Mögliche Windräder auf dem „Katzenwinkel“: Denkmalamt lässt Beerfelden bei der Galgen-Einstufung hängen

Auf der Ortsbeiratssitzung in Etzean ging es zwar vor allem um den Hügelrücken „Katzenwinkel“, auf dem fünf Windräder entstehen könnten. Aber eigentlich ging es auch hier um das große Ganze, nämlich den Teilplan Erneuerbare Energien des Regionalplans Südhessen, der in seinem Entwurf im Gegensatz zum Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises dort Windenergieanlagen zulässt. Wie übrigens auch auf der Hirschhorner Höhe zwischen Beerfelden und Rothenberg.

Ortsvorsteher Ralf Kredel informierte zum Sachstand des Regionalplans und machte auf die Möglichkeit zur Stellungnahme bis 2. Juni aufmerksam. Fürs Gebiet „Katzenwinkel“ stellte er Kartenmaterial zur Verfügung, damit sich die Besucher selbst ein Bild machen könnten. In einer lebhaften, aber sachlichen Diskussion wurden die verschiedenen Aspekte wie etwa die Nähe zu Wohnhäusern angesprochen.

Bürgermeister Gottfried Görig sagte, dass sich die Stadt „klipp und klar gegen weitere Windkraft-Flächen im Regionalplan ausspricht“. Mit dem gemeinsamen FNP hätten die 15 Gemeinden beschlossen, „dass es mehr Vorranggebiete nicht geben soll“. Das hat auch mit den vereinbarten „harten Kriterien“ zu tun, nach denen 1000 Meter Abstand vom Windrad zur nächsten Bebauung gegeben sein sollen. Im FNP waren die Sensbacher Höhe und der Hügel zwischen Hinterbach und Olfen gelistet.

An den harten Kriterien hapert es – von der generellen Ablehnung mal abgesehen – im Gebiet „Katzenwinkel“ zwischen Etzean und Airlenbach. Nach den Informationen von Görig würden sich ein oder zwei der fünf dort möglichen Rotoren in lediglich 700 bis 750 Meter Entfernung zu Wohnhäusern drehen. Deshalb wurde diese Fläche im FNP auch ausgeschlossen. Das Problem: Dieser Plan wurde vom Darmstädter Regierungspräsidium abgelehnt.

Dagegen haben sich die Odenwald-Kommunen in einer Klage zusammengeschlossen. Allerdings gibt es derzeit noch keinen Termin für eine Verhandlung. Ebenso wenig wie für die Klage der Firma Juwi, die am Katzenwinkel einen Windmessmast erreichten wollte. Zu diesem Ansinnen hatte der Beerfelder Magistrat sein Einvernehmen verweigert und im Folgenden der Kreis die Baugenehmigung verwehrt. Dagegen geht nun die Firma vor. Das betreffende Gelände ist in Privatbesitz. Es gehört zu größeren Teilen dem Grafen von Erbach und zwei weiteren Personen.

Bei der Einsichtnahme in den Regionalplan im Zuge der öffentlichen Auslegung fiel den Fachleuten in der Stadtverwaltung daneben ein weiteres, wichtiges Kriterium auf: Der Beerfelder Galgen wurde bei der Überprüfung, „ob der Bau von Windkraftanlagen einen Konflikt hinsichtlich der Belange des Denkmalschutzes darstellt, nicht berücksichtigt“. Denn das Kulturdenkmal liegt in der Sichtlinie des Katzenwinkels, was auch auf der vergangenen Stadtverordnetenversammlung angesprochen wurde. „Hinter dem Galgen würde man die Rotoren sehen. Das ist nicht hinnehmbar“, so Görig.

Über die Antwort auf die entsprechende Rückfrage gab in der Stadt am Berge Kopfschütteln. Denn das Landesamt für Denkmalpflege stufte den Galgen in die Kategorie C ein. Was ein Denkmal von lediglich lokaler Bedeutung mit einem Prüfradius von einem Kilometer bedeutet. Durch diese Betrachtung war „eine vertiefte Prüfung für dieses Gebiet nicht erforderlich“.

In seiner Stellungnahme an die Denkmalpfleger äußert sich Görig über diese Einstufung „doch sehr erstaunt“. Denn das gleiche Amt bezeichnet den Galgen in der Denkmaltopographie der Bundesrepublik als „Rechtsdenkmal von nationaler Berühmtheit und als den besterhalten dreischläfrigen Galgen in ganz Deutschland“. An anderer Stelle wird die „außergewöhnliche kulturhistorische Bedeutung“ genannt.

