Rothenberger Kirche soll wieder wie früher aussehen

Langmut ist Reinhold Hoffmann als evangelischem Pfarrer nicht unbekannt. Die braucht er derzeit auch bei der Renovierung der Kirche in der Ortsmitte. Start der Arbeiten war Mitte 2017. Damals ging man optimistisch von einem Jahr aus. Aktuell ist die Fertigstellung für diesen Sommer geplant. Doch die Verzögerung hat triftige Gründe: Bei der Sanierung wurden viele weitere Elemente der ursprünglichen Kirche entdeckt, die man natürlich erhalten möchte.

Im Juni vor zwei Jahren packten die Gemeindeglieder kräftig an. Als ersten Schritt galt es, die Inneneinrichtung auszuräumen und den Boden rauszuschlagen. An diesen musste man laut Hoffmann sowieso dran, weil Leitungen, eine Schleife für Audiogeräte und Bodentanks für Steckdosen verlegt werden mussten. Es soll später ein Sandstein-Boden wie zur Erbauung reinkommen.

Beim Ortstermin mit Harald Sillak von der gleichnamigen Holzbau-Firma, auch Mitglied im Kirchen-Bauausschuss, seinem Schwiegersohn Benjamin Geier und Architektin Steffi Holschuh ging es daneben um solche Kleinigkeiten wie die Form der Lichtschalter oder das Aussehen der Brüstung. Über allem stand die Frage „Wie rekonstruieren wir die Kirche im damaligen Zustand“, erläutert der Pfarrer.

Die 1962 erfolgte Erweiterung des Chorraums wird zum Teil wieder rückgängig gemacht. Die Sitzbänke werden an den Seiten um jeweils 60 Zentimeter gekürzt, damit man auch von dort reinrutschen kann. „Dann verliert es sich nicht so“, stellt Hoffmann den positiven Aspekt heraus. Es fallen dadurch 32 Plätze weg, womit noch 190 verbleiben.

Die Decken-Holzbalken wurde von zwei Restauratorinnen mit Bierlasur versehen, erklärt er. Dabei handelt es sich eine altertümliche Technik, „die heute kaum noch jemand beherrscht“. Den Klarlack brachte dann einer der örtlichen Weißbinder auf. Im Zuge der Arbeiten wurden über den Wandfenstern Risse entdeckt. „Die sollen gesichert werden“, so der Geistliche. Es handelt es sich aber nicht um einen Schaden, der die Substanz beeinträchtigt, beruhigt er. Vielmehr werde das durchs rechtzeitige Eingreifen verhindert.

„Die Bestandsuntersuchungen warfen jedes Mal neue Fragen auf“, ergaben sich daraus die Zeitverzögerungen. Es biete sich derzeit an diesem denkmalgeschützten Gebäude mit seiner langen Geschichte „die einmalige Gelegenheit“, möglichst viele Elemente aus der Vergangenheit wieder zum Vorschein zu bringen. Leider, bedauert Hoffmann, ist das nicht nur durch Restauration möglich, weil die Renovierung Anfang der 1960 Jahre den Untergrund zerstörte.

Sukzessive kamen unter dem Verputz alte Elemente zum Vorschein. Zuerst an einem Absatz im Schiffbereich sichtbar, entdeckte man dann eine Vorhangmalerei im Chorraum. „Danach haben wir geschaut, ob es Ornamente gibt“, schildert der Pfarrer die Suche. Tatsächlich wurde eine Ranke, ein florales Muster, gefunden. „Wir wollen die Kirche so wieder herstellen, wie sie damals gemeint war“, macht der Geistliche deutlich.

Je mehr vom Ursprünglichen zum Vorschein kommt, desto besser wird die Erinnerung der älteren Ortsbevölkerung aufgefrischt. „Als ich erzählte, die Kirchendecke wird wieder blau, meinten einige: Stimmt, das war sie ja mal“, schmunzelt er. Leider gaben die alten Schwarz-Weiß-Bilder diese Nuancen nicht her. Die Blautöne finden sich auch in den Fensterfarben wieder.

