Die vier Rothenberger Wehren sind sehr gut aufgestellt: Hervorragende Jugendarbeit zeigt zahlenmäßige Früchte

Das Jahresende bedeutet eine gewaltige Zäsur für die Feuerwehren aus Kortelshütte, Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Rothenberg. Dann gehen sie zusammen mit der Fusion in der neuen Oberzent-Wehr auf. Deshalb klang auch eine gehörige Portion Wehmut in den Reden durch, als in den Jahresberichten 2016 und 2017 auf die letzten beiden eigenständigen Jahre zurückgeblickt wurde. Um die 200 Brandschützer mit Gästen hatten sich dazu in der neu sanierten Sporthalle zusammengefunden.

Gemeindebrandinspektor (GBI) Marco Johe stellte in seinen Berichten sowohl die Aktivitäten des Vereins als auch der Einsatzabteilung heraus. Es wurde deutlich, dass die vier Vereine einen großen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in der Gesamtgemeinde beitragen. Lärmfeuer, Grillnacht, Kikeriki-Theater, Handkäs- und Kelterfest oder Fasching sind da nur einige Beispiele.

Das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Zahlreiche Besuche von Fortbildungen, Lehrgängen oder die Teilnahme an Leistungsübungen sorgten dafür, dass die Brandschützer feuerwehrtechnisch immer up-to-date waren. Dieses Wissen kommt natürlich bei den Einsätzen zum Tragen. Davon gab es 2016 zwölf Stück neben 29 Hilfeleistungen. In diesem Jahr zählte man bisher sieben Brandeinsätze und 44 Hilfeleistungen. „Ohne eine stetige Fortentwicklung des Ausbildungsstandes würden wir stillstehen“, meinte Johe. Und: „Stillstand bedeutet Rückschritt“, sagte er.

In den vergangenen sechs Jahren, verdeutlichte Johe, verzeichnete die Rothenberger Gesamtwehr einen bemerkenswerten Aufschwung. Waren es 2011 noch 35 Jugendfeuerwehrleute, 115 Angehörige der Einsatzabteilung und 25 Mitglieder der Altes- und Ehrenabteilung, so stieg diese Zahl bis jetzt auf 66 Jugendliche, 136 „Senioren“-Brandschützer und 32 Alterskameraden. „Das ist sehr positiv und entgegen dem Trend“, verdeutlichte Johe.

Fast folgerichtig wird von den diesen Einsatzkräften auch viel geleistet. 2016 waren 8000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit, bis zum Tag der Versammlung in diesem Jahr schon wieder 7100. Eine Zahl, die nicht nur Dienstherr Bürgermeister Hans Heinz Keursten viel Respekt und Dank abverlangte, sondern ebenso den anderen Ehrengästen. Unter diesen war auch der Kreisbeigeordnete Torsten-Tankmar Hopp, der den Einsatz der Wehr und die Tätigkeit der Floriansjünger „beseelt von dem Wunsch, Menschen zu helfen“, würdigte.

Kreisbrandinspektor Horst Friedrich meinte an die Wehr gewandt: „Ihr seid gut aufgestellt.“ Er lobte die hervorragende Jugendarbeit, die sich nicht nur zahlenmäßig festmachen lässt, sondern auch an den zahlreichen Erfolgen der Jugendlichen bei Wettkämpfen auf Kreis-, Regions- und Landesebene. „Die wissen jetzt alle, wo Rothenberg liegt“, meinte Johe schmunzelnd. Friedrich forderte die Kameraden dazu auf, „das, was ihr aufgebaut habt, mitzunehmen in das, was jetzt in der Oberzent geschaffen wird“.

Über die Aktivitäten der Jugendwehr berichtete Malte Hinrichs. Er sprach von 2017 als einem „grandiosen Jahr für die Jugendfeuerwehr“. Hinrichs bezog sich dabei auf die vielen Erfolge bei den diversen Wettbewerben und die Ausrichtung des Bundeswettbewerbs in Rothenberg. Auch das restliche und vorherige Jahr waren mit etlichen Unternehmungen gespickt, die keine Langeweile bei den Nachwuchskräften aufkommen ließ.

