Nach der Wanderung zum Eutersee ein Liedchen auf den Lippen

Durch die herrliche Odenwald-Landschaft wandern und dabei ein fröhliches Liedchen auf den Lippen: Das ist schon fast ein Klischee. Aber für die Einheimischen genauso erstrebenswert wie für die Auswärtige. Als erste Aktion seit Gründung hatte jetzt der Oberzent-Verein „GO!“ zu einer solchen Veranstaltung eingeladen. Start der Tour war am Reußenkreuz, Endpunkt der Jugendzeltplatz am Eutersee. Über 20 Teilnehmer bedeuteten eine schöne Resonanz für diesen Auftakt.

„Wir wollen die Anregungen aus der Bevölkerung umsetzen“, betonte der zweite Vorsitzende Michael Hofmann. Nachdem bei der Gründungsversammlung Ideen gesammelt wurden, geht es jetzt darum, „den Worten Taten folgen zu lassen“. Der Verein „möchte Präsenz im öffentlichen Leben zeigen“, sagte er. Für den musikalischen Part hatte man sich Andreas Weinmann von der Musikschule Berg und Justin Ruf ins Boot geholt. Als Vorbereitung auf die spätere Gesangsstunde war unterwegs bereits bei einer kurzen Rast „California Dreaming“ von den Mamas und Papas angestimmt worden.

Am Jugendzeltplatz angekommen, stand nach der zweistündigen Tour zuerst die Stärkung im Vordergrund. Mit zuvor im Euterbach kaltgestellten Getränken sowie Stockwurst und Marshmellows für die Kinder waren schnell wieder die verwanderten Kalorien ersetzt. Am Feuer konnte daneben die eine oder andere neue Bekanntschaft geknüpft werden, denn die Wanderer kamen aus ganz Ober- und sogar Unterzent. Beerfelden, Airlenbach, Hetzbach, Schöllenbach oder Salmshütte lauteten die Herkunftsorte.

„Was liegt im Odenwald näher als rauszugehen“, verdeutlichte Hofmann die Motivation. Mit Andreas Weinmann war er sich schnell über die Unterstützung des Projekts einig. „Einfach die Ruhe in der Natur genießen“, empfand dieser als herrliche Abwechslung zum Alltagstrott. Zwischenzeitlich querten sogar ein paar Rehe den Weg der Wanderer. „Niemand muss musikalisch sein um mitzumachen“, beruhigte Weinmann die Teilnehmer. „Wer nicht singen kann, isst und hört einfach zu“, lachte er.

Damit es noch einfacher wurde, wurden die Texte des Songs ausgeteilt. Weinmann und Ruf übernahmen die erste Stimme, der Rest der Truppe die zweite. Als einfachere Aufgabe durfte, wer wollte, mit dem Refrain starten und sich dann auch an die Strophe wagen. Zur Auflockerung stimmten die beiden Musiker ein paar bekannte Songs an, etwa „Country Roads“, „Lady in Black“ oder „Sweet Child o’mine“. Damit sank die Mitsing-emmschwelle etwas.

Als nächste Aktion plant der Verein – in Absprache mit den Verantwortlichen – einen Besuch des Seniorenwohnheims Cordula I in Kortelshütte. In spe will man alle Häuser in Oberzent abklappern, die sich der Betreuung von älteren Mitmenschen widmen, und dabei mit Heimleitung, Bewohnern und Angehörigen ins Gespräch kommen. „Wir wollen zuhören und schauen, wo wir eventuell unterstützen können“, verdeutlichte Hofmann.

„Schön, dass es euch gibt ihr euch engagiert“: Diese Rückmeldung bekommen die GO!-Verantwortlichen seit Gründung immer wieder. Seit der Gründungsfeier vor einem Monat „zählen wir bereits 40 Mitglieder“, freute sich Hofmann. Damals wurden Arbeitsweise und Projekte vorgestellt. Auf einer Pinnwand wurden Ideen gesammelt. Die etwa 40 zusammengetragenen Anregungen werden nun nach und nach abgearbeitet.

Der zweite Vorsitzende machte deutlich, „dass wir das Rad nicht neu erfinden wollen“. Deshalb wird mit der Stadt und den anderen Vereinen eine gute Zusammenarbeit abgestrebt. „Wir schließen uns kurz und sehen, wo wir vielleicht unterstützen können“, sagte er. GO! betrachte sich als neue Gruppierung, „die man ansprechen kann, wenn Hilfe gebraucht wird“.