Die aufwändige Arbeit kostet (mehr) Geld. Ursprünglich auf 300.000 Euro veranschlagt, rechnet Hoffmann derzeit mit einem Drittel mehr. Zum Glück zahlt die evangelische Landeskirche von den 400.000 Euro zwei Drittel, weshalb sie auch in die Beschlüsse eingebunden ist. Der Rest sind Eigenmittel und Spenden. „Wir sparen seit zehn Jahren dafür“, macht der Pfarrer deutlich.

Deckenornamentik, Wände, Brüstung, Elektrik, Sandsteinboden und Bänke heißen die weiteren Schritte vor der geplanten Fertigstellung im Juni. Während der Bauzeit finden die Gottesdienste im evangelischen Gemeindehaus statt. Bei Bestattungen kann man in die benachbarte evangelisch-lutherische Kirche ausweichen.

Die evangelische Pfarrkirche wurde Anfang der 1880er Jahre anstelle eines älteren Vorgängerbaus aus lokalem Sandstein erbaut. Vorher stand an dieser Stelle etwa 500 Jahre lang eine Wehrkirche, die aufgrund Baufälligkeit aber abgerissen wurde. Es handelt sich um ein schmuckes neogotisches Bauwerk mit Querhaus und Polygonalchor, dessen spitzer Turmhelm aufgrund der Lage der Kirche im höchsten Teil des Unterdorfs weithin sichtbar ist, heißt es im Denkmalbuch. Im Bericht der Befunduntersuchung sind folgende zeitliche Einordnungen und Renovierungen aufgeführt: Juni 1882 bis September 1883 Bauzeit und Einweihung, ca. 1940 Renovierungsarbeiten während des 2. Weltkrieges, ca. 1960 oder 1963 Renovierung, danach Ausbesserungsarbeiten.

 

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Nacht der offenen Kirchen am 29. September in Hirschhorn

Mit einem neuen Konzept startet die dritte ökumenische „Nacht der offenen Kirchen“ am Samstag, 29. September, in Hirschhorn. Die Teilnehmer werden auf eine kleine Rundreise mitgenommen. Die zeitlich aufeinander abgestimmten Programmpunkte machen es möglich. Als Motto wählten die Organisatoren, zu denen die evangelische und katholische Kirchengemeinde Hirschhorns gehören, „Wie im Himmel so auf Erden“ aus. Es geht um das Vaterunser. Die acht Bitten des Vaterunsers werden musikalisch und mit Texten auf verschiedene Stationen aufgeteilt.

Den Anfang macht um 18 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der Ersheimer Kapelle. Die erste Station „Vater – Unser Abba“ ist um 18.40 Uhr vor der Kapelle, die zweite, „Geheiligt werde dein Name“, um 19.10 Uhr auf dem Park-/Spielplatz in der Ersheimer Straße und die dritte, „Dein Reich komme“, um 19.40 Uhr am Schiffermast bei der Neckarbrücke.

Danach geht es hoch in die Klosterkirche auf der anderen Neckarseite. „Dein Wille geschehe“ wird dort ab 20.20 Uhr umrahmt mit den schönen Stimmen von Jugendchors und Band. Danach geht es wieder den Berg hinunter zur fünften Station, „Unser tägliches Brot gib uns heute“, die um 21.20 Uhr am Kreuz vor der Pfarrkirche gestaltet wird. Die Gläubigen gehen dann durch die Hauptstraße zur evangelischen Kirche. Dort beginnt um 22 Uhr die sechste Station „Und vergib uns unsere Schuld“.

Danach trifft man sich wieder vor der katholischen Pfarrkirche, im Hause des „Vaters“ angekommen. „Und führe uns nicht in Versuchung“ sowie „Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“ sind die siebte und achte Station. Zu den Klängen der katholischen Kirchenmusik wird hier um 23 Uhr ein Herz aus vielen brennenden Kerzen gelegt. Es soll ausdrücken, dass viele Hoffnungslichter ein strahlendes Licht ergeben.

