Privatwaldabend des Forstamts Beerfelden: organisatorische Fragen der Holzvermarktung und Zukunft der Forstbetriebsgemeinschaft

Wie sieht’s aktuell im Wald aus? Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, sein neuer Stellvertreter Sebastian Vocilka und Gudrun Kranhold gaben dazu im Finkenbacher „Löwen“ Auskunft. Neben der Bedeutung des Kartellurteils für die weitere Beförsterung, die Sasse bereits vergangene Woche in Unter-Sensbach thematisiert hatte, ging es hier wie dort beim Privatwaldabend auch um organisatorische Fragen der Holzvermarktung und die Zukunft der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG).

Vocilka beleuchtete die Möglichkeiten der Holzernte. In Eigenarbeit sei diese eher die Ausnahme. Wenn sie übers Forstamt erledigt werde, dann entweder über Unternehmer oder Selbstwerber. In letzterem Fall „gibt es ein bisschen weniger“, weil diese die Bäume direkt aus dem Wald holten. Als Beispiel nannte er einen 90 Euro fürs gute Nadelholz beim Unternehmer-Einsatz, 70 Euro bei Selbstwerber.

Ein Harvester sei wesentlich günstiger, so Vocilka, aber nicht überall einsetzbar. Mit diesem lasse sich das Holz für unter 20 Euro Kosten pro Festmeter einbringen, motormanuell seien es über 20 Euro, am Hang oder in schwierigen Lagen um die 30 Euro. Wichtig ist ihm und Sasse der rechtzeitige Bescheid: Wenn die Holzernte über einen Unternehmer erfolgen soll, „dann bitte drei Monate vorher beim Revierleiter anmelden“. Nach Sturmschäden oder in Eigenarbeit gelten andere Fristen.

Gudrun Kranhold ging auf die veränderten Betreuungskosten für Privatwaldbesitzer ein, die seit vergangenen Jahr gelten. Die damit verbundene Erhöhung führte dazu, dass nur etwa zwei Drittel der bisherigen Eigentümer neue Verträge mit Hessen-Forst abschloss. Früher waren es 719 Betriebe mit 3700 Hektar, jetzt noch 390 mit 2300 Hektar. „Viele Waldbesitzer warten erst einmal ab“, skizzierte Kranhold die Lage.

Denn gegenüber den früheren, eher symbolischen Gebühren, heben sich die neuen ziemlich ab. Die hatte Hessen Forst eingeführt, um das große Defizit in dieser Kostenstelle zu senken. Die Betreuungspauschale von 12,50 Euro pro Hektar/Jahr greift erst ab einer Waldfläche von fünf Hektar aufwärts. Darunter muss gezahlt werden „erst dann, wenn Holz gemacht wird“. Und der Eigentümer die betreffenden Module „Holzeinschlag und Verkauf“ gebucht hat. Dafür werden zusammen sechs Euro pro geschlagenem Festmeter fällig.

Wie die Forstamtsmitarbeiterin erläuterte, nennen 52 Prozent der unter Vertrag stehenden Privatwaldbesitzer Flächen von mehr als fünf Hektar ihr Eigen. Auf 460 Hektar hätten die Eigentümer die beiden Module gebucht. Inzwischen habe sich herausgestellt, dass Modul 3, also nur der Verkauf, ohne den vorgeschalteten mitgebuchten Holzeinschlag „problematisch ist“. Denn dann muss Kranhold zufolge „im Vorfeld alles stimmen“. Sonst hat der Förster „über Gebühr Aufwand“.

Allerdings wird man ihren Worten zufolge nicht in bestehende Strukturen eingreifen. Die Überlegung richtet sich in die Zukunft, ob diese Einzelwahlmöglichkeit noch angeboten werden soll. Denn aktuell gibt es durch das Kartellverfahren und die anhängigen Klagen so viele Änderungen, dass der Forst erst einmal abwarten möchte, dass wieder Ruhe im Wald einkehrt. Sasse rechnet bis Ende des kommenden Jahres auf Klärung.

