Oberzent will die Bäche wieder wild werden lassen

Das „Dolle Dorf“ wird ja bereits jedes Jahr gekürt. Jetzt kommen noch die „wilden Bäche“ dazu. Oberzent kann damit in großer Zahl punkten. Denn ob Airlen-, Gammels-, Hetz-, Finken- oder Sensbach: Die vielen auf -bach endenden Ortsnamen machen deutlich, dass ein plätscherndes Gewässer bei der Gründung eines Dorfes vor ein paar Jahrhunderten eine große Rolle spielte. Sauberes Wasser stand schon früher hoch im Kurs, denn ohne Kläranlage mussten sich die Bewohner auf die Reinheit verlassen können.

Die Oberzent-Bäche passen optimal in das neue hessische Landesprogramm „100 wilde Bäche“, das vor kurzem von Umweltministerin Priska Hinz vorgestellt wurde. FDP-Politiker Frank Leutz regte nun an, dass die Verwaltung prüfen möge, welcher Bach auf der Gemarkung für eine Aufnahme in Frage kommt. Denn bei minimalem finanziellen Einsatz „ist ein enormer Nutzen für die Oberzenter Bachläufe zu erzielen“, betonte er. Mit allen positiven Begleiterscheinungen: wild, natürlich und artenreich. Seine Initiative stieß auf viel Wiederhall und soll angegangen werden.

Mit dem Programm „werden wir diesen Gewässern wieder ein natürliches Bachbett geben, das Wasser frei laufen lassen und ein breites und unberührtes Ufer zurückgeben“, heißt es seitens der Grünen-Politikerin. Denn: Gewässer sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Geschützte Arten wie die Groppe, das Bachneunauge oder die grüne Flussjungfer sind dort zu Hause.

Viele Bäche in Hessen wurden in der Vergangenheit ausgebaut, begradigt und in ein Betonbett gedrängt, gibt es einen drängenden Hintergrund für das Programm. An ihren Ufern können keine Bäume und Sträucher mehr wachsen, Insekten finden keine Nahrung und Fische können nicht mehr ungehindert schwimmen.

Durch die Wiederherstellung der Bäche als naturnahen Lebensraum soll die biologische Vielfalt erhalten und ausgebaut werden, ist das Ziel. Derzeit befinden sich laut Umweltministerium 14,6 Prozent der hessischen Fließgewässer in einem sehr guten bis guten ökologischen Zustand. 2014 waren es nur 4,8 Prozent. Mit dem Programm „100 wilde Bäche“ will man diese Verbesserung konsequent fortsetzen.

Das Land unterstützt die Kommunen bei den Renaturierungen umfassend, betonte Leutz. Es übernimmt bis zu 95 Prozent der Kosten. Darunter auch Flächenmanagement, Projektsteuerung und -planung sowie organisatorische Abwicklung der Maßnahmen. So soll es vor allem kleinen Kommunen eine erfolgreiche Teilnahme ermöglicht werden. Von den rund 500 Bächen in Hessen will die Regierung 100 in das Programm aufnehmen. Der Teilnahmewettbewerb startet im Sommer. Die Bekanntgabe der ausgewählten Bäche ist bis zum Jahresende geplant.

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Schwarzstorch und Rotmilan sollen Katzenwinkel windkraftfrei halten

Die Bemühungen um ein windkraftfreies Gebiet am „Katzenwinkel“ intensivieren sich. Bekanntlich ist die Stadt Oberzent bereits im Rechtsstreit mit dem Projektierer Juwi und will diesem die Zuwegung dorthin verwehren. Mit einem „faunistischen Gutachten“ wird nun eine zweite Front eröffnet, um dem Interessenten das Projekt madig zu machen. Die Initiatoren wollen durch den Nachweis von gefährdeten Arten wie Schwarzstorch und Rotmilan erreichen, dass an dieser Stelle zwischen Etzean, Airlenbach und Güttersbach Windenergieanlagen aus Artenschutzgründen unmöglich werden.

