Bürgerbus fährt zum Impfen nach Erbach

„Durch Verwaltungshandeln erledigt“: Das hört jeder städtischer Mitarbeiter gern anstatt die Klage von Stadtverordneten, dass irgendetwas nicht voran geht. Im konkreten Fall war es auf der vergangenen Oberzent-Sitzung ein CDU-Antrag zur Einrichtung eines Impftaxis nach Erbach, der sich durch einen Beschluss des Magistrats erledigte. Demnach sollen zweckgebundene taxOMobil-Fahrten zum Impfzentrum nach Erbach subventioniert werden.

Wie Bürgermeister Christian Kehrer erläuterte, hat die OREG bereits Vorkehrungen und Maßnahmen getroffen, damit über das Informations- und Buchungssystem von „Garantiert mobil“ das Impfzentrum erreicht werden kann. Dieses nahm am 9. Februar seinen Betrieb auf. Das Angebot wird über eine taxOMobil-Fahrt abgewickelt.

Jeder, der einen Impftermin im Impfzentrum in Erbach hat, soll „zu seiner persönlichen Wunschzeit“ eine solche Fahrt buchen und sich nach Zuteilung des Impftermins telefonisch mit der Mobilitätszentrale in Verbindung setzen können, informierte das Stadtoberhaupt. Die Servicemitarbeiter wickeln seinen Worten zufolge dann die gesamte Registrierung und Buchung ab, so dass sich die Person „nicht mit dem Registrierungsprozess, der Kontoaufladung oder mit dem Herunterladen der App auseinandersetzen muss“.

Diese Möglichkeit existiert jedoch nur für einen Termin in Erbach, so Kehrer. Denn die OREG wies darauf hin, dass es keine rechtlichen Möglichkeiten gibt, derartige Fahrten nach Darmstadt anzubieten. Denn der Odenwaldkreis darf in Sachen ÖPNV nur innerhalb seines räumlichen Zuständigkeitsbereichs tätig werden.

Seitens der CDU wurde die Einrichtung des „Impf-Taxis“ als Unterstützung für die betroffenen, älteren und nicht mobilen Personengruppen angesehen. Außerdem „möchten wir eine möglichst breite Akzeptanz bezüglich der Impfung gegen COVID-19 erreichen“, betonte Oliver von Falkenburg. Dabei darf insbesondere die fehlende Möglichkeit und damit Mobilität, um zu den Zentren zu gelangen, keine Rolle spielen, hob er hervor.

Für die Fahrt wird lediglich der RMV-Tarif fällig, ergänzte Kehrer. Der Zuschlagspreis, der je nach Entfernung zwischen drei und 27 Euro betragen kann, wird jeweils hälftig vom Odenwaldkreis sowie den Städten und Gemeinden getragen. Die Anteile der Kommunen werden dabei nach dem Belegungsprinzip exakt abgerechnet. Auch eine Abrechnung mit externen Kostenträgern, wie den Krankenkassen oder dem Land, wäre möglich.

Angesichts des aktuell scharfen Lockdown ruht derzeit der reguläre Bürgerbus-Betrieb, teilte Achim Schäffler seitens der Generationenhilfe mit. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich nur noch zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten treffen dürfen. Individuelle Fahrten werden nach Anmeldung aber weiterhin angeboten. Sollte Bedarf bestehen, kann man telefonisch Margot Lenz, Telefon 06068/478946, mit einem Tag Vorlaufzeit kontaktieren, sagte er.

Schäffler machte auf ein weiteres Angebot aufmerksam: Seit dem 9. Februar werden Bürgerbus-Fahrten ins Impfzentrum nach Erbach angeboten. Eine Anmeldung hierfür ist über die Corona-Hotline der Stadt, Telefon 06068/7590-999, oder E-Mail corona@stadt-oberzent.de möglich. Dies soll Schäffler zufolge das bestehende Angebot von lokalen Taxi-Unternehmen, ÖPNV und „Garantiert mobil“ ergänzen, „sodass allen Interessierten das Impfen ermöglicht wird“.

Fachleute rechnen mit einem großen Black-Out

„Die Frage ist nicht, ob, sondern wann es passiert“: Für Kreisbrandmeister (KBM) Norbert Heinkel und Kreisbrandinspektor (KBI) Horst Friedrich ist ein flächendeckender, langfristiger Stromausfall im Odenwaldkreis in der Zukunft kein abstraktes Szenario, sondern eine realistische Übungsannahme, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. 250 Einsatzkräfte aus dem ganzen Kreisgebiet waren den ganzen Tag über im Einsatz, um im Ernstfall gewappnet zu sein. Die Aufgaben wurden nach der Rahmenempfehlung des Landes Hessen abgearbeitet.

„In Erbach und Michelstadt ist für mindestens 24 Stunden keine Stromversorgung möglich“, lautete die Übungsannahme am Wochenende. Die Feuerwehren richteten hierzu in den beiden zentralen Feuerwehrhäusern eine technische Einsatzleitung ein, die versuchte, die Probleme zu lösen und Einsätze zu bewältigen. Der Odenwaldkreis installierte hierzu übergeordnet einen Katastrophenschutzstab mit Fachberatern aus dem THW Michelstadt, DRK Odenwaldkreis, Polizei und Katastrophenschutz in den Räumen der zentralen Leitstelle.

In einem Zeitfenster von wenigen Stunden lässt sich ein Stromausfall im ländlichen Raum oft noch bewältigen, erläuterte Heinkel den Kommunalpolitikern bei einer Rundfahrt. Sollte er aber über 24 Stunden dauern, „wird es oft kritisch“, betonte er. Denn: „Die wenigsten Bürger sind auf solche Ereignisse vorbereitet.“ Aber nicht nur die Bürger, auch Betriebe und selbst die Kommunalverwaltungen wären außer Gefecht gesetzt.

Die Odenwälder Hilfsorganisationen übten in den beiden Städten Erbach und Michelstadt. Aufzüge bleiben stecken, elektrische Türen gehen nicht mehr auf, Kassen in den Supermärkten funktionieren nicht mehr, Kühlungen fahren runter, das Handynetz fällt aus, die Heizung funktioniert nicht mehr. Das sind laut dem Kreisbrandmeister nur einige wenige mögliche Szenarien. Aber auch die Retter sind betroffen. Etwa vier Stunden nach Beginn würden die ebenfalls auf Strom angewiesenen Telefonsysteme nicht mehr funktionieren.

Spätestens wenn Kleinkinder Hunger haben, das Essen warmgemacht werden muss, notwendige medizinische Geräte nicht mehr funktionieren, auf dem Bauernhof die Kühe gemolken werden müssen, wird Strom gebraucht, weist er auf die Selbstverständlichkeit hin, die elektrische Energie heute im täglichen Leben spielt. Dazu gehören auch Wasserversorgung oder Heizung.

„In vielen Bereichen ist die Bevölkerung auf solche länger andauernden Stromausfälle nicht vorbereitet“, weiß Heinkel. Deshalb ist es die Vorbereitung durch Hilfsorganisationen und Gemeinden wichtig. Geplant werden muss seinen Worten zufolge zum Beispiel die Unterbringung von Bürgern, die sich nicht selbst versorgen können, oder die Installation von Anlaufpunkten, bei denen sie Notfälle melden können und Hilfe bekommen. „Etwa zehn Prozent der Bevölkerung brauchen Hilfe“, formuliert es der KBM.

„In jeder Stadt oder Gemeinde und deren Ortsteilen müssen solche Leuchttürme bei Bedarf eingerichtet werden“, weist er auf die Notwendigkeit hin. Im aktuellen Fall war es unter anderem die Odenwaldhalle in Michelstadt. „Eine Herausforderung war hier der fehlende Strom“, erläuterte Heinkel. So musste die Halle ausgeleuchtet und Zeltheizungen in Stellung gebracht werden.

Die Übungsleitung, zu der neben ihm auch KBM Sven Bardonner gehörte, hatte zahleiche Szenarien vorbereitet. Die beiden städtischen Feuerwehren zusammen mit der Verstärkungsgruppe Rettungsdienst mussten Einsätze wie Rettung von Personen aus Aufzügen, ausgelöste Brandmeldeanlagen, einen Verkehrsunfall oder das Ablöschen eines Grills im Gebäude bewältigen.

Kreisbrandinspektor Horst Friedrich wies bei der Abschlussbesprechung darauf hin, dass die Übung Auftakt einer Reihe von Maßnahmen ist, um vorhandene Konzepte zu überprüfen und sich zukünftig noch besser auf das Thema „kritische Infrastruktur“ vorzubereiten. „Wir müssen dafür sensibilisieren“, ist er sich mit Heinkel einig. Beispiele wie in Berlin oder in Slowenien zeigten, dass ein solches Ereignis realistischer ist, als es vielleicht erscheint.

Mächtig, metallisch, aber auch melodiös

Folk-Metal aus dem Odenwald gibt es jetzt schon seit 25 Jahren: Das Mischwesen aus Mensch und Stier, der Minotaurus der griechischen Mythologie, ist als Bandname bis in die Region vorgedrungen und sorgt hier seit 25 Jahren für musikalische Donnerschläge. Pünktlich zum Jubiläum von „Minotaurus“ erscheint mit „Victims of the Underworld“ die neue, zehnte CD, die bei der Release-Party am Samstag, 9. November, im Hüttenwerk Michelstadt vorgestellt wird.

Die beiden (Stier-)Köpfe hinter der Formation sind Sänger Oliver Klump aus Aschaffenburg und Lead-Gitarrist Reiner Zumkeller aus Hainstadt. Mit Sohn Rouven, der ebenfalls im Breuberger Ortsteil wohnt, ist bereits die nächste Generation eingestiegen. Das Trio aus dem Odenwaldkreis komplettiert Bassist Marcus Finger aus Erbach, für den Minotaurus seine erste Band-Station ist. Die beiden Zumkellers spielen auch in den beiden lokalen Coverbands Outback und Eazy mit.

