„Task-Force“ soll sich der Burgruine Freienstein bei Gammelsbach annehmen

Geschehen muss etwas. Und zwar bald. Denn sonst verfällt die Burgruine Freienstein noch mehr. Darüber waren sich alle Teilnehmer des hochkarätig besetzten Symposiums einig, die sich auf Einladung der Landesdenkmalpflege im Gammelbacher Turnerheim, in der Alten Turnhalle Beerfelden und in der Ruine selbst getroffen hatten, um über die Zukunft des Kulturdenkmals zu sprechen. „Eine starke Idee muss her“, fasste der Chef der hessischen Denkmalpflege, Dr. Markus Harzenetter, die zwei Tage zusammen.

Harzenetter will „den Schwung aus dem Symposium mitnehmen“. Eine kleine Arbeitsgruppe, eine Art „Task Force“, soll zeitnah eingerichtet werden, um die besprochenen Themen zu vertiefen. Es gilt seinen Worten zufolge „schnell und konkret zu überlegen“, wie eine Voruntersuchung eingeleitet „und eine Vision entwickelt wird“. In diesem Zuge gelte es dann auch weitere Überlegungen wie eine touristische Nutzung mit einzubinden. Mit einem abgestimmten Konzept sei es leichter, auf die Entscheidungsträger zuzugehen, Gehör zu finden und Mittel lockerzumachen.

Dabei schwebt dem Leiter des Denkmalamts vor, sich zu Beginn nicht mit Klein-klein aufzuhalten. Wie Harzenetter betonte, muss die Definition des Ziels, „was wir erreichen wollen“, am Anfang stehen. Wenn das klar sei, gehe es darum, die auf dem Weg liegenden Probleme und Schwierigkeiten zu bestimmen und anzugehen. Sonst, machte er deutlich, „gehen wir mit leeren Händen raus“. Der Denkmalpfleger forderte, „Hindernisse nicht gleich als Stolpersteine anzusehen“.

Kommune und Landkreis haben ein großes Interesse daran, die Ruine Freienstein „als identitätsstiftendes Symbol für die neue Stadt Oberzent“ (Beerfeldens Bürgermeister Gottfried Görig) aufzuwerten. Der Rathauschef wünschte sich ein Konzept für die gemeinsame, nachhaltige Sicherung. Ähnlich der Kreisbeigeordnete Michael Reuter, gleichzeitig Vorsitzender des Denkmalbeirats. „Freienstein soll auf dem Dornröschenschlaf erweckt werden“, sagte er. Um möglichst schnell Nägel mit Köpfen zu machen, sollte man bald zusammensetzen. Was laut Bezirksdenkmalpflegerin Kristin Schubert für November angedacht ist. Nichts wäre für Reuter schlimmer als eine Veranstaltung nach dem Motto „gut, dass wir darüber geredet haben“.

In eine Arbeitsgruppe wird sich auch Louis Graf zu Erbach-Fürstenau als Grundeigentümer einbringen, machte er bei der Podiumsdiskussion deutlich. Er zeigte sich froh darüber, dass die Ruine „wieder auf die Agenda gebracht wurde“. Das Grafenhaus sei „für Lösungen ganz offen“, betonte er. „Wir werden uns als Eigentümer guten Ideen nicht verschließen.“ Er signalisierte sein „größtes Interesse“ an einer tragfähigen Lösung. Der Adlige beleuchtete die Entwicklung in den vergangenen 30 bis 40 Jahren mit der Sanierung nach dem Mauereinsturz.

Da man aufgrund der Vielzahl von Denkmal-Immobilien personell und organisatorisch nicht mehr in der Lage gewesen sei, sich der Freienstein angemessen zu widmen, sei die Vergabe in Erbbaupacht an Andreas Tilly erfolgt. Dieser monierte die fehlende Nachfolgesanierung. Er sei „in die Bresche gesprungen“, als nichts mehr ging, meinte Tilly. Es geht seinen Worten zufolge nicht nur um das Bauwerk, sondern auch um schützenswerte Natur. „Die Ruine ist ein Paradies, man muss es nur sehen“, so der Pächter.

