Bürgerinitiative will den windigen Wahnsinn stoppen

„Lasst uns gemeinsam diesen Wahnsinn stoppen“, macht die Bürgerinitiative (BI) „Pro Natur“ in Rothenberg deutlich. Sie richtet sich damit gegen Planungen eines Windkraft-Projektierers, der auf der Hirschhorner Höhe 13 Rotoren errichten möchte. Eigentlich war für dieses Wochenende eine Info-Veranstaltung geplant, die aber coronabedingt ausfallen musste. „In diesem Schwachwindgebiet bringen Windenenergieanlagen (WEA) keinen Ertrag“, machen die Gegner klar.

Schon Ende Januar hatten die Rothenberger mit Unterstützung weiterer BI verdeutlicht, wie wenig sie von Windrädern auf dem Höhenzug halten. „Wir nehmen Klimaschutz sehr ernst. Und wir sind für die Nutzung der regenerativen Energien“, sagen die Aktiven. Um hinzuzufügen: „Aber nur dort, wo es wirklich Sinn macht.“ Wie 13 Rotoren aussehen, können die Rothenberger schon jetzt „bewundern“: auf den gegenüber liegenden Hängen von Greiner Eck, Stillfüssel und Kahlberg.

Die Versuche von Windkraftprojektierern Anfang des Jahres, benötigte Flächen für ihr Vorhaben zu pachten, schreckte die Bürger des Höhendorfs auf. Im „Hirsch“ fand Mitte Januar eine Art „Kick-off-Veranstaltung“ statt, aus der sich die BI entwickelte. Die führte dann Anfang März einen Filmabend mit dem Streifen „End of Landschaft“ durch, „wobei wir bis zu 30 weitere Mitstreiter gewonnen haben“, freut sich Claus Weyrauch. „Weitere Aktive sind natürlich gern willkommen“, betont er.

„Uns geht es zuallererst darum, zur Aufklärung der Bevölkerung beizutragen“, erläutert Susanne Weyrauch. In diesem Sinne war auch der jetzige Infonachmittag in der Sporthalle geplant, zu dem sich Prof. Christian-Friedrich Vahl von der Uni Mainz und Geograph Richard Leiner aus Heidelberg angesagt hatten.

Der Herzspezialist Vahl, gleichzeitig Besitzer eines Ferienhauses im Höhenort, wollte zum Thema „Infraschall – Störsender fürs Herz“ referieren. Er ist Leiter der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Seit drei Jahren forscht Vahl mit seiner Arbeitsgruppe „Infraschall“ zu dessen Auswirkungen auf menschliche Organe.

Leiners Thema lautet „Windkraft im Naturpark: Was bedeutet der Regionalplan für den Odenwald?“ Er ist gleichzeitig Sprecher der Initiative „Rettet den Odenwald“. Die Veranstaltung soll zu gegebener Zeit nachgeholt werden, versichert Claus Weyrauch. Er rechnet damit, dass die Projektierer bald wieder ihre Arbeit aufnehmen werden, nachdem ein erster Termin zur Grundstücksakquise abgesagt worden war.

Vor kurzem gab es eine BI-Wanderung durch das betreffende Gebiet, um in Augenschein zu nehmen, welche Fauna und Flora dort vorhanden ist. Zum einen geht es um den Natur- und Baumbestand, zum anderen um das Vorkommen von geschützten Arten. „Für eine lebenswerte Umgebung, für unsere Gesundheit, für den Natur- und Artenschutz“, beschreibt die BI denn auch ihre Zielrichtung.

Am Demonstrationszug quer durch den Ort hatten sich Ende Januar etwa 300 Menschen beteiligt. „Wir erfahren sehr viel Zuspruch von anderen Bürgerinitiativen aus Breuberg, Siedelsbrunn und dem Ulfenbachtal“, berichtet Susanne Weyrauch. Das Anliegen der BI: „Wir wollen die Rothenberger gut informieren, damit sie sich ein eigenes Urteil bilden können.“

Nach Meinung der BI bringen Windräder im „Schwachwindgebiet Odenwald“ keinen Ertrag. Sie würden nur gebaut, um 20 Jahre lang die staatlichen Subventionen abzuschöpfen. „Diesen Subventionsmissbrauch einzelner Konzerne bezahlen wir mit unseren Steuern und einem der höchsten Strompreise in Europa“, mahnen die Aktivisten.

Sie lehnen ganz entschieden die Opferung eines der letzten Naturparadiese in Deutschland zugunsten dieser „für die Allgemeinheit sinnlosen Praxis ab“. Dazu kommt ihrer Meinung nach ein Verfall der Immobilienpreise in der Nähe von WEA. Und wenn die Betreiberfirma Pleite geht, bleiben die Verpächter auf den Rückbaukosten sitzen. „Wehret den Anfängen“, lautet deshalb die Botschaft.

