Massive Kritik am Windkraft-Regionalplan

Die Stimmungslage war eindeutig: 400 gegen 4. Von der Geschäftsstelle der Regionalversammlung war im Vorfeld der dortigen Beratung über den Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energie (TPEE) zur Windenergie ein Infotermin in der Erbacher Werner-Borchers-Halle anberaumt worden. Gekommen waren, so zumindest der Rückschluss aus den Wortmeldungen, ausschließlich Windkraftgegner. Und die in Massen.

Sie heizten den Referenten mit kritisch-fundierten Fragen gehörig ein und rüttelten ein ums andere Mal am mühsam gezimmerten Kartenhaus eines geordneten, fairen Verfahrens. Wirklich Neues wurde von den Vortragenden nicht vermittelt, sodass sich etlichen Besuchern der Eindruck einer Alibi-Veranstaltung aufdrängte, mit der man den Schein einer Bürgerbeteiligung wahren wollte – nach dem Motto: „Wir haben ja informiert.“

Die Marschrichtung gab gleich Erbachs Bürgermeister Peter Traub in seiner Begrüßung vor. Er machte aus seiner Ablehnung der Odenwald-Verspargelung keinen Hehl und sprach sich für möglichst wenige Windräder in der Mittelgebirgslandschaft aus. Für ihn geht es nicht darum, wie viel Prozent der „wunderschön gewachsenen Kulturlandschaft“ für Windenergie zur Verfügung gestellt werden, sondern ganz einfach und direkt um die Frage „Wie sieht’s aus?“ Er sprach damit dem Saal aus dem Herzen.

Dorthin waren auch die laut Organisatoren-Angaben über 300 Demonstranten eingezogen, die vorher ihren Unmut beim Marsch von der Post bis zum Veranstaltungsort lautstark kundgetan hatten. Knapp die Hälfte davon dürfte aus dem Überwald gewesen sein, so die Schätzung. Von dort kam auch Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber nach Erbach. Unter den Gästen waren aus dem Kreis Bergstraße auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Peter Stephan, der Wald-Michelbacher Gemeindevertreter Udo Klos und Corinna Schierz aus dem Landratsamt.

Durch die Herausnahme der Weißflächen, wo es etwa noch Artenschutzbelange oder andere Details zu klären gibt, soll eine Verabschiedung des TPEE (in dem dann alle restlichen, „unbedenklichen“ Flächen enthalten sind) noch in diesem Jahr erreicht werden. Die Kritiker wehren sich aber vehement gegen dieses Vorgehen. Sie sehen darin Augenwischerei, weil die Weißflächen in einem nächsten Schritt wieder aufgenommen werden könnten. Deshalb wird von ihnen mit Nachdruck eine dritte Offenlage des kompletten Regionalplans gefordert – und keine Teil-Verabschiedung.

Dass der Meisenberg zwischen den Wald-Michelbacher Ortsteilen Aschbach und Affolterbach zu einer Weißfläche wurde (und nicht komplett aus der Planung flog, wie im Vortrag suggeriert), geschah laut Planer Till Felden in dem Ansinnen, die Umfassung von Ortslagen zu vermeiden. Mindestens zwei Mal 60 Grad seien rund um ein Dorf freizuhalten. Was in diesem Fall für den Oberzent-Stadtteil Raubach nicht gegeben sei. Dass man von der Raubach den Höhenzug gar nicht sehen kann, ließ er aber außen vor.

Es war diese Aussage, die Sascha Weber auf die Windrad-Palme brachte. Er habe „erhebliche Zweifel an der aktuellen Planung“, sagte er. Von Wald-Michelbach wurde extra ein Teil-Flächennutzungsplan Windkraft für das Gemeindegebiet erstellt. In enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium, wie er betonte. Von diesem sei ein teures Artenschutzgutachten gefordert worden. Das ergab, „dass der Meisenberg aus dem Regionalplan als Vorrangfläche rausfliegen müsste“, so Weber, „wird jedoch ignoriert“, kritisierte er. Stattdessen werde er nur Weißfläche, damit man das Gebiet „zu einem späteren Zeitpunkt wieder reinmogeln kann“.

Das Gutachten „taucht im Regionalplan überhaupt nicht auf“, legte er den Finger in die Wunde. Auch auf dem Lannertskopf bei Ober-Schönmattenwag „dürfte nichts gemacht werden“, hob der Bürgermeister hervor. „Was wird dann berücksichtigt, wenn nicht diese Gutachten“, fragte er rhetorisch. Um darauf hinzuws eine solche Regionalplan-Vorlage für die Mitte Juni tagende Regionalversammlung kaum fehlerfrei sein könne. Nach dem Motto „König schlägt Bauer“ interpretierte Dr. Helmuth Beck, im RP Abteilungsleiter für Regionalplanung die Dominanz des TPEE gegenüber kommunalen Planungen: Für den Regionalplan gälten andere Bedingungen, meinte er lapidar an Weber gewandt.

