Still ruht die Ruine Freienstein

Das Vereinsnetzwerk funktioniert nach wie vor, freut sich Gammelsbachs Ortsvorsteher Konrad Helm. „Die Möglichkeit, auf Leute zuzugreifen, ist nach wie vor vorhanden“, betont er. Zwar steht das Vereinsleben bei Feuerwehr, Turnverein, Sängern und Sportvereins aktuell quasi still. Ist aber im Dorf Not am Mann, lassen sich schnell Helfer organisieren. Denn: „Die Aktiven sind gut vernetzt und wissen, was zu tun ist.“

Helm bedauert, dass die Feste und Veranstaltungen im Jahreslauf ausfielen – und damit auch die damit verbundenen Einnahmen für die Vereine. „Langfristig wird das noch ein Thema.“ Denn Feuerwehr und TV unterhalten eigene Gebäude und brauchen Mittel. Es könnte sinnvoll sein, die Förderung der Stadt für solche Zwecke auszubauen, meint er.

Der Ortsvorsteher zeigt sich aber überzeugt: „Wir werden hinterher das Ding wieder zum Laufen bringen.“ Denn die Vereine sind unterm Jahr die Motoren des kulturellen Lebens. Spätestens 2022, so Helm, soll sich doch bitte alles wieder in normalen Rahmen bewegen. Denn dann steht das 1250. Jubiläum von Gammelsbach an – und das will gebührend gefeiert werden.

Die Lage an der Nord-Süd-Achse mit guten Verkehrsverbindungen macht das Dorf interessant für Zuzügler. Beerfelden und Erbach sind auf der B 45 schnell zu erreichen – ebenso wie Eberbach mit dem S-Bahn-Haltepunkt auf der Neckartalstrecke. Dort gibt es neben der Oberzent-Schule auf dem Berg auch die nächstgelegenen Berufs- und weiterbildenden Schulen.

„Leerstände sind ruckzuck wieder besetzt“, erläutert Helm. Häuser werden gekauft und übernommen. Somit bleibt die Bevölkerungszahl ziemlich konstant. Junge Leute ziehen zwar für Beruf oder Studium erst einmal weg, kehren aber teilweise zurück. Familien aus Frankfurt oder Heidelberg wissen das günstigere Landleben zu schätzen. Auch die funktionierende Dorfgemeinschaft ist ein wichtiger Punkt. Um noch attraktiver zu werden, sollte das Glasfasernetz ausgebaut werden, betont er. Dazu kommt die notwenige flächendeckende Versorgung mit einem funktionierenden Handynetz.

Es gibt noch ein paar andere Standortfaktoren, mit denen der Ort wuchern kann. Da ist zum einen die Grundschule – klein, aber oho. Zum anderen die Bäckerei im Unterdorf, die Käserei und die drei Wirtschaften. „Sie machen Gammelsbach lebenswert“, betont er. Fürs Frühstück und zum Kuchen backen ist alles zu bekommen. Teilweise ist der Nachwuchs auch schon mit eingestiegen und sichert damit das Fortbestehen. Helm bedauert, dass es die Tankstelle nicht mehr gibt.

Ein Kindergarten wäre zwar das Nonplusultra, aber er weiß auch, dass dafür gewisse Anforderungen notwendig wären. Gerade für die U3-Betreuung müssen bestimmte, auch räumliche Voraussetzungen gegeben sein. Außerdem ist eine gewisse Kinderzahl im Ort notwendig. Die Familien „sind es gewöhnt, dass die Kinder nach Beerfelden gehen“, sagt er, und sprechen sich bei den Fahrten ab. Durch die dörfliche Struktur funktioniert das. 

„Gammelsbach ist ein Pendlerdorf“, erklärt der Ortsvorsteher. Es gibt ein paar kleine Handwerksbetriebe, wie Maler, Etikettendruckerei, Auto- oder Spritzgusswerkstatt – wobei es seinen Worten zufolge durchaus überlegenswert ist, sich das Auto und die Fahrzeit zu sparen und dafür einen geringeren Lohn für den Job im Ort in Kauf zu nehmen.

Dazu kommt ein andere, gerade während der Pandemie wichtiger Punkt: „Wir können in die Fläche oder in den Wald gehen“, nennt er als Vorteil. Auf dem Land ist man nicht so eingeschränkt wie in der Stadt, was das Leben im Odenwald attraktiv macht. Dazu noch Bauplatzpreise von 50 oder 60 Euro, wovon man an der Bergstraße nur träumen kann.

Landwirtschaftsbetriebe im Haupterwerb sind selten geworden. Die Steillagen und der eher karge Boden taugen vor allem als Weideflächen. Der Strukturwandel sorgte mit dafür, dass es immer weniger Bauern gibt. „Die Fläche bleibt, aber der Verwaltungsaufwand verdreifachte sich“, weiß Helm aus eigener Erfahrung. Solange der Trend zum günstigen Essen geht, werden diese strukturellen Probleme weiter bestehen, vermutet er. Auch mit der Waldwirtschaft lässt sich derzeit – Klimawandel, Sturmschäden und Borkenkäfer grüßen – nichts mehr verdienen.

Gammelsbach lebt von und durch seine Vereine. Mai-Fest als Jahresauftakt oder die von allen gestemmte Kerwe: Die Bevölkerung nimmt teil und hilft mit. „Viele sind in zwei oder drei Vereinen aktiv“, schmunzelt der Ortsvorsteher. Auf die Ehrenamtlichen ist Verlass.

Der Tourismus steht im Fokus der anstehenden Vorhaben. Helm nennt den Lückenschluss des Fahrrad- und Wanderwegs zwischen Beerfelden und Eberbach als dringenden Wunsch. Denn dann, so seine Hoffnung, gibt es eine Verbindung zum Neckarsteig und es wird attraktiver, einen Abstecher in den Odenwald mit seinen Gaststätten zu machen. Außerdem sorgen E-Bikes dafür, dass so manche Steigung ihren Schrecken verliert. Aktuell fehlen um die 150 bis 200 Meter, um die vorhandenen Wege zu vernetzen. „Es geht ja nicht um eine Fahrrad-Autobahn“, gibt es eher bescheidene Vorstellungen.

Ein zweites Projekt ist eigentlich kein neues, sondern köchelt schon lange vor sich hin. „Es wäre schön, wenn bei der Burg Freienstein etwas passieren könnte“, hofft Helm. Denn aktuell ruht die Ruine. Er wünscht sich, dass dieses Wahrzeichen Gammelsbachs wieder öffentlich zugänglich gemacht und eventuell für eine kulturelle Nutzung zur Verfügung gestellt wird. „Die Burg ist ein Aushängeschild für ganz Oberzent“, hebt Helm hervor. Es kommen immer wieder Anfragen, ob sich was tut. Der Ortsvorsteher muss jedes Mal antworten: „nichts“.

Es hat sich einiges in Gammelsbach getan

In der vergangenen Zeit hat sich einiges in Gammelsbach bewegt. Ortsvorsteher Konrad Helm berichtete, dass geplante Arbeiten wie das Anbringen und Aufstellen der Dorfwegschilder, der Ruheliegen und der Bank an der Schäfersruhe vom Ortsbeirat erledigt wurden. Die Stadt ihrerseits schloss die Projekte Friedhofshalle und neue Kompost-Container ab. Bei einer Ortsbegehung verständigte man sich mit der Verwaltung auf weitere Schritte zum anonymen Urnenfeld und zur Versetzung des Ehrendenkmals, erläuterte er.