Eine kurzfristig von FDP-Mitgliedern und dem Verein Gesundheit und Naturschutz Sensbachtal von Lothar Moll zu diesem Zweck ins Leben gerufene Spendenaktion hatte einen riesigen Erfolg. 10.000 Euro kamen innerhalb kürzester Zeit bereits aus der ganzen Oberzent zusammen. Die Stadt legte jetzt noch einmal 2000 Euro drauf, sodass die Arbeit von Faunistiker Dirk Bernd aus Lindenfels bezahlt ist. Er macht unter anderem Flugraumanalysen.

Der Fachmann ist seit mehr als drei Wochen im betreffenden Gebiet unterwegs. Die Nist- und Brutzeit betroffener Arten liegt in diesem Jahr relativ früh und die Horste können nur in einem engen Zeitfenster „verwertbar festgestellt werden“. Bis spätestens Anfang Juli muss der Lindenfelser seine Arbeit abgeschlossen haben. Bernd betont aber, dass es ganz schnell gehen kann. „Manchmal habe ich Ergebnisse bereits an einem Tag“, berichtet er.

„Es gibt bereits konkrete Sichtungen“, weiß der CDU-Fraktionsvorsitzende Oliver von Falkenburg. Denn die Flugzonen der Vögel sind bekannt. Er bezeichnete das Artenschutzgutachten als „schärfstes Schwert, das wir uns leisten können“. Es stellt seinen Worten zufolge eine effektive Methode dar, „den Artenschutz im Planungsgebiet Katzenwinkel und im ganzen Odenwaldkreis zu gewährleisten“. Er weiß jedoch, dass die Erfolgsaussichten ungewiss sind. Erst müssen entsprechende Ergebnisse vorliegen, die dann beim Regierungspräsidium Eingang in die Planungen finden müssen.

Die Oberzent-Parlamentarier die kürzlich einstimmig dem 2000-Euro-Zuschuss zustimmten, versprechen sich aber von der städtischen Unterstützung einen Signaleffekt für Windkraft-Projektierer, eine größere Außenwirkung, dass Windenergie hier nicht gewünscht sei. „Die sehen dann, dass alle Mittel ergriffen werden.“ Denn die Samthandschuhe wurden auf beiden Seiten längst ausgezogen.

„Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen“, betonte von Falkenburg. Nur so könne man sich die kommunale Selbstverwaltung zurückholen, die gerade beim Thema Windkraft stark eingeschränkt wurde. Er nannte als bestes Beispiel den Odenwaldkreis-weiten gemeinsamen Flächennutzungsplan zur Windenergie, der vom Regierungspräsidium nicht anerkannt werde. Mit der finanziellen Unterstützung des Gutachtens möchte die Stadt dann auch Zugriff aufs Gutachten haben, um es im weiteren Verfahren nutzen zu können.

Es ist Eile geboten, betonte von Falkenburg. Da der Teilplan Erneuerbare Energien (TPEE) des Regionalplans Mitte Juni von der Regionalversammlung Südhessen verabschiedet werden soll, „muss im Hinblick auf den weiteren möglichen Ausbau von Windkraftanlagen dringend gehandelt werden“. Die kürzlich durch das Regierungspräsidium Darmstadt (vorübergehend) gestrichenen Flächen in Reichelsheim und Mossautal belegen für ihn, „dass der Artenschutz im Odenwald noch nicht ausreichender Form berücksichtigt wurde“.

Mit dem faunistischen Gutachten könne man dazu beitragen, ungeeignete Flächen noch vor Verabschiedung des Plans noch zu eliminieren. Sollte die Einarbeitung der Ergebnisse nicht mehr rechtzeitig gelingen, so sei das Gutachten trotzdem noch im nachgeschalteten Prüfungsverfahren bis zu fünf Jahre lang verwertbar.