Die beiden Planer aus dem Regierungspräsidium Darmstadt, neben Felden auch Ulrike Güss, konnten einem fast Leid tun. Sie mussten den Kopf für die nicht anwesende Regierungspräsidenten Brigitte Lindscheid hinhalten, ernteten oftmals Hohn und Spott für ihre Aussagen. Ihnen blieb angesichts der geballten Kritik und des Unverständnisses über die RP-Handlungsweise oftmals nur der Verweis, dass vorgegebene Landesgesetze in eine Planung gegossen wurden. Mit dem nicht ausgesprochenen Satz:  egal was man davon hält und wie sinnvoll diese sein mögen.

Mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt und Energie in der Regionalversammlung Südhessen, dem FDP-Politiker Peter Engemann, stand zudem ein ausgewiesener Windkraft-Kritiker auf dem Podium. Beck machte sich in der Folge keine Freunde damit, als er mit Blick auf die Herausnahme der Weißflächen und der vorzeitigen Verabschiedung des Rests von einer Straffung des Verfahrens sprach.

Bürger-Kritik

  • Im Regionalplan wird von einer Windrad-Höhe von 200 Metern ausgegangen, Stand der Technik sind aber 300 Meter? -> Ulrike Güss: Stimmt. Eine mögliche Beeinträchtigung durch höhere Windräder wird im Bundesimmissionsschutz-Verfahren(BimSch) abgeprüft.
  • In Baden-Württemberg und Bayern gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen? -> Till Felden: Ja. Es handelt sich um Länderrecht.
  • Warum darf in Sichtweite des Kulturdenkmals Beerfelder Galgen ein Windpark gebaut werden? -> Güss: Die Denkmalschutzbehörde hat den Mindestabstand auf zwei Kilometer festgelegt, womit das projektierte Gebiet „Katzenwinkel“ machbar wäre.
  • Widerspruch Windräder im Unesco-Geopark? -> Felden: Wenn wir diesen als Ausschlusskriterium genommen hätten, wäre der Plan niemals zustande gekommen. Es gibt keine rechtliche Erfordernisse, ihn auszuschließen.
  • Natura 2000-Gebiete als Tabuzone? -> Felden: Derzeit nach BimSch noch nicht, das würde erst mit dem verabschiedeten Regionalplan gelten.
  • Beweislast für gefährdete Tierarten liegt in Hessen beim Bürger? -> Güss: Es gibt verschiedene, immer wieder aktualisierte Gutachten durchs Land.
  • Weitere Themen: tatsächlicher Beitrag zum Klimaschutz, signifikante Stromproduktion in einer windschwachen Region, Blick über die Ländergrenzen, Landschaftsschutz vor dem Hintergrund des hessischen Verfassungsziels Nachhaltigkeit, Brandschutz bei Windrädern
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Wintereinbruch machte in Erbach das frostige Mittelalter erlebbar

Das war Mittelalter pur – nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“. Der Wintereinbruch am Samstag mit Schnee sorgte für das große Bibbern bei den Teilnehmern und doch sehr überschaubare Zuschauerzahlen beim dritten Mittelaltermarkt von „Heimdalls Erben“ auf dem Wiesenmarktgelände. Erfindungsreichtum war gefragt. Dicke Felle erlebten kurz vor dem Frühling eine Renaissance.

Der Perlenmacher war besonders erfinderisch: Er machte eine Marmorplatte mit seinem Brenner heiß, die dann im kleinen Zelt ein paar Stunden wohlige Wärme abgab. Denn viele Teilnehmer übernachten – ganz authentisch – unter einem Stoffdach. Der Sonntag bei aufgelockerter Bewölkung und angenehmeren Temperaturen sah dann etliche Familien auf den Platz strömen, die eine Zeitreise in vergangene Jahrhunderte unternehmen wollten.

Jungs spielen Ritter, Mädchen kleiden sich als Prinzessin: Auf einem Mittelaltermarkt werden Kinderträume schlechthin wahr. Veranstalter Holger Hörstkamp aus Biebesheim hatte das Angebot aus dem vergangenen Jahr mit etwa 50 Ständen noch einmal leicht ausgeweitet. Mit Reiter- und Feuershow, mittelalterlicher Musik, orientalischem Tanz, Gaukelei und Spielmannskunst wurden die Besucher unterhalten. Dazu gab es noch reichlich „Fresserey und Sauferey“ aus früheren Zeiten.

Auch wenn Heimdall als nordischer Gott dem Team seinen Namen gab, sind seine Erben eigentlich ein ganz traditionelles Familienunternehmen. Mutter Margarethe Hörstkamp sitzt mit ihren 79 Jahren an der Kasse, Vater Hans hat mit seinen 83 hat ein wachsames Auge darauf, dass keiner ohne Eintrittskarte aufs Gelände kommt. Der 55-jährige „Filius“ Holger wiederum steigt bei der Reitershow jahrein, jahraus aufs Pferd. Ein festes Team von nur wenigen Personen schmeißt die komplette Veranstaltung.

