Schilder-Versteigerung: Kleinere Ortsteile gab’s für schmales Geld

Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten: Falken-Gesäß ist mehr wert als Beerfelden, aber nur weil hinten Airlenbach draufsteht: Stolze 900 Euro zahlt die Familie Beck für das ehemalige Ortsschild des damaligen Beerfelder Stadtteils. Auf den Plätzen: Natürlich die „Haupt-Stadt“ selbst mit 800 Euro, gefolgt von Rothenberg und Airlenbach mit 350: Die Versteigerung der früheren gelben Ortseingangsschilder während der Oberzent-Expo war eine Riesengaudi mit großen Andrang.

Da die Gebote allesamt dreistellig waren, kamen am Schluss fast 5700 Euro für den guten Zweck zusammen: Der Erlös wird gedrittelt und geht an die drei Schwimmbad-Initiativen in Beerfelden, Hetzbach und Finkenbach für benötigte Anschaffungen. Hinten raus schwächelten die Bieter ein wenig, sodass die kleineren Ortsteile für relativ wenig Geld zu haben waren.

Das Mindestgebot lautet 20 Euro, informierte Auktionator Stefan Münkel zu Beginn. Um gleich unterbrochen zu werden: „Geh‘ ein bisschen runter.“ Aber keine Chance, die Summe blieb. Die war „BAT“, bar auf Tatze, fällig, so seine Ansage. Da alles alphabetisch vor sich ging, „können sich die Unter-Sensbacher noch ein Bier holen gehen“. Münkel mit seinen launigen Ansagen und den lokalen Spitzen war mit ein Garant für den Erfolg und den Spaß bei der Versteigerung.

Der rechtliche Hinweis, quasi die AGB, durfte nicht fehlen. „Es ist nicht erlaubt, die Schilder vors Haus zu hängen, damit einer dort 50 fährt“, informierte er. Denn sonst kommt derjenige vor den Kadi oder besser gesagt, Stadtpolizist Nabil El-Kadi schaut vorbei. Im Garten oder im Partykeller ist es aber kein Problem, scherzte Münkel.

Um Airlenbach lieferten sich Lothar und Alexander Beck eine Bieterschlacht, die Beck Senior schließlich für sich entschied. Auch Beerfelden schoss sofort in die Höhe. Dieses Mal war Beck Junior am Zug. Dass auch die Rückseiten der Ortsschilder von Belang sein konnten, zeigte sich an Falken-Gesäß. Da setzte der Run ein, als der Hinweis auf Airlenbach zu lesen war. Beim Biet-Battle zwischen den Familien Pracht und Beck hieß es schließlich: Noch ein Becks.

Etzean mit seinen 150 Einwohnern fiel zu Beginn angesichts der Platzhirsche ein wenig hinten runter, schlug sich aber dann doch sehr achtbar. „Knapp weniger Bürger als Beerfelden“, so Münkel, aber stolze 350 Euro. Fast wäre Finkenbach ein Ladenhüter geworden. Das konnte der gebürtige Finkenbacher Bürgermeister Christian Kehrer nicht auf sich sitzen lassen.

Gammelsbach schoss plötzlich noch auf 350 Euro, nachdem Münkel zuvor gemutmaßt hatte, der anstehende, teure Gailsmarkt-Montag könnte bei manchen den Geldbeutel verschlossen halten. Hebstahl und Hesselbach fielen ein bisschen zurück hinter beim Schilder-Hype, der dann bei einem Unikat wieder in die Gänge kam: das grüne Weiler-Schild Rothenberg-Hinterbach. 300 Euro ließ Kehrer mit dem Hinweis springen, dass es der Dorfgemeinschaft zur Verfügung gestellt wird.

Jörg Wehrle vom dortigen Haus Cordula hätte sich gern „Kortelshütte“ ins Azurit-Seniorenzentrum gehängt. Aber Gianluca Eifert machte mit 310 Euro mehr locker. Der feierte seinen Biet-Erfolg danach mit Bier: einem frisch gezapften, logischerweise Beerfeldener aus den Felsenkeller-Spezialitätensortiment. Winfried Friedrich hatte bei Ober-Hainbrunn leichtes Spiel. Das hätte fast die rote Auktions-Laterne bekommen, ging dann aber noch auf die 150.

