Die Rückkehr von Hündin Aura ist für Marita Fischer aus Falken-Gesäß „immer noch unglaublich“

„Das war bisher das schönste Geschenk in meinem Leben“, sagt Marita Fischer über ihre wiedergefundene Hündin Aura und schaut sie liebevoll an. Die kehrte vor zwei Jahren über Umwege völlig überraschend zu ihr zurück in den Odenwald, nachdem sie bei einem Bretagne-Urlaub 2007 ausgebüxt und nicht mehr aufzufinden war. War es damals für die gebürtige Finkenbacherin ein Wunder, das Tier wieder in die Arme schließen zu können, macht es sie umso glücklicher, dass Aura mit inzwischen über 16 Jahren immer noch eine Freude in ihrem Leben ist. „Ich wollte, es wäre unendlich“, meint Marita Fischer denn auch und streichelt der Hündin sanft über den Kopf.

Das heiße Wetter macht der Hunde-Seniorin an diesem Tag etwas zu schaffen. Sie muss ziemlich hecheln, ist aber trotzdem noch unterwegs, auch wenn die Beine nicht mehr so richtig wollen. „Sie verlässt sich absolut auf ihre Nase“, sagt ihr Frauchen. Denn Augen und Ohren mussten ebenfalls schon dem Alter Tribut zollen. Geht es aber in den Wald, ist es fast die alte Aura, die fröhlich umhertollt und an den Kirrungen schnuppert. „Wenn sie merkt, dass es raus geht, ist sie sogar vor mir unten an der Treppe“, schmunzelt Marita Fischer.

Sie tut alles dafür, dass ihr wieder heimgekehrtes Ein und Alles noch einen schönen Lebensabend in der alten Heimat hat. „Nachts stehe ich auf, wenn sie winselt“, berichtet Fischer. Denn die Deutsch-Drahthaar-Hündin hat auf der einen Seite kaum noch Muskeln und kann sich manchmal nicht von selbst drehen. Spaziergänge nachts um 2 Uhr, weil die Hündin halt mal raus muss, sind auch keine Seltenheit. „Dann muss ich eben raus auf die Guss“, lacht Fischer.

„Ich weiß dass es sehr schwer sein wird, eine Entscheidung zu treffen, wann es so weit ist“, sagt Frauchen traurig. Ihr ist aber bewusst, dass auch ein Hundeleben mal zu Ende geht. Vor zwei Monaten schien das bereits so, aber dann rappelte sich Aura wieder auf und zaubert ihrer Besitzerin jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht. Eine Spritze und sie war wieder fit. Natürlich machen ihr die Gelenke stark zu machen, „aber die Nase funktioniert noch bestens“, lacht Frauchen.

In der Zeit nach ihrer Rückkehr hat sich Aura gut wieder zuhause eingelebt. Oft geht es nach Finkenbach in den Schulzengrund, wo das Tier geboren wurde. Dort lebt Marita Fischers Ex-Mann mit Hündin Nora. Die Tiere tollen dann zusammen herum. Aura vergisst dabei völlig, dass sie bereits im Großmutter-Alter ist. „Sie kannte sich dort sofort aus“, freut sich Fischer. Beim ersten Mal ging sie schnurstracks in die frühere Küche, das heutige Büro, um nach Fressen zu suchen, berichtet sie.

Wenn Marita Fischer einen Besuch in Finkenbach plant, „scheint Aura das sofort zu merken“. Autofahren liebt sie sowieso. Am Anfang war alles bisschen beschwerlich, weil das Tier verwahrlost war, nur noch 18 Kilo wog und nicht allein gelassen werden konnte. Heute wiegt Aura wieder stolze 32 Kilo. Sie wird von Marita Fischer mit leckerem Futter aufgepäppelt und schafft es, zwei Stunden allein zu bleiben. Mit den Hunden aus der Nachbarschaft hat sie Freundschaft geschlossen.

