Im Ortsbeirat „kann man sich einmischen“: Manuel Schwinn aus Falken-Gesäß über die Möglichkeit, sich fürs eigene Dorf zu engagieren

„Wer etwas bewegen will, muss sich einbringen“. Für Manuel Schwinn ist die Sache klar: Nur drüber reden gilt nicht, sondern Engagement für den Ort ist gefragt. Der 28-Jährige war seit der vergangenen Kommunalwahl bis zur Fusion Ortsvorsteher im Stadtteil Falken-Gesäß. Das Gremium ist für ihn unverzichtbar, um im kleinen Dorf etwas bewegen zu können und in der großen Stadt auf dessen Belange aufmerksam zu machen. Am 29. April werden zusammen mit der Stadtverordneten-Versammlung und dem neuen Bürgermeister für Oberzent auch die Ortsbeiräte gewählt.

Schwinn, der sowieso auf der SPD-Liste für die Stadtverordneten-Wahl 2016 stand, wurde von Willi Maurer gefragt, ob er nicht auch für den Ortsbeirat Falken-Gesäß kandidieren würde. Denn sein Vorgänger hörte auf und suchte Nachfolger. Gesagt, getan. „Ich bin sowieso im Vorstand von Feuerwehr und Sportverein aktiv“, sagte er sich. „Das passt zusammen“, so Schwinn. Es war für ihn naheliegend sich einzusetzen. „Ich habe gesehen, dass die vier Vereine gut zusammenarbeiten“, hebt er hevor, und wollte seinen Teil dazu beitragen, dass es auch weiterhin in dieser Weise funktioniert.

Diese Fokussierung auf den Ortsteil bewog ihn unter anderem dazu, sein Mandat in der Stadtverordneten-Versammlung nach kurzer Zeit wieder abzugeben. Denn in Falken-Gesäß geht es seinen Worten nach „direkt um die Themen, die den Bürger unmittelbar betreffen“. Auch sei es zeitlich doch eine Herausforderung, allem gerecht zu werden.

Als Kandidat „dachte ich, dass es schnell Ergebnisse gibt“, schmunzelt Schwinn. Einmal gewählt und dann zum Vorsitzenden des fünfköpfigen Gremiums bestimmt, bewahrheitete sich das, was ihm sein Vorgänger Maurer mit auf den Weg gegeben hatte: Es braucht Geduld für alles. „Das wurde mir gleich gesagt“, lacht er. Die Mühlen mahlen langsam. Im Ortsbeirat gibt es viele Ideen, „aber es darf nichts kosten“. Denn dem Gremium fehlen die eigenen finanziellen Mittel.

Manuel Schwinn wünscht sich deshalb, dass die Ortsbeiräte der neuen Stadt Oberzent ein eigenes Budget erhalten. „Das ist sinnvoll, weil wir genau wissen, was die Bevölkerung vor Ort möchte“, betont er. Die Gelder fließen direkt in die entsprechenden Maßnahmen. Um abzufragen, wo Bedarf ist und was den Leuten am Herzen liegt, stellt er sich eine direkte Beteiligung per Fragebogen vor. „Damit bekommen wir einen Gesamteindruck, was wo benötigt wird.“

Die angedachten Dinge sind in der Regel zwar nur Kleinigkeiten, „die aber helfen, eine dörfliche Identität zu schaffen“. Auch könne man mit eigenen Mitteln Vereine unterstützen, die sich für die Belange des Dorfs einsetzen. Der Ortsvorsteher nennt in diesem Zusammenhang etwa die Gruppierung „Mach Mit“, die einen Bauwagen herrichtete.

Manuel Schwinn verspricht sich vom neuen Gremium der Ortsvorsteher, das direkt dem Bürgermeister zugeordnet sein wird, einen direkten Kanal „nach oben“. Denn die Vorschläge, Themen und Anregungen, die an die Verwaltung weitergegeben werden, sollten ernst genommen werden, erhofft er sich. In der Regel bestehe Handlungsbedarf, wenn Bürger vorstellig werden. Man dürfe sich nicht davon täuschen lassen, dass manches etwas abgemildert weitergereicht werde.