(Der Vogel auf dem Bild ist ein Rotmilan…)

Airlenbach wünscht sich den mobilen Blitzer

Die Zufahrt zum Sportplatz brennt dem Ortsbeirat auf den Nägeln. Denn die ist nur geschottert und wird bei jedem Starkregen ausgespült. Auf der vergangenen Ortsbeiratssitzung wurde der Punkt wieder thematisiert, weil man sich eine Fertigstellung bis spätestens Ende Juli wünscht. Denn im August feiert der Sportverein sein 50. Jubiläum. Dann soll alles erledigt sein und die Besucher ohne Ruckeln das Festzelt erreichen können.

Ortsvorsteherin Marion Neff weiß zwar, dass das Geld zur Sanierung im aktuellen Oberzent-Haushalt drin steht, aber nicht, ob die Zeit für die Sanierung noch ausreichen wird. Bereits vor der Fusion und auch im vergangenen Jahr drängte der Stadtteil auf Erledigung, erläuterte sie. „Das ist eine sehr wichtige Angelegenheit für uns“, machte Neff die Dringlichkeit deutlich.

Sie informierte das Gremium und die anwesenden Bürger auf der vergangenen Sitzung daneben über das jetzt von den Stadtverordneten verabschiedete Budget für die Ortsbeiräte, nach dem Arirlenbach 1302 Euro im Jahr erhält. Unter anderem soll damit der Blumenschmuck an der „Dicken Eiche“ gezahlt werden, den bisher eine Anwohnerin aus ihrer Privatschatulle bestreitet. Über die restliche Verwendung will man im Laufe des Jahres beraten.

Drei Hundekotbehälter mitsamt Beuteln sind im Ortsgebiet (Dicke Eiche, Hardtweg, Wildgehege) angebracht, erläuterte sie. Die undichte Giebelseite des Sporthauses aus der To-do-Liste ist ebenfalls erledigt, sagte Neff. Die Treppenstufen-Erneuerung an der Leichenhalle ist ihren Worten zufolge in Bearbeitung, der Treppensockel am Sporthaus steht noch aus.

Den Schottergehweg außerhalb der geschlossenen Ortschaft entlang der Landesstraße bezeichnete die Ortsvorsteherin als „unbefriedigende Situation“. Denn der wächst nach und nach zu, was ein Begehen schwierig werden lässt. „Wir haben noch keine Lösung gefunden, wie sich das langfristig verbessern lässt“, bedauerte Neff.

Im Laufe des Frühjahrs soll ihrer Mitteilung zufolge ein vom Wald Richtung Hardtweg führender, unbefestigter Weg angegangen werden, teilte sie mit. Im Hardtweg selbst sind im befestigten Randstreifen mehrere Unterflur-Hydranten verborgen. Jedoch würden diese leider teilweise von Autos zugestellt. „Es wäre ärgerlich, wenn die Feuerwehr einen Einsatz hat und erst die Autos wegschleppen müsste“, hob die Ortsvorsteherin hervor. Der Ortsbeirat will außerdem überlegen, wie man die Hydranten besser kenntlich machen kann.

Ein immer wiederkehrendes Thema ist die Verkehrsberuhigung. Anhand der Messung durch Stadtpolizist El Kadi liegen nun belastbare Ergebnisse vor, dass in der Ortsdurchfahrt kräftig gerast wird. „Wir sind daran interessiert, dass mobil geblitzt wird“, forderte Neff für den Ortsbeirat. Wobei sie weiß, dass Lärm und zu schnelles Fahren in der ganzen Stadt ein Thema sind. Angesprochen wurde auch ein mögliches Überholverbot.

Ein wasserführender Graben vom Anwesen Eichenstraße 20 Richtung Bannweide bereitet Kopfzerbrechen. Denn der unterspült in schöner Regelmäßigkeit den städtischen Flur- und Feldweg. Es erging die Bitte an die Stadt, sich dies anzuschauen. Neff teilte außerdem mit, dass oberhalb des Dicke-Eiche-Denkmals drei marode Eichen gefällt werden müssen.