Auch wird an dieser Stelle eine kleine Stärkung angeboten, bis es dann zum Abschluss in die katholische Pfarrkirche geht. Zur Erholung gibt es dort ab 23.45 Uhr erst einmal was zum Lachen. Allerdings ist danach um 0.20 Uhr „Gänsehaut“ angesagt, denn es folgt das Mysterienspiel „Totentanz“. Das Spiel will zeigen, dass alle – ob reich oder arm – letztendlich den gleichen Weg gehen müssen. Zum Schluss sind die Teilnehmer um 1 Uhr mit dem Segen zur Nacht zum Brotbrechen und zu einem Glas Wein eingeladen.

Info: Interessierte können den ganzen Meditationsweg mitgehen, haben aber auch die Möglichkeit, nur bei einzelnen Stationen des Vaterunsers mitzumachen. Flyer mit dem gesamten Programmablauf und dem Meditationsweg liegen in den Kirchen und an verschiedenen anderen Stellen der Stadt aus. Gut wäre es, eine Taschenlampe mitzubringen. Sollte es regnen, werden die Außentermine in Ersheim in die Kapelle verlegt, die vor der Pfarrkirche in diese selbst. Ein schönes Kinderproramm wird ab 18.30 in der katholischen Pfarrkirche angeboten. Außerdem erwartet die Gäste eine interessante Ausstellung zum Vaterunser.

„Stolperstein“ zum Gedenken an Herbert Creutzburg wird am 3. Juni in Beerfelden verlegt

Der Termin für die Stolperstein-Verlegung im Gedenken an den vor der evangelischen Kirche Beerfelden hingerichteten Soldaten Herbert Creutzburg steht: Am Freitag, 3. Juni, findet sie um 10 Uhr auf dem Kirchplatz statt. Auf Anregung der neunten und zehnten Religionsklassen der Oberzent-Schule soll dann der sogenannte „Stolperstein“ von Gunter Demnig in die Erde eingelassen werden. Der 22-jährige Creutzburg war am 25. März vor 71 Jahren, vier Tage vor dem Einrücken der Amerikaner in Beerfelden, durch ein SS-Standgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Die Schüler beschäftigen sich schon seit vergangenem Jahr hin mit dem Thema.

Da Gunter Demnig die Verlegung persönlich erst im Frühjahr 2017 hätte vornehmen können, geschieht sie nun in Absprache mit dem Künstler in Eigenregie unter Mitwirkung des Bauhofs noch in diesem Schuljahr. „Sonst wären die jetzigen Schüler, die sich mit dem Thema beschäftigten, nicht mehr dabei“, sagt Religionslehrer Bernd Siefert. Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in 1099 Orten Deutschlands und in 20 Ländern Europas.

„Die Schüler brachten sich von Anfang an stark in die Aktion ein“, hebt Siefert positiv das Engagement der Jugendlichen hervor. Sie bildeten verschiedene Arbeitsgruppen etwa für Ablauf, Flyer-Gestaltung oder Stellwand-Ausstellung oder machten Vorschläge zur Programmgestaltung. Da im Geschichtsunterricht aktuell sowieso der Nationalsozialismus behandelt werde, habe er im Religionsunterricht die Zeit, das Thema zu vertiefen und genauer aufzuarbeiten, so der Lehrer.

„Das Ereignis wurde als Projekt im kompetenzorientieren Unterricht thematisiert“, erläutert Siefert die Annäherung ans Thema. Aktenstücke wurden gelesen und vorgestellt. Zur Finanzierung der Verlegung würden Gelder verwendet würden, die noch aus der Spendensammlung für die anderen Stolpersteine 2012 vorhanden seien. Im Jahr 1900 habe Beerfelden noch über 100 jüdische Familien gezählt, im Jahr 1942 keine mehr, meint er mit Blick auf den Hintergrund der damaligen Aktion

