Ruine Freienstein: Warten auf die Ergebnisse des Bodengutachtens

Die Entwicklung rund um die Burgruine Freienstein war Thema der aktuellen Ortsbeiratssitzung. Ortsvorsteher Konrad Helm informierte, dass ein Bodengutachten mittels Drohnenüberflug erstellt werden soll. Die Drohne flog bereits, die Auswertung steht noch an. Diverse Sicherheitsmaßnahmen, um Begehung und Besichtigung der Burg gefahrlos zu ermöglichen, wurden seinen Worten zufolge durch die Stadt anberaumt oder teilweise schon erledigt. Dabei gehe es überwiegend um Gefahrenstellen, die unter anderem durch Erdrutsche entstanden.

Helm erläuterte, dass im neuen städtischen Doppelhaushalt 2019/20 50.000 Euro für Maßnahmen rund um die Burgruine eingestellt wurden. Diese Summe ist allerdings mit einem Sperrvermerk belegt. Wenn es dann um die konkrete Umsetzung geht, will sich die Stadtverordnetenversammlung noch einmal detailliert mit dem Thema beschäftigen und über die Freigabe der Gelder entscheiden.

Der Ortsvorsteher ging außerdem auf die Geschäftsordnung für die Ortsbeiträte der Stadt Oberzent ein. Das festgelegte Budget beträgt 1000 Euro pauschal und jeweils einen Euro pro Bürger und Jahr. Angesprochen wurde die Problematik eines Dorfwegs, der über eine eingezäunte Weide führt. Hier konnte man sich mit dem Besitzer einigen, teilte Helm mit. Es sollen zwei selbstschließende Klapptüren her, zusätzlich sollen am Boden Gitterroste angebracht werden, damit die Tiere nicht abhauen.

Stefanie Ampferl informierte seitens der Stadtverwaltung über den Sachstand bei der örtlichen „To-do-Liste“. Einsegnungshalle und Urnenfeldsanierung sind bei den Prioritäten dabei, sagte sie. Die beiden stationären Blitzer sollen möglichst schnell wieder instand gesetzt werden. Auch Straßensanierungen und Geländer-Reparaturen stehen auf der Dringlichkeitsliste. Verkehrssituation, Bachverlaufsausschwemmungen und fehlende Hydranten wurden erneut diskutiert.

Vom Ortsbeirat wurde der Bedarf für zwei Hundetoiletten bei der Stadt angemeldet. Thematisiert wurde, wie man die Hundebesitzer dazu bringen kann, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner zu entsorgen. Denn die Hundekot-Entfernung bedeutet einen großen Kostenfaktor für die Stadt, wurde deutlich. Angesprochen wurde im Ortsbeirat weiterhin die Parkplatzeinteilung am Feuerwehrgerätehaus. Hier wird über eine Umgestaltung nachgedacht, weil derzeit zu wenige Stellplätze für das Einsatzpersonal zur Verfügung sehen.

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Neue Luther-Bibeln erhalten Eichenholzauflage

Die drei evangelischen Kirchen in Oberzent bekommen neue Luther-Bibeln. Pfarrer Roger Frohmuth freute sich, in der Schreinerei Pracht jetzt die entsprechenden, dort hergestellten Holz-Unterlagen entgegennehmen zu können. Rechtzeitig zum Gottesdienst am Ostersonntag sollen diese die schweren Werke anheben, damit sie nicht mehr so „platt“ auf dem Altar liegen. Die Bibeln werden dann „offiziell“ in die Kirchen hineingetragen.

Die aus Eichenholz bestehenden Unterlagen wurden von den drei Azubis des Betriebs hergestellt. Anica Dreher aus Rothenberg und Eva Reitz aus Wald-Michelbach (18) absolvieren gerade zusammen mit dem in Affolterbach wohnhaften Mehdi Hashemi (19) ihr erstes Lehrjahr. „Wir haben je eineinhalb Tage daran gearbeitet“, erzählt Anica. Die Holzplatten wurden zugeschnitten, aufs Maß gebracht, dann die Schwalbenschwanz-Zinkung eingezeichnet, ausgesägt und ausgestemmt, so Eva.

Beerfelden, Unter-Sensbach und Gammelsbach bekommen je eine der neuen Bibeln, die 2017 anlässlich des 500. Reformationsjubiläums neu herausgegeben wurden. Diese revidierte Luther-Übersetzung „ist wieder näher am Original“, erläuterte Pfarrer Frohmuth. Sie bilde die Grundlage für Lesungen und Gottesdienste. Der Pfarrer erwähnte, dass es die Einheitsbibel für Protestanten und Katholiken nicht mehr gebe.

