Der neue Lehrling der Schreinerei Pracht in Falken-Gesäß kam direkt aus Indien

So schnell kann’s gehen. Anlässlich des Designpreises für seine Kochinsel hatte Juniorchef Daniel Pracht von der gleichnamigen Schreinerei noch erwähnt, dass Lehrlinge Mangelware sind. Ihm konnte geholfen werden. Philip Reeg, der gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Indien machte, bekam von seinem Vater die Nachricht, meldete sich – und hatte die Stelle. Seit seiner Rückkehr vor ein paar Wochen arbeitet er im Betrieb mit. „Am 8. August bin ich zurückgekommen und schon am 14. August in der Schule gesessen“, lacht er.

Der 20-Jährige, in Kirchbrombach aufgewachsen, machte in Höchst sein Abitur. Durch den väterlichen Betrieb ist er bereits „vorbelastet‘“. Denn der hat eine Schreinerei in Michelstadt, wo Philip mit 14 bereits an den Wochenenden immer mal aushalf. Nachdem er 15 war, arbeitete er dann auch unter der Woche zeitweise mit. Nach dem Abi stellte er sich die Gretchenfrage aller Jugendlichen: Was tun? Ein FSJ bei der Welthungerhilfe sollte genug Zeit zum Nachdenken bringen.

Tat es auch. „Zuerst habe ich gedacht, mit dem Abi kann ich alles studieren“, meint Philip. Allerdings „wollte ich mir nicht eingestehen“, dass es doch der handwerkliche Beruf ist, der ihm am meisten Spaß macht. Der Bericht trudelte genau zur richtigen Zeit bei ihm ein, als diese Überlegung weit fortgeschritten war. „Er gab den Anstoß für meine Bewerbung“, sagt der 20-Jährige.

Mit der Schreinerei Pracht hat Philip Reeg seinen Worten zufolge „einen der Zukunft zugewandten Betrieb“ gefunden, dessen Philosophie ihn überzeugte. Für ihn das beste Beispiel, dass Handwerk auch auf dem Land goldenen Boden hat und daraus etwas Spannendes entstehen kann. „Die Arbeit macht mir viel Spaß“, hebt der Lehrling hervor. „Ich mache mehr als nötig“, schmunzelt er. Dazu tragen auch das gute Betriebsklima und die netten Kollegen bei.

Das Kompliment gibt Daniel Pracht gern zurück. Einen geeigneten Lehrling mit der nötigen Motivation zu bekommen sei schwer und Philip „ein Riesen-Glücksgriff“ gewesen. Pracht freut sich, dass jemand mit diesem Background und dieser Motivation jetzt in der Schreinerei tätig ist. Der 20-Jährige ist „interessiert, aufmerksam und fragt nach“. Und fährt für den Job eine ziemliche Strecke. 40 Minuten ist er von Kirchbrombach jeden Tag einfach unterwegs.

„Es ist nicht einfach, Fachpersonal zu bekommen“, erläutert Daniel Pracht das Dilemma nicht nur der eigenen Schreinerei, sondern generell der Handwerksbetriebe. „Viele gehen erst einmal studieren.“ Deshalb fehlten generell die Lehrlinge. „Dabei stehen den Jugendlichen auch mit einer Ausbildung alle Wege offen.“ Danach sei immer noch ein Studium möglich. Etwa Richtung Architektur, ergänzt Philip. Da ist dann eine entsprechende vorherige Ausbildung von Vorteil.

Im Betrieb kümmert sich Peter Schäfer um die Auszubildenden. Der lernte als Späteinsteiger mit seinen 30 Jahren im vergangenen Jahr aus und macht nun seinen Meister. Somit wie auch Daniel Pracht, der ebenfalls erst mit Verzögerung wieder zum elterlichen Betrieb kam, das beste Beispiel dafür, dass es nie spät fürs Handwerk ist.