Wo die Knackpunkte sein könnten, zeigte sich im folgenden Gespräch. Von Görig, Reuter wie auch aus dem Publikum wurden die Verbesserung der Zuwegung, eine Beschilderung, Möglichkeiten von Vereinsfesten und eine sanfte touristische Nutzung als erste Etappen ins Gespräch gebracht. Tilly wies in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass er die Haftung fürs gesamte Gelände habe. Ein Punkt, der geklärt werden soll.

Aus dem interessierten Besucherkreis heraus wurden noch einige Anregungen eingebracht, es entwickelte sich ein angeregter Austausch. So forderte man „eine Strategie zur Erreichung des Ziels“, weil sich sonst alle im Kreis drehen. Studenten der TU Darmstadt wünschten sich konkretere Vorhaben. Harzenetter lud sie daraufhin ein, sich in der Arbeitsgruppe zu engagieren.

 

„Viele interessante Beiträge“ gab es laut dem Leiter des Landesamts für Denkmalpflege, Dr. Markus Harzenetter, beim Symposium. So referierte etwa Prof. Barbara Schock-Werner, die Präsidentin der deutschen Burgenvereinigung, über die Rekonstruktion von verschiedenen Objekten in Europa. Peter Hartnagel vom landeseigenen Immobilienbetrieb sprach zur Bauunterhaltung an Schlössern. Dr. Gerd Strickhausen und Dr. Jürgen Leib hatten Burg Königstein und Burg Gleiberg im Fokus.

Harzenetter freute sich über die „Palette an konkreten Anregungen“ und das „gebündelte Erfahrungswissen“, das in den Vorträgen vermittelt wurde. Durch die Anwesenheit der politischen Vertreter aus Stadt, Kreis und Land wurde seinen Worten nach signalisiert, „dass die Burg auch ein Symbolprojekt sein kann“. Eine behutsame Sanierung soll den „malerischen Charme erhalten“, betonte er.

„Wir brauchen für die Ruine eine ständige Baubegleitung“, forderte Kristin Schubert, die im Vorfeld die organisatorischen Fäden gezogen hatte. Deshalb sei ein nachhaltiges Träger- und Nutzerkonzept nötig. „Es bringt nichts, alle 100 Jahre diesen Kraftakt zu machen“, meinte sie. Heutzutage sei man nicht in der komfortablen Lage, dass wie Ende der 1980er Jahre zur Sanierung „Millionen fließen“.

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Chöre aus dem Sängerkreis Neckartal treffen sich am 1. April zum Wertungssingen in Schönmattenwag

Das Kreiswertungssingen und der Liedergesellschaftsabend des Sängerkreises Neckartal finden am Samstag, 1. April, um 19 Uhr im Haus des Gastes statt. Ausrichter ist der MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag. Der Eintritt ist frei. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen, sich ein Bild vom vielfältigen Können der angeschlossenen Sängerkreis-Vereine zu verschaffen.

Teilnehmende Chöre sind: Cantante Cintura Kids sowie Frauen- und Männerchor des Gastgebers, MGV Eintracht Liederkranz Sensbachtal, Chorgemeinschaft Rothenberg/Kortelshütte, MGV Liederkranz Ober-Hainbrunn, Frauen- und Gemischter Chor Eintracht Falken-Gesäß, Sängerkranz aus Schöllenbach, gemischter Chor Finkenbach und Liederkranz Gammelsbach. Weiterhin gibt es an diesem Abend Ehrungen durch den Sängerkreis.

