Der restaurierte Wedekindstein erinnert an die Badische Revolution 1848/49

Die hessische Neckarstadt spielte eine bedeutende Rolle in der Badischen Revolution. Eines der letzten Kapitel der Ereignisse 1848/49 wurde in Hirschhorn geschrieben. Hanauer Turner und Bundestruppen lieferten sich rund ums Schloss Mitte Juni 1849 ein Gefecht. Unglücksrabe war Ludwig Wedekind: Der fiel „Friendly Fire“ zum Opfer, nachdem er wohl nicht schnell genug das Passwort wusste und von den eigenen Leuten erschossen wurde. Ihm zu Ehren wurde 1869 ein Gedenkstein errichtet, den man jetzt, 150 Jahre später, frisch restauriert einweihte.

Mit diesem „Wedekindstein“, am Aufgang vom Kloster kommend aufgestellt, hat es eine ganz besondere Bewandtnis. Er stellt neben dem Hambacher Schloss das einzige bauliche Denkmal zur Erinnerung an die Badische Revolution dar. Entsprechend prominent besetzt war die Riege der Laudatoren, allen voran der CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Michael Meister. Begrüßt und ins Thema eingeführt hatte Bürgermeister Oliver Berthold.

Es war an diesem Nachmittag viel von Freiheit und der wehrhaften Demokratie die Rede, „die man sich jeden Tag neu erarbeiten muss“ (Meister). Heutzutage müsse man wieder lernen, dass beides nicht auf ewig gesichert sei, sagte er mit Blick auf aufflammende braune Umtriebe. Der MdB zeigte die Parallelen des 1949 verabschiedeten Grundgesetzes mit der Paulskirchen-Verfassung von 1849 auf. Deutschland sei, betonte er, „aufgrund seiner Verfassung in einer guten Verfassung“.

Für die mit organisierenden Hirschhorner Altstadtfreunde gab’s 500 Euro vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, überreicht von Meister an den Vorsitzenden Reiner Lange. Sie hatten gemeinsam mit der Stadt sowie dem Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum im Gedenken an den im vergangenen Jahr verstorbenen Hirschhorner Stadthistoriker Ulrich Spiegelberg das Projekt zu Ende geführt.

Von den Hanauer Turnern waren Archivar Dietrich Arlt und Präsident Rüdiger Arlt vor Ort. Letzterer ließ die Geschichte des 1837 gegründeten „altrechtlichen Vereins“ (a.V.) humorvoll Revue passieren. Neben Christian Lautenschläger war August Schärttner einer der Gründer. Der, so Arlt, „war kein Sportler, sondern Revoluzzer“. Es wird kolportiert, dass Schärttner sogar seinem Weggefährten Karl Marx zu radikal war.

Als Anfang Juni 1849 der Hilferuf von den badischen Freunden kam, zogen in Hanau 300 Kampfeswillige los. Arlt ging auch auf den Pechvogel Wedekind, einen Goldschmied, ein. Er war der zweite Turner, der damals außerhalb des Schlachtfeldes fiel. Nach der Kapitulation flohen viele Hanauer über die Schweizer Grenze. Wer blieb, kam lange Jahre ins Zuchthaus. Auch Arlt fand mahnende Worte: „Viele von denen, die er heute aufwachsen, wissen es nicht mehr wertzuschätzen, wie gut es uns geht.“ Die damalige Aktion bezeichnete er als Grundstein der Demokratie.

Volker Buser würdigte als Vertreter von Landrat Christian Engelhardt das Wirken Spiegelbergs für die Stadt. Die Wiedereinweihung bezeichnete er als großem Moment für Hirschhorn und den Kreis. Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebes Bau und Immobilien, ging kurz auf die laufenden Maßnahmen rund ums und im Schloss ein, die zusammen etwa drei Millionen Euro kosten. Auch in heutigen Zeit, bedauerte er, „wird so mancher von hinten erschossen“. Dieses Mal durch die sozialen Medien: durch solche, von denen es man nicht vermute.

