Beim Finki greifen die Zahnräder bewährt ineinander

Aus allen Ecken und Enden der Republik strömen sie zum „Finki“. Jedes Fortbewegungsmittel scheint recht zu sein, um das „Woodstock des Odenwalds“ nicht zu verpassen: der „normale“ Kleinwagen, der SUV mit Wohnwagenanhänger, der VW-Bus, wohl ebenso alt wie das Festival, oder der umfunktionierte Transporter. Schnell füllt sich gestern ab Mittag der Zeltplatz in der Talaue. Entspannt geht’s an den Aufbau: Das ist bei schwülheißen 30 Grad auch besser so.

Auf dem Festivalgelände bereiten die Standbetreiber alles für die Kassenöffnung vor. Hier wird noch ein Kleid umgehängt, dort das Schmuckstück besser drapiert oder die Buddha-Figur gut sichtbar an eine Zeltecke gestellt. Achim Tischler aus Michelstadt, der mit seiner Firma zum zweiten Mal die komplette Veranstaltungstechnik managt, hat bereits alle Stagepläne der Bands vorliegen und kann an den Scheinwerfer-Test gehen. „Es läuft gut“, rechnet er mit keiner Verzögerung.

Mittendrin derjenige, ohne den es das Finki-Festival oder „Guru-Feschd“, wie die Einheimischen sagen, gar nicht geben würde: Mani Neumeier. Er lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen – doch, von einem: wild auf dem Gelände herumtollenden Hunden. Da wird er energisch und meint Richtung Besitzer: „Das geht gar nicht.“ Die Vorbereitung lief wie üblich am Schnürchen, denn das Finki findet ja bereits um 37. Mal statt. Also alles eingespielt bis ins Effeff.

Welcher Auftritt ihn am Wochenende am meisten freut? „Natürlich der von Guru Guru“, lacht er lausbübisch. Die Headliner sind heute um 21 Uhr zu sehen. „Wir haben die Songs bisschen umgestellt“, kündigt er an. Dazu gibt’s zwei der neuen Stücke mit „Digital Analog“ und „Magic Tree“ zu hören. „Das Spielen macht total Spaß“, betont er. Den besten Auftritt hatte die Band im chinesischen Shenzen. „Die kannten alle unsere Songs“, ist er baff. In einem Jahr „sind wir 50 Mal aufgetreten“, listet er auf. „Dadurch sind wir ganz gut eingespielt“, schmunzelt Neumeier.

Das Mastermind hinter dem Ganzen freut sich über die Dissidenten (heute, 23 Uhr), die für den verhinderten Arthur Brown einsprangen. „Schade, dass er nicht dabei ist“, hätte er gerne wieder den Weggefährten aus alten Zeiten begrüßt. Gespannt ist Neumeier auf „Adesa“ (17 Uhr) und „Lazuli“ (19 Uhr), die er bisher nur über Live-Videos kannte und daraufhin verpflichtete.

„Live weiß man halt, was Sache ist“, hat er seine guten Erfahrungen. Eine CD dagegen sagt gar nichts aus. Den heutigen Opener „Sirkus“ kennt Neumeier bereits von der aktuellen Tour. „Da hatten wir die mal als Vorband“, erzählt er. „Die waren so gut, dass ich sie eingeladen habe.“ Und so sind die Weltmusiker als Erste dran.

Die begehrten Stoffbändchen als Andenken wird es in diesem Jahr leider nicht geben, bedauert der Guru-Guru-Chef. „Die hätten vor vier Tagen ankommen müssen.“ Taten sie aber nicht, obwohl sie der Hersteller losgeschickt hatte. Jetzt müssen es Papierbändchen tun. Wenn das diesjährige Finki läuft, denken die Verantwortlichen bereits ans kommende Jahr. Der Vorverkauf für 2020 startete gestern.

Lederwaren, Hüte, Hemden, Kleider, Korbwaren, Schmuck, Tücher:  Es sind die bewährten Standbetreiber aus dem vergangenen Jahr, die wieder eingeladen wurden, erzählt der stellvertretende Vorsitzende des FC Finkenbachtal, Armin Löffler. Auch wenn er die vergangenen Tage mehr auf dem Gelände als zuhause zubrachte, sieht er sehr entspannt aus. Mit mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung in der Finki-Orga kann ihn nur noch wenig schocken.

„Der Vorverkauf lief sehr gut“, freut er sich für den Verein, der sich um alles außer der Musik kümmert. Heute wird es aber auf jeden Fall noch Karten an der Abendkasse geben, schätzt Löffler. Wie immer wird das Regionale hochgehalten: Steak und Wurst kommen von der Rothenberger Metzgerei Beisel und Jehle, die Brötchen werden frisch gleich nebenan bei Mareikes Backshop gebacken. Für die nachmittäglichen Kuchen zeichnen die Finkenbacher Hausfrauen verantwortlich, die ein riesiges Büffet zaubern.

Der nächtliche Regen kann keinen schocken. Denn Leo Lyons, Überbleibsel der legendären Ten Years After, fasziniert gestern Abend mit seiner neuen Band Hundred Seventy Split und dem erdigen Bluesrock. Da kommen sie von weither, um den spielfreudigen Woodstock-Veteranen nochmal im Woodstock des Odenwalds zu sehen.

