dass sie hausgemachte Kost bekommen. Das Fleisch stammt vom Metzger, die Handkässoße ist selbst gemacht, die sauren Bohnen von den Mitgliedern eingekocht und die „Erdrüben“ eigenhändig zubereitet.

Viele Besucher kamen aus dem benachbarten Kreis Bergstraße angefahren, aber auch Heidelberger und Darmstädter durfte man im tiefsten Odenwald begrüßen. „Wiederholungstäter“ aus den Vorjahren hielten sich dabei die Waage mit solchen, die das erste Mal zu Besuch waren und sich über die Arbeit der Köhler heute und in früheren Zeiten informieren wollten.

Für Unterhaltung war ebenfalls gesorgt. Die Alphornbläser „kamen spitzenmäßig an“, so Fischer. Denn das Quartett bot nicht nur klassische Klänge, sondern mischte die Alphornklänge auch mit Bolero- und Tange-Tönen. Die Beerfeldener Jagdhornbläser schauten ebenso vorbei wie Akkordeonspieler „Hans aus Bayern“. Traditionsgemäß kommen die Senioren des FC Finkenbachtal an einem Nachmittag vorbei und lassen es sich gut gehen.

„Der Meiler ist richtig gut geworden“, betont Ralf Fischer. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis.“ Auf den letzten Metern müssen er und Thomas Frisch nun schauen, dass es keine Luftlöcher mehr gibt, sodass die Kohle verglühen könnte. Auf jeden Fall, sagt er, gibt es keine Gefahr mehr, „dass er hüpft“ – wie es vor zwei Jahren passierte.

Ralf Fischer hat das Köhlerhandwerk quasi noch im Blut. Adam Fischer, der Bruder seines Großvaters, betrieb den ehemaligen Broterwerb der Landbevölkerung früher in Olfen. Dadurch wiederum kamen sowohl Ralf Fischers Vater wie auch er selbst damit in Kontakt – der Grundstein war gelegt, sich damit hobbymäßig weiterhin zu beschäftigen.

Info: Am Freitag gibt es als Tagesessen ab 12 Uhr Odenwälder Köhlerpfännchen mit Nudeln. Samstag und Sonntag wird keines angeboten, es gilt ab dem Vormittag bis in den späten Abend die reguläre Speisekarte. Der Meilerplatz befindet sich in Rothenberg-Hinterbach an der Kreisstraße 37 Richtung Raubach. Näheres unter http://www.hinterbach-kohlenmeiler.de

Beste Stimmung und Unterhaltung sind bei der Ersheimer Kerwe garantiert

Wenn die DLRG zur Ersheimer Kerwe ruft, dann ist Hochbetrieb. Denn beste Stimmung und Unterhaltung sind garantiert. Dazu stimmte bis Montagabend auch fast immer das Wetter. Die schwülwarme Luft ließ aber und zu ein paar (viele) Tropfen auf den Boden fallen. Ein Großteil des Geländes ist sowieso überdacht. So können die Gäste im Trockenen ungestört weiterfeiern, sollte einmal der Himmel seine Pforten öffnen.

DLRG-Vorsitzender Thomas Uhrig zeigte sich sehr erfreut darüber, „dass die traditionelle Kerwe so gut von der Bevölkerung angenommen wird“. Den Fassanstich zur Eröffnung am Samstagabend nahm Bürgermeister Oliver Berthold vor. Mit zwei gezielten Schlägen war der Hahn im Fass und der Gerstensaft konnte aus dem 30-Liter-Fass fließen. Danach konnten die Besucher im Biergarten die nette Atmosphäre, das DLRG-Stammessen vom Buchenholzgrill und die Gastfreundschaft der Helfer genießen.

Uhrig dankte für die breite Unterstützung bei der Kerwe-Durchführung. An den drei Tagen seien zwischen 60 und 70 Helfer im Einsatz, darunter auch die „Mallorca-Unterbrecher“, die sich einen Abstecher nach Hirschhorn nicht nehmen ließen. Seit weit über 20 Jahren wirkt die DLRG an der Organisation mit, erst als Mitveranstalter, dann ab 1998 in Alleinregie. Die genauen Anfänge der Kerwe hätten sich bisher noch nicht rekonstruieren lassen, so Uhrig.