Den Mitglieds-Chören soll mit dem Wertungssingen die Möglichkeit eines objektiven Feedbacks der eigenen musikalischen Leistung angeboten werden. Sie erhalten damit in ungezwungener Atmosphäre eine leistungsorientierte Rückmeldung zur Vorbereitung ihrer eigenen Wettbewerbsbesuche durch einen ausgewiesenen Fachmann der Chorszene und auch Hinweise zu Verbesserungsmöglichkeiten.

Fürs Programm sind ausschließlich A-cappella-Werke zugelassen. Jeder Chor trägt drei Stücke freier Wahl vor. Auf eine stilistische und musikalische Vielfalt sollte Wert gelegt werden, heißt es in der Vorgabe. Werke aus dem Bereich Spiritual/Gospel/Pop sind ebenfalls zugelassen. Die einzelnen Stücke können auch in einer abweichenden Tonart vorgetragen werden.

Die teilnehmenden Chöre des Orientierungssingens erhalten nach ihrem Auftritt durch den Juror eine fachlich fundierte und konstruktive Beurteilung. Ziel ist es, Verbesserungspotential aufzuzeigen und den Leistungsstand festzustellen. Im Anschluss steht der Berater den Chören auch für weitere Fragen zur Verfügung. Außerdem gibt es eine Bewertung nach den Richtlinien des „Deutschen Chorwettbewerb“

Juror des Sängerkreis-Orientierungs-/Wertungssingens ist Matthias Schmitt. Er studierte Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Chorleitung an der Goethe-Universität Frankfurt, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt und an der Hochschule für Musik in Würzburg. Schmitt ist Dirigent mehrerer Chöre und Ensembles in Freigericht (Main-Kinzig-Kreis) und in angrenzenden Regionen. Er nimmt regelmäßig erfolgreich an nationalen Chorwettbewerben teil und wurde zuletzt Preisträger beim ersten deutschen Männerchorfestival in Limburg.

International konnte er mit seinem Männerkammerchor „DelicaTon“ einige Erfolge erzielen, zum Beispiel Sonderpreisträger beim International Choral Festival in Cork 2016 (Irland), er ist Gewinner zweier Goldmedaillen bei den World Choir Games in Riga 2014 (Lettland), Grand Prix Gewinner in Llangollen 2012 (Wales) und Dirigentenpreisträger beim Johannes Brahms-Wettbewerb in Wernigerode 2011. Teilnahmen an Wettbewerben und Festivals führten ihn zudem nach Estland, Norwegen, Österreich, England und Südkorea. Hauptberuflich arbeitet Schmitt als Kulturbeauftragter im Main-Kinzig-Kreis.

Katzen finden bei Anne Röth in Gammelsbach ein liebevolles Zuhause

„Sonny“ ist der Chef im Ring. Der zehn Jahre alte Kater mit dem Nervenleiden behauptet seine Stellung nach wie vor unter den 48 Katzen, die Anne Röth inzwischen versorgt. Mit ihrer A.R.-Stiftung bietet sie den Tieren einen „Ort der Zuflucht“. Auf Einladung der Grünen-Stadtverordnetenfraktion Beerfelden informierte sich jetzt die Vizepräsidentin des Hessischen Landtages sowie Sprecherin ihrer Fraktion für Europa, Natur- und Tierschutz, Ursula Hammann, über deren Arbeit.

2012 kaufte sie die frühere Mühle, erläuterte Anne Röth den Besuchern, zu denen auch Erster Stadtrat Horst Kowarsch und Fraktionsvorsitzende Elisabeth Bühler-Kowarsch zählten. In einer Hauruck-Aktion wurde sie innerhalb von wenigen Monaten für die benötigten Zwecke umgebaut. Die beiden vorher getrennten Gebäude erhielten einen Durchgang, es entstand ein gemeinsamer Vorbau – und natürlich alle Annehmlichkeiten für die Katzen.