Mit der überarbeiteten Fassung bewege man sich quasi „Back to the roots“, sagte er. Denn im Laufe der Jahre gab es verschiedene Übersetzungen, die sich zum einen unterschieden, zum anderen weg von der ursprünglichen Fassung bewegten. Hier gehe es nun darum, wieder alle unter einen Hut zu bringen. Die Rückkehr zum früheren Text „merkt man, wenn man die Bibel liest“, so Frohmuth. Denn er hat zuhause ein Faksimile der Luther-Bibel von 1534.

Bei Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte“, lässt sich laut dem Geistlichen gut erkennen, inwieweit wieder die Rückbesinnung auf den Luther‘schen Buchstaben erfolgte. „Genauso hat es der Reformator damals gesagt“, sagt Frohmuth nach der Lektüre. In den vergangenen 500 Jahren „ist nichts Besseres nachgekommen“, erklärt er die Wiederauflage des Originals.

Der Kirchenvorstand, für den sich Stefan Tragiser und Vorsitzender Raimund Keysser über die neuen Bibeln freuten, beschloss im vergangenen Jahr die Anschaffung. Als man über einen geeigneten Zeitpunkt zur Einführung nachdachte, war schnell klar, dass nur Ostern als Hochfest dafür in Frage kommt. Die bisherigen Bibeln lagen flach auf dem Altar, deshalb gab es die Idee einer Auflage. Da Frohmuth und Daniel Pracht, Juniorchef der Schreinerei, öfters gemeinsam in Rotarier-Angelegenheit unterwegs sind, ergab sich „auf dem kurzen Dienstweg“ die jetzige Lösung, die vom Betrieb gespendet wird.

Info: Die Oster-Gottesdienste in den evangelischen Kirchen Beerfelden, Unter-Sensbach und Gammelsbach beginnen am 21. April jeweils um 10 Uhr.

Mehrheit der Oberzent-Stadtverordneten sieht keine Notwendigkeit für eine Katzenschutzverordnung

In Oberzent wird es vorerst keine Katzenschutzverordnung geben. Ein entsprechender Antrag der Grünen, das Thema im zuständigen Ausschuss zu beraten, scheiterte in der Stadtverordnetenversammlung mit 14:16 Stimmen bei einer Enthaltung. Dem Punkt wurde von der Mehrheit des Gremiums derzeit keine Priorität beigemessen. Auch sah man aktuell keinen Handlungsbedarf, weil es keine Massen an freilebenden oder herrenlosen Katzen auf der Gemarkung gebe. Die Antragsteller waren anderer Meinung und verwiesen auf Aussagen aus den Tierheimen.

„Der Bestand ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen“, begründete Thomas Väth das Ansinnen seiner Fraktion. Die entsprechenden Einrichtungen, zu denen auch die Anne-Röth-Stiftung in Gammelsbach zählt, „werden mit Katzen überschwemmt und daher besteht dringender Handlungsbedarf“. Michelstadt habe bereits Mitte September eine Katzenschutzverordnung erlassen, sagte er. Väth betonte, dass auf die Verwaltung weder mehr Arbeit zukomme noch diese zusätzliches Geld aufwenden müsse. Vielmehr greife man damit den Tierheimen unter die Arme, die die Tiere dann schneller weitervermitteln dürften.

Chris Poffo (ÜWO) sah in Oberzent „nicht dieses große Problem“. Er hinterfragte, ob es sich prioritätsmäßig um einen Punkt handle, „der vorn angesiedelt ist“. Poffo wollte die Bindung von Ressourcen, die man für andere Themen brauche, verhindern. Ähnlich äußerte sich auch Frank Leutz (FDP). Thomas Ihrig (SPD) wollte erst einmal alle Infos aus dem Kreis zusammentragen und den Komplex dann zusammen mit der Gefahrenabwehrverordnung beschließen, „wenn das Ordnungsamt wieder adäquat besetzt ist“.