Während Ortsbeiräte in den früheren Stadtteilen von Beerfelden schon Usus waren, muss sich Rothenberg erst (wieder) daran gewöhnen. Schwinn kann nur jedem empfehlen sich einzubringen. „Der Ortsbeirat ist die beste Möglichkeit, etwas zu verändern, wenn man mit bestimmten Dingen im Dorf nicht zufrieden ist. Man kann sich einmischen.“ Außerdem lohnt es sich, diese Zeit für seine Heimat aufzubringen.

Der 28-Jährige will für den kommenden Urnengang noch ein paar junge Leute ansprechen, damit die Bürger am 29. April eine Wahl haben. „Fünf Kandidaten haben wir auch auf jeden Fall“, sagt er. „Zehn wären optimal.“ Frische Ideen sind im Gremium immer willkommen. „Neue Mitglieder brauchen keine Anlaufzeit“, betont er. Die können sofort voll einsteigen. Nur bis Ergebnisse zu sehen sind, könnte es – wie beschrieben – etwas dauern.

Anstehende Vorhaben in Falken-Gesäß

  • Im Rahmen des IKEK-Programms soll der ehemalige Vorstandsraum im Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden. Nach Schließung der „Traube“ vor knapp zwei Jahren gibt es keine Gastwirtschaft im Ort mehr. Ein Manko, weil nun ein Raum für Vereinsversammlungen fehlt und es keinen Treffpunkt für die Ortsbevölkerung mehr gibt. Das sogenannte „Käffchen“ im DGH soll in die Bresche springen und auch gastronomisch nutzbar sein.
  • Im Rahmen der Flurbereinigung soll möglichst schnell die „total verschlammte“ Aufwegung zum Friedhof saniert werden
  • Hoffentlich schon im Frühjahr (Schwinn) soll die Parkfläche beim Sportplatz neu angelegt werden.
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Bezaubernde Atmosphäre rund ums Dorfgemeinschaftshaus beim Weihnachtsmarkt in Falken-Gesäß

Der Weihnachtsmarkt mit Herz findet am zweiten Advent im kleinen Beerfeldener Ortsteil statt. Am Samstag, 9. Dezember, und Sonntag, 10. Dezember, geht es jeweils um 14 Uhr los. Bereits die vergangenen drei Samstage investierten die vier Falken-Gesäßer Ortsvereine und etliche Bürger viele Arbeitsstunden, um wieder die bezaubernde Atmosphäre rund um das Dorfgemeinschaftshaus zu schaffen. Bäume wurden geschlagen, Äste ausgeputzt und die Buden aufgebaut.

Besonders erfreulich war die große Anzahl der Helfer. Ab Samstag geht es dann in die finale Phase des Aufbaus. In der Woche vom 4. bis 8. Dezember wird jeden Abend dekoriert und hergerichtet. Eröffnet wird der Weihnachtsmarkt am Abend des 8. Dezember mit einer Andacht/einem Gottesdienst im Dorfgemeinschaftshaus.

An den folgenden beiden Tagen erfahren Besucher aus der Region mit allen Sinnen das, worauf es in der Vorweihnachtszeit ankommt: Besinnlichkeit im Einklang mit Genuss. Das können viele tausend Gäste bestätigen, die in den mehr als 25 Jahren diesen besonderen Weihnachtsmarkt besucht haben. Eine Rarität ist die „Gud Stubb“: eine Cafeteria, in der bis zu 100 Besucher vor dem großen Lebkuchenhaus die hausgemachten Kuchen in einer heimeligen Atmosphäre verkosten können. Am Samstag, 9. Dezember, öffnet zusätzlich die legendäre Snowbar im Gewölbekeller um 22 Uhr ihre Pforten.

Ein weiteres Highlight ist das Wildgulasch aus hiesigem Revier mit selbstgemachten Semmelknödeln: serviert im originell restaurierten Bauwagen. Seit über 20 Jahren gibt es wieder eine Spezialität auf dem Markt: Chili con Carne vom Odenwälder Weideochsen aus 100 Prozent Rindfleisch. Eine lebende Krippe mit Schafen, Ochs und Esel, viel Handwerkliches, eine „echte“ Feuerzangenbowle, musikalische Beiträge und natürlich der Nikolaus, der an beiden Tagen um 17 Uhr mit Knecht Ruprecht die Kinder mit einer Leckerei beglückt, sind weitere Anziehungspunkte.

