Bei den Ford-Fahrern geht’s familiär, nicht fanatisch zu

Die Ford-Fahrer waren sehr spendabel: 2000 Euro kamen für den Rothenberger Kindergarten zusammen, als das Ford-Team Odenwald anlässlich seines 30-jährigen Bestehens zum großen Treffen rund um die Sporthalle eingeladen hatte. Genau die Sporthalle, wohin die Kita „Himmelsauge“ nach dem Brand interimsweise ausweichen musste – wodurch sich dann der Bezug ergab. Vor allem am schönen Freitag pilgerten neben den Ford-Fans auch viele Rothenberger den Hügel hinauf. Am verregneten Samstag und Sonntag ging es dann ein wenig ruhiger zu.
Gründungsmitglied und Vorsitzender Jochen Münch zeigte sich angesichts des Wetters „vollauf zufrieden“ mit dem Besuch der Veranstaltung. Etwa 200 Fahrzeuge waren auf der Höhe zu bewundern, vom aktuellsten Modell bis hin zu den Raritäten wie einem alten Granada, einem Ford Capri oder einem Mustang, der dem „Bullitt“-Film entsprungen sein könnte.
Teilnehmer aus Belgien oder der Schweiz hatten den weitesten Anfahrtsweg, aber auch Reutlingen, Rüdesheim oder Nordhessen lauteten die Herkunftsorte. Das Gros der Fahrer kam aus der Ecke Mosbach, Heilbronn, Sinsheim und Mannheim. Man kennt sich und trifft sich: Die Odenwälder sind übers Jahr auf verschiedenen Terminen, auch wenn es berufsbedingt nicht mehr so viele sind wie früher. Manche fahren sogar nach Berlin, aber der 200-Kilometer-Radius ist eher die Regel. „Die bayrischen Treffen sind toll“, schwärmt der Ford-Fan.
Ein Escort XR3i brachte vor 30 Jahren Münch und Gleichgesinnte zusammen. Die jungen Leute vorwiegend aus dem badischen Odenwald beschlossen, sich zu Ausfahrten und Tanzabenden zu treffen. „Nach und nach kamen dann andere Ford-Fahrer mit Fiesta oder Mondeo dazu“, erzählt er. Heutzutage zählt der Verein 28 Mitglieder. Clublokal ist die höchste Gaststätte des Odenwalds, die Turmschänke in Waldkatzenbach unterhalb des Katzenbuckels. Inzwischen sind sie einer der ältesten Clubs in der Szene.
Neben der Vorliebe für den fahrbaren Untersatz ist es auch die Gemeinschaft, die zählt. Wenn ein früherer Ford-Fahrer in späteren Jahren „abtrünnig“ wird, dann ist er trotzdem immer bei den alten Kameraden willkommen. „Bei uns geht es familiär zu, nicht fanatisch“, erzählt der Vorsitzende. Die Begeisterung überträgt sich auf die kommende Generation. „Inzwischen sind auch schon die Kinder unserer Gründungsmitglieder dabei“, freut er sich.
Die Leidenschaft fürs Auto artet nicht aus, hebt Münch hervor. Hier fährt keiner mit quietschenden Reifen von der Sporthalle weg. Ihm ist es wichtig, mit Vorurteilen gegenüber Auto-Clubs aufzuräumen. In der Ford-Szene sind die Poster und Extrem-Tuner nicht vertreten, betont der 50-Jährige. Leider sei es wie so oft, dass einige Negativbeispiele die große Masse in Verruf bringen.
Überhaupt kommen im Club alle Altersschichten zusammen. „Man merkt nicht den Unterschied“, erzählt er. Da ist der 18-Jährige, der sich seinen ersten Ford mit harter Arbeit zusammenspart, aber auch der 50-Jährige, der immer noch den Capri aus Jugendtagen fährt und klamottenmäßig ebenfalls in dieser Zeit stehengeblieben ist. Und natürlich die Film-Fans, die Steve McQueen aus dem 68er-Streifen nacheifern.
Rocco Iannone aus Rüdesheim etwa ist eingefleischter Ford-Fan seit seiner Jugend. Sein Vater fuhr Ford und arbeitete auch beim Autohersteller. Der Mustang-Fahrer „würde nie eine andere Marke kaufen“, beteuert er. Er ist damit aufgewachsen und fährt Ford „mehr als das halbe Leben“. Wie auch Münch schätzt er das Preis-Leistungs-Verhältnis. Dazu kommt, dass der Autobauer bei solchen Events den Fans gegenüber „sehr aufgeschlossen ist“, freut er sich.
Die Aufnahme in Oberzent war laut Münch „überwältigend“. Das Ziel der Automobilisten, mit dem Erlös die örtliche Kita zu unterstützen, schlug sich in der großen Spendenbereitschaft für die Tombola nieder. „Wir wollen ein positives Zeichen setzen und die Kinder unterstützen“, betont der Vorsitzende. Nachmittags gab Kassenwart Thomas Link grünes Licht, dass die angestrebte Summe zusammengekommen ist.

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