Großer Andrang aufs Bürgermeister-Amt: Schon sechs Kandidaten für den Oberzent-Chefsessel

Der Job in der neuen Stadt muss sehr attraktiv sein. Denn wie sonst lässt es sich erklären, dass (mindestens) sechs Bewerber am 29. April Bürgermeister von Oberzent werden wollen. Am kommenden Montag läuft um 18 Uhr die Bewerbungsfrist ab. Im Gespräch ist derzeit noch ein siebter Kandidat von auswärts, der aber erst jetzt die entsprechenden Formulare abgeholt hat. Somit könnte es knapp werden, die 74 Unterstützer-Unterschriften zusammenzubekommen.

Die jüngste Stadt Deutschlands, flächenmäßig die drittgrößte Hessen, aber nur mit 10.200 Einwohnern, kann mit einigen Pfunden wuchern. Geht es um die Natur, ist es der enorme Waldreichtum im Süden des Odenwaldkreises. Geht es um die Finanzen, steht das Fusionsergebnis aus Rothenberg, Hesseneck, Sensbachtal und Beerfelden glänzend da.

Durch die zusätzlichen Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich, die Teilschulden-Übernahme durchs Land und drei eingesparte Bürgermeister-Gehälter eröffnen sich kommunalpolitische Spielräume, die in den vergangenen Jahren schmerzlich vermisst wurden. Es besteht jedoch auch dringender Handlungsbedarf, damit die ländliche Region im Dreieck zwischen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern mit den Städten mithalten kann.

Kein Wunder, dass sich alle Bewerber mehr oder weniger auf die gleichen Themen fixieren. Ganz vorn steht das Gesundheitszentrum, um die ärztliche Haus- und Facharztversorgung in der Stadt sicherzustellen. Genauso geht es aber auch um den Erhalt der Infrastruktur, die Belebung der Tourismus, den ÖPNV und die Förderung der Wirtschaftskraft. Die Windkraftnutzung sehen praktisch alle sehr kritisch oder lehnen sie gleich in Bausch und Bogen ab.

Von Finkenbach bis zur Gebhardshütte, von Falken-Gesäß bis nach Schöllenbach, von Rothenberg bis nach Unter-Sensbach: Die sechs Kandidaten bilden die gesamte Breite und Länge der neuen Stadt mit ihren 19 Ortsteilen und 165 Quadratkilometern Fläche ab. Sie alle kommen damit aus der Gemarkung von Oberzent. Ein Auswärtiger wagte sich (bisher) nicht in den Kreis der Einheimischen. Das könnte sich kurzfristig jetzt noch ändern.

Unterschiedlich gesät ist die bisherige Verwaltungs- und kommunalpolitische Erfahrung der Kandidaten. Mit dem vorherigen Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig hob die SPD einen sehr erfahrenen Verwaltungsmann auf den Schild, der zuvor 24 Jahre lang die Geschicke in der damals kleinsten selbständigen Gemeinde Hessens lenkte. Der 52-jährige Ihrig ist mit Sicherheit ein politisches Schwergewicht auf der Bewerber-Bühne.

In dieser Hinsicht dürfte ihm am ehesten Christian Kehrer Paroli bieten können. Der Finkenbacher tritt als unabhängiger und parteiloser Kandidat an. Seine späte Kandidatur, die er erst vor wenigen Tagen bekannt gab, wirbelte das bisherige Fünfer-Feld kräftig auf. Denn der 42-jährige Kehrer ist als vorheriger Leiter des Kommunalservice Oberzent und des Fusionsprojekts sowie jetziger Chef der Stabsstelle im Rathaus bestens mit der Materie in allen vier ehemaligen Orten vertraut.

Für die Grünen tritt Thomas Väth aus dem Weiler Gebhardshütte an. Der 52-jährige Sprecher des Stadtverbands Oberzent kommt aus der freien Wirtschaft und betreibt gemeinsam mit seiner Frau die Schaaf & Väth OHG, die sich mit der Herstellung von „Flowerpads“ beschäftigt. FDP-Kandidat Andreas Krauch leitet den Falkenhof in Falken-Gesäß. Der jetzige FDP-Stadtverordnete hat bereits Wahlkampf-Erfahrung: Der 59-jährige kandidierte vor einigen Jahren schon einmal in Beerfelden, damals gegen Gottfried Görig.