Info: Am Samstag, 10. November, liest um 18 Uhr auf Einladung des Vereins Generation Oberzent Prof. Alex Assmann im Rothenberger „Hirsch“ aus seiner Biografie über Gudrun Ensslin.

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93 Aussteller wecken beim Erbacher Bauernmarkt Lust auf regionale Produkte

Freitagmorgens geht es auf den Bauernmarkt noch gemächlich zu. Langsam trudeln die ersten Besucher ein, füllen sich die Markthallen und das Außengelände gemächlich. Gegen Mittag dann werden die Parkplätze sukzessive knapper. Für Liane Heist, die Vorsitzende der Odenwälder Direktvermarkter, ist das ein kleiner Vorgeschmack dessen, was die 93 Aussteller Samstag und Sonntag erwartet: Ein bis oben hin volles Gelände, auf dem sie angesichts des herrlichen Herbstwetters um die 30.000 Besucher auch aus dem Frankfurter, Mannheimer und Heilbronner Raum erwartet.

Unter den Ausstellern sind viele „Wiederholungstäter“, schmunzelt sie. Direktvermarkter vor allem aus dem Odenwaldkreis, die wissen, was sie am Werbeeffekt des Bauernmarktes haben. Das betont etwa Sylvia Schäfer am Stand der Molkerei Hüttenthal. Die gehört schon zu den „Urgesteinen“ und hat immer „eine sehr gute Resonanz“, freut sie sich. Viele Besucher „kommen danach auch in den Laden“, hat Schäfer festgestellt.

Frisch gepresster Apfelsaft ist einfach der Renner. Bei Familie Michel aus Seeheim kommen die Mitarbeiter mit dem Pressen kaum nach, so schnell wird ihnen der leckere Trank aus den Händen gerissen. Getrockneten Tee oder auch frischen zum sofort Probieren gibt es dieses Jahr ebenfalls. Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fisch und Fleisch: Es sind ja nicht nur 93 Aussteller, sondern eine Vielzahl an Produkten und Vorführungen, die sie mitgebracht haben. „Die Aussteller sind immer sehr zufrieden“, weiß Heist.

Das Wetter hat nur einen untergeordneten Einfluss auf den Andrang, sagt die Vorsitzende, die selbst mit dem Crumbacher Bauernlädchen vor Ort ist. Regionale, selbst hergestellte Produkte, bei denen der Verbraucher genau weiß, wo sie herkommen, wie sie verarbeitet werden und welchen Weg sie bis zum Verkauf haben, ziehen eben. Zehn Mitarbeiter sind bei ihr übers Wochenende im Einsatz, die Sonntagabend „ziemlich platt“ sein werden.

„Langsam, aber stetig“ gehen laut ihrer Beobachtung die Besucherzahlen des Bauernmarkts jedes Jahr nach oben. Das deckt sich mit der Wahrnehmung von Willy Baumann von der gleichnamigen Odenwälder Lebkuchenbäckerei. Den Betrieb gibt es bereits in der elften Generation. Die Baumanns sind schon von Beginn an im „Aufgebot“ der Bauernmarkt-Beschicker. „Wir produzieren alles frisch“, betont er. Am Montag „ist das Lager komplett leer“, sagt der Seniorchef. Dienstags wird dann wieder losgelegt und für den nächsten Termin gebacken.

Frischgebackenes Brot gab es an etlichen Ständen: Das ging überall weg wie warme Semmeln. Die Herstellung direkt vor Ort im Holzofen einer historischen „Zuckerbäckerei“ zog viele Schaulustige an. Vom herrlichen Duft ganz zu schweigen. Die Anbieter schätzen darüber hinaus die Möglichkeit, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. „Die Leute sind sehr interessiert“, meinte etwa Monica Gehrig-Himmel aus Litzelbach, die das dritte Mal mit den „Odenwälder Feinen Bränden“ dabei war. Alle Schnäpse und Liköre werden in der Brennerei auf dem eigenen Dreiseithof selbst hergestellt.

Neben den Erzeugnissen aus Hof, Keller und Küche ist es auch immer wieder das Rahmenprogramm, das die Besucher anspricht. Etwa die Ausstellung von alten und neuen Landfahrzeugen, Traktoren und Dreschmaschinen, die Tierschau, der Auftritt der Jagdhornbläser oder die Vorführung der Rettungshundestaffel Bergstraße-Odenwald (am Sonntag).