Siefert spürt bei den Schülern „eine hohe emotionale Beteiligung“. Denn bei dem von Nazi-Schergen Ermordeten handle es sich um einen jungen Mann, der von der sich auflösenden Front einfach nur heim zu seiner Freundin wollte. Die Jugendlichen könnten sich mit seiner Person identifizieren. „Ich habe ihnen gesagt, wenn ihr später einmal wieder an der Kirche vorbeilauft, werdet ihr immer an diese Aktion denken“, so der Lehrer. Geplant sei zur Verlegung auch der Besuch einer Gruppe von Asylbewerbern, die in ihrem Heimatland teilweise ähnlicher Repression ausgesetzt gewesen und zum Militärdienst gezwungen werden seien.

Wie der Lehrer sagt, wurde er durch eine Akte im Beerfeldener Archiv auf das Schicksal des geflohenen Soldaten Creutzburg aufmerksam. Er stieß beim Aktenstudium auch auf den Namen Franz Ulm. Der war damals als 21-jähriger Soldat in Beerfelden im heutigen Bürgerhaus stationiert und begleitete ihn zum Galgen. Ulm schrieb noch ein Gnadengesuch für den Gefangenen, das aber nicht angenommen wurde.

Durch seine Recherchen machte Siefert den über 90-Jährigen vor zwei Jahren in Köln aus. „Ich habe ihn angerufen und einen Termin für ein Interview ausgemacht“, berichtete er von seinem Treffen mit dem Zeitzeugen. „Franz Ulm konnte sich noch sehr gut an das Ereignis erinnern.“ Dem ehemaligen Soldaten sei das „präsent gewesen, als ob es gestern war“. Das späte Gedenken durch die Stolperstein-Verlegung erlebt Franz Ulm aber nicht mehr: Er starb vor einem Jahr.

Dass der damalige Mord noch stark im Gedächtnis der älteren Mitbürger verwurzelt ist, stellte Siefert nach der Gedenkveranstaltung Ende März fest. Nicht nur, dass dort die Zeitzeuginnen Hilde Bormuth und Dr. Elisabeth Kellner davon berichteten. Im Nachhinein sei er noch von einigen Beerfeldenern darauf angesprochen worden, die die Hinrichtung als Kinder miterlebt hatten und denen diese abscheuliche Tat nach wie vor präsent sei.

Sehr detailliert schildet der Historiker Dirk Strohmenger in seinem Buch „Nationalsozialismus m Erbacher Landkreis“ auf den Seiten 368 und 369 die Hinrichtung Herbert Creutzbergs in Beerfelden. Er weist auch auf den Zynismus und die Heuchelei der Machthaber hin. Denn der Befehlsgeber von Mitte Februar 1945, dass Fahnenflüchtige hingerichtet werden sollten, sei Gauleiter und Verteidigungskommissar Jakob Sprenger gewesen. Und genau dieser habe am selben Tag, dem 25. März 1945, die Flucht vor den heranrückenden Amerikanern von Frankfurt von Südbayern angetreten.

Laut Strohmenger blieb der Leichnam des Unteroffiziers Creutzberg zur Abschreckung der Bevölkerung „noch einige Zeit am Baum zwischen dem Kriegerdenkmal und der Kirche hängen“. In Beerfelden sei das Standgericht der Heeresstreife 17 für das Urteil Fahnenflucht und Hinrichtung zuständig gewesen. Wie der Autor weiter schreibt, seien die verantwortlichen Offiziere trotz Ermittlungen deutscher Justiz- und Polizeibehörden nach 1945 nie gefasst worden.

Info: Das Buch von Dirk Strohmenger, „Nationalsozialismus m Erbacher Landkreis 1923-1945“, wurde in der Steinbacher M&K-Satz-, Druck- und Verlags-GmbH hergestellt und ist zum Preis von 25 Euro im Landratsamt Erbach (Bürgerservice) sowie im Buchhandel erhältlich. Die ISBN lautet 978-3-9815625-4-5.

