Drei Odenwälder Schafzüchter informierten am Reußenkreuz über sich und ihre Tiere

Paulina und Davina sind ganz vernarrt in Schafe. Schon seit einiger Zeit liegen die beiden siebenjährigen Zwillingsschwestern ihrer Mutter Katharina Lieb aus Steinbach in den Ohren, dass die Schafzüchterinnen werden wollen. Da passte es, dass drei Odenwälder Schafzüchter am Gasthaus „Reußenkreuz“ anzutreffen waren, um im Rahmen der Lammwochen über sicht, ihre Tiere und die Tierhaltung zu informieren. Katharina Lieb war beileibe nicht die einzige, die die Schafhalter mit Fragen löcherte. Den ganzen Tag über herrschte stetes Kommen und Gehen, wurden viele Infos ausgetauscht.

Udo Wüstenhagen aus Hetzbach hatte seine Texelschafe und Rhönlämmer mit auf die Höhe gebracht. „Und ein schwarzes Schaf“, lachte er. Peter Müller aus Erbach war mit Suffolks vertreten.  Harald Brandel aus Kailbach hatte zwei weißgehörnte Heidschnucken dabei. Alle drei sind sie Schafzüchter schon fast seit Kindesbeinen an. „Wir wollen Transparenz erzeugen“, erläuterte Wüstenhagen. Gezeigt werden soll, wo die Tiere herkommen, wie sie gehalten, aber auch, wie sie verarbeitet werden.

„Schafhalter betreiben Landschaftspflege“, betonte der 55-Jährige, der vor 40 Jahren die ersten Tiere bekam. Seine Texelschafe halten etwa das Gras an der Solaranlage in Beerfelden kurz, beweiden in der Stadt auch verschiedene Baugrundstücke oder sind auf Golfplatz und Streuobstwiesen in Hetzbach grasend aktiv. Der Hetzbacher hat 80 Muttertiere, davon 40 Texel in der reinrassigen Zucht (Herdbuch).

Während die Erwachsenen Wissen sammelten, waren die Kinder von den drei und fünf Wochen alten Lämmern begeistert. Jannis, der mit seiner Oma Hanni Emig aus Friedrichsdorf vorbeigekommen war, streichelte fleißig ein Lämmchen. Die Muttertiere gebären im Jahr maximal zwei Jungtiere, so Wüstenhagen. Die Lämmer der Texelschafe kommen immer sehr pünktlich im März/April auf die Welt, die Rhönschafe sind nicht so stark saisonal geprägt. Sie sind quasi für die früheren Osterlämmer zuständig. Im Schnitt werden die Tiere fünf Jahre alt, sagte er. Wenn die Muttertiere nicht gedeckt werden, könnten sie sogar 13 Jahre erreichen.

Fragen über Fragen gab es von den interessierten Passanten. So etwa, warum die Schur notwendig ist. „Die wird einmal im Jahr durchgeführt und ist eine Pflegemaßnahme“, so der Züchter. Weiter ging es um Pflege und Ernährung der Tiere. Auch ihr Einsatz kam zur Sprache. „Sie weiden Flächen ab, die für größere Tiere wie Rinder unzugänglich sind“, erläuterte der Fachmann. Auch mit Maschinen komme man dort nicht hin. „Wir wirken der Verbuschung des Odenwalds entgegen“, meinte Wüstenhagen.

Natürlich ist das Thema Wolf allgegenwärtig. „Null Toleranz“ ist das Motto der drei Züchter. Nach den Vorkommnissen im vergangenen November, als es im Fünf-Tages-Rhythmus drei Übergriffe gab, sind die Schafhalter auf der Hut. 90 Zentimeter hohe Weidezäune seien für den Räuber kein Hindernis, so Müller. Und wenn man die Wiesen großflächig und höher umzäune, sei das ebenfalls keine Lösung und mache die Landschaft kaputt.

„Wir sind alle im Nebenerwerb tätig, aus Liebe zur Natur“, hob Wüstenhagen hervor. Von der Zeit her „ist es aber eigentlich ein Hauptberuf“, schmunzelte er. Aber finanziell bleibe natürlich nicht viel hängen. Der Hetzbacher etwa arbeitet als kaufmännischer Angestellter bei Bosch-Rexroth und baute seine Herde selbst auf. Er hatte zuerst Hasen und Kaninchen, ehe dann als 15-Jähriger zwei Schafe dazukamen. Nach fünf zwischenzeitlichen Jahren Pause merkte er: „Es geht nicht ohne.“ Im Jahr 2000 war dann der Neustart.

