Dringender Handlungsbedarf bei Kita-Plätzen

Oberzent braucht dringend neue Kindergartenplätze. In Beerfelden ist die Not am größten, aber auch Kailbach klagt über Platzmangel. Unter-Sensbach steht durch die Eröffnung einer zweiten Gruppe ganz gut da. In Rothenberg geht es vor um die räumliche Situation. Stoff genug also für den Sozial-, Kultur- und Gesundheitsausschuss, der erstmals in eigener Verantwortung tagte. „Wir nehmen als Mandatsträger das Heft in die Hand, damit Bewegung in die Sache kommt“, kündigte der stellvertretende Vorsitzende Dirk Daniel Zucht (SPD) an.

Das ewige Warten auf Fördermittel, nur um zu erfahren, „dass sie vergeben oder gestrichen sind“, ist seiner Ansicht nach nicht zielführend, betonte er. Denn wenn danach die Planungen für einen Um- oder Neubau erst einmal wieder ad acta gelegt werden, bleibt das Problem der fehlenden Plätze bestehen oder wird sogar noch größer.

„Es ist ein schweres Dilemma“, formulierte Zucht, dass Fördermittel des Landes anscheinend – wie beim Beispiel Kindergartenneubau Rothenberg – im „Windhundprinzip“ vergeben werden. Er sah dies als eine gravierende Benachteiligung des ländlichen Raumes.

„Um zu Potte zu kommen“, ist ein Agieren unabhängig von Fördermittel notwendig, wusste sich Zucht mit seinen Kollegen der verschiedenen Fraktionen einig. „Wir sind in der Pflicht“, wies er auf den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hin. 45 Kinder stehen derzeit allein in Beerfelden ab dem kommenden Kindergartenjahr 2020/21 auf der Warteliste – „und es werden nicht weniger“.

Bis zur kommenden Sitzung des Ausschusses am 13. Juli soll das Bauamt nach dem Wunsch des Ausschusses nun unter zeitlichen und finanziellen Kriterien prüfen, wie eine Containerlösung für die Standorte Beerfelden und Kailbach aussehen könnte. Auch für einen möglichen Waldkindergarten soll bis dahin eine Expertise eingeholt werden. Varianten davon gibt es bereits in umliegenden Orten wie Eberbach und Erbach. „Jedes Format ist ein Plus“, so der Ausschuss-Vorsitzende.

Dann könnte die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Nägel mit Köpfen machen. Natürlich würden es die Ausschussmitglieder gerne sehen, wenn es bereits zum nächsten Kindergartenjahr eine Lösung gäbe, aber so schnell wird es wohl nicht gehen. Zucht hob hervor, dass ein Anbau in Beerfelden und ein Neubau in Rothenberg „noch nicht vom Tisch sind“. Sollte es neue Fördermittel geben, „stehen wir Gewehr bei Fuß“.

Diese Projekte laufen seinen Angaben nach aber mehrere Jahre. „Wir brauchen jedoch jetzt etwas kurzfristig Umsetzbares“, betonte er. Bei den Containern denkt man an einen Kauf. Denn sie ließen sich, sollten sie für den Kindergarten einmal nicht mehr gebraucht werden, anderweitig umwidmen. Andererseits werden sie jedoch für diesen Zweck einige Zeit im Einsatz sein, sodass eine Anmietung nicht so sinnvoll erscheint.

Dem Ausschuss geht es mit seinen Vorschlägen und Ideen auch um die Außenwirkung: „Wir müssen ein Signal setzen, dass etwas passiert“, ist Zucht wichtig. Denn das Thema schleppt sich schon lange dahin, ohne dass Fortschritte zu erkennen sind. „Es muss Priorität haben“, postulierte er. Die Mandatsträger wollen nicht länger zuwarten. So schnell wie es organisatorisch und finanziell machbar ist, sollen die Container sehen. „Wir haben ein Ziel formuliert und werden es mit Nachdruck weiter verfolgen“, war fraktionsübergreifend der Tenor im Gremium.

Im Vorfeld hatte Verwaltungsmitarbeiter Helmut Ulrich die Zahlen erläutert. In Beerfelden ist die Kita derzeit voll belegt. Es gibt hier eine lange Warteliste. Im „Abenteuerland“ existiert derzeit eine sechste Gruppe, die nur übergangsweise eingerichtet wurde. Sie wird von 17 Kindern besucht, die in einen kommenden Erweiterweiterungsbau aufgenommen werden müssten. Neun Kinder haben zwar einen Platz in einer der städtischen Kita, aber die Eltern würden sie aus fahrtechnischen Gründen gern in Beerfelden unterbringen.

 

Kindertagesstätte „Abenteuerland“ wegen Grippe zu

„Das gab’s noch nicht in dieser Form“, sagt Neckarsteinachs Bürgermeister Herold Pfeifer: Die städtische Kindertagesstätte „Abenteuerland“ muss wegen der aktuellen Grippewelle bis einschließlich Freitag, 27. Februar, geschlossen bleiben. Von zehn Erzieherinnen seien sieben krankgeschrieben, und die achte kam heute Morgen ebenfalls kränkelnd in die Einrichtung, so Pfeifer. In Rücksprache mit dem Kreisgesundheitsamt habe man sich dann entschlossen, die Kita zuzumachen. Auch vor dem Hintergrund, dass es derzeit viele erkältete Kinder gebe.

„Ich kann die Nöte der Eltern natürlich verstehen“, so der Bürgermeister. Doch er habe „eine Verantwortung für die Gesundheit der Kinder und Erzieherinnen“. Außerdem könne er keine Erzieherinnen aus dem Hut zaubern – und mit nur zwei gesunden lasse sich der Kita-Betrieb nicht aufrechterhalten.

Eine „schwierige Situation“, in der Herold Pfeifer um Verständnis der Betroffenen bittet. Spätestens am Freitag wolle er darüber informieren, wie es in der kommenden Woche weitergehen soll. Er appelliert an die Eltern, kranke Kinder nach Wiederöffnung der Kita zuhause zu lassen und nicht in die Betreuung zu schicken. Natürlich wisse er um die beruflichen Zwänge, warum Kinder trotzdem in die Kita gebracht würden. Aber diese steckten dann andere Kinder und auch Erzieherinnen an. In der Kita werden etwa 50 Kinder betreut. Sie liegt im Stadtteil Darsberg.

Für viele Regionen in Süddeutschland meldet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) eine „stark erhöhte Influenza-Aktivität“. Nach Angaben der AGI gibt es in dieser Grippesaison bereits 18.346 bestätigte Influenza-Fälle, allein in der Woche vom 7. bis 13. Februar wurden 6251 Neuinfektionen gemeldet. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung nimmt an, dass der Höhepunkt der Grippewelle noch bevorsteht.

In dieser Saison schützt der Impfstoff schlechter als erwartet gegen die aktuell am meisten zirkulierenden Erreger vom Typ H3N2. Nicht nur wegen der Grippe melden sich derzeit vermehrt Arbeitnehmer krank, auch Erkältungen, sogenannte grippale Infekte, verbreiten sich. Weitere Infos hier im Spiegel. Bild: neckarsteinach.com