Auch wenn die jetzige Scheibe deutlich härter und aufwendiger klingt als die Vorgänger, hat die Band ihre musikalischen Wurzeln dennoch nicht aus den Augen verloren. „Victims of the Underworld“ liefert eine fetzige Schnittmenge aus Folk, Metal und einer guten Prise Eigenständigkeit. Minotaurus arbeitet nach der Devise „Neues schaffen und Bewährtes erhalten“, erzählt Sänger Klump. Was in Anbetracht der langen Bandgeschichte „von Weisheit und Weitsichtigkeit zeugt“, lacht er.

Gerade in einem Metier wie dem Folk Metal ist seinen Worten zufolge Glaubwürdigkeit ein hohes Gut. Über all die Jahre hat das Sextett deshalb seine Fangemeinde stark erweitern können. Die Geburtsstunde schlug 1994, als Klump Minotaurus mit dem damaligen Bassisten Uwe Elbert ins Leben rief. Schon kurze Zeit nach der Gründung stieß Reiner Zumkeller dazu. Da Elbert viele Musiker kannte, waren recht schnell die restlichen Mitglieder gefunden.

Wenn’s um die Kompositionen geht, ist der Hainstädter Reiner Zumkeller das Mastermind. „Er hat bestimmt 90 Prozent der Songs geschrieben“, schätzt Klump, der sich selbst bei „Lonely Dwarf“ und „Warriorhearts“ (die Powerballade ist der Soundtrack zum Film „Kriegerherzen“) zusätzlich einbrachte, aber auch ein paar wenige alleine verfasste.

Mit zwei recht schnell hintereinander veröffentlichten EPs, „The First Labyrinth“ (1997) und „Dragonbone Throne“ (1998), erspielte man sich erste Achtungserfolge und fiel positiv bei Presse und Fans auf. 1999 erschien mit „Path Of Burning Touches“ das Longplayer-Debüt. Motiviert vom Erfolg schob man schon 2001 die „Carnyx“-EP nach, eine Hommage an das eisenzeitliche Instrument der Kelten.

Mit „The Silent Cave“ lieferte die Gruppe eine EP voller Akustik-Songs ab und brachte den Fans ihre „weiche“ Seite nahe. Das romantische Liedgut wurde oftmals auf Lauten dargeboten, um den Mittelalterflair deutlich zu erhöhen. Das Wagnis ging auf und hinterließ deutliche Spuren auf dem 2004er-Album „Myth Or Reality“. „The Lonely Dwarf“ aus 2009 war ein Konzeptalbum, das – irgendwo zwischen Folk und Metal angesiedelt – die Geschichte eines einsamen Zwergs erzählte. Es folgten „The Call“ (2013) und „Insolubilis“ (2016).

Trotz all der positiven Erfahrungen kämpfte Minotaurus oft mit den üblichen Bandproblemen und Line-up-Wechseln. Jedoch verlor die Truppe, zu der auch noch Clarissa Hobeck (Gesang) und Jürgen Hermann (Rhythmus-Gitarre) gehören, darüber nie die Musik aus den Augen. In den Bensheimer Empire Studios von Rolf Munkes reifte das neue Album heran. „Es ist unser aussagekräftigstes, musikalisch gereiftestes Werk“, ist Klump überzeugt.

Mächtige metallische, aber gleichzeitig melodiöse Klänge, etwas mystisch mittelalterlich angehaucht: Was die Band auf die Bühne bringt, ist abwechslungsreich, verspielt, gut gemacht, professionell. Während der Minotaurus im Altertum als furchteinflößende Gestalt, halb Mensch, halb Stier, sein Unwesen trieb, hat er heute als Maskottchen und dem Wiedererkennungs-Spruch „Holla, die Waldfee“ eine wesentlich angenehmere Beschäftigung.

 

Info: Das Band-Jubiläum „25 Jahre Minotaurus“ findet zusammen mit der CD-Release-Party von „Victims of the Underworld“ am Samstag, 9. November, um 21 Uhr im Hüttenwerk Michelstadt statt. Der Shuttlebus von Aschaffenburg aus fährt auch Mömlingen, Hainstadt und Höchst an. Mehr unter  www.minotaurus-metal.com und http://www.facebook.com/MinotaurusBand

Auf den Bauernmarkt mit der eigenen Tasche

Betrachtet man es etwas zynisch, dann ist jeder Lebensmittelskandal bei Massenware die beste Werbung für die regional und vom ersten bis zum letzten Schritt nachvollziehbar produzierenden (Bio-)Betriebe – nicht nur im Odenwald. Gerade erst gab’s wieder Aufregung um Wurst und Milch. Merken das die Direktvermarkter in der Form, dass die Nachfrage anzieht? Ein klares Ja gibt’s auf diese Frage von den Betrieben auf dem Odenwälder Bauernmarkt in Erbach.

Die überschaubaren und nachvollziehbaren Produktionswege sind aber nur ein Teil des Ganzen, das die Kunden beschäftigt. Immer mehr geht’s ihnen auch darum, dass die Waren nachhaltig produziert werden, dass es keine Zusätze aus fernen Landen gibt und um Transport keine Plastiktüten mehr verwendet werden. Die Marktbeschicker wissen das und handeln danach, soweit es für sie machbar ist.

„Die Kunden haben oft schon ihre eigenen Taschen dabei“, hat Monica Gehrig-Hummel von den Odenwälder Feinen Bränden beobachtet. Die Brennerei in Litzelbach verarbeitet, sofern vorhanden, selbst angebautes Obst. Vor kurzem stellte man bei den Probiergläschen von Plastik auf Glas um. Denn die Gefäße lassen sich leicht zuhause in der Gastro-Spülmaschine reinigen.

Bei den Schnäpschen und Likören gibt’s weiter Einwegglas, erläutert Gehrig-Hummel. „Die Reinigung von Mehrweg wäre energieintensiver als die Herstellung von Einwegglas“, erklärt sie. Auch bei der Molkerei Hüttenthal versucht man, soweit es geht auf Plastik zu verzichten. Bei den eingeschweißten Produkten funktioniert dies aus Hygienegründen leider noch nicht, bedauert Sylvia Schäfer. Beim Joghurtbecher wurde das Plastik aber dünner, zusätzlich verwendet die Molkerei eine Kartonage-Ummantelung.

Lebensmittelskandale bekommt der Laden meistens sofort zu spüren. „Am nächsten Tag stehen bei uns mehr Leute im Geschäft“, hat Schäfer beobachtet. Die Nachfrage nach frischer Milch steigt. Wie auch Gehrig-Hummel stellt sie fest, dass Plastiktüten als Behältnis immer weniger nachgefragt werden. Ähnlich handelt die Lebkuchenbäckerei Baumann aus Beerfurth. Plastik nur dort, wo es Ausstellungsware ist, die die Kunden sehen sollen, oder sie dadurch länger haltbar ist. Einzelware kommt in Papiertüren, sagt Hilde Baumann.

Gefragt wird immer mehr nach den Zutaten, weiß Baumann. Sie verwendet etwa Mehl von der Herrnmühle in Reichelsheim. Gehrig-Hummel verweist darauf, dass in ihre hochprozentigen Erzeugnisse nur Produkte reingekommen, die einem 50-Kilometer-Radius im und um den Odenwald wachsen.

Katja Pfeiffer von der gleichnamigen Kelterei weist darauf hin, dass beide Seiten mitdenken müssen: Erzeuger und Kunden. Denn natürlich wird der frischgepresste Apfelsaft gerne in mitgebrachte Kanister oder Flaschen abgefüllt – wenn sie jemand dabei hat. „Dann würden wir noch weniger Müll produzieren“, betont sie. Die Flaschentaschen sind leider noch aus Plastik, gibt es für sie angesichts des hohen Preises für Jute noch keine Alternative.

Bio muss nicht immer gleich das höchste der Gefühle sein, schildert Schäferverein-Vorsitzender Bernd Keller am Beispiel der Odenwald-Tiere. „Wir erläutern den Interessierten die Unterschiede zwischen biologischer Stall- und konventioneller Weidehaltung““, sagt er. Denn bei letzterer sind die Tiere von März bis Dezember nonstop draußen. „Das ist für uns absolut ökologisch.“ Als Kraftfutter gibt’s Biertreber, der ansonsten weggeworfen würde, anstatt des doppelt so teuren Produkts, das jedoch fürs Prädikat Bio notwendig wäre.

Eifrig gesponnen wird bei Birgit und Jörg Sprang, die in Odenwälder Tracht ihre bunte Woll-Vielfalt feilbieten. Es wird deutlich, dass die Kunden nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Kleidung genau darauf schauen, wo sie herkommt und wie sie gefertigt wird. Die verwendete Wolle „stammt vom Odenwälder Schaf“, betont er. Der Schafscherer ist in Wald-Michelbach beheimatet. Lebensmittelfarben sorgen für leuchtende Pracht, gebeizt wird mit Essig. „Wir machen alles selbst“, hebt Sprang hervor. Für den Transport gibt’s seit einiger Zeit Papiertüten mit eigenem Stempel.

 

Das Beste aus Südhessen nicht nur zum Essen

Die Stoffmammuts des Elfenbeinmuseums sind am Wochenende die heimlichen Stars. Sie empfangen die Besucher der Messe „Made in Südhessen“ im Volksbank-Atrium und sind stoische Beobachter des Geschehens. Ihnen entgeht nichts – auch nicht, dass sich die Besucher am Samstag eher spärlich tummelten. Ulrich Diehl vom gleichnamigen Verlag war mit der Veranstaltung im zehnten Jahr ihres Bestehens das erste Mal im südlichen Südhessen zu Gast.

In Darmstadt organisierte Diehl bereits seine Messe. „Weil ich den Odenwald liebe“, erläutert er mit einem Schmunzeln, wollte er testen, „was so tief in Südhessen möglich ist“. Selbstkritisch merkt er aber an, dass das Eintrittskonzept vielleicht nicht so ankommen könnte, „da man hier verwöhnt ist von kostenfreien Veranstaltungen“. Deshalb wurde noch ein Getränkegutschein draufgelegt.

