Haushalt wird kräftig durcheinander gewirbelt

Die Corona-Pandemie sorgt für kräftige Turbulenzen im Oberzent-Haushalt. Bürgermeister Christian Kehrer und Finanzchefin Franziska Michel stellten die aktuellen Zahlen dem Haupt- und Finanzausschuss auf dessen Sitzung im Bürgerhaus vor. Es ist überwiegend die Gewerbesteuer, die für kräftige rote Zahlen sorgt. Die Parlamentarier wussten sich mit der Verwaltung in der Hoffnung vereint, dass ein staatlicher Schutzschirm bis Jahresende für Besserung sorgen möge.

Kehrer wies zu Beginn darauf hin, dass es sich hauptsächlich um Schätzzahlen handelt. Die Gewerbesteuer liegt seinen Worten nach derzeit um 455.000 Euro niedriger als im Ergebnis 2019. Damals landete man bei 1,863 Millionen. Das war bereits niedriger als der Ansatz, was aber an sich ändernden Zahlen aus dem kommunalen Finanzausgleich lag.

Gerechnet hatte man fürs Jahr 2020 in der Planung ursprünglich mit 1,629 Millionen Euro Einnahmen, was nun obsolet ist. Auch Einkommen- und Umsatzsteuerumlage werden nach unten gehen, prognostizierte der Bürgermeister. Allerdings ist die Höhe noch unklar. Weniger Gewerbesteuereinnahmen bedeuten auch eine geringere Umlage, die noch nicht genau bezifferbar ist. Also ein Fahren auf Sicht.

„Wir fahren im Odenwaldkreis eine einheitliche Linie“, meinte Kehrer zum geplanten Erlass der Kindergartengebühren in den Monaten April bis Juli. Dieser muss jedoch noch final von der Stadtverordneten-Versammlung beschlossen werden. Derzeit, erläuterte er, läuft in den Einrichtungen ein erweiterter Notbetrieb. Der Magistrat beschloss bereits eine Stundung, die von den Gremien in ihrer Juli-Sitzung noch in einen Gebührenerlass umgewandelt werden müsste. Es geht hier um 76.000 Euro.

Bei der Spielapparatesteuer rechnet die Stadt mit Ausfällen von 6000 Euro. 9000 Euro zusätzlich fielen durch die Beschaffung von Masken und Desinfektionsmitteln sowie durch Schutzmaßnahmen an. Auf der anderen Seite gab unfreiwillige Einsparungen durch die Absage von Veranstaltungen wie Pferdemarkt und Seniorennachmittag in Höhe von 56.500 Euro.

Der Wald bleibt weiter das Oberzent-Sorgenkind. Der Borkenkäfer treibt weiter sein Unwesen und sorgt dafür, dass die Holzpreise im Keller sind. „Da wird sich nicht viel tun“, blickte der Bürgermeister sorgenvoll auf die einstige Schatzkammer von Oberzent. Bis 2017 lieferte der Wald im Schnitt zusammen 700.000 Euro Einnahmen an die vier früheren Kommunen Rothenberg, Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck ab.

Seit der Fusion ist es damit vorbei. Erst kaum der Sturm, dann die Hitze, dann der Käfer – oder alles zusammen. Die Einnahmen bewegten sich über 130.000 (2018) und 33.000 Euro (2019) Richtung rote Null in diesem Jahr. Auf dem Papier sind im Waldwirtschaftsplan 2020 noch 117 Euro Plus vermerkt, aber aktuell steht man bei 100.000 Euro Miesen, verdeutlichte der Bürgermeister. „Wir hoffen noch auf null zu kommen“, sagte er.

Die Aufarbeitung des Käferholzes kostet seinen Worten nach so viel, „dass die Einnahmen nicht gedeckt sind“. Die fehlenden 700.000 Euro aus der Holzvermarktung zehren quasi komplett den „Fusionsbonus“ auf, erklärte das Stadtoberhaupt. Also die Summe, die die neue Stadt eigentlich zusätzlich im Haushalt haben wollte, eben weil sich die vier Gemeinden zusammengeschlossen hatten. Nun ist also wie bereits früher Sparen angesagt, bis es knirscht.

Kehrer hatte wenig Hoffnung auf schnellere Finanz-Besserung. Er rechnet damit, dass mindestens fünf bis sechs Jahre lang, wahrscheinlich länger, der Wald als Geldgeber ausfällt. Michel kündigte noch an, dass in der nächsten Zeit ein Darlehen aufgenommen werden muss, um die anfallenden Ausgaben zu bestreiten. Es dürfte zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro werden, sagte sie. Für diese Höhe liegt noch eine Ermächtigung aus dem Haushaltsjahr 2019 vor.

 

Dringender Handlungsbedarf bei Kita-Plätzen

Oberzent braucht dringend neue Kindergartenplätze. In Beerfelden ist die Not am größten, aber auch Kailbach klagt über Platzmangel. Unter-Sensbach steht durch die Eröffnung einer zweiten Gruppe ganz gut da. In Rothenberg geht es vor um die räumliche Situation. Stoff genug also für den Sozial-, Kultur- und Gesundheitsausschuss, der erstmals in eigener Verantwortung tagte. „Wir nehmen als Mandatsträger das Heft in die Hand, damit Bewegung in die Sache kommt“, kündigte der stellvertretende Vorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) an.

Das ewige Warten auf Fördermittel, nur um zu erfahren, „dass sie vergeben oder gestrichen sind“, ist seiner Ansicht nach nicht zielführend, betonte er. Denn wenn danach die Planungen für einen Um- oder Neubau erst einmal wieder ad acta gelegt werden, bleibt das Problem der fehlenden Plätze bestehen oder wird sogar noch größer.

„Es ist ein schweres Dilemma“, formulierte Zucht, dass Fördermittel des Landes anscheinend – wie beim Beispiel Kindergartenneubau Rothenberg – im „Windhundprinzip“ vergeben werden. Er sah dies als eine gravierende Benachteiligung des ländlichen Raumes.

„Um zu Potte zu kommen“, ist ein Agieren unabhängig von Fördermittel notwendig, wusste sich Zucht mit seinen Kollegen der verschiedenen Fraktionen einig. „Wir sind in der Pflicht“, wies er auf den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hin. 45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – „und es werden nicht weniger“.

Bis zur kommenden Sitzung des Ausschusses am 13. Juli soll das Bauamt nach dem Wunsch des Ausschusses nun unter zeitlichen und finanziellen Kriterien prüfen, wie eine Containerlösung für die Standorte Beerfelden und Kailbach aussehen könnte. Auch für einen möglichen Waldkindergarten soll bis dahin eine Expertise eingeholt werden. Varianten davon gibt es bereits in umliegenden Orten wie Eberbach und Erbach. „Jedes Format ist ein Plus“, so der Ausschuss-Vorsitzende.

Dann könnte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Nägel mit Köpfen machen. Natürlich würden es die Ausschussmitglieder gerne sehen, wenn es bereits zum nächsten Kindergartenjahr eine Lösung gäbe, aber so schnell wird es wohl nicht gehen. Zucht hob hervor, dass ein Anbau in Beerfelden und ein Neubau in Rothenberg „noch nicht vom Tisch sind“. Sollte es neue Fördermittel geben, „stehen wir Gewehr bei Fuß“.

Diese Projekte laufen seinen Angaben nach aber mehrere Jahre. „Wir brauchen jedoch jetzt etwas kurzfristig Umsetzbares“, betonte er. Bei den Containern denkt man an einen Kauf. Denn sie ließen sich, sollten sie für den Kindergarten einmal nicht mehr gebraucht werden, anderweitig umwidmen. Andererseits werden sie jedoch für diesen Zweck einige Zeit im Einsatz sein, sodass eine Anmietung nicht so sinnvoll erscheint.

