Juwi will Windkraft auf dem Katzenwinkel gegen alle Widerstände durchdrücken

Die Firma Juwi hat sich in der neuen Stadt keine Freunde gemacht. Der Windkraft-Projektierer aus dem rheinland-pfälzischen Wörrstadt will mit aller Macht das Gebiet „Katzenwinkel“ für Windenergie erschließen. Die Firma lässt sich dabei auch nicht von der geballten Ablehnung aus Stadtverordneten-Versammlung, Magistrat und Bürgerschaft irritieren. Aktuelle Eskalationsstufe: Juwi droht in der Aufforderung, dass die Stadt ihrem „zumutbaren Erschließungsangebot“ zustimmen möge, mit der Einleitung rechtlicher Schritte, sollte dies nicht erfolgen.

Bei den Stadtverordneten kam dies auf deren aktueller Sitzung natürlich nicht gut an. Mehr oder minder harsch waren die Reaktionen darauf, in dieser Form die Pistole auf die Brust gesetzt zu bekommen. Denn bereits das vorläufige Gremium hatte dieses Ansinnen im April abgelehnt. Deshalb sahen es die Mandatsträger als unnötig an, jetzt noch einmal in die Details zu gehen und lehnten es bei vier Enthaltungen (Grüne/Linke) ab. Die Fläche ist sowieso nicht im gemeinsamen Windkraft-Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises aufgeführt, wurde darüber hinaus als Begründung genannt.

„Ich war gerade zwei Tage im Amt, als Juwi die Unterlagen aus dem Frühjahr noch einmal einreichte“, berichtete Bürgermeister Christian Kehrer. Bei dem Erschließungsangebot geht es darum, dass die Firma „über unsere Flächen und Wege“ eine Zuwegung zum betreffenden Gebiet und gleichzeitig das Recht zur Kabelverlegung erhalten möchte. „Wir sind auch in der jetzigen Konstellation zu keinem anderen Beschluss gekommen“, erläuterte der Rathauschef.

Ende vergangener Woche gab es seinen Worten zufolge ein Gespräch des Magistrats mit den Juwi-Vertretern. Diese hätten darauf hingewiesen, dass in zwei bis drei Wochen alle Unterlagen vorlägen, um das Vorhaben auf den Weg zu bringen. Gleichzeitig sei noch einmal deutlich gemacht worden, dass bei Nichtzustimmung der Stadt der Rechtsweg beschritten werde.

Es gebe seitens des Projektierers das Angebot, im Rahmen einer Stadtverordneten-Sitzung über das Vorhaben zu informieren. Eine öffentliche Info-Veranstaltung werde allerdings abgelehnt. „Wir erkennen einen klaren Widerstand in der Bevölkerung“, ergänzte Kehrer. Es seien noch viele Fragen wie Trinkwasser- und Naturschutz offen. Er rief dazu auf, weitere offene Punkte einzureichen, damit diese an die Firma weitergeleitet werden können.

Horst Kowarsch (Grüne) wollte wissen, wie sich die Rechtslage darstelle, wenn ein Gericht grundsätzlich für dieses Windkraft-Projekt votiere. „Dann haben wir keine Chance“, meinte Kehrer. Damit sei dann auch die Zuwegung mit befürwortet. Von einer „Unverschämtheit“, schon jetzt mit Rechtsmitteln zu drohen, sprach Frank Leutz (FDP). „Jedes Windrad ist eines zu viel“, sprach er sich grundsätzlich dagegen aus. Deshalb „ist der Gestattungsantrag unbedingt zu untersagen“.

Das sah auch Oliver von Falkenburg (CDU) so. Die Ablehnung sei „ein klares Signal, das man unbedingt senden muss“. Er forderte eine Bekräftigung der Entscheidung vom April. „Es hat sich nichts Neues ergeben“, meinte Thomas Ihrig (SPD). Das Gebiet liege „außerhalb der Beerfeldener Planung“. Ähnlich Chris Poffo (ÜWO): Es sei „kein guter Stil“, mit einer Klage zu drohen, monierte er. Andrea Heß-Kraus (SPD) ärgerte sich, „dass die kommunale Selbstverwaltung komplett ausgehebelt wird“.