Diehl geht es darum, „Produkte aus Südhessen bekannter zu machen“. Denn die Region hat vom Neckar bis an Main und Rhein etliches zu bieten. Er weiß, dass lokale Produkte in der Regel beliebter sind als überregionale. Außerdem kommt der Klimaschutz dazu. Was vor Ort produziert wird, braucht keine langen Transportwege. Und die Palette der angebotenen Warten ist groß.

Da sind die Elfenbeinschnitzer direkt aus der Kreisstadt bis hin zum Quittenprojekt Bergstraße, das sich ganz in den Dienst der alten Obstsorte gestellt hat. Die Agentur für Arbeit informiert über die offenen Stellen in der Region, aus Mossautal gibt’s die bekannte Seife zu erwerben. Upcyclingmoden, Alarmanlagen, Grünpflanzen oder Kassensysteme: Die Spannbreite der Produkte aus dem Odenwald ist genauso groß wie die der kulinarischen Spezialitäten.

Die Musik aus der Region darf nicht fehlen. Die „Oigeborene“ von der Bergstraße verballhornen bekannte Popsongs, die Jungs von A & B sind zwar in Berlin ansässig, aber im Odenwald groß geworden. „Mar y Aire“ ist das dritte Glied in der Unterhaltungskette. Die Metzgerei Feldmann aus Pfungstadt darf sich an diesem Nachmittag mit dem Preis „Made in Südhessen“ für ein besonderes Sortiment regionaler Produkte schmücken.

In Groß-Gerau, Kranichstein oder Dieburg war Diehl bereits vertreten, allerdings dort zusammen mit Cottage Garden Events. Was seiner Meinung nach natürlich zusätzlich Publikum anzieht. „Ein gutes Feedback“ nahm er von dort mit und hoffte – wie sich zeigte, zurecht – darauf auch am Sonntagnachmittag, denn erfahrungsgemäß kommen und kamen dann drei Viertel der Wochenend-Besucher.

Die Hälfte der Aussteller, schätzte Diehl, begleitet ihn auch bei seinen sonstigen Veranstaltungen, die andere Hälfte ist im Odenwald erstmals dabei. Ein Unikum ist Anne Gaydoul aus Bad König. Die quirlige 77-Jährige ist schon seit einem halben Jahrhundert mit ihren hammergeschmiedeten Eisenpfannen unterwegs. „Pfanne von Anne“ heißt es ebenso kurz wie einprägsam. Wenn sie ins Erzählen kommt, dann sprudelt es nur so aus der Geschäftsfrau heraus.

Vor 50 Jahren „wurde Altes in Grund und Boden gestampft“, erzählt sie. Deshalb musste Gaydoul bis nach Bayern gehen, um dort ihre Pfannen-Idee umzusetzen. Die alte Schmiedekunst-Tradition aus dem Allgäu kommt ohne Beschichtung aus. Lediglich Öl und ein Kratzer sind Grundbestandteile, beweist sie gleich bei der Probe aufs Exempel mit einem fluffigen Rührei. Alleinstellungmerkmal ist der besondere Griff. „Da kriegt die Hitze die Kurve nicht“, erläutert die 77-Jährige ihr Patent.

Thomas Weiterschan aus Forstel bei Höchst schnitzt schon über 25 Jahre „Feine Wesen“ aus Holz. Seine Arbeiten entwickeln sich aus der Vorstellung heraus, „was zum Holz passt“. Früher waren es vor allem diese Eulen, die unter seinen Händen entstanden, heute haben sich die Werke Richtung Naturgeister wie Feen oder Engel verlagert. Ihm kann man bei der filigranen Arbeit zuschauen. Der Toscana-Holzbackofen von Gerhard Gernsbeck macht das Brotbacken zum Erlebnis. Stündlich bietet er Vorführungen ein, wie ein frischer Laib bei 400 Grad eingeschossen wird.

Massive Kritik am Windkraft-Regionalplan

Die Stimmungslage war eindeutig: 400 gegen 4. Von der Geschäftsstelle der Regionalversammlung war im Vorfeld der dortigen Beratung über den Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energie (TPEE) zur Windenergie ein Infotermin in der Erbacher Werner-Borchers-Halle anberaumt worden. Gekommen waren, so zumindest der Rückschluss aus den Wortmeldungen, ausschließlich Windkraftgegner. Und die in Massen.

Sie heizten den Referenten mit kritisch-fundierten Fragen gehörig ein und rüttelten ein ums andere Mal am mühsam gezimmerten Kartenhaus eines geordneten, fairen Verfahrens. Wirklich Neues wurde von den Vortragenden nicht vermittelt, sodass sich etlichen Besuchern der Eindruck einer Alibi-Veranstaltung aufdrängte, mit der man den Schein einer Bürgerbeteiligung wahren wollte – nach dem Motto: „Wir haben ja informiert.“

Die Marschrichtung gab gleich Erbachs Bürgermeister Peter Traub in seiner Begrüßung vor. Er machte aus seiner Ablehnung der Odenwald-Verspargelung keinen Hehl und sprach sich für möglichst wenige Windräder in der Mittelgebirgslandschaft aus. Für ihn geht es nicht darum, wie viel Prozent der „wunderschön gewachsenen Kulturlandschaft“ für Windenergie zur Verfügung gestellt werden, sondern ganz einfach und direkt um die Frage „Wie sieht’s aus?“ Er sprach damit dem Saal aus dem Herzen.

Dorthin waren auch die laut Organisatoren-Angaben über 300 Demonstranten eingezogen, die vorher ihren Unmut beim Marsch von der Post bis zum Veranstaltungsort lautstark kundgetan hatten. Knapp die Hälfte davon dürfte aus dem Überwald gewesen sein, so die Schätzung. Von dort kam auch Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber nach Erbach. Unter den Gästen waren aus dem Kreis Bergstraße auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Peter Stephan, der Wald-Michelbacher Gemeindevertreter Udo Klos und Corinna Schierz aus dem Landratsamt.

Durch die Herausnahme der Weißflächen, wo es etwa noch Artenschutzbelange oder andere Details zu klären gibt, soll eine Verabschiedung des TPEE (in dem dann alle restlichen, „unbedenklichen“ Flächen enthalten sind) noch in diesem Jahr erreicht werden. Die Kritiker wehren sich aber vehement gegen dieses Vorgehen. Sie sehen darin Augenwischerei, weil die Weißflächen in einem nächsten Schritt wieder aufgenommen werden könnten. Deshalb wird von ihnen mit Nachdruck eine dritte Offenlage des kompletten Regionalplans gefordert – und keine Teil-Verabschiedung.

Dass der Meisenberg zwischen den Wald-Michelbacher Ortsteilen Aschbach und Affolterbach zu einer Weißfläche wurde (und nicht komplett aus der Planung flog, wie im Vortrag suggeriert), geschah laut Planer Till Felden in dem Ansinnen, die Umfassung von Ortslagen zu vermeiden. Mindestens zwei Mal 60 Grad seien rund um ein Dorf freizuhalten. Was in diesem Fall für den Oberzent-Stadtteil Raubach nicht gegeben sei. Dass man von der Raubach den Höhenzug gar nicht sehen kann, ließ er aber außen vor.

Es war diese Aussage, die Sascha Weber auf die Windrad-Palme brachte. Er habe „erhebliche Zweifel an der aktuellen Planung“, sagte er. Von Wald-Michelbach wurde extra ein Teil-Flächennutzungsplan Windkraft für das Gemeindegebiet erstellt. In enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium, wie er betonte. Von diesem sei ein teures Artenschutzgutachten gefordert worden. Das ergab, „dass der Meisenberg aus dem Regionalplan als Vorrangfläche rausfliegen müsste“, so Weber, „wird jedoch ignoriert“, kritisierte er. Stattdessen werde er nur Weißfläche, damit man das Gebiet „zu einem späteren Zeitpunkt wieder reinmogeln kann“.

Das Gutachten „taucht im Regionalplan überhaupt nicht auf“, legte er den Finger in die Wunde. Auch auf dem Lannertskopf bei Ober-Schönmattenwag „dürfte nichts gemacht werden“, hob der Bürgermeister hervor. „Was wird dann berücksichtigt, wenn nicht diese Gutachten“, fragte er rhetorisch. Um darauf hinzuws eine solche Regionalplan-Vorlage für die Mitte Juni tagende Regionalversammlung kaum fehlerfrei sein könne. Nach dem Motto „König schlägt Bauer“ interpretierte Dr. Helmuth Beck, im RP Abteilungsleiter für Regionalplanung die Dominanz des TPEE gegenüber kommunalen Planungen: Für den Regionalplan gälten andere Bedingungen, meinte er lapidar an Weber gewandt.

Die beiden Planer aus dem Regierungspräsidium Darmstadt, neben Felden auch Ulrike Güss, konnten einem fast Leid tun. Sie mussten den Kopf für die nicht anwesende Regierungspräsidenten Brigitte Lindscheid hinhalten, ernteten oftmals Hohn und Spott für ihre Aussagen. Ihnen blieb angesichts der geballten Kritik und des Unverständnisses über die RP-Handlungsweise oftmals nur der Verweis, dass vorgegebene Landesgesetze in eine Planung gegossen wurden. Mit dem nicht ausgesprochenen Satz:  egal was man davon hält und wie sinnvoll diese sein mögen.

Mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt und Energie in der Regionalversammlung Südhessen, dem FDP-Politiker Peter Engemann, stand zudem ein ausgewiesener Windkraft-Kritiker auf dem Podium. Beck machte sich in der Folge keine Freunde damit, als er mit Blick auf die Herausnahme der Weißflächen und der vorzeitigen Verabschiedung des Rests von einer Straffung des Verfahrens sprach.

