Kostenvoranschlag entspricht nicht der Realität

Am kommenden Samstag wird beim Freiwilligentag des Odenwaldkreises auch in Gammelsbach in die Hände gespuckt. Der Ortsbeirat hofft dabei auf rege Beteiligung aus der Bürgerschaft. Allgemeine Ortsbildverschönerungen an der Schäfersruhe, den Tikale-Wandersteinen und der Friedhofsmauer stehen im Vordergrund, erläuterte Ortsvorsteher Konrad Helm auf der Sitzung, die wieder von einigen Bürgern besucht wurde.

Das Gremium war unzufrieden mit dem Kostenvoranschlag der Stadt zur Weiterführung des Dorfwegs, überbracht von Erik Sauer. „Der entspricht nicht der Realität“, so die Meinung der Mandatsträger bei diesem Tagesordnungspunkt. Denn besprochen worden sei, dass die Stadt das komplette Material zur Verfügung stellt. Alle erforderlichen Montage- und Verlegearbeiten sollten durch Mitglieder des Ortsbeirats gewährleistet werden. Mit der Bitte an die Stadt, diesen Kostenvoranschlag nochmals zu überarbeiten, beschloss man die Angelegenheit.

Das Ortsbeiratsbudget wird dafür verwendet, zwei Entspannungsliegen kaufen und im Ort aufzustellen. Die Standorte werden noch festgelegt. Außerdem sollen neue Dorfweg-Hinweisschilder gekauft und montiert werden. Auf Anregung von Gammelsbacher Bürgern sollen die Eigentumsverhältnisse entlang des Dorfweges geklärt werden. Die Verträge und deren Verbriefung sollen eindeutig niedergeschrieben werden, hieß es in dem einstimmig beschlossenen Antrag, den das Gremium der Stadtverwaltung übermittelt.

Erik Sauer hatte auf der Sitzung auch einen Planentwurf der Stadt zur Gestaltung der Urnenfeldabgrenzung (Friedparkanlage) dabei. Da eine einheitliche Gestaltung der Urnenfelder in allen Stadtteilen vorgesehen ist, favorisierte das Gremium diesen Vorschlag. Im Zuge der Neugestaltung soll auch die Kompostierbox entfernt und durch einen außerhalb aufgestellten Container ersetzt werden. Ebenfalls soll es am unteren Eingangsweg Absperrpoller geben.

Bemängelt wurde vom Ortsbeirat noch eine gefühlte Ungleichbehandlung der verschiedenen Stadtteile durch den Bauhof. Notwendige Reinigungs- und Grünschnittarbeiten würden nicht gleichmäßig abgearbeitet. Die für den öffentlichen Kinderspielplatz an der Schule angeforderten Gerätschaften wie Kinderschaukel oder Fahrradständer seien immer noch nicht montiert und aufgestellt, monierten die Mandatsträger.

 

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Ehrendenkmal soll auf den Friedhof

Das Ehrendenkmal, bisher bei der evangelischen Kirche beheimatet, soll in abgespeckter Form auf den Friedhof versetzt werden. Eine entsprechende Entscheidung traf der Ortsbeirat in Abstimmung mit den Anwesenden auf seiner vergangenen Sitzung, nachdem das Thema schön öfters beraten worden war. Denn die bisherige Zuwegung mit Treppe und Geländer ist weder zeitgerecht noch sicher. Das freiwerdende Gelände soll in ferner Zukunft eventuell als Parkplatz für die Kirche genutzt werden, so der Gedanke.

Der Ortsbeirat beschloss ebenfalls, dass am unteren Friedhofseingang der rechte Teil des Doppeltors fest verriegelt und abgeschlossen werden soll, um die Zufahrt für private Fahrzeuge zu unterbinden. Der andere Teil des Tores muss instand gesetzt werden.

Der im Jakobsgrund (in der Weiterführung des Dorfwegs im nördlichen Bereich) zuvor besprochene Weidedurchgang über Klapptüren wurde aus sicherheitstechnischen Gründen wieder verworfen, hieß es auf der Sitzung. Stattdessen soll es eine Viehtränke mit Wasseranschluss an das örtliche Leitungsnetz geben.