 

Drei rauschten mit über 100 durch Airlenbach

Die Einwohner hatten es schon immer vermutet, jetzt haben sie es Schwarz auf Weiß. Im Stadtteil wird gerast, was das Gaspedal hergibt. Im Rahmen einer „versteckten“ Geschwindigkeitsmessung, die allerdings die Fahrzeughalter nicht erfasste (und damit keine direkten Konsequenzen für diese hat), stellte Stadtpolizist Nabil el Kadi fest, dass 35 Prozent aller fahrbaren Untersätze im Ort zu schnell unterwegs waren. „Für die Stadtpolizei ist hier in der Zukunft ganz klar ein Handlungsbedarf“, betonte er. Mit weiteren Messungen in Form von mobilen Blitzern „ist zu rechnen“, sagte der Mann aus dem Oberzent-Ordnungsamt.

In den zwei Wochen, in den das Geschwindigkeitszählgerät in Airlenbach hing, befuhren täglich im Schnitt 1200 Fahrzeuge Airlenbach, erläuterte El Kadi. „Das macht im Jahr fast eine halbe Millionen Fahrzeugbewegungen.“ In der Ortsdurchfahrt der L 3120 gelten 50 km/h. Würde hier eine Geschwindigkeitsmessung stattfinden, müssten unter Einbeziehung der Toleranz acht Prozent der Fahrerzeuglenker eine Geldbuße zahlen und „einige sogar Ihren Führerschein abgeben“, ergab seine Auswertung.

Spitzenreiter waren drei Autofahrer, die mit 113, 109 und 102 Stundenkilometern durch den Ort bretterten. Zwei davon abends kurz vor 21 Uhr, einer nach Mitternacht. „Wer meint, dass das wieder Motorradfahrer waren, der täuscht sich“, sagte der Stadtpolizist. Bei allen drei handelte es sich um Pkw. Er wird das Messgerät nun an einer anderen Stelle anbringen, die El Kadi natürlich nicht preisgeben will, wie er schmunzelnd meinte.

Das eingesetzte Gerät kostete um die 2000 Euro, erläuterte er. „Eine sehr gute Investition“, wie El Kadi betonte. Denn die beiden kleinen weißen Kästen werden einfach an einer Verkehrszeichen-Stange befestigt und sind für Durchfahrende so gut wie nicht zu erkennen. „So bekomme ich verlässliche Daten, wie schnell wirklich gefahren wird“, hob er hervor. Es lassen sich klare Aussagen treffen. Denn Blitzer werden viel stärker wahrgenommen, wodurch dann doch etliche langsamer fahren als zuvor.

Laut dem Stadtpolizisten kann das Gerät neben der Geschwindigkeit auch die Art des Fahrzeugs erkennen, da es dessen Länge feststellt. Er sieht den Einsatz „als eine besondere Art der Präventivarbeit“. Denn bedingt durch die große Ausdehnung der Stadt Oberzent und ihm als einzigen dafür zuständigen Mitarbeiter „kann ich nicht überall sein“. Deshalb ist es für El Kadi eine große Hilfe zu wissen, wo tatsächlich Handlungsbedarf in Form von Kontrollen besteht, weil viele zu schnell fahren. Wie eben in Airlenbach.

Die Feuer-Inszenierungen sollen die Menschen berühren

„Ich will eine Inszenierung bieten, die die Menschen berührt“, sagt Stefan Rosewick über die Faszination seines Berufs. Vor mehr als 20 Jahren startete er hobbymäßig mit Feuershows. Seit er 2006 zusammen mit Sandra Niemtschak „artArtistica“ gründete, ist er mit seiner Firma hauptberuflich unterwegs. Stelzenlauf, Feuertanz-Theater, Lichtershows, Illuminationen, Pyro-Musicals oder Feuerwerke: Der 55-Jährige ist auf vielen Bereichen aktiv. „Ich möchte die Gefühle ansprechen“, sagt er über die Motivation seiner Arbeit. Wie etwa beim „Irischen Feuermärchen“, das in diesem August nach einem Jahr Pause wieder in Bad König aufgeführt wird.