Dem Ausschuss geht es mit seinen Vorschlägen und Ideen auch um die Außenwirkung: „Wir müssen ein Signal setzen, dass etwas passiert“, ist Zucht wichtig. Denn das Thema schleppt sich schon lange dahin, ohne dass Fortschritte zu erkennen sind. „Es muss Priorität haben“, postulierte er. Die Mandatsträger wollen nicht länger zuwarten. So schnell wie es organisatorisch und finanziell machbar ist, sollen die Container sehen. „Wir haben ein Ziel formuliert und werden es mit Nachdruck weiter verfolgen“, war fraktionsübergreifend der Tenor im Gremium.

Im Vorfeld hatte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich die Zahlen erläutert. In Beerfelden ist die Kita derzeit voll belegt. Es gibt hier eine lange Warteliste. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterweiterungsbau aufgenommen werden müssten. Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kita, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen.

Trockenschwimmen ist angesagt

Die Oberzent-Freibäder bleiben in diesem Jahr zu: Die drei ehrenamtlichen Schwimmbad-Initiativen auf städtischer Gemarkung (Beerfelden, Finkenbach und Hetzbach) sehen sich personell nicht in der Lage, die Corona-Auflagen zu erfüllen. Von allen wird sehr bedauert, nicht öffnen zu dürfen. Eberbach, Erbach und Michelstadt lauten die Alternativen für Badefans.

Vor kurzem fand eine Sitzung mit Vertretern der Stadt statt. Darin wurde die in Hessen ab Monatsmitte mögliche Öffnung diskutiert. Allerdings unter großen, bis 16. August geltenden Auflagen, die den Knackpunkt bilden. Zum einen geht es natürlich um die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern. Zum anderen dürfen Sammelumkleiden von höchstens einer Person je angefangenen fünf Quadratmetern Grundfläche genutzt werden, soweit keine festen Trennvorrichtungen angebracht sind.

Außerdem muss der Zutritt ins Bad ohne Warteschlangen erfolgen. Die Betreiber müssen dazu ein Hygiene- und Zugangskonzept vorlegen und überwachen, das auch eine Reinigung der sanitären Anlagen und Umkleideräumlichkeiten in kurzen Intervallen vorsieht. Im Becken darf sich maximal eine Person je angefangener Wasserfläche von fünf Quadratmetern aufhalten.

Zum einen können die Ehrenamtlichen die Auflagen mit dem vorhandenen Personal nicht umzusetzen. Zum anderen signalisieren sie auch, dass sich „niemand die Konfrontationen bei der Umsetzung zumuten will“, wie es der Hetzbacher Walter Gerbig formuliert. Gekaufte (Jahres-)Karten für 2020 sollen nun ihre Gültigkeit für 2021 behalten. Wie es mit der Öffnung des Marbachstausees aussieht, klärt nach Auskunft von Bürgermeister Christian Kehrer derzeit der Wasserverband Mittlere Mümling.

„Wir bitten die Bürger um Verständnis“, sagt Ina Bottelberger vom Arbeitskreis Waldseebad, dass eine Öffnung der Bäder in den angrenzenden Städten leichter zu handhaben ist, weil Hauptamtliche dahinter stehen. „Wir haben uns gemeinschaftlich geeinigt, dass alle drei Bäder geschlossen bleiben“, erläutert sie. In Beerfelden wollen die Helfer nun Unkraut jäten, Büsche, Dornenhecken und Bäume zurückschneiden, „damit wir im kommenden Frühjahr keinen Urwald haben“.

„Die Grünanlage wäre gepflegt und betriebsbereit“, bedauert auch Christian Niesen vom Heimat- und Verschönerungsverein Finkenbach die fortwährende Schließung. Aber leider ist nur mit ehrenamtlichem Personal nichts zu machen. Die Helfer gehen nun daran, die Mängelliste zu aktualisieren und dann an die Stadt weiterzugeben. Dach abdichten, Wand verputzen oder Folie erneuern sind einige der Punkte, die vom Bauhof erledigt werden müssten.

Ähnlich in Hetzbach. Die Schwimmbad-Initiative will nun übers Jahr den Grünschnitt organisieren und die Wartungsarbeit für 2021 vorbereiten. Da ein Kiosk-Betreiber nach wie vor fehlte, hätte unter der Woche eine Person die Badeaufsicht übernehmen, die Eintrittskarten abreißen und die Hygienevorschriften überwachen müssen. Unmöglich, schildert Gerbig die Voraussetzungen

Im Hüttenwerk auf großer Fahrt

„Rumsingen mit Polly“ hieß es schön doppeldeutig beim Auftritt der Brensbacherin Maike Gaul, die jetzt mit Piraten- und Seemannsliedern im Hüttenwerk Michelstadt zu Gast war. Für die Background-Vocals bei Pollys Liedern sorgte Markus Schmitt alias Käpt‘n Jamie McIntyre. Mitgebracht hatte sie ihre Freundin Julia Möller, die einen Teil des Programms mit Gitarre und eingängigen Popsongs bestritt. Die drei sorgten für viel Stimmung im gut besetzten Saal.

„Mittelaltermärkte und Musik wie etwa von der Band Schandmaul fand ich schon lange vor dem Einstieg in mein Hobby gut“, erzählt Maike Gaul. Eine Freundin nahm sie 2007 auf ihre erste Live-Rollenspiel-Veranstaltung (LARP) mit. „Der Mix aus mittelalterlicher Gewandung, Rätsel lösen, Gegner bekämpfen und ohne Technik die Tage zu verbringen, hat mir gleich Spaß gemacht“, erklärt sie. Besonders das mittelalterlich-fantastische Genre hat es ihr angetan.

Auf den LARP-Veranstaltungen, den „Cons“, tritt die Brensbacherin seit etwa fünf Jahren auf – allerdings nicht im klassischen Sinne. Man sitzt zusammen am Lagerfeuer oder in der Taverne und fängt einfach an zu spielen.  Auf offenen Bühnen außerhalb des Hobbys ist sie seit etwa einem Jahr unterwegs. „Es macht mir wahnsinnig Spaß, Leuten meine Geschichten zu erzählen“, erläutert Maike Gaul ihre Faszination an der Sache. Wenn sie es schafft, durch ihre Musik die Stimmung hervorzurufen, „die ich beim Schreiben verspüre, ist das wirklich toll“.

Eine Freibeuterin mimt die 34-Jährige, weil sie von einer Freundin gefragt wurde, ob sie nicht mit ihr als Kapitänin mal einen „Just for fun“-Charakter spielen wollte. „Ich habe einen Musikercharakter gewählt, weil mir zu der Zeit zu viele Balladensänger abends am Feuer saßen“, meint Piratin Polly. Sie wollte einfach mehr Spaß haben. „Also habe ich mir ein Instrument gesucht, das man schnell lernen kann und das gut zu transportieren ist.“

Maike Gaul ist Teil des LARP-Vereins Münzquell mit Sitz in Brensbach (www.münzquell.de). Der fährt mit seinen fast 100 Mitgliedern hauptsächlich auf Veranstaltungen der Firma „Live Adventure“. Dazu zählt auch das größte Live-Rollenspiel Europas, „Conquest of Mythodea“. Der Verein richtet jedoch ebenfalls eigene Veranstaltungen (Tavernen oder Abenteuer-Cons) aus. „Auf Mittelaltermärkte gehen wir auch gerne gemeinsam“, berichtet sie.