Bürger-Kritik

  • Im Regionalplan wird von einer Windrad-Höhe von 200 Metern ausgegangen, Stand der Technik sind aber 300 Meter? -> Ulrike Güss: Stimmt. Eine mögliche Beeinträchtigung durch höhere Windräder wird im Bundesimmissionsschutz-Verfahren(BimSch) abgeprüft.
  • In Baden-Württemberg und Bayern gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen? -> Till Felden: Ja. Es handelt sich um Länderrecht.
  • Warum darf in Sichtweite des Kulturdenkmals Beerfelder Galgen ein Windpark gebaut werden? -> Güss: Die Denkmalschutzbehörde hat den Mindestabstand auf zwei Kilometer festgelegt, womit das projektierte Gebiet „Katzenwinkel“ machbar wäre.
  • Widerspruch Windräder im Unesco-Geopark? -> Felden: Wenn wir diesen als Ausschlusskriterium genommen hätten, wäre der Plan niemals zustande gekommen. Es gibt keine rechtliche Erfordernisse, ihn auszuschließen.
  • Natura 2000-Gebiete als Tabuzone? -> Felden: Derzeit nach BimSch noch nicht, das würde erst mit dem verabschiedeten Regionalplan gelten.
  • Beweislast für gefährdete Tierarten liegt in Hessen beim Bürger? -> Güss: Es gibt verschiedene, immer wieder aktualisierte Gutachten durchs Land.
  • Weitere Themen: tatsächlicher Beitrag zum Klimaschutz, signifikante Stromproduktion in einer windschwachen Region, Blick über die Ländergrenzen, Landschaftsschutz vor dem Hintergrund des hessischen Verfassungsziels Nachhaltigkeit, Brandschutz bei Windrädern

Wintereinbruch machte in Erbach das frostige Mittelalter erlebbar

Das war Mittelalter pur – nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“. Der Wintereinbruch am Samstag mit Schnee sorgte für das große Bibbern bei den Teilnehmern und doch sehr überschaubare Zuschauerzahlen beim dritten Mittelaltermarkt von „Heimdalls Erben“ auf dem Wiesenmarktgelände. Erfindungsreichtum war gefragt. Dicke Felle erlebten kurz vor dem Frühling eine Renaissance.

Der Perlenmacher war besonders erfinderisch: Er machte eine Marmorplatte mit seinem Brenner heiß, die dann im kleinen Zelt ein paar Stunden wohlige Wärme abgab. Denn viele Teilnehmer übernachten – ganz authentisch – unter einem Stoffdach. Der Sonntag bei aufgelockerter Bewölkung und angenehmeren Temperaturen sah dann etliche Familien auf den Platz strömen, die eine Zeitreise in vergangene Jahrhunderte unternehmen wollten.

Jungs spielen Ritter, Mädchen kleiden sich als Prinzessin: Auf einem Mittelaltermarkt werden Kinderträume schlechthin wahr. Veranstalter Holger Hörstkamp aus Biebesheim hatte das Angebot aus dem vergangenen Jahr mit etwa 50 Ständen noch einmal leicht ausgeweitet. Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt mit ihren 79 Jahren an der Kasse, Vater Hans hat mit seinen 83 hat ein wachsames Auge darauf, dass keiner ohne Eintrittskarte aufs Gelände kommt. Der 55-jährige „Filius“ Holger wiederum steigt bei der Reitershow jahrein, jahraus aufs Pferd. Ein festes Team von nur wenigen Personen schmeißt die komplette Veranstaltung.

Eigentlich hat Holger Hörstkamp ja einen ganz traditionellen Beruf gelernt. Er war früher als Kommissionierer in einem Lager tätig, machte sich dann selbstständig und sattelte um auf Mittelalter. Ganz im Wortsinn: Denn seine ersten Sporen verdiente er sich vor 17 Jahren auf der Ronneburg, wo er bei der dortigen Reitershow mitwirkte. Vor 14 Jahren starteten dann die eigenen historischen Märkte rund um seinen Wohnort Biebesheim.

Die Faszination für Hörstkamp ist es auch nach all dieser Zeit immer noch, „den Markt vom Papier in der Realität umzusetzen“. Manchmal sei es „wie ein großer Kindergarten, alle unter einen Hut zu bringen“, lacht er. Genehmigungen, Verträge, kurzfristige Absagen, Künstlerbuchungen, Absprachen vor Ort und vieles mehr sind aufwendig. „Es macht mir aber immer noch sehr viel Spaß“, betont er.

Seine Frau Sandra, die er Anfang März – natürlich auf einem Mittelaltermarkt – heiratete, steht ihm dabei zur Seite. Hörstkamp kann daneben auf viele Markthändler bauen, die ihn schon jahrelang bei seinen Veranstaltungen begleiten. Aber es gibt auch immer ein paar neue „alte“ Gesichter: Standbetreiber, die man auf historischen Märkten übers Jahr schon oft gesehen hat und die nun auch einmal bei Heimdalls Erben anzutreffen sind.

Etwa Florian „FLux“ Lacina, der mit seinem Weinturm gleich gegenüber der Bühne zu finden ist. Dort spielen gerade die „Bohemian Bards“ auf historischen Instrumenten altertümliche Weisen. Seit 13 Jahren preist Flux die besten Tropfen, egal ob mit oder ohne Prozente, an. Als Feuerkünstler, Grafiker und Techniker machte er bis 2010 die Mittelalter-Rockband „Saltatio Mortis“ mit zu dem, was sie heute ist.

Oder Achim Häfner, der „Falkner der Herzen“. Der Pfälzer aus Kirrweiler ist mit seinen Greifvögeln als Botschafter des Kinderhospizes Sterntaler auch auf mittelalterlichen Märkten anzutreffen. Er arbeitet viel mit Behinderten und ist stolz darauf, laut eigener Aussage „als einziger in Deutschland eine Therapie mit Greifvögeln“ anzubieten. Pfälzisch-redselig preist er den selbst gelesenen Eiswein an, von dessen Verkaufserlös natürlich ein Teil ans Kinderhospiz geht. Die flauschigen, zutraulichen Vögel sind derweil die heimlichen Stars.

Info: Das sechste mittelalterliche Spektakel in Lampertheim, veranstaltet von Heimdalls Erben, findet am 4. und 5. Mai an den Biedensand-Bädern statt. Mehr unter www.heimdalls-erben.de

„Betty and the Daltons“ sind mit Country & Western im wilden Odenwald unterwegs

Endlose Weiten, durch die der Sand gepeitscht wird, ein paar mäandernde trockene Büsche, dazu noch karge Felsformationen, durch die sich ein einsamer Reiter mit Zigarre im Mundwinkel, vermacktem Hut und Lederponcho quält: soweit das deutsche Western-Klischee, genährt durch Karl May und Clint-Eastwood-Filme. „Betty and the Daltons“ zeichnen ein ganz anderes Bild von Country & Western. Das im vergangenen Jahr gegründete Trio aus Erbach und Michelstadt nimmt sich selbst nicht so ernst, hat viel zu lachen und noch mehr Spielfreude.

Bettina „Betty“ Finger, Dirk Freitag und Markus Fabian spielen zum Teil mit verwegenen Instrumenten wie Waschbrett, Autoharp, Steelguitar und Banjo einen Mix von Common Linnets bis Johnny Cash, angereicht mit CCR, Kris Kristofferson oder John Denver. Man sieht: Es gibt nicht nur Country, sondern auch Western, gepaart mit ein paar Pophits wie „Lay down Sally“ von Eric Clapton.

Mastermind hinter der Truppe ist Markus Fabian aus Michelstadt. Gitarrist, Sänger, Bassist, Ukulele- und Mandolinespieler, Steelgitarrist, Schlagzeuger, Songwriter, Komponist und Producer:  Der Mann ist seine eigene Ein-Mann-Kombo in Personalunion. Dazu ist er im Odenwald musikalisch bekannt wie ein bunter Hund durch seine Arbeit mit Herr Fabian, Onkel Bob oder Undercure.

„Für mich zählt, dass wir sehr viel Spaß miteinander haben und ich verschiedene, auch ausgefallene Instrumente spiele“, betont Fabian. Es ist innerhalb eines halben Jahres eine auftrittsfähige kleine Band entstanden, die „nicht sooo perfekt ist“, grinst er – „aber dennoch beim Odenwälder Publikum einen Nerv getroffen hat“. Scheinbar gibt es viele Menschen, die Country und Folk „wie wir es darbieten“, gerne mögen.

Die Bandgründung geschah durch äußere Einflüsse: „Wild Bill‘s Saloon“ hatte in Erbach aufgemacht und „ich wollte gerne mal dort spielen“, erinnert sich der Musiker. Da dort aber nur Country und Western reinpasst, überlegte er, wie das anzustellen wäre. Da kam er auf Dirk Freitag und Bettina Finger: „Betty and the Daltons“ waren geboren. Es wurde ein Programm aufgebaut, überlegt, was zu welchem Stück passt und „wie wir uns bei jedem Stück sinnvoll und abwechslungsreich ergänzen können“. Das Ergebnis kommt an.

Für Bettina Finger ist Country „eine tolle Musik”, die so gar nichts mit dem Schlagerklischee zu tun hat. Gerade Johnny Cash und June Carter haben für sie „super Songs“ geschrieben und darin ihr Leben verarbeitet. „Das sind meine Vorbilder“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Darin werden so schöne Liebesgeschichten erzählt.“ Finger gefällt daneben die große Vielseitigkeit, die mit den verschiedenen Instrumenten zum Ausdruck kommt.

30 Jahre zupfte sie nur die Gitarre, jetzt ist die Musikerin vielfältig und –saitig unterwegs. Auf Anregung vom Markus Fabian („mach mal“) beschäftigt sie sich auch mit Bass, Ukulele, Autoharp, Waschbrett und Banjo. „Ich kann das nicht gut, aber spiele trotzdem alles“, lächelt sie. Der Instrumententausch „ist witzig und macht Spaß“, erzählt Bettina Finger. Es passiert vieles, auch Unvorhergesehenes.

„Dass ich auf meine alten Tage noch einmal auf der Bühne stehe, hätte ich mir auch nicht gedacht“, kokettiert die Erbacherin mit ihrer Lebenserfahrung. Denn öffentlich wirkte sie bisher nicht in Bands mit. „Seit neun Jahren wird lediglich im Wohnzimmer auf der Couch gejammt oder auf Geburtstagen gespielt.“ Jetzt hat sie mit Leitwolf Markus Fabian als altem Hasen Freude an den Auftritten gefunden.