Oliver von Falkenburg (CDU) wies darauf hin, dass man laut Defintion des Deutschen Tierschutzbundes differenzieren muss zwischen freilaufenden Katzen, die einen Halter haben, und freilebenden bzw. herrenlosen Katzen. „Ihr Antrag ist auf freilebende bzw. herrenlose Katzen gerichtet, die Verordnung hingegen richtet sich an die Halter und an diejenigen Personen, die Nahrung frei zugänglich machen. Eine Katzenschutzverordnung knüpft bei den Haltern an und nicht wie im Antrag begründet bei den herrenlosen bzw. freilebenden Katzen für die sich keiner zuständig fühlt.“ Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) regte aufgrund der Äußerungen an, mit dem Punkt in den Umweltausschuss zu gehen und sich dort die Fachleute einzuladen. Vergebens.

Eine Katzenschutzverordnung ist dringend notwendig, um den ehrenamtlichen Tierfreunden Rechtssicherheit zu geben, betont Anne Röth. Sie bietet mit ihrer Stiftung Katzen in der alten Mühle am Ortseingang von Gammelsbach, von Beerfelden kommend, einen „Ort der Zuflucht“. Dass die entsprechende Verordnung von der Stadtverordnetenversammlung Oberzent abgelehnt wurde, ist für sie nicht nachvollziehbar. Sie wählt bisweilen drastische Worte, um ihr Unverständnis auszudrücken.

Röth zufolge würden sich die Kosten für die Tierheime, die von den Gemeinden anteilig bestritten werden, reduzieren, wenn es eine Kastrationsverpflichtung gäbe. Dann würden sich freilebende oder verwilderte Katzen nicht mehr unkontrolliert vermehren. Auch hätten die Katzenfreunde einen besseren Zugriff auf diese Tiere. Gleichzeitig sieht sie bessere Möglichkeiten zur Einwirkung, wenn Fälle von unsachgemäßer Tierhaltung oder Tierquälerei bekannt werden.

„Der Missbrauch an Tieren ist unglaublich“, zeigt sie sich empört. Gerade auf Bauernhöfen gebe es manchmal eine Vielzahl von Katzen, die weder richtig gefüttert noch gepflegt würden. „Das Thema ist leider schwer zu vermitteln“, sagt sie. In der Bevölkerung werde so getan, „als ob es keine verwilderten Babykatzen gibt“. Sie weiß von etlichen Fällen, die das Gegenteil belegen.

Ganz konkret geht Anne Röth auch die Stadt an: „Es ist schlimm, dass in Oberzent keine Öffentlichkeitsarbeit geleistet wird, um diesem Missbrauch eine Ende zu setzen“, beklagt sie. Stattdessen werde an sie verwiesen, wenn es um die Unterbringung von heimatlosen Vierbeinern geht. Anne Röth sieht sich am Limit. „Ich schaffe es finanziell nicht mehr“, sagt sie. 120.000 Euro kostet die Stiftung im Jahr der Unterhalt der Katzenzuflucht. „Von der Stadt gibt’s kein Geld.“ Im Gegenteil, das Tierheim Würzberg nehme nicht mehr als 30 Tiere auf und verweise dann auf sie.

Allein für die die Betreuung von Oberzent-Katzen wandte Röth in diesem Jahr bisher 8000 Euro auf, betont sie. „2017 war es noch mehr.“ Kater „Rocky“ etwa war in einem so schlimmen Zustand, dass es 900 Euro kostete, bis er wieder auf den Beinen war. „Das ist ein entwürdigendes Verhalten“, meint sie zur aktuellen Situation. Sie beklagt „die Grausamkeit gegenüber den Tieren in dieser direkten Form“. Die Stifterin schätzt den Bestand an herrenlosen Tieren im Oberzent-Bereich auf 500 bis 1000. „Von denen verrecken 90 Prozent“, wählt Röth klare Worte.

Gäbe es eine Katzenschutzverordnung, so die Tierfreundin, könnte sie Polizei und Veterinäramt rufen, wenn sie auf verwilderte oder nicht artgerecht gehaltene Tiere treffe. „Weil es Gesetz ist“, hebt sie hervor. Und die Leute brauchten eben Gesetze. Auch hätte der Umgang mit herrenlosen Tieren eine größere Rechtssicherheit.

Röth würde dann etwa vermeiden, mitsamt ihrer Mitarbeiterin von einem Bauernhof gejagt zu werden, weil sie sich dort um zehn Kätzchen kümmern wollte, erzählt sie. „Welcher Zacken würde denen aus der Krone fallen“, meint sie mit Blick auf die Stadtverordneten, wenn sie eine solche Verordnung beschlössen.

