Rothenberger Senioren ließen sich das selbst gebackene Brot von Günter Reinhard schmecken

Ein wohlschmeckendes Thema hatte der vergangene Rothenberger DRK-Seniorentreff. „Brot selbst backen“ hieß es mit Günter Reinhard aus Kortelshütte. Der, im ersten Beruf Bäcker, organisiert in Abständen von vier bis sechs Wochen einen Backtag mit einer Männergruppe bei sich zu Hause. Im Dr. Roland-Krauhs-Heim hielt er einen Vortrag zu diesem Thema. Dabei zeigte er zu Beginn Bilder von der Restaurierung seines alten Holzbackofens.

„Das Bäckerhandwerk habe ich von 1968 bis 1971 in der Bäckerei Lipp in Wald-Michelbach erlernt“, schilderte Reinhard seine beruflichen Anfänge. Dort eignete er sich auch theoretische Kenntnisse in der Konditorei an. Doch leider musste er nach neun Jahren das Bäckerhandwerk aufgeben, „da ich eine Mehlstauballergie bekommen habe“, bedauerte er. Reinhard wechselte dann in die Chemie und arbeitete 39 Jahre bei der Firma RP Scherer in Eberbach, „was ich bis heute noch nicht bereut habe“.

Das Backen gab der Kortelshütter aber nie wirklich auf. Denn er heiratete in das Haus Völker ein, wo es noch einen alten Backofen gab und noch gibt. Allerdings konnte man diesen in der Anfangszeit leider nicht mehr nutzen, weil es keinen Abzug mehr gab. In den Jahren 2005/2006 begann Günter Reinhard mit der Restaurierung des Backofens – „was mir auch gelungen ist“, sagt er stolz. Seit dieser Zeit finden die Brotbacktage mit einer geselligen Männerrunde statt. Das Ergebnis wird dann aufgeteilt.

Den Sauerteig (Grundsauer) setzt Reinhard selbst an, indem er etwa 100 Gramm Roggen-Vollkornmehl mit Wasser anrührt, einen Tag stehen lässt, am zweiten Tag wieder 100 Gramm Roggen-Vollkornmehl zur Mischung vom ersten Tag zugibt und anrührt. Das Ganze wird dann sechs bis acht Tage wiederholt, bis man eine schöne Blasenbildung sehen kann, erläuterte er.

Mit diesem Grundsauer wird der Sauerteig am Tag vor dem Brotbacken angesetzt. Am Backtag selbst werden vor der eigentlichen Brotteigherstellung etwa 400 Gramm Sauerteig entnommen und für den kommenden Backtag eingefroren. Da Reinhard jedes Mal etwa 26 Brote à zwei Pfund backt, „habe ich mir natürlich eine Teigmaschine zugelegt“, schmunzelt er.

In einer Bilderfolge zeigte Reinhard den DRK-Senioren, wie Brotteig hergestellt und anschließend im Holzbackofen, der zuvor mit Buchenholz angefeuert wurde, gebacken wird. Einige ältere Besucher erinnerten sich daran, dass sie früher auch einmal selbst Brot gebacken hatten. Erinnerungen wurden lebhaft ausgetauscht. Den Besuchern des Seniorentreffs wurde selbstgebackenes Brot serviert, das allen köstlich mundete.

Der DRK-Seniorentreff findet jeden ersten Donnerstag eines Monats im DRK-Heim Rothenberg statt. Hildegard Krauhs organisiert mit einem mittlerweile 22-köpfigen Helferteam die Nachmittage. Die Besucher verbringen gemütliche Stunden, bei denen viele bekannte Volkslieder gesungen werden. An den Nachmittagen werden Vorträge zu verschieden Themen gehalten.

Es gibt auch jahreszeitliche Feste (Neujahrsempfang, Faschingsfeier, Grillfest, Oktoberfest, Weihnachtsfeier). Die Preise für Getränke, Torten, Kuchen und Speisen sind im unteren Bereich angesetzt. Für Besucher, die auf einen Fahrzeug angewiesen sind und kein Beförderungsmittel zur Verfügung haben, ist ein Hol- und Bringdienst eingerichtet. Der Seniorentreff erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Zwischen 50 und 70 Senioren treffen sich jeden Monat.

Zutaten

Sauerteig: 4,5 Liter Wasser, 5 Kilo Roggen-Vollkornmehl und Grundsauer

Brotteig: 7 Liter Wasser, 10,6 Kilo Weizenmehl 1050, 1,5 Kilo Roggen-Vollkornmehl, 600 Gramm Salz, 400 Gramm Hefe

 

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Bewohner hatten beim Sommerfest im Haus Cordula viel Spaß

Groß ist immer die Vorfreude auf das Sommerfest in Haus Cordula. Bewohner der beiden Einrichtungen in Kortelshütte und Rothenberg, Angehörige, Betreuer und Freunde kommen dazu gerne im Innenhof des Azurit-Seniorenzentrums Haus Cordula I zusammen. Nach einer kurzen Begrüßung durch Hausleiter Jörg Wehrle gab es für die Besucher viele unterschiedliche Darbietungen. Die Partyband „Urig & Echt“ aus dem Odenwald sorgte während der Veranstaltung für die passende musikalische Stimmung.

