Holzmarkt ist „auf einem extrem hohen Niveau“: Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Südlicher Odenwald

Für die guten Nachrichten war auf der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Südlicher Odenwald der stellvertretende Beerfeldener Forstamtschef Ronny Kolb zuständig. Er sprach von einem Holzmarkt, der sich in den vergangenen drei bis vier Jahren mit Preisen „auf einem extrem hohen Niveau“ stabilisiert habe. Für die Fichte ließen sich teilweise über 90 Euro pro Festmeter erzielen.

Kolb erläuterte, dass mit den großen Holzverarbeitungsfirmen Ganzjahresverträge abgeschlossen werden konnten, wo sonst sechs Monate die Regel seien. Der Vorteil: „Es gibt eine absolute Stabilität bei den Holzpreisen auch für das zweite Halbjahr.“ Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Holz boomt. „Bei Buche und Eiche können wir sie kaum befriedigen“, sagte er. „Wir segeln in sehr ruhigem Wasser und auf hohem Niveau“, freute sich Kolb.

Von den Ergebnissen der Nadelholzsubmission in Eberbach waren die Forstleute besonders angetan. Nicht nur, dass man dort generell sehr gute Preise erzielte. Der höchstdotierte Stamm kam außerdem noch aus dem Forstamt Beerfelden. Es handelte sich um eine Lärche aus dem Gemeindewald Rothenberg „mit ein paar tausend Euro“ Erlös.

Auf diesen Baum war der Rothenberger Revierförster Reiner Grünberg besonders stolz: Elf Meter war der verwertbare Teil lang, hatte mehr als 80 Zentimeter durchschnittliche Dicke und war damit ein Prachtstück. Kolb mahnte aber, dass sich das Blatt schnell wenden könne. Nach ein paar extrem warmen Tagen „müssen wir aufpassen, dass sich der Borkenkäfer nicht ausbreitet“.

Gudrun Kranhold vom Forstamt trug den FBG-Geschäftsbericht vor. 734 Betriebe bzw. Privatpersonen waren Ende 2016 Mitglied, zu denen jetzt drei neue hinzukamen. Die größte Fläche haben die neun angeschlossenen Kommunen mit 5500 Hektar, gefolgt von den fünf großen Privatwaldbesitzern mit 2300 Hektar und den 719 kleinen Privatwaldeigentümern mit 3700 Hektar.

Das FBG-Konto weist laut Kranhold zum Ende des Jahres 2016 ein schönes Plus auf. Ein „hervorragender, ordentlicher Zustand der Kasse“ wurde ihr von Kassenprüfer Jens Schnur bestätigt, der die Zahlen zusammen mit Egon Scheuermann in Augenschein genommen hatte. Die Entlastung des Vorstands war somit nur noch Formsache.

In punkto Holzverkauf sagte Kranhold, dass dieser gegenüber 2015 leicht zurückgegangen sei. Das habe aber damit zu tun, dass es 2016 die neuen Verträge mit erhöhten Gebühren für die Privatwaldbesitzer gab. Von diesen hätten noch nicht alle unterzeichnet bzw. warteten noch etwas ab. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr über 52.000 Festmeter eingeschlagen, davon fast 38.000 fm in den Kommunalwäldern. Am meisten in Beerfelden mit über und Wald-Michelbach mit knapp unter 10.000 Festmetern.

Die Forstamtsmitarbeiterin wies auf die Wichtigkeit des PEFC-Zertifikats für die heimischen Wälder hin. Diese Zertifizierung werde auch von den Verarbeitungsbetrieben nachgefragt. Die Waldbesitzer sollten deshalb mit Akribie darauf schauen, dass die entsprechenden Vorgaben erfüllt werden. PEFC garantiert, dass Holz- und Papierprodukte aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Letztlich bedeute das Zertifikat in der Vermarktung auch bares Geld, so Kranhold.