Aus dem Budget des Ortsbeirats stammen die Mittel für die Erstellung einer Viehtränke. Der dortige Wasseranschluss wird fachgerecht erstellt, so die Info von Stadtrat Rainer Flick. Damit ist der Weg von Gammelsbach nach Beerfelden wieder durchgängig begehbar, informierte er. Die Realisierung ist sowohl für Touristen als auch für die Dorfbevölkerung wichtig. Das Übergangsrecht eines Dorfwegs an anderer Stelle muss rechtlich durch die Stadt geklärt werden, hieß es.

Flick teilte weiter mit, dass die Sanierung des Kinderspielplatzes an der Grundschule in den kommenden drei Monaten von der Stadt angegangen werden soll. Insbesondere die Aufstellung einer Schaukel für Kleinkinder und eines geeigneten Fahrradständers stehen im Fokus. Damit soll nach dem Wunsch des Ortsbeirats den unterschiedlichen Altersgruppen Rechnung getragen werden.

Es holpert auf den Straßen des Dorfs: Deshalb wünscht sich der Ortsbeirat Kanaldeckel-Überprüfungen auf der durch Gammelsbach führenden B 45. Außerdem plädierte das Gremium ebenso einstimmig wie bei den anderen Punkten für eine generelle Kontrolle der Seitenstraßen auf Schlaglöcher, die dann auch gefüllt werden sollen. Es geht zum einen um Lärmbelästigung durch holprige Gullideckel, zum anderen um Verkehrssicherheit.

Wenn der Kanal von Gammelsbach nach Eberbach saniert wird, soll gleichzeitig die Möglichkeit eines durchgängigen Fußwegs auf vorhandenen Strecken im Talbereich mitgeprüft werden, wünschte man sich. Aktuell besteht diese Verbindung bereits – bis auf zwei Engstellen von etwa 150 Metern. Der Ortsbeirat sah diese Maßnahme als touristisch und gastronomisch attraktiv und wertvoll an.

Moniert wurde im Rund der Zustand der Gehwege. „Nicht zufriedenstellend“, kritisierte Helm. Die Ausbesserung und Beseitigung von Rillen, Schlaglöchern und Einengungen durch Pflanzenbewuchs steht deshalb auf der Agenda. Eine abgestorbene Eiche an der Schäfersruhe beeinträchtigt die Verkehrssicherheit. Den Weg dorthin wollen Ehrenamtliche am Freiwilligentag freischneiden. Am 19. September soll auch die Friedhofsmauer von Dornen befreit werden. Nach wie vor aktuell: der fehlende Telefonanschluss von Dorfgemeinschaftshaus und Feuerwehr.

Nur mit Abstand gibt’s mehr Platz

Die Gastronomen hatten hessenweit lange für den Wegfall getrommelt. Kurz vor Pfingsten fiel sie dann: die ungeliebte Fünf-Quadratmeter-Regelung. Demnach durfte auf diese Fläche genau ein Gast ins Lokal rein. Nur mit der Abstandsregel würden aber deutlich mehr Besucher reinpassen. Da sich der Ansturm der Gäste aber sowieso noch in Grenzen hielt, hatten die Oberzent-Gastronomen daran gar nicht so sehr zu knabbern.

„Rosenwirts Scheune“ in Rothenberg war bisher zu und bleibt es diese Woche auch erst einmal – allerdings aus privaten Gründen, erzählt Karin Fink-Henke. Dann wollen ihr Mann klaus Henke und sie neu entscheiden. Der Wegfall der Fünf-Quadratmeter-Regel ist für sie auf jeden Fall ein Kriterium, die Wiederöffnung in Betracht zu ziehen.

Außerdem ist es für die Besitzerin auch eine Form von Kundenservice, den Gästen wieder den Restaurantbesuch zu ermöglichen, betont sie. „Die Leute wollen wieder weg“, hat sie beobachtet. Daneben wollen die beiden auch ihr Personal zurückholen. Der bisherige Abholservice wird auf jeden Fall fortgeführt, versichert sie. Der hatte eine sehr gute Resonanz. „Die Bürger unterstützen ihre Gastronomen“, dankt sie nicht nur den Rothenbergern dafür, dass diese sich oft außer Haus verpflegen. Auch weiter unten beim „Hirsch“ hat man diese positive Erfahrung gemacht.

Bei der „Raubacher Höhe“ blieb die Gaststätte über Pfingsten dicht. „Wir überlegen, am, ersten Juni-Wochenende aufzumachen“, erzählt Bettina Knobloch. Solange wird weiterhin „auf Zuruf“ gekocht. Das geht sehr unkonventionell vor sich. „Die Leute stehen vor der Tür und sagen, was sie wollen“, schmunzelt die Wirtin. Ein paar Bänke vor dem Lokal laden dazu ein, das gerade Abgeholte gleich vor Ort zu verzehren.

Ob es sich auch ohne Fünf-Quadratmeter-Regelung lohnt zu öffnen, will das Chefinnen-Trio Anette Bartmann, Bettina Knobloch und Heike Brotz noch durch den Kopf gehen lassen. 100 Plätze gibt es drin, 65 draußen. Den nötigen Abstand von 1,5 Meter in Betracht gezogen, könnte etwas mehr als ein Drittel davon übrig bleiben.

Eine Erfolgsgeschichte ist die „Jockel-Vesper“. Fünf verschiedene Getränke zur Auswahl, fünf Brotaufstriche dazu Apfel und Hanuta – da kann man frisch gestärkt den knapp 13 Kilometer langen Jockel-Weg erwandern. „Wir haben schon viele Säckchen nachbestellt“, freut sich Knobloch über die Resonanz. „Das macht richtig Spaß“.

Seit dem ersten Wiederöffnungs-Tag, dem 15. Mai, „läuft alles fast normal“, schildert Besitzer Lothar Denniger vom „Grünen Baum“ in Gammelsbach die Situation. Da die Besucher meist versetzt kommen, hat die Familie (die Söhne Sascha und Marco leiten den Betrieb) wenige Probleme, eine geringere Zahl von Gästen gleichzeitig zu bewirten. „Sonst war der Laden auch nicht jeden Tag rappelvoll“, blickt Denniger auf die Zeit vor Corona.

Ist der Restaurant-Besuch noch etwas verhaltener als früher, läuft die Zimmerbelegung gut. Über Pfingsten war alles ausgebucht. Da traf es sich gut, dass der Umbau rechtzeitig fertig war. Hatte er „Grüne Baum“ vorher elf Zimmer, so sind es jetzt 13, inklusive einiger neu geschaffenen Suiten. Auch Edgar Gerbig vom „Krone“-Team ein paar Meter weiter Richtung Beerfelden hat ähnlich Erfahrungen gemacht. Die Zimmer sind gut gebucht, im Restaurant ist es überschaubarer.

Denniger, der sowieso nicht in den Kopf in Sand steckt, wenn es schwierig wird, nimmt es sportlich. „Die Bundesstraße war früher mal sechs Monate gesperrt“, war der Betrieb damals nicht erreichbar. Zwei Monate Schließung waren für ihn deshalb fast schon überschaubar.

„Natürlich ist es besser ohne die Regelung“, meint Angelika Beisel vom Rothenberger „Hirsch“. Aber ehrlich gesagt „musste ich mir diesbezüglich noch keine weiteren Gedanken machen“, gibt sie zu. Denn der Ansturm war noch nicht so groß und das Haus verfügt über genügend Räumlichkeiten. „Wir haben Platz, die Hotelgäste weit genug auseinander zu setzen.“ Auch die Gästezimmer versucht man rotierend zu belegen, damit genug Zeit zum Reinigen und Lüften bleibt.