 

Kontakt zur BI „Pro Natur“: Susanne Weyrauch, Telefon 01511-7379793, oder Andreas Ihrig, Telefon 01525-3862359.

 

 

Lenn bekommt jetzt eine ganz, ganz harte Chemo

„Es wird ein langer und steiniger Weg, aber wir haben die Hoffnung, dass Lenn wieder ganz gesund wird“, sagt Jana Morr optimistisch. Der Dreijährige ist an Leukämie erkrankt, was schon in „normalen Zeiten“ eine niederschmetternde Diagnose wäre. Während der Corona-Pandemie ist aber alles nochmal viel heftiger. Nicht nur die Gesundheit ihres Sohnes treibt die 29-jährige Odenwälderin aus dem Oberzent-Stadtteil Rothenberg um, sondern die Familie sieht auch ihre Existenz gefährdet. Lenn hat noch einen kleinen Bruder, Milo, gerade einmal zehn Monate alt.

Die niederschmetternde Diagnose kam Anfang Dezember. Eigentlich gab es nur ganz wenige Vorzeichen, erzählt Jana Morr. Lenn hatte ein paar blaue Flecken, die über Nacht mehr wurden. Ihr Mann Alexander fuhr vorsichthalber in die Kinderklinik, um alles abzuchecken. Dort wurde dem 35-Jährigen nach eingehender Untersuchung mitgeteilt, dass es sich höchstwahrscheinlich um Leukämie handelt. Der Verdacht bestätigte sich nach der Verlegung in die Onkologie leider schnell.

Nicht genug damit, erzählt die junge Frau: Der Dreijährige leidet unter einer sehr seltenen Form der Krankheit, bei der sich der richtige Behandlungsweg erst nach und nach zeigt. Lenn wurde stationär aufgenommen und bekam eine Chemotherapie. „Silvester durfte er das erste Mal wieder nach Hause“, erinnert sich seine Mutter. Doch ein paar Tage später bekam das Kind Fieber und musste wieder ins Krankenhaus.

An eine geregelte Arbeit war bei Alexander Morr nicht mehr zu denken. Wenn Lenn in der Klinik bleiben musste, übernachtete sein Vater bei ihm. Und wenn er zuhause war, gab es jeden zweiten Tag einen Krankenhaus-Termin. In den vergangenen Wochen durfte der Dreijährige viel Zeit in Rothenberg verbringen. „Er versteht nicht, warum er nicht mit anderen Kindern spielen durfte“, sagt seine Mutter. Denn vor dem Haus ist ein Spielplatz. Aber nach der Chemo „hat er so gut wie kein Immunsystem“, weiß sie. Inzwischen ist coronabedingt sowieso alles gesperrt.

Die Pandemie erschwert jetzt alles um ein Vielfaches. „Wir gehen nicht mehr raus, auch nicht zum Einkaufen“, sagt Jana Morr. Die Familie verlässt das Haus nur noch, um ins Krankenhaus zu fahren. Seitdem das aber seine Vorschriften verschärft hat, darf nur noch ein Elternteil mit zur Untersuchung und dort bleiben. „Der andere darf nicht einmal zu Besuch kommen“, bedauert Morr.

Das wird ab dieser Woche für Lenn und seine Eltern besonders hart. „Er bekommt dann eine ganz, ganz harte Chemo“, meint seine Mutter sorgenvoll. Der Dreijährige gilt als Hochrisikopatient. In sechs Tagen erwarten ihn 14 Behandlungen, dann sind zwei Wochen Pause. Das Ganze wiederholt sich noch zwei Mal.

Was ihr Hoffnung macht: Nach der ersten Therapie wurde eine Remission erreicht. Die Krebszellen breiteten sich nicht weiter aus. Jetzt geht es darum, sie nicht nur schlafen zu legen, sondern auch abzutöten. Erst am Ende dieser Behandlung, die mindestens noch das ganze Jahr dauert, wird klar sein, ob ihr Sohn eine Dauertherapie oder zusätzlich eine Stammzellenspende braucht.

„Lenn verpackt es recht gut“, beobachtet die 29-Jährige. Kinder haben eben die meiste Kraft, meint sie. Allerdings gibt es auch Phasen, „da liegt er nur lethargisch im Bett“. In den vergangenen Wochen, als sich die Familie viel zuhause aufhielt, „war er lebensfroh und ist viel draußen rumgerannt“, berichtet sie. „Die Chemo steckt er relativ gut weg“, weiß Morr.