Clown Seppelino unterhielt auf kreative und humorvolle Art die Anwesenden und sorgte mit dem einen oder anderen Späßchen dafür, dass herzhaft gelacht wurde. In der „Aromaecke“, betreut von Aromaexpertin Sabine Grünberg, konnten sich die Gäste bei einer wohltuenden Kopfmassage entspannen und in die Welt der angenehmen Düfte eintauchen. Bewohner und Gäste nutzten die Gelegenheit in angenehmer Runde beisammen zu sitzen und genossen sichtlich die familiäre Atmosphäre.

Der DRK-Ortsverein Rothenberg, vertreten durch Claudia Naas, Hildegard Krauhs und Anja Braner, freute sich an diesem Nachmittag besonders: Jörg Wehrle überreichte den drei Damen einen Spendenscheck in Höhe von 500 Euro für die ehrenamtliche Seniorenarbeit. Die Summe kam bei der letzten Spendenaktion, welche durch die beiden Seniorenzentren in Oberzent organisiert wurde, zusammen.

„Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, die Summe für die wertvolle, ehrenamtliche Seniorenarbeit zu spenden“, so Wehrle. „Unsere Bewohner freuen sich immer, wenn wir jeden ersten Donnerstag im Monat einen Ausflug zum beliebten Seniorentreff ins Rothenberger DRK-Heim unternehmen.“ Die glücklichen Gesichter der Gäste am Ende des Tages bestätigten die Verantwortlichen, dass es ein rundum gelungenes Fest war. Solche Veranstaltungen sorgen immer wieder für Abwechslung im Alltag und „fördern das Miteinander und den sozialen Austausch unserer Bewohner“, resümierte Wehrle.

Horst Schnur beim Seniorentreff: Wie es der Raubacher Jockel schaffte, am Rothenberger „Hirsch“ vorbeizugehen

Wenn Horst Schnur über den Raubacher Jockel erzählt, dann ist der ehemalige Landrat in seinem Element. In freier Rede schildert er lebendig die Ereignisse rund um das Odenwälder Original, dessen Geburtstag sich am 5. Mai zum 150. Mal jährte und dem Schnur zusammen mit Rolf Reutter ein 73-seitiges Büchlein widmete. Die älteren Mitbürger beim DRK-Seniorentreff sind für ihn auch genau die richtige Zielgruppe. Engagiert gehen sie bei den unterhaltsamen Erzählungen mit. Eine Seniorin kannte in jungen Jahren den Jockel sogar noch persönlich.

Da ist es kein Wunder, wenn sich ein angeregter Nachmittag entwickelt, von dem auch Schnur noch so einiges mitnimmt. Zum Beispiel, dass Unter- und nicht Ober-Schönmattenwag katholisch ist, wie er gleich bei einer Verwechslung korrigiert wurde. Oder dass der aktuelle Wirt vom „Hirsch“ Beisel und nicht Siefert heißt, wie er durch einen prompten Einwurf registrieren „muss“.

Denn über einen Besuch von Jakob Ihrig, wie er richtig hieß, im „Hirsch“ gibt es auch eine Geschichte, wie sie bis heute in der Gaststätte überliefert ist. Der damalige Wirt beobachtete nämlich erstaunt, wie der Jockel – sehr ungewöhnlich – erst einmal am Lokal vorbeilief. Dann doch noch rumdrehte und hineinkam. Darauf angesprochen, meinte Ihrig verschmitzt, ihm werde doch nachgesagt, er könne an keiner Gaststätte vorbeigehen. Nachdem er bewiesen habe, dass es ihm doch möglich sei, „kann ich jetzt wieder reinkommen“.

Schnur schilderte den Senioren auch die früheren, nicht einfachen Verhältnisse. 1774 sei das Gebiet in der Raubach von sieben armen Familien besiedelt worden. Die mussten im Gegenzug für den Erbacher Grafen Holz machen. „Die Leute hatten damals ihr liebe Müh und Not, die Familie durchzubringen“, sagte der Ex-Landrat. Was auch auf die Familie des Jockels zutraf.

Der Vater sei das zweite Mal verheiratet gewesen, die Mutter, aus Olfen stammend, hatte vor der Heirat fünf uneheliche Kinder (die alle früh starben) von fünf verschiedenen Männern. Was Schnur zu der Aussage führte: „Die Verhältnisse waren nicht nur arm, sondern auch versoffen.“ Die Mutter konnte weder lesen noch schreiben. Die Schule in der Raubach wurde laut dem Referenten erst 1868, zwei Jahre nach Jockels Geburt, gebaut. Aber wie. Das ist auch wieder eine Story wert.

