Breitband-Ausbau wird richtig teuer

Dass es in Oberzent vor allen in den Seitentälern mit dem mobilen Internet hapert, ist nichts Neues. Genervte Handynutzer wissen ein ungehörtes und unerreichtes Lied davon zu singen. Aber auch Breitband ist nicht flächendeckend zu akzeptablen Geschwindigkeiten verfügbar. In der Bürgermeister-Runde des Odenwaldkreises fanden zum Thema Ausbau schon mehrere Gespräche mit dem Landrat statt, berichtete Bürgermeister Christian Kehrer der Stadtverordneten-Versammlung.

Etliche unterversorgte Bereiche, in den die Übertragungsgeschwindigkeit weniger als 30 Mbit/s beträgt, wurden ermittelt. Und davon gibt es viele im Odenwaldkreis. Geht man von etwa einem Internet-Anschluss pro Haushalt aus, so bedeutet die Zahl 4614 über zehn Prozent der Kreis-Haushalte. Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl sind damit wohl über 10.000 Odenwälder ohne schnelles Breitband.

Wie auch beim Mobilfunk sind davon hauptsächlich die Täler betroffen. Ausnahmen bestätigen aber die Regel. Auch die südlichen Außenbezirke von Beerfelden sind nicht optimal versorgt. Vor allem an Anfang und Ende des Sensbachtals gibt es einige rote Flecken. Weiter Richtung Westen überwiegt dann ganz klar die Farbe Rot gegenüber dem Grün. Hauptsächlich Falken-Gesäß, der westliche Teil von Airlenbach, Raubach und teilweise Olfen surfen mit Kriechgeschwindigkeit.

Dieses Schicksal teilen die ländlichen Gebiete von Oberzent allerdings mit vielen anderen Gemeinden. Ein schwacher Trost. In Mossautal verschwindet das Grün eines schnellen Anschlusses immer mehr, je weiter man nach Nordwesten vorstößt. Reichelsheim, Fränkisch-Crumbach, Brombachtal und Brensbach ergeht es in den Außenbezirken ähnlich. Gut sieht es entlang der B 45 aus.

Laut Kehrer liegt eine Kostenermittlung für den Breitband-Ausbau im Odenwaldkreis vor. Allerdings hat ein Markterkundungsverfahren ergeben, „dass kein Netzbetreiber ausbauen wird“. Aufgrund dieses „Marktversagens“ müssen ihn die Kreis-Kommunen selbst umsetzen. Es ist ein flächendeckender Breitbandausbau (FTTB/H) und Gigabitversorgung geplant, informierte der Bürgermeister. Die Beantragung von Fördermitteln läuft.

Trotz Zuschüssen von 90 Prozent „wird die Finanzierung ein spannendes Thema darstellen“, erläutert er. Denn es verbirgt sich dahinter ein „erhebliches Investitionspotenzial“ mit erklecklichen kommunalen Eigenmitteln. Die Brenergo bietet seinen Worten zufolge den Städten und Gemeinden kostenlos an, einen gemeinsamen Antrag auf Förderung von Beratungsleistungen zu stellen, teilte das Stadtoberhaupt mit. Eigenmittel sind nicht dafür notwendig – erst später.

Der Magistrat nahm zwischenzeitlich das Brenergo-Angebot an. Die Verwaltung soll zur Umsetzung entsprechende Schritte in die Wege leiten. Wenn’s dann in die Umsetzung geht, wird das Thema schnell wieder auf der Tagesordnung landen, denn dann geht es um die Bereitstellung von Haushaltsmitteln.

Neckarsteinach setzt auf schnelles Breitband-Internet

Eine Überprüfung, ob Teilbereiche der Stadt per Richtfunk mit schnellem Internet versorgt werden können, wird es vorerst nicht geben. Dieter Jooß, FWG, zog seinen entsprechenden Antrag auf der Stadtverordnetenversammlung wieder zurück, nachdem sich herauskristallisiert hatte, dass die im Mai beantragte Förderung für den Breitbandausbau nun doch noch in diesem Jahr greifen könnte. Man will nun zuwarten, wie sich die Sache entwickelt.

Jooß hatte zuvor argumentiert, Internet über Richtfunk könnte eine „schnelle und wirtschaftliche Lösung für bestimmte Bereiche sein“. Entsprechende Erfahrungen seien in anderen Gemeinden vorhanden. Konkret nannte er Heiligkreuzsteinach und Gaiberg, die „gute Erfahrungen mit Richtfunk“ gemacht hätten. Eine Abklärung koste ja nichts, meinte er. „Ob wir den Weg dann weitergehen, können wir noch entscheiden“.

