Drei rauschten mit über 100 durch Airlenbach

Die Einwohner hatten es schon immer vermutet, jetzt haben sie es Schwarz auf Weiß. Im Stadtteil wird gerast, was das Gaspedal hergibt. Im Rahmen einer „versteckten“ Geschwindigkeitsmessung, die allerdings die Fahrzeughalter nicht erfasste (und damit keine direkten Konsequenzen für diese hat), stellte Stadtpolizist Nabil el Kadi fest, dass 35 Prozent aller fahrbaren Untersätze im Ort zu schnell unterwegs waren. „Für die Stadtpolizei ist hier in der Zukunft ganz klar ein Handlungsbedarf“, betonte er. Mit weiteren Messungen in Form von mobilen Blitzern „ist zu rechnen“, sagte der Mann aus dem Oberzent-Ordnungsamt.

In den zwei Wochen, in den das Geschwindigkeitszählgerät in Airlenbach hing, befuhren täglich im Schnitt 1200 Fahrzeuge Airlenbach, erläuterte El Kadi. „Das macht im Jahr fast eine halbe Millionen Fahrzeugbewegungen.“ In der Ortsdurchfahrt der L 3120 gelten 50 km/h. Würde hier eine Geschwindigkeitsmessung stattfinden, müssten unter Einbeziehung der Toleranz acht Prozent der Fahrerzeuglenker eine Geldbuße zahlen und „einige sogar Ihren Führerschein abgeben“, ergab seine Auswertung.

Spitzenreiter waren drei Autofahrer, die mit 113, 109 und 102 Stundenkilometern durch den Ort bretterten. Zwei davon abends kurz vor 21 Uhr, einer nach Mitternacht. „Wer meint, dass das wieder Motorradfahrer waren, der täuscht sich“, sagte der Stadtpolizist. Bei allen drei handelte es sich um Pkw. Er wird das Messgerät nun an einer anderen Stelle anbringen, die El Kadi natürlich nicht preisgeben will, wie er schmunzelnd meinte.

Das eingesetzte Gerät kostete um die 2000 Euro, erläuterte er. „Eine sehr gute Investition“, wie El Kadi betonte. Denn die beiden kleinen weißen Kästen werden einfach an einer Verkehrszeichen-Stange befestigt und sind für Durchfahrende so gut wie nicht zu erkennen. „So bekomme ich verlässliche Daten, wie schnell wirklich gefahren wird“, hob er hervor. Es lassen sich klare Aussagen treffen. Denn Blitzer werden viel stärker wahrgenommen, wodurch dann doch etliche langsamer fahren als zuvor.

Laut dem Stadtpolizisten kann das Gerät neben der Geschwindigkeit auch die Art des Fahrzeugs erkennen, da es dessen Länge feststellt. Er sieht den Einsatz „als eine besondere Art der Präventivarbeit“. Denn bedingt durch die große Ausdehnung der Stadt Oberzent und ihm als einzigen dafür zuständigen Mitarbeiter „kann ich nicht überall sein“. Deshalb ist es für El Kadi eine große Hilfe zu wissen, wo tatsächlich Handlungsbedarf in Form von Kontrollen besteht, weil viele zu schnell fahren. Wie eben in Airlenbach.

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Die Feuer-Inszenierungen sollen die Menschen berühren

„Ich will eine Inszenierung bieten, die die Menschen berührt“, sagt Stefan Rosewick über die Faszination seines Berufs. Vor mehr als 20 Jahren startete er hobbymäßig mit Feuershows. Seit er 2006 zusammen mit Sandra Niemtschak „artArtistica“ gründete, ist er mit seiner Firma hauptberuflich unterwegs. Stelzenlauf, Feuertanz-Theater, Lichtershows, Illuminationen, Pyro-Musicals oder Feuerwerke: Der 55-Jährige ist auf vielen Bereichen aktiv. „Ich möchte die Gefühle ansprechen“, sagt er über die Motivation seiner Arbeit. Wie etwa beim „Irischen Feuermärchen“, das in diesem August nach einem Jahr Pause wieder in Bad König aufgeführt wird.