„Wir wollen die hiesige Landwirtschaft und die Regionalität der Produkte den Verbrauchern nahe bringen“, verdeutlicht Liane Heist die Idee. „Der Odenwald bietet alles“, sagt sie. „Wir brauchen keine Erdbeeren aus China.“ Immer neue Vorschriften und Auflagen machen den Direktvermarktern aber das Leben schwer, beklagt die Vorsitzende. „Die sind auf die großen Betriebe ausgerichtet, die kleinen hat man nicht im Blick“, sieht sie die Bauernhöfe vor immer mehr Schwierigkeiten gestellt, allem nachzukommen. Sie wünscht sich eine größere Differenzierung.

Info: Der Erbacher Bauernmarkt am Wiesenmarkt-Gelände ist Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Tipp von Liane Heist von den Odenwälder Direktvermarktern: Wer den Menschenmassen etwas aus dem Weg gehen möchte, sollte heute Vormittag vor 11 Uhr oder nachmittags ab 16 Uhr zum Besuch vorbeikommen.

 

Großer Andrang bei der 13. Zeltkerwe-Auflage in Beerfelden

Herrliches Wetter machte die Beerfelder Kerwe wieder zum vollen Erfolg für den veranstaltenden Verein. Nach dem Start am Freitagabend mit der Mallorca-Sause von DJ Jackson, bei dem die Veranstalter an die 500 Gäste zählten, brummte die Bude auch an den beiden folgenden Tagen. Am Samstag machte es sich bewährt, dass zuvor die Hand- und Fußballspiele stattfanden und die Aktiven danach im Festzelt in der Stried einliefen. Auch wenn nur die Handballer erfolgreich waren, hatten die Balltreter genauso viel Durst.

Am Abend gab es kaum noch ein Durchkommen, als Stefan und Jey aufspielten. Erfreut registrierte man auch viele Jugendliche unter den Besuchern. „Da wir eine Brauchtumsveranstaltung sind, dürfen auch 14-Jährige schon rein“, freute sich Vereinsvorsitzender Marc Gärtner. Der Sonntag ist seit jeher eine Bank, wenn die Feuerwehrkapelle mittags aufspielt und es nach dem Fassanstich Freibier gibt. Die 25 musikalischen Frauen und Männer unter der Leitung von Wolfgang Hörr und Dirk Bondes sind schon seit Jahren ein fester Bestandteil.

Schon der morgendliche Gottesdienst mit Pfarrer Roland Bahre war sehr gut besucht. Bei schönem Wetter fand er Open-Air statt. „Gott ist auch in den Kleinigkeiten“, betonte der Geistliche. Bei allem, was heute auf der Welt passiere, fühlten sich die Menschen ohnmächtig, sagte er. Deshalb sei es gut, „ein Senfkorn der Liebe in die Herzen der anderen zu pflanzen“.

Danach zog es die Feierwilligen wieder nach drinnen, denn es wartete das traditionelle Mittagessen auf sie. Zuerst spielte die Kapelle ein paar schmissige Weisen, ehe dann die neue Ortsvorsteher Christian Zimmermann herausgedeutet wurde und zur Tat schreiten musste. Er machte seine Sache gut, nach eine paar Schlägen floss erst der Schaum, dann auch das Bier. Unter den kritischen Augen von Andreas Schmucker, dessen Brauerei das Fass gestiftet hatte, sowie dem Vereinsvorstand mitsamt Bürgermeister Christian Kehrer schwang er kräftig den Hammer. Gärtner hatte zuvor zur 13. Kerwe im Stried begrüßt.

Weit über 100 Portionen Erdriewe mit Salzfleisch fanden im Anschluss als Stammessen einen reißenden Absatz. Wozu sicherlich auch der Nachtisch in Form von Panna Cotta mit Frucht beitrug. Wer zu spät kam, musste hungrig bleiben, denn viele lassen am Sonntag die Küche kalt. Schon seit dem ersten Jahr der Zeltkerwe wird das Gericht am Sonntag stets von den Vereinsmitgliedern selbst zubereitet. Renner an den drei Kerwetagen war wie im Vorjahr auch der Pulled-Pork-Burger.