Wie Bürgermeister Herold Pfeifer sagte, „könnte der Mittelabruf für Breitband noch in 2015 erfolgen“. Denn die Förderhöhe sei inzwischen gemäß dem ersten Antrag bestätigt. Dies gehe aus einer ganz aktuellen Mitteilung des Kreis-Breitbandbeauftragten hervor. Somit wäre eine Richtfunklösung nur von temporärer Natur. Daneben hielt Pfeifer sei auch für störungsanfällig, vor allem bei schlechtem Wetter. Das kenne man bereits von den Satellitenschüsseln.

„Eigentlich eine gute Idee“, meinte Günter Resnikschek, Grüne. Aber es würde wenig Sinn machen, diese noch zu realisieren, „wenn Breitband jetzt wirklich kommt“. Angebote für eine Richtfunk-Versorgung würden auch nicht vor dem Breitband fertig werden. Ähnlich äußerten sich auch seine Fraktionskollegin Patricia-Christine Schüssler und CDU-Fraktionsvorsitzender Karl Neidig. Um sich eine erneute Vorlage durch eine Ablehnung nicht zu verbauen, entschied sich Jooß für eine Rücknahme.

Ganz Igelsbach soll 2016 schnelles Internet erhalten

Die vielen weißen Flecken auf der städtischen Internet-Landkarte sollen im nächsten Jahr der Vergangenheit angehören. Die Hirschhorner Stadtverordnetenversammlung machte auf ihrer vergangenen Sitzung den Weg frei für den Ausbau der Breitband-Versorgung nicht nur in der Kernstadt, sondern auch für Ersheim, Langenthal und Igelsbach. Um dabei auch wirklich Fördermittel zu erhalten, muss die Maßnahme allerdings nach deren Zusage noch einmal ausgeschrieben werden, was in der Runde für Kopfschütteln sorgte. Aber ansonsten war man sich inhaltlich einig.

Bisher ist die Breitband-Versorgung in Hirschhorn mangelhaft, außer Hauseigentümer haben sich vor etlichen Jahren auf der rechten Neckarseite oder in Ersheim ans Kabel BW-Netz angeschlossen. Doch hier sei ein nachträglicher Anschluss teuer und man könne nur Angebote des Kabeleigentümers nutzen (keine „Netzneutralität“). LTE wiederum sei „unverhältnismäßig teuer und störanfällig“, heißt es in der Vorlage.

Als Ziele des Ausbaus nannte Bürgermeister Rainer Sens mindestens 30 Mbit/s Downloadgeschwindigkeit, möglichst 50 Mbit/s. Der Ausbau solle so erfolgen, dass die Vectoring-Technologie eingesetzt werden könne, sobald sie zugelassen sei. Dem Endkunden, egal ob Privatnutzer oder Gewerbekunden, solle ein „neutraler Zugang“ gewährleistet werden, er also nicht an den Kabeleigentümer und Versorger gebunden sein.

Unter-Hainbrunn kommt bereits in den Genuss des schnellen Internets aus dem Odenwaldkreis. Es wurde über Ober-Hainbrunn angebunden. Für die restlichen Stadtteile lag ein Angebot der Telekom vor. Das sah vor, dass die Stadt lediglich die „Wirtschaftlichkeitslücke“ zahlen solle: 38.000 Euro für alle Gebiete außer Igelsbach. Die komplette Investition will sich der rosa Riese etwa zwei Millionen Euro kosten lassen. Wenn die Verträge rechtzeitig abgeschlossen werden, dann rechnet man bei der Stadt mit einem Beginn der Telekom-Baumaßnahmen noch in diesem Jahr.

Anders verhält es sich in Igelsbach, sowohl dem badischen als auch dem hessischen Teil. Denn in Absprache mit der Stadt Eberbach war klar, dass ein Anschluss für beide Ortsteile zusammen erfolgen solle. Parallel zum Telekom-Angebot für 82.000 Euro wurde auch die Alternative über das fibernet.rnk geprüft. Hier würde die Glasfaserleitung vom badischen bis zum hessischen Kabelverzweiger etwa 60.000 Euro kosten. Voraussetzung wäre natürlich, dass zuerst der badische Verteiler vom Gretengrund her angeschlossen würde.