Der gelernte Elektroniker profitiert bei seiner heutigen Tätigkeit von der früheren Berufsausbildung. „Ohne einen entsprechenden Background ist das kaum zu machen“, sagt er. Selbst kleine Feuerwerke werden elektronisch gezündet, weiß Rosewick. „Mit einer Lunte geht da heute kein Profi mehr dran“, lacht der gebürtige Erbacher.

Ihn hat es schon vor längerer Zeit in den Oberzent-Stadtteil Airlenbach verschlagen. „Das liegt zentraler als die Kreishauptstadt“, meint er. „Ich bin schneller aus dem Odenwald draußen.“ Denn Heimspiele wie das Bienenmarkt-Feuerwerk, der Beerfelder Pferdemarkt oder die Erbacher Schlossweihnacht sind für Rosewick eher selten. Es geht zum SI-Center in Stuttgart, zur Kasseler Freiheit, nach Bad Wimpfen oder Bad Rappenau ebenso wie in die Fraport-Arena oder zu den Clingenburg-Festspielen– und das sind nur die näheren deutschen Termine.

Ins Metier schlitterte er mehr oder weniger rein. Von Vorteil war für ihn allerdings die Beschäftigung mit Kampfsport schon seit Jugendjahren und die dadurch perfekte Körperbeherrschung. Ausbildungen mit den Elementen Tanz, Bewegung und Jonglage folgten. Dazu kam sein Faible fürs Theater. Als eine Bekannte mit neuen Ideen eine eigene Show kreierte und Rosewick fragte, ob er mitmachen würde, war der Feuer und Flamme.

Seine erste Feuershow ist fast 20 Jahre her, erinnert er sich. Von Anfang an, sagt der Künstler, „stand nicht die Technik im Vordergrund, sondern das theatralisch Inszenierte“. Ein gutes Beispiel ist das irische Feuermärchen als Abendprogramm. Viereinhalb Stunden Programm mit bis zu 24 Akteuren gehen jedes Jahr auf Tournee und warten auf die restlos begeisterten Zuschauer. „Wir waren bisher immer ausverkauft“, freut sich Rosewick.

Je anspruchsvoller, desto interessanter ist es für den 55-Jährigen. Zum 25-jährigen Bestehen der Clingenburg-Festspiele gestaltete er im vergangenen Jahr ein Pyromusical, das die vergangenen zehn Aufführungen in sich vereinte. „Dafür ist höchstes Know-How nötig“, betont er. Denn das Feuerwerk wird komplett am Computer erstellt und durch diesen gesteuert. „Zum Schluss drückst du nur noch auf den Knopf“, meint Rosewick lächelnd – und alles läuft von allein.

Sein „absolutes Steckenpferd“ ist aber ein musiksynchrones Feuerwerk, wie es etwa am Montag des Beerfelder Pferdemarkts zu sehen ist. Zwischen zehn und 15 Minuten dauern diese besonderen Events, bringen aber als Vorarbeit „das Drei- bis Vierfache eines normalen Feuerwerks mit sich“, betont er. Etwa eine Woche lang sitzt er dafür am Computer.

Rosewick hat sich auf Indoor-Auftritte und Feuerwerke an besonderen Orten spezialisiert. Etwa vom historischen Rathausturm der Mosbacher Altstadt. Er profitiert dabei von seinem enormen Fachwissen. „Ich habe drei Scheine“, sagt der Airlenbacher: als staatlich geprüfter Pyrotechniker für Theaterbühnen, für Großfeuerwerke und für Spezialeffekte bei Film- und Fernsehproduktionen.

Ehrenamtlich engagiert er sich darüber hinaus beim Verein Pyrotechnik Bergstraße, der 2017 den Hessischen Katastrophenschutzpreis bekommen hat, für realistische Schadensdarstellungen und Fortbildungen für Feuerwehr, THW und Rettungsdienste – mit Blick aufs Stadion am Böllenfalltor. „Es blitzt, brennt, raucht und die müssen durch Feuerwände durch“, ist seinen Worten zufolge das Szenario „sehr realistisch“.

Ein Event ist Stefan Rosewick bei seinem bisherigen Wirken als Artist besonders im Gedächtnis geblieben: die Eröffnungsshow für die Cricket-Weltmeisterschaft in Südafrika. Sie sollte zuerst in Indien stattfinden, was aber wegen den zeitgleich stattfindenden Wahlen nicht möglich war. Kurzerhand wurde alles nach Kapstadt verlegt. Ein einmaliges Erlebnis: 50.000 Menschen im Stadion, 750 Millionen an den Fernsehern – und ein perfekter englischer Rasen, der nicht einen Brand-Fleck abkriegen durfte. Eine organisatorische Herausforderung.