Eine ständige Klage betrifft die Befahrung der Seitenstraßen mit viel zu großen und schweren Müllfahrzeugen. Der Ortsbeirat wandte sich deshalb an die Stadtverwaltung, dass diese sich bei einer Neuvergabe durch Müllabfuhrverträge durch den Kreis dafür einsetzt, die Seitenstraßen mit kleineren Fahrzeugen bedienen. Denn sonst wären Folgekosten für Straßensanierungen durch zu schwere Fahrzeuge unausweichlich, weil die Wege für weniger Tonnagen ausgelegt sind.

Zur Verwendung des Ortsbeiratsbudgets gab es mehrere Vorschläge. Angesprochen wurden Sicherheitshandläufe und ein Kneippbecken am Burgbrunnen, aber auch eine neue Beschilderung für den Dorfweg oder Hinweise an beiden Ortseingängen zu Festveranstaltungen. Dazu Figuren zur  Verkehrsberuhigung und Entspannungsliegen am Aussichtspunkt Schmidthütte.

Fahrradständer für Schulgelände und Spielplatz seien angefordert, hieß es. Die Umsetzung sei Aufgabe des Odenwaldkreises. Zur Sprache kam auch, dass das Verbundpflaster am Dorfgemeinschaftshaus nachgebessert werden muss.

Dem Ordnungsamt fehlt die vierte Kraft

Der Motor des Oberzent-Ordnungsamts läuft derzeit nur auf drei Zylindern. Denn es fehlt der vierte Fahrer im Team, erläuterte Stadtpolizist Nabil El-Kadi. „Wir haben die Stelle bereits vier Mal ausgeschrieben“, teilte er mit. Seit Mitte vergangenen Jahres ist die Stadt auf der Suche. Zwei gute Bewerber hatten bereits zugesagt. Darunter auch einer, der wie El-Kadi die gleiche Ausbildung für den mobilen Blitzer hat. „Optimal“, so seine Einschätzung. Leider sagten beide wieder ab.

Aktuell sind drei Mitarbeiter mit einer Vielzahl von Aufgaben beschäftigt, die man einem Ordnungsamt gar nicht gleich zuordnen würde. Das reicht von Fundtieren über die Bearbeitung von Lärmbeschwerden oder Gewerbeanmeldungen bis hin zur Schädlingsbekämpfung wie vor kurzem ein Rattenbefall in Hetzbach. Der Tierschutz wird in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt angegangen. Daneben kümmern sich die Angestellten auch um Wild- und Manöverschäden. Gefährliche Hunde, Straßenreinigung, Heckenrückschnitt, Fischereischeine, Nichtraucher- und Jugendschutzgesetz: Es gibt noch viele weitere Zuständigkeiten.

Verkehrsrechtliche Anordnungen wie etwa Baustellenausschilderungen, Parkausweise, Plakatierung, Verkehrsschau: Die Liste ist lang und wurde mit der Fusion länger, da Oberzent aufgrund der höheren Einwohnerzahl mehr Befugnisse erhielt. So ist El-Kadi jetzt für Beschilderungen auf allen Straßen der Gemarkung außer der B45 zuständig. Der Stadtpolizist spricht derzeit um die 60 Verwarnungen im Monat aus, runtergebrochen auf die Arbeitstage somit ungefähr drei pro Tag. „Auf keinen Fall bekam aber einer allein 15 Knöllchen“, trat er Gerüchten entgegen.

Da rund um die Oberzent-Fusion viele dringende Aufgaben anstanden, musste manches warten. „Der Vertrag mit der Firma Jenoptik ruht seit zwei Jahren“, sagte El-Kadi über die stationären Blitzer in Hetzbach und Gammelsbach. Zuletzt gab es zwischen 5000 und 6000 Erfassungen im Jahr, seit mitte 2017 ist Pause. Jetzt sollen die Asphaltarbeiten vorgenommen werden, damit die Induktionsschleifen wieder funktionieren.

