Der Außenanstrich am Bürgerhaus ist fast fertiggestellt

1965 wurde das damalige Schulhaus der Stadt Beerfelden zum Bürgerhaus umgebaut. Seit dieser Zeit gab es nur Unterhaltungsarbeiten, aber keine tierfergehenden Sanierungen. In den vergangenen Jahren traten nun altersbedingt mehrfach Schäden bei der Gebäudeentwässerung auf. „Die verlegten Gussrohre waren derart marode, dass nur ein kompletter Austausch infrage kam“, schildert Stadtbaumeister Peter Bauer. Die sowieso erforderlichen Bauarbeiten nahm der Magistrat zum Anlass, im Bürgerhaus eine umfassende Renovierung der sanitären Anlagen durchzuführen.

Hierbei wurde laut Bauer die Gelegenheit genutzt, die Zuordnung der Toilettenanlagen auch umfassend funktional zu ändern und so im Erdgeschoss eine barrierefrei zugängliche behindertengerechte Toilette einzubauen. Durch diese funktionalen Änderungen konnte die Maßnahme im laufenden IKEK-Verfahren (integriertes kommunales Entwicklungskonzept) gefördert werden, erläutert er.

Die Heizungsanlage wurde außerdem mit einer neuen Steuerung versehen. Somit können die unterschiedlichen Nutzungseinheiten bedarfsgerecht mit Wärme versorgt werden. Die wird seit 2006 mit einer Pelletheizung im Keller erzeugt. Auch diese Maßnahmen wurden durch das IKEK-Verfahren gefördert. Die Fördersumme betrug insgesamt rund 179.000 Euro und wurde zu 75 Prozent bezuschusst. Zusätzlich wurde für das Familienzimmer im zweiten Obergeschoss noch eine neue Küche angeschafft und neue Zimmertüren eingebaut.

Durch die Veränderungen musste zuvor die Elektroinstallation VDE-gerecht hergestellt werden, informiert Bauer. Bestandspläne gab es keine, sodass neben dem zeitlichen Aufwand noch zusätzliche Arbeiten erforderlich wurden. Die alten und teilweise schon durchhängenden Putzflächen aus Schilfrohrmatten an den Decken waren teilweise nicht mehr zu retten. Viele Verputzflächen an Wänden mussten teilweise komplett erneuert werden.

In einigen Räumen war nur ein Anstrich vorgesehen. „Teilweise blieb jedoch der Altanstrich auf der Farbrolle hängen“, weiß Bauer um die Schwierigkeiten. Das bedeutete, dass die Untergründe zunächst umfangreich vorbereitet werden mussten. Im Gebäude sind nun nur noch kleinere Restarbeiten durchzuführen.

Nach Abschluss ist das Bürgerhaus nun auch energetisch auf dem neuesten Stand. Die funktionalen Änderungen, insbesondere die seniorengerechte Gestaltung der Toilettenanlagen und das barrierefrei zugängliche Behinderten-WC bis hin zur akustisch wirksamen Streulochdecke im Singsaal, sollen künftig ihren Beitrag dazu leisten, dass das Gebäude weiterhin eine vielseitig genutzte Begegnungsstätte für die Ortsbevölkerung bleibt.

In einem weiteren IKEK-Verfahren werden derzeit die Dacheindeckung in Biberschwanzziegeln, die Dachentwässerung sowie der Anstrich der Fassade denkmalgerecht erneuert. Seitens der Denkmalschutzbehörde des Odenwaldkreises gab es eine intensive Farbberatung. Künftig erstrahlt die Fassade nach historischen Vorbildern in einem gebrochenen Weiß. Die Baukosten an Dach und Fassade betragen rund 150.000 Euro, die ebenso mit 75 Prozent gefördert werden.

