15. Garten- und Pflanzenmarkt auf Schloss Zwingenberg am 7. und 8. September

Die Tore von Schloss Zwingenberg öffnen sich am 7. und 8. September, 10 bis 18 Uhr, nun schon zum 15. Mal für den Garten- und Pflanzenmarkt. Prinzessin Marianne und Prinz Ludwig von Baden laden die Besucher zu einer spätsommerlichen Landpartie für alle Sinne ein, um einen besonderen Tag mit der Familie oder guten Freunden zu verleben und die schönen Dinge des Lebens zu genießen.

Das historische Ambiente, das zauberhafte Flair der herrlichen Burganlage, das vielfältige Angebot prächtiger Blumen und Pflanzen, die bezaubernden Accessoires sowie das gärtnerische Fachwissen der Blumen- und Pflanzenspezialisten machen die Gartentage wieder zu einer Informations- und Verkaufsausstellung für Menschen mit grünem Daumen oder für solche, die es noch werden wollen.

Die eine oder andere schöne Pflanze für Haus und Garten, einen fachkundigen Tipp, charmante Accessoires wie Schmuck oder Hüte, Bürsten, Besen und Körbe nimmt jeder gerne mit nach Hause. Von den Besuchern Gekauftes wird mit dem Bringservice kostenlos vom Schloss bis zum Auto am Neckar oder Bahnhof transportiert.

In der wunderschönen Umgebung auf der Terrasse des Schlosses haben die Gäste nicht nur die Möglichkeit, den Blick über das Neckartal zu genießen, sie können auch die Seele baumeln lassen oder dort Hunger und Durst stillen. Um etwas von der Geschichte dieses Ortes zu erfahren, werden historische und Kinder-Erlebnisführungen angeboten.

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„Es muss gut sein, das ist das Entscheidende“

Die Musik ist sein großes Steckenpferd. Egal ob Folk, Blues oder Rock, gepaart mit einer Kabarett-Prise Gerhard Polt und den Well-Brüdern: Michael Reinhard fühlt sich überall zuhause. „Es muss gut sein, das ist das Entscheidende“, hebt der 61-Jährige hervor. Getreu diesem Motto widmet sich der ehemalige Stadtkämmerer von Hirschhorn der kulturellen Vielfalt in seiner Heimatstadt Beerfelden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der dortigen Musiknacht, die zweijährlich immer Ende Oktober stattfindet – jetzt zum sechsten Mal.

Für den Veranstalter, den Verkehrs- und Gewerbeverein, übernimmt Reinhard seit 2009 die komplette Organisation, akquiriert die Bands, spricht Sponsoren an, kümmert sich um Vorverkauf und Plakatierung. „Da ist natürlich auch viel eigener Geschmack bei der Musikauswahl“, schmunzelt er. Der Erfolg ihm recht: Die auf 800 Stück limitierten Karten („Mehr Leute passen in die Kneipen nicht rein“) gehen praktisch jedes Mal weg.

Reinhard schöpft dabei aus seinem reichhaltigen persönlichen Fundus an Band-Bekanntschaften und der langjährigen Erfahrung. „Ich gehe selbst im Jahr auf 30 Konzerte“, erzählt er. Daraus haben sich viele Kontakte ergeben. Das wissen auch die Vereins-Verantwortlichen, die damals auf ihn zukamen. „Die wussten, dass ich kulturell interessiert bin.“ Und natürlich auch schon einschlägig vorbelastet, denn in Hirschhorn hatte Reinhard zu dieser Zeit schon einige Konzerte und Kabarettveranstaltungen auf die Beine gestellt.

Für die Musiknacht 2019 greift er auf ein paar Zugpferde zurück. Die „Seàn Treacy Band“ aus Karlsruhe, bisher vor allem in der Rheinebene bekannt, hat sich durch Auftritte im Hüttenwerk und auf dem Pferdemarkt auch im Odenwald einen Namen gemacht. Die „Bombshells“ mit ihren Rock-Covers mischten vor kurzem den Hirschhorner Klosterhof auf. Und die „Blue Healers“ mit ihrem bluesgetränkten Rock sind in Beerfelden schon bekannt wie die bunten Hunde. „Die werden verlangt, weil sie eine tolle Show machen“, weiß der Kulturmacher.