Die Veränderungen im Forst, bedingt durch das Kartellurteil, „werden Auswirkungen auch auf die Forstbetriebsgemeinschaften haben“, sagte er Forstamtsdirektor. Bisher machte man immer alles gemeinsam. „Wir leben in Unsicherheit“, meinte er. Aktuell wisse man nicht, „wie es mit der Beförsterung des Kommunalwalds und dem Holzverkauf weiter geht“. Der Privatwald unter 100 Hektar könne weiterhin durch Hessen-Forst betreut werden. Gleichzeitig wies er darauf hin, „dass nur Mitglied in einer FBG werden kann, wer einen Beförsterungsvertrag hat“.

Im Laufe der kommenden 14 Monate werde man sehen, „wie sich die FBG aufstellen muss“. In der Übergangszeit wurde im Frühjahr mit Gottfried Görig der scheidende Beerfeldener Bürgermeister zum Vorsitzenden gewählt. Bis der Wahl eines Nachfolgers in 2018 sei die Frage zu klären, „ob der Kommunalwald dann noch Teil der FBG sein wird“.

 

Advertisements

Kartellamt bringt Unruhe in den Wald: Ungewisse Zeiten“ für Privat- und Kommunalwaldbesitzer – Privatwaldabend des Forstamts Beerfelden

Der hessische Forst befindet sich im Umbruch. Forstdirekter Norbert Sasse verwendete beim Privatwaldabend in der Unter-Sensbacher „Krone“ des Öfteren den Begriff der „ungewissen Zeiten“, die nicht nur auf Hessen-Forst, sondern auch auf Privat- und Kommunalwaldbesitzer zukommen. Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundeskartellamts und dessen gerichtliche Bestätigung, dass Holzverkäufe aus Staatswald sowie Kommunal- und Privatwäldern ab 100 Hektar aufwärts nicht mehr zusammen vermarktet werden dürfen. Auf dieses Thema ging der Leiter des Forstamts Beerfelden detailliert ein.

Den Stein ins Rollen brachte laut Sasse ein Verfahren des Bundeskartellamts gegen das Land Baden-Württemberg. Es wurde eine marktbeherrschende Situation der Forstbehörde festgestellt, weil das Land sämtliches Holz aus Kommunal- und Privatwald mitverkauft. Eine Klage des Landes gegen die Kartellentscheidung ging nach hinten los: Das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigt das Urteil in allen Punkten. Die Forstbehörde im Ländle darf Kommunal- und Privatwald nicht mit vermarkten. Inzwischen hängt die Sache beim Bundesgerichtshof, könnte aber auch noch vor dem Europäischen Gerichtshof landen, meinte Sasse. Irgendwann im kommenden Jahr sei ein Urteil zu erwarten.

Zwischenzeitlich, erläuterte der Forstdirektor, wurden ähnlich betroffene Bundesländer vom Kartellamt angemahnt, „für legale Verkaufsverfahren zu sorgen“. Gespräche in den vergangenen beiden Monaten führten zu dem Ergebnis, „dass Verkäufe aus Staats-, Kommunal- und Privatwald getrennt werden müssen“. Rheinland-Pfalz setze dies bereits zum 1. Januar 2019 um, die anderen Bundesländer im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahre. Geplant sind dann als Alternative regionale Holzverkaufsbüros.

Sasse verdeutlichte, dass es „nicht nur um den reinen Holzverkauf geht“, sondern auch um die vorgelagerten Dienstleistungen, wenn etwa die Stämme in Augenschein genommen oder die genaue Lage und Hiebmengen bestimmt werden. Wenn das Urteil endgültig bestätigt sei, könne der Revierförster nicht mehr die bisherigen Dienste miterledigen. Auf die Gemeinden bezogen, „werden vielleicht kommunale Zweckverbände für den Forst entstehen müssen“, verdeutlichte er.