Das unterstreicht auch Philip Reeg: „Von 15 bis 32 Jahren ist in unserer Klasse alles dabei“, berichtet er von der Theorie an der BSO Michelstadt. An der ist er während seiner drei Lehrjahre jeden Dienstag und jeden zweiten Donnerstag. Die Praxis übernimmt dann der Betrieb. Hier geht’s mit den einfachsten Dingen los. Handarbeit ist angesagt. „Ich habe zuerst aus einem Stück Holz ein Frühstücksbrettchen gesägt“, berichtet Philip. Bald werden es dann zwei Stück Holz, aus denen er verschiedene Alltagsgegenstände herstellen muss.

„Ich würde mich freuen, wenn mehr junge Menschen motiviert würden, ins Handwerk zu gehen“, wünscht sich Pracht Nachahmer. Denn nach wie vor sind Lehrlinge im Betrieb wollkommen. Die Ausbildung sei „eine super Grundlage“ fürs spätere Leben. Meint auch Philip: „Der Job bringt mir mehr von der realen Welt als trockene Theorie im Hörsaal“, sagt er.

Info: Schreinerei Pracht, Telefon 06068-1524, E-Mail mail@schreinerei-pracht.de, http://www.schreinerei-pracht.de

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Kochen ist auf seiner Insel einfach eine Pracht: Mit seiner Meister-Kochinsel gewann Daniel Pracht aus Falken-Gesäß den Bad Wildunger Designpreis

Mit seiner Kochinsel hat er in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt. Dabei ging es Daniel Pracht von der gleichnamigen Schreinerei im kleinen Beerfelder Ortsteil eigentlich erst einmal darum, im Rahmen seines Meisterkurses eine Idee fürs eigene Zuhause praktisch in die Tat umzusetzen. Der 31-Jährige hatte nicht damit gerechnet, dass er damit gleich den renommierten Bad Wildunger Designpreis gewinnen und extrem positives Feedback bekommen würde. Jetzt sammelt er Anregungen, damit das gute Stück in Serie gehen kann.

Eine Kochinsel wollte der Schreinermeister schon länger für seine Wohnung bauen. Als es im vergangenen Jahr darum ging, die 2011 begonnene Ausbildung zum Schreiner mit dem Meistertitel abzuschließen, kam der Gedanke als Meisterarbeit wieder ins Spiel. „So konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, lacht er. Dabei hat Pracht durchaus den Anspruch an sich selbst: „Wenn ich was baue, dann soll es auch etwas Gescheites sein.“

In dem halben Jahr an der Meisterschule entwickelte der Schreiner seine Idee weiter und verfeinerte sie. Dass sie so einschlagen würde, vermutete er selbst nicht. „Bis vor sechs Wochen dachte ich nicht im Traum daran, die Kochinsel zu verkaufen“, gesteht Pracht. Die Schablonen hatte er sogar schon entsorgt. Aber die „super Rückmeldungen“ nach der Ausstellung sorgten für ein Umdenken.

Den letzten Anstoß gab der Maimarkt, wo die Kochinsel ebenfalls aufgebaut war. Als die Besucher stehen blieben und staunten, „war klar, dass ich mir die Chance nicht entgehen lasse“. Design und technische Lösung wurden urheberrechtlich geschützt. Eigentlich, sagt Pracht, ist seine Kochinsel „eine vollwertige Küche“. Denn sie fungiert neben der Möglichkeit zur Essenszubereitung auch als Ess- oder Stehtisch. Der Komplex ist stufenlos höhenverstellbar. Ein Induktionskochfeld ist ebenso ausziehbar wie fünf Massivholzschubkästen für iPad, Messer, Gewürze oder Schneidbrett.

Wie geht es nun weiter mit dem 21.000 Euro teuren Meisterwerk unter dem Arbeitstitel „Square“? „Ich habe die Kochinsel zu verschiedenen Designpreisen angemeldet“, erläutert Daniel Pracht. Außerdem baut er sie als Demonstrationsobjekt in einer zum Verkauf stehenden, exklusiven Frankfurter Penthouse-Wohnung am Messeturm auf. Parallel dazu wird eine Marketingstrategie erarbeitet. Ihm ist wichtig, dass die Produktion im Odenwald stattfindet und „wir hier gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen“.