Info: Einlass fürs „Finki“ in Oberzent-Finkenbach an der Straße nach Beerfelden ist am heutigen Samstag um 13 Uhr. Den Abschluss macht Naidoo-Gitarrist Alex Auer mit deinen „Detroit Blackbirds“ um 1 Uhr in der Nacht auf Sonntag. Mehr unter www.finki-fesival.de

 

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Naidoo-Gitarrist Alex Auer beschließt das Finki

Das jährliche Highlight im Finkenbachtal steht kurz bevor. Zum 37. Mal in 43 Jahren findet am zweiten August-Wochenende das „Finki“ statt und wird wieder Musikfans in großer Zahl in den beschaulichen Odenwald ziehen. Die Macher des FCF sind bereits seit einiger Zeit jeden Abend am Malochen, damit die Verpflegungszelte stehen und das Festgelände startklar ist. Los geht’s am Freitag, 9. August, um 19 Uhr, weiter am Samstag, 10. August, um 15 Uhr. Headliner wie in all den Jahren: „Guru Guru“ mit Drummer-Legende Mani Neumeier.

Einen besonderen Leckerbissen haben die Organisatoren in diesem Jahr an Land gezogen: Den Xavier-Naidoo-Gitarristen Alex Auer mit seinen „Detroit Blackbirds“. Der macht am Samstag um „25 Uhr“, spricht Sonntagmorgen um 1 Uhr, den Abschluss des Festivals. Über einen Bekannten aus der Raubach „habe ich den Kontakt geknüpft“, erzählt Armin Löffler vom FCF. Telefonisch war man sich schnell einig und der gefragte Musiker sagte gleich zu.

Der Verein ist dieses Jahr quasi in der Vollverantwortung, weil er neben der Gastro auch das Organisatorische und den Kartenverkauf praktisch in Alleinregie erledigt. Auch wenn die Waldbrandgefahr geringer als im vergangenen Jahr ist, weist Löffler darauf hin, „dass offenes Feuer und Grillen auf den Campingflächen nicht erwünscht ist“. Auch sollen auf den Wiesen keine Löcher ausgehoben werden, bitten deren Besitzer.

Seit den 1980ern ist der Fußballverein als Veranstalter mit im Boot, nachdem zuvor die Feuerwehr der Ausrichter war. Diese gesammelten Jahre verhelfen zu einer gewissen Erfahrung, gerade wenn es Männer wie Löffler sind, die seit inzwischen 32 Jahren ununterbrochen mit anpacken. „Da sitzt jeder Handgriff“, lacht er, und stützt sich gegen das im Aufbau befindliche Getränkezelt, bis die anderen Helfer vor Ort sind. Zehn bis 15 Vereinsleute sind es jeden Abend, die sich um den Aufbau kümmern.

Übers Wochenende selbst sind es dann bestimmt 200 Helfer aus Verein und Bevölkerung. Die vier Feuerwehren aus Rothenberg, Kortelshütte, Ober-Hainbrunn und Finkenbach selbst helfen bei der Verkehrsregelung, das DRK Rothenberg-Finkenbach ist für die Erste Hilfe vor Ort zuständig. Wenn das Finki ansteht, ist es auch immer ein großes Fest der Ortsgemeinschaft. Das kommt nicht nur in der Hilfe auf dem Festivalgelände zum Ausdruck, sondern auch in der konzertierten Kuchenback-Aktion Finkenbacher Hausfrauen, die für eine riesige Auswahl beim großen Nachmittagsbüffet sorgen.

Das Finki wurde mal größer, mal kleiner, blickt der zweite Vorsitzende zurück. „Jetzt sind wir in dem Rahmen, den wir wollen.“ Im vergangenen Jahr war das Festival zum ersten Mal ausverkauft. Auch aktuell läuft der Vorverkauf sehr gut, freut sich Löffler, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass noch genug Tickets vorrätig sind. Nach dem Finki ist vor dem Finki: Der Vorverkauf 2020 beginnt schon 2019, wenn sich die Pforten für dieses Jahr öffnen.

Das Programm ist wie all die Jahre Mani Neumeiers Ding. Der ursprüngliche eingeplante Arthur Brown tummelt sich leider in Amerika, weshalb die altbekannten „Dissidenten“ einsprangen. Ein Highlight ist für Löffler „Hundred Seventy Split“, die Band um Leo Lyons und Joe Gooch von „Ten Years After“. Die spielten schon vor 50 Jahren in Woodstock und wollen beim Finki, dem „Woodstock des Odenwalds“, das damalige Programm 1:1 auf die Bühne bringen.

Rob Tognoni aus Down Under, der am Freitag den Opener macht, ist mit seiner perfekten Gitarrenarbeit bereits ein guter Bekannter in Finkenbach. Auch „Nine Below Zero“ standen schon im Odenwald auf der Bühne. „Sirkus“, „Adesa“ und „Lazuli“ heißen am Samstag ab 15 Uhr im Zweistundentakt die gefragten Acts, die für Welt-, Rock- und Progressive-Musik stehen.

Aber natürlich warten sie am Samstag alle auf Mani, wie er nur genannt wird. Mit seinen bald 79 Jahren das Mastermind des Ganzen und von der Bühne nicht wegzudenken. Um 21 Uhr entert der mit seinen drei Kollegen von „Guru Guru“ die Bühne – „Elektrolurch“ sicherlich wieder inklusive. Dann wird es knallevoll in Finkenbach.