Durch den Wegfall des Einkommens – da Alexander Morr bei seiner Firma freigestellt ist – und bald auch des Elterngeldes kommen auf die vierköpfige Familie existenzielle Sorgen zu. Der Arbeitgeber des 35-Jährigen meldet durch die Wirtschaftskrise außerdem Kurzarbeit an, was noch einmal das zur Verfügung stehende Geld vermindert.

„Wir sind sehr gerührt, dass so viele Leute Anteil nehmen und uns unterstützen wollen“, freut sich Jana Morr deshalb. Der Spendenaufruf der Generationshilfe ging innerhalb kürzester Zeit auf WhatsApp viral. „Damit hätten wir niemals gerechnet“, spricht sie allen ihren großen Dank aus. Ohne die Unterstützung von Familien und Freunden wäre das alles nicht zu schaffen.

Info: Es gibt einen Spendenaufruf der Generationenhilfe Oberzent für die Familie Morr. Zuwendungen können auf das Konto DE12 5085 1952 0030 0120 90 der Generationenhilfe überwiesen werden. In den Betreff bitte angeben: „Spende Lenn“ und die eigene Anschrift, damit eine Spendenbescheinigung zugestellt werden kann. Ohne Bescheinigung geht es formlos über PayPal mit der Adresse spende.lenn@web.de oder PayPal.Me/spendelenn.

Fußball-Geschichte im Odenwald wird lebendig

Der Fußball ist für Klaus Gackenheimer sein Ein und Alles. Akribisch hat der frühere Fußball-Schiedsrichter, Klassenleiter im Kreisjugend-Fußballausschuss und langjährige Aktive seines Heimatvereins SG Rothenberg Unterlagen aus 75 Jahren der Ball-Geschichte im Odenwaldkreis ausgewertet. Daraus sind inzwischen sieben Bücher entstanden, die Ergebnisse, Tabellen, Spielberichte, Fotos und Anekdoten zusammenfassen. Band 7 für die Jahre 2013 bis 2019 ist gerade erschienen.

Seit 2003 hat sich der 74-jährige Rothenberger diese Zusammenstellung zur Aufgabe gemacht. Damals hörte er als Klassenleiter auf. Während dieser Zeit notierte er immer die Ergebnisse der ersten Mannschaft. Damals fielen ihm viele Unterlagen aus den vorhergehenden Jahren in die Hände. „Ich dachte mir, das könnte ich zu Papier bringen“, erzählt der Rothenberger. Was fehlte, organisierte er sich.

„Ich war immer unterwegs“, erinnert er sich. Kaum mit seinem Job bei Scherer fertig, recherchierte er im Kreisarchiv und beim Odenwälder Echo in unzähligen Stunden und mühevoller Kleinarbeit die vergangenen Jahrzehnte. „Bei der Heimatzeitung bin ich tagelang im Keller gesessen“, berichtet er sich. Ins Höhendorf zurückgekehrt, übertrug Gackenheimer seine Erkenntnisse gleich in den Computer. „Das ist eine Sauarbeit“, nimmt er kein Blatt vor den Mund.

Aufzeichnungen der früheren Kreisfußballwarte Fritz Walter, Horst Neff und jetzt Wilhelm Paulus ging der Autor mit Paulus durch. Es entstanden Bücher von jeweils rund 500 Seiten, die in einer Steinbacher Druckerei mit einer Auflage von 150 bis 200 Stück hergestellt wurde. Im Vorwort dankt Kreisfußballwart Paulus dem Rothenberger Fußballfreund für die zeitaufwendige Arbeit, mit der sich Gackenheimer nicht nur ein Lebenswerk geschaffen, sondern auch allen interessierten das Fußballgeschehen für die Zukunft erhalten hat.

Wenn montags das Echo erscheint, setzt sich Gackenheimer nachmittags zwei Stunden hin und wertet von der obersten Liga bis ganz nach unten alles detailliert aus. Weil nicht immer alle Daten vorhanden sind, gehört die Internetrecherche für ihn zum täglichen Brot. Der erste Band, 2005 erschienen, beleuchtet die Zeit von 1945 bis 1975. Die Vereine stellten dem Autor Bilder aus früheren Jahren zur Verfügung. Band 2 reicht von 1975 bis 1985. Danach wurden die Abstände kürzer: erst acht, dann sechs Jahre. Natürlich ist Band 8 schon in Vorbereitung. Parallel erstellt der Fußball-Fan Jahresordner, die er jedes Jahr im Kreisarchiv Erbach abgibt.

