Thomas Väth kandidiert für die Grünen als neuer Oberzent-Bürgermeister

Wie die Vorstandsmitglieder der Grünen Oberzent, Elisabeth Bühler-Kowarsch (Beerfelden) und Walter Braner (Finkenbach) mitteilen, schlagen diese nach Gesprächen mit möglichen Kandidaten dem Stadtverband vor, den Sprecher der Grünen in der Stadt Oberzent, Thomas Väth (Gebhardshütte), als Bürgermeisterkandidat zu nominieren. Am 29. April werden in der neuen Stadt Oberzent, die am 1. Januar aus den früheren Gemeinden Beerfelden, Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck hervorgegangen ist, Stadtverordnetenversammlung, Ortsbeiräte und Bürgermeister gewählt.

Väth ist verheiratet, Geschäftsführer der Schaaf & Väth OHG und lebt seit einigen Jahren in der Stadt. Das schnelle Internet im Odenwaldkreis machte es ihm möglich, von Groß-Zimmern hierher zu ziehen und in der Region zu leben und zu arbeiten. Die Grünen erhoffen sich mit einer neuen Person in der neuen Stadt frische Impulse in der Kommunalpolitik. Thomas Väth ist selbstständig und seit der Gründung im Juli 2017 Sprecher des Stadtverbandes. Außerdem leitet er den Arbeitskreis Naturschutz der Grünen Odenwald.

Der künftige Bürgermeister darf weder Sachbearbeiter noch Verwalter des Status quo sein, sondern muss die Stadt aktiv gestalten, die verschiedenen Stadtteile und die Bürger zu einem starken Wir-Gefühl führen, so die Grünen. Die Themen Stadterneuerung auch unter Berücksichtigung von Fragen und Fördermöglichkeiten des Denkmalschutzes statt Zerfallsduldung, Förderung des Tourismus, Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, verbesserter Internet Auftritt der Stadt, Bewerbung der Gewerbegebiete und die weitere Verbesserung des Angebots in den Kindertagesstätten sind laut den Grünen Schwerpunkte, die der neue Bürgermeister angehen muss.

Ansonsten erwartet die Öko-Partei, dass im ersten Quartal endlich „Nägel mit Köpfen“ in der unendlichen Debatte „Ärztehaus“ gemacht werden. Was dringend fehlt, sind nach wie vor Hausarztpraxen. Die Fördergelder des Landes für eine zukunftweisende Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sind der Mitteilung zufolge bald verbraucht, aber am grundsätzlichen Problem des Ärztemangels habe sich für die Bürger nichts geändert. „Nach den vielen Konzepten müssen jetzt konkrete Entscheidungen folgen“, fordern sie.

Trotz jahrelanger intensiver Diskussion und unzähligen Veranstaltungen um das geplante Ärztehaus sind laut Braner kaum Fortschritte zu erkennen. Seit vielen Jahren versuchten die Oberzent-Kommunen vergeblich neue Hausärzte für die Region zu gewinnen. Bisher ohne vorzeigbares Ergebnis. Sehr positiv zu bewerten sei, so Horst Kowarsch, dass das Modellprojekt „Garantiert mobil“ angelaufen ist und die Bahnverbindungen sich zum Fahrplanwechsel 2017/2018 in den Abend- und Nachtstunden wesentlich verbesserten.

Nunmehr bietet der RMV zum Fahrplanwechsel freitags, samstags und an Werktagen vor Feiertagen zusätzliche Verbindungen an. Mittelfristiges Ziel der Grünen ist, dass an allen Tagen diese Abend- und Nachtverbindungen angeboten werden, so Kowarsch. Nach den Worten von Elisabeth Bühler-Kowarsch geht man davon aus, dass die neue Stelle bei der OREG für die Wirtschaftsförderung in der Oberzent dazu beitragen wird, positive Impulse für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Region zu setzen. Wie bekannt, erhält die neue Stadt einen höheren Anteil am kommunalen Finanzausgleich des Landes Hessen und davon profitiert auch der Odenwaldkreis.