In Olfen ist die Welt zu Ende, könnte man mit Blick auf die Rückseite des Ortschilds meinen. Denn hinten ist der Name rot durchgestrichen, aber es fehlt der Hinweis aufs nächste Dorf. „Zum Selbstausmalen“, meinte Münkel trocken. 160 Euro hier und 150 für die Raubach: Es läpperte sich.

Claus Weyrauch sicherte sich seinen Heimatort Rothenberg, Karlheinz Ihrig von der Sparkasse „sein“ Schöllenbach. Unter-Sensbach musste der Auktionator nochmal richtig schmackhaft machen, dann wurden auch hierfür 130 Euro von Christina Obenauer gezahlt. Für die hohe Endsumme, akkurat vom Sparkassenchef ausgerechnet, gab’s zum Schluss einen Riesenbeifall.

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100 Liter-Schmucker Freibier unters Volk gebracht

Gleich 100 Liter Freibier lässt die Privatbrauerei Schmucker beim Fassbieranstich in der Reithalle zur Eröffnung des Pferdemarkts springen. Damit auch alle Gäste ein Glas des süffigen Mossautaler Gebräus erhalten und sich von seiner Qualität überzeugen können. Ein Zufall angesichts der vorherigen Diskussion darüber, ob nicht der heimische Gerstensaft aus der Stadt am Berge zum Zuge hätte kommen sollen? Natürlich, lächelt Schmucker-Vertreter Andreas Heckmann. „Das haben wir spontan am Nachmittag so entschieden.“

Die Bier-Wellen blieben an diesen Abend flach, die Woge schwappte nicht über. „Ich habe keine Rückmeldungen zu dem Thema bekommen“, meint Bürgermeister Christian Kehrer. Keiner traut sich scheinbar so richtig aus der Deckung hinter dem Freibier-Glas und outet sich als „Bier-Fan“ der einen oder anderen Seite. Da wird lieber schnell noch ein Schluck genommen und das Thema weggelächelt. Oder, wie es ein Anonymus sagte: „Es wäre zwar angebracht, wenn beim Pferdemarkt Beerfelder Bier in der Reithalle ausgeschenkt wird, aber das von Schmucker aus Ober-Mossau schmeckt mir auch.“

Der Spielmannszug Schöllenbach hatte mit seinem Zug über das Festgelände lautstark auf die nahende Eröffnung aufmerksam gemacht. In der Halle angenommen, durfte Bürgermeister Kehrer als Dirigent ran. Der freute sich darüber, dass die Musiker genau das machten, was er vorgab – ob das eine kleine humorvolle Anspielung aufs Rathaus war? Mit Blick auf die Regentropfen am Eröffnungs-Freitagabend hoffte er auf beständiges Wetter.

Wie viel Arbeit in der Organisation des Pferdemarkts steckt, „merkt man erst, wenn man hinter die Kulissen blickt“, dankte Kehrer den vielen Helfern. Landrat Frank Matiaske machte es in seiner Begrüßung kurz, der grüne Landtagsabgeordnete Frank Diefenbach etwas länger. Er sprach den Dreiklang von Menschen, Tieren, Traditionen/Attraktionen an. Einen kleinen Seitenhieb konnte sich Diefenbach nicht verkneifen: „Ich hoffe, dass allen das Bier schmeckt.“

Das floss schnell aus dem Fass, denn das Stadtoberhaupt benötigte nur einen kräftigen Schlag für den Zapfhahn. Flugs wurde es von Schmucker-Helfern unters Volk gebracht, die damit deutlich schneller zugange waren, als die wenigen Bedienungen in der sehr gut besuchten Halle mit dem Rest. Die Ärmel hochgekrempelt, gab’s für etliche Besucher auch ein persönliches Bürgermeister-Kehrer-Bier.

Michi Tischler unterhielt im Anschluss mit einem ganzen Potpourri von vornehmlich deutschen Schlagern. Wurde die Tanzfläche im Laufe des Abends schon deutlich voller, so füllte sich sie vollends mit der später startenden Mallorca-Party, bei der alles, was das deutsche Liedgut in den vergangenen 50 Jahren so zutage gebracht hat, zum Zuge kam.

