Mit den „Kreuzworten“ werden die Menschen erreicht

Eigentlich war das Format ja aus der Not geboren, weil die Gotteshäuser in Corona-Zeiten geschlossen bleiben müssen. Aber die online gestellten „Kreuzworte“ sind so erfolgreich, dass sie auch in „normalen“ Zeiten beibehalten werden sollten, erläutert der evangelische Pfarrer Roland Bahre. Besondere Situationen erfordern besondere Lösungen: Unter diesem Motto hat sich Kirchengemeinde komplett neu aufgestellt.

Rege genutzt wurde laut Bahre rund um Ostern das Angebot, bei täglichen Öffnungszeiten von 9 bis 18 Uhr in der Beerfelder Martinskirche Gebete in ein Gebetsbuch zu schreiben und eine Kerze zu entzünden. Auch dies soll nach der „Corona-Zeit“ weitergeführt werden, erzählt er. Außerdem „hatten wir eine tolle musikalische Oster-Aktion“: Trompeter Dirk Bondes, auch Leiter der Feuerwehrkapelle, spielte am Ostersonntag an allen drei Kirchen Osterlieder. Start war auf dem Glockenturm in Beerfelden.

Bahres Empfinden nach war dies „wirklich eine sehr ergreifende und beeindruckende Aktion“. Gerade in Beerfelden konnte man so die ganze Stadt erreichen, denkt er. Es gab sehr viele sehr positive Rückmeldungen. Ein Making-Of-Video stellte er online.

Vor allem über Facebook und YouTube werden derzeit sehr viele (aber nicht nur) junge Menschen erreicht, „die sonst mit Kirche nicht so viel zu tun haben“, beobachtet Bahre. „Kreuzworte“ sind Videobotschaften, die dazu dienen, mit den Menschen gerade in der Corona-Zeit Kontakt zu halten. „KinderKreuzWorte“ sind vor allem für die Kinder der Kindergottesdienste gedacht.

Das Videomaterial wurde vom Pfarrer künstlerisch und technisch gestaltet. Denn Roland Bahre ist beruflich „einschlägig vorbelastet“. Vor seiner Zeit im kirchlichen Dienst war er Chefredakteur eines Online-Nachrichtenmagazins in Heidelberg und ist onlinejournalistisch vorgeprägt.

Das erste „Kreuzwort“ erschien in der Vorosterzeit und hatte innerhalb kurzer Zeit bei Facebook über 3000 Klicks. Das zweite erschien in der Karwoche und war vor allem besinnlich und nachdenklich. Die Musik lieferte jeweils Kantorin Iris Thierolf. Besonders erfolgreich aber das dritte zu Ostern. Daran beteiligten sich neben den Musikern Iris Thierolf, Arne Müller, Dirk Bondes und David Krahl über 60 Menschen. Ein besonderer Glücksfall war dem Pfarrer zufolge die Mitwirkung von Krahl. Denn der ist als Musiker am Staatstheater in Wiesbaden tätig, stammt aber ursprünglich aus der Kirchengemeinde Beerfelden.

Viele nahmen am „viralen Ostergruß“ teil, ist Bahre stolz auf den Erfolg: nicht nur aus Beerfelden, sondern auch aus Irland, Albanien und der ganzen Bundesrepublik. „So eine große Beteiligung gab es sonst in Ostergottesdiensten nicht“, weiß er. Vor allem erreichte man alle Altersklassen und Gesellschaftsschichten, von der 13-Jährigen zum 81-Jährigen, von der Schülerin bis zum Arzt, von der Friseurin bis zum Hochschulprofessor.

Die Klickzahl ist seinen Worten zufolge immer noch steigend: bisher bereits 3000 bei Facebook plus über 300 Klicks bei YouTube. Besonders freut ihn, dass diese „Kreuzworte“, auf einem Stick gespeichert, in der Beerfelder Seniorenresidenz „Hedwig Henneböhl“ in jedes Zimmer auf den Fernseher übertragen werden, um auch hier den Kontakt zur Kirche zu bewahren. Kirche, so sein Eindruck, „kommt dadurch den Menschen ein Stückweit näher als auf dem sonstigen analogen Weg, weil ich ja nicht in jedes Zimmer persönlich gehen konnte“.

Da die Resonanz so gut ist, sollen die „Kreuzworte“ auch in der Nach-Corona-Zeit in kleinerem Umfang fortgeführt werden. Eines aber steht für ihn fest: Die „Kreuzworte“ – so erfolgreich sie auch sind – „können eine menschliche Begegnung nicht ersetzen!“. Deshalb wollen die Geistlichen  telefonisch mit Menschen in Kontakt kommen. Und doch bieten sie „eine tolle Chance, die wir genutzt haben“: mit Menschen in dieser schwierigen Zeit Kontakt zu halten und manche sogar zum ersten Mal in ihrer Sprache anzusprechen.

 

Info: Die Kreuzworte sind erreichbar über die Homepage der Kirchengemeinde unter www.ev-kirchengemeinde-beerfelden.ekhn.de oder bei  YouTube auf http://www.youtube.com/channel/UC8FHZsWGZCM8WwcU0EaVBLA

Neues Team für den Kindergottesdienst

Ein Ende ist gleichzeitig auch ein Neuanfang. Nach mehr als 20 Jahren im Sensbachtaler Kindergottesdienstteam hört Helga Breidinger mit ihren 70 Jahren auf. Claudia Röger, die in den vergangenen zwei Jahren viel frischen Wind mit in die Truppe brachte, zieht berufsbedingt weg. Für die beiden stehen aber die jungen Nachfolgerinnen in den Startlöchern: Es geht mit Anja Höhner und Rebekka Michel weiter, versichert der evangelische Pfarrer Roland Bahre.

Als Helga Breidinger vor über zwei Jahrzehnten startete, „waren es am Anfang 20 Kinder“, erinnert sie sich. Mit Unterstützung von Christina Braner gab es Bastelangebote, wurden Psalme gesungen, Gebete gesprochen. Sensbacher Kinder von sechs bis 13 Jahren nahmen teil. War ein Geschwisterkind etwas jünger, durfte es ebenfalls dabei sein. Spiele, Weihnachtsmarkt-Singen, Mitgestaltung des Landfrauen-Gottesdienstes: Es war immer etwas geboten.

Als Highlight kennzeichnet sie das Krippenspiel. „Es war nicht immer einfach, alle unter einen Hut zu bringen“, weiß sie um das bunte Gewusel. Die jungen Teilnehmer wurden zwischenzeitlich durch den Geburtenrückgang weniger – jetzt geht es aber wieder aufwärts. Breidinger orientierte sich früher an der Kinderbibel, bestellte Bücher und suchte sich passende Stellen heraus.

