Wohlfühlen in familiärer Atmosphäre beim Terrassenfestival

Aus einem traurigen Anlass heraus wurde ein Festival ins Leben gerufen, das in Oberzent schon längst über den Status eines Geheimtipps hinaus ist: Zum vierten Mal fand in der „Monkeylounge“ bei Valentin Witzgall im Almenweg sein Terrassenfestival statt, das neben den Darmstädter Bands „Mental Reservation“ und „Elephant Messiah“ auch den Lokalmatadoren von „Schlagsaite“ sowie Rebecca Müller und ihrer Band ein Podium bot. Wie es der Name schon sagt, auf der Terrasse mit außen angebauter Bühne.

„Eigentlich habe ich das Fest ins Leben gerufen, nachdem der Vater eines Freundes aus Darmstadt gestorben war“, erinnert sich der von dort stammende Witzgall, bei der Oberzent-Band „Schlagsaite“ Schlagzeugr. „Wir haben uns bei der Beerdigung alle wiedergesehen, obwohl wir mittlerweile über das ganze Land verstreut sind“, erzählt er. Der Hintergrund war sehr traurig, aber das Gefühl, die Grundschul-Freunde alle versammelt zu sehen und es wie „früher“ war, beschreibt er als super.

Das war der Startschuss: „Ich habe mir gedacht, dass ich es zu einem schönen Anlass mache.“ Seit Beginn an dabei: „Mental Reservation“. Die Band bot damals „Wohnzimmer-Konzerte“ an. „Ich habe die Jungs gefragt, ob sie dabei sind, und auf einmal war das erste Terrassenfestival geboren“, lacht der Organisator. Und weil das super ankam, wuchs es in den Folgejahren immer ein wenig. „Ich glaube, die Leute merken einfach, wie wichtig es mir ist und wie viel Liebe ich da rein stecke“, sagt er.

Natürlich „muss“ Vali Witzgall seine Idee gefallen, denn er hat sie ja umgesetzt. Das Feedback der Besucher und Teilnehmer macht ihm jedes Jahr aufs Neue Mut, eine Wiederauflage anzugehen. Denn die Reaktionen sind wohlwollend bis euphorisch. „Absoluten Respekt“ zollen die vier von „Mental Reservation“ dem Festivalmacher, „dass er einen so großartigen Event auf die Beine gestellt hat“. Das zeigt laut der Band mal wieder: „Man muss seine Visionen gelegentlich auch einfach mal umsetzen.“

„Leute, wir können euch sagen, was wir dort alles gesehen und erlebt haben, hat es in dieser Form noch nie für uns gegeben. UN – FASS – BAR“, schreibt „Elephant Messiah“ auf ihrer Facebook-Seite. Die Veranstaltung „wird uns auf jeden Fall auf ewig in Erinnerung bleiben“. Mit Liebe wurde ein toller privater Event aufgezogen, lobt die Darmstädter Gruppe. „Danke, dass wir dabei sein durften.“

Valentin Witzgall findet aus seiner Sicht den Abend „einfach extrem gut, weil ich das Gefühl habe, dass sich die Leute in familiärer Atmosphäre wohlfühlen und noch eine gewisse zwanglose Freiheit wie auf einer Gartenparty mit Freunden herrscht“. Und das, obwohl ein richtiges Programm mit extrem guten Bands geboten wird. Die hätten es normalerweise „bestimmt nicht nötig, für umsonst im tiefsten Odenwald zu spielen“.

Er registriert, dass jedes Jahr Besucher dabei sind, die extra wegen dem Terrassenfestival aus München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Darmstadt oder Mannheim kommen, „weil sie so eine Ungezwungenheit noch auf keinem anderen Fest erlebt haben“. Es kann jeder so sein, wie er will, und es werden keine Fragen gestellt, „was wer erreicht oder welchen Job er hat“, schildert der Organisator. „Das finde ich großartig.“

Als Musiker hat er das Glück, relativ viele gute Bands zu kennen, „die jedes Jahr wieder kommen und gerne bei mir spielen, weil sie sich überraschen lassen wollen“. Als Beispiel nennt er diesmal angebaute Bühne: „Ich hab letztes Mal gesagt, dass ich die nach draußen setze“, schildert er. „Jeder hat gemeint, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe“, lacht er. Ergebnis: „Die Besucher waren begeistert.“

„Es passieren immer witzige Dinge“, weiß er. „Ich glaube, das macht es aus.“. Dieses Mal fiel ihm beim Aufräumen so einiges in die Hände: Sonnenbrille, schwarzer Rucksack, schwarze Frauenschuhe Größe 36, schwarze Schildmütze mit der Aufschrift „Hollywood undead“ und ein blauer Herrenschlüpfer neben der Badewanne, postete Valentin Witzgall einen Tag später auf Facebook.