Vor 30 Jahren, schwelgte der aus Breuberg stammende Landrat in der persönlichen Erinnerung, war es noch eine gewisse Herausforderung, einen Pferdemarkt-Fahrer zu finden, der vor Ort nichts trinkt und den Rest der Meute nachts heimfährt. „Manchmal hat es nicht funktioniert“, schmunzelte er. Es sei toll, sagte er, „dass es die heutige Jugend so konsequent ohne Alkohol am Steuer durchzieht“. Den Pferdemarkt bezeichnete er als „einzigartig über den Odenwald hinaus“. Salomonisch äußerte sich Matiaske zum Bier: „Als Landrat bin ich froh über eines aus dem Odenwald.“

Wenn es zeitlich reicht, kommt Eberbachs Bürgermeister Peter Reichert jedes Jahr auf die Höhe. „Der Pferdemarkt gehört einfach dazu“, sagt er. Viele Bürger aus dem Neckartal machen es ihm nach und besuchen das Volksfest. Beim Rundgang über das Marktgelände schaut das Stadtoberhaupt auch mal etwas genauer hin: „Vielleicht ist ja der eine oder andere Stand für unseren Kuckucksmarkt dabei“, lacht er. Denn der findet Ende August am Neckar statt.

„Ich bin von klein auf dabei“, erzählt der frühere Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig. Freitags fuhr er zu den Pateneltern nach Beerfelden und montags wieder heim. „Das ist unser Fest“, das von ganz Oberzent, betont er – nicht nur das Beerfeldener. Das Wiedersehens-Hallo ist immer groß: „Hier sieht man Leute, die man das ganze Jahr nicht trifft.“

Info: Am Montag beginnt um 8 Uhr die größte und vielseitigste Tierschau Hessens mit Kälbervorführwettbewerb, Stuten- und Fohlenschau sowie Pferdeschauprogramm. Um 9 Uhr ist Öffnung der Verkaufs- und Fahrgeschäfte, um 10 Uhr der Oberzent-Expo. Der Frühschoppen mit der Feuerwehrkapelle Beerfelden Prof.-Walter-Hofmann-Halle startet um 10 Uhr, der im Apfelweinzelt um 10.30 Uhr. Um 17 Uhr treten die „Zwoa Spitzbuam“ in der Reithalle auf, um 20 Uhr   beginnt die Endspurt-Party im Apfelweinzelt, um 22.30 Uhr das synchronisierte Musikfeuerwerk. Mehr unter www.beerfelder-pferdemarkt.de

Bauhof-Mitarbeiter schuften für den Pferdemarkt wie die Ackergäule

Wenn es langsam auf den Pferdemarkt zugeht, herrscht im städtischen Bauhof Hochbetrieb – und Urlaubssperre. Zwei Wochen vorher und eine Woche danach werden alle helfenden Hände benötigt, um das größte Fest in Oberzent zu stemmen. 14 Mitarbeiter plus die Wassermeister sind gefordert, damit an den vier tollen Tagen alles funktioniert. Am Wochenende ist dann einer im Dauereinsatz: Bauhofleiter Gerd Köppel. „Das lasse ich mir nicht nehmen“, sagt er. Denn den „Gailsmarkt“ hat er quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen.

Der Einsatzplan ist zwar schon über die Jahrzehnte erprobt, aber trotzdem kommt jedes Jahr was Neues dazu, schildert Köppel. Das ist meistens den steigenden Auflagen gefordert. Ein Beispiel sind die fünf großen Wassertanks, die als Hindernisse auf den Zufahrtsstraßen dienen, sodass keiner ungebremst aufs Festgelände donnern kann. „Da ist ein Kubikmeter Kies drin“, erläutert Köppel verschmitzt. Kein Wasser, denn das könnte ja ein Scherzbold ablassen.

Vom Sportplatz kommend werden drei davon aufgestellt, aus Richtung Hirschhorner/Gammelsbacher Straße zwei. Die anderen Zufahrten haben einen 90-Grad-Winkel drin, sodass hier Fahrzeuge keine Geschwindigkeit aufnehmen können.

Dieses Jahr werden außerdem 300 Meter Bauzaun gestellt, zum einen als Abtrennung zwischen Markt- und Turniergelände, zum anderen um am Abschlussmontag einen Parkplatz fürs Feuerwerk zu sperren. Neben den Straßenlaternen hängen die Mitarbeiter zusätzliche LED-Strahler auf, damit es auch nach der Sperrstunde noch Licht für die Besucher gibt. Und sollte es einen Stromausfall geben, stehen zwei „Power-Moon“-Aggregate zur Verfügung, die den Festplatz im Notfall beleuchten.