Der Preis kommt nicht von ungefähr zustande, betont der 31-Jährige. „Alles daran ist quasi Handarbeit.“ Bis auf die Aussparung für die Herdplatte, die auf der Maschine gefertigt wird. Drei Wochen lang wird an einem Exemplar gefeilt. Sein Ausstellungsstück hat die Maße 1,32 auf 1,32 Meter, „aber man kann die Kochinsel in allen Größen bauen“. Auch sind zahlreiche Materialformen und -farben sowie Holztypen möglich. Mit diesen Dimensionen ist das besondere Stück laut Pracht vor allem für beengte Bereiche wie kleinere Stadtwohnungen oder Yachten passend.

Obwohl Daniel Pracht den Geruch von Holz und Sägespänen quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen hatte, war überhaupt nicht absehbar, dass er einmal in den elterlichen Betrieb einsteigen würde. Im Gegenteil. „Nach der Schule wollte ich Pilot werden“, schmunzelt er. Denn schon in den Jugendjahren war er bei den Vielbrunner Segelfliegern aktiv. Doch schon während der Bewerbung merkte er: „Das ist nichts für mich.“ Wie auch das anschließende Physikstudium ihm viel zu theoretisch war.

„Ich wollte was Handfestes machen“, besann sich Pracht dann doch auf seine Wurzeln. Und klopfte sozusagen auf Holz. Er wollte eine Arbeit, bei der man „etwas bewegen und umsetzen kann“. Dafür war natürlich der elterliche Betrieb wie geschaffen. Und so überzeugt, wie der heute 31-Jährige seine Motivation schildert, kann man kaum glauben, dass er jemals mit einem anderen Berufswunsch liebäugelte. Pracht ist voll in dem Thema drin, wenn er von seiner Auffassung von Mitarbeiterführung und -motivation spricht, wie sich ein Handwerksbetrieb in der heutigen Zeit für die Zukunft aufstellen soll.

 

 

Schreinerei Pracht

Derr 31-jährige Daniel Pracht ist mit dem Schreinerberuf des elterlichen Betriebs seit Kindesbeinen an vertraut. Schon seit 60 Jahren gibt es die Firma, inzwischen in dritter Generation. Im Wohnhaus am Postweg in Falken-Gesäß ist gleichzeitig auch das Büro untergebracht, es geht beengt heimelig familiär zu.

Gleich neben dem Eingang hat Seniorchef Helmut Pracht seinen Schreibtisch stehen, der Blick nach vorn geht auf zwei Computer mit dem gesammelten Firmenwissen. 16 Mitarbeiter zählt die Schreinerei heute, davon allein vier aus der Familie. Sein Bruder hat gerade im ersten Lehrjahr die Ausbildung zum Schreiner begonnen.

„Die Arbeit soll erfüllen: Das geht nur zusammen“, betont Daniel Pracht. Ihm schweben für die Zukunft Komplettlösungen für Innenausbauten vor, bei denen die Schreinerei als eine Art Kompetenzzentrum mit vielen Spezialisten unter einem Dach fungiert. Dies immer mit dem Anspruch, dass Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen zufrieden sind.

Chöre aus dem Sängerkreis Neckartal treffen sich am 1. April zum Wertungssingen in Schönmattenwag

Das Kreiswertungssingen und der Liedergesellschaftsabend des Sängerkreises Neckartal finden am Samstag, 1. April, um 19 Uhr im Haus des Gastes statt. Ausrichter ist der MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag. Der Eintritt ist frei. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen, sich ein Bild vom vielfältigen Können der angeschlossenen Sängerkreis-Vereine zu verschaffen.

Teilnehmende Chöre sind: Cantante Cintura Kids sowie Frauen- und Männerchor des Gastgebers, MGV Eintracht Liederkranz Sensbachtal, Chorgemeinschaft Rothenberg/Kortelshütte, MGV Liederkranz Ober-Hainbrunn, Frauen- und Gemischter Chor Eintracht Falken-Gesäß, Sängerkranz aus Schöllenbach, gemischter Chor Finkenbach und Liederkranz Gammelsbach. Weiterhin gibt es an diesem Abend Ehrungen durch den Sängerkreis.