Dass heutzutage eine Vielzahl von Angeboten nebst dem Internet auf die Kinder einprasselt, hat auch Helga Breidinger gemerkt. „Sie veränderten sich“, sagt sie. Die Ablenkungen neben der Vermittlung des christlichen Gedankens und der Vorbereitung auf die Konfirmation werden größer. Durch ihr Alter, schmunzelt Breidinger, „war ich auch nicht mehr so an der Basis wie junge Mütter.“

Für sie war es in all den Jahren eine „Herzensangelegenheit, meinen Glauben weiterzugeben“. Den bekam sie von ihrer Großmutter mit, die ihr immer aus der Bibel vorlas und sie prägte. Auch wenn die Sensbachtalerin nicht mehr im Kindergottesdienstteam mitwirkt, so bleibt sie dem Kirchenvorstand erst einmal erhalten. Dort ist sie bereits seit 24 Jahren aktiv.

Der gelernte Erzieherin Röger stieg vor zwei Jahren ein. „Es fällt mir leicht und macht Spaß“, sagt die 40-jährige Mutter von drei Kindern. Ihr „Erfolgsrezept“? Man muss es locker, fröhlich gestalten und die Kinder dort abholen, wo sie sind. „Ich habe immer eine Idee“ erzählt sie. Die wird dann unter Zuhilfenahme des Internets ausgearbeitet.

Wichtig ist die Einbeziehung der Sechs- bis 13-Jährigen. Vor allem darf es nicht zu ernst zugehen, betont Röger. „Die Kinder lieben es, hinterher zu basteln, Musik zu hören und was zu knabbern“, gehört auch ein Angebot nach der „offiziellen“ Zeit dazu.

Freundschaft, Zusammengehörigkeit, den Kleinen vermitteln, dass jeder einmalig ist: „Die Kinder sind heute anders, sie teilen sich mit“, meint Helga Breidinger. Weshalb es für Claudia Röger auch wesentlich ist zuzuhören und Vertrauen zu schaffen. Die Resonanz bei den Eltern ist sehr positiv: „Die Kids nehmen was mit“, bekommt sie als Rückmeldung. Sie erzählen zuhause vom Gelernten und Erlebten.

Aktuell werden im Sensbachtal 13 Heranwachsende betreut. Eine „enorme Zahl“, freut sich Pfarrer Bahre, wenn man bedenkt, dass es nur 17 Grundschüler gibt. Er hebt hervor, dass sich das Angebot an evangelische und katholische sowie nichtkonfessionelle Kinder richtet. Die 14-jährige Konfirmandin Rebekka Michel „ist quasi reingewachsen“, sagt Helga Breidinger. Sie ist von Anfang an dabei. Die 19-jährige Anja Höhner wurde von Claudia Röger angesprochen.

Pfarrer Bahre rechnet damit, dass die Kirchengemeinde noch in diesem Jahr auf die Unterstützung eines neuen Gemeindepädagogen bauen kann, der das Team dann fachlich begleitet. Zur Hälfte ist der Posten als städtische Jugendpflegerstelle vorgesehen.

Der Verabschiedungsgottesdienst für die beiden scheidenden Betreuerinnen war sehr stimmungsvoll. „Wir sind froh, dass zwei Nachfolgerinnen gefunden wurden und es keinen Stillstand gibt“, sagt der Geistliche. So findet die neue Power aus den vergangenen Jahren ihre Fortsetzung.

Evangelische Kirchengemeinde Beerfelden: Keine Sonntagsgottesdienste bis Pfingsten

„Im Bewusstsein unserer Verantwortung für die Menschen vor Gott und im Bekenntnis zu unserem Herrn Jesus Christus“, wie es Pfarrer Roland Bahre formuliert, hat der Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden angesichts des Coronavirus‘ einige weitreichende Regelungen beschlossen. Die wichtigste: In der gesamten Kirchengemeinde finden voraussichtlich bis Ende Mai, also kurz vor Pfingsten, keine öffentlichen Sonntagsgottesdienste statt.

„Wir haben uns dazu entschlossen, den Zeitraum bis Pfingsten zu wählen, weil wir finden, dass wir es als Kirche den Menschen schuldig sind, einigermaßen Planungssicherheit in dieser chaotischen Zeit zu bieten“, hebt der Pfarrer hervor. Besonderes Augenmerk in dieser Zeit wird auf die Seelsorge gelegt.

Der Geistliche weist darauf hin, dass es im Gegenzug besondere Angebote geben wird. Dazu zählt das „stellvertretende Gebet“ der Pfarrer sonntags in den Kirchen mit der Möglichkeit, das Vaterunser beim Ertönen der Vaterunser-Glocke von zu Hause mitzubeten. Weiterhin können per E-Mail an gebetsanliegen-beerfelden@web.de Gebetsanliegen vorgebracht werden. Im Angebot des „Offenen Ohres“ geht es um die Einzelseelsorge.

Dass die Frohe Botschaft, das Oster-Evangelium, verkündet werden muss, ist unbestritten, betont er. „Dass wir uns nicht zum Gottesdienst feiern treffen können, trifft uns als Kirchengemeinde ins Mark. Für mich als Christen ist das so, als würde man mir die Nahrung entziehen. Deshalb werden wir darüber nachdenken, wie wir Ostern feiern können, auch wenn wir uns nichtöffentlich versammeln.“

Der Konfirmationsgottesdienst am 17. Mai und alle damit verbundenen Gottesdienste finden ebenfalls nicht statt. Neue Termine sind Mitte September. Voraussichtlich wird auch kein Gottesdienst an Christi Himmelfahrt stattfinden.

Für Trauungen werden individuelle Lösungen gefunden, sagt er. Bestattungen finden nur im engsten Familienkreis und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das diesjährige Chorprojekt, das in Konzerten Ende September aufgeführt werden sollte, entfällt. Der Konfirmandenunterricht ist vorerst bis nach den Osterferien abgesagt. Alle weiteren Veranstaltungen sind bis Pfingsten ebenfalls gecancelt.

In den nächsten Wochen sollen die evangelischen Christen über den Gemeindebrief weitere Informationen erhalten. Wenn auch nicht öffentlich, „tritt die Kirche jeden Sonntag vor Gottes Angesicht“, so Bahre. Er und Pfarrer Roger Frohmuth werden in den Kirchen Beerfelden, Sensbachtal und Gammelsbach stellvertretend für die gesamte Gemeinde alleine Fürbitte halten „und vor dem Kreuz zu unserem Gott beten“.

Nach einer halben Stunde wird dem Pfarrer zufolge die Vaterunser-Glocke läuten, die die gesamte Bevölkerung einlädt, miteinander über die Grenzen der Wohnräume hinweg das das Vaterunser zu sprechen. Mindestens die großen Gottesdienste (Karfreitag und Ostersonntag) werden in der Martinskirche in Beerfelden aufgezeichnet und stehen dann auf der Homepage zur Verfügung.

