Ökumenisches Gebet über die Zukunft der Kirchengemeinden im Mossautal

Es war ein Neuanfang in Form eines Gebets: Beerfeldens evangelischer Pfarrer Roland Bahre, seit einem halben Jahr Vakanzverwalter der Kirchengemeinden Güttersbach und Mossau, stößt in seiner Arbeit immer wieder auf neue Aufgaben und kommt – auch zeitlich – an seine Grenzen. Um nun neue Wege zu gehen und „mehr Gottvertrauen zu wagen“, hatte der Geistliche zu einem ökumenisches Neujahrsgebet über die Zukunft der Kirchengemeinden im Mossautal in die Quellkirche Güttersbach eingeladen.

Das eine oder andere kurzfristige Projekt wie die Erntedanksammlung brachte er zwischenzeitlich auf den Weg. „Für eine nachhaltige Gestaltung fehlt mir aber naturgemäß der lange Atem“, sagt Bahre. Gerade um diesen Atem, den Geist Gottes, „haben wir in diesem Neujahrsgebet gebetet“, erläutert er. Als Vakanzverwalter ist es seine Aufgabe, die Kirchengemeinden pfarramtlich zu betreuen und die Kirchenvorstände zu begleiteten Projekten anzustoßen.

Als Pfarrer, so Bahre, „gebe ich von Herzen das Beste“. Allerdings ist der Weg für die Kirche im Mossautal steinig, stellt er fest. Auch für die Seelsorge hat er kaum Kapazitäten. „Deshalb wurde es Zeit, Gott um seine Hilfe zu bitten, denn die Zukunft der Kirche liegt in seinen Händen“, formuliert der Geistliche den dringenden Handlungsbedarf. „Eine Kirche, in der der Geist Gottes nicht weht, ist ein Museum mit religiöser Kulisse. Eine Kirchengemeinde ohne den Geist Gottes ist schlicht leblos und nichts wert“, betont er.

Der Abend folgte keinem festen liturgischen Programm, schildert der Beerfelder Pfarrer. Es war keine besondere Form vorbereitet, „wir haben uns einfach treiben lassen“. Allen ging es hinterher so, dass sie selbst überrascht waren. Eingeladen waren nämlich Gäste aus der Pfingstgemeinde Michelstadt, die den Gebetsabend mit Lobpreis, Gebeten und Erzählungen über Gott mitgestalteten. So wurde es beinahe zu einem Konzert, „in dem wir gemeinsam beteten, sangen, Gott lobten und um seinen Segen baten“. Es war sehr beschwingte Musik, mit Klavier, Gitarren und Cachonne, die zum Mitsingen und -tanzen einlud.

Der Kontakt zwischen der evangelischen Kirchengemeinde und der Pfingstkirche in Michelstadt kam zustande, weil zwei Mitglieder der Pfingstgemeinde in Unter-Sensbach wohnen und Teil des Bibelkreises sind, den die Protestanten in Hebstahl über die Wintermonate anbieten. So entstand ein guter Kontakt zwischen den beiden Pfingstlern und Bahre, der sie einlud, für die Zukunft der Kirchen im Mossautal mitzubeten. „Eine tolle Fügung“, freut er sich.

Die Art der Pfingstgemeinde, Gott zu loben und ihn in die Kirche einzuladen, ist für evangelische Christen gewöhnungsbedürftig, weiß der Pfarrer. Deshalb war es eine ungewöhnliche Veranstaltung in einem evangelischen Gotteshaus, „aber ein tolles Erlebnis für alle“, stellt er fest. „Und mir persönlich sehr wichtig.“ Es waren etwa 50 Besucher dabei: Außer Gemeindegliedern vor allem Mitglieder der Pfingstgemeinde, aber auch Konfessionslose und Katholiken. „Viele junge, sehr engagierte Christen“, hebt er hervor.