Ebenfalls im städtischen Übergangsparlament sitzt Claus Weyrauch. Der Rothenberger geht für die ÜWO ins Rennen und war zuvor als Mitglied der WGR seit 2016 im Parlament des Höhendorfs. Als Mittelstandsberater hat der 50-Jährige unter anderem einen genauen fachmännischen Blick auf Tourismus und Wirtschaft. Oliver von Falkenburg arbeitet bei der Unteren Naturschutzbehörde im Kreis Bergstraße. Der 32-jährige gebürtige Niederbayer, wohnhaft in Unter-Sensbach, geht für die CDU ins Rennen.

Die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl in Oberzent endet am Montag, 19. Februar, 18 Uhr. Bis dahin müssen die Unterlagen im Rathaus bei Wahlleiter Helmut Ulrich abgegeben sein. Der Urnengang findet am Sonntag, 29. April, parallel mit der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung und zu den Ortsbeiräten statt.

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Der Finkenbacher Christian Kehrer will am 29. April Bürgermeister in Oberzent werden

Kurz vor knapp wirft noch ein aussichtsreicher Kandidat seinen Hut in den Ring des Bürgermeister-Wahlkampfs. Christian Kehrer will Rathaus-Chef in Oberzent werden. Der 42-Jährige tritt als unabhängiger Kandidat an. Die notwendigen 74 Unterstützer-Unterschriften bekam er rasend schnell zusammen. „Inzwischen sind es weit über 100“, freut sich der Finkenbacher. Seit 2008 Leiter des Kommunalservice Oberzent (KSO) und seit 2016 Projektleiter für die Fusion im südlichen Odenwaldkreis, kennt Kehrer, quasi „Geburtshelfer“ für die neue Stadt, diese und ihre Strukturen aus dem Effeff.

Die Resonanz auf seine Kandidatur hat den Finkenbacher schwer beeindruckt. Seitdem er seine Entscheidung öffentlich machte, gab es Zuspruch von vielen Seiten und aus den verschiedenen Stadtteilen. „Ich bin im Beerfelden vor dem Rewe angesprochen worden“, freut sich Kehrer. Als er bei der Sensbacher Feuerwehr im Bürgerhaus zu Gast war, kamen aus dem anderen Raum ein paar Mitglieder des Schützenvereins vorbei und fragten, ob er noch Unterschriften brauche. Dazu gab es viele Zuschriften auf Facebook oder WhatsApp.

„Das zeigt mir, dass meine Entscheidung richtig war“, sagt der 42-Jährige. Denn leicht tat er sich damit nicht. Bereits im Oktober, als sich das Kandidaten-Karussell zu drehen begann, machte er sich die ersten Gedanken. „Ich habe lange hin und her überlegt, wie ich der Stadt am sinnvollsten helfen kann“, erläutert Kehrer. Denn die neue, fusionierte Stadt nach vorn zu bringen, ist kein Zuckerschlecken. Viele Ansätze sind da, vieles in die Wege geleitet, jetzt geht es in den kommenden Jahren um die Ausgestaltung.

Der Stabsstellen-Leiter geht als parteiloser und unabhängiger Kandidat ins Rennen, um Neutralität an der Stadtspitze zu gewährleisten, betont er. „Ich komme mit jeder Partei oder Wählervereinigung in Oberzent gut aus“, hebt Kehrer hervor. „Mir geht es um die Sache und nicht um die Parteipolitik.“ Nicht nur aus der ehemaligen Gemeinde Rothenberg, sondern auch aus dem ehemaligen Beerfelden, Sensbachtal und Hesseneck habe ihn die Rückmeldung erreicht: „Jetzt wissen wir, wen wir wählen können“, schmunzelt er.

Die neue Stadt hat seinen Worten zufolge neben ein paar Schwächen aber „jede Menge Stärken“. Diese müsse man allerdings transparenter machen und besser herausstellen. Allein die 125 Vereine und renommierte Firmen sind laut Kehrer eine feste Bank. Dem ehrenamtlichen Engagement will er große Aufmerksamkeit schenken. „Durch die Vereine pulsiert das Leben in den einzelnen Orten“, weiß er aus eigener Erfahrung.

Den mit der Fusion eingeschlagenen Weg erfolgreich weiter zu beschreiten, „wird nach wie vor ein großer Kraftakt sein“, sagt Kehrer. Er will ihn kontinuierlich weitergehen, macht aber auch klar, „dass man nicht von jetzt auf nachher den Schalter umlegen kann und alles ist super“. Was in den vergangenen Jahren liegengeblieben sei, „kann man nicht innerhalb eines Monats aufarbeiten“. Ihm geht es darum, die Fusions-Euphorie mitzunehmen und zu kanalisieren, andererseits aber auch „realistisch zu bleiben“.