„Ab 2018 gehen auch unsere vier Feuerwehren in Stadt Oberzent über“, sagte Johe abschließend. Bis zur Wahl eines neuen Stadtbrandinspektors werde er das Amt im Zuständigkeitsbereich der dann ehemaligen Gemeinde Rothenberg kommissarisch weiterführen. „Es wird einiges Neues auf alle und somit auch auf unsere vier Feuerwehren zukommen“, so Johe. Der gesamte Fusionsprozess war, ist und bleibt sicher noch einige Zeit ein spannendes Projekt, hob der GBI hervor.

Wie stark die Wehren in den Ortschaften verwurzelt sind, zeigte sich daneben an den zahlreichen Ehrungen für langjährige Tätigkeit. Viele Mitbürger machen sich bereits seit Jahrzehnten verdient um den Schutz ihrer Mitmenschen.

Ehrungen, Auszeichnungen, Prämien, Beförderungen

Bronzenes Brandschutzverdienstzeichen am Bande für Verdienste um das Feuerwehrwesen: Rüdiger Seip; Ehrenzeichen des BFV Hessen Darmstadt in Silber für besondere Verdienste: Christian Kehrer und Jürgen Bartmann; Goldenes Brandschutzehrenzeichen am Bande (40 Jahre): Jürgen Bartmann und Reiner Koch; Silbernes Brandschutzehrenzeichen (25 Jahre): Timm Bartmann, an Corina Ihrig wurde es bereits durch die Feuerwehr Hirschhorn verliehen

Ehrenmedaille Jugendfeuerwehr Odenwaldkreis: Anna Lähn, Malte Hinrichs, Maurice Fink, Janna Kabel, René Seip, Fabienne Buchert, Janis Heckmann, Jan Johe, Alicia Leske, Patrick Bartmann

Floriansmedaille in Silber der hessischen Jugendfeuerwehr: Maria Groh

Anerkennungsprämie: zehn Jahre Natalie Koch, Sybille Schumacher, Fabian Sauter, Alexander Volk, Lukas Beisel, Julian Beisel, Sebastian Braun; 20 Jahre Matthias Heiß; 30 Jahre Johannes Glücks, Dirk Heckmann, Klaus Kleinhans, Thomas Frisch; 40 Jahre Jürgen Bartmann

Beförderungen: Pascal Lähn (Oberfeuerwehrmann), André Foshag (OFM), Fabian Ludebühl (OFM), Janine Setzer (Oberfeuerwehrfrau), Luisa Sauer (OFF), Angelo Helm (Löschmeister), Malte Hinrichs (LM), Maurice Fink (LM), Sascha Hafner (Oberlöschmeister), Jochen Weinthäter (Brandmeister), Marco Johe (Oberbrandmeister)

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Nostalgie bei der letzten gemeinsamen Versammlung der sechs Beerfeldener Feuerwehren

Es war eine historische Versammlung, nämlich die 44. gemeinsame und auch letzte der Freiwilligen Feuerwehren in der Oberzent-Stadt. Darauf ging in seinen Worten nicht nur Stadtbrandinspektor (SBI) Bernd Ihrig ausführlich ein, sondern auch die weiteren Redner im Dorfgemeinschaftshaus. Dort hatten sich die Brandschützer versammelt, um den Jahresberichten zu lauschen, aber auch der Ehrung von verdienten Kameraden beizuwohnen, die das Feuerwehrleben über Jahrzehnte hinweg prägten.

„Da ist viel Geschichte dabei“, meinte Kreisbrandinspektor Horst Friedrich. Denn vier, fünf oder sechs Jahrzehnte halten manche Floriansjünger bereits der Wehr ihre Treue. Langanhaltender Applaus begleitete die Jubilare, die mit ihrem Einsatz der Organisation in den jeweiligen Stadtteilen ihren Stempel aufdrückten. Denn oftmals engagierten sie sich neben dem aktiven Dienst auch noch lokal oder überregional in Verein oder Verband.