Den Mitglieds-Chören soll mit dem Wertungssingen die Möglichkeit eines objektiven Feedbacks der eigenen musikalischen Leistung angeboten werden. Sie erhalten damit in ungezwungener Atmosphäre eine leistungsorientierte Rückmeldung zur Vorbereitung ihrer eigenen Wettbewerbsbesuche durch einen ausgewiesenen Fachmann der Chorszene und auch Hinweise zu Verbesserungsmöglichkeiten.

Fürs Programm sind ausschließlich A-cappella-Werke zugelassen. Jeder Chor trägt drei Stücke freier Wahl vor. Auf eine stilistische und musikalische Vielfalt sollte Wert gelegt werden, heißt es in der Vorgabe. Werke aus dem Bereich Spiritual/Gospel/Pop sind ebenfalls zugelassen. Die einzelnen Stücke können auch in einer abweichenden Tonart vorgetragen werden.

Die teilnehmenden Chöre des Orientierungssingens erhalten nach ihrem Auftritt durch den Juror eine fachlich fundierte und konstruktive Beurteilung. Ziel ist es, Verbesserungspotential aufzuzeigen und den Leistungsstand festzustellen. Im Anschluss steht der Berater den Chören auch für weitere Fragen zur Verfügung. Außerdem gibt es eine Bewertung nach den Richtlinien des „Deutschen Chorwettbewerb“

Juror des Sängerkreis-Orientierungs-/Wertungssingens ist Matthias Schmitt. Er studierte Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Chorleitung an der Goethe-Universität Frankfurt, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt und an der Hochschule für Musik in Würzburg. Schmitt ist Dirigent mehrerer Chöre und Ensembles in Freigericht (Main-Kinzig-Kreis) und in angrenzenden Regionen. Er nimmt regelmäßig erfolgreich an nationalen Chorwettbewerben teil und wurde zuletzt Preisträger beim ersten deutschen Männerchorfestival in Limburg.

International konnte er mit seinem Männerkammerchor „DelicaTon“ einige Erfolge erzielen, zum Beispiel Sonderpreisträger beim International Choral Festival in Cork 2016 (Irland), er ist Gewinner zweier Goldmedaillen bei den World Choir Games in Riga 2014 (Lettland), Grand Prix Gewinner in Llangollen 2012 (Wales) und Dirigentenpreisträger beim Johannes Brahms-Wettbewerb in Wernigerode 2011. Teilnahmen an Wettbewerben und Festivals führten ihn zudem nach Estland, Norwegen, Österreich, England und Südkorea. Hauptberuflich arbeitet Schmitt als Kulturbeauftragter im Main-Kinzig-Kreis.

In Falken-Gesäß und Leonardshof: Bei der Hausnummernsortierung gibt es Kraut und Rüben

Die Hausnummern-Sortierung im Leonardshof oder die Häuserzuordnung zu Straßen in Falken-Gesäß sind eine wahre Pracht. Da gibt es an einer Stelle die Nummern 14 bis 16, ganz woanders dann die 10, gefolgt von der 34. Ein Haus an der Unteren Ortsstraße ist aber von der Hausnummer her der Oberen zugeordnet. Ganz zu schweigen von Straßenbezeichnungen, die teilweise verschlungen und nicht nachvollziehbar sind.

Wie Christian Kehrer vom Kommunalservice Oberzent und Bürgermeister Gottfried Görig auf der Ortsbeiratssitzung erläuterten, besteht im Rahmen der Fusion zum 1. Januar die einmalige Gelegenheit, solche über die Jahrzehnte und Jahrhunderte wild gewucherten Straßen und Hausnummern zu entwirren und Ordnung zu schaffen.

Kehrer sagte, dass es in Falken-Gesäß im Gegensatz zu anderen Orten keine Namensdopplungen gebe. Jedoch könnte man Häuser anderen Straßen zuordnen oder sogar für bestimmte Abzweigungen neue Straßennamen schaffen. Als Beispiel führte er sein eigenes Beispiel aus Finkenbach an. Dort stehen vier Häuser in einem Stichweg der Wetterbergstraße. Die Anwohner beschlossen nun, aus diesem „Am Wetterberg“ zu machen.