Der Stromverbrauch „ist in den vergangenen Jahren stark gesunken“, freut sich Köppel. Denn die Betreiber der Fahrgeschäfte steigen nach und nach auf LED um, weil diese Beleuchtungsart viel weniger Strom verbraucht – und den müssen sie ja nach Verbrauch bezahlen. Die Markthändler werden nach einem Festbetrag abgerechnet.

Um die 15 Stromkästen hängen auf dem Festgelände, was locker 150 Schukosteckdosen bedeutet, rechnet der Bauhofleiter nach. Stromstrom natürlich außen vor. Die Fahrgeschäfte sind aufgrund des großen Bedarfs direkt angeschlossen. Mit Leitungen einmal quer durchs gesamte Marktgelände schätzt er um die zwei Kilometer an Kabeln, die zu verlegen sind. Dazu kommen noch einmal 15 Wasserstellen. Zum Glück „wurde die Stried damals als Marktgelände konzipiert“, erläutert Köppel, sodass die entsprechende Infrastruktur gegeben ist.

Die Kanäle werden im Vorfeld einmal kräftig durchgespült, damit auch alles richtig abläuft. Sträucher und Hecken gilt es auf dem kompletten Pferdemarkt-Gelände zurückzuschneiden. Dazu kommt noch der Rasenplatz fürs Springturnier. „Der muss mit sieben Zentimetern auf den Punkt sein“, kennt er die Vorgaben. Mit dem Rasensprenger lässt sich das Wachstum beeinflussen, solange die Witterung eher trocken-heiß ist. Schwierig wird es bei feucht-warmem Wetter. Da schießt das Grün unkontrolliert.

Damit aber nicht genug. 200 Verkehrsschilder werden aufgehängt, ohne die Hinweise auf dem Platz selbst, was noch einmal um die 50 Beschilderungen bedeuten dürfte. 30 Fahnen werden im Stadtgebiet verteilt. Somit Highlife bis am Eröffnungsfreitag um 14 Uhr. Dann beruhigt sich die Lage ein wenig. Samstag- und Sonntagmorgen stehen die Mitarbeiter aber schon wieder stramm, um den Platz zu reinigen und die Schilder zu kontrollieren. Montags geht es sogar schon um 5 Uhr los, weil dann alles für die Tierschau aufzubauen ist.

Die Schausteller werden zur Mülltrennung verdonnert, erläutert der Bauhofleiter. Alles muss schön säuberlich nach Papier, Restmüll, Glas und Wertstoffen differenziert werden. Das ist die Voraussetzung dafür, „dass das Standgeld nicht erhöht wird“. Wer vorher auf dem Wimpfener Talmarkt war, ist bereits eingetroffen. Die vom Heinerfest trudeln Anfang der Woche ein, das Gros der Markthändler Donnerstag.

 

Info: Am Eröffnungsfreitag, 12. Juli, ist um 14 Uhr Restplatzvergabe auf dem Beerfeldener Pferdemarkt für alle kurzentschlossenen Markthändler, die unangemeldet anreisen. Dann öffnen auch schon Verkaufs- und Fahrgeschäfte. Von 14 bis 17 Uhr findet der Familiennachmittag statt. Um 18 Uhr startet die Oberzent-Expo in der Oberzent-Halle. Der Eröffnungsmarsch mit dem Spielmannszug Schöllenbach steigt um 19.30 Uhr von der Oberzent- zur Prof.-Walter-Hofmann-Halle. Mehr unter http://www.beerfelder-pferdemarkt.de

„Eine ganz bunte OX“ fürs Wir-Gefühl

Die Planung für die diesjährige Oberzent-Expo ist fast fertig. Nachdem die letztjährige Premiere der „OX“ mit einer Neukonzeption auf sehr viel Zuspruch stieß war, war eine Fortsetzung quasi nur Formsache. Während draußen das Volksfest Beerfelder Pferdemarkt tobt, findet vom 12. bis 15. Juli in der Oberzenthalle wieder die Gewerbeschau in neuem Rahmen statt. Bei einem Besprechungstermin für alle Interessierten wurde nun eine von Mark Krauß zusammengestellte Präsentation mit Rück- und Ausblick gezeigt.

Fünf Ziele nannten die beiden Geschäftsführer Alexander Beck und Daniel Pracht, warum im vergangenen Jahr das „Projekt OX“ angegangen wurde, wie die Oberzent-Expo kurz und knackig genannt wird. Zum einen ging es dem Orga-Team um den Erhalt der Gewerbeschau, zum anderen aber auch um „eine Neuausrichtung mit frischem Konzept“. Nach der Fusion wollte man „die neue Stadt Oberzent offen und innovativ repräsentieren“.