Dass der Forstamtschef von dieser erzwungenen Trennung wenig hält, machte er auch klar. „Es kann dann sein, dass entlang eines Weges drei oder vier Förster zuständig sind“ – je nach Eigentümerzahl. Die Absprache werde eine Herausforderung. Beispiel: „Wer macht die Kalkung, wenn alle paar Meter der Eigentümer wechselt?“ Diese Gemengelage „wird eine sehr interessante Sache“, sagt der Forstdirektor fatalistisch.

Es werde nun ein System kaputt geschlagen, „das über Jahrzehnte hinweg funktioniert hat“. Und das ohne zu wissen, ob die neuen Strukturen funktionieren. Sasse verglich das mit dem Verschrotten des alten Autos, ohne bereits einen neuen fahrbaren Untersatz zu haben. „Im kommenden Jahr wird sich erst einmal nichts ändern“, beruhigte er. Eines sei aber sicher: „Der Kommunalwald wird aus dem bisherigen gemeinsamen Verkauf ausscheiden.“

Die Kommunen sind sowieso von höheren Beförsterungskosten betroffen, da der Landesbetrieb Hessen-Forst immer mehr auf Kostendeckung achtet. Sasse zufolge gibt es schon eine Steigerung um 20 Prozent. In den kommenden acht Jahren sollen noch einmal vier Prozent im Jahr dazukommen. Mit Blick auf die neue Stadt Oberzent machte der Forstamtschef aber die Rechnung auf, dass deren Überschuss trotzdem noch üppig ausfällt. Bei 2400 Hektar Wald auf dem neuen Gemeindegebiet ab 1. Januar 2018 erwartet er eine Million Euro Umsatz netto. Durch gute Wuchsverhältnisse und die ertragsträchtigen Nadelhölzer sind seinen Worten zufolge 340.000 Euro Gewinn drin.

Thematisiert wurde in Unter-Sensbach auch die Windenergie. Hier gab es insbesondere Nachfragen zum projektierten Gebiet auf der Sensbacher Höhe Richtung badische Grenze. Allerdings ist der Regionalplan Windkraft weiterhin im Werden, sodass die Forstleute hier noch keine detaillierten Aussagen machen konnten.

Personalien im Forstamt Beerfelden

Neuer Revierförster in Ober-Sensbach wird zum 1. Januar Alex Scheuermann. Der ist bisher schon für das Revier Schönbrunn rund um Unter-Schönmattenwag, ebenfalls Teil des Forstamts Beerfelden, zuständig. Er folgt Klaus Kurzschenkel nach, der zu diesem Zeitpunkt „offiziell“ in Ruhestand geht, derzeit aber schon aufgrund seiner vielen Überstunden nicht mehr arbeitet. Scheuermann ist ein alter Bekannter, denn er stammt aus Ober-Sensbach.

Sebastian Vocilka ist Nachfolger von Ronny Kolb im Forstamt Beerfelden. Der 30-Jährige ist zukünftig als Stellvertreter von Forstdirektor Norbert Sasse tätig und für die Produktion zuständig. Der Wald-Michelbacher Kolb wechselte Mitte September als Forstamtsleiter nach Dieburg.

Holzmarkt ist „auf einem extrem hohen Niveau“: Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Südlicher Odenwald

Für die guten Nachrichten war auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Südlicher Odenwald der stellvertretende Beerfeldener Forstamtschef Ronny Kolb zuständig. Er sprach von einem Holzmarkt, der sich in den vergangenen drei bis vier Jahren mit Preisen „auf einem extrem hohen Niveau“ stabilisiert habe. Für die Fichte ließen sich teilweise über 90 Euro pro Festmeter erzielen.

Kolb erläuterte, dass mit den großen Holzverarbeitungsfirmen Ganzjahresverträge abgeschlossen werden konnten, wo sonst sechs Monate die Regel seien. Der Vorteil: „Es gibt eine absolute Stabilität bei den Holzpreisen auch für das zweite Halbjahr.“ Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Holz boomt. „Bei Buche und Eiche können wir sie kaum befriedigen“, sagte er. „Wir segeln in sehr ruhigem Wasser und auf hohem Niveau“, freute sich Kolb.