Der neue Lehrling der Schreinerei Pracht in Falken-Gesäß kam direkt aus Indien

So schnell kann’s gehen. Anlässlich des Designpreises für seine Kochinsel hatte Juniorchef Daniel Pracht von der gleichnamigen Schreinerei noch erwähnt, dass Lehrlinge Mangelware sind. Ihm konnte geholfen werden. Philip Reeg, der gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Indien machte, bekam von seinem Vater die Nachricht, meldete sich – und hatte die Stelle. Seit seiner Rückkehr vor ein paar Wochen arbeitet er im Betrieb mit. „Am 8. August bin ich zurückgekommen und schon am 14. August in der Schule gesessen“, lacht er.

Der 20-Jährige, in Kirchbrombach aufgewachsen, machte in Höchst sein Abitur. Durch den väterlichen Betrieb ist er bereits „vorbelastet‘“. Denn der hat eine Schreinerei in Michelstadt, wo Philip mit 14 bereits an den Wochenenden immer mal aushalf. Nachdem er 15 war, arbeitete er dann auch unter der Woche zeitweise mit. Nach dem Abi stellte er sich die Gretchenfrage aller Jugendlichen: Was tun? Ein FSJ bei der Welthungerhilfe sollte genug Zeit zum Nachdenken bringen.

Tat es auch. „Zuerst habe ich gedacht, mit dem Abi kann ich alles studieren“, meint Philip. Allerdings „wollte ich mir nicht eingestehen“, dass es doch der handwerkliche Beruf ist, der ihm am meisten Spaß macht. Der Bericht trudelte genau zur richtigen Zeit bei ihm ein, als diese Überlegung weit fortgeschritten war. „Er gab den Anstoß für meine Bewerbung“, sagt der 20-Jährige.

Mit der Schreinerei Pracht hat Philip Reeg seinen Worten zufolge „einen der Zukunft zugewandten Betrieb“ gefunden, dessen Philosophie ihn überzeugte. Für ihn das beste Beispiel, dass Handwerk auch auf dem Land goldenen Boden hat und daraus etwas Spannendes entstehen kann. „Die Arbeit macht mir viel Spaß“, hebt der Lehrling hervor. „Ich mache mehr als nötig“, schmunzelt er. Dazu tragen auch das gute Betriebsklima und die netten Kollegen bei.

Das Kompliment gibt Daniel Pracht gern zurück. Einen geeigneten Lehrling mit der nötigen Motivation zu bekommen sei schwer und Philip „ein Riesen-Glücksgriff“ gewesen. Pracht freut sich, dass jemand mit diesem Background und dieser Motivation jetzt in der Schreinerei tätig ist. Der 20-Jährige ist „interessiert, aufmerksam und fragt nach“. Und fährt für den Job eine ziemliche Strecke. 40 Minuten ist er von Kirchbrombach jeden Tag einfach unterwegs.

„Es ist nicht einfach, Fachpersonal zu bekommen“, erläutert Daniel Pracht das Dilemma nicht nur der eigenen Schreinerei, sondern generell der Handwerksbetriebe. „Viele gehen erst einmal studieren.“ Deshalb fehlten generell die Lehrlinge. „Dabei stehen den Jugendlichen auch mit einer Ausbildung alle Wege offen.“ Danach sei immer noch ein Studium möglich. Etwa Richtung Architektur, ergänzt Philip. Da ist dann eine entsprechende vorherige Ausbildung von Vorteil.

Im Betrieb kümmert sich Peter Schäfer um die Auszubildenden. Der lernte als Späteinsteiger mit seinen 30 Jahren im vergangenen Jahr aus und macht nun seinen Meister. Somit wie auch Daniel Pracht, der ebenfalls erst mit Verzögerung wieder zum elterlichen Betrieb kam, das beste Beispiel dafür, dass es nie spät fürs Handwerk ist.