Der gelernte Elektroniker profitiert bei seiner heutigen Tätigkeit von der früheren Berufsausbildung. „Ohne einen entsprechenden Background ist das kaum zu machen“, sagt er. Selbst kleine Feuerwerke werden elektronisch gezündet, weiß Rosewick. „Mit einer Lunte geht da heute kein Profi mehr dran“, lacht der gebürtige Erbacher.

Ihn hat es schon vor längerer Zeit in den Oberzent-Stadtteil Airlenbach verschlagen. „Das liegt zentraler als die Kreishauptstadt“, meint er. „Ich bin schneller aus dem Odenwald draußen.“ Denn Heimspiele wie das Bienenmarkt-Feuerwerk, der Beerfelder Pferdemarkt oder die Erbacher Schlossweihnacht sind für Rosewick eher selten. Es geht zum SI-Center in Stuttgart, zur Kasseler Freiheit, nach Bad Wimpfen oder Bad Rappenau ebenso wie in die Fraport-Arena oder zu den Clingenburg-Festspielen– und das sind nur die näheren deutschen Termine.

Ins Metier schlitterte er mehr oder weniger rein. Von Vorteil war für ihn allerdings die Beschäftigung mit Kampfsport schon seit Jugendjahren und die dadurch perfekte Körperbeherrschung. Ausbildungen mit den Elementen Tanz, Bewegung und Jonglage folgten. Dazu kam sein Faible fürs Theater. Als eine Bekannte mit neuen Ideen eine eigene Show kreierte und Rosewick fragte, ob er mitmachen würde, war der Feuer und Flamme.

Seine erste Feuershow ist fast 20 Jahre her, erinnert er sich. Von Anfang an, sagt der Künstler, „stand nicht die Technik im Vordergrund, sondern das theatralisch Inszenierte“. Ein gutes Beispiel ist das irische Feuermärchen als Abendprogramm. Viereinhalb Stunden Programm mit bis zu 24 Akteuren gehen jedes Jahr auf Tournee und warten auf die restlos begeisterten Zuschauer. „Wir waren bisher immer ausverkauft“, freut sich Rosewick.

Je anspruchsvoller, desto interessanter ist es für den 55-Jährigen. Zum 25-jährigen Bestehen der Clingenburg-Festspiele gestaltete er im vergangenen Jahr ein Pyromusical, das die vergangenen zehn Aufführungen in sich vereinte. „Dafür ist höchstes Know-How nötig“, betont er. Denn das Feuerwerk wird komplett am Computer erstellt und durch diesen gesteuert. „Zum Schluss drückst du nur noch auf den Knopf“, meint Rosewick lächelnd – und alles läuft von allein.

Sein „absolutes Steckenpferd“ ist aber ein musiksynchrones Feuerwerk, wie es etwa am Montag des Beerfelder Pferdemarkts zu sehen ist. Zwischen zehn und 15 Minuten dauern diese besonderen Events, bringen aber als Vorarbeit „das Drei- bis Vierfache eines normalen Feuerwerks mit sich“, betont er. Etwa eine Woche lang sitzt er dafür am Computer.

Rosewick hat sich auf Indoor-Auftritte und Feuerwerke an besonderen Orten spezialisiert. Etwa vom historischen Rathausturm der Mosbacher Altstadt. Er profitiert dabei von seinem enormen Fachwissen. „Ich habe drei Scheine“, sagt der Airlenbacher: als staatlich geprüfter Pyrotechniker für Theaterbühnen, für Großfeuerwerke und für Spezialeffekte bei Film- und Fernsehproduktionen.

