Gelungener Brückenschlag in Schöllenbach

Der Brückenschlag von Hessen nach Baden ist mit Hilfe der Flurbereinigung gelungen. Knappe drei Monate war die Euterbachbrücke zwischen Hessisch- und Badisch-Schöllenbach gesperrt, jetzt ist die wieder offiziell für den Verkehr freigegeben. Ihre wichtige Funktion als West-Ost-Verbindung wurde schon bei der Einweihung deutlich, als sie der Pkw-Verkehr eifrig nutzte. Zwei Drittel der notwendigen Mittel wurden im Rahmen der Flurbereinigung durch das Amt für Bodenmanagement (AfB) Heppenheim zur Verfügung gestellt.

Ob badische oder hessische Beteiligte: Alle waren früh darüber, dass die seit 2014 provisorisch gestützte und zwischenzeitlich für den Schwerlastverkehr gesperrte Verbindung jetzt wieder frei befahrbar ist. Ohne die Flurbereinigung wäre es für die beiden beteiligten Städte schwierig geworden, die Gesamtkosten von 260.000 Euro zu stemmen.

Verfahrensleiter Thomas Fabian vom AfB erläuterte, dass die Brückensanierung im 2011 genehmigten Wege- und Gewässerplan zurückgestellt wurde, weil die Erneuerung der benachbarten Friedhofsmauer Priorität hatte. „Die war in einem katastrophalen Zustand“, sagte er. Jedoch „zickte“ 2014 auch die Brücke. Mit Stahlspriesen wurde sie provisorisch befestigt, jedoch bestand Handlungsbedarf. „In Einzelgenehmigungen haben wir das Projekt noch durchgebracht“, beschrieb er den kleinteiligen Weg.

Eigentlich sollte der Beginn der Maßnahme bereits 2017 sein, doch durch die verzögerte Hangsanierung der Verbindungsstraße zwischen Kailbach und Schöllenbach verschob sich der Termin. Somit wurde die Brücke erst Anfang April voll gesperrt, um sie dann in knapp drei Monaten zu erneuern. Das ging so schnell, erläuterte Heiko Stumpf vom Eberbacher Planungsbüro Moray, weil drei Stahlbeton-Fertigbausteile verwendet wurden.

„Die Finanzierung lief für beide Städte recht günstig“, betonte Fabian. In den sechs Vorbesprechungen „haben wir uns locker auf die jeweiligen Sätze geeinigt“. Angesichts der Gesamtkosten nur jeweils mit 40.000 Euro beteiligt zu sein, nannte er „eine schöne Sache für die Kommunen“. Die Planungskosten werden vom AfB getragen.

Stumpf widmete sich der Historie: Demnach gründete die Grenzbrücke auf alten Sandsteinklötzen, die auf Fels errichtet wurden. Die Ertüchtigung 1966 geschah nur bis für eine Last bis zu 18 Tonnen, allerdings seien heutige Lkw viel schwerer. Mit der jetzigen Ausführung „ist die Achslast von 30-Tonnern berücksichtigt“, sagte er.

AfB-Leiter Thomas Knöll wies darauf hin, „dass ohne die Kommunen die Finanzierung nicht möglich wäre“. Die Hälfte der ausgeschütteten Fördermittel komme von der EU, erläuterte er. Landrat-Stellvertreter Franz Löchner freute sich als alter Hesselbacher, dass nun die Verbindungsstraße wieder offen ist. „Früher bin ich hier zum Einkaufen oder zur Bahn oft drübergelaufen“, sagte er. Er wies auf die große Bedeutung des Bauwerks zwischen Hessen und Baden-Württemberg, Oberzent und Eberbach hin.

„Was gibt es Schöneres als Brücken zu schlagen“, meinte Eberbachs Bürgermeister Peter Reichert, der seine Freude über die Erneuerung äußerte. Die Flurbereinigung bietet seinen Worten zufolge gerade „im ländlichen Raum zahlreiche Möglichkeiten“. Er dankte den Anwohnern, „dass sie so lange mit der Baustelle lebten“. Oberzent-Kollege Christian Kehrer sagte trocken, „der Verkehr ist schon da“, als nacheinander ein Schweizer und ein Frankfurter Auto die Brücke querten. „Für uns als Kommune ist es sehr wichtig“, dass die Flurbereinigung „jede Menge Geld in die Hand nimmt“, betonte er.

Hessenecks Ortsvorsteher Martin Pollack, der ebenso wie sein badischer Kollege aus Friedrichsdorf, Harald Friedrich, dabei war, dankte dem früheren Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig für die ständige Baubegleitung auch über das Ende seiner Amtszeit hinaus. Pfarrerin Claudia Borck segnete danach das Bauwerk, ehe es für die Gäste einen Kuchen mit den Wappen beider Städte gab.