Für die Gemeinde wäre es sogar bares Geld: „Es würde tausende von Euro sparen, weil nicht mehr so viele junge Katzen ins Tierheim kommen“, erläutert sie. Einfach nur deshalb, „weil es dann eine Rechtsgrundlage gibt“. Auch für die Helferinnen in Beerfelden, die die Futterstellen betreuen. „Die werden teilweise angegangen“, weiß Anne Röth. Eine Verordnung beseitigt die Arbeit „im ängstlichen Bereich“.

Weitere Infos unter http://www.ar-stiftung.de

Studenten trugen interessante Vorschläge zur Wiederbelegung der Burgruine Freienstein vor

„BurgBad Freienstein – die Oase in Oberzent“, „Bühne Freienstein“, „Outdoor Escape Area“, „Neu auf Alt – Mach Dich Frei-enstein“ und „Das Minimum – der Prozess“: Fünf Ideen, fünf Vorschläge, fünf Gedankenspiele, wie die Burgruine Freienstein in Gammelsbach wiederbelebt werden könnte. Erarbeitet haben sie 19 Studierende der Hochschule Geisenheim University und der Technischen Universität Darmstadt. Präsentiert wurden sie jetzt in Beerfeldens Alter Turnhalle einer interessierten Schar aus politisch Verantwortlichen, Behördenvertretern und Bürgern.

Um es vorweg zu nehmen: Die „eine“ Idee, bei der sofort alle „hier“ riefen, gab es nicht. Aber die Resonanz auf die Vorträge war durch die Bank weg positiv. Die Tendenz ging eher dahin, sich aus den einzelnen Präsentationen die Sahnestückchen herauszupicken und zu einem „Best of“ zusammenzufügen. Aus allen bis auf eine: Die „Outdoor Escape Area“, bei der es in einer Art Survival Trip darum ging, sich nach einem Flugzeugabsturz rund um die Burg als Abenteuerurlaub selbst zu versorgen (wie etwa Tom Hanks im Film „Castaway“), stieß bei den Älteren auf Widerspruch.

Im Anschluss an die Präsentationen brachten die Bürger ihre eigenen Ideen mit ein. Alles zusammen wird nun von den Studenten noch einmal aufbereitet und soll dann im September in Gammelsbach wieder vorgestellt werden. Generell, so Bürgermeister Christian Kehrer in seiner Bilanz, sei die Vorstellung sehr positiv aufgenommen worden. Als „innovativ“ bezeichnete sie auch Markus Harzenetter.

Der Präsident des hessischen Landesdenkmalamts machte aber ebenso klar, dass die Maßnahmen „nicht von heute auf morgen gehen“. Er regte kleine Schritte an: Zuerst einmal sollte um die Burgruine herum alles frei gemacht werden, um überhaupt die entsprechenden Stellen erreichen zu können. Danach geht es um Versorgungsleitungen. Und schließlich müsse man bei den geplanten Maßnahmen Denkmal- und Naturschutzaspekte abklären, die gesetzlichen Möglichkeiten abklopfen.

Natürlich müssen ebenfalls die Eigentumsverhältnisse mit in Betracht gezogen werden. Als Letztes geht’s dann um das liebe Geld. Kehrer stellt sich eine Mischfinanzierung vor, bei der man versucht, aus verschiedenen Töpfen die benötigten Mittel für Umbau und Sanierung zusammenzubekommen. In den kommenden Jahren sollen dann sukzessive die gewünschten Ergebnisse erreicht werden.

Der Bürgermeister hatte in seinen Eingangsworten den Bogen von den Glanzzeiten der Burgen und Schlösser bis hin zum „drohenden Verfall“ gezogen. Um diese Kulturdenkmäler zu bewahren, „müssen alle an einem Strang ziehen“. Für Michael Reuter, der als Vertreter des Landrats und Vorsitzender Perspektivgruppe Freienstein seine Worten an die Zuschauer richtete, war die Veranstaltung ein weiterer Schritt dahin, „Freienstein aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken“.

Mit dem heutigen Tag beginnt laut Reuter „eine sehr intensive Diskussion“. Er freute sich, dass das Landesdenkmal an vorderster Front mit im Boot ist. Man solle den Vorteil nutzen, „dass so viele zusammenarbeiten“, sagte er. Reuter wies darauf hin, dass die neue Stadt Oberzent in ihren Grenzen das frühere Amt Freienstein abbilde – eine besondere Verantwortung.