Das unterstreicht auch Philip Reeg: „Von 15 bis 32 Jahren ist in unserer Klasse alles dabei“, berichtet er von der Theorie an der BSO Michelstadt. An der ist er während seiner drei Lehrjahre jeden Dienstag und jeden zweiten Donnerstag. Die Praxis übernimmt dann der Betrieb. Hier geht’s mit den einfachsten Dingen los. Handarbeit ist angesagt. „Ich habe zuerst aus einem Stück Holz ein Frühstücksbrettchen gesägt“, berichtet Philip. Bald werden es dann zwei Stück Holz, aus denen er verschiedene Alltagsgegenstände herstellen muss.

„Ich würde mich freuen, wenn mehr junge Menschen motiviert würden, ins Handwerk zu gehen“, wünscht sich Pracht Nachahmer. Denn nach wie vor sind Lehrlinge im Betrieb wollkommen. Die Ausbildung sei „eine super Grundlage“ fürs spätere Leben. Meint auch Philip: „Der Job bringt mir mehr von der realen Welt als trockene Theorie im Hörsaal“, sagt er.

Info: Schreinerei Pracht, Telefon 06068-1524, E-Mail mail@schreinerei-pracht.de, http://www.schreinerei-pracht.de

Kochen ist auf seiner Insel einfach eine Pracht: Mit seiner Meister-Kochinsel gewann Daniel Pracht aus Falken-Gesäß den Bad Wildunger Designpreis

Mit seiner Kochinsel hat er in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt. Dabei ging es Daniel Pracht von der gleichnamigen Schreinerei im kleinen Beerfelder Ortsteil eigentlich erst einmal darum, im Rahmen seines Meisterkurses eine Idee fürs eigene Zuhause praktisch in die Tat umzusetzen. Der 31-Jährige hatte nicht damit gerechnet, dass er damit gleich den renommierten Bad Wildunger Designpreis gewinnen und extrem positives Feedback bekommen würde. Jetzt sammelt er Anregungen, damit das gute Stück in Serie gehen kann.

Eine Kochinsel wollte der Schreinermeister schon länger für seine Wohnung bauen. Als es im vergangenen Jahr darum ging, die 2011 begonnene Ausbildung zum Schreiner mit dem Meistertitel abzuschließen, kam der Gedanke als Meisterarbeit wieder ins Spiel. „So konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, lacht er. Dabei hat Pracht durchaus den Anspruch an sich selbst: „Wenn ich was baue, dann soll es auch etwas Gescheites sein.“

In dem halben Jahr an der Meisterschule entwickelte der Schreiner seine Idee weiter und verfeinerte sie. Dass sie so einschlagen würde, vermutete er selbst nicht. „Bis vor sechs Wochen dachte ich nicht im Traum daran, die Kochinsel zu verkaufen“, gesteht Pracht. Die Schablonen hatte er sogar schon entsorgt. Aber die „super Rückmeldungen“ nach der Ausstellung sorgten für ein Umdenken.

Den letzten Anstoß gab der Maimarkt, wo die Kochinsel ebenfalls aufgebaut war. Als die Besucher stehen blieben und staunten, „war klar, dass ich mir die Chance nicht entgehen lasse“. Design und technische Lösung wurden urheberrechtlich geschützt. Eigentlich, sagt Pracht, ist seine Kochinsel „eine vollwertige Küche“. Denn sie fungiert neben der Möglichkeit zur Essenszubereitung auch als Ess- oder Stehtisch. Der Komplex ist stufenlos höhenverstellbar. Ein Induktionskochfeld ist ebenso ausziehbar wie fünf Massivholzschubkästen für iPad, Messer, Gewürze oder Schneidbrett.

Wie geht es nun weiter mit dem 21.000 Euro teuren Meisterwerk unter dem Arbeitstitel „Square“? „Ich habe die Kochinsel zu verschiedenen Designpreisen angemeldet“, erläutert Daniel Pracht. Außerdem baut er sie als Demonstrationsobjekt in einer zum Verkauf stehenden, exklusiven Frankfurter Penthouse-Wohnung am Messeturm auf. Parallel dazu wird eine Marketingstrategie erarbeitet. Ihm ist wichtig, dass die Produktion im Odenwald stattfindet und „wir hier gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen“.