Von den Ergebnissen der Nadelholzsubmission in Eberbach waren die Forstleute besonders angetan. Nicht nur, dass man dort generell sehr gute Preise erzielte. Der höchstdotierte Stamm kam außerdem noch aus dem Forstamt Beerfelden. Es handelte sich um eine Lärche aus dem Gemeindewald Rothenberg „mit ein paar tausend Euro“ Erlös.

Auf diesen Baum war der Rothenberger Revierförster Reiner Grünberg besonders stolz: Elf Meter war der verwertbare Teil lang, hatte mehr als 80 Zentimeter durchschnittliche Dicke und war damit ein Prachtstück. Kolb mahnte aber, dass sich das Blatt schnell wenden könne. Nach ein paar extrem warmen Tagen „müssen wir aufpassen, dass sich der Borkenkäfer nicht ausbreitet“.

Gudrun Kranhold vom Forstamt trug den FBG-Geschäftsbericht vor. 734 Betriebe bzw. Privatpersonen waren Ende 2016 Mitglied, zu denen jetzt drei neue hinzukamen. Die größte Fläche haben die neun angeschlossenen Kommunen mit 5500 Hektar, gefolgt von den fünf großen Privatwaldbesitzern mit 2300 Hektar und den 719 kleinen Privatwaldeigentümern mit 3700 Hektar.

Das FBG-Konto weist laut Kranhold zum Ende des Jahres 2016 ein schönes Plus auf. Ein „hervorragender, ordentlicher Zustand der Kasse“ wurde ihr von Kassenprüfer Jens Schnur bestätigt, der die Zahlen zusammen mit Egon Scheuermann in Augenschein genommen hatte. Die Entlastung des Vorstands war somit nur noch Formsache.

In punkto Holzverkauf sagte Kranhold, dass dieser gegenüber 2015 leicht zurückgegangen sei. Das habe aber damit zu tun, dass es 2016 die neuen Verträge mit erhöhten Gebühren für die Privatwaldbesitzer gab. Von diesen hätten noch nicht alle unterzeichnet bzw. warteten noch etwas ab. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr über 52.000 Festmeter eingeschlagen, davon fast 38.000 fm in den Kommunalwäldern. Am meisten in Beerfelden mit über und Wald-Michelbach mit knapp unter 10.000 Festmetern.

Die Forstamtsmitarbeiterin wies auf die Wichtigkeit des PEFC-Zertifikats für die heimischen Wälder hin. Diese Zertifizierung werde auch von den Verarbeitungsbetrieben nachgefragt. Die Waldbesitzer sollten deshalb mit Akribie darauf schauen, dass die entsprechenden Vorgaben erfüllt werden. PEFC garantiert, dass Holz- und Papierprodukte aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Letztlich bedeute das Zertifikat in der Vermarktung auch bares Geld, so Kranhold.

Lob für die Oberzent-Waldbewirtschaftung beim PEFC-Audit

„Schöne, abwechslungsreiche Waldbilder, die von hoch engagierten Revierleitern betreut werden“: Es gab viel Lob beim PEFC-Audit der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald, das dieser Tage mit den Forstamt Beerfelden betreuten Wäldern Teil der Flächenstichprobe war. Das Lob kam aus berufenem Munde: Alfred Raunecker ist Zertifizierer für PEFC und war mit den Forstleuten zwei Tage im hiesigen Kommunal- und Kleinprivatwald unterwegs.

Bei PEFC handelt es sich um ein Waldzertifizierungssystem zur Sicherstellung einer nachhaltigen Forstwirtschaft, sozusagen ein „Wald-TÜV“. Das Logo steht für gute forstliche Arbeit und soll als international anerkanntes Zertifikat die Waldbesitzer bei einer besseren Vermarktung und Wertschöpfung ihres Holzes unterstützen. Diese verpflichten sich im Gegenzug, ihren Wald nach den vorgegebenen deutschen PEFC-Standards, der Qualitätsverpflichtung für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, zu unterhalten.