Der Bericht in dieser Zeitung über Aura Rückkehr schlug damals hohe Wellen. Marita Fischer hatte viel Besuch. Im Spätjahr 2016 kam ein Filmteam aus Berlin vorbei, das dann in Falken-Gesäß, im Tierheim und in der Bretagne dreht. Mit drei Hunden wurde die Szene an einer ähnlichen Küste nachgestellt. „Das wurde bei Terra Xpress gezeigt“, ist sie stolz über Auras Bekanntheitsgrad.

Auch in der Region hat die Hündin einen großen Wiedererkennungswert. An der Josefs-Klinik in Heidelberg, erinnert sie sich, stieg Marita Fischer aus dem Auto, redete auf die Hündin ein, die ein wenig allein bleiben musste. „Ach, das ist doch der Hund aus der Zeitung“, wurde diese dann von Passanten erkannt. „Es ist für mich immer noch unglaublich und unfassbar, dass sie zurückgekommen ist“, sagt Fischer auch noch zwei Jahre danach.

„Aura bereitet mir unheimlich viel Freude“, schaut sie die Heimkehrerin liebevoll an. Die ganze Familie ist unheimlich froh, dass die Hündin wieder dort zuhause ist, wo sie aufwuchs. Diese hat jetzt das Alter ihrer Mutter Cindy erreicht, die sechszehneinhalb Jahre alt wurde. Schwester Alpha starb bereits mit 14. Marita Fischer hofft nun, dass Aura die mit Abstand älteste der Familie sein wird.

Maria Fischer erinnert sich noch an den schlimmen Tag, als sei es gestern. Es war der 5. September 2007, als sie mit ihrem Mann Heinrich Urlaub in Plogoff/Bretagne machte. Dabei waren auch die drei Hunde, neben Aura noch Schwester „Alpha“ und Mutter „Cindy“. Alle drei richtige Wasserratten. Aura dazu noch eine passionierte Möwenjägerin. Die Hunde stürzten sofort Richtung Meer, als sie sie von der Leine ließ. „Cindy kam nach einer Stunde wieder zurück“, erzählt Marita Fischer. „Aura habe ich das letzte Mal auf der anderen Seite der Bucht gesehen“, als sie den Möwen hinterher schwamm. Auch nach intensiver Suche war sie nicht mehr zu finden.

Wie es der Zufall will, sah Fischer dann Ende Mai 2016 die Anzeige der Organisation „Tiere in Not Odenwald“ (Tino), dass eine 13-jährige „Toupie“ zu vermitteln sei. „Ich bin sofort zur Pflegestelle in Bad König gefahren“, schildert sie ihr rasches Handeln, nachdem das veröffentlichte Bild ihrer Aura aufs Haar glich. Dass Aura überhaupt in den Odenwald kam und damit als Pflegetier inseriert wurde, beruhte ebenfalls auf einem großen Zufall. Denn aus Frankreich wurde die Hündin von der Tierschutzinitiative Frankfurt geholt, die sich um herrenlose oder in Heimen befindliche Tiere kümmert. Da die Betreuerin in der Mainmetropole aber krank wurde, schickte sie Aura zur Pflege in die hiesige Region.

 

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Baustellen ohne Vollsperrung und Umleitung: Beispiel Falken-Gesäß

Wer wird denn gleich eine Straße sperren, wenn nur auf etwa zwei Drittel der Fahrbahnbreite etwas geflickt werden muss? In der Stadt Oberzent jedenfalls haben Planer und Bauarbeiter nun nicht viel Aufhebens um Bauarbeiten auf der Ortsstraße von Falken-Gesäß gemacht, die diesem Stadtteil immerhin als Haupterschließungsstrecke dient und auch Durchgangsverkehr trägt. Während anderswo weiträumige Umfahrungsstrecken ausgetüftelt und Komplettsperrungen verordnet werden, geht das halt auf dem Land viel einfacher. Einfach das zwei auf zwei Meter große Loch in der Straßenmitte buddeln, mit Absperrungen versehen und mit einem Hinweispfeil die geeignete Umfahrung andeuten. Zum Glück gibt es links und rechts geräumige Bushaltestellen, sodass der sporadisch doch mal vorkommende Verkehr unter Zuhilfenahme des Gehwegs praktisch ungehindert vorbeifließen kann.