Neben den Firmen und Betrieben, die traditionell montags zum Mittagessen vorbeikommen, gibt es auch andere Organisationen, die übers Wochenende gerne einen Abstecher machen – etwa die Feuerwehren. „Man besucht sich gegenseitig“, machte Uhrig die Verbundenheit deutlich. Dutzende Helfer tragen dazu bei, dass bei keinem so schnell Hunger oder Durst aufkommen muss.

Für die kleinen Gäste gab es am Sonntag und Montag einen vielseitigen und kostenlosen Themenpark. Neben einem Bastelzelt wurde auch Kinder-Schminken angeboten. Am Nachmittag stand das Mehrzweckrettungsboot für Rundfahrten auf dem Neckar zur Verfügung. Das wurde wie jedes Jahr sehr gut angenommen. Neben dem Stammessen (Gyros, Spießbraten, halbes Hähnchen mit Pommes) gab es eine reichhaltige Auswahl an Speisen und Getränken.

Eine eigene Postleitzahl für 25 Bürger: Unter-Hainbrunn behält die Rothenberger 64757

Wird es die Postleitzahl 64757 für Gesamt-Rothenberg nach der Oberzent-Fusion nicht mehr geben? Die Antwort klingt ein wenig wie Radio Eriwan: „Im Prinzip ja, aber.“ Denn für Ober-Hainbrunn, das ja zu Rothenberg im Odenwaldkreis gehört, gilt wie für alle anderen Ortsteile ab dem 1. Januar 2018 die neue PLZ 64760. Doch die 64757 überlebt, wenn auch in kleinem Rahmen: im direkt angrenzenden Unter-Hainbrunn, das zum benachbarten Hirschhorn und damit zum Kreis Bergstraße gehört. Es war bisher postalisch und telefonisch dem „Ober“-Nachbarn angeschlossen.

Damit dürfte der aus drei Höfen und sechs Häusern bestehende Stadtteil, der kleinste der „Perle des Neckartals“, wohl auch der kleinste Ort in Deutschland mit eigener Postleitzahl sein. Zumindest ist Unter-Hainbrunn das kleinste Dorf Hessens. Denn es leben gerade mal 25 Leute hier. Wie Hirschhorns Bürgermeister Oliver Berthold sagte, sei er im Rahmen seiner Stadtteilgespräche darauf angesprochen worden, was denn mit PLZ und Telefonvorwahl in Unter-Hainbrunn passiere, wenn das benachbarte Ober-Hainbrunn in der Oberzent-Stadt aufgehe.

Nach Abklärung mit Fusions-Projektleiter Christian Kehrer stellte sich heraus, dass alles beim Alten bleiben kann. Telekom und Post äußerten sich laut Berthold positiv zur Beibehaltung. Neben der Postleitzahl besteht auch die Telefonvorwahl 06275 weiter, die ebenso an den Hauptort Rothenberg angegliedert ist. Diese wird aber dort ebenso weiter bestehen. Der Nachbarort Finkenbach wiederum hat die Beerfeldener 06068.

„Hirschhorn bleibt damit eine Stadt mit drei PLZ und drei Telefonvorwahlen“, meinte Berthold schmunzelnd. Denn der Stadtteil Igelsbach ist in beiden Punkten dem badischen Eberbach mit der 69412 und der 06271 angegliedert, während sich die Kernstadt wiederum beides mit dem badischen Heddesbach teilt (69434 und 06272). Was mitunter zu einigen Verwirrungen führt.

Rothenbergs Bürgermeister Hans Heinz Keursten zeigte sich überrascht vom Postleitzahlen-Alleingang des kleinen Odenwälder Nachbar-Dorfs. „Ich dachte, es wird mit der 64760 die gleiche wie bei der Oberzent-Stadt sein“, meinte er. Das Kuriosum erhält einen kleinen Beigeschmack dadurch, dass es im Höhendorf und auch in Beerfelden im Vorfeld der Fusionsgespräche immer wieder Anfragen gegeben hatte, ob man nicht für alle vier Orte die alten PLZ beibehalten könne. Mit Blick auf den gewünschten Neustart war aber eine neue, einheitliche Postkennung festgeschrieben worden.