 

Mehr zu noch andauernden Schließungen, Öffnungszeiten und weiteren Regelungen unter:

Grüner Baum Gammelsbach: www.hotelgruenerbaum.de

Zur Krone Gammelsbach: www.odenwald-gasthof-krone.de

Rosenwirts Scheune Rothenberg: www.rosenwirts-scheune.de

Hirschwirts Rothenberg: www.hirschwirts.de

Raubacher Höhe Raubach: www.raubacher-hoehe.de

Der Trend geht zur Urne

Das Urnengrabfeld auf dem Sensbacher Friedhof wurde endlich angelegt, freut sich Ortsvorsteher Tobias Kuhlmann über den Baufortschritt in Corona-Zeiten. In den drei Orten des früheren Sensbachtals muss jetzt die Möglichkeit einer Urnenbestattung besser bekannt macht werden, schätzt Kuhlmann. Denn bisher wurde diese Bestattungsform seiner Kenntnis nach noch nicht so stark nachgefragt, wie es anderswo der Fall ist. Des Öfteren wird inzwischen keine Erdbestattung mit Sarg mehr gewünscht. Auch ist ein Urnengrab viel günstiger als die „Standard-Variante“.

Auf dem bestehenden Urnengrabfeld (Urnengräber mit Grabeinfassungen und Grabsteinen) des Sensbacher Friedhofs auf der Höhe stehen aktuell noch etwa 20 Grabstellen zur Verfügung, weiß der frühere Bürgermeister Egon Scheuermann. „Es bietet sich aber an, auf der nördlichen Seite des neuen Urnenfeldes ein weiteres anzulegen“, erklärt er. Damit könnte die Wiesenfläche mit den Urnengrabstellen integriert und eingerahmt werden.

Das neue Urnenfeld (Urnen in Wiese eingelassen) hat 120 Grabstellen, erläutert er. Hinter jeder Steinanordnung sind 30 Urnengrabstellen vorgesehen. Die Namensschilder werden an der großen Säule angebracht (in jeweiliger Ausrichtung auf die beigesetzte Urne). An den Steinanordnungen können auch Blumen und Gestecke abgestellt werden, ebenso in Ausrichtung auf die beigesetzte Urne. Um die hohe Säule wird noch eine Bank angeordnet.

Die Steinanordnungen auf dem Sensbacher Friedhof wurden von der Firma Tobias Kabel aufgestellt, weiß Scheuermann. Die Sandsteinsäule, die Zuwege und die Wiesenflächen wurden durch den städtischen Bauhof sehr schön und sinnvoll angelegt, beobachtete er. Die äußeren Steinsäulen wurden bereits zu Zeiten der Gemeinde Sensbachtal fertiggestellt.

Auf dem Hebstahler Friedhof ist das neue Urnenfeld unterhalb des Weges ist für etwa 22 Urnengrabstellen (bis zu zwei Urnen je Grabstelle) vorgesehen, tat sich hier bereits im vergangenen Jahr etwas. Auch hier ging der Oberzent-Bauhof zu Werke. „Das wurde sehr schön angelegt“, ist die einhellige Meinung von Kuhlmann und Scheuermann

Aktuell wird auf den vielen verschiedenen Friedhöfen der Oberzent-Stadtteile ausgelotet, welche Möglichkeiten es für alternative Bestattungsformen gibt, weil die Nachfrage danach immer mehr wächst. So wurde etwa auch in Finkenbach ein Bereich für eine pflegefreie Erdbestattung ausgedeutet. Am Gammelsbacher Friedhof wurde vom Bauhof der alte Kompostplatz abgerissen und dadurch das Urnenfeld erweitert. Der Abfall wird jetzt über zwei Container, die an der alten Einsegnungshalle stehen, vom Bauhof entsorgt, informiert Ortsvorsteher Konrad Helm.

Kirchlicher Dachschaden wird behoben

Wo Landwirte derzeit sorgenvoll auf die trockenen Äcker schauen, ist das regenfreie Wetter für die evangelische Kirchengemeinde ein Segen. Denn so gehen die Arbeiten am Dach der Kirche in Gammelsbach sehr zügig vonstatten. Als Pfarrer Roger Frohmuth dort vor kurzem für ein Gebet vorbeischaute, war schon ein Gerüst gestellt – so schnell hätte er sich den Start gar nicht vorgestellt. Denn nach dem Okay für die Dacherneuerung zu Beginn des Jahres hatte er vermutet, dass der Baubeginn erst später im Frühjahr wäre.

Dass der Sanierungsbedarf erkannt wurde, ist den sporadischen sintflutartigen Regenfällen der vergangenen Jahre „zu verdanken“. Dabei regnete es öfters an verschiedenen Stellen durchs Dach rein, erinnert sich Pfarrer Frohmuth. „Zuerst dachten wir, das lässt sich reparieren“, schildert er die im Nachhinein fromme Hoffnung. Denn eine genauere Betrachtung förderte zutage, dass das komplette Dach 56 Jahre nach der Errichtung marode war.

„Wir hatten einen Dachschaden“, nimmt es der Geistliche humorvoll – alles musste erneuert werden. Die folgenden Planungen zogen sich einige Zeit hin. Dem kirchlichen Bauausschuss und Architektin Steffi Holschuh ist es seinen Worten nach zu verdanken, dass das Bohren dicker Bretter letztendlich ein glückliches Ende fand. Anfang des Jahres gab die Kirchenbehörde, die etwa drei Viertel der Gesamtmittel von 70.000 Euro locker macht, ihr Plazet zu den Maßnahmen. Erst danach durfte man loslegen.

„Steter Tropfen höhlt den Stein“, freut sich Frohmuth, nachdem man schon über ein Jahr mit der Vorbereitung zugange war. Zu der zählte unter anderem auch die Ziegelauswahl durch den Bauausschuss. Bei optimalem Wetter gehen die Arbeiten aktuell sehr schnell voran. Die alte Dachabdeckung ist bereits entfernt, seit Anfang der Woche läuft der Neuaufbau. Der Pfarrer ist frohen Mutes, dass die Sanierung aufgrund der zügigen Arbeit der Handwerker bald beendet sein wird.

Der Beerfelder Pfarrer sieht das Gotteshaus nun fit für die nächsten Jahrzehnte. „Das Kirchengebäude hat jetzt Zukunft“, sagt er. „Es ist ein Schmuckstück“, betont der Gottesmann, in dem nun alle Renovierungsmaßnahmen beendet sind. Frohmuth freut sich darüber, dass die Menschen dort nun weiterhin den Gottesdienst besuchen können. 2024 wird dann in Gammelsbach groß gefeiert, wenn das 60. Jubiläum der Kirche auf dem Berg ansteht.

 

Drei Sterne für den „Kühlen Krug“

Der „Kühle Krug“ ist eine von drei Gaststätten im Oberzent-Stadtteil, die die Lokal(e) Tradition im Odenwald hochhalten, wo sonst die Tendenz fallend ist, weil viele zumachen. Jetzt wurde die Familie Riesinger erneut mit drei Sternen der Deutschen Klassifizierung für Gästehäuser, Gasthöfe und Pensionen ausgezeichnet. Seit 2010 beteiligt sich der Gasthof immer mit Erfolg, die jetzige Auszeichnung gilt bis 2023.