Vorher war Röth 20 Jahre in Waldhilsbach ansässig, hatte sich schon dort um die streunenden Feld-, Wald- und Wiesenkatzen gekümmert. „Am Schluss war ich das Feindbild des Ortes“, meinte sie. Aber sah das eher als Auszeichnung für ihre aufopferungsvolle Arbeit zum Wohl der Tiere. Im neuen Gebäude „machen wir jeden Morgen vier bis fünf Stunden Hand in Hand sauber“, deutete sie auf ihren Neffen Bernd Goldammer, der ihr zur Hand geht.

Die bei ihr untergebrachten Tiere sind in der Regel sehr ängstlich, da sie ein Martyrium hinter sich haben. „Aus einem Erdloch in Hockenheim“ oder von einer Müllkippe werden die dort aufgegriffenen Vierbeiner zu ihr gebracht. Röth päppelt sie dann wieder hoch, bietet ihnen in einem komplett neu gestalteten Haus viel Freiraum. Und weil die Bundesstraße nicht weit entfernt ist, gibt es eine eingehauste Terrasse und ein weitläufiges, eingezäuntes Außengehege. Gerne hätte Röth auf ihre Kosten an der B45 Blitzer installieren lassen, damit langsam gefahren wird. „Alle meine Vorstöße scheiterten aber“, glich ihr Bemühen bei den Behörden dem Kampf gegen die berühmten Windmühlenflügel.

Beim Hinweis von Hammann auf die neue Kastrationsverordnung des Landes hakte auch Röth ein. Es erleichtere ihre Arbeit sehr, wenn die Freigänger sterilisiert und kastriert würden, betonte sie. Sie habe bereits einige Katzen-Besitzer im Ort angesprochen und von diesen die Erlaubnis bekommen, die Tiere auf ihre Kosten sterilisieren zu lassen.

Mit Stephanie Rosenzweig, die Röth bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt, tüftelt die aktive Rentnerin an einem neuen Projekt, einer Art „Katzenaltersheim“. Denn viele der Tiere seien nicht mehr vermittelbar. Die hätten es aber in ihren Räumen „definitiv besser als im Tierheim“. Nachdem Röth vor ein paar Jahren mit 65 in Rente gegangen war, suchte sie einen alten Bauernhof. In Reichelsheim klappte es nicht, dafür fand sie das Objekt in Gammelsbach. Die Idee der Stiftung kam auf, um ihre segensreiche Arbeit auch für die Zukunft zu sichern.

„Wir haben im Monat etwa 8000 Euro Kosten“, verdeutlichte die ehemalige Immobilienmaklerin den hohen Mittelbedarf. Deshalb sollen nun verstärkt Spenden akquiriert werden. Dass diese gut angelegt sind, verdeutlichte den Gästen der Blick ins Innere. Der Hauskauf war aber nur der Anfang, denn das Gebäude erhielt ein komplett neues Interieur. Es entstanden neben Wohnräumen auch Katzenküche und Vorratsraum. Die Tiere können das Haus auf seinen kompletten drei Stockwerken bis hoch in den Giebel nutzen, wo die Fenster extra Gitter erhielten. Allein im Erdgeschoss gibt es 120 Quadratmeter Fläche.

Ursula Hammann, die sich schon viele Jahre mit dem Tierschutz befasst, zeigte sich begeistert von den Räumlichkeiten und der Arbeit der Stiftung. „Ein Luxus für die Tiere“, meinte sie. Kowarsch erläuterte, die Grünen wollten sich nach und nach ein Bild der Hilfsorganisationen im Odenwaldkreis machen. Unter anderem wurden schon das Tierheim in Würzberg und der Verein „Tiere in Not Odenwald“ (Tino) besucht.

Die Tätigkeit im Dienste der Katzen „ist absolut bereichernd“, sagte Röth. Viel Lob gab es auch von Hammann. Sie habe in Hessen schon viele Tierheime gesehen und deren Probleme kennengelernt. Ihr sei aber noch keines untergekommen, das sich mit dem von Röth messen könne. „Hier reißt sich jeder die Flügel aus, um den Tieren zu helfen.“ Die Landespolitikerin appellierte an die Tierhalter, bewusster mit ihren Schützlingen umzugehen.