Ehrenamtlich engagiert er sich darüber hinaus beim Verein Pyrotechnik Bergstraße, der 2017 den Hessischen Katastrophenschutzpreis bekommen hat, für realistische Schadensdarstellungen und Fortbildungen für Feuerwehr, THW und Rettungsdienste – mit Blick aufs Stadion am Böllenfalltor. „Es blitzt, brennt, raucht und die müssen durch Feuerwände durch“, ist seinen Worten zufolge das Szenario „sehr realistisch“.

Ein Event ist Stefan Rosewick bei seinem bisherigen Wirken als Artist besonders im Gedächtnis geblieben: die Eröffnungsshow für die Cricket-Weltmeisterschaft in Südafrika. Sie sollte zuerst in Indien stattfinden, was aber wegen den zeitgleich stattfindenden Wahlen nicht möglich war. Kurzerhand wurde alles nach Kapstadt verlegt. Ein einmaliges Erlebnis: 50.000 Menschen im Stadion, 750 Millionen an den Fernsehern – und ein perfekter englischer Rasen, der nicht einen Brand-Fleck abkriegen durfte. Eine organisatorische Herausforderung.

Das irische Feuermärchen mit Art Artistica und der Irish-Folk-Gruppe Dhalia‘s Lane findet Open-Air am Samstag, 24. August, um 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) auf der Freilichtbühne Bad König, Schlossplatz, statt. Tickets unter Telefon 06063/503137 oder http://www.freilichtbuehne-bad-koenig.de.

Info: artArtistica, Stefan Rosewick, Airlenbach, E-Mail srosewick@aol.com

Foto: Gudrun Gebhardt-Sknitt

 

 

 

Raser sind den Airlenbachern ein Dorn im Auge

Im Stadtteil gibt’s einiges zu tun, wurde anhand der „To-do-Liste“ der Verwaltung deutlich, die auf die Ortbeiratssitzung abgearbeitet wurde. Neben Reparaturen ist es vor allem die Verkehrssituation entlang der Durchgangsstraße, die den Bewohnern auf den Nägeln brennt, machte Ortvorsteherin Marion Neff deutlich. Die Liste selbst „war fast vollständig“, freute sie sich. Es fehlte nur die Zufahrt zum Sportplatz. Bisher nur geschottert, „wird sie laufend ausgespült“. Hier soll eine beständigere Lösung her. „Das muss noch ergänzt werden“, betonte Neff.

Unter anderem ist das Dach der Leichenhalle sanierungsbedürftig, teilte sie bei der Sitzung des Gremiums mit. Allerdings ist noch unklar, wann es angegangen werden soll. Im kommenden Jahr ist der Erneuerung der beiden Treppen auf dem Friedhof vorgesehen. Die dortigen Holzstufen, um die 20 Jahre alt, wurden mit Teppich belegt, weil sie zu rutschig waren. Diese Notlösung soll nun in Form von Betonstufen einen Ersatz bekommen. Schon erledigt sind die Undichtigkeiten am Sporthaus, wo es reinregnete.

Die Raser auf der Landesstraße quer durch den Ort sind ein andauerndes Ärgernis. „Das ist Wahnsinn, was da im Sommer durchbrettert“, meinte Neff, selbst Anliegerin. Es sind nicht nur Autofahrer, die viel zu schnell durchs Dorf und den angrenzenden 60-Kilometer-Bereich düsen, sondern an den Wochenenden vor allem Motorradfahrer, die zusätzlich noch für einen hohen Lärmpegel sorgen. Auch das benachbarte Mossautal weiß ein Lied davon zu singen, weshalb eine konzertierte Aktion mit Oberzent angedacht ist.

Die Ortsvorsteherin weiß aus Gesprächen, dass die Stadtverwaltung an dem Thema verstärkt dran ist. Der inzwischen verstorbene Hans Rausch hatte bereits vor einigen Jahren eine Studie erstellen lassen, inwieweit sich vielleicht an bestimmten Punkten eine Verkehrsberuhigung erzielen lässt. Allerdings „müssen wir der Stadt ein bisschen Zeit lassen“, meinte sie. Weil es eine Landesstraße ist, kann diese nicht allein entscheiden. Hessen Mobil ist auch mit im Boot.