„Ich will etwas für die Stadt und ihre Bürger tun“, meint er über seine Motivation, alle zwei Jahre die Musiknacht zu stemmen. Denn das kulturelle Angebot in Oberzent kann ja durchaus solche Großveranstaltungen vertragen. Reinhard sieht den Event als „PR-Veranstaltung für Beerfelden“, denn er betreibt Werbung in einem 100-Kilometer-Umkreis.

Der Beerfeldener kümmert sich auch um das Musikprogramm der Oberzent-Expo. Das erfreut sich seiner Beobachtung nach immer größerer Beliebtheit, weil es das frühere Kleinkunstzelt nicht mehr gibt. „Das hat die Leute schwer getroffen“, sagt er. Denn die Bühne brachte eine individuelle Note ins Unterhaltungsprogramm des Pferdemarkts rein und gab Künstlern abseits des Mainstreams ein Podium.

Das Management der Irish-Folk-Gruppe „Dhalia’s Lane“, vor kurzem auf dem Wiesenmarkt zu hören, betreibt der 61-Jährige seit 2007. „Die habe ich als Vorband zu ‚Paddy goes to Holyhead‘ kennengelernt“, erzählt er. Das war 1999, damals noch unter dem Namen „Wild Silk“. Nach zwei sehr erfolgreichen, von ihm organisierten Konzerten in Hirschhorn wurde er nach mehr gefragt. Inzwischen sind es um die 25 Auftritte im Jahr, die er an Land zieht.

„Das ist eine Band mit hochprofessionellen Musikern“, zeigt sich Reinhard begeistert. Sie bringt die irischen Töne in Vollendung rüber. „Das Zusammenwirken macht einfach Spaß.“ Schon als Jugendlicher „habe ich die Dubliners gehört“, hat er ein Faible für das Musikschaffen von der Grünen Insel. Später kam auch Clannad dazu.

Daneben gibt es die Zusammenarbeit der Folk-Gruppe mit dem Airlenbacher Stefan Rosewick von ArtArtistica in Gestalt des „irischen Feuermärchens“, das am 24. August in Bad König aufgeführt wird. Wer den Beerfeldener fragt, dem wird geholfen. Denn seine Kontakte haben sich herumgesprochen, sodass er auch immer gerne Ansprechpartner ist, wenn auf die Schnelle eine Gruppe benötigt wird. Außerdem bringt er Künstler mit dem Verein „GO!“ zusammen. Wie etwa Paddy Schmidt, der Ende November in Rothenberg eine musikalische Lesung halten wird.

Info: Die Eintrittskarten für die sechste Beerfeldener Musiknacht am Samstag, 26. Oktober, können ab sofort in Beerfelden bei allen beteiligten Gaststätten, bei Fachmarkt Hartmann, bei Schreibwaren Papillon, im Brauereimarkt, im Waldseebad sowie bei allen Verwaltungsstellen der Stadt Oberzent erworben werden. Außerdem gibt es sie in Erbach im Buchkabinett, in Michelstadt bei der Buchhandlung Schindelhauer sowie in Eberbach bei der Buchhandlung Greif. Weitere Infos unter Telefon 0176-52325200.

Keine freie Fahrt trotz freier Straße

Die Brückenerneuerung über die B 45 liegt laut der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil im Zeitplan. Seit Ende Juli wird daran gewerkelt, im Oktober soll sie wieder freigegeben werden. In der Zwischenzeit ist die darauf verlaufende L 3120 zwischen dem Sensbachtal und Beerfelden gesperrt, der Verkehr wird außen herum geleitet. Dazu wurde die von der Sensbacher Höhe kommende Auffahrt von der L 3120 auf die Bundesstraße so aufgeweitet, dass ein Abbiegen auch ins Neckartal möglich ist.