Pfarrer Joshy und sein evangelischer Amtskollege Reinhold Hoffmann sprachen den Segen. Hoffmann hatte ebenfalls mahnende Worte parat. Er wies, auch wenn es vielleicht komisch klinge, auf das Misstrauen als Grundbestandteil der Demokratie hin. Angesichts vieler „Fake News“ der heutigen Zeit forderte er dazu auf, immer zu hinterfragen und nichts als gegeben hinzunehmen. Für die musikalische Umrahmung sorgte Richard Köhler. Archivar Dr. Rüdiger Lenz sprach später zum Thema „Badische Revolution 1848/1849 und Auswirkungen bis in die heutige Zeit“.

 

 

Die Badische Revolution rund um Hirschhorn

Längs der Neckar-Odenwald-Linie war eine Verteidigungsstellung gegen die heranrückenden Preußen und Bundestruppen aufgebaut worden. Die Hanauer Turnerwehr, verstärkt durch Heilbronner Turner, war dem Hilferuf der badischen Revolutionäre gefolgt. Das strategisch wichtige Hirschhorn wurde am 13. Juni 1849 besetzt. Der „Traum von der Freiheit“ und einem Deutschen Staat scheiterte später an den deutschen Fürsten.

Am Abend des 15. Juni kam es zum Gefecht zwischen mit den von Beerfelden herangerückten Bundestruppen – kurhessische Infanterie und bayerische Jäger, verstärkt durch zwei mecklenburgische Geschütze, insgesamt etwa 2000 Mann. Nach einem Vorpostengefecht mit Kanonenbeschuss an der Schneidmühle erfolgte der Angriff auf die Burg, in der sich die Hanauer verschanzt hatten.

Hilfe wurde den Turnern zuteil durch Freischärler, die von Heddesbach aus herangerückt waren und die Bundestruppen im Rücken angriffen. Nach erfolglosem Sturm auf die Burg entschloss sich Oberst Weiss als Kommandeur der hessisch-bayerischen Truppen zum Rückzug, da er seine Stellung ungeschützt vorfand und umfangreiche Verbände von Freischärlern in der näheren Umgebung vermutete. Die Hanauer Turner wiederum verließen Hirschhorn am Morgen des 16. Juni und zogen sich ins benachbarte Eberbach zurück.

Das Gefecht von Hirschhorn blieb im Rahmen der Revolutionsereignisse eine Episode. Als Achtungserfolg fand es jedoch große Beachtung. 20 Jahre später bekam Wedekind von seinen ehemaligen Kampfgefährten im Rahmen einer Gedenkfeier einen Grabstein gesetzt. Die Gedenkrede hielt der Hanauer Wilhelm Kämmerer als einer derjenigen, die in Hirschhorn gekämpft hatten. Er war erst 1860 wieder aus der Haft freigekommen.

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Versammlung der Hirschhorner Langbein-Freunde: Besucherzahlen des Museums wurden 2016 erneut gesteigert

Von einem ereignis- und erfolgreichen Museumsjahr berichtete der Vorsitzende des Freundeskreises Langbein‘sche Sammlung, Ulrich Spiegelberg, auf der Jahreshauptversammlung. Mit 1240 Besuchern wurden 2016 die Besucherzahlen erneut gesteigert. Dazu trugen auch zunehmend gebuchte Museumsführungen und eine besondere Kostümführung bei. Im vergangenen Jahr wurde der Wochenend-Museumsdienst wieder ehrenamtlich von den Mitgliedern besetzt. Auf eine gute Resonanz stieß laut Spiegelberg fand die Teilnahme am „Lebendigen Neckar“, wo die von Evelyn Christoffers bemalten Figuren Ritter und Edelfrau erstmals zum Einsatz kamen.

Mit der Ausstellung „Hommage an Carl Langbein – eine Ausstellung in der Ausstellung“ setzte Ludwig Schmeisser mit eigenen Arbeiten und Objekten Kontraste zu Exponaten in der Museums-Dauerausstellung. Der „Ausflug in die faszinierende Welt unserer heimischen Schmetterlinge“ mit Bildern von Gisela Mauve folgte. Hierzu gab es auch einen Vortrag sowie einen Vormittag mit Kindern. Die Ausstellung mit dem Photo- und Objektkünstler Günther Wilhelm (Ludwigshafen) fand ebenfalls große Resonanz.