Harzenetter bezeichnete die Burgruine als „ein besonderes denkmalpflegerisches Objekt“. Den gesamten Prozess nannte er „unglaublich spannend“. Er nahm Bezug auf die besondere Herangehensweise: dass die Entwicklung eines Baudenkmals in Lehrveranstaltungen einbezogen werde. „Das weckt Neugier vor Ort.“

Prof. Dr. Constanze Petrow vom Fachgebiet Freiraumplanung der Hochschule Geisenheim und Dr. Meinrad von Engelberg vom Fachgebiet Kunstgeschichte der TU Darmstadt leiteten das interdisziplinäre Projekt an. Laut Petrow sollten Szenarien entwickelt werden, „keine komplett ausgearbeiteten Entwürfe“. Es ging den Studierenden darum, nicht nur etwas Neues einzubringen, sondern auch gleichzeitig auf bürgerschaftliches Engagement vor Ort zurückzugreifen. Es kristallisierten sich zwei Herangehensweisen heraus: langsam und schrittweise gegenüber „gleich voll rein mit vielen neuen Ideen“.

  1. „BurgBad Freienstein – die Oase in Oberzent“ von Giulia Thielmann, Nicole Wunder, Marie-Louise Faber, Fabienne Wilmann: Wellness-Oase mit Schwimmbad in den alten Mauern unter Beibehaltung des äußeren Rahmens
  2. „Bühne Freienstein“ von Imke Finn, Alexandra Antic, Julika Wilken, Lukas Weber, Stephanie Melzer: Schaffung einer Open-Air-Veranstaltungsstätte (Bsp. Schloss Zwingenberg), Umbau des ehemaligen Meyerhauses zu einem Eventsaal z.B. für Hochzeiten
  3. „Outdoor Escape Area“ von Patrizia Baumeister, Tim Harz, David Jansen in de Wal, Katharina Münch: Integration eines abgestürzten Fliegers in die Burgruine als Survivaltrip
  4. „Neu auf Alt – Mach Dich Frei-enstein“ von Aylin Kreß, Florian Eisenlohr, Lennart Desor, Valentin Braun: Integration eines neues Gebäudes in die Burg mit großer Dachterrasse und Blick aufs Tal
  5. „Das Minimum – der Prozess“ von Johanna Moraweg, Eva Willms: Ideensammlung in Form von verstärkter Bürgerbeteiligung durch „Ritter Steini“ auf diversen Veranstaltungen und Festen

Die neue Stadt soll mehr nach Süden blicken, fordern die Gammelsbacher

Früher war’s die Stadt Beerfelden, heute ist es die Verwaltung in Oberzent, von der sich die Einwohner des südlichsten Stadtteils etwas stiefmütterlich behandelt fühlen. Das kam vor allem bei der Friedhofsausgestaltung, dem Wege-Freischnitt und der -Pflege zum Ausdruck. Beim Thema Friedhof waren sich Ortsvorsteher Konrad Helm und der neue Bürgermeister Christian Kehrer einig, dass ein Ortstermin her soll, um anstehende Dinge zu besprechen.

Helm hatte zuvor angeführt, dass bei der Gestaltung der Urnengräber etwas im Argen liege. Man wünscht sich eine bessere Anlegung und Zugänglichkeit sowie einen „ansprechenderen Rahmen“. Ortsbeirat Gerhard Ulrich hatte festgestellt, dass die entsprechenden Bereiche auf anderen Friedhöfen „ordentlicher und aufgeräumter sind“. Vor allem Einfassungen und klare Strukturen liegen den Bürgern am Herzen, „damit man nicht kreuz und quer über die Wiese läuft“.

Gerhard Reinschild monierte, dass frühere städtische Arbeiten auf dem Friedhof nur unvollständig ausgeführt wurden. In Beerfelden sei dieser wunderbar angelegt, so ein Einwurf aus dem Zuschauerraum, aber in Gammelsbach „gibt es Handlungsbedarf“. Der Ortsvorsteher betonte, „wir müssen den Neustart ausnutzen und nochmal nachhaken“.

Die unzureichende Grababräumung wurde ebenfalls moniert. „Das sieht aus wie die Hügelgräber vor 2000 Jahren“, meinte ein Bürger süffisant. Nämlich dann, wenn danach große Höhenunterschiede bestehen. Heinrich Roth warf ein, dass auf dem Rothenberger Friedhof „einer nachschaut und dort Erde nachfüllt wo es nötig ist“. Das Gremium war sich mit Kehrer einig, der Friedhofs- und Bauverwaltung mit ins Boot holen will und dann bei einem Vor-Ort-Termin schauen möchte, was zu tun ist.