Etwas differenzierter stellte sich die Betrachtungsweise von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) dar: „Wir stehen zum gemeinsamen FNP“, sagte sie. Jedoch seien die Folgen des Klimawandels bereits „ganz hautnah“ zu spüren. Deshalb müsse man auch konsequent dagegen vorgehen, weshalb „die Windkraft im Auge behalten werden sollte“.

Rüdiger Holschuh (SPD) berichtete aus dem Landtag, dass der Landesentwicklungsplan fortgeschrieben worden sei. Darin stehe immer noch, dass zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie bereitzustellen seien. Das bedeute für den Odenwaldkreis mit den umgebenden Ballungsräumen, in denen keine Windräder möglich seien, „bis zu zehn Prozent der Fläche für Windkraft“, malte er ein Schreckensszenario an die Wand.

 Juwi plant auf dem Höhenzug Katzenwinkel zwischen den Oberzenter Stadtteilen Etzean und Airlenbach sowie Hüttenthal und Güttersbach fünf Windräder. Als Fertigstellung wird der Sommer 2020 angepeilt. Die Anlagen sind entlang des Verbindungswegs zwischen Beerfelden und Güttersbach geplant. Dabei werden einzelne Standorte bis auf 700 Meter an Etzeaner Bebauung im Außenbereich heranreichen. Die Windräder des Typs Enercon E 141 erreichen eine Rotoren-Spannweite von 141 Meter und eine Nabenhöhe von 159 Meter. Sie haben somit eine 229,5 Meter, was bisher im Odenwald noch nicht erreicht wurde. Juwi-Seite: www.windpark-etzean.de, BI-Seite: http://www.gegenwind-beerfelden-rothenberg.de.

 

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Oberzent packt alle Geschütze gegen Windkraft im Katzenwinkel aus

Die Stadtverordneten-Versammlung will der Windkraft-Nutzung auf Oberzent-Gemarkung vorerst einen Riegel vorschieben. Die Mandatsträger setzen dafür alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel ein. Allenfalls will man sich – wenn überhaupt – auf die Vereinbarungen im gemeinsamen Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises einlassen, der aber durch die Ablehnung des Regierungspräsidiums nicht in Kraft ist. Es ging auf der jüngsten Sitzung um zwei Gebiete: Finkenberg und Katzenwinkel.

Für das Gebiet „Finkenberg“, das sich von Finkenbach auf dem Höhenrücken oberhalb von Falken-Gesäß Richtung Olfen zieht, gibt es einen fünf Jahre alten Gestattungsvertrag der Stadt Beerfelden mit der Energiegenossenschaft Odenwald (EGO). Diese hat sich zwischenzeitlich aber aus der Windkraftplanung zurückgezogen. Der Vertrag ging an die Enercon über. Die wiederum teilte laut Interims-Bürgermeister Egon Scheuermann mit, dass sie im zweiten Halbjahr eine Planung vorstellen will. Für den Frühjahr 2019 kündigt die Firma ein Planverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz an.

Diesen Zeitplan legten die Stadtverordneten jetzt ad acta. Denn der damalige Gestattungsvertrag kann gekündigt werden, wenn nicht innerhalb von drei Jahren nach Abschluss eine Baugenehmigung vorliegt. Was nicht der Fall ist. Frank Leutz (FDP), dessen Fraktion zusammen mit der CDU die Kündigung beantragt hatte, wünschte sich weiterhin, alle weitere Beratungen rund um Windkraft auf dem „Finkenberg“ auf die Zeit nach der Neuwahl von Stadtparlament und Bürgermeister zu vertagen. Die Mandatsträger folgten den beiden Ansinnen einstimmig.

Scheuermann schloss sich der Meinung der Parlamentarier an. Der damalige Vertragspartner sei die EGO gewesen, führte er aus. „Wir sollten auf Nummer sicher gehen und kündigen“, betonte er. Damit könne man jeden neuen Interessenten „dazu bringen und zwingen“, die eigenen Planungen vorzustellen. Erwin Körber (SPD) sah die Stadtverordneten nicht als „Steigbügelhalter für Enercon“. Mit der EGO habe es eine ganz andere Basis für die Zusammenarbeit gegeben.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) wies auf den wirtschaftlich sehr gut ausgehandelten Vertrag hin. Sie regte an darüber nachzudenken, ob man ihn jetzt kündige oder die Entscheidung dem neuen Gremium überlasse. „Heute und jetzt kündigen“ forderte daraufhin Leutz. Denn eine breitere Basis als 57 Stadtverordnete könne es kaum geben, um die Meinung der neuen Stadt abzubilden.