Besondere Gebetsanliegen können Gläubige telefonisch den Pfarrern mitteilen oder ihnen ein Anliegen auf den Anrufbeantworter sprechen. Die sind Tag und Nacht eingeschaltet, um sie spätestens am darauffolgenden Sonntag vor Gott zu bringen. Zusätzlich wird es öffentliche Gebetszeiten in der Martinskirche Beerfelden geben, wenn zum stillen Gebet vor dem Kreuz eingeladen wird. Es besteht hier auch die Möglichkeit, eine Kerze zu entzünden und in einem Gebetsbuch ganz persönliche Gebetsanliegen vorzubringen.

„In dieser Zeit ist in besonderer Weise die Seelsorge gefordert“, hebt der Geistliche hervor. Wer ein persönliches Gespräch wünscht, kann sich telefonisch bei den Pfarrern melden. Das könnte im günstigsten Fall telefonisch stattfinden, um den direkten Kontakt weitgehend zu vermeiden. „Es ist unsere Berufung und unsere heilige Pflicht, für Sie da zu sein und Sie telefonisch oder in Ausnahmefällen auch persönlich zu Hause oder im Krankenhaus aufzusuchen und Sie so zu begleiten“, formuliert es Pfarrer Bahre.

 

 

Info: Notfallseelsorge und Krisenintervention (PSNV) finden in der Kirchengemeinde wie auch im Odenwaldkreis weiterhin statt. Einmal wöchentlich wird zudem die Möglichkeit bestehen, im Betsaal der Martinskirche Beerfelden Pfarrer Roland Bahre auf einen Kaffee zu treffen („Offenes Ohr“). Dieses Vier-Augen-Gespräch ist vertraulich und findet in geeignetem Abstand statt.

Stellvertretendes Gebet: Martinskirche in Beerfelden sonntags von 10 bis 10:30 Uhr mit abschließendem Vaterunser und Segen um 10.30 Uhr. Kirche Sensbachtal sonntags von 11 bis 11.30 Uhr mit Vaterunser und Segen um 11.30 Uhr. Kirche Gammelsbach sonntags von 12 bis 12.30 Uhr mit Vaterunser und Segen um 12.30 Uhr.

Bei Fragen und Unsicherheiten können sich die Gläubigen telefonisch an folgende Personen wenden: Gemeindebüro 06068/1330 (montags bis donnerstags jeweils vormittags), Pfarrer Bahre 06068/478125, Pfarrer Frohmuth 06068/2243, Pfarrerin Borck 06276/912084, E-Mail gebetsanliegen-beerfelden@web.de

Ein eigenes Etikett für jede Kirche

Dieser Wein wird in den jeweiligen Orten besonders gut munden. Seit einem Dreivierteljahr bezieht die evangelische Kirchengemeinde Beerfelden ihre süffigen Tropfen von einem neuen Weinhändler: dem Weingut Beyer-Bähr aus Rheinhessen, das auch alle vier Wochen auf dem Beerfelder Wochenmarkt anzutreffen ist. Spätburgunder und Riesling bekommen nun je nach Ausschankort ein eigenes Etikett mit der jeweiligen Kirche aus Gammelsbach, Unter-Sensbach und Beerfelden.

Den Entwurf dafür gestaltete Uwe Breidinger, das Etikett stellt die Firma Schwinn in Gammelsbach kostenfrei her. Dort fand auch die offizielle Vorstellung des neuen „Outfits“ der 0,75-Liter-Flaschen mit Pfarrer Roger Frohmuth, Kirchenvorstand Raimund Keysser sowie Geschäftsführer Stefan Frey und Seniorenchef Ernst-Ludwig Schwinn statt.

Als Abendsmahlswein sowie als Präsent für Geburtstage, Goldene Hochzeiten und Jubiläen wird das Produkt des Betriebs aus Flörsheim-Dalsheim verwendet, erläuterte Frohmuth. Der Vorteil: Die Kirchengemeinde muss keine großen Mengen horten, sondern kann jeden Monat ihren Bestand wieder auffüllen, wenn das Weingut sowieso in Beerfelden präsent ist.

Seit 2013 gibt es den Kirchenwein, erinnert sich Raimund Keysser. Ein paar Flaschen der früheren Bestände existieren noch, aber es musste Nachschub her. „Wir dachten, das wäre ein schönes Symbol, damit die Kirche repräsentiert wird“, ergänzt er. Außerdem haben die Beschenkten etwas Besonderes mit lokalem Charakter in den Händen. Nach Breidingers Vorlage wird das Etikett in seinen drei Ausfertigungen mit den verschiedenen Gotteshäusern bei Schwinn gefertigt. Die Flaschen lassen sich dann je nach „Einsatz“ bekleben.

Etiketten werden in der alteingesessenen Firma seit 1995 hergestellt, eine Haarzurichterei gibt es bereits seit 1948. Inzwischen ist die dritte Generation im Familienbetrieb mit 15 Beschäftigten am Ruder. „Heutzutage wird sehr viel etikettiert“, freut sich Stefan Frey. Die Gammelsbacher Produkte gehen nach ganz Europa – und jetzt eben auch an die heimische Kirchengemeinde.

Fastnachter legen in Unter-Sensbach ihre Kappen ab

Er rief sie herein und alle kamen. „Invocavit“ (lateinisch „hereinrufen“) lautete der Titel des Gottesdienstes in der evangelischen Kirche Unter-Sensbach, in dessen Rahmen (am ersten Sonntag nach Aschermittwoch) das Kappenablegen der Sensbachtaler Fastnachter stattfand. Quasi ein „kirchlicher“ Abschluss der närrischen Tage und Start in die Fastenzeit bis Ostern. Pfarrer Roland Bahre freute sich über den guten Besuch dieser Premiere.

In den vergangenen Jahren hielt der Geistliche immer ein „lustiges Grußwort“, gemeinhin auch Büttenrede genannt, auf der Sensbachtaler Fastnacht. Da alles ein Geben und Nehmen ist, bewegte der Pfarrer die Narren mit seiner Überredungskunst dazu, doch auch mal ins Gotteshaus zu kommen. Nach dem Motto: „Wenn ich in die Bütt steige, können die auch in die Kirche gehen“, schmunzelte er. „Es ist schön, den Kontakt zwischen Kirche und Fastnacht zu haben“, betonte Bahre.

„Bewahrt den Narren in euch“, lautete die Kernaussage seiner Predigt. Denn, so sein Rückgriff auf den Korintherbrief, „auch das Christentum war in den ersten Jahren eine Narretei“. Dort steht zu lesen: „Wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.“

Die Sensbachtaler Fastnachter waren in großer Zahl erschienen, neben den Sitzungspräsidenten Thomas Johe und Marcel Daub auch Elferrat und Gardemädchen. Von befreundeten Verein aus Schönnen-Ebersberg, den Schönberger Fastnachtern, kamen Vertreter mit Sitzungspräsident Thomas Hallstein an der Spitze vorbei. „Alle waren sofort mit dabei“, unterstrich Johe das gute Verhältnis im Ort. „Ich musste nicht kämpfen“, lächelte er. Er zeigte sich erfreut über die große Resonanz.