Die Verkehrsregelung ist allerdings ziemlich unglücklich koordiniert. Denn die Baustellenampeln auf der Bundesstraße sind selbst dann geschaltet, wenn die Warnbaken auf der Seite neben der Fahrbahn stehen und die Strecke komplett in beide Richtungen frei ist. Das sorgt natürlich für Unverständnis bei den Autofahrern, die bei komplett freier Fahrbahn an der roten Ampel unnötigerweise warten müssen.

Wie von Hessen Mobil zu erfahren war, sollten die Ampeln eigentlich nur bei Baustellenbetrieb und während der Arbeitszeit in Betrieb sein. Sprich: Morgens werden die Baken nach Bedarf aufgestellt und abends nach Arbeitsende wieder weggeräumt. Dann sollte freie Fahrt sein. Allerdings zeigt die Realität, dass dies eher Wunschdenken ist.

Im Rahmen der Bauarbeiten werden am Überbau der Brücke unter anderem die Kappen sowie das Geländer ersetzt. Die Fahrbahn wird grundhaft erneuert sowie die Abdichtung und Entwässerung auf instandgesetzt. Zudem erfolgt eine Instandsetzung von Schäden am Widerlager. Trotz ihrer knapp 50 Jahre ist das Bauwerk in einem guten Zustand, was die Konstruktionselemente betrifft. Deshalb wird sie auch „nur“ instandgesetzt und nicht komplett neu gebaut. Die Baukosten belaufen sich auf rund 415.000 Euro.

Rennfahrer sollen auf gesundes Essen abfahren

Die schnellen Jungs sollen auf gesundes Essen abfahren, ist das „Ziel“ von Valentin Witzgall. Der gelernte Schreiner ist im „zweiten Leben“ Koch und arbeitet für das Bremotion-Rennteam aus Mühlheim/Main als Caterer bei drei GT4-Rennen in diesem Jahr. Bereits vor zwei Jahren war er bei einigen Veranstaltungen dabei und schwelgt noch in Erinnerungen an diese Zeit. Witzgall plant fürs kommende Jahr, dieses Engagement auszudehnen und sein Wissen auch in Kochkursen auf der eigenen, riesigen Terrasse im Almenweg weiterzugeben.

Bremotion-Chef Patrick Brenndörfer kennt der 41-Jährige schon lange: „Wir sind Kindergarten-Kumpel und zusammen Kart gefahren“, lacht er. Leider endete der erste Rennkoch-Anlauf vor zwei Jahren frühzeitig, da der Sponsor absprang, erzählt Witzgall. In diesem Jahr ist er aktuell zeitlich noch sehr stark eingebunden, sodass er vorerst nur drei Mal seine Kochkünste zum Einsatz bringen kann: auf Nürburg-, Hockenheim- und Sachsenring, beginnend Mitte August in der Eifel.

„Das ist wie Camping-Urlaub“, weiß er vom vergangenen Mal, der ihn auch ins belgische Spa führte. Der Koch schmeißt Gaskocher oder Gasgrill am Truck oder im Zelt an, um 20 bis 30 Leute zu verpflegen. Da es keine festen Essenszeiten gibt, „gilt es flexibel zu sein“. Natürlich muss man das mögen, sagt der Falken-Gesäßer, „aber es ist einen Riesenspaß“. Einen besseren Arbeitsplatz, meint er, „kann man nicht haben“.

Im Team wird viel gelacht und Gaudi gemacht. Das Fahrerlager mit den teuren Autos „ist eine ganz andere Welt“, hat der ehemalige Kart-Fahrer festgestellt. Bei den ADAC-GT4-Rennen tummeln sich Rennställe mit Mercedes, McLaren, BMW oder Porsche. „Da geht es um viel Geld“, sagt Witzgall nachdenklich. Das Ganze ist allerdings auch eine riesige Materialschlacht. Doch der Faszination Motorsport kann man sich nur schwer entziehen.