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Befürchtete Kostenexplosion bringt Privatwaldbesitzer auf die Palme

Die hessische Landesregierung hat derzeit scheinbar kein gutes Händchen für ihre Projekte. Der geplante kommunale Finanzausgleich treibt den Bürgermeistern die Zornesröte ins Gesicht, avisierte Kostenerhöhungen um bis zu 500 Prozent in der Privatwaldbetreuung durch Hessen-Forst bringen die Waldbesitzer auf die Palme. Landauf, landab versuchen sowohl die Behörde als auch Vertreter des Umweltministeriums und der Regierungsfraktionen, die Wogen zu glätten. Sie haben keinen leichten Stand, denn ihnen steht eine Übermacht an empörten Waldbesitzern gegenüber.

So auch in Beerfelden, wohin die Forstbetriebsgemeinschaft südlicher Odenwald (FBG) zur Infoveranstaltung eingeladen hatte. Die dortige alte Turnhalle platzte aus allen Nähten ob des großen Andrangs. Aus dem gesamten Odenwald waren die Waldbesitzer gekommen, nicht nur aus dem Einzugsbereich der FBG, der sich mit dem des Forstamts Beerfelden deckt: Wald-Michelbach, Grasellenbach, Abtsteinach, Sensbachtal, Rothenberg, Beerfelden, Hirschhorn, Neckarsteinach, jeweils inklusive Ortsteile.

Das Podium war sehr hochkarätig besetzt. Aus dem hessischen Umweltministerium hielt Martin Küthe das Hauptreferat des Abends. Hessen-Forst war mit seinem Leiter Michael Gerst vertreten. Die Grünen hatten ihre stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landtag, Martina Feldmayer, gleichzeitig Sprecherin für Landwirtschaft und Wald, in den Odenwald geschickt. Die CDU vertrat der Landestagsabgeordnete Peter Stephan aus dem Kreis Bergstraße, die SPD der Odenwaldkreis-MdL Rüdiger Holschuh. Der Vorsitzende der FBG, der Wald-Michelbacher Bürgermeister Joachim Kunkel, sprach einleitende Worte und moderierte die Diskussion. Später schaute auch noch der Landrat des Odenwaldkreis, Dietrich Kübler, vorbei.

Kurz und knapp fasste er zusammen, was Küthe danach ausführlich beleuchtete: Der Privatwald solle in Zukunft 50 Prozent (oder 3,5 Millionen Euro) der Kosten von 7,3 Millionen Euro erwirtschaften, die bei Hessen-Forst für seine Betreuung aufliefen (aktuell kommen „nur“ 730.000 Euro rein). Als Begründung für die angestrebte bessere Kostendeckung nannte Kunkel auch die in der Landesverfassung verankerte Schuldenbremse. FBG und angeschlossene Kommunen fühlten sich beim Forstamt Beerfelden „in guten Händen“, so der Bürgermeister.

Der Wald sei „viel zu wichtig“, um nun ein „Wegbrechen guter Strukturen zu riskieren“, sagte Kunkel. Denn, so zeigte sich auch in der Diskussion, größere Betriebe könnten angesichts der Preissteigerungen durchaus mit dem Gedanken spielen, Alternativen zu Hessen-Forst zu suchen. Die Ankündigung von höheren Beiträgen kam laut Kunkel „etwas hart rüber“. Ihre Höhe könne in dieser Form „nicht akzeptiert werden“. Falle sie dagegen angemessen aus, wäre dem Rathauschef zufolge durchaus ein Konsens möglich.

Das komplexe System der Waldförderung durch das Land und die Kostenstrukturen von Hessen-Forst stellte Referatsleiter Küthe vor. Der zeigte sich zu Beginn von der vollen Halle beeindruckt. „Der Odenwald toppt alles“, so Küthe. Was aber inhaltlich nichts an seinen Aussagen änderte, dass eine größere Kostenerhöhung kommen werde, nur wie sie genau aussehen wird und wen sie wie trifft, ist noch Gegenstand der Beratung in einer Arbeitsgruppe.