Allerdings scheiterten FDP und CDU mit ihrem Ansinnen, die Eigentümer öffentlich zu machen, die im Bereich Finkenberg für die Windkraftnutzung Land verpachten würden. Dagegen spricht der Datenschutz, teilte Scheuermann nach Rücksprache mit den Städte- und Gemeindebund mit. Daraufhin stellten die Fraktionen ihren Antrag zurück.

Oberzent stemmt sich wie vorher auch Beerfelden mit aller Kraft gegen das Ansinnen der Firma „Juwi“, im Gebiet „Katzenwinkel“ Windräder zu errichten. Einem von der Firma eingereichten Gestattungsvertrag, um das Projekt weiter voranzutreiben, wurde auf Antrag von FDP, CDU und ÜWO einhellig die Genehmigung verweigert.

Stadtbaumeister Peter Bauer wies darauf hin, dass sich bereits Beerfelden in den Vorjahren gegen das Projekt stellte. Das Gebiet sei nicht Bestandteil des Odenwaldkreis-Windkraft-FNP, betonte er. Bauer wies weiterhin darauf hin, dass man Probleme bei der Zuwegung sehe. Daneben liege der Galgen als besonderes Kulturdenkmal im Sichtbereich des Windparks.

In diesem Jahr „gibt es eine gleichlautende Argumentation“, so Bauer. „Wir haben alle zur Verfügung stehenden Geschütze aufgeboten und abgeschossen“, verdeutlichte der Bauamtschef martialisch, dass Oberzent sich mit allen Kräften gegen Windräder in diesem Bereich stemmt. „Wir werden uns gegen Katzenwinkel wehren, so lange es geht“, betonte auch Erwin Körber. Jedoch sei das Regierungspräsidium die entscheidende Behörde. „Wir hoffen, dass unser Flächennutzungsplan bald greift“, meinte er. Wenn er in die Landschaft schaue, gebe es vom Greiner Eck über Stillfüssel und Kahlberg bis hin zum Geisberg „schon genug Windräder“.

Mögliche Windräder auf dem „Katzenwinkel“: Denkmalamt lässt Beerfelden bei der Galgen-Einstufung hängen

Auf der Ortsbeiratssitzung in Etzean ging es zwar vor allem um den Hügelrücken „Katzenwinkel“, auf dem fünf Windräder entstehen könnten. Aber eigentlich ging es auch hier um das große Ganze, nämlich den Teilplan Erneuerbare Energien des Regionalplans Südhessen, der in seinem Entwurf im Gegensatz zum Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises dort Windenergieanlagen zulässt. Wie übrigens auch auf der Hirschhorner Höhe zwischen Beerfelden und Rothenberg.

Ortsvorsteher Ralf Kredel informierte zum Sachstand des Regionalplans und machte auf die Möglichkeit zur Stellungnahme bis 2. Juni aufmerksam. Fürs Gebiet „Katzenwinkel“ stellte er Kartenmaterial zur Verfügung, damit sich die Besucher selbst ein Bild machen könnten. In einer lebhaften, aber sachlichen Diskussion wurden die verschiedenen Aspekte wie etwa die Nähe zu Wohnhäusern angesprochen.

Bürgermeister Gottfried Görig sagte, dass sich die Stadt „klipp und klar gegen weitere Windkraft-Flächen im Regionalplan ausspricht“. Mit dem gemeinsamen FNP hätten die 15 Gemeinden beschlossen, „dass es mehr Vorranggebiete nicht geben soll“. Das hat auch mit den vereinbarten „harten Kriterien“ zu tun, nach denen 1000 Meter Abstand vom Windrad zur nächsten Bebauung gegeben sein sollen. Im FNP waren die Sensbacher Höhe und der Hügel zwischen Hinterbach und Olfen gelistet.