„Wenn ich das heute nicht mehr mache, macht es keiner mehr“, betont Gackenheimer. Er kümmert sich aber nicht nur um die Kicker im Kreis. Denn nächstes Jahr feiert sein Heimatverein, die SG Rothenberg, ihr 75. Jubiläum. Der demnächst Gleichaltrige trägt ab dem Gründungsjahr 1946 die Geschichte zusammen. Im Gemeindearchiv und im SG-Sportheim sind seine Arbeiten für alle Interessierte zugänglich.

Aber nicht nur hier war Gackenheimer ehrenamtlich aktiv. „Ich habe in 45 Jahren 1250 Spiele gepfiffen“, notierte er akribisch. „Die Zeit möchte ich nicht missen.“ Ein Spiel in Beerfelden vor langer Zeit ist ihm noch im Gedächtnis. Das brach er in der Halbzeit beim Stand von 12:0 ab, weil die gegnerische Mannschaft einfach zu betrunken war. Dazu kommt noch sein Faible für die Kleintierzucht. Mit seinen Kaninchen war der dem Hirschhorner Züchterverein angeschlossene bereits drei Mal Deutscher Meister.

Dem Fußball gilt aber sein Hauptaugenmerk. „Dem widme ich jede freie Minute“, berichtet er. Nach dem Krieg waren alle Vereine verboten, weiß der Rothenberger. Bei der Militärregierung musste damals der Antrag auf Neugründung gestellt werden. Voraussetzung. Es durften keine propagandistischen Versammlungen abgehalten werden. Per Hand wurde damals das Gelände auf der Höhe eingeebnet, um einen Platz zu erstellen. Trikots gab es keine, die bekam man wie auch Bälle im Tausch gegen Holz. „Heute hat der Verein 50 Bälle“, weiß der Senior. Die geht er montags nach den Spielen immer im Wald suchen.

 

Info: Band 7 der Geschichte des Fußballs im Odenwaldkreis ist erhältlich beim Autor Klaus Gackenheimer in Rothenberg, Odenwälder Landstraße 26, Telefon 06275/474, E-Mail  kgackenheimer@aol.com und in der Gaststätte „Zur Gerste“ in Steinbach bei Wilhelm Paulus, Telefon 0160-91875510, http://www.zur-gerste.de, zum Preis von 25 Euro. Die bisherigen Bücher Band 1 bis Band 6 sind bei beiden noch in kleinen Stückzahlen erhältlich.

Landwirtschaft sorgt für Artenvielfalt im Odenwald

Dass Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam für Artenvielfalt sorgen können, darum ging es bei einem Termin „vor Corona“ in Hirschhorn. Rund 20 Landwirte aus der Region trafen sich auf Einladung des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt mit der dort angesiedelten Oberen Naturschutzbehörde, dem Forstamt Beerfelden und den Ämtern für Landwirtschaft Bergstraße und Odenwaldkreis zu einer Gebietskonferenz.

Henriette Wache vom RP Darmstadt und Karsten Böger vom Büro Naturplan informierten über das Natura-2000-Schutzgebiet „Odenwald bei Hirschhorn“. Dort seien noch erfreulich viele artenreiche und buntblühende Wiesen anzutreffen, wie sie andernorts im Odenwald bereits sehr selten sind. Diese Wiesen werden von den an der Veranstaltung teilnehmenden Landwirten überwiegend im Nebenerwerb gemäht oder beweidet.

Gudrun Kranhold vom Forstamt Beerfelden, die das Schutzgebiet im Auftrag des RP betreut, berichtete von ihren Pflegemaßnahmen. Ziel sei, möglichst viele Flächen in landwirtschaftlicher Nutzung zu halten und sie auf brachgefallenen Flächen wiederaufzunehmen. Nach der Entbuschung werden die Wiesen dann von den Landwirtinnen und Landwirten weiterbewirtschaftet.

Bei der Diskussion zeigte sich, dass vielfältige Hindernisse bei der Grünland-Bewirtschaftung bestehen. Dazu zählen steile Hänge, Giftpflanzen, aber auch die Vorgaben für Düngung und Mahd und die geringe finanzielle Entlohnung für die Erhaltung des Grünlandes. Die Jagd auf Wildschweine, die große Schäden anrichten und den Landwirten erhebliche zusätzliche Arbeit machen, müsste aus Sicht von Landwirtschaft und Naturschutz verstärkt und vereinfacht werden.

„Dank des Engagements der örtlichen Landwirtschaft ist das Natura-2000-Gebiet mit seinen artenreichen, bunten Wiesen ein Vorbild für eine naturgerechte Landwirtschaft“, so Henriette Wache. Diese habe jedoch nur eine Zukunft, so die einhellige Auffassung der Anwesenden, wenn diese Leistungen auskömmlich bezahlt werden.