Im Rahmen von Vor-Ort-Audits wird die Einhaltung der PEFC-Kriterien jährlich überprüft. Diese Kontrollen umfassen einen repräsentativen Anteil der teilnehmenden Betriebe in der Region. Hierbei werden die Maßstäbe, die für die Erteilung und Aufrechterhaltung des Zertifikats erforderlich sind, kontrolliert und besprochen. Dieses Jahr fiel die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Südlicher Odenwald mit 16 ausgelosten Mitgliedern in die Flächenstichprobe.

Die FBG hat im südöstlichen Kreis Bergstraße und im südlichen Odenwaldkreis, also in Überwald, hessischem Neckartal und Oberzent, 734 Mitglieder aus Kommunal-, Groß- und Kleinprivatwald mit einer Gesamtwaldfläche von derzeit 11.567 Hektar. Die Fläche deckt sich mit der Zuständigkeitsbereich des Forstamts Beerfelden mit seinen elf Revieren in neun Kommunen.

Bei angenehm sonnigem Frühlingswetter fand der Begang im hiesigen Kommunal- und Kleinprivatwald in den Bereichen Beerfelden, Gammelsbach und Rothenberg sowie in Gras-Ellenbach, Hammelbach und Unter-Schönmattenwag statt. Neben Raunecker waren für die FBG Axel Bauer und Ralf Kredel dabei, daneben Alfred Kumpf als Bewirtschafter eines auditierten Privatwaldes sowie fürs Forstamt Beerfelden Leiter Norbert Sasse, Gudrun Kranhold, Ronny Kolb, Kim Jüstl und Rico Scheuermann.

Besonders lobte Raunecker den „gut gepflegten Privatwald“, den Alfred Kumpf für seine Tochter auf Gras-Ellenbacher Gemarkung bewirtschaftet. Er ermunterte ihn, die Waldbestände auch weiterhin „regelmäßig zu durchforsten“ und dabei die guten Holzvermarktungsmöglichkeiten zu nutzen. Von der FBG gab es auch eine Botschaft an Zertifizierer. Es stehe Holz im Wald mit hohen Vorräten, „die für den Erhalt der Stabilität und einen fortlaufenden Wertzuwachs gepflegt und genutzt werden wollen“.

Raunecker empfahl allen zertifizierten Waldbesitzern und FBG-Mitgliedern, sich immer „eng an die vorgegebenen Kriterien des PEFC zu halten“. Hier nannte er etwa aus Umweltschutz- und Gesundheitsgründen die Nutzung von Bio-Ölen und Sonderkraftstoffen in Motorsägen. Das Audit brachte ein zufriedenstellendes Ergebnis für Auditor und Waldbesitzer sowie das betreuende Forstamt. Die Forstbetriebsgemeinschaft „bestand“ und darf sich weiterhin „PEFC-zertifiziert“ nennen.

Info: PEFC ist ein transparentes und unabhängiges System zur Sicherstellung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und damit ein weltweiter „Wald-TÜV“. PEFC ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“, also ein „Programm für die Anerkennung von Forstzertifizierungssystemen“. Waldzertifizierung nach den Standards von PEFC basiert auf den sehr strengen Richtlinien für die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern. Diese wird durch kompetente und unabhängige Organisationen kontrolliert. Trägt ein Produkt aus Holz das PEFC-Siegel, dann heißt das: Die gesamte Produktherstellung – vom Rohstoff bis zum gebrauchsfertigen Endprodukt – ist zertifiziert und wird durch unabhängige Gutachter kontrolliert.

Aujeszky-Krankheit: Vorsicht kann nicht schaden, aber es sind Einzelfälle – Gespräch mit Ronny Kolb vom Forstamt Beerfelden

Vorsicht ist angebracht, ja. Aber von Panikmache hält Ronny Kolb gar nichts. Laut dem stellvertretenden Leiter des Forstamts Beerfelden ist die Ansteckungsgefahr für Hunde mit dem sogenannten „Aujeszky-Virus“ sehr gering. In den vergangenen zehn Jahren hat es seiner Kenntnis nach ganze zehn Fälle deutschlandweit gegeben. Aber eben einen auch im vergangenen November im Forstamts-Bereich, bei der Hubertusjagd auf der Sensbacher Höhe. Die „Aujeszky-Krankheit“ (AK) verläuft bei Hunden immer tödlich. Für Menschen ist sie ungefährlich.