Einen schönen Zuspruch gab’s bei gutem Wetter für den samstäglichen Kerwebaum-Marsch vom Metzkeil zur Stried. Viele Gäste schlossen sich gleich an und drängten sich dann ins Zelt. Von 15 Mann wurde das Nadelholz der alten Tradition folgend getragen und am Ziel nur mit Manneskraft aufgestellt. Den Richtspruch hielt Kerwebub Jochen Neff, Gabriel Kaufmann kümmerte sich später um das Ende des Kerwebobbes. Eine Hüpfburg stand für die Kinder bereit, außerdem gab es einen Luftballonwettbewerb und Kinderschminken.

Die folgende Nacht war für die Helfer aus dem Kerweverein sehr kurz. Denn mit „Stefan und Jey“ konnte bis 3 Uhr nachts getanzt werden. Schlager, Discofox und Popstücke von Andreas Gabalier, Münchner Freiheit oder Pur ließen die Tanzwütigen ein ums andere Mal die Bühne entern. Die Jugendfeuerwehr war am Nachmittag im Einsatz: Ab den Mittagsstunden füllte sich die Kuchentheke durch Spenden beständig, sodass deren Mitglieder dann später kräftig mit Ausgeben beschäftigt waren.

Wehe dem, der sich im vergangenen Jahr in Beerfelden etwas zu Schulden kommen ließ. Die Kerweschar hatte eifrig mitnotiert. Dieses Mal waren die Truppe gleich zu neunt auf der Bühne, um allerlei kund zu tun: Leonie Bundschuh, Svenja Schäfer, Lisa Kaden, David Baumgärtner, Adnan Hadzic, Sebastian Hartmann, Matthias Lang, Gianluca Eifert und Maxi Kahle legten los.

Die 13. Auflage der beliebten Beerfelder Zeltkerwe beweist, dass das Konzept des Vereins aufging und man aufs Neue ein breites Publikum erreichte. Laut Gärtner waren ungefähr 75 Helfer im Einsatz. Inzwischen hat der Kerweverein 160 Mitglieder, die sich um Erhaltung, Pflege und Förderung der Beerfelder Kerwe kümmern. Für ihn ist der wachsende Zuspruch der beste Beweis dafür, dass der 2010 gegründete Verein seinen Satzungszweck aufs Beste erfüllt: nämlich Brauchtum und Mundart durch die Ausrichtung am Leben zu erhalten.

Beide brennen füreinander: Besonderes Tasting in der Schmucker-Brauerei

Eigentlich, schmunzelt Brenner Johannes Gehrig, „stelle ich ja diese Brände und Liköre aus einem Abfallprodukt her“ – aber einem sehr hochwertigen, wie er gleich hinzufügt: dem Alkohol, der bei der Herstellung des alkoholfreien Schmucker-Bieres „abfällt“. Das sogenannte Brüdenkonsendat verwendet Gehrig bei den Odenwälder Feinen Bränden in Litzelbach dafür, um daraus hochprozentige und wohlschmeckende Gaumengenüsse zu kreieren. Diese wurden nun erstmals zusammen mit Schmucker den Interessierten bei einem Tasting in den Brauereiräumen vorgestellt.

Raubacher Jockel und Räuber sowie Bockbierlikör „Walhalla“ und der Odenwälder Blutwurz fanden bei den Besuchern viel Widerhall. Die waren zu Beginn von Tanja Lenz durch die Brauerei geführt worden, ehe es dann zum Probieren ging. Nach den hochprozentigen Leckereien mit etwas mehr Umdrehungen gab es danach auch noch vier Biere von Schmucker zu verkosten: Landbier, Doppelbock dunkel, Bio Hell und Märzen. In der Bewirtung war auch Ute Bernhard mit dabei.

Johannes Gehrig ging zu Beginn auf die Hintergründe ein, wie es zur Zusammenarbeit kam. Angefangen hat alles mit einem Bierlikör. Den hat Gehrig mal kreiert und bei Schmucker gefragt, „ob die an so etwas Interesse haben“. Zuerst war das Jockel-Endprodukt zuerst sehr malzlastig und „geschmacklich noch nicht der Renner“. Der gewiefte Brenner griff dann etwas in die Trickkiste. Er legte den Brand ein Jahr lang in ein ehemaliges Bourbon-Fass aus amerikanischer Weißeiche. Das Endprodukt wurde dann dem Schmucker-Vorstand vorgestellt. „Die waren total begeistert“, freute sich Gehrig. Nur 54 Halbliter-Flaschen gibt es davon. Sind die weg, ist erst einmal Schluss.