Der 60-jährige Peter Müller nennt ungefähr 80 Suffolks sein Eigen. Streuobstwiesen, Feldwege, Auswuchsäcker und Bauernwiesen werden von diesen beweidet. Schon während der Schulzeit, vor 45 Jahren, begann er mit der Zucht. Harald Brandel (72), dessen Herde unter dem Wolf litt, kümmert sich mit seinen 30 Herdbuch-Tieren um Bahnböschungen und Streuostwiesen. Er ist seit 40 Jahren als Schäfer tätig. Die Idee kam über den Vater, der die „lebendigen Rasenmäher“ Heidschnucken ins Herz geschlossen hatte.

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Schwüles Gewitterwetter macht die Gäste auf dem Erbacher Mittelaltermarkt schlapp

Jungs spielen Ritter, Mädchen kleiden sich als Prinzessin: Auf einem Mittelaltermarkt werden die Kinderträume schlechthin wahr. Zum zweiten Mal gastierten „Heimdalls Erben“ aus Biebesheim mit ihrem Spektakel auf dem Wiesenmarkt-Gelände. Dieses Mal mit mehr Platz und mehr Ständen, aber weniger Besuchern. Die schwülheiße Gewitterluft am Wochenende schreckte scheinbar einige Ausflügler ab.

Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten – oder eher eine Annäherung an das, was man früher zu sich genommen haben könnte. Das Angebot war gegenüber dem vergangenen Jahr deutlich ausgeweitet worden, nachdem es 2017 teilweise schon gegen 17/18 Uhr „ausverkauft“ hieß.

Davon war man allerdings bei der zweiten Auflage weit entfernt. Veranstalter Holger Hörstkamp war mit dem Zuspruch am Samstag unzufrieden. Als es gegen Abend dann auch noch anfing zu platschen, war der Tag mehr oder weniger gelaufen. Der Sonntag entschädigte aber noch einmal mit deutlich mehr Besuchern bei den weit über 50 Marktständen und Lagergruppen.

Als „Prinzessinnen-Macher“ waren Doris Hensen und Günther Marks aus Limeshain mit ihrem mobilen Schmuckstand unterwegs. In Katharina Reeg fanden sie eine interessierte Kundin, die zwar nicht mehr im Mädchen-Alter war, die angebotenen Schmuckstücke aber zu schätzen wusste. Zuerst als Besucher von historischen Märkten unterwegs, starteten Hensen und Marks vergangenen Jahr in Büdingen ihre „Marktkarriere“ mit einer Standarte.

Für ihre selbst hergestellten Waren verwenden sie böhmisches Glas und allergiefreies Metall. Erst nur im Umkreis ihres Heimatorts unterwegs, „fragen uns die Veranstalter inzwischen schon an“, freut sich Marks. „Das ist etwas Ausgefallenes, was man sonst nicht findet“, bekommt er immer wieder zu hören. Auch trudeln immer mehr Aufträge für Kronen herein.

Ein „Dinosaurier“ auf den Mittelalter-Märkten ist Alexs Induashvili. Der Georgier ist inzwischen seit 22 Jahren mit der „Feldbeckerey“ unterwegs, bäckt Brot, belegte Fladen oder Rosinenbrötchen. Eigentlich ist der 57-Jährige ja Atomphysiker. Als er aus Tiflis nach Deutschland kam, wurde aber gerade keiner gebraucht, lacht er. Sechs Jahre später kam die Anfrage für eine Verpflichtung in den Schuldienst. Da hatte Alexs, wie ihn alle nur nennen, aber bereits die Luft der Freiheit auf den historischen Veranstaltungen geschnuppert.

Außerdem war er natürlich nicht mehr in der (Physik-)Materie drin, sodass er das Angebot ausschlug. Heute ist er deutschlandweit mit seinem auf historisch getrimmten Bäckerwagen und Feldofen unterwegs und schätzt das ungebundene Leben. Seine Heimat hat er in Wilgertshausen in der Pfalz gefunden. „Da habe ich meine absolute Ruhe“, lacht er. Mobilfunknetz gibt es erst wieder fünf Kilometer weiter.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt mit ihren 78 Jahren an der Kasse, Vater Hans betreibt trotz seiner 82 den Bratwurststand. Der 54-jährige Holger wiederum steigt bei der Reitershow aufs Pferd und gibt im ewigen Kampf Gut gegen Böse mit Lust den schwarzen Ritter. Ein festes Team von acht Personen schmeißt die komplette Veranstaltung.