Das irische Feuermärchen mit Art Artistica und der Irish-Folk-Gruppe Dhalia‘s Lane findet Open-Air am Samstag, 24. August, um 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) auf der Freilichtbühne Bad König, Schlossplatz, statt. Tickets unter Telefon 06063/503137 oder http://www.freilichtbuehne-bad-koenig.de.

Info: artArtistica, Stefan Rosewick, Airlenbach, E-Mail srosewick@aol.com

Foto: Gudrun Gebhardt-Sknitt

 

 

 

Raser sind den Airlenbachern ein Dorn im Auge

Im Stadtteil gibt’s einiges zu tun, wurde anhand der „To-do-Liste“ der Verwaltung deutlich, die auf die Ortbeiratssitzung abgearbeitet wurde. Neben Reparaturen ist es vor allem die Verkehrssituation entlang der Durchgangsstraße, die den Bewohnern auf den Nägeln brennt, machte Ortvorsteherin Marion Neff deutlich. Die Liste selbst „war fast vollständig“, freute sie sich. Es fehlte nur die Zufahrt zum Sportplatz. Bisher nur geschottert, „wird sie laufend ausgespült“. Hier soll eine beständigere Lösung her. „Das muss noch ergänzt werden“, betonte Neff.

Unter anderem ist das Dach der Leichenhalle sanierungsbedürftig, teilte sie bei der Sitzung des Gremiums mit. Allerdings ist noch unklar, wann es angegangen werden soll. Im kommenden Jahr ist der Erneuerung der beiden Treppen auf dem Friedhof vorgesehen. Die dortigen Holzstufen, um die 20 Jahre alt, wurden mit Teppich belegt, weil sie zu rutschig waren. Diese Notlösung soll nun in Form von Betonstufen einen Ersatz bekommen. Schon erledigt sind die Undichtigkeiten am Sporthaus, wo es reinregnete.

Die Raser auf der Landesstraße quer durch den Ort sind ein andauerndes Ärgernis. „Das ist Wahnsinn, was da im Sommer durchbrettert“, meinte Neff, selbst Anliegerin. Es sind nicht nur Autofahrer, die viel zu schnell durchs Dorf und den angrenzenden 60-Kilometer-Bereich düsen, sondern an den Wochenenden vor allem Motorradfahrer, die zusätzlich noch für einen hohen Lärmpegel sorgen. Auch das benachbarte Mossautal weiß ein Lied davon zu singen, weshalb eine konzertierte Aktion mit Oberzent angedacht ist.

Die Ortsvorsteherin weiß aus Gesprächen, dass die Stadtverwaltung an dem Thema verstärkt dran ist. Der inzwischen verstorbene Hans Rausch hatte bereits vor einigen Jahren eine Studie erstellen lassen, inwieweit sich vielleicht an bestimmten Punkten eine Verkehrsberuhigung erzielen lässt. Allerdings „müssen wir der Stadt ein bisschen Zeit lassen“, meinte sie. Weil es eine Landesstraße ist, kann diese nicht allein entscheiden. Hessen Mobil ist auch mit im Boot.

Sowieso wird sich die Straßenführung nicht ändern: „Die ist halt lang und gerade“, so Neff. Damit lädt die Strecke uneinsichtige Verkehrsteilnehmer quasi zum Schnellfahren ein. Inwieweit ab kommenden Jahr verstärkte Geschwindigkeitskontrollen möglich sind, muss geklärt werden. Außerhalb des Ortskerns gibt es daneben einen Schotterrandstreifen, der als provisorischer Gehweg dient. Dieser „ist kaum noch zu benutzen“. Jetzt wird über Möglichkeiten nachgedacht, eine langfristige Lösung zu gestalten.