Naturschutzgebiete und Nationalparks stehen aufgrund nationaler Bestimmungen unter Schutz. Natura 2000 ist ein europäisches Gebietsnetz, das europaweit bedeutsame Lebensräume, Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt schützt. Mehr Informationen zu diesem Thema gibt es auf der Internetseite des Regierungspräsidiums unter https://rp-darmstadt.hessen.de/umwelt/naturschutz

Evangelische Kirchengemeinde Beerfelden: Keine Sonntagsgottesdienste bis Pfingsten

„Im Bewusstsein unserer Verantwortung für die Menschen vor Gott und im Bekenntnis zu unserem Herrn Jesus Christus“, wie es Pfarrer Roland Bahre formuliert, hat der Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden angesichts des Coronavirus‘ einige weitreichende Regelungen beschlossen. Die wichtigste: In der gesamten Kirchengemeinde finden voraussichtlich bis Ende Mai, also kurz vor Pfingsten, keine öffentlichen Sonntagsgottesdienste statt.

„Wir haben uns dazu entschlossen, den Zeitraum bis Pfingsten zu wählen, weil wir finden, dass wir es als Kirche den Menschen schuldig sind, einigermaßen Planungssicherheit in dieser chaotischen Zeit zu bieten“, hebt der Pfarrer hervor. Besonderes Augenmerk in dieser Zeit wird auf die Seelsorge gelegt.

Der Geistliche weist darauf hin, dass es im Gegenzug besondere Angebote geben wird. Dazu zählt das „stellvertretende Gebet“ der Pfarrer sonntags in den Kirchen mit der Möglichkeit, das Vaterunser beim Ertönen der Vaterunser-Glocke von zu Hause mitzubeten. Weiterhin können per E-Mail an gebetsanliegen-beerfelden@web.de Gebetsanliegen vorgebracht werden. Im Angebot des „Offenen Ohres“ geht es um die Einzelseelsorge.

Dass die Frohe Botschaft, das Oster-Evangelium, verkündet werden muss, ist unbestritten, betont er. „Dass wir uns nicht zum Gottesdienst feiern treffen können, trifft uns als Kirchengemeinde ins Mark. Für mich als Christen ist das so, als würde man mir die Nahrung entziehen. Deshalb werden wir darüber nachdenken, wie wir Ostern feiern können, auch wenn wir uns nichtöffentlich versammeln.“

Der Konfirmationsgottesdienst am 17. Mai und alle damit verbundenen Gottesdienste finden ebenfalls nicht statt. Neue Termine sind Mitte September. Voraussichtlich wird auch kein Gottesdienst an Christi Himmelfahrt stattfinden.

Für Trauungen werden individuelle Lösungen gefunden, sagt er. Bestattungen finden nur im engsten Familienkreis und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das diesjährige Chorprojekt, das in Konzerten Ende September aufgeführt werden sollte, entfällt. Der Konfirmandenunterricht ist vorerst bis nach den Osterferien abgesagt. Alle weiteren Veranstaltungen sind bis Pfingsten ebenfalls gecancelt.

In den nächsten Wochen sollen die evangelischen Christen über den Gemeindebrief weitere Informationen erhalten. Wenn auch nicht öffentlich, „tritt die Kirche jeden Sonntag vor Gottes Angesicht“, so Bahre. Er und Pfarrer Roger Frohmuth werden in den Kirchen Beerfelden, Sensbachtal und Gammelsbach stellvertretend für die gesamte Gemeinde alleine Fürbitte halten „und vor dem Kreuz zu unserem Gott beten“.

Nach einer halben Stunde wird dem Pfarrer zufolge die Vaterunser-Glocke läuten, die die gesamte Bevölkerung einlädt, miteinander über die Grenzen der Wohnräume hinweg das das Vaterunser zu sprechen. Mindestens die großen Gottesdienste (Karfreitag und Ostersonntag) werden in der Martinskirche in Beerfelden aufgezeichnet und stehen dann auf der Homepage zur Verfügung.

Besondere Gebetsanliegen können Gläubige telefonisch den Pfarrern mitteilen oder ihnen ein Anliegen auf den Anrufbeantworter sprechen. Die sind Tag und Nacht eingeschaltet, um sie spätestens am darauffolgenden Sonntag vor Gott zu bringen. Zusätzlich wird es öffentliche Gebetszeiten in der Martinskirche Beerfelden geben, wenn zum stillen Gebet vor dem Kreuz eingeladen wird. Es besteht hier auch die Möglichkeit, eine Kerze zu entzünden und in einem Gebetsbuch ganz persönliche Gebetsanliegen vorzubringen.