Neue Oberzent Expo zeigt beim Pferdemarkt in Beerfelden große Leistungskraft des Gewerbes

Neue Stadt, neue Gewerbeausstellung: Beim Pferdemarkt findet an vier Tagen erstmals die „Oberzent Expo“ statt. Die bisherige Aussteller-Gemeinschaft löste sich zum Ende des vergangenen Jahres auf. „Wir können die Gewerbeausstellung nicht sterben lassen“, sagte nicht nur Daniel Pracht von der gleichnamigen Schreinerei, die bereits seit Anfang an dabei ist. Er fand ruckzuck Mitstreiter. Das Orga-Team besteht aktuell aus neun Personen.

Das Ziel der Initiatoren: „Wir wollen die neue Stadt verbinden“, so Pracht. Er sieht es als absolut falsches Zeichen an, nach der Fusion eine solche identitätsstiftende Veranstaltung nicht mehr durchzuführen. In der aktuellen Aufbruchsstimmung „muss es weiter geben“, so der Schreinermeister. An seiner Seite waren sofort Andreas Schmucker und Annette Holschuh. „Wir haben dann gleich die Oberzenthalle für den bisherigen Zeitraum reserviert.“

Das erste Treffen stieß sofort auf viele Resonanz. 20 bis 25 Interessierte folgten der Einladung in den „Schwanen“. Die große Mundpropaganda sorgte dafür, dass keine Überzeugungsarbeit geleistet werden musste. Nach der Bestandsaufnahme bildete sich aus diesem Kreis das Orga-Team. „Seitdem treffen wir uns jeden Donnerstag.“ Bei diesen Zusammenkünften wurde ein „komplett neues Programm aus dem Boden gestampft“. Es soll keine Verkaufsausstellung sein, sondern eine Leistungsschau – deshalb der Name „Expo“.

Den Veranstaltern geht es darum, die Leistungsfähigkeit der Oberzent-Betriebe zu verdeutlichen. „Viele wissen gar nicht, wie viele tolle Unternehmen es hier gibt.“ Das Orga-Team will daneben auch ein neues Bewusstsein für die Schaffenskraft der hiesigen Firmen erzeugen. „Nicht mehr Gegen-, sondern Miteinander“ muss das Ziel sein. Denn gemeinsam, in Netzwerken, kann man Projekte anstoßen und wirksamer nach außen auftreten. „Es profitieren alle davon“, so Pracht.

Für die Expo vom 6. bis 9. Juli gibt es ein komplett neues Standkonzept. „Wir bauen in Gemeinschaftsarbeit Messestände“, erläutert er. Die Oberzenthalle soll gegenüber den Vorjahren ein völlig neues Aussehen bekommen. Auch kleine Betriebe können teilnehmen und über die Hallenmiete einen Messestand erhalten. Vom Einmannbetrieb bis hin zur Firma mit mehr als 100 Mitarbeitern ist alles vertreten.

Auf über 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche „wollen wir die Vielfältigkeit aus Handel, Industrie, Gewerbe, Versicherungen, Gesundheitsberufen und Direktvermarktern präsentieren“, erklärten die Vertreter des Orga-Teams. Ihnen liegt der gegenseitige Austausch von Betrieben und Dienstleistern sehr am Herzen. Es soll nicht jeder für sich allein werkeln und sein eigenes Süppchen kochen, sagt er. „Wenn wir etwas bewegen wollen, müssen wir zusammenarbeiten.“ In diesem Sinne entsteht auch der Pavillon im Zusammenwirken von Schreiner, Pflasterer und Metallbauer.

„Es gibt eine sechs auf sechs Meter große Showbühne mit täglichem Programm“, kündigt die Initiatoren an. Auch die Kleinkunst soll wieder zu ihrem Recht kommen. Die Bühne ist aber ebenfalls dafür gedacht, dass sich Unternehmen mit ihren Events präsentieren können. Das mittlere Tribünenteil wird ausgefahren, um auf diese Weise Sitzplätze zu schaffen.

