Mögliche Windräder auf dem „Katzenwinkel“: Denkmalamt lässt Beerfelden bei der Galgen-Einstufung hängen

Auf der Ortsbeiratssitzung in Etzean ging es zwar vor allem um den Hügelrücken „Katzenwinkel“, auf dem fünf Windräder entstehen könnten. Aber eigentlich ging es auch hier um das große Ganze, nämlich den Teilplan Erneuerbare Energien des Regionalplans Südhessen, der in seinem Entwurf im Gegensatz zum Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises dort Windenergieanlagen zulässt. Wie übrigens auch auf der Hirschhorner Höhe zwischen Beerfelden und Rothenberg.

Ortsvorsteher Ralf Kredel informierte zum Sachstand des Regionalplans und machte auf die Möglichkeit zur Stellungnahme bis 2. Juni aufmerksam. Fürs Gebiet „Katzenwinkel“ stellte er Kartenmaterial zur Verfügung, damit sich die Besucher selbst ein Bild machen könnten. In einer lebhaften, aber sachlichen Diskussion wurden die verschiedenen Aspekte wie etwa die Nähe zu Wohnhäusern angesprochen.

Bürgermeister Gottfried Görig sagte, dass sich die Stadt „klipp und klar gegen weitere Windkraft-Flächen im Regionalplan ausspricht“. Mit dem gemeinsamen FNP hätten die 15 Gemeinden beschlossen, „dass es mehr Vorranggebiete nicht geben soll“. Das hat auch mit den vereinbarten „harten Kriterien“ zu tun, nach denen 1000 Meter Abstand vom Windrad zur nächsten Bebauung gegeben sein sollen. Im FNP waren die Sensbacher Höhe und der Hügel zwischen Hinterbach und Olfen gelistet.

An den harten Kriterien hapert es – von der generellen Ablehnung mal abgesehen – im Gebiet „Katzenwinkel“ zwischen Etzean und Airlenbach. Nach den Informationen von Görig würden sich ein oder zwei der fünf dort möglichen Rotoren in lediglich 700 bis 750 Meter Entfernung zu Wohnhäusern drehen. Deshalb wurde diese Fläche im FNP auch ausgeschlossen. Das Problem: Dieser Plan wurde vom Darmstädter Regierungspräsidium abgelehnt.

Dagegen haben sich die Odenwald-Kommunen in einer Klage zusammengeschlossen. Allerdings gibt es derzeit noch keinen Termin für eine Verhandlung. Ebenso wenig wie für die Klage der Firma Juwi, die am Katzenwinkel einen Windmessmast erreichten wollte. Zu diesem Ansinnen hatte der Beerfelder Magistrat sein Einvernehmen verweigert und im Folgenden der Kreis die Baugenehmigung verwehrt. Dagegen geht nun die Firma vor. Das betreffende Gelände ist in Privatbesitz. Es gehört zu größeren Teilen dem Grafen von Erbach und zwei weiteren Personen.

Bei der Einsichtnahme in den Regionalplan im Zuge der öffentlichen Auslegung fiel den Fachleuten in der Stadtverwaltung daneben ein weiteres, wichtiges Kriterium auf: Der Beerfelder Galgen wurde bei der Überprüfung, „ob der Bau von Windkraftanlagen einen Konflikt hinsichtlich der Belange des Denkmalschutzes darstellt, nicht berücksichtigt“. Denn das Kulturdenkmal liegt in der Sichtlinie des Katzenwinkels, was auch auf der vergangenen Stadtverordnetenversammlung angesprochen wurde. „Hinter dem Galgen würde man die Rotoren sehen. Das ist nicht hinnehmbar“, so Görig.

Über die Antwort auf die entsprechende Rückfrage gab in der Stadt am Berge Kopfschütteln. Denn das Landesamt für Denkmalpflege stufte den Galgen in die Kategorie C ein. Was ein Denkmal von lediglich lokaler Bedeutung mit einem Prüfradius von einem Kilometer bedeutet. Durch diese Betrachtung war „eine vertiefte Prüfung für dieses Gebiet nicht erforderlich“.

In seiner Stellungnahme an die Denkmalpfleger äußert sich Görig über diese Einstufung „doch sehr erstaunt“. Denn das gleiche Amt bezeichnet den Galgen in der Denkmaltopographie der Bundesrepublik als „Rechtsdenkmal von nationaler Berühmtheit und als den besterhalten dreischläfrigen Galgen in ganz Deutschland“. An anderer Stelle wird die „außergewöhnliche kulturhistorische Bedeutung“ genannt.

