Das volle Brett nach ruhigen Tagen

Die ruhigen Tage waren lang genug, Zeit für den „X-Mas-Rock“ im Mannheimer 7er Club. Gleich drei Mal ging’s im ausverkauften Club mit Coverbands allererster Sahne heftig zur Sache. Den Auftakt machten die italienischen Manowar-Verehrer von „Sons of Odin“. Ganz schwer danach die Entscheidung, wer eigentlich an diesem Abend der Headliner sein sollte. Denn sowohl „Ozzyfied“ mit der Hommage an den „Prince of Darkness“, Ozzy Osbourne, als auch die „Dutch Disciples“ mit ihrem Kniefall vor Ronnie James Dio waren würdige Interpreten ihrer Vorbilder.

Bräuchte der ehemalige Black-Sabbath-Frontmann einen Klon, damit er im kommenden Jahr seine Deutschland-Tour nicht zum dritten Mal verschieben muss, Henning Wanner wäre ein sehr würdiger Ersatz. Er sieht (besser) aus wie der junge Ozzy, klingt wie er, hat Gestik und Sprache perfekt drauf. Dazu noch die verschiedenen Kostüme als schwarzer Zauberer in „Mr. Crowley“ oder im Fledermaus-Fummel zum Schluss bei „Paranoid“: Wanner zelebriert seinen Prinz der Düsternis in jedem Song mit jeder Faser.

Andreas Rippelmeier vereint gleich drei großartige Gitarristen in den verschiedenen Stücken. Der früh verstorbene Rhandy Roads, der ehemalige und jetzt wieder zurückgekehrte Saitenhexer Zakk Wylde und Jake E. Lee machten Ozzys Solo-Band so unverwechselbar. Rippelmeier nimmt sich ausführlich Zeit für eine große Würdigung mit fettem Brett und vollem Sound.

„Crazy“, „No More Tears“ oder das mainstreamtaugliche „Shot in the Dark“: Der 71-Jährige hat in seiner Zeit nach Black Sabbath etliche Hits geliefert und eindrucksvoll gezeigt, dass er auch ohne Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward ein begnadeter Musiker ist. „Bark at the Moon“ lässt die Meute losheulen, bei „Dreamer“ gehen alle Handyfeuerzeuge hoch. Selbst harte Rocker bekommen feuchte Augen. Tom Busch alias Bassist Bob Daisley und Bernie Simon, der den verschiedenen Drummern Statur gibt, runden das Soundbild ab.

Eine Band, die einem der, wenn nicht dem bedeutendsten Rock- und Heavy-Metal-Sänger Tribut zollt? Sich mit Ronnie James Dio messen zu wollen, erfordert neben der nötigen Portion Selbstvertrauen auch eine phänomenale Stimme. John Cuijpers hat beides. Der niederländische Sänger von „Praying Mantis“ und „Ayreon“ hat sich mit diesem Projekt einen Traum verwirklicht. Seine Performance des 2010 gestorbenen Ausnahmekünstlers sorgt für offene Münder und begeisterte Fans. Die sind auf Wolke 7 gleich neben dem Idol.

Mit einer Riesenpower, einem unbeschreiblichen Volumen und viel Timbre in der Reibeisenstimme gibt Cuijpers dem Schaffen von Ronnie James Dio breiten Raum. Ob „Kill the King“ oder das epische „Stargazer“ von Rainbow, „Heaven and Hell“ aus dessen Zeit bei „Black Sabbath“ und natürlich etliche Songs seiner eigenen Band, schlicht „Dio“ betitelt: Mit Andre Borgman, Colly Franssen, Gert Nijboer und Luuk van Gerven zeichnet Cuijpers eindrucksvoll nach, wie der US-Amerikaner 40 Jahre lang die Szene prägte.

Mystische Texte, majestätische Songs, gnadenlose Power mit eingängigen Hooklines: Dio beeinflusste mit seiner Arbeit Generationen von Musikern. Gitarrist Vivian Campbell, der leider ebenfalls schon verstorbene Bassist Jimmy Bain aus Rainbow-Tagen und Schlagzeuger Vinnie Appice, mit dem Sänger zuvor bei Black Sabbath, bildeten damals so etwas wie den Kern der ersten vier stilprägenden Alben.

Wie ihre Wiedergänger „Holy Diver“, „The Last in Line“, aber auch „Dont talk to Strangers“ interpretieren, ist ganz große Musik-Kunst. Waren die Fans im gestopft vollen Club schon vorher gut drauf, so geht bei diesen Klassikern des Heavy-Metal einfach nur die Post ab. John Cuijpers ist voll drin, röhrt wie Dio in den besten Zeiten und spart nicht mit der „Mano cornuta“.

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