Sowieso wird sich die Straßenführung nicht ändern: „Die ist halt lang und gerade“, so Neff. Damit lädt die Strecke uneinsichtige Verkehrsteilnehmer quasi zum Schnellfahren ein. Inwieweit ab kommenden Jahr verstärkte Geschwindigkeitskontrollen möglich sind, muss geklärt werden. Außerhalb des Ortskerns gibt es daneben einen Schotterrandstreifen, der als provisorischer Gehweg dient. Dieser „ist kaum noch zu benutzen“. Jetzt wird über Möglichkeiten nachgedacht, eine langfristige Lösung zu gestalten.

Die Ortsvorsteherin informierte das Gremium weiter darüber, dass es am im vergangenen Jahr sanierten Hardtweg noch einige Schönheitsfehler gebe, die nachgebessert werden sollen. Außerdem schießt von einem bergseitigen Waldweg zu viel Wasser auf die Straße. Hier will sich Stadtbaumeister Peter Bauer mit Hessen Forst kurzschließen, ob die Mitarbeiter vielleicht oberhalb eine Abflussmöglichkeit schaffen können. An einem zweiten Punkt ist der Übergang von der Straße zu einem weiteren Waldweg noch im Bauzustand. Diese Thematik soll ebenfalls im kommenden Jahr angegangen werden.

Die Ortsvorsteherin informierte darüber, dass angedacht sei, am Ehrenamtstag 2019 zusammen mit dem Dorfverein ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Ein weiteres Thema war das geplante, projektgebundene Budget für die Ortsbeiräte. Noch in diesem Jahr soll zwischen den Jahren eine Wanderung nach Gammelsbach stattfinden, die der Ortsbeirat für die Bevölkerung anbietet, erläuterte sie.

Juwi will Windkraft auf dem Katzenwinkel gegen alle Widerstände durchdrücken

Die Firma Juwi hat sich in der neuen Stadt keine Freunde gemacht. Der Windkraft-Projektierer aus dem rheinland-pfälzischen Wörrstadt will mit aller Macht das Gebiet „Katzenwinkel“ für Windenergie erschließen. Die Firma lässt sich dabei auch nicht von der geballten Ablehnung aus Stadtverordneten-Versammlung, Magistrat und Bürgerschaft irritieren. Aktuelle Eskalationsstufe: Juwi droht in der Aufforderung, dass die Stadt ihrem „zumutbaren Erschließungsangebot“ zustimmen möge, mit der Einleitung rechtlicher Schritte, sollte dies nicht erfolgen.

Bei den Stadtverordneten kam dies auf deren aktueller Sitzung natürlich nicht gut an. Mehr oder minder harsch waren die Reaktionen darauf, in dieser Form die Pistole auf die Brust gesetzt zu bekommen. Denn bereits das vorläufige Gremium hatte dieses Ansinnen im April abgelehnt. Deshalb sahen es die Mandatsträger als unnötig an, jetzt noch einmal in die Details zu gehen und lehnten es bei vier Enthaltungen (Grüne/Linke) ab. Die Fläche ist sowieso nicht im gemeinsamen Windkraft-Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises aufgeführt, wurde darüber hinaus als Begründung genannt.

„Ich war gerade zwei Tage im Amt, als Juwi die Unterlagen aus dem Frühjahr noch einmal einreichte“, berichtete Bürgermeister Christian Kehrer. Bei dem Erschließungsangebot geht es darum, dass die Firma „über unsere Flächen und Wege“ eine Zuwegung zum betreffenden Gebiet und gleichzeitig das Recht zur Kabelverlegung erhalten möchte. „Wir sind auch in der jetzigen Konstellation zu keinem anderen Beschluss gekommen“, erläuterte der Rathauschef.