Armin Treusch, Vorsitzender des Dehoga-Verbandes Odenwaldkreis, die Dehoga-Geschäftsführerin für Südhessen, Christine Friedrich, und Bürgermeister Christian Kehrer würdigten die Leistung der Inhaberfamilie. Was um 1900 mit Wilhelm Riesinger begann, dem zwei weitere Wilhelms folgten, setzt sich heute mit Werner und Andrea Riesinger, ihrem Sohn Christian mit Frau Ramona sowie deren Kind Lars fort. „Grande Dame“ ist die 83-jährige Gertrud Riesinger, die als gelernten Köchin früher in der Küche das Zepter schwang. Zusammen mit ihrem im Januar verstorbenen Mann führte sie bis 1995 lange Jahre Regie.

Der Hotel- und Gaststättenverband will vor Ort präsent sein, betonte Treusch. Ihm geht es darum, auf diese Qualitätsauszeichnung hinzuweisen und auch die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren. „Die Gäste orientieren sich daran“, weiß er. Sie ist seinen Worten zufolge „ein Aushängeschild für die Betriebe“.  Für die wird ihr Geschäft nicht einfach. Es gilt, sich dem voranschreitenden Gaststättensterben entgegenzustemmen.

Christine Friedrich wies darauf hin, dass der „Kühle Krug“ die drei Sterne bereits seit 2010 verliehen bekommt. Sie zeigte sich froh darüber, dass sich die Familie zur Unterstützung des Tourismus an der Klassifizierung beteiligt und dankbar für die Unterstützung der Verbandsbestrebungen, Besucher in den Odenwald zu holen. Die werden, hoffte die Geschäftsführer, trotz der aktuellen Conora-Pandemie weiterhin die Region besuchen.

Auch Bürgermeister Kehrer betonte, dass diese Plakette des Betriebs für seine gastronomischen Fähigkeit wichtig für die Stadt ist. Er wie auch Friedrich dankte den Riesingers, über die Jahre hinweg so viel Arbeit in den Gasthof, die Pension und die Bäckerei gesteckt zu haben. Werner Riesinger freute sich über die Worte und Auszeichnungen. „Wir werden noch einige Jahre weitermachen“, kündigte er an – 1995 hatte da Ehepaar übernommen.

Während es die Gaststätte – neben der damaligen Landwirtschaft – etwa seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gibt, kam die Bäckerei 1908 dazu – „auch wenn der Uropa sicherlich früher schon gebacken hat“. Mitte der 50er Jahre entstanden die Fremdenzimmer mit fließend warm und kalt Wasser – damals nicht selbstverständlich. 1973 kam ein überdachtes Freibad dazu, 1976 dann ein größerer Anbau anstelle der früheren Scheune. Insgesamt gibt es etwa 90 Plätze in der Gaststätte und eine kleine Terrasse.

Da die Zimmer viel von Monteuren genutzt wurden, gab es im vergangenen Jahr einen Umbau von zwei Doppel- in Einzelzimmer mit Küche. Insgesamt, erzählt Werner Riesinger, hat der Kühle Krug derzeit fünf Einzel- und fünf Doppelbeherbungen. In allen Generationen erwarben die Inhaber jeweils auch ihren Bäckermeister. Mutter Gertrud erlernte Köchin.

Der Schwerpunkt heute liegt auf der Bäckerei, erläutert der Chef. „Die Gaststätte lauft mit.“ Ins Sensbachtal, nach Falken-Gesäß und in den Ort selbst werden die Backwaren ausgefahren. Ebenfalls bedient die Familie die Oberzent-Schule, den rollenden Bauernladen und das Hedwig-Henneböhl-Heim. Die Klassifizierung „ist gute Werbung für uns“, weiß Riesinger. Dadurch lassen sich (neue) Gäste gewinnen. Die entsprechenden Kriterien erfordern zwar etwas Arbeit, „sind aber zu schaffen“, meint er.

Ein eigenes Etikett für jede Kirche

Dieser Wein wird in den jeweiligen Orten besonders gut munden. Seit einem Dreivierteljahr bezieht die evangelische Kirchengemeinde Beerfelden ihre süffigen Tropfen von einem neuen Weinhändler: dem Weingut Beyer-Bähr aus Rheinhessen, das auch alle vier Wochen auf dem Beerfelder Wochenmarkt anzutreffen ist. Spätburgunder und Riesling bekommen nun je nach Ausschankort ein eigenes Etikett mit der jeweiligen Kirche aus Gammelsbach, Unter-Sensbach und Beerfelden.

Den Entwurf dafür gestaltete Uwe Breidinger, das Etikett stellt die Firma Schwinn in Gammelsbach kostenfrei her. Dort fand auch die offizielle Vorstellung des neuen „Outfits“ der 0,75-Liter-Flaschen mit Pfarrer Roger Frohmuth, Kirchenvorstand Raimund Keysser sowie Geschäftsführer Stefan Frey und Seniorenchef Ernst-Ludwig Schwinn statt.

Als Abendsmahlswein sowie als Präsent für Geburtstage, Goldene Hochzeiten und Jubiläen wird das Produkt des Betriebs aus Flörsheim-Dalsheim verwendet, erläuterte Frohmuth. Der Vorteil: Die Kirchengemeinde muss keine großen Mengen horten, sondern kann jeden Monat ihren Bestand wieder auffüllen, wenn das Weingut sowieso in Beerfelden präsent ist.

Seit 2013 gibt es den Kirchenwein, erinnert sich Raimund Keysser. Ein paar Flaschen der früheren Bestände existieren noch, aber es musste Nachschub her. „Wir dachten, das wäre ein schönes Symbol, damit die Kirche repräsentiert wird“, ergänzt er. Außerdem haben die Beschenkten etwas Besonderes mit lokalem Charakter in den Händen. Nach Breidingers Vorlage wird das Etikett in seinen drei Ausfertigungen mit den verschiedenen Gotteshäusern bei Schwinn gefertigt. Die Flaschen lassen sich dann je nach „Einsatz“ bekleben.

Etiketten werden in der alteingesessenen Firma seit 1995 hergestellt, eine Haarzurichterei gibt es bereits seit 1948. Inzwischen ist die dritte Generation im Familienbetrieb mit 15 Beschäftigten am Ruder. „Heutzutage wird sehr viel etikettiert“, freut sich Stefan Frey. Die Gammelsbacher Produkte gehen nach ganz Europa – und jetzt eben auch an die heimische Kirchengemeinde.

Gastronomisch die „Krone“ aufgesetzt

Wer auf eine über 400-jährige Tradition zurückblicken kann, weiß, was die Kunden wünschen. Somit sind die „Zwei Löwen“ als Auszeichnung der Qualitätsgemeinschaft „Hessen à la Carte“ für den Hotel-Gasthof „Zur Krone“ in Gammelsbach nur folgerichtig. In den beiden südhessischen Kreisen Bergstraße und Odenwald ist der Betrieb damit einer von nur vier (unter insgesamt 100 landesweit) geehrten. Wenn man dann noch weiß, dass zwei weitere bei Bensheim angesiedelt sind, macht das die Auszeichnung rein auf den Odenwald bezogen noch wertvoller.

Die Übergabe erfolgte durch Armin Treusch, den Vorsitzenden des DEHOGA-Kreisverbandes Odenwald, und die Geschäftsführerin des Deutschen Hotel-und Gaststättenverbands für Südhessen, Christine Friedrich. Bürgermeister Christian Kehrer und Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh richteten ebenfalls anerkennende Worte an die Inhaber-Familie Gerbig.