Als musikalischen Einfluss bezeichnet sie einen „wilden Mix von LARP-Barden“, die Maike Gaul im Laufe der Zeit kennengelernt hat. Die Ideen für ihre selbst verfassten Songs bezieht sie aus vielen verschiedenen Anlässen. „Das Liebeslied habe ich zum Beispiel für meinen Freund geschrieben“, erläutert sie. Der Feuervogel wiederum „entstand aus einer Situation in unserem Rollenspiel“. Manchmal hat die Brensbacherin auch eine Melodie im Kopf und überlegt, welches Thema dazu passen könnte.

Die Resonanz der Zuschauer ist ganz unterschiedlich, hat sie beobachtet. „Im LARP wissen die Zuhörer sofort, dass ich eine Bardin bin und können meine Musik einordnen“, weiß sie. Auf offenen Bühnen haben die meisten allerdings noch nie was von ihrem Hobby gehört und sind erst mal gefordert, das ganze Konzept zu verstehen. Allerdings ist hier natürlich auch ihre Aufregung etwas größer, da sie nicht weiß, wie ihre Musik ankommt.

Durch die Corona-Pandemie „fällt leider viel von dem aus, was ich vorhatte“, bedauert Maike Gaul.  Deswegen wird es wohl bei Straßenmusik und offenen Bühnen bis zum Ende des Jahres bleiben. Die 34-Jährige spielt aktuell mit dem Gedanken, sich eine Drehleier anzuschaffen. „Dieses Instrument fasziniert mich nun schon lange‘“, erzählt sie.

 

 

Maike Gaul (34) aus Brensbach kam durch ihr musikalisches Elternhaus schon früh mit Musik in Kontakt. Ein paar Jahre sang sie in einem Kinderchor. Mit zwölf begann sie Querflöte zu spielen und war über zehn Jahre aktiv bei den Schützenmusikanten Petersberg. 2015 fing sie an, Ukulele zu spielen. Jetzt stehen auch Bodhran und Cajon bei ihr herum. „Neben der Musik“ übt sie hauptberuflich einen Bürojob aus.

Feuerwehren legen langsam wieder los

Seit Anfang des Monats gibt’s nach der Corona-Auszeit bei den Feuerwehren in Oberzent wieder einen sogenannten „eingeschränkten Regelbetrieb“. Langsam werden die Übungen wieder hochgefahren, aber Ausbildungen und Lehrgänge finden weiter nicht statt. Bei den alten Hasen sitzen die Handgriffe, aber gerade die Neulinge müssen darben, sagt der Ober-Hainbrunner Feuerwehr-Vereinsvorsitzende Stefan Hofmann. Und der eingeschränkte Regelbetrieb ist mit einigen Auflagen verbunden, erklärt Björn Jöst von der Kailbacher Feuerwehr.

Das fängt beim Betreten des Feuerwehrhauses an: Hände waschen, lautet die Devise. Bei theoretischen Ausbildungen in geschlossenen Räumen ist je Teilnehmer ein Mindestabstand von 1,5 Meter vorzusehen, schildert er weiter die Corona-Vorkehrungen. „Da die Größe unseres Schulungsraums sehr gering ist, dürfen maximal fünf Personen an der Theorie teilnehmen“, heißt dies.

Die praktische Ausbildung erfolgt bei der Oberzent-Stadtteilwehr im ehemaligen Hesseneck wie bei anderen auch in Kleingruppen mit maximal sechs Personen inklusive Mund-Nasenschutz. Auf Gruppen- und Zugübungen oder solche größerer Einheiten wird bis auf weiteres verzichtet. Die Kleingruppen sind laut Jöst immer mit dem gleichen Personal zu besetzen. Außerdem sollen die Übungen nach Möglichkeit am eigenen Standort vornehmlich im Freien durchgeführt werden.

Als erste Unterrichtseinheit begann man in Kailbach mit einer umfassenden Schulung zu den derzeitig gültigen Standardeinsatzregeln sowie den Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, so Jöst. Weder auf Kreis- noch auf Landesebene wurden in den vergangenen drei Monaten Lehrgänge durchgeführt. „Besonders schmerzlich für uns war“, bedauert er, dass ein geplanter Lehrgang Technische Hilfeleistung Verkehrsunfall speziell für die Oberzentwehren abgesagt werden musste. Denn daran wollten vier Kailbacher teilnehmen.

Björn Jöst hofft, dass die Ortsteilwehr ihre traditionelle gemeinsame Länderübergreifende Übung mit Eberbach-Friedrichsdorf am 26. September ganz normal durchführen kann. Eine Katastrophenschutzübung mit der Wehr aus Hiltersklingen „mussten wir Corona-bedingt Anfang Mai leider absagen“, erzählt er. Er wäre außerdem froh darüber, wenn Übungen an verschiedenen Objekten und nicht nur am Feuerwehrgerätehaus, solche mit allen Einsatzkräften und gemeinsame der Wehren Kailbach, Hesselbach und Schöllenbach durchführen zu können.

Zum Glück wirkte sich die fehlende Übungspraxis in letzter Zeit nicht negativ aus, macht Jöst drei Kreuze. Da die Kailbacher als eine der wenigen Wehren im Kreisgebiet auf einem Fahrzeug eine komplett bestückte Dekontaminationsbox vorrätig haben, „hatten wir auch sofort genügend Schutzmasken, Händedesinfektionsmittel und Flächendesinfektionsmittel an Bord“. Denn durch die Lieferengpässe dauerte es bei den Kollegen in Oberzent etwas.

Wenn ein großer Raum zur Verfügung steht, darf man mit bis zu 15 Kameraden Unterrichte machen, weiß Marc Gärtner von der Beerfeldener Wehr. Bis Anfang Juni gab es nur die Möglichkeit des Online-Unterrichts und der Einzel-Ausbildung, schildert er die Situation. Der Betrieb in den Werkstätten zur Prüfung von Geräten lief immer unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Der Beerfeldener üben immer mit einer Gruppe an einem anderen Wochentag. Zum Glück gab es in der vergangenen Zeit auch wenige Einsätze. Ähnliches berichtet Jochen Weinthäter aus Rothenberg.

Marcel Schäfer aus Unter-Sensbach weist darauf hin, dass Personen der Risikogruppen Ü60, die ihren Dienst verlängerten, und solche mit Vorerkrankung noch vom Übungsbetrieb ausgenommen sind. Durchgeführt werden Präsentationen vom Kreis und Land über Unterrichtsthemen. Lehrgänge sind bis auf die beruflichen noch abgesagt, erläutert er. Vor kurzem gab es die erste praktische Ausbildung in Kleingruppen.

In Finkenbach wurden während des komplett eingestellten Übungsbetriebs wichtige Infos per E-Mail oder WhatsApp geschickt, sagt der stellvertretende Wehrführer Wolfgang Buchert. Auch die Voraushelfer dürfen seit April auf Anordnung des Kreises nicht ausrücken. Von der Stadt bekam man Desinfektionsmittel, Einweganzügen, Masken und Brillen für besondere Einsätze mit Verdacht auf Corona.

„Bei Einsätzen wird darauf geachtet, dass nicht zu viel Personal an die Einsatzstelle fährt“, schildert Buchert das Vorgehen. Führungskräfte fahren in getrennten Fahrzeugen. Es wurden mehrere Gruppen gebildet, um etwas Ausbildung durchzuführen. „Ich denke, dass wir durch den Übungsausfall keine negativen Folgen hatten, da wir doch einen guten Ausbildungsstand haben“, blickt er zufrieden auf die Leistungsfähigkeit der Finkenbacher.