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Claus Weyrauch geht für die ÜWO ins Bürgermeister-Rennen der Stadt Oberzent

Claus Weyrauch ist der Bürgermeister-Kandidat der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO) für die Wahl zum neuen Stadtoberhaupt am 29. April. Der Rothenberger Mittelstandsberater sitzt seit April 2016 für die WGR im Kommunalparlament und gehört dem ÜWO-Vorstand an. Seit 1990 wohnt der aus Güttersbach stammende im Höhendorf, wohin er der Liebe wegen zog.

„Ich war einer der ersten in der ÜWO, der für einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten plädierte“, erläutert Weyrauch. In einer Mitgliederbefragung wurde er dann auf den Schild gehoben. Frei nach dem Motto: „Wer es anregt, muss es auch machen“, lacht er. Weyrauch sieht eine „sehr große Chance“, in der Oberzent etwas zu bewegen, zu entwickeln und zu gestalten. „Ohne die Fusion wäre das nicht möglich gewesen.“

Auf die Überschrift in der Machbarkeitsstudie, „gestalten und nicht verwalten“, bezieht sich der Kandidat auch in seiner Handlungsmaxime. „Ich will mir diesen Slogan als Maßstab setzen“, betont er. Die Problemstellungen in der neuen Stadt sieht er bei verschiedenen Punkten: Gesundheitsversorgung, Tourismus, Straßenerneuerung und generell die Stärkung des ländlichen Raums nennt er als dringendste Themen.

Weyrauch ist die Einbindung der Bürger in den Entscheidungsprozess sehr wichtig. Deshalb ist es für ihn ein guter Gedanke, die Position der Ortsbeiräte zu verstärken. Er findet den Gedanken gut, diesen Gremien ein eigenes Budget zu geben. Allerdings sollten auch politisch nicht interessierte Bürger zur Mitwirkung in den Ortschaften gewonnen werden.

Der ÜWO-Kandidat sieht es als Herausforderung an, „den demographischen Wandeln zu meistern“. Wenn sich der Odenwald gut verkauft, durch die bezahlbaren Grundstücke quasi zur Wohngemeinde für junge Familien wird, deren Arbeit durch das Home Office immer mehr in den eigenen vier Wänden geschehen kann – dann kann auch die Oberzent optimistisch nach vorn schauen. Allerdings „müssen wir aufpassen, dass wir uns diese Vision nicht durch die Windräder zerschießen“, warnt er.

Für Weyrauch können die Zukunftsaufgaben nicht nur in einer größeren gemeinsamen Stadt, sondern auch nur in einem kommunen- und kreisübergreifenden Zusammenarbeiten gelöst werden. „Es darf nicht nur jeder für sich allein arbeiten“, betont er – siehe Windkraft. Auch beim ÖPNV ist ein ganzheitlicher Ansatz notwendig. Das sind zum einen die Verbindungen ins Neckartal zur dortigen S-Bahn, zum anderen der Bahnhof Hetzbach als zentrale Anbindung in den Erbacher und Darmstädter Raum. In diesem Zusammenhang nennt er auch die Unterstützung von „Garantiert Mobil“ und die Verbesserung von VIAS-Angeboten für Berufspendler.

Vom Haltepunkt aus gibt es derzeit eine zweistündliche Verbindung an den Bikepark. Wenn dieser zusammen mit der Sensbacher Höhe als neues touristisches Highlight entstehen sollte, dann sind häufigere Verbindungen natürlich sinnvoll. Ein weiteres Anliegen ist dem Kandidaten die Sitzungskultur in der neuen Stadtverordneten-Versammlung. Hier wünscht er sich eine Betonung der Sacharbeit für die eigene Kommune weg von politisch motivierten Manövern.

„Es gibt in diesem Umbruchprozess jede Menge Baustellen zu beackern“, so Weyrauch. Trotzdem ist es ihm wichtig, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. „Mein Hauptziel ist ein attraktives, familienfreundliches und lebenswertes Wohnumfeld“, betont er: die Heimat für alle Oberzentler und die, die es werden wollen, zu schaffen und zu bewahren.