Edgar Gerbig zeichnete die Geschichte der Gaststätte nach, die seinen Worten zufolge zu den ältesten im Odenwald und Hessens zählen dürfte. Vor über 400 Jahren lässt sich der erste im Foshag-Stammbaum ausmachen, der sich als Hufschmid im Ort niederließ und auf der Burg Freienstein, dem Wahrzeichen von Gammelsbach, tätig war. Neben der Schmiede war damals schon eine Gaststätte mit Landschaft vorhanden.

1972 übernahm dann Mutter Gertrud die Krone, erzählte Sohn Edgar. Sie ist die älteste von drei Mädchen. Sowohl sie, ihr Mann Hermann als auch die Geschwister packen heute immer noch mit an, wenn Not am Mann oder an der Frau ist. Mit drei Urenkelinnen, die während der Übergabe zwischen den Gästen herumwuselten, ist die Zukunft des Familienbetriebs gesichert. Der Name Foshag wurde damals zu Gerbig, aber bei den Älteren im Ort heißt es immer noch, „wir gehen zu Schmieds was essen oder trinken“, schmunzelte er.

Von 1972 bis 2002 führten die Eltern den Betrieb und bauten ihn aus. Das Restaurant fasst heute 150 Personen, es wurden zwei Kegelbahnen gebaut, ein Gästehaus, Fremdenzimmer und eine Ferienwohnung. „Seit 2008 gehören wir zu den Drei-Sterne-Hotels im Odenwald“, erläuterte Edgar Gerbig. 2017 wurde das Hotel mit Drei-Sterne-Superior bewertet und 2019 bestätigt. Den 2010/11 im umgebauten alten Saal eingerichteten Wellness-Tempel „Toscana“ führt Dirk Gerbig, während Eric seinen Vater Wolfgang in der Küche unterstützt.

Die ist es auch, die für beiden Auszeichnungen in diesem Jahr steht. Im März wurde die „Krone“ unter die 50 besten Dorfgasthäuser in Hessen gewählt. Eine Prämierung, die sich laut Edgar Gerbig bereits in einigen Anfragen auszahlte. Auch hier vertritt das Gammelsbacher Gasthaus die Stadt Oberzent und ist eines von nur vieren aus dem Odenwald. Die jetzige Urkunde freute die Familie noch mehr.

„Ohne die Großfamilie geht nichts“, betonte Gerbig gegenüber den Gästen. Denn nach wie vor trifft sich in der „Krone“ der ganze Ort, ob zum Stammtisch oder für Familienfeiern. Da muss oftmals schnell mal angepackt werden. Dazu kommt das Prädikat „Odenwald“ über allem. Der Trend geht zum Regionalen, weiß man im Gasthof. Deshalb wird konsequent sowohl bei den Speisen als auch bei den Aktionen darauf gesetzt. Das ist dann das Kochkäs-Schnitzel genauso wie ein Ausflug zur Käserei, das lokale Bier analog zur Besichtigung der Brauerei.

Küchenchef Wolfgang Gerbig zeigte sich in seinen Dankeswortes erfreut darüber, dass es als Neuling „gleich zu zwei Löwen reicht“. Schwanen-Wort Armin Treusch aus Reichelsheim war froh „über die Verstärkung im südlichen Teil“. Er wies darauf hin, dass Gäste sensibel für Natur und Umwelt sind, weswegen Betriebe mit diesem Pfund wuchern können.

Christine Friedrich zeigte sich beeindruckt davon, „dass die Familie voll dahinter steht“. Genau das macht ihren Worten zufolge „den Betrieb stark“. Die Auszeichnung belegt, „dass sie etwas für die Region tun“, sagte sie. Das unterstrich auch Bürgermeister Kehrer, der davon sprach, dass die „Krone“ die Stadt nach aßen repräsentiert.

 

 

Hessen à la carte

Über 100 ausgewählte Restaurants und Gasthöfe aus den unterschiedlichen Regionen Hessens bilden Deutschlands älteste regionale Qualitätsgemeinschaft (seit 1984), die Kooperation der hessischen Regionalküche. Die Betriebe sind nach außen erkennbar am rot-weißen Hessen à la carte-Mitgliedsschild. Hessische Küche ist regional, traditionell, innovativ, ursprünglich und nachhaltig, lauten die Schlagworte. Nach diesen Kriterien lassen sich die Mitglieder alle drei Jahre durch einen Zehn-Punkte-Kriterienkatalog zertifizieren. Danach erhalten die Betriebe eine Urkunde, in der sie anhand der erreichten Punkte durch einen, zwei oder drei hessische Landeslöwen auf der Urkunde ausgezeichnet werden. Vertragspartner sind der Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA Hessen und der Hessische Tourismusverband. Gefördert wird die Kooperation durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen.

 

Katzenschutzverordnung für Oberzent beschlossen

Oberzent hat jetzt auch seine Katzenschutzverordnung. Die Stadtverordnetenversammlung befürwortete den Antrag der Grünen aus dem vergangenen Jahr bei drei FDP-Enthaltungen einstimmig. Damit folgt die Stadt den Kommunen Erbach, Michelstadt und Brombachtal, die eine solche Satzung bereits in der vergangenen Zeit beschlossen hatten. Das Thema zog auch eine gewisse Publikumsaufmerksamkeit von Tierschutzorganisationen auf sich. Denn sie haben jetzt eine gewisse Rechtssicherheit bei ihrer Arbeit.

In seiner Begründung des Antrags führte Thomas Väth (Grüne) aus, dass das Tierheim Würzberg nicht einmal ansatzweise die viele Katzen aus seinem Zuständigkeitsbereich aufnehmen könne. Oberzent zahle ans Tierheim im Jahr etwa 7000 Euro an Unterstützung. Die drei örtlichen Tierschutzorganisationen „kümmern sich mit erheblichem finanziellen Aufwand um die Tiere“, erläuterte Väth.

Diese durften bisher, erläuterte er, freilebende Tiere nicht kastrieren, wenn sich der Halter nicht klären ließ. „Das war Sachbeschädigung.“ Mit der Verordnung wird die Rechtslage anders. Wenn nicht registrierte, verwahrloste oder streunende Katzen aufgegriffen werden, gibt es nun die Möglichkeit, dass zur Begrenzung hoher Populationen „tierschutzgerechte Maßnahmen“ ergriffen werden können.

Das Grünen-Fraktionsmitglied betonte: „Wir wollen die Ehrenamtlichen in ihrem großen Aufwand unterstützen.“ Was auch Rüdiger Holschuh (SPD) so wertete. Er sprach von einem großen Tierleid und sah die Kommunalpolitik in der Pflicht, sich darum zu kümmern. Mit Blick auf die Erfahrungen in Michelstadt sprach er von einer problemlosen Umsetzung. „Das ist Tierschutz in seiner reinsten Form“, hob der Kreistagsvorsitzende hervor. Der Ansatz muss auf Prävention liegen, erklärte er, und nicht auf der Bekämpfung des Leids.

Seitens der FDP wandte sich Frank Leutz gegen eine „Bevormundung von mündigen Bürgern“, auch wenn er die geschilderte Situation so durchaus erkannte. Allerdings hatte Leutz „keine Lust auf nächste Verordnung“. Seine Befürchtung, dass dadurch das überlastete Ordnungsamt noch mehr strapaziert werden könnte, entkräftete Bürgermeister Christian Kehrer: „Da haben wir kaum Berührungspunkte.“

Udo Glaser (ÜWO) ging neben dem Tierschutz-Aspekt auch auf die Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit ein. Für Walter Gerbig (CDU) wurde das Thema zwar „von hinten her angegangen“, aber von seiner Intention her sinnvoll. Nach weiteren zustimmenden Äußerungen, unter anderem von Chris Poffo (ÜWO), war die Verabschiedung Formsache.