Dirk Freitag ist musikalisch ein Spätzünder. Erst über seinen Sohn kam er vor viereinhalb Jahren in Kontakt mit Sebastian Schimmer von „Oel“, der quasi sein Mentor auf der Gitarre ist. Banjo, Bass und Waschbrett kamen in neuester Zeit hinzu. „Westernmusik mochte ich schon immer“ bekennt er. Emotionen, Romantik, ein Hauch von Abenteuer, dazu noch Liebe, Drama, Eisenbahn: „Es macht einfach Spaß, darüber zu singen“, erläutert der Erbacher. Die Auswahl der Instrumente ist für ihn faszinierend.

Info: Die Country-Night mit Western-Büffet und Musik von „Betty and the Daltons“ findet am Samstag, 13. April, ab 18 Uhr im Gasthaus „Zum Ross“ Ober-Mossau statt. Platzreservierung unter 06061-2398 oder E-Mail dirk.freitag@freitagsfeines.de. „Wandern und Wein“ heißt es am 1. Mai, 14 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus Steinbuch mit dem Trio. Mehr unter www.backstagepro.de/betty-und-die-daltons

Es geht doch nichts über das gute alte Buch

Das Motto „Lesen macht Spaß!“ passt für Emily Wolf wie die Faust aufs Auge. Die 13-jährige Jugendpreisträgerin des Krimiwettbewerbs Odenwald 2018 trägt beim Lesenachmittag des Kiwanis-Club Erbachs ihre preisgekrönte Kurzgeschichte „Ein seltsamer Ort“ vor. Viel Spaß haben die Jugendlichen außerdem mit den Kinder- und Jugendbuchautoren Corinna Harder und Jens Schuhmacher, die mit ihren „Black Stories“ zum Mitmachen und Mitraten animieren.

Den Heranwachsenden in Zeiten von Internet, Smartphone, Computer und Tablet das gute alte Buch näherbringen: Das hat sich der Kiwanis-Club mit seinem Präsidentin Stefan Uhrig auf die Fahnen geschrieben. „Es wird einfach zu wenig gelesen“, bedauert er. Eine bessere Botschafterin als Emily Wolf hätte er nicht finden können. Die aufgeweckte 13-Jährige kam schon früh mit dem gedruckten Wort in Berührung, allerdings erst einmal übers Gehör. „Mein Vater hat mir und meinem Bruder immer viel vorgelesen“, erzählt sie.

Als sie dann selbst lesen gelernt hatte, wuchs der Bücherbestand im Hause der Wolfs ständig an. Geschichten schrieb die Jugendliche schon immer gern. Auch das liegt in der Familie, denn Vater Dieter nahm ebenfalls schon an einem Krimiwettbewerb teil. Das erste Mal war Emily in der Grundschule Hollerbusch mit einer Geschichte erfolgreich.

Als Zehnjährige beteiligte sie sich 2016 dann am Odenwald-Wettbewerb mit dem Titel „Die kleine Hütte im Wald“. Da der aber erst ab elf Jahren war, gab’s für sie einen Sonder- und Publikumspreis. 2018 dann die erneute Teilnahme und der Erfolg mit „Der seltsame Ort“. Die Idee dazu kam Emily im Englisch-Unterricht. „Danach habe ich die Story ausgearbeitet“, sagt sie. Ihr gefällt es, beim Schreiben auch eigene Erlebnisse und Geschichten mit einfließen zu lassen.

Wenn sie Bücher wie etwa „Die andere Verbindung“ von Jonas Ems liest, „stelle ich mir alles plastisch vor“, meinte Emily. „Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb“, ist ein Roman von Tanya Stewner, in dem sie ebenfalls gerne schmökert. Was meinen die Freundinnen, dass sie im Handy-Zeitalter so ganz untypisch viel liest? „Ich mache das meistens abends, da bekommen die es nicht so mit“, lacht Emily. Natürlich prägt auch die Familie, „in der schon immer viel gelesen wurde“. Da muss sich ihr Bruder Anton nicht verstecken, der ebenfalls beim Krimiwettbewerb Odenwald einen Preis gewann.

Einmal im Jahr, erläutert Uhrig, richtet der Club eine Kinderveranstaltung aus. Letztes Jahr war diese zugunsten des Kinderhospizes Sterntaler, jetzt wird die etwas finanziell schwächelnde Erbacher Stadtbücherei mit 500 Euro bedacht. Von den Eltern bekam Uhrig eine positive Rückmeldung. „Der Rahmen macht den Kindern Spaß“, sagten diese. Die interaktiven Black Stories regen zum Nachdenken und Mitfiebern an. „Ich hoffe, dass mein Kind jetzt bisschen mehr liest“, sagt eine Mutter.

Corinna Harder, die ihre Wurzeln in Etzen-Gesäß hat, und Jens Schuhmacher wussten die Kids zu faszinieren. Die von ihnen selbst entwickelten „Black Stories“ fordern zum Raten heraus. Eigentlich sind die beiden Buchautoren mit dem Schwerpunkt Rätsel- und Ratekrimis. Seit zehn Jahren wirken Harder und Schumacher aber auch an den Black Stories mit, von denen bereits 4,5 Millionen Exemplare in Deutschland verkauft wurden.

„Die Kinder sind immer sofort dabei“, weiß Corinna Harder über das interaktive Spiel. „Bei den Erwachsenen braucht es ein oder zwei Rotwein“, schmunzelt sie. Die Orientierung an wahren Begebenheiten, in den die Älteren Mist bauen, kommt bei den Jugendlichen immer gut an, sagt Schuhmacher. Für die Erwachsenen wiederum „ist ein schön zu sehen, dass es Leute gibt, die dümmer sind als sie selbst“, witzelt er. Die Veranstaltungen „machen total Spaß“, hebt die Autorin hervor. Denn es gibt „ein unmittelbares Feedback“. So können beide feststellen, „ob wir die Sprache der Kinder treffen“. Dass es gelingt, ist unschwer feststellbar, wenn sie ein paar Brocken in den Raum werfen, sofort ein paar Hände hochgehen und die Antworten nur so sprudeln.

Das Buchkabinett, Eichenhofer und die Stadtbücherei informierten bei „Lesen macht Spaß!“ an Tischen über ihr Sortiment. Die Veranstaltung wurde musikalisch durch die Schlesier Brothers umrahmt. Martialisch wurde es mit den Stormtroopers der 501st German Garrison Legion aus dem Star-Wars-Universum. Die mitglieder kommen aus der gesamten Region von Heidelberg bis Darmstadt, hatten Darth Vader im Gepäck und ließen sich gerne mit den Kindern fotografieren.

 

Zum Irish Folk gibt’s in Erbach auch Irish Food

Irish Folk zieht immer. Egal ob es jetzt die „Dance Masters“ sind, die vor kurzem in der Werner-Borchers-Halle zu Gast waren, das irische Feuermärchen in Bad König oder das Trio „Woodwind & Steel“ im großen Saal des Brauhauses: Wenn Folklore von der Grünen Insel drauf steht, kommen die Leute in Scharen. Kein Wunder also, dass die Stühle bis auf den letzten Platz besetzt waren und es ziemlich eng zuging. Zwei Stunden lang entführten die Drei nicht nur mit Musik, sondern auch mit einigen Geschichten nach Irland.

Damit’s dabei ebenfalls im Magen irisch zuging, hatte das Brauhaus-Team einige Spezialitäten mit ins Menü aufgenommen. Das fing an beim Guinness vom Fass für die Unterfütterung. Danach wurde es deftiger mit einem „Beef Stew“ – die originalgetreue Lamm-Variante mit Karotten, weißen Bohnen und Fenchel wollte man wohl den deutschen Mägen nicht zumuten. Immerhin: Das Lamm gab’s dann in Form eines Linseneintopfs mit grünen Bohnen. Unverfänglich: die Sodabread-Rolls mit Räucherlachs und Kressebutter.

Ann und Ed O’Casey sowie Alex Vallon gingen zu Beginn gleich in die Vollen. Mit dem Tanz „Irish Rover“ hatten die Musiker das richtige Stück gewählt, um die Menge zum Mitklatschen zu bewegen. Für ein Tänzchen, wie von Ed gewünscht, war es vielleicht noch ein wenig früh. Gitarre, Mandoline, Querflöte, Tin Whistle und Rahmentrommel lieferten sich in den Songs einen spannenden Wettstreit. Aber irgendwie fehlt der letzte Kick, die letzte Leidenschaft, um richtig authentisch zu wirken. Die Band ist sehr professionell, aber das ist vielleicht auch genau der Punkt.

„As I roved out“, auch schon von Loreena McKennitt gesungen, startete die Reise vom Brauhaus in den Südwesten Irland. Denn der Song handelt davon, Spaß zu haben, auszugehen, neue Leute kennenzulernen. Blarney Castle bei Cork ist bekannt für seinen Stein, der Sprachgewandtheit verleihen soll. Der muss allerdings unter allerlei Verrenkungen geküsst werden, was Anlass für eine etwas langatmige Theatereinlage gab.

Fazit von Ed: Angesichts der Massen, die den Stein küssen, am besten früh morgens nach einer regnerischen Nacht vorbeikommen, um allerlei ansteckenden Krankheiten zu entgehen. Was wäre die Band ohne Flötistin Ann O’Casey, die trotz des irisch klingenden Namens verdächtig gut Deutsch spricht. Außer den roten Haaren ist nicht viel von der Grünen Insel an ihr zu finden. Die Stücke werden ganz klar von ihrer Fingerfertigkeit auf fünf verschiedenen Instrumenten getragen. Sie gibt quasi bei Woodwind & Steel musikalisch den Ton an.