An den harten Kriterien hapert es – von der generellen Ablehnung mal abgesehen – im Gebiet „Katzenwinkel“ zwischen Etzean und Airlenbach. Nach den Informationen von Görig würden sich ein oder zwei der fünf dort möglichen Rotoren in lediglich 700 bis 750 Meter Entfernung zu Wohnhäusern drehen. Deshalb wurde diese Fläche im FNP auch ausgeschlossen. Das Problem: Dieser Plan wurde vom Darmstädter Regierungspräsidium abgelehnt.

Dagegen haben sich die Odenwald-Kommunen in einer Klage zusammengeschlossen. Allerdings gibt es derzeit noch keinen Termin für eine Verhandlung. Ebenso wenig wie für die Klage der Firma Juwi, die am Katzenwinkel einen Windmessmast erreichten wollte. Zu diesem Ansinnen hatte der Beerfelder Magistrat sein Einvernehmen verweigert und im Folgenden der Kreis die Baugenehmigung verwehrt. Dagegen geht nun die Firma vor. Das betreffende Gelände ist in Privatbesitz. Es gehört zu größeren Teilen dem Grafen von Erbach und zwei weiteren Personen.

Bei der Einsichtnahme in den Regionalplan im Zuge der öffentlichen Auslegung fiel den Fachleuten in der Stadtverwaltung daneben ein weiteres, wichtiges Kriterium auf: Der Beerfelder Galgen wurde bei der Überprüfung, „ob der Bau von Windkraftanlagen einen Konflikt hinsichtlich der Belange des Denkmalschutzes darstellt, nicht berücksichtigt“. Denn das Kulturdenkmal liegt in der Sichtlinie des Katzenwinkels, was auch auf der vergangenen Stadtverordnetenversammlung angesprochen wurde. „Hinter dem Galgen würde man die Rotoren sehen. Das ist nicht hinnehmbar“, so Görig.

Über die Antwort auf die entsprechende Rückfrage gab in der Stadt am Berge Kopfschütteln. Denn das Landesamt für Denkmalpflege stufte den Galgen in die Kategorie C ein. Was ein Denkmal von lediglich lokaler Bedeutung mit einem Prüfradius von einem Kilometer bedeutet. Durch diese Betrachtung war „eine vertiefte Prüfung für dieses Gebiet nicht erforderlich“.

In seiner Stellungnahme an die Denkmalpfleger äußert sich Görig über diese Einstufung „doch sehr erstaunt“. Denn das gleiche Amt bezeichnet den Galgen in der Denkmaltopographie der Bundesrepublik als „Rechtsdenkmal von nationaler Berühmtheit und als den besterhalten dreischläfrigen Galgen in ganz Deutschland“. An anderer Stelle wird die „außergewöhnliche kulturhistorische Bedeutung“ genannt.

Görig weist weiter auf unzählige Veröffentlichungen und den Galgen als Ziel vieler Ausflügler hin. Er geht davon aus, „dass Ihnen bei der Einstufung der vielen Denkmäler nur ein Fehler unterlaufen ist.“ Auch vor dem Hintergrund der eigenen Aussagen im Denkmalbuch wird darum gebeten, die Einstufung zu korrigieren. „Unserer Ansicht nach handelt es sich beim Galgen um ein kulturhistorisches Denkmal von überregionaler Bedeutung.“

 

 

Die 15 Odenwaldkreis-Kommunen werden zur zweiten Offenlage des Teilplans Erneuerbare Energien eine gemeinsame Stellungnahme durch ein Fachbüro erarbeiten lassen. Diese wird allen Gemeinden zugeleitet und von ihnen durch Anlagen im Hinblick auf spezifische eigene Belange – in Beerfelden der Galgen – ergänzt. Bis spätestens 30. Juni müssen dann die Stellungnahmen beim Regierungspräsidium Darmstadt eingegangen sein. Dieser Fristverlängerung (eigentlicher Abgabetermin spätestens 2.6.) stimmte das RP wegen der engen Zeitschiene zu.

Beerfelden: Windräder im „Katzenwinkel“ sollen verhindert werden

Planungen für fünf Windkraftanlagen im Bereich „Katzenwinkel“ auf dem Höhenrücken zwischen Etzean und Airlenbach waren in der vergangenen Stadtverordneten-Sitzung Thema einer Anfrage von Andrea Heß-Kraus (SPD). Sie wollte den Stand der Dinge wissen. Wie Bürgermeister Gottfried Görig entgegnete, habe es von einer Firma den Bauantrag auf Errichtung eines Windmessmastes gegeben.