„In dieser Zeit ist in besonderer Weise die Seelsorge gefordert“, hebt der Geistliche hervor. Wer ein persönliches Gespräch wünscht, kann sich telefonisch bei den Pfarrern melden. Das könnte im günstigsten Fall telefonisch stattfinden, um den direkten Kontakt weitgehend zu vermeiden. „Es ist unsere Berufung und unsere heilige Pflicht, für Sie da zu sein und Sie telefonisch oder in Ausnahmefällen auch persönlich zu Hause oder im Krankenhaus aufzusuchen und Sie so zu begleiten“, formuliert es Pfarrer Bahre.

 

 

Info: Notfallseelsorge und Krisenintervention (PSNV) finden in der Kirchengemeinde wie auch im Odenwaldkreis weiterhin statt. Einmal wöchentlich wird zudem die Möglichkeit bestehen, im Betsaal der Martinskirche Beerfelden Pfarrer Roland Bahre auf einen Kaffee zu treffen („Offenes Ohr“). Dieses Vier-Augen-Gespräch ist vertraulich und findet in geeignetem Abstand statt.

Stellvertretendes Gebet: Martinskirche in Beerfelden sonntags von 10 bis 10:30 Uhr mit abschließendem Vaterunser und Segen um 10.30 Uhr. Kirche Sensbachtal sonntags von 11 bis 11.30 Uhr mit Vaterunser und Segen um 11.30 Uhr. Kirche Gammelsbach sonntags von 12 bis 12.30 Uhr mit Vaterunser und Segen um 12.30 Uhr.

Bei Fragen und Unsicherheiten können sich die Gläubigen telefonisch an folgende Personen wenden: Gemeindebüro 06068/1330 (montags bis donnerstags jeweils vormittags), Pfarrer Bahre 06068/478125, Pfarrer Frohmuth 06068/2243, Pfarrerin Borck 06276/912084, E-Mail gebetsanliegen-beerfelden@web.de

Dringend gesucht: ein Kiosk-Betreiber fürs Hetzbacher Freibad

Die Zeit drängt. Am 21. Mai soll das Hetzbacher Freibad wieder aufmachen, aber es fehlt noch der Kiosk-Betreiber, der auch den Kartenverkauf übernehmen würde. Die Schwimmbad-Initiative ist fieberhaft auf der Suche nach einem Nachfolger der bisherigen Pächterin, die sich nach zehn Jahren beruflich anderweitig orientierte. Natürlich soll der Schwimmbadbetrieb im 60. Jubiläumsjahr des Familienbades wie gewohnt funktionieren, wünscht sich Walter Gerbig von der betreuenden Initiative.

Die kümmert sich seit 2002 um alles, was im täglichen Betrieb anfällt. Damals stand der Weiterbetrieb auf der Kippe, weil der Stadt Beerfelden die Mittel fehlten. Es folgte eine große Spendenbereitschaft der Bürger, die weit über die Grenzen Hetzbachs hinausging. Insgesamt kamen in kurzer Zeit 60.000 Euro zusammen, so dass das Freibad kurzfristig saniert und am 15. Juni 2002 mit einem großen Fest wiedereröffnet wurde.

Seitdem unterstützt die aus dem damaligen Bürgerprotest gegen die Schließung hervorgegangene „Interessengruppe Schwimmbad Hetzbach“ die Stadt bei Sanierung und Unterhaltung sowie organisiert weitestmöglich – seit einiger Zeit sogar durchgehend – die Badeaufsicht. Dies führt zu einer erheblichen Verringerung der Kosten. Gerbig beziffert die bei der Stadt verbleibende Summe auf 20.000 bis 25.000 Euro im Jahr.

Der sehr begehrte Kioskbetreiber pachtet laut Gerbig die Räumlichkeiten vor der Kommune. Im Gegenzug für die Übernahme des Eintrittskartenverkaufs muss für die Pacht nichts bezahlt werden. Nur die Nebenkosten für Strom und Wasser werden abgerechnet. Beim Liegenschaftsamt der Stadt in Unter-Sensbach gibt’s weitere Infos zu den Anforderungen und Vertragskriterien.

„Wir haben damals bewusst auf eine Vereinsgründung verzichtet“, erzählt Gerbig. Denn man wollte bestimmte Regularien vermeiden. Die 25 Aktiven, von denen 15 in jeder Saison die Badeaufsicht übernehmen, waren seitdem sehr rührig. Teile der Anlage wurden vollkommen neu gestaltet, unansehnliche Betonwege durch hochwertigen Plattenbelag ersetzt, aus dem gleichen Material auch die Terrassen vor dem Kiosk und der Ruhebereich direkt am Becken geschaffen. „In 18 Jahren haben wir alles einmal komplett saniert“, ist er stolz.