Der Preis kommt nicht von ungefähr zustande, betont der 31-Jährige. „Alles daran ist quasi Handarbeit.“ Bis auf die Aussparung für die Herdplatte, die auf der Maschine gefertigt wird. Drei Wochen lang wird an einem Exemplar gefeilt. Sein Ausstellungsstück hat die Maße 1,32 auf 1,32 Meter, „aber man kann die Kochinsel in allen Größen bauen“. Auch sind zahlreiche Materialformen und -farben sowie Holztypen möglich. Mit diesen Dimensionen ist das besondere Stück laut Pracht vor allem für beengte Bereiche wie kleinere Stadtwohnungen oder Yachten passend.

Obwohl Daniel Pracht den Geruch von Holz und Sägespänen quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen hatte, war überhaupt nicht absehbar, dass er einmal in den elterlichen Betrieb einsteigen würde. Im Gegenteil. „Nach der Schule wollte ich Pilot werden“, schmunzelt er. Denn schon in den Jugendjahren war er bei den Vielbrunner Segelfliegern aktiv. Doch schon während der Bewerbung merkte er: „Das ist nichts für mich.“ Wie auch das anschließende Physikstudium ihm viel zu theoretisch war.

„Ich wollte was Handfestes machen“, besann sich Pracht dann doch auf seine Wurzeln. Und klopfte sozusagen auf Holz. Er wollte eine Arbeit, bei der man „etwas bewegen und umsetzen kann“. Dafür war natürlich der elterliche Betrieb wie geschaffen. Und so überzeugt, wie der heute 31-Jährige seine Motivation schildert, kann man kaum glauben, dass er jemals mit einem anderen Berufswunsch liebäugelte. Pracht ist voll in dem Thema drin, wenn er von seiner Auffassung von Mitarbeiterführung und -motivation spricht, wie sich ein Handwerksbetrieb in der heutigen Zeit für die Zukunft aufstellen soll.

 

 

Schreinerei Pracht

Derr 31-jährige Daniel Pracht ist mit dem Schreinerberuf des elterlichen Betriebs seit Kindesbeinen an vertraut. Schon seit 60 Jahren gibt es die Firma, inzwischen in dritter Generation. Im Wohnhaus am Postweg in Falken-Gesäß ist gleichzeitig auch das Büro untergebracht, es geht beengt heimelig familiär zu.

Gleich neben dem Eingang hat Seniorchef Helmut Pracht seinen Schreibtisch stehen, der Blick nach vorn geht auf zwei Computer mit dem gesammelten Firmenwissen. 16 Mitarbeiter zählt die Schreinerei heute, davon allein vier aus der Familie. Sein Bruder hat gerade im ersten Lehrjahr die Ausbildung zum Schreiner begonnen.

„Die Arbeit soll erfüllen: Das geht nur zusammen“, betont Daniel Pracht. Ihm schweben für die Zukunft Komplettlösungen für Innenausbauten vor, bei denen die Schreinerei als eine Art Kompetenzzentrum mit vielen Spezialisten unter einem Dach fungiert. Dies immer mit dem Anspruch, dass Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen zufrieden sind.

Chöre aus dem Sängerkreis Neckartal treffen sich am 1. April zum Wertungssingen in Schönmattenwag

Das Kreiswertungssingen und der Liedergesellschaftsabend des Sängerkreises Neckartal finden am Samstag, 1. April, um 19 Uhr im Haus des Gastes statt. Ausrichter ist der MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag. Der Eintritt ist frei. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen, sich ein Bild vom vielfältigen Können der angeschlossenen Sängerkreis-Vereine zu verschaffen.

Teilnehmende Chöre sind: Cantante Cintura Kids sowie Frauen- und Männerchor des Gastgebers, MGV Eintracht Liederkranz Sensbachtal, Chorgemeinschaft Rothenberg/Kortelshütte, MGV Liederkranz Ober-Hainbrunn, Frauen- und Gemischter Chor Eintracht Falken-Gesäß, Sängerkranz aus Schöllenbach, gemischter Chor Finkenbach und Liederkranz Gammelsbach. Weiterhin gibt es an diesem Abend Ehrungen durch den Sängerkreis.