Die wirtschaftliche Weiterentwicklung („nur mit Attraktivitätssteigerung kommt Zuzug“), Tourismus, ÖPNV, Verwaltungsmodernisierung, Erhalt der Infrastruktur („die Kernstadt Beerfelden braucht eine Revitalisierung“), Kindertagesstätten und Ärztehaus („zwingend notwendig, da Marktversagen“) nennt Kehrer als Schlagworte für die kommende Zeit. „Wir sind auf einem guten Weg und müssen weiter dran bleiben“, fordert der Stabsstellen-Mitarbeiter. Die Kinderzahlen in Oberzent gehen seinen Worten zufolge nach oben, was er positives Signal wertet.

Zur Windkraft sagt Kehrer lapidar: „Jetzt ist auch mal gut.“ Die Bürger zahlten die Zeche für ein nicht ausgegorenes Konzept. Der Bürgermeister-Kandidat beschreibt seine Stärken in der beruflichen Erfahrung sowohl in der freien Wirtschaft als auch in der Kommunalverwaltung. Durch die Mitarbeit in den Fusionsvorbereitungen „kenne ich die vier Gemeinden durch und durch“.

Der 42-jährige Christian Kehrer ist ein waschechter Finkenbacher. Nach einem kurzen Fußball-C-Jugend-Abstecher hielt er fast 30 Jahre der Feuerwehr die Treue, bis er wegen des Arbeitsaufwands rund um die Oberzent-Fusion seine ehrenamtliche Betätigung zurückfahren musste. 1999 bis 2005 war Kehrer Kreisjugendfeuerwehrwart, 2005 bis 2015 Rothenberger Gemeindebrandinspektor. Von 2000 bis 2004 saß er als Parteiloser auf dem SPD-Ticket im Kreistag, leitete zwei Jahre den Kreisjugendring. Nach seinem Realschulabschluss an der Oberzent-Schule war Christian Kehrer von 1992 bis 2001 als Steuerfachangestellter in der freien Wirtschaft tätig. 2001 wechselte er als Kassenverwalter nach Rothenberg, 2008 als Verwaltungsleiter zum KSO, den er in den Folgejahren mit aufbaute. 2016 wurde der 42-Jährige Projektleiter für die Fusion, seit Januar leitet er die beim Bürgermeister angesiedelte Stabsstelle der Stadt.

FDP schickt Andreas Krauch ins Rennen um den Oberzent-Bürgermeisterposten

Damit dürfte die Kandidatenrunde komplett sein: Der FDP-Stadtverordnete Andreas Krauch wurde von den Freien Demokraten auf ihrem Listenparteitag in Gammelsbach als Bürgermeister-Kandidat seiner Partei nominiert. Er tritt am 29. April bei der Wahl für den Posten des Rathauschefs in Oberzent an. „Ich stehe für einen Politikwechsel. Wir müssen die Chancen der neuen Stadt erkennen und für den Bürger klar benennen“, sagte Krauch bei seiner Vorstellungsrede.

Ein Leitbild und ein Zukunftskonzept für die Oberzent nennt der FDP-Mann als Schwerpunkte seiner Tätigkeit. Der 59-Jährige ist Vater von vier Kindern und leistet seit Jahrzehnten Vereinsarbeit und ehrenamtliche Tätigkeiten auf vielfältigen Ebenen. In 2011 wurde er dafür bereits mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet.

Nach einer Landwirts-Lehre und dem Studium der Landwirtschaft mit Auslandsaufenthalten in der Schweiz und den USA übernahm Krauch den Falkenhof in Falken-Gesäß. „Als Selbständiger kennt unser Kandidat die Dynamik der Wirtschaft und weiß um die Standortvorteile der Oberzent“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende in Oberzent Frank Leutz, während der Veranstaltung. Die Mitglieder stimmten geschlossen für die Nominierung des Kandidaten zur Bürgermeisterwahl.

„Mit Andreas Krauch haben wir genau den richtigen Mann“, sind die Freien Demokraten fest überzeugt. „Er kennt unsere Region Oberzent sehr gut, kann quasi jeden Stein mit Vornamen ansprechen“, so Leutz schmunzelnd über die Vorzüge des Kandidaten. Andere Mitglieder unterstützten ihn in dieser Einschätzung: „Andreas ist ein Kandidat aus der Mitte unserer Region Oberzent. Er bringt durch seinen Werdegang enorm viele Kompetenzen für die Leitung einer Verwaltung mit“, hieß es. Weiterhin wurde auf Krauchs Erfahrungen und Kontakte zu Politik und Wirtschaft abhoben. Diese könne er zum Wohl der Bürger einsetzen.