Pfarrer Bahre wünschte sich, dass dieser „endgültige Abschluss der Fastnacht“ am ersten Sonntag der Fastenzeit zu einer schönen Tradition im Ort werden soll. Die Fastnachtzeit als „schöne, freudige Zeit“ gehört für den Pfarrer ebenfalls zum Leben wie die Hinwendung zu Jesus und dem Kreuzestod in der Fastenzeit. Die folgende Auferstehung sei wieder ein freudiges Ereignis.

Ob denn die Fastnachtszeit zur Kirche gehört? Roland Bahre beantwortete für sich diese Frage mit einem klaren „Ja“. Denn: „Die Kirche gehört zu den Menschen“, hob er hervor. Wer Fastnacht feiern kann, steht mitten im Leben, „so wie die Kirche auch in der Mitte steht“, so der Pfarrer. Denn die eine oder andere Schuld wurde in dieser Zeit auf sich geladen, erläuterte er. So etwa, wenn man über die Stränge schlägt und die Fastenzeit nutzen kann, um Buße zu tun, merkte Bahre lächelnd an.

Die andere Form des Gottesdienstes stieß auf viel Zuspruch. „Es waren einige da, die ich sonst noch nicht in der Kirche gesehen habe“, fiel dem Geistlichen auf. Die Resonanz war sehr gut, stellte Bahre bei der Verabschiedung fest. „Die Besucher fanden es toll“, nahm er mit. Und wollen wieder kommen. Die Stimmung war seiner Beobachtung nach sehr gut, weil beides vereint wurde: die Leichtigkeit von Fastnacht und der Schwere der Fastenzeit. Gesungen wurde unter anderem das „Dona nobis pacem“ als dreistimmiger Kanon gesungen und in Reimform das „Kappengebet“ gesprochen.

Aus seiner Gemeinde weiß er, dass manche bis Ostern auf Alkohol und/oder Fleisch verzichten. „Das war eine typische Aktion eines Ortspfarrers“, sagte Bahre. Denn ein solcher ist er nun schon seit fast vier Jahren in seiner Funktion als Geistlicher für die Pfarrei Beerfelden-Ost mit ihren 1900 Gemeindegliedern. Für ihn ist es „sehr, sehr wertvoll und unersetzlich, dass die Gemeinde in dieser Form mitwirkt“, betonte er. Die Kooperation mit den Bürgern und Vereine ist wichtig. „Das Leben als Ortspfarrer ist einfach schön“, bekräftigte der 35-Jährige.

Heute verbindet man Fastnacht mit Karneval und ausgelassenem Treiben auf der Straße. Ursprünglich bezeichnete die Fastnacht allerdings nur das, was sie ihrem Namen nach ist: Die Nacht vor dem Beginn des Fastens. Und auch die Bezeichnung „Karneval“ hat ihren Ursprung im religiös motivierten Fasten. „Carne vale“ heißt im Lateinischen „Fleisch, leb wohl“. Wenn die Passionszeit und mit ihr das Fasten am Aschermittwoch beginnt, dann sind (theoretisch) viele Speisen und Getränke für die nächsten 40 Werktage verboten. Alkohol gehört dazu, Fleisch ebenfalls.

Ökumenisches Gebet über die Zukunft der Kirchengemeinden im Mossautal

Es war ein Neuanfang in Form eines Gebets: Beerfeldens evangelischer Pfarrer Roland Bahre, seit einem halben Jahr Vakanzverwalter der Kirchengemeinden Güttersbach und Mossau, stößt in seiner Arbeit immer wieder auf neue Aufgaben und kommt – auch zeitlich – an seine Grenzen. Um nun neue Wege zu gehen und „mehr Gottvertrauen zu wagen“, hatte der Geistliche zu einem ökumenisches Neujahrsgebet über die Zukunft der Kirchengemeinden im Mossautal in die Quellkirche Güttersbach eingeladen.

Das eine oder andere kurzfristige Projekt wie die Erntedanksammlung brachte er zwischenzeitlich auf den Weg. „Für eine nachhaltige Gestaltung fehlt mir aber naturgemäß der lange Atem“, sagt Bahre. Gerade um diesen Atem, den Geist Gottes, „haben wir in diesem Neujahrsgebet gebetet“, erläutert er. Als Vakanzverwalter ist es seine Aufgabe, die Kirchengemeinden pfarramtlich zu betreuen und die Kirchenvorstände zu begleiteten Projekten anzustoßen.

Als Pfarrer, so Bahre, „gebe ich von Herzen das Beste“. Allerdings ist der Weg für die Kirche im Mossautal steinig, stellt er fest. Auch für die Seelsorge hat er kaum Kapazitäten. „Deshalb wurde es Zeit, Gott um seine Hilfe zu bitten, denn die Zukunft der Kirche liegt in seinen Händen“, formuliert der Geistliche den dringenden Handlungsbedarf. „Eine Kirche, in der der Geist Gottes nicht weht, ist ein Museum mit religiöser Kulisse. Eine Kirchengemeinde ohne den Geist Gottes ist schlicht leblos und nichts wert“, betont er.

Der Abend folgte keinem festen liturgischen Programm, schildert der Beerfelder Pfarrer. Es war keine besondere Form vorbereitet, „wir haben uns einfach treiben lassen“. Allen ging es hinterher so, dass sie selbst überrascht waren. Eingeladen waren nämlich Gäste aus der Pfingstgemeinde Michelstadt, die den Gebetsabend mit Lobpreis, Gebeten und Erzählungen über Gott mitgestalteten. So wurde es beinahe zu einem Konzert, „in dem wir gemeinsam beteten, sangen, Gott lobten und um seinen Segen baten“. Es war sehr beschwingte Musik, mit Klavier, Gitarren und Cachonne, die zum Mitsingen und -tanzen einlud.

Der Kontakt zwischen der evangelischen Kirchengemeinde und der Pfingstkirche in Michelstadt kam zustande, weil zwei Mitglieder der Pfingstgemeinde in Unter-Sensbach wohnen und Teil des Bibelkreises sind, den die Protestanten in Hebstahl über die Wintermonate anbieten. So entstand ein guter Kontakt zwischen den beiden Pfingstlern und Bahre, der sie einlud, für die Zukunft der Kirchen im Mossautal mitzubeten. „Eine tolle Fügung“, freut er sich.