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Die „Monkeylounge“ geht in die vierte Runde

Es wird wieder musikalisch kräftig auf der Terrasse gefeiert. Am Samstag, 29. Juni, findet das vierte Terrassenfestival in der „Monkeylounge“ statt. Ort ist der Almenweg 5 im Oberzent-Stadtteil Falken-Gesäß. Veranstalter Valentin Witzgall lädt dazu einheimische Newcomer und festivalerfahrene Bandgrößen ein. Ab 18 Uhr ist Einlass. Die Musikschule Berg (Beerfelden) wird mit verschiedenen „Jungkünstlern“ die Veranstaltung eröffnen. „Es ist sehr schön für unsere Schüler, dass sie das Gelernte in kleinem Rahmen präsentieren können“, freut man sich dort.

Danach kommt eine junge, talentierte Künstlerin aus Falken-Gesäß auf die Bühne. Rebecca Müller wird von ihrer Band begleitet. Sie zeigte schon am Beerfeldener Brunnenfest, dass sie durch eine einmalige Stimme aus der Masse heraussticht. Die Oberzent-Band „Schlagsaite“ wird mit Cover-Rock-Songs die Stimmung anheizen. Die neunköpfige Gruppe spielte bereits auf verschiedenen Veranstaltungen in Oberzent. Sie sorgte bei Pferdemarkt, Brunnenfest und Beerfelden Classix für tolle, ausgelassene Stimmung.

„Mental Reservation“ ist eine Alternative/Indie-Band aus Darmstadt. In den bisherigen vier Alben „Berlin“, „Yesterday‘s Snow“, „Fuzz“ und „What did you Expect“ sind eingängige Melodien mit klar strukturierten Drums zu hören. Die vier Musiker sind Dauergast beim Darmstädter Schlossgrabenfest und touren regelmäßig von Bad-Herrenalb bis zur Partyinsel Ibiza. Björn Kühlen, Christian Müller, Roland Schütz und Peer André Mönch waren maßgeblich an einigen Soundtracks verschiedener Filmprojekte beteiligt.

Bei „Elephant Messiah“ handelt es sich um eine 2015 gegründete Stoner-Rock-Band, die durch satte Gitarren-Riffs, gepaart mit dem tragenden Gesang von Frontmann Robin Crönlein, besticht. Der bringt mit seinen vier Band-Kollegen Mario Brehm, Sebastian Völsen, Jonas Kaffenberger und Felix Minor eine eindrucksvolle Live-Show auf die Bühne. Die Darmstädter haben sich in der Szene einen Namen gemacht. 2019 tourten die Jungs bis Augsburg und Amsterdam, um mit den an Black Sabbath und Monster Magnet erinnernden, wuchtigen Sound zu beeindrucken.

 

Info: Die Vorverkaufstickets sind im Waldseebad Beerfelden erhältlich.

Die Zukunft mit seinen eigenen Händen aufbauen

Er ist ein wenig der Traum eines jeden Arbeitgebers. „Es gibt nichts Schöneres als zu arbeiten“, meint Mehdi Hashemi, seit vergangenen August Auszubildender bei der Schreinerei Pracht. Der knapp 20-jährige junge Mann, gebürtig in Afghanistan, kam 2015 als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland und fand schnell Anschluss. „Ich mag handwerkliche Tätigkeiten“, sagt er. Sein Traum ist irgendwann das mit den eigenen Händen errichtete Haus.

„Ohne Fleiß kein Preis“ hat sich Mehdi ein deutsches Sprichwort gemerkt, das gut zu ihm passt. Seit er Ende 2015 in eine deutsche Pflegefamilie kam, die Wilstermanns in Affolterbach, arbeitet er zielstrebig an seinen Vorstellungen. Bereits im Iran probierte er sich an einigen handwerklichen Berufen wie Fliesenleger, Maurer oder Schneider aus. Letzterer wäre eigentlich auch sein Wunsch in Deutschland gewesen, aber „davon gibt es hierzulande leider nicht so viele“, bedauert er in seinem sehr guten Deutsch.

Auf den 19-Jährigen würde auch gut das schwäbische Sprichwort vom „Schaffe, schaffe, Häusle bauen“ zutreffen. Zwölf- oder 13-Stunden-Tage waren früher für ihn keine Seltenheit, „kurz vor Weihnachten mussten wir in der Schneiderei sogar 18 Stunden ran“, erzählt er. Da sind die deutschen acht Stunden am Tag für ihn ein Leichtes. „Ich will was anpacken“, verdeutlicht er. Die Arbeit macht ihm Freude, verschafft Befriedigung, er hat Spaß daran.

Im ersten Lehrgang geht es mehr darum, dass die Azubis den Profis über die Schulter schauen, die Handgriffe lernen, wissen, was man wie tut, erläutert Ausbilder Peter Schäfer. Eine Woche Maschinenkurs liegt gerade hinter Mehdi. Er versucht so viel Praxis wie möglich zu sammeln. Denn die ist es, die zählt, weiß er. Wenn er seine Ausbildung geschafft hat, will der 19-Jährige im Beruf weitermachen. Und später? „Vielleicht meine eigene Firma“, träumt er ein wenig.

Beim Betrieb fällt das Talent des jungen Mannes positiv auf. „Er schlägt sich sehr gut und zeigt viel Interesse“, freut sich neben dem Ausbilder auch Juniorchef Daniel Pracht. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt er über das Auftreten von Mehdi. Dass der einmal als Azubi in einer Odenwald-Schreinerei landen würde, hätte sich der im Iran aufgewachsene sicher auch nicht träumen lassen.

Mit ein paar Freunden machte er sich 2015 auf den gefährlichen Weg Richtung Europa. Ohne Familie kam er in Heppenheim unter, weil dort bereits ein Freund wohnte. Neben den allgemein bekannten Problemen in Persien wäre er als Volljähriger dort vor zwei Alternativen gestellt worden, die in Wirklichkeit keine waren, schildert er: entweder zurück nach Afghanistan oder für den Iran nach Syrien in den Kampf gegen den IS geschickt zu werden.

Relativ schnell ging es weiter nach Affolterbach, wo er jetzt seit dreieinhalb Jahren wohnt. Diverse Deutschkurse folgten – mit Erfolg, wie sich heraushören lässt. Erst besuchte der 19-Jährige die Metzendorf-Schule in Bensheim, dann die Freudenberg-Schule in Weinheim und machte dort seinen Hauptschulabschluss. „Ich habe bestimmt 20 bis 25 Bewerbungen geschrieben“, erzählt er über die Verwirklichung seines Berufswunsches. Dazu kamen Praktika in verschiedenen Schreinereien. Manche Bewerbungen wie etwa die für Falken-Gesäß brachte er persönlich vorbei. Das beeindruckte.

Um über den Buckel zu gelangen, wo kein Bus fährt, musste dann nicht nur ein fahrbarer Untersatz her, sondern auch die Erlaubnis, das Auto fahren zu dürfen. „Die Theorie war leicht“, erzählt der Jugendliche über die Führerscheinprüfung. „Man muss einfach die Fragen verstehen.“ Die Praxis fiel ihm dann ein wenig schwerer.

Nicht nur in Affolterbach bei seiner Pflegefamilie, sondern auch in der Schreinerei fühlt er sich zuhause. „Ich kann mit allen Problemen zu ihnen kommen und sie kümmern sich darum“, ist Mehdi dankbar. Denn seine eigene Familie lebt noch im Iran. Letztes Jahr durfte er sie für elf Tage besuchen. Sein größter Wunsch über allen anderen ist natürlich, die Lieben hierzulande um sich haben zu dürfen.

Drei Jahre lang dauert die Schreiner-Ausbildung, erläutert Peter Schäfer. Im ersten Jahr sind die Azubis drei Tage im Betrieb und zwei Tage in der Berufsschule. Dieser Zeitraum dient der Vorbereitung, sagt er. Die jungen Leute stellen Übungsstücke her, schauen zu oder helfen bei bestimmten Arbeiten. Sie fahren mit auf die Baustellen und lernen dort von den schon länger Aktiven. Im zweiten Jahr wird das Ganze dann ein wenig anspruchsvoller, die jungen Leute dürfen auch mal selbst ran. Aktuell hat die Schreinerei Pracht fünf Azubis.

 

Regionalen Betrieben ein Forum geben: Die „Monkeylounge“ veranstaltet „Wine’n Farmer Edition“ in Falken-Gesäß

Bald steppt in Oberzent – nein, nicht der Bär, sondern der Affe. Die „Monkeylounge“ veranstaltet am Samstag, 18. Mai, die „Wine’n Farmer Edition“ im Almenweg Falken-Gesäß. Ab 15 Uhr wird es in dem sonst eher ruhigen Ort ein wenig turbulenter. Veranstalter Valentin Witzgall hat sich mit verschiedenen „Farmern“, also langwirtschaftlichen Betrieben und Erzeugern, zusammengetan und richtet ein Hoffest der besonderen Art aus.

Die Idee dahinter ist, erläutert Witzgall, den regionalen Betrieben in Oberzent ein Forum zu geben und zu zeigen, „welche Schätze wir direkt vor der Haustür haben“. Die fünf teilnehmenden Betriebe sind regionale Landwirte und Kleinunternehmer, die durch Arbeit, Engagement und Fleiß hervorragende Qualität abliefern. Die Monkeylounge soll auch eine Plattform für „Neugründer“ sein, hebt er hervor. Andreas Weinmann von Emotion Picture wird deshalb mit seiner Art der Fotografie den Tag festhalten.

Das Weingut Zink aus Flöhrsheim/Dahlsheim hat seine Wurzeln in der Oberzent. Bei der Winzerfamilie Mathias und Sybille Zink ist die Bindung zu Falken-Gesäß und Beerfelden immer noch sehr ausgeprägt. Von der Zeitschrift „Feinschmecker“ 2018/2019 zum besten Weingut gekürt, stellen die Winzer den Jahrgang 2018 vor, der aufgrund des trockenen und warmen Sommers ein absoluter Spitzenwein ist.

Die Bäckerei Riesinger aus Gammelsbach bezieht einen Teil ihrer Rohstoffe vom landwirtschaftlichen Betrieb Trumpfheller, der das Korn nahe der Burgruine Freienstein anbaut. Werner und Christian Riesinger legen großen Wert auf die Transparenz von der Saat bis zum fertigen Produkt. Gasthaus und Hofmetzgerei „Zum Spälterwald“ in Olfen, von Gerd Seip und Ella Menges geführt, sind weit über die Stadtgrenzen von Oberzent hinaus als Ausflugsziel und Platz zum Verweilen bekannt. Der Familienbetrieb wird mit drei verschiedenen Bratwurstsorten vertreten sein.

Die Hofkäserei Trumpfheller, ebenfalls in Gammelsbach zuhause, wird verschiedene Käse-Spieße anbieten. Natürlich darf der „Odenwälder Kochkäs mit Musik“ nicht fehlen. Alles aus eigener Produktion von hauseigenen Kühen. Der biozertifizierte Milchbetrieb Zimmermann am Nordrand Beerfeldens ist bekannt für seine Eier- und Milchautomaten, die sonntags schon so manchen Kuchen gerettet haben. Gefertigt werden auch Nudeln aus Bioeiern und Wurst aus eigener Viehhaltung.

Valentin Witzgall, der eigentlich die „Monkeylounge“ für ein jährliches Musikevent gründete, fiebert nun der „Wine’n Farmer“ entgegen. „Bisher habe ich die Events veranstaltet, um regionalen Musikern eine Plattform zu geben“, sagt er. Es war alles eher minimalistisch und nur für Freunde gehalten. Wobei die vergangenen drei Terrassenfestivals mit gut 200 Besuchern und vier bis fünf Livebands „schon ganz großartig waren“.

Jetzt rief er den ersten öffentlichen Event ins Leben und hofft, dass er gut angenommen wird. „Das geht in einen Bereich, von dem ich nur wenig Ahnung habe“, schmunzelt Witzgall. Für ihn geht es am 18. Mai in erster Linie darum, heimische Betriebe zu unterstützen und den Leuten bewusst zu machen, was die kleinen Unternehmen jeden Tag leisten. „Und das in einer Qualität, die ich in Großstädten nur beim Feinkosthändler für viel Geld bekomme.“ Musik gehört natürlich auch dazu, aber die wird im Hintergrund gehalten. Es geht in erster Linie um gutes Essen und geselliges Beisammensein bei dem einen oder anderen Glas Wein.

Unmut über Verzögerung bei der Parkplatz-Umgestaltung in Falken-Gesäß

Im Ort wird angepackt. Verschiedene von den Bürgern vorgetragene Missstände über unschöne Stellen im Dorfbild nahm der Ortsbeirat auf seiner vergangenen Sitzung zum Anlass, für den 11. Mai zu einem Helfertag einzuladen. Dann will man gemeinsam die Ausbesserungen angehen. Denn Mitte September, als die Ehrenamtlichen stadtweit anpackten, wurde in Falken-Gesäß Kerwe gefeiert. „Da waren unsere Leute bereits eingebunden“, schmunzelte Ortsvorsteher Manuel Schwinn.

Die Ortsstraßen sind in einem relativ guten Zustand, war auf der Sitzung zu erfahren. Der Ortsbeirat hatte auf Wunsch der Stadtverwaltung eine Prioritätenliste erstellt und nutzte die öffentliche Zusammenkunft, um noch weitere Vorschläge der Bürgerschaft abzufragen. „Es gibt nur Kleinigkeiten“, erläuterte Schwinn, keine riesigen schadhaften Stellen wie in manchen anderen Stadtteilen.

An der Abfahrt zum Sportplatz gibt es ein größeres Schlagloch, dessen Auffüllung man sich vorab wünscht. Denn eigentlich ist der Weg im Flurbereinigungsverfahren drin, wo sich aber derzeit nichts tut. Außerdem wurde von Zuschauerseite aus die Auffahrt zum Dorfgemeinschaftshaus (DGH) moniert. „Die ist bis zum Pflaster hin schlecht“, hieß es. Das wiederum wird rund um die Dorflinde von deren Wurzeln in Mitleidenschaft gezogen. Hier wäre Abhilfe sinnvoll, lautete der Wunsch.

Für einigen Unmut bei den Zuschauern sorgte die Auskunft, dass laut dem Verfahrensleiter bei der Flurbereinigung noch nichts zum Baubeginn am Sportplatz und beim Weg zum Friedhof gesagt werden kann. „Das ist schon jahrelang in der Planung“, kritisierte Schwinn. Wie er mitteilte, konnte der Ortsbeirat nicht in Erfahrung bringen, ob es wenigstens kommendes Jahr endlich losgeht. „Die Bürger haben das nicht mit Begeisterung aufgenommen“, stellte der Ortsvorsteher fest.

Der Parkplatz an der Sportfläche, der Weg entlang des Sportplatzes und der Richtung Friedhof sollen in diesem Zug neu gemacht werden. Seit Beginn der Planungen 2007 gab es so viele Überarbeitungen gegenüber der Ursprungsvariante, dass die aktuelle Version vergangenen September noch einmal genehmigt und beschlossen wurde. Der Parkplatz wurde landschaftsgestalterisch mit Bäumen entwickelt, damit sich nicht wie bisher den Parkenden eine kahle Schotterfläche bietet.

„Ganz wichtig für die Bürger ist der Friedhofsweg“, betonte Schwinn. Der ist ziemlich steil und soll begradigt werden. Bisher läuft bei Regen das Wasser hinunter, was die ganze Strecke verschlammt und schlecht begehbar macht. Im vergangenen Jahr hatte der Bauhof eine Übergangslösung gestaltet. Er versicherte: „Der Ortsbeirat wird dran bleiben, schauen, was geht, und sich für eine Beschleunigung einsetzen.“

Das Gremium „ist sehr zufrieden mit dem Fortgang des Umbaus am Dorfgemeinschaftshaus“, teilte Schwinn mit. Er rechnet mit einer Fertigstellung der Arbeiten im Sommer. Die Vereine haben sich untereinander gut in punkto Ausweichmöglichkeiten abgesprochen, sagte er. „Man sieht bereits den Fortschritt“, so der Ortsvorsteher. Die Wand zwischen Gesangvereins-und Vorstands-Räumlichkeiten wurde rausgerissen, hier soll ein Schiebeelement rein, um die Fläche zu vergrößern. Neue Decke, neuer Boden und neue Küche stehen auch noch an.

Im Erdgeschoss des DGH wurden Silikatplatten gegen die Feuchtigkeit an den Wänden angebracht. Die Maßnahme wurde über das IKEK-Programm gefördert. Denn im Ort gibt es seit Schließung der „Traube“ vor mehr als drei Jahren keine Gastwirtschaft mehr. Wenn das „Käffchen“ fertiggestellt ist, dann soll es verpachtet werden.

Schwinn wies abschließend darauf hin, dass Falken-Gesäß 2021 700 Jahre alt wird. Hierzu beginnen bereits jetzt die Vorbereitungen, in deren Zuge der Ortsbeirat die Einwohner darum bittet, alte Geschichten, Bilder und Dokumente zusammenzutragen und ihm zur Verfügung zu stellen.

German Design Award für die „Pracht“-volle Kochinsel

Erst holte Daniel Pracht mit seiner Kochinsel SQR (für „Square“, Quadrat) den renommierten Red Dot Design Award. Jetzt ist der Schreinermeister aus Falken-Gesäß quasi in die Königsklasse aufgestiegen. Er gewann den „German Design Award 2019“ in Gold, der höchsten Auszeichnung, in der Kategorie „Kitchen“. Ein neuerlicher Erfolg für „BODI Interiors“, der Pracht mit seiner kleinen Oberzent-Firma in eine Liga mit Weltfirmen wie Bosch, Porsche oder VW katapultiert.

Bei weit über 50 Kategorien „gab es nur 30 Gold-Auszeichnungen“, hebt der 33-Jährige seinen besonderen Erfolg hervor. „Das ist die Design-Instanz für Deutschland“, freut sich Pracht über die neuerliche Anerkennung seiner ständig weiterentwickelten Meister-Arbeit. „Schon die Nominierung war ein Riesenerfolg“, erzählt er. Und dann das: „Ein Schreiner aus dem Odenwald, der einen solchen Preis gewinnt.“

Eines Abends hielt Pracht einen unscheinbaren Brief in Händen. Nach Öffnung dachte er zuerst, „nur“ etwas gewonnen zu haben. Weiter unten stand dann: Gold. „Wow, Wahnsinn, das gibt es gar nicht“, so seine ersten Gedanken. „Besser geht es nicht mehr“, hat der 33-Jährige jetzt quasi Designpreis-mäßig alles erreicht, was möglich ist. „Das hilft mir, die eigene Arbeit etwas einzuordnen.“

Der Preis zeigt ihm, dass es sich lohnt, neue Ansätze zu verfolgen. „Wenn jeder mutig seinen Weg geht, neu denkt, Altes über Bord wirft, kann uns nichts Besseres passieren.“ Pracht will aus dem alten Trott rauskommen und hofft, andere damit zu inspirieren. „Das wäre das Schönste überhaupt“, sagt er. „In der Gesellschaft muss über neue Wege nachgedacht werden“, betont er.

Der Falken-Gesäßer wertet die Auszeichnung für die erst ein Jahr bestehende Firma BODI umso höher, „weil bei den großen Firmen oft ganze Designteams dahinter stehen“. Die 20 Bewertungskriterien, ergänzt er, zielen nicht nur auf schönes Aussehen ab, sondern auch technische Qualität, Innovationsgrad, Gesamtkonzept oder Funktionalität.

Am 8. Februar findet die Preisverleihung im Rahmen der Konsumgütermesse „Ambiente“ in Frankfurt statt. „Das ist die größte außerhalb Asiens“, weist Pracht auf den riesigen Multiplikatoren-Effekt hin. 1300 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien werden erwartet. „Damit erhalte ich einen großen Bekanntheitsgrad.“

Die Kochinsel fungiert neben der Möglichkeit zur Essenszubereitung auch als Ess- oder Stehtisch. Der Komplex ist per Touchpad stufenlos höhenverstellbar. Per Motor fährt ein gläsernes Induktionskochfeld in der Größe von 124 auf 60 Zentimetern aus. Ausziehbar sind daneben Massivholzschubkästen. Auf der anderen Seite hat Pracht einen Arbeitsplatz eingebaut, um etwa ein Laptop zu verstauen. Auch gibt es Strom-, USB-, LAN- oder HDMI-Anschluss.

Der Preis um die 20.000 Euro je nach Ausführung kommt nicht von ungefähr zustande, betont der 33-Jährige. Die Kochinsel wird komplett in 3D-CAD konstruiert. Handarbeit ist ebenso dabei wie der Einsatz modernster CNC-Technik. Sein Ausstellungsstück hat die Maße 1,32 auf 1,32 Meter, „aber man kann die Kochinsel in allen Größen auf individuellen Wunsch bauen.

Die Kochinsel „öffnet die Küche Richtung Wohnen“, erläutert Pracht. „Wir arbeiten mit offenem Raumkonzept und wollen Komplettlösungen im Innenausbau anbieten“, sagte er. Ihm geht es darum, für alle beteiligten Gewerke nur einen Ansprechpartner für Planung, Konzeption und Umsetzung zu bieten. „Wir müssen die gesamte Räumlichkeit in den Blick nehmen“, meint der Schreinermeister.

„Smart living“ heißt der englische Fachbegriff. Dabei geht es nicht nur um die Küche, sondern um eine intelligente Lösung, wie man aus wenig Raum viel rausholen kann, wie man zuhause leben will. „Wohnraum und Ressourcen sind knapp“, betont Pracht. Bis allerdings SQR in Serie geht, braucht er einen langen Atem. „Aber das kommt bestimmt irgendwann“, zeigt er sich überzeugt.

Der German Design Award, eine der anerkanntesten internationalen Design-Preise, zeichnet seit 2011 innovative Produkte und Projekte sowie Hersteller und Gestalter der deutschen und internationalen Designbranche aus. Vergeben wird er vom Rat für Formgebung. Die 1953 gegründete Stiftung arbeitet als Interessenvertretung für designorientierte Unternehmen. Sie hat mehr als 300 Mitglieder aus den Bereichen Wirtschaft, Design, Verbände und Institutionen.

Die neue Stadt Oberzent hat viele und teure Baustellen

13 Millionen Euro: Das ist die Summe an Investitionsvorhaben, um die es in den kommenden Jahren in der neuen Stadt geht. Ein Volumen von 7,3 Millionen Euro ist bereits von den Gremien entschieden und im Investitionsprogramm bis 2021 drin. Der Rest, darunter der Bike-Park mit 3,7 Millionen Euro, ist teilweise schon in der Beratung, aber noch nicht abgesegnet. Um sich ein Bild der anstehenden Maßnahmen zu machen, unternahmen die Stadtverordneten jetzt eine „Oberzent-Rundfahrt“ und informierten sich direkt vor Ort.

Die Idee geht auf Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch zurück. „Wir sollten Dinge, über die wir entscheiden, vorher gesehen haben“, regte er an. Bei den 25 Teilnehmern rannte er damit offene Türen ein. „Wir konnten uns ein eigenes Bild der vielen Baustellen machen“, bekam er als positive Rückmeldung. Weyrauch verfolgte mit der Bustour noch einen weiteren Zweck: eine Art „Teambildung“ für die Stadtverordneten, damit sich nach der Konstituierung des neuen Gremiums im Sommer die Mandatsträger aus den verschiedenen Stadtteilen kennenlernen können.

Schon am Startpunkt, dem ehemaligen Rathaus und jetzigen Verwaltungsgebäude Beerfelden, wurde ein roter Faden deutlich: Hier wie auch bei anderen städtischen Liegenschaften ist eine energetische Sanierung dringend geboten. Außerdem ging es um den Umbau des Erdgeschosses zum Bürgerbüro, wozu auch aber noch ein paar Denkmalschutzaspekte zu klären sind. Einmal vor Ort, wurde auch gleich die Mammutbaustelle in der Ortsmitte in Augenschein genommen. Hier erneuert nicht nur Hessen Mobil die Fahrbahn, sondern die Stadt auch Wasserleitungen und Kanäle. Kostenpunkt: 4,3 Millionen Euro.

In Hetzbach waren Bahnhof und Hochbehälter ein Thema. Auch wenn der Odenwaldbahn-Haltepunkt Sache der Bahn ist, kommt die Stadt nicht umhin, im Umfeld bessere Bedingungen für ÖPNV-Nutzer zu schaffen. „Dafür sind noch keine Mittel eingestellt“, erläuterte Weyrauch. Für Hochbehälter und Wasserrückhaltebecken sind 500.000 Euro projektiert – eine Zahl, die viele noch nicht auf der Rechnung hatten.

Die Stadt hat ein Problem mit veralteten Feuerwehrhäusern, die dringend auf Vordermann gebracht werden müssen. Dabei geht es nicht nur um (teilweise gar nicht vorhandene) Heizungen oder undichte Fenster, sondern auch die Größe des Gebäudes. „Die neuen Fahrzeuge werden immer größer und passen nicht mehr rein“, verdeutlichte der Parlamentschef am Beispiel Schöllenbach.

Von Unter-Sensbach kommend, wo Gemeindezentrum und Sporthalle (mit einem Umbauvolumen von 450.000 Euro) angefahren wurden, waren Sensbacher Höhe und Bikepark das nächste Ziel. Bei der Projektvorstellung erfuhren die Parlamentarier, dass es vor kurzem einen Scoping-Termin bei der Behörde gab. In der nächsten Sitzung, so Weyrauch, soll der Bebauungsplan für dieses touristische Leuchtturm-Projekt auf den Weg gebracht werden, „damit mal Zug reinkommt“.

In Rothenberg angekommen, stand das Neubaugebiet Alt-Schulzenfeld mit seinen 40 Bauplätzen auf dem Programm. Angesprochen wurden eventuelle Probleme mit dem Winterdienst durch die Straßenpflasterung. An der Sporthalle thematisierte man die Restarbeiten im Außenbereich. „Ich wollte den Kollegen aus Sensbach zeigen, was dort alles an Eigenleistung gemacht wurden“, schmunzelte Weyrauch. Am ehemaligen Rathaus waren die Sanierung der Außenfassade ein Thema.

Etwas abgehetzt aufgrund des zeitlichen Verzugs traf die Gruppe in Falken-Gesäß ein, wo die Umbauarbeiten am Dorfgemeinschaftshaus im Mittelpunkt standen. Zum einen erhält das Gebäude neue Fenster, zum anderen soll als „Käffche“ eine Art Dorfmittelpunkt und Versammlungsraum entstehen. Bürgermeister Christian Kehrer hatte es organisiert, dass an jedem Standort Kita-Leitungen und Ortsvorsteher, teilweise auch Bauamtsleiter und Wassermeister, dabei waren, die die Materie erläuterten. Ihnen dankte Weyrauch für die Infos und ihre Mitwirkung.

Bei der Oberzent-Rundfahrt wurden die Kita-Einrichtungen in Unter-Sensbach, Kailbach, Beerfelden und Rothenberg angefahren. Denn steigende Kinderzahlen führen überall zu beengten Verhältnissen. Am besten steht Unter-Sensbach da, wo gerade eine zweite Gruppe eingerichtet wurde. „Der Kindergarten ist top“, freute sich Stadtverordneten-Vorsteher Claus Weyrauch. In den anderen drei „gibt es Handlungsbedarf“. Mittel dafür waren in diesem Jahr noch nicht im Etat eingestellt. „Die müssen in den 19er-Haushalt rein“, sagte er.

In Rothenberg läuft die Umbauplanung, damit ab 2019 eine Krippengruppe eingerichtet werden kann. In naher Zukunft muss außerdem eine Sanierung der Einrichtung innen und außen erfolgen. „Da müssen wir überlegen, wie das im laufenden Betrieb funktioniert“, sagte er. In Beerfelden muss man mindestens über einen Anbau nachdenken, da ein Gemeinschafts- zu einem weiteren Gruppenraum umgebaut wurde. Aber natürlich fehlt jetzt die bisherige Fläche an anderer Stelle.