Görig weist weiter auf unzählige Veröffentlichungen und den Galgen als Ziel vieler Ausflügler hin. Er geht davon aus, „dass Ihnen bei der Einstufung der vielen Denkmäler nur ein Fehler unterlaufen ist.“ Auch vor dem Hintergrund der eigenen Aussagen im Denkmalbuch wird darum gebeten, die Einstufung zu korrigieren. „Unserer Ansicht nach handelt es sich beim Galgen um ein kulturhistorisches Denkmal von überregionaler Bedeutung.“

 

 

Die 15 Odenwaldkreis-Kommunen werden zur zweiten Offenlage des Teilplans Erneuerbare Energien eine gemeinsame Stellungnahme durch ein Fachbüro erarbeiten lassen. Diese wird allen Gemeinden zugeleitet und von ihnen durch Anlagen im Hinblick auf spezifische eigene Belange – in Beerfelden der Galgen – ergänzt. Bis spätestens 30. Juni müssen dann die Stellungnahmen beim Regierungspräsidium Darmstadt eingegangen sein. Dieser Fristverlängerung (eigentlicher Abgabetermin spätestens 2.6.) stimmte das RP wegen der engen Zeitschiene zu.

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Beerfelden: Windräder im „Katzenwinkel“ sollen verhindert werden

Planungen für fünf Windkraftanlagen im Bereich „Katzenwinkel“ auf dem Höhenrücken zwischen Etzean und Airlenbach waren in der vergangenen Stadtverordneten-Sitzung Thema einer Anfrage von Andrea Heß-Kraus (SPD). Sie wollte den Stand der Dinge wissen. Wie Bürgermeister Gottfried Görig entgegnete, habe es von einer Firma den Bauantrag auf Errichtung eines Windmessmastes gegeben.

Der Magistrat habe diesem im Januar kein Einvernehmen erteilt, der Kreisausschuss ihn dann abgelehnt, weil das Gebiet nicht im Flächennutzungsplan (FNP) Windkraft des Odenwaldkreises aufgeführt sei. Es könnte sein, so der Bürgermeister, dass die Firma gegen die Ablehnung der Mastaufstellung beim Kreis beklagen werde.

Wie Görig weiter sagte, sei der gemeinsame FNP allerdings vom Regierungspräsidium Darmstadt abgelehnt worden. Die Kreis-Kommunen und der Odenwaldkreis selbst klagten nun dagegen, es gebe aber noch keinen Verhandlungstermin. Die Juristen seien noch in Gesprächen. Bei der kommenden Fortschreibung des städtischen Flächennutzungsplans in puncto Windkraft werde man wohl auch das Gebiet Sensbacher Höhe rausnehmen, sagte Görig.

Andreas Krauch (FDP) rief dazu auf, sich mit aller Macht gegen die Planung im „Katzenwinkel“ zu wehren. Denn dort sollten die größten Windräder des Odenwalds mit 230 Metern Höhe und 4,3 Megawatt Leistung entstehen, die direkt in der Sichtlinie des Beerfelder Galgens lägen. „Wir sollten alles tun, um sie zu verhindern.“ Auch wenn das Projekt auf gräflichen Land liege, sah Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Jürgen Löw trotzdem verhindernde Einflussmöglichkeiten der Stadt, etwa bei der Zufahrt über Gemeindewege.

„Harte Kriterien“ für Windräder, also mindestens 1000 Meter Entfernung von Wohnbebauung, wären beim gemeinsamen FNP des Kreises festgeschrieben worden, sagte Görig. Bei der jetzigen Planungen wären sie das nicht, so Krauch. Denn Richtung Airlenbach sah er nur um die 750 Meter gegeben, auch das Gestüt Etzean sei näher dran.

Der FDP-Mann wies darauf hin, dass das Gebiet im bisherigen Regionalplan enthalten sei, im Entwurf des neuen aber nicht mehr. Deshalb würden die Betreiber sicher alles daran setzen, schnell in die Umsetzung zu gehen, was man verhindern solle. Vorbereitende Arbeiten seien im Wald bereits zu beobachten, etwa durch Markierungspunkte für die verschiedenen Windräder.

Funde von Etzean werfen neues Licht auf den Odenwald im Mittelalter

Die archäologischen Funde durch Lehrer Werner Hardes Ende der 60er Jahre in Etzean werfen ein völlig neues Licht auf den kleinen, zu Beerfelden gehörenden Weiler und die Besiedlung des Odenwalds. Nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen war in Etzean ein Niederadels-Geschlecht im 14. Jahrhundert heimisch.

Dr. Ludwig Hildebrandt, der zusammen mit Jochen Babist die Funde in den vergangenen zwei Jahren ausgewertet hatte, berichtete nun über die neuesten Erkenntnisse. Nicht nur einmal verwendete er dabei das Wort „sensationell“. Die Geschichte des Odenwalds im Mittelalter müsse nun in einem völlig neuen Licht gesehen werden, so der Historiker.

Der Name Etzean, sagte Hildebrandt, komme von „Hain (Wald) des Ezzo“. Ebendiesen Ezzo machte der Fachmann in einer „Wohltäterliste“ des Klosters Lorsch von 1066 aus. Damals soll er geholfen haben, es gegen äußere Feinde zu verteidigen. Gleichzeitig sei schon in einer früheren Publikation ein Bezug von Ezzo zum Odenwald hergestellt worden. Damit, verdeutlichte er, „können wir uns jetzt ein ganz anderes Bild von der zeitlichen Besiedlung der Region machen“.