Laut Küthe lassen von 22.000 hessischen Privatwaldbesitzern etwa 50 Prozent ihren Wald von Hessen-Forst betreuen. Derzeit gebe es hier eine Kostendeckung von etwa zehn Prozent, die auf 50 Prozent steigen solle. Schon Ende März solle ein neuer Richtlinienentwurf vorliegen. Immerhin: Solange der nicht in einer Verordnung gemündet sei, gelten Küthe zufolge noch die alten Beitragssätze. „Die forstliche Welt ändert sich“, brachte er es lapidar auf den Punkt. Hessen-Forst müsse – auch vor dem Hintergrund möglicher Entscheidungen des Bundeskartellamts – kostendeckender arbeiten.

Nach aktuellem Stand sollen nach der Neuordnung forstbetriebliche und forsttechnische Betreuung außerhalb der Holzernte unter 30 Hektar Betriebsgröße kostenlos sein. Über 30 ha Betriebsgröße würden für die forsttechnische Betreuung bei Mitgliedschaft in einem forstlichen Zusammenschluss 10 Euro je Hektar und Jahr netto fällig. Für die forsttechnische Betreuung während der Holzernte sei noch unklar, ob ein Kostenbeitrag pro Festmeter oder prozentual vom Erlös erhoben werden solle.

Rechtfertigung, Wut, Frust, Resignation: Zwischen diesen Polen schwankten die folgenden Statements und Diskussionsbeiträge. CDU- und Grünen-Politiker verteidigten die Erhöhung mit Blick auf Schuldenbremse und gewünschte Nettoneuverschuldung des Landeshaushalts, hofften nichtsdestotrotz auf eine gütliche Einigung. Von „Nachhaltigkeit“ auch mit Blick auf die Finanzen sprach Peter Stephan. Hessen-Forst-Chef Gerst sicherte zu, „wir wollen weiterhin eine verlässliche Dienstleistung erbringen“. Man wolle sich „dem Wettbewerb stellen“.

Ralf Kredel, Mitglied des FBG-Vorstands, bemängelte die „viel zu hohe Summe“, die so nicht bleiben könne. Wo sollten die 3,5 Millionen Euro herkommen, die bereits im Landeshaushalt eingeplant sind? Denn seiner Meinung nach werden „die größeren Betriebe bei einer Kostenerhöhung gehen“. Aber die würden einen Großteil dieser Summe beitragen. Er hoffe auf eine Lösung für alle, „doch die Hoffnung schwindet“.

Rüdiger Holschuh mutmaßte, dass das Land über den Weg der Kostenerhöhung vielleicht aus der Beförsterung des Privatwaldes nach und nach aussteigen wolle – weil sich die Waldbesitzer andere Anbieter suchten. Transparenz erst dann herzustellen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen sei, sah er als den falschen Weg an.

Die angestrebte Zertifizierung des hessischen Staatswalds nach FSC bedeutet laut Holschuh, dass acht Prozent der gesamten Fläche im Wert von 250 Millionen Euro aus der Bewirtschaftung herausgenommen würden. „Dagegen sind 3,5 Millionen doch nur ein kleiner Teil“, so Holschuh. Ein Vergleich, gegen den sich die Befürworter allerdings wehrten. Was aber nicht verhinderte, dass in der Diskussion nochmal mit Nachdruck darauf abgehoben wurde.

Waldbesitzer Max-Dieter Gutmann aus Hirschhorn-Langenthal äußerte sich „deprimiert, dass vorher darüber nicht geredet wurde“. Er wertete den Entwurf als „unausgegoren“. Zehn Prozent mehr wären vernünftig gewesen. Die Verantwortlichen sollten doch „im Rahmen bleiben“, so seine Bitte. Der Großteil der privaten Waldbesitzer werde mit dieser „drastischen Erhöhung“ nicht zurechtkommen, prognostizierte er. „Es wird viele Kündigungen geben.“

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