Corona-Auswirkungen zwingen den „Griechen“ in die Knie

Die Gastronomen in Beerfelden haben sowieso wenig zu beißen. Jetzt bekommt die Restaurant-Landschaft in Oberzent einen weiteren, schweren Schlag. Nachdem vor einiger Zeit bereits „Le Local d’Arthúr“ am Metzkeil schloss, erwischte es nun auch den „Griechen“ im ehemaligen Schützenhof. Gerade einmal vor einem Jahr eröffnet und von der Bevölkerung sehr gut angenommen, bedeutet die Corona-Krise nun das Aus für die Betreiberfamilie Salim aus Zell.

Nicht nur in Beerfelden: Auch in Michelstadt musste das Lokal in der Braunstraße seine Pforten für immer schließen. Hier übernimmt der Eigentümer nun selbst den Gastrobetrieb, informierte Özay Salim. Ob in Beerfelden nach jetzt zwei kurzen Intermezzi jemals wieder ein Restaurant in den Schützenhof einziehen wird, ist eher fraglich.

„Wir haben seit der Schließung Mitte März nur aus eigener Tasche draufgelegt“, begründet Salim die Schließung. Beantragtes Kurzarbeitergeld für die 18 Mitarbeiter habe man bis dato immer noch nicht bekommen, weshalb jetzt die Notbremse gezogen wurde. Bei einer Wiedereröffnung sah er bedingt durch die Auflagen wenige Chancen, wieder aus den roten Zahlen zu kommen.

Denn Salim darf aufgrund der Abstands- und Hygienevorschriften nur etwa die Hälfte der Plätze anbieten, „aber das ganze Personal ist da“ – und muss bezahlt werden. Flaute herrscht auch beim zweiten Standbein der Familie, dem Catering-Unternehmen „Zeitgeist Multiservices“ in Bad König. „Bis Ende des Jahres sind uns alle Aufträge weggebrochen.“ Hier reagierten die Salims und sprachen Kündigungen aus. „Ich stehe jetzt mit leeren Händen da“, sagt Özay Salim.

Nur am Rhein geht es noch weiter, wenn die Lokale wieder geöffnet werden dürfen. In Boppard gibt es ein drittes Standbein der Odenwälder Griechen, das auf dem Markt gehalten werden soll. „Dort kommt wegen der guten Lage im Welterbe Mittelrheintal am ehesten wieder Publikum hin“, weist er auf den hoffentlich bald anziehenden inländischen Tourismus hin. Gerade war auch Frank Rosin am Rhein, um im dortigen Lokal eine Folge seiner neuen Serie über Unternehmen zu drehen, die wegen Corona am Rande der Pleite stehen.

Die Salims übernahmen den „Griechen“ in Michelstadt im Juli 2018 und gingen in einem ersten Erneuerungs-Schritt drei Monate zu Werke. Ende Mai 2019 startete dann die zweite, bis Oktober dauernde Phase, nachdem im April die Eröffnung in Beerfelden in einem Kraftakt gestemmt worden war. In beiden Städten gab es viel positive Resonanz für das kulinarische Angebot.

Die Gastronomen-Familie hat „trotz“ des Namens griechische Wurzeln, so Özay Salim. Seine Eltern stammen aus einer Gegend nahe der türkischen Grenze und gehören zu einer moslemischen Minderheit. „Wir reden Türkisch zuhause“, erläuterte er. Aber die Sprache ist auch der einzige Bezugspunkt zum Nachbarland. Sich selbst bezeichnete er schmunzelnd als „Odenwälder Bub“, der in Erbach geboren wurde und in Zell aufwuchs.