Die Art der Pfingstgemeinde, Gott zu loben und ihn in die Kirche einzuladen, ist für evangelische Christen gewöhnungsbedürftig, weiß der Pfarrer. Deshalb war es eine ungewöhnliche Veranstaltung in einem evangelischen Gotteshaus, „aber ein tolles Erlebnis für alle“, stellt er fest. „Und mir persönlich sehr wichtig.“ Es waren etwa 50 Besucher dabei: Außer Gemeindegliedern vor allem Mitglieder der Pfingstgemeinde, aber auch Konfessionslose und Katholiken. „Viele junge, sehr engagierte Christen“, hebt er hervor.

Die Resonanz war sehr positiv. Melanie Kredel aus Ober-Mossau meinte: „Ich hatte sehr viel Spaß und hätte gerne mitgetanzt. Gerade dass so viele junge Leute dabei waren, fand ich toll. Ich war hin und weg.“ Christiane Spatz, ebenfalls aus Ober-Mossau, betonte: „Ich nehme etwas mit heim. Die gute Stimmung und die Begeisterung: Da wurde Glauben lebendig.“ Gisela Emig aus Unter-Mossau ergänzte: „Ich hatte das Gefühl, Gott ganz nah zu sein.“ Auch einige Tage später bekam sie noch Gänsehaut. Auch die Gäste der Pfingstgemeinde waren sehr angetan. Alle waren sich einig, dass dies der Beginn von gemeinsamen Veranstaltungen sein wird.

Die Kirchenvorstände von Güttersbach und Mossau sowie Pfarrer Bahre waren am vergangenen Wochenende auf einer Klausurtagung, um unter professioneller Anleitung zweier Gemeindeberater/Supervisoren die Vergangenheit aufzuarbeiten und zu schauen, „wie wir die Zukunft der Kirchengemeinden gestalten können“. Aktuell ist noch kein neuer Pfarrer in Sicht.

Zu den Kirchengemeinden Güttersbach und (Unter-/Ober-)Mossau gehören auch Olfen, Hiltersklingen und Hüttenthal. Die erneute Vakanz seit dem Weggang von Pfarrerin Julia Fricke an Pfingsten 2018 ist laut Roland Bahre für alle eine Herausforderung: für das Gemeindebüro, für den Kirchenvorstand und die Ehrenamtlichen, für die Eltern der Konfirmanden, die ihre Kinder nach Beerfelden fahren müssen, aber auch für den Vakanzpfarrer Bahre, der seit Mitte 2018 hier tätig ist.

(Foto: Bernhard Bergmann)

125 Jahre Evangelische Kirche Hirschhorn: Ausstellungseröffnung am 27. August im Langbein-Museum

Im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation feiert auch die Evangelische Kirchengemeinde Hirschhorn das 125-jährige Bestehen ihrer Kirche. Zu diesem Anlass zeigt das Langbein-Museum eine Sonderausstellung: „125 Jahre Evangelische Kirche Hirschhorn“. Diese wird am Sonntag, 27. August, um 17 Uhr eröffnet. Mit Bildmaterial, Dokumenten und Gegenständen wird die Geschichte der Kirche lebendig erzählt. Dazu werden Persönlichkeiten vorgestellt, die eine aktive Rolle in der Geschichte gespielt haben. „Das historische Material ist umfassend und erzählt seine eigene Story“, verspricht Initiator Dr. Ulrich Spiegelberg.

Die Evangelische Kirche ist bis heute unverwechselbarer Teil des Hirschhorner Stadtbildes und eines ihrer Erkennungsmerkmale. Zu ihrer Einweihung am 7. November 1892 reiste eigens der Großherzog an, um dem feierlichen Festgottesdienst beizuwohnen. Es sollte sein einziger Besuch in Hirschhorn bleiben. Relativ früh hielten Luthers Gedanken in Hirschhorn Einzug, als sich die Ritter ab 1526 der Reformation zuwandten, diese auch in ihrem Herrschaftsbereich förderten und durchzusetzen suchten.

Nach einer wechselhaften Geschichte erlosch 1719 die evangelische Gemeinde in Hirschhorn. Für die letzten Gemeindeglieder war die Neckarsteinacher Kirche – zumindest vorübergehend – der nächstgelegene Ort, wo sie noch einen evangelischen Gottesdienst besuchen konnten. Knapp 100 Jahre später, mit dem Übergang nach Hessen im Jahr 1803, kamen wieder die ersten Protestanten ins damals rein katholische Hirschhorn: Es waren vor allem hessische Beamten – Landrat, Landgericht, Forst, Finanzverwaltung, später Polizei, Post, Bahn.

Die kleine evangelische Gemeinde war zunächst nach Neckarsteinach eingemeindet. Doch der Kirchenbesuch in Neckarsteinach war ihnen zu mühsam, so dass bald der Wunsch nach einem Gottesdienst und einer Kirche vor Ort entstand. Im Jahr 1854 ergab sich die Möglichkeit, einen evangelischen Gottesdienst im ehemaligen Rittersaal des Schlosses zu feiern. Hirschhorn wurde sozusagen zur Neckarsteinacher Filiale mit eigenem Pfarrverwalter, bis die Gemeinde, inzwischen auch durch Langenthal verstärkt, so gewachsen war, dass sie sich 1890 als eigenständig etablieren konnte.

Dies war zugleich der Startschuss für ein weiteres großes Vorhaben, den Kirchenbau. Der Bauplatz wurde am 12. Juli 1891 eingeweiht, die Grundsteinlegung fand am 12. August statt. Auf den Tag genau zwei Jahre später wurden Turmkreuz und Hahn aufgesetzt. Der Gesamtbau kostete damals rund 60.000 Mark. Turmuhr und Orgel folgten in weiteren Abschnitten, ebenso das Pfarrhaus. Ab diesem Zeitpunkt verfügte die junge evangelische Gemeinde über alle wichtigen Einrichtungen für ihr kirchliches Leben – bis heute.

Die Sonderausstellung 125 Jahre Evangelische Kirche in Hirschhorn erzählt die Geschichte einer Gemeinde, die heute fester Bestandteil Hirschhorns ist und seine Identität wesentlich mitprägt. Sie zeigt mit altem Bildmaterial so manch neue Perspektiven und lässt nachempfinden, wie es ist, eine eigene Kirchengemeinde zu gründen und ihr eine Kirche zu errichten.

„Die Kirche steht nach wie vor mitten im Leben“: Visitation der evangelischen Kirchengemeinde Hirschhorn durch Besuchsgruppe aus Michelstadt

Die Besuchergruppe aus Michelstadt war angetan von dem, was in Hirschhorns evangelischer Kirchengemeinde passiert, wie groß das Interesse aus der Bevölkerung an Kirchenbelangen ist. Die vierköpfige Gästeschar war im Rahmen der Visitationen des evangelischen Dekanats Odenwald, zu dem kirchlich auch das im Kreis Bergstraße gelegene Hirschhorn zählt, zwei Tage am Neckar. Dabei sollten Möglichkeiten und Grenzen kirchlicher Arbeit erkundet werden.

