Die Finki-Fans kennen kein schlechtes Wetter: Das Krautrock-Festival lief wieder super

Für die echten Finki-Fans gibt es kein schlechtes Wetter. Da werden wie am absolut verregneten Wochenende beim Krautrock-Festival im Odenwald Regenponchos in den wildesten Farben ausgepackt. Den Besucherzahlen tut der Dauerregen sowieso praktisch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Ohne den Herbsteinbruch im Hochsommer wären die Organisatoren wahrscheinlich auf einen neuen Rekord zugesteuert. „Trotz des miesen Wetters lief es super“, freute sich auf Seiten des mitveranstaltenden FC Finkenbachtal Armin Löffler.

Denn im Vorverkauf gingen ein paar hundert Karten mehr als im vergangenen Jahr über die Bühne. Angler-Gummistiefel ersetzen die normalen Schuhe, eine Filzkappe kollidiert modisch mit einer hellbraun-getönten Dieter-Thomas-Kuhn-Sonnenbrille – oder es geht gleich barfuß aufs Gelände, um den zehn Bands zu lauschen, die Mani Neumeier von „Guru Guru“ wieder zusammengetrommelt hat.

Aber auch sonst ein ähnliches Bild wie bei vorigen Festivals: Freitagabend füllte sich das Gelände zusehends, trudelten gegen 20 Uhr immer mehr Besucher ein. Allerdings ist dann immer noch ein Durchkommen zur Bühne, das am Samstag gegen Abend zunehmend schwieriger wird. Denn wenn traditionsgemäß gegen 21 Uhr Neumeier mit seinen Guru Guru auftritt, schließen sich die Reihen.

Die alten Herren rocken die Bühne wie eh und je. Kein Anzeichen von Müdigkeit bei den über 70-Jährigen, die im kommenden Jahr ihr 50-jähriges Bandbestehen mit einer rauschenden Party beim Finki 2018 feiern wollen. Vielleicht dann ohne die vielen Holzhackschnitzel auf der Wiese, um die schlimmsten Schlammlöcher zuzudecken. Und ohne ein Meer von Regenschirmen gegen das immer wiederkehrende Nass von oben.

Für Mastermind Mani Neumeier ist die Durchführung des „Guru-Feschts“, wie das Finki seit Beginn bei den Einheimischen heißt, immer wieder „eine große Ehre“. Denn als erstes Musikfestival im Odenwald vor 41 Jahren ins Leben gerufen, wird es jedes Jahr aufs Neue durchgeführt. Auch wenn die Sonne nicht vom Himmel knallt, merkt der Musiker immer, „dass das Feeling stimmt“. Aus den Rückmeldungen von Besuchern hat er erfahren, wie wichtig denen die große Fete in ihrem Kalender ist.

Neumeier spielt viele Konzerte auswärts, aber das Heimspiel ist für ihn etwas Besonderes. „Den Platz, die Musik, die Schwingungen“ empfindet er im Finkenbachtal anders. Das Gelände und die Atmosphäre sind für ihn außergewöhnlich. „Das ist echte und unverfälschte Kultur“, schwärmt er über die auftretenden Bands. Ohne viel „Hitparaden-Brimborium“ spielen auf „seinem“ Finki Gruppen außerhalb des Üblichen. „Das wird von den Leuten geschätzt“, weiß er.

Um immer wieder neue Acts zu finden, nutzt Mani Neumeier auch YouTube. Wie etwa bei „Jack Dupon“, dem Auftakt-Act vom Freitag. Die Franzosen mit außergewöhnlicher Musik und exaltiertem Aussehen „habe ich mir angehört und gebucht“. „Samsara Blues Experiment“ ist eine weitere Gruppe, die es auf diese Weise aufs Finki schaffte. Aber natürlich gehören Veteranen wie die britische Rocklegende Arthur Brown dazu wie das Salz in der Suppe. „So lange es diese Bands noch gibt, kommen sie auch immer wieder“, schmunzelt Neumeier.

Auf diese Weise will er den Fans etwas bieten, das es anderswo kaum gibt. Denn viele Festivals sind für ihn „ohne Gesicht und Griff für die Musik“. Schon vor 50 Jahren, meint Neumeier, „haben wir mit Guru Guru freche Musik gemacht“. Um sich dieses Mal total auszuleben, hat er sich mit Harald Grosskopf (Ashra Tempel) und Eberhard Kranemann (Ex-Kraftwerk) zwei altgediente Recken geholt, „um moderne Sachen zu spielen“.

Die Bandbreite beim Finki ist sowieso phänomenal. „Jobarteh Kunda“ etwa sind eine international besetzte Truppe mit Musikern aus Afrika, der Karibik, den USA, Italien und Deutschland. „DeWolff“ ist eine niederländische Band aus dem Bereich Psychedelic- und Bluesrock. Die „Kunens Män“ aus Stockholm stehen für Improvisationen aus Krautrock, Shoegaze, Noiserock und Free Jazz. Ob er das Finki in einem kurzen Satz charakterisieren kann? Da kommt Mani Neumeier angesichts der vielen Jahre und Eindrücke doch etwas ins Überlegen. „Legendäres Festival mit Herz“, meint er dann nach einer halben Minute sinnierend.

„Das Finki ist einmalig“, betonte der zweite Vorsitzende des FCF, Armin Löffler. „Wohin kommen so viele Besucher, wenn es zwei Tage in Strömen gießt“, meinte er. Die Zuschauerzahl sei angesichts dieser Wetterbedingungen „optimal“ gewesen. Der Samstag war wie immer „sehr gut besucht“. Löffler notierte „nur positive Rückmeldungen“ der Fans aus Deutschland, Schweiz, Österreich oder den Benelux-Staaten, die teilweise seit Jahrzehnten das Finki besuchen.