Öffnungszeiten Oberzent-Expo in der Oberzenthalle Beerfelden während des Pferdemarkts: Freitag, 6. Juli, 18 bis 22 Uhr, Samstag, 7. Juli, 16 bis 22 Uhr, Sonntag, 8., und Montag, 9. Juli, jeweils 10 bis 22 Uhr. Mehr Infos bei Daniel Pracht unter Telefon 06068-1524.

Kochinsel „SQR“ von Daniel Pracht aus Falken-Gesäß erhält den Red Dot Design Award

Mit seiner Kochinsel unter dem Namen „SQR“ hat Daniel Pracht von der gleichnamigen Schreinerei bereits für Aufsehen gesorgt. Vergangenes Jahr gewann er den renommierten Bad Wildunger Designpreis für sein Meisterstück, jetzt kam der Red Dot Design Award, einer der bekanntesten Designpreise weltweit, hinzu. Zur Vermarktung hat Pracht eine eigene Firma mit der Bezeichnung „BODI Interiors“ gegründet. Mit der ist er ab dem 28. April auf dem Maimarkt vertreten und will dort einem breiten Publikum seine Innovation vorstellen.

Die Kochinsel fungiert neben der Möglichkeit zur Essenszubereitung auch als Ess- oder Stehtisch. Der Komplex ist per Knopfdruck stufenlos höhenverstellbar. Per Motor fährt ebenso ein Induktionskochfeld in der Größe von 124 auf 60 Zentimetern, von der Firma Schott Ceran produziert. Ausziehbar sind daneben fünf Massivholzschubkästen für iPad, Messer, Gewürze oder Schneidbrett. Pracht sieht eine ständige Weiterentwicklung. „Wir wollen noch einen Abzug integrieren“, kündigt er an.

Der Preis zwischen 15.000 und 20.000 Euro je nach Ausführung kommt nicht von ungefähr zustande, betont der 32-Jährige. „Alles daran ist quasi Handarbeit.“ Bis auf die Aussparung für die Herdplatte, die mit der Maschine gefertigt wird. Drei Wochen lang wird an einem Exemplar gefeilt. Sein Ausstellungsstück hat die Maße 1,32 auf 1,32 Meter, „aber man kann die Kochinsel in allen Größen bauen“. Auch sind zahlreiche Materialformen und -farben sowie Holztypen möglich.

Seit dem 1. April hat die Schreinerei mit Jan Simon Maibaum einen neuen Mitarbeiter, der mit Daniel Pracht die Küche weiterentwickelt. Der Juniorchef kennt ihn von der Berufsfachschule Michelstadt. Der Schreinergeselle aus Hamburg hat an der Hochschule für Produktdesign und Gestaltung in Offenbach studiert. Er kümmert sich um die ganzheitliche Raumplanung.

Seine Kochinsel „öffnet die Küche Richtung Wohnen“, so der Juniorchef. Die Auflage kann außerdem als Arbeitsunterlage verwendet werden. Ihm geht es darum, für alle beteiligten Gewerke nur einen Ansprechpartner zu bieten. Der kümmert sich Planung, Konzept und Umsetzung. „Wir müssen die gesamte Räumlichkeit in den Blick nehmen“, meint er.

In den Städten wird im Zuge der fortschreitenden Urbanisierung der Wohnraum knapper und teurer, weiß Pracht. Dafür will er eine Lösung bieten: „Die Leute kommen mit dem Grundriss der Wohnung zu uns und wir kümmern uns um den optimalen Ausbau.“ Seine Kochinsel ist in diesem Jahr serienreif, betont er. Inzwischen hat sie über ein Ingenieurbüro auch das CE-Abzeichen erhalten.

Die prächtige Kochinsel aus dem Odenwald hat auch den SWR auf den Plan gerufen. Der filmte schon in Falken-Gesäß in den Geschäftsräumen und wird auch auf dem Maimarkt vorbeikommen (Ausstrahlung am 29. April um 18.45 Uhr auf SWR-Fernsehen Baden-Württemberg). Dort ist Daniel Pracht neben dem Stand der Schreinerei auch mit seinem eigenen vertreten. Er will „SQR“ in Verbindung mit einer kompletten Küche zeigen.