Eigentlich hat Holger Hörstkamp ja einen ganz traditionellen Beruf gelernt. Er war früher als Kommissionierer in einem Lager tätig, machte sich dann selbstständig und sattelte um auf Mittelalter. Ganz im Wortsinn: Denn seine ersten Sporen verdiente er sich vor 17 Jahren auf der Ronneburg, wo er bei der dortigen Reitershow mitwirkte. Vor 14 Jahren starteten dann die eigenen historischen Märkte rund um seinen Wohnort Biebesheim.

Die Faszination für Hörstkamp ist es auch nach all dieser Zeit immer noch, „den Markt vom Papier in der Realität umzusetzen“. Manchmal sei es „wie ein großer Kindergarten, alle unter einen Hut zu bringen“, lacht er. Genehmigungen, Verträge, kurzfristige Absagen, Künstlerbuchungen, Absprachen vor Ort und vieles mehr sind aufwendig. „Es macht mir aber immer noch sehr viel Spaß“, betont er.

Seine Frau Sandra, die er Anfang März – natürlich auf einem Mittelaltermarkt – heiratete, steht ihm dabei zur Seite. Hörstkamp kann daneben auf viele Markthändler bauen, die ihn schon jahrelang bei seinen Veranstaltungen begleiten. Aber es gibt auch immer ein paar neue „alte“ Gesichter: Standbetreiber, die man auf historischen Märkten übers Jahr schon oft gesehen hat und die nun auch einmal bei Heimdalls Erben anzutreffen sind.

Etwa Florian „FLux“ Lacina, der mit seinem Weinturm gleich gegenüber der Bühne zu finden ist. Dort spielen gerade die „Bohemian Bards“ auf historischen Instrumenten altertümliche Weisen. Seit 13 Jahren preist Flux die besten Tropfen, egal ob mit oder ohne Prozente, an. Als Feuerkünstler, Grafiker und Techniker machte er bis 2010 die Mittelalter-Rockband „Saltatio Mortis“ mit zu dem, was sie heute ist.

Oder Achim Häfner, der „Falkner der Herzen“. Der Pfälzer aus Kirrweiler ist mit seinen Greifvögeln als Botschafter des Kinderhospizes Sterntaler auch auf mittelalterlichen Märkten anzutreffen. Er arbeitet viel mit Behinderten und ist stolz darauf, laut eigener Aussage „als einziger in Deutschland eine Therapie mit Greifvögeln“ anzubieten. Pfälzisch-redselig preist er den selbst gelesenen Eiswein an, von dessen Verkaufserlös natürlich ein Teil ans Kinderhospiz geht. Die flauschigen, zutraulichen Vögel sind derweil die heimlichen Stars.

Info: Das sechste mittelalterliche Spektakel in Lampertheim, veranstaltet von Heimdalls Erben, findet am 4. und 5. Mai an den Biedensand-Bädern statt. Mehr unter www.heimdalls-erben.de

„Betty and the Daltons“ sind mit Country & Western im wilden Odenwald unterwegs

Endlose Weiten, durch die der Sand gepeitscht wird, ein paar mäandernde trockene Büsche, dazu noch karge Felsformationen, durch die sich ein einsamer Reiter mit Zigarre im Mundwinkel, vermacktem Hut und Lederponcho quält: soweit das deutsche Western-Klischee, genährt durch Karl May und Clint-Eastwood-Filme. „Betty and the Daltons“ zeichnen ein ganz anderes Bild von Country & Western. Das im vergangenen Jahr gegründete Trio aus Erbach und Michelstadt nimmt sich selbst nicht so ernst, hat viel zu lachen und noch mehr Spielfreude.

Bettina „Betty“ Finger, Dirk Freitag und Markus Fabian spielen zum Teil mit verwegenen Instrumenten wie Waschbrett, Autoharp, Steelguitar und Banjo einen Mix von Common Linnets bis Johnny Cash, angereicht mit CCR, Kris Kristofferson oder John Denver. Man sieht: Es gibt nicht nur Country, sondern auch Western, gepaart mit ein paar Pophits wie „Lay down Sally“ von Eric Clapton.

Mastermind hinter der Truppe ist Markus Fabian aus Michelstadt. Gitarrist, Sänger, Bassist, Ukulele- und Mandolinespieler, Steelgitarrist, Schlagzeuger, Songwriter, Komponist und Producer:  Der Mann ist seine eigene Ein-Mann-Kombo in Personalunion. Dazu ist er im Odenwald musikalisch bekannt wie ein bunter Hund durch seine Arbeit mit Herr Fabian, Onkel Bob oder Undercure.

„Für mich zählt, dass wir sehr viel Spaß miteinander haben und ich verschiedene, auch ausgefallene Instrumente spiele“, betont Fabian. Es ist innerhalb eines halben Jahres eine auftrittsfähige kleine Band entstanden, die „nicht sooo perfekt ist“, grinst er – „aber dennoch beim Odenwälder Publikum einen Nerv getroffen hat“. Scheinbar gibt es viele Menschen, die Country und Folk „wie wir es darbieten“, gerne mögen.