„Einfache, feine Geschichten mit einem gesunden Anstrich“ will er Rennfahrern, Team und Sponsoren schmackhaft machen. Wenn bei Männergesprächen der Benzindampf wabert, darf logischerweise viel gegrilltes Fleisch nicht fehlen, schmunzelt er. Aber ein schnelles Pastagericht oder ein Rumpsteak mit Zitronen-Spaghetti stehen auch auf seiner „Menüliste“. Die brauchen Power, meint er über die Rennteam-Mitarbeiter.

In seiner „Monkey-Kitchen“ will der 41-Jährige im kommenden Jahr Outdoor-Kochkurse anbieten, erzählt er. Es soll verschiedene Kategorien geben: unter anderem einen eher fleischlastigen Kurs für Männer, Afrika-Style oder auch vegetarisch. Witzgall orientiert sich dabei etwas an Jamie Oliver. Einfach, schnell, gut, mit frischen und gesunden Produkten soll es sein. Denn: „Heute wird viel zu schlecht gekocht, obwohl gutes Essen nicht schwierig ist.“ Bewusster essen ist sein Ziel. Kochfans jeden Alters sind willkommen.

„Mit wenig Aufwand viel erreichen“, lautet das Motto für den ersten Männerkochkurs. Sodass es für die Freundin eben nicht nur Nudeln mit Tomatensoße gibt, sondern Gnocchi mit Fenchel, geriebenem Käse, getrockneten Tomaten, Oliven, Pinienkernen und Lauchzwiebeln als frisches Sommergericht. „Das ist in zehn Minuten gezaubert“, macht es laut Witzgall wenig Aufwand.

Sowieso liegt dem passionierten Koch viel daran, „auf die Urkräuter zurückzukommen“, ohne gleich ein Pillchen einzuwerfen. Die Zutaten fürs Essen hat er gleich nebenan hängen: Basilikum, Minze, Petersilie und Rosmarin sind nur einen Handgriff entfernt. Da läuft schon bei der Zubereitung das Wasser im Mund zusammen. Und ebenso lecker schmeckt es dann auch.

Der Affen im Logo, egal ob das jetzt bei der „Wine’n Farmer Edition“, einer kleinen Messe für Lebensmittel-Erzeuger aus Oberzent, ist, oder beim musikalischen Terrassenfestival, kreierte Witzgall mit einem gewissen Hang zur Selbstironie. Denn er wurde aufgrund seiner vielen Arbeit öfters gefragt, „warum ich mich immer zum Affen mache“. Und schon war der Affe Programm.

 

Valentin Witzgall (41), stammt aus Darmstadt. Nach der Schreinerlehre zog er mit seiner damaligen Frau an den Niederrhein, konnte aber nicht im erlernten Beruf arbeiten. Stattdessen war er zwei Jahre als Maschinenführer in einer Brauerei tätig, dann als Bofrost-Fahrer. Nach dem Umzug vor 16 Jahren in den Odenwald machte er sein Hobby Kochen zum Beruf. Erst in der früheren „Dorfkatz“ von Falken-Gesäß oder im „Sackbendel“ Beerfelden tätig, arbeitet er seit 13 Jahren im Haus „Feist“ in Wahlen. Witzgall ist darüber hinaus vielfältig kulturell aktiv. Er spielt in der Band „Schlagsaite“ mit, veranstaltet bei sich jährlich das Terrassenfestival und gab in diesem Jahr mit der „Wine’n‘Farmer“ erstmals lokalen Erzeugern ein Podium.

Das Finki ist wieder ausverkauft

Besser kann ein Festivalwetter eigentlich nicht sein. Nach dem etwas nassen Beginn am Freitagabend war der Samstag auf dem „Finki“ optimal. Das führte zum gleichen Phänomen wie 2018: „Ausverkauft“ vermeldeten die Macher vom FC Finkenbachtal am Abend. Je oller, desto doller, könnte man mit Blick auf die 43-jährige Geschichte des „Guru-Feschds“ meinen, wie es im Dorf genannt wird. Magnet wie immer am Samstagabend: „Guru Guru“ mit dem unverwüstlichen Mani Neumeier am Schlagzeug.