Die „absolut friedliche, große Feier“ dauerte bis nach 6 Uhr am Sonntagmorgen. „Als ich um 6.30 Uhr nach Hause ging, standen immer noch ein paar am Bierstand“, lachte Löffler. „Dass so etwas mitten im Ort stattfindet“, sorgt bei den Gästen immer wieder für Begeisterung, beobachtete er. Dazu kommt die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. „Das ganze Dorf macht mit“, bedankte er sich bei den Anwohnern.

Heute ist weitere Arbeit angesagt: Durch den nassen Untergrund sind viele Camper mit ihren Fahrzeugen am Finkenbach buchstäblich abgesoffen. Mit Traktoren oder anderem schweren Gerät der Bauern geht es nun daran, die Autos aus dem Sumpf zu ziehen und wieder auf die Straße zu schleppen. Aber das schockt die wenigsten. „Das war vor zwei Jahren auch schon so“, hieß die lakonische Antwort einer Betroffenen.

 

 

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Finki-Festival: Warten auf das Ende des Regens

Nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Tage kam auch heute wieder mehr Wasser als nötig in Finkenbach vom Himmel. Die Helfer des FC Finkenbachtal waren den ganzen Tag über beschäftigt, alles für den Start um 19 Uhr trockenzulegen. Die eingefleischten Fans ließen sich davon nicht beeinflussen und bauten unverdrossen ihre Zelte auf. Auch die restlichen Aufbauarbeiten gingen reibungslos über die Bühne. Programm Finki-Festival 2017: Freitag, 11. August, Einlass 17 Uhr, 19 Uhr Jack Dupon, 21 Uhr Neumeier (Guru Guru) & Grosskopf (Ashra Tempel) & Kranemann (ex-Kraftwerk), 23 Uhr Pretty Things, 1 Uhr Samsara Blues Experiment. Samstag, 12. August, Einlass 13 Uhr, 15 Uhr Jobarteh Kunda, 17 Uhr Ease Up Ltd, 19 Uhr DeWolff, 21 Uhr Guru Guru, 23 Uhr Arthur Brown, 1 Uhr Kungens Män. Weitere Infos unter http://www.finki-festival.de

Beim Finki-Festival ist der gesamte FC gefordert

Wenn es auf das „Finki“-Festival, das „Woodstock im Odenwald“, zugeht, ist beim mitveranstaltenden FC Finkenbachtal immer viel Arbeit angesagt. Bereits einen Monat vor dem Event am zweiten Augustwochenende starten die Arbeiten auf dem Festplatz neben Sportgelände und Freibad. Dann beginnt eine eingeschworene Truppe von zehn bis 15 Vereinsmitgliedern, die drei in Zuständigkeit des FC fallenden Zelte aufzubauen. Neben Gastro- und Bierzelt ist das auch der Backstagebereich.

„Die Rentner sind dann tagsüber fast jeden Tag anzutreffen“, schmunzelt der zweite Vorsitzende Armin Löffler. Abends kommen dann die Berufstätigen mit dazu und packen an. Etliche Strom- und Wasserleitungen gilt es außerdem zu verlegen. Übers Wochenende vom 11. bis 13. August, wenn dann die Musik spielt, hat der FC 120 Helfer in verschiedenen Schichten im Einsatz. Dazu kommen noch Feuerwehr und Rotes Kreuz.

In der letzten Woche vor dem Happening, das die Kultband „Guru Guru“ mit ihrem Mastermind Main Neumeier musikalisch ausrichtet, herrscht auf Vereinsseite Hochbetrieb. Allerdings ohne viel Hektik, denn der FC ist organisatorisch ja schon seit 30 Jahren mit im Boot. „Uns kann nichts mehr schocken“, blickt Löffler gelassen auf mögliche unvorhergesehene Ereignisse.

Aktuell steht der Zaunaufbau rund um das Gelände an. 110 Elemente à drei Meter sind zu stellen, die danach mit einer undurchsichtigen grünen Plane verkleidet werden. Damit es eben nicht zu viele „Zaungäste“ gibt, die sich den Eintritt ersparen wollen. Der Klassiker beim Finki sind immer die FC-Bratkartoffeln. Damit diese in rauen Mengen bereit stehen, sind im Vorfeld die Hausfrauen des Orts gefordert. 50 von ihnen sind es, die sich ums Abkochen der Kartoffeln kümmern, die auch noch geschnippelt werden müssen.

Noch einmal die gleiche Zahl an Hausfrauen macht sich kurz vor dem Fest ans Backen der diversen Kuchen, die dann die Theke zusammen mit dem Kaffee füllen und die Leckermäuler begeistern. Bei den Fleischwaren setzt der Verein ganz auf die Regionalität, denn sie werden von der Metzgerei Beisel und Jehle und Rothenberg bezogen. Das Bier kommt in Form der Marke Radeberger von etwas weiter her. Erstmals gibt’s in diesem Jahr Pepsi statt Coca Cola. „Wir zapfen die aus 25-Liter-Behältern“, so Löffler. Damit fällt das umständliche Hantieren mit den Flaschen weg.

Die Verpflegung ist das eine, die Instandsetzung des Platzes das andere. Jürgen Bartmann kümmert sich um das Mähen des Rasens. Danach kommt die Feuerwehr angerückt und zieht „Schneisen“ mit Flatterband, um Rettungswege freizuhalten. Die Brandschützer sind auch bei der Statik der Bühne gefordert. An jeder Ecke wird ein Tank mit 20 Kubikmeter Wasser platziert, damit sie bei Wind nicht ins Schwanken gerät.

Ein „Renner“ waren im vergangenen Jahr die Öko-Toiletten, weshalb es sie diesmal wieder gibt. „Die kamen beim Publikum sehr gut an“, lacht Löffler. Denn sie arbeiten ohne Chemie. Wer aufs stille Örtchen geht, schmeißt vorher erst einmal eine Ladung Sägemehl hinein…

Nachdem auch immer mehr Festivalgäste den Luxus eines Bettes zu schätzen wissen, sind die meisten Übernachtungsmöglichkeiten jetzt schon ausgebucht. Das macht es für Löffler gar nicht einfach, für die Bands noch ein zusätzliches Zimmer aufzutun, wenn sich bei diesen die Anzahl der Mannschaft ändert. Die Musiker sind in der Raubach, in Gammelsbach und in Beerfelden sehr Finkenbach-nah untergebracht.