Genau diese Thematik wurde in einem Gedankenaustausch betrachtet, an dem neben zahlreichen Mitgliedern des Hirschhorner Kirchenvorstands auch Personen des öffentlichen Lebens teilnehmen. Darunter der aktuelle Bürgermeister Oliver Berthold, die frühere SPD-Bürgermeisterin Ute Stenger, Apotheker Arnt Heilmann, Vertreter der katholischen Kirche sowie Stadträte und Stadtverordnete der Fraktionen von SPD und Profil.

Die Besuchsgruppe aus dem Odenwaldkreis wurde von Pfarrer Jost Mager angeführt, der seit 1994 in Michelstadt wirkt. Als alteingesessener Odenwälder „kenne ich Hirschhorn seit frühester Jugend“, sagte er – auch wenn er die Visitation vor Ort als solche hinterfragte. Gunter Miksch war als Gemeindeglied dabei, um einen Blick „von außen“ auf das kirchliche Leben zu werfen. Dr. Michael Trumpfheller ist seit 2009 im Kirchenvorstand aktiv, Volker Backöfer ist Kirchenvorsteher seit 1997 und zuständig fürs operative Geschäft.

Hirschhorns evangelischer Pfarrer Jörg Awischus sprach in seinen einleitenden Worten von der Kirche als einem „Ort der Bedeutung“, die man aber durch den eigenen „Tunnelblick“ vielleicht gar nicht richtig einschätzen könne. Denn die Relevanz von Kirche lasse spürbar nach, ihre Bedeutung sei nicht mehr so klar definierbar, „nicht mehr so selbstverständlich“, so der Geistliche. Allerdings ist für ihn ganz klar: „Wir brauchen die Kirche als Institution nach wie vor.“

Sowohl der Hirschhorner als auch der Michelstadter Pfarrer waren sich in der Einschätzung einig, dass die Verbindung von Tradition und Moderne schwierig ist. „Wir suchen die Quadratur des Kreises“, so Awischus. Mager sah die große Diskrepanz zwischen dem Anspruch einer Volkskirche und den zielgruppenorientierten Gottesdiensten, „die attraktiver sein müssen“. Auch solle man in der Kinder- und Jugendarbeit Zeichen setzen.

„Wir müssen uns gesellschaftspolitisch auf jeden Fall äußern“, ging Mager auf die Diskussion. „Als Christen dürfen wir nicht wegschauen, wenn auf der Welt Ungerechtigkeiten passieren“, meinte er. „Ich bin nicht Jesus“, sagte der Pfarrer mit Augenzwinkern. Er schaffe es nicht, die Gleichnisse aus der Bibel auf die heutige Zeit zu übertragen. Es gelte im allgemeinen Schrumpfungsprozess der Kirchen eine Antwort zu finden, die Entwicklung vielleicht auch als Chance zu betrachten. Denn: „Das Konzept der christlichen Werte wird ja positiv gesehen“, betonte er. „Jesus hat auch mit ganz wenigen Leuten angefangen.“

Ute Stenger sprach von den positiven Wirkungen, die Kirchenarbeit haben könne, wenn die an das Gotteshaus gerichteten Themen aufgenommen würden. Für Gert Heiß reicht das Vorhandene nicht aus, „um Kirche am Leben zu erhalten“. Das Angebot müsse möglicherweise besser werden. Reinhard Mauve kritisierte, „die Welt brennt, aber die Kirche merkt es nicht“. In den Gottesdiensten geht es ihm zu realitätsfern zu.

Was Mauve den Widerspruch von anderen Teilnehmern einbrachte, dass sie genau deshalb in den Gottesdienst kämen, weil dort Ruhe vor dem bunten und hektischen Treiben draußen herrsche, eine Wohlfühl- und Besinnungsatmosphäre. Profil-Vertreterin Andrea Weber wiederum betonte, dass die Gottesdienst-Erfahrungen subjektiv seien. „Ich nehme immer etwas mit“, sagte sie.

Bürgermeister Berthold sah in der Aufgabe der Kirche etwas „für die Seele“ zu tun, was Halt und Stärke geben solle. Sie habe in der Vergangenheit dazu beigetragen, „dass die westliche Welt eine bessere geworden ist“. Die christlichen Grundwerte seien allgemeingültig. „Ist es da so schlimm“, fragte Berthold, „wenn weniger Menschen in den Gottesdienst kommen?“

Mit seiner Vorvorgängerin Ute Stenger war er sich einig, dass die Rituale nicht mehr zeitgemäß seien. „Mehr Freude und Feiern“ wünschten sich beide mit Blick auf die Gottesdienst-Gestaltung. Apotheker Heilmann forderte, die Kirche solle sich „gesellschaftlich äußern, aber nicht einmischen“. Stadtrat Jan-Paul Adler sah sie als Gegengewicht zu den negativen Nachrichten, mit denen man sonst berieselt werde.

„Die Kirche stapelt tief“: Karl Schölch als stellvertretender Vorsitzender der katholischen Pfarrgruppe Neckartal forderte dazu auf, „Gutes zu tun und darüber auch zu reden“. Die Kirche sei das „Kompetenzzentrum für soziale Belange“, trage dies aber zu wenig nach außen. Awischus ergänzte, der Kirchenvorstand arbeite an einer Profilierung in gewissen Punkten, weil man einfach nicht mehr alle Erwartungen abdecken könne.

Trumpfheller bezeichnet es als „spannend zu sehen“, wie viele zu der Gesprächsrunde gekommen waren. Dies belege das nach wie vor vorhandene Interesse an der kirchlichen Arbeit. Und zeige ihm, dass die Kirche „nach wie vor mitten im Leben steht“. In Michelstadt bewegten ganz ähnliche Fragen, meinte er.

Backöfer würdigte, dass eine kleine Stadt wie Hirschhorn „so viel engagierte Leute hat“. Die Resonanz sei „eine Perle für sich“, spielte er auf den Beinamen der Stadt als „Perle des Neckartals“ an. Ob in Michelstadt so viele Menschen an einem Samstagmittag zum Gedankenaustausch zusammengekommen wären, „weiß ich nicht“.

In Beerfeldens evangelischer Kirche: Dem „Glöckner von St. Martin“ auf der Spur

Der Glöckner geht um. Aber nicht der von Notre Dame, sondern der von St. Martin in Beerfelden. Mit Pauline, Lea und Sandra gab es drei junge Mädchen, die sich auf das Abenteuer im Rahmen der „Jungen Kirche“ einließen und Quasimodo die Stirn boten. Die Idee zu der Aktion hatte der evangelische Pfarrer Roland Bahre, der sich zusammen mit seiner Frau Nicole und Gemeindediakon Ulrich Meyer eine Art Schnitzeljagd in der Martinskirche ausgedacht hatte.