Der hatte sich dieses Mal einige Hochkaräter mit ins Programm geholt, die dem Festival gleich ein paar zusätzliche Highlights bescherten. Den fulminanten Finki-Abschluss lieferte Xavier-Naidoo-Gitarrist Alex Auer aus Heidelberg mit seiner Band „Detroit Blackbirds“. Für 1 Uhr nachts am frühen Sonntag angekündigt, wurde daraus sogar halb 2. Aber das Warten lohnte sich, was scheinbar auch die große Gruppe an Fans wusste, die trotz der späten Stunde geduldig ausgeharrt hatte.

Sie wurde nicht enttäuscht: Der Gitarrist und Sänger fetzte mit seinen Mitmusikern, allesamt bekannte Cracks aus der Metropolregion, kräftig los. Keyboarder Neil Palmer (auch Xavier Naidoo), Rolf Breier (Bass), Boris Angst (Schlagzeug), beide aus Auers anderer Band „Lava“, und Special Guest Adax Dörsam (Lapsteel) aus Fürth brachten Gute-Laune-Rockstücke, Uptempo-Nummern und Balladen, mit viel Spielfreude und –witz vorgetragen, auf die Bühne. Die ersten Tänzer ließen sich nicht lange auf sich warten.

Leo Lyons war am Freitagabend in diesem Jahr vielleicht der heimliche Headliner des Finki. Den 75-jährigen Briten, ganz Typ weißhaariger, distinguierter Gentleman mit besten Manieren, wollten sie alle sehen. Denn wer von den Woodstock-Veteranen ist sonst noch am Leben, geschweige denn auf Tour? Damit kokettierte auch der frühere Bassist von „Ten Years After“, der heute mit seiner eigenen Gruppe „Hundred Seventy Split“ unterwegs ist. Er ist mit der letzte Dinosaurier einer längst vergangenen Zeit.

Lyons steht voll im Saft, glänzt mit einer Spielfreude, die jüngere erblassen lassen dürfte. Das ist natürlich für seine Mitspieler Motivation genug, sich ebenso reinzuhängen. Joe Gooch (Gitarre/Gesang) und Damon Sawyer (Drums) zelebrieren ein musikalisches Feuerwerk, das fasziniert. Da geht keiner, auch wenn so langsam der Regen immer stärker wird. Aber es kam nur Nass von oben und nicht wie ein paar Kilometer weiter im Neckartal ein fettes Gewitter runter.

50 Jahre ist es nun her, dass Lyons mit „Ten Years After“ auf dem legendären Woodstock-Festival auftrat. Was könnte besser passen, als beim Finki, dem Woodstock des Odenwalds, eine Reminiszenz an diese Zeit zu bieten. Der Bassist spielte noch einmal das damalige Set. Die Augen der Fans wurden nicht nur vom Regen feucht, dies noch einmal erleben zu dürfen. Sie schwelgten in früheren Erinnerungen.

„Den muss man gesehen haben“, heißt es von der einen Seite. „1969 war ich gerade 16 Jahre alt. Dass der immer noch spielt, ist einfach super“, von der anderen. Und wie: Lyons liefert sich mit Gooch fulminante Duelle auf den verschiedenen Saiten, begeistert mit seinem druckvollen Bassspiel, scherzt mit dem Publikum und kennt keine Pause. Als Power-Trio bringen die drei einen Bluesrock alter Schule extrem fetzig auf die Bühne.