„Ich danke euch für alles, was ihr für die Wehr getan habt“, meinte (SBI) Ihrig. Die Verdienste und den Einsatz würdigten auch Bürgermeister Gottfried Görig, Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh, Horst Friedrich, Dr. Raimund Keysser (DRK) und Kreisjugendfeuerwehrwart Dominik Groh in ihren Grußworten.

Ihrig freute sich besonders, zum „Abschluss der gemeinsamen Geschichte der sechs Beerfelder Feuerwehren“ alle SBI der vergangenen 44 Jahre begrüßen zu können. Er selbst ist seit 1994 im Amt zuvor waren dies Friedel Engelter (1974 bis 1984) und Heinrich Breimer (1984 bis 1994). Ihrig wollte seinen Berichten für 2016 und 2017 nicht so sehr auf Zahlen und Fakten Bezug nehmen, sondern auf den Feuerwehrdienst als solchen. „Wir wissen zur Genüge, was es heißt“, einen solchen zu leisten.

Der SBI hält nichts von der Auflistung von Schadenssummen. „Denn es ist viel wichtiger, welche Werte durch unseren Einsatz erhalten oder gerettet werden.“ Ihrig zeichnete das Bild einer schlagkräftigen Truppe, die den Schutz und die Sicherheit der Mitbürger Tag und Nacht sicherstellt. „Bei aller Technik sind es die freiwilligen Helfer, die das Wesen der Feuerwehr ausmachen“, betonte er.

207 aktive Frauen und Männer sind laut dem SBI derzeit im Dienst für den Nächsten aktiv. Die Übergänge aus der Jugendwehr übertrafen sogar die Wechsel in die Altersabteilung und Austritte. Somit eine „günstige Zukunftsprognose“ trotz der eher ungünstigen demografischen Strukturen. 82 Kameraden zählt derzeit die Alters- und Ehrenabteilung. 30 Musiker spielen in der Feuerwehrkapelle mit. Er zeigte sich froh über die gute Nachwuchsarbeit, die Stadtjugendfeuerwehrwart Marc Gärtner beleuchtete.

Der SBI nannte für 2016 insgesamt 57 Einsätze, in diesem Jahr waren es bisher sogar schon 75. Allerdings nicht nur in Beerfelden, weil man als Stützpunktwehr auch für die anderen Oberzent-Orte zuständig ist. Die Tageseinsatzsicherheit konnte man mit Alarmplänen sicherstellen. Ihrig erwähnte daneben die Ersatzbeschaffungen für diverse Einsatzfahrzeuge der verschiedenen Wehren. Über den Odenwaldkreis bekam Beerfelden kurzfristig ein LF-KatS, das allerdings auch weitere Aufgabengebiete mit sich brachte.

Als „umfangreichsten Einsatz, den der Odenwaldkreis in dieser Art je erlebt hat“, kennzeichnete Ihrig den Brand im Gasthaus zur Sonne Anfang Dezember 2016. „Rund 180 Einsatzkräfte haben hier eine hervorragende Arbeit geleistet“, betonte er. Der SBI machte deutlich, dass die Wehrleute gerade in der Erstphase des Einsatzes weit über die Grenzen der Belastbarkeit hinaus gefordert waren. Als weitere Großeinsätze nannte er den Heu- und Strohballenbrand in Hetzbach Ende Juli sowie die Reizgas-Attacke auf dem Gailsmarkt.

Gärtner zeichnete die vielen Aktivitäten der Jugendlichen von zehn bis 17 Jahren in den beiden Jahren nach. Es gibt derzeit 71 Mitglieder, die Hälfte davon aus Beerfelden-Kernort. Die Minifeuerwehr in Hetzbach zählt sechs Kinder, die in Gammelsbach neun. Um die 900 Stunden ehrenamtliche Arbeit listete Gärtner im Dienst der Nachwuchsbetreuung auf.