Dass die Band über ein halbes Jahrhundert bestehen würde und das „Guru-Feschd“, wie es im Ort liebevoll genannt wird, seit 43 Jahren, „hätte ich damals nie gedacht“, meint Neumeier. „Es ist ein Wunder, dass so etwas passieren kann“, sagt er angesichts der heutigen Gesellschaft, in der leider nur das „Schneller, Höher, Weiter“ zählt.

Info: Karten gibt es im Finkenbach im Freibad und in Mareikes Backshop. Überregional sind sie erhältlich in Mannheim (Come Back), Würzburg (H2O-Plattenladen), Aschaffenburg (Echobeat) und Darmstadt (Come Back), ansonsten über www.reservix.de. Mehr auf www.finki-festival.de

Der Vorverkauf fürs diesjährige Finki-Festival läuft

„Toppen wollen wir das (ausverkaufte) Finki 2018 nicht“, schmunzelt Mani Neumeier. „Aber gut werden soll es“, fügt er lächelnd hinzu. Der Kopf von Guru Guru und musikalische Leiter des Finki-Festivals tourte gerade mit seiner Band durch Japan. Auch im Land der aufgehenden Sonne hat das Krautrock-Urgestein seine Fans. Zwischenzeitlich „muss“ er aber auch an die Heimat denken, denn die Vorbereitungen fürs 37. „Guru-Feschd“ in 43 Jahren sind bald abgeschlossen. Zwei Drittel der Bands für den 9. und 10. August sind bereits verpflichtet.

Neumeier ist im Jahr nach dem 50. Bandjubiläum einfach nur glücklich darüber, dass „seine“ Musik immer noch so viele Anhänger hat. Dass die Band ein halbes Jahrhundert bestehen würde und das Guru-Feschd die Zuschauer massenhaft ins Finkenbachtal zieht, „hätte ich damals nie gedacht“, meint er. „Es ist ein Wunder, dass so etwas passieren kann“, sagt der 78-Jährige angesichts der heutigen Gesellschaft, in der nur das „Schneller, Höher, Weiter“ zählt.

Wenn der Ober-Guru Neumeier auf mehr als 50 Jahre zurückblickt, wird er etwas wehmütig. „Viele Kollegen von damals sind schon gestorben.“ Einen der alten Garde hat er aber für das diesjährige Festival verpflichten können: Leo Lyons, der 1969 mit „Ten Years After“ Woodstock aufmischte, ist 50 Jahre später mit seiner heutigen Formation „Hundred Seventy Split“ am Start.

Für den Musiker ist es faszinierend, „so lange diese Kultur machen zu können, die man sonst auf dem Land nicht findet“. Denn „wir haben einen hohen Qualitätsanspruch“. Die Besucher kommen von weit her, um auf dem Finki Bands geballt live zu sehen, die anderswo kaum noch zu erleben sind. Diese Sicht deckt sich mit der Manis, wie ihn alle nennen. „Warum er diese Bands?“, wird er gefragt. „Weil sie authentisch und gut sind“, sagt er. „Und erschwinglich“, fügt er grinsend an.

Selbst wenn es wie 2018 beim ausverkauften Guru-Feschd besonders voll ist, „bleibt es immer noch gemütlich“, weiß er. „Kein Tohuwabohu wie Wacken.“ Jeder kennt jeden. Der 78-Jährige ist ein Musiker zum Anfassen. Laufend muss er eine Hand schütteln, wird umarmt, signiert Plakate. Geduldig macht Neumeier alles mit. Für ihn ist die Durchführung des Finki immer wieder „eine große Ehre“.

Als erstes Musikfestival im Odenwald vor 43 Jahren ins Leben gerufen, wird es jedes Jahr aufs Neue durchgeführt. Der Musiker merkt immer, „dass das Feeling stimmt“. Neumeier spielt viele Konzerte auswärts, aber das Heimspiel ist für ihn etwas Besonderes. „Den Platz, die Musik, die Schwingungen“ empfindet er im Finkenbachtal anders. „Das ist echte und unverfälschte Kultur“, schwärmt er über die auftretenden Bands.

Ohne viel „Hitparaden-Brimborium“ spielen auf „seinem“ Finki Gruppen außerhalb des Üblichen. „Das wird von den Leuten geschätzt“, weiß er. Wie der tasmanische Gitarrenteufel Rob Tognoni, der nach 2015 in diesem Jahr wieder die Bühne entern wird. Oder Legende Arthur Brown, der „God of Hellfire“, ebenfalls ein Dinosaurier der Rockszene. Der 76-Jährige ist längst Stammgast.

Die Franzosen von „Lazuli“ sind eher „Jungspunde“ gegen diese Ur(groß)väter des Rock und Blues, auch wenn die Band schon 20 Jahre auf dem Buckel hat. Sie steht für den progressiven Part des Festivals, gepaart mit Folk-Einflüssen aus ihrer südfranzösischen Heimat. „Adesa“ wiederum sorgt für Weltmusik und Afrika im Odenwald. Bei allem nicht zu vergessen: Das traditionelle Konzert von Guru Guru, immer samstags um 21 Uhr.