Der Stadtpolizist machte klar, dass sich die Stadtkasse nicht über die Einnahmen saniert. Zwar rechnet man im Schnitt mit jährlichen Einnahmen von 100.000 Euro, denen stehen aber schon Fixkosten von über 40.000 Euro entgegen – die Personalkosten noch gar nicht mit einbezogen. Es gehe vielmehr um die Verkehrssicherheit, betonte er.

Ruine Freienstein: Warten auf die Ergebnisse des Bodengutachtens

Die Entwicklung rund um die Burgruine Freienstein war Thema der aktuellen Ortsbeiratssitzung. Ortsvorsteher Konrad Helm informierte, dass ein Bodengutachten mittels Drohnenüberflug erstellt werden soll. Die Drohne flog bereits, die Auswertung steht noch an. Diverse Sicherheitsmaßnahmen, um Begehung und Besichtigung der Burg gefahrlos zu ermöglichen, wurden seinen Worten zufolge durch die Stadt anberaumt oder teilweise schon erledigt. Dabei gehe es überwiegend um Gefahrenstellen, die unter anderem durch Erdrutsche entstanden.

Helm erläuterte, dass im neuen städtischen Doppelhaushalt 2019/20 50.000 Euro für Maßnahmen rund um die Burgruine eingestellt wurden. Diese Summe ist allerdings mit einem Sperrvermerk belegt. Wenn es dann um die konkrete Umsetzung geht, will sich die Stadtverordnetenversammlung noch einmal detailliert mit dem Thema beschäftigen und über die Freigabe der Gelder entscheiden.

Der Ortsvorsteher ging außerdem auf die Geschäftsordnung für die Ortsbeiträte der Stadt Oberzent ein. Das festgelegte Budget beträgt 1000 Euro pauschal und jeweils einen Euro pro Bürger und Jahr. Angesprochen wurde die Problematik eines Dorfwegs, der über eine eingezäunte Weide führt. Hier konnte man sich mit dem Besitzer einigen, teilte Helm mit. Es sollen zwei selbstschließende Klapptüren her, zusätzlich sollen am Boden Gitterroste angebracht werden, damit die Tiere nicht abhauen.

Stefanie Ampferl informierte seitens der Stadtverwaltung über den Sachstand bei der örtlichen „To-do-Liste“. Einsegnungshalle und Urnenfeldsanierung sind bei den Prioritäten dabei, sagte sie. Die beiden stationären Blitzer sollen möglichst schnell wieder instand gesetzt werden. Auch Straßensanierungen und Geländer-Reparaturen stehen auf der Dringlichkeitsliste. Verkehrssituation, Bachverlaufsausschwemmungen und fehlende Hydranten wurden erneut diskutiert.

Vom Ortsbeirat wurde der Bedarf für zwei Hundetoiletten bei der Stadt angemeldet. Thematisiert wurde, wie man die Hundebesitzer dazu bringen kann, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner zu entsorgen. Denn die Hundekot-Entfernung bedeutet einen großen Kostenfaktor für die Stadt, wurde deutlich. Angesprochen wurde im Ortsbeirat weiterhin die Parkplatzeinteilung am Feuerwehrgerätehaus. Hier wird über eine Umgestaltung nachgedacht, weil derzeit zu wenige Stellplätze für das Einsatzpersonal zur Verfügung sehen.

Neue Luther-Bibeln erhalten Eichenholzauflage

Die drei evangelischen Kirchen in Oberzent bekommen neue Luther-Bibeln. Pfarrer Roger Frohmuth freute sich, in der Schreinerei Pracht jetzt die entsprechenden, dort hergestellten Holz-Unterlagen entgegennehmen zu können. Rechtzeitig zum Gottesdienst am Ostersonntag sollen diese die schweren Werke anheben, damit sie nicht mehr so „platt“ auf dem Altar liegen. Die Bibeln werden dann „offiziell“ in die Kirchen hineingetragen.