Obwohl die bisherigen Todesfälle alles Einzelschicksale waren, sich außer im Odenwald lediglich in Niedersachsen und Thüringen abspielten, können Hundebesitzer Kolb zufolge zur Sicherheit ihrer vierbeinigen Gefährten ein paar einfache Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. „Jagdhunde haben deutlich mehr Berührungspunkte“, betont er. Aber auch die Haushunde sollte man davon abhalten, dort zu wühlen, wo vorher Wildschweine aktiv waren.

Denn die Krankheit könne wie allgemein bei einer Infektionskrankheit über die Mundschleimhäute übertragen werden. „Beim Mensch würde man das Tröpfchen-Infektion nennen“, so der Forstexperte. In der Jagdpraxis lässt sich der Wildkontakt nicht immer vermeiden. Das Ansteckungsrisiko sollte jedoch so gut wie möglich reduziert werden. Die typischen Krankheitsanzeichen sind plötzlich auftretende Apathie, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Juckreiz, hohes Fieber und/oder Lähmungserscheinungen. Bei Verdacht auf eine AK-Infektion sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht und das zuständige Veterinäramt informiert werden.

Generell rät Kolb dazu, kein rohes Schweinefleisch zu verfüttern – weder an Jagdhunde noch an Haustiere. Zwar gilt Deutschland bei Hausschweinen seit 2003 als AK-frei, doch sei die Wildschwein-Population mehr oder weniger stark befallen. In einer Jagdzeitschrift wird regional von Antikörpern gegen AK bei bis zu 30 Prozent der beprobten Tiere gesprochen. Jedoch werden die Haus- und Wildschweine kaum beeinträchtigt oder leben damit ganz normal weiter. Im Odenwald rechne man aufgrund von Beprobungen mit etwa zehn Prozent an infizierter Wildschwein-Population.

Anhand dieser Zahl macht Kolb auch das geringe Ansteckungsrisiko deutlich. Zuerst einmal müsse ein Hund überhaupt in Kontakt mit Speichel, Nasensekret oder Kontakt mit den Geschlechtsorganen des Schwarzwildes kommen – und dann müsse dieses auch noch befallen sein. Andere Gefahren für Hunde etwa durch den Straßenverkehr seien deutlich höher. Allerdings „fällt ein Krankheitsfall genau deshalb auf, weil ein Ausbruch so selten ist“, hebt der Förster hervor.

Das Forstamt Beerfelden sei mit dem Thema „sehr offensiv umgegangen“, betont er. Bei den nachfolgenden Jagden habe man den Hundeführern freigestellt weiterhin mitzumachen. „Kein einziger hat zurückgezogen“, erläutert er. Denn die Fachleute wüssten um die geringe Gefahr einer Ansteckung. So hätten sich auch die anderen Hunde bei dieser Hubertusjagd nicht infiziert, meint Kolb mit einem Blick auf Fritz, die eineinhalbjährige Brandlbracke von Florian Koch (Bild).

Allerdings, so der stellvertretender Behördenleiter, seien die Förster auch in einer Zwickmühle: „Wir müssen die Schwarzwild-Bestände klein halten“, betont er. Denn die Wildschweine nähmen überhand. Um die Population geringer und damit die Ansteckungsgefahr kleiner zu halten, müsse man sie bejagen. Auf diese Weise könnten die Hunde aber eher in Kontakt mit ihnen kommen.

Kolb macht mit Blick auf Vorsichtsmaßnahmen von Privatpersonen darauf aufmerksam, dass in Naturschutzgebieten sowieso Leinenpflicht für Hunde gelte, ebenso teilweise in FFH-Gebieten. Daneben mache es Sinn, sein Tier nicht unbedingt dort abzuleinen, wo Wildschwein-Spuren zu erkennen seien, sondern erst auf dem Feld nebenan.