Ein Anbau am Betriebsgebäude, wo früher die Chlorierungsanlage untergebracht war, verbessert heute die räumliche Situation für das Aufsichtspersonal. Hochwertige Bänke und Tische wurden in Eigenleistung hergestellt, das alte, marode Durchschreitebecken am Nichtschwimmerbereich komplett erneuert. Im Bereich der früheren „Herren-Umkleidekabinen“ entstand eine neue Toilettenanlage.

Im Zuge der Zeit optimierten die Ehrenamtlichen auch die örtlichen Gegebenheiten. Das gesamte Gelände ist nun innerhalb von zwei Stunden abzuarbeiten, weil zahlreiche tote Ecken „begradigt“ wurden. Durch gestalterische Maßnahmen wurde alles „effizient“ angelegt, so Gerbig. Das wissen auch die Eltern zu schätzen, weil sie ihre Kleinen nun jederzeit im Blick haben. Ein Rasentraktor und ein Saugrobotor wurden von der Initiative angeschafft und der Stadt übereignet.

Jedes Jahr im Frühjahr ist Großeinsatz für die Helfer angesagt. „Wir treffen uns im Mai und machen das Schwimmbad startklar“, weiß er. Danach finden jede Woche Säuberungsmaßnahmen statt. Pflege und Unterhaltung der Wassertechnik stehen ebenfalls auf der Agenda. Das Ganze hilft dann dabei, den Zuschussbedarf für die Stadt sehr moderat zu halten.

Bei gutem Wetter, schätzt der Hetzbacher, kommen am Tag um die 300 bis 500 Gäste ins Freibad. Nicht nur aus Oberzent, sondern auch aus Erbach oder Michelstadt. Die Gäste von dort wissen die Übersichtlichkeit zu schätzen, weil ihre Bäder größer dimensioniert sind. Ein neuer Kioskbetreiber kann auch auf Stammkundschaft setzen, da sich das Bad in Ermangelung von Gaststätten zu einer Art „Ortstreff“ gemausert. Es gibt eine Stammtischgruppe, einen Lesezirkel und die Kartenspieler.

Freibad-Geschichte:

Bereits im Jahr 1935 gab es die ersten Pläne, in Hetzbach ein Schwimmbad zu errichten. Da jedoch auch die umliegenden Gemeinden für die nicht unerheblichen Kosten aufkommen sollten, sich jedoch nicht beteiligten, geriet das Vorhaben wieder in Vergessenheit. Erst in den 1950er Jahren, zur Amtszeit von Bürgermeister Leonhard Ehrhard, wurde die Idee eines Freibades wieder aufgegriffen und vorangebracht. Im Jahr 1958 konnte der erste Spatenstich erfolgen.

Soweit es möglich war, wurden die Arbeiten an Hetzbacher Firmen vergeben. Gebaut wurde ein Freibad mit Gas-Chlorungsanlage, Umkleidekabinen, Toiletten, Kiosk und Kleideraufbewahrungsraum. Die Baukosten beliefen sich auf rund 125.000 Mark. Auf die Gemeinde entfielen 75.000 Mark, aus Bundesmitteln flossen 10.000 und von der Sportwetten GmbH 40.000 Mark. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Schwimmbad am Pfingstsamstag, 4. Juni 1960, „bei sengender Hitze“ eingeweiht. 700 Besucher bewunderten dabei das 25 auf zwölf Meter große Schwimmbecken und die 6000 Quadratmeter große Anlage.

Oberzent-Farbenzwerge sind in Deutschland spitze

Die Kleintierzucht liegt Walter Braner in den Genen. Sein Opa war 1916 Mitbegründer des später unter den Nazis aufgelösten Kaninchenzuchtvereins Hirschhorn. Den damaligen, 94 Jahre alten Wimpel, hält der Enkel in Ehren. Der Vater züchtete Kaninchen und Geflügel beim Kleintierzuchtverein Eberbach und war 1966 Gründungsvorsitzender in Hirschhorn. Walter Braner schließlich blickt bereits auf eine 61-jährige Züchterkarriere zurück, die er gerade vor kurzem wieder mit einem deutschen Meistertitel krönte.