Görig weist weiter auf unzählige Veröffentlichungen und den Galgen als Ziel vieler Ausflügler hin. Er geht davon aus, „dass Ihnen bei der Einstufung der vielen Denkmäler nur ein Fehler unterlaufen ist.“ Auch vor dem Hintergrund der eigenen Aussagen im Denkmalbuch wird darum gebeten, die Einstufung zu korrigieren. „Unserer Ansicht nach handelt es sich beim Galgen um ein kulturhistorisches Denkmal von überregionaler Bedeutung.“

 

 

Die 15 Odenwaldkreis-Kommunen werden zur zweiten Offenlage des Teilplans Erneuerbare Energien eine gemeinsame Stellungnahme durch ein Fachbüro erarbeiten lassen. Diese wird allen Gemeinden zugeleitet und von ihnen durch Anlagen im Hinblick auf spezifische eigene Belange – in Beerfelden der Galgen – ergänzt. Bis spätestens 30. Juni müssen dann die Stellungnahmen beim Regierungspräsidium Darmstadt eingegangen sein. Dieser Fristverlängerung (eigentlicher Abgabetermin spätestens 2.6.) stimmte das RP wegen der engen Zeitschiene zu.

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Airlenbach: Infos zu Windkraft-Planungen auf dem „Katzenwinkel“

Es soll im Zuge der Oberzent-Fusion einen neuen Straßennamen im Ort geben. Der Teil der Oberen Ortsstraße von Falken-Gesäß, der bis auf Airlenbacher Gemarkung reicht, wird in Liederbachweg umbenannt. Nachdem sich schon die Anwohner geeinigt hatten, befand auch der Ortsbeirat in seiner vergangenen Sitzung dieses Vorhaben als in Ordnung. Zuvor hatte das Gremium in Falken-Gesäß sein Einverständnis signalisiert.

Die Anregung war von Horst Holschuh gekommen, der auch unter den Zuschauern weilte. Die Umbenennung gilt ab der Abzweigung von der Kreisstraße zwischen den beiden Orten. Die Verwaltung, so Bürgermeister Gottfried Görig, nehme jetzt die Anregung auf und setze sie um, wenn im Zuge des Fusionsprozesses auch die anderen Straßenumbenennungen anstehen.

Görig informierte daneben über die Planungen für fünf Windkraftanlagen im Bereich „Katzenwinkel“. Denn von diesen ist der Stadtteil direkt betroffen. Dem Bauantrag einer Firma auf Errichtung eines Windmessmastes habe der Magistrat sein Einvernehmen verwehrt, sagte er. Das Gebiet sei nicht im Flächennutzungsplan (FNP) Windkraft des Odenwaldkreises aufgeführt. Es könnte sein, so der Bürgermeister, dass die Firma gegen die Ablehnung der Mastaufstellung beim Kreis klagen werde.

Wie Görig weiter sagte, sei der gemeinsame FNP allerdings vom Regierungspräsidium Darmstadt abgelehnt worden. Die Kreis-Kommunen und der Odenwaldkreis selbst wollten nun dagegen vorgehen, es gebe aber noch keinen Verhandlungstermin. Die Juristen seien noch in Gesprächen. „Harte Kriterien“ für Windräder, also mindestens 1000 Meter Entfernung von Wohnbebauung, wären bei der jetzigen Planung nicht gewährleistet. In Richtung Airlenbach könnten es sogar unter 700 Meter bis zum nächsten Haus sein, meinte er.

Der Verkehr soll auf der L 3120 in Airlenbach „entschleunigt“ werden

Im Beerfelder Ortsteil Airlenbach wird zu schnell gefahren. Darüber sind sich alle einig. Doch wie lässt sich der Verkehr auf der L 3120 „entschleunigen“? Im Ortsbeirat ging es mal wieder um dieses Thema, nachdem 2015 zwei Geschwindigkeitsanzeigetafeln in den jeweiligen 60er-Bereichen angebracht worden waren. Diese sind zwar laut Ortsvorsteher Gerd Schäfer „ein kleiner Beitrag, der bisschen hilft“. Aber ohne Konsequenzen für Schnellfahrer.

„Wir haben nicht so viel Verkehr, aber viele, die zu schnell fahren“, meinte Schäfer. Mit baulichen und optischen Maßnahmen will man im Rahmen der eigenen Möglichkeiten die Raser, egal mit zwei oder vier Rädern, zum Abbremsen bringen. Hintergrund ist die 2013 im Auftrag des Ortsbürgers Hans Rausch angefertigte, professionelle Studie „Nicht so schnell in Airlenbach“. Dort werden verschiedene Vorschläge gemacht.