Vereinsvorsitzender Jens Schindler bedauert, dass die Grillnacht im Mai ausfiel. Beim Weinfest im September wartet man noch ab, wie sich die Lage bis dorthin entwickelt. „Für uns sind diese Feste wichtige Einnahmequellen“, so Schindler, um etwa Geräte für den Brand- und Katastrophenschutz der Bevölkerung finanzieren zu können. „Glücklicherweise haben wir monatlich keine großen Fixkosten“, erzählt er. Jedoch fallen dieses Jahr die Investitionen kleiner aus.

In Ober-Hainbrunn ist der Raum groß genug, „damit wir weit genug auseinander sitzen“, berichtet Stefan Hofmann. Seit sie wieder darf, führte die Stadtteilwehr zwei kleiner Übungen durch. Es gab in der vergangenen Zeiten einen kritischen Verkehrsunfall mit Kontaktsperre, weiß er. Hofmann tut es vor allem für den Nachwuchs leid. „Wir haben zwei Jungs dabei, die noch keine Praxiserfahrung sammeln konnten“, sagt er. Außerdem gibt es drei Neulinge, die auf ihren Lehrgang warten.

Fastnachter sind noch gelassen: Erstmal „laafe losse“

Noch blicken die Fastnachter in den verschiedenen Oberzent-Hochburgen relativ gelassen Richtung Kampagneneröffnung. Sie verfolgen aber aufmerksam die bundesweite Diskussion, ob es wegen Corona ab dem 11.11. wieder viel Narretei geben kann, ob diese abgesagt oder eingedampft werden muss. Zumindest der Übungsbetrieb der diversen Tanzgruppen ist bereits wieder angelaufen oder steht kurz davor.

Dass in den ländlichen Gemeinden Fastnacht nach wie vor eine bodenständige Veranstaltung ist, zahlt sich für den Präsidenten der Narrhalla Hainbrunn, Frank Flachs, jetzt aus. Die Oberzent-Vereine können viel flexibler auf die sich stetig ändernde Situation reagieren. Die Großen in Köln oder Düsseldorf „gehen jetzt schon in die Planung und haben wahnsinnige Auslagen im Vorfeld“, weiß er.  Es rächt sich nun laut Flachs, „dass dort alles immer größer, toller, besser werden musste“.

Anders bei der Narrhalla: „Bis Ende Oktober haben wir keine Auslagen“, weiß der Präsident. Entsprechend werden die Narren im Finkenbachtal so lange abwarten und schauen, wie sich die Lage entwickelt. Er kann es nicht nachvollziehen, dass der Bund deutscher Karneval (BdK) schon jetzt in die Öffentlichkeit geht und Absagen in den Raum stellt. Für den Hainbrunner müssen die Faschingsgiganten nun den Preis für ihr bisheriges Wetteifern um die beste schönste und tollste Kampagne bezahlen.

Von Kaffeesatz lesen und Glaskugel schauen hält Flachs nichts. „Weiß ich denn, was in einem halben Jahr ist“, wird er aktuell noch keine Entscheidung pro oder contra Kampagne treffen. Vielleicht könnte es Fastnacht mit Eingangskontrolle geben – rein kommen alle mit Corona Test, sieht er einige Möglichkeit der Durchführung. „Wir lassen alles auf uns zukommen“, blickt er gelassen nach vorn. Der Präsident sieht die Narren im kleinen Stadtteil gut aufgestellt. Die Gruppen trainieren bereits im Rahmen des Hygienekonzepts.

Ähnlich gehen die Fastnachter auf dem Berg an das Thema ran: „Aktuell betrachten wir die Diskussionen noch aus der Distanz“, erläutert Robin Hemberger von der Carneval Gesellschaft Beerfelden (CGB). Zwar treffen sich natürlich schon wieder die Gruppen unter Einhaltung aller Regeln, „aber wirklich intensiv ins Planen von Szenarien gehen wir wohl erst im August oder September“.

Das hat auch einen praktischen Grund: „Man weiß jetzt noch nicht, wie die behördlichen Regelungen bis dahin aussehen.“ Abgespeckte Versionen sind für die Beerfeldener Narren dann sicher auch Denkmodelle. „Im Moment gilt noch unser altes Motto: Laafe losse…“, nimmt Hemberger die derzeitige Hängepartie mit dem gebotenen närrischen Humor.

Im Sensbachtal verfolgt man ebenfalls aufmerksam, wie sich die närrische Großwetterlage entwickelt. „Wir bekommen auch über Verbände und befreundeten Vereine mit, dass diese Diskussion läuft und wir haben uns auch schon selbst darüber verständigt“, teilt Thomas Johe vom MGV Sensbachtal mit. Der Vorsitzende des TSV, Gerd Scheuermann, und Johe sind so verblieben, „dass wir spätestens Ende September oder Anfang Oktober entscheiden werden, ob die Sensbacher Fastnacht stattfinden kann oder nicht“.

Sollte den närrischen Sensbachtalern zwischenzeitlich die Entscheidung vom Staat abgenommen werden, „dann müssen wir uns natürlich beugen“, so Johe. In der Zwischenzeit werden, erklärt er, die TSV-Tanzgruppen nach Abwägung und Einhaltung der Hygienevorschriften nach und nach wieder ins Training gehen. Anders die MGV-Sänger: „Wir sind momentan total lahm gelegt und können nur grobe Pläne machen, was wir singen könnten.“

Deshalb bleibt es für den Vorsitzenden Johe „spannend, wie es weiter geht“. Denn im Tal der Liebe steht dieses Jahr ein besonderes närrisches Jubiläum an: Die kommende  Kampagne wäre die 44. Die würde man logischerweise sehr gerne feiern.

 

Die Glocke soll endlich läuten

„Die Glocke von Kailbach“ ist kein Odenwald-Stück von Schiller, sondern ein anderer, bereits 20 Jahre währender Klassiker im früheren Hessenecker Ortsteil. Dessen Ortsbeirat kam jetzt im Hesselbacher Dorfgemeinschaftshaus zusammen, weil dieses den meisten Platz zur Abstandswahrung in Corona-Zeiten bietet. Ortsvorsteher Martin Pollak freute sich über die doch ansehnliche Zuschauerzahl.

Es geht um die alte, der Gemeinde gehörende Schulhaus-Glocke in Kailbach. Die ist zwischenzeitlich, nachdem erst die Kirche, dann ein Privatmann das (inzwischen abgerissene) Turmgebäude kaufte, in der Friedhofshalle zwischengelagert. Auf dem Friedhof soll sie in Zukunft wieder erklingen. Bei der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) hatte man einen Antrag auf Förderung für diese Maßnahme aus dem Regionalbudget gestellt, aber der wurde leider abgelehnt.

Davon will man sich aber nicht entmutigen lassen. „Wir wollen das 2021 noch einmal beantragen“, kündigt der Ortsvorsteher an. Parallel läuft demnächst eine Sammlung im Ort an, um alles in Eigenleistung in Zusammenarbeit mit einem Zimmereibetrieb zu stemmen. Denn so langsam will man zu Potte genommen, nachdem die Glocke schon viele Jahre nicht mehr klingt. Mit der Glocke hat es zwar noch nicht hingehauen, aber dafür gibt’s nun eine neue Brücke über den Schöllenbach. Die machte der Oberzent-Bauhof flott, nachdem die bisherige an Altersschwäche litt.

Ist Hesseneck in Sachen Mobilfunk bald kein Tal der Ahnungslosen mehr? Pollak informierte Gremium und Besucher darüber, dass der Mobilfunkanbieter O2-Telefonica in Schöllenbach einen Sendemast aufstellen möchte und eine entsprechende Anfrage bei der Stadt Oberzent startete Hintergrund ist die Förderung der 5G-Technologie.