Außerdem sollte die Angebotsvielfalt der lokalen Wirtschaft dargestellt und gezeigt werden, „was durch gemeinsames Anpacken möglich ist“. Auch die Förderung der Gemeinschaft stand im Fokus. Alles Punkte, die beide für die Fortsetzung sofort unterschreiben würden. Im Rückblick nannte Beck das sehr gute Feedback. 81 Prozent der 160 Rückläufe bewerteten die erste Oberzent-Expo mit der Note sehr gut. Dazu ließ er auch einige Besucher zu Wort kommen. Die reichten von „schönes Ambiente“ über „frisches Konzept“ bis zu „tolle Eventbühne“ und „kurzweilig, tolles Programm“.

Daniel Pracht widmete sich nach der Begrüßung durch Andreas Schmucker der laufenden Planung. Denn aus den Rückmeldungen von 2018 ergaben sich ein paar Ansatzpunkte, wo in diesem Jahr nachjustiert werden soll. Laut Pracht ist ein Übersichtsplan angedacht, der bereits am Eingang verdeutlicht, wo welcher Stand zu finden ist. Die Stände wiederum sollen im Zuge einer einheitlichen Beschriftung besser zu identifizieren sein.

Daneben planen die Macher, den Beginn des (musikalischen) Abendprogramms auf der Showbühne eine halbe Stunde nach hinten zu verlegen. Denn die Erfahrung zeigte, dass dieses letztes Mal bereits startete, als noch Gespräche an den Ständen im Gange waren. „Die Künstler für 2019 stehen bereits alle fest“, sagte Pracht. Er weiß: Diese Showacts kamen 2018 sehr gut an.

Für die zweite „OX“ im neuen Kleid ist noch die Anmeldung von interessierten Firmen und Betrieben möglich. „Wir wollen keinen außen vor lassen“, betonte Beck. Bis Ende April können sich Kurzentschlossene noch melden. Danach läuft schon die Erstellung des Standkonzepts. Es gibt vier Beteiligungsmöglichkeiten: Als Aussteller, auf der Aktionsbühne, als Sponsor auf der Logo-Wand oder über die Jobbörse, bei der Infos zum Unternehmen transportiert werden können.

Die beiden Geschäftsführer wiesen darauf hin, dass „nicht jeder vier Tage lang dabei sein muss“. Ein oder zwei sind auch möglich. Im vergangenen Jahr waren es um die 60 Beteiligte. Da dieses Mal die Stände enger zusammenrücken, rechnet Pracht damit, dass es mehr Teilnehmer sein werden. „Bis auf einen sind alle von der Premiere wieder dabei“, freute er sich über die Treue.

Die Organisatoren wollen daneben im Vorfeld mehr Gewicht aufs Marketing legen. „Wir wollen die Expo überregional bekannt machen“, betonte Beck. Und Pracht versprach „eine ganz bunte OX“, mit der das Wir-Gefühl in der neuen Stadt gestärkt und Oberzent als Heimat in den Köpfen der Menschen verankert wird.

Den Veranstaltern geht es darum, die Leistungsfähigkeit der Oberzent-Betriebe zu verdeutlichen. „Viele wissen gar nicht, wie viele tolle Unternehmen es hier gibt.“ Das Orga-Team will daneben auch ein neues Bewusstsein für die Schaffenskraft der hiesigen Firmen erzeugen. „Nicht mehr Gegen-, sondern Miteinander“, muss das Ziel sein. Denn gemeinsam, in Netzwerken, kann man Projekte anstoßen und wirksamer nach außen auftreten. „Es profitieren alle davon“, so Pracht.

Info: Interessierte Aussteller können sich bis 30. April noch auf der Homepage www.oberzent-expo.de anmelden. Öffnungszeiten (jeden Tag bis 22 Uhr): Freitag, 12. Juli, ab 18 Uhr (offizielle Eröffnung), Samstag, 13. April, ab 14 Uhr, Sonntag, 14., und Montag, 15, April, jeweils ab 10 Uhr.