Ed O’Casey ist mit Gitarre, Bodhran und Gesang vielfältig im Einsatz und spiel den Animateur mit Bravour. Mal schmeichelnd, mal fordernd umgarnt er das Publikum, gibt dem Affen Zucker und sich selbst als den Klischee-Iren. Batschkapp, verschmitztes Grinsen, weißes Hemd, Hosenträger und ausgebleichte Jeans, dazu noch irische Gesichtszüge, wie man sie sich vorstellt, und ein englisch angehauchtes Deutsch, von dem nicht ganz klar wird, ob es Show ist oder echt: Der Mann versteht seinen Job, die Zuschauer bei Laune zu halten.

Gelächter für die verschiedenen plastischen Schilderungen des Stein-Küssens und viel Beifall für seine Musik belohnt das Trio. Die Lieder sind teilweise eher sparsam instrumentalisiert. Flöte und Gesang, Querflöte und Gitarre stehen für die Balladen, während dann die Tin Whistle gepaart mit der Rahmentrommel einen flotten Jig einläutet. Gitarrist Alex Vallon mit Babyface ist dabei eher der ruhige der Truppe. Er lässt, klassisch mit Sakko und Hemd gekleidet, sein Instrument sprechen und kann zwischendurch virtuos seine Kunst auf den sechs Saiten beweisen.

Pub und Kirche prägten die irische Geschichte. Viele der Auseinandersetzungen in der Vergangenheit hatten kirchliche, religiöse Hintergründe. Die Iren suchten einen Ausgleich für ihr hartes Leben, für ihre zahlreichen Konflikte, für die bittere Not nach Missernten, Kartoffelfäule, Pest, Not oder Auswanderung als letztes Mittel um zu überleben.

An der Außenseite des oberen Wehrgangs des Bergfrieds von Blarney Castle befindet sich der Stein der Sprachgewandtheit (englisch: Stone of Eloquence), angeblich die Hälfte des Steins von Scone, den Kreuzritter aus dem Heiligen Land mitbrachten und auf dem die schottischen Könige fortan gekrönt wurden. Cormac McCarthy erhielt ihn 1314 von Robert the Bruce für seine treuen Dienste in der Schlacht von Bannockburn. Der Legende nach erlangt derjenige, der den Blarney-Stein küsst, die Gabe des freien Sprechens. Für Iren und Briten ist der Begriff Blarney im Alltag somit gleichbedeutend mit hohlen Floskeln oder unüberlegtem Gerede. Das umgangssprachliche „Blabla“  im Deutschen beruht jedoch nicht auf dem Wort Blarney.

Im tristen deutschen Winter steppend auf die Grüne Insel Irland

Ein Hauch von Irland liegt über der Werner-Borchers-Halle. Vor dem geistigen Auge – und auf der Leinwand hinter der Bühne – entsteht ein Bild der Insel mit ihren weiten, sattgrünen, manchmal auch kargen Landschaften, am Himmel entlang treibenden Wolkenfetzen, den vier Jahreszeiten an einem Tag. In diese Eindrücke mischt sich langsam die Musik, die melodische Geige, die akustische Gitarre oder das gezupfte Banjo. Dazu noch der Klang von Stepptanz-Schuhen sowie über die Bühne fegenden Tänzern zu fetzigen Rhythmen: Fertig ist „The Best of Irish Dance“.

Die Musiker und Tänzer nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit und die irische (Tanz-)Geschichte. Mal melancholisch und tieftraurig, mal lebenslustig, vor Freude sprühend, sind die vielen Stücke, die sie an diesem Abend auf Instrumenten und tänzerisch darbieten. So bunt gemischt wie die viele Köpfe zählenden Gäste in der fast ausverkauften Halle ist auch der Set.

Balladen mischen sich mit fetzigen Songs, bei denen die Zuhörer fast schon automatisch anfangen zu klatschen. Wesentlichen Anteil daran hat Barry Tierney. Dem irischen Vollblutmusiker merkt man an, dass ihm die Töne im Blut liegen. Seine volltönende Stimme macht die irische Illusion greifbar. Ciara Murphy auf der Geige und Andrew Kelly (Banjo) vervollständigen das Trio, das zwischen den einzelnen Tanzeinlagen immer wieder auf die Grüne Insel entführt.

Die Aufführungen sind eingebettet die tragische Geschichte von der unerfüllten Liebe, bei der der Junge Patrick sein Mädchen Kate am Ende natürlich doch noch kriegt. Nebenbuhler und Konkurrentin inklusive. Bis dahin wird viel getanzt, in allen Epochen und etlichen unterschiedlichen Kostümen. Mit einigem Vorschussapplaus ausgestattet, gehen die zwölf Akteure auf der Bühne gleich in die Vollen.

Immer wenn’s etwas fetziger wird, die Absätze nonstop auf den Bühnenboden knallen, steigt auch der Begeisterungspegel im Publikum, das zwischendurch etwas träge beim Mitklatschen ist. Aber natürlich wissen die Profis auf der Bühne bestens, wie sie die Stimmung Richtung Finale richtig anheizen können, damit der tosende Beifall eine Zugabe erfordert.

Die Handlung dient mehr oder weniger als Vehikel für diverse Tanzeinlagen, bei denen es mal 200 Jahre zurück in die irische Geschichte geht, dann in die 1960er Jahre und schließlich ins Heute mit einer Aerobic-Fitness-Tanzeinlage. Immer auf den Spuren des Irish Dance, dessen Geschichte in knapp zwei Stunden auf diese Weise nachgezeichnet wird. So ganz synchron sind die Bewegungen der Tänzer zwar nicht immer, aber das machen sie durch ihre Freude an der Aufführung wett.

Die kommt an: Die Produktion blickt auf einen mehr als zehnjährigen Erfolg zurück, wie Tourleiter Jörn Gierschke betont. 60 bis 100 Shows werden immer zwischen Oktober und März von professionellen Tänzern geboten, die alle bereits an Weltmeisterschaften und diversen Championships teilnahmen. Dazu noch die die eingestreute authentisch-irische Musik und fertig ist das Erfolgskonzept.

Die Geschichte dahinter beruht auf der Idee von Choreograf Richard Griffin mit seiner „School of Irish Dance“. Die Erzählteile bleiben jedes Jahr gleich, erläutert Gierschke dazu, die gespielten Szenen und Formationstänze erfahren alljährlich eine Überarbeitung und Neuauflage. Das Konzept geht auf: „Wir haben schon hunderte ausverkaufte Shows gespielt“, freut er sich.

„Alle Füße sind live“, weist der Tourleiter auf ein Alleinstellungsmerkmal der Produktion hin. Zu erkennen an den Mikros am Außenwrist. „Das ist unser ganz großer Anspruch“, betont er, der die Dance Masters selbst von Mammutaufführungen wie „Riverdance“ abhebe. Außerdem wird beim „Best of Irish Dance“ mit einem Livebild gearbeitet, um so auch den hinteren Reihen ein Blick auf die wirbelnden Füße zu ermöglichen. Technisch und qualitativ „sind wir so hochwertig wie Riverdance“, sagte er.

Mit den Irish-Dance-Shows „gehen wir bewusst in die Provinz“, sagt Tourleiter Jörn Gierschke. „Wir wollen zu Gästen kommen, damit diese nicht viele Kilometer in die Großstadt fahren müssen.“ Im Schnitt besuchen zwischen 800 und 1200 Zuschauer die Aufführungen. Erbach ist – auch aufgrund der Größe der Borchers-Halle – mit 500 eher ein Ausreißer nach unten, das Berliner Tempodrom (2016) mit 2000 einer nach oben. 750 Aufbaustunden, 60 Hoteltage, 20.000 Kilometer sowie 22 Teilnehmer nennt er als Zahlen für eine Saison.

 

93 Aussteller wecken beim Erbacher Bauernmarkt Lust auf regionale Produkte

Freitagmorgens geht es auf den Bauernmarkt noch gemächlich zu. Langsam trudeln die ersten Besucher ein, füllen sich die Markthallen und das Außengelände gemächlich. Gegen Mittag dann werden die Parkplätze sukzessive knapper. Für Liane Heist, die Vorsitzende der Odenwälder Direktvermarkter, ist das ein kleiner Vorgeschmack dessen, was die 93 Aussteller Samstag und Sonntag erwartet: Ein bis oben hin volles Gelände, auf dem sie angesichts des herrlichen Herbstwetters um die 30.000 Besucher auch aus dem Frankfurter, Mannheimer und Heilbronner Raum erwartet.

Unter den Ausstellern sind viele „Wiederholungstäter“, schmunzelt sie. Direktvermarkter vor allem aus dem Odenwaldkreis, die wissen, was sie am Werbeeffekt des Bauernmarktes haben. Das betont etwa Sylvia Schäfer am Stand der Molkerei Hüttenthal. Die gehört schon zu den „Urgesteinen“ und hat immer „eine sehr gute Resonanz“, freut sie sich. Viele Besucher „kommen danach auch in den Laden“, hat Schäfer festgestellt.

Frisch gepresster Apfelsaft ist einfach der Renner. Bei Familie Michel aus Seeheim kommen die Mitarbeiter mit dem Pressen kaum nach, so schnell wird ihnen der leckere Trank aus den Händen gerissen. Getrockneten Tee oder auch frischen zum sofort Probieren gibt es dieses Jahr ebenfalls. Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fisch und Fleisch: Es sind ja nicht nur 93 Aussteller, sondern eine Vielzahl an Produkten und Vorführungen, die sie mitgebracht haben. „Die Aussteller sind immer sehr zufrieden“, weiß Heist.

Das Wetter hat nur einen untergeordneten Einfluss auf den Andrang, sagt die Vorsitzende, die selbst mit dem Crumbacher Bauernlädchen vor Ort ist. Regionale, selbst hergestellte Produkte, bei denen der Verbraucher genau weiß, wo sie herkommen, wie sie verarbeitet werden und welchen Weg sie bis zum Verkauf haben, ziehen eben. Zehn Mitarbeiter sind bei ihr übers Wochenende im Einsatz, die Sonntagabend „ziemlich platt“ sein werden.