Ausbesserungsarbeiten waren auch an einem weiteren ortsbildprägenden Gebäude, der Alten Turnhalle in der Hirschhorner Straße, erforderlich. Die denkmalgeschützte Fachwerkkonstruktion musste insbesondere an der straßenseitigen Fassade fachgerecht saniert werden. Unter Begleitung der Denkmalschutzbehörde wurden teilweise verfaulte Bauteile an Schwellen, Pfosten, Riegeln und Streben fachgerecht herausgestemmt und ersetzt.

Des Weiteren wurde im Gebäude die Saalbeleuchtung erneuert. Hierbei kommen nun energiesparende LED-Strahler zum Einsatz. Im Rahmen des sogenannten Öko-Audits der Entega wurden die entsprechenden Voruntersuchungen durchgeführt. Alle Maßnahmen wurden im Rahmen der Hessenkasse gefördert, sodass von den veranschlagten Kosten in Höhe von 22.500 Euro die Stadt Oberzent zehn Prozent zu tragen hat.

 

Bürgerhaus ist wieder ein Aushängeschild

In mehr als 50 Jahren kann der Zahn der Zeit ganz gewaltig an einem sowieso schon älteren Gebäude nagen. Kein Wunder, dass bei der Renovierung des Bürgerhauses mehr „Baustellen“ als geplant auftauchten, weswegen sich die Fertigstellung etwas hinzog. Nach den Sommerferien ist das Stadtbild prägende Gebäude, das frühere Rat- und Schulhaus, aber wieder nutzbar, erläuterte Stadtbaumeister Peter Bauer bei einem Vor-Ort-Termin.

140.000 Euro waren ursprünglich für die Maßnahme geplant, die bereits die Gremien des ehemaligen Beerfeldens auf den Weg brachten. Da das Bürgerhaus aber gleichzeitig als barrierefreies Wahllokal dient, dauerte es bis nach Kommunal- und Landtagswahlen, ehe die Arbeiten richtig starten konnten. Zuvor begann man bereits mit Abrisstätigkeiten von nicht mehr Benötigtem.

Damit es für die Stadt nicht so teuer wird, wurden laut Bauer Mittel aus dem integrierten kommunalen Entwicklungskonzept (IKEK) beantragt. Da darüber aber lediglich „funktionale Veränderungen“ bezuschusst werden, kommen über diese Schiene nur 83.000 Euro an die Stadt zurück. Zusätzlich müssen voraussichtlich noch ein paar Euro mehr locker gemacht werden, da die Arbeitenden in dem denkmalgeschützten Gebäude auf einige Überraschungen stießen.

Vor allem die Sanitärräume hatten eine dringende Auffrischung nötig, inklusive Wasser- und Abwasserleitungen. Denn alles war auf dem Stand von 1965. Teilweise waren die gusseisernen Rohre laut Bauer so marode, dass sich das Abwasser aus den Leitungen drückte. Im Erdgeschoss wurde ein barrierefreies WC geschaffen, im zweiten Obergeschoss ein behindertengerechtes. Beide Toilettenanlagen erhielten zusätzliche Wickeltische und ein modernes Design.

Dies war dem Stadtbaumeister zufolge jedoch nur ein Teil des Ganzen. Die Heizungsanlage, ebenfalls noch Stand Mitte der 60er Jahre, erhielt eine neue Steuerung. Damit ist es nun möglich, einzelne Ebenen bedarfsgerecht je nach den unterschiedlichen Nutzungen anzufahren. Der bauliche Unterhalt des alten Gebäudes kam noch dazu. „Der wird über IKEK leider nicht gefördert“, bedauerte Bauer.

Denn das genauere Hinschauen machte deutlich, dass unter der Oberfläche „alles marode und kaputt war“, schildert er. Deshalb kam der Zeitplan ein ums andere Mal durcheinander. Bauer ist den Baubeteiligten dankbar, dass sich trotz enger Zeitpläne immer wieder Möglichkeiten fanden um weiterzumachen. „Denn das Gebäude muss dauerhaft erhalten werden“, verdeutlichte er.