Ablauf Stolperstein-Verlegung 3. Juni

  • 10 Uhr offizieller Beginn
  • Musikalischer Einstieg durch kurzes Lied, vorgetragen von den Schülern
  • Lesung eines Auszugs aus Dirk Strohmengers Buch „Nationalsozialismus im Erbacher Landkreis“
  • Begrüßung durch Schüler und Bürgermeister Gottfried Görig
  • Nachzeichnung der Geschichte Herbert Creutzburgs an einer Stellwand durch die Chronik von Pfarrer Karl Ludwig May, Strohmengers Buch und einen Auszug aus dem Beerdigungsregister der evangelischen Kirchengemeinde von 1945
  • Verlegung des Stolpersteins
  • Anzünden von Gedenkkerzen
  • Vortrag des Lieds „Nachts weinen die Soldaten“ von Andreas Weinmann, von den Schülern umgedichtet auf Beerfeldener Verhältnisse, durch Annika Schmitt und Esther Wilka
  • Vater-Unser-Gebet mit Pfarrer Roger Frohmuth

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Schöner Querschnitt der Bläserchor-Arbeit beim Festkonzert in Neckarsteinachs evangelischer Kirche

Großer Bahnhof zum Festkonzert anlässlich des 70-jährigen Bestehens: Der Bläserchor hatte in die evangelische Kirche zu musikalischen Darbietungen von der Renaissance über Barock, Klassik und Romantik bis hin zur Moderne eingeladen. 90 Minuten lang unterhielt das Ensemble, von viel Applaus und Freude über das Gehörte begleitet, die das Kirchenschiff bis auf den letzten Platz füllenden Gäste. Mittlerweise hat man sich ein gutes Stammpublikum erarbeitet, das die Chor-Arbeit seit Jahrzehnten verfolgt.

Das Konzert präsentierte einen schönen Querschnitt dessen, was der Bläserchor aktuell spielt. Aber auch die musikalische und Chor-Historie kamen zu ihrem Recht. Alles begann vor 70 Jahren mit dem Organisten und langjährigen Dirigenten Georg Huber, der 1946 mit seinem Sohn Richard die ersten Töne als „Evangelischer Bläserchor“ bei einem Gemeindefest spielte: „Ich will dich lieben, meine Stärke“ war der allererste Choral, den Vater und Sohn vortrugen. Ganz in der Tradition der Posaunenchor-Bewegung stehend, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Damit startete auch das Festkonzert.

In den 70 Jahren des Bestehens gab es bisher drei Dirigenten: Georg Huber bis 1966, Christian Ebert von 1966 bis 1999 und seitdem Klaus Thieme. Jeder Wechsel hatte auch eine Erweiterung des Repertoires zur Folge. Da sich parallel die Zahl sehr gut ausgebildeter und professioneller Kirchenmusiker erhöhte, ist es kein Zufall, dass viele Stücke aus der jüngsten Vergangenheit zum Vortrag kamen, die für Posaunenchöre komponiert wurden. Dazu zählten die Variationen über ein Thema von Anton Dvorak, „A Brighter Day“ und „Happy“ von den Zeitgenossen Michael Schütz und Attila Kalmann oder mit „Groove IV“ ein gemeinsames Stück mit den Jungbläsern.

Zum gängigen und ständig gepflegten Repertoire gehört auch die Musik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Das ist für einen Bläserchor eine Besonderheit, denn diese historische Tiefe wird im Amateurbereich sonst nur von Posaunenchören gepflegt. Natürlich handelt es sich hierbei um Bearbeitungen, da es die Posaunenchöre erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt.

Im Konzert waren die Epochen vertreten durch di Lasso („Providebam Dominum“, Spät-Renaissance), Pezelius (Barock), Sammartini („3 Sätze – Allegro molto, Adagio, Allegro ma non tanto“, Frühklassik), Haydn (Klassik), Mendelssohn-Bartholdy („Richte mich, Gott“, Romantik) und viele Zeitgenossen. Bürgermeister Herold Pfeifer gratulierte vor der Zugabe dem Chor seitens der Stadt zum Jubiläum und übergab ein Couvert zur Förderung der Jugendarbeit.