Die Bandgründung geschah durch äußere Einflüsse: „Wild Bill‘s Saloon“ hatte in Erbach aufgemacht und „ich wollte gerne mal dort spielen“, erinnert sich der Musiker. Da dort aber nur Country und Western reinpasst, überlegte er, wie das anzustellen wäre. Da kam er auf Dirk Freitag und Bettina Finger: „Betty and the Daltons“ waren geboren. Es wurde ein Programm aufgebaut, überlegt, was zu welchem Stück passt und „wie wir uns bei jedem Stück sinnvoll und abwechslungsreich ergänzen können“. Das Ergebnis kommt an.

Für Bettina Finger ist Country „eine tolle Musik”, die so gar nichts mit dem Schlagerklischee zu tun hat. Gerade Johnny Cash und June Carter haben für sie „super Songs“ geschrieben und darin ihr Leben verarbeitet. „Das sind meine Vorbilder“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Darin werden so schöne Liebesgeschichten erzählt.“ Finger gefällt daneben die große Vielseitigkeit, die mit den verschiedenen Instrumenten zum Ausdruck kommt.

30 Jahre zupfte sie nur die Gitarre, jetzt ist die Musikerin vielfältig und –saitig unterwegs. Auf Anregung vom Markus Fabian („mach mal“) beschäftigt sie sich auch mit Bass, Ukulele, Autoharp, Waschbrett und Banjo. „Ich kann das nicht gut, aber spiele trotzdem alles“, lächelt sie. Der Instrumententausch „ist witzig und macht Spaß“, erzählt Bettina Finger. Es passiert vieles, auch Unvorhergesehenes.

„Dass ich auf meine alten Tage noch einmal auf der Bühne stehe, hätte ich mir auch nicht gedacht“, kokettiert die Erbacherin mit ihrer Lebenserfahrung. Denn öffentlich wirkte sie bisher nicht in Bands mit. „Seit neun Jahren wird lediglich im Wohnzimmer auf der Couch gejammt oder auf Geburtstagen gespielt.“ Jetzt hat sie mit Leitwolf Markus Fabian als altem Hasen Freude an den Auftritten gefunden.

Dirk Freitag ist musikalisch ein Spätzünder. Erst über seinen Sohn kam er vor viereinhalb Jahren in Kontakt mit Sebastian Schimmer von „Oel“, der quasi sein Mentor auf der Gitarre ist. Banjo, Bass und Waschbrett kamen in neuester Zeit hinzu. „Westernmusik mochte ich schon immer“ bekennt er. Emotionen, Romantik, ein Hauch von Abenteuer, dazu noch Liebe, Drama, Eisenbahn: „Es macht einfach Spaß, darüber zu singen“, erläutert der Erbacher. Die Auswahl der Instrumente ist für ihn faszinierend.

Info: Die Country-Night mit Western-Büffet und Musik von „Betty and the Daltons“ findet am Samstag, 13. April, ab 18 Uhr im Gasthaus „Zum Ross“ Ober-Mossau statt. Platzreservierung unter 06061-2398 oder E-Mail dirk.freitag@freitagsfeines.de. „Wandern und Wein“ heißt es am 1. Mai, 14 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus Steinbuch mit dem Trio. Mehr unter www.backstagepro.de/betty-und-die-daltons

Es geht doch nichts über das gute alte Buch

Das Motto „Lesen macht Spaß!“ passt für Emily Wolf wie die Faust aufs Auge. Die 13-jährige Jugendpreisträgerin des Krimiwettbewerbs Odenwald 2018 trägt beim Lesenachmittag des Kiwanis-Club Erbachs ihre preisgekrönte Kurzgeschichte „Ein seltsamer Ort“ vor. Viel Spaß haben die Jugendlichen außerdem mit den Kinder- und Jugendbuchautoren Corinna Harder und Jens Schuhmacher, die mit ihren „Black Stories“ zum Mitmachen und Mitraten animieren.

Den Heranwachsenden in Zeiten von Internet, Smartphone, Computer und Tablet das gute alte Buch näherbringen: Das hat sich der Kiwanis-Club mit seinem Präsidentin Stefan Uhrig auf die Fahnen geschrieben. „Es wird einfach zu wenig gelesen“, bedauert er. Eine bessere Botschafterin als Emily Wolf hätte er nicht finden können. Die aufgeweckte 13-Jährige kam schon früh mit dem gedruckten Wort in Berührung, allerdings erst einmal übers Gehör. „Mein Vater hat mir und meinem Bruder immer viel vorgelesen“, erzählt sie.

Als sie dann selbst lesen gelernt hatte, wuchs der Bücherbestand im Hause der Wolfs ständig an. Geschichten schrieb die Jugendliche schon immer gern. Auch das liegt in der Familie, denn Vater Dieter nahm ebenfalls schon an einem Krimiwettbewerb teil. Das erste Mal war Emily in der Grundschule Hollerbusch mit einer Geschichte erfolgreich.