Die Elektroinstallationen wurden vom Bauhof erledigt, „denn wir schauen, dass wir Kosten einsparen, wo immer es möglich ist“, verdeutlichte Bauer. Ohne vorhandene Bestandspläne musste der Mitarbeiter das komplette Gebäude VDE-sicher herstellen, schilderte er. Denn alles war zweiadrig, ohne Erdung, verlegt. „Jetzt sind wir wieder auf dem Stand der Technik“, freute er sich.

Der Anstrich bildete eine ähnliche Herausforderung. Erst einmal musste eine Farbe gefunden werden, die zum denkmalgeschützten Ambiente passt, so Bauer. „Dann wollten wir streichen, aber der alte Putz blieb auf der Rolle kleben“, erläuterte er. Weshalb dieser dann auch erneuert werden musste.

Im ersten Obergeschoss, dem Singsaal, wurde die alte Schilfrohrdeckenmatte entfernt und durch eine akustisch wirksame Streulochdecke ersetzt. Die verwendete man auch im Erdgeschoss, sodass nun Unterhaltungen in normalem Tonfall möglich sind. Neben dem Familienzimmer kam eine niegelnagelneue Küche anstatt der Kochgelegenheit von 1965 rein.

„Da steckt viel Herzblut aller Beteiligten drin“, weiß Bauer. Denn das Bürgerhaus „ist ein geliebtes Projekt der Beerfeldener“. Ein Aushängeschild, das jetzt wieder herzeigbar ist. Die vielen Nutzer warten sehnlichst darauf reinzukönnen, betonte er. Die kleinen Restarbeiten werden in diesen Tagen abgeschlossen. Dann steht der Nutzung nichts mehr im Weg.

 

Stimmungsvolles Ambiente beim Neckarsteinacher Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende

Die historische untere Altstadt Neckarsteinachs mit ihren Fachwerkhäusern und Plätzen bildet den idealen Rahmen für einen stimmungsvollen, wegen seiner schönen Atmosphäre sehr geschätzten Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende. Traditionell wird er am Samstag, 28. November, um 15 Uhr vor dem Geoparkhaus durch Bürgermeister Herold Pfeifer eröffnet, begleitet von Vierburgenkönigin Sophia I. und Burgfräulein Maren I. Das Bläserensemble der Freiherr-vom-Stein-Schule umrahmt musikalisch.

Zur weihnachtlichen Stimmung tragen Musiker des evangelischen Bläserchores (Samstag, 18.30 Uhr) sowie der katholische Kinderchor (Samstag, 16.30 Uhr) unter Leitung von Hartmut Quiring bei. Stimmungsvolle Beleuchtung und Dekoration unterstreichen das vorweihnachtliche Ambiente. Es macht Spaß, durch die Gassen der Vierburgenstadt an den vielen Ständen entlang zu bummeln, sich Geschenkanregungen zu holen und in Ruhe auszusuchen.

Eine Freude für die kleinen Besucher ist „Eliszis Jahrmarkttheater“ aus lttlingen. Ein nostalgisches Kinderkarussell, eine über 70 Jahre alte Schiffschaukel sowie der über 100 Jahre alte Theaterwagen gehören zu den beliebten Attraktionen. Mit verschiedenen Puppenspiel-Vorführungen, auch für die Kleinen unter vier Jahren, geht es wieder recht turbulent zu (Samstag, 17 und 18.30 Uhr; Sonntag, 15.30 und 17 Uhr). An beiden Tagen besucht der Nikolaus jeweils um 15.30 und 17.30 Uhr den Markt und beschert die Kinder.

Am Sonntag, 29. November, gastieren um 14 Uhr das Jugendensemble der Musikfreunde Neckarsteinach sowie um 16 Uhr die Musikschule Neckargemünd im Rahmen ihrer alljährlichen „Christmas Rock Tour“ auf der Bühne im Schwanengarten. Weiterhin findet um 15 Uhr eine Weihnachtslesung im Eichendorff-Museum unter musikalischer Begleitung statt. Als Abschluss um 18 Uhr ziehen Jagdhornbläser über das Festgelände.