Eine „katastrophale Nummerierung“ gebe es im Leonardshof. Vor allem mit Blick auf die Rettungsdienste, aber auch wegen Brief- und Paketzustellung, sei es ratsam, hier Ordnung zu schaffen. Das Thema werde derzeit in der Verwaltung aufgearbeitet. Wobei es letztendlich an den Bürgern selbst liege, dieses in die Wege zu leiten. Allerdings habe die Stadt im Rahmen der Gefahrenabwehr eine Zwangsmöglichkeit. „Jetzt sind Änderungen möglich“, betonte Kehrer. Über das Für und Wider gab es anschließend eine angeregte Diskussion.

Ortsvorsteher Manuel Schwinn wies auf das Chaos rund ums Schulhaus mit der unklaren Zuordnungen bei Unterer und Oberer Ortsstraße hin. Aber auch der Postweg ist ein potenzieller Kandidat. Hier könnte es Sinn machen, ein paar Häuser der „Raudelle“ zuzuordnen. An anderen Stellen machte Kehrer deutlich, dass das eine oder andere Gebäude in einer anderen Straße besser aufgehoben wäre, weil logischer.

Aus der interessierten Bürgerrunde wurde daneben mit Blick auf den Namen Oberzent darauf hingewiesen, dass es schon seit Jahrzehnten eine Schule und eine Halle mit dieser Bezeichnung gebe. Und inzwischen 16 Vereine und Institutionen, die den mittelalterlichen Gerichtsbezirk aufgenommen hätten, so Kehrer. Die losgetretene „unsägliche“ Namens-Diskussion verglich Ortschaftsrätin Bernhild Hofherr mit den gerufenen Geistern aus Goethes Zauberlehrling.

Aktuell sei gerade eine Homepage für die neue, fusionierte Stadt in Vorbereitung, erläuterte der KSO-Projektleiter. „Wir müssen es jetzt in Angriff nehmen, einen neuen Namen richtig publik zu machen.“ Denn ab dem 1. Januar 2018 werde man nicht nur in Hessen, „sondern bundesweit als jüngste Stadt Deutschlands Beachtung finden“. Laut Kehrer sollte man nicht Vergangenem hinterher rennen, „sondern in die Zukunft blicken“.

Bürgermeister Görig ergänzte, dass sich auch nach der Gebietsreform Anfang der 70er Jahre die Identifikation mit dem Heimatort nicht änderte. „Ein Airlenbacher blieb ein Airlenbacher“, meinte er. Das sei jetzt nicht anders. Vielmehr sei der Dachname Oberzent „im Odenwaldkreis ein Begriff“. Von den bisherigen, weiteren Vorschlägen habe ihn keiner überzeugt.

Oberzent-Fusion: Beerfelder Stadtteile wie Falken-Gesäß sind dann nicht mehr „eingemeindet“

Die Oberzent-Fusion beschäftigt die Bürger. Ortsbeiratssitzungen in den Beerfelden Stadtteilen sind seit Wochen gut besucht, der Entwurf des Grenzänderungsvertrags wird hinterfragt, über den neuen Namen und andere Umstellungen gesprochen. So wie jetzt auch bei der Zusammenkunft in Falken-Gesäß, zu der ins Dorfgemeinschaftshaus über 30 Bürger kamen. Diese beteiligten sich rege an der Aussprache über dieses Thema. Tenor: Der neue Name „Oberzent“ wird für gut befunden und akzeptiert.

Christian Kehrer, Fusions-Projektleiter beim Kommunalservice Oberzent, war ebenso wie Bürgermeister Gottfried Görig zu der von Ortsvorsteher Manuel Schwinn geleiteten Sitzung gekommen. Kehrer stellte den Entwurf des Grenzänderungsvertrag vor und machte Werbung für die am 7. März stattfindende Bürgerversammlung zu diesem Thema in der Alten Turnhalle Beerfelden. „Am 6. März vergangenen Jahres haben sich die Bürger für die Fusion entschieden, das Thema ist durch“, betonte er.

Die Bürger hätten mit ihrem positiven Votum den Auftrag erteilt, diesen Grenzänderungsvertrag zu erarbeiten, machte er deutlich. Auch wenn im Entwurf der Name „Oberzent“ stehe, „haben die Einwohner dabei das letzte Wort“, rief er zu konstruktiven Namensvorschlägen auf. Die bisherigen Beerfelder Stadtrechte würden von der neuen Stadt übernommen, hätten aber nicht mehr die Bedeutung wie in früheren Zeiten. Eher „ein Titel ohne Mittel“, schmunzelte er.