Einen sehr guten Eindruck hinterlassen ebenfalls die Franzosen von „Lazuli“. Sie mischen Progressiv-Rock-Klänge mit Ethno-Elementen, vor allem nordafrikanischen Einflüssen. Sänger und Gitarrist Dominique Leonetti in einem sympathischen Deutsch-Singsang war der Kopf einer spielfreudigen Truppe, die sich bestimmt viele Freunde gemacht hat. Rundherum wurde der Auftritt sehr positiv aufgenommen. Dass die Band bereits in der Prog-Rock-Szene einen Namen hat, merkte man am für diese Zeit gut gefüllten Festplatz.

Über Guru Guru muss man keine Worte mehr verlieren. Wenn die Band im 51. Jahr ihres Bestehens auftritt, ist es knallevoll. Neumeiers Mitstreiter Peter Kühmstedt, Jan Lindqvist und Roland Schaeffer haben es nach wie vor voll drauf, begeistern die Fans. Die sind bunt gemischt, wie es bei kaum einem anderen Festival so zu beobachten ist. Drei Generationen besuchen das Finki: Die Oma, die zu den Klängen der Jugendzeit voll mitgeht, ihre Tochter und die kleine Enkelin. Wie überhaupt das Festival scheinbar ein begehrter Ort für einen Familienausflug ist.

Ähnlich weit gestreut wie das Alter sind die Klamotten der Besucher. Da ist der Alt-68er in seinen Hippie-Klamotten, dort der Jugendlich ganz zivil in T-Shirt und Jeans. Zwischendrin so einige Paradiesvögel, die scheinbar wahllos in den Kleiderschrank der Großmutter gegriffen hatten. Hauptsache bunt und schrill, scheint die Devise zu sein.

Info: Das Finki 2020 findet am Freitag, 7., und Samstag, 8. August, in Oberzent-Finkenbach statt. Bereits gesetzt: Alex Auer mit den „Detroit Blackbirds“ als Abschluss am 8.8. wie gehabt um „25 Uhr“.

 

Beim Finki greifen die Zahnräder bewährt ineinander

Aus allen Ecken und Enden der Republik strömen sie zum „Finki“. Jedes Fortbewegungsmittel scheint recht zu sein, um das „Woodstock des Odenwalds“ nicht zu verpassen: der „normale“ Kleinwagen, der SUV mit Wohnwagenanhänger, der VW-Bus, wohl ebenso alt wie das Festival, oder der umfunktionierte Transporter. Schnell füllt sich gestern ab Mittag der Zeltplatz in der Talaue. Entspannt geht’s an den Aufbau: Das ist bei schwülheißen 30 Grad auch besser so.

Auf dem Festivalgelände bereiten die Standbetreiber alles für die Kassenöffnung vor. Hier wird noch ein Kleid umgehängt, dort das Schmuckstück besser drapiert oder die Buddha-Figur gut sichtbar an eine Zeltecke gestellt. Achim Tischler aus Michelstadt, der mit seiner Firma zum zweiten Mal die komplette Veranstaltungstechnik managt, hat bereits alle Stagepläne der Bands vorliegen und kann an den Scheinwerfer-Test gehen. „Es läuft gut“, rechnet er mit keiner Verzögerung.

Mittendrin derjenige, ohne den es das Finki-Festival oder „Guru-Feschd“, wie die Einheimischen sagen, gar nicht geben würde: Mani Neumeier. Er lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen – doch, von einem: wild auf dem Gelände herumtollenden Hunden. Da wird er energisch und meint Richtung Besitzer: „Das geht gar nicht.“ Die Vorbereitung lief wie üblich am Schnürchen, denn das Finki findet ja bereits um 37. Mal statt. Also alles eingespielt bis ins Effeff.

Welcher Auftritt ihn am Wochenende am meisten freut? „Natürlich der von Guru Guru“, lacht er lausbübisch. Die Headliner sind heute um 21 Uhr zu sehen. „Wir haben die Songs bisschen umgestellt“, kündigt er an. Dazu gibt’s zwei der neuen Stücke mit „Digital Analog“ und „Magic Tree“ zu hören. „Das Spielen macht total Spaß“, betont er. Den besten Auftritt hatte die Band im chinesischen Shenzen. „Die kannten alle unsere Songs“, ist er baff. In einem Jahr „sind wir 50 Mal aufgetreten“, listet er auf. „Dadurch sind wir ganz gut eingespielt“, schmunzelt Neumeier.