Neben etlichen Verkaufsständen mit Fellen, Silberschmuck, Senf, Räucherwerk, Lederwaren, Met, Korbwaren, Fellen oder Gewürzen waren bei den Kindern vor allem die Mitmachangebote beliebt. Auch das Kamelreiten war ein Renner. Für die Erwachsenen gab es vielerlei Handarbeit zu bestaunen: so Lederarbeiten mit Metall, die Herstellung des eigenen Gürtels oder Schmuckkreationen nach eigenen Vorstellungen.

Patut der Gaukler vermochte Klein und Groß mit seinen Jonglage-Kunststücken zu bannen. Bei der Musik-Gruppe „Heidenlärm“ war natürlich der Name Programm. Die Spielleute „Maleficius“ kamen ganz klassisch mit Dudelsack, Gitarre und Nickelharpa rüber, während die Tribal Dance Tanzgruppe „Sharzad“ für orientalisches Flair sorgte. Chandra und Shanti waren für die tänzerischen und Feuer-Elemente zuständig.

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Posted by Thomas Wilken on Thursday, June 14, 2018

 

Dunkles Zeitalter als bunte Erlebniswelt: „Heimdalls Erben“ veranstalteten am Erbacher Wiesenmarktgelände ein „mittelalterliches Spektakel“

Faszination Mittelalter. Das eigentlich dunkle Zeitalter kommt heutzutage als bunte Erlebniswelt rüber, die nach wie vor das gemeine Volk zu begeistern vermag. Der Odenwald ist bis auf wenige Veranstaltungen in dieser Hinsicht noch „Terra incognita“. Auch in Erbach ist der letzte Versuch, einen historischen Markt am Wiesenmarkt-Gelände zu etablieren, schon zehn Jahre her. Wenn man das Beiwerk des Bauernmarkts mal außen vor lässt.

Beste Voraussetzungen also für „Heimdalls Erben“ aus Biebesheim, einen neuen Versuch zu wagen. Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher zwei Tage lang bei herrlichem Wetter bestens unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten – oder eher eine Annäherung an das, was man früher zu sich genommen haben könnte.

Veranstalter Holger Hörstkamp war mit dem Zuspruch bei der Auftaktveranstaltung recht zufrieden. Samstagnachmittag herrschte vor allem im Gastro-Bereich vor der Bühne immer ein stetes Kommen und Gehen, wenn sich auch die Reihen gegen Abend merklich lichteten. Der Sommer-Sonntag sorgte aber noch einmal für einen schönen Ansturm auf das Gelände mit seinen 50 Marktständen und Lagergruppen.

„Klein, aber fein“, nannte Hörstkamp den Erstling im Odenwald. In der Rheinebene veranstaltet er in der Regel um einiges größere Mittelaltermärkte. „Viel mehr Platz war eben nicht“, schmunzelte er mit Blick aufs Gelände. Nach Erbach kam der 53-Jährige Ende des vergangenen Jahres auch eher zufällig auf einen Tipp hin. Die Gespräche mit der Stadt verliefen gut, man war sich schnell einig und innerhalb von wenigen Monaten wurde der historische Markt aus dem Boden gestampft. Als Idee nimmt Hörstkamp mit, bei einer Wiederholung die Hallen mit einzubinden.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt an der Kasse, Vater Hans hilft trotz seiner 80 Jahre noch kräftig beim Aufbau mit und betreibt den Bratwurststand. Holger Hörstkamp wiederum steigt bei der Reitershow aufs Pferd und gibt im ewigen Kampf Gut gegen Böse mit Lust den schwarzen Ritter. Freundin Silke Müller schließlich zeigt als „Shanti“ orientalischen Bauchtanz.

Die Faszination für Hörstkamp ist es auch nach zwölf Jahren Veranstaltungsorganisation immer noch, „den Markt vom Papier in der Realität umzusetzen“. Manchmal sei es „wie ein großer Kindergarten, alle unter einen Hut zu bringen“, lacht er. Genehmigungen, Verträge, kurzfristige Absagen, Künstlerbuchungen, Absprachen vor Ort und vieles mehr sind aufwendig. „Es macht mir aber immer noch sehr viel Spaß“, betont er.