„Für die Konfirmanden wird viel geboten, aber für die Jugendlichen ab 15 Jahren fehlt dann etwas“, erläuterte Pfarrer Bahre zum Hintergrund der Veranstaltung. Die kannte er in anderer Form bereits durch seine Schwester, selbst Pfarrerin in Reichelsheim, die dort auf diese Weise versucht, die Kirche für Teenager interessant zu machen. Bahre freute sich, dass unter den drei Mädchen zwei ehemalige Konfirmandinnen waren. Er möchte in Zukunft weitere Aktionen im Rahmen der Jungen Kirche anbieten, sagte er.

„Hat es Spaß gemacht?“, fragte der Geistliche die drei Mädchen beim Abschluss, als es nach dem Aufenthalt in kühler Kirche und im Glockenturm einen wärmenden Früchtepunsch gab. Dreistimmig schallte ihm ein lautes „Ja“ entgegen. „Könnt ihr überhaupt schlafen?“, lautete die nächste Frage. „Kein Problem“, so die Jugendlichen. Da haben sie wohl eher ein Problem untereinander, wenn statt dem Glöckner ein anderer unruhiger Geist nachts keine Ruhe gibt, hieß es aus der kichernden Runde.

Ziemlich gruselig war’s für die drei aber doch einmal. Denn Gemeindediakon Ulrich Meyer stand am Ende des Dachgewölbes, angetan mit einem dunklen Talar (von Pfarrer Bahre) und einer Kapuze, und erschreckte sie. Wobei letztendlich wohl mehr der Aufstieg zum Uhrenraum den Jugendlichen zu schaffen machte. „Da gehe ich bestimmt nicht wieder hoch“, lautete ein schmunzelnder Kommentar.

Wie sie zur Teilnahme kamen? „Meine Mutter hat die Ankündigung in der Zeitung gelesen und vorgeschlagen“, meinte Pauline. Da Lea außerdem ihren Geburtstag feierte, nahmen es die drei zum Anlass, gemeinsam die Begegnung mit dem herumgeisternden früheren Geistlichen zu suchen. „Es ist blöd, dass wir die einzigen sind“, hätte sich Pauline noch ein paar Jugendliche mehr an dem einstündigen Spaß gewünscht.

Einen wahren Kern hatte die von ihm verfasste Geschichte des Pfarrers Rudelstein, so Roland Bahre – aber der Rest war frei erfunden. Beim Treffpunkt vor der Kirche erzählte der evangelische Geistliche zuerst die Historie vom „Glöckner von St. Martin“, einem ehemaligen Pfarrer, der vor mehr als zwei Jahrhunderten erschlagen worden war. Es ging darum, ihn zu befreien und die Kirche zu „entgruseln“.

In der Pfarrchronik konnten die drei Teilnehmerinnen mehr erfahren. Dazu mussten sie einige Stufen ins Turmarchiv emporsteigen und das angestrahlte Skelett als „stiller Wächter“ überwinden. Das Problem: Der Vorname des Geistlichen wurde nicht genannt. Doch genau den braucht es, um ihn zu erlösen. Also ging die Suche weiter. Im Dachgewölbe wartete dann der Grusel in Gestalt von Diakon Meyer.

Die Taufurkunde wiederum, in der der Vorname zu erfahren ist, befand sich am tiefsten Punkt der Kirche, dem Heizungskeller. Das „Lehrbuch der Theologie“ brachte schließlich Aufklärung, was das Wissen um den Namen sollte: Darin stand, wie wichtig es ist, dass bei einer Beerdigung der Vorname des Verstorbenen gesagt wird, „sonst erfährt dieser keine Erlösung“. Diesen von der Kanzel gesprochen, erfuhr die arme Seele endlich Ruhe.

 

Pfarrer Bahres Geschichte datiert zurück ins Jahr 1806, die Zeit vor dem großen Stadtbrand in Beerfelden. Pfarrer Rudelstein war ein geachteter, aber auch gefürchteter Mann. „Die Konfirmanden fürchteten seine jähzornige Art und er hatte auch etwas Gruseliges an sich.“ Überall wo er erschien, erschraken die Leute. Sie trauten sich nicht, den Pfarrer zu verägern.

Als in der Grafschaft Erbach-Fürstenau nach dem Tod des alten Herrschers ein neuer Graf die Macht übernahm, ordnete dieser den Ausbau aller Kirchenfenster in seinem Machtgebiet an. Sie sollten im ERrbacher Schloss neu aufgebaut werden, damit er sich als Freund der Künste dort an ihnen erfreuen konnte. Doch die Beerfelder Bürger weigerten sich. Als dem Pfarrer mit Gefängnis gedroht wurde, ließ er es in einer Nacht- und Nebel-Aktion geschehen.

Wissend um den Zorn der Bürger, wenn diese es bemerkten, verschwand er ebenso plötzlich von der Bildfläche. Als der Pfarrer dann nicht zum Gottesdienst erschien, wurde er von den Bürgern verflucht. Doch nach und nach geriet die Sache in Vergessenheit. Bis im Jahre 2006, genau 200 Jahre nach dem Verschwinden, nach Pfarrer Bahres Erzählung sonderbare Geräusche aus der Martinskirche kamen. Von Zeit zu Zeit war ein Wispern zu hören: „Befreit mich!“. Und genau hier setzte die Aktion an.

 

Weihnachtsmarkterlös für die Renovierung von Rothenbergs evangelischer Kirche

Ein Weihnachtsmarkt rund um die Kirche für die Kirche: Weil im kommenden Jahr die Innenrenovierung des evangelischen Gotteshauses startet, fließt der Erlös des diesjährigen Gemeindefestes in diese groß angelegte Maßnahme. Nach dem Familiengottesdienst, gestaltet von den Kindern und dem Team des Kindergottesdiensts, verweilten viele Bürger an den verschiedenen Buden. Ein ansprechendes musikalisches Programm begleitete sie durch den Nachmittag.

Pfarrer Reinhold Hoffmann hatte seine Predigt unter das Thema „Schenken“ gestellt. Man müsse erkennen, wer für den anderen da sei und einem gut tue, meinte er. Besonders freute sich der Geistliche, dass inzwischen rund 20 Kinder im Team aktiv sind. Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Flötenkreis, in dem ebenfalls einige Jugendliche mitspielen. Der Weihnachtsmarkt, entstanden bei der 650-Jahr-Feier 1999, erfreut sich seit dem Jahr 2000 einer stetigen Beliebtheit.