Das Mastermind hinter dem Ganzen freut sich über die Dissidenten (heute, 23 Uhr), die für den verhinderten Arthur Brown einsprangen. „Schade, dass er nicht dabei ist“, hätte er gerne wieder den Weggefährten aus alten Zeiten begrüßt. Gespannt ist Neumeier auf „Adesa“ (17 Uhr) und „Lazuli“ (19 Uhr), die er bisher nur über Live-Videos kannte und daraufhin verpflichtete.

„Live weiß man halt, was Sache ist“, hat er seine guten Erfahrungen. Eine CD dagegen sagt gar nichts aus. Den heutigen Opener „Sirkus“ kennt Neumeier bereits von der aktuellen Tour. „Da hatten wir die mal als Vorband“, erzählt er. „Die waren so gut, dass ich sie eingeladen habe.“ Und so sind die Weltmusiker als Erste dran.

Die begehrten Stoffbändchen als Andenken wird es in diesem Jahr leider nicht geben, bedauert der Guru-Guru-Chef. „Die hätten vor vier Tagen ankommen müssen.“ Taten sie aber nicht, obwohl sie der Hersteller losgeschickt hatte. Jetzt müssen es Papierbändchen tun. Wenn das diesjährige Finki läuft, denken die Verantwortlichen bereits ans kommende Jahr. Der Vorverkauf für 2020 startete gestern.

Lederwaren, Hüte, Hemden, Kleider, Korbwaren, Schmuck, Tücher:  Es sind die bewährten Standbetreiber aus dem vergangenen Jahr, die wieder eingeladen wurden, erzählt der stellvertretende Vorsitzende des FC Finkenbachtal, Armin Löffler. Auch wenn er die vergangenen Tage mehr auf dem Gelände als zuhause zubrachte, sieht er sehr entspannt aus. Mit mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung in der Finki-Orga kann ihn nur noch wenig schocken.

„Der Vorverkauf lief sehr gut“, freut er sich für den Verein, der sich um alles außer der Musik kümmert. Heute wird es aber auf jeden Fall noch Karten an der Abendkasse geben, schätzt Löffler. Wie immer wird das Regionale hochgehalten: Steak und Wurst kommen von der Rothenberger Metzgerei Beisel und Jehle, die Brötchen werden frisch gleich nebenan bei Mareikes Backshop gebacken. Für die nachmittäglichen Kuchen zeichnen die Finkenbacher Hausfrauen verantwortlich, die ein riesiges Büffet zaubern.

Der nächtliche Regen kann keinen schocken. Denn Leo Lyons, Überbleibsel der legendären Ten Years After, fasziniert gestern Abend mit seiner neuen Band Hundred Seventy Split und dem erdigen Bluesrock. Da kommen sie von weither, um den spielfreudigen Woodstock-Veteranen nochmal im Woodstock des Odenwalds zu sehen.

Info: Einlass fürs „Finki“ in Oberzent-Finkenbach an der Straße nach Beerfelden ist am heutigen Samstag um 13 Uhr. Den Abschluss macht Naidoo-Gitarrist Alex Auer mit deinen „Detroit Blackbirds“ um 1 Uhr in der Nacht auf Sonntag. Mehr unter www.finki-fesival.de

 

„Ortsverbindungsstraße“ ist immer für einen Aufreger gut

. „Ortsverbindungsstraße“ Reußenkreuz-Bullau hieß der Tagesordnungspunkt auf der vergangenen Sitzung des Ortsbeirats Sensbachtal. „Für uns ist das eine“, betonte Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann. Deshalb wählte man den Begriff bewusst. Im Gegensatz zur Meinung der Stadtverwaltung, die in dieser Strecke „nur“ einen Waldweg sieht, beharren die Sensbachtaler auf ihrer verbindenden Funktion Richtung Gebhardshütte und Bullau.