„Wir sind zu dritt mit dem Lkw nach Essen gefahren“, erinnert er sich schmunzelnd. 6300 Produkte waren in der in der Riesenhalle zu sehen. Mit dieser Auszeichnung im Hintergrund will sich der Schreinermeister jetzt bei weiteren Designpreisen bewerben. Der Wettbewerb war außerdem wichtig, um Kontakte zu knüpfen und Publicity zu erhalten. „Wir stehen mit der Auszeichnung auf einer Linie mit den ganz großen Marken und Designstudios“, freut er sich.

„Um einen Fuß in die Tür zu bekommen, hilft der Award weiter“, so Pracht. Ein Auge hat er auf den Grand Tower in Frankfurt geworfen. In Deutschlands größtem Wohnturm sollen 400 sehr exklusive Apartments entstehen. Mit dem Verantwortlichen kam er bereits in Kontakt. 200 Küchen sind noch zu vergeben – „das wäre was“. Ein Square wurde bereits nach München verkauft. „Das ist ein Riesenschritt, dass es dort nun die Möglichkeit zur Besichtigung gibt“, freut sich Pracht. Der Kontakt kam bei der Möbelmesse Köln zustande, wo Pracht mit BODI Interiors mit einem eigenen Stand vertreten war.

Der Red Dot Award: Product Design, der in seinen Ursprüngen bereits seit 1955 besteht, ermittelt die besten Produkte eines jeden Jahres. 2018 reichten Designer und Hersteller aus 59 Nationen mehr als 6300 Objekte zum Wettbewerb ein. Eine rund 40-köpfige Jury bewerte die Produkte individuell und am Original. Die strengen Bewertungskriterien, zu denen unter anderem Innovationsgrad, Funktionalität, formale Qualität, Ergonomie und Langlebigkeit zählen, bilden einen Orientierungsrahmen, den die Juroren entsprechend ihrer Expertise ausfüllen.

Der Red Dot Award ist einer der größten Design-Wettbewerbe der Welt. Die begehrte Auszeichnung „Red Dot“ ist seitdem das international hochgeachtete Siegel für hervorragende Gestaltungsqualität. Das Expertengremium vergibt das international anerkannte Qualitätssiegel lediglich an Produkte, die durch ihre hohe Gestaltungsqualität überzeugen.

 

Oberzent packt alle Geschütze gegen Windkraft im Katzenwinkel aus

Die Stadtverordneten-Versammlung will der Windkraft-Nutzung auf Oberzent-Gemarkung vorerst einen Riegel vorschieben. Die Mandatsträger setzen dafür alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel ein. Allenfalls will man sich – wenn überhaupt – auf die Vereinbarungen im gemeinsamen Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises einlassen, der aber durch die Ablehnung des Regierungspräsidiums nicht in Kraft ist. Es ging auf der jüngsten Sitzung um zwei Gebiete: Finkenberg und Katzenwinkel.

Für das Gebiet „Finkenberg“, das sich von Finkenbach auf dem Höhenrücken oberhalb von Falken-Gesäß Richtung Olfen zieht, gibt es einen fünf Jahre alten Gestattungsvertrag der Stadt Beerfelden mit der Energiegenossenschaft Odenwald (EGO). Diese hat sich zwischenzeitlich aber aus der Windkraftplanung zurückgezogen. Der Vertrag ging an die Enercon über. Die wiederum teilte laut Interims-Bürgermeister Egon Scheuermann mit, dass sie im zweiten Halbjahr eine Planung vorstellen will. Für den Frühjahr 2019 kündigt die Firma ein Planverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz an.