Mit der Ausstellung „Hirschhorn zu Carl Langbeins Zeit“ mit Stichen, Aquarellen und einigen Gemälden sowie der Weihnachtsausstellung mit Erzgebirge-Volkskunst aus dem Fundus von Rolf Belzner ging eine gute Saison zu Ende. „Bergbau im Odenwald“ war daneben das Thema einer Exkursion. Das Museumsjahr war auch dem 200-jährigen Geburtstag von Carl Langbein gewidmet. So gab es an dessen Geburtstag eine kleine Gedenkfeier, musikalisch umrahmt durch Frauke Bodinus, mit anschließendem gemütlichen Beisammensein im Ersheimer Hof.

Die Entwicklung des Langbein-Museums, das als Beispiel für Gestaltung und Betrieb eines kleineren Museum angesehen wird, wird vom hessischen Museumsverband aufmerksam beobachtet. So war man auch zu einem der drei Vorträge am Hessischen Museumsverbandstag geladen, in der als besonders bewertete Projekte vorgestellt werden sollten.

Ein Kompliment kam vom Vorsitzenden des Hessischen Städtebundes, Karl-Christian Schelzke, der am nächsten Tag das präsentierte Langbeinmuseum besuchte, um zu sehen, ob alles so stimmte wie gesagt. Er kam, sah und es war so. Dafür gab es von ihm nicht nur ein großes Lob, sondern auch eine kleine Nasenskulptur, um die leere Vitrine zwischen Elefantenohr und Auge Gottes zu füllen. 2016 nahm das Museum wieder an den Hirschhorner Ferienspielen mit einem Besuch im Steinbruch teil. Wie auch die früheren Beiträge war diese Veranstaltung gleich ausgebucht.

Leider konnte das zweite Projekt für Kinder zum Thema „Räuber“, gestaltet vom jungen Museumsteam, aufgrund zu geringer Anmeldung nicht durchgeführt werden. Ohne das große ehrenamtliche Engagement der Mitglieder wäre das Jahr 2016 nicht so erfolgreich verlaufen, sagte Spiegelberg, wofür er allen Beteiligten danke. Einen besonderen Dank sprach er dem langjährigen zweiten Vorsitzenden Peter Rossmann aus, der aus gesundheitlichen Gründen sein Amt abgab.

Es kam zur Neuwahl des Vorstandes. (Wieder-)Gewählt wurden Ulrich Spiegelberg, Aloisia Sauer (zweite Vorsitzende), Jürgen Waibel (Schatzmeister), Monika Hofmann (Schriftführerin) sowie weiterhin Evelyn Christoffers, Sandra Fink, Anna Lena Gummel, Roswitha Rossmann, Andrea Weber, Wilfried Geyer, Peter Rossmann und Wolfgang Schuler. Neben Anregungen für den Museumsbetrieb wurden auch kommende Ausstellungen besprochen.

Es sei immer wieder schön, so Spiegelberg, wenn die Museumsarbeit durch Spenden unterstützt werde. So sei im Laufe der Zeit eine beachtliche Anzahl schöner Exponate zusammengekommen. Ein „Spenderfest“ – eine Ausstellung mit gespendeten Exponaten – soll dies würdigen. Neben einer Kunstausstellung gibt es abschließend, passend auch zum Reformationsjubiläum, die Ausstellung 125 Jahre evangelische Kirche Hirschhorn (sie wurde 1892 geweiht). Neben der Teilnahme am Lebendigen Neckar, am Weihnachtsmarkt und dem Adventskaffee sind auch eine geologische Exkursion sowie ein Ausflug nach Heppenheim mit Stadtführung und Besuch des Sparkassenmuseums geplant.

Ferienspaß der Hirschhorner Langbeinfreunde führte in den Steinbruch der Firma Baldauf

Der Freundeskreis Langbeinsche Sammlung in Hirschhorn hatte sich in diesem Jahr etwas Besonderes für die Ferienspielkinder ausgedacht. Waren diese im vergangenen Jahr noch vor dem Langbein-Museum beim Behauen der Sandsteine aktiv, konnten sie in diesem Jahr direkt im Steinbruch sehen, wie die Steine abgebaut werden. Die Firma Baldauf betreibt seit 1958 einen Steinbruch bei Falken-Gesäß und hatte im vergangenen Jahr einen großen Sandsteinquader und kleinere Steine für den Ferienspieltag zur Verfügung gestellt.