Kehrer ging noch einmal auf den damaligen Bürgerentscheid ein. Wäre damals der Name „Beerfelden“ für die neue Stadt gesetzt worden, hätte das in den Augen der umliegenden Gemeinden eine Eingemeindung bedeutet und keine Fusion auf Augenhöhe. Er war sicher, dass unter diesen Vorzeichen die Rothenberger, Hessenecker und Sensbachtaler nicht (mehrheitlich) dafür gestimmt hätten. „Ich auch nicht“, meinte der Finkenbacher.

Aus den Vorstellungen des Grenzänderungsvertrags in den anderen Beerfelder Ortsteilen wusste er, dass der neue Name Oberzent kaum ein Thema ist. Wichtiger ist den Stadtteilbürgern eine Aussage, die auch in Falken-Gesäß deutlich wurde: „Wir sind dann nicht mehr nach Beerfelden eingemeindet.“ Die Ortsteile bekämen ihre alte Identität zurück. Wie übrigens die Kernstadt auch, so Kehrer.

Als ein „ganz spezifisches Thema“ bezeichnete er die Wappenkunde. Im 23. Entwurf kam man schließlich zur jetzigen Fassung. Kehrer erläuterte, wie sich Steuerungsgruppe und Heraldiker in ihren Vorstellungen langsam einander annäherten. So wies der Wappenkundler aufgrund des geschichtlichen Bezugs der Oberzent auf den Galgen als prägende Stätte hin. Was man aber im Arbeitskreis als unpassend für eine moderne, der Zukunft zugewandte Stadt empfunden habe.

Auch die bayrische weiß-blaue Raute wegen der Verleihung der Stadtrechte durch König Ludwig und Bezüge auf den Bischof von Worms wurden wieder verworfen. „Die Tendenz ging dann Richtung Allianzwappen“, so Kehrer. Erst in Kreuzform, dann in Schrägstellung. Dabei stellte sich auch die Frage, wie die bisherigen insgesamt acht Sterne aus den vier Wappen untergebracht werden könnten. Das Erbacher Grafenwappen sei nun durch die Farbe Rot-Weiß und zwei Sterne vertreten.

„Man kann nicht von jedem alles nehmen“, betonte der Projektleiter das „gemeinsame“ Wappen. Wenn man etwa die drei Sterne von Beerfelden mit unterbringen wolle, „wird der Bär kleiner“, beantwortete er eine Frage. „Name und Wappen sind emotional“, wusste Kehrer. Das hessische Staatsarchiv habe zur aktuellen Wappens-Fassung bereits sein Okay gegeben. Auch aus der Bürger-Runde kamen keine negativen Äußerungen. Eher die Feststellung, dass ja auch Rothenberg seinen Adler habe aufgeben müssen – eben ein Geben und Nehmen.

KSO-Mitarbeiter Christian Kehrer zeigte beispielhaft ein Ortsschild, wie es bei einer Festlegung auf den Namen „Oberzent“ aussehen könnte. Er wies darauf hin, dass im Zuge einer gleichberechtigten Fusion alle Bürger Veränderungen herbeiführen müssten. Von Stadtseite her gebe es ein großes Maß an Unterstützung. So erfolgten etwa Änderungen in Personalausweis und Fahrzeugschein kostenlos. Auch stehe man mit anderen Behörden in Kontakt, um einen möglichst reibungslosen Übergang zu schaffen. Seitens der Post sei gewährleistet, dass Briefe und Pakete mit der alten Anschrift noch über Jahre hinaus zugestellt würden.