Die aus Eichenholz bestehenden Unterlagen wurden von den drei Azubis des Betriebs hergestellt. Anica Dreher aus Rothenberg und Eva Reitz aus Wald-Michelbach (18) absolvieren gerade zusammen mit dem in Affolterbach wohnhaften Mehdi Hashemi (19) ihr erstes Lehrjahr. „Wir haben je eineinhalb Tage daran gearbeitet“, erzählt Anica. Die Holzplatten wurden zugeschnitten, aufs Maß gebracht, dann die Schwalbenschwanz-Zinkung eingezeichnet, ausgesägt und ausgestemmt, so Eva.

Beerfelden, Unter-Sensbach und Gammelsbach bekommen je eine der neuen Bibeln, die 2017 anlässlich des 500. Reformationsjubiläums neu herausgegeben wurden. Diese revidierte Luther-Übersetzung „ist wieder näher am Original“, erläuterte Pfarrer Frohmuth. Sie bilde die Grundlage für Lesungen und Gottesdienste. Der Pfarrer erwähnte, dass es die Einheitsbibel für Protestanten und Katholiken nicht mehr gebe.

Mit der überarbeiteten Fassung bewege man sich quasi „Back to the roots“, sagte er. Denn im Laufe der Jahre gab es verschiedene Übersetzungen, die sich zum einen unterschieden, zum anderen weg von der ursprünglichen Fassung bewegten. Hier gehe es nun darum, wieder alle unter einen Hut zu bringen. Die Rückkehr zum früheren Text „merkt man, wenn man die Bibel liest“, so Frohmuth. Denn er hat zuhause ein Faksimile der Luther-Bibel von 1534.

Bei Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte“, lässt sich laut dem Geistlichen gut erkennen, inwieweit wieder die Rückbesinnung auf den Luther‘schen Buchstaben erfolgte. „Genauso hat es der Reformator damals gesagt“, sagt Frohmuth nach der Lektüre. In den vergangenen 500 Jahren „ist nichts Besseres nachgekommen“, erklärt er die Wiederauflage des Originals.

Der Kirchenvorstand, für den sich Stefan Tragiser und Vorsitzender Raimund Keysser über die neuen Bibeln freuten, beschloss im vergangenen Jahr die Anschaffung. Als man über einen geeigneten Zeitpunkt zur Einführung nachdachte, war schnell klar, dass nur Ostern als Hochfest dafür in Frage kommt. Die bisherigen Bibeln lagen flach auf dem Altar, deshalb gab es die Idee einer Auflage. Da Frohmuth und Daniel Pracht, Juniorchef der Schreinerei, öfters gemeinsam in Rotarier-Angelegenheit unterwegs sind, ergab sich „auf dem kurzen Dienstweg“ die jetzige Lösung, die vom Betrieb gespendet wird.

Info: Die Oster-Gottesdienste in den evangelischen Kirchen Beerfelden, Unter-Sensbach und Gammelsbach beginnen am 21. April jeweils um 10 Uhr.

Mehrheit der Oberzent-Stadtverordneten sieht keine Notwendigkeit für eine Katzenschutzverordnung

In Oberzent wird es vorerst keine Katzenschutzverordnung geben. Ein entsprechender Antrag der Grünen, das Thema im zuständigen Ausschuss zu beraten, scheiterte in der Stadtverordnetenversammlung mit 14:16 Stimmen bei einer Enthaltung. Dem Punkt wurde von der Mehrheit des Gremiums derzeit keine Priorität beigemessen. Auch sah man aktuell keinen Handlungsbedarf, weil es keine Massen an freilebenden oder herrenlosen Katzen auf der Gemarkung gebe. Die Antragsteller waren anderer Meinung und verwiesen auf Aussagen aus den Tierheimen.

„Der Bestand ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen“, begründete Thomas Väth das Ansinnen seiner Fraktion. Die entsprechenden Einrichtungen, zu denen auch die Anne-Röth-Stiftung in Gammelsbach zählt, „werden mit Katzen überschwemmt und daher besteht dringender Handlungsbedarf“. Michelstadt habe bereits Mitte September eine Katzenschutzverordnung erlassen, sagte er. Väth betonte, dass auf die Verwaltung weder mehr Arbeit zukomme noch diese zusätzliches Geld aufwenden müsse. Vielmehr greife man damit den Tierheimen unter die Arme, die die Tiere dann schneller weitervermitteln dürften.