Diesen Zeitplan legten die Stadtverordneten jetzt ad acta. Denn der damalige Gestattungsvertrag kann gekündigt werden, wenn nicht innerhalb von drei Jahren nach Abschluss eine Baugenehmigung vorliegt. Was nicht der Fall ist. Frank Leutz (FDP), dessen Fraktion zusammen mit der CDU die Kündigung beantragt hatte, wünschte sich weiterhin, alle weitere Beratungen rund um Windkraft auf dem „Finkenberg“ auf die Zeit nach der Neuwahl von Stadtparlament und Bürgermeister zu vertagen. Die Mandatsträger folgten den beiden Ansinnen einstimmig.

Scheuermann schloss sich der Meinung der Parlamentarier an. Der damalige Vertragspartner sei die EGO gewesen, führte er aus. „Wir sollten auf Nummer sicher gehen und kündigen“, betonte er. Damit könne man jeden neuen Interessenten „dazu bringen und zwingen“, die eigenen Planungen vorzustellen. Erwin Körber (SPD) sah die Stadtverordneten nicht als „Steigbügelhalter für Enercon“. Mit der EGO habe es eine ganz andere Basis für die Zusammenarbeit gegeben.

Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) wies auf den wirtschaftlich sehr gut ausgehandelten Vertrag hin. Sie regte an darüber nachzudenken, ob man ihn jetzt kündige oder die Entscheidung dem neuen Gremium überlasse. „Heute und jetzt kündigen“ forderte daraufhin Leutz. Denn eine breitere Basis als 57 Stadtverordnete könne es kaum geben, um die Meinung der neuen Stadt abzubilden.

Allerdings scheiterten FDP und CDU mit ihrem Ansinnen, die Eigentümer öffentlich zu machen, die im Bereich Finkenberg für die Windkraftnutzung Land verpachten würden. Dagegen spricht der Datenschutz, teilte Scheuermann nach Rücksprache mit den Städte- und Gemeindebund mit. Daraufhin stellten die Fraktionen ihren Antrag zurück.

Oberzent stemmt sich wie vorher auch Beerfelden mit aller Kraft gegen das Ansinnen der Firma „Juwi“, im Gebiet „Katzenwinkel“ Windräder zu errichten. Einem von der Firma eingereichten Gestattungsvertrag, um das Projekt weiter voranzutreiben, wurde auf Antrag von FDP, CDU und ÜWO einhellig die Genehmigung verweigert.

Stadtbaumeister Peter Bauer wies darauf hin, dass sich bereits Beerfelden in den Vorjahren gegen das Projekt stellte. Das Gebiet sei nicht Bestandteil des Odenwaldkreis-Windkraft-FNP, betonte er. Bauer wies weiterhin darauf hin, dass man Probleme bei der Zuwegung sehe. Daneben liege der Galgen als besonderes Kulturdenkmal im Sichtbereich des Windparks.

In diesem Jahr „gibt es eine gleichlautende Argumentation“, so Bauer. „Wir haben alle zur Verfügung stehenden Geschütze aufgeboten und abgeschossen“, verdeutlichte der Bauamtschef martialisch, dass Oberzent sich mit allen Kräften gegen Windräder in diesem Bereich stemmt. „Wir werden uns gegen Katzenwinkel wehren, so lange es geht“, betonte auch Erwin Körber. Jedoch sei das Regierungspräsidium die entscheidende Behörde. „Wir hoffen, dass unser Flächennutzungsplan bald greift“, meinte er. Wenn er in die Landschaft schaue, gebe es vom Greiner Eck über Stillfüssel und Kahlberg bis hin zum Geisberg „schon genug Windräder“.

Windkraft-Planungen auf zwei Gebieten der neuen Stadt Oberzent

Nach wie vor schwebt das von vielen so empfundene Damoklesschwert Windkraft über einigen Stellen der neuen Stadt Oberzent. Interims-Bürgermeister Egon Scheuermann gab auf der Sitzung des vorläufigen Haupt- und Finanzausschusses im Gemeindezentrum Unter-Sensbach einen Sachstandsbericht zum Thema. Es sind aktuell zwei Gebiete, auf denen Bestrebungen von Firmen laufen, dort Windenergieanlagen zu errichten: Finkenberg und Katzenwinkel.

