Windkraft bringt Bewegung in die Menge

Die fortschreitenden Planungen für Windenergieanlagen beschäftigen derzeit die Menschen in Oberzent. In Rothenberg brachte die neu gegründete Bürgerinitiative 300 Leute zu einer Demo auf die Straße, um sich gegen mögliche Rotoren auf der Hirschhorner Höhe auszusprechen. Ein FDP-Antrag ließ nun in der Stadtverordnetenversammlung die Emotionen hochkochen. Am Ende sprach sich das Kommunalparlament aber mit deutlicher Mehrheit gegen Windkraft auf Oberzent-Gemarkung aus.

FDP-Fraktionsvorsitzender Frank Leutz erläuterte das Ansinnen der Liberalen, das in der Abstimmung auch in Gänze von der CDU mitgetragen wurde. SPD und ÜWO votierten uneinheitlich, die Grünen geschlossen dagegen. „Die Stadt Oberzent lehnt es … ab, dass auf Flächen im Stadtgebiet Windenergieanlagen errichtet werden“, lautete ein Punkt des Antrags, den der Gammelsbacher bereits auf einer Infoveranstaltung in Rothenberg skizziert hatte.

Auch der zweite Teil des FDP-Ansinnens fand eine Mehrheit. Darin wird festgehalten, dass Oberzent auf stadteigenen Grundstücken „weder selbst Windenergieanlagen errichten noch Dritten auf diesen die Anlagenerrichtung gestatten wird“. Soweit es der Kommune rechtlich möglich ist, wird sie die städtischen Grundstücke auch nicht für Zwecke der Zuwegung, der Lagerung, der Aufstellung von Kränen oder ähnlichem zur Verfügung stellen.

Leutz brachte es aus seiner Sicht auf den Punkt: Für den Windkraftausbau in Gestalt der Natur „das zu zerstören, was es eigentlich zu schützen gilt, ist im Sinne der FDP grundsätzlich falsch“. Mit dem Antrag sorgten die Freien Demokraten für sicherlich eine der bestbesuchten Stadtverordnetenversammlungen in jüngster Zeit. Alle vorhandenen Stühle der Alten Turnhalle waren belegt, vor allem durch Mitglieder der Rothenberger BI „Pro Natur“. Diese verfolgten die Diskussion interessiert.

„Die Stadt verkennt nicht die hohe Bedeutung, die dem Schutz des Klimas in der heutigen Zeit zukommt“, formulierte der FDP-Mann. Sie sei auch zu weiteren Anstrengungen auf diesem Feld bereit. Die Errichtung von Windenergieanlagen im Wald ist laut Leutz aber „mit derart gewichtigen Nachteilen verbunden“, dass sie abgelehnt wird. Arten- und Denkmalschutz sowie Orts- und Landschaftsbild bezeichnete der Fraktionssprecher neben der Gesundheitsgefährdung als wesentliche Punkte.

„Wir dürfen die Umweltgüter nutzen“, meinte Leutz Allerdings nur so, „dass sie für künftige Generationen erhalten bleiben und auch von diesen genutzt werden können“. Die Abwägung geht seiner Meinung nach „eindeutig zulasten der Windenergie aus“. Denn ihr Schaden für die Umwelt sei groß. Einen Nutzen für die Begrenzung der Erderwärmung und der durch sie befürchteten Umweltschäden habe sie nicht, so seine Meinung. Er sah – zumindest unter den Rahmenbedingungen des europäischen Emissionshandelssystems – die staatliche Förderung als verfassungswidrig an.

Dem FDP-Fraktionssprecher zufolge erbringt Windkraft derzeit lediglich vier Prozent Primärenergieertrag. Damit müssten zu den bestehenden 30.000 Anlagen „weitere hunderttausende“ folgen, um den Bedarf zu decken. Aber selbst dann könne man nicht gänzlich auf herkömmliche Kraftwerke verzichten, da nicht immer Wind wehe. „Schon gar nicht im Schwachwindgebiet Odenwald.“

Es entwickelte sich in der Folge eine rege Diskussion, vor allem zwischen FDP und Grünen. Hier standen die von den Freien Demokraten angeführten Aussagen des Staatsrechtlers Prof. Dietrich Murswiek von der Uni Freiburg und des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Hans Werner Sinn vom IFO-Institut München im Mittelpunkt.