Chris Poffo (ÜWO) sah in Oberzent „nicht dieses große Problem“. Er hinterfragte, ob es sich prioritätsmäßig um einen Punkt handle, „der vorn angesiedelt ist“. Poffo wollte die Bindung von Ressourcen, die man für andere Themen brauche, verhindern. Ähnlich äußerte sich auch Frank Leutz (FDP). Thomas Ihrig (SPD) wollte erst einmal alle Infos aus dem Kreis zusammentragen und den Komplex dann zusammen mit der Gefahrenabwehrverordnung beschließen, „wenn das Ordnungsamt wieder adäquat besetzt ist“.

Oliver von Falkenburg (CDU) wies darauf hin, dass man laut Defintion des Deutschen Tierschutzbundes differenzieren muss zwischen freilaufenden Katzen, die einen Halter haben, und freilebenden bzw. herrenlosen Katzen. „Ihr Antrag ist auf freilebende bzw. herrenlose Katzen gerichtet, die Verordnung hingegen richtet sich an die Halter und an diejenigen Personen, die Nahrung frei zugänglich machen. Eine Katzenschutzverordnung knüpft bei den Haltern an und nicht wie im Antrag begründet bei den herrenlosen bzw. freilebenden Katzen für die sich keiner zuständig fühlt.“ Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) regte aufgrund der Äußerungen an, mit dem Punkt in den Umweltausschuss zu gehen und sich dort die Fachleute einzuladen. Vergebens.

Eine Katzenschutzverordnung ist dringend notwendig, um den ehrenamtlichen Tierfreunden Rechtssicherheit zu geben, betont Anne Röth. Sie bietet mit ihrer Stiftung Katzen in der alten Mühle am Ortseingang von Gammelsbach, von Beerfelden kommend, einen „Ort der Zuflucht“. Dass die entsprechende Verordnung von der Stadtverordnetenversammlung Oberzent abgelehnt wurde, ist für sie nicht nachvollziehbar. Sie wählt bisweilen drastische Worte, um ihr Unverständnis auszudrücken.

Röth zufolge würden sich die Kosten für die Tierheime, die von den Gemeinden anteilig bestritten werden, reduzieren, wenn es eine Kastrationsverpflichtung gäbe. Dann würden sich freilebende oder verwilderte Katzen nicht mehr unkontrolliert vermehren. Auch hätten die Katzenfreunde einen besseren Zugriff auf diese Tiere. Gleichzeitig sieht sie bessere Möglichkeiten zur Einwirkung, wenn Fälle von unsachgemäßer Tierhaltung oder Tierquälerei bekannt werden.

„Der Missbrauch an Tieren ist unglaublich“, zeigt sie sich empört. Gerade auf Bauernhöfen gebe es manchmal eine Vielzahl von Katzen, die weder richtig gefüttert noch gepflegt würden. „Das Thema ist leider schwer zu vermitteln“, sagt sie. In der Bevölkerung werde so getan, „als ob es keine verwilderten Babykatzen gibt“. Sie weiß von etlichen Fällen, die das Gegenteil belegen.

Ganz konkret geht Anne Röth auch die Stadt an: „Es ist schlimm, dass in Oberzent keine Öffentlichkeitsarbeit geleistet wird, um diesem Missbrauch eine Ende zu setzen“, beklagt sie. Stattdessen werde an sie verwiesen, wenn es um die Unterbringung von heimatlosen Vierbeinern geht. Anne Röth sieht sich am Limit. „Ich schaffe es finanziell nicht mehr“, sagt sie. 120.000 Euro kostet die Stiftung im Jahr der Unterhalt der Katzenzuflucht. „Von der Stadt gibt’s kein Geld.“ Im Gegenteil, das Tierheim Würzberg nehme nicht mehr als 30 Tiere auf und verweise dann auf sie.