Traditionsgemäß stehen natürlich im kompletten Finkenbachtal etliche Zeltplätze zur Verfügung – für all diejenigen, die authentische Festivalluft schnuppern wollen. Vom Gelände bis an den Ortsausgang Richtung Ober-Hainbrunn zieht sich in der Regel ein buntes Zeltmeer den Bach entlang. Frühstücken können die Camper im Schwimmbad, das auch eine kleine Auswahl an Lebensmitteln bereithält, nachdem der kleine örtliche Laden im Mai zumachte. Über den Mittag ist jeweils der „rollende Bauernladen“ an der ehemaligen Metzgerei vor Ort, damit es an nichts mangelt. Samstag und Sonntag kommt die Rentnerbrigade schon frühmorgens vorbei, um das Gelände wieder ordentlich herzurichten.

Für Mani Neumeier ist das Finki immer „das Highlight des Jahres“. Er freut sich, in Finkenbach vor vielen alten Bekannten zu spielen und ebenso viele wiederzutreffen. 2018, das ist jetzt schon klar, wird es ein großes Hallo geben. Denn dann wird Guru Guru 50 Jahre alt. Neumeier macht sich schon jetzt Gedanken, wie dies gebührend gefeiert werden kann.

Programm Finki-Festival 2017

Freitag, 11. August, Einlass 17 Uhr, 19 Uhr Jack Dupon, 21 Uhr Neumeier (Guru Guru) & Grosskopf (Ashra Tempel) & Kranemann (ex-Kraftwerk), 23 Uhr Pretty Things, 1 Uhr Samsara Blues Experiment. Samstag, 12. August, Einlass 13 Uhr, 15 Uhr Jobarteh Kunda, 17 Uhr Ease Up Ltd, 19 Uhr DeWolff, 21 Uhr Guru Guru, 23 Uhr Arthur Brown, 1 Uhr Kungens Män. Vorverkauf online bei Reservix, per E-Mail unter ticket@finki-festival.de , telefonische Kartenbestellung unter 06235/491997, Hard-Tickets gibt es in Heidelberg – Crazy Diamond, Mannheim – Come Back, Finkenbach – Bäckerei Hering, Würzburg – H 2 O Plattenladen, Aschaffenburg – Echobeat, Darmstadt – Come Back. Weitere Infos unter http://www.finki-festival.de

 

Vorbereitung für die Wiedereröffnung des Finkenbacher Freibads ist quasi abgeschlossen

Alles neu macht der Mai. Wenn er dazu noch den Schalter von April- auf Sommerwetter umlegt, dann haben sich die Vorarbeiten für die Wiedereröffnung des Finkenbacher Freibads gelohnt. Hand in Hand liefen in den vergangenen Wochen die Vorbereitungen von Gemeinde-Bauhof, Heimat- und Verschönerungsverein (HVV) Finkenbach, Raubach und Hinterbach sowie der neuen Kiosk-Pächterin Mareike Niesen. Mit dem schönen Erfolg, dass eine Woche vor dem „Soft-Opening“ am 6. Mai bis auf Kleinigkeiten alles fertig war.

„Wir unterstützen den Bauhof, wo es nur geht“, unterstrich der zweite HVV-Vorsitzende Christian Niesen. So wurde neben dem Technikgebäude durch die Gemeinde eine zementierte Bodenplatte hergestellt, auf die dann die HVV-Mitglieder eine Holzhütte errichteten. Die soll in der Saison als Lagermöglichkeit für Sonnenschirme und Liegestühle der Besucher dienen.

Der Verein griff außerdem kräftig in die Kasse und spendierte dem Kiosk einen hochwertigen Gastro-Kaffeevollautomaten. Der soll auch anderen Finkenbacher Vereinen bei Bedarf ausgeliehen werden. Kühltruhe, Fritteuse, Grill, Pizzaofen und Regale sind weitere Anschaffungen, die auf das Konto der Pächterin gingen. „Da kam einiges zusammen“, so Niesen.

Die Gemeinde ließ sich aber auch nicht lumpen. Eine neue Metallbrücke statt der bisherigen Holzkonstruktion führt nun über den durchs Gelände plätschernden Finkenbach auf dessen andere Seite, wo eine weitere Liegeweise auf die Besucher wartet. Vom HVV wurden sämtliche Bänke und Tische frisch gestrichen und etwas marode Holzlatten ersetzt. Außerdem machten die Mitglieder auf dem über 3700 Quadratmeter großen Gelände die Maulwurfshügel platt, damit der Bauhof durchmähen kann.

Im 1933 gebauten Freibad gibt es ein Schwimmerbecken mit 25 auf 12,5 Meter und einer maximalen Tiefe von 1,90 Metern. Sein Wasser wurde vergangene Woche abgelassen, um das Becken vor Beginn komplett zu säubern. Außerdem wird es von einer Wartungsfirma in Augenschein genommen. Das Kinderbecken hat einen Durchmesser von etwa sechs Metern. Es soll laut Niesen im Herbst umgebaut werden. Bis zur Eröffnung reichte die Zeit nicht mehr.

Geplant ist laut Niesen auch eine Nachtbadeaktion an subtropischen Sommerabenden, die man sich bei den Hetzbachern abgeschaut hat. Eine eigene WhatsApp-Gruppe soll über jeweilige wetterabhängige Öffnungszeiten, Wassertemperatur oder besondere Aktionen auf dem Laufenden halten. In Planung ist noch eine „Guthabenverzehrkarte“, damit Kinder nicht mit so viel Bargeld rumlaufen müssen.