Kostenvoranschlag entspricht nicht der Realität

Am kommenden Samstag wird beim Freiwilligentag des Odenwaldkreises auch in Gammelsbach in die Hände gespuckt. Der Ortsbeirat hofft dabei auf rege Beteiligung aus der Bürgerschaft. Allgemeine Ortsbildverschönerungen an der Schäfersruhe, den Tikale-Wandersteinen und der Friedhofsmauer stehen im Vordergrund, erläuterte Ortsvorsteher Konrad Helm auf der Sitzung, die wieder von einigen Bürgern besucht wurde.

Das Gremium war unzufrieden mit dem Kostenvoranschlag der Stadt zur Weiterführung des Dorfwegs, überbracht von Erik Sauer. „Der entspricht nicht der Realität“, so die Meinung der Mandatsträger bei diesem Tagesordnungspunkt. Denn besprochen worden sei, dass die Stadt das komplette Material zur Verfügung stellt. Alle erforderlichen Montage- und Verlegearbeiten sollten durch Mitglieder des Ortsbeirats gewährleistet werden. Mit der Bitte an die Stadt, diesen Kostenvoranschlag nochmals zu überarbeiten, beschloss man die Angelegenheit.

Das Ortsbeiratsbudget wird dafür verwendet, zwei Entspannungsliegen kaufen und im Ort aufzustellen. Die Standorte werden noch festgelegt. Außerdem sollen neue Dorfweg-Hinweisschilder gekauft und montiert werden. Auf Anregung von Gammelsbacher Bürgern sollen die Eigentumsverhältnisse entlang des Dorfweges geklärt werden. Die Verträge und deren Verbriefung sollen eindeutig niedergeschrieben werden, hieß es in dem einstimmig beschlossenen Antrag, den das Gremium der Stadtverwaltung übermittelt.

Erik Sauer hatte auf der Sitzung auch einen Planentwurf der Stadt zur Gestaltung der Urnenfeldabgrenzung (Friedparkanlage) dabei. Da eine einheitliche Gestaltung der Urnenfelder in allen Stadtteilen vorgesehen ist, favorisierte das Gremium diesen Vorschlag. Im Zuge der Neugestaltung soll auch die Kompostierbox entfernt und durch einen außerhalb aufgestellten Container ersetzt werden. Ebenfalls soll es am unteren Eingangsweg Absperrpoller geben.

Bemängelt wurde vom Ortsbeirat noch eine gefühlte Ungleichbehandlung der verschiedenen Stadtteile durch den Bauhof. Notwendige Reinigungs- und Grünschnittarbeiten würden nicht gleichmäßig abgearbeitet. Die für den öffentlichen Kinderspielplatz an der Schule angeforderten Gerätschaften wie Kinderschaukel oder Fahrradständer seien immer noch nicht montiert und aufgestellt, monierten die Mandatsträger.

 

Ehrendenkmal soll auf den Friedhof

Das Ehrendenkmal, bisher bei der evangelischen Kirche beheimatet, soll in abgespeckter Form auf den Friedhof versetzt werden. Eine entsprechende Entscheidung traf der Ortsbeirat in Abstimmung mit den Anwesenden auf seiner vergangenen Sitzung, nachdem das Thema schön öfters beraten worden war. Denn die bisherige Zuwegung mit Treppe und Geländer ist weder zeitgerecht noch sicher. Das freiwerdende Gelände soll in ferner Zukunft eventuell als Parkplatz für die Kirche genutzt werden, so der Gedanke.

Der Ortsbeirat beschloss ebenfalls, dass am unteren Friedhofseingang der rechte Teil des Doppeltors fest verriegelt und abgeschlossen werden soll, um die Zufahrt für private Fahrzeuge zu unterbinden. Der andere Teil des Tores muss instand gesetzt werden.

Der im Jakobsgrund (in der Weiterführung des Dorfwegs im nördlichen Bereich) zuvor besprochene Weidedurchgang über Klapptüren wurde aus sicherheitstechnischen Gründen wieder verworfen, hieß es auf der Sitzung. Stattdessen soll es eine Viehtränke mit Wasseranschluss an das örtliche Leitungsnetz geben.

Eine ständige Klage betrifft die Befahrung der Seitenstraßen mit viel zu großen und schweren Müllfahrzeugen. Der Ortsbeirat wandte sich deshalb an die Stadtverwaltung, dass diese sich bei einer Neuvergabe durch Müllabfuhrverträge durch den Kreis dafür einsetzt, die Seitenstraßen mit kleineren Fahrzeugen bedienen. Denn sonst wären Folgekosten für Straßensanierungen durch zu schwere Fahrzeuge unausweichlich, weil die Wege für weniger Tonnagen ausgelegt sind.

Zur Verwendung des Ortsbeiratsbudgets gab es mehrere Vorschläge. Angesprochen wurden Sicherheitshandläufe und ein Kneippbecken am Burgbrunnen, aber auch eine neue Beschilderung für den Dorfweg oder Hinweise an beiden Ortseingängen zu Festveranstaltungen. Dazu Figuren zur  Verkehrsberuhigung und Entspannungsliegen am Aussichtspunkt Schmidthütte.

Fahrradständer für Schulgelände und Spielplatz seien angefordert, hieß es. Die Umsetzung sei Aufgabe des Odenwaldkreises. Zur Sprache kam auch, dass das Verbundpflaster am Dorfgemeinschaftshaus nachgebessert werden muss.

Dem Ordnungsamt fehlt die vierte Kraft

Der Motor des Oberzent-Ordnungsamts läuft derzeit nur auf drei Zylindern. Denn es fehlt der vierte Fahrer im Team, erläuterte Stadtpolizist Nabil El-Kadi. „Wir haben die Stelle bereits vier Mal ausgeschrieben“, teilte er mit. Seit Mitte vergangenen Jahres ist die Stadt auf der Suche. Zwei gute Bewerber hatten bereits zugesagt. Darunter auch einer, der wie El-Kadi die gleiche Ausbildung für den mobilen Blitzer hat. „Optimal“, so seine Einschätzung. Leider sagten beide wieder ab.

Aktuell sind drei Mitarbeiter mit einer Vielzahl von Aufgaben beschäftigt, die man einem Ordnungsamt gar nicht gleich zuordnen würde. Das reicht von Fundtieren über die Bearbeitung von Lärmbeschwerden oder Gewerbeanmeldungen bis hin zur Schädlingsbekämpfung wie vor kurzem ein Rattenbefall in Hetzbach. Der Tierschutz wird in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt angegangen. Daneben kümmern sich die Angestellten auch um Wild- und Manöverschäden. Gefährliche Hunde, Straßenreinigung, Heckenrückschnitt, Fischereischeine, Nichtraucher- und Jugendschutzgesetz: Es gibt noch viele weitere Zuständigkeiten.