Der Magistrat habe diesem im Januar kein Einvernehmen erteilt, der Kreisausschuss ihn dann abgelehnt, weil das Gebiet nicht im Flächennutzungsplan (FNP) Windkraft des Odenwaldkreises aufgeführt sei. Es könnte sein, so der Bürgermeister, dass die Firma gegen die Ablehnung der Mastaufstellung beim Kreis beklagen werde.

Wie Görig weiter sagte, sei der gemeinsame FNP allerdings vom Regierungspräsidium Darmstadt abgelehnt worden. Die Kreis-Kommunen und der Odenwaldkreis selbst klagten nun dagegen, es gebe aber noch keinen Verhandlungstermin. Die Juristen seien noch in Gesprächen. Bei der kommenden Fortschreibung des städtischen Flächennutzungsplans in puncto Windkraft werde man wohl auch das Gebiet Sensbacher Höhe rausnehmen, sagte Görig.

Andreas Krauch (FDP) rief dazu auf, sich mit aller Macht gegen die Planung im „Katzenwinkel“ zu wehren. Denn dort sollten die größten Windräder des Odenwalds mit 230 Metern Höhe und 4,3 Megawatt Leistung entstehen, die direkt in der Sichtlinie des Beerfelder Galgens lägen. „Wir sollten alles tun, um sie zu verhindern.“ Auch wenn das Projekt auf gräflichen Land liege, sah Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Jürgen Löw trotzdem verhindernde Einflussmöglichkeiten der Stadt, etwa bei der Zufahrt über Gemeindewege.

„Harte Kriterien“ für Windräder, also mindestens 1000 Meter Entfernung von Wohnbebauung, wären beim gemeinsamen FNP des Kreises festgeschrieben worden, sagte Görig. Bei der jetzigen Planungen wären sie das nicht, so Krauch. Denn Richtung Airlenbach sah er nur um die 750 Meter gegeben, auch das Gestüt Etzean sei näher dran.

Der FDP-Mann wies darauf hin, dass das Gebiet im bisherigen Regionalplan enthalten sei, im Entwurf des neuen aber nicht mehr. Deshalb würden die Betreiber sicher alles daran setzen, schnell in die Umsetzung zu gehen, was man verhindern solle. Vorbereitende Arbeiten seien im Wald bereits zu beobachten, etwa durch Markierungspunkte für die verschiedenen Windräder.

Funde von Etzean werfen neues Licht auf den Odenwald im Mittelalter

Die archäologischen Funde durch Lehrer Werner Hardes Ende der 60er Jahre in Etzean werfen ein völlig neues Licht auf den kleinen, zu Beerfelden gehörenden Weiler und die Besiedlung des Odenwalds. Nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen war in Etzean ein Niederadels-Geschlecht im 14. Jahrhundert heimisch.

Dr. Ludwig Hildebrandt, der zusammen mit Jochen Babist die Funde in den vergangenen zwei Jahren ausgewertet hatte, berichtete nun über die neuesten Erkenntnisse. Nicht nur einmal verwendete er dabei das Wort „sensationell“. Die Geschichte des Odenwalds im Mittelalter müsse nun in einem völlig neuen Licht gesehen werden, so der Historiker.

Der Name Etzean, sagte Hildebrandt, komme von „Hain (Wald) des Ezzo“. Ebendiesen Ezzo machte der Fachmann in einer „Wohltäterliste“ des Klosters Lorsch von 1066 aus. Damals soll er geholfen haben, es gegen äußere Feinde zu verteidigen. Gleichzeitig sei schon in einer früheren Publikation ein Bezug von Ezzo zum Odenwald hergestellt worden. Damit, verdeutlichte er, „können wir uns jetzt ein ganz anderes Bild von der zeitlichen Besiedlung der Region machen“.

Dass der Weiler früher eine viel größere Bedeutung als heute hatte, leitete Hildebrandt aus der Wertigkeit der verschiedenen Funde ab. Die seien nicht bäuerlichen Charakters, sondern niederem Adel zuzuschreiben. Was man in der früheren Forschung in dieser Odenwald-Ecke nie vermutet hätte.