Die Ortsvorsteherin informierte das Gremium weiter darüber, dass es am im vergangenen Jahr sanierten Hardtweg noch einige Schönheitsfehler gebe, die nachgebessert werden sollen. Außerdem schießt von einem bergseitigen Waldweg zu viel Wasser auf die Straße. Hier will sich Stadtbaumeister Peter Bauer mit Hessen Forst kurzschließen, ob die Mitarbeiter vielleicht oberhalb eine Abflussmöglichkeit schaffen können. An einem zweiten Punkt ist der Übergang von der Straße zu einem weiteren Waldweg noch im Bauzustand. Diese Thematik soll ebenfalls im kommenden Jahr angegangen werden.

Die Ortsvorsteherin informierte darüber, dass angedacht sei, am Ehrenamtstag 2019 zusammen mit dem Dorfverein ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Ein weiteres Thema war das geplante, projektgebundene Budget für die Ortsbeiräte. Noch in diesem Jahr soll zwischen den Jahren eine Wanderung nach Gammelsbach stattfinden, die der Ortsbeirat für die Bevölkerung anbietet, erläuterte sie.

Juwi will Windkraft auf dem Katzenwinkel gegen alle Widerstände durchdrücken

Die Firma Juwi hat sich in der neuen Stadt keine Freunde gemacht. Der Windkraft-Projektierer aus dem rheinland-pfälzischen Wörrstadt will mit aller Macht das Gebiet „Katzenwinkel“ für Windenergie erschließen. Die Firma lässt sich dabei auch nicht von der geballten Ablehnung aus Stadtverordneten-Versammlung, Magistrat und Bürgerschaft irritieren. Aktuelle Eskalationsstufe: Juwi droht in der Aufforderung, dass die Stadt ihrem „zumutbaren Erschließungsangebot“ zustimmen möge, mit der Einleitung rechtlicher Schritte, sollte dies nicht erfolgen.

Bei den Stadtverordneten kam dies auf deren aktueller Sitzung natürlich nicht gut an. Mehr oder minder harsch waren die Reaktionen darauf, in dieser Form die Pistole auf die Brust gesetzt zu bekommen. Denn bereits das vorläufige Gremium hatte dieses Ansinnen im April abgelehnt. Deshalb sahen es die Mandatsträger als unnötig an, jetzt noch einmal in die Details zu gehen und lehnten es bei vier Enthaltungen (Grüne/Linke) ab. Die Fläche ist sowieso nicht im gemeinsamen Windkraft-Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises aufgeführt, wurde darüber hinaus als Begründung genannt.

„Ich war gerade zwei Tage im Amt, als Juwi die Unterlagen aus dem Frühjahr noch einmal einreichte“, berichtete Bürgermeister Christian Kehrer. Bei dem Erschließungsangebot geht es darum, dass die Firma „über unsere Flächen und Wege“ eine Zuwegung zum betreffenden Gebiet und gleichzeitig das Recht zur Kabelverlegung erhalten möchte. „Wir sind auch in der jetzigen Konstellation zu keinem anderen Beschluss gekommen“, erläuterte der Rathauschef.

Ende vergangener Woche gab es seinen Worten zufolge ein Gespräch des Magistrats mit den Juwi-Vertretern. Diese hätten darauf hingewiesen, dass in zwei bis drei Wochen alle Unterlagen vorlägen, um das Vorhaben auf den Weg zu bringen. Gleichzeitig sei noch einmal deutlich gemacht worden, dass bei Nichtzustimmung der Stadt der Rechtsweg beschritten werde.

Es gebe seitens des Projektierers das Angebot, im Rahmen einer Stadtverordneten-Sitzung über das Vorhaben zu informieren. Eine öffentliche Info-Veranstaltung werde allerdings abgelehnt. „Wir erkennen einen klaren Widerstand in der Bevölkerung“, ergänzte Kehrer. Es seien noch viele Fragen wie Trinkwasser- und Naturschutz offen. Er rief dazu auf, weitere offene Punkte einzureichen, damit diese an die Firma weitergeleitet werden können.

Horst Kowarsch (Grüne) wollte wissen, wie sich die Rechtslage darstelle, wenn ein Gericht grundsätzlich für dieses Windkraft-Projekt votiere. „Dann haben wir keine Chance“, meinte Kehrer. Damit sei dann auch die Zuwegung mit befürwortet. Von einer „Unverschämtheit“, schon jetzt mit Rechtsmitteln zu drohen, sprach Frank Leutz (FDP). „Jedes Windrad ist eines zu viel“, sprach er sich grundsätzlich dagegen aus. Deshalb „ist der Gestattungsantrag unbedingt zu untersagen“.