„Langsam, aber stetig“ gehen laut ihrer Beobachtung die Besucherzahlen des Bauernmarkts jedes Jahr nach oben. Das deckt sich mit der Wahrnehmung von Willy Baumann von der gleichnamigen Odenwälder Lebkuchenbäckerei. Den Betrieb gibt es bereits in der elften Generation. Die Baumanns sind schon von Beginn an im „Aufgebot“ der Bauernmarkt-Beschicker. „Wir produzieren alles frisch“, betont er. Am Montag „ist das Lager komplett leer“, sagt der Seniorchef. Dienstags wird dann wieder losgelegt und für den nächsten Termin gebacken.

Frischgebackenes Brot gab es an etlichen Ständen: Das ging überall weg wie warme Semmeln. Die Herstellung direkt vor Ort im Holzofen einer historischen „Zuckerbäckerei“ zog viele Schaulustige an. Vom herrlichen Duft ganz zu schweigen. Die Anbieter schätzen darüber hinaus die Möglichkeit, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. „Die Leute sind sehr interessiert“, meinte etwa Monica Gehrig-Himmel aus Litzelbach, die das dritte Mal mit den „Odenwälder Feinen Bränden“ dabei war. Alle Schnäpse und Liköre werden in der Brennerei auf dem eigenen Dreiseithof selbst hergestellt.

Neben den Erzeugnissen aus Hof, Keller und Küche ist es auch immer wieder das Rahmenprogramm, das die Besucher anspricht. Etwa die Ausstellung von alten und neuen Landfahrzeugen, Traktoren und Dreschmaschinen, die Tierschau, der Auftritt der Jagdhornbläser oder die Vorführung der Rettungshundestaffel Bergstraße-Odenwald (am Sonntag).

„Wir wollen die hiesige Landwirtschaft und die Regionalität der Produkte den Verbrauchern nahe bringen“, verdeutlicht Liane Heist die Idee. „Der Odenwald bietet alles“, sagt sie. „Wir brauchen keine Erdbeeren aus China.“ Immer neue Vorschriften und Auflagen machen den Direktvermarktern aber das Leben schwer, beklagt die Vorsitzende. „Die sind auf die großen Betriebe ausgerichtet, die kleinen hat man nicht im Blick“, sieht sie die Bauernhöfe vor immer mehr Schwierigkeiten gestellt, allem nachzukommen. Sie wünscht sich eine größere Differenzierung.

Info: Der Erbacher Bauernmarkt am Wiesenmarkt-Gelände ist Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Tipp von Liane Heist von den Odenwälder Direktvermarktern: Wer den Menschenmassen etwas aus dem Weg gehen möchte, sollte heute Vormittag vor 11 Uhr oder nachmittags ab 16 Uhr zum Besuch vorbeikommen.

 

Das Leiden und die Pein von Victor Frankenstein als Musical

Die Zerrissenheit, der Schmerz, das Leiden von Victor Frankenstein sind förmlich mit Händen zu greifen: Marcel Lutz verleiht der 200 Jahre alten Kunstfigur von Mary Shelley im gleichnamigen Musical eine große Intensität. Seine Bühnenpräsenz in der neuen Aufführung der „OnStage“-Gruppe ist genauso bemerkenswert wie seine stimmlichen Fähigkeiten. Bei Bianca Maschemer als Elisabeth Lavenza kann man die Sorgen um ihren späteren Mann mit Händen greifen, so intensiv und berührend bringt sie musikalisch ihre Gefühle rüber.

Feierte die Gruppe vor zwei Wochen eine umjubelte Premiere auf der voll besetzten Bad Königer Freilichtbühne, so waren die Reihen in der Werner-Borchers-Halle deutlich gelichteter. Was der Begeisterung des Publikums aber keinen Abbruch tat, das die Leistung der 2016 gegründeten Gruppe am Schluss mit lang anhaltendem Applaus goutierte.

Meist in geheimnisvolles Halbdunkel getaucht, mit ansprechender, der Thematik angemessener Beleuchtung, wird mit fortschreitender Handlung immer deutlicher, wie Victor Frankenstein seine ganze Familie und den Freundeskreis mit seiner Obsession ins Verderben stürzt. Nach und nach sterben die ihn umgebenden geliebten Menschen, wenn er getrieben von seinem Forscherdrang Gott spielen will. Doch er merkt nicht, dass er mehr und mehr zum Helfershelfer des Teufels wird, den er mit seiner Kreatur unfreiwillig zum Leben verholfen hat.

Das Streben des jungen Wissenschaftlers, ein Wesen nach seinen Vorstellungen zu schaffen, schlägt grausam fehl. Verstoßen von seinem Schöpfer, macht sich die Kreatur (Thorsten Scholze) schlau und listig daran, Rache zu nehmen. Indem er erst die Familie heimsucht und ihm dann das Liebste nimmt: Elisabeth. Bianca Maschemer verkörpert in ihrer Rolle einfühlsam und mit ihrer klar akzentuierten Stimme die Verzweiflung, dem geliebten Mann nie wirklich nahe sein zu können, aber doch schwört sie ihm ewige Liebe.

Die Heirat der beiden scheint endlich Ruhe zu bringen, doch die Rache währt ewig. Schon in der Hochzeitsnacht schlägt die Kreatur grausam zu. Victor, nach dem Tod seiner Frau scheinbar zerfressen von Rachegelüsten, jagt sein Geschöpf um die halbe Welt nur um das Jagens willen, ohne Rücksicht auf sich selbst. Erst zum Schluss kommt er mit sich ins Reine, erkennt, dass es die Scham ist, die ihn antreibt, damit ihm die Kreatur verzeiht, was er getan hat.

Marcel Lutz leidet mit seiner Figur mit, moduliert seine wohltönende Stimme in allen Farben, um seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Man merkt, dass die Handlung ganz auf ihn zugeschnitten ist, dass er auch stimmlich die Fäden in der Hand hält. Sein Kampf gegen sich selbst, gegen das Böse in sich, gegen die ihn verzehrende, in den Wahnsinn treibende wissenschaftliche Leidenschaft findet am Ende der Welt ihr Ende. Dramatik pur, die Liebenden fallen sich (nur in Gedanken wieder) in die Arme, der Wissenschaftler ist mit sich im Reinen, bevor er endlich seinen Frieden findet.

Die eigentliche Handlung ist eingebettet in eine Rahmenhandlung und wird erzählt in Briefen von Kapitän Robert Walton (Michael Schaper) an seine Schwester. Der ist mit einem Schiff unterwegs, um eine Passage zum Nordpol zu entdecken, jedoch hat das Eis der Arktis sein Schiff eingeschlossen. Er und seine Mannschaft nehmen einen Mann an Bord, der schwerkrank und am Ende seiner Kräfte ist. Der Mann kommt erst zur Ruhe, als er dem Kapitän seine Geschichte erzählen kann: Victor Frankenstein.

Aus der Riege der Darsteller ragen Marcel Lutz und Bianca Maschemer klar heraus. Thorsten Scholze als Kreatur schreit seine Wut, seine Rachegelüste, seinen Schmerz eindrucksvoll in einem Solo-Part aus sich heraus. Simon Wilk als Victors Jugendfreund Henri Clerval, Julia Kusch als Wilhelmina Frankenstein und Wolfgang Mutz als Alphonse Frankenstein haben weitere tragende Rollen. Leider stimmte das Lautstärke-Verhältnis von Musik und Gesang manchmal nicht, sodass die Stimmen etwas in den Hintergrund traten.

Info: Weitere Aufführungstermine am 1. September, 20 Uhr, Bürgerhaus Höchst/Odenwald, 15./16. September Kulturhalle Münster bei Dieburg (20/18 Uhr), 27./28. Oktober Willi-Salzmann-Halle Nidderau (20/17 Uhr). Mehr unter http://www.frankensteineinmusical.de

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2018/08/20/das-leiden-und-die-pein-von-victor-frankenstein-als-musical/Frankenstein – Ein Musical

Posted by Thomas Wilken on Monday, August 20, 2018

Der Odenwaldkreis punktet mit viel Fläche und günstigem Wohnraum

Eigentlich liegt der Odenwald direkt neben dem Frankfurter Flughafen. „In internationalen Maßstäben ist eine Stunde Autofahrt gar nichts“, betonten die beiden Geschäftsführer der FrankfurtRheinMain Gmbh, Werner Schwebel und Eric Menges, bei der Vorstellung der Marketinggesellschaft in Erbach.

Dort waren auf Einladung der Oreg Bürgermeister, Kreistagsabgeordnete und Vertreter aus der Wirtschaft zusammengekommen, um der Vorstellung der Ergebnisse aus dem Projekt „FRM 2030“ zu lauschen. Darin wird ein Zukunftsbild samt abgeleiteten Zielen für die weitere Entwicklung der Region bis zum Jahr 2030 gezeichnet.

Die Weitläufigkeit der Metropolregion mit der Finanzmetropole Frankfurt als Dreh- und Angelpunkt machte Oreg-Geschäftsführer Marius Schwabe in seinen einleitenden Worten deutlich. Von Nord nach Süd erstreckt sich diese über fast 200 Kilometer, umfasst mit Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz drei Bundesländer.

Landrat Frank Matiaske räumte mit zwei Vorurteilen über den Odenwald auf, die im Ballungsraum kursierten: dass außer Landwirtschaft und Tourismus nichts geboten wird. „Es gibt aber viel mehr“, betonte er. „Wir sind zwar eine Touri-Region, aber mit viel Industrie.“ Der Reifenhersteller Pirelli etwa erwirtschafte an seinem Standort im Odenwaldkreis allein den jährlichen Umsatz aus dem Tourismusbereich. In der Region seien 70 Betriebe im Bereich Kunststoff und Kautschuk tätig, machte er deutlich. Weshalb sich der Kreis auch in wirtschaftlicher Hinsicht als „Home of plastic and rubber“ vermarkte.

„Was ist schon da, was ist geplant, welche neuen Ziele sind notwendig“, nannte Schwebel als Zielsetzung des Projekts FRM 2030. „Wir wollen weg vom Tagesgeschäft hin zu einer langfristigen Betrachtung“, erläuterte er. Wohnen, Infrastruktur, Wissen, Wirtschaft und Erlebensqualität wurden in den Workshops für die Metropolregion thematisiert.