Der Gewählte freute sich über die große Unterstützung: „Das tolle Ergebnis motiviert mich enorm für den Wahlkampf“, sagte der Stadtverordnete. „Ich liebe die Oberzent und werde mich daher mit allem, was ich habe, einbringen.“ Als Bürgermeister werde er nicht alles anders machen, „doch es gibt einiges, was wir besser machen können“, freut sich der 59-Jährige über die starke Nominierung.

Mit dem 59-jährigen FDP-Mann Andreas Krauch aus Falken-Gesäß ist der Kandidaten-Reigen der politischen Parteien und Gruppierungen für die Bürgermeisterwahl in Oberzent am 29. Aprilwohl komplett. Für die SPD tritt der Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig an. Die CDU Oberzent schickt Oliver von Falkenburg (Unter-Sensbach) ins Rennen. Für die Grünen geht Thomas Väth (Gebhardshütte) an den Start. Für die ÜWO kandidiert Claus Weyrauch (Rothenberg). Bemerkenswert: Es gibt (bisher) nur einheimische Kandidaten, keinen Auswärtigen. Die Bewerbungsfrist endet am 17. Februar.

Oberzent-Grüne heben Thomas Väth auf den Kandidaten-Schild für die Bürgermeisterwahl

Thomas Väth ist der Bürgermeister-Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen bei der Wahl in der Stadt Oberzent am 29. April. Die Mitgliederversammlung nominierte ihn im „Schwanen“ einstimmig. Ebenso einhellig wurde auch die Kandidatenliste für die Wahl zur Stadtverordneten-Versammlung verabschiedet. Sie wird von Elisabeth Bühler-Kowarsch angeführt. Grünen-Landesschatzmeister Martin Kirsch übergab zur Neugründung des Stadtverbands anlässlich der Fusion einen Scheck von 250 Euro. „So weit südlich war ich noch nie in Hessen“, schmunzelte der in Gießen wohnende Kirsch.

Nach den Regularien, bei denen Petra Neubert zur Versammlungsleiterin gewählt wurde und Horst Kowarsch die Wahlordnung vorstellte, ging es dann gleich in die Kandidatenvorstellung. Bürger der jüngsten Stadt Deutschlands zu sein „ist etwas Besonderes“, meinte Thomas Väth. Er griff die Bezeichnung von Oberzent als „grüner Riese“ auf. „Das ist eine sehr ansprechende Vorstellung, ein starkes Bild“, meinte er nicht nur als Grünen-Politiker, sondern auch mit Blick auf den Waldreichtum der Stadt.

Der Kandidat bezeichnete sich als einen innovativen Gestalter, der etwas erreichen und für seine Ziele motivieren will. Wie das geht, machte er an seiner beruflichen Vita fest. Die Erfindung des „Flowerpads“, eines Drainagekissens, das Kübel- und Topfpflanzen dauerhaft und effektiv vor Staunässe schützt, zeige Innovationskraft, Ideen und Durchhaltevermögen. „Sechs Jahre habe ich daran gearbeitet“, so Väth. Immer zusammen mit seiner Frau Petra, „meiner engsten Verbündeten und schärfsten Kritikerin“.

Die Erfahrungen aus dem Job lassen sich seinen Worten zufolge auch auf den angestrebten Posten übertragen. „Als Bürgermeister muss man nicht nur Ideen haben, sondern sie auch jahrelang zielstrebig verfolgen und gegen Widerstände durchsetzen“, sagte er. Dass Väth dabei auch Schwierigkeiten überwinden kann, belegte er mit der regionalen und sozialen Produktion des Flowerpads. „Davon haben mir alle abgeraten“, meinte er. Doch: „Es funktioniert.“

Ihm geht es in der neuen Stadt darum, den Ortsteilen Gehör zu schenken. Man solle nicht nur die „Lauten und Starken hören, sondern auch die Leisen und Schwachen“, meinte er sowohl auf die Dörfer als auch die Menschen bezogen. Die Verknüpfung der 19 Ortsteile will Väth über die Ortsbeiräte und den beim Bürgermeister angesiedelten Rat der Ortsvorsteher erreichen. Auch ist es ihm wichtig, dass Verwaltungsmitarbeiter und Stadtoberhaupt oft draußen präsent sind. Die Beibehaltung der bisherigen Rathäuser als erste Anlaufstellen wertete er als guten Ansatz.