 

An die Tierschutzarbeit kam Anne Röth 1980, als sie über längere Zeit erfolglos versuchte, in Schriesheim ein Haus zu verkaufen. Bei vielen Aufenthalten vor Ort fielen ihr die zahlreichen frei lebenden Katzen auf. Das Ergebnis: Sie kaufte selbst das Haus und „hatte plötzlich 25 Katzen“. Als es zu klein wurde, zog man nach Waldhilsbach, wo es zum Schluss sogar 75 Tiere waren.

Das Gebäude in Gammelsbach wurde in einer siebenmonatigen Bauzeit saniert und auf die Bedürfnisse der Tiere ausgerichtet. Hier stehen auf einer Gesamtfläche von etwa 600 Quadratmetern den Tieren moderne Räume mit Außengehegen inmitten eines etwa 8000 qm großen Wiesengrundstückes zur Verfügung. Weiterhin gibt es drei moderne Wohneinheiten, die von Tierpflegern und Mietern bewohnt werden. Die Stiftung besteht aus drei Vorständen und wurde im Dezember 2014 durch das Regierungspräsidium Karlsruhe genehmigt.

Die Tätigkeit besteht zurzeit in der Aufnahme herrenloser Katzen, die aus schlechter Haltung kamen oder herrenlos waren. Sie werden tierärztlich und medizinisch versorgt und aufgepäppelt. Finanziert wird der Unterhalt nebst Arzt- und Personalkosten, durch Spenden und Erträgen aus den vermieteten Wohnungen. Eine Aufnahme weiterer Tiere ist laut Röth nur dann gewährleistet, wenn durch Tierfreunde Spendengelder eingehen. Steuerliche Belege werden erstellt.

Kontakt: A. R. Stiftung Nothilfe für Tiere, Telefon 06068/9415745, E-Mail roeth@ar-stiftung.de

Die Jeremy-Show ist für den Gammelsbacher Ralf Breitinger „ein Traum, der wahr geworden ist“

Das prägende Ereignis hatte Ralf Breitinger schon als Zehnjähriger. Im Urlaub mit seiner Familie bekam er eine Straßen-Feuershow zu sehen. „Ich war so fasziniert davon, dass ich zu meinen Eltern sagte, ich will Feuerartist werden“, erzählt er. Gesagt, getan. Die ersten Anfänge gab es noch in den Ferien mit einem Devilstick, nach und nach kam immer mehr hinzu. Heute verdient der 30-Jährige seine Brötchen mit Jonglage, Feuershows, Artistik und Zirkusprojekten.

Auch ein Name war schnell gefunden und sollte im Laufe der Jahre die Runde machen: die „Jeremy-Show“. Auf fremde Hilfe setzte Ralf Breitinger nie: „Ich habe mir alles selbst beigebracht“. Zugute kam ihm dabei auch die eigene körperliche Fitness. Schon früh interessierte sich der Gammelsbacher für Sport und Bewegung. „Im Alter von sechs Jahren habe ich mit dem Ringen angefangen“, erzählt er.

Daraus leitet der Jongleur seinen „extremen Willen“ und sein Durchhaltevermögen ab. „Wenn ich was schaffen will, bleibe ich dran“, kennt er das Wort aufgeben nicht. Denn beim Ringen gehe es auch darum, den Kampf zu gewinnen, „wenn man bereits am Boden liegt“. Es ging für Breitinger nicht nur darum, sich die Grundzüge autodidaktisch beizubringen, sondern immer neue Sachen einfallen zu lassen.