Der Ortsbeirat sprach sich für die Umsetzung aus. Die Stadt hätte ein Grundstück, alternativ könnte die Errichtung auch auf einem privaten Gelände erfolgen. Laut Pollak kam der Mobilfunkriese „übers badische Schöllenbach bzw. Eberbach auf uns zu“. Dort werde von den Bürgern der Bedarf gesehen.

Seit in der Schöllenbacher Siegfriedstraße nach den Regeln der Straßenverkehrsordnung geparkt wird – also nicht mehr auf dem Gehweg – gibt’s öfter einmal beengte Begegnungen und einige Hupkonzerte, schilderte der Ortsvorsteher die Lage. Sein Wunsch: Das Oberzent-Ordnungsamt sollte die Parksituation vor Ort überprüfen. Möglicherweise macht es an der einen oder anderen Stelle – gerade in Kurven – Sinn, das Parken einzuschränken.

 

 

Es wird gerockt als gäbe es kein Morgen

Die kleinen, aber feinen Akustik-Konzerte im Hüttenwerk Michelstadt haben sich herumgesprochen und finden immer mehr Fans. Wenn dann so ein Hochkaräter wie Sängerin Ina Morgan dort mit Tom Stryder auftritt, sind die Plätze an den schön nach Abstandsregeln aufgestellten Tisch praktisch alle besetzt. Stammgäste finden sich zuhauf, aber an diesem Abend auch einige von außerhalb, die die beiden in den Odenwald gezogen hatten.

Zwei Stimmen, zwei Gitarren: Mehr braucht es nicht, um bekannte Rocksongs fetzig ungewöhnlich zu interpretieren. Immer abwechselnd gibt’s mal männlichen, mal weiblichen Leadgesang. Dass die Chemie stimmt, wird gleich zu Beginn deutlich. Das Duo Morgan/Stryder albert kräftig herum, ein paar Spitzen zum Gegenüber inklusive.

Für beide ist es der erste Live-Auftritt nach der coronabedingten Pause. „Es fühlt sich ganz komisch an, dass es so lange kein Veranstaltungen gab“, erklärt Stryder. Was dazu führt, „dass wir nach drei Monaten ohne Auftritt nervös sind“, übt er sich in Understatement. Was aber natürlich unnötig ist, denn man ist ja quasi „unter sich“. Und so löst sich die Spannung, sollte es eine gegeben haben, schnell wieder.

Die große Spielfreude, gepaart mit dem musikalischen Können, tut ein Übriges, dass gleich beim ersten Lied super Stimmung herrscht, die Gäste gern mitgehen, mitklatschen und ab und zu auch mal mitsingen. Der Mann aus Nidda beherrscht nicht nur seine Gitarre, sondern hat auch eine voluminöse Reibeisenstimme, mit der er Songs seinen Stempel aufdrückt. „Sweet Home Alabama“ von Lynyrd Skynyrd, „One Horse Town“ von Blackberry Smoke oder „Whiskey in the Jar“ bringt Stryer damit klingend unters Volk.

Über Ina Morgan muss man im Hüttenwerk keine großen Worte mehr verlieren. Sie war dort schon des Öfteren bei der Hausband „Another Livetime“ zu Gast und ist als außergewöhnliche Rockröhre bekannt. Chefin Michi Tischler bezeichnet sie sogar als ihr Vorbild, hauptberuflich Sängerin geworden zu sein. Kein Wunder, wenn man Morgans Werdegang betrachtet.

Vergangenes Jahr war sie als Backgroundsängerin mit Tobias Sammets Avantasia in den ganz großen deutschen Hallen auf Tour, Ende des Monats unterstützt sie Avantasia-Gitarrist Oliver Hartmann bei dessen CD-Release-Stream in Aschaffenburg. Ihre musikalischen Sporen verdiente sie sich 1988/89 – damals noch als Ina Morgenweck – mit der Ostrockband „Charlie“.

Nach der Wiedervereinigung wurde sie 1990 als Solosängerin für Udo Lindenbergs „Bunte Republik Deutschland“ Tour gebucht. 1991 arbeitete sie für ihre erste eigene CD „Alles Easy“ mit Tony Carey zusammen. Auch mit Anne Haigis, Chris Norman, Luther Allison und Joana Connor war sie auf Tour. Da ist ein kleiner Saal wie das Hüttenwerk für sie fast wie „Back to the roots“, ganz zurück zu den Anfängen. Was auch Stryder betont, der wieder die Verbindung zwischen Fans und Künstlern spürt, wo „vor Corona“ alles manchmal „nur noch“ ein Job war.

Die starken Frauenstimmen sind Ina Morgans Ding. „Jolene“ von Dolly Parton, „Love is free“ von Sheryl Crow oder auch „Empty Heart“ von Grace Potter verleiht sie mit viel Power und Substanz Ausdruck. „Sweet Child O’Mine“ bekommt eine ganze andere Note, wenn nicht Axl Rose sein Krächz-Organ ertönen lässt. Einziges Haar in der Suppe: Morgans Blick geht zu oft runter zur Gitarre, um die Riffs richtig zu greifen. Das lässt die Stimme zwischendurch etwas schwanken.

Doch dadurch lassen sich die Besucher nicht ihre Begeisterung trüben. Melissa Etheridges „Like the way I do“, Journeys „Don’t stop believing“ und schließlich „Angels“ von Robbie Williams als „Rausschmeißer“ bewirken das Gegenteil: Die Fans wollen mehr. Bekommen Sie auch. Ein Paradestück von Ina Morgan ist Janis Joplins „Me and Bobby McGee“, bei dem sie noch einmal richtig aus sich herausgeht. Große Gaudi dann ganz am Ende, als Michi Tischler mit ans Mikro kommt und alle drei „Shallow“ von Lady Gaga darbieten.

Kindergartenplätze sind knapp

Dem ehemaligen Hesseneck geht’s in Sachen Kindergartenplätze ähnlich wie dem Rest von Oberzent: Sie sind knapp. Der Platzmangel ist auch in der Kita Wirbelwind in Kailbach spürbar. Eltern fragten bereits an, ob ein Anbau oder ein Container möglich sei, um die Kapazität zu erhöhen, berichtete Ortsvorsteher Martin Pollak dem Ortsbeirat auf dessen Sitzung in Hesselbach.

Fünf Kinder stehen aktuell auf der Warteliste fürs Kindergartenjahr 2020/21. Die Stadt versucht, eine Lösung zu finden, weiß Pollak. Schon aktuell gibt es aber Knirpse, die in Kailbach keinen Platz bekommen haben und deshalb bei den „Kleinen Strolchen“ in Unter-Sensbach untergebracht sind. Dem Ortsvorsteher ist klar, dass es sich nicht nur um ein Hesseneck-Problem handelt. Auch die Einrichtungen in Beerfelden und Rothenberg platzen aus allen Nähten.

In der Sitzung des Gremiums ging es auch um die Verwendung des eigenen Budgets. Rudolf Brandel will Baumpaten suchen, damit Bäume entlang der Straßen in Schöllenbach und Kailbach gepflanzt werden können, die wiederum aus dem Etat des Ortsbeirats finanziert werden. Die Feuerwehr möchte an der ehemaligen Trafostation neben dem Feuerwehrhaus ein Uhrwerk mit Uhr anbringen, informierte Pollak. Auch dieses Ansinnen wurde positiv aufgenommen. Angefragt wurden daneben Transportwagen für die Friedhöfe.

Der Ortsvorsteher freute sich über zwei Dorfverschönerungen in Kailbach, die er dem Gremium und den Gästen bekannt gab. Zum einen erstrahlen die Aushang-Tafeln am Weißenbörner Platz in der Bahnhofstraße in neuem Glanz. Zum anderen ziert ein schmucker Pavillon den Ort an der Kreuzung der beiden Landesstraßen. Er wurde von der Firma von Energie-Holz Wagner gestiftet.