Tavaras heißt der Spielmann, der auf der Nyckelharpa für die eher ruhigen Töne sorgte. Rau, laut, derb dagegen die Spielleute von „Veytstanz“ auf der Bühne, deren Dudelsäcke schon eine ganz andere Durchdringung hatten. Allerlei mit Feuer hatte „Micha Feuerfresser“ in petto, der sich aber auch in vielfältiger Gaukelei versuchte. Orientalische Einflüsse brachte das Duo „Nojom At-Shary“ in die Veranstaltung ein.

Neben etlichen Verkaufsständen mit Fellen, Silberschmuck, Räucherwerk oder Gewürzen waren bei den Kindern vor allem die Mitmachangebote beliebt. Ob sie nun mit Erdfarben malen durften, sich im Bogen schießen versuchten, selbst Seife herstellten oder beim Schmied die eigenen Hufeisen formten: Immer bildete sich schnell eine Traube. Auch das Kamelreiten war ein Renner. Auch für die Erwachsenen gab es vielerlei Handarbeit zu bestaunen: so Lederarbeiten mit Metall, die Herstellung des eigenen Gürtels oder Schmuckkreationen nach eigenen Vorstellungen.

Großer Anziehungspunkt ist natürlich immer die Reitershow, wo Hörstkamp als schwarzer Ritter in schwarzer Metallrüstung bei den Temperaturen des Wochenendes heftig ins Schwitzen kam. Und dazu auch noch als Ger von Falkenstein immer der Böse sein musste, während sein Gegenpart Giso von Ebersbach die Lorbeeren als Retter der französischen Jungfrau einheimste.

Eigentlich hat Holger Hörstkamp ja einen ganz traditionellen Beruf gelernt. Er war früher als Kommissionierer in einem Lager tätig. „Irgendwann hatte ich keine Lust mehr“, erzählt er, schmiss hin, machte sich selbstständig und sattelte um auf Mittelalter. Ganz im Wortsinn: Denn seine ersten Sporen im Bereich „Living History“ verdiente er sich vor 15 Jahren auf der Ronneburg, wo er bei der dortigen Reitershow mitwirkte. Vor zwölf Jahren starteten dann die eigenen historischen Märkte rund um seinen Wohnort Biebesheim. Die zogen inzwischen Kreise bis nach Wiesbaden oder Losheim am See.

Daneben ist Hörstkamp mit seinen Reitershows aber weiterhin in ganz Deutschland und im angrenzenden Ausland präsent. Nicht nur im Bereich Mittelalter. Wikinger, Normannen, Hunnen: Viele Völker und Epochen werden abgedeckt. „In Holland haben wir auch schon einmal eine van-Helsing-Show gemacht“, schmunzelt er.

Info: Das nächste mittelalterliche Spektakel von „Heimdalls Erben“ findet am 6. und 7. Mai in Lampertheim nahe der Biedensand-Bäder statt. Öffnungszeiten: Samstag 11 bis 23 Uhr, Sonntag 11 bis 19 Uhr. Weitere Infos: http://www.heimdalls-erben.de

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80 Aussteller weckten beim Erbacher Bauernmarkt Lust auf regionale Produkte

Frisch gepresster Apfelsaft ist einfach der Renner. Bei Familie Michel aus Seeheim kommen die Mitarbeiter mit dem Pressen kaum noch nach, so schnell wird ihnen der leckere Trank aus den Händen gerissen. Die Besucher bringen beim 27. Erbacher Bauernmarkt oft schon selbst die Drei-Liter-Kanister mit – oder lassen sich erst einmal ein Glas munden. Doch das Apfelerzeugnis ist nur ein Produkt unter vielen, das die Odenwälder Direktvermarkter an diesem Wochenende ihren Kunden anbieten.

Und die kamen zuhauf – wie eigentlich immer. Das Wetter hat nur einen untergeordneten Einfluss auf den Andrang. Regionale, selbst hergestellte Produkte, bei denen der Verbraucher genau weiß, wo sie herkommen, wie sie verarbeitet werden und welchen Weg sie bis zum Verkauf haben, ziehen eben. Liane Heist, die Vorsitzende der Odenwälder Direktvermarkter, kann an diesem Tag ein Lied vom Interesse der Besucher singen. Mit ihrem Betrieb, dem Krumbacher Bauernlädle, ist sie natürlich auch in der Halle vertreten. Die Mitarbeiter sind nachmittags ziemlich „am Rödeln“.