Beim Finkenberg-Gebiet, das sich von Finkenbach auf der Hügelkuppe oberhalb von Falken-Gesäß hinüber Richtung Olfen zieht, gab es laut Scheuermann vor einigen Jahren einen Vertrag mit der Energiegenossenschaft Odenwald zur Windkraftnutzung. Dieser sei von der Enercon übernommen worden und noch gültig. Bei genauerem Hinsehen habe man den Passus entdeckt, dass der Vertrag gekündigt werden kann. Und zwar dann, wenn drei Jahre nach Abschluss keine Genehmigung für die Windräder vorliegt.

Die Bestrebungen laufen seitens der Firma weiter, erläuterte Scheuermann. Demnächst stehe ein Gesprächstermin von Verwaltung und Magistrat mit Enercon an. „Es gibt noch keine konkrete Planung“, betonte er. Das Unternehmen strebe ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz in 2019 vor. Beim Finkenberg handelt es sich um ein um ein 189 Hektar großes Vorranggebiet für Windkraft, das sowohl Teil des entsprechenden Odenwaldkreis-Teilflächennutzungsplans (der aber vom Regierungspräsidium abgelehnt wurde) als auch des in Aufstellung befindlichen Regionalplans ist.

Für den „Katzenwinkel“ bei Etzean liegt Scheuermann zufolge ein Gestattungsantrag der Firma Juwi vor, die dort bereits Windmessungen vornahm und sich auch vom Willen der damaligen Stadt Beerfelden, an dieser Stelle keine Windenergie haben zu wollen, nicht beirren ließ. Unter anderem wurde bei den Bedenken darauf verwiesen, dass die Rotoren direkt in Sichtlinie des berühmten Galgens seien. Juwi klagte erfolgreich gegen den Beerfeldener Versuch, dort weitere Untersuchungen abzuwehren.

Der Gestattungsantrag „wird in der kommenden Magistratssitzung behandelt“, so der Staatsbeauftragte. Scheuermann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Stadtverordnetenversammlung diesem Projekt bereits ihre Zustimmung verweigert habe. In der vergangenen Sitzung hatte die FDP das Thema aufgebracht und in zwei Anträgen moniert, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Im Ortsbeirat „kann man sich einmischen“: Manuel Schwinn aus Falken-Gesäß über die Möglichkeit, sich fürs eigene Dorf zu engagieren

„Wer etwas bewegen will, muss sich einbringen“. Für Manuel Schwinn ist die Sache klar: Nur drüber reden gilt nicht, sondern Engagement für den Ort ist gefragt. Der 28-Jährige war seit der vergangenen Kommunalwahl bis zur Fusion Ortsvorsteher im Stadtteil Falken-Gesäß. Das Gremium ist für ihn unverzichtbar, um im kleinen Dorf etwas bewegen zu können und in der großen Stadt auf dessen Belange aufmerksam zu machen. Am 29. April werden zusammen mit der Stadtverordneten-Versammlung und dem neuen Bürgermeister für Oberzent auch die Ortsbeiräte gewählt.

Schwinn, der sowieso auf der SPD-Liste für die Stadtverordneten-Wahl 2016 stand, wurde von Willi Maurer gefragt, ob er nicht auch für den Ortsbeirat Falken-Gesäß kandidieren würde. Denn sein Vorgänger hörte auf und suchte Nachfolger. Gesagt, getan. „Ich bin sowieso im Vorstand von Feuerwehr und Sportverein aktiv“, sagte er sich. „Das passt zusammen“, so Schwinn. Es war für ihn naheliegend sich einzusetzen. „Ich habe gesehen, dass die vier Vereine gut zusammenarbeiten“, hebt er hevor, und wollte seinen Teil dazu beitragen, dass es auch weiterhin in dieser Weise funktioniert.

Diese Fokussierung auf den Ortsteil bewog ihn unter anderem dazu, sein Mandat in der Stadtverordneten-Versammlung nach kurzer Zeit wieder abzugeben. Denn in Falken-Gesäß geht es seinen Worten nach „direkt um die Themen, die den Bürger unmittelbar betreffen“. Auch sei es zeitlich doch eine Herausforderung, allem gerecht zu werden.