Als Zehnjährige beteiligte sie sich 2016 dann am Odenwald-Wettbewerb mit dem Titel „Die kleine Hütte im Wald“. Da der aber erst ab elf Jahren war, gab’s für sie einen Sonder- und Publikumspreis. 2018 dann die erneute Teilnahme und der Erfolg mit „Der seltsame Ort“. Die Idee dazu kam Emily im Englisch-Unterricht. „Danach habe ich die Story ausgearbeitet“, sagt sie. Ihr gefällt es, beim Schreiben auch eigene Erlebnisse und Geschichten mit einfließen zu lassen.

Wenn sie Bücher wie etwa „Die andere Verbindung“ von Jonas Ems liest, „stelle ich mir alles plastisch vor“, meinte Emily. „Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb“, ist ein Roman von Tanya Stewner, in dem sie ebenfalls gerne schmökert. Was meinen die Freundinnen, dass sie im Handy-Zeitalter so ganz untypisch viel liest? „Ich mache das meistens abends, da bekommen die es nicht so mit“, lacht Emily. Natürlich prägt auch die Familie, „in der schon immer viel gelesen wurde“. Da muss sich ihr Bruder Anton nicht verstecken, der ebenfalls beim Krimiwettbewerb Odenwald einen Preis gewann.

Einmal im Jahr, erläutert Uhrig, richtet der Club eine Kinderveranstaltung aus. Letztes Jahr war diese zugunsten des Kinderhospizes Sterntaler, jetzt wird die etwas finanziell schwächelnde Erbacher Stadtbücherei mit 500 Euro bedacht. Von den Eltern bekam Uhrig eine positive Rückmeldung. „Der Rahmen macht den Kindern Spaß“, sagten diese. Die interaktiven Black Stories regen zum Nachdenken und Mitfiebern an. „Ich hoffe, dass mein Kind jetzt bisschen mehr liest“, sagt eine Mutter.

Corinna Harder, die ihre Wurzeln in Etzen-Gesäß hat, und Jens Schuhmacher wussten die Kids zu faszinieren. Die von ihnen selbst entwickelten „Black Stories“ fordern zum Raten heraus. Eigentlich sind die beiden Buchautoren mit dem Schwerpunkt Rätsel- und Ratekrimis. Seit zehn Jahren wirken Harder und Schumacher aber auch an den Black Stories mit, von denen bereits 4,5 Millionen Exemplare in Deutschland verkauft wurden.

„Die Kinder sind immer sofort dabei“, weiß Corinna Harder über das interaktive Spiel. „Bei den Erwachsenen braucht es ein oder zwei Rotwein“, schmunzelt sie. Die Orientierung an wahren Begebenheiten, in den die Älteren Mist bauen, kommt bei den Jugendlichen immer gut an, sagt Schuhmacher. Für die Erwachsenen wiederum „ist ein schön zu sehen, dass es Leute gibt, die dümmer sind als sie selbst“, witzelt er. Die Veranstaltungen „machen total Spaß“, hebt die Autorin hervor. Denn es gibt „ein unmittelbares Feedback“. So können beide feststellen, „ob wir die Sprache der Kinder treffen“. Dass es gelingt, ist unschwer feststellbar, wenn sie ein paar Brocken in den Raum werfen, sofort ein paar Hände hochgehen und die Antworten nur so sprudeln.

Das Buchkabinett, Eichenhofer und die Stadtbücherei informierten bei „Lesen macht Spaß!“ an Tischen über ihr Sortiment. Die Veranstaltung wurde musikalisch durch die Schlesier Brothers umrahmt. Martialisch wurde es mit den Stormtroopers der 501st German Garrison Legion aus dem Star-Wars-Universum. Die mitglieder kommen aus der gesamten Region von Heidelberg bis Darmstadt, hatten Darth Vader im Gepäck und ließen sich gerne mit den Kindern fotografieren.

 

Zum Irish Folk gibt’s in Erbach auch Irish Food

Irish Folk zieht immer. Egal ob es jetzt die „Dance Masters“ sind, die vor kurzem in der Werner-Borchers-Halle zu Gast waren, das irische Feuermärchen in Bad König oder das Trio „Woodwind & Steel“ im großen Saal des Brauhauses: Wenn Folklore von der Grünen Insel drauf steht, kommen die Leute in Scharen. Kein Wunder also, dass die Stühle bis auf den letzten Platz besetzt waren und es ziemlich eng zuging. Zwei Stunden lang entführten die Drei nicht nur mit Musik, sondern auch mit einigen Geschichten nach Irland.

Damit’s dabei ebenfalls im Magen irisch zuging, hatte das Brauhaus-Team einige Spezialitäten mit ins Menü aufgenommen. Das fing an beim Guinness vom Fass für die Unterfütterung. Danach wurde es deftiger mit einem „Beef Stew“ – die originalgetreue Lamm-Variante mit Karotten, weißen Bohnen und Fenchel wollte man wohl den deutschen Mägen nicht zumuten. Immerhin: Das Lamm gab’s dann in Form eines Linseneintopfs mit grünen Bohnen. Unverfänglich: die Sodabread-Rolls mit Räucherlachs und Kressebutter.