Seine Eltern unterstützten ihn nach Kräften: „Ich habe nach und nach alle möglichen Zirkussachen wie Jonglierbälle, -teller und -keulen, Einräder und Diabolos bekommen“, erinnert er sich. Beste Voraussetzungen also, um sich schon während der Schulzeit mit 14 oder 15 Jahre an erste Auftritte bei Geburtstagen oder privaten Feiern zu wagen.

Irgendwann spielte „Jeremy“, wie sich Ralf Breitinger mit Künstlernamen schon als Zwölfjähriger nannte, auch mit dem Feuer. „Da ich nicht aus einer Zirkusfamilie stamme, habe ich mir alles selbst beigebracht“, schildert er die harte Arbeit. Seine Eltern hätten die brandheißen Experimente zuerst kritisch beäugt, „doch es ging alles gut“. Probieren geht über Studieren hatte für ihn deshalb einen besonderen Klang.

Diese frühen Erfolge bestärkten Breitinger auch in seinem Vorhaben, das anfängliche Hobby irgendwann zum Beruf machen zu wollen. Um aber eine „normale“ Ausbildung im Rücken zu haben und „weil ich nicht wusste, ob es klappt“, erlernte er parallel den Job als Fitnesstrainer. „Es hat aber keinen Spaß gemacht, angestellt zu arbeiten“, sagt der 30-Jährige. Als dann seine Eltern sahen, dass sein eigentliches Interesse, die Jonglage, auch als Beruf funktioniert, „standen sie immer hinter mir“.

2009 folgte eine weitere Ausbildung als Zirkus- und Theaterpädagoge, womit sich Ralf Breitinger an den Schulen der Region in Form von Zirkusprojekten sein festes Einkommen sichert. „Die Shows sind dann das Plus obendrauf“, verrät er. Dabei genügt es ihm nicht, sich auf dem bisher Erreichten auszuruhen. „Ich brauche immer wieder neue Dinge und muss kreativ sein“, meint er. „Wenn man stehen bleibt, ist es Rückschritt.“

Und deshalb arbeitet Jeremy auch in diesem Jahr wieder mit neuen Utensilien. Den riesigen Feuerwürfelrahmen, der an den Ecken und Rahmen brennt, konnte man schon beim Lärmfeuer in Rothenberg bewundern. „Dafür musste ich richtig viel üben, damit es klappt“, hebt er die monatelange Vorarbeit heraus. Er träume nicht nur, sondern lebe alles, „was ich mir bisher aufgebaut habe“. Die Leidenschaft Jeremy-Show „ist ein Traum, der wahr geworden ist“.

Der Erfolg ist sowieso nur möglich mit einem straffen Zeitplan und einer gehörigen Portion Selbstdisziplin. Dazu gehört das morgendliche Aufstehen um 5.30 Uhr und dann (Fitness-)Training bis gegen 9 Uhr. Danach geht’s in die jeweiligen Schulen, wo er die Zirkusprojekte leitet. „Ich lebe für meinen Job“, bekennt Ralf Breitinger. Egal ob Weihnachten oder Geburtstag ist – er zieht sein Programm durch.

„Üben, üben, üben“ ist für ihn das Erfolgsrezept: Um das Ultimate-Rad zu beherrschen, dauerte es zwei Jahre. „Das war echt hart“, gibt selbst der durchtrainierte 30-Jährige zu. „Ich will immer verrücktere Sachen machen“, ist er mit seinem Lerneifer noch lange nicht am Ende. Ob Seilspringen auf dem Rola-Bola, einem Brett mit Rolle darunter, Jonglieren mit Äxten oder ein Handstand auf dem Feuerstuhl: Jeremy sprüht nur so vor Ideen.