Der früheste erhalten gebliebene urkundliche Nachweis belegt das Bestehen des Ortes Himbrunne seit dem Jahr 1390. Die Namensform Undernheimbronn ist seit 1560 nachgewiesen. Andere Namen sind Hunbrunne, Hunbrunn, Hunebronne, Hunbrune und Himbrun. Die Siedlung wurde auch als Haimbronner Höfe bezeichnet und gehörte zum Amt Hirschhorn, das 1803 infolge des Reichsdeputationshauptschlusses von Kurmainz zu Hessen kam. In der Statistik des Großherzogtums Hessen wird der Ort 1863 als Höfe von Hirschhorn mit acht Häusern und 53 Einwohnern geführt.

Auf die DLRG kann man immer bauen: Hirschhorner Ortsgruppe feierte das 40-jährige Bestehen

Ohne das Ehrenamt geht nichts: Deshalb stand die Würdigung der freiwilligen Leistungen im Dienste der Mitmenschen auch bei den Reden zum 40. Jubiläum der DLRG-Ortsgruppe Hirschhorn im Mittelpunkt, das im Rahmen des Ersheimer Kerwe am Gebäude der Bereitschaft gefeiert wurde. Vorsitzender Thomas Uhrig nutzte die Gelegenheit, einen Blick zurück auf vier Jahrzehnte lebensrettender Tätigkeit im hessischen Neckartal zu werfen.

1977 wurde die Ortsgruppe in der Mark-Twain-Stube des damaligen Hirschhorner Bürgerhauses gegründet. Ein Jahr später konnte man durch die Unterstützung der Volksbank bereits das erste Einsatzfahrzeug anschaffen. Während all der Zeit wurde immer ein Schwerpunkt auf die Fortbildung gelegt, betonte Uhrig. Fünf Jahre nach Gründung dann ein Meilenstein: Die DLRG-Station in der Ersheimer Straße wurde eingeweiht.

1992 gründete man zusammen mit dem DRK eine Sanitätsgruppe, 1993 waren die Lebensretter auf dem Wasser selbst betroffen vom Jahrhunderthochwasser des Neckars, das die eigenen Räume 30 Zentimeter hoch überflutete. 1997 wurde laut Uhrig ein Taucheinsatzfahrzeug angeschafft. Und dann in Hirschhorn das erste Hochwasserboot fürs hessische Neckartal stationiert.

2002 war die DLRG mit der Gründung einer First Responder Gruppe als Unterstützung des DRK Vorreiter in diesem Bereich. 2004 gab’s die Hochwassermedaille des Landes. Seit 2013 ist Hirschhorn mit Thomas Uhrig im Kreisvorstand vertreten. Seit 2016 ist er auch organisatorischer Leiter Rettungsdienst im hessischen Neckartal. In diesem Jahr ging man die Renovierung des vor 35 Jahren gebauten Vereinsheims an.

75 Kinder seien derzeit in der Schwimmausbildung im Eberbacher Schwimmbad, weshalb sich die DLRG stark für dessen Erhalt einsetze, sagte der Vorsitzende. Er zeigte sich stolz über die Jugendgruppe. Jugendarbeit generell bezeichnete er als „sehr wichtig“. Man strebe an, in diesem Bereich immer auf dem aktuellen Stand zu sein.

Harald Blum, der vor 40 Jahren die Ortsgruppe mitgründete und zwischenzeitlich als DLRG-Vorsitzender auf Landesebene gewirkt hatte (jetzt ist er Ehrenpräsident), wies auf den Verein als „größte freiwillige Wasserrettungsgesellschaft der Welt“ hin. Von 1950 bis 2015 wurden seinen Worten zufolge 22 Millionen Schwimmprüfungen abgenommen. Den Bau der Station bezeichnete er als sehr wichtig für den Fortbestand der Ortsgruppe. Er forderte mehr Wertschätzung für die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer. Diese seien auch ins kulturelle Leben einer Stadt eingebunden.

Der Vorsitzende des Bergsträßer Kreisverbands, Matthias Denner, wies auf die nicht alltägliche First-Responder-Arbeit hin. Die Vereinsmitglieder opferten viel Zeit für ihre Mitmenschen, betonte er. Mit der Berufung Blums in den Landesvorstand wurden die Hirschhorner Fähigkeiten auch überregional anerkannt, freute er sich.

„Es ist bemerkenswert, was hier aufgebaut wurde“, sagte Bürgermeister Oliver Berthold. Er zeigte sich beindruckend vom Geleisteten. „Nur wenige kennen das vielfältige Aufgabenspektrum“, meinte er. Er würdigte die Arbeit der Verantwortlichen vor Ort als immer verlässliche Partner, die sich um unkomplizierte Lösungen bemühten. „Man kann auf die die DLRG bauen“, so Berthold.