Mit leuchtendem Beispiel vorangehen

Zehn kleine Helfer haben sich jetzt in Finken-, Hinter- und Raubach auf den Weg gemacht, „gefahren“ von Ortsvorsteher Christian Niesen. Sie sollen dabei helfen, dass an neuralgischen Stellen langsamer gefahren wird. Hintergrund: Der Ortsbeirat schaffte vor kurzem aus deinem Budget zehn Streetbuddys an. Das Komplettpaket mit Schloss und Kette belief sich auf 450 Euro. Aufstellorte sind vor allem Buswartehäuschen, wo Kinder ein- und aussteigen, sowie Häuser, wo kinderreiche Familien wohnen.

Niesen informiert, dass die reflektierenden Figuren nicht stationär dort bleiben, sondern alle zwei Monate an andere Stellen kommen sollen. Damit will man einen Gewöhnungseffekt vermeiden. „Wir sind hinterher, dass sie immer woanders aufgestellt werden“, betont er. Die leuchtenden Freunde wurden von ihm festgekettet und angeschlossen, damit sie „uns nicht weglaufen“, meint er schmunzelnd.

Bei seiner Aktion erhielt Niesen viel positive Resonanz von den Bürgern. „Super“, war der Tenor. „Jetzt muss ich das Kettcar nicht mehr rausstellen“, sagte ein anderer. In Finkenbach stellte der Ortsvorsteher zwei Buddys etwa bei der Spedition Hotz oder Firma Baum auf. Richtung Hinterbach finden sich zwei Figuren an Häusern, wo viele Kinder wohnen, daneben weiter hinten am Bushäuschen und in Raubach am Ortseingang.

 

Folk-Klänge über Odenwald-Hügeln

Draußen trauriges irisches Wetter, drinnen fetzige irische Musik: Die Irish-Folk-Band „Heebie-Jeebies“ brachte das Hüttenwerk zum Mitklatschen, Mitsingen und sogar – im Rahmen des Erlaubten – Mittanzen. Die Band aus Oberzent und Überwald zog viele Gäste an die penibel nach Abstandsregeln aufgestellten Tische im Veranstaltungsaal. Balladen, Reels, Tänze, Jigs, Pubsongs, untermalt von vielen Irland-Fotos, holten ein paar Stunden Urlaubsträume in die Location.

Für Martin Müller, Michael Pascuzzi, Franz Lechner und Tina Czemmel-Zink war es der erste Auftritt, seitdem ihnen im März wegen Corona alles abgesagt worden war. „Da wir gerne für Publikum spielen, finden wir das mega-schade“, meint Czemmel-Zink. Zum Glück, sagt sie, machen die vier ihre Musik nicht hauptberuflich und sind deshalb nicht auf die Einnahmen daraus angewiesen. „Unser Verlust ist die Leidenschaft, die flöten geht“, ist es eher ein ideeller Faktor. Umso mehr freuten sich die vier auf den Neustart.

In die Gruppe haben ihre Mitglieder die Instrumente eingebracht, die sich schon lange vorher spielten. Beim Kortelshütter Mike Müller sind es die Gitarren, beim Rothenberger Michael Pascuzzi die diversen Schlaginstrumente. Beide machten bereits früher Mittelalter-Musik bei den Hirschhorner Rittern. „Wir haben zu dritt angefangen“, so Tina Czemmel-Zink, „und dann gemerkt, dass uns eine Geige fehlt“, ergänzt Müller.

Mit dem Hinterbacher Franz Lechner wurde diese Lücke gefüllt. „Er ist der einzige der uns, der Noten lesen kann“, hebt Pascuzzi lachend die „Vorteile“ des Geigers hervor. Seine folkloristischen Wurzeln in der „Egerländer Familienmusik Hess“ sind für die Band „ein wahrer Gewinn“, freut sich Müller. Gitarren, Mundharmonika, Bodhran, Cajon, Tambourin, Shake-Ei und Geige sind die Instrumente, mit denen die „Heebie-Jeebies“ die Lieder begleiten und untermalen.

Im Hüttenwerk spielt die Band die irischen Klassiker hoch und runter. Ein Mehrstunden-Programm, gespickt mit 40 Stücken, erwartet die Gäste. Klassiker wie „Whisky in the Jar“, „Drunken Sailor“ oder „Galway Girl“ sind ebenso dabei wie „Ye Jacobites by name“ oder das typische „Molly Malone“. Pascuzzi wie auch Müller mögen die fetzigen Reels und Jigs mit der Geige, „bei denen man kräftig Gas geben kann“.

Für Tina Czemmel-Zink darf’s gerne auch mal die eine oder andere Ballade sein. Das merkt man bei „Danny Boy“ mit gezupfter Gitarre und ihrer Stimme. Später setzt dann noch die melancholische Geige ein. Dass die Iren auch jedem Schicksalsschlag noch etwas Positives abgewinnen können, merkt am an dem direkt folgenden Instrumental.

Pub und Kirche prägten die irische Geschichte, viele der Auseinandersetzungen in der Vergangenheit hatten kirchliche, religiöse Hintergründe. Das hat sich bis in die Neuzeit nicht geändert, Beispiel Nordirlandkonflikt. Die Iren suchten in der Musik einen Ausgleich für ihr hartes Leben, für ihre zahlreichen Konflikte, für die bittere Not nach Missernten, Kartoffelfäule, Pest, Not oder Auswanderung als letztes Mittel um zu überleben.

„Ye Jacobites by name“ gründet auf der Schlacht von Culloden 1746 zwischen englischen Regierungstruppen und aufständischen, katholischen Jakobiten. Sehr melodische Elemente wechseln sich ab mit den laut vorgetragenen Kriegsgedanken oder der Kriegstrommel. Die martialischen Einflüsse sind unüberhörbar, verdeutlichen sie doch auch, dass durch die Schlacht Schottland ein für alle Mal seine Unabhängigkeit verlor. Gleichzeitig wird das brutale Vorgehen der Engländer thematisiert.

Ein Song beschäftigt sich mit Connemara, der rauen Schwester der lieblichen Kerry-Halbinsel. Karg ist die Landschaft, hart das Leben, außer Schafen gibt es kilometerweit keine anderen Lebewesen. Die „Hills of Connemara“ sind ein typischer Mitklatsch-Song sind. Manche Besucher hält es schon im ersten Set kaum mehr auf ihren Plätzen, wenn musikalisch so richtig die Post abgeht. Das setzt sich im Verlauf des Abends fort, wenn die fröhliche irische Stimmung Wellen schlägt.

 

Info: http://www.heebie-jeebies.de

 

Eutersee wird rege frequentiert

In ganz Hessen sind Freibäder und Badeseen noch geschlossen. In ganz Hessen? Nein, in einem kleinen Odenwald-Dorf gehen die Uhren etwas anders. Der Eutersee bei Schöllenbach ist frei zugänglich „und wird auch gut frequentiert“, hat Hessenecks Ortsvorsteher Martin Pollak festgestellt. Der ist allerdings offiziell auch kein Badesee. Damit einher geht ein höheres Müllaufkommen, was in der Ortsbeiratssitzung angesprochen wurde.

Die Besucher aus dem Mosbacher, Miltenberger und sogar Heidelberger Raum sorgen jedoch auch dafür, dass man sich im Dorf eine häufigere Kontrolle durchs städtische Ordnungsamt wünscht, ob die coronabedingten Abstandsregeln eingehalten werden. Dazu kommt: „Eigentlich darf man nicht baden“, schildert Pollak, dass dies manchmal ein frommer Wunsch bleibt.