 

Luftakrobatik mit dem Vertikalseil, Clownerie, Laufkugel, Diabolo, Flowerstick oder Theater: Die Elemente eines Schul-Zirkusprojekts sind vielfältig. Der 30-jährige Ralf Breitinger aus Gammelsbach ist dafür ein gefragter Mann. Seit sechs Jahren leitet er in Dielheim (Rhein-Neckar-Kreis) eine feste Zirkus-AG, die ein bis zwei Mal im Jahr eine kleine Show aufführt. Seit drei Jahren ist er dienstags an der Ernst-Göbel-Schule in Höchst tätig, daneben regelmäßig donnerstags an der Oberzent-Schule Beerfelden und freitags an der Humboldt-Schule Viernheim.

In den Schulferien bietet Breitinger Projektwochen an, so in Reichelsheim, Schriesheim oder Eberbach. Montag bis Freitag wird geübt, am Freitag ist dann die große Abschluss-Aufführung. Die verschiedenen Themen denkt sich der 30-Jährige selbst aus. Wie auch die Clown- und Theaternummern, die zur Aufführung kommen. Requisiten hat Jeremy inzwischen haufenweise. So viele, dass das komplette untere Stockwerk des Hauses in Gammelsbach dafür zur Verfügung steht.

Christa Stiebitz-Wilcke wurde als Schulleiterin in Gammelsbach verabschiedet

Das Sommer-Schulfest der Reinhart-van-Gülpen-Schule stand diesmal unter ganz besonderen Vorzeichen. Denn in seinem Rahmen wurde Schulleiterin Christa Stiebitz-Wilcke nach neun Jahren an der Spitze der Bildungseinrichtung in den Ruhestand verabschiedet. Von den Eltern der 17 Schüler, die in einer Kombi-Klasse aller vier Grundschul-Jahrgänge gemeinsam in der kleinsten Grundschule Hessens unterrichtet werden, war alles im Vorfeld perfekt organisiert worden. Das Schulteam hatte mit den Kindern ein schönes Programm eingeübt.

Stiebitz-Wilcke kam 2007 nach Gammelsbach, als die vorherige Schulleiterin Stanke in den Ruhestand ging. Sie war zuvor seit 1998 Konrektorin an der Grundschule in Lützel-Wiebelsbach, davor hatte sie seit ihrem Umzug 1992 von Offenbach nach Rothenberg an der dortigen Grundschule als Vertretungskraft gearbeitet. Zum Ende ihrer Ausbildungszeit als Lehrerin an Haupt- und Realschulen (Sekundarstufe I, 2. Staatsexamen 1978) war Stiebitz-Wilcke bei freien Bildungsträgern, so dem Internationalen Bund für Sozialarbeit, als Lehrerin in der Erwachsenenbildung tätig. Nach ihrem Zusatzstudium für das Lehramt an Grundschulen (1997-1998) in Frankfurt wurde sie dann in Lützel-Wiebelsbach tätig.

Die Übernahme der Schulleitung in Gammelsbach stellte die Rothenbergerin noch einmal vor ganz neue pädagogische Herausforderungen, die mit viel Lernen und viel Arbeit, aber vor allem „mit viel Freude verbunden waren“, wie sie erläuterte. Kleine dezentrale Schulen zu erhalten und das Lernen in jahrgangsübergreifenden Kombi-Klassen hätten für die Kinder zahlreiche zusätzliche und sehr positive Effekte aufgezeigt, sagte Stiebitz-Wilcke.

Die Vielfalt wurde in dem von den Schülern aufgeführten Programm ebenso deutlich wie an den Verabschiedungsworten. Die kamen seitens des staatlichen Schulamts Heppenheim von Markus Proksch. Erster Stadtrat Horst Kowarsch sprach für die Gemeinde, Bernd Siefert für die Oberzent-Schule Beerfelden. Neben den drei zurzeit amtierenden Elternbeirätinnen kamen Grußworte auch von Rüdiger Holschuh vom Odenwald-Kreistag, Harald Bechthold von der Volksbank Odenwald und Nicole Kelbert-Gerbig von der Sparkassen-Stiftung. An der Sparkassen-Initiative „Kreatives Schreiben“ hatte Stiebitz-Wilcke mit ihren jeweiligen Schülern seit 2004 stets – und für die Schüler sehr erfolgreich – teilgenommen.