 

Ehrungen

Silbernes Brandschutzabzeichen am Bande für 25 Jahre aktiven Dienst: Jörg Drescher (FFW Gammelsbach), Manuel Hering (Falken-Gesäß), Erik Sauer (zuerst Ebersberg, jetzt Beerfelden). Goldenes Brandschutzabzeichen für 40 Jahre: Matthias Beisel, Helmut Eifert, Thomas Schmidt (alle Beerfelden)

Bronzenes Brandschutzverdienstzeichen am Bande für Verdienste um den Brandschutz: Gerhard Reubold (seit 1972 aktives Mitglied Beerfelden, u.a. 1990 bis 1994 Wehrführer)

Bronzenes Ehrenzeichen des Bezirksfeuerwehrverbands Hessen-Darmstadt für 25 Jahre Mitgliedschaft: Dr. Raimund Keysser. Goldenes Ehrenzeichen für 50 Jahre: Wilfred Gutjahr (Beerfelden), Peter Röth (zuerst Grasellenbach, dann Falken-Gesäß). Goldenes Ehrenzeichen für 60 Jahre: Helmut Altendorf (Olfen), Kurt Schmidt (Hetzbach)

Rothenberger Feuerwehren übten an der Sporthalle Hand in Hand mit dem DRK

„Alles lief soweit nach Plan“. Rothenbergs Gemeindebrandinspektor (GBI) Marco Johe war sehr zufrieden mit der Jahreshauptübung aller vier Gemeindewehren, zu der 58 Brandschützer an der Sporthalle zusammengekommen waren. Dort sah das Szenario vor, dass es in den Jugendfeuerwehrräumen beim Waffelbacken anlässlich Halloween zu einer Verpuffung gekommen war. Sechs vermisste bzw. verletzte Personen galt es neben der Brandbekämpfung aus dem Mannschaftsraum zu bergen.

Neben den Wehrleuten unter der Einsatzleitung des stellvertretenden GBI Oliver Fink war auch der benachbarte DRK-Ortsverband mit acht Personen unter der Leitung von Roland Heckmann mit an der Übung beteiligt. Fünf Sanitäter, zwei Rettungssanitäter und ein Rettungsassistent übernahmen die „Verletzten“ und kümmerten sich um sie. Von diesen waren sowieso nur drei „lebendig“ in Gestalt von geschminkten Mitgliedern des Jugendrotkreuzes dabei, bei den anderen drei handelte es sich um Dummys.

Die Rothenberger Wehr mit ihrem Katastrophen-Löschfahrzeug LF 10 KatS und dem Tanklöschfahrzeug (TLF) 16/25 war logischerweise als erste vor Ort, da sich das Gerätehaus direkt neben der Sporthalle befindet. Deshalb kümmerten sich diese Wehrleute vorrangig um die Menschenrettung. Als weiteres rückte die Kortelshütter Wehr mit ihren Tragkraftspritzenfahrzeug Wasser (TSF-W) sowie dem Mannschaftstransportwagen (MTW) aus und war ebenfalls an der Bergung der Verletzten beteiligte.

Von beiden Wehren waren jeweils zwei Trupps à zwei Personen mit Atemschutz ausgerüstet und drangen ins Gebäude ein. Sowohl Bürgermeister Hans Heinz Keursten als auch der Beerfeldener Wehrführer Rolf Scheuermann, gleich stellvertretender Kreisbrandinspektor, überzeugten sich von der Schlagkraft der Rothenberger.

Mit Unterstützung des Gerätewagens Logistik (GW-l) der Rothenberger legten die Ober-Hainbrunner eine zusätzliche Wasserleitung von der Zisterne am alten Feuerwehrhaus etwa 600 Meter auf die Höhe. Damit, so Johe, sollte der Gefahr entgegengetreten werden, dass die wegen des Brandes gefährdete Zisterne an der Sporthalle möglicherweise ausfallen könnte. „Wir haben auf dem Berg wenig Wasser und wenig Druck auf der Leitung“, erläuterte er. Aufgrund der Größe des Objekts sei diese Vorsichtsmaßnahme angebracht.