Neben der Erhaltung und Verbesserung der technischen Infrastruktur geht es dem Kandidaten auch um die sozialen Grundlagen der neuen Stadt. Flexible Kindergärten oder Vereinsförderung sind seine Stichworte. Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten schaffen, Wirtschaftsförderung, Leerstände vermarkten, Ansiedlungsanreize schaffen, Stadt- und Dorfentwicklungskonzepte stehen ebenfalls auf seiner Agenda. Weyrauch will „den Erholungsfaktor Natur schützen und bewusst machen“. Die Verwaltung soll seiner Vorstellung nach allen Bürgern ein kompetenter und freundlicher Dienstleister sein.

Claus Weyrauch (50) ist verheiratet mit Susanne Weyrauch und hat zwei Töchter (20/17). Seit 1990 wohnt er in Rothenberg, wo er für die WGR in der Gemeindevertretung sitzt. Er ist als Berater für Mittelstands-Unternehmen tätig. Seine Ausbildung zum Diplom-Betriebswirt machte er bei der Volksbank Odenwald. Nach eine Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter und Controller war er drei Jahre im Angestelltenverhältnis, ehe er sich 2003 selbständig machte. Zwischenzeitlich arbeitete er als Dozent in der Erwachsenenbildung und ist derzeit noch im Prüfungsausschuss für IHK-Wirtschaftsfachwirte tätig.

Mit dem 50-jährigen ÜWO-Mann Claus Weyrauch aus Rothenberg ist der Kandidaten-Reigen der politischen Parteien und Gruppierungen für die Bürgermeisterwahl in Oberzent am 29. April 2018 fast perfekt. Für die SPD tritt der Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig an. Die CDU Oberzent schickt Oliver von Falkenburg (Unter-Sensbach) ins Rennen. Für die Grünen geht Thomas Väth (Gebhardshütte) an den Start. Lediglich die FDP hat (noch) keinen Kandidaten genannt.

Die gebürtige Hirschhornerin Angelika Beckenbach ist neue Bürgermeisterin von Abtsteinach

Eine eindeutige Sache war die Bürgermeisterwahl in Abtsteinach. Bei einer Wahlbeteiligung von fast 70 Prozent holte die von den Freien Wählern unterstützte Angelika Beckenbach 62,1 Prozent. Sie ließ damit ihren von der CDU unterstützten Mitbewerber Kevin Flödl mit knapp 38 Prozent klar hinter sich. Der Jubel im Rathaus war groß, nachdem die Auszählung etwas länger als gedacht gedauert hatte.

Vor allem aus Beckenbachs Arbeits- und Geburtsort Hirschhorn war eine sehr große Delegation mit Bürgermeister Oliver Berthold an der Spitze nach Abtsteinach gekommen, um mit ihr, ihrem Mann Peter und den beiden Kindern zu fiebern. Die 48-Jährige arbeitet derzeit noch auf dem Hirschhorner Rathaus, wo sie seit knapp 30 Jahren in den Bereichen Bauen und Finanzen tätig ist. Sie sie tritt ihr Amt in Abtsteinach am 1. Juli in der Nachfolge von Rolf Reinhard an, der nach 24 Jahren an der Spitze der Verwaltung nicht mehr kandidierte.

In Unter-Abtsteinach war der Vorsprung Beckenbach noch um einiges größer als im oberen Ortsteil. Sie holte 76,7 Prozent in Unter-Abtsteinach. In Ober-Abtsteinach war der Abstand mit 52,6 zu 47,4 Prozent um einiges knapper. Bei der Briefwahl kristallisierte sich in ungefähr das Durchschnittsergebnis heraus.

Der scheidende Amtsinhaber Rolf Reinhard bedankte sich ebenso wie Landrat Christian Engelhardt für den sehr fairen und sachlichen Wahlkampf. Engelhardt ergänzte, dass damit auch die Demokratie Gewinner sei, wenn die Bewerber für einen Bürgermeisterposten so fair miteinander umgingen. Reinhard dankte für die Mitarbeit in den vergangenen 24 Jahren. Er lobte die sehr gute Verwaltung und die gute Infrastruktur des Hardberg-Ortes. Der noch bis 30 Juni amtierende Bürgermeister wünschte seiner Nachfolgerin viel Erfolg.