Die Straße war im vergangenen Jahr für den allgemeinen Verkehr gesperrt worden, der Ortsbeirat will sich damit aber nicht abfinden. Deshalb fand sie auch wieder den Weg auf die Tagesordnung. Zurecht, wie sich herausstellte. Denn das Gutachten des hessischen Städte- und Gemeindebundes, vor längerer Zeit von der Verwaltung angefordert, liegt dort inzwischen vor, erfuhren die Mandatsträger.

Was gleich nochmal zu Unzufriedenheit führte, dass man darüber nicht schon vorher informiert worden war. Das hatte damit zu tun, so die Auskunft, dass noch eine Stellungnahme des Grafenhauses fehlt, in dessen Besitz die Straße war, bevor sie die frühere Gemeinde Sensbachtal übernahm. Die alten Akten, so Kuhlmann, sind nicht eindeutig. Ein Status in früheren Zeiten lässt sich daraus nicht zweifelsfrei herauslesen.

Ähnlich langwierig gestaltet sich auch die geplante Sanierung der Sporthalle in Unter-Sensbach. Die war schon in der ehemals selbständigen Gemeinde angedacht und quasi in trockenen Tüchern. Doch wollte man damals der Fusion nicht vorgreifen. Hätte man nur: Denn die Kosten sind in den vergangenen beiden Jahren steil nach oben gegangen. 450.000 Euro waren veranschlagt. Inzwischen rechnet man mit einer Steigerung um 20 Prozent, erfuhr der Ortsbeirat, plus noch bestimmte Posten, die zuerst nicht auf der Rechnung waren.

Dem Ortsbeirat ist trotzdem daran gelegen, endlich in die Gänge zu kommen. Denn ein Drittel der Maßnahme wird über Fördermittel finanziert, die laut Kuhlmanns Kenntnisstand bis Ende 2020 abgerufen werden müssen. Daneben ist die 50 Jahre alte Halle quasi noch im Originalzustand. Energetisch muss dringend nachgebessert werden, auch die Sanitäranlagen bedürfen einer Auffrischung.

Auf knapp 2000 Euro beläuft sich das Budget des Ortsbeirats. Gäbe es nicht nur eines für alle drei Gemeinden des Sensbachtals zusammen, sondern drei Budgets für jede, „dann hätten wir die doppelten Mittel“, bedauert der Ortsvorsteher nach wie vor die Entscheidung, eine Pauschale pro Gremium und nicht pro Stadtteil festzusetzen. Umso mehr ist dem Ortsbeirat daran gelegen, die Gelder sinnvoll einzusetzen und auszuschöpfen.

Angedacht ist die Mitfinanzierung eines Glockenturms auf dem Hebstahler Friedhof. Man will sich dazu in Gammelsbach informieren, wo die Maßnahme mit viel Eigenleistung auf die Beine gestellt wurde. Denn ein erster Kostenvoranschlag war jenseits von Gut und Böse. Im Fokus ist auch die Erneuerung des Treppengeländers am Dorfgemeinschaftshaus Hebstahl im Rahmen des Budgets, da die Stadt sie dieses Jahr noch nicht auf dem Plan hat. Mit einer Beteiligung an Projekten des Geo-Naturpark muss man noch bis 2021 warten, kristallisierte sich auf der Sitzung heraus.

Ein Projekt für den Freiwilligentag am 14. September gibt es schon: Die Freiwillige Feuerwehr will wieder am Panoramaweg zu Werke gehen, die Aussicht freischneiden und Bänke reparieren. Seitens des Ortsbeirats hat man auch noch Projekte im Hinterkopf. Ein Gemarkungsrundgang, der im vergangenen Jahr ausfiel, ist für den Herbst in der Planung. „Wir suchen noch einen Termin“, sagte der Ortvorsteher.