Auf 57 Flaschen bringt es der Räuber. Der wurde mehrere Monate in einem italienischen Kastanienfass gelagert. Vorher hatte Gehrig dort mehrere Monate Doppelbockbier drin (würde er das nicht tun, käme die Gerbsäure durch). Dadurch nahm der Brand dessen Geschmack an. Auch ist eher das Malzige zu spüren. „Noch milder“ beschreibt ihn Gehrig mit den 37,5 Prozent im Vergleich zu seiner ersten, 39,2-prozentigen Kreation aus der Schmucker-Zusammenarbeit.

In seinem Erzählfluss wurde der Brenner dann von seiner „Chefin“ Monica Gehrig-Hummel gestoppt. „Babbel net so viel, die Leit hawwe Dorscht“, sagte sie. Während der Verkostung des vollmundigen Raubacher Jockels, bei dem vor dem geistigen Auge nicht die Odenwälder Hügel, sondern die schottischen Highlands auftauchen, erläuterte Gehrig, dass das „Arbeitsmaterial“ mit 80 bis 86 Prozent aus der Brennblase rauskommt.

Ein weiterer Bestandteil des guten Geschmacks ist das Schmucker-Quellwasser mit einem Prozent deutscher Härte. Es wird zum Runtersetzen des Alkohols in den Bränden verwendet, sodass das Produkt mit 60 Prozent ins Fass kommt. Wie eben bei Whisky auch. Zur Degustation wurden Gläser von französischen Winzern verwendet. Die gehen nach oben hin zu „und deshalb kann man den Inhalt sehr gut riechen“, so der Brenner.

Nach den Bränden dann die Liköre, „um den Geschmack nicht zu verfälschen“. Eigentlich, verrät Gehrig, leiten sich deren Eigennamen alle von den Nibelungen her, weil der Grasellenbacher Ortsteil Litzelbach mit zu deren Jagdgebiet gehörte. „Aber die geben nicht genug Namen her“, lachte er. Weshalb man jetzt auf die nordischen Sagen auswich und etwa „Walhalla“ für den Bockbierlikör wählte. Herausgekommen ist ein angenehm nach Bier schmeckender Likör mit 22,3 Prozent und einer kräftigen Malznote.

„Außer Konkurrenz“ hatten die Gehrigs noch den Kaffeelikör „Götterdämmerung“ im Gepäck. Espressocafé aus einer kleinen Mannheimer Rösterei sowie Karamellzucker plus den Schmucker-Bieralkohol verwendet Gehrig für das süffige Getränk mit seinen 21 Prozent Alkohol. „Einzigartig, was du da herstellst“, lautete eine Reaktion aus Besucherkreisen. Die Produkte und die Zusammenarbeit wurden sehr positiv aufgenommen. Der Brenner nahm auch gleich einen Brenn-Auftrag mit nach Hause.

Die vier Brände und Liköre von „Odenwälder Feine Brände“, die in Zusammenarbeit mit der Brauerei hergestellt werden, haben als Grundbestandteil jeweils den Alkohol des Weizenbock- und Pilsbieres, der diesem bei Schmucker mittels Vakuumkondensation entzogen wird. Das sogenannte Brüdenkondensat hat zwischen acht und elf Prozent Alkohol. Malz und Hopfen dominieren den Geruch. Gebrannt (gereinigt) wird das Produkt in eineinhalb bis zwei Stunden.

Rothenberger Feuerwehrleute laufen zum deutschen Meistertitel

Die Feuerwehrleute aus dem Höhendorf sind nicht nur beim Brandlöschen spitze, sondern auch beim Langstreckenlauf ganz vorn: Zwei von ihnen, Stefan Pahl und Maria Edelmann, wurden bei der Zehn-Kilometer-Feuerwehr-Straßenlaufmeisterschaft deutscher Meister. Die Veranstaltung fand beim SV Friesenheim-Ludwigshafen statt. Fast 200 Läufer gingen an den am Start.