Den Mitglieds-Chören soll mit dem Wertungssingen die Möglichkeit eines objektiven Feedbacks der eigenen musikalischen Leistung angeboten werden. Sie erhalten damit in ungezwungener Atmosphäre eine leistungsorientierte Rückmeldung zur Vorbereitung ihrer eigenen Wettbewerbsbesuche durch einen ausgewiesenen Fachmann der Chorszene und auch Hinweise zu Verbesserungsmöglichkeiten.

Fürs Programm sind ausschließlich A-cappella-Werke zugelassen. Jeder Chor trägt drei Stücke freier Wahl vor. Auf eine stilistische und musikalische Vielfalt sollte Wert gelegt werden, heißt es in der Vorgabe. Werke aus dem Bereich Spiritual/Gospel/Pop sind ebenfalls zugelassen. Die einzelnen Stücke können auch in einer abweichenden Tonart vorgetragen werden.

Die teilnehmenden Chöre des Orientierungssingens erhalten nach ihrem Auftritt durch den Juror eine fachlich fundierte und konstruktive Beurteilung. Ziel ist es, Verbesserungspotential aufzuzeigen und den Leistungsstand festzustellen. Im Anschluss steht der Berater den Chören auch für weitere Fragen zur Verfügung. Außerdem gibt es eine Bewertung nach den Richtlinien des „Deutschen Chorwettbewerb“

Juror des Sängerkreis-Orientierungs-/Wertungssingens ist Matthias Schmitt. Er studierte Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Chorleitung an der Goethe-Universität Frankfurt, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt und an der Hochschule für Musik in Würzburg. Schmitt ist Dirigent mehrerer Chöre und Ensembles in Freigericht (Main-Kinzig-Kreis) und in angrenzenden Regionen. Er nimmt regelmäßig erfolgreich an nationalen Chorwettbewerben teil und wurde zuletzt Preisträger beim ersten deutschen Männerchorfestival in Limburg.

International konnte er mit seinem Männerkammerchor „DelicaTon“ einige Erfolge erzielen, zum Beispiel Sonderpreisträger beim International Choral Festival in Cork 2016 (Irland), er ist Gewinner zweier Goldmedaillen bei den World Choir Games in Riga 2014 (Lettland), Grand Prix Gewinner in Llangollen 2012 (Wales) und Dirigentenpreisträger beim Johannes Brahms-Wettbewerb in Wernigerode 2011. Teilnahmen an Wettbewerben und Festivals führten ihn zudem nach Estland, Norwegen, Österreich, England und Südkorea. Hauptberuflich arbeitet Schmitt als Kulturbeauftragter im Main-Kinzig-Kreis.

In Falken-Gesäß und Leonardshof: Bei der Hausnummernsortierung gibt es Kraut und Rüben

Die Hausnummern-Sortierung im Leonardshof oder die Häuserzuordnung zu Straßen in Falken-Gesäß sind eine wahre Pracht. Da gibt es an einer Stelle die Nummern 14 bis 16, ganz woanders dann die 10, gefolgt von der 34. Ein Haus an der Unteren Ortsstraße ist aber von der Hausnummer her der Oberen zugeordnet. Ganz zu schweigen von Straßenbezeichnungen, die teilweise verschlungen und nicht nachvollziehbar sind.

Wie Christian Kehrer vom Kommunalservice Oberzent und Bürgermeister Gottfried Görig auf der Ortsbeiratssitzung erläuterten, besteht im Rahmen der Fusion zum 1. Januar die einmalige Gelegenheit, solche über die Jahrzehnte und Jahrhunderte wild gewucherten Straßen und Hausnummern zu entwirren und Ordnung zu schaffen.

Kehrer sagte, dass es in Falken-Gesäß im Gegensatz zu anderen Orten keine Namensdopplungen gebe. Jedoch könnte man Häuser anderen Straßen zuordnen oder sogar für bestimmte Abzweigungen neue Straßennamen schaffen. Als Beispiel führte er sein eigenes Beispiel aus Finkenbach an. Dort stehen vier Häuser in einem Stichweg der Wetterbergstraße. Die Anwohner beschlossen nun, aus diesem „Am Wetterberg“ zu machen.