Verkehrsrechtliche Anordnungen wie etwa Baustellenausschilderungen, Parkausweise, Plakatierung, Verkehrsschau: Die Liste ist lang und wurde mit der Fusion länger, da Oberzent aufgrund der höheren Einwohnerzahl mehr Befugnisse erhielt. So ist El-Kadi jetzt für Beschilderungen auf allen Straßen der Gemarkung außer der B45 zuständig. Der Stadtpolizist spricht derzeit um die 60 Verwarnungen im Monat aus, runtergebrochen auf die Arbeitstage somit ungefähr drei pro Tag. „Auf keinen Fall bekam aber einer allein 15 Knöllchen“, trat er Gerüchten entgegen.

Da rund um die Oberzent-Fusion viele dringende Aufgaben anstanden, musste manches warten. „Der Vertrag mit der Firma Jenoptik ruht seit zwei Jahren“, sagte El-Kadi über die stationären Blitzer in Hetzbach und Gammelsbach. Zuletzt gab es zwischen 5000 und 6000 Erfassungen im Jahr, seit mitte 2017 ist Pause. Jetzt sollen die Asphaltarbeiten vorgenommen werden, damit die Induktionsschleifen wieder funktionieren.

Der Stadtpolizist machte klar, dass sich die Stadtkasse nicht über die Einnahmen saniert. Zwar rechnet man im Schnitt mit jährlichen Einnahmen von 100.000 Euro, denen stehen aber schon Fixkosten von über 40.000 Euro entgegen – die Personalkosten noch gar nicht mit einbezogen. Es gehe vielmehr um die Verkehrssicherheit, betonte er.

Ruine Freienstein: Warten auf die Ergebnisse des Bodengutachtens

Die Entwicklung rund um die Burgruine Freienstein war Thema der aktuellen Ortsbeiratssitzung. Ortsvorsteher Konrad Helm informierte, dass ein Bodengutachten mittels Drohnenüberflug erstellt werden soll. Die Drohne flog bereits, die Auswertung steht noch an. Diverse Sicherheitsmaßnahmen, um Begehung und Besichtigung der Burg gefahrlos zu ermöglichen, wurden seinen Worten zufolge durch die Stadt anberaumt oder teilweise schon erledigt. Dabei gehe es überwiegend um Gefahrenstellen, die unter anderem durch Erdrutsche entstanden.

Helm erläuterte, dass im neuen städtischen Doppelhaushalt 2019/20 50.000 Euro für Maßnahmen rund um die Burgruine eingestellt wurden. Diese Summe ist allerdings mit einem Sperrvermerk belegt. Wenn es dann um die konkrete Umsetzung geht, will sich die Stadtverordnetenversammlung noch einmal detailliert mit dem Thema beschäftigen und über die Freigabe der Gelder entscheiden.

Der Ortsvorsteher ging außerdem auf die Geschäftsordnung für die Ortsbeiträte der Stadt Oberzent ein. Das festgelegte Budget beträgt 1000 Euro pauschal und jeweils einen Euro pro Bürger und Jahr. Angesprochen wurde die Problematik eines Dorfwegs, der über eine eingezäunte Weide führt. Hier konnte man sich mit dem Besitzer einigen, teilte Helm mit. Es sollen zwei selbstschließende Klapptüren her, zusätzlich sollen am Boden Gitterroste angebracht werden, damit die Tiere nicht abhauen.

Stefanie Ampferl informierte seitens der Stadtverwaltung über den Sachstand bei der örtlichen „To-do-Liste“. Einsegnungshalle und Urnenfeldsanierung sind bei den Prioritäten dabei, sagte sie. Die beiden stationären Blitzer sollen möglichst schnell wieder instand gesetzt werden. Auch Straßensanierungen und Geländer-Reparaturen stehen auf der Dringlichkeitsliste. Verkehrssituation, Bachverlaufsausschwemmungen und fehlende Hydranten wurden erneut diskutiert.

Vom Ortsbeirat wurde der Bedarf für zwei Hundetoiletten bei der Stadt angemeldet. Thematisiert wurde, wie man die Hundebesitzer dazu bringen kann, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner zu entsorgen. Denn die Hundekot-Entfernung bedeutet einen großen Kostenfaktor für die Stadt, wurde deutlich. Angesprochen wurde im Ortsbeirat weiterhin die Parkplatzeinteilung am Feuerwehrgerätehaus. Hier wird über eine Umgestaltung nachgedacht, weil derzeit zu wenige Stellplätze für das Einsatzpersonal zur Verfügung sehen.

Neue Luther-Bibeln erhalten Eichenholzauflage

Die drei evangelischen Kirchen in Oberzent bekommen neue Luther-Bibeln. Pfarrer Roger Frohmuth freute sich, in der Schreinerei Pracht jetzt die entsprechenden, dort hergestellten Holz-Unterlagen entgegennehmen zu können. Rechtzeitig zum Gottesdienst am Ostersonntag sollen diese die schweren Werke anheben, damit sie nicht mehr so „platt“ auf dem Altar liegen. Die Bibeln werden dann „offiziell“ in die Kirchen hineingetragen.

Die aus Eichenholz bestehenden Unterlagen wurden von den drei Azubis des Betriebs hergestellt. Anica Dreher aus Rothenberg und Eva Reitz aus Wald-Michelbach (18) absolvieren gerade zusammen mit dem in Affolterbach wohnhaften Mehdi Hashemi (19) ihr erstes Lehrjahr. „Wir haben je eineinhalb Tage daran gearbeitet“, erzählt Anica. Die Holzplatten wurden zugeschnitten, aufs Maß gebracht, dann die Schwalbenschwanz-Zinkung eingezeichnet, ausgesägt und ausgestemmt, so Eva.

Beerfelden, Unter-Sensbach und Gammelsbach bekommen je eine der neuen Bibeln, die 2017 anlässlich des 500. Reformationsjubiläums neu herausgegeben wurden. Diese revidierte Luther-Übersetzung „ist wieder näher am Original“, erläuterte Pfarrer Frohmuth. Sie bilde die Grundlage für Lesungen und Gottesdienste. Der Pfarrer erwähnte, dass es die Einheitsbibel für Protestanten und Katholiken nicht mehr gebe.

Mit der überarbeiteten Fassung bewege man sich quasi „Back to the roots“, sagte er. Denn im Laufe der Jahre gab es verschiedene Übersetzungen, die sich zum einen unterschieden, zum anderen weg von der ursprünglichen Fassung bewegten. Hier gehe es nun darum, wieder alle unter einen Hut zu bringen. Die Rückkehr zum früheren Text „merkt man, wenn man die Bibel liest“, so Frohmuth. Denn er hat zuhause ein Faksimile der Luther-Bibel von 1534.

Bei Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte“, lässt sich laut dem Geistlichen gut erkennen, inwieweit wieder die Rückbesinnung auf den Luther‘schen Buchstaben erfolgte. „Genauso hat es der Reformator damals gesagt“, sagt Frohmuth nach der Lektüre. In den vergangenen 500 Jahren „ist nichts Besseres nachgekommen“, erklärt er die Wiederauflage des Originals.

Der Kirchenvorstand, für den sich Stefan Tragiser und Vorsitzender Raimund Keysser über die neuen Bibeln freuten, beschloss im vergangenen Jahr die Anschaffung. Als man über einen geeigneten Zeitpunkt zur Einführung nachdachte, war schnell klar, dass nur Ostern als Hochfest dafür in Frage kommt. Die bisherigen Bibeln lagen flach auf dem Altar, deshalb gab es die Idee einer Auflage. Da Frohmuth und Daniel Pracht, Juniorchef der Schreinerei, öfters gemeinsam in Rotarier-Angelegenheit unterwegs sind, ergab sich „auf dem kurzen Dienstweg“ die jetzige Lösung, die vom Betrieb gespendet wird.