„Wir wollen mit dem Programm ein schönes und gemütliches Festival haben“, betont auch Booker Karlheinz Osche. „Die Bands müssen einfach nur zum Finki passen“, sagt er. Beste Voraussetzung für ein gelungenes Event war die Tour zum 50-jährigen Bestehen von Guru Guru. „Die lief super gut und wir waren sehr zufrieden“, freut sich Osche. In diesem Jahr wird es weniger Konzerte geben, „denn wir spielen nicht jedes Jahr im selben Club“, erläutert er. Es läuft aber schon die Tour-Planung für 2020 an, die den „Elektrolurch“ im Titel trägt, verrät er.

Info: Der Vorverkauf fürs „Guru-Feschd“ am Freitag, 9. (ab 19 Uhr), und Samstag, 10. August (ab 15 Uhr), in Finkenbach hat begonnen. Alles weitere unter www.finki-festival.de. Schon vorher spielt Guru Guru am Samstag, 15. Juni, um 20 Uhr Open-Air im Mannheimer 7er Club.

Das erste Mal in 42 Jahren Finki-Festival: ausverkauft

In all den 42 Jahren „Guru-Feschd“, wie die Einheimischen das Finki-Festival liebevoll nennen, hat es das noch nicht gegeben: „Ausverkauft“ heißt es bereits am frühen Freitagabend. Guru-Guru-Booker Karl-Heinz Osche freut sich am Eingang wie ein Schneekönig, auch Armin Löffler vom mitveranstaltenden FC Finkenbachtal hat ein breites Lächeln im Gesicht. Ein Lohn der harten Arbeit im Vorfeld, meint er. Mani Neumeier, der Kopf von Guru Guru, ist im Jahr des 50. Bandjubiläums einfach nur glücklich darüber, dass „seine“ Musik so viele Anhänger hat.

Dass die Band ein halbes Jahrhundert bestehen würde und das Guru-Feschd seit 42 Jahren, „hätte ich damals nie gedacht“, meint er im Gespräch. „Es ist ein Wunder, dass so etwas passieren kann“, sagt der 77-Jährige angesichts der heutigen Gesellschaft, in der nur das „Schneller, Höher, Weiter“ zähle. Ihm tut es leid, dass manche Interessierte nicht mehr aufs Gelände dürfen. Für die wurde aber dann am Samstag als Jubiläumsgeschenk der blickdichte Zaun entfernt, sodass sie als „Zaungäste“ trotzdem noch einen guten Blick auf die Gurus zu deren „50.“ hatten.

Wenn Mani Neumeier 50 Jahre zurückblickt, wird er etwas wehmütig. „Viele Kollegen von damals sind schon gestorben.“ Deshalb ist es für ihn ein großes Glück, „dass ich immer noch mitspielen darf“. Das diesjährige Festival ist „wie Geburtstag und Weihnachten zugleich“. Der Musiker empfindet es als faszinierend, „so lange diese Kultur machen zu können, die man sonst auf dem Land nicht findet“. Denn „wir haben einen hohen Qualitätsanspruch“. Die Besucher kommen von weit her, um auf dem Finki Bands geballt live zu sehen, die anderswo kaum noch zu erleben sind.

Auch wenn es dieses Mal besonders voll ist, beim Auftritt des Gurus sich die Leute dicht an dicht drängen, „bleibt es immer noch gemütlich“, weiß er. „Kein Tohuwabohu wie Wacken.“ Jeder kennt jeden. Laufend muss der 77-Jährige eine Hand schütteln, wird umarmt, bekommt von Amon Düül ein T-Shirt in die Hand gedrückt, signiert Plakate. Geduldig macht Neumeier alles mit. Alte Weggefährten, mit denen er vor mehr als vier Jahrzehnten auf der Bühne stand, kommen vorbei und freuen sich wie Bolle, endlich mal wieder den Mani zu treffen.

Der Auftritt von Guru Guru ist dann auch so etwas wie eine Zeitreise. Es gibt Stücke der neuen CD „Rotate“ zu hören, aber auch einen Ausflug in frühere Jahrzehnte. Ex-Gitarrist Ax Genrich kommt zum „LSD-March“ von 1970 auf die Bühne, Luigi Archetti greift bei „Moshi Moshi“ aus 1997 in die Saiten. Für den Samstagabend bedeutet dies, dass beim Auftritt der Krautrock-Legenden der Festivalplatz aus allen Nähten platzt.

Die Jungs von „Epitaph“, dieses Jahr der Opener des Festivals, „habe ich das erste Mal in den 70er Jahren in Darmstadt getroffen“, erzählt Neumeier. Auch die Musiker von „Amon Düül“ kennt er „bereits seit Urzeiten“. Mit „Kraan“ hat er vor ein paar Jahrzehnten CDs aufgenommen. Alle freuen sich, „dass wir noch leben“, grinst der Guru-Chef. Wenn die Knochen halten, „spiele ich noch jahrelang“, kündigt der 77-Jährige an. Wann Schluss sein wird, weiß auch er nicht. „Das macht das Ganze prickelnder“, gewinnt Mani Neumeier dem Altern eine gewisse Spannung ab.

„Das waren die besten heute Abend“, war mehrfach über den Opener Epitaph zu hören. Die Hannoveraner Krautrock-Legenden, denen sich die langen Musik-Jahre als Falten ins Gesicht gemeißelt haben, spielen straighten Hardrock ohne viele Schnörkel.