In diesem Jahr folgte nun der Besuch im Steinbruch. Sehr spannend war das für die großen und kleinen Gäste. Alle hingen Herrn Baldauf förmlich an den Lippen, als er vom Abbau, den Sprengungen und dem auch heute noch kräftigen Muskeleinsatz bei der Arbeit berichtete. Die Arbeitsgeräte aus nächster Nähe zu bestaunen und auch mal selbst Hand an zu legen, war ein Erlebnis. Wie schwer ein Steinschlegel ist und mit welcher Kraft der Bohrer den Stein sprengt, erstaunte alle. Baldauf beantwortete geduldig alle Fragen und hatte die „neuen Arbeiter“ schnell in seinen Bann gezogen.

Ein ganz großes Dankeschön der Organisatoren an die Firma Baldauf und besonders an den Juniorchef, ein Enkel des Firmengründers von 1958. Nach dem Besuch im Steinbruch war erst einmal eine Stärkung am Beerfelder Trimm-Dich-Platz fällig. Bei fröhlichem Spiel auf dem Platz im Wald war der Nachmittagsausflug schnell zu Ende. Sandra Fink, Annalena Gummel, Tatjana Gruneberg, Willi Dreher und Monika Hofmann begleiteten die Kinder, die Feuerwehr stellte ihren Kleinbus zur Verfügung.

Langbein-Soirée unter dem Motto „Dreierlei-Blick“ bringt in Hirschhorn drei künstlerische Ansichten zusammen

Im Rahmen der Veranstaltungen zum 200-jährigen Geburtstag von Carl Langbein zeigt der Freundeskreis Langbein‘sche Sammlung im Museum eine „Ausstellung in der Ausstellung“ mit Objekten des Hirschhorner Künstlers Ludwig Schmeisser. In der Dauerausstellung präsentiert sich Carl Langbein nicht nur als Sammler, sondern auch als Künstler.

Gleichzeitig zeigt das Museum als Sommerwechselausstellung Werke des Ludwigshafeners Günther Wilhelm unter dem Titel „Alt Process Photography und Objektkunst – Aus der Entwicklungs-und Asservatenkammer“, in der sich ebenfalls Berührungspunkte oder manche Seelenverwandtschaft zur Hirschhorner Langbeinsammlung ergeben. Die Langbein-Soirée unter dem Motto „Dreierlei-Blick“ findet am Freitag, 29. Juli, 19.30 Uhr, im Museum statt.

Im Dialog mit den Künstlern soll versucht werden, Berührungspunkte und Begegnungen verschiedener Objekte aus drei künstlerischen Ateliers/Orten und persönlicher Sicht zu entdecken. Eine musikalische Umrahmung gibt es durch das Duo Richard Köhler (Gitarre) und Ulrich Spiegelberg (Klavier). Mit einem gemütlichen Plauderstündchen unter der Museumslinde, durchaus nicht trocken, soll dann die Soirée enden.

Vom 3. September bis zum 11. November heißt es im Museum „625 Jahre Stadtrechte – Ansichten und Objekte“. Am 3. und 4. September findet auch das 40. Hirschhorner Ritterfest gleich nebenan statt, das ebenfalls dem Stadtrechte-Jubiläum gewidmet ist und ein außerdordentlich dichters Programm bietet. Am 6. September findet die Geburtstagsfeier für Carl Langbein im „Ersheimer Hof“ statt.

Gegensätzliches, aber auch Gemeinsames in den Werken von Evelyn Christoffers und ihrem Großvaters Arthur Krauss

Werke der Hirschhorner Malerin Evelyn Christoffers und ihres Großvaters, des Dresdner Kunstmalers Arthur Krauss (1893-1973), sind jetzt unter dem Titel „Kontraste“ im Langbein-Museum zu sehen. Zur Vernissage begrüßte der Freundeskreis Langbein’sche Sammlung und Heimatmuseum viele Gäste. Gegensätzliches, aber auch Gemeinsames im familiären künstlerischen Oeuvre machen den besonderen Reiz dieser Ausstellung aus.