Dass der Weiler früher eine viel größere Bedeutung als heute hatte, leitete Hildebrandt aus der Wertigkeit der verschiedenen Funde ab. Die seien nicht bäuerlichen Charakters, sondern niederem Adel zuzuschreiben. Was man in der früheren Forschung in dieser Odenwald-Ecke nie vermutet hätte.

Diverse Keramik-, Steinzeug- und Kachelfunde dokumentieren Hildebrandt zufolge, dass damals Etzean in regem Austausch mit anderen Regionen gestanden haben müsse. Er machte „Importe“ aus dem Rheingau, Köln, Dieburg, Marburg oder dem süddeutschen Raum in hoher Qualität aus. So seien von dort gefundenen Keramikfässchen vorher nur acht oder neun in ganz Süddeutschland bekannt gewesen: „In Etzean wurde nochmal die gleiche Menge gefunden.“

Ein „ganz seltenes Objekt“ ist seinen Worten zufolge ein „Lavabo“, ein Handwaschgefäß. Dass so etwas ein Patrizier in Nürnberg oder der Herr von Erbach besessen habe, ist laut Hildebrandt vorstellbar. „Aber in Etzean!“, machte er seinem Erstaunen über den Fund an dieser „abgelegenen“ Stelle Luft.

In mühsamer Kleinarbeit und über ein paar Umwege gelang es dem Historiker, ein niederes Adelsgeschlecht Ende des 14. Jahrhunderts in dem heutigen Weiler auszumachen. 1364 tauche in einer Urkunde im Zusammenhang mit anderen Adligen der Name „zu Etzlean“ auf. 1377 lasse sich eine Adelheid Etzlean verifizieren, die man mit der Familie des Schultheißen in Aschaffenburg in Verbindung bringen könne. Da sich im Mittelalter nur gleich zu gleich gesellte, ist Hildebrandt zufolge mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Etzleans ebenfalls dem niederen Adel angehörten.

Doch deren Heimatort war keine Zukunft beschieden. Aufgrund der Funde und der Forschung in verschiedenen Quellen rekonstruierte der Wieslocher Fachmann, dass der Weiler wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zerstört wurde. Er vermutete, dass dies im Zuge einer Fehde der Erbacher mit den Herren von Katzenelnbogen geschah. Wahrscheinlich habe eine dortige Reitertruppe „das Dorf abgefackelt“, lasse sich durch die gefundene Ascheschicht deuten.

Wie man an die zeitliche Einordnung der Funde kam, erläuterte Jochen Babist. Allerdings sei die Arbeit nicht immer einfach gewesen. Denn Werner Hardes hatte wohl zu dieser Zeit viele „Baustellen“ im wahrsten Sinne des Wortes, sodass laut Babist manchmal die Detailgenauigkeit zu kurz kam. Mit viel Klein-klein habe man zum einen den genauen Fundort wieder bestimmen, zum anderen die verschiedenen Funde datieren können.

Hildebrandt ergänzte, „Hardes hat archäologisch gut gegraben“. Die Bedeutung der Funde sei zu seiner Zeit noch nicht erkennbar gewesen, da die genaueren Untersuchungsmethoden erst später aufkamen. Nach der Durchsicht der „ersten zehn Tüten“, so der Historiker, sei er bereits „elektrisiert“ gewesen. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt sei ihm aufgrund der Qualität bewusst geworden, „dass Etzean vor 600 Jahre eine ganz andere Bedeutung als heute gehabt haben muss“.

Was wiederum auch die bisherigen Erkenntnisse über die Besiedlung des Odenwalds in ein anderes Licht rücke. Denn ursprünglich, so Hildebrandt, sei man von Erbach/Michelstadt und dem unteren Gesprenztal als früh besiedelten Gebieten ausgegangen. Dazwischen habe es laut bisheriger Quellenlage eher wenig Menschen gegeben. Deshalb seien die jetzigen Schlüsse „außergewöhnlich für die Region Odenwald“, so Hildebrandt.

In der Alten Turnhalle hatte zu Beginn Bürgermeister Gottfried Görig die etwa 40 Interessierten begrüßt. Er skizzierte kurz die Vorgeschichte, wie die „mehreren 1000 Einzelfunde“, in Kisten verpackt, lange Jahre im Keller des Rathauses „vor sich hinschlummerten“. Vor zwei Jahren habe dann Helmut Ulrich Kontakt zu den Fachleuten hergestellt, zu denen auch Keramik-Experte Dr. Uwe Groß zählt. Im „Gelurt“ 2015 erschien ein erster Artikel über die Aufarbeitung der archäologischen Altfunde, die Hardes zwischen 1968 bis 1970 auf der „Wiese Adam“ in Etzean machte.