Farbenzwerge thüringerfarbig nennen sich die possierlichen Kaninchen, denen sich der gebürtige Hirschhorner und heutige Finkenbacher seit 2005 widmet. Thüringer und Weißgrannen waren es zuvor, nachdem Braner, beeinflusst durch den Vater, 1959 Mitglied im Kleintierzuchtverein C 248 Eberbach wurde. 1966 war er mit Gerhard Ahlers Gründungsmitglied beim Kleintierzuchtverein C 227 Hirschhorn, der wie die anderen Vereine in der eigentlich hessischen Stadt im Badischen organisiert ist.

Der von 1975 bis 1998 andauernden Züchterpause aus beruflichen und familiären Gründen schloss sich 1999 der Wiedereinstieg in Hirschhorn an. Seitdem ist er Züchter und Kassierer. Der Oberzent-Stadtrat ist als Aussteller auf örtlichen Jungtier- und Lokalschauen, auf allen Landesschauen in Baden und den meisten Bundesschauen aktiv.

Seine Tiere sind oberhalb des Hauses untergebracht. „Die mögen alles außer Zucchini und Gurken“, weiß der Züchter aus Erfahrung. Vor die Gitter der Ställe hat er auf einer Seite Sperrholzbretter dagegen genagelt, damit die Tiere einen Schutz haben, wenn der Marder vorbeischauen sollte. „Sonst werden die absolut panisch und verletzen sich“, erzählt er.

Kleintierzüchter sind heutzutage eine aussterbende Spezies. In früheren (Hoch-)Zeiten waren es in Hirschhorn um die 20 Aktive, heute gerade noch drei oder vier. Die Lokalschau ist deshalb nicht mehr durchführbar, das Vereinsheim soll demnächst an die HCV-Fastnachter verkauft werden. Braner bedauert das alles sehr.

Seine Farbenzwerge werden erst seit den 1960er Jahren gezüchtet, erläutert er. Denn vorher widmete man sich den Tieren, „um was für die Pfanne zu haben“. Dieser Aspekt ging jedoch in den vergangenen Jahren stark zurück. So entstand quasi von allen Kaninchenrassen im Laufe der Zeit eine Zwergvariante. Deren Anteil auf den Ausstellungen wird immer größer.

Nicht nur väterlicherseits ist ihm die Beschäftigung mit den Tieren in die Wiege gelegt. Braners Mutter stammt von einem Bauernhof in Kocherbach, wo es natürlich auch an allen Ecken wuselte. „Die Bienentradition hat ein Cousin in Heiligkreuzsteinach übernommen“, schmunzelt er. Für den begeisterten Züchter war es selbstverständlich, nach der Pause wieder einzusteigen. „Der Reiz war immer groß“, sagt er. Züchterisch zu experimentieren und auf Ausstellungen zu gehen macht ihm Spaß.

Es gibt 64 verschiedene Kaninchen-Grundrassen mit vielen Farbausprägungen, weiß der Fachmann. Allein von den Farbenzwergen existieren 54 Farbschattierungen. Seit Braner 2011 von der allgemeinen In die Herdbuch-Abteilung wechselte, ist er damit fast ein Exot. 28.000 Tiere wurden auf der 34. Bundeskaninchenschau in Karlsruhe ausgestellt, gerade mal 60 in seiner Klasse. Die Schau-Vorbereitung nimmt einige Zeit in Anspruch, denn die Kaninchen gilt es ganz genau anzuschauen. Dienstag werden die Tiere hingebracht, Mittwoch und Donnerstag begutachtet, ehe dann die Käufer aus vielen europäischen Ländern kommen.

Aktuell hat der Finkenbacher 14 junge und 14 ältere Tiere hinterm Haus. Es können dann je nach Nachwuchs bis zu 40 werden. Herdbuch bedeutet dann, dass es zwar weniger „Mitbewerber“, aber strengere Vorschriften gibt, was die Sammlung angeht. Braner muss acht statt vier Tiere melden, die alle vom gleichen Vater abstammen. Sein alter Stammrammler „deckt neun verschiedene Häsinnen“, erläutert er. Der ist bestimmt Vater von 20 Würfen, schätzt der Züchter.

 

 

Werden die Kaninchen nicht bei der Ausstellung gekauft, dann können sich die Käufer die Tiere auch per Spedition schicken lassen. Bis Anfang der 1970er Jahre, erinnert sich Walter Braner, gab es für die Versendung noch eine andere Methode: Da ging der Züchter mit einer Apfelsinenkiste und dem tierischen Inhalt an den Hirschhorner Bahnhof, von wo aus sich der Vierbeiner dann als Expressgut auf den Weg zum neuen Besitzer machte. Das Ganze per Nachnahme, was für den Verschicker eine große Sicherheit bedeutete.