Als sich der Meinungsaustausch peu à peu hochschaukelte, griff irgendwann Vorsteher Claus Weyrauch ein. Auf dessen Anregung hin sollen die Ausführungen der Fraktionen als Protokoll den Waldbesitzern auf der Hirschhorner Höher zur Verfügung gestellt werden. Denn an diese richtet sich schon seit Bekanntwerden der Betreiber-Pläne der Appell der Windkraft-Gegner, ihre Flächen nicht für Windkraft zur Verfügung zu stellen.

Alle sind sich beim Runden Tisch einig: Der Verbindungsweg zwischen Brombach und Heddesbach ist unverzichtbar

Die Bürgerinitiative (BI) für die Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße zwischen dem Eberbacher Stadtteil und der kleinen Odenwald-Gemeinde sieht Licht am Ende des Tunnels. Nach einem prominent besetzten Runden Tisch waren sich alle Beteiligten einig, dass die Strecke unverzichtbar sei und wieder instandgesetzt werden müsste. Offen bleibt allerdings noch der Weg dahin, da die Kosten eine gewichtige Rolle spielen.

„Das Ergebnis bringt uns um vieles weiter“, betonte BI-Schriftführer Raphael Seib. Die jetzt erfolgte Vernetzung in alle Ebenen der Politik sei sehr wichtig. Da nun die Anliegen der BI an die entsprechenden Entscheidungsträger transportiert würden, „gibt uns das richtig Kraft und Unterstützung“. Ähnlich äußerte sich BI-Sprecher Matthias Heinzmann, der für die tatkräftige Mitwirkung dankte.

Das Teilnehmerfeld vereinte sowohl Parteienvertreter als auch die Bürgermeister von Eberbach und Heddesbach, Peter Reichert und Hermann Roth, dazu Werner Fischer vom Gemeindeverwaltungsverband Schönau und den Chef der Eberbacher Polizei, Erich Lindenthal. Mit Hermino Katzenstein (Grüne) und Albrecht Schütte (CDU) waren zwei Landtagsabgeordnete nach Brombach gekommen. Dazu noch einige Kreistagsmitglieder.

Vieles hängt von der für 2018 geplanten Sanierung der einzig verbliebenen Zufahrtsstraße nach Brombach auf hessischem Gebiet ab, wurde in der Diskussion deutlich. Denn diese kann durch Hessen Mobil nur unter Vollsperrung erfolgen. Dafür braucht die Straßenverkehrsbehörde aber eine Umleitung, die nach deren Schreiben an Heinzmann nur die jetzt gesperrte Straße sein könne. Deshalb erhofft man sich einen Fortschritt, wenn die Sanierungsplanungen vorliegen.

Der Vorschlag der Kreis-FDP, Klimaschutzmittel für die Straßensanierung zu verwenden, wurde in der Runde kritisch betrachtet. Kreisvorsitzender Alexander Kohl bekräftigte aber nochmals diese Position, die die FDP als Antrag für den Haushalt 2017 einbringen möchte. Der CDU-Vorsitzende im Rhein-Neckar-Kreistag, Bruno Sauerzapf, vertrat die Meinung, dass für die Straße Gelder aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz fließen müssten.

Sollte Hessen Mobil mit der Sanierung der K35 beginne, ziehe der Rhein-Neckar-Kreis auch mit, meinte er. Eberbachs Bauamtsleiter Steffen Koch erwartet zu diesem Zeitpunkt feste Kostenschätzungen. Albrecht Schütte äußerte sich zuversichtlich, die Verbindungsstraße in einer konzertierten Aktion wieder herstellen zu können. Er war der Meinung, dass die Strecke durch Mittel aus dem Gemeindeausgleichsstock förderfähig sei.

Die Frage nach den Folgekosten war von Fischer aufgeworfen worden. Hier meinte Katzenstein, dass diese möglicherweise vom Kreis getragen werden könnten. Der Grünen-Politiker äußerte sein Unverständnis, dass vom Landratsamt niemand zu diesem Termin erschienen war. Die an den Landtag gerichtete Petition wurde von ihm, selbst im entsprechenden Ausschuss aktiv, sehr gelobt. In der Diskussion ist die Bildung eines Arbeitskreises, um aktuelle Vorhaben besprechen zu können. Schütte und Katzenstein erklärten sich bereit, im Sinne der BI bei den entsprechenden Behörden zu agieren.