Allein für die die Betreuung von Oberzent-Katzen wandte Röth in diesem Jahr bisher 8000 Euro auf, betont sie. „2017 war es noch mehr.“ Kater „Rocky“ etwa war in einem so schlimmen Zustand, dass es 900 Euro kostete, bis er wieder auf den Beinen war. „Das ist ein entwürdigendes Verhalten“, meint sie zur aktuellen Situation. Sie beklagt „die Grausamkeit gegenüber den Tieren in dieser direkten Form“. Die Stifterin schätzt den Bestand an herrenlosen Tieren im Oberzent-Bereich auf 500 bis 1000. „Von denen verrecken 90 Prozent“, wählt Röth klare Worte.

Gäbe es eine Katzenschutzverordnung, so die Tierfreundin, könnte sie Polizei und Veterinäramt rufen, wenn sie auf verwilderte oder nicht artgerecht gehaltene Tiere treffe. „Weil es Gesetz ist“, hebt sie hervor. Und die Leute brauchten eben Gesetze. Auch hätte der Umgang mit herrenlosen Tieren eine größere Rechtssicherheit.

Röth würde dann etwa vermeiden, mitsamt ihrer Mitarbeiterin von einem Bauernhof gejagt zu werden, weil sie sich dort um zehn Kätzchen kümmern wollte, erzählt sie. „Welcher Zacken würde denen aus der Krone fallen“, meint sie mit Blick auf die Stadtverordneten, wenn sie eine solche Verordnung beschlössen.

Für die Gemeinde wäre es sogar bares Geld: „Es würde tausende von Euro sparen, weil nicht mehr so viele junge Katzen ins Tierheim kommen“, erläutert sie. Einfach nur deshalb, „weil es dann eine Rechtsgrundlage gibt“. Auch für die Helferinnen in Beerfelden, die die Futterstellen betreuen. „Die werden teilweise angegangen“, weiß Anne Röth. Eine Verordnung beseitigt die Arbeit „im ängstlichen Bereich“.

Weitere Infos unter http://www.ar-stiftung.de

Studenten trugen interessante Vorschläge zur Wiederbelegung der Burgruine Freienstein vor

„BurgBad Freienstein – die Oase in Oberzent“, „Bühne Freienstein“, „Outdoor Escape Area“, „Neu auf Alt – Mach Dich Frei-enstein“ und „Das Minimum – der Prozess“: Fünf Ideen, fünf Vorschläge, fünf Gedankenspiele, wie die Burgruine Freienstein in Gammelsbach wiederbelebt werden könnte. Erarbeitet haben sie 19 Studierende der Hochschule Geisenheim University und der Technischen Universität Darmstadt. Präsentiert wurden sie jetzt in Beerfeldens Alter Turnhalle einer interessierten Schar aus politisch Verantwortlichen, Behördenvertretern und Bürgern.

Um es vorweg zu nehmen: Die „eine“ Idee, bei der sofort alle „hier“ riefen, gab es nicht. Aber die Resonanz auf die Vorträge war durch die Bank weg positiv. Die Tendenz ging eher dahin, sich aus den einzelnen Präsentationen die Sahnestückchen herauszupicken und zu einem „Best of“ zusammenzufügen. Aus allen bis auf eine: Die „Outdoor Escape Area“, bei der es in einer Art Survival Trip darum ging, sich nach einem Flugzeugabsturz rund um die Burg als Abenteuerurlaub selbst zu versorgen (wie etwa Tom Hanks im Film „Castaway“), stieß bei den Älteren auf Widerspruch.

Im Anschluss an die Präsentationen brachten die Bürger ihre eigenen Ideen mit ein. Alles zusammen wird nun von den Studenten noch einmal aufbereitet und soll dann im September in Gammelsbach wieder vorgestellt werden. Generell, so Bürgermeister Christian Kehrer in seiner Bilanz, sei die Vorstellung sehr positiv aufgenommen worden. Als „innovativ“ bezeichnete sie auch Markus Harzenetter.

Der Präsident des hessischen Landesdenkmalamts machte aber ebenso klar, dass die Maßnahmen „nicht von heute auf morgen gehen“. Er regte kleine Schritte an: Zuerst einmal sollte um die Burgruine herum alles frei gemacht werden, um überhaupt die entsprechenden Stellen erreichen zu können. Danach geht es um Versorgungsleitungen. Und schließlich müsse man bei den geplanten Maßnahmen Denkmal- und Naturschutzaspekte abklären, die gesetzlichen Möglichkeiten abklopfen.