Die scheidende Schulleiterin erhielt von allen Gratulanten liebevolle Abschiedsgeschenke. Ihrerseits sagte sie mit einer entsprechenden Spende für Spielzeug und -geräte „dieser wundervollen Schule“ auf Wiedersehen. Die für das Wetter zuständigen Instanzen verschonten das Fest auch wohlwollend vor irgendwelchen Regenwolken – zumindest bis zum Ende des offiziellen Teils. Dann mussten die verbleibenden Gäste doch noch eine ordentliche Portion Starkregen aushalten. Die Eltern kümmerten sich derweil um Grillstand, Getränke-Ausschank, Sitzgelegenheiten im Schulhof, die Kaffee- und Kuchen-Station sowie den Spül-Service im Schulhaus.

Kehrt der Wolf nach 150 Jahren wieder in den Odenwald zurück?

Eine angebliche Wolfssichtung zwischen Beerfelden und Gammelsbach bewegt die Netzgemeinde. Nachdem ein entsprechender Post bei Facebook auftauchte, entspann sich gestern in kürzester Zeit eine rege Diskussion über das Ob. So ganz unwahrscheinlich wäre eine Sichtung nicht – wenn es sich nicht am wahrscheinlichsten um einen ausgebüxten Hund handeln dürfte.

Aber Ronny Kolb, der stellvertretende Leiter des Forstamts Beerfelden, kann sich durchaus vorstellen, dass Meister Isegrim in absehbarer Zeit wieder im Odenwald heimisch werden könnte. Und von Beerfelden aus wäre es für einen jungen Rüden auf der Suche nach einem eigenen Revier nur ein Katzensprung in den Überwald.

Kolbs Worten zufolge wurde Ende April bei Frankfurt ein Wolf überfahren, der eindeutig einem Gartower Rudel aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg im Osten Niedersachsens zugeordnet werden konnte. Die Tiere könnten in kürzester Zeit weite Strecken bewältigen, sagt Kolb. Gerade junge Rüden „wandern relativ schnell“, mehrere Kilometer pro Nacht, um neue Reviere zu erforschen. Weitere Sichtungen im Westerwald oder bei Kassel belegten dies.

Im Odenwald würde eine Wiederansiedlung nach ziemlich genau 150 Jahren eine Rückkehr des einst weit verbreiteten Tieres bedeuten. Denn 1866 war der letzte Wolf des Odenwalds bei Wagenschwend (zwischen Eberbach und Mudau) aufgescheucht und dann in der „Wolfsschlucht“ bei Zwingenberg (Baden) nahe Eberbach erschossen worden. Wie Kolb sagt, „ist der Wolf in Deutschland ganz deutlich auf dem Vormarsch und breitet sich stark aus“.

Auf der Strecke vom Osten oder Norden Deutschlands, wo es bereits Populationen gibt, nach Süden lauern Kolb zufolge allerdings hohe Barrieren in Form von Autobahnen, Eisenbahnstrecken oder Flüssen. Was auch dem Tier bei Frankfurt zum Verhängnis wurde, der auf der A 661 zwischen Oberursel und Offenbach überfahren wurde. „Es muss schon viel zusammenkommen, damit der Wolf in unserer Region ankommt“, so Kolb.

Sollte es Meister Isegrim aber in den Süden Hessens schaffen, „dann dürfte er sich hier sehr wohlfühlen“, meint Kolb. Denn der Odenwald wäre für ihn aufgrund des Waldreichtums jeden Fall eine Region, die sich für eine Besiedlung eigne. Ronny Kolb hofft, sollte es einmal so weit kommen, auf einen sachlichen Umgang damit – ohne die weit verbreiteten Vorurteile. (Bild: IFAW)