Wie die anderen 80 Aussteller auch, die sich in diesem Jahr in den Messehallen und davor versammelt haben, um ihre Produkte anzubieten. Gerade im geschützten Innenbereich ist sonntags kaum noch ein Durchkommen. Da kann es draußen 25 Grad haben oder bei 15 weniger der Regen waagrecht fallen – es ist immer voll. „Die Resonanz war sehr gut“, meinte Heist. Und zwar gleich ab dem Start am Freitag. Das samstägliche Regenwetter konnte die Liebhaber der regionalen Waren nicht schrecken.

„Langsam, aber stetig“ gehen ihren Beobachtungen zufolge die Besucherzahlen nach oben. Wenn es dann natürlich wie im vergangenen Jahr ein herrliches Spätsommer-Wochenende gibt, dann kracht es so richtig. Aber auch dieses Mal gab es „sehr gute Rückmeldungen“, meinte die Vorsitzende. „Die Aussteller waren alle zufrieden“, hörte sie beispielsweise von Britta Kohlhage von der Molkerei Hüttenthal, der Schäferei Dingeldey oder der Bäckerei Knierim aus Erbach, die kurzfristig für einen Kollegen einsprang. „Toll, dass das geklappt hat“, freute sich Heist.

Überhaupt frischgebackenes Brot: Das ging weg wie warme Semmeln. Die Herstellung direkt vor Ort in den Holzöfen einer historischen „Zuckerbäckerei“ zog viele Schaulustige an. Vom herrlichen Duft ganz zu schweigen. Die Anbieter schätzen darüber hinaus die Möglichkeit, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. „Die Leute sind sehr interessiert“, meinte etwa Johannes Gehrig aus Litzelbach, der das erste Mal mit seinen „Odenwälder Feinen Bränden“, alle in der Brennerei auf dem eigenen Dreiseithof selbst hergestellt, dabei war.

Neben den Erzeugnissen aus Hof, Keller und Küche ist es auch immer wieder das Rahmenprogramm, das die Besucher anspricht. Etwa die Ausstellung von alten und neuen Landfahrzeugen, Traktoren und Dreschmaschinen, die Tierschau, die Vorführung der Rettungshundestaffel Bergstraße-Odenwald oder die der Berufsgenossenschaft mit ihrem Kranwagen. Anschaulich wurde dort gezeigt, wie sich durch einen Helm schlimmere Verletzungen vermeiden lassen, wenn einem ein Stück Holz auf den Kopf fällt.

„Wir wollen die hiesige Landwirtschaft und die Regionalität der Produkte den Verbrauchern nahe bringen“, verdeutlicht Liane Heist die Idee hinter dem Dauerbrenner Bauernmarkt. Außerdem gehe es auch darum, das Einkaufsverhalten der Bevölkerung zu ändern. Denn viele Lebensmittel würden über die Discounter zu günstig angeboten. Ein Blick ins dichte Gedränge machte deutlich, dass dieses Vorhaben zumindest am Wochenende aufgegangen ist. Fürs kommende Jahr überlege man, an einer langen Tafel die große Produktpalette aufzuschichten, um den Interessierten einen Überblick zu geben, sagte sie.

Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fisch und Fleisch: Es sind ja nicht nur 80 Aussteller, sondern eine Vielzahl an Produkten, die sie mitgebracht haben. „Die meisten fragen gleich nach Ende, ob sie wiederkommen können“, gibt es laut Heist eine große Zahl von Stammanbietern. Ein paar sind seit Anfang an dabei, als es zehn bis zwölf Stände gab und es nur eine Produktschau, noch kein Verkauf. Die Zahl 30 möchte die Vorsitzende gerne erreichen, allerdings machen ihren Worten nach immer neue Vorschriften und Auflagen den Direktvermarktern das Leben schwer. Ein bisschen mehr Unterstützung von entsprechender Seite könnte sie sich deshalb gut vorstellen.

Wie viele Besucher an den drei Tagen tatsächlich auf dem Platz sind, kann keiner wirklich zählen. Schätzungen gehen bis zu 20.000 Gäste, die beileibe nicht nur aus dem Odenwaldkreis kommen. „Heute war sogar jemand aus Österreich da“, berichtet Heist, die mit ihrem Vorstandsteam von sieben Leuten zum dritten Mal die Veranstaltung organisierte. Frankfurt, Mannheim, das Neckartal oder die Bergstraße sind fast schon normal als Herkunftsorte.