Das sah auch Oliver von Falkenburg (CDU) so. Die Ablehnung sei „ein klares Signal, das man unbedingt senden muss“. Er forderte eine Bekräftigung der Entscheidung vom April. „Es hat sich nichts Neues ergeben“, meinte Thomas Ihrig (SPD). Das Gebiet liege „außerhalb der Beerfeldener Planung“. Ähnlich Chris Poffo (ÜWO): Es sei „kein guter Stil“, mit einer Klage zu drohen, monierte er. Andrea Heß-Kraus (SPD) ärgerte sich, „dass die kommunale Selbstverwaltung komplett ausgehebelt wird“.

Etwas differenzierter stellte sich die Betrachtungsweise von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) dar: „Wir stehen zum gemeinsamen FNP“, sagte sie. Jedoch seien die Folgen des Klimawandels bereits „ganz hautnah“ zu spüren. Deshalb müsse man auch konsequent dagegen vorgehen, weshalb „die Windkraft im Auge behalten werden sollte“.

Rüdiger Holschuh (SPD) berichtete aus dem Landtag, dass der Landesentwicklungsplan fortgeschrieben worden sei. Darin stehe immer noch, dass zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie bereitzustellen seien. Das bedeute für den Odenwaldkreis mit den umgebenden Ballungsräumen, in denen keine Windräder möglich seien, „bis zu zehn Prozent der Fläche für Windkraft“, malte er ein Schreckensszenario an die Wand.

 Juwi plant auf dem Höhenzug Katzenwinkel zwischen den Oberzenter Stadtteilen Etzean und Airlenbach sowie Hüttenthal und Güttersbach fünf Windräder. Als Fertigstellung wird der Sommer 2020 angepeilt. Die Anlagen sind entlang des Verbindungswegs zwischen Beerfelden und Güttersbach geplant. Dabei werden einzelne Standorte bis auf 700 Meter an Etzeaner Bebauung im Außenbereich heranreichen. Die Windräder des Typs Enercon E 141 erreichen eine Rotoren-Spannweite von 141 Meter und eine Nabenhöhe von 159 Meter. Sie haben somit eine 229,5 Meter, was bisher im Odenwald noch nicht erreicht wurde. Juwi-Seite: www.windpark-etzean.de, BI-Seite: http://www.gegenwind-beerfelden-rothenberg.de.

 

Neue Schilder hängen schon: Beerfelden gehört bereits zur Stadt Oberzent

Still und heimlich gehören die verschiedenen Oberzent-Orte bereits zur neuen Stadt, obwohl die Fusion von Beerfelden, Rothenberg, Hesseneck und Sensbachtal noch gar nicht über die Bühne gegangen ist. Sie steht erst zum Jahreswechsel an Bereits vor Weihnachten startete die zuständige Straßenbehörde Hessen Mobil mit der Anbringung der neuen Ortsschilder an den Kreis-, Land- und Bundesstraßen. Beerfelden wurde aus Richtung Airlenbach bereits ein Stadtteil von Oberzent, ebenso wie Airlenbach nicht mehr Teil Beerfeldens wie bisher ist, sondern zur neuen Stadt gehört.

Auch im Bereich Rothenberg hängen im Vorgriff auf den Jahreswechsel bereits die neuen Bezeichnungen. 37 gelbe Stadtschilder sind es, die von der Straßenbehörde auch noch in den nächsten Tagen angebracht werden. Dazu kommen 15, die die Kommunen an ihren eigenen Straßen installieren, erläutert Christian Kehrer als Projektleiter Fusion beim Kommunalservice Oberzent. In der ersten Januar-Woche soll dann alles über die Bühne gegangen sein. Spitzenreiter im Schilderwald dürften Beerfelden (7) und Olfen (5) sein.

Neu dazu kommt Hinterbach, wo das gelbe Schild den bisherigen grünen Weiler an zwei Stellen ablöst. Der Leonhardshof bleibt auch weiterhin „nur“ ein Weiler, bekommt aber statt dem Zusatz Beerfelden jetzt Oberzent. Aber allein damit ist es nicht getan. Denn im Zuge der Fusion müssen ja diverse Straßen einen neuen Namen erhalten, sodass es keine Dopplung gibt.