Ann und Ed O’Casey sowie Alex Vallon gingen zu Beginn gleich in die Vollen. Mit dem Tanz „Irish Rover“ hatten die Musiker das richtige Stück gewählt, um die Menge zum Mitklatschen zu bewegen. Für ein Tänzchen, wie von Ed gewünscht, war es vielleicht noch ein wenig früh. Gitarre, Mandoline, Querflöte, Tin Whistle und Rahmentrommel lieferten sich in den Songs einen spannenden Wettstreit. Aber irgendwie fehlt der letzte Kick, die letzte Leidenschaft, um richtig authentisch zu wirken. Die Band ist sehr professionell, aber das ist vielleicht auch genau der Punkt.

„As I roved out“, auch schon von Loreena McKennitt gesungen, startete die Reise vom Brauhaus in den Südwesten Irland. Denn der Song handelt davon, Spaß zu haben, auszugehen, neue Leute kennenzulernen. Blarney Castle bei Cork ist bekannt für seinen Stein, der Sprachgewandtheit verleihen soll. Der muss allerdings unter allerlei Verrenkungen geküsst werden, was Anlass für eine etwas langatmige Theatereinlage gab.

Fazit von Ed: Angesichts der Massen, die den Stein küssen, am besten früh morgens nach einer regnerischen Nacht vorbeikommen, um allerlei ansteckenden Krankheiten zu entgehen. Was wäre die Band ohne Flötistin Ann O’Casey, die trotz des irisch klingenden Namens verdächtig gut Deutsch spricht. Außer den roten Haaren ist nicht viel von der Grünen Insel an ihr zu finden. Die Stücke werden ganz klar von ihrer Fingerfertigkeit auf fünf verschiedenen Instrumenten getragen. Sie gibt quasi bei Woodwind & Steel musikalisch den Ton an.

Ed O’Casey ist mit Gitarre, Bodhran und Gesang vielfältig im Einsatz und spiel den Animateur mit Bravour. Mal schmeichelnd, mal fordernd umgarnt er das Publikum, gibt dem Affen Zucker und sich selbst als den Klischee-Iren. Batschkapp, verschmitztes Grinsen, weißes Hemd, Hosenträger und ausgebleichte Jeans, dazu noch irische Gesichtszüge, wie man sie sich vorstellt, und ein englisch angehauchtes Deutsch, von dem nicht ganz klar wird, ob es Show ist oder echt: Der Mann versteht seinen Job, die Zuschauer bei Laune zu halten.

Gelächter für die verschiedenen plastischen Schilderungen des Stein-Küssens und viel Beifall für seine Musik belohnt das Trio. Die Lieder sind teilweise eher sparsam instrumentalisiert. Flöte und Gesang, Querflöte und Gitarre stehen für die Balladen, während dann die Tin Whistle gepaart mit der Rahmentrommel einen flotten Jig einläutet. Gitarrist Alex Vallon mit Babyface ist dabei eher der ruhige der Truppe. Er lässt, klassisch mit Sakko und Hemd gekleidet, sein Instrument sprechen und kann zwischendurch virtuos seine Kunst auf den sechs Saiten beweisen.

Pub und Kirche prägten die irische Geschichte. Viele der Auseinandersetzungen in der Vergangenheit hatten kirchliche, religiöse Hintergründe. Die Iren suchten einen Ausgleich für ihr hartes Leben, für ihre zahlreichen Konflikte, für die bittere Not nach Missernten, Kartoffelfäule, Pest, Not oder Auswanderung als letztes Mittel um zu überleben.

An der Außenseite des oberen Wehrgangs des Bergfrieds von Blarney Castle befindet sich der Stein der Sprachgewandtheit (englisch: Stone of Eloquence), angeblich die Hälfte des Steins von Scone, den Kreuzritter aus dem Heiligen Land mitbrachten und auf dem die schottischen Könige fortan gekrönt wurden. Cormac McCarthy erhielt ihn 1314 von Robert the Bruce für seine treuen Dienste in der Schlacht von Bannockburn. Der Legende nach erlangt derjenige, der den Blarney-Stein küsst, die Gabe des freien Sprechens. Für Iren und Briten ist der Begriff Blarney im Alltag somit gleichbedeutend mit hohlen Floskeln oder unüberlegtem Gerede. Das umgangssprachliche „Blabla“  im Deutschen beruht jedoch nicht auf dem Wort Blarney.

Im tristen deutschen Winter steppend auf die Grüne Insel Irland

Ein Hauch von Irland liegt über der Werner-Borchers-Halle. Vor dem geistigen Auge – und auf der Leinwand hinter der Bühne – entsteht ein Bild der Insel mit ihren weiten, sattgrünen, manchmal auch kargen Landschaften, am Himmel entlang treibenden Wolkenfetzen, den vier Jahreszeiten an einem Tag. In diese Eindrücke mischt sich langsam die Musik, die melodische Geige, die akustische Gitarre oder das gezupfte Banjo. Dazu noch der Klang von Stepptanz-Schuhen sowie über die Bühne fegenden Tänzern zu fetzigen Rhythmen: Fertig ist „The Best of Irish Dance“.