Der eigene Nachwuchs hat im vergangenen Jahr zugelegt, seitdem der Bläserchor beschlossen hatte, ihn gemeinsam mit den Musikfreunden auszubilden. Zu den Blech- gehören auch Holzbläser. Die elf jungen Musiker spielen Trompete, Tenorhorn und Tuba und sind sozusagen die „Blech-Abteilung“ des Jugendorchesters. Sie musizierten zweimal alleine, zweimal mit den Älteren zusammen im Doppel-Chor.

Der Bläserchor gehört bei vielen, meist festlichen Anlässen der evangelischen Kirchengemeinde „einfach dazu“. Dabei kann man auf ein breites Repertoire zurückgreifen – was nicht nur der Blick in den proppenvollen Notenschrank beweist, sondern auch die Programme der vielen Konzerte, die der Chor in den vergangenen sieben Jahrzehnten gegeben hat.

Der Chor wuchs ab 1946 rasch, junge Bläser kamen dazu. Die nächste Generation, verkörpert durch Christian Ebert, übernahm Mitte der 60er Jahre den Dirigentenstab. Neben die Choräle des Kirchengesangbuches und anspruchsvolle Vorspiele traten nun freie Spielmusiken. Um die Gemeindefeste zu begleiten, erweiterte Ebert das Repertoire um weltliche Unterhaltungsmusik. Dies wurde unter der Leitung von Klaus Thieme (seit 1999) konsequent weiterverfolgt.

Einblicke in die Tiefen der russischen Seele mit den „Maxim Kowalew Don Kosaken“

Russisch-orthodoxe Kirchengesänge, ukrainische und deutsche Weihnachtslieder sowie einige Volksweisen und Balladen standen auf dem abwechslungsreichen Programm der „Maxim Kowalew Don Kosaken“. Sie waren am zweiten Weihnachtsfeiertag zu Gast in der evangelischen Kirche Neckarsteinachs. Das Septett beeindruckte mit seiner stimmlichen Vielfalt und erhielt von den Zuschauern im bis auf den allerletzten Platz besetzten Gotteshaus ein ums andere Mal kräftigen Applaus.

Anknüpfend an die Tradition der großen alten Kosaken-Chöre zeichnet sich der Chor durch seine Disziplin aus, die er dem musikalischen Gesamtleiter Maxim Kowalew zu verdanken hat. „Singend zu beten und betend zu singen“ lautete das Motto. Chorgesang und Soli standen in stetem Wechsel – von tiefen Bässen und einem tragenden Chor über den Bariton bis hin zu den Spitzen der Tenöre. „Aus den Tiefen der russischen Seele“ durften im Konzertprogramm Wunschtitel wie „Abendglocken“, „Stenka Rasin“, „Suliko“ und „ Marusja“ nicht fehlen.

„Stille Nacht“ oder „O du fröhliche“ bildeten den weihnachtlichen Auftakt, der dem Konzerttermin am Festtag Rechnung trug. Zusammen mit einigen Erläuterungen verbreitete sich im Kirchenschiff schnell eine besinnliche Stimmung. Zu der trugen auch die vielen interessierten Zuhörer bei, für die noch eilends zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden musste. Begeisterter Beifall war den Sängern gewiss, die natürlich nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen durften.

Der in Danzig geborene Diplomsänger Kowalew bestaunte schon als Kind die Erzählungen, Lieder und märchenhaften Geschichten der Völker des Ostens, besonders der Kosaken, welche ihn für sein weiteres Leben prägten. Damit stand für ihn schon früh fest, dass auch er Musik studieren und eine klassische Gesangsausbildung absolvieren würde. Er sang später unter anderem im Ural- und Wolga-Kosaken-Chor. Als großes Vorbild fungierte immer der berühmte Dirigent des Don-Kosaken-Chors, Sergej Jaroff.