20 Minuten dauerte die Leitungsverlegung. „Das ist okay“, meinte Johe mit Blick auf die Uhr. Die zusätzliche Reserve ist seinen Worten zufolge kein Muss, aber mit Blick auf die gute Personalsituation bei der Übung eine sinnvolle Maßnahme. In diesem Zug ließ der GBI auch noch die beiden Pumpen auf dieser Strecke testen. „Wenn wir gerade dabei sind“, schmunzelte er.

Die Finkenbacher wiederum bereiteten vom Hydrant im Gammelsbacher Weg her einen Löschangriff auf der Rückseite der Halle vor, „um sie gegen ein Übergreifen der Flammen zu schützen“. Lob heimste vom GBI der schnelle Einsatz des Lüfters ein. „Der drückt den ganzen Rauch hinten zum Fenster aus“, sagte er. Eine klare Sicht sei unverzichtbar, wenn es um die Bergung von Verletzten gehe.

Ins Szenario mit eingebaut wurde auch ein Atemschutznotfall. Danach bekam ein Feuerwehrmann keine Luft mehr, erlitt einen Kreislaufkollaps und musste gerettet werden. „In einem solchen Fall kommt die Mayday-Meldung von innen“, so der GBI. Die Bergung des Kameraden hat dann absolute Priorität vor der weiteren Brandbekämpfung. Als das Feuer „so weit gelöscht war“, folgte die Nachkontrolle in der angrenzenden Sporthalle, ob es doch noch Glutnester gibt oder irgendwo der Brand übergesprungen war.

Neben dem schnellen Lüftereinsatz stellte Johe auch noch das rasche Auffinden der Verletzten heraus. Auch das Schlauchmanagement funktionierte gut. Denn der Einsatzleiter muss das Objekt abschätzen, um zu wissen, wie viele Meter Schlauch benötigt werden – „um auch in die hinterste Ecke zu kommen“.

Bei der Rothenberger Feuerwehrübung waren etwa 700 Meter B-Schläuche mit einem Durchmesser von 75 Millimetern in Gebrauch. Dazu noch einmal vier C-Rohre, zwei für innen und zwei für außen, mit zusammen etwa 150 bis 200 Metern. Sie haben einen Durchmesser von 42 bis 52 Millimetern.

Damit die Bürger nicht selbst löschen müssen: Finkenbacher Feuerwehr startete ungewöhnliche Aktion zur Mitgliedergewinnung

Vereine müssen mit der Zeit gehen, sonst gehen sie mit der Zeit. Bei der Finkenbacher Feuerwehr will man nicht tatenlos zusehen, wie die Mitglieder der Einsatzabteilung und des Feuerwehrvereins immer weniger werden. „Wir sind zwar noch ganz gut aufgestellt, aber wollen schon frühzeitig im Vorfeld handeln“, erläutert Vorsitzender Jens Schindler die besondere Werbeaktion, mit der die Brandschützer jetzt im Ort unterwegs sind. „In der näheren Umgebung ist mir das in der Form noch nicht untergekommen“, meint er angesichts des unkonventionellen Herangehens.

Schindler griff dabei auf eine etwas provokante Kampagne zurück, die vor einiger Zeit von der Feuerwehr Vallstedt/Allvesse (in der Nähe von Braunschweig) zusammen mit Typografix Design ins Leben gerufen wurde. Vor zwei Jahren fiel sie dem Odenwälder in die Hände. „Haushalts-Löscheimer“ steht auf den weißen Gefäßen, die in 240-facher Ausfertigung an alle Finkenbacher Haushalte verteilt werden.

Dankbar ist man bei der Wehr der Firma Bechthold in Beerfelden, die diese zur Verfügung stellten. Die Eimer sind als Geschenk für die Finkenbacher gedacht. In der Hoffnung, „dass sie nie zum Löschen gebraucht werden“, sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Alexander Volk. Ein Flyer, den die Ehrenamtlichen in stundenlanger Arbeit in jedes Behältnis legten, weist die Bürger darauf hin, dass es immer weniger Vereinsmitglieder gibt „und die Feuerwehren langsam kaputt gehen“, so Schindler. Vor allem ist es ja nicht nur die Brandbekämpfung, mit der die Wehren aktiv sind. Sie leisten ebenso einen großen Beitrag zum kulturellen Leben im Ort. Wie die Finkenbacher mit ihrem Weinfest. Auch die Durchführung des „Finki“-Festivals ist ohne sie nicht mehr denkbar.