„Wer die Aufgabe in Abtsteinach übernimmt, kann sich freuen“, sagte Landrat Engelhardt. Denn Angelika Beckenbach wirke in Zukunft in einem sehr gut entwickelten Ort mit vielen attraktiven Angeboten. Abtsteinach weise, verwies Engelhardt auf die Fastnacht, eine sehr gute Mischung aus Feierlaune und Ernsthaftigkeit auf.

Mit der Bekanntgabe des Ergebnisses brach großer Jubel bei Angelika und Peter Beckenbach sowie ihrer Fangemeinde aus. In den vergangenen Tagen war die Anspannung immer größer geworden, die jetzt mit einem Mal von allen abfiel. Beckenbach will, so wie sie es in ihrem Wahlprogramm versprochen hat, immer ein offenes Ohr für die Bürger haben, deren Anliegen ernst nehmen, und auch gleich am ersten Tag im Amt am 1. Juli eine Bürgersprechstunde abhalten.

Und was macht der Bürgermeisterin-Ehemann? Darüber hat sich Peter Beckenbach nach eigenen Worten noch keine Gedanken gemacht. Nachdem der Sieg seiner Frau feststand, meinte er nur lächelnd: „Jetzt werde ich wohl etwas öfters zu Hause die Spülmaschine ausräumen müssen.“ Und auch auf die beiden Kinder kommt diese Aufgabe verstärkt zu, grinste er.

Oliver Berthold wurde als neuer Bürgermeister von Hirschhorn in sein Amt eingeführt

Oliver Berthold ist als neuer Bürgermeister von Hirschhorn vereidigt. Der 38-Jährige wurde auf einer öffentlichen Stadtverordnetenversammlung im Bürgerhaus in sein Amt eingeführt. Er hatte Ende September die Wahl zum Stadtoberhaupt bereits im ersten Urnengang mit fast zwei Drittel der abgegebenen Stimmen für sich entschieden. „Offiziell“ nimmt der zuvor bei der Stadt Heidelberg tätige Verwaltungsfachmann seine Arbeit in der Neckarstadt am 1. Dezember auf.

Durch die Sitzung führte Stadtverordneten-Vorsteher Harald Heiß. Bevor er die Ernennungsurkunde übergab, blickte der Erste Stadtrat Karlheinz Happes auf die Vakanz nach der Abwahl von Bürgermeister Rainer Sens zurück. Die Zeit habe gezeigt, dass es „nicht nur notwendig war, das Alltagsgeschäft zu erledigen, sondern es mussten auch Baustellen bearbeitet werden“. Bei einigen sei „die Brücke wieder befahrbar“, meinte er, bei anderen müsse noch durch den neuen Bürgermeister weitergearbeitet werden.

Happes sagte den städtischen Mitarbeitern Dank für die „spontane Unterstützung“ vom ersten Tag an. Die notwendigen Beratungen mit den städtischen Gremien seien von gegenseitigem Verständnis und Miteinander geprägt gewesen. Er wünschte sich, dass dies auch dem neuen Rathauschef gegenüber so fortgeführt werde. „Machen Sie ihm das Arbeiten leicht“, meinte der Stadtrat. Berthold werde das entgegengebracht Vertrauen gerne nutzen: „zum Wohle von uns allen“.

Happes skizzierte mit Ironie die vielfältigen Aufgaben eines Bürgermeisters, der eine Kreuzung aus „volkstümlichem Bierzeltkönig und kreativem Verwaltungsmanager mit betriebswirtschaftlichem und juristischem Sachverstand“ sein solle. Er zitierte in diesem Zusammenhang die humorvollen „Zwölf Regeln für den Umgang mit Bürgermeistern“, die der geschäftsführende Direktor des hessischen Städte- und Gemeindebundes, Karl-Christian Schelzke, aufgestellt hatte. Zusammen mit den anderen Magistratsmitgliedern übergab der Stadtrat im Anschluss die Urkunde.