65 Straßenschilder mit den neuen Bezeichnungen lagern derzeit in der Stadt und warten auf Anbringung. Sie kommen allerdings erst Mitte Januar zum Zuge, da der Bauhof aktuell noch keine Luft für diese Arbeiten hat. Kehrer beruhigt aber: „Die Post wird weiter wie gehabt zugestellt“. Mindestens ein Jahr nach der Fusion soll das weiterhin so reibungslos funktionieren, habe der Konzern zugesichert.

Mögliche Windräder auf dem „Katzenwinkel“: Denkmalamt lässt Beerfelden bei der Galgen-Einstufung hängen

Auf der Ortsbeiratssitzung in Etzean ging es zwar vor allem um den Hügelrücken „Katzenwinkel“, auf dem fünf Windräder entstehen könnten. Aber eigentlich ging es auch hier um das große Ganze, nämlich den Teilplan Erneuerbare Energien des Regionalplans Südhessen, der in seinem Entwurf im Gegensatz zum Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises dort Windenergieanlagen zulässt. Wie übrigens auch auf der Hirschhorner Höhe zwischen Beerfelden und Rothenberg.

Ortsvorsteher Ralf Kredel informierte zum Sachstand des Regionalplans und machte auf die Möglichkeit zur Stellungnahme bis 2. Juni aufmerksam. Fürs Gebiet „Katzenwinkel“ stellte er Kartenmaterial zur Verfügung, damit sich die Besucher selbst ein Bild machen könnten. In einer lebhaften, aber sachlichen Diskussion wurden die verschiedenen Aspekte wie etwa die Nähe zu Wohnhäusern angesprochen.

Bürgermeister Gottfried Görig sagte, dass sich die Stadt „klipp und klar gegen weitere Windkraft-Flächen im Regionalplan ausspricht“. Mit dem gemeinsamen FNP hätten die 15 Gemeinden beschlossen, „dass es mehr Vorranggebiete nicht geben soll“. Das hat auch mit den vereinbarten „harten Kriterien“ zu tun, nach denen 1000 Meter Abstand vom Windrad zur nächsten Bebauung gegeben sein sollen. Im FNP waren die Sensbacher Höhe und der Hügel zwischen Hinterbach und Olfen gelistet.

An den harten Kriterien hapert es – von der generellen Ablehnung mal abgesehen – im Gebiet „Katzenwinkel“ zwischen Etzean und Airlenbach. Nach den Informationen von Görig würden sich ein oder zwei der fünf dort möglichen Rotoren in lediglich 700 bis 750 Meter Entfernung zu Wohnhäusern drehen. Deshalb wurde diese Fläche im FNP auch ausgeschlossen. Das Problem: Dieser Plan wurde vom Darmstädter Regierungspräsidium abgelehnt.

Dagegen haben sich die Odenwald-Kommunen in einer Klage zusammengeschlossen. Allerdings gibt es derzeit noch keinen Termin für eine Verhandlung. Ebenso wenig wie für die Klage der Firma Juwi, die am Katzenwinkel einen Windmessmast erreichten wollte. Zu diesem Ansinnen hatte der Beerfelder Magistrat sein Einvernehmen verweigert und im Folgenden der Kreis die Baugenehmigung verwehrt. Dagegen geht nun die Firma vor. Das betreffende Gelände ist in Privatbesitz. Es gehört zu größeren Teilen dem Grafen von Erbach und zwei weiteren Personen.

Bei der Einsichtnahme in den Regionalplan im Zuge der öffentlichen Auslegung fiel den Fachleuten in der Stadtverwaltung daneben ein weiteres, wichtiges Kriterium auf: Der Beerfelder Galgen wurde bei der Überprüfung, „ob der Bau von Windkraftanlagen einen Konflikt hinsichtlich der Belange des Denkmalschutzes darstellt, nicht berücksichtigt“. Denn das Kulturdenkmal liegt in der Sichtlinie des Katzenwinkels, was auch auf der vergangenen Stadtverordnetenversammlung angesprochen wurde. „Hinter dem Galgen würde man die Rotoren sehen. Das ist nicht hinnehmbar“, so Görig.