Wenn keine Floriansjünger mehr ausrücken, sind die Einwohner im Notfall selbst gefragt. Deshalb auch die Löscheimer, um mit eigener Kraft einem Feuer zu Leibe rücken zu können. „Brand unter 112 melden, zehn Minuten abwarten in der Hoffnung, dass die Feuerwehr kommt, wenn nicht, dann Haushalts-Löschkübel mit Wasser befüllen“, lautet die Anweisung. Und: „Wenn Feuer zu groß, Nachbarn informieren und Kübelkette bilden.“

Die merkwürdigen Instruktionen sind auf der Rückseite erklärt. Dort werden die Aufgaben der Wehr erläutert und wird auf ihre Bedeutung im Ort hingewiesen. Durch den Löscheimer „soll mit Witz und Ironie darauf aufmerksam gemacht werden, dass die ehrenamtliche Tätigkeit einer Feuerwehr wichtig ist“, betont Schindler. Die Finkenbacher wünschen sich mehr aktive Mitglieder, „um Mitbürgern in Not zu helfen“. Neben den Alteingesessenen will man auch Zugezogene erreichen.

Wenn sich jemand nicht aktiv einbringen kann oder möchte, ist eine Fördermitgliedschaft ebenso willkommen. „Das kostet nur einen Euro im Monat“, weist der Vorsitzende darauf hin, dass auch wenig Geld der Feuerwehr hilft. Denn mit Vereinsgeldern werden etwa Ausgehuniformen beschafft. Oder, wenn genug zusammen gekommen ist, ein Fahrzeug wie der Mannschaftstransportwagen auf eigene Kosten beschafft. Zusätzliche Ausrüstung wird ebenfalls darüber finanziert.

Damit der Flyer nicht nur graue Theorie bleibt, lädt die Feuerwehr am Samstag, 21. Oktober, ab 9 Uhr zu einem Tag der offenen Tür rund um ihr Gerätehaus in der Wetterbergstraße ein. Dabei präsentiert die Einsatzabteilung unter anderem ihr neues Tragkraftspritzenfahrzeug-Wasser (TSF-W). Der Verein informiert über seine Aufgaben, von der Jugendfeuerwehr gibt es eine kleine Schauübung zu sehen.

„Wir haben nur noch acht Jugendliche in unseren Reihen“, bedauert Wehrführer Fabian Sauter. „Ein paar mehr dürfen gerne noch dazu kommen.“ Denn Jugendwehr bedeute Spaß im Team, Wettbewerbe mit anderen Feuerwehren, Gruppenstunden, Zeltlager und vieles mehr. In der Einsatzabteilung sind es derzeit 31 Aktive. Der Verein zählt insgesamt 130 Mitglieder. Neben den verschiedenen Aktivitäten wird am Aktionstag auch per Brandsimulator gezeigt, wie man löscht.

Viel Andrang beim Oktoberfest der Freiwilligen Feuerwehr Hirschhorn

Nach einem schleppenden Beginn verzeichnete die Hirschhorner Feuerwehr doch noch einen schönen Erfolg ihres Oktoberfests. Dirndl und Krachlederne waren bei den Brandschützern Trumpf, während bei den Gästen überwiegend Alltagskleidung vorherrschte. Die säumten nach der Mittagszeit, als der Nebel der wärmenden Oktobersonne Platz gemacht hatte, in großen Mengen die Sitzgelegenheiten.

Ein Jahr hatten die Floriansjünger wegen des Umbaus des Feuerwehrgerätehauses in der Hainbrunner Straße mit dem Fest pausiert. Eigentlich wollte man dieses gleich zusammen mit dem Florianstag einweihen. Doch beim Bau „ist leider kein Ende in Sicht“, bedauerte Vereinsvorsitzender Tim Pfisterer. Das Geld der Stadt ist alle. In einer Schauübung wurde am Nachmittag die Bekämpfung eines Wohnungsbrands im Nachbargebäude simuliert.