„Es geht nichts am persönlichen Kontakt vorbei“, unterstützte Elisabeth Bühler-Kowarsch. Den Einwohnern der neuen Stadt müsse vermittelt werden, dass Oberzent „nicht Beerfelden 2.0“ ist. Auf die Befindlichkeiten der kleinen Orte gilt es zu achten, kam beim Verweis auf das erst spät angebrachte gelbe Hinterbach-Ortsschild zum Ausdruck. Prompt hätten sich die dortigen Bürger abgehängt gefühlt. Neben den Menschen stehen für den Bürgermeister-Kandidaten auch Natur und Tiere im Fokus.

Für Horst Kowarsch ist es positiv, dass „jemand von außen kommt und es neu sieht“, nicht bereits zuvor Jahrzehnte in der Verwaltung tätig war. Aus der Runde wurde der unternehmerische Hintergrund Von Thomas Väth positiv hervorgehoben. „Wir müssen Aufbruchstimmung erzeugen“, betonte der Grünen-Kandidat. Elementar ist es für ihn, dem Ausbluten des ländlichen Raums entgegenzuwirken.

Die Spitzenkandidatin für die Stadtverordneten-Versammlung, Elisabeth Bühler-Kowarsch, bezeichnete es als „spannend, den Neuanfang mitzugestalten“, als besondere Herausforderung daran mitzuwirken. Viele Dinge seien in der Vergangenheit aufgeschoben worden, weswegen auf das neue Parlament nun ein Haufen Arbeit zukomme. Ärzteversorgung, Gesundheitszentrum, ÖPNV-Anbindung oder Zustand der Bahnhöfe nannte sie als Schlagworte. Eine stärkere parlamentarische Kontrolle des Verwaltungshandelns bezeichnete auch Walter Braner als Handlungsschwerpunkt der neuen Fraktion.

Thomas Väth ist verheiratet mit Frau Petra Schaaf, Geschäftsführer der Schaaf & Väth OHG, und lebt seit einigen Jahren im Weiler Gebhardshütte bei Hetzbach. Das schnelle Internet im Odenwaldkreis machte es ihm möglich, von Groß-Zimmern hierher zu ziehen, in der Region zu leben und zu arbeiten. Der selbständige Diplom-Ingenieur Väth ist seit der Gründung im Juli 2017 Sprecher des Grünen-Stadtverbandes. Außerdem leitet der 52-Jährige den Arbeitskreis Naturschutz der Grünen Odenwald.

Grünen-Kandidaten für Stadtverordneten-Wahl am 29. April: Elisabeth Bühler-Kowarsch, Walter Braner, Carmen Kellermann, Horst Kowarsch, Petra Väth, Thomas Väth, Silvia Trebert-Gimbel, Hans Herold, Eva Spieker, Rolf Kischkel, Angelika Wöhrle, Stefan Roßbach, Markus Schwarzer, Victor Kellermann, Joachim Voll

Oliver von Falkenburg kandidiert für die CDU um den Bürgermeisterposten in Oberzent

Auf dem CDU-Ticket kandidiert Oliver von Falkenburg für den Bürgermeisterposten in der neuen Stadt Oberzent. Der gebürtige Niederbayer wohnt seit sechs Jahren im Stadtteil Unter-Sensbach. Er ist 32 Jahre alt, Mitglied der CDU und der Jungen Union im Odenwaldkreis. Falkenburg ist in der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Bergstraße beschäftigt und strebt dort im Dualen Studium den Bachelor of Public Administration an.

Nach einer ernsten Erkrankung schon in jungen Jahren „musste ich den Weg ins Leben zurückfinden“ und nach einem Jurastudium eine berufliche Umorientierung vornehmen, erzählt der Kandidat. Aus dieser Erfahrung leite er Motivation, Zuversicht und den Gestaltungswillen ab, den Start der neuen Stadt Oberzent mit frischer Energie und innovativen Ansätzen als Bürgermeister zu begleiten.

Die Bürgerbeteiligung steht auf seiner Agenda ganz oben, um die Umsetzung von zukunftsträchtigen investiven Projekten zu erreichen. Hierbei will er Ideen, Anregungen und Kritik der Einwohner einfließen lassen. Dabei bieten sich seinen Worten zufolge „online“ und „offline“ betriebene Bürgernetzwerke oder ein Bürgerhaushalt als Formen direkter Beteiligung bei den kommunalpolitischen Prozessen an. „Nur Transparenz schafft Vertrauen in die Politik“, betont der 32-Jährige.