Sieht Kolb für die Hunde von Spaziergängern wenig Gefahren, so stellt sich seinen Worten zufolge die Situation für Jagdhunde etwas anders dar. Trotz der geringen Ansteckungs-Wahrscheinlichkeit sind die Jäger gehalten, ihre Tiere von Blut und Fleisch der geschossenen Wildschweine fernzuhalten und zu verhindern, dass sie sich verbeißen. Wie der Jagdverband mitteilt, kann das Aujeszky-Virus auch außerhalb des Wildkörpers selbst bei Minustemperaturen über Wochen infektiös bleiben. Ein Impfstoff für Hunde ist nicht verfügbar und ihn wird es auch in nächster Zeit nicht geben.

 

Aujeszky-Krankheit

Die Pseudowut (auch Juckpest, Tollkrätze, Aujeszky-Krankheit) ist eine durch das Aujeszky-Virus hervorgerufene anzeigepflichtige Tierseuche. Der Erreger gehört zur Familie der Herpesviren. Sein eigentlicher Wirt sind Schweine. Die Krankheit ist nach dem ungarischen Tierarzt Aladár Aujeszky benannt. Bei nahezu allen Säugetieren verläuft die Infektion tödlich. Menschen sind jedoch für das Virus nicht empfänglich. Bei Rindern, Hunden, Wölfen, Katzen und Schafen kommt es schnell zu einer Gehirn- und Rückenmarksentzündung mit zentralnervösen Erscheinungen, bei Rindern und Hunden zusätzlich zu starkem Juckreiz, und danach zum Tod des Tieres.

Ist der Hund mit einem infizierten Schwein in Kontakt gekommen, treten innerhalb kürzester Zeit (binnen ein bis vier Tagen) die ersten Symptome auf. Diese ähneln stark denen der Tollwut, weshalb die AK häufig auch als Pseudowut bezeichnet wird. Dazu zählen Appetitlosigkeit und Mattigkeit manchmal ist der Hund aber auch erregt, bellt oder winselt (im Unterschied zur Tollwut sind die Tiere jedoch nicht aggressiv). Im weiteren Verlauf kommt es zu Atemnot, Schluckbeschwerden, verstärkter Speichelproduktion und Erbrechen. Das auffälligste Symptom ist der intensive Juckreiz, der an Fang und Behängen beginnt und häufig zur Selbstverstümmelung führt. Später kommt es zu Bewusstseinstrübungen, Krämpfen und Lähmungen. In der Endphase werden die betroffenen Hunde ruhig, verlieren das Bewusstsein und sterben.

Teilstrecke des Neckarsteigs wird bei Neckarsteinach gesperrt

Wie das für die Vierburgenstadt zuständige Forstamt Beerfelden mitteilt, wird ab 23. Januar eine Teilstrecke des „Neckarsteigs“ wegen erforderlicher Holzeinschlagsarbeiten gesperrt. Die Wanderer werden „umgeleitet“. Es handelt sich im Bereich des Wegeabschnittes 3 von Neckarsteinach nach Hirschhorn um ein Teilstück im Stadtwald Neckarsteinach zwischen dem sogenannten „Rote-Sand-Weg“ und der Teerstraße zur Hochzeitslocation „Hoher Darsberg“.

Die Umleitung führt von Neckarsteinach kommend den „Rote-Sand-Weg“ bergauf, dann links, verläuft weiter auf dem nächsten rechts abbiegenden, ansteigenden Rückeweg und führt an dessen Ende scharf rechts in Richtung „Hoher Darsberg“ wieder auf den „Neckarsteig“. Die Forstarbeiten werden laut Forstamt voraussichtlich bis Mitte Februar andauern. Für diesen Zeitraum müsse das Teilstück des Neckarsteigs aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Die Bevölkerung wird um Verständnis gebeten.