Vielseitig ist das Angebot der Marktstände, die vom einheimischen Handel sowie von privaten Anbietern betrieben werden: Es gibt traditionelle Weihnachtsartikel wie Adventskränze, Mistelzweige, Gewürzsträuße, Kerzenständer und Kerzen, Weihnachtskrippen, Holzschnitzereien, Laubsägearbeiten sowie Glaskugeln oder Keramik, Heimtextilien, Schaffelle und handgearbeiteten Schmuck – das breite Sortiment lohnt einen Besuch. Esel und Schafe sowie Alpakas aus dem Odenwald sorgen für eine tierische Note.

Das leibliche Wohl kommt natürlich nicht zu kurz: Glühwein, Tee und Punsch mit oder ohne Alkohol helfen beim Aufwärmen. Wildschweingulasch aus dem Kessel, Würstchen und Steaks vom Grill, Crêpes, frisch gebackene Bretzeln oder eine leckere Suppe stärken beim Rundgang über den Weihnachtsmarkt.

Bereits zum fünften Mal ist eine Delegation aus Neckarsteinachs Partnerstadt Pargny-sur-Saulx zu Besuch. Die Franzosen bringen vielerlei Köstlichkeiten aus der Champagne mit, unter anderem frisch gebackenes Baguette, Käse und selbstverständlich jede Menge Champagner – zum Probieren und zum Kaufen.

Info: Der Neckarsteinacher Weihnachtsmarkt ist am Samstag, 28. November, von 15 bis 21 Uhr und am Sonntag, 29. November, von 11 bis 19 Uhr rund um das Bürgerhaus „Zum Schwanen“, im gleichnamigen Garten, auf dem Parkplatz und in der Neckarstraße geöffnet. Da es in der historischen Altstadt nur eine begrenzte Anzahl an Parkplätzen gibt, wird die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel empfohlen.

Kunsthandwerk in allen Facetten: Bei der Ausstellung im Neckarsteinacher „Schwanen“ zeigen viele Anbieter ihre selbst hergestellten Objekte

Eine bunte Palette an Kunsthandwerk jeglicher Art bot die Ausstellung im Bürgerhaus „Schwanen“. Dieses Jahr sogar an zwei Tagen, weil Allerheiligen auf einen Sonntag fiel und deshalb auch am Samstag geöffnet werden konnte. Etwa 30 Austeller aus der gesamten Region zeigten ihre selbst gefertigten Exponate und demonstrierten teilweise sogar deren Herstellung vor Ort.

Mit Blick auf die Advents- und Weihnachtszeit waren einige Produkte darauf ausgerichtet. So die verschiedenen Magnete mit weihnachtlichen Motiven, Glasmalerei, diverse Sterne oder auch Klöppelarbeiten. Andererseits war auch Schmuck stark vertreten. Für den nahenden Winter gab es selbst Gehäkeltes und Gestricktes zu erstehen. Selbst geklebte Postkarten, Kunstmalerei, Stofftiere, Filz- oder Holzarbeiten rundeten die große Palette ab.

Ulrike Müller aus Neckarsteinach fertigt filigrane Schmuckarbeiten „als Hobby nebenher“. Zum Teil arbeitet sie nach eigenen Entwürfen, zum Teil nach Vorgaben. „Ohne gute Augen und eine gute Feinmotorik geht es nicht“, lacht sie. Denn manche Perlen seien „nicht einmal einen Millimeter groß“. Ihre Bandbreite reicht dabei von Halsketten über Ohrstecker bis hin zu Ringen.