Die Musiker und Tänzer nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit und die irische (Tanz-)Geschichte. Mal melancholisch und tieftraurig, mal lebenslustig, vor Freude sprühend, sind die vielen Stücke, die sie an diesem Abend auf Instrumenten und tänzerisch darbieten. So bunt gemischt wie die viele Köpfe zählenden Gäste in der fast ausverkauften Halle ist auch der Set.

Balladen mischen sich mit fetzigen Songs, bei denen die Zuhörer fast schon automatisch anfangen zu klatschen. Wesentlichen Anteil daran hat Barry Tierney. Dem irischen Vollblutmusiker merkt man an, dass ihm die Töne im Blut liegen. Seine volltönende Stimme macht die irische Illusion greifbar. Ciara Murphy auf der Geige und Andrew Kelly (Banjo) vervollständigen das Trio, das zwischen den einzelnen Tanzeinlagen immer wieder auf die Grüne Insel entführt.

Die Aufführungen sind eingebettet die tragische Geschichte von der unerfüllten Liebe, bei der der Junge Patrick sein Mädchen Kate am Ende natürlich doch noch kriegt. Nebenbuhler und Konkurrentin inklusive. Bis dahin wird viel getanzt, in allen Epochen und etlichen unterschiedlichen Kostümen. Mit einigem Vorschussapplaus ausgestattet, gehen die zwölf Akteure auf der Bühne gleich in die Vollen.

Immer wenn’s etwas fetziger wird, die Absätze nonstop auf den Bühnenboden knallen, steigt auch der Begeisterungspegel im Publikum, das zwischendurch etwas träge beim Mitklatschen ist. Aber natürlich wissen die Profis auf der Bühne bestens, wie sie die Stimmung Richtung Finale richtig anheizen können, damit der tosende Beifall eine Zugabe erfordert.

Die Handlung dient mehr oder weniger als Vehikel für diverse Tanzeinlagen, bei denen es mal 200 Jahre zurück in die irische Geschichte geht, dann in die 1960er Jahre und schließlich ins Heute mit einer Aerobic-Fitness-Tanzeinlage. Immer auf den Spuren des Irish Dance, dessen Geschichte in knapp zwei Stunden auf diese Weise nachgezeichnet wird. So ganz synchron sind die Bewegungen der Tänzer zwar nicht immer, aber das machen sie durch ihre Freude an der Aufführung wett.

Die kommt an: Die Produktion blickt auf einen mehr als zehnjährigen Erfolg zurück, wie Tourleiter Jörn Gierschke betont. 60 bis 100 Shows werden immer zwischen Oktober und März von professionellen Tänzern geboten, die alle bereits an Weltmeisterschaften und diversen Championships teilnahmen. Dazu noch die die eingestreute authentisch-irische Musik und fertig ist das Erfolgskonzept.

Die Geschichte dahinter beruht auf der Idee von Choreograf Richard Griffin mit seiner „School of Irish Dance“. Die Erzählteile bleiben jedes Jahr gleich, erläutert Gierschke dazu, die gespielten Szenen und Formationstänze erfahren alljährlich eine Überarbeitung und Neuauflage. Das Konzept geht auf: „Wir haben schon hunderte ausverkaufte Shows gespielt“, freut er sich.

„Alle Füße sind live“, weist der Tourleiter auf ein Alleinstellungsmerkmal der Produktion hin. Zu erkennen an den Mikros am Außenwrist. „Das ist unser ganz großer Anspruch“, betont er, der die Dance Masters selbst von Mammutaufführungen wie „Riverdance“ abhebe. Außerdem wird beim „Best of Irish Dance“ mit einem Livebild gearbeitet, um so auch den hinteren Reihen ein Blick auf die wirbelnden Füße zu ermöglichen. Technisch und qualitativ „sind wir so hochwertig wie Riverdance“, sagte er.

Mit den Irish-Dance-Shows „gehen wir bewusst in die Provinz“, sagt Tourleiter Jörn Gierschke. „Wir wollen zu Gästen kommen, damit diese nicht viele Kilometer in die Großstadt fahren müssen.“ Im Schnitt besuchen zwischen 800 und 1200 Zuschauer die Aufführungen. Erbach ist – auch aufgrund der Größe der Borchers-Halle – mit 500 eher ein Ausreißer nach unten, das Berliner Tempodrom (2016) mit 2000 einer nach oben. 750 Aufbaustunden, 60 Hoteltage, 20.000 Kilometer sowie 22 Teilnehmer nennt er als Zahlen für eine Saison.