In Vertretung des Vorsitzenden Ulrich Spiegelberg, der sich auf die musikalische Umrahmung der Feierstunde am Piano konzentrierte, begrüßte Hans-Jürgen Waibel die Besucher. „Treffender könnte man es nicht bezeichnen“, meinte Waibel mit Blick auf den Ausstellungstitel „Kontraste“. Die künstlerische Bandbreite sei in der Vielfalt der Stilrichtungen und der eingesetzten Materialien „sehr, sehr selten anzutreffen“. Evelyn Christoffers liebe Kontraste und sei „immer für spontane künstlerische Überraschungen gut“.

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Kontraste zu ihren Werken seien auch in den ausgestellten Bildern ihres Großvaters Arthur Kraus erkennbar. Dieser „konnte sie für die Malerei begeistern“ und sei ihr Entdecker, Lehrmeister und Vorbild gewesen. Die Liebe zur Malerei siegte Waibel zufolge bei Christoffers gegenüber dem auf Wunsch der Mutter erlernten „richtigen Beruf“ als Wirtschaftsdolmetscherin. „Davon können wir uns im Rahmen dieser Ausstellung sprichwörtlich ein Bild machen.“

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Waibel leitete dann über zu Ludwig Schmeisser, der zusammen mit Christoffers die Ausstellung konzipiert hatte und „dessen Leben der Kunst gehört“. Dieser habe freundschaftliche Kontakte zu Künstlern im ganzen Bundesgebiet und sei ein „profunder Kenner der Dresdner Künstlerszene“. Werke von Künstlern gehörten „zu den letzten noch Hand gemachten Dingen der Menschheit“, leitete Schmeisser seine Betrachtung ein.

„Wir bekommen Einblick nicht nur in ein Stück Zeit- und Kunstgeschichte, sondern auch in ein spannendes Stück Familiengeschichte“, sagte Schmeisser im Hinblick auf die von Großvater und Enkelin stammenden Werke. Es ließen sich sowohl Gegensätze als auch Gemeinsamkeiten im jeweiligen Schaffen erkennen. Diese seien in der Zeit, im Charakter der Person und im individuellen Lebensweg begründet. Schmeisser machte diesen Dualismus unter anderem am Beispiel „Parklandschaft“ von Arthus Krauss und „Dünenlandschaft auf Sylt“ von Christoffers deutlich.

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In punkto Gemeinsamkeit bestimme die „Passion des Malens“ den Lebensweg und sei bei beiden Antrieb für alle Lebensphasen, betonte Schmeisser. Der „unterschiedliche Zugang zu und Umgang mit der Kunst“ mache die Gegensätzlichkeit aus. Arthus Krauss etwa habe eine starke Bindung an klassische Vorbilder.

Weiterer Höhepunkt wird die Soiree am Donnerstag, 27. August, 20 Uhr, sein, die dem Künstler Arthur Krauss und seinem Leben gewidmet ist. Die Ausstellung ist bis zum 20. September während der üblichen Öffnungszeiten des Langbein-Museums, Alleeweg 2, Hirschhorn, zu sehen: Dienstag 14 bis 17 Uhr, Mittwoch bis Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr, Sonntag 15 bis 17 Uhr. Montags ist geschlossen.

Hirschhorner Ferienspaß-Kinder meißeln ihre Ideen in Stein

Bereitwillig steht Paul Rede und Antwort. „Ich sammle gerne Steine“, sagt er auf die Frage, warum er am Steinmetzkurs des Langbein-Museumsvereins im Rahmen der Ferienspiele teilnimmt. Einen davon, einen Quarz, habe er sogar schon über Ebay verkaufen können. Mit Paul sind weitere neun Jungen und fünf Mädchen an diesem Nachmittag unter Anleitung des Neckarsteinacher Steinmetz- und Bildhauermeisters Klaus Rolke begeistert dabei, auf die Buntsandsteine einzuhämmern und sie nach ihren Vorstellungen zu formen.

Rasend schnell war der Ferienspaß bereits wenige Tage nach Bekanntgabe ausgebucht, freut sich Vereinsschriftführerin Monika Hofmann. Sie hatte nach dem Vortrag von Hans Klinge, den dieser im Frühjahr im Museum über die ehemaligen Hirschhorner Steinbrüche hielt, die Idee, daraus einen Ferienspaß zu konzipieren. Zusammen mit Sandra Fink stellte sie ihn dann unter Mithilfe der anderen Vereinsmitglieder auf die Beine.