Vor allem das Freischneiden und Freihalten der in den 70er Jahren angelegten Wege sei notwendig, betonte der Ortsvorsteher beim nächsten Punkt. Es sei hier Aufgabe der Stadt, für den Rückschnitt zu sorgen, erinnerte er an entsprechende Vereinbarungen. Teilweise gebe es auf 1,50 Meter breiten Wegen nur noch eine Schneise von 50 Zentimetern, die durch herunterhängende Äste quasi unpassierbar sei. Sollte es der Bauhof nicht schaffen, ist laut Helm zu überlegen, wie es eventuell durch Fremdvergabe gewährleistet werden könne.

Kehrer war das Problem bekannt. Die neue Stadt habe 260 Straßen zu betreuen, von den Wegen erst gar nicht zu reden. Vom Organisatorischen her, sagte er, „wurde das nie so aufbereitet, dass nach Plan vorgegangen wird“. Die Verwaltung sei an der Sache dran, „aber es wird noch etwas Zeit dauern, um den Bauhof anders zu strukturieren“. Aus den Rückmeldungen der Bürger ließ sich erkennen, dass das Thema einiges an Konfliktpotenzial birgt.

Wie auch die Nutzung der engen Straßen durch viel zu große Fahrzeuge. Früher seien die für maximal 7,5 Tonnen ausgelegt gewesen, hieß es. Heute würden die schmalen Gassen von 40-Tonnern bei der Müllabfuhr genutzt. Die Fahrer wunderten sich dann, wenn sie steckenbleiben oder die Straße nachgibt. Eine spätere teure Sanierung auf Kosten der Anwohner wurde in den Raum gestellt.

Freienstein-Zukunft beschäftigt die Gammelsbacher

Das Schicksal der über dem Ort thronenden Burgruine Freienstein beschäftigt die Gammelsbacher. In ansehnlicher Zahl kamen sie deshalb zur Sitzung des Ortsbeirats, auf dessen Tagesordnung Ortsvorsteher Konrad Helm das Thema gesetzt hatte. Der Wissensdurst war groß, die Spannung über das, was angehende Architekten und Freiraumplaner am 20. Juli in der Alten Turnhalle Beerfelden an Vorschlägen zur weiteren Entwicklung präsentieren werden, auch.

Helm hatte zusammen mit Mitgliedern des Ortsbeirats schon vor drei Wochen einen Blick auf die Ideen werfen können und berichtete den Zuhörern über teils ausgefallene Gedankenspiele. Der Vorsitzende machte aber gleichzeitig auch klar, dass es noch in den Sternen steht, welcher Vorschlag oder ob überhaupt einer aus dieser Reihe in die Verwirklichung geht.

Der Ortsvorsteher hatte sich einleitend erfreut über die große Zahl an (15) Bewerbern für den Ortsbeirat gezeigt. Er hoffte auf ein weiteres Engagement auch der nicht Gewählten für den Ortsteil, um ihm eine Stimme in der neuen großen Stadt zu verschaffen. Helm ging dann kurz auf die Vorgeschichte der Präsentation ein. Mit dem Symposium „Burgruine Freienstein im Odenwald – Mit einem gemeinsamen Konzept in die Zukunft“ eröffnete das Landesamt für Denkmalpflege im vergangenen Spätjahr die Diskussion über Erhaltungs- und Nutzungsstrategien für die Ruine, die über Jahrhunderte Sitz des Amtes Freienstein war und damit historischer Ursprung von Oberzent ist, erläuterte er.

Über das Symposium hat sich laut Helm mit Vertretern der Stadt, der zuständigen Behörden, Eigentümern, Fachleuten und Oberzenter Bürgern die „Perspektivgruppe Freienstein“ zusammen gefunden, die die Entwicklung eines tragfähigen Zukunftskonzeptes auf dem Weg bringen soll. Neben die grundsätzlichen Überlegungen und Strategien des Symposiums treten nun konkrete Vorschläge der Studierenden. „Für die Gammelsbnacher ist das ein wichtiges Bauwerk“, betonte er. Eines, mit dem „sie sich auch identifizieren“. Die generelle und auch touristische Aufwertung stehe im Fokus.