Rothenberger Lärche ist ein Prachtstück der Eberbacher Nadelholz-Submission

Auf diese Lärche ist der Rothenberger Revierförster Reiner Grünberg besonders stolz: Elf Meter lang ist der verwertbare Teil, hat mehr als 80 Zentimeter durchschnittliche Dicke und ist damit in ihrer Baumklasse ein Prachtstück der Eberbacher Nadelholz-Submission. Ein weiterer kommt mit einer imposanten japanischen Schlossberg-Lärche aus Hirschhorn. An der Versteigerung beteiligt sich das Forstamt Beerfelden mit seinen verschiedenen Revieren mit weit mehr als 150 Festmetern (Fm) Douglasie und eben Lärche.

Etwa 16 Fm davon kommen aus dem Rothenberger Wald. 150 Fm wurden in einer Abteilung geschlagen, ganze sechs Stämme schaffen es an den Neckar, hebt Grünberg die Qualitätsansprüche der dortigen Veranstaltung hervor. Die jeweiligen Revierförster haben ihre besonderen Stämme schon längere Zeit im Auge. „Man muss Bäume auch stehen lassen können“, sagt er. Den Standort speichern und sie dann bei Bedarf suchen, um sie als „Schmankerl“ anzubieten.

„Ich habe schon einen Erlös im Kopf“, möchte der Rothenberger dafür gerne einen bestimmten Preis erzielen – den er aber noch nicht verrät. Dass der 180-jährige Baum, der als Einzelstamm alle anderen weit überragte, seine Liebhaber finden wird, steht außer Frage. Allerdings könne man bei Lärchen auch mal enttäuscht werden, weil sie nach Fällung doch nichts taugen, so Grünberg. „Das ist eine willkommene Abwechslung zum Alltagsgeschäft“, sagt er zur Teilnahme an der Versteigerung.

„Einem Förster geht da das Herz auf“, meint der stellvertretende Beerfelder Forstamtsleiter Ronny Kolb mit Blick auf die Jahresringe einer Douglasie aus dem Grasellenbacher Wald. Die passte mit ihren 18 Metern auf keinen Laster und musste vor dem Transport an den Neckar erst einmal geteilt werden. Dazu hat der Stamm noch einen Querschnitt von 84 Zentimetern. Beide Hölzer machen aber nur einen kleinen Teil des Submissionsangebots vom Beerfelder Forstamt knapp jenseits der Landesgrenze aus.

Wenn er über den gesamten Platz schaut, schwärmt Kolb von der Qualität der dort gelagerten Hölzer. Und von der Submission unter Platzchef Rüdiger Dehn als solcher, die seinen Worten nach zu den renommierten in Hessen und Baden-Württemberg zählt. An die 90 Festmeter kommen aus dem Überwald, das hessische Neckartal bei Hirschhorn ist mit 35, Rothenberg und Beerfelden mit jeweils 16 Festmetern vertreten.

„Die Waldbesitzer verdienen ihr Geld mit dem Tagesgeschäft“, sagt der Förster. Die Teilnahme an der Submission „ist das Sahnehäubchen“. Weswegen er zur Begutachtung der auf dem Eberbacher Festplatz angelieferten Stämme auch Forstwirtschaftsstudent Alexander Schmidt mitgenommen hat, der aktuell ein Praktikum beim Forstamt Beerfelden macht. Den Forstleuten geht es aber auch um einen ideellen Aspekt: „Wir wollen den Wert des Holzes verdeutlichen“, betont daneben Grünberg.

Zwar bedeutet die Versteigerung um einiges mehr Aufwand, als wenn das Holz in großen Mengen an die Holzverwerter verkauft werde, erläutern Kolb und Grünberg. Andererseits lassen sich bei der Submission auch ganz andere, viel höhere Preise erzielen. Die Lärche kommt in der Regel auf 80 Euro pro Festmeter, weiß der Forstmann. Mit guten Hölzern holt man in Eberbach aber durchschnittlich 300 Euro – mit Ausreißern nach oben. Bei der Douglasie, von der es ein größeres Angebot gibt, sind es etwa 250 Euro/Festmeter. „Bei diesen Preisen sind wir absolut zufrieden“, schmunzelt er.