Natürlich müssen ebenfalls die Eigentumsverhältnisse mit in Betracht gezogen werden. Als Letztes geht’s dann um das liebe Geld. Kehrer stellt sich eine Mischfinanzierung vor, bei der man versucht, aus verschiedenen Töpfen die benötigten Mittel für Umbau und Sanierung zusammenzubekommen. In den kommenden Jahren sollen dann sukzessive die gewünschten Ergebnisse erreicht werden.

Der Bürgermeister hatte in seinen Eingangsworten den Bogen von den Glanzzeiten der Burgen und Schlösser bis hin zum „drohenden Verfall“ gezogen. Um diese Kulturdenkmäler zu bewahren, „müssen alle an einem Strang ziehen“. Für Michael Reuter, der als Vertreter des Landrats und Vorsitzender Perspektivgruppe Freienstein seine Worten an die Zuschauer richtete, war die Veranstaltung ein weiterer Schritt dahin, „Freienstein aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken“.

Mit dem heutigen Tag beginnt laut Reuter „eine sehr intensive Diskussion“. Er freute sich, dass das Landesdenkmal an vorderster Front mit im Boot ist. Man solle den Vorteil nutzen, „dass so viele zusammenarbeiten“, sagte er. Reuter wies darauf hin, dass die neue Stadt Oberzent in ihren Grenzen das frühere Amt Freienstein abbilde – eine besondere Verantwortung.

Harzenetter bezeichnete die Burgruine als „ein besonderes denkmalpflegerisches Objekt“. Den gesamten Prozess nannte er „unglaublich spannend“. Er nahm Bezug auf die besondere Herangehensweise: dass die Entwicklung eines Baudenkmals in Lehrveranstaltungen einbezogen werde. „Das weckt Neugier vor Ort.“

Prof. Dr. Constanze Petrow vom Fachgebiet Freiraumplanung der Hochschule Geisenheim und Dr. Meinrad von Engelberg vom Fachgebiet Kunstgeschichte der TU Darmstadt leiteten das interdisziplinäre Projekt an. Laut Petrow sollten Szenarien entwickelt werden, „keine komplett ausgearbeiteten Entwürfe“. Es ging den Studierenden darum, nicht nur etwas Neues einzubringen, sondern auch gleichzeitig auf bürgerschaftliches Engagement vor Ort zurückzugreifen. Es kristallisierten sich zwei Herangehensweisen heraus: langsam und schrittweise gegenüber „gleich voll rein mit vielen neuen Ideen“.

  1. „BurgBad Freienstein – die Oase in Oberzent“ von Giulia Thielmann, Nicole Wunder, Marie-Louise Faber, Fabienne Wilmann: Wellness-Oase mit Schwimmbad in den alten Mauern unter Beibehaltung des äußeren Rahmens
  2. „Bühne Freienstein“ von Imke Finn, Alexandra Antic, Julika Wilken, Lukas Weber, Stephanie Melzer: Schaffung einer Open-Air-Veranstaltungsstätte (Bsp. Schloss Zwingenberg), Umbau des ehemaligen Meyerhauses zu einem Eventsaal z.B. für Hochzeiten
  3. „Outdoor Escape Area“ von Patrizia Baumeister, Tim Harz, David Jansen in de Wal, Katharina Münch: Integration eines abgestürzten Fliegers in die Burgruine als Survivaltrip
  4. „Neu auf Alt – Mach Dich Frei-enstein“ von Aylin Kreß, Florian Eisenlohr, Lennart Desor, Valentin Braun: Integration eines neues Gebäudes in die Burg mit großer Dachterrasse und Blick aufs Tal
  5. „Das Minimum – der Prozess“ von Johanna Moraweg, Eva Willms: Ideensammlung in Form von verstärkter Bürgerbeteiligung durch „Ritter Steini“ auf diversen Veranstaltungen und Festen