Im Vorfeld der Beratungen hatte Heinzmann den Teilnehmern die Vorgeschichte erläutert. Die 1963 gebaute Straße war Anfang des Jahres entwidmet worden, weil sie in sehr schlechtem Zustand und nur mit hohen Kosten zu sanieren war. Die Gemeinde Heddesbach, auf deren Gemarkung knapp 90 Prozent der Fläche liegen, sieht sich außerstande, die Gelder aufzubringen. Die Sperrung bedeutet für die Brombacher einen Umweg von etwa zehn Kilometern über Hirschhorn, wenn sie jetzt Richtung Westen wollen. Aktuell sind die Widersprüche gegen die Sperrung beim Landratsamt in Bearbeitung.

667 Unterschriften für den Erhalt der Gemeindeverbindungsstraße Brombach-Heddesbach gehen an den Petitionsausschuss

Für ihre Gemeindeverbindungsstraße nach Heddesbach gehen die Brombacher auf die Barrikaden. Die vor einem Monat gegründete Bürgerinitiative (BI), die sich den Erhalt der Verbindung Richtung Westen zum Ziel gesetzt hat, trommelte in den vergangenen vier Wochen kräftig. Mit Erfolg: 667 Unterschriften pro Reaktivierung wurden in dieser Zeit in der gesamten Region gesammelt. Sie sind nun aus dem Eberbacher Stadtteil auf dem Weg Richtung Stuttgart und Wiesbaden, mit Ziel Petitionsausschuss von Baden-Württemberg und Hessen.

Denn das benachbarte Bundesland ist auch mit im Boot, machte BI-Sprecher Matthias Heinzmann bei einem Treffen deutlich: Die einzig noch verbliebene Zufahrt von Hirschhorn und Brombacher Wasser kommend liegt im unteren Teil auf hessischer Gemarkung. Sie ist in einem so schlechten Zustand, dass schon seit einiger Zeit Überlegungen für eine Sanierung laufen. Nur: Durch die Schließung der Straße nach Heddesbach fehlt die Ausweichstrecke. Und deshalb möchte die BI die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil mit ins Boot holen.

Wie Heinzmann erläuterte, habe er bei einer Wahlkampfveranstaltung vor kurzem in Eberbach den hessischen Innenminister Peter Beuth auf das Thema Gemeindeverbindungsstrecke und damit verbundene Themen angesprochen. Dieser erhalte nun eine Kopie des Schreibens an den Wiesbadener Petitionsausschuss. Beuth habe zugesagt, ein Auge auf die Thematik zu haben.

„Wir fordern eine Rücknahme der Entwicklung“, brachte der BI-Sprecher im Kreise seiner Kollegen die Wünsche auf den Punkt. Die Brombacher wollten keine Luxusstraße, sondern eine „Instandsetzung in Minimalstandard“. Er wies auf das neu aufgenommene Verfassungsziel in Baden-Württemberg hin, den ländlichen Raum zu fördern. „Davon ist mit Schließung der Straße aber nichts zu spüren.“

Neben dem Appell an die Politiker wollen die Brombacher auch die rechtlichen Wege ausschöpfen. Denn ihrer Meinung nach wurde über die Schließung der Straße nicht amtlich korrekt informiert. Ortsvorsteher Viktor Hartmann habe sich diesbezüglich bereits an Eberbachs Bürgermeister Peter Reichert gewandt. „Es fehlt die amtliche Bekanntmachung mit dreimonatiger Widerspruchsfrist“, argumentierte Helmut Schön. Diese wolle man in Anspruch nehmen, konkretisierte sich heraus.

Aus der Runde kam der Wunsch, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, um die verschiedenen Aspekte gründlich beleuchten zu können. „Wir wünschen uns Gespräche über die Finanzierung“, hieß es. Auch die Brombacher würden ihren Teil zu den Kosten beitragen. Gleichzeitig wurde die Erwartungshaltung geäußert, „dass sich Bürgermeister Reichert für uns stark macht“.