Das kann nicht nur die Stadt, das können auch die Bürger, wie sich direkt im Anschluss zeigte. Kaum war die Feierstunde vorbei, brach plötzlich Hektik aus. Schnell sprangen ein paar Helfer in zwei Fahrzeuge, um mit Blaulicht nach Neckarhausen zu düsen. Dort war ein Traktor von der dortigen Fähre in den Neckar gestürzt. Zum Glück ohne Folgen für die Fahrerin, die nur nass wurde. Das Gefährt aber versank in den Fluten.

Beim 41. Ritterfest am 2. und 3. September taucht Hirschhorn wieder in seine Historie ein

Die Neckarstadt steht am Samstag, 2., und Sonntag 3. September, bereits zum 41. Mal ganz im Zeichen der Historie. Die Hirschhorner Ritter übernehmen das Regiment über die Stadt und laden zum Ritterfest ein. Zwei Tage lang heißt es rund um den Chateau-Landon- und Freien Platz „Hirschhorn lebt im Mittelalter“. Beginn ist an beiden Tagen um 11 Uhr. Außerdem wird in diesem Rahmen das Jubiläum „600 Jahre Jahrmarktsrechte“ begangen. Das Fest beginnt auf dem Rathausvorplatz mit der offiziellen Markteröffnung durch die Hirschhorner Ritter und dem Böllerschuss.

Die bekannte Rittergruppe Fictum kommt auch 2017 gerne wieder an den Neckar. Die tapferen Recken aus Tschechien verstehen sich vortrefflich auf den Schaukampf in Rüstung mit historischen Waffen. Dabei außerdem: Luftartistik mit Trifabula, die Hirschhorner Gruppe kampfhûs mit Fechtvorführungen, die Komödianten Pill und Pankratz, das Gauklerduo Forzarello und der Feuerzirkus Bilenko. Viele Spielmänner und -frauen sind vertreten: Mit bereits 20-jähriger Erfahrung auf den Mittelalterbühnen bringen die Musikerinnen von „Mucker Pazza“ geballte Spielweiber-Power mit, die sich gewaschen hat.

Auch die vier Musiker von Musica Canora haben mit ihren gotischen Dudelsäcken, Saiteninstrumenten, allerlei Pfeifen und Trommeln bei den Auftritten sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit der Mittelalterfans. Die Minnesänger der Ritter zu Hirschhorn runden zusammen mit dem Fanfarenzug der Stadt Eberbach, Hrabne der Barbardin und Christine Weniger an der Drehleier das musikalische Angebot des 41. Ritterfestes ab. Beim abendlichen Tavernenspiel mit feurigem Spektakel erleben die Besucher noch einmal alle Akteure zusammen. Die jeweiligen Auftrittszeiten und -orte sind im Ritterfestflyer und auf der Homepage ersichtlich.

Ein Markenzeichen des Ritterfests ist immer das große Handwerkerdorf mit unzähligen Mitwirkenden, wo man das alte Brauchtum aus vergangenen Jahrhunderten live erleben kann. Dort lässt sich den zahlreichen Künstlern über die Schulter schauen und so manches über die alten Handwerke erfahren. Zu bestaunen sind beispielsweise Buchdrucker, Bogenbauer, Scherenschleifer, Quacksalber, Brillenmacher, Papierschöpfer, historische Färberei und vieles mehr.

Hier ein Auszug: Der Brillenmacher Dahmen fertigt mittelalterliche Brillen aus Holz, Horn, Silber und Mammut. Alle seine Arbeiten sind Unikate. In der Buchdruckerei von meint man, Guttenberg und Kessler stehen persönlich in der Werkstatt. Unter dem Namen Elfgard stellt Eva Landmann besonderen Schmuck her: im hellen Tageslicht zauberhafte Kleinode und bei Nacht leuchten die Stücke wie durch Magie.

Auch einen Fellgerber kann man bei der Ausübung seines Handwerks beobachten und die von ihm gefertigten Produkte wie Hausschuhe, Westen oder Felle direkt erwerben. Die Glasmalerei ist eine traditionelle handwerkliche Technik mit einer über tausendjährigen Geschichte. Eine Hirschhornerin beherrscht diese Kunst perfekt. Ausschließlich mit alten originalgetreuen Werkzeugen wird in der Goldschmiedewerkstatt gearbeitet. Gelötet wird auf Holzkohlenglut mit Mundblasrohr.