Über die Antwort auf die entsprechende Rückfrage gab in der Stadt am Berge Kopfschütteln. Denn das Landesamt für Denkmalpflege stufte den Galgen in die Kategorie C ein. Was ein Denkmal von lediglich lokaler Bedeutung mit einem Prüfradius von einem Kilometer bedeutet. Durch diese Betrachtung war „eine vertiefte Prüfung für dieses Gebiet nicht erforderlich“.

In seiner Stellungnahme an die Denkmalpfleger äußert sich Görig über diese Einstufung „doch sehr erstaunt“. Denn das gleiche Amt bezeichnet den Galgen in der Denkmaltopographie der Bundesrepublik als „Rechtsdenkmal von nationaler Berühmtheit und als den besterhalten dreischläfrigen Galgen in ganz Deutschland“. An anderer Stelle wird die „außergewöhnliche kulturhistorische Bedeutung“ genannt.

Görig weist weiter auf unzählige Veröffentlichungen und den Galgen als Ziel vieler Ausflügler hin. Er geht davon aus, „dass Ihnen bei der Einstufung der vielen Denkmäler nur ein Fehler unterlaufen ist.“ Auch vor dem Hintergrund der eigenen Aussagen im Denkmalbuch wird darum gebeten, die Einstufung zu korrigieren. „Unserer Ansicht nach handelt es sich beim Galgen um ein kulturhistorisches Denkmal von überregionaler Bedeutung.“

 

 

Die 15 Odenwaldkreis-Kommunen werden zur zweiten Offenlage des Teilplans Erneuerbare Energien eine gemeinsame Stellungnahme durch ein Fachbüro erarbeiten lassen. Diese wird allen Gemeinden zugeleitet und von ihnen durch Anlagen im Hinblick auf spezifische eigene Belange – in Beerfelden der Galgen – ergänzt. Bis spätestens 30. Juni müssen dann die Stellungnahmen beim Regierungspräsidium Darmstadt eingegangen sein. Dieser Fristverlängerung (eigentlicher Abgabetermin spätestens 2.6.) stimmte das RP wegen der engen Zeitschiene zu.

Airlenbach: Infos zu Windkraft-Planungen auf dem „Katzenwinkel“

Es soll im Zuge der Oberzent-Fusion einen neuen Straßennamen im Ort geben. Der Teil der Oberen Ortsstraße von Falken-Gesäß, der bis auf Airlenbacher Gemarkung reicht, wird in Liederbachweg umbenannt. Nachdem sich schon die Anwohner geeinigt hatten, befand auch der Ortsbeirat in seiner vergangenen Sitzung dieses Vorhaben als in Ordnung. Zuvor hatte das Gremium in Falken-Gesäß sein Einverständnis signalisiert.

Die Anregung war von Horst Holschuh gekommen, der auch unter den Zuschauern weilte. Die Umbenennung gilt ab der Abzweigung von der Kreisstraße zwischen den beiden Orten. Die Verwaltung, so Bürgermeister Gottfried Görig, nehme jetzt die Anregung auf und setze sie um, wenn im Zuge des Fusionsprozesses auch die anderen Straßenumbenennungen anstehen.

Görig informierte daneben über die Planungen für fünf Windkraftanlagen im Bereich „Katzenwinkel“. Denn von diesen ist der Stadtteil direkt betroffen. Dem Bauantrag einer Firma auf Errichtung eines Windmessmastes habe der Magistrat sein Einvernehmen verwehrt, sagte er. Das Gebiet sei nicht im Flächennutzungsplan (FNP) Windkraft des Odenwaldkreises aufgeführt. Es könnte sein, so der Bürgermeister, dass die Firma gegen die Ablehnung der Mastaufstellung beim Kreis klagen werde.

Wie Görig weiter sagte, sei der gemeinsame FNP allerdings vom Regierungspräsidium Darmstadt abgelehnt worden. Die Kreis-Kommunen und der Odenwaldkreis selbst wollten nun dagegen vorgehen, es gebe aber noch keinen Verhandlungstermin. Die Juristen seien noch in Gesprächen. „Harte Kriterien“ für Windräder, also mindestens 1000 Meter Entfernung von Wohnbebauung, wären bei der jetzigen Planung nicht gewährleistet. In Richtung Airlenbach könnten es sogar unter 700 Meter bis zum nächsten Haus sein, meinte er.