Bevor er die Vereidigung und Verpflichtung vornahm, wünschte Heiß dem neuen Verwaltungschef unter anderem eine glückliche Hand, Fingerspitzengefühl und gute Nerven. Sein Blick müsse sich nach vorn richten. Das Wohl der Stadt solle Maßstab des kommunalpolitischen Handelns sein. Er wünschte Berthold eine erfolgreiche Amtsführung und bot ihm die kollegiale Zusammenarbeit des städtischen Parlaments an.

Für die drei in der Stadtverordneten-Versammlung vertretenen Fraktionen sprachen Wolfgang Schilling (CDU), Marin Hölz (Profil) und Max Weber (SPD). Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz überbrachte die Grüße des Landrats. Sie wünschte Berthold Weitsicht, Durchhaltevermögen und Menschlichkeit, die es zum Wohl der Stadt einzusetzen gelte. Hirschhorn mit seinen „besonderen Voraussetzungen“ hatte es ihr sehr angetan. Stolz erwähnte unter anderem die gute Infrastruktur durch den S-Bahn-Anschluss.

Für die beiden Kirchengemeinden überbrachten Diakon Dieter Klement, Pfarrer Pater Joshy und Pfarrer Jörg Awischus Glückwünsche. Seitens der Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden sprach Herold Pfeifer aus Neckarsteinach. Neben ihm waren auch Peter Reichert (Eberbach), Hans-Heinz Keursten (Rothenberg) und Jan Frey (Schönbrunn) anwesend. Aus Brombach waren Ortsvorsteher Victor Hartmann, aus Heddesbach Bürgermeister-Stellvertreterin Annemarie Backfisch und aus Wald-Michelbach der Beigeordnete Manfred Gölz erschienen. Für die Hirschhorner Theatergruppe sprach Anja Stangl Grußworte.

In seiner Ansprache würdigte der neue Bürgermeister den „riesigen Vertrauensvorschuss“ durch die Bürger. Er hoffe, dass er in den berühmten 100 Tagen schon einige seiner Zeile erreichen könne. Feuerwehrgerätehaus-Anbau, das Neubaugebiet in Langenthal und den Windpark am Greiner Eck nannte er als vorrangige Themen. Berthold dankte Happes für dessen „beispielloses Engagement“, mit dem dieser in der Übergangszeit die Geschicke der Stadt gelenkt habe.

Für die musikalische Umrahmung der Feier sorgte die katholische Kirchenmusik mit drei Stücken. Unter der Leitung von Kerstin Obert gab es „The Liberty Bell“, den „Moldau-Walzer“ und die „Celebration Overture“ zu hören. Viele Bürger und auch Besucher aus den umliegenden Orten hatten sich zur Amtseinführung im Bürgerhaus eingefunden und nutzten im Anschluss die Gelegenheit zur Gratulation und zum Austausch. Die zahlreichen flüssigen Geschenke für Berthold werden diesem eine beschwingte Vorbereitung seines Amtsantritts ermöglichen.

Fast zwei Drittel der Stimmen für Oliver Berthold: 37-Jähriger ist neuer Bürgermeister von Hirschhorn

Oliver Berthold ist der neue Hirschhorner Bürgermeister. Der 37-Jährige gewann überraschend klar bereits im ersten Wahlgang mit fast zwei Drittel der abgegebenen Stimmen (64,8 Prozent). Seine Mitbewerber Aloisia Sauer (26,6) und Hans-Joachim Lierz (8,7 Prozent) rangierten unter ferner liefen. Die Wahlbeteiligung lag bei 55,7 Prozent. Berthold folgt auf Rainer Sens nach, der Anfang Juni von den Hirschhornern in einem Bürgerentscheid abgewählt worden war.

Der bisher in der Heidelberger Stadtverwaltung als Wirtschaftsförderer tätige Oliver Berthold, aus der hessischen Neckarstadt stammend und dort wohnhaft, konnte sein Glück selbst kaum fassen. „Ich habe fest mit einer Stichwahl gerechnet“, meinte er. Die etwa 100 Interessierten wurden im Rathaus auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Bis 18.50 Uhr dauerte es, als endlich der letzte Wahlbezirk ausgezählt war.