Die damit eingenommenen Gelder werden 2017 in besonderer Weise benötigt. Denn die Stromversorgung der Kirche muss dringend modernen Anforderungen angepasst werden. Außerdem wird der Chorraum neu gestaltet und der Bodenbelag kommt auf den Prüfstand. Dafür benötigt die Kirchengemeinde neben Förder- auch Eigenmittel, so der Pfarrer. Die verschiedenen Gruppen trugen mit ihrem Engagement ihr Scherflein dazu bei, dass das Vorhaben gestemmt werden kann.

Mitglieder des Kirchenvorstands versorgten die hungrigen Mäuler zum Mittag mit Leckerem vom Grill, dazu gab es Erdrüben und Nudeln. Glühwein und andere Getränke hatte der Kirchenchor im Sortiment, der außerdem am späteren Nachmittag Ausschnitte seines weihnachtlichen Repertoires vorstellte. Da hatte man sich bei dem Damen der Frauenkreise bereits mit Kaffee und Kuchen eindecken können. Nebenan zauberten drei Freundinnen besonders gehaltvolle und „geistreiche“ Kaffeekreationen. Zwischendurch gab es Weihnachtslieder und Geschichten in der Kirche.

Die Konfirmanden hatten ein kleines Anspiel zu Weihnachten vorbereitet und betrieben gemeinsamen mit den Eltern und Damen der Hospizgruppe den Waffelstand. Das Kindergottesdienstteam lud die Kleinsten zum Basteln in die Kirche ein. Im Außenbereich gab es von ihm einen Stand mit kleinen Kunstwerken, Losungen und Kalendern. Der Posaunenchor hatte zum einen seinen Auftritt in der Kirche, zum anderen organisierte er den Budenauf- und -abbau tatkräftig mit. Den Tag beschloss ein Abendsegen in der Kirche.

 

Viele feierten das 200. Jubiläum der Martinskirche Beerfelden

„Das war ein Gottesdienst wie an Weihnachten“, freut sich Pfarrer Roger Frohmuth noch Stunden später über die Resonanz des vormittäglichen Andrangs in der Kirche. „Ich bin total glücklich über den tollen Besuch“, spricht er auch seinen Pfarrerkollegen Roland Bahre und Claudia Borck aus der Seele, dass die Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen der Martinskirche so gut frequentiert wurden.

Am Nachmittag schloss ein Fest rund um den Marktplatz an, bei dem die Gäste gerne länger verweilten. Und dabei auch kräftig konsumierten, wie an den sich ausdünnenden Essensangeboten zu bemerken war. Das Jubiläum eröffnet hatte am Vorabend Heimatkundlerin Ute Löb, die die vergangenen zwei Jahrhunderte der evangelischen Martinskirche Revue passieren ließ. Architektin Stefanie Holschuh-Rundel aus Beerfelden erläuterte die von ihr betreuten Turmrenovierungs-Arbeiten der vergangenen Jahre.

Im Vorfeld des Kirchenfests am Erntedank-Wochenende hatte der Vorbereitungskreis mit seiner Vorsitzenden Andrea Breidinger-Braner alle Hände voll zu tun. „Für Leib und Seele“ hieß der Untertitel – und der war durchaus wörtlich zu nehmen. Pfarrer Bahre bezeichnete in seiner Predigt die Gemeinde als „Früchte und Ernte der Kirche“.

Es sei immer schön, bei Geschenken das „Glänzen in den Augen zu sehen“, stellte Bahre den Bezug zu Erntedank her und thematisierte auch den fließenden Heilsbrunnen. Der Kirchenchor unter Leitung von Iris Thierolf und der Posaunenchor unter Dieter Knoll sorgten für die Umrahmung des Gottesdienstes, in dem Bahre daneben auf „200 Jahre bewegte und lebendige Kirchengeschichte“ einging.

Die sich anschließenden Kirchenführungen durch Ute Löb stießen auf sehr gute Resonanz. Der eigentlich geplante Turnus von einer Stunde wurde aufgrund der Nachfrage verkürzt. Viele Besucher wollten auch den renovierten Turm besteigen und an diesem schönen Sonntag von dort aus den Rundumblick über die Oberzent genießen.

Um die Verpflegung kümmerten sich Helfer aus der gesamten Kirchengemeinde. Der Männerkochkurs tischte eine wohlschmeckende Kartoffelsuppe auf: „Sehr gut und sehr sättigend“, meinte Pfarrer Bahre nach dem „Selbstversuch“. Die von den Gemeindegliedern betreuten Flüchtlinge waren mit einem Waffelstand vertreten. Deftig ging’s bei den Rotariern zu: Das schon früh am Morgen aufgehängte 96-Kilo-Wildschwein hatte am Nachmittag sehr stark abgenommen.

„Gemeinsam dankbar sein und ins Gespräch kommen“ stehe als Motto über dem Tag. Und deshalb habe man auch die muslimische Gemeinde aus der Stadt eingeladen, so Pfarrer Bahre. Er freute sich daneben über den Besuch der Bürgermeister auch aus umliegenden Orten und des Grafen zu Erbach Fürstenau.

Die Beerfelder Heimatkundlerin Löb machte in ihrem Vortrag deutlich, dass die Martinskirche in den vergangenen zwei Jahrhunderten fast immer eine Baustelle war. Bereits kurz nach Fertigstellung traten ihren Worten zufolge erste Bauschäden am Dach auf. 1924, also nur gut 100 Jahre nach Errichtung, „erfolgte die fünfte Renovierung des Dachs“, so Löb.

Sie zeichnete gleichsam die enge Verbindung nach, welche die Beerfelder mit ihrer Kirche pflegen. Denn der Vorgängerbau war 1810 zusammen mit der gesamten Stadt einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen. In Rekordzeit ging es danach an den Wiederaufbau: Bereits im August 1812 wurde der Grundstein dafür gelegt. Die Fertigstellung innerhalb von drei Jahren dürfte auch so manchen heutigen Großprojekten zur Ehre gereichen.

Großzügige Spenden von in die USA ausgewanderten Beerfeldern trugen laut Löb dazu bei, dass 1887 der Turm mit Uhr, heute Stadtbild prägend, fertiggestellt werden konnte. „Eine eigene, viel Geduld und Nerven kostende Geschichte“, sagte die Heimatkundlerin. Denn dem frühen Baubeginn folgten Jahrzehnte, in denen zuerst nur der untere, statisch unsichere Teil als Fragment dastand.

Viel Mühe und Recherchearbeit investierte Ute Löb in den vergangenen Monaten, um diese Fülle an Material zusammenzutragen. Schwierig sei es oft gewesen, die Handschriften vergangener Jahrhunderte zu entziffern. Original-Dokumente wie Briefe und Urkunden lasen an diesem Abend die beiden Pfarrer Bahre und Frohmuth. Für die musikalische Gestaltung sorgte Kantorin Iris Thierolf an Klavier und Orgel sowie mit Gesang.

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