Die Dissidenten im Anschluss sind eindeutig sperriger, auch wenn ihre Weltmusik mit Querflöte, Drehleier und Mandoline samt arabischen Klängen viel differenzierter rüberkommt. Mit viel Verspätung geht’s dann mit Amon Düül II weiter. Und die Ohren machen Augen. Komplex, verspielt, vertrackt, rockig, mächtig schallt der Sound über den sich langsam wegen der herankriechenden Kälte leerenden Platz.

Marblewood beschloss am frühen Morgen den Tag. „Jane“ am Samstagabend bildete nach dem umjubelten Guru-Auftritt einen hochkarätigen Abschluss. Die Band mit ihrem puren Hardrock begeisterte noch einmal die Massen, während sich bei „Vibravoid“ langsam aber sicher die Reihen leerten. Kein Wunder, denn inzwischen zeigte das Thermometer nur noch zehn Grad.

Zum Bericht geht's hier:…

Posted by Thomas Wilken on Sunday, August 12, 2018

Ein ganzer Ort stemmt jedes Jahr das „Finki“

Um 1 Uhr in der Nacht auf Sonntag ist die Spannung weg. Tagelang hatten die Organisatoren zittern müssen, ob das Finki wegen Hitze und Waldbrandgefahr überhaupt stattfinden würde. Und dann dieser Erfolg, mit dem keiner rechnete. „Total zufrieden“, lautet sein Fazit. Besser geht eigentlich nicht. Die Fortsetzung 2019? „Na klar“, meint Armin Löffler von FC Finkenbachtal. Wenn alles aufgeräumt und Ruhe eingekehrt ist, werden die Planungen fürs nächste Jahr starten.

Die Organisation des Finki-Festivals ist ein Kraftakt für das 550-Seelen-Dorf. Die gesamte Bevölkerung zieht mit, damit diese einmalige Veranstaltung jedes Jahr in der Ortsmitte über die Bühne gehen kann. Für die Anwohner bedeutet es eine knappe Woche ohne Schlaf. Dieses Jahr waren es ein oder zwei Tage mehr Ruhe, weil die Camper wegen der erhöhten Brandschutzmaßnahmen erst am Donnerstag aufbauen durften.

Gerd Brechenser, der Vorsitzende des mit veranstaltenden FC Finkenbachtal, wird deshalb nicht müde, am Freitagabend nach dem „Dissidenten“-Auftritt seinen Dank an die Ortsbevölkerung zu betonen. Denn die hört nicht nur die Musik, ob sie will oder nicht, sondern bringt sich auch noch in den verschiedenen Servicediensten ein oder steuert Kaffee und Kuchen bei. 150 mit Liebe gebackene Nachmittagsleckereien kommen so in der Regel zusammen. Vom Kartoffel-Schnippeln mal ganz abgesehen. Zentnerweise werden so die begehrten Bratkartoffeln vorbereitet.

Alle Helferegal welcher Couleur schließt Brechsener in seinen abendlichen Dank mit ein. Ganz besonders aber richtet sich der an einen, ohne den es das Finki nicht gäbe: Mani Neumeier. Zum 50. Bandjubiläum, dem 36. Finki in 42 Jahren und „dem 30. mit dem FC“ gibt’s eine gedrechselte Holzplakette mit Flyer drauf. Die treuen, friedlichen Fans werden in den Worten von Brechenser und Löffler natürlich nicht vergessen. Verbunden mit der Bitte, auf dem Heimweg einen sauberen Ort zu hinterlassen.

Da wegen der Hitze und Trockenheit in diesem Jahr die Brandsicherheitsvorschriften verschärft worden waren, kümmerten sich die Feuerwehren aus Rothenberg, Finkenbach, Ober-Hainbrunn und Kortelshütte statt der Parkplatzeinweisung vorrangig um deren Einhaltung. 88 Brandschützer teilten sich die 70 Dienste von Donnerstag, 9 Uhr, bis Sonntag, 13 Uhr. „Vor allem Zigarettenkippen und Gaskocher“ wurden auf dem Campinggelände beanstandet, sagt Timo Fink aus Kortelshütte. „Die meisten sind aber sehr einsichtig“, lobt er die Mitwirkung der Gäste.

Das DRK Rothenberg mit Bereitschaftsleiterin Anja Braner hat seine Zelte gegenüber des Eingangs aufgeschlagen. „Das ist praktischer als auf dem Gelände“, erläutert sie. Es geht so im Notfall schneller, einen Verletzten mit dem Krankenwagen abzutransportieren. 14 Ehrenamtliche, die von Beerfelden unterstützt werden, samt einer Finkenbacher Voraushelferin, kümmern sich um die Besucher.

Am späteren Abend sind es vor allem der Alkohol und andere Rauschmittel, die manchen zu schaffen machen. Aber es ist für die Helfer zum Glück nicht allzu viel los, es bleibt meist friedlich. „Wenn die alle Schuhe anziehen würden, hätten wir weniger zu tun“, deutet Braner auf nackte Füße der Besucher, die sich so öfters Glasscherben einfangen. Auch Löffler sieht alles im Rahmen des Normalen. „Wie immer halt.“

„So einen guten Besuch habe ich noch nie erlebt“, sagt Booker Karl-Heinz Osche. 2500 Armbänder wurden hergestellt „und die sind alle verkauft“. Dazu kommen noch etliche Tagesgäste und Einwohner. Das optimale Festivalwetter – immer leicht bewölkt, nicht wärmer als 25 Grad – tut sein Übriges. Freitagabends ist es bereits so voll wie sonst samstags – inklusive gemütlicher Feierstimmung. Samstags bei den Gurus ist kein Durchkommen mehr. Es ist eben das Finki, das etwas andere Festival ohne großen Trubel. Fortsetzung folgt.