Ein Meister seines Handwerks ist der Korbflechter. Er bietet seine handgeflochtenen Körbe feil, zeigt ihre Entstehung und bringt den Kindern das Korbflechten bei. In der Leuchteray fertigen Nicole und Michael Linke Lichterknoten und Holzlaternen an. Auch das von vielen vergessene alte archaische Handwerk des Mollenhauers wird dargestellt. Der Ausdruck bezeichnet den Beruf, bei dem hölzerne Sautröge komplett aus einem Pappel-Baumstamm gearbeitet werden.

Der Silber- und Bronzeschmied zeigt altes Handwerk mit Vorführungen. Man findet von ihm selbst gefertigte Armspangen, Gewandfibeln, Halsreife und Ringe sowie Amulette und Ohrhänger. In seiner mobilen historischen Schmiede schmiedet Thomas Hammer alles, was das Kinderherz begehrt. Ob Schnecken, Würfel, Minihufeisen oder andere Lieblingsstücke, hier wird jeder glücklich. Ein Wetterfahnenmacher berichtet über sein Handwerk und fertigt individuelle Einzelstücke von unvergänglichem Wert.

Allerlei Händler preisen ihre Waren an. Die weiblichen Besucher erfreuen sich an Kränzen aus Getreide und Blumen, mittelalterlichen Gewändern, Taschen, Tüchern, individuellem Schmuck, Kopfschmuck, edlen Steinen, Seifen, Körperölen und Düften, während die Herren sich für Zinnfiguren, Fahnen, Schwerter, Äxte, Rüstungsteile und Helme interessieren. Auch allerhand Nahrhaftes wie Honig, Konfitüren, Marmeladen und Gelees, Gewürze, Kerniges aus der Räucherkammer und Flüssiges vom Metbrauer, Kräuterweine, Frucht- und Sahneliköre, Kräuterliköre und Schnäpse werden feilgeboten.

Info: Der ganztägige „Wegezoll“ beträgt 7 Euro, für das Zweitagesticket 10 Euro. Kinder unter „Schwertmaß“ haben freien Durchlass. Der Eintritt für Gewandete beträgt 4/6 Euro. Im Wegezoll ist der Eintritt für die Bilderausstellung 125 Jahre evangelische Kirche im Langbein-Museum enthalten. Weiteres unter http://www.hirschhorner-ritter.de

Bis zum 6. August raucht der Hinterbacher Kohlenmeiler vor sich hin

Der Kohlenmeiler raucht vor sich. Bürgermeister Hans Heinz Keursten und Ralf Fischer vom Köhlerteam läuteten mit der Befüllung des Quandelschachts die Köhlertage ein, die noch bis zum 6. August laufen. In dieser Zeit wird das alte Handwerk, das in früheren Jahrhunderten in allen Ecken des Odenwalds betrieben wurde, anschaulich dargestellt. Zum Schluss verkaufen die Hobby-Köhler die Holzkohle. Während dieser Zeit gibt es viele Informationen rund ums das alte Brauchtum.

Nicht nur in den zehn Tagen kommen die 20 Helfer ins Schwitzen, wenn sie den Meiler im Auge behalten. Denn das Holz muss ordnungsgemäß verkohlen. „Es darf keinesfalls brennen“, betont Fischer, der neben anderen zusammen mit Thomas Frisch den aufgeschichteten Holzstapel im Auge behalt. „Die Verkohlung wird etwa eine Woche dauern“, erläutert er. Aber allein mit dem Anzünden ist es nicht getan.

„Seit einem halben Jahr wird Holz gemacht“, das die Köhler aus heimischen Wäldern angekauft haben. Seit Anfang April liefen laut Frisch die Vorarbeiten, bei denen sich das Team jeden Samstag auf dem Gelände traf und es für die Veranstaltung herrichtete. In den zwei Wochen vor dem Startschuss schaltete man auf täglich um. Denn etwa 25 Festmeter Buchenholz wollten aufgeschichtet werden. Sie bekamen danach eine Moosschicht, damit das „Gestübb“, die Erde, als luftdichte Abdeckung nicht durchrieseln kann. Denn sonst kommt keine Glut mehr ans Holz.