Allerdings sind der Stadt Grenzen gesetzt, wurde in den Äußerungen von Bürgermeister Gottfried Görig und Sascha Flick vom Ordnungsamt deutlich. Denn es handelt sich um eine Landesstraße, für die die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil zuständig ist. Die dortigen Mühlen mahlen langsam und man bekommt auch nicht immer das erhoffte Ergebnis, war allen Anwesenden bewusst. Von daher bedauerte es Schäfer, dass kein Vertreter der Behörde zur Sitzung erschienen war.

„Große Baumaßnahmen wie die Einengung der Fahrbahn und ein Straßenteiler wären mit großen Aufwand verbunden“, erläuterte Görig. Hessen Mobil stelle sich auf den Standpunkt, dass die Gemeinde dafür aufkommen solle. „Im Haushalt 2017 sind aber keine Mittel drin“, sagte der Bürgermeister.

Die Runde war sich uneinig, ob mit einer Bepflanzung links und rechts der Fahrbahn und einer damit verbundenen „Torwirkung“ etwas erreicht werden könnte. Denn ein breiter Grünstreifen ist in Landesbesitz, dafür brächte man wiederum eine Genehmigung. Und ob Bäume, die weiter weg von der Straße stehen, die gewünschte Wirkung bringen, wurde in Frage gestellt. Ganz abgesehen davon, ob sie, wenn dichter dran, nicht bei gefährlichen Kreuzungen die Sicht nehmen.

Man will nun mit kleinen Maßnahmen, die wenig Geld kosten und am einfachsten durchzusetzen sind, schon in diesem Jahr starten. Dazu gehört die von Schäfer vorgeschlagene „60“ an den beiden Ortseingängen mit dem grünen Weilerschild. Außerdem soll eine „50“ auf die Straße, wo dann das gelbe Ortsschild steht. Angedacht sind auch „Rüttelstreifen“, um die Autolenken zum Langsam fahren zu bewegen. Allerdings war Tenor eindeutig: „Wo nicht kontrolliert wird, hält sich keiner dran.“

Weshalb auch das Thema „Blitzer“ wieder angesprochen wurde. Da war man in Airlenbach vor einiger Zeit noch skeptisch, aber die Wirkung in Hetzbach und Gammelsbach bewirkte bei Schäfer ein Umdenken. Auch andere Teilnehmer sprachen sich dafür aus. Flick widersprach der Meinung, ein stationäres Gerät habe nur punktuelle Wirkung. „In den 500 bis 600 Metern davor und dazwischen wird langsamer gefahren“, wies er auf die Erfahrungen aus den beiden Ortsteilen hin.

Der Bürgermeister machte jedoch deutlich, dass diese Geräte an bestimmte Kriterien gebunden seien. Es sei zu ermitteln, wie viele Fahrzeuge wie schnell durch Airlenbach fahren. „Wir brauchen eine positive Stellungnahme der Polizeiakademie“, ergänzte Flick. Es müsste im Einzelfall geprüft werden, wo ein Blitzer Sinn mache. Und: „Es sollte kein Drauflegegeschäft sein.“ Im Gegensatz zu Hetz- und Gammelsbach wären die Fixbetreuungskosten für die Stadt in Airlenbach sicherlich höher, sagte er. Dass die Messungen aber Wirkung zeigen, ist auch klar: Von 18.000 im ersten Jahr sind die Beanstandungen auf jetzt 6000 Fälle zurückgegangen.

„Es muss endlich mal was geschehen“, lautete eine Äußerungen aus dem Publikum. Es gebe immer wieder gefährliche Situationen. Viel zu lange seien die Maßnahmen schon rausgeschoben worden. Ganz klar votierte man pro Blitzer, wollte neben der 60er-Markierung auch ein Überholverbot (Traktoren ausgenommen) in diesem Bereich. Eine Anregung, die Görig und Flick ebenfalls mit in die nächste Verkehrsschau nehmen.

Wie Sascha Flick erläuterte, kann man das Ortsschild nicht weiter nach außen versetzt werden, um eine Ausdehnung des 50er-Bereichs zu erhalten. Dafür fehle die notwendige durchgehende Bebauung. Am Beispiel Schönnen habe man gesehen, wie das ausgehen könne. Dort musste das Ortsschild nach einer Klage zurückversetzt werden. Er sagte zu, die mobile Geschwindigkeitsanzeige zwei bis drei Mal im Jahr an verschiedenen Stellen der Landesstraße anzubringen, damit ein gewisser Wechsel gewährleistet sei.