Um entsprechende Fördermittel für den Igelsbacher Anschluss zu erhalten, muss die Stadt nun den komplizierten Bewilligungsweg gehen, wie ihn Bürgermeister Rainer Sens aufzeigte. Das Wieso und Warum dieses Prozederes konnte nicht geklärt werden, sodass die Stadtverordneten schließlich kopfschüttelnd den kompletten Beschluss abnickten. Trotz der Umstände soll das schnelle Internet auch noch im Jahr 2016 auf den Berg nach Igelsbach kommen.

 

Das Internet soll Warp-Geschwindigkeit erreichen

Hirschhorn. Ohne schnelles Internet geht heutzutage nichts mehr. In den Städten sind Download-Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s und mehr fast schon normal, im ländlichen Raum müssen die Bürger froh sein, wenn sie ein Zehntel davon abbekommen. DSL ist ein Standortfaktor, der mitunter die Grundstückspreise bestimmen sowie über Zuzug oder Wegzug entscheiden kann. Wer bei der Arbeit aufs schnelle Internet angewiesen ist, aber beim Abrufen von E-Mails erst einmal Kaffee trinken gehen kann, sucht sich die neue Wohnung lieber dort, wo das DSL flutscht.

Im hessischen Neckartal ist man sich dessen bewusst. Neckarsteinach und Hirschhorn streben deshalb in Zusammenarbeit mit Nachdruck eine flächendeckende Versorgung auch der weiter entfernten Ortsteile an. Wenn die zeitliche Planung hinhaut, dann sollen alle Haushalte beider Städte bis etwa Mitte 2016 mit Bandbreiten zwischen 30 und 50 Mbit/s surfen können. Den entsprechenden Vertrag will man in Hirschhorn möglichst mit der Haushaltsgenehmigung im späten Frühjahr 2015 abschließen.

Schon seit Längerem sind Hirschhorn und Neckarsteinach bemüht, DSL auch ins letzte Haus von Grein oder Igelsbach zu bringen. Aber auch am Neckar gelegene Häuser sind „nachrüstungsbedürftig“, wenn sie nicht gerade in Reichweite der Kabel-BW-Leitungen liegen. Ursprünglich war eine Realisierung über die IKbit (Interkommunales Breitbandnetz), die zehn Gemeinden im Überwald und Weschnitztal versorgt, angedacht. Doch nachdem sich laut Hirschhorns Bürgermeister Rainer Sens die HSE als deren DSL-Anbieter zurückgezogen habe und keine neuen Projekte mehr angehe, musste man per öffentlicher Ausschreibung die Suche aufs Neue starten.

Für Hirschhorn im Nachhinein nicht die schlechteste Lösung. Denn das Modell IKbit hätte 1,6 Millionen Euro gekostet, für Neckarsteinach waren etwa 800.000 Euro veranschlagt. Mit dem neuen Anbieter, einem großen deutschen Telekommunikationskonzern, sinken die Hirschhorner Kosten auf nicht einmal ein Zehntel davon. „Aktuell sind wir bei 120.000 Euro“, so der Bürgermeister, und es könnte noch günstiger werden – je mehr Lehrrohre man finde, in die die DSL-Kabel geschossen werden könnten. Es sei „ein richtig gutes Angebot“, meint Sens. „Das ist sehr gut gelaufen.“ Es gehe für Hirschhorn nun nur darum, die Deckungslücke für bisher nicht verkabelte Gebiete zu finanzieren. Mit einem einmaligen Zuschuss werde somit das komplette Stadtgebiet abgedeckt.

Denn das Teure an dem Projekt sind die Erdarbeiten. Das bekommt Neckarsteinach derzeit schmerzhaft zu spüren. Denn der dortige Kostenvoranschlag ist gegenüber der IKbit-Summe nicht wirklich gefallen – wenn überhaupt. Was vor allem mit den Leerrohren zu tun hat. Für Hirschhorn kommt noch preismindernd hinzu, dass für die anderthalb Kilometer vom Neckar bis nach Igelsbach voraussichtlich ein Leerrohr der Eberbacher Stadtwerke genutzt werden kann. Das ließen diese vor nicht allzulanger Zeit einziehen, als sie die EnBW als Strom-Grundversorger ablösten und eine sichere Erdleitung in das geteilte Dorf legten (Igelsbach ist halb badisch, halb hessisch).