Als Kandidat „dachte ich, dass es schnell Ergebnisse gibt“, schmunzelt Schwinn. Einmal gewählt und dann zum Vorsitzenden des fünfköpfigen Gremiums bestimmt, bewahrheitete sich das, was ihm sein Vorgänger Maurer mit auf den Weg gegeben hatte: Es braucht Geduld für alles. „Das wurde mir gleich gesagt“, lacht er. Die Mühlen mahlen langsam. Im Ortsbeirat gibt es viele Ideen, „aber es darf nichts kosten“. Denn dem Gremium fehlen die eigenen finanziellen Mittel.

Manuel Schwinn wünscht sich deshalb, dass die Ortsbeiräte der neuen Stadt Oberzent ein eigenes Budget erhalten. „Das ist sinnvoll, weil wir genau wissen, was die Bevölkerung vor Ort möchte“, betont er. Die Gelder fließen direkt in die entsprechenden Maßnahmen. Um abzufragen, wo Bedarf ist und was den Leuten am Herzen liegt, stellt er sich eine direkte Beteiligung per Fragebogen vor. „Damit bekommen wir einen Gesamteindruck, was wo benötigt wird.“

Die angedachten Dinge sind in der Regel zwar nur Kleinigkeiten, „die aber helfen, eine dörfliche Identität zu schaffen“. Auch könne man mit eigenen Mitteln Vereine unterstützen, die sich für die Belange des Dorfs einsetzen. Der Ortsvorsteher nennt in diesem Zusammenhang etwa die Gruppierung „Mach Mit“, die einen Bauwagen herrichtete.

Manuel Schwinn verspricht sich vom neuen Gremium der Ortsvorsteher, das direkt dem Bürgermeister zugeordnet sein wird, einen direkten Kanal „nach oben“. Denn die Vorschläge, Themen und Anregungen, die an die Verwaltung weitergegeben werden, sollten ernst genommen werden, erhofft er sich. In der Regel bestehe Handlungsbedarf, wenn Bürger vorstellig werden. Man dürfe sich nicht davon täuschen lassen, dass manches etwas abgemildert weitergereicht werde.

Während Ortsbeiräte in den früheren Stadtteilen von Beerfelden schon Usus waren, muss sich Rothenberg erst (wieder) daran gewöhnen. Schwinn kann nur jedem empfehlen sich einzubringen. „Der Ortsbeirat ist die beste Möglichkeit, etwas zu verändern, wenn man mit bestimmten Dingen im Dorf nicht zufrieden ist. Man kann sich einmischen.“ Außerdem lohnt es sich, diese Zeit für seine Heimat aufzubringen.

Der 28-Jährige will für den kommenden Urnengang noch ein paar junge Leute ansprechen, damit die Bürger am 29. April eine Wahl haben. „Fünf Kandidaten haben wir auch auf jeden Fall“, sagt er. „Zehn wären optimal.“ Frische Ideen sind im Gremium immer willkommen. „Neue Mitglieder brauchen keine Anlaufzeit“, betont er. Die können sofort voll einsteigen. Nur bis Ergebnisse zu sehen sind, könnte es – wie beschrieben – etwas dauern.

Anstehende Vorhaben in Falken-Gesäß

  • Im Rahmen des IKEK-Programms soll der ehemalige Vorstandsraum im Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden. Nach Schließung der „Traube“ vor knapp zwei Jahren gibt es keine Gastwirtschaft im Ort mehr. Ein Manko, weil nun ein Raum für Vereinsversammlungen fehlt und es keinen Treffpunkt für die Ortsbevölkerung mehr gibt. Das sogenannte „Käffchen“ im DGH soll in die Bresche springen und auch gastronomisch nutzbar sein.
  • Im Rahmen der Flurbereinigung soll möglichst schnell die „total verschlammte“ Aufwegung zum Friedhof saniert werden
  • Hoffentlich schon im Frühjahr (Schwinn) soll die Parkfläche beim Sportplatz neu angelegt werden.