Bereits am Abend vorher war die Backdraft-Party in der großen Fahrzeughalle gut besucht. Der nächste Morgen startete erfreulich: Die Feuerwehrleute nahmen offiziell ihr neues Fahrzeug, ein LF 10 KatS, zusammen mit dem Rüstwagen in Betrieb. Die Übergabe geschah durch den Ersten Stadtrat Karlheinz Happes. Neben den vielen befreundeten Wehren aus der Umgebung (Brombach, Kortelshütte, Neckarhausen und Langenthal) freute man sich besonders über den Besuch der Kollegen aus Hirschhorn in Niederbayern, die traditionell jedes Jahr zum Oktoberfest vorbeikommen.

Fürs leibliche Wohl war naturgemäß die Auswahl groß. Bereits zwei Tage vorher hatten sich Aktive aus Einsatzabteilung und Verein an die Vorbereitung gemacht. „Der Aufwand hat sich gelohnt“, brachte Pfisterer seinen Dank an die Helfer zum Ausdruck. Weißwürste und Fleischpflanzerl zur Maß Bier, aber auch Flammkuchen von der Jugendfeuerwehr oder Waffeln von den Bambini mundeten bestens. Für die Kinder stand eine Hüpfburg bereits. Auf große Nachfragen stießen die traditionellen Rundfahrten mit den Feuerwehrfahrzeugen.

Die etwas andere Speisekarte sorgt für Andrang beim Weinfest der Finkenbacher Feuerwehr

Flammkuchen Hellas, Forelle mit Kartoffelsalat, Ofenkartoffel mit Kräuterquark  oder Kürbissuppe: Eher ungewöhnliche Gerichte bei einem Feuerwehrfest. Die Finkenbacher Brandschützer haben mit diesem Angebot aber sehr gute Erfahrungen gemacht. Nach dem etwas durchwachsenen Besuch im vergangenen Jahr brummte es dieses Mal rund um den Brunnen. Was wäre das Weinfest ohne Wein: Verschiedene Tropfen vom Weingut Diehl aus Rheinhessen fanden zahlreiche Abnehmer. Eine Hüpfburg sorgte für Unterhaltung der Kinder. Das gerade am Vortag auf Vordermann gebrachte Schachfeld war bereits wieder in Funktion.

Verschiedene Flammkuchen und gute Weine sind das Erfolgsrezept des Festes, das die Feuerwehr im Jahr 2010 neu aufleben ließ. Der Park gleich neben der Brücke in der Nähe des Feuerwehrhauses bot sich dafür an. Den dortigen Brunnen „gibt’s schon seit über 20 Jahren, aber bisher wurde er noch nicht als Festkulisse genutzt“, weiß Vereinsvorsitzender Jens Schindler. Von der Bevölkerung wird das Weinfest sehr gut angenommen, ist es doch eine schöne Alternative zur traditionellen Kerwe. Aus Finkenbach selbst kommen deshalb auch die meisten Gäste.

An die 40 Helfer hat die Feuerwehr den Tag über fürs Wohl der Besucher im Einsatz, zählte Matthias Heiß. Die laben sich gerne an den frisch belegten und vor Ort im Ofen gebackenen Flammkuchen. Als Spezialität gab’s diesmal unter den fünf Sorten eine Bärlauch-Auflage und den „Lachs im Lauchmeer“. Natürlich die süße Variante nicht zu vergessen. Thomas Frisch und Fabian Sauter wechselten sich bei der Schweiß treibenden Arbeit ab. Der Klassiker, der elsässische Flammkuchen, läuft aber immer noch am besten. Die Jugendfeuerwehr verdiente sich etwas fürs Zeltlager dazu und bot frische Waffeln an.