Natürlich ist den Brombachern bewusst „dass Reichert auf fremder Gemarkung kein Geld ausgeben darf“ – 90 Prozent der Strecke liegen auf Heddesbacher Gebiet. Jedoch wünschen die Ortsbürger mehr Engagement von der Eberbacher Verwaltung zu ihren Gunsten. Sie haben das Gefühl, nicht nur verkehrstechnisch „abgehängt zu sein“.

Denn schließlich, so die Argumentation, kosteten auch alle anderen Maßnahmen Geld: der Rückbau der Gemeindeverbindungsstraße, die Sanierung der verbliebenen Zufahrtsstrecke sowohl auf hessischer als auch auf badischer Gemarkung sowie die Herrichtung einer Alternativroute. Mit etwas gutem Willen, so die 112 Köpfe zählende Bürgerinitiative, müsste sich doch eine Lösung finden lassen, die allen Belangen Rechnung trage.

Hintergrund:

Die seit den 60er Jahren bestehende Gemeindeverbindungsstraße zwischen dem Eberbacher Stadtteil Brombach und Heddesbach war in einem immer schlechteren Zustand, zum Schluss von Schlaglöchern übersät und praktisch nicht mehr nutzbar. Eine Sanierung würde 600.000 Euro kosten, ergaben Berechnungen – die man in Brombach anzweifelt. Da Heddesbach dieses Geld nicht hat und auch sonst niemand einspringen wollte, beantragte die Nachbargemeinde Ende des vergangenen Jahres die „Entwidmung“ beim zuständigen Gemeindeverwaltungsverband Schönau. Dieser kam im Januar dem Wunsch nach. Nach der etatmäßigen „Wintersperrung“ bis Ende Februar wurde die Straße nicht mehr geöffnet und ein Durchfahrtsverbotsschild angebracht. Für die Brombacher bedeutet dies nun einen Umweg von zehn Kilometern, um Richtung Heddesbach, Heiligkreuzsteinach oder Wald-Michelbach zu kommen.

Brombacher Bürgerinitiative will sich für Erhalt der Gemeindeverbindungsstraße nach Heddesbach einsetzen

Ein kleines Odenwald-Dorf macht mobil: Der Eberbacher Stadtteil Brombach will sich nicht von der Außenwelt abhängen lassen. Um die bereits seit Ende 2015 geschlossene Gemeindeverbindungsstraße nach Heddesbach zu retten, hat sich nun eine Bürgerinitiative (BI) in dem 350-Seelen-Ort gegründet. Eine Petition an den baden-württembergischen Landtag unterzeichneten aus dem Stand weit über 100 Personen. Weitere sollen durch Auslegen der Liste noch folgen.

Worum geht es? Die etwa vier Kilometer lange, mit Schlaglöchern übersäte Rumpelstrecke über den Berg zur Landesstraße 3105 zwischen Hirschhorn und Wald-Michelbach war bei Heddesbach auf Antrag dieser Gemeinde vom zuständigen Gemeindeverwaltungsverband Schönau „entwidmet“ worden. Sprich: Sie darf vom normalen Verkehr nicht mehr genutzt werden, sondern maximal noch für land- und forstwirtschaftliche Zwecke.

Die Gemeinde Heddesbach hatte diesen Schritt Ende des vergangenen Jahres mit den exorbitanten Sanierungskosten begründet. Denn 90 Prozent der Straße liegen auf ihrer Gemarkung, für die anderen zehn Prozent ist Eberbach zuständig. Von 600.000 bis 750.000 Euro war nach einer Verkehrsschau die Rede, um die Straße wieder verkehrssicher zu machen. Geld, das keiner hat und keiner aufbringen will. Auch der Rhein-Neckar-Kreis winkte dankend ab, als er nach einer Hochstufung zur Kreisstraße gefragt worden war.

Die Brombacher bringt das auf die Palme. Denn für sie – und nicht nur für sie – ist der schmale asphaltierte Weg eine „Hauptschlagader“ Richtung Westen. Auch aus dem Odenwaldkreis, auch Ober-Hainbrunn oder Kortelshütte, wird die Straße gerne genutzt, um im Berufsverkehr dem Stau auf der Neckartal-Bundesstraße durch Heidelberg zu entgehen und so in annehmbarer Zeit an die Bergstraße zu gelangen.