Die Einbeziehung der Bevölkerung ist für ihn auch deshalb von herausragender Bedeutung, weil es sich bei Oberzent um eine Flächenstadt handelt. Sie brauche neue Impulse, moderne Verwaltungssteuerung und den Blick in die Zukunft. Falkenburgs weitere Schwerpunkte stellen die Verbesserung des Anschlusses an die Metropolregion Rhein-Neckar mithilfe der neuen Wirtschaftsförderungsstelle, die ärztliche Versorgung und der bedingungslose Einsatz gegen den Ausbau der Windkraft dar.

Die Einschränkung der Lebensqualität durch die Rotoren und die rücksichtslose Zerstörung „unserer einmaligen Natur im südlichen Odenwald durch ein landespolitisches Ziel sind für mich nicht hinnehmbar“, hebt er hervor. Der Kandidat nennt die bekannten zahlreichen negativen Einflüsse von Windkraftanlagen auf Natur und Tierwelt. Seiner Meinung nach beinträchtigen die Windparks den Tourismus und die Lebensgrundlage der vom Tourismus abhängigen Menschen erheblich.

Der Odenwald habe das Prädikat Unesco-Global-Geopark. Die Oberzent locke beispielsweise Wanderer, Radfahrer und Skilangläufer auf der Suche nach einem aktiven Naturerlebnis an. Durch eine Einkesselung von Rotoren „wird dieses Streben nach Freiheit und Unberührtheit zerstört“. Eine Dominanz der Windkraftanlagen im Landschaftsbild und eine Beeinträchtigung der Aussicht muss verhindert werden, postuliert er.

Die Eigen- und Besonderheiten der bisherigen Kommunen gelte es zu bewahren, „aber gleichzeitig muss ein neues Wir-Gefühl zur Erzeugung einer gemeinsamen Identität geschaffen werden“. Das rege Vereinsleben in der Oberzent sei ein wertvoller Bestandteil des Zusammenlebens und der Integration. Um die Arbeit der Vereine zu erleichtern, bedarf es laut den Worten des 32-Jährigen einer Vereinsfördersatzung, um etwa konkret bei der Neuerrichtung, Erweiterung und Sanierung von Sportstätten, Vereinsheimen und Anlagen Zuschüsse erlangen zu können.

„Außerdem sind wir auf den Verbleib unserer Jugendlichen in der Region angewiesen“, betont er. Von Falkenburg setzt sich deshalb für eine starke Vernetzung von Jugendlichen, Eltern, Schulen und Betrieben ein. Ausbildung müsse sowohl für die Betriebe als auch für die potentiellen Auszubildenden attraktiver werden. Die Bildung einer „Azubiplattform“, die die Vernetzung und Information sowie gemeinsame Veranstaltungen der Beteiligten vorsieht, ist anzustreben. Er setzt sich für Leistungsanreize in Form von Bezuschussung ein, um Jugendliche und Azubis während der Ausbildung zu fördern und zu einem erfolgreichen Abschluss begleiten zu können. „Dann bleiben sie auch in der Region“, sagt er.

Thomas Väth kandidiert für die Grünen als neuer Oberzent-Bürgermeister

Wie die Vorstandsmitglieder der Grünen Oberzent, Elisabeth Bühler-Kowarsch (Beerfelden) und Walter Braner (Finkenbach) mitteilen, schlagen diese nach Gesprächen mit möglichen Kandidaten dem Stadtverband vor, den Sprecher der Grünen in der Stadt Oberzent, Thomas Väth (Gebhardshütte), als Bürgermeisterkandidat zu nominieren. Am 29. April werden in der neuen Stadt Oberzent, die am 1. Januar aus den früheren Gemeinden Beerfelden, Rothenberg, Sensbachtal und Hesseneck hervorgegangen ist, Stadtverordnetenversammlung, Ortsbeiräte und Bürgermeister gewählt.

Väth ist verheiratet, Geschäftsführer der Schaaf & Väth OHG und lebt seit einigen Jahren in der Stadt. Das schnelle Internet im Odenwaldkreis machte es ihm möglich, von Groß-Zimmern hierher zu ziehen und in der Region zu leben und zu arbeiten. Die Grünen erhoffen sich mit einer neuen Person in der neuen Stadt frische Impulse in der Kommunalpolitik. Thomas Väth ist selbstständig und seit der Gründung im Juli 2017 Sprecher des Stadtverbandes. Außerdem leitet er den Arbeitskreis Naturschutz der Grünen Odenwald.