Beim Fisch setzen die Wehrleute auf Regionalität. Die Forelle stammt aus der Teichanlage Finkenbachtal von Matthias Bartmann. Am Tag vorher frisch gefangen, legte sie Bartmann eine Nacht in Salz ein, ehe sie dann auf den Teller kamen. 35 Stück waren geordert worden. Kein Vergleich aber zum Flammkuchen, von dem etwa 250 Stück an diesem Tag weggehen.

Mehrere hunderte Besucher dürften es in diesem Jahr gewesen sein, freute sich Schindler. Deutlich mehr als 2016. Dazu trugen auch die Feuerwehren aus Langenthal, Kortelshütte und Ober-Hainbrunn bei. Der gemischte Chor kam am Mittag für ein paar Lieder vorbei und unterhielt die Gäste prächtig. Die Mannen des FC Finkenbachtal hatten reichlich Durst nach dem Frust der 3:2-Niederlage in Bad König-Zell mitgebracht.

Bei den Getränken war natürlich der Fest-namensgebende Wein ein Muss. Die Weinprobe „wurde extrem gut angenommen“, so Heiß. Vier weiße und vier rote Tropfen standen zur Auswahl, dazu noch zwei Roséweine. Verkaufsschlager war die „Sommer Sinfonie“, ein lieblicher Weißwein. „Der schmeckt selbst mir, obwohl ich keine süßen Tropfen mag“, schmunzelte Heiß.

Beim Kortelshütter Kelterfest am 10. September werden wieder Wildschweine gegrillt

Wenn die Feuerwehrleute im Rothenberger Ortsteil ihr Kelterfest feiern, läuten bei den Schwarzkitteln in der Region die Alarmglocken. Denn zwei von ihnen werden in bester gallischer Tradition erst gegrillt und dann vertilgt. Am Sonntag, 10. September, wird das um 10.30 Uhr im und um das Dorfgemeinschaftshaus Kortelshütte schon zum vierten Mal der Fall sein. Insgesamt findet das Kelterfest bereits zum 26. Mal statt.

Die zahlreichen Gäste lassen sich nicht nur ein mächtiges Wildschwein vom Spieß aus den heimischen Wäldern munden, sondern vertilgen in der Regel noch ein weiteres, das zuvor zu Wildgulasch verarbeitet wurde. Diese Neuerung aus 2014, eine Wildsau am Spieß anzubieten, bewährte sich bisher bestens und beschert den Brandschützern immer einen großen Andrang.

Natürlich muss die Sau auch schwimmen. Deshalb gibt es wieder leckeren, frisch gekelterten Süßmost von Kortelshütter Äpfeln und neuen Wein. Dazu reichen die Floriansjünger selbstgebackenen Zwiebelkuchen, Haxen, geräucherte Forellen und weitere leckere Spezialitäten. Wie schon in den vergangenen Jahren findet am Tag zuvor, Samstag, 9. September, ab 20 Uhr eine Bembelparty mit „DJ Firefighter“ statt.

Neben den Kameraden der befreundeten Wehren aus Hirschhorn und den Rothenberger Ortsteilen kommen gerne auch viele Auswärtige, die die Gastfreundschaft der Wehrleute und das ausgefallene Speisen- und Getränkeangebot zu schätzen wissen. Etliche Zentner Äpfel von Wiesen auf der heimischen Gemarkung werden im Vorfeld von Einsatzabteilung und Jugendwehr gesammelt, um daraus viele Liter Apfelsaft direkt vor Ort frisch zu pressen.

Am Grill steht immer in bewährter Manier der gelernte Koch Stefan Sonnenburger. Der ist zwar kein Feuerwehr-Mitglied, aber bei den Festen immer an vorderster Front dabei, wenn es ums Helfen geht. Damit der Grill unter der Wildsau nie ausgeht und sie nach mehr als sechs Stunden das entsprechende Aroma hat, schlagen sich die Feuerwehrleute gern die Nacht um die Ohren. Insgesamt sind rund um die Veranstaltung 25 Helfer aus der gesamten Feuerwehr aktiv. Viele Speisen werden vor Ort selbst zubereitet, so das frisch gekochte Sauerkraut oder der Zwiebelkuchen.