Schon mit den ersten Ergebnissen eine knappe Viertelstunde nach Schließung der Wahllokale hatte sich der Trend abgezeichnet. Berthold lag überall klar über der absoluten Mehrheit. Spitzenreiter war der Briefwahlbezirk mit über 67 Prozent der Stimmen. Der 37-Jährige peilt den 1. Dezember als Amtsantritt an, wenn er bis dahin seine Projekte in Heidelberg erledigt hat. Als Erstes möchte er sich mit der kompletten Verwaltung in seiner Heimatstadt bekannt machen und auf den Stand der Dinge bringen.

Als um 18.13 und 18.14 Uhr aus den beiden kleinsten Wahlbezirken, den Ortsteilen Igelsbach und Langenthal, die Ergebnisse eintrudelten, sorgten diese schon für Raunen unter den Gästen. Denn beide Ortschaften sind eher sozialdemokratisch geprägt. Und eine satte Mehrheit hier für den nach eigener Aussage konservativ-bürgerlichen Berthold hieß schon was.

Der Stadtteil Ersheim sorgt in der Regel bei Wahlen immer für eine gute bürgerliche Mehrheit, die Kernstadt schwankt mal hin und her, ist aber ebenso eher konservativ ausgerichtet. Fast unisono holte der neue Bürgermeister 60 plus x Stimmen, nur noch übertroffen von der Briefwahl. Als der lila Balken zu seinen Gunsten immer höher wurde, war Berthold irgendwann klar, dass es wohl doch schon an diesem Abend reichen würde.

Seine Mitbewerber erreichten maximal 33,8 Prozent (Sauer in Igelsbach) und 13,1 Prozent (Lierz in Langenthal, wohl wegen seiner sehr pointierten Anti-Windkraft-Position im Stadtteil nahe des im Bau befindlichen Windparks Greiner Ecks. „Ich bin überrascht und erstaunt, dass es schon jetzt entschieden ist“, meinte Oliver Berthold in einer ersten Reaktion. Die ganze Zeit hatte er zusammen mit der Familie die projizierte Grafik verfolgt.

Neben seinem Anliegen, sich fachlich auf den neusten Stand zu bringen und in die spezielle Hirschhorner Materie einzuarbeiten, möchte der neue Bürgermeister auch eine Liste von Bürgeranliegen abarbeiten, die er während seines Wahlkampfs aufgenommen hat. Da geht es um teilweise sehr einfache Dinge, die aber den Einwohnern aber auf den Nägeln brennen. Als Beispiel: zu schnelles Fahren in manchen Straßen oder wildes Parken in der Stadt.

Der Erste Stadtrat Karlheinz Happes würdigte die „eindeutige Entscheidung der Mitbürger“. Er wünschte eine „glückliche Hand“ bei der Führung der Amtsgeschäfte, die er nach der Abwahl von Sens bisher führt. Den Glückwünschen schlossen sich auch die Bürgermeister der Nachbarstädte, Herold Pfeifer aus Neckarsteinach und Peter Reichert aus Eberbach, ebenso wie der Kreisbeigeordnete Volker Buser an.

Berthold, der „keine Rede vorbereitet hatte“, danke für den klaren Auftrag durch die Wähler. Er versprach, „für Hirschhorn mein Allerbestes zu geben und die Stadt gut in die Zukunft zu führen“. Viele Gratulanten schüttelten dem neu gewählten Stadtoberhaupt im Anschluss die Hand. Wie auch das Endergebnis mit lautem Jubel aufgenommen worden war.

Dass es auf Berthold als dem jüngsten Bewerber mit der meisten Verwaltungserfahrung hinauslaufen würde, hatte sich in den letzten Tagen vor der Wahl immer deutlicher abgezeichnet. Aloisia Sauer als waschechte Hirschhornerin, die allerdings ein paar Jahrzehnte ihres Berufslebens außerhalb verbracht hatte, genoss ebenfalls viele Sympathien in der Bevölkerung. Allerdings traute es scheinbar doch nur eine Minderheit der 60-jährigen Unternehmensberaterin zu, auch eine Verwaltung führen zu können. Hans-Joachim Lierz als externem Bewerber waren bei zwei Bewerbern aus dem Ort von Anfang an nur Außenseiter-Chancen eingeräumt worden, da auch er über keinerlei Verwaltungserfahrung verfügte.