Der künftige Bürgermeister darf weder Sachbearbeiter noch Verwalter des Status quo sein, sondern muss die Stadt aktiv gestalten, die verschiedenen Stadtteile und die Bürger zu einem starken Wir-Gefühl führen, so die Grünen. Die Themen Stadterneuerung auch unter Berücksichtigung von Fragen und Fördermöglichkeiten des Denkmalschutzes statt Zerfallsduldung, Förderung des Tourismus, Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, verbesserter Internet Auftritt der Stadt, Bewerbung der Gewerbegebiete und die weitere Verbesserung des Angebots in den Kindertagesstätten sind laut den Grünen Schwerpunkte, die der neue Bürgermeister angehen muss.

Ansonsten erwartet die Öko-Partei, dass im ersten Quartal endlich „Nägel mit Köpfen“ in der unendlichen Debatte „Ärztehaus“ gemacht werden. Was dringend fehlt, sind nach wie vor Hausarztpraxen. Die Fördergelder des Landes für eine zukunftweisende Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sind der Mitteilung zufolge bald verbraucht, aber am grundsätzlichen Problem des Ärztemangels habe sich für die Bürger nichts geändert. „Nach den vielen Konzepten müssen jetzt konkrete Entscheidungen folgen“, fordern sie.

Trotz jahrelanger intensiver Diskussion und unzähligen Veranstaltungen um das geplante Ärztehaus sind laut Braner kaum Fortschritte zu erkennen. Seit vielen Jahren versuchten die Oberzent-Kommunen vergeblich neue Hausärzte für die Region zu gewinnen. Bisher ohne vorzeigbares Ergebnis. Sehr positiv zu bewerten sei, so Horst Kowarsch, dass das Modellprojekt „Garantiert mobil“ angelaufen ist und die Bahnverbindungen sich zum Fahrplanwechsel 2017/2018 in den Abend- und Nachtstunden wesentlich verbesserten.

Nunmehr bietet der RMV zum Fahrplanwechsel freitags, samstags und an Werktagen vor Feiertagen zusätzliche Verbindungen an. Mittelfristiges Ziel der Grünen ist, dass an allen Tagen diese Abend- und Nachtverbindungen angeboten werden, so Kowarsch. Nach den Worten von Elisabeth Bühler-Kowarsch geht man davon aus, dass die neue Stelle bei der OREG für die Wirtschaftsförderung in der Oberzent dazu beitragen wird, positive Impulse für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Region zu setzen. Wie bekannt, erhält die neue Stadt einen höheren Anteil am kommunalen Finanzausgleich des Landes Hessen und davon profitiert auch der Odenwaldkreis.

Claus Weyrauch geht für die ÜWO ins Bürgermeister-Rennen der Stadt Oberzent

Claus Weyrauch ist der Bürgermeister-Kandidat der Überparteilichen Wählergemeinschaft Oberzent (ÜWO) für die Wahl zum neuen Stadtoberhaupt am 29. April. Der Rothenberger Mittelstandsberater sitzt seit April 2016 für die WGR im Kommunalparlament und gehört dem ÜWO-Vorstand an. Seit 1990 wohnt der aus Güttersbach stammende im Höhendorf, wohin er der Liebe wegen zog.

„Ich war einer der ersten in der ÜWO, der für einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten plädierte“, erläutert Weyrauch. In einer Mitgliederbefragung wurde er dann auf den Schild gehoben. Frei nach dem Motto: „Wer es anregt, muss es auch machen“, lacht er. Weyrauch sieht eine „sehr große Chance“, in der Oberzent etwas zu bewegen, zu entwickeln und zu gestalten. „Ohne die Fusion wäre das nicht möglich gewesen.“

Auf die Überschrift in der Machbarkeitsstudie, „gestalten und nicht verwalten“, bezieht sich der Kandidat auch in seiner Handlungsmaxime. „Ich will mir diesen Slogan als Maßstab setzen“, betont er. Die Problemstellungen in der neuen Stadt sieht er bei verschiedenen Punkten: Gesundheitsversorgung, Tourismus, Straßenerneuerung und generell die Stärkung des ländlichen Raums nennt er als dringendste Themen.