Maria Edelmann wurde in der Zeit von 50:39 Minuten neue deutsche Meisterin und lief damit etwa fünf Minuten schneller als die bisherige Seriensiegerin Birgit Kill aus Essen. Die Rothenbergerin startete bisher nur bei einem Fun-Lauf in Frankfurt. Sie bezieht ihre Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer aus dem Tanzsporttraining beim SV Narrhalla Ober-Hainbrunn. Dort ist die 30-Jährige seit 16 Jahren tanzend aktiv. Sie ist ein enormes Lauftalent, da nur wenige Trainingsläufe und eine harte Schlüsseleinheit zu der sehr beachtlichen Zeit reichten, sagt Mentor Stefan Pahl.

Sascha Hafner lief in 50:16 Minuten auf den vierten Platz in der Altersklasse männlich 30-40 Jahre. Er begleitete Maria bei ihrem Lauf ein Stück weit und motivierte sie. Als sein Mobiltelefon kurz vor der Siegerehrung klingelte, dachte Pahl schon, der 30-Jährige müsse nun mit „Sondersignal“ in den Kreißsaal gefahren werden. Denn das Ehepaar erwartet sein zweites Kind. Seine Frau wollte sich aber nur vergewissern, dass ihr Mann den Lauf gut überstanden hat, schmunzelte er.

Stefan Pahl wiederholte in 46:05 Minuten seinen Vorjahreserfolg und wurde in der Altersklasse männlich 50-60 Jahre erneut deutscher Meister. „Vor zwölf Jahren sprang ich bei einem Marathon-Team der Feuerwehr Mannheim, weil ein Läufer erkrankt war“, erinnert sich der 52-Jährige an die Lauf-Anfänge. In Mannheim war er 25 Jahre Feuerwehr-Mitglied als Löschmeister. Ein Jahr später kam ein Halbmarathon dazu, zwischenzeitlich absolvierte er einige Marathons in Berlin, Frankfurt, Roth und Mannheim. 2013 durfte er in Mannheim die Deutsche Feuerwehrmeisterschaft im Zehn-Kilometer-Straßenlauf, Halbmarathon und Marathon mitorganisieren.

Bei Laufseminaren mit dem Triathleten Timo Bracht und dem Langstreckenläufer Dieter Baumann sammelte Pahl Erfahrung. Bei Helfereinsätzen an der Strecke, so bei etwa zehn Triathlon- und Laufveranstaltungen pro Jahr in Frankfurt, Heidelberg, Ludwigshafen, Ladenburg, Viernheim und Mannheim, schaut er den Weltklassesportlern und ambitionierten Freizeitathleten „auf die Beine“ und nimmt Motivation mit.

Vergangenes Jahr wechselte Stefan Pahl in seinen Wohnort in die aktive Wehr und versucht seitdem, weitere Feuerwehrangehörige für den Laufsport zu begeistern. Eine überdurchschnittlich gute körperliche Leistungsfähigkeit ist im Einsatz wichtig, weiß er. Diese sorgt mit einem richtigen Laufstil und systematischem Training für ein positives Lebensgefühl.

„Es hat mir unglaublich viel Freude bereitet, ein Teil meiner Lauferfahrung an Maria und Sascha zu vermitteln“, sagt er. Mit der Vorbereitung durch Trainingspläne und bei einem gemeinsamen Trainingslauf konnte er beiden zu einem guten Ergebnis zu verhelfen, freut sich der Rothenberger. „Toll wäre es“, betont er, „wenn wir durch unseren Erfolg bei dieser Meisterschaft weitere Läufer aus den Wehren begeistern könnten“. Dann wäre es möglich, im nächsten Jahr mit einem noch größeren Team die Feuerwehr Oberzent bei der deutschen Feuerwehrmeisterschaft zu vertreten.

Oberzent räumt beim Südhessenpokal der Jugendfeuerwehren ab

Die Jugendfeuerwehren aus dem Odenwaldkreis sind südhessenweit spitze: Vier der sechs möglichen Pokale nahmen sie vom Südhessenpokal in Babenhausen (Landkreis Darmstadt-Dieburg) mit nach Hause. Bei den gemischten Gruppen siegte der Titelverteidiger JFW Ober-Hainbrunn mit 1397 Punkten vor Rothenberg (1367), bei den gemischten Staffeln Kortelshütte (1390) vor Brombachtal (1388). Insgesamt 14 Teams traten in den beiden Wertungsklassen der Gruppen und Staffeln an, um ihre Sieger zu küren.