Zum Bericht geht's hier:…

Posted by Thomas Wilken on Sunday, August 12, 2018

 

Am 10. und 11. August findet das Finki-Festival zum 36. Mal statt – Jubiläum 50 Jahre Guru Guru

Es ist zwar noch einen Monat hin bis zum „Finki“, dem legendären Krautrock-Festival im Odenwald Mitte August. Doch alle Fans der Traditionsveranstaltung können sich den Termin schon einmal dick im Kalender anstreichen. Denn das Line-up der 36. Auflage 42 Jahre nach dem ersten Festival steht fest. Zwei Unterbrechungen erklären die Zahlendifferenz. Noch eine Zahl, diesmal eine runde: Die Gründer von „Guru Guru“ um Mani Neumeier feiern dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Wenn das kein Grund für eine große Party ist.

Neun weitere Bands haben die Organisatoren für das Wochenende des 10. und 11. August zusammengetrommelt, die auf dem Festivalgelände beim Sportplatz des 450-Seelen-Dorfs zwei Tage lang für ausgelassene Stimmung und einen Hauch von Odenwald-Woodstock sorgen werden. Kraan, Jane, Birth Control, Amon Düül 2 und Epitaph sind alte Bekannte. Zusammen mit Faust und Embryo vervollständigen sie den Musik-Event. Mit Vibravoid und Marblewood ist das Line-Up für die beiden Tage komplett.

Kraan ist eine der dienstältesten heute noch aktiven Krautrockbands. Es wird interessanter Jazzrock mit arabischen und progressiven Einflüssen gespielt. Die 1969 gegründete Formation Epitaph hat insbesondere in den Siebzigern Musikgeschichte geschrieben. Als erste deutsche Band tourten sie in den USA. Massenhafte eigene Headlinertouren und gemeinsame Touren mit Joe Cocker, den Scorpions, ZZ- Top oder auch Saga sowie unzählige Festivalauftritte machten sie zu einer der kultigsten deutschen Rockbands.

Amon Düül II ist eine deutsche Rockband, die sich im Zuge der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre bildete und in verschiedenen Formationen bis in die Gegenwart besteht. Sie gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Krautrock. Marblewood ist ein Zürich beheimatetes Trio. Die Musiker verbinden in ihrer Klangkunst ausgedehnte Jams und freie Improvisationen mit vergleichsweise kurz zum Vorschein kommenden durchkomponierten Passagen.

Birth Control steht für exzellente progressive Rockmusik, die über Jahrzehnte die Fans im In- und Ausland vor allem bei den Live-Konzerten begeisterten. Die Band wird diesen Spirit im Sinne des verstorbenen Bernd Noske weiter leben lassen – und zwar mit Musikern, die schon in den vergangenen fünf Jahrzehnten den Sound mitgeprägt haben. Vibravoid spielen einen von den frühen Pink Floyd beeinflussten Psychedelic Rock. Embryo gelten als eine der bedeutendsten deutschen Krautrockbands der 1970er Jahre. Sie entwickelten sich vom jazzigen Krautrock zu einer Weltmusik-Band, die es versteht, verschiedenste Stile und Richtungen miteinander zu vereinen.

Faust entstand 1970 in Hamburg, als sich die Mitglieder zweier früherer Bands, Nukleus und Campylognatus Citelli, zusammenschlossen. Jane ist eine deutsche Rockband aus Hannover, ebenfalls 1970 gegründet. Bis heute konnte sie in ganz Europa, Neuseeland und Amerika an die zwei Millionen Schallplatten verkaufen. Seit einigen Monaten steht das aktuelle Werk „Traces“ in den Geschäften.

„Die Einmaligkeit dieser Veranstaltung“ und absolut positive Resonanz der Besucher ist laut Armin Löffler vom mitveranstaltenden FC Finkenbachtal die Motivation für alle Beteiligten, jedes Jahr das Festival wieder auf die Beine zu stellen. Nach dem Finki ist dabei schon vor dem Festival: Die Planungen für dieses Jahr starteten bereits rasch nach dem letztjährigen Event. Dazu setzten sich Löffler, der Vorstand des FC, Karl-Heinz Osche, der Booker von Guru Guru, und Mani Neumaier, Chef der Band, zusammen.

Wen verpflichtet Mani Neumaier fürs Finki? „Die Bands müssen mir gefallen“, erläutert er, musikalisch hochwertig sein, authentisch. „Keine Coverbands und keine Popsülze“ ist ein weiteres Kriterium. „Oft kenne ich sie persönlich, ich sehe mir Live-Auftritte oder Filme an“, erzählt er. Der besondere Reiz des Finki ist für ihn: „Ich kann echte Kultur machen, jenseits von kommerziellen Absichten.“ Zum 50. Guru-Jubiläum liegt der Schwerpunkt auf alten Bekannten.