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Die Beat-Musik ist für die Odenwälder „Boombusters“ eine „Herzensangelegenheit“

Groß prangt hinter der Bühne das Banner „25 Jahre Boombusters“. Nur: „Das ist schon wieder sechs Jahre her“, grinst Bassist und Sänger Matthias Tolle. An der Spielfreude der Beat-Band haben die etlichen Jahre gemeinsamen Musizierens überhaupt nicht gekratzt. Wie die Jungspunde hüpfen zwei der drei über die Bühne, schneiden Grimassen, sind sich für keinen Scherz zu schade, zelebrieren ihre Musik geradezu. Neben „Tolle“, der seinen Nach- zum Spitznamen gemacht hat, sind noch Stefan „Stift“ Reinhard am Schlagzeug und Gitarrist/Sänger Frank „John Pepper“ Kabel am Start.

„Die Lust am Spielen hat in den ganzen Jahren nicht abgenommen“, versichert Tolle. Denn die Beatmusik „ist für uns eine Lebenseinstellung“. Durch die Gleichstellung aller Instrumente mit dem Gesang, witzige Texte und einem tanzbaren Rhythmus entstand in den 60ern eine völlig neue Musikrichtung: der Beat. Dem das Trio aus Erbach und Michelstadt in seiner härteren Gangart huldigt. Da rutscht dann mal ein „T.N.T.“ von AC/DC dazwischen, bei dem John Pepper gleichzeitig den Brian Johnson und Angus Young gibt. Und selbst die „normalen“ Stücke haben immer eine gehörige Portion mehr Pepp als die Originale.

Schwarze Anzüge und Westen, weiße Hemden, schwarze Krawatten und spitze Schuhe (natürlich schwarz) kennzeichnen die drei Musiker. „Seit 31 Jahren halten wir es jetzt miteinander aus“, meint Tolle mit Blick auf seinen Sandkastenfreund Frank Kabel. Und fügt lachend an: „Wir sind die besten Freunde.“ Um gleich einzuschränken: „Aber einen Schrank würde ich mit dem nicht zusammenschrauben.“ Schon in einer Schülerband machten beide zusammen Musik, gründeten 1985 „Curly Matthew and the Boombusters“. 1992, mit dem Einstieg von Drummer Stefan Reinhard, wurden daraus die „Boombusters“.

„Auch wenn wir zur Hoch-Zeit des Beat alle noch nicht auf der Welt waren“, ist diese Musikrichtung für alle drei „eine Herzensangelegenheit“, versichert Tolle. Denn der Rock’n‘Roll, Beat und Blues im Stil der frühen 60er Jahre, hart und schnell gespielt, mit einem kraftvollen Sound, „hat uns gepackt“, wie Matthias Tolle gesteht. Dem sie in ihrer Freizeit nachgehen, denn das Geld verdienen die drei in den sogenannten „bürgerlichen Berufen“. In all den Jahren sei es nie langweilig geworden, auch wenn man privat „alle Arten von Musik“ höre, versichert Reinhard.

Um die 25 Auftritte sind es immer noch, die die Band bestreitet. „Immer Sommer im ein paar mehr“, weiß Kabel. Egal vor welcher Publikumszahl. „Wir haben schon ein Konzert vor zehn Gästen gespielt“, erzählt Tolle. „Das war eines der besten überhaupt.“ Denn die Musiker fühlten sich dann herausgefordert, die wenigen Zuschauer besonders mitzureißen und trotzdem Stimmung zu machen.

Im „gesetzteren Alter“, mit der Familie zu Hause, hat sich der Aktionsradius gegenüber früher eingegrenzt. „Etwa 100 Kilometer rund um den Odenwald“ stehen die „Boombusters“ auf der Bühne. Nichts gegen die früheren deutschlandweiten Touren, bei denen die Band auf Festivals mit den ganz Großen der Szene in Berührung kam.

„Wir haben schon mit Lemmy von Motörhead ein Bier getrunken“, sagt Tolle stolz. Aber auch mit T-Rex, Manfred Mann’s Earth Band, Saxon oder Suzi Quattro stand die wohl dienstälteste Beat- und Rockband aus dem Odenwald schon auf der Bühne. Groß-Umstadt, Bienenmarkt Michelstadt oder Wiesenmarkt Erbach lauten die Tourdaten in „fortgeschrittenem Alter“.