Früh morgens reisten die Teams aus dem Odenwaldkreis in den Nachbarlandkreis, um sich mit den benachbarten Landkreisen (Darmstadt-Dieburg, Bergstraße, Groß-Gerau, Offenbach) im Bundeswettbewerb zu messen. Auch die kreisfreien Städte Darmstadt und Offenbach waren einbezogen. Bei den Gruppen (neun Teams) traten die Jugendfeuerwehren Rothenberg und Ober-Hainbrunn an, bei den Staffeln (fünf Mannschaften) Finkenbach, Brombachtal, Kortelshütte und Hainstadt aus dem Odenwald.

Alle Teams zeigten in den beiden Disziplinen (Übung nach Feuerwehrdienstvorschrift und Staffellauf mit Hindernissen) ihr Können. Schon vor der Siegerehrung war abzusehen, dass die Odenwälder Mannschaften wieder ganz vorne mitspielen würden. Die Siegerehrung im Beisein zahlreicher Ehrengäste brachte dann den Beweis.

Jeweils die drei Erstplatzierten wurden mit Pokalen belohnt. Alle Teilnehmer erhielten auch noch Urkunden. Mehr als 20 Punkt- und Wertungsrichter waren beim Wettbewerb im Einsatz. Eingeladen waren die jeweils erfolgreichsten Jugendfeuerwehren, die bereits auf Kreisebene siegreich waren. Ausrichter des Wettbewerbs war diesmal die Kreisjugendwehr Darmstadt-Dieburg.

Die Rothenberger fuhren zusammen mit den Jugendfeuerwehren der ehemaligen Ortsteile Finkenbach, Kortelshütte und Ober-Hainbrunn nach Babenhausen. Vor Ort entschied sich die Truppe aus dem Höhendorf nach kurzem Überlegen für den B-Teil als erste Aufgabe. „Dieser lief bis auf eine kleine Kleinigkeit perfekt“, so Jugendwart Janis Heckmann. Jedoch: Vor dem B-Teil ist vor dem A-Teil.

Ein wenig geknickt „bewiesen unsere Kids dennoch, dass sich das Training der letzten Wochen gelohnt hat“, freute er sich. Eine sehr gute Zeit und fehlerfrei lautete das Ergebnis der Schauübung. Nun hieß es Warten. Die Siegerehrung ging los und es war kaum auszuhalten. Doch dann kam: „Jugendfeuerwehr Rothenberg Platz 2“. Alle waren stolz auf sich und die Mannschaft bekam ihren wohlverdienten Ruhm für das ganze Training, sagte er.

Platzierungen

Gemischte Gruppen: Ober-Hainbrunn, Rothenberg, Bensheim-Zell (Landkreis Bergstraße), Trebur (LK Groß-Gerau), Wald-Erlenbach (LK Bergstraße)

Gemischte Staffeln: Kortelshütte, Brombachtal, Astheim (LK Groß-Gerau), Hainstadt, Finkenbach, Hergershausen (LK Da-Di), Schönmattenwag (LK Bergstaße), Wembach-Hahn (LK Da-Di), Ober-Ramstadt (LK Da-Di).

Erntedank-Sammlung in Ober-Mossau mit dem Bollerwagen

„Die Sammlung war ein voller Erfolg“, freute sich Pfarrer Roland Bahre. Der evangelische Geistliche des Pfarramts Beerfelden Ost ist seit Anfang August Vakanzverwalter für die Kirchengemeinden Güttersbach und Mossau. Mit einem Bollerwagen zogen die 14 Konfirmanden im Rahmen eines Konfitages in Ober-Mossau von Tür zu Tür und sammelten Lebensmittel „zur Ehre Gottes – also für den Gottesdienst zum Schmücken des Altars – und den Menschen zum Dienst – nämlich für die Michelstädter Tafel“. Es war für die Jugendlichen ein echtes Abenteuer. „Sie waren hochmotiviert und marschierten förmlich im Laufschritt von Tür zu Tür“, beobachtete Bahre.

„Fast jeder, an dessen Haustür wir geklingelt haben, hat etwas gegeben“, freute sich der Pfarrer. Leider musste die Gruppe gerade zu Beginn des Zuges die Erfahrung machen, „dass manche Menschen sehr unhöflich sein können und keine Bereitschaft zeigen, für einen guten Zweck etwas zu geben“. Viele wiederum, die nichts Essbares spenden wollten, „haben uns Geld gegeben, damit wir etwas einkaufen können“. Eine Familie gab sowohl Essbares als auch sogar 30 Euro – „was uns sehr gefreut hat“.