Nach fast neun Jahren kehrt die in der Bretagne entlaufene Hündin „Aura“ zu ihrer Besitzerin in den Odenwald zurück

Für Marita Fischer ist es „einfach nur ein Geschenk des Himmels“. Sie ist überglücklich, ihre „Aura“ wiederzuhaben. Die Deutsch-Drahthaar-Hündin ist nicht mal so von Zuhause ein paar Tage entlaufen. Sondern vor fast neun Jahren in der Bretagne. Fischer hatte die Hoffnung nie aufgegeben, während alle anderen die Hündin für tot gehalten hatten. Und ihre Hartnäckigkeit wurde belohnt: Plötzlich kam Ende Mai die Nachricht, dass die Hündin noch lebte. Wenn auch unter anderem Namen: Aber Marita Fischer erkannte Aura sofort.

Die Finkenbacherin, jetzt in Falken-Gesäß wohnhaft, erinnert sich noch an den schlimmen Tag, als wäre es gestern gewesen. Es war der 5. September 2007, als sie mit ihrem Mann Heinrich Urlaub in Plogoff machte. Dabei waren auch die drei Hunde, neben Aura Schwester „Alpha“ und die Mutter „Cindy“. Alle drei richtige Wasserratten. Aura dazu noch eine passionierte Möwenjägerin.

Die Hunde stürzten sofort Richtung Meer, als sie sie von der Leine ließ. „Cindy kam nach einer Stunde wieder zurück“, erzählt Marita Fischer, „Aura habe ich das letzte Mal auf der anderen Seite der Bucht gesehen“, als sie den Möwen hinterher schwamm. Später sei nur noch das Bellen der Hündin zu hören gewesen. Schwester Alpha tauchte am nächsten Tag wieder auf, da sie von Spaziergängern zu einem bekannten Tierarzt gebracht worden war, über den wiederum die Besitzerin informiert wurde.

Nach Aura suchte Marita Fischer aber den ganzen Abend und die ganze Nacht vergeblich. „Ich meinte immer wieder, ihr Bellen zu hören.“ Das war am zweiten Tag des Urlaubs in der Bretagne, womit dieser in den restlichen drei Wochen einen unschönen Verlauf nahm. „Das war für mich alles ganz, ganz schlimm“, beschreibt die Hundenärrin die damalige Situation. Sie habe sofort ihre Schwester in Deutschland angerufen, damit Aura bei der Organisation „Tasso“ als gesuchter Hund eingestellt wurde.

Hatte Marita Fischer im ersten Moment noch gedacht, dass Aura vielleicht erschossen worden wäre – weil sie in der Nacht einen Schuss gehört hatte -, verfestigte sich danach ihre Überzeugung immer mehr, dass die Hündin noch lebt. „Mein Mann dachte, sie wäre ertrunken“, erinnert sie sich. Aber sie gab über acht Jahre lang nicht auf. „Ich habe mir immer wieder gesagt: Aura lebt, was wird sie wohl machen.“

Als Fischer nach der Trennung von ihrem Mann nach Falken-Gesäß gezogen war, fand sie vor drei Monaten in den Umzugskartons alle Unterlagen von damals wieder. Wie es der Zufall will, sah sie dann Ende Mai die Anzeige der Organisation „Tiere in Not Odenwald“ (Tino), dass eine 13-jährige „Toupie“ zu vermitteln sei. „Ich bin am Freitag sofort zur Pflegestelle in Bad König gefahren“, schildert sie ihr rasches Handeln, nachdem das veröffentlichte Bild ihrer Aura aufs Haar glich.

Die körperlichen Merkmale ließen sich wegen der vielen Jahre zwar nicht mehr erkennen, aber Marita Fischer ist sich nach wie vor sicher: „Das ist meine Aura.“ Denn die Hündin, obwohl taub und ohne Zähne, sei sofort zu ihr und ihrem Mann gekommen. „Ich war bewegt und musste erst einmal stark weinen“, sagt sie über das Wiedersehen nach bald neun Jahren. „Ich kann es bis heute nicht glauben“, ist die Hundefreundin für diese schöne Laune des Schicksals sehr dankbar.

Dass Aura überhaupt in den Odenwald kam und damit als Pflegetier inseriert wurde, beruhte ebenfalls auf einem großen Zufall. Denn aus Frankreich wurde die Hündin von der Tierschutzinitiative Frankfurt geholt, die sich um herrenlose oder in Heimen befindliche Tiere kümmert. Da die Betreuerin in der Mainmetropole aber krank wurde, schickte sie Aura zur Pflege in die hiesige Region.