Wie Niesen sagte, ist der Verein schon lange Jahre aktiv in die Aktivitäten rund ums Schwimmbad eingebunden. „Wir machen die Vorarbeiten und stellen einen Teil der Badehelfer.“ Deshalb konnte man frühzeitig planen, als klar war, dass der bisherige Pächter aufhören würde. „Wir haben uns dann ein Modell überlegt, wie es in Eigenregie funktionieren würde.“

Das idyllische, im Finkenbachtal gelegene Bad ist für Niesen eines der schönsten in der Region. So attraktiv, dass neben den Rothenbergern auch viele Gäste aus Hirschhorn, Beerfelden, Wald-Michelbach oder sogar Neckargemünd zu Besuch kommen, um die Ruhe zu genießen. Spiel- und Bolzplatz neben dem Freibad-Gelände laden die Kinder zum Herumtollen ein.

Zur Attraktivität trägt laut dem HVV-Mann auch bei, dass „wir Trinkwasserqualität haben“. Die Chlorung werde aufs Minimum zurückgefahren, sodass selbst hautsensible Schwimmer in der Regel damit keine Schwierigkeiten hätten. Im vergangenen Jahr hatte die Gemeinde viel Geld in die Wasseraufbereitungsanlage investiert.

Die Hoch-Zeit ist immer das Guru-Fest. Dann bietet das Freibad „die einzige reguläre Dusche im ganzen Tal“, schmunzelt Niesen. Die Woche davor und danach herrscht Hochbetrieb auf dem Gelände. Nicht nur für diesen Anlass wurde ein „Finki-Burger“ kreiert. Beim Fleisch, auch bei anderen Produkten setzt man auf das regionale Prinzip, bezieht möglichst viel von Produzenten aus der Region oder verkauft wie beim Kaffee fair gehandelte Ware.

Nach der wetterabhängigen vorzeitigen Öffnung am 6. Mai steht am Samstag, 13. Mai, das große Eröffnungsfest des Heimat- und Verschönerungsvereins an. In diesem Rahmen gibt es einen Flohmarkt mit Kaffee und Kuchen ab 12 Uhr. Spenden können von 9 bis 11.30 Uhr abgegeben werden Der Erlös kommt neuen Spielgeräten auf dem Spielplatz vor dem Bad zugute sowie wird für Anschaffungen zugunsten von Kindern verwendet. Die musikalische Umrahmung startet um 15 Uhr, um 16 Uhr wird der Grill angeschmissen. Das Bad ist ab 6. Mai je nach Wetter jeden Tag von 10 bis 19 Uhr geöffnet, an besonders schönen und lauschigen Sommerabenden auch etwas länger. Mehr auf Facebook unter Freibad Finkenbach oder Telefon 06068-478673.

Das Line-up fürs 35. Finki-Festival am 11. und 12. August in Finkenbach steht fest – natürlich wieder mit Guru Guru

Es sind zwar noch fast fünf Monate bis zum „Finki“, dem Krautrock-Festival im Odenwald Mitte August, doch alle Fans der Traditionsveranstaltung können sich den Termin schon einmal dick im Kalender anstreichen. Denn das Line-up der 35. Auflage ist jetzt bestätigt – und das 41 Jahre nach dem ersten Festival. Zwei Unterbrechungen erklären die Zahlendifferenz.

Natürlich wieder mit dabei: die Gründer von „Guru Guru“ um Mani Neumeier. Neun weitere Bands und Solisten haben die Organisatoren für das Wochenende des 11. und 12. August zusammengetrommelt, die auf dem Festivalgelände beim Sportplatz des 450-Seelen-Dorfs zwei Tage lang für ausgelassene Stimmung und einen Hauch von Odenwald-Woodstock sorgen werden.

Neben „Guru Guru“ im 49. Jahr ihres Bandbestehens sind im Rothenberger Ortsteil am Start: am Freitag, 11. August, ab 19 Uhr (Einlass 17 Uhr) Jack Dupon, Neumeier (Guru Guru) & Grosskopf (Ashra Tempel) & Kranemann (ex-Kraftwerk) (21), Pretty Things (23) und Samsara Blues Experiment (1 Uhr). Der Samstag, 12. August, beginnt um 15 Uhr (Einlass 13 Uhr) mit Jobarteh Kunda, gefolgt von Ease Up Ltd (17), DeWolff (19), Guru Guru (21), Arthur Brown (23) und Kunens Män (1 Uhr).

Jack Dupon ist eine französische AvantProg-Band, die im Jahr 2004 gegründet wurde. Die Band sieht ihren experimentellen Stil in der Tradition der Rock-in-Opposition-Bewegung und bewegt sich zwischen Progressive Rock, Zeuhl, Punk und Noise. The Pretty Things ist eine der ältesten noch aktiven englischen Rockbands. In den 1960er Jahren galt sie als eine der wildesten Gruppen. Samsara Blues Experiment ist eine deutsche Hardrock-/Stonerrock-Band, die 2007 von Christian Peters nach dessen Ausstieg als Gitarrist bei Terraplane gegründet wurde.

Jobarteh Kunda sind eine international besetzte Truppe mit Musikern aus Afrika, der Karibik, den USA, Italien und Deutschland. Die Band kommt aus München und besteht seit 1999. Ease Up Ltd. spielen authentischen Reggae und würzen diesen mit einer Prise Ska und etwas Dancehall. Die Einflüsse der Darmstädter Band liegen jedoch unüberhörbar vor allem im Rootsreggae der 80er und 90er Jahre. Über die Urgesteine Guru Guru mit Mastermind Main Neumeier muss man natürlich keine Worte verlieren.