Zum Bild: Auch der Weiler Igelsbach, zehn Straßenkilometer von der Kernstadt entfernt, soll ans schnelle Breitbandnetz angeschlossen werden, wenn die Verhandlungen der Stadt Hirschhorn mit einem großen Telekommunikationskonzern von Erfolg gekrönt sind. Verwendet werden könnte ein Leerrohr der Stadtwerke Eberbach, das vom Neckar aus bis zum ersten Stromkasten am Igelsbacher Ortseingang führt.

Anlieger sollen Kostenbescheide prüfen

Hirschhorn. Die Stadt bittet Anlieger der Adalbert-Stifter-Straße, Kostenbescheide für Wasser-Hausanschlüsse genau zu prüfen. Diese waren nach der grundhaften Straßenerneuerung unlängst verschickt worden und basierten laut Bürgermeister Rainer Sens auf Angaben des beauftragten Ingenieurbüros. Durch eine Reihe von Widersprüchen sei die Verwaltung darauf aufmerksam geworden, dass dabei mutmaßlich (auf dieses Wort legte Sens besonderen Wert) auch Arbeiten berechnet wurden, die nicht oder nur teilweise so ausgeführt wurden wie vom Ingenieurbüro bestätigt.

Der Sachverhalt werde mit dem Ingenieurbüro und den ausführenden Unternehmen im Detail geprüft, teilte Sens auf der vergangenen Stadtverordnetensitzung mit. Dabei solle auch darauf geachtet werden, ob Fehler zum Nachteil der Stadt unterlaufen seien. Die betroffenen Anwohner könnten bei der Suche nach Fehlern helfen, indem sie – sofern noch nicht geschehen – ihre Widersprüche im Detail begründen, erläuterte der Bürgermeister. Soweit bekannt, betreffe kein Widerspruch die Zahlungspflicht an sich, sondern ausschließlich einzelne Rechnungspositionen.

Zur Neukonzeption des Friedhofs Ersheim ist im Januar ein erstes Gespräch angesetzt, lautete eine Bekanntgabe des Bürgermeisters. Dabei werde auch über die Möglichkeit eines gärtnergepflegten Grabfeldes beraten. Der Ölunfall im Alten Weg kostet die Stadt fast 13.000 Euro, lautete eine weitere Mitteilung von Sens. Stadtverordneter Harald Heiß hatte um eine Kostenaufstellung gebeten. Etwa 4500 Euro gab es vom Land als Zuschuss, sodass etwa 8500 Euro bei der Stadt verbleiben. Ludwig Heyer hatte sich im September erkundigt, wie es denn mit der Rampe am Rathaus aussehe. Der Bürgermeister teilte mit, es habe Anfang des Monats ein Ortstermin mit dem für die Bauausführung verantwortlichen Ingenieurbüro gegeben. Dieses sei zur Stellungnahme aufgefordert worden. Sobald ein abschließendes Ergebnis vorliege, werde weiter informiert.

Herbert Bissdorf legt zum 31. Dezember sein Amt als Delegierter der Stadt im Beirat der Wirtschaftsförderung Bergstraße nieder, teilte der Bürgermeister mit. Die Geschäftsführer der größeren Hirschhorner Betriebe sowie die Vertreter der Verbände für die kleineren Betriebe seien aktuell zu einem Runden Tisch unter dem Motto „Wirtschaft trifft Verwaltung“ eingeladen. Ein Punkt dieses Treffens werde sein, dass sich die Wirtschaftsvertreter auf einen Vertreter einigen, der in der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung auf Vorschlag des Magistrats bestätigt werde, sagte Sens.

Das Thema Breitbandversorgung unterliegt keinem Zeitdruck. Deshalb habe man es auch beim letzten Haupt- und Finanzausschuss von der Tagesordnung genommen. Ursprünglich wäre die Bindungswirkung eines Angebots Ende des Jahres abgelaufen. Da aber der betreffende Anbieter noch eine Reihe von technischen Fragen zu klären habe, sei die Bindungsfrist bis zum 30. Mai verlängert worden, so der Bürgermeister. Da somit auch keine Verteuerung zu befürchten sei, könne die Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr in Ruhe entscheiden. Für Ausführung und Fertigstellung des Breitbandprojekts bedeute dies keine Verzögerung. Denn man kann laut Sens mit den Arbeiten ohnehin frühestens bei Haushaltsgenehmigung, also Mitte 2015, beginnen. Fertigstellung könnte dann Anfang/Mitte 2016 sein.