 

Beerfelden: Windräder im „Katzenwinkel“ sollen verhindert werden

Planungen für fünf Windkraftanlagen im Bereich „Katzenwinkel“ auf dem Höhenrücken zwischen Etzean und Airlenbach waren in der vergangenen Stadtverordneten-Sitzung Thema einer Anfrage von Andrea Heß-Kraus (SPD). Sie wollte den Stand der Dinge wissen. Wie Bürgermeister Gottfried Görig entgegnete, habe es von einer Firma den Bauantrag auf Errichtung eines Windmessmastes gegeben.

Der Magistrat habe diesem im Januar kein Einvernehmen erteilt, der Kreisausschuss ihn dann abgelehnt, weil das Gebiet nicht im Flächennutzungsplan (FNP) Windkraft des Odenwaldkreises aufgeführt sei. Es könnte sein, so der Bürgermeister, dass die Firma gegen die Ablehnung der Mastaufstellung beim Kreis beklagen werde.

Wie Görig weiter sagte, sei der gemeinsame FNP allerdings vom Regierungspräsidium Darmstadt abgelehnt worden. Die Kreis-Kommunen und der Odenwaldkreis selbst klagten nun dagegen, es gebe aber noch keinen Verhandlungstermin. Die Juristen seien noch in Gesprächen. Bei der kommenden Fortschreibung des städtischen Flächennutzungsplans in puncto Windkraft werde man wohl auch das Gebiet Sensbacher Höhe rausnehmen, sagte Görig.

Andreas Krauch (FDP) rief dazu auf, sich mit aller Macht gegen die Planung im „Katzenwinkel“ zu wehren. Denn dort sollten die größten Windräder des Odenwalds mit 230 Metern Höhe und 4,3 Megawatt Leistung entstehen, die direkt in der Sichtlinie des Beerfelder Galgens lägen. „Wir sollten alles tun, um sie zu verhindern.“ Auch wenn das Projekt auf gräflichen Land liege, sah Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Jürgen Löw trotzdem verhindernde Einflussmöglichkeiten der Stadt, etwa bei der Zufahrt über Gemeindewege.

„Harte Kriterien“ für Windräder, also mindestens 1000 Meter Entfernung von Wohnbebauung, wären beim gemeinsamen FNP des Kreises festgeschrieben worden, sagte Görig. Bei der jetzigen Planungen wären sie das nicht, so Krauch. Denn Richtung Airlenbach sah er nur um die 750 Meter gegeben, auch das Gestüt Etzean sei näher dran.

Der FDP-Mann wies darauf hin, dass das Gebiet im bisherigen Regionalplan enthalten sei, im Entwurf des neuen aber nicht mehr. Deshalb würden die Betreiber sicher alles daran setzen, schnell in die Umsetzung zu gehen, was man verhindern solle. Vorbereitende Arbeiten seien im Wald bereits zu beobachten, etwa durch Markierungspunkte für die verschiedenen Windräder.

Schreinerei Bellut in Airlenbach informierte beim Tag der offenen Tür über ihre Produkte

Ein schöner Erfolg war für die Schreinerei Bellut der Tag der offenen Tür verbunden mit dem sechsten Kunsthandwerkermarkt. Den ganzen Tag über herrschte auf dem Gelände am Ortseingang von Airlenbach reger Betrieb, informierten sich die Besucher zum einen über den Betrieb, nahmen aber zum anderen genauso gerne die vielen schönen handgefertigten Produkte in Augenschein, die auf dem Hof verkauft wurden.

Vor 30 Jahren gründete Jürgen Bellut seine Schreinerei in Heppenheim, vor sechs Jahren zog er damit in den Odenwald. Fünf Mitarbeiter sind derzeit in dem florierenden Betrieb tätig. Einer von ihnen, Moritz Schumacher, machte im vergangenen Jahr sein Meisterstück. Und das gleich im doppelten Sinn: nämlich als Titel und in Form eines Tischkickers als ausgezeichnete Arbeit. Er ist es auch, der im kommenden Jahr in die Firma mit einsteigt und sie dann sukzessive übernehmen wird.