In die Tiefe, sprich auf die Ebene des Kreises, ging es eigentlich nur bei einem Punkt: der Odenwaldbahn. Sie wird in den 2030er-Zielen insofern genannt, dass Elektrifizierung und Taktverdichtung als notwendig angesehen werden. Dies vor dem Hintergrund der aus allen Nähten platzenden Ballungszentren und dem dort knapp werdenden Wohnraum. Die Menschen suchen bezahlbare Wohnungen, finden sie auf dem Land, ziehen aber nur dorthin, wenn die Anbindung in die Zentren stimmt. „Wir haben die Flächen“, postulierte es schon der Landrat.

Schwebel bezeichnete FRM als „Wirtschafts- und Arbeitshotspot mit internationaler Strahlkraft“, Ganz wichtig ist auch die digitale Anbindung: Ohne schnelles Internet „gibt es keine Chance auf die Ansiedlung junger Menschen und von Unternehmen“. Der Zustrom wird laut Schwebel weiter zunehmen. Internationale Konzerne siedeln sich zunehmend im Großraum an. FRM als „exzellente Wissensregion“, eine einheitliche Beschilderung von Rad- und Wanderwegen, ein Wohnungsbaukonzept für die gesamte Region, Ganztagesbetreuung, regionale Sportstättenstrategie und, und, und: Schwebel listete eine Vielzahl von Zielen für 2030 auf.

Die Aufgabe der FRM GmbH beleuchtete Eric Menges. Er nannte den Frankfurter Flughafen als Fixpunkt. „Wenn der gut zu erreichen ist, dann gibt es gute Chancen auf Firmenansiedlungen.“ Dem Odenwaldkreis attestierte er „ein in der Region konkurrenzloses Flächenangebot“ und erschwinglichen Wohnraum sowie ein gutes Breitbandnetz.

Mit der Lebensqualität „kann der Odenwaldkreis gegenüber vielen anderen Regionen punkten“, meinte Schwabe. Mit dem richtigen Job „gibt es Arbeit vor Ort“, sagte er. Deshalb ist für ihn die Fachkräftesicherung auf Kreisebene wichtig. Hierzu stehe man mit den Betrieben in Kontakt und biete Unterstützung an. Mit dem Projekt „Garantiert mobil“ will die Oreg außerdem dem Wunsch nach Mobilität gerecht werden. Am 1. September starten die Mobilitätsberater, „die die Leute an die Hand nehmen und ihnen zuhause erklären, wie die App funktioniert“. Ziel: Die Kreisbewohner sollen das Auto nicht mehr brauchen.

Für den Oreg-Mann ist der Austausch mit anderen Wirtschaftsförderern wertvoll. Das Thema „Best practice“, was läuft gut und „was müssen wir nicht versuchen“, spiele eine große Rolle. Schwabe sieht das in FRM 2030 genannte zentrale Baumanagement als interessant an: Wenn es um den Wohnort geht, „spielt der Kreis eine gute Rolle“.

 

Die FrankfurtRheinMain GmbH ist die internationale Standortmarketinggesellschaft der Metropolregion FrankfurtRheinMain (FRM). Sie präsentiert die Kreise und Städte der Region als schlagkräftige Gesamtregion im Ausland. Kern der Metropolregion ist der städtische Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main. Insgesamt hat das Rhein-Main-Gebiet ungefähr 5,7 Millionen Einwohner, von denen etwa 2,2 Millionen im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main leben. Andere städtische Zentren neben Wiesbaden, Mainz und Darmstadt sind Rüsselsheim, Groß-Gerau, Bad Homburg, Offenbach, Hanau, Aschaffenburg, Gießen, Limburg und Fulda. In Frankfurt werden bis 2030 weitere 100.000 Einwohner mehr erwartet, in der Region weitere 150.000 bis 200.000. Der Flughafen Frankfurt bietet derzeit 81.000 Arbeitsplätze, in der Umgebung noch einmal das Doppelte. Die Flugbewegungen nehmen ständig zu.

Da stecken Emotionen in den Autos: Treffen der Italo-Freunde Rhein-Main

Sie alle eint die Liebe zu den italienischen Autos, ob es jetzt der Fiat 500 oder der Lamborghini ist: Zum fünften Mal trafen sich auf Einladung der Italo-Freunde Rhein-Main nicht nur „Ferraristi“, sondern auch viele „Fiatisti“. Zum vierten Mal geschah dies auf dem Wiesenmarkt-Gelände in Erbach. 113 Fahrer mit ihren Karossen zählte das Orga-Team um den Vorsitzenden Timo Wahler. „Das sind Emotionen, die in den Autos stecken“, erläutert der 28-jährige Weinheimer die Faszination der Fahrzeuge vom Stiefel.

Seitdem sich die Italo-Freunde das erste Mal vor vier Jahren in Heppenheim trafen, „ist die Besucherzahl sehr konstant“, freut sich Wahler. Dazu kommen immer ein paar Interessierte aus der Region, die sich den Blick auf liebevoll gepflegte und gestylte Autos und dazu noch ein paar schicke Flitzer nicht entgehen lassen wollen. Um die 200 „Erbäscher“ dürften es wohl dieses Jahr gewesen sein, schätzt der Vorsitzende.

Sie hatten eindeutig den kürzesten Anfahrtsweg. Den weitesten dürften mit Abstand drei Briten auf sich genommen haben. „1180 Kilometer“, meint Wahler bewundernd. Die Italo-Auto-Liebhaber organisierten sich übers soziale Netzwerk und traten dann gemeinsam den Weg in den Odenwald an. Dort trafen sie auf Teilnehmer des angrenzenden europäischen Auslands wie Österreich, Schweiz oder Frankreich, vor allem aber auf Fahrer aus allen Ecken und Enden Deutschlands. Aus Italien war allerdings noch niemand dabei, sagt Wahler bedauernd. Jedoch natürlich hierzulande lebende Italiener.

Ruhrpott, Bayern oder der Norden: Den Fahrern sind keine Mühen zu viel und keine Straßen zu weit, um einen Tag unter Gleichgesinnten zu verbringen, erläutert der IG-Vorsitzende. Da wird dann über die eigenen und anderen Vehikel gefachsimpelt, gibt es viele Benzingespräche. „Es ist sehr familiär“, betont Wahler. Jeder kennt quasi jeden, meint er, denn es gibt nur fünf größere italienische Autoclubs in Deutschland. „Die kommen dann immer wechselseitig auf die Treffen.“ Grande Famiglia sozusagen.

Natürlich richten sich die Blicke der Fans auf die roten und gelben Rennwagen wie Ferrari und Lamborghini, die Prachtexemplare der italienischen Autobauerkunst. „Doch auch Serienfahrzeuge sind gerne gesehen“, hebt Wahler hervor. Diese machen in Gestalt von Fiat, Lancia oder Alfa Romeo sowieso die große Mehrzahl der Besucherautos aus. Natürlich bleibt die neue Giulia-Sportvariante mit 510 PS nicht unbeobachtet.

„Fare una bella figura“ gilt ebenso für Autos. Wer will nicht gut aussehen. Bei der Prämierung der 25 schönsten Teilnehmer-Untersätze gewann ein Fiat Grande Punto mit vergoldeten Applikationen, Flügeltüren oder angepassten Giuletta-Scheinwerfern, schwärmt der Vorsitzende. Ein blauer Fiat Coupé und ein weißer Stilo landen auf den Plätzen. Bestes Race-Car wird ein Punto Abarth, als schönster Oldtimer wird ein Fiat Uno ausgezeichnet.

Gewertet wird auch die Musikanlage nach Klang und Optik, es gibt eine dB-Messung der Subwoofer und eine Auspuffmessung unterteilt nach Turbo- und Saugmotoren. Ein Lackaufbereiter beseitigt vor Ort Dellen, ein Folierer steht mit Rat und Tat zur Seite. Dazu Foodtrucks, Hüpfburg, XXL-Dart, Tombola: Es ist ein großes Happening für die ganze Familie.

Die Rhein-Main-Italos bekamen auf ihre Veranstaltung ein sehr positives Feedback, freut sich ihr Vorsitzender. „Den befreundeten Clubs hat es super gefallen“, bilanziert er. „Die freuen sich schon auf eine Fortsetzung.“ Denn die Liebhaber der diversen Karossen sind über ganz Deutschland verteilt und nutzen die Treffen, um sich auszutauschen oder Ideen und Anregungen für die Optimierung der eigenen Fahrzeuge zu holen.

„Als Italo-Fahrer sind wir eine Randgruppe“, meint Wahler schmunzelnd. Die Szene ist überschaubar, kennt sich aber dafür umso besser. Die Modelle vom Stiefel „sieht man außer dem Fiat Panda oder 500 nicht so häufig auf den Straßen“. Ein echter Liebhaber „gibt seinen Wagen trotz aller Problemchen nicht her“, weiß der Vorsitzende. Früher etwas verschrieen für ihre Reparatur-Anfälligkeit, „hat die Zuverlässigkeit der Autos wesentlich zugenommen“, sagt er.

Die Mitglieder der Italo-Freunde kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Neckar-Gebiet von Heidelberg bis Frankfurt über die Bergstraße bin hinein in den Odenwald. Derzeit sind etwa 15 Freunde der italienischen Fahrzeuge in der IG organisiert. Timo Wahler aus Weinheim leitet den seit 2012 existierenden Club seit seiner Gründung. „Bei mir ging es 2008 direkt nach dem Führerschein los“, sagt er über seine Leidenschaft. „Mein erstes Auto war ein Fiat Seicento und gab den Startschuss für diese Vorliebe.“ Derzeit hat er zwei Autos vom Stiefel: einen Fiat Bravo Baujahr 2007 und eine Alfa Romeo Giuletta von 2014. „Solange es Modelle gibt, die mir zusagen, gibt es keinen Grund zum Wechseln“, betont Wahler. „Meine Frau kann fahren was sie will“, grinst er.

Bild: Exost Photography