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Und für die Fortsetzung im kommenden Jahr ist auch schon gesorgt: Denn die Firma Baldauf, die in Falken-Gesäß noch Odenwälder Buntsandstein abbaut, habe eine Exkursion für die Kinder in den dortigen Steinbruch angeboten, so Hofmann. Von der Firma Baldauf stammten auch die Steinplatten, die von den Kindern bearbeitet werden durften.

Und ein 500 Kilo schwerer Findling, der mit einem Kran vor dem Langbein-Museum abgeliefert wurde. Er war besonders für die Jungs ein Anziehungspunkt, die sich mit Hammer und Meißel an ihm austobten, „um ein Gefühl fürs Werkzeug zu bekommen“, so Rolke. Von den Firmen Hagebau und Riedel gab’s als Spende noch die Schutzbrillen obendrauf, so dass nichts ins Auge ging. Klaus Rolke hatte dazu das typische Steinmetz-Handwerkszeug wie Spitz-, Nagel- oder Schrifteisenhammer.

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Der aus dem Sudetenland stammende Rolke feierte dieses Jahr sein 50. Meisterjubiläum. Im Beruf ist Rolke „seit fast 60 Jahren tätig“, da er 1957 seine Ausbildung im väterlichen Betrieb begann. Mit Leib und Seele, viel Herzblut und schöpferischem Esprit übt er seine Tätigkeit auch noch im Rentenalter aus. Und ist dabei fit wie ein Turnschuh. Bergsteigen und Skifahren sind die „harmlosen“ Sportarten, die er noch betreibt, früher gehörten noch Paragliden oder Heli-Skiing dazu. Neben individuell gestalteten Grabsteinen und Grabanlagen werden in seiner Firma auch viele andere Produkte aus Naturstein hergestellt: Tierfiguren, echte Steinpilze, Vogeltränken, Brunnen, Wappen, Bildstöcke und andere Geschenkideen rund um Haus und Garten.

Die zwölfjährige Soeh oder die zehnjährige Emma hatten sich für die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen als Motiv entschieden. Mit einer Schablone wurde die Dekoration aufgemalt, bevor es richtig losging. Gesichter oder Schmetterlinge waren andere gefragte „Steinmetzarbeiten“. Die Arbeiten der Kinder, sagt Monika Hofmann, sollen im Spätjahr im Museum ausgestellt werden. Zwischendurch gab’s noch ein zünftiges Vesper wie früher bei den Steinbrechern: Odenwälder Brot mit Fleischwurst.

 

 

Hirschhorner Museumsverein kümmert sich um den Nachlass von Carl Langbein

Die „Freunde der Langbein’schen Sammlung“ haben sich dem Erhalt des Nachlasses von Carl und Ida Langbein und der Bewahrung dieser Schätze im Hirschhorner Langbein-Museum verschrieben. Mitte 2013 wurde dieses mit einer neuen, maßgeblich vom Verein mitentwickelten Konzeption wiedereröffnet. Gewürdigt wurde die Neuausrichtung im Frühjahr 2015, als das Museum die Auszeichnung „regionales Kulturerbe“ im Kreis Bergstraße erhielt.

Carl Langbein (1816-81) bezeichnete sich selbst als „Naturalisten“. So nannte er ab 1854 auch das in diesem Jahr erworbene Gasthaus, an dessen Stelle heute Rathaus und Bürgerhaus stehen. Langbein, ein „Odenwälder Weltbürger“, kam aufgrund seines Berufs als Kaufmann für einen Menschen seiner Tage viel herum, besuchte unter anderem die Weltausstellung 1851 in London. Er setzte sich früh zum Ziel, „das, was vielleicht in späterer Zeit verloren gehen könnte, zu bewahren“.

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Carl Langbein war an vielen Dingen interessiert: Gemälde, Möbel, Bücher, alte Urkunden, Waffen, Handwerksgegenstände, Muscheln, Mineralien. Leidenschaftlich gern präparierte er Tiere. Davon konnte ein bekannter amerikanischer Schriftsteller ein Lied singen bzw. eine Geschichte schreiben: Mark Twain, der den Aufenthalt in Hirschhorn nach einer Neckar-Floßfahrt in seinem „Bummel durch Europa“ thematisiert. Twain konnte kaum einschlafen, weil ihn im Naturalisten-Zimmer die gläsernen Augen einer großen ausgestopften weißen Eule „beobachteten“.