„Exakt 9,9 Kilometer“ beträgt laut Raphael Seib der Umweg durch die Straßensperrung, um an dieselbe Stelle bei Heddesbach zu gelangen. Seib ist Schriftführer der neu gegründeten BI. Als deren Sprecher fungiert Matthias Heinzmann. Im Vorfeld der Sitzung gab es eine Umfrage in Brombach, um den Bedarf zu dokumentieren. Über 100 Fragebogen kamen zurück. Anhand derer wurde laut Seib deutlich, dass viele Fahrten mit beruflichen Hintergrund erfolgten – weil die Bürger nach Heiligkreuzsteinach, an die Bergstraße oder in den Überwald wollten.

„Brombach ist von der westlichen Region getrennt“, brachte es Helmut Schön auf den Punkt, auch er einer der treibenden Kräfte hinter BI-Gründung und Petition. Zuvor hatte Ortsvorsteher Victor Hartmann die vielen Gäste begrüßt. Die Möglichkeit der Einkäufe sei nun mit einem Zehn-Kilometer-Umweg behaftet, beklagte Schön. Gerade Bäcker und Metzger sowie ein Landwirtschaftsgeschäft in Schönmattenwag wurden bisher von den Brombachern stark frequentiert – hier seien nun Umsatzeinbußen für diese Geschäfte zu befürchten.

Schöns Worten zufolge befindet sich in Heddesbach die bisher nächstgelegene Tankstelle, zu der es nun zehn Kilometer zusätzlich sind. Supermärkte in Wald-Michelbach seien nur noch mit großen Umweg zu erreichen. „Die einzig verbliebene Gaststätte in Brombach ist existentiell bedroht“, warnte Schön mit Blick auf den „Stern“, in dessen Räumen die Versammlung stattfand.

Er hob daneben die vielfältigen Verflechtungen zwischen Brombach und Heddesbach hervor. Es gebe eine gemeinsame Forstbetriebsgemeinschaft, der Vorstand des Heddesbacher Tennisclubs komme aus Brombach, auch Bienenzüchter und Bläserchor setzten sich aus Mitgliedern von beiden Orten zusammen. Zusammen mit Heiligkreuzsteinach würden die drei Orte von einem Pfarrer betreut. All diese müssten nun jeden Tag einen Zehn-Kilometer-Umweg fahren.

Ein weiteres wichtiges Argument sprach Helmut Schön daneben an. Die einzig verbliebene Zufahrtsstrecke, die K35 vom Brombacher Wasser (aus Hirschhorn kommend) her, sei ebenfalls in sehr schlechtem Zustand. Zum einen stellte er als Frage in den Raum, was passiere, wenn diese aus unvorhergesehenen Umständen gesperrt werden müsse (Unfall, Reparaturen, umgestürzter Baum) – im Notfall wäre der Ort über Land nicht mehr zu erreichen.

Zum anderen, und aus Sicht Schöns gravierender, sei in absehbarer Zeit die Sanierung dieser Holperstrecke auf hessischer Gemarkung geplant. Das funktioniere wegen der Enge aber nur unter Vollsperrung. Eine Ausweichmöglichkeit gebe es nicht mehr. Als vorübergehende Alternative einen Waldweg aufzurüsten, der dazu noch durch ein Naturschutzgebiet führe, hält er für Blödsinn. „Die dafür erforderlichen Mittel könnten in die Verbindungsstraße investiert werden“, forderte Schön.

Hier hakte auch Seib ein: Man wolle keine Luxusstraße nach Heddesbach. „Sie soll lediglich befahrbar sein.“ Er könnte sich gut vorstellen, dass von den Brombacher Bürgern hierzu auch Eigenleistungen im Rahmen des (gesetzlich) Möglichen erbracht würden. Seib verwies darauf, dass die Straße zwischen Heddesbach und Heiligkreuzsteinach auch nicht diesen hohen Ausbaustandard habe, der nun für eine Sanierung der gesperrten Strecke gelten solle. Man wolle einen minimalen, verkehrssicheren Standard, um die Strecke wieder nutzen zu können, betonte er.