Um es den Gästen aber nicht immer wieder mündlich einbläuen zu müssen, wünscht sich der Ortsbeirat, die einschlägigen Hinweisschilder auf den neusten Stand zu bringen. Außerdem sollten sie, so Pollak, auf Oberzent umgewidmet zu werden, wo jetzt noch die frühere Gemeinde Hesseneck darauf zu lesen ist.

Vor ein paar Monaten wurde der Eutersee am nördlichen Zufluss im Auftrag der Stadt ausgebaggert. Die Genehmigung hierfür hatte im vergangenen Jahr längere Zeit auf sich warten lassen, weil mehrere Behörden beteiligt waren. Mit den Arbeiten wollte man eine zunehmende Verlandung verhindern. Das Material soll an anderer Stelle verwendet werden, um dort eine Art Badeinsel entstehen zu lassen.

Das Hochwasser vor über zwei Jahren hatte einige Zerstörung hinterlassen, die wieder in Ordnung gebracht werden musste. Denn sonst wäre der See an bestimmten Stellen „zugespült worden“. In diesem Zuge wurde jetzt auch die Fischtreppe repariert. Die Vorarbeiten leisteten die Helfer der IKEK-Gruppe bereits im vorvergangenen Jahr, als sie dort die wild gewucherten Sträucher entfernten.

Weniger Biker dürfen öfter fahren

Seit Mitte Mai darf Werner Manschitz den Bike-Park Beerfelden wieder öffnen – und hat mit der neuen Wirklichkeit in Corona-Zeiten bislang gute Erfahrungen gemacht. Die aktuelle Beschränkung auf 100 Personen wirkt sich positiv auf die Länge der bisherigen Wartezeit aus. Manschitz bezeichnet die ungewollte Reduzierung deshalb als „Win-Win-Situation“: Er darf wieder öffnen – und wer kommt, kann nun öfter fahren.

Damit es auch bei 100 bleibt und keiner umsonst kommt, ist eine vorherige Online-Anmeldung nötig – also ähnlich wie in Freizeitparks. Ob der Bike-Park allerdings als ein solcher oder als Veranstaltung (mit maximal 100 Gästen) durchgeht, konnte dem Betreiber noch keiner definitiv sagen. Er hat auf jeden Fall eine Erhöhung der Besucherzahl auf 150 beantragt und geht davon aus, „dass diese so durchgeht“. Denn die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln kann er garantieren.

Bei anderen Anlagen reichen Vollvisierhelme als Corona-Schutz aus, in Beerfelden wird es strenger gehandhabt. Ein Mund-Nasen-Schutz ist vor dem und im Lift Vorschrift, erst beim Aussteigen sollte er abgenommen werden. Denn die Nutzer werden vom Liftpersonal „eingebügelt“, weshalb man sich ziemlich nah kommt. Deshalb hat der Betreiber für seine Leute auch FFP2-Masken zusätzlich zu Handschuhen geordert.

150 Biker am Tag hält Manschitz weiterhin für „gut machbar“: Denn damit hält sich der Andrang trotzdem noch in Grenzen, weil früher viel mehr am Tag den Hang runterrauschten. Deshalb plant er, die unfreiwillige Kontigentierung auch dann weiterzuführen, wenn er es in spe nicht mehr müsste. „Ich will keine Massen wie in anderen Bike-Parks“, betont der Beerfeldener. Denn das bedeutet lange Wartezeiten für die Nutzer und Stress fürs Personal.

So bekommen seine Biker viel Gegenwert durch häufiges Fahren. Da Manschitz den Mittwoch als weiteren Öffnungstag (bis Sonntag) dazu genommen hat, ist er durch die erweiterten Öffnungszeiten optimistisch, „dass es noch ein fast normales Jahr werden könnte“. Die Rückmeldungen zeigen ihm, dass die Resonanz auf jeden Fall gegeben ist.

„Die Gäste sind begeistert und finden es toll“, hat er erfahren. Sie können quasi nonstop den Hang hinunter brausen, denn am Lift müssen sie so gut wie gar nicht anstehen. Da jedoch alles zwingend über Voranmeldung läuft, haben diejenigen Pech, die spontan vorbeikommen möchten, bedauert Manschitz. Alle, die vorher online Karten gekauft haben, können die Anlage von 10 bis 18 Uhr nutzen.

 

 

2004 wurde der Bikepark Beerfelden eröffnet. Jeder, der sein Rad mitbringt – oder sich eines vor Ort im leiht -, kann diesen Erlebnissport hier genießen. Seit 2012 gibt es sieben Strecken, je etwa einen Kilometer lang. Die fünf schwierigeren Freeride- und Downhill-Strecken weisen viele, zum Teil sehr anspruchsvolle Teilstücke auf. Sprünge, Steilabfahrten, Anlieger, Steinfelder – für jeden ist was dabei. Alle schwierigen Abschnitte können umfahren werden. Die sechste Strecke, die „Blue Wave“, kommt ohne diese Highlights aus und wurde so gestaltet, dass auch Kinder und technisch nicht so versierte Fahrer sie bewältigen können. Der „Yellow Viper“ – die siebte Stecke – ist ein Super-Enduro-Trail, der alles bietet, was ein Enduro-Biker sich wünscht. Mehr Infos und Online-Kartenkauf: http://www.bikepark-beerfelden.de

Finkenbach-Festival ist auf 2021 verschoben

Lange, ganz lange warteten die Macher des Finkenbach-Festivals, ob sich die wegen der Corona-Pandemie verhängten Auflagen noch lockern würden. Doch zwei Monate vor Veranstaltungstermin musste der ausrichtende FCF jetzt die Reißleine ziehen und das Traditionsevent am zweiten August-Wochenende absagen. Ein Trost für alle Fans: Es wird exakt mit der gleichen musikalischen Besetzung um ein Jahr auf 2021 verschoben. Die Karten behalten ihre Gültigkeit.

„Wir bedauern das sehr“, teilt der zweite Vorsitzende Armin Löffler mit. „Aber uns blieb keine andere Wahl.“ Man habe außerdem Gästen und Helfen Planungssicherheit geben wollen. Die Hoffnung auf weitere Lockerungen erfüllte sich letztendlich nicht so schnell wie es nötig gewesen wäre. Abstands- und Hygieneregeln, wie sie aktuell für Veranstaltungen in Hessen gelten, „können wir nicht erfüllen“, bedauert Löffler.

Im Jahr 1 nach dem Neustart unter Regie des Fußballclubs hatten die Macher ein besonders attraktives und umfangreiches Programm zusammengestellt. Zwölf Bands statt bisher zehn in den Vorjahren sollten an zwei Tagen den Fans im idyllischen Tal beim „Woodstock des Odenwalds“ einheizen. Gebucht wurden sie von Bernd Magin.

Ein Name steht dabei für Krautrock pur: „Kraan“. Die alten Recken, schon mehrfach aufgetreten, hätten auch wieder ihre Instrumente erklingen lassen. „Arthur Kay & The Clerks“ oder „Thorbjørn Risager & The Black Tornado“ sind ähnliche klangvolle Namen, auf deren Auftritt die Festival-Besucher nun ein Jahr länger warten müssen. „Riddim Posse“ und der letztjährige Kracher „Alex Auer & The Detroit Blackbirds“ halten die lokale Fahne hoch.

Neu dabei (wären gewesen und jetzt in 2021): „Leadbelly Calls“, die Band von Timo Gross und Adax Dörsam (der greift auch bei Alex Auer als Gast in die Saiten). Die beiden veröffentlichen dieses Jahr ihr Album in Reminiszenz an den legendären Bluesmann Huddie Ledbetter aus Louisiana, besser bekannt als „Leadbelly“.