Hier kennt jeder jeden: Alle genießen die familiäre Atmosphäre auf dem Beerfelder Pferdemarkt

Es ist diese einzigartige Kombination aus Volksfest, Tierschau, aber auch Händlerständen, die den Charme des „Gailsmarkts“ ausmacht, wie der Beerfelder Pferdemarkt eigentlich überall genannt wird. Die Beschicker einerseits genießen die familiäre Atmosphäre und das große Hallo, wenn man sich wieder trifft. Viele kommen schon seit Jahrzehnten in die Oberzent. Die Besucher andererseits wissen, dass sie hier Dinge finden, die in den Läden auf dem Dorf schon längst nicht mehr erhältlich sind. Wenn es diese Läden überhaupt noch gibt…

„Es ist immer noch ein Markt wie in den guten alten Zeiten, übersichtlich, mit vielen Bekannten“, bekommt Marktmeister Gerd Köppel immer wieder von den Ausstellern zu hören. „Es ist von allem was dabei – Handel, Vergnügung und leckere Gastronomie“, loben die Besucher. Der Mann kauft sich einen Geldbeutel, die Frau eine Handtasche. Bei den Älteren sind es dann die Hosenträger oder Strohhüte und die Kiddlscherz (Küchenschürzen). Montags bringen die Mitwirkenden der Tierschau ihre Zwei- und Vierbeiner nach Hause und kommen dann noch einmal zurück aufs Fest, um gemeinsam weiterzufeiern.

Wenn es um Hosenträger und Gürtel geht, ist Daniel Walter der richtige Ansprechpartner. Der Offenburger selbst ist seit 17 Jahren auf dem Pferdemarkt. Vorher war schon der Schwiegervater 35 Jahre mit diesem Stand dabei. Bestimmte Modelle, die „besonders gut gehen“, gibt es nicht mehr, hat er beobachtet. Selbst Jugendliche kaufen heute zur Gaudi Hosenträger, während diese für die Älteren noch Gebrauchsgegenstände sind. Walter kommt auch „wegen der Gaudi“ in die Oberzent. „Wir sind hier ein schöner Clan“, sagt er. Der sich jedes Jahr trifft und dann auch gemeinsam feiert.

Zu den Urgesteinen zählen auch die Familien Spoo aus Völklingen und Sottile aus Mainz. Beide betreiben Kinderfahrgeschäfte. Marco Sottile hat eine ganz besondere Beziehung zu Beerfelden. „Meine Eltern lernten sich hier kennen und trafen sich zum ersten Mal im ‚Schwanen‘“, erzählt er. Sottile empfindet das Flair auf dem Pferdemarkt als nicht anonym wie in Großstädten. „Jeder kennt jeden.“

„Es ist immer einer da“, lobt der Mainzer der Hilfsbereitschaft. „Wenn ich sonntags einen Schlosser brauche, kriege ich den auch.“ Im kommenden Jahr ist die Familie 60 Jahre in Beerfelden dabei. Die Oma hatte in früheren Jahren einen Autoscooter, erinnert sich auch Gerd Köppel. „Vor 18 Jahren hat sie mich für Besorgungen in die Stadt geschickt“, lacht er.

Karlheinz Eberhardt ist ein ebensolches Urgestein auf dem Pferdemarkt. Er wurde vor 57 Jahren schon im Kinderwagen durchgeschoben. „Bestimmt 70 Jahre“ ist die Familie – inzwischen in der dritten Generation – mit dem Imbisswagen vor Ort, aber schon zuvor betrieb man Schiffschaukel und Pferdekarussell. „Damals wurde der Autoscooter wegen der Unebenheiten noch auf Bierfässer gestellt“, lacht Eberhardt – heute undenkbar.

„Ein Festplatz muss bunt sein“, setzt der Imbissbuden-Betrieb auf den Wiederkennungswert des Marktwagens. Seiner ist 45 Jahre alt und strahlt den Charme der Endsechziger-Jahre aus. Mit Nieren- und Fleischspießen in besonderer Soße will Eberhardt dem Essenseinerlei entgegentreten. „Hier kennt jeder jeden“, hat auch er registriert. Weil Eberhardt in Jugendjahren zu Marktzeiten in die hiesige Schule ging, „begrüße ich praktisch jeden zweiten“.