Dass die Ausbildung in der Schreinerei Bellut von Erfolg gekrönt ist, zeigt sich auch an den Gesellenstücken von zwei Auszubildenden. Beide schlossen damit als Innungsbeste ab. Im vergangenen Jahr war dies Kevin Krautschneider mit einem Schreibtisch aus Kirschbaum, davor wieder Moritz Schumacher mit einem Fernsehschrank. Für sein jetziges Meisterstück aus Nussbaum und Ahorn benötigte er 450 Stunden an Planungs- und Bauzeit.

Doch der Betrieb ist beileibe nicht nur auf Holz beschränkt. Es gibt die neuesten Gleittürentrends, ein Schlafstudio mit allen Produkten für einen angenehmen Schlaf vom Lattenrostsystem übers Bettgestell bis zur Matratze, eine Werkstatt mit neuen Wohnideen und individuell gefertigte Holztreppen. Zum Thema Innenausbau sowie Bad- und Küchenmöbel stand das Team ebenfalls für Fragen zur Verfügung.

Werkstatt und Wohnhaus sind in Holzständerbauweise errichtet, womit der Fokus der Firma auf Ökonomie und Ökologie deutlich wird. Wie so etwas in der Praxis aussieht, konnten diese Gäste bei der Führung durch einen Holzständer-Rohbau erfahren. Ein Zimmermann beriet die Interessierten. Daneben wurde das neue Lager eingeweiht, das an diesem Tag noch als Platz für Biertischgarnituren diente.

„Wir achten viel auf Nachhaltigkeit“, betonte Schumacher. So werde in letzter Zeit viel Holz vom Sägewerk Kurtz in Aschbach verwendet. Für die Herstellung der Matratzen einer österreichischen Firma, die Bellut vertreibe, werde Naturlatex verwendet. Die Wärmeproduktion erfolgt mit einer Hackschnitzelheizung, die sowohl Werk-Abfälle als auch regional hergestellte Holzhackschnitzel verwertet. Die Produktion geschieht überwiegend mit Strom aus der eigenen Fotovoltaik-Anlage. „Der Betrieb läuft gut, die Nachfrage ist da“, freute sich der Schreinermeister.

„Gleichmäßig gut besucht“ war seinen Worten zufolge die Veranstaltung. Die Verknüpfung von Tag der offenen Tür mit Kunsthandwerkermarkt funktioniere. Für die Kleinen gab es oberhalb Ponyreiten, außerdem durften sie die Schafe und Ziegen des Hofs besuchen und auf dem Markt mit Holz Nistkästen basteln. Die Dorfgemeinschaft Airlenbach kümmerte sich derweil darum, dass niemand Hunger und Durst leiden musste.

Unter den Kunsthandwerkern waren manche bekannten Gesichter wie Drechsler Sauer, aber auch ein paar neue. Socken aus selbst gefärbter Wolle, getöpferte Gartenfiguren, handgetöpferte Keramik, handgefertigte Messer und Bögen sowie Glasarbeiten und Segeltuchjacken deckten ein breites Sortiment ab, von dem so mancher Besucher etwas mit nach Hause nahm.

Dreimal ausverkauftes Haus für die Theaterspieler des SV Airlenbach mit der Komödie „Zugezogen“

Wenn die Theaterspieler des SV rufen, dann kommen sie alle. Seit 25 Jahren begeistern die Aktiven des Sportvereins alle zwei Jahre ihre Gäste mit einem Schwank. „Zugezogen“ hieß in diesem Jahr die Komödie aus der Feder von Jochen Bonnemann, die drei Mal vor ausverkauften Haus aufgeführt wurde. Nach eher geruhsamen Beginn steigert sich das Stück nach und nach zu einer turbulenten Komödie, bei der sich die Gäste bald vor Lachen krümmen.

Das ist sicher auch der Spielfreude der Akteure geschuldet. Zwischen zehn und zwölf Aktive sind es jedes Mal, die sich ab November zur Probe treffen, das Stück einüben und dabei in ihren Rollen aufgehen. Mit viel Herzblut, mal überkandidelt-exzentrisch, mal in sich gekehrt und zurückhaltend, mal grantelnd, geben sie ihren Figuren eine ganz eigene Note und lassen so die zweieinhalbstündige Aufführung zum Riesenerfolg werden.

Über 400 Gäste wollen sich an den drei Abenden auf diese Weise unterhalten lassen, ein paar Stunden abschalten. „Wir hatten ein super Publikum“, freut sich denn auch Anja Krautschneider. Das ging vor allem bei der letzten Aufführung am Sonntag so richtig mit. „Die Leute lachten Tränen“, es gab oft Zwischenapplaus und Beifallsrufe, weiß sie.