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Geplanter Windpark Greiner Eck: Vereinbarung zur Nachrüstung von Trinkwasseranlagen mit Betreiberfirma abgeschlossen

Dass unter dem Bau der Windenergieanlage (WEA) auf dem Greiner Eck die Trinkwasserqualität in den angrenzenden Gemeinden leiden könnte, war bei den Anliegern schon länger thematisiert worden. In Hirschhorn ist das Thema sogar ins Protokoll des Akteneinsichtsausschusses eingeflossen, weil Unklarheiten über die Beteiligung der Stadt an der Konzept-Werdung herrschten. Eine Bekanntgabe auf der Neckarsteinacher Stadtverordnetenversammlung schuf nun etwas mehr Klarheit.

Bürgermeister Herold Pfeifer sagte, dass die Stadt mit der Windpark Greiner Eck GmbH eine Vereinbarung zur Nachrüstung von Trinkwasseranlagen getroffen habe. Der Magistrat stimmte dem vor kurzem einstimmig zu. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens der WEA regte Neckarsteinach laut Pfeifer damals an, dass das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) die Gefährdung der städtischen Quellen beurteilen solle.

Das HLUG war der Meinung, berichtete der Bürgermeister, dass im Zeitraum der Bauphase die Gefahr einer Wasser-Eintrübung der Viehgrundquellen nicht ausgeschlossen werden könne. Dieses Quellwasser wird Pfeifer zufolge zum Hochbehälter Heuwegskopf gepumpt und sei die einzige Wasserversorgung für Darsberg und Grein.

Aufgrund der Einschätzung des HLUG habe das Planungsbüro 3P ein Konzept zur Sicherung der Wassergewinnungsanlagen erstellt. Dieses sei Grundlage für die „Vereinbarung zur Nachrüstung von Trinkwassergewinnungsanlagen“. Sie sehe vor, dass die Windpark GmbH eine Filteranlage zur Verhinderung der Eintrübung des Quellwassers sowie eine Sonde zur Trübungsmessung und einen E-Schieber zur automatischen Außerbetriebnahme der Quelle einbaut. Die Kosten übernimmt laut Pfeifer die Betreiber-Firma. Die Filteranlage gehe in das Eigentum der Stadt über. Die Nachfrage von Karl Neidig (CDU), ob eine solche Filteranlage auch in der Hirschhorner/Langenthaler Wasseraufbereitung eingebaut werde, bejahte Pfeifer.

Inzwischen pfeifen es die Bussarde von den Windrädern, dass die endgültige Genehmigung durch das Regierungspräsidium nur noch eine Frage der Zeit ist. Eigentlich hätte diese bereits zum 13. Januar erfolgen solle, aber eine noch ausstehende Genehmigung führte zur Fristverlängerung um drei Monate. Bei der Betreiberfirma hofft man auf baldige Nachricht, um noch vor Beginn der Vegetationsperiode im März mit den Rodungen beginnen zu können.

In den Startlöchern steht aber auch die Bürgerinitiative (BI) Greiner Eck. Diese steht diversen, von der Genehmigungsbehörde als unbedenklich erachteten Punkten kritisch gegenüber. Vor allem geht es um die Gefährdung mehrerer Tierarten. Auch sieht die BI die Einwände der Landesdenkmalamts mit Blick auf die Beeinträchtigung des Hirschhorner Stadtbildes nicht ausreichend gewürdigt. Moniert wird der „politische Wille“ der rot-grün dominierten Regionalversammlung in Frankfurt, die dem Windradausbau Priorität gegenüber anderen Kriterien einräume. Wie auch immer: Kommt die Genehmigung, soll laut BI die Klage folgen.

Bildmontage: Firma 3P Energieplan Viernheim

Windkraftgegner sehen sich im Aufwind

Den Windpark-Planern bläst aktuell der Wind ins Gesicht. Von Bürgerinitiativen im gesamten Odenwald werden inzwischen an den verschiedenen Standorten die prognostizierten Windgeschwindigkeiten und damit auch Renditeerwartungen stark in Zweifel gezogen. Die sogenannten Sodar-Messungen (Sound/Sonic Detecting And Ranging, ein akustisches indirektes Fernmessverfahren) seien viel zu ungenau, bemängeln sie.