Infos der drei Kandidaten für die Bürgermeister-Wahl am 25. September in Hirschhorn

Wenn am Sonntag, 25. September, um 8 Uhr in Hirschhorn die Wahllokale öffnen, dann haben die Bürger bis 18 Uhr die Wahl zwischen drei Kandidaten für den Chefsessel im Rathaus: Aloisia Sauer, Oliver Berthold und Hans-Joachim Lierz. Sie präsentierten sich bereits bei einer sehr gut besuchten öffentlichen Kandidatenvorstellung (für den Bericht bitte klicken). Alle drei haben auch eigene Homepages, auf denen sie über Ihre Ziele informieren: die 60-jährige Aloisia Sauer auf www.hirschhorn.jetzt, der 37-jährige Oliver Berthold auf www.oliver-berthold.de und der 53-jährige Hans-Joachim Lierz auf www.buergermeister-lierz.de.

Sauer und Berthold verfügen darüber hinaus über Wahlkampf-Flyer, die sie bereits unters Volk brachten. Als Service vor der Wahl sind diese hier als Pdf-Dokumente zum Download hinterlegt. Der Inhalt der Webseite von Lierz ist als jpg-Bild mit Klick auf seinen Namen abrufbar.

Aloisia Sauer: aloisiasauer-1 und aloisiasauer-2

Oliver Berthold: oliverberthold

Hans-Joachim Lierz

Gewaltiges Interesse an der Vorstellung der Hirschhorner Bürgermeister-Kandidaten für die Wahl am 25. September

Damit hatte keiner gerechnet: Das Interesse an der Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl am 25. September war gewaltig. Zehn Prozent der Hirschhorner Einwohnerschaft, über 350 Personen, drängten sich in den Bürgersaal. Dort präsentierten sich unter der Moderation von Notar Jürgen Scheuble Aloisia Sauer, Oliver Berthold und Hans-Joachim Lierz mit ihren Gedanken und Themen in einem sehr sachlichen, angenehmen Rahmen. Zahlreiche (Detail-)Fragen aus dem Saal machten das große Interesse der Bürger daran deutlich, wie es mit ihrer Heimatstadt weitergehen soll.

Wirklich prägnante Unterschiede ließen sich in den Vorstellungen der drei Kandidaten nicht ausmachen. Ihnen geht es im Großen und Ganzen darum, mit wenig Geld aus der „Perle des Neckartals“ viel zu machen. Hauptaugenmerk liegt hier auf dem Tourismus. Dem wird, so kamen manche Äußerungen rüber, schon fast heilsbringende Wirkung zugeschrieben. Er soll mit allen Mitteln gefördert werden, um so mehr Menschen, mehr Geld, mehr Kaufkraft in die finanziell am Boden liegende Neckarstadt zu bringen. Dafür würden die Kandidaten (fast) alles tun.

Damit es Geld in Form von Steuerzuweisungen von Land und Bund gibt, müssen mehr Einwohner her. Da die Bewerber schlecht selbst für genügend Neubürger sorgen können, geht es ihnen darum, den Zuzug zu fördern, dafür die notwendigen Voraussetzungen durch Bauplätze und günstige Rahmenbedingungen zu schaffen, und weiterer Abwanderung vorzubeugen.

Dafür sind allerdings zwei Dinge notwendig, waren sich Lierz, Sauer und Berthold einig. Zum einen muss es preiswerten Wohnraum geben. Da Neubaugebiete in Hirschhorn so gut wie nicht vorhanden sind, geht das vor allem über die Bekämpfung des Leerstands in der Altstadt. Hier stehen allein über 40 Wohnungen leer, wusste Sauer. Ein zweiter Punkt ist die Attraktivitätssteigerung des Ortes: Das könnte über eine bessere Nahversorgung, aber auch durch vermehrte (Freizeit-)Angebote für die Menschen geschehen.