Gabriele Rauxloh, die die Ausstellung jedes Mal organisiert, freut sich immer über den schönen Zuspruch sowohl von Gästen als auch Kunsthandwerkern. Die finden mit Orten wie Meckesheim, Neckargemünd, Aglasterhausen, Zwingenberg oder Gaiberg vor allem aus der Nähe den Weg in die Vierburgenstadt – oder stammen schon aus dieser. Aber auch von der Bergstraße und noch weiter weg, aus Niederbayern, sind Aussteller gekommen. Letztere stammen ursprünglich aus dem Ortsteil Neckarhausen und kommen gerne in die alte Heimat zurück.

„Strickeln und Häkeln kann jeder“, heißt es schmunzelnd von der vierköpfigen Klöppelriege. Die vier Damen führen das alte Handwerk an den beiden Tagen mit viel Akribie vor. „Wir treffen uns regelmäßig“, sagen sie, denn fürs Erlernen braucht es neben Begabung auch Zeit und Geduld. Die Motive werden dabei moderner, lässt sich beobachten. Weg von den reinen Borten gibt’s nun auch Schmetterlinge, Vögel, Sterne, Blumen oder klassisch weihnachtliche Motive. „Viele Stunden Arbeit“ stecken dabei selbst in den kleinsten Objekten.

Johanna Kegebein aus Zwingenberg (Neckar) zieht mit ihrer plastischen Malerei und Gestaltung am Treppenaufgang viele Blicke auf sich und ihre Werke. Sie arbeitet direkt am Stand. Gut kann man beobachten, wie aus Pinselstrichen langsam ein Gesicht entsteht. Ihre Motive sind aber sehr vielschichtig. Da tauchen dann auch mal eine Kaffeetasse oder ein Pferdekopf auf.

Anna Dragmanli aus Neckargemünd beschäftigt sich schon seit 20 Jahre mit Glasperlen-Schmuck. Zu der Zeit habe sie ein Perlentier geschenkt bekommen. „Damals hat mich die Leidenschaft gepackt und nicht mehr losgelassen“, erzählt sie. „Ich setze mich abends zur Entspannung drei bis vier Stunden hin und fädle“, meint Dragmanli. Ihren Unikat-Glasperlenschmuck stellt sie in viel Kleinarbeit komplett per Hand her. Noch viele zusätzliche Bilder gibt’s hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1048162341894581.1073741860.100001024761983&type=1&l=c245c94c2f

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Ein Blick auf alte Gebäude durch junge Augen: Die 15-jährige Flora Berger aus Beerfelden ist Stadtführerin

Auf halber Höhe der Rollgasse bleibt Flora Berger stehen und deutet auf ein altes, schon in die Jahre gekommenes Haus auf der rechten Straßenseite. „Das ist das älteste Gebäude in Beerfelden“, erläutert sie im Rahmen ihrer Stadtführung der etwa 50-köpfigen Zuhörergruppe. Die ist ungefähr im gleichen Alter wie die 15-Jährige – und das ist die Besonderheit der Tour: Flora Berger ist die jüngste Stadtführerin im Odenwaldkreis. An diesem Morgen zeigt sie den zwei Religionskursen der Oberzent-Schule mit den Lehrern Bernd Siefert und Roger Frohmuth die Stadt am Berg.

Um auf das älteste Haus mit den weißen Holzschindeln zurückzukommen: Das wurde im Jahr der französischen Revolution, 1789, erbaut. Seine Besonderheit liegt darin, dass es als einziges den großen Brand von 1810 überstand, der ansonsten die komplette Altstadt vernichtete. Von der Schule kommend, war der erste zentrale Punkt auf der Tour der heutige Zwölf-, frühere Acht-Röhren-Brunnen. Dessen Bedeutung für die städtische Wasserversorgung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war existenziell, so Flora Berger.

Nur ein paar Meter weiter, am selben Platz, führen ein Stufen hinauf zum Oberzentmuseum.  Geschichtliche Zeugnisse der Region und ihrer Bürger sind dort zu sehen, erläutert Flora. Weiter geht’s danach die Rollgasse hinauf bis zum Bürgerhaus. Das, weiß die 15-jährige, „war früher das Rathaus und noch früher die Volksschule“. 1886 wurde es umgebaut und erhielt damals ein weiteres Stockwerk.