Die so gewonnene, hochwertige Holzkohle wurde Frisch zufolge früher für Hufschmiede und Erzverhüttungsbetriebe gebraucht. Sogar Bügeleisen im Haushalt wurden damit befüllt. Heute wird sie von „Grillprofis“ hochgeschätzt. Etwa 30 Kilo Holzkohle pro Festmeter Holz sind das Ergebnis der schweißtreibenden Arbeit.

Auf dem idyllisch am Waldrand gelegenen Meilerplatz ist daneben die traditionelle Schlafstätte der Köhler aufgebaut. Neben der fachkundigen Erläuterung sorgen Schautafeln, alte Werkzeuge und Geräte für einen authentischen Einblick in das heute kaum mehr praktizierte Köhlerhandwerk. Übers Wochenende gab’s viele Attraktionen in Form eines Schleppertreffens und dem Auftritt von „Baders Alphorngaudi“.

Damit der Meiler vor sich hin kokeln kann, füllten Keursten und Fischer der Quandelschacht mit Stückholz, Holzkohle und Glut. „Damit wird der Verkohlungsprozess in Gang gebracht“, erläuterte dieser. Die ersten zwei bis drei Tage sind danach die wichtigsten. Alle drei bis fünf Stunden muss der Schacht rund um die Uhr nachbefüllt werden, damit er nicht leerbrennt. Über Luftlöcher kann das Abbrennen gesteuert werden.

Die sind auch nötig, um Druck aus dem Kessel, dem Meiler zu lassen, weil der sonst „einen Hüpfer“ macht. So beschreibt Fischer die Situation, wenn sich zu viel Dampf angestaut hat, der nicht entweichen kann. In dem Fall sind die Köhler blitzschnell gefordert, damit ihnen der mühsam errichtete Holzhügel wahlweise nicht um die Ohren fliegt oder in sich zusammenstürzt. In der ersten Nacht „hielt uns der Meiler auf Trab“, schmunzelt Fischer.

Bevor er zur Tat schritt, begrüßte Bürgermeister Keursten die Gäste und gedachte einem der Initiatoren, Norbert Fischer. Fürs Köhlerteam richtete Alexander Link ein paar Worte an vielen zur Eröffnung gekommenen Gäste. Mit dieser Reminiszenz ans alte Odenwälder Handwerk starteten die Hinterbacher 1989. 1997 ging’s weiter. Erst unregelmäßig, laufen die Köhlertage seit 2009 alle zwei Jahre immer im Wechsel mit dem Meiler auf der Raubacher Höhe, den die Nachbarn aus Schimmeldewog auf die Beine stellen.

Es die Freude am alten Brauchtum und der Wunsch, dieses am Leben zu erhalten, das die Köhler immer wieder motiviert, sich diese zehn Tage „um die Ohren zu schlagen“. Ein Bauwagen und Hängematten stehen bereit, wenn einen mal der Schlaf übermann sollte. „Wir werden auch unterm Jahr immer gefragt, wann es wieder losgeht“, freut sich Frisch über das Interesse aus der Bevölkerung. Die Gäste kommen auch gerne aus Darmstadt oder dem badischen Rhein-Neckar-Kreis angefahren.

Info: Das Köhlerteam hält neben den Klassikern wie Bratwurst, Steaks oder Hausmacher jeden Tag althergebrachte Odenwälder Spezialitäten fürs leibliche Wohl bereit. Immer ab 12 Uhr gibt es Sonntag Rindfleisch mit Meerrettich, Montag, Bohnensuppe „Omas Art“, morgen Kartoffelschnitz mit Fleisch, Mittwoch Erdrüben mit Salzfleisch, Donnerstag Salzbohnen „aus em Stänner“ und Freitag Odenwälder Köhlerpfännchen mit Nudeln. Samstag und Sonntag wird kein Tagesessen angeboten, es gilt die reguläre Speisekarte. An mehreren Tagen schauen Jagdhornbläser-Gruppen vorbei. Der Meilerplatz befindet sich in Rothenberg-Hinterbach an der Kreisstraße 37 Richtung Raubach. Näheres unter http://www.hinterbach-kohlenmeiler.de

Windkraft im Odenwaldkreis: Der Flächennutzungsplan ist das Maß aller Dinge

Es wird wohl ein Kampf gegen Windmühlenflügel sein. Das Höhendorf mit seinen angeschlossenen Ortsteilen wehrt sich dagegen, von Windrädern „umzingelt“ zu werden, die bei Verwirklichung des entsprechenden Regionalplans rund um den Ort in die Höhe wachsen könnten. Dazu kommen noch die Pläne des badischen Eberbachs, was weitere Rotoren in direkter Nachbarschaft bedeuten würde. Über die Situation vor Ort informierte sich jetzt der Bundesabgeordnete Jens Zimmermann.