Denn eines meinten die drei Kandidaten unisono: Hirschhorn hat Potenzial, und was für eines. Mit seiner Lage am Rand der Metropolregion, seiner herrlichen Natur, der pittoresken Fachwerkaltstadt mit Schloss, dem Neckar vor der Haustür, aber gleichzeitig der S-Bahn-Anbindung mit Fahrzeiten von gerade einmal 20 bis 30 Minuten in die Ballungsräume, bietet es den geschafften, von Lärm und Hitze geplagten Großstädtern genauso eine Rückzugsmöglichkeit wie Heidelberger Studenten günstigen Wohnraum. Denn die Grundstückspreise in Hirschhorn sind ein Witz gegenüber denen in Heidelberg.

Der Edinger Lierz, als einziger ein Kandidat von außen, machte dabei die prägnantesten Äußerungen, wie er sich eine Werbung für die Neckartal-Perle vorstellt: etwa ein Partyboot an den Fluss holen oder in Heidelberg für die Attraktivität Hirschhorns schaulaufen. Berthold will unter anderem in Zusammenarbeit mit Dehoga und Weißer Flotte mehr Schiffe an die Stadt bringen. Sauer setzt auf Netzwerke und Lobby-Arbeit, um gemeinsam das Beste für die Stadt zu erreichen.

Lierz ist daneben derjenige, der sich bereits auf seinem Wahlkampfflyer klar gegen Windkraft am Greiner Eck ausspricht – obwohl schon zwei Windräder im Bau sind und gerade aktuell ein Gerichturteil pro Bau der vier Windenergieanlagen auf dem Höhenrücken zwischen Neckarsteinach, Schön, Hirschhorn und Heddesbach vorliegt. Auf Nachfrage positionierten sich auch Berthold und Sauer gegen die Windenergie – wohlgemerkt nicht generell und nur im Odenwald, weil sie dort nicht wirtschaftlich sei und die Natur verschandle.

In punkto Bürgerbeteiligung und Zusammenarbeit mit den städtischen Gremien herrschte weitgehende Einigkeit: Die Anliegen der Einwohner sollen mehr in den Mittelpunkt gestellt werden, diese sollten sich wahr- und ernstgenommen fühlen. Ob das nun Bürgerkonferenz (Lierz), Bürgersprechstunden (Berthold) oder mehr Servicequalität für die Bürger (Sauer) hieß.

Der Lebenslauf ist denn das, was wirklich den Unterschied zwischen den drei Kandidaten ausmacht. Der 37-jährige Berthold, ein waschechter und bestens in der Stadt vernetzter Hirschhorner, arbeitet seit zwei Jahren in der Heidelberger Wirtschaftsförderung und hat ein Verwaltungsstudium durchlaufen. Die 60-jährige Sauer, ebenfalls aus Hirschhorn stammend, kehrte vor einiger Zeit in ihre Heimatstadt zurück und ist erfolgreiche Unternehmensberaterin. Der 53-jährige Lierz baute verschiedene Nachhilfeeinrichtungen in der Region auf und leitet heute die Schülerförderung Rhein-Neckar in Edingen.

Info: Die Bürgermeisterwahl in der hessischen Stadt Hirschhorn/Neckar (3500 Einwohner) findet am Sonntag, 25. September, statt. Notwendig geworden war sie, weil der bisherige Amtsinhaber Rainer Sens in einem Bürgerentscheid am 5. Juni von den Hirschhornern abgewählt worden war. Angestrengt worden war der bis dato im Kreis Bergstraße einmalige Vorgang von der CDU und der Wählervereinigung Profil, die dem damaligen Rathauschef selbstherrlichen Agieren und eine intransparente Informationspolitik an den städtischen Gremien vorbei vorwarfen. 20 Stimmen lagen die Abwahl-Befürworter über dem notwendigen Quorum von 30 Prozent der Wahlberechtigten, in absoluten Zahlen waren über zwei Drittel der abgegebenen Stimmen gegen Sens. Was zu dem in Hessen so gut wie einmaligen Vorgang führte, dass ein Jahr vor der eigentlichen Bürgermeister-Neuwahl ein Amtsinhaber seinen Posten räumen müsste und innerhalb von vier Monaten Neuwahlen notwendig wurden.

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