In all der Zeit ist die Kreativität ungebrochen: „Jedes Jahr kommt immer mal wieder was Neues hinzu“, sagt Tolle. Inzwischen gibt es auch zwei CDs mit eigenen Stücken. „Die machen wir vor allem für uns.“ Dabei entstehen Songs mit deutschen Texten, größtenteils in hessischer Mundart. Wenn die Boombusters auf Tour sind, gibt’s vorwiegend die Eigeninterpretationen bekannter Klassiker sowie Raritäten der 50er und 60er Jahre zu hören.

Wie eben in Airlenbach auf Einladung der Dorfgemeinschaft. Da mische die Gruppen schon vergangenes Jahr das Sportlerheim auf. 50er-Jahre Schmalztollen-Rock’n’Roll“ und „Tanzkapellen-Beat“ sind out. Ein „dynamisch rasante Darbietung mit frechen Sprüchen“, wie die Band ihre Auftritte ankündigt, ist in. Zu hören gibt’s bekannte Klassiker (von „Johnny B. Goode“ über „Jailhouse Rock“ bis „A Hard Day‘s Night“), aber auch unbekanntere Stücke (von „Baby please don‘t go“ über „Wild Thing“ bis „Friday on my mind“). In Minimalbesetzung zaubern die „Boombusters“ maximalen Sound.

Das Ganze bei hohem Körper- und Grimasseneinsatz: Während Frank Kabel ein ums andere Mal seine Gesichtszüge gekonnt entgleisen lässt und den Clown gibt, ist Matthias Tolle der Springsinsfeld, der seinen Bass und sich durch die Luft wirbelt. Ruhender Pol hinterm Schlagzeug: Stefan Reinhard, bei dem sich außer den Schlagstöcken wenig bewegt und der das rege Treiben vor sich mit großer Abgeklärtheit betrachtet. Weitere Bilder gibt’s hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2016/03/14/die-beat-musik-ist-fuer-die-odenwaelder-boombusters-eine-herzensangelegenheit/

Info: http://www.boombusters.de

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Igelsbach: ein Dorf, zwei Länder

Der ganze Rummel um den PR-trächtig geäußerten Neckarsteinacher Wunsch, von Hessen nach Baden-Württemberg rübermachen zu wollen (RNZ v. 22.11., http://www.rnz.de/RegionNeckarsteinach/00_20141122060000_110790376-Neckarsteinach-will-lieber-badisch-sein.html, und viele folgende Artikel), verdeckt den Blick darauf, dass sich das „geteilte Dorf“ Igelsbach schon seit Jahrzehnten mit seiner teilweise Zugehörigkeit zu Eberbach (also Baden-Württemberg) und Hirschhorn (Hessen) herumschlägt. Würde – Hirschhorns Bürgermeister Rainer Sens ist ja ebenfalls einem Länderwechsel nicht abgeneigt – die „Perle des Neckartals“ zukünftig dem „Ländle“ angehören, dann könnte dies einige Erleichterungen im täglichen Leben für die Einwohner bedeuten.

Der kleinere Teil Igelsbachs, bewohnt von den Badenern, hat weniger Probleme mit der Ländergrenze quer durch den Ort. In ihm läuft alles ziemlich planmäßig. Außer vielleicht, dass ein Zipfel der (hessischen) Ortsstraße wieder zu Eberbach-Igelsbach gehört und die badische AVR-Müllabfuhr erst einmal eine Sightseeing-Tour durch Hessisch-Igelsbach macht, um dorthin zu kommen. Denn die Ortsstraße ist eine Sackgasse – einen direkten Weg aus Baden-Württemberg gibt es nicht. Vier Häuser gehören hier zu Eberbach.

Von den täglichen Besonderheiten, aber auch mitunter Ärgernissen, können die hessischen Igelsbacher ein Lied singen. Nicht nur, dass sie von der „Hauptstadt“ des Kreises Bergstraße, Heppenheim, am weitesten überhaupt von allen Kreisgemeinden entfernt sind. Eine Stunde Fahrzeit sind gang und gäbe. Nein, auch andere Ämter verteilen sich quer über den Odenwald. Das zuständige Arbeitsamt ist in Erbach, das entsprechende Jobcenter in Mörlenbach. Das Amtsgericht befindet sich Fürth. Allesamt Orte, die mit dem ÖPNV nur mühselig bis gar nicht erreicht werden können. Und mit dem Auto per Berg-und-Tal-Fahrt.