Ohne Langbein gäbe es heute in Hirschhorn nicht so viele Zeugnisse der städtischen Geschichte. Zwischen seinem Tod und der Unterbringung der Sammlung ab 1985 im alten Forsthaus liegt eine wechselvolle Geschichte: Zuerst gingen seine Schätze an Schwester Ida über, die sie später dem Land Hessen vermachte. Das brachte sie im Rittersaal des Hirschhorner Schlosses unter. Nach dessen Umwandlung zum Hotel 1959 wurde aber mit ihnen sehr lieblos umgegangen. Erst der Rückkauf durch die Stadt 1967, die Gründung des Museumsvereins 1980/81 und der Umzug ins alte Forsthaus neben dem Rathaus 1985 hauchten Langbeins Vermächtnis neues Leben ein.

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Der Reiz der „Naturalien- und Alterthümer-Sammlung“ liegt in ihrer für den heutigen Betrachter überraschenden Vielfalt. Das Ergebnis einer Sammelweise, die nur aus dem Kunst- und Geschichtsverständnis des 19. Jahrhunderts heraus begriffen werden kann. Vertreten sind: Skulpturen, Architektur- und Altarfragmente sowie Möbel (jeweils 16. bis 19. Jahrhundert), Malerei und Grafik, Gebrauchsgegenstände und Werkzeuge (je 17. bis 19. Jahrhundert), kunstgewerbliche Objekte, religiöse Klein- und Volkskunst (jeweils 18. und 19. Jahrhundert), Waffen, Jagdgerät und Jagdtrophäen (18. bis 20. Jahrhundert), eine umfangreiche Münz- und Büchersammlung sowie Objekte zur Hirschhorner Geschichte wie zum Beispiel zum Gefecht von Hirschhorn während der Badischen Revolution 1849.

Von besonderer Bedeutung sind Exponate aus dem ehemaligen Karmeliterkloster Hirschhorn: Teile der Bibliothek (etwa ein Antiphonarium aus dem 14. Jahrhundert) und der künstlerischen Ausstattung (Reste des barocken Hochaltars 1761/62) sowie Mobiliar aus dem Refektorium. Eine weitere Attraktion stellt das aus rund 180 Tierpräparaten, die meisten davon von Carl Langbein selbst kunstvoll hergestellt, bestehende Diorama dar. Es bietet einen eindrucksvollen Überblick über die heimische, in einigen Fällen auch vom Aussterben bedrohte Tierwelt. Die Welt der Ritter wird präsentiert durch die ausgestellten Waffen und Rüstungen und durch interessantes Fundmaterial von der Burg Hirschhorn.

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Der Museumsverein ist im 35. Jahr seines Bestehens so rege wie eh und je. Aktuell Jahr wurde ein besonders ehrgeiziges Programm ins Auge gefasst, um den Verein bekannter zu machen und neue Mitglieder zu gewinnen. Dieses Konzept ging in den ersten sechs Monaten 2015 bereits voll auf. Um 20 Prozent schnellte die Mitgliederzahl bereits nach oben. Vorträge wie über „Steinbrüche in unserer Region“ des Eberbachers Hans Klinge oder eine Ausstellung mit Werken von Akela Möhren aus Heidelberg stießen auf viel Resonanz.

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Auch bei den Ferienspielen bringen sich die Langbein-Freunde stark ein. Seien es die Steinbearbeitung (mit Anklang an den Steinbruch-Vortrag) oder Geschichten über Ausstellungsgegenstände des Museums (Engel und Tiere) und eine Anleitung, wie unter dem Motto Malen und Modellieren eine Umsetzung, gepaart mit dem Erlernen von Techniken, möglich ist. Geplant ist in diesem Zusammenhang eine gesonderte Ausstellung in den Wintermonaten. Auch eine Adventsausstellung am ersten Adventssonntag ist vorgesehen.

Vereinsgründung: 1980

Mitgliederzahl: 71

Kontakt: Vorsitzender Dr. Ulrich Spiegelberg, Michelberg 6, 69434 Hirschhorn (Neckar), Telefon 06272/6998, E-Mail ulrich.spiegelberg@t-online.de, http://www.museum-hirschhorn.de