Ebenso „retro“ geht es am Süßwarenstand von Dieter Klingenfuß aus Heidelberg zu. Magenbrot, Popcorn und gebrannte Mandeln sind bei den Kids von heute immer noch angesagt. Vor allem, wenn sie mit der Oma vorbeikommen und die „einen ausgibt“. Über 20 Jahre ist die Familie inzwischen in Beerfelden dabei und kann jedes Mal viel Stammkundschaft begrüßen. Der Wagen wurde von den Eltern übernommen, die ihn auch einige Jahrzehnte betrieben. Da kann es schon mal vorbeikommen, dass früher Zehnjährige wegen der leckeren gebrannten Mandeln vorbeikamen, die heute längst erwachsen sind und mit ihren eigenen Kindern dem Markt einen Besuch abstatten.

Die Grundzüge für den nächsten Beerfelder Pferdemarkt stehen fest

Der nächste Pferdemarkt im Sommer wirft seine Schatten voraus. Das größte und traditionsreichste Fest der Stadt findet vom 7. bis 10. Juli zum 117. Mal statt. Verena Schäfer von der Verwaltung gab in der Stadtverordneten-Versammlung nun einen Überblick über bereits feststehende Programmpunkte, organisatorische Dinge und für die Stadt anfallende Kosten.

Hallenwirt ist wieder Alfred Groll aus Michelstadt, der diese schon seit 2012 betreibt. Von der Stadt werden diverse Kosten übernommen, so die Eröffnung mit der Kapelle oder der montägliche Auftritt der Feuerwehrkapelle Beerfelden beim Frühschoppen. Daneben gibt es einen Zuschuss fürs Unterhaltungsprogramm. Der offiziellen Eröffnung am Freitag, 7. Juli, ist der Kinderspielnachmittag ab 14 Uhr vorgeschaltet. Samstag, 8. Juli, tritt die Coverband „X-treme“ in der Festhalle auf. Am Sonntag, 9. Juli, ist der Frühschoppen mit der Blaskapelle Gammelsbach geplant, außerdem eine Schlagerparty mit der in Beerfelden wohnhaften Acarina.

Verschiedene Aufträge wurden bereits vergeben. So der fürs Feuerwerk für knapp 4500 Euro, der für Toilettenwagen und behindertengerechte Toilette mit 3400 Euro und der für den Bus-Sonderverkehr mit Gesamtkosten von etwas über 3000 Euro. Knapp 2400 Euro kostet der Sicherheitsdienst, der erstmals an eine lokale Firma aus Beerfelden vergeben wurde. Deren Hauptaufgaben sind die Überwachung von Jugendlichen zwecks Alkoholprävention und die des Marktgeländes sowie die Platzräumung nach der Sperrstunde.

Der Sanitätsdienst wird laut Schäfer durch den DRK-Ortsverband Beerfelden versehen. Dieser sorgt auch für den Bereitschaftsdienst vor Ort während des Reit- und Springturniers und danach. Die Verwaltungsmitarbeiterin konnte daneben schon einige teilnehmende Schausteller vermelden. So den Betrieb Claudia Nickel aus Frankenthal mit dem Kettenflieger, Hubert Markmann aus Bonn mit dem Polyp „Octopussy“, Cataldo Sottile aus Mainz mit dem Kinderfahrgeschäft „Magic World“ und Mario Spoo aus Völklingen mit dem „Convoy Star“.

Die Neugestaltung des Platzes am Alten Bauhof, wo sich früher das Kleinkunstzelt befand, sei angedacht, so Schäfer. Geworben wird ihren Worten zufolge für die Veranstaltung mit 550 Hohlkammerplakaten der Größe A1, was die Stadt knapp 1500 Euro koste. Weiterhin soll es die Schaltung von Anzeigen und Pressetexten geben.

Nachfragen von den Mandatsträgern gab es zu einer geplanten Mallorcaparty, zu der Schäfer aber noch keine weiteren Details wusste. Allerdings sollen wohl hochkarätige Schlagerstars auftreten, heiße es seitens des Hallenwirtes. Bei der Rückmeldung aus dem Plenum ging es darum, dass die Stadt Geld für eine Veranstaltung zuschieße, von deren Inhalt noch nichts bekannt sei. Weiteres Thema war die Lautstärke der einzelnen Veranstaltungen.

Nach dem Berlin-Anschlag ging es auch um die Sicherheit während des Marktbetriebs. Darüber sei man auch mit anderen Ausrichtern von Veranstaltungen im Odenwaldkreis im Gespräch, sagte Schäfer. Angedacht sei auf jeden Fall, Barrieren an den jeweiligen Zufahrten zum Marktgelände in der Stried zu schaffen.