Hangar-Neubau am Flugplatz Michelstadt: Baukosten in luftigen Höhen

50 Interessierte von der Bergstraße bis zum Spessart spuckte der Bus am Waldhorn-Flugplatz des Aero-Clubs aus. Die waren auf Einladung der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) sowohl im hessischen als auch bayrischen Odenwald unterwegs, um sich mit europäischen Leader-Mitteln für die Entwicklung des ländlichen Raums geförderte Projekte anzuschauen. Oberhalb von Michelstadt ist dies der Hangar-Neubau, der einen Zuschuss von 55.000 Euro bei Bruttobaukosten von 470.000 Euro erhält.

Begrüßt vom Vorsitzenden Joachim Walther, erläuterte Kassenprüfer Michael Reinhard die Finanzierungsdetails und Einzelheiten des Projekts. Neben den EU-Mitteln steuert noch das Land 35.000 Euro bei, Kreis und Stadt zusammen 5000 und der Landessportbund 7000 Euro. Den Rest schultert der 180 Köpfe zählende Verein über einen Kredit. Seit Antragstellung verteuerte sich das Projekt von ursprünglich 360.000 Euro um 25 Prozent. „Vor allem Holz ist sehr teurer geworden“, informierte er.

Die Maße der neuen Halle betragen etwa 25 auf 25 Meter. Der komplette Flugplatz mit seiner 600 Meter langen Landebahn inklusive Nachtflugbeleuchtung wird durch den Verein unterhalten. Reinhard machte den Bedarf für einen neuen Hangar an mehreren Punkten fest. Zum einen „kommen nach Schließung des Flugplatzes Babenhausen mehr Flieger zu uns“. Zum anderen stehen bereits mehrere Flugzeuge der Vereinsmitglieder im Freien.

Und zum Dritten will man den Platz zukunftssicher machen „und eine funktionsfähige Infrastruktur vorhalten“. Denn er dient auch für Rettungsflüge, Krankentransporte und Geschäftsreisen. In der Summe „ist es enorm, was hier oben passiert“. Der Aero-Club-Mann wollte den Hangar nicht als isoliertes Projekt sehen. „Wir investieren in die Infrastruktur der Region“, betonte er. Denn es werden auf Dauer nur die Flugplätze überleben, auf denen auch genügend Flieger stehen.

Außerdem gibt es die Kooperation mit Pirelli. Die Breuberger Firma hat hier ihr Reifentestzentrum. „Dadurch blieb die Entwicklungsabteilung im Odenwald“, wies der Kassenprüfer auf die Sicherung von Arbeitsplätzen hin. In zwei Flugwerften werden Reinhard zufolge die eigenen Maschinen gewartet und repariert. Aktuell sind auf dem Gelände etwa 40 Flugzeuge „zuhause“. Der neue Hangar bietet Platz für sieben von ihnen.

„Die Halle sollte schon stehen“, ist man leider beim Bau in Rückstand, bedauerte Reinhard. Zum einen ist es schwierig, Baufirmen zu bekommen, zum anderen gab es auch vereinsinterne Verzögerungen. Die Aufträge sind zwischenzeitlich vergeben, weshalb er mit einer Fertigstellung Mitte Oktober dort rechnet, wo jetzt nur ein leeres Gelände zu sehen ist.

Das Antragsverfahren, meinte Reinhard auf Nachfrage von IGO-Regionalmanagerin Rekha Krings, „war ausgesprochen komplex“. Als früherem Hirschhorner Kämmerer fiel es ihm durch die jahrzehntelange Arbeit mit Zahlen „nicht ganz so schwer“. Aber andere hätten seiner Einschätzung nach „bestimmt erhebliche Schwierigkeiten“.

Er regte an, die Verfahren zu vereinfachen. Das könnte zu mehr Anträgen führen. Denn: „Wir wollen ja die Entwicklung der Region voranbringen.“ Es sei kontraproduktiv, auf der einen Seite Zuschüsse in Aussicht zu stellen, sie aber andererseits durch die Schwierigkeit der Beantragung wieder zu verhindern.

Erstmals gab es in diesem Jahr eine gemeinsame Tour der IGO mit der lokalen Aktionsgruppe (LAG) „Main4Eck“ Miltenberg. Krings erwähnte den „großen Mehrwert“ durch den gegenseitigen Austausch. Sie gab Reinhard recht: „Wir fordern schon lange, dass die Anträge entkompliziert werden müssen“.

Dieser Wunsch wurde auch der anwesenden Vertreterin der Bundes-LAG, Marlene Rosenberger, mitgegeben. Überall klang an, dass die sich die Kalkulationen wegen der Baukosten-Steigerung schwierig gestalten. Zwar gibt es die Möglichkeit der Mittel-Aufstockung, aber dafür muss das Verfahren noch einmal neu gestartet werden, sagte Krings.

 

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