Eine „katastrophale Nummerierung“ gebe es im Leonardshof. Vor allem mit Blick auf die Rettungsdienste, aber auch wegen Brief- und Paketzustellung, sei es ratsam, hier Ordnung zu schaffen. Das Thema werde derzeit in der Verwaltung aufgearbeitet. Wobei es letztendlich an den Bürgern selbst liege, dieses in die Wege zu leiten. Allerdings habe die Stadt im Rahmen der Gefahrenabwehr eine Zwangsmöglichkeit. „Jetzt sind Änderungen möglich“, betonte Kehrer. Über das Für und Wider gab es anschließend eine angeregte Diskussion.

Ortsvorsteher Manuel Schwinn wies auf das Chaos rund ums Schulhaus mit der unklaren Zuordnungen bei Unterer und Oberer Ortsstraße hin. Aber auch der Postweg ist ein potenzieller Kandidat. Hier könnte es Sinn machen, ein paar Häuser der „Raudelle“ zuzuordnen. An anderen Stellen machte Kehrer deutlich, dass das eine oder andere Gebäude in einer anderen Straße besser aufgehoben wäre, weil logischer.

Aus der interessierten Bürgerrunde wurde daneben mit Blick auf den Namen Oberzent darauf hingewiesen, dass es schon seit Jahrzehnten eine Schule und eine Halle mit dieser Bezeichnung gebe. Und inzwischen 16 Vereine und Institutionen, die den mittelalterlichen Gerichtsbezirk aufgenommen hätten, so Kehrer. Die losgetretene „unsägliche“ Namens-Diskussion verglich Ortschaftsrätin Bernhild Hofherr mit den gerufenen Geistern aus Goethes Zauberlehrling.

Aktuell sei gerade eine Homepage für die neue, fusionierte Stadt in Vorbereitung, erläuterte der KSO-Projektleiter. „Wir müssen es jetzt in Angriff nehmen, einen neuen Namen richtig publik zu machen.“ Denn ab dem 1. Januar 2018 werde man nicht nur in Hessen, „sondern bundesweit als jüngste Stadt Deutschlands Beachtung finden“. Laut Kehrer sollte man nicht Vergangenem hinterher rennen, „sondern in die Zukunft blicken“.

Bürgermeister Görig ergänzte, dass sich auch nach der Gebietsreform Anfang der 70er Jahre die Identifikation mit dem Heimatort nicht änderte. „Ein Airlenbacher blieb ein Airlenbacher“, meinte er. Das sei jetzt nicht anders. Vielmehr sei der Dachname Oberzent „im Odenwaldkreis ein Begriff“. Von den bisherigen, weiteren Vorschlägen habe ihn keiner überzeugt.

Oberzent-Fusion: Beerfelder Stadtteile wie Falken-Gesäß sind dann nicht mehr „eingemeindet“

Die Oberzent-Fusion beschäftigt die Bürger. Ortsbeiratssitzungen in den Beerfelden Stadtteilen sind seit Wochen gut besucht, der Entwurf des Grenzänderungsvertrags wird hinterfragt, über den neuen Namen und andere Umstellungen gesprochen. So wie jetzt auch bei der Zusammenkunft in Falken-Gesäß, zu der ins Dorfgemeinschaftshaus über 30 Bürger kamen. Diese beteiligten sich rege an der Aussprache über dieses Thema. Tenor: Der neue Name „Oberzent“ wird für gut befunden und akzeptiert.

Christian Kehrer, Fusions-Projektleiter beim Kommunalservice Oberzent, war ebenso wie Bürgermeister Gottfried Görig zu der von Ortsvorsteher Manuel Schwinn geleiteten Sitzung gekommen. Kehrer stellte den Entwurf des Grenzänderungsvertrag vor und machte Werbung für die am 7. März stattfindende Bürgerversammlung zu diesem Thema in der Alten Turnhalle Beerfelden. „Am 6. März vergangenen Jahres haben sich die Bürger für die Fusion entschieden, das Thema ist durch“, betonte er.