Vor der evangelischen Martinskirche ist natürlich Pfarrer Roger Frohmuth in seinem Element. Er weist zum einen auf das 200. Jubiläum der Wiedereinweihung 1815 hin – auch die Kirche war 1810 abgebrannt. Zum anderen erläutert er, dass davor ab 1876 ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 stand, das jetzt auf der Sensbacher Höhe zu finden ist.

Flora Berger bietet seit etwa einem Jahr Stadtführungen an – nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Familien. Als sie selbst an einer teilnahm und an einer Stelle „mehr als der Stadtführer wusste“, sei sie von Renate Löw angesprochen worden, ob sie nicht selbst eine durchführen wolle. Gesagt, getan. „Die Stationen habe ich mir selbst ausgesucht“, erklärt Flora. Auf Spickzetteln hat sie die jeweiligen Daten parat.

Neben dem Pfarrhaus zeigt sie den Interessierten auch andere Stadtbild prägende Gebäude, „die in ihrer Art typisch für die Bauweise nach dem Brand waren“. Die ehemalige Jugendherberge im blauen Haus (von 1941 bis 1971) liegt ebenso auf dem Weg wie der „Beerfelder Knast“. Den gab es dort zwischen 1859 und 1923. Knackis nicht nur aus Beerfelden, sondern auch aus anderen Teilen des Odenwaldkreises saßen dort ein.

„Es macht Spaß, den Leuten etwas zu erzählen“, erzählt Flora über ihre Motivation. „Ich interessiere mich selbst für die Stadtgeschichte“, verbindet sie das Angenehme mit dem Nützlichen. Normalerweise, lacht die 15-Jährige, mache sie die Führungen in typisch Odenwälder Tracht. Aber an diesem grauen Morgen „war es mir einfach zu kalt“.

„Sechs Mal“, zählt Flora nach, hat sie bisher Gruppen durch Beerfelden geführt. Eine davon mit Kindern im Rahmen des Ferienspaßes. Die, schmunzelt sie, zeigten großes Interesse – mehr als manche Gleichaltrige. Aber ihre Schulkameraden waren an diesem Morgen auch nur am Bibbern. Deshalb folgten alle bereitwillig Pfarrer Frohmuth zum Aufwärmen in die Kirche.

Der wies beim Hineingehen darauf hin, „dass früher der Eingang ein Stockwerk höher war“. Denn eine große Treppen habe direkt ins erste Obergeschoss geführt, von wo aus geradeaus ins Kirchenschiff weitergeht. „Als der Marktplatz umgestaltet wurde, fiel ihm die Treppe zum Opfer“, so Frohmuth. Der Sandstein-Bau habe deshalb ein abwechslungsreiches Aussehen, „weil die Steine aus unterschiedlichen Steinbrüchen stammen“. Sogar Material von der Ruine Freienstein sei verwendet worden.

Tolle Stimmung bei der 9. HSD-Night

Bis spät in die Nacht bzw. früh in den Morgen wurde bei der 9. HSD-Night im Hirschhorner Bürgerhaus gefeiert. Hunderte von Fastnachtern aus der gesamten Region tanzten am Schmutzigen Donnerstag ab, was das Zeug hielt. Nach den zwei ausverkauften Kampagnesitzungen drehten die HCV-Verantwortlichen noch einmal voll auf und boten den Feierwütigen alles was das Herz begehrt. Ein DJ von „Sound 43“ hatte immer die besten Songs auf Lager, sodass eine Pause nicht drin war. Proppenvoll war die Halle, als der Zeiger Richtung Mitternacht rückte. Aber dann ging es erst so richtig los. Die Vielfalt an Verkleidungen kannte keine Grenzen. Wer dabei war, zählt jetzt schon die Tage bis zur 10. HSD-Night…