Über die Präsentation hinaus „werden dann die Gremien entscheiden“, wie es weitergeht. Unter den Ideen seien auch „sehr freie, ausgefallene“, so der Ortsvorsteher. Seine Aufforderung mit Blick auf den 20. Juli lautete deshalb: „Geht hin, schaut es euch an.“ Auf Nachfrage sagte Helm, dass sowohl Pächter Andreas Tilly als auch das Fürstenhaus in die Planungen mit einbezogen seien. Es gehe nun darum, ein gemeinsames Konzept zu erstellen, das sich noch einmal stark von den vorgestellten unterscheiden könne.

Der Vorsitzende bezeichnete es als „großes Plus“, dass Leute vom Land am Projekt beteiligt sind und es unterstützen. Aus den Rückmeldungen der Bürger ließ sich erkennen, dass sie sich intensiv mit der Materie beschäftigen. Da wurde von einem alten Tunnel fabuliert, der früher als Fluchtweg diente, überlegt, ob sich ähnlich wie bei Schloss Zwingenberg eine Bühne für Aufführungen schaffen lässt, aber auch die Zufahrt- und Parkplatzsituation angesprochen.

Trotz des bewusst offen gehaltenen Rahmens ohne einschränkende Vorgaben seien die Arbeiten sehr realitätsnah angelegt. Die Studierenden wollen Ideen für die Bürger im Sinne eines identitätsstiftenden Wahrzeichens der Region finden und „ihnen nicht etwas Ungewolltes überstülpen“, lobt Bezirksdenkmalpflegerin Kristin Schubert. Großer Wert werde auf die Beteiligung der Oberzenter Bürger gelegt, die „den jungen Menschen aus der Stadt“ ihr Gammelsbach und ihre Burgruine nahe gebracht haben.

Knapp 20 angehende Architekten und Freiraumplaner der Technischen Universität Darmstadt und der Hochschule Geisenheim University unter Leitung von Prof. Dr. Constanze A. Petrow (Geisenheim) und Dr. phil. Meinrad von Engelberg (Darmstadt) präsentieren ihre Ideen zur Entwicklung der Burgruine Freienstein in Gammelsbach der Öffentlichkeit. Diese sind Ergebnis des interdisziplinären Studierenden-Workshops, der in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen und in Kooperation mit der Stadt Oberzent am 22. und 23. Juni vor Ort stattfand. Abschlusspräsentation: „Burgruine Freienstein im Odenwald – Stadtkrone von Oberzent“ am Freitag, 20. Juli, 16 bis 19 Uhr Beerfelden, Alte Turnhalle, Hirschhorner Straße 40

„Task-Force“ soll sich der Burgruine Freienstein bei Gammelsbach annehmen

Geschehen muss etwas. Und zwar bald. Denn sonst verfällt die Burgruine Freienstein noch mehr. Darüber waren sich alle Teilnehmer des hochkarätig besetzten Symposiums einig, die sich auf Einladung der Landesdenkmalpflege im Gammelbacher Turnerheim, in der Alten Turnhalle Beerfelden und in der Ruine selbst getroffen hatten, um über die Zukunft des Kulturdenkmals zu sprechen. „Eine starke Idee muss her“, fasste der Chef der hessischen Denkmalpflege, Dr. Markus Harzenetter, die zwei Tage zusammen.

Harzenetter will „den Schwung aus dem Symposium mitnehmen“. Eine kleine Arbeitsgruppe, eine Art „Task Force“, soll zeitnah eingerichtet werden, um die besprochenen Themen zu vertiefen. Es gilt seinen Worten zufolge „schnell und konkret zu überlegen“, wie eine Voruntersuchung eingeleitet „und eine Vision entwickelt wird“. In diesem Zuge gelte es dann auch weitere Überlegungen wie eine touristische Nutzung mit einzubinden. Mit einem abgestimmten Konzept sei es leichter, auf die Entscheidungsträger zuzugehen, Gehör zu finden und Mittel lockerzumachen.

Dabei schwebt dem Leiter des Denkmalamts vor, sich zu Beginn nicht mit Klein-klein aufzuhalten. Wie Harzenetter betonte, muss die Definition des Ziels, „was wir erreichen wollen“, am Anfang stehen. Wenn das klar sei, gehe es darum, die auf dem Weg liegenden Probleme und Schwierigkeiten zu bestimmen und anzugehen. Sonst, machte er deutlich, „gehen wir mit leeren Händen raus“. Der Denkmalpfleger forderte, „Hindernisse nicht gleich als Stolpersteine anzusehen“.