Der SPD-Mann reagierte damit auf ein Protestschreiben von Finkenbacher, Hinterbacher und Raubacher Bürgern, mit dem sich diese neben dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier auch an ihre politischen Vertreter gewandt hatten. „Wir sehen wenig direkte Einflussmöglichkeiten auf den Regionalplanwurf“, betonte der WGR-Gemeindevertreter Matthias Heiß. Letztendlich werde vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt als zuständiger Behörde eine politische Entscheidung getroffen, wenn es um die Genehmigung von Windparks im Odenwald gehe.

Es geht laut Heiß um „möglichst viel Sperrfeuer von allen Seiten“, betonte er bei der Vorstellung der Rothenberger Bedenken. Die Planungen hätten „Ausmaße angenommen, die nicht mehr tragbar sind“. Es sei wichtig, dass sich Städte und Kommunen kurzschließen. Genau das empfahl auch Zimmermann: „Sie müssen das Problem in Rothenberg klar kommunizieren“, sagte er. Und dabei weiterhin den bisherigen sachlichen Ton beibehalten.

Der Abgeordnete empfahl, auf der Umsetzung des gemeinsamen Odenwaldkreis-Flächennutzungsplans (FNP) zu bestehen, wie es schon bisher getan wurde. Außerdem „müssen bestimmte Dinge klar eingefordert werden“, so Zimmermann. Darunter zählte er auch eine Betrachtung, was im benachbarten Baden-Württemberg vor sich gehe. Das könne nicht losgelöst gesehen werden. Er machte klar, dass jede Kritik an Flächen, „die nicht Teil des FNP sind“, von seiner Partei unterstützt werde.

Zimmermann machte in der Runde mit Bürgermeister Hans Heinz Keursten sowie Gemeindevertretern und -vorstand gleichzeitig deutlich, dass es „eine komplizierte Gemengelage“ gebe. Denn wenn der Regionalplan nicht zustande komme, sei man auf dem Stand des „schlechteren“ Baugesetzbuches. Deshalb sah er einen vernünftigen Regionalplan durchaus als erstrebenswert an. Aber eben einen, der nicht eine Vielzahl von zusätzlichen Flächen gegenüber dem FNP enthalte.

WGR-Gemeindevorstand Rainer Flick wies auf die Unterschiede beim Siedlungsabstand hin. Weil er im Weiler Hinterbach lebe, gälten hier nur 600 Meter anstatt 1000 bei geschlossenen Ortschaften. „Ich fühle mich als Bürger zweiter Klasse“, so Flick. Deshalb müsse ein einheitlicher Abstand von 1000 Meter werde, was auch die Gemeindevertretung in einer Resolution fordere.

Diskutiert wurde in der Runde auch, wie die technische Weiterentwicklung Windenergie auch auf eigentlich unattraktiven Flächen doch möglich machen könnte. Denn trotz geringerer Geschwindigkeiten könnten die Rothenberger Gebiete, für die Investoren aktuell nicht gerade Schlange stehen, in zwei oder der Jahren rentabel werden, befürchtete Heiß.

WGR-GVo Karl-Heinz Braun sprach aus, was allgemeiner Konsens war: „Ich erwarte vom Regierungspräsidium, den FNP zu übernehmen“. Denn er sei mit Politik und Bürgerschaft abgestimmt. Der FNP „ist von der Abwägung her in Ordnung“, sagte Zimmermann. Deshalb habe er kein Verständnis für die politische Blockade.

Zum Thema Einkesselung empfahl der Abgeordnete, dass die Rothenberger von der Regionalversammlung eine Simulation einfordern sollten, die sowohl hessische als auch badische Planungen mit einbeziehe. Denn „es wäre fatal“, wenn alle potenziell möglichen Windräder gebaut würden, sagte Keursten. In der Blickachse nach Westen „gäbe es keinen ruhigen Punkt mehr“, kritisierte SPD-Gemeindevertreter Thomas Wilcke.