Weyrauch ist die Einbindung der Bürger in den Entscheidungsprozess sehr wichtig. Deshalb ist es für ihn ein guter Gedanke, die Position der Ortsbeiräte zu verstärken. Er findet den Gedanken gut, diesen Gremien ein eigenes Budget zu geben. Allerdings sollten auch politisch nicht interessierte Bürger zur Mitwirkung in den Ortschaften gewonnen werden.

Der ÜWO-Kandidat sieht es als Herausforderung an, „den demographischen Wandeln zu meistern“. Wenn sich der Odenwald gut verkauft, durch die bezahlbaren Grundstücke quasi zur Wohngemeinde für junge Familien wird, deren Arbeit durch das Home Office immer mehr in den eigenen vier Wänden geschehen kann – dann kann auch die Oberzent optimistisch nach vorn schauen. Allerdings „müssen wir aufpassen, dass wir uns diese Vision nicht durch die Windräder zerschießen“, warnt er.

Für Weyrauch können die Zukunftsaufgaben nicht nur in einer größeren gemeinsamen Stadt, sondern auch nur in einem kommunen- und kreisübergreifenden Zusammenarbeiten gelöst werden. „Es darf nicht nur jeder für sich allein arbeiten“, betont er – siehe Windkraft. Auch beim ÖPNV ist ein ganzheitlicher Ansatz notwendig. Das sind zum einen die Verbindungen ins Neckartal zur dortigen S-Bahn, zum anderen der Bahnhof Hetzbach als zentrale Anbindung in den Erbacher und Darmstädter Raum. In diesem Zusammenhang nennt er auch die Unterstützung von „Garantiert Mobil“ und die Verbesserung von VIAS-Angeboten für Berufspendler.

Vom Haltepunkt aus gibt es derzeit eine zweistündliche Verbindung an den Bikepark. Wenn dieser zusammen mit der Sensbacher Höhe als neues touristisches Highlight entstehen sollte, dann sind häufigere Verbindungen natürlich sinnvoll. Ein weiteres Anliegen ist dem Kandidaten die Sitzungskultur in der neuen Stadtverordneten-Versammlung. Hier wünscht er sich eine Betonung der Sacharbeit für die eigene Kommune weg von politisch motivierten Manövern.

„Es gibt in diesem Umbruchprozess jede Menge Baustellen zu beackern“, so Weyrauch. Trotzdem ist es ihm wichtig, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. „Mein Hauptziel ist ein attraktives, familienfreundliches und lebenswertes Wohnumfeld“, betont er: die Heimat für alle Oberzentler und die, die es werden wollen, zu schaffen und zu bewahren.

Neben der Erhaltung und Verbesserung der technischen Infrastruktur geht es dem Kandidaten auch um die sozialen Grundlagen der neuen Stadt. Flexible Kindergärten oder Vereinsförderung sind seine Stichworte. Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten schaffen, Wirtschaftsförderung, Leerstände vermarkten, Ansiedlungsanreize schaffen, Stadt- und Dorfentwicklungskonzepte stehen ebenfalls auf seiner Agenda. Weyrauch will „den Erholungsfaktor Natur schützen und bewusst machen“. Die Verwaltung soll seiner Vorstellung nach allen Bürgern ein kompetenter und freundlicher Dienstleister sein.

Claus Weyrauch (50) ist verheiratet mit Susanne Weyrauch und hat zwei Töchter (20/17). Seit 1990 wohnt er in Rothenberg, wo er für die WGR in der Gemeindevertretung sitzt. Er ist als Berater für Mittelstands-Unternehmen tätig. Seine Ausbildung zum Diplom-Betriebswirt machte er bei der Volksbank Odenwald. Nach eine Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter und Controller war er drei Jahre im Angestelltenverhältnis, ehe er sich 2003 selbständig machte. Zwischenzeitlich arbeitete er als Dozent in der Erwachsenenbildung und ist derzeit noch im Prüfungsausschuss für IHK-Wirtschaftsfachwirte tätig.

Mit dem 50-jährigen ÜWO-Mann Claus Weyrauch aus Rothenberg ist der Kandidaten-Reigen der politischen Parteien und Gruppierungen für die Bürgermeisterwahl in Oberzent am 29. April 2018 fast perfekt. Für die SPD tritt der Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig an. Die CDU Oberzent schickt Oliver von Falkenburg (Unter-Sensbach) ins Rennen. Für die Grünen geht Thomas Väth (Gebhardshütte) an den Start. Lediglich die FDP hat (noch) keinen Kandidaten genannt.