Wie die Hündin allerdings von Frankreich nach Frankfurt gelangte, konnte Marita Fischer noch nicht in Erfahrung bringen. Das steht nach der ersten Wiedersehensfreude aber noch ganz oben auf ihrer To-do-Liste. Da Aura aber sehr verwahrlost war, nimmt sie fast an, dass sie lange in der Gegend herumstreunerte. Sie hatte eine fast kahle Stelle und litt an Barbeliose. Jetzt wird sie von Fischer gehegt und gepflegt, damit sie noch einen schönen Lebensabend verbringen kann. Die Rückkehr ist für die Falken-Gesäßerin auch fast zwei Monate später immer noch „ein Geschenk des Himmels“.

Auras Mutter Cindy wurde stolze 16 Jahre alt und so hofft Fischer, dass auch die Tochter noch ein paar schöne Monate im Kreise ihrer fürsorglichen Betreuer verleben kann. Sie ist die letzte aus dem damaligen Wurf von 13 Welpen, die noch am Leben ist. Schwester Alpha starb vor wenigen Monaten. „Die Nase geht noch und sie kriegt mit, was alles kreucht und fleucht“, sagt sie. Aber Auras Beine machten dann doch nicht mehr so richtig mit. Sie ist sehr auf ihre Besitzer fixiert „und will nicht mehr allein bleiben“.

Gemischter Chor Finkenbach begrüßte viele Gäste zur Bockskerwe

Mit einem Ziegenbock fing vor 250 Jahren alles an: Seit dieser Zeit ist in Finkenbach eine „Bockskerwe“ überliefert, obwohl das zu einer „Kirchweih“ eigentlich dazu gehörende Gotteshaus erst 200 Jahre später erbaut wurde. Immer am ersten Sonntag nach Bartholomä‘, dem Schutzpatron der Winzer, Bauern und Fischer, lädt der Gemischte Chor in der „Neuzeit“ zur Kerwe in die Hermann-Wilhelm-Halle am Sportplatz ein. Auch dieses Jahr kamen wieder viele Einheimische und Auswärtige, um dort einen schönen Tag zu verbringen – und um den beiden Mannschaften des FC Finkenbachtal bei den Heimspielen zuzuschauen.

Nach dem morgendlichen Gottesdienst mit Pfarrer Reinhold Hoffmann, den der Chor musikalisch umrahmte, gab’s neben vielen anderen Speisen als Spezialität das alte Odenwälder Hochzeitsessen, Rindfleisch mit Meerrettichsoße. Chorleiter Karlfried Schicht und Dirk Bondes sorgten danach auf verschiedenen Instrumenten für die musikalische Umrahmung. „Wenn dann nachmittags die Fußballspiele sind, haben wir immer volles Haus“, freute sich Vereinsvorsitzender Rainer Maurer.

Viele der 60 Mitglieder des 1909 gegründeten Vereins, davon etwa 30 aktive Sänger, sind den ganzen Tag im Service über um das Wohl der Gäste besorgt. „Wie beim Finki-Festival“ könne man hier auf Unterstützung aus dem Ort zählen, weiß Maurer: Kaffee und Kuchen würden oftmals gespendet. Auch „wenn wir einen hohen Altersdurchschnitt haben“, sei der Gemischte Chor übers Jahr hinweg vielfältig aktiv: mit Auftritten, Grillfest oder Adventskonzert. Das sei in diesem Jahr unter Mitwirkung der Jugendkantorei Rothenberg geplant.

Zurück zum Ziegenbock: Der Überlieferung nach stand bei der Leonardsquelle in früheren Jahren eine kleine Wallfahrtskapelle. Damit hatte Falken-Gesäß die Erlaubnis, jährlich einen Markt zur Kirchweih abzuhalten. Da dieser offensichtlich nicht den erwünschten Erfolg hatte, verkauften die Falken-Gesäßer die Konzession an die Finkenbacher. Der Kaufpreis lässt sich leicht erraten: ein Ziegenbock. So kam der heutige Rothenberger Ortsteil ohne Kirche um 1760 zur Bockskerwe. Denn das Gotteshaus im Ort wurde erst 1954 erbaut.