In diese Kerbe schlägt auch die Bürgerinitiative (BI) Greiner Eck, die sich gegen den Windpark mit fünf Rotoren auf dem gleichnamigen Höhenzug zwischen Neckarsteinach, Hirschhorn, Heddesbach und Schönau-Altneudorf wendet. Sie rät den Grundstückseigentümern eindringlich, die Zeit bis zum möglichen Rodungsbeginn im Spätjahr zu nutzen, um sich mit Nachdruck für sogenannte „Mastmessungen“ einsetzen. Diese ergäben ein viel genaueres Bild der tatsächlichen Geschwindigkeit, da sie in der gleichen Höhe wie die der späteren Rotoren vorgenommen werde, schreiben Rainer Hofmann und Peter Weimar aus dem Vorstandsteam.

Laut TÜV Süd sei eine korrekte Windmessung mittels Messmast und idealerweise in Höhe der späteren Nabenhöhe der Windenergieanlage (WEA) durchzuführen, so die BI. Besonders bei Hügellandschaften und in Waldgebieten sei die Sodar-Messung nicht oder nur ergänzend geeignet, betonen Hofmann und Weimar. Dennoch sei sie am Greiner Eck zur Anwendung gekommen und habe eine Windhöffigkeit von bis zu sieben Metern/Sekunde ergeben – eigentlich ein sehr guter Wert.

„Jedoch beträgt die mittlere Jahreswindgeschwindigkeit am Greiner Eck in 140 Metern Höhe nur 5,4 Meter/Sekunde“, so die BI-Vertreter. Dies hätten Windprofilauswertungen, basierend auf Messdaten der letzten 20 Jahre, ergeben, teilt die Bürgerinitiative mit. Ein wirtschaftlicher Betrieb der Windkraftanlage sei damit nicht möglich, erklärt die BI unter Verweis auf die entsprechenden Berechnungsgrundlagen der Investoren.

Die Frage, ob nun der Wert der Planer oder der von der BI angegebene Jahresdurchschnittswert korrekt sei, „kann nur mit einer technisch gesicherten Mastmessung beantwortet werden“. Bürgerinitiativen aus Lautertal und Birkenau hätten diese an ihren Standorten durchgeführt. Dabei habe sich gezeigt, dass die vom Planungsbüro mittels Sodar ermittelten Windgeschwindigkeiten „bei weitem nicht erreicht wurden“. In Birkenau lag der BI zufolge die mittlere Windgeschwindigkeit mittels Mastmessung bei lediglich 3,7 m/s, in Lautertal mit Sodar bis 6,2 m/s, per Messmast 4,45 m/s. „Beide Projekte in Birkenau und Lautertal wurden übrigens daraufhin gestoppt“, heißt es.

Folgt man den Ausführungen der beiden BI-Vorstände, dann läuft es auch am Geisberg-Projekt auf Gemarkung Mossautal (Odenwaldkreis) nicht rund. Es wurde von derselben Planerfirma umgesetzt, die jetzt auch das Greiner Eck betreut. Sowohl die Stadt Erbach als auch die Gemeinde Mossautal lehnten demnach die von den Betreibern, den Stadtwerken Viernheim und Bad Vilbel, angebotene Beteiligung ab. Im Falle Mossautals mit der Begründung „unkalkulierbares Risiko“. Die fürs erste Jahr (2014) prognostizierten 25 Millionen Kilowattstunden wurden nur zu drei Viertel erreicht, was seitens der Betreiber auf die Anlauf- und Probephase zurückgeführt wurde, heißt es. Den gemeindlichen Gremien reichten diese Erklärungen aber nicht. Sie klinkten sich aus.

Speisen die Windenergieanlagen ausreichend Strom in das Netz ein, um aus den für 20 Jahre garantierten EEG-Subventionen die Finanzierungs- und Unterhaltskosten zu decken, hätten  die Grundstückseigentümer im laufenden Betrieb nichts zu befürchten, so die BI-Vertreter. Das Risiko der kommunalen bzw. privaten Haftung sei dann überschaubar, wenn in der Betriebsphase kein Insolvenzrisiko besteht. Vor dem Hintergrund der Messungen in Birkenau und Lautertal wie auch der Zahlen von der WEA Geisberg „raten wir dringend“ zu einer Mastmessung, teilt die BI mit. Noch sei Zeit, „die Wirtschaftlichkeit vom Planungsbüro gesichert nachweisen zu lassen“, meinen Hofmann und Weimar.