Die Bürger hätten mit ihrem positiven Votum den Auftrag erteilt, diesen Grenzänderungsvertrag zu erarbeiten, machte er deutlich. Auch wenn im Entwurf der Name „Oberzent“ stehe, „haben die Einwohner dabei das letzte Wort“, rief er zu konstruktiven Namensvorschlägen auf. Die bisherigen Beerfelder Stadtrechte würden von der neuen Stadt übernommen, hätten aber nicht mehr die Bedeutung wie in früheren Zeiten. Eher „ein Titel ohne Mittel“, schmunzelte er.

Kehrer ging noch einmal auf den damaligen Bürgerentscheid ein. Wäre damals der Name „Beerfelden“ für die neue Stadt gesetzt worden, hätte das in den Augen der umliegenden Gemeinden eine Eingemeindung bedeutet und keine Fusion auf Augenhöhe. Er war sicher, dass unter diesen Vorzeichen die Rothenberger, Hessenecker und Sensbachtaler nicht (mehrheitlich) dafür gestimmt hätten. „Ich auch nicht“, meinte der Finkenbacher.

Aus den Vorstellungen des Grenzänderungsvertrags in den anderen Beerfelder Ortsteilen wusste er, dass der neue Name Oberzent kaum ein Thema ist. Wichtiger ist den Stadtteilbürgern eine Aussage, die auch in Falken-Gesäß deutlich wurde: „Wir sind dann nicht mehr nach Beerfelden eingemeindet.“ Die Ortsteile bekämen ihre alte Identität zurück. Wie übrigens die Kernstadt auch, so Kehrer.

Als ein „ganz spezifisches Thema“ bezeichnete er die Wappenkunde. Im 23. Entwurf kam man schließlich zur jetzigen Fassung. Kehrer erläuterte, wie sich Steuerungsgruppe und Heraldiker in ihren Vorstellungen langsam einander annäherten. So wies der Wappenkundler aufgrund des geschichtlichen Bezugs der Oberzent auf den Galgen als prägende Stätte hin. Was man aber im Arbeitskreis als unpassend für eine moderne, der Zukunft zugewandte Stadt empfunden habe.

Auch die bayrische weiß-blaue Raute wegen der Verleihung der Stadtrechte durch König Ludwig und Bezüge auf den Bischof von Worms wurden wieder verworfen. „Die Tendenz ging dann Richtung Allianzwappen“, so Kehrer. Erst in Kreuzform, dann in Schrägstellung. Dabei stellte sich auch die Frage, wie die bisherigen insgesamt acht Sterne aus den vier Wappen untergebracht werden könnten. Das Erbacher Grafenwappen sei nun durch die Farbe Rot-Weiß und zwei Sterne vertreten.

„Man kann nicht von jedem alles nehmen“, betonte der Projektleiter das „gemeinsame“ Wappen. Wenn man etwa die drei Sterne von Beerfelden mit unterbringen wolle, „wird der Bär kleiner“, beantwortete er eine Frage. „Name und Wappen sind emotional“, wusste Kehrer. Das hessische Staatsarchiv habe zur aktuellen Wappens-Fassung bereits sein Okay gegeben. Auch aus der Bürger-Runde kamen keine negativen Äußerungen. Eher die Feststellung, dass ja auch Rothenberg seinen Adler habe aufgeben müssen – eben ein Geben und Nehmen.

KSO-Mitarbeiter Christian Kehrer zeigte beispielhaft ein Ortsschild, wie es bei einer Festlegung auf den Namen „Oberzent“ aussehen könnte. Er wies darauf hin, dass im Zuge einer gleichberechtigten Fusion alle Bürger Veränderungen herbeiführen müssten. Von Stadtseite her gebe es ein großes Maß an Unterstützung. So erfolgten etwa Änderungen in Personalausweis und Fahrzeugschein kostenlos. Auch stehe man mit anderen Behörden in Kontakt, um einen möglichst reibungslosen Übergang zu schaffen. Seitens der Post sei gewährleistet, dass Briefe und Pakete mit der alten Anschrift noch über Jahre hinaus zugestellt würden.