Weitere Infos

Zeitplan: Freitag, 10. August, 17 Uhr Einlass, 19 Uhr Epitaph, 21 Uhr Faust, 23 Uhr Amon Düül II, 1 Uhr Marblewood.  Samstag, 11. August, 13 Uhr Einlass, 15 Uhr Embryo, 17 Uhr Birth Control, 19 Uhr Kraan, 21 Uhr Guru Guru, 23 Uhr Jane, 1 Uhr Vibravoid.

Vorverkauf: Online bei www.reservix.de (Stichwort „Finki“ in der Suche eingeben), per E-Mail unter ticket@finki-festival.de, telefonisch unter 06235/491997. Hard-Tickets gibt es in: Mannheim (Come Back), Finkenbach (Mareikes Backshop), Würzburg (H2O Plattenladen), Aschaffenburg (Echobeat), Darmstadt (Come Back), Weitere Infos unter www.finki-festival.de

Hintergrund Finki-Festival

„Es war 1976, als ein Fest der Finkenbacher Feuerwehr zu scheitern drohte, weil die Kapelle kurzfristig absagte“, erzählt Armin Löffler vom FC Finkenbachtal die Entstehung. „Spontan boten vier Wahl-Finkenbacher ihre Hilfe an: Mani Neumeier und seine Band Guru Guru.“ Die für ein Feuerwehrfest recht ungewöhnlichen Klänge seien so gut angekommen, dass Mani und Wilhelm Hotz, der inzwischen verstorbene, damalige Feuerwehrchef, fürs nächste Jahr eine Fortsetzung planten. „Das Finkenbach-Festival war geboren.“ Und erhielt im Ort den Namen „Guru-Fescht“.

Als die Besucherzahlen die Grenze von 10.000 überschritten, „drohte das kleine Dorf zu kollabieren“, weiß Löffler. Deshalb sei 1984 das Festival eingestellt worden, um 1988 neu aufzuleben. Seit dieser Zeit ist auch der FCF mit im Boot und kümmert sich um die Verpflegung. Nach der zweiten Einstellung 2005 „aufgrund von massiven Polizeikontrollen und dementsprechendem Rückgang der Besucherzahlen“ erfolgte das Revival 2008. Seitdem läuft das Festival bis heute.

„Finkenbach ist einzigartig“: Auch in seiner 33. Auflage hat das „Finki-Festival“ nichts von seiner Anziehungskraft verloren

 

Der Regenbogen über Rothenberg macht am Samstagabend kurz vor dem Guru-Guru-Auftritt die Illusion perfekt: Es ist nicht das Jahr 2015, sondern 1968 oder 1969. Einige tausend Hippies und Flower-Power-Fans haben sich in Finkenbach zusammengefunden, dem Woodstock im Odenwald. Vorne auf der Bühne wird Musik aus den späten 60ern oder frühen 70ern gespielt, entweder von den Originalen oder ihren heutigen Epigonen – im positiven Sinn.

Zehn Bands stehen am Freitag und Samstag auf der Bühne im Finkenbachtal, entführen mit ihren Klängen 40 oder 50 Jahre zurück in die Zeit. Die „Oldtimer“ unter den Musikern haben im Laufe der Jahrzehnte noch überhaupt nichts von ihrer Spielfreude verloren, präsentieren sich kreativ wie eh und je. Im Gegenteil: je oller, desto doller, möchte man meinen.

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Guru Guru um Mani Neumaier etwa, als Mitveranstalter und Headliner des „Finki“ sehnlichst erwartet, zeigen gleich mit ihrer ersten Nummer den jungen Bands, was eine Harke ist. Druckvoll, filigran, komplex schallt es so laut aus den Boxen, dass vor der Bühne der Rasen vibriert. Neumaier kokettiert vor dem Auftritt noch mit den verflossenen 47 Jahren seit Bandgründung und der Schnapszahl „33“ – so oft fand bisher das Festival statt.

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Mit geschlossenen Augen könnte aber auch die Auftaktband des Samstags, „Mars Mushrooms“, direkt den 70er Jahren entsprungen sein. Die ausufernden, perfekten Gitarrensoli und leicht psychedelischen Klänge erinnern an die Rockgrößen der damaligen Zeit. Die vier Musiker haben deutlich Spaß an der Sache, auch wenn der Platz zu dieser Zeit noch eher überschaubar gefüllt ist.

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Erst nach 16 Uhr strömen an diesem Tag die Gäste heran, wird es zunehmend voller im Finkenbachtal. Gegen 20 Uhr, als sich der Konzertabend langsam auf seinen Höhepunkt zubewegt, müssen Nachzügler weit außerhalb parken. Schon einen Kilometer vor dem Ort steht die Freiwillige Feuerwehr (die sich übers ganze Wochenende um die „Parkraumbewirtschaftung“ kümmert) und fängt die Autofahrer ab.

Die Camper haben es leichter – und es sind viele von ihnen, die das Tal zwei Tage lang zu einer Zeltstadt machen. Aufgrund des unsicheren Wetters mit einigen Schauern gehört dazu auch eine gehörige Portion Idealismus und Durchhaltevermögen – auch wenn sich die Bodenverhältnisse zum Glück nicht dem Matsch von Wacken annähern.