Ende vergangener Woche gab es seinen Worten zufolge ein Gespräch des Magistrats mit den Juwi-Vertretern. Diese hätten darauf hingewiesen, dass in zwei bis drei Wochen alle Unterlagen vorlägen, um das Vorhaben auf den Weg zu bringen. Gleichzeitig sei noch einmal deutlich gemacht worden, dass bei Nichtzustimmung der Stadt der Rechtsweg beschritten werde.

Es gebe seitens des Projektierers das Angebot, im Rahmen einer Stadtverordneten-Sitzung über das Vorhaben zu informieren. Eine öffentliche Info-Veranstaltung werde allerdings abgelehnt. „Wir erkennen einen klaren Widerstand in der Bevölkerung“, ergänzte Kehrer. Es seien noch viele Fragen wie Trinkwasser- und Naturschutz offen. Er rief dazu auf, weitere offene Punkte einzureichen, damit diese an die Firma weitergeleitet werden können.

Horst Kowarsch (Grüne) wollte wissen, wie sich die Rechtslage darstelle, wenn ein Gericht grundsätzlich für dieses Windkraft-Projekt votiere. „Dann haben wir keine Chance“, meinte Kehrer. Damit sei dann auch die Zuwegung mit befürwortet. Von einer „Unverschämtheit“, schon jetzt mit Rechtsmitteln zu drohen, sprach Frank Leutz (FDP). „Jedes Windrad ist eines zu viel“, sprach er sich grundsätzlich dagegen aus. Deshalb „ist der Gestattungsantrag unbedingt zu untersagen“.

Das sah auch Oliver von Falkenburg (CDU) so. Die Ablehnung sei „ein klares Signal, das man unbedingt senden muss“. Er forderte eine Bekräftigung der Entscheidung vom April. „Es hat sich nichts Neues ergeben“, meinte Thomas Ihrig (SPD). Das Gebiet liege „außerhalb der Beerfeldener Planung“. Ähnlich Chris Poffo (ÜWO): Es sei „kein guter Stil“, mit einer Klage zu drohen, monierte er. Andrea Heß-Kraus (SPD) ärgerte sich, „dass die kommunale Selbstverwaltung komplett ausgehebelt wird“.

Etwas differenzierter stellte sich die Betrachtungsweise von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) dar: „Wir stehen zum gemeinsamen FNP“, sagte sie. Jedoch seien die Folgen des Klimawandels bereits „ganz hautnah“ zu spüren. Deshalb müsse man auch konsequent dagegen vorgehen, weshalb „die Windkraft im Auge behalten werden sollte“.

Rüdiger Holschuh (SPD) berichtete aus dem Landtag, dass der Landesentwicklungsplan fortgeschrieben worden sei. Darin stehe immer noch, dass zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie bereitzustellen seien. Das bedeute für den Odenwaldkreis mit den umgebenden Ballungsräumen, in denen keine Windräder möglich seien, „bis zu zehn Prozent der Fläche für Windkraft“, malte er ein Schreckensszenario an die Wand.

 Juwi plant auf dem Höhenzug Katzenwinkel zwischen den Oberzenter Stadtteilen Etzean und Airlenbach sowie Hüttenthal und Güttersbach fünf Windräder. Als Fertigstellung wird der Sommer 2020 angepeilt. Die Anlagen sind entlang des Verbindungswegs zwischen Beerfelden und Güttersbach geplant. Dabei werden einzelne Standorte bis auf 700 Meter an Etzeaner Bebauung im Außenbereich heranreichen. Die Windräder des Typs Enercon E 141 erreichen eine Rotoren-Spannweite von 141 Meter und eine Nabenhöhe von 159 Meter. Sie haben somit eine 229,5 Meter, was bisher im Odenwald noch nicht erreicht wurde. Juwi-Seite: www.windpark-etzean.de, BI-Seite: http://www.gegenwind-beerfelden-rothenberg.de.