Dazu kommen ein paar „Kleinigkeiten“, die manchmal zum Schmunzeln führen, aber durchaus auch zu ärgerlichem Stirnrunzeln. Denn wer so brav ist, als Postadresse die korrekte Meldeadresse mit der Hirschhorner Postleitzahl anzugeben, wartet manchmal vergebens auf Pakete und Nachrichten. Gerade bei offiziellen (Behörden-)Briefen kann dies auch mal zu Fristversäumnissen führen. Denn Hirschhorn hat die PLZ 69434, Igelsbach als kompletter Ort die von Eberbach, 69412. Da liegen Welten dazwischen… Ist ja schließlich Ausland, dorthin wird Post nicht wirklich zugestellt.

Wehe aber, Sie machen als hessischer Igelsbacher den Fehler, bei den Behörden als Wohnort Igelsbach mit der PLZ 69412 anzugeben. Dann werden Sie, so schnell können Sie gar nicht schauen, ins badische Eberbach abgeschoben. Mitsamt dessen Zuständigkeiten und übergeordneten Ämtern. Widerrede zwecklos. Die Postleitzahl ist Gesetz. Obwohl die Meldeadresse aber die 69434 beinhaltet. Ihre Verwirrung ist jetzt groß? Sie wird noch größer. Als i-Tüpfelchen gäbe es dann noch die Telefonvorwahl. Denn die ist – Trommelwirbel – für den ganzen Ort ebenfalls die von Eberbach, nämlich 06271. Wenn Sie also jemand von auswärts mit der 06272 für Hirschhorn suchen sollte – Pech gehabt. Allerdings sind dies Punkte, bei denen fraglich ist, ob sie sich durch eine Länderneugliederung ändern würden :-).

Immerhin dürfen sich die Hessisch-Igelsbacher über eine Sonderbehandlung in Sachen Müllabfuhr freuen. Denn die geschieht, wie soll es anders sein, über den Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße, der für wenig mehr als 200 Einwohner extra von Hirschhorn aus einen mehr als zehn Kilometer langen Abstecher macht. Ein Vorteil als Hesse dürfte die nähere Kfz-Zulassungsstelle in Neckarsteinach sein. Denn die Eberbacher müssen nach Wiesloch oder Sinsheim fahren. Die Nähe zum Eberbacher Krankenhaus ist nicht zu verachten. Aber Vorsicht: Eigentlich muss der angeforderte Krankenwagen aus dem Kreis Bergstraße kommen. Nur landen Sie wegen der Vorwahl – siehe oben – aus dem Festnetz bei der badischen Notrufzentrale. Viel Spaß beim Erklären, wenn es Ihnen nicht gut gehen sollte…

Zur Geschichte von Igelsbach ist bei Wikipedia folgendes zu lesen: „1370 wurde der Weiler Igelsbach zum ersten Mal erwähnt. Jedoch ist eine frühere Besiedlung anzunehmen. Bereits im 14. Jahrhundert war der Ort zwischen den Herren von Hirschhorn und der Kurpfalz aufgeteilt, wobei letzterer Anteil zum Amt Mosbach gehörte. 1632 folgte Kurmainz den ausgestorbenen Herren von Hirschhorn im Besitz. Der mainzische Anteil ging als Teil des Amts Hirschhorn im Reichsdeputationshauptschluss an Hessen-Darmstadt, das 1806 im Großherzogtum Hessen aufging. Der pfälzische Teil ging an das Fürstentum Leiningen und 1806 an das Großherzogtum Baden. 1925 wurde Badisch-Igelsbach nach Eberbach eingemeindet.

Die Vereinigung von Igelsbach durch eine Umgemarkung wurde mehrfach versucht, so im Jahre 1909 vom Bezirksamt Eberbach. Im Februar 1931 unterstützte offenbar ein Teil der Einwohner von Hessisch-Igelsbach die Eingemeindung nach Eberbach. Im Mai 1935 regte Eberbach eine erneute Veränderung der Landesgrenze durch die Eingemeindung von Hessisch-Igelsbach an. Doch wegen der damit zusammenhängenden Änderung der Landesgrenze stießen die Bemühungen nicht nur auf den Widerstand der Stadt Hirschhorn, sondern auch auf Bedenken der übergeordneten Landesbehörden, die auf eine generelle Bereinigung des Grenzverlaufs zwischen Baden und Hessen im sogenannten Hirschhorner Zipfel setzten. 1975 lebten von den 170 Igelsbachern 114 im hessischen und 56 im badischen Anteil des Ortes. Im Jahr 2013 betrug die Einwohnerzahl 331 Personen, davon 107 im badischen Teil.“