 

93 Aussteller wecken beim Erbacher Bauernmarkt Lust auf regionale Produkte

Freitagmorgens geht es auf den Bauernmarkt noch gemächlich zu. Langsam trudeln die ersten Besucher ein, füllen sich die Markthallen und das Außengelände gemächlich. Gegen Mittag dann werden die Parkplätze sukzessive knapper. Für Liane Heist, die Vorsitzende der Odenwälder Direktvermarkter, ist das ein kleiner Vorgeschmack dessen, was die 93 Aussteller Samstag und Sonntag erwartet: Ein bis oben hin volles Gelände, auf dem sie angesichts des herrlichen Herbstwetters um die 30.000 Besucher auch aus dem Frankfurter, Mannheimer und Heilbronner Raum erwartet.

Unter den Ausstellern sind viele „Wiederholungstäter“, schmunzelt sie. Direktvermarkter vor allem aus dem Odenwaldkreis, die wissen, was sie am Werbeeffekt des Bauernmarktes haben. Das betont etwa Sylvia Schäfer am Stand der Molkerei Hüttenthal. Die gehört schon zu den „Urgesteinen“ und hat immer „eine sehr gute Resonanz“, freut sie sich. Viele Besucher „kommen danach auch in den Laden“, hat Schäfer festgestellt.

Frisch gepresster Apfelsaft ist einfach der Renner. Bei Familie Michel aus Seeheim kommen die Mitarbeiter mit dem Pressen kaum nach, so schnell wird ihnen der leckere Trank aus den Händen gerissen. Getrockneten Tee oder auch frischen zum sofort Probieren gibt es dieses Jahr ebenfalls. Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fisch und Fleisch: Es sind ja nicht nur 93 Aussteller, sondern eine Vielzahl an Produkten und Vorführungen, die sie mitgebracht haben. „Die Aussteller sind immer sehr zufrieden“, weiß Heist.

Das Wetter hat nur einen untergeordneten Einfluss auf den Andrang, sagt die Vorsitzende, die selbst mit dem Crumbacher Bauernlädchen vor Ort ist. Regionale, selbst hergestellte Produkte, bei denen der Verbraucher genau weiß, wo sie herkommen, wie sie verarbeitet werden und welchen Weg sie bis zum Verkauf haben, ziehen eben. Zehn Mitarbeiter sind bei ihr übers Wochenende im Einsatz, die Sonntagabend „ziemlich platt“ sein werden.

„Langsam, aber stetig“ gehen laut ihrer Beobachtung die Besucherzahlen des Bauernmarkts jedes Jahr nach oben. Das deckt sich mit der Wahrnehmung von Willy Baumann von der gleichnamigen Odenwälder Lebkuchenbäckerei. Den Betrieb gibt es bereits in der elften Generation. Die Baumanns sind schon von Beginn an im „Aufgebot“ der Bauernmarkt-Beschicker. „Wir produzieren alles frisch“, betont er. Am Montag „ist das Lager komplett leer“, sagt der Seniorchef. Dienstags wird dann wieder losgelegt und für den nächsten Termin gebacken.

Frischgebackenes Brot gab es an etlichen Ständen: Das ging überall weg wie warme Semmeln. Die Herstellung direkt vor Ort im Holzofen einer historischen „Zuckerbäckerei“ zog viele Schaulustige an. Vom herrlichen Duft ganz zu schweigen. Die Anbieter schätzen darüber hinaus die Möglichkeit, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. „Die Leute sind sehr interessiert“, meinte etwa Monica Gehrig-Himmel aus Litzelbach, die das dritte Mal mit den „Odenwälder Feinen Bränden“ dabei war. Alle Schnäpse und Liköre werden in der Brennerei auf dem eigenen Dreiseithof selbst hergestellt.

Neben den Erzeugnissen aus Hof, Keller und Küche ist es auch immer wieder das Rahmenprogramm, das die Besucher anspricht. Etwa die Ausstellung von alten und neuen Landfahrzeugen, Traktoren und Dreschmaschinen, die Tierschau, der Auftritt der Jagdhornbläser oder die Vorführung der Rettungshundestaffel Bergstraße-Odenwald (am Sonntag).

„Wir wollen die hiesige Landwirtschaft und die Regionalität der Produkte den Verbrauchern nahe bringen“, verdeutlicht Liane Heist die Idee. „Der Odenwald bietet alles“, sagt sie. „Wir brauchen keine Erdbeeren aus China.“ Immer neue Vorschriften und Auflagen machen den Direktvermarktern aber das Leben schwer, beklagt die Vorsitzende. „Die sind auf die großen Betriebe ausgerichtet, die kleinen hat man nicht im Blick“, sieht sie die Bauernhöfe vor immer mehr Schwierigkeiten gestellt, allem nachzukommen. Sie wünscht sich eine größere Differenzierung.

Info: Der Erbacher Bauernmarkt am Wiesenmarkt-Gelände ist Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Tipp von Liane Heist von den Odenwälder Direktvermarktern: Wer den Menschenmassen etwas aus dem Weg gehen möchte, sollte heute Vormittag vor 11 Uhr oder nachmittags ab 16 Uhr zum Besuch vorbeikommen.