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Dem Einfallsreichtum in punkto Kleidung sind beim „Finki“ keine Grenzen gesetzt. Schlaghosen und schreiend bunte Hemden kamen sowieso nie aus der Mode, hat man das Gefühl. Die überdimensionalen Brillen schlummern wohl immer ein Jahr lang vor sich hin, bis sie zum Finki wieder aus der Schublade geholt werden. Auch sonst ist alles erlaubt, was auch nur entfernt an die Hoch-Zeit des Krautrocks erinnert.

Für Hans aus Heilbronn ist das Finki ein „Pflichttermin“ unter den jährlichen Konzertbesuchen. „Ich kenne den Mani noch aus den 70er Jahren in Heidelberg“, erzählt er. Von 1980 bis 96 wohnte er dann selbst in Rothenberg und war natürlich immer dabei. Nach dem Wegzug war erstmal 15 Jahre Pause, aber los kam er nie vom Festival. „Finkenbach ist einzigartig“, sagt Hans, der selbst im Eventbereich tätig ist. „Das Ambiente, die Bands, die Atmosphäre, einfach alles.“ Seine Freundin Renate ist das erste Mal dabei, aber gleich vom ganzen Drumherum angetan.

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Auch Michael aus Beerfelden ist ein „Wiederholungstäter“. Er genießt den Besuch. „Das ist alles Musik aus meiner Zeit“, kennt er die in die Jahre gekommenen Musiker noch aus seinen Jugendjahren. „Arthur Brown war einfach der Hammer und allein den Eintritt wert“, ist er absolut begeistert. „Echt Wahnsinn, super Musiker und der Arthur sowas von rüstig mit einer tollen Stimme.“ Die jung gebliebenen alten Fans sind allerdings beileibe nicht allein. Von acht bis 80 tummeln sich an diesem Wochenende alle Altersstufen auf dem Festivalplatz.

„Es war 1976, als ein Fest der Finkenbacher Feuerwehr zu scheitern drohte, weil die Kapelle kurzfristig absagte“, erzählt Armin Löffler vom FC Finkenbachtal die Entstehung. „Spontan boten vier Wahl-Finkenbacher ihre Hilfe an: Mani Neumeier und seine Band Guru Guru.“ Die für ein Feuerwehrfest recht ungewöhnlichen Klänge seien so gut angekommen, dass Mani und Wilhelm Hotz, der inzwischen verstorbene, damalige Feuerwehrhauptmann, fürs nächste Jahr eine Fortsetzung planten. „Das Finkenbach-Festival war geboren.“ Und erhielt im Ort den Namen „Guru-Fescht“.

Als die Besucherzahlen die Grenze von 10.000 überschritten, „drohte das kleine Dorf zu kollabieren“, weiß Löffler. Deshalb sei 1984 das Festival eingestellt worden, um 1988 neu aufzuleben. Seit dieser Zeit ist auch der FC Finkenbachtal mit im Boot und kümmert sich um die Verpflegung. Nach der zweiten Einstellung 2005 „aufgrund von massiven Polizeikontrollen und dementsprechendem Rückgang der Besucherzahlen“ erfolgte das Revival 2008. Seitdem läuft das Festival bis heute.

Insgesamt 350 Helfer aus dem ganzen Ort und den umliegenden Gemeinden sorgen für den reibungslosen Ablauf oder die Infrastruktur. Seien es der FC, die Feuerwehr, aber auch „die Familien, die Kuchen backen und Kartoffeln kochen“, damit die Theken des FC immer für den Ansturm gerüstet sind, so Löffler.

„Die Einmaligkeit dieser Veranstaltung“ und absolut positive Resonanz der Besucher ist laut Löffler die Motivation für alle Beteiligten, jedes Jahr das Festival wieder auf die Beine zu stellen. Nach dem Finki ist dabei schon vor dem Festival: Die Planungen fürs kommende Jahr starten bald. Dazu setzen sich er, der Vorstand des FC, Karl-Heinz Osche, der Booker von Guru Guru, und eben Mani Neumaier zusammen. „Der eigentliche Aufbau des Festivalgeländes erfolgt drei Wochen vor Beginn“, sagt Löffler.

Wen verpflichtet Mani fürs Finki? „Die Bands müssen mir gefallen“, erläutert er, musikalisch hochwertig sein, authentisch. „Keine Coverbands und keine Popsülze“ ist ein weiteres Kriterium. „Oft kenne ich sie persönlich, ich sehe mir Live-Auftritte oder Filme an“, erzählt er. Der besondere Reiz des Finki ist für ihn: „Ich kann echte Kultur machen, jenseits von kommerziellen Absichten.“ Auf dem Festival könne er „Bands featuren, die nicht nach der Hitparade schielen. Das ist für mich wichtiger als mein Geburtstag oder Weihnachten“, macht Mani Neumaier seine Prioritäten deutlich.

Arthur Brown, Ton Steine Scherben oder Ax Genrich standen dieses Jahr ebenfalls auf der Bühne, neben The Quireboys, Hundred Seventy Split, Rob Tognoni, Vibravoid und Fai Baba. Als Überraschung zauberte Holz-Säge-Aktionskünstler Guntram Prochaska mit musikalischer Untermalung von Guru Guru überdimensionale Pilze aus Baumstämmen. Zwei friedliche Tage mit begeisterten Fans sind der schönste Lohn fürs Orga-Team. Das am Tag danach schon wieder genau weiß, dass es nächstes Jahr in bewährter Form weitergehen wird.