Diverse Keramik-, Steinzeug- und Kachelfunde dokumentieren Hildebrandt zufolge, dass damals Etzean in regem Austausch mit anderen Regionen gestanden haben müsse. Er machte „Importe“ aus dem Rheingau, Köln, Dieburg, Marburg oder dem süddeutschen Raum in hoher Qualität aus. So seien von dort gefundenen Keramikfässchen vorher nur acht oder neun in ganz Süddeutschland bekannt gewesen: „In Etzean wurde nochmal die gleiche Menge gefunden.“

Ein „ganz seltenes Objekt“ ist seinen Worten zufolge ein „Lavabo“, ein Handwaschgefäß. Dass so etwas ein Patrizier in Nürnberg oder der Herr von Erbach besessen habe, ist laut Hildebrandt vorstellbar. „Aber in Etzean!“, machte er seinem Erstaunen über den Fund an dieser „abgelegenen“ Stelle Luft.

In mühsamer Kleinarbeit und über ein paar Umwege gelang es dem Historiker, ein niederes Adelsgeschlecht Ende des 14. Jahrhunderts in dem heutigen Weiler auszumachen. 1364 tauche in einer Urkunde im Zusammenhang mit anderen Adligen der Name „zu Etzlean“ auf. 1377 lasse sich eine Adelheid Etzlean verifizieren, die man mit der Familie des Schultheißen in Aschaffenburg in Verbindung bringen könne. Da sich im Mittelalter nur gleich zu gleich gesellte, ist Hildebrandt zufolge mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Etzleans ebenfalls dem niederen Adel angehörten.

Doch deren Heimatort war keine Zukunft beschieden. Aufgrund der Funde und der Forschung in verschiedenen Quellen rekonstruierte der Wieslocher Fachmann, dass der Weiler wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zerstört wurde. Er vermutete, dass dies im Zuge einer Fehde der Erbacher mit den Herren von Katzenelnbogen geschah. Wahrscheinlich habe eine dortige Reitertruppe „das Dorf abgefackelt“, lasse sich durch die gefundene Ascheschicht deuten.

Wie man an die zeitliche Einordnung der Funde kam, erläuterte Jochen Babist. Allerdings sei die Arbeit nicht immer einfach gewesen. Denn Werner Hardes hatte wohl zu dieser Zeit viele „Baustellen“ im wahrsten Sinne des Wortes, sodass laut Babist manchmal die Detailgenauigkeit zu kurz kam. Mit viel Klein-klein habe man zum einen den genauen Fundort wieder bestimmen, zum anderen die verschiedenen Funde datieren können.

Hildebrandt ergänzte, „Hardes hat archäologisch gut gegraben“. Die Bedeutung der Funde sei zu seiner Zeit noch nicht erkennbar gewesen, da die genaueren Untersuchungsmethoden erst später aufkamen. Nach der Durchsicht der „ersten zehn Tüten“, so der Historiker, sei er bereits „elektrisiert“ gewesen. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt sei ihm aufgrund der Qualität bewusst geworden, „dass Etzean vor 600 Jahre eine ganz andere Bedeutung als heute gehabt haben muss“.

Was wiederum auch die bisherigen Erkenntnisse über die Besiedlung des Odenwalds in ein anderes Licht rücke. Denn ursprünglich, so Hildebrandt, sei man von Erbach/Michelstadt und dem unteren Gesprenztal als früh besiedelten Gebieten ausgegangen. Dazwischen habe es laut bisheriger Quellenlage eher wenig Menschen gegeben. Deshalb seien die jetzigen Schlüsse „außergewöhnlich für die Region Odenwald“, so Hildebrandt.

In der Alten Turnhalle hatte zu Beginn Bürgermeister Gottfried Görig die etwa 40 Interessierten begrüßt. Er skizzierte kurz die Vorgeschichte, wie die „mehreren 1000 Einzelfunde“, in Kisten verpackt, lange Jahre im Keller des Rathauses „vor sich hinschlummerten“. Vor zwei Jahren habe dann Helmut Ulrich Kontakt zu den Fachleuten hergestellt, zu denen auch Keramik-Experte Dr. Uwe Groß zählt. Im „Gelurt“ 2015 erschien ein erster Artikel über die Aufarbeitung der archäologischen Altfunde, die Hardes zwischen 1968 bis 1970 auf der „Wiese Adam“ in Etzean machte.