Zum Inhalt: Der pensionierte und verwitwete Finanzbeamte Hannes Rummels (Stephan Liebig) lebt seit einem Jahr mit seiner Familie im Ort. Jetzt bemühen sich die Sonnenberger Vereine um seine Dienste als Vereinsrechner. Denn im Nachbarort ging’s bereits hoch her, da will jeder auf der sicheren Seite sein. Da Hannes nicht Nein sagen kann und sich endlich in die Dorfgemeinschaft integrieren will, nimmt er einfach alles auf einmal an. Leider sind sich die Vereine untereinander nicht grün – und so versucht Hannes jeden im Glauben zu lassen, er helfe exklusiv nur ihm. Natürlich läuft alles irgendwann zur Freude der Gäste völlig aus dem Ruder.

Sonnenberg könnte dabei überall sein. Denn die Figuren aus dem Stück, natürlich überzeichnet, gibt’s fast in jedem Ort zu finden. Die Zugezogenen auch. Die sollen sich zwar einbringen, aber dann bitte doch nicht so sehr, dass sich die Einheimischen übergangenen und übervorteilt fühlen. Davon weiß auch die Bürgermeisterin Anja Jenders (Jasmin Schäfer) ein Lied zu singen, die Hannes ihr Leid klagt. Zu allem Überfluss macht der fitte Mittsechziger auch noch der Rathauschefin schöne Augen.

Mit dem Erscheinen der zerstrittenen Vereinsvertreter nimmt das Unheil seinen Lauf. Alle wollen ihn exklusiv als Mitglied gewinnen. Männermangel haben sie auch, wie die Singkreis- und die Kulturclub-Vorsitzende drastisch deutlich machen. Im Verein wie auch privat. Pia Schwarz (Katja Bundschuh), die verhinderte große Sängerin, für die nur sie sich hält, rauscht exzentrisch wie ein Wirbelwind über die Bühne und trifft zielsicher den falschen Ton. Nora Kreuz (Regina Sattler) ist ihr in jahrhundertealter Familienfehde verbunden und gibt die biedere Hausfrau, die es faustdick hinter den Ohren hat.

Die einzelnen Charaktere, die im weiteren Verlauf des turbulenten Stücks noch ausgeprägter ausgearbeitet werden, machen die Komödie zum großen Erlebnis. Die beiden tantrischen Schwestern Petra Hugo (Anja Krautschneider) und Sandra Bischoff (Marion Neff) sind es dann, die mit ihrem Auftritt ein nicht mehr enden wollendes Feuerwerk an Lachsalven einleiten.

Denn natürlich wächst Hannes sein guter Plan über den Kopf, ergeben sich Verwirrungen und Verwicklungen. Die sind aber nichts gegen die Bösewichte in den eigenen Reihen. Denn Pfarrer und Gymnastiklehrerin sind das Räuberpärchen, das schon den Nachbarort unsicher gemacht hat. Sie wollen Hannes zwingen, die ganzen Vereinsgelder auf die Cayman-Islands zu überweisen.

Doch beide haben damit nicht mit der plötzlich im Ernstfall doch verschworenen Dorfgemeinschaft gerechnet. Mit Hilfe des Gurus (André Fichtel) und Edgars Gewehr wird das Duo in einem überschäumenden Finale dingfest gemacht. Tosender Applaus war den SV-Akteuren für ihre Nabelschau eines skurrilen Ortslebens sicher. Fast schon erschöpft vom vielen Lachen ging’s für die Besucher in dem Wissen nach Hause, einen besonderen Theaterabend erlebt zu haben.

Darsteller/Akteure: Stephan Liebig (Hannes Rummels), Claudia Rausch (Silvia Engels), Peter Schäfer (Marcus Engels), Samantha Watkins (Jenny Engels), Kenny Bundschuh (Ottheinrich Staub), Jasmin Schäfer (Anja Jenders), Verena Vay (Lydia Hesse), Walter Siefert (Edgar Schall), Katja Bundschuh (Pia Schwarz), Regina Sattler (Nora Kreuz), Marion Neff (Sandra Bischoff), Anja Krautschneider (Petra Hugo), André Fichtel (Guru), Souffleusen: Katja Siefert und Sonja Eckert, Regisseurin Hedwig Sepp-Halm, Friseuse Bettina Benkert-Brill.

Ehrung: Für 25 Jahre Theaterspielen wurde Katja Bundschuh als Akteurin der ersten Stunde mit Urkunde und Vereinsehrennadel ausgezeichnet