Sechs weitere Bands trommelte Magin für das Wochenende zusammen, die 2021 im 450-Seelen-Dorf zwei Tage lang für ausgelassene Stimmung und einen Hauch von Odenwald-Woodstock sorgen werden. Darunter auch die „Grandsheiks“ mit ihren Frank-Zappa-Covers. Sie werden seit vielen Jahren für ihre Virtuosität und musikalische Vielseitigkeit gelobt.

Im Vorfeld der Absage liefen bereits Gespräche mit den teilnehmen Gruppen. Die Bands „kennen das leider schon“, weist Löffler auf die vielen Stornierungen von Musikveranstaltungen hin. Sie sagten durch die Bank weg fürs kommende Jahr zu, wenn dann ebenfalls am zweiten August-Wochenende das Finkenbach-Festival 2.0 stattfindet. 1977 ins Leben gerufen, gab es in den bisherigen 43 Jahren bereits zwei Mal Unterbrechungen, sodass die jetzige Veranstaltung erst die 38. gewesen wäre.

„Die Entscheidung fiel uns im Vorstand nicht leicht“, erläutert Löffler. Doch sie musste diese Woche getroffen werden. „Wir konnten leider nicht anders.“ Für den Verein bedeutet die Absage einen herben wirtschaftlichen Verlust, denn das Festival war die Haupteinnahmequelle übers Jahr hinweg. „Wir müssen jetzt sehen, wie wir über die Runden kommen“, erklärt der zweite Vorsitzende. Sollten ab September Lockerungen kommen, kann es sich der FC gut vorstellen, „spontan was Kleines zu veranstalten“. Auch mit Musik, aber eben nicht in diesen Dimensionen wie das Festival.

Gerade als der FC im März so richtig in die Bewerbung gehen wollte, schlug Corona zu. Danach lag erst einmal alles auf Eis. Orga-Pläne, wer was macht, lagen schon in der Schublade – und müssen dort nun ein Jahr bleiben. Da der Verein aufgrund der vielen Veranstaltungsjahre sehr routiniert in der Ausrichtung ist, hätte man auch noch zwei Monate vorher in die Vollen gehen können. Aber es sollte nicht sein.

„Wir haben nur aus Zwang gehandelt“, macht Löffler klar, dass eigentlich keiner darauf verzichten wollte. Denn nun ist das August-Wochenende leer. Was er dann macht? „Ich werde auf dem Balkon sitzen, runterschauen und bedauern, dass nichts stattfindet“, meint der Mit-Organisator.

Info: Die für dieses Jahr gekauften Tickets sind auch in 2021 gültig. Der FC bittet Besucher, sie zu behalten und kommendes Jahr wiederzukommen. Ist das nicht möglich, kann eine Rückgabe an der jeweiligen Vorverkaufsstelle erfolgen. Mehr unter http://www.finkenbach24.de

Dem Bier bei der Entstehung zuschauen

Eigentlich wollte Uwe Meixner mit dem Biergarten an der Schmucker-Brauereigaststätte Ober-Mossau noch nicht dieses Jahr starten. Dann kam Corona und er hatte während der Schließung viel Zeit. Die er sinnvoll nutzte und im Nachklapp sagen kann: „Ich habe alles richtig gemacht“. Denn während der Innenraum durch die bis vor kurzem geltende Fünf-Quadratmeter-Beschränkung (nur ein Gast pro dieser Fläche) schlecht nutzbar war, brummte es draußen, weil dort sehr viel Platz zur Verfügung steht.

Vor mehr als einem Jahr übernahm der gelernte Koch Meixner die Gaststätte. Obwohl er aus Hassenroth stammt und in Michelstadt seine Lehre machte, was es seine Frau Leah, die den Ausschlag dafür gab. Die kommt aus Australien – dem Land, wo die Meixners seit 20 Jahren lebten. Aber sie hatte sich bei einem Besuch in den Odenwald verliebt und zog die Familie, zu der noch die Kinder Elisabeth und Felix gehören, mit.

Der neue Biergarten „Am Sudhaus“ bekommt von Gästen begeisterte Rückmeldungen, hat Meixner beobachtet. Er liegt zwischen dem alten Gasthof, der die Brauerei seit 1780 im Keller hatte, und dem verglasten Sudhaus. Durch dessen große Fenster lässt sich ein tiefer Blick in die Brauerei erhaschen. Dazu kommt noch das weitläufige Gelände, auf dem sich keiner auf die Füße tritt.

„Die Gäste haben sich sehr verantwortungsvoll verhalten“, freut sich der 55-Jährige. Damit war es kein Problem, die Verordnungen einzuhalten – was bisher in Innenräumen praktisch nicht umsetzbar war, wenn sich das Geschäft lohne sollte. Deshalb blieben diese erst einmal zu.

„Die Besucher hatten Spaß und uns hat es auch Freude gemacht“, bilanziert Meixner die ersten Wiederöffnungstage. Bei schönem Wetter kommen schon um die 500 bis 600 Gäste über den Tag verteilt vorbei. Er hat draußen 500 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, womit bisher 76 Plätze bei einer Zweierbelegung der Tische machbar waren. Unter Einhaltung der Verordnungen konnten es aber auch mehr sein.

„Ich hatte Muffe vor der Eröffnung“, gibt der frühere Australier seine Nervosität zu. Umso erleichterter war er, dass alles reibungslos ablief. Waren die ersten Biergarten-Besucher noch verhalten, so stellte sich nach einiger Zeit die Erleichterung ein, „dass die Menschen wieder rauskonnten“.

Die Meixners setzen aufs Urige. Den halben Liter Schmucker gibt’s zu vernünftigen Preisen, dazu aktuell Steaks und Bratwürstchen vom Schwenkgrill sowie Pommes und Eiscreme. Langfristig soll natürlich das Speisenangebot größer werden. „Ich koche wie vor 40 Jahren“, setzt der Küchenchef aufs Rustikale. Fertigprodukte kommen bei ihm nicht in die Tüte: Er setzt unter anderem auf selbst gemachte Soßen ohne Geschmacksverstärker.

Parallel zum gut frequentierten Biergarten zieht langsam auch das Hotel-Geschäft wieder an. Das war im vergangenen Jahr die Bank für die Wirtsleute und half ihnen, die beiden geschlossenen Monate durchzustehen. Vor Corona war das „Braumeister-Wochenende“ der Renner bei den Übernachtungsgästen. Der 55-Jährige freut sich, nach seiner Übernahme „den Laden wieder zum Laufen“ gebracht zu haben. Inzwischen sind sechs Angestellte für ihn tätig.

Für den Herbst, erläutert Meixner, plant er einen Biker-Gottesdienst, der in Zukunft zweimal jährlich stattfinden soll. Die Motorad-Klientel zwischen 40 und 70 „sind sehr angenehme Gäste“, hebt er hervor. „Das ist unter anderen unsere Zielgruppe, nicht die mit ausgebauten Schalldämpfern“, betont er. Der Sudhaus-Biergarten soll seinen Worten nach ein Treff für Ausflügler, Wanderer, Mountainbike-Fahrer „und Leute, die gerne Schmucker-Bier trinken, werden“, schmunzelt er.

Er weiß aber auch um die Befindlichkeiten der Mossautaler in Sachen Motorradlärm. Deshalb steht ein Infostand mit der Polizei auf seiner Wunschliste, eventuell abgerundet durch eine Geräuschmessung. In der Zwischenzeit wollen die Meixners den Biergarten weiter ausbauen und dort auch mehr Speisen ähnlich wie in der Gaststätte anbieten.

Info: Aktionen und Angebote auf http://www.brauereigasthof-schmucker.de