Die von Kowalew geleiteten Don Kosaken, bei denen er seit 1994 mitwirkt, lassen das musikalische Erbe der Kosaken in Westeuropa und Skandinavien auf technisch hohem Niveau wieder aufleben. Kowalew sieht es bis heute als seine Aufgabe an, die schönen russischen Melodien zur Freude der Zuschauer erklingen und dadurch das alte, unvergängliche Russland wieder lebendig werden zu lassen, das oft über dem Tagesgeschehen in Vergessenheit gerät.

Begeisternder Auftritt zum Abschluss der Hirschhorner „Ausklang“-Konzerte

Finale für die „Ausklang“-Konzerte: Mit einem begeisternden Auftritt in der evangelischen Kirche wurde die Veranstaltungsreihe für dieses Jahr beendet. Das „junge Streichquartett“ mit Johanna Bechtel und Viola Klein (Violinen), Johanna Ludwig (Bratsche) sowie Maria Lechner (Cello) zeigte ein perfektes Zusammenspiel. Harmonie und Spielfreude waren den Musikerinnen anzumerken.

Ein anspruchsvolles Programm wurde mit großer Konzentration und Musikalität bewältigt. Das Quartett zog damit die Zuhörer in der gut besetzten Kirche in seinen Bann. Das Streichquartett Nr.1 Cis-Moll des tschechischen Komponisten Pavel Haas (1899-1944) stellte gleich große interpretatorische Anforderungen, die die Gruppe hervorragend meisterte. Sein erstes einsätziges Streichquartett komponierte Haas im Alter von 21 Jahren. Die oft düstere und ernste Stimmung dieses Werkes würde man bei einem Jugendwerk nicht erwarten. Langsam getragen von den Geigen begann ernst-melancholisch eine lange Melodienfolge.

In romantischen Klängen schwelgen ließ Aleksandr Borodins 1881 entstandenes Streichquartett Nr. 2 D-Dur. Einen Höhepunkt bildete das beseelte Nokturno mit einem weichen slawischen Thema, dessen Cantilenen im Wechselspiel von allen Instrumenten übernommen wurden. Mit einem Frage- und Antwortspiel zwischen Geigen und Bratsche-Cello begann der Finalsatz, der durch seine ständige rhythmische Steigerung glänzte.

Mit den Gedichten „Sommer, o verlaß mich nicht“ (Hofmann von Fallersleben), „Dämmerung“ (Manfred Hausmann) und einem Abendgebet gab Hausherr Pfarrer Jörg Awischus einen zusätzlichen gedanklichen Abendimpuls. Ein Capriccio des griechischen Komponisten Nikos Skalkottas (1904-49) bildete den Abschluss. Das junge Streichquartett zeigte hier noch einmal bravourös Spielfrische und Können. Viel Applaus der Zuhörer war der Dank für diesen besonderen Sommerausklang.

„Aus dem Schatzkästlein der Bläsermusik“

Neben den Diensten, die der Bläserchor im Laufe eines Kirchenjahres für die Kirchengemeinde erbringt, beschäftigen sich die Musiker mit allen Spielarten der Bläsermusik, die sie im Rahmen eines Konzertes präsentieren. In diesem Jahr finden zwei Konzerte des Bläserchors Neckarsteinach unter der Leitung von Klaus Thieme statt. Nach 2011 ist man am Freitag, 24. April, wieder einmal bei der evangelischen Kirchengemeinde Hirschhorn um 20 Uhr in deren Kirche zu Gast. Am Samstag, 25. April, geht es um 19 Uhr in der evangelischen Kirche Neckarsteinach los. Das Programm bietet eine breite Palette an Musik aus verschiedenen Jahrhunderten: von früher Bläsermusik von Melchior Franck bis hin zur Musik noch lebender Komponisten wie Ingo Luis und Raphael Thöne, von freien Kompositionen bis zu Liedbearbeitungen, von barocken Formen bis hin zu Bearbeitungen von Jazzstücken von Jelly Roll Morton. Ein bunter Strauß, wie es dem Frühling geziemt. Der Eintritt ist jeweils frei.