Die Resonanz war sehr positiv. Melanie Kredel aus Ober-Mossau meinte: „Ich hatte sehr viel Spaß und hätte gerne mitgetanzt. Gerade dass so viele junge Leute dabei waren, fand ich toll. Ich war hin und weg.“ Christiane Spatz, ebenfalls aus Ober-Mossau, betonte: „Ich nehme etwas mit heim. Die gute Stimmung und die Begeisterung: Da wurde Glauben lebendig.“ Gisela Emig aus Unter-Mossau ergänzte: „Ich hatte das Gefühl, Gott ganz nah zu sein.“ Auch einige Tage später bekam sie noch Gänsehaut. Auch die Gäste der Pfingstgemeinde waren sehr angetan. Alle waren sich einig, dass dies der Beginn von gemeinsamen Veranstaltungen sein wird.

Die Kirchenvorstände von Güttersbach und Mossau sowie Pfarrer Bahre waren am vergangenen Wochenende auf einer Klausurtagung, um unter professioneller Anleitung zweier Gemeindeberater/Supervisoren die Vergangenheit aufzuarbeiten und zu schauen, „wie wir die Zukunft der Kirchengemeinden gestalten können“. Aktuell ist noch kein neuer Pfarrer in Sicht.

Zu den Kirchengemeinden Güttersbach und (Unter-/Ober-)Mossau gehören auch Olfen, Hiltersklingen und Hüttenthal. Die erneute Vakanz seit dem Weggang von Pfarrerin Julia Fricke an Pfingsten 2018 ist laut Roland Bahre für alle eine Herausforderung: für das Gemeindebüro, für den Kirchenvorstand und die Ehrenamtlichen, für die Eltern der Konfirmanden, die ihre Kinder nach Beerfelden fahren müssen, aber auch für den Vakanzpfarrer Bahre, der seit Mitte 2018 hier tätig ist.

(Foto: Bernhard Bergmann)

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Juwi will Windkraft auf dem Katzenwinkel gegen alle Widerstände durchdrücken

Die Firma Juwi hat sich in der neuen Stadt keine Freunde gemacht. Der Windkraft-Projektierer aus dem rheinland-pfälzischen Wörrstadt will mit aller Macht das Gebiet „Katzenwinkel“ für Windenergie erschließen. Die Firma lässt sich dabei auch nicht von der geballten Ablehnung aus Stadtverordneten-Versammlung, Magistrat und Bürgerschaft irritieren. Aktuelle Eskalationsstufe: Juwi droht in der Aufforderung, dass die Stadt ihrem „zumutbaren Erschließungsangebot“ zustimmen möge, mit der Einleitung rechtlicher Schritte, sollte dies nicht erfolgen.

Bei den Stadtverordneten kam dies auf deren aktueller Sitzung natürlich nicht gut an. Mehr oder minder harsch waren die Reaktionen darauf, in dieser Form die Pistole auf die Brust gesetzt zu bekommen. Denn bereits das vorläufige Gremium hatte dieses Ansinnen im April abgelehnt. Deshalb sahen es die Mandatsträger als unnötig an, jetzt noch einmal in die Details zu gehen und lehnten es bei vier Enthaltungen (Grüne/Linke) ab. Die Fläche ist sowieso nicht im gemeinsamen Windkraft-Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises aufgeführt, wurde darüber hinaus als Begründung genannt.

„Ich war gerade zwei Tage im Amt, als Juwi die Unterlagen aus dem Frühjahr noch einmal einreichte“, berichtete Bürgermeister Christian Kehrer. Bei dem Erschließungsangebot geht es darum, dass die Firma „über unsere Flächen und Wege“ eine Zuwegung zum betreffenden Gebiet und gleichzeitig das Recht zur Kabelverlegung erhalten möchte. „Wir sind auch in der jetzigen Konstellation zu keinem anderen Beschluss gekommen“, erläuterte der Rathauschef.