Denn in diesem Jahr kam die Zarin von Russland in den Odenwald. Dem Raunen aus dem Publikum folgte gleich die Erläuterung: „Die Zarin war ein echtes Darmstädter Mädsche“, das nach Russland eingeheiratet hatte. Von der Armut in der Raubach betroffen, steuerte sie 100 Gulden für den Schulhaus-Bau bei. „Der Jockel muss in die Schule gegangen sein“, meinte Schnur. Wenn er dorthin geschickt wurde. Und die Häufigkeit stand auch auf einem anderen Blatt.

„Die Landwirtschaft hatte Vorrang vor dem Lernen“, waren die Prioritäten damals klar verteilt. „Wir wissen nicht, wie oft er gefehlt hat“, machte Schnur deutlich. Aber der Jakob Ihrig sei ein schlauer Kerl gewesen, der es heute sicher zu was gebracht hätte. Damals aber folgte er dem Vater im Beruf nach. Er arbeitete als Tagelöhner, Holzkohlebrenner, Gemeindediener oder Totengräber.

Die Musik, meinte der ehemalige Landrat auf Nachfrage, habe sich der Jockel wohl selbst angeeignet und nicht in der Schule gelernt. „Die Lehrer haben lieber auf die Finger gekloppt als zu zeigen, wie man damit Musik machte.“ Bei Lehrer Reutter in Finkenbach aber lieh sich Jako Ihrig immer eine Ziehharmonika, wenn er seine gerade wieder als Pfand in der Gastwirtschaft für die Schulden zurückgelassen hatte.

Eine enge Verbindung des Jockels gab es laut Schnur nach Olfen. Nicht nur, dass er mütterlicherseits dort viel Verwandtschaft hatte, auch seine Mitmusiker kamen von dort. „Die trafen sich dann auf den Festen der Region zum Musizieren“, erläuterte der selbst in Olfen wohnende. Aus dieser Zeit rühre auch der immer größer werdende Bekanntheitsgrad des Jockels.

Schnur stellte daneben die große Geschicklichkeit des Raubachers beim Uhren reparieren heraus. Die am Hirschhorner Bahnhof oder an der Kirche in Güttersbach habe er wieder instand gesetzt. Aus der Zeit als Totengräber bis 1923 rühre auch eine Anekdote mit dem Arzt Bernhard Keysser aus Beerfelden, dem Großvater von Raimund Keysser. Der habe den Jockel auf dem Friedhof als „Versenkungsrat“ begrüßt, worauf dieser mit „Guten Tag, Herr Lieferant“ konterte.

 

Der DRK-Seniorentreff im Gebäude neben Feuerwehr und Sporthalle hat sich in den zwei Jahren seines Bestehens zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt, sagt Hildegard Krauhs. „Er wird ehr gut angenommen.“. Krauhs kümmert sich schon seit Beginn zusammen mit einem etwa 15-köpfigen Helferteam aus allen Ortsteilen um die Organisation. Jeden ersten Donnerstag im Monat gibt es Referate zu verschiedenen Themen, aber auch jahreszeitlich gestaltete Feiern. Für die älteren Mitbürger gibt es darüber hinaus einen Hol- und Bringdienst.

„Unser Treff hat sich herumgesprochen“, freut sich Krauhs. Inzwischen verzeichne man sogar Teilnehmer aus Beerfelden. Zwischen 50 und 60 Senioren kommen so bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen immer zusammen, um sich unterhalten zu lassen, viele Gespräche mit Bekannten zu führen oder in den Erinnerungen zu schwelgen. Dabei werden auch örtliche Institutionen und Gruppen wie Kindergarten und Schule für die Adventsfeier oder die Jugendkantorei für den Neujahrsempfang mit einbezogen. Aber ebenso ist die Fastnachtsgruppe mit im Boot.

Die sangesfreudigen Senioren haben zwischenzeitlich selbst ein Liederbuch erstellt, weil sie gerne die alten Stücke erklingen lassen. Daneben werden auch eigene Beiträge und Gedichte vorgetragen. Die Reihen füllen sich immer schon vor der Zeit, „damit alle ihre üblichen Plätze ergattern“, schmunzelt Krauhs.

Info: Der nächste DRK-Seniorentreff am Donnerstag, 6. Oktober, 15 Uhr, im DRK-Heim dreht sich um die in Beerfelden verlegten Stolpersteine zum Gedenken an die von den Nazis ermordeten Juden. Dazu spricht der neue Leiter der Oberzent-Schule, der Finkenbacher Bernd Siefert. Auf seine Initiative geht die dortige Aktion zurück.