Info: Die Oster-Gottesdienste in den evangelischen Kirchen Beerfelden, Unter-Sensbach und Gammelsbach beginnen am 21. April jeweils um 10 Uhr.

Mehrheit der Oberzent-Stadtverordneten sieht keine Notwendigkeit für eine Katzenschutzverordnung

In Oberzent wird es vorerst keine Katzenschutzverordnung geben. Ein entsprechender Antrag der Grünen, das Thema im zuständigen Ausschuss zu beraten, scheiterte in der Stadtverordnetenversammlung mit 14:16 Stimmen bei einer Enthaltung. Dem Punkt wurde von der Mehrheit des Gremiums derzeit keine Priorität beigemessen. Auch sah man aktuell keinen Handlungsbedarf, weil es keine Massen an freilebenden oder herrenlosen Katzen auf der Gemarkung gebe. Die Antragsteller waren anderer Meinung und verwiesen auf Aussagen aus den Tierheimen.

„Der Bestand ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen“, begründete Thomas Väth das Ansinnen seiner Fraktion. Die entsprechenden Einrichtungen, zu denen auch die Anne-Röth-Stiftung in Gammelsbach zählt, „werden mit Katzen überschwemmt und daher besteht dringender Handlungsbedarf“. Michelstadt habe bereits Mitte September eine Katzenschutzverordnung erlassen, sagte er. Väth betonte, dass auf die Verwaltung weder mehr Arbeit zukomme noch diese zusätzliches Geld aufwenden müsse. Vielmehr greife man damit den Tierheimen unter die Arme, die die Tiere dann schneller weitervermitteln dürften.

Chris Poffo (ÜWO) sah in Oberzent „nicht dieses große Problem“. Er hinterfragte, ob es sich prioritätsmäßig um einen Punkt handle, „der vorn angesiedelt ist“. Poffo wollte die Bindung von Ressourcen, die man für andere Themen brauche, verhindern. Ähnlich äußerte sich auch Frank Leutz (FDP). Thomas Ihrig (SPD) wollte erst einmal alle Infos aus dem Kreis zusammentragen und den Komplex dann zusammen mit der Gefahrenabwehrverordnung beschließen, „wenn das Ordnungsamt wieder adäquat besetzt ist“.

Oliver von Falkenburg (CDU) wies darauf hin, dass man laut Defintion des Deutschen Tierschutzbundes differenzieren muss zwischen freilaufenden Katzen, die einen Halter haben, und freilebenden bzw. herrenlosen Katzen. „Ihr Antrag ist auf freilebende bzw. herrenlose Katzen gerichtet, die Verordnung hingegen richtet sich an die Halter und an diejenigen Personen, die Nahrung frei zugänglich machen. Eine Katzenschutzverordnung knüpft bei den Haltern an und nicht wie im Antrag begründet bei den herrenlosen bzw. freilebenden Katzen für die sich keiner zuständig fühlt.“ Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) regte aufgrund der Äußerungen an, mit dem Punkt in den Umweltausschuss zu gehen und sich dort die Fachleute einzuladen. Vergebens.

Eine Katzenschutzverordnung ist dringend notwendig, um den ehrenamtlichen Tierfreunden Rechtssicherheit zu geben, betont Anne Röth. Sie bietet mit ihrer Stiftung Katzen in der alten Mühle am Ortseingang von Gammelsbach, von Beerfelden kommend, einen „Ort der Zuflucht“. Dass die entsprechende Verordnung von der Stadtverordnetenversammlung Oberzent abgelehnt wurde, ist für sie nicht nachvollziehbar. Sie wählt bisweilen drastische Worte, um ihr Unverständnis auszudrücken.

Röth zufolge würden sich die Kosten für die Tierheime, die von den Gemeinden anteilig bestritten werden, reduzieren, wenn es eine Kastrationsverpflichtung gäbe. Dann würden sich freilebende oder verwilderte Katzen nicht mehr unkontrolliert vermehren. Auch hätten die Katzenfreunde einen besseren Zugriff auf diese Tiere. Gleichzeitig sieht sie bessere Möglichkeiten zur Einwirkung, wenn Fälle von unsachgemäßer Tierhaltung oder Tierquälerei bekannt werden.

„Der Missbrauch an Tieren ist unglaublich“, zeigt sie sich empört. Gerade auf Bauernhöfen gebe es manchmal eine Vielzahl von Katzen, die weder richtig gefüttert noch gepflegt würden. „Das Thema ist leider schwer zu vermitteln“, sagt sie. In der Bevölkerung werde so getan, „als ob es keine verwilderten Babykatzen gibt“. Sie weiß von etlichen Fällen, die das Gegenteil belegen.

Ganz konkret geht Anne Röth auch die Stadt an: „Es ist schlimm, dass in Oberzent keine Öffentlichkeitsarbeit geleistet wird, um diesem Missbrauch eine Ende zu setzen“, beklagt sie. Stattdessen werde an sie verwiesen, wenn es um die Unterbringung von heimatlosen Vierbeinern geht. Anne Röth sieht sich am Limit. „Ich schaffe es finanziell nicht mehr“, sagt sie. 120.000 Euro kostet die Stiftung im Jahr der Unterhalt der Katzenzuflucht. „Von der Stadt gibt’s kein Geld.“ Im Gegenteil, das Tierheim Würzberg nehme nicht mehr als 30 Tiere auf und verweise dann auf sie.

Allein für die die Betreuung von Oberzent-Katzen wandte Röth in diesem Jahr bisher 8000 Euro auf, betont sie. „2017 war es noch mehr.“ Kater „Rocky“ etwa war in einem so schlimmen Zustand, dass es 900 Euro kostete, bis er wieder auf den Beinen war. „Das ist ein entwürdigendes Verhalten“, meint sie zur aktuellen Situation. Sie beklagt „die Grausamkeit gegenüber den Tieren in dieser direkten Form“. Die Stifterin schätzt den Bestand an herrenlosen Tieren im Oberzent-Bereich auf 500 bis 1000. „Von denen verrecken 90 Prozent“, wählt Röth klare Worte.

Gäbe es eine Katzenschutzverordnung, so die Tierfreundin, könnte sie Polizei und Veterinäramt rufen, wenn sie auf verwilderte oder nicht artgerecht gehaltene Tiere treffe. „Weil es Gesetz ist“, hebt sie hervor. Und die Leute brauchten eben Gesetze. Auch hätte der Umgang mit herrenlosen Tieren eine größere Rechtssicherheit.

Röth würde dann etwa vermeiden, mitsamt ihrer Mitarbeiterin von einem Bauernhof gejagt zu werden, weil sie sich dort um zehn Kätzchen kümmern wollte, erzählt sie. „Welcher Zacken würde denen aus der Krone fallen“, meint sie mit Blick auf die Stadtverordneten, wenn sie eine solche Verordnung beschlössen.

Für die Gemeinde wäre es sogar bares Geld: „Es würde tausende von Euro sparen, weil nicht mehr so viele junge Katzen ins Tierheim kommen“, erläutert sie. Einfach nur deshalb, „weil es dann eine Rechtsgrundlage gibt“. Auch für die Helferinnen in Beerfelden, die die Futterstellen betreuen. „Die werden teilweise angegangen“, weiß Anne Röth. Eine Verordnung beseitigt die Arbeit „im ängstlichen Bereich“.

Weitere Infos unter http://www.ar-stiftung.de