Kommune und Landkreis haben ein großes Interesse daran, die Ruine Freienstein „als identitätsstiftendes Symbol für die neue Stadt Oberzent“ (Beerfeldens Bürgermeister Gottfried Görig) aufzuwerten. Der Rathauschef wünschte sich ein Konzept für die gemeinsame, nachhaltige Sicherung. Ähnlich der Kreisbeigeordnete Michael Reuter, gleichzeitig Vorsitzender des Denkmalbeirats. „Freienstein soll auf dem Dornröschenschlaf erweckt werden“, sagte er. Um möglichst schnell Nägel mit Köpfen zu machen, sollte man bald zusammensetzen. Was laut Bezirksdenkmalpflegerin Kristin Schubert für November angedacht ist. Nichts wäre für Reuter schlimmer als eine Veranstaltung nach dem Motto „gut, dass wir darüber geredet haben“.

In eine Arbeitsgruppe wird sich auch Louis Graf zu Erbach-Fürstenau als Grundeigentümer einbringen, machte er bei der Podiumsdiskussion deutlich. Er zeigte sich froh darüber, dass die Ruine „wieder auf die Agenda gebracht wurde“. Das Grafenhaus sei „für Lösungen ganz offen“, betonte er. „Wir werden uns als Eigentümer guten Ideen nicht verschließen.“ Er signalisierte sein „größtes Interesse“ an einer tragfähigen Lösung. Der Adlige beleuchtete die Entwicklung in den vergangenen 30 bis 40 Jahren mit der Sanierung nach dem Mauereinsturz.

Da man aufgrund der Vielzahl von Denkmal-Immobilien personell und organisatorisch nicht mehr in der Lage gewesen sei, sich der Freienstein angemessen zu widmen, sei die Vergabe in Erbbaupacht an Andreas Tilly erfolgt. Dieser monierte die fehlende Nachfolgesanierung. Er sei „in die Bresche gesprungen“, als nichts mehr ging, meinte Tilly. Es geht seinen Worten zufolge nicht nur um das Bauwerk, sondern auch um schützenswerte Natur. „Die Ruine ist ein Paradies, man muss es nur sehen“, so der Pächter.

Wo die Knackpunkte sein könnten, zeigte sich im folgenden Gespräch. Von Görig, Reuter wie auch aus dem Publikum wurden die Verbesserung der Zuwegung, eine Beschilderung, Möglichkeiten von Vereinsfesten und eine sanfte touristische Nutzung als erste Etappen ins Gespräch gebracht. Tilly wies in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass er die Haftung fürs gesamte Gelände habe. Ein Punkt, der geklärt werden soll.

Aus dem interessierten Besucherkreis heraus wurden noch einige Anregungen eingebracht, es entwickelte sich ein angeregter Austausch. So forderte man „eine Strategie zur Erreichung des Ziels“, weil sich sonst alle im Kreis drehen. Studenten der TU Darmstadt wünschten sich konkretere Vorhaben. Harzenetter lud sie daraufhin ein, sich in der Arbeitsgruppe zu engagieren.

 

„Viele interessante Beiträge“ gab es laut dem Leiter des Landesamts für Denkmalpflege, Dr. Markus Harzenetter, beim Symposium. So referierte etwa Prof. Barbara Schock-Werner, die Präsidentin der deutschen Burgenvereinigung, über die Rekonstruktion von verschiedenen Objekten in Europa. Peter Hartnagel vom landeseigenen Immobilienbetrieb sprach zur Bauunterhaltung an Schlössern. Dr. Gerd Strickhausen und Dr. Jürgen Leib hatten Burg Königstein und Burg Gleiberg im Fokus.

Harzenetter freute sich über die „Palette an konkreten Anregungen“ und das „gebündelte Erfahrungswissen“, das in den Vorträgen vermittelt wurde. Durch die Anwesenheit der politischen Vertreter aus Stadt, Kreis und Land wurde seinen Worten nach signalisiert, „dass die Burg auch ein Symbolprojekt sein kann“. Eine behutsame Sanierung soll den „malerischen Charme erhalten“, betonte er.

„Wir brauchen für die Ruine eine ständige Baubegleitung“, forderte Kristin Schubert, die im Vorfeld die organisatorischen Fäden gezogen hatte. Deshalb sei ein nachhaltiges Träger- und Nutzerkonzept nötig. „Es bringt nichts, alle 100 Jahre diesen Kraftakt zu machen“, meinte sie. Heutzutage sei man nicht in der komfortablen Lage, dass wie Ende der 1980er Jahre zur Sanierung „Millionen fließen“.