Ende vergangener Woche gab es seinen Worten zufolge ein Gespräch des Magistrats mit den Juwi-Vertretern. Diese hätten darauf hingewiesen, dass in zwei bis drei Wochen alle Unterlagen vorlägen, um das Vorhaben auf den Weg zu bringen. Gleichzeitig sei noch einmal deutlich gemacht worden, dass bei Nichtzustimmung der Stadt der Rechtsweg beschritten werde.

Es gebe seitens des Projektierers das Angebot, im Rahmen einer Stadtverordneten-Sitzung über das Vorhaben zu informieren. Eine öffentliche Info-Veranstaltung werde allerdings abgelehnt. „Wir erkennen einen klaren Widerstand in der Bevölkerung“, ergänzte Kehrer. Es seien noch viele Fragen wie Trinkwasser- und Naturschutz offen. Er rief dazu auf, weitere offene Punkte einzureichen, damit diese an die Firma weitergeleitet werden können.

Horst Kowarsch (Grüne) wollte wissen, wie sich die Rechtslage darstelle, wenn ein Gericht grundsätzlich für dieses Windkraft-Projekt votiere. „Dann haben wir keine Chance“, meinte Kehrer. Damit sei dann auch die Zuwegung mit befürwortet. Von einer „Unverschämtheit“, schon jetzt mit Rechtsmitteln zu drohen, sprach Frank Leutz (FDP). „Jedes Windrad ist eines zu viel“, sprach er sich grundsätzlich dagegen aus. Deshalb „ist der Gestattungsantrag unbedingt zu untersagen“.

Das sah auch Oliver von Falkenburg (CDU) so. Die Ablehnung sei „ein klares Signal, das man unbedingt senden muss“. Er forderte eine Bekräftigung der Entscheidung vom April. „Es hat sich nichts Neues ergeben“, meinte Thomas Ihrig (SPD). Das Gebiet liege „außerhalb der Beerfeldener Planung“. Ähnlich Chris Poffo (ÜWO): Es sei „kein guter Stil“, mit einer Klage zu drohen, monierte er. Andrea Heß-Kraus (SPD) ärgerte sich, „dass die kommunale Selbstverwaltung komplett ausgehebelt wird“.

Etwas differenzierter stellte sich die Betrachtungsweise von Elisabeth Bühler-Kowarsch (Grüne) dar: „Wir stehen zum gemeinsamen FNP“, sagte sie. Jedoch seien die Folgen des Klimawandels bereits „ganz hautnah“ zu spüren. Deshalb müsse man auch konsequent dagegen vorgehen, weshalb „die Windkraft im Auge behalten werden sollte“.

Rüdiger Holschuh (SPD) berichtete aus dem Landtag, dass der Landesentwicklungsplan fortgeschrieben worden sei. Darin stehe immer noch, dass zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie bereitzustellen seien. Das bedeute für den Odenwaldkreis mit den umgebenden Ballungsräumen, in denen keine Windräder möglich seien, „bis zu zehn Prozent der Fläche für Windkraft“, malte er ein Schreckensszenario an die Wand.

 Juwi plant auf dem Höhenzug Katzenwinkel zwischen den Oberzenter Stadtteilen Etzean und Airlenbach sowie Hüttenthal und Güttersbach fünf Windräder. Als Fertigstellung wird der Sommer 2020 angepeilt. Die Anlagen sind entlang des Verbindungswegs zwischen Beerfelden und Güttersbach geplant. Dabei werden einzelne Standorte bis auf 700 Meter an Etzeaner Bebauung im Außenbereich heranreichen. Die Windräder des Typs Enercon E 141 erreichen eine Rotoren-Spannweite von 141 Meter und eine Nabenhöhe von 159 Meter. Sie haben somit eine 229,5 Meter, was bisher im Odenwald noch nicht erreicht wurde. Juwi-Seite: www.windpark-etzean.de, BI-Seite: http://www.gegenwind-beerfelden-rothenberg.de.