Alles in allem, bilanzierte Roland Bahre, war der Bollerwagen zuletzt bis oben hin voll und es kamen außerdem 100 Euro zusammen. Für dieses Geld wurden im örtlichen Laden Lebensmittel für die Michelstädter Tafel gekauft. Damit konnte man den sowieso schon gefüllten Bollerwagen noch ein weiteres Mal vollladen.

Start des Konfirmandentages war eine Kirchenführung mit Tobias Berg, seines Zeichens Kirchenvorstand, Küster, Hausmeister „und Mädchen für alles“. Mutter Gerda schräg gegenüber war die erste Station der Sammelnden. Sie hatte einen Korb Kartoffeln bereitgestellt, der zum Auftakt den Bollerwagen füllte. Die Idee, eine Sammlung auf diese Art durchzuführen, war im hiesigen Kirchenvorstand entstanden, so Bahre. Allerdings wurde sie in der letzten Zeit nicht mehr durchgeführt.

„Die Jugendlichen schlagen sich gut“, schmunzelt der Pfarrer. Es lasse sich kein Unterschied feststellen, wer beim Konfi-Unterricht in Beerfelden woher komme. „Das ist eine homogene, engagierte Gruppe.“ Teilweise gehen die Kinder auch auf dieselbe Schule. Ein Mädchen, das gerne teilnehmen wollte, wurde sogar vorher noch in Güttersbach getauft. „Es ist ein Segen, was der Unterricht bewirkt“, freut er sich.

Die 14-jährige Jana findet den Konfirmations-Unterricht bei Pfarrer Bahre cool. „Es macht viel Spaß und wir unternehmen gute Sachen“, sagt sie. Robin (13) gefiel die Rüstzeit am besten. Da waren alle 40 Konfis, auch aus Beerfelden, zusammen und unternahmen vieles gemeinsam. Das Kompliment gibt Pfarrer Bahre gerne zurück: „Das ist eine tolle Truppe“, sagt er.

Am Sonntag wurde dann in Ober-Mossau Erntedank gefeiert, wozu der Erbacher Posaunenchor unter der Leitung von Axel Manschitz aufspielte. Nach dem Gottesdienst folgte ein fröhliches Beisammensein im „Pfarrhof“ Ober-Mossau: Zeit für Begegnung, für Gespräche, für das leckere lokale Bier. Natürlich bereiteten Ehrenamtliche wieder eine kräftige Kartoffelsuppe mit Würstchen vor. Die Konfirmanden beteiligten sich an der Verköstigung der Gottesdienstbesucher.

Die erneute Vakanz in den evangelischen Kirchengemeinden Güttersbach und Mossau seit dem Weggang von Pfarrerin Julia Fricke ist laut Roland Bahre für alle eine Herausforderung: für das Gemeindebüro, für den Kirchenvorstand und die Ehrenamtlichen, für die Eltern der Konfirmanden, die ihre Kinder nach Beerfelden fahren müssen, aber auch für den Vakanzpfarrer.

„Da sind wir alle aufgerufen, die Zeit zu nutzen und gemeinsam die Herausforderungen zu stemmen“ – auch wenn es optimal wäre, wenn die Kirchengemeinde einen eigenen Pfarrer hätte, betont er. „Ich meinerseits gebe mein Bestes und der Dienst als Pfarrer ist für mich eine Berufung – aber mehr als an die Belastungsgrenze sollte ich auch nicht gehen“, so Bahre. Denn sein Pfarramt in Beerfelden sei auch sehr groß und aktiv.

Zu den Kirchengemeinden Güttersbach und (Unter-/Ober-)Mossau gehören auch Olfen, Hiltersklingen und Hüttenthal. Die dortigen Konfirmanden besuchen gemeinsamen mit denen der Pfarrgemeinde Beerfelden den Konfi-Unterricht. Sie waren zusammen auf Rüstzeit und machten die positive Erfahrung einer großen Gruppe. Bei zwei Konfi-Tagen, jeweils in Güttersbach und Mossau, lernten sie ihre Kirche kennen. Roland Bahre leitet den Konfirmationsunterricht seit Juni und wird die Jugendlichen bis zu ihrer Konfirmation am 2. Juni 2019 begleiten – auch wenn ein neuer Pfarrer kommen sollte, sagt er.