 

  • Die Euterbachbrücke verbindet das hessische Oberzent-Schöllenbach mit dem badischen Eberbach-Schöllenbach. Sie liegt zu 90 Prozent auf Oberzent-Gemarkung.
  • Ursprünglich für Pferdefuhrwerke errichtet, erfolgte in den 1960er Jahren eine Ertüchtigung für Autos und Holztransporter.
  • 2014 wurde die marode Brücke mit Stahlpriesen unterstützt und für die Holzabfuhr gesperrt
  • Beginn der Baumaßnahme im Zuge des Flurbereinigungsverfahren Kailbach-Schöllenbach Ende März 2018
  • Fertigstellung der Euterbachbrücke Ende Juni, Bauabnahme 20. August, offizielle Einweihung 21. August
  • Gesamtkosten 260.000 Euro, Bezuschussung durch das Amt für Bodenmanagement in Höhe von 65 Prozent
  • Eigenanteil für die Städte Oberzent und Eberbach 35 Prozent, jeweils etwa 40.000 Euro
  • Für die Erneuerung der Brücke wurde zunächst der alte Überbau komplett abgerissen. Im Anschluss wurden die vorhandenen Widerlager verstärkt, danach der neue Überbau hergestellt. Dieser besteht aus drei Fertigteilen aus Stahlbeton. Mit dem neuen Überbau erfolgte gleichzeitig eine Fahrbahnaufweitung entlang des Euterbaches.
Advertisements

Aktualisiertes amtliches Liegenschaftskatasterinformationssystem für die neue Stadt Oberzent übergeben

Nach der Fusion von Rothenberg, Beerfelden, Hesseneck und Sensbachtal übergaben Jürgen Vogt und Thomas Heinz vom Amt für Bodenmanagement (AfB) Heppenheim jetzt im Rathaus das aktualisierte Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem (ALKIS) offiziell an Egon Scheuermann. Nicht nur für die neue Stadt, sondern auch für das AfB Heppenheim bedeutete die Zusammenlegung einiges an Arbeit.

Im Laufe des vergangenen Jahres wurde die „katastertechnische Zusammenlegung“ vorbereitet, so dass zum Jahreswechsel – sozusagen fast auf Knopfdruck – die Stadt Oberzent auch in den unterschiedlichen Informationssystemen der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation (HVBG) entstehen konnte.

So war das amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem (ALKIS) nicht nur bei Gemeindenamen und Gemeindeschlüsselnummer zu aktualisieren. Dafür musste jedes einzelne der annähernd 20.000 Flurstücke „angefasst“ werden. Auch bei der Bezeichnung der Lage zum Flurstück (Straße mit oder ohne Hausnummer oder bei der Gewannbezeichnung) stand einiges auf der Agenda.

Sofern in den vier Gemeinden Straßennamen doppelt oder gar mehrfach vorkamen, wie beispielsweise „Bahnhofstraße“, „Mühlweg“ oder „Friedhofstraße“, sind ab dem 1. Januar neue Straßenbezeichnungen, die von den Gemeinden bereits mit dem Grenzänderungsvertrag abgestimmt wurden, gültig. Teilweise wurden Hausnummern neu vergeben, geändert oder Flurstücke anderen Straßen zugeordnet. Ziel des AfB war es, das amtliche Liegenschaftskataster möglichst automatisiert und genau zum Stichtag 1. Januar umzustellen.

In allen Ausgaben des Liegenschaftskatasters sind somit die ehemaligen vier Gemeinden Vergangenheit. Nur noch die neue Stadt Oberzent mit den teilweise neuen Straßenbezeichnungen wird geführt und präsentiert. Alle Nutzer dieser Daten erhalten aktuelle Oberzenter Liegenschaftsinformationen, so dass auch Polizei und Rettungsdienste die neuen Adressen kennen und im Notfall schnell erreichen können.

Die öffentlichen Verwaltungen wie die Grundbuch- oder die Finanzverwaltung sowie das Hessische Statistische Landesamt wurden über die durchgeführten Veränderungen informiert. Ihnen dienen die Liegenschaftsinformationen der HVBG als Grundlage für weitere Verwaltungsaufgaben. In feierlichem Rahmen wurden jetzt die aktualisierten ALKIS-Geobasisdaten für Oberzent von Thomas Heinz und Jürgen Vogt an Egon Scheuermann und Christian Kehrer, der für Zusammenarbeit mit dem AfB verantwortlich war, übergeben.