(Bild: Geisberg-Windpark Mossautal, Foto Joe Biermann)

Raue Luft über den Odenwaldhügeln

Der geplante Windpark am Greiner Eck zwischen Hirschhorn-Langenthal, Neckarsteinach-Grein, Schönau-Altneudorf und Heddesbach sorgt für stetige Diskussionen zwischen der Bürgerinitiative Greiner Eck (BI) und dem Ingenieurteam der Viernheimer Firma 3P Energieplan. Mit einem Schreiben wandte sich nun die BI an Magistrat und Stadtverordnete in Hirschhorn, um darin ihre aktuelle Sicht der Dinge kundzutun. Postwendend kam die Antwort von Planer Jürgen Simon von 3P.

Der BI-Vorsitzende Rainer Hofmann führt in seinem Schreiben aus, „dass die geplanten Windkraftanlagen am Greiner Eck einen Aufschub von einem Jahr erhalten haben“. Aufgrund von „signifikanten Unterschieden“ der vorliegenden artenschutzrechtlichen Gutachten (eines vom Antragsteller, eines von der BI) habe das Regierungspräsidium Darmstadt Nachforderungen an das Planungsbüro gestellt habe. Erst nach Vollständigkeit der Antragsunterlagen beginne das Genehmigungsverfahren, so Hofmann.

Planer Simon stellt dazu klar, dass die Genehmigungsanträge im November 2014 eingereicht worden seien. Ab diesem Zeitpunkt hätten die Behörden einen Monat Zeit für die Vollständigkeitsprüfung und drei Monate für das Genehmigungsverfahren. Im Zuge der Vollständigkeitsprüfung hätten sich Nachforderungen ergeben, mit denen man gerechnet habe. Deshalb sei eine Rodung des Baufeldes bis Ende Februar 2015 nicht realistisch gewesen, erläutert der Ingenieur. Die Verschiebung auf die nächste Rodungsperiode sei „nicht durch das von der BI vorgelegte Papier ausgelöst“ worden. Denn es erfülle „bei weitem nicht die an ein artenschutzrechtliches Gutachten gestellten Standards“.

Dass – wie von der BI angeführt – die mögliche Inbetriebnahme der Windkraftanlage somit erst im zweiten Quartal 2016 erfolgen soll, ist für Simon kein Widerspruch, sondern ergebe sich aus dem geänderten Zeitplan. „Es gibt hier keine Geheimnisse, deshalb gehen wir offen mit dem Thema Entwicklung des Windpark Greiner Eck um“, bekräftigt er.

Dass es in den entsprechenden Gutachten und in den Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange „besonders kritisch“ bewertete Punkte gebe, ist laut Simon nicht korrekt. Die BI hatte in ihrer Stellungnahme die Gefährdung von Grundwasserschutz und Wasserversorgung durch den Bau sowie von Seiten des Landesdenkmalamtes die Beeinträchtigung der mittelalterlichen Stadtansicht Hirschhorns durch die Windräder genannt.

„Eine Bewertung ist der inhaltlichen Prüfung vorbehalten“, führt Planer Simon aus. Es gebe wie genannt Nachforderungen von Unterlagen. Diese bezögen sich unter anderem auf die Themen Wasserversorgung und Denkmalschutz. In beiden Fällen seien die Stellungnahmen in Arbeit und würden den zuständigen Behörden kurzfristig nachgereicht.

Uneinigkeit herrscht auch in Bezug auf den Zeitpunkt von artenschutzrechtlichen Untersuchungen und deren Lärmemissionen: Hofmann schreibt hier, dass entgegen Aussagen auf der Bürgerversammlung doch solche parallel zur geräuschemittierenden Sodar-Windmessung durchgeführt worden seien.

Simon kontert, die maßgeblichen Vogel- und Fledermauskartierungen hätten 2013 stattgefunden. Die Sodar-Messung habe keine Auswirkungen auf das Verhalten von Fledermäusen. „Wenn sie es hätte, müsste keine Windenergieanlage zum Fledermausschutz abgestellt werden.“ Die Tiere könnten dann nämlich durch einfache Pfeifgeräusche ferngehalten werden. Der Erfinder einer solchen „Vergrämungsanlage“ wäre laut Jürgen Simon ein reicher Mann.         (Fotomontage: 3P)