DeWolff ist eine niederländische Gruppe aus dem Bereich Psychedelic- und Bluesrock. Sie wurde 2007 in Geleen gegründet und besteht aus den Brüdern Luka und Pablo van de Poel sowie Robin Piso. Die Kunens Män aus Stockholm stehen für Improvisationen aus Krautrock, Shoegaze, Noiserock und Free Jazz. Arthur Brown ist eine britische Rocklegende, die schon mehrfach beim Finki zu Gast war. Er verfügt über eine mehrere Oktaven umfassende Stimme.

„Die Einmaligkeit dieser Veranstaltung“ und absolut positive Resonanz der Besucher ist laut Armin Löffler vom mitveranstaltenden FC Finkenbachtal die Motivation für alle Beteiligten, jedes Jahr das Festival wieder auf die Beine zu stellen. Der FC ist seit 1988 mit im Boot und kümmert sich um die Verpflegung. Nach dem Finki ist dabei schon vor dem Festival: Die Planungen für dieses Jahr starteten bereits rasch nach dem letztjährigen Event. Dazu setzten sich Löffler, der Vorstand des FC, Karl-Heinz Osche, der Booker von Guru Guru, und Mani Neumaier, Chef der Band, zusammen.

Wen verpflichtet Mani Neumaier fürs Finki? „Die Bands müssen mir gefallen“, erläutert er, musikalisch hochwertig sein, authentisch. „Keine Coverbands und keine Popsülze“ ist ein weiteres Kriterium. „Oft kenne ich sie persönlich, ich sehe mir Live-Auftritte oder Filme an“, erzählt er. Der besondere Reiz des Finki ist für ihn: „Ich kann echte Kultur machen, jenseits von kommerziellen Absichten.“ Auf dem Festival könne er „Bands featuren, die nicht nach der Hitparade schielen“.

„Es war 1976, als ein Fest der Finkenbacher Feuerwehr zu scheitern drohte, weil die Kapelle kurzfristig absagte“, erzählt Armin Löffler die Entstehung. „Spontan boten vier Wahl-Finkenbacher ihre Hilfe an: Mani Neumeier und seine Band Guru Guru.“ Die für ein Feuerwehrfest recht ungewöhnlichen Klänge seien so gut angekommen, dass Mani und Wilhelm Hotz, der inzwischen verstorbene, damalige Feuerwehrhauptmann, fürs nächste Jahr eine Fortsetzung planten. „Das Finkenbach-Festival war geboren.“ Und erhielt im Ort den Namen „Guru-Fescht“.

Als die Besucherzahlen die Grenze von 10.000 überschritten, „drohte das kleine Dorf zu kollabieren“, weiß Löffler. Deshalb sei 1984 das Festival eingestellt worden, um 1988 neu aufzuleben. Seit dieser Zeit ist auch der FC Finkenbachtal mit im Boot und kümmert sich um die Verpflegung. Nach der zweiten Einstellung 2005 „aufgrund von massiven Polizeikontrollen und dementsprechendem Rückgang der Besucherzahlen“ erfolgte das Revival 2008. Seitdem läuft das Festival bis heute.

Info: www.finki-festival.de, Kartenvorverkauf online bei www.reservix.de, per E-Mail unter ticket@finki-festival.de, telefonisch unter 06235/491997. Hard-Tickets gibt es: in Heidelberg bei Crazy Diamond, in Mannheim bei Come Back, in Finkenbach bei der Bäckerei Hering, in Würzburg beim H2O Plattenladen, in Aschaffenburg bei Echobeat und in Darmstadt bei Come Back.

 

Das Finki 2016 verlief „absolut bombastisch“

Vom Ortseingang zieht sich eine bunte Zeltlandschaft bis in die Dorfmitte zum Sportplatz. Genauso lang ist in alle Richtungen die Schlange der parkenden Autos. Zum morgendlichen Nebel über den Zelten mischen sich auch andere Gerüche. Menschenmassen sind auf den sonst wenig befahrenen Ortsstraßen unterwegs. Es ist wieder „Finki-Time“. 40 Jahre nach der Premiere des damaligen „Guru-Feschds“ pilgern in diesem Jahr besonders viele Zuschauer zum Woodstock des Odenwalds. Das Schöne dabei: Alles läuft absolut friedlich und harmonisch ab.

Weil deutlich mehr los ist als im vergangenen Jahr, strahlen die Veranstalter übers ganze Gesicht. Schon am Freitagabend stehen die Gäste auf der Wiesenfläche neben dem Sportplatz dicht gedrängt, ist zur Bühne hin kaum noch ein Durchkommen. Das hat sicher auch mit den Line-up zu tun, das Mani Neumeier mit seinen Mitstreitern Armin Löffler vom FCF und Guru-Guru-Booker Karl-Heinz Osche wieder auf die Beine gestellt hat.

Alte Krautrock-Helden wie Amon Düül II, Kraan oder eben Guru Guru geben sich dabei auf der Bühne die Klinke in die Hand mit den jungen Wilden von „Mothers Cake“ oder „Sienna Root“. Dazu kommen noch die in Ehren ergrauten Hardrocker von Epigraph, die den Freitag eröffnen. Dass die deutsche Band einen Namen in der Szene hat, zeigt sich am für die „frühe Stunde“ sehr guten Besuch. My Sleeping Karma, Electric Orange, Marblewood und Coogans Bluff hießen die weiteren Bands.

Das 75-jährige Guru-Guru-Mastermind zeigt sich im Gespräch absolut begeistert vom Festivalverlauf. „Alles läuft optimal und es herrscht eine Bombenstimmung“, sagt der Schlagzeuger. Ein „auserwähltes Publikum“, das in die Jahre gekommen sei, feiere zusammen mit jüngeren, die genauso auf die alte, handgemachte Musik stehen. „Die neuen Bands haben einen tollen Eindruck hinterlassen“, fügt Neumeier hinzu. Nach wie vor ist er auch 40 Jahre nach dem Festival-Start „begeistert von der tollen Atmosphäre“.

Die wird ebenso von den Zuschauern geschätzt, die mal schon Jahrzehnte, mal etliche Jahre zum Finki kommen. Vera aus Hirschhorn ist etwa mit ihren zwei Kindern schon zwei Tage vorher die paar Kilometer den Finkenbach aufwärts gefahren, um vor Ort zu campen und das besondere Flair zu genießen. „Das 70er-Jahre-Revival lebt vom Zusammenhalt aller“, lobt sie das große Gemeinschaftswerk des ganzen Ortes. Sie schätzt daneben die „Musik von früher von jungen Bands“.

Stammgäste seit den ersten Konzerten sind Horst Kowarsch und seine Frau Elisabeth aus Beerfelden. Es sei etwas Sensationelles, „dass in einem so kleinen Ort ein solch großes Event stattfindet“, meint er. Was hier musikalisch geboten werde, schätzt Kowarsch als „außergewöhnlich für den ganzen Odenwaldkreis“ ein. Seine Schwester komme an dem Finki-Wochenende extra aus Hamburg, sein Bruder aus Bonn.

Vor 60 Jahren zog Rainer Maurer als Frankfurter nach Finkenbach. „Das Finki hat mich mein Leben lang begleitet“, sagt er. Ihn beeindruckt immer wieder, „wie friedlich alles über die Bühne geht“. Er ist im Hintergrund im Küchenteam aktiv („Ich habe gerade zwei Tage lang Pommes geschnippelt“), hört sich aber ebenso gerne die Musik an. „Wacken würde mich auch mal interessieren“, gesteht Maurer.

Linda Cetin aus Grasellenbach campt mit Freund und Kindern ebenfalls schon vorher in der Nähe des Festplatzes. „Das ist wie Urlaub“, meint sie, auch wenn ihr Wohnort gerade mal ein paar Kilometer entfernt ist. Musik, Feeling, Atmosphäre sind für sie besonders an diesem Event, das sie nun das dritte Mal besucht. Und das, schmunzelt sie, „obwohl ich gar nicht so auf die Musik von Guru Guru stehe“.

Die aufs Gelände strömenden Fans machen die große Bandbreite derer deutlich, die vom Finki angezogen werden. Altgediente Fans aus den 70ern Jahren mit freiem, tätowiertem Oberkörper, Rauschebart und weiter Schlabberhose sind ebenso dabei wie Jugendliche, die Gefallen an der Musik ihrer Eltern gefunden haben. Der ganz normale Party-Freizeitlook findet sich genauso wie Hippies mit Rastalocken oder Flower-Power-Mädchen.

Dass die Fans auch aus Frankreich, Österreich und der Schweiz kommen, ist für Löffler schon Normalität. Weite Strecken sind gang und gäbe, berichtet er von einer Anfrage, bei der aus dem 700 Kilometer entfernten Schwerin eine Mitfahrgelegenheit zum Finki gesucht wurde. Die Fans wissen warum: „Amon Düül II“ etwa treten nur noch sehr wenig auf, und das Konzert in Finkenbach ist es eines der wenigen in diesem Jahr überhaupt.

Aber auch „Mother’s Cake“ wussten mit ihrem ekstatischen, an Led Zeppelin angelehnten Spiel zu begeistern. Die drei Mannen von „Kraan“ bestachen durch die ausufernden Soli, das blinde Zusammenspiel und die irren Bass- und Gitarrenläufe. Über „Guru Guru“ als Headliner mit Mani Neumeier am Schlagzeug muss man keine Worte mehr verlieren.

„Alles ist super gelaufen, wir sind top zufrieden“, meinte Löffler in einem schnellen Fazit gestern Mittag. Beschwerden seien ihm auch noch keine zu Ohren gekommen, so der FCF-Mann. Einfach „absolut bombastisch“. Beste Voraussetzungen also für eine Fortsetzung des Woodstocks im Odenwald, das 2017 in sein 41. Jahr gehen würde.

Ein ganzes Dorf steht seinen Mann. Gemeinschaft wird groß geschrieben, wenn die Finkenbacher jedes Jahr rund um das zweite August-Wochenende in die Hände spucken, um wieder das „Guru-Feschd“, wie das Finki-Festival liebevoll im Ort genannt wird, durchzuführen. Nicht nur die Fußballer vom FC sind mit 200 Mann und Frau an der Organisation und Durchführung beteiligt, auch viele Einwohner helfen mit – indem sie etwa Massen an Kartoffeln abkochen oder unzählige Kuchen spenden. Von über 150 ist die Rede.

Dazu kommen über die beiden Tage noch um die 50 Feuerwehr-Angehörige aus allen Rothenberger Ortsteilwehren mit Schwerpunkt auf Finkenbach, die sich um die Parkplatz-Einweisung kümmern. Die Brandschützer aus dem Ort selbst fahren dann oftmals „Doppelschichten“, schmunzelt Wehrführer Rüdiger Seip. „Wenn sie bei uns aufhören, machen sie beim FC direkt weiter“, beschreibt er die Verzahnung der beiden Vereine.

Das besondere Ambiente und die einzigartige Atmosphäre macht Seip auch an einer anderen Geschichte fest. Vor genau 40 Jahren fand das Finki zum ersten Mal statt – damals als Feuerwehrfest. Als am Sonntag die Musik spielen sollte, stand gleichzeitig das Endspiel der Fußball-EM 1976 an. Das Zelt war brechend leer. Kurzerhand wurde beschlossen, das Konzert auf einen Tag später zu verlegen. Ergebnis: volles Haus. Mani Neumeier, erinnert sich Seip, meinte aber zu den Besuchern: „Wir haben etwas vergessen: Eintritt zu kassieren. Geht doch alle nochmal raus, bezahlt und kommt wieder rein.“ Und keiner murrte….

Die Parkplatz-Einweisung „läuft ganz entspannt“, meint der stellvertretende Kortelshütter Kommandant Timo Fink. In den acht Jahren seit er dabei sei, „hat mich noch keiner blöd angemacht“. Bei der älteren, mit dem Finki groß gewordenen Generation sei sowieso alles kein Problem, ergänzt Seip. „Die sind die Ruhe selbst.“ Nur die Jüngeren seien manchmal etwas ungeduldiger. Und schließlich, so der Finkenbacher, diene alles einem guten Zweck, wenn der FC den Erlös für seine Jugendarbeit verwende. „Die kann man gar nicht hoch genug einschätzen“, so Seip.

Aus den Reihen des FC kommen auch die Sanitäter mit der entsprechenden Ausbildung, die das Festival an beiden Tagen von Beginn an bis spät in die Nacht begleiten und dafür ihre Freizeit opfern. Im Gegensatz zu anderen Events sei das Finki „ein ganz, ganz friedliches Festival“, betont Christian Niesen. Da gebe es vielleicht mal einen Bienenstich, einen verknacksten Fuß oder einen Schnitt von einer Glasscherbe. „Nicht zu vergleichen mit den großen Volksfesten“, hebt er hervor. Für Niesen ist es toll, „dass ein ganzer Ort sich so einbringt“.

Die Hauptlast der Arbeit lastet auf den Schultern des FC Finkenbachtal. Der kann auf seinen treuen Helferstamm bauen, der schon 14 Tage vorher mit den Arbeiten beginnt. „Jeden Tag von 5 bis 22 Uhr wird geschafft“, betont der zweite Vorsitzende Armin Löffler. Dazu zählen der Aufbau von Bier-, Kaffee- und Essenszelt, letzteres in einer Dimension von 15 Mal sieben Metern. Außerdem werden noch 100 drei Meter lange Gitterelemente montiert, kommt Sichtschutz an diese und stellen die FC-Helfer die nötigen Verkehrsschilder auf.

Wenn dann das Festival direkt vor der Tür steht, geht’s erst richtig mit der Arbeit los. Mittwochs werden die unzähligen Kartoffelsäcke angeliefert. 26 von diesen gehen gleich weiter in die Nachbarschaft, wo Helfer aus der Einwohnerschaft sie vorkochen, damit sie dann geschnippelt und zu Bratkartoffeln verarbeitet werden können. Am Tag selbst glühen in der Küche des Vereinsheims die Kochstellen. In vier Töpfen werden ab 14 Uhr nonstop die restlichen Erdäpfel abgekocht.

Und selbst abends um 22 Uhr ist noch eine ganze Kartoffelschälbrigade am Werkeln, damit es auch am nächsten Tag noch genügend Vorräte gibt. Derweil werden die Zwiebeln durch den Mixer gejagt, damit sie auf die frisch aufgeschnittenen Brötchen zusammen mit dem Matjesfilet gelegt werden können. „Wir bereiten das ganze Essen vor Ort zu“, sagt Löffler.

Armin Löffler gehört auch zu den Vereinsmitgliedern der ersten Stunde, die beim Neustart 1987 mit im Boot waren. „Ich habe damals Mani gefragt, ob er wieder anfangen will“, erzählt er. Denn er wollte kein 08/15-Fest für den FC haben. Neumeier sagte ja und es konnte wieder losgehen. Die Musik sei in den all den Jahren fast immer gleich geblieben, nur zwischendurch „haben wir mal experimentiert“, lächelt Löffler.

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„Finkenbach ist einzigartig“: Auch in seiner 33. Auflage hat das „Finki-Festival“ nichts von seiner Anziehungskraft verloren

 

Der Regenbogen über Rothenberg macht am Samstagabend kurz vor dem Guru-Guru-Auftritt die Illusion perfekt: Es ist nicht das Jahr 2015, sondern 1968 oder 1969. Einige tausend Hippies und Flower-Power-Fans haben sich in Finkenbach zusammengefunden, dem Woodstock im Odenwald. Vorne auf der Bühne wird Musik aus den späten 60ern oder frühen 70ern gespielt, entweder von den Originalen oder ihren heutigen Epigonen – im positiven Sinn.

Zehn Bands stehen am Freitag und Samstag auf der Bühne im Finkenbachtal, entführen mit ihren Klängen 40 oder 50 Jahre zurück in die Zeit. Die „Oldtimer“ unter den Musikern haben im Laufe der Jahrzehnte noch überhaupt nichts von ihrer Spielfreude verloren, präsentieren sich kreativ wie eh und je. Im Gegenteil: je oller, desto doller, möchte man meinen.

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Guru Guru um Mani Neumaier etwa, als Mitveranstalter und Headliner des „Finki“ sehnlichst erwartet, zeigen gleich mit ihrer ersten Nummer den jungen Bands, was eine Harke ist. Druckvoll, filigran, komplex schallt es so laut aus den Boxen, dass vor der Bühne der Rasen vibriert. Neumaier kokettiert vor dem Auftritt noch mit den verflossenen 47 Jahren seit Bandgründung und der Schnapszahl „33“ – so oft fand bisher das Festival statt.

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Mit geschlossenen Augen könnte aber auch die Auftaktband des Samstags, „Mars Mushrooms“, direkt den 70er Jahren entsprungen sein. Die ausufernden, perfekten Gitarrensoli und leicht psychedelischen Klänge erinnern an die Rockgrößen der damaligen Zeit. Die vier Musiker haben deutlich Spaß an der Sache, auch wenn der Platz zu dieser Zeit noch eher überschaubar gefüllt ist.

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Erst nach 16 Uhr strömen an diesem Tag die Gäste heran, wird es zunehmend voller im Finkenbachtal. Gegen 20 Uhr, als sich der Konzertabend langsam auf seinen Höhepunkt zubewegt, müssen Nachzügler weit außerhalb parken. Schon einen Kilometer vor dem Ort steht die Freiwillige Feuerwehr (die sich übers ganze Wochenende um die „Parkraumbewirtschaftung“ kümmert) und fängt die Autofahrer ab.

Die Camper haben es leichter – und es sind viele von ihnen, die das Tal zwei Tage lang zu einer Zeltstadt machen. Aufgrund des unsicheren Wetters mit einigen Schauern gehört dazu auch eine gehörige Portion Idealismus und Durchhaltevermögen – auch wenn sich die Bodenverhältnisse zum Glück nicht dem Matsch von Wacken annähern.

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Dem Einfallsreichtum in punkto Kleidung sind beim „Finki“ keine Grenzen gesetzt. Schlaghosen und schreiend bunte Hemden kamen sowieso nie aus der Mode, hat man das Gefühl. Die überdimensionalen Brillen schlummern wohl immer ein Jahr lang vor sich hin, bis sie zum Finki wieder aus der Schublade geholt werden. Auch sonst ist alles erlaubt, was auch nur entfernt an die Hoch-Zeit des Krautrocks erinnert.

Für Hans aus Heilbronn ist das Finki ein „Pflichttermin“ unter den jährlichen Konzertbesuchen. „Ich kenne den Mani noch aus den 70er Jahren in Heidelberg“, erzählt er. Von 1980 bis 96 wohnte er dann selbst in Rothenberg und war natürlich immer dabei. Nach dem Wegzug war erstmal 15 Jahre Pause, aber los kam er nie vom Festival. „Finkenbach ist einzigartig“, sagt Hans, der selbst im Eventbereich tätig ist. „Das Ambiente, die Bands, die Atmosphäre, einfach alles.“ Seine Freundin Renate ist das erste Mal dabei, aber gleich vom ganzen Drumherum angetan.

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Auch Michael aus Beerfelden ist ein „Wiederholungstäter“. Er genießt den Besuch. „Das ist alles Musik aus meiner Zeit“, kennt er die in die Jahre gekommenen Musiker noch aus seinen Jugendjahren. „Arthur Brown war einfach der Hammer und allein den Eintritt wert“, ist er absolut begeistert. „Echt Wahnsinn, super Musiker und der Arthur sowas von rüstig mit einer tollen Stimme.“ Die jung gebliebenen alten Fans sind allerdings beileibe nicht allein. Von acht bis 80 tummeln sich an diesem Wochenende alle Altersstufen auf dem Festivalplatz.

„Es war 1976, als ein Fest der Finkenbacher Feuerwehr zu scheitern drohte, weil die Kapelle kurzfristig absagte“, erzählt Armin Löffler vom FC Finkenbachtal die Entstehung. „Spontan boten vier Wahl-Finkenbacher ihre Hilfe an: Mani Neumeier und seine Band Guru Guru.“ Die für ein Feuerwehrfest recht ungewöhnlichen Klänge seien so gut angekommen, dass Mani und Wilhelm Hotz, der inzwischen verstorbene, damalige Feuerwehrhauptmann, fürs nächste Jahr eine Fortsetzung planten. „Das Finkenbach-Festival war geboren.“ Und erhielt im Ort den Namen „Guru-Fescht“.

Als die Besucherzahlen die Grenze von 10.000 überschritten, „drohte das kleine Dorf zu kollabieren“, weiß Löffler. Deshalb sei 1984 das Festival eingestellt worden, um 1988 neu aufzuleben. Seit dieser Zeit ist auch der FC Finkenbachtal mit im Boot und kümmert sich um die Verpflegung. Nach der zweiten Einstellung 2005 „aufgrund von massiven Polizeikontrollen und dementsprechendem Rückgang der Besucherzahlen“ erfolgte das Revival 2008. Seitdem läuft das Festival bis heute.

Insgesamt 350 Helfer aus dem ganzen Ort und den umliegenden Gemeinden sorgen für den reibungslosen Ablauf oder die Infrastruktur. Seien es der FC, die Feuerwehr, aber auch „die Familien, die Kuchen backen und Kartoffeln kochen“, damit die Theken des FC immer für den Ansturm gerüstet sind, so Löffler.

„Die Einmaligkeit dieser Veranstaltung“ und absolut positive Resonanz der Besucher ist laut Löffler die Motivation für alle Beteiligten, jedes Jahr das Festival wieder auf die Beine zu stellen. Nach dem Finki ist dabei schon vor dem Festival: Die Planungen fürs kommende Jahr starten bald. Dazu setzen sich er, der Vorstand des FC, Karl-Heinz Osche, der Booker von Guru Guru, und eben Mani Neumaier zusammen. „Der eigentliche Aufbau des Festivalgeländes erfolgt drei Wochen vor Beginn“, sagt Löffler.

Wen verpflichtet Mani fürs Finki? „Die Bands müssen mir gefallen“, erläutert er, musikalisch hochwertig sein, authentisch. „Keine Coverbands und keine Popsülze“ ist ein weiteres Kriterium. „Oft kenne ich sie persönlich, ich sehe mir Live-Auftritte oder Filme an“, erzählt er. Der besondere Reiz des Finki ist für ihn: „Ich kann echte Kultur machen, jenseits von kommerziellen Absichten.“ Auf dem Festival könne er „Bands featuren, die nicht nach der Hitparade schielen. Das ist für mich wichtiger als mein Geburtstag oder Weihnachten“, macht Mani Neumaier seine Prioritäten deutlich.

Arthur Brown, Ton Steine Scherben oder Ax Genrich standen dieses Jahr ebenfalls auf der Bühne, neben The Quireboys, Hundred Seventy Split, Rob Tognoni, Vibravoid und Fai Baba. Als Überraschung zauberte Holz-Säge-Aktionskünstler Guntram Prochaska mit musikalischer Untermalung von Guru Guru überdimensionale Pilze aus Baumstämmen. Zwei friedliche Tage mit begeisterten Fans sind der schönste Lohn fürs Orga-Team. Das am Tag